Archiv für das Tag 'de Jong'

Mirko Slomka: „Ich spüre Spaß und Freude“

23. Juli 2014

Gewartet habe ich ja schon lange drauf, aber jetzt geht es (endlich?) los: neue Spieler braucht der Club. Täglich werden neue Namen für den HSV gehandelt, und das ist ja auch völlig normal. Oder? Diese Transferperiode läuft noch bis zum 2. September, es fließt also noch viel, sehr viel Wasser die Elbe rauf und runter, und Spieler-Namen gibt es bis zu diesem Tag auch reichlich. Selbst für den HSV, der ja eigentlich kein Geld hat. Immer wieder liest und hört man das, obwohl es bei den Rothosen ja auch solche schlauen Leute gibt (oder gab?), die von wirtschaftlichen Schwierigkeiten nie etwas wissen wollten. Und ganz früher, bei Matz ab erinnern wir uns genau, gab es ja die ganz, ganz Schlauen, die uns immer vorrechneten, dass da noch 20 Millionen für Nigel de Jong, 15 Millionen für Rafael van der Vaart, 12,5 Millionen für Vincent Kompany und 13 Millionen für Khalid Boulahrouz offen seien müssen . . . Oh man, was waren das für Zeiten. Inzwischen sind diese Jungs, die sich in Sachen HSV-Finanzen so super auskannten, wohl alle geheilt, oder?

Dennoch: Nun gibt es sie beinahe täglich, die Hiobsbotschaften, dass der HSV finanziell aus dem letzten Loch pfeift. Am Ende dieses Artikels habe ich eine heutige Agentur-Meldung reingestellt.
Allerdings, das muss man dann auch mal sagen, ist es dann doch nicht so grausam um den Club bestellt, dass er sich keinen einzigen neuen Spieler mehr wird erlauben können. Es wird schon noch, keine Angst, der HSV wird sich auch zu dieser neuen Saison noch verstärken – er hat es doch eigentlich immer getan. Oder, um es ehrlicher zu schreiben, immer versucht. Und, dazu fällt mir gerade jetzt das Gespräch von der Mittagspause ein, das wir im Kollegenkreis führten: Wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass ein Mann wie Michael Mancienne, der nun in Englands zweiter Liga spielen wird, zwei Millionen im Jahr verdient – beim HSV? Ein Viertel dieser Summe hätte es bestimmt auch getan, aber der HSV hatte es ja. Und gab es mit vollen Händen – zur Freude von jenen Leuten, die seit Jahren sagen, dass in dieser Bundesliga zu viele Durchschnitts-Fußballer viel zu gut bezahlt werden.

Nun gut, das will der HSV ja auch abstellen (schon seit einiger Zeit), und vielleicht wird es ihm sogar eines Tages gelingen. Das würde aber auch bedeuten, dass noch einige Durchschnitts-Fußballer, die viel zu gut beim HSV verdienen, vor die Tür gesetzt werden. Ob das in diesem Jahr schon gelingt, ist fraglich, aber spätestens im nächsten Sommer darf von einer Säuberungswelle geschrieben werden. Dann laufen elf Verträge aus.

Egal, wir leben hier und jetzt, und da werden neue Spieler benötigt. Einige HSV-Fans verlieren langsam die Geduld (oder haben sie schon verloren), aber ich kann immer wieder nur betonen: „Das wird noch, keine Panik!“ Und wenn ich so meine Kollegen lese, dann wird ja auch schon fleißig verhandelt. Wenn ich mal zusammenfassen darf: Hiroshi Kiyotake kommt vom 1. FC Nürnberg, Valon Behrami vom SSC Neapel, Daniel van Buyten vom FC Bayern. Und das ist erst der Anfang. Da kommen noch viele, viele Spieler mehr. Um von mir werden dann auch noch sehr gerne zwei Namen ins Rennen geschickt: Nikica Jelavic kommt von Hull City, und der Däne Nicklas Bendtner, zuletzt FC Arsenal und nun vereinslos, kommt ebenfalls. Was wäre das für ein Sturm-Duo: Bendter, 1,94 Meter groß und ein Bär, neben dem anderen Bären, den der HSV nun schon unter Vertrag genommen hat: Pierre-Michel Lasogga! Die könnten nur noch von einer Herde von Büffeln gestoppt werden. Der HSV müsste nur den Mut haben. Und Geld natürlich. Und dann zugreifen. So einfach ist das. Wäre das.

Nein, nein, liebe Matz-abber, es werden noch Namen hier gespielt, da werden wir alle noch gewaltig ins Schwitzen geraten. Wobei das mit dem Namen van Buyten bestimmt schon geschehen ist, denn der Belgier war nach seinem Abgang im Jahre 2006 zur Persona non grata in Hamburg erklärt worden – von den HSV-Fans. Ob diejenigen nun plötzlich hosianna schreien? Und ob sie alle Pfiffe, die es sei diesem Wechsel gegen van Buyten gegeben hat, nun ganz spontan zurücknehmen? Ich glaube eher nicht. Aber noch ist er ja auch nicht da, der gute Daniel, gemach, gemach.

Immerhin gibt es hinter den Kulissen beim HSV aber weiterhin viel Bewegung – in Sachen Verstärkungen. Das möchte ich jedem Skeptiker versichern. Meinem Kollegen Alexander Laux gegenüber wollte Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt aus AG-rechtlichen Gründen keine Angabe machen zum Etat machen, sagte aber: „Wir schauen uns jede Menge personelle Optionen aus sportlichen Gesichtspunkten an, die wir auch jeweils für finanzierbar halten.” Und: „Es ist falsch, dass wir handlungsunfähig sind.”

Zum Sportlichen:

Trainer Mirko Slomka hatte zum Test in Niendorf gleich zwei Mannschaften auf den Rasen geschickt, die je 3:0 gegen den Oberliga-Club gewann, ob der Coach aber mit dem Gezeigten zufrieden war, das war nicht genau zu entschlüsseln. Slomka eilt der Ruf voraus, dass er auch bei solcher Art Spielen keinen Schlendrian duldet, dass er bei Minus-Leistungen ganz schnell mal auf 180 ist – diesmal aber blieb er, jedenfalls äußerlich, total gelassen. „Wir sind mitten in der Vorbereitung, das war uns anzusehen, wir haben noch viel zu tun“, sagte der Trainer. Und: „Am Wochenende geht es im Telekom-Cup gegen direkte Konkurrenz, da wird man dann auch spüren und sehen können, ob wir vorne eiskalt sind, solche Chancen, wie wir sie gegen Niendorf hatten, dann auch nutzen. Das muss man, denn sonst kassiert man ein Gegentor und läuft wieder hinterher, und das haben wir letzte Saison oft genug gehabt.“

In Sachen Vorbereitung aber hatte der HSV ja sehr früh, und zwar schon am 18. Juni, als erster Club von allen Erstliga-Vereinen, losgelegt. Müsste das Team da nicht schon etwas weiter sein? Mirko Slomka: „Wir haben ein paar Tage hinter uns, das ist richtig, wir hatten dann auch die Gelegenheit, eine Pause einzustreuen, das hat der Mannschaft auch sehr gut getan. Wir mussten diese Pause machen, weil uns die China-Reise körperlich doch einiges abverlangt hat, und jetzt spüre ich bei der Mannschaft eine ganz andere Frische. Ich spüre Spaß und Freunde, wieder dabei zu sein. Jetzt geben wir richtig Gas.“ Wie schon zu Anfang Juli. Slomka erklärt: „Ich habe das schon erwähnt; wir haben die ersten drei Wochen genutzt, um eine gute Grundlage zu legen, einige müssen noch etwas nachholen, und ansonsten werden wir die Intensität auch weiterhin erhöhen. Ich glaube, das hat man auch heute gesehen, wir haben ein wenig schwere Beine gehabt, es sind einige noch nicht so spritzig, das ist auch normal. Aber daran werden wir nun im Trainingslager arbeiten. Es wird da immer eine Mischung aus Taktik-Training und auch sehr athletischen Übungen geben.“

Und wie steht es um Verstärkungen, Herr Slomka? Gibt es da Bewegung? Der Coach sucht nach Worten: „Grundsätzlich habe ich jetzt mal den Fokus auf die Spieler und das Team, was mir jetzt gerade zur Verfügung steht. Das ist, glaube ich mal, jetzt wichtig. Ich will dazu auch raten, dass die Spieler sich auf ihre Aufgaben konzentrieren und nicht noch irgendwelche Neuzugänge fordern.“ Das ging an die Adresse von Johan Djourou, der ja öffentlich noch einige neue Spieler gefordert hatte. Slomka weiter: „Wenn das gefordert wird, dann heißt das für mich, dass sie selber nicht gut genug sind – deswegen würde ich da immer auch Geduld haben.“

Dann erklärt der Trainer für sich „Ich habe ohnehin Geduld, weil ich weiß, was wir im Hintergrund tun. Wir haben gewisse Dinge festgelegt, wir sind in guten Absprachen, wir sind in Verhandlungen mit Spielern und Clubs, und ich glaube schon, dass wir unsere Vorstellungen beizeiten auch umsetzen können. Aber es macht jetzt keinen Sinn, mit Zeitdruck zu operieren, oder die Schraube anzuziehen. Das würde nur dazu führen, dass die Spieler möglicherweise teurer werden, und das ist ja auch nicht unser Aspekt, den wir gerne hätten. Wir wollen vernünftig verhandeln, wir wollen fair verhandeln, wir wollen korrekt sein auch in der Auswahl unserer Spieler, wir haben unsere Auswahl getroffen, mehr oder weniger, insofern gehe ich davon aus, dass wir unsere Vorstellungen auch umsetzen werden.“
Ich gehe davon auch aus. Ohne Frage.

Der Telekom-Cup wird vielleicht schon richtungsweisend sein. Obwohl Sonnabend-Gegner (oder hochtrabend: Halbfinal-Gegner) VfL Wolfsburg sicherlich noch arg ersatzgeschwächt auflaufen wird, denn die Niedersachsen hatten sieben WM-Fahrer (die noch im Urlaub sind, auf jeden Fall aber noch ohne die rechte Fitness). Mirko Slomka. „Jeder Verein, der am Wochenende dabei ist, möchte den Cup gewinnen, das möchten wir natürlich auch. Wir möchten ins Finale, das möchten wir unseren Fans bieten, das möchten wir unseren Fans zeigen, und ich glaube, das wäre auch für unsere Motivation klasse, wenn wir das schaffen würden. Wir werden alles dransetzen, Erfolg zu haben, das heißt aber nicht, dass wir es auch schaffen – das wollen die anderen Clubs natürlich auch.“ Selbstverständlich. Wobei ich auf die Bayern gespannt bin, die ja noch ohne Weltmeister in den Volkspark kommen werden.

Hier noch die anfangs versprochene Agentur-Meldung:

Hamburg (dpa/lno) – Der hoch verschuldete Fußball-Bundesligist Hamburger SV muss mit erheblichen Einbußen für die neue Saison auf den VIP-Plätzen rechnen. Rund vier Wochen vor dem Saisonbeginn seien etwa die Hälfte der Plätze im teuersten Segment der insgesamt 4300 Tickets nicht verkauft, berichtet die „Bild“-Zeitung. Zwar sollten bis zum ersten Heimspiel am 30. August gegen Aufsteiger Paderborn noch VIP-Sitze verkauft werden, beschlossen sei aber schon, dass Teile des Bereichs komplett geschlossen werden. Zudem werde das Stadionrestaurant Raute an Spieltagen nicht mehr geöffnet. Auch der Telekom-Cup am Wochenende mit Bayern München, Borussia Mönchengladbach, Wolfsburg und Ausrichter HSV ist kein Publikumsrenner. Etwa 25 000 Karten sind für die Halbfinal-Spiele am Sonnabend abgesetzt worden.

So, das war es für heute. Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark zweimal geübt – 10 und 15.30 Uhr.

17.52 Uhr

Dieter

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