Archiv für das Tag 'de Jong'

Ein Hamburg-Scherz auf Hoeneß’ Kosten

29. April 2013

Am Wochenende spielt die Bundesliga, und am Dienstag und Mittwoch können die Fans Fußball sehen. Im Fernsehen. Zum Glück gibt es ja die Champions League, und da wird noch richtig guter Fußball gespielt. So wie Fußball aussieht. Und nicht ein solch fades Gekicke wie zuletzt in Gelsenkirchen. Was uns allen ja trotzdem als Fußball vorgesetzt oder verkauft wird . . . Aber es ist ja so wie es ist. Und es soll ja auch alles schon sehr bald viel, viel besser werden. Und das wird es ganz bestimmt auch. Weil der HSV die richtigen Männer dafür hat.

Apropos. Von „Eiche“ gab es diesbezüglich einen Hinweis, und zwar einen Kommentar auf facebook:

Nun schaut mal liebe Leute: Bei uns ist ziemlich viel im Argen. Und was macht unser AR-Vorsitzender in dieser Zeit? Er äußert sich öffentlich in einem sozialen Netzwerk:

„FC Bayern vor nächstem Hammer-Transfer: Hoeneß zu JVA München!”

Ist das nicht fantastisch, souverän und abgeklärt? Hat einen Haufen Dilettanten um sich herum, aber Zeit für dumme Sprüche.
Ganz hanseatisch, der Herr Ertel. Toll.

Also, mal im Ernst. Ich kann und will nicht glauben, dass ein so überaus intelligenter Mann wie Manfred Ertel so etwas von sich gibt. Ich lehne es ab, das zu glauben, ich weigere mich auch schlichtweg, das zu glauben. Das kann nicht sein. Und es ist bestimmt auch nicht so. Herr Ertel ist Spiegel-Journalist, der weiß genau, was witzig ist, was Satire ist – und was nicht. Und er weiß sicherlich auch einzuschätzen, was ein Uli Hoeneß geleistet hat, und was er (Manfred Ertel) bislang im deutschen Fußball geleistet hat. Manfred Ertel weiß ganz sicher genau, dass er erst am Anfang einer großen Fußball-Funktionärs-Karriere steht, und dass Uli Hoeneß in dieser Republik trotz dieser Steuer-Affäre hohes Ansehen genießt. Bei vielen Leuten jedenfalls, auch wenn sich einige von ihm losgesagt haben. Aber selbst wenn dieser angekündigte „Hammer-Transfer“ klappen sollte – Hoeneß bleibt Hoeneß, der Vater aller Bundesliga-Manager. Er hat niemanden umgebracht, das ist schon mal gut, und er hat einen riesigen Fehler gemacht, indem er das Volk betrogen hat – aber das weiß ein so kluger Mann wie Uli Hoeneß auch selbst – und dafür wird er auch büßen. Ganz sicher. Deutschland ist schließlich ein Rechtstaat. Hoeneß wird seine Strafe auch akzeptieren, und dann wird auch Ende sein. Jedenfalls mit dieser Affäre.
Also, bitte nicht zu ernst nehmen das alles, empört euch nicht, das war Manfred Ertel, das ist meine Meinung, ganz bestimmt nicht, da hat sich einer unter seinem Namen einen ganz billigen Scherz erlaubt . . . Das ist im Internet ja gelegentlich an der Tagesordnung.

Und noch eines möchte ich noch loswerden: Sollte es dem HSV eines fernen Tages tatsächlich einmal so schlecht ergehen, dass er finanziell ums Überleben kämpfen muss, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, dann sollte dieser HSV besser nicht an die Tür von Uli Hoeneß dem Steuersünder klopfen. Ich befürchte, dass der Bayern-Boss dann so laut loslachen wird, wie er über diesen netten Spruch mit der JVA München gelacht hat.
Aber, um auch das einmal klar zu sagen: Der HSV wird nie in diese missliche Lage kommen, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, denn da wacht ja ein aufgeweckter Aufsichtsrat drüber, dass so etwas nie im Leben passieren wird.
Und noch eine kleine, unmaßgebliche Anmerkung zu dieser JVA-München-Geschichte: Uli Hoeneß hat ja nicht nur dem FC St. Pauli geholfen, als dieser vor dem Kollaps stand, er hat auch unzähligen anderen Vereinen schon geholfen. Ist ja alles nachzulesen. Und dieser Uli Hoeneß, das weiß kaum einer, hat auch bereits dem oftmals sehr, sehr klammen HSV schon unter die Arme gegriffen – und geholfen. Das weiß nur dieser Witzbold, der unter dem Namen Ertel geschrieben hat, nicht. Sonst hätte er gewiss solche Zeilen nie in die Öffentlichkeit gebracht. Nie. Sage ich mal.

Ich schätze, das muss ich an dieser Stelle auch mal loswerden, Manfred Ertel eher so ein, dass er sich in erster Linie gradlinig, fair und selbstkritisch über und zu seinem HSV äußern würde – nach diesem neuerlichen Minus-Auftritt am Sonntag. Über diesen Anti-Fußball ließe es sich doch auf facebook sicherlich seiten- und tagelang schreiben. Um sich das nur einmal kurz vor Augen zu führen, was da Sache war: Da könnte eine Mannschaft (wie zum Beispiel der HSV) mit einem Sieg auf Schalke auf einen Champions-League-Platz (!) vorstoßen, führt auch schnell 1:0 – und lässt dann alles vermissen, was einen Auswärtssieg unter Dach und Fach bringen würde. Zum Beispiel mal Kampfgeist. Oder Einsatz. Engagement. Mannschaftliche Geschlossenheit. Herz. Biss. Leidenschaft. Laufbereitschaft. Willen. Kratzen. Kloppen. Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen (ohne Rücksicht auf Verluste). Oder auch nur mal 90 Minuten lang hammerhart in die Zweikämpfe gehen, nur um dem Gegenspieler mal kurz zu zeigen, was hier alles auf dem Spiel steht.

Aber, was haben wir gesehen?
Begleitschutz in Vollendung und zum Verlieben. Streicheln, schmeicheln, liebkosen, umgarnen, Süßholz raspeln. Wunderbar. Nach allen Regeln der Kunst.

Dieser HSV 2013 denkt nämlich nicht an die Champions League. Weil es ja doch schlicht und einfach nicht rechtens wäre, wenn dieser HSV im Konzert der ganz Großen des europäischen Fußballs mitspielen würde. Da sind sie ja alle in Hamburg Realisten genug. Deswegen war nur das vom HSV auf Schalke zu sehen, was wir gesehen haben, was wir sehen mussten: Schalke ist besser als der HSV, Schalke war besser als der HSV, deswegen war der Sieg auch völlig verdient, der HSV muss dann eben seine Punkte gegen andere, gegen schlechtere Mannschaften einfahren. Zum Beispiel gegen Greuther Fürth. Zum Beispiel Augsburg. Oder auch Freiburg. Nein, stopp. Freiburg ist ja derzeit Tabellensechster, also steht (viel) besser als der HSV. Da kann man dann auch mal ganz leicht keine Punkte holen. Wie wir wissen.

Ich kenne keinen HSV-Fan, keinen HSV-Anhänger, keinen Hamburger, der sich über eine solche traurige Vorstellung nicht aufregt. Und ich bin mir sicher, ganz sicher sogar, dass auch ein Mann wie Manfred Ertel diese traurigen 90 Minuten von und auf Schalke zum Anlass nehmen würde, den Verantwortlichen ins Stammbuch zu schreiben, wie grottig das alles war. Der HSV 2013 ist auch eine Frage der Qualität. Und diesbezüglich habe ich die Hoffnung aufgegeben, das sage ich offen und ehrlich. Diese Mannschaft spielt so, wie sie von der Qualität ihrer Spieler auch zusammengestellt worden ist. Brav, bieder, amateurhaft. Ich erwarte in den restlichen drei Spielen von dieser Truppe nichts mehr, dieses Team ist keine Einheit, wird es auch nie, diese Mannschaft setzt sich aus elf Einzelartisten zusammen, die es alle können – nur nicht gemeinsam.

Leider mache ich mir schon in Sachen nächster Spielzeit die allergrößten Sorgen um ein so großes Talent wie Hakan Calhanoglu, das bekanntlich im Sommer vom KSC zum HSV kommen wird. Ich befürchte, dass der junge Mann hier auch gleich so „eingeordnet“ wird, dass er nur untergehen kann. Das hat der HSV schließlich mit jedem noch so großen Talent geschafft – das wird auch im Fall Calhanoglu klappen. Ich bin mir da fast sicher.

Das läuft schließlich seit Jahren schon so. Obwohl es in dieser Saison auch ein Gegenbeispiel gibt: Marcell Jansen. Jahrelang verletzungsanfällig, jahrelang nicht in Bestform, jahrelang als einer jener Spieler bekannt, die viel reden, viel versprechen, von denen aber nicht allzu viel kommt. Auf dem Rasen. In dieser Saison aber zeigt Jansen es allen – auch mir. Jansen war auf Schalke einer derjenigen, die das brachten was sie können, und er geht seit Wochen, seit Monaten mit bestem Beispiel voran, wenn es darum geht, den Weg aufzuzeigen. Auch auf dem Rasen. Wenn sich, das behaupte ich auch mal frech, im Moment alle so den Hintern aufreißen würden wie Jansen, dann wäre es besser um den HSV bestellt. Ganz sicher.

Ausnahme Rene Adler. Der Mann mit den tausend Armen und Händen bringt – Ausnahme Hannover – immer seine überdurchschnittliche Leistung und bewahrt den HSV vor peinlichen Niederlagen und rettete der Mannschaft, seiner Mannschaft, auch schon so manchen Dreier. Der ehemaligen HSV-Torwart Horst Schnoor, Keeper der Meistermannschaft von 1960, sagte mir zu diesem Themas: “Ich bewundere Rene Adler, wie der diese ganzen Unzulänglichkeiten seiner Vorderleute wegsteckt, wie ruhig er bleibt. Ich könnte das nicht.” Schnoor weiter: “Rene Adler muss sich doch längst mal fragen, wo er hier reingeraten ist? Er ist doch der einzige HSV-Spieler, der konstant seine Leistungen bringt. Und ich würde mich auch nicht wundern, wen er nicht doch noch zu einem anderen, zu einem besseren Verein wechseln würde, denn Angebote hat er ja wohl genug. Und ich würde ihm auch einen Wechsel nicht verübeln, denn wenn er bleibt, dann muss man ihn doch nach den meisten Spielen nur bemitleiden . . .”

Ich behaupte dazu auch gerne noch ein weiteres Mal: Wenn dieser HSV 2012/13 diesen Rene Adler nicht zwischen den Pfosten hätte, dann würde dieser HSV 2012/13 auf Augenhöhe mit Fürth, Hoffenheim, Augsburg, Düsseldorf und Werder stehen. Das mag bitter klingen, ist aber Realität. Und wenn ich dazu an Udo Bandow denke, dann wird mir ganz übel – vor der Zukunft des HSV. Denn, ich muss es noch einmal und noch einmal schreiben, der ehemalige Aufsichtsrats-Chef hatte sich ja kürzlich im „HSV Magazin live“ wie folgt geäußert und keine Entgegnungen seitens des Vereins geerntet: „Ich befürchte, dass der nicht durch Vereinsvermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.“

Diese Befürchtungen teilen viele und immer mehr, aber niemand unternimmt etwas, damit es dem HSV besser demnächst mal geht. Nicht mal der Aufsichtsrat. Oder geht da etwas an mir vorbei?

Ich frage mich: Wo und wie soll das alles noch enden? Auch wenn einige kluge und noch viel, viel klügere Menschen nun schon wieder sagen werden: „Was soll dieser Mist, Matz? Es ist doch nicht so schlimm um den HSV bestellt, wie du es immer fälschlich beschreibst . . .“
Abwarten, ihr netten Leute, abwarten. Und dazu vielleicht auch noch ein wenig in der Vergangenheit herumkramen und versuchen, sich zu erinnern: Inzwischen haben es ja doch auch schon einige (eigentlich Unbelehrbare) geschnallt, die es früher so oft nicht wahrhaben wollten, dass es nämlich finanziell schlecht um den HSV bestellt ist. Da wurden uns von Matz ab immer die klügsten, besten und tollsten Bilanzen vorgehalten, da wurden wir vernichtet und es wurde gerechnet und gerechnet und gerechnet. Und da wurden immer wieder noch die ältesten Ablösesummen von Kompany, Ujfaluis, Boulahrouz, de Jong und van der Vaart ins Feld geführt, mit denen der HSV wieder (ganz sicher) zur alten Stärke aufsteigen wird – wie Phönix aus der Asche. Dabei waren diese Summen schon lange vereinnahmt und wieder für neue (und schlechtere) Spieler ausgegeben worden.

PS: Ich mache mir schon Sorgen um diesen HSV, der aber immerhin in dieser Saison nicht in den Kreis der Abstiegskandidaten gerutscht ist (wie von vielen vorher befürchtet). Das war gut. Aber wie geht es weiter? Und eines ist auch klar: Ich mache mir keine Sorgen um Uli Hoeneß. Der ist stark genug, um sich selbst zu helfen. Und da behaupte ich mal: aber ganz, ganz sicher. Dem können sie nicht mal aus Hamburg ans Bein pinkeln . . .

PSPS: Ein Gerücht besagt, dass sich Hannover 96 diesmal nicht um Gojko Kacar, sondern vielmehr um Dennis Diekmeier bemüht. Öfter mal was Neues. „Scholle“ sprach in diesem Zusammenhang mit „DD“ und der Abwehrspieler sagte ihm: „Ich fühle mich sehr wohl beim HSV und könnte mir vorstellen, hier zu verlängern.“ Die Gespräche mit dem „großen“ HSV laufen zurzeit.

PSPSPS: Morgen (Dienstag) wird um 15 Uhr geübt.

Kurze Ergänzung: Am Abend wurde der “Hammer-Transfer-Spruch” von der betreffenden facebook-Seite zurückgezogen bzw gelöscht.

17.33 Uhr

Van der Vaart und das Salz in der Cola

25. April 2013

Den Spruch hat inzwischen wohl jeder schon gehört: „Wenn der FC Bayern die beste Mannschaft der Welt mal eben mit 4:0 wegdonnert, dann relativiert sich das 2:9 des HSV aber ganz, ganz gewaltig.“ Stimmt. Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem 4:1 von Borussia Dortmund gegen Real Madrid? Hat nicht der HSV den BVB, der mal eben die „Königlichen“ „weggefiedelt“ hat, in dieser Saison gleich zweimal besiegt und dafür gesorgt, dass alle Schwarz-Gelben mit gesenkten Häuptern in der Kabine verschwanden? Und relativiert sich das denn auch? Einmal 3:2, einmal – in Dortmund – 4:1? Mal sehen. Mal sehen, wie sich das jetzt in Gelsenkirchen anlässt. Es sind nur noch vier Spiele, die der HSV in dieser Bundesliga-Saison bestreiten muss, das auf Schalke scheint im Moment das wichtigste zu sein. Es geht ja nicht nur um das „einfache Europa“, es geht um mehr. Und für Rafael van der Vaart ist sogar das Erreichen der Champions-League-Qualifikation kein völlig utopisches Ziel. „Wenn wir am Sonntag bei Schalke 04 gewinnen sollten, darf man ein bisschen daran denken“, sagte der HSV-Kapitän, fügte aber auch gleich warnend hinzu: „Dafür müssen wir natürlich deutlich besser spielen als zuletzt.“

Heute im Training war das schon mal gut. Vielleicht sogar sehr gut. Es ging im Abschlussspielchen mächtig zur Sache. Gerade so, als wisse nun jeder Spieler ganz genau, um was es jetzt geht. Das Spiel zwischen A und B war temporeich, aggressiv und rassig. Da hatte kein Spieler auch nur eine Sekunde Zeit, sich am Ball auszuruhen. Das sah wirklich gut aus. Wobei Thorsten Fink zwei Wechsel zur Halbzeit vornahm: Heung Min Son ging von A nach B, Artjoms Rudnevs ging von B nach A. Und dazu wechselte Dennis Aogo von A nach B, für ihn kam Tomas Rincon von B nach A. Das bedeutete, dass sich der Trainer auf jeden Fall noch etwas offen lassen möchte – bis Sonnabend.

Im Moment scheint es aber so (für mich) zu sein, dass vorne Son beginnen und Rudnevs auf der Bank sitzen wird, und auf der „Sechs“ werden Tolgay Arslan (für den – wohl – verletzt ausfallenden Milan Badelj) und Aogo zum Einsatz kommen – „Reserve“ ist Rincon. Wenn ich die Gedanken des Trainers denn richtig lesen kann . . . Hinten rechts wird dazu, daran ändert sich nichts, Jacopo Sala spielen (für den gesperrten Dennis Diekmeier). Wobei mich schon ein wenig wundert, dass Jeffrey Bruma dann doch so überhaupt keine Chance mehr hat – und auch bekommt. In der Not, so heißt es doch, frisst der Teufel Fliegen, aber Bruma scheint beim HSV nicht nur ein Auslaufmodell zu sein, er wird auch als ein solches behandelt. Knallhart. Die Zeiten ändern sich. Ich habe zudem das Gefühl, dass Thorsten Fink tatsächlich härter auftritt – auf jeden Fall, so behaupte ich, anders als noch vor ein paar Wochen. Aber, das fällt mir just beim Schreiben dieser Zeilen ein, genau das habe ich gemeint, als ich bei „Sky 90“ vor Wochen, einen Tag nach dem 2:9 von und in München, auf die Frage von Moderator Patrick Wasserziehr („Wird der HSV daraus seine Lehren ziehen?“) gesagt habe: „Vor allen Thorsten Fink wird aus diesem Debakel lernen und seine Schlüsse ziehen . . .“ Hat er – in meinen Augen jedenfalls.

Und in diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder das Wort „Penner“ ein. Gebrüllt vom Trainer am vergangenen Freitag, gemeint war die Mannschaft. So etwas gab es in dieser Woche (bislang) noch nicht. Fink: „Wenn ich aber merke, dass die Mannschaft nachlässt, dann werde ich sicherlich wieder etwas sagen, wenn sie nicht nachlässt, dann werde ich auch nichts erfinden. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist, wenn sie jedoch mal einen Impuls braucht, dann werde ich ihr diesen auch geben.“ Fink sagte auch: „Wir haben noch vier Spiele, da muss man schon noch vorsichtig sein und aufpassen, dass es jetzt nicht wieder anders herum geht, aber ich denke mit nun 44 Punkten und noch vier Spielen ist das schon gut gelaufen.“

Kurz noch einmal zum heutigen Training zurück. Einige gute, vielleicht auch sehr gute Szenen hatte Gojko Kacar, aber richtig beeindruckt war ich vor allen Dingen von Heung Min So. Der Junge, das stelle ich immer wieder fest, hat viel, nein, er hat sehr viel gelernt beim HSV. Er war heute auch im Spiel Mann gegen Mann, im Dribbling, richtig stark. Sodas ich mir während dieser „Vorstellung“ gedacht habe: „Es ist doch alles Quatsch, wenn da Hinz und Kunz immer wieder sagen, dass Son noch so jung sei, dass ihm noch einige Jahre beim HSV sehr gut tun würden, weil er so in der Bundesliga lernen und zu einem fertigen Spieler werden kann. Das ist, um es noch einmal zu sagen, Quatsch. Er hat jetzt schon viel gelernt, und ich bin davon überzeugt, dass er das auch bei einem Spitzen-Club – wie zum Beispiel Borussia Dortmund – zeigen würde.

Denkt doch bitte einmal kurz zurück, ich sprach mit einigen Kollegen heute vor der Pressekonferenz darüber, wie es damals mit Hasan Salihamidzic war. Als der 1998 vom FC Bayern gekauft wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt. Und was hat ihm hier jeder in Hamburg prophezeit? Genau: „Der wird dort niemals zum Einsatz kommen, geschweige denn Stammspieler. Der überschätzt sich maßlos – und wird auch maßlos überschätzt.“ Und? Wie kam es? Salihamidzic mischte erst München, dann die Bundesliga und später auch Europa auf. Wie oft hat er allein Real Madrid aufgemischt? Nun gut, das ist, wie Dortmund zeigt, ja auch keine große Kunst mehr . . . Nein, nein, ein Scherz. Das war ein Scherz.

Und noch einmal kurz zum heutigen HSV-Training zurück. Zum Schluss wurde „geballert“. Jeder der wollte, der durfte auch mal. Oder mehrfach. Im Tor standen sie alle, die das können – wobei ich einmal mehr von Sven Neuhaus begeistert war. Wie er fliegt, wie er sich reinhängt, obwohl er am Sonntag wieder nur daheim vor dem Fernseher sitzen wird – das ist schon erste Sahne. Toll. Und vorbildlich. Aber darüber wollte ich gar nicht groß berichten. Es gab da einen Zweikampf, der verbissen geführt wurde. Tolgay Arslan und Rafael van der Vaart zählten jeden Treffer, das war ein richtig hartes Duell. Und das endete dann auch noch mit einem Unentschieden. Deshalb musste ein Elfmeterschießen entscheiden. Jeder nur einen Schuss. Der „kleine Engel“ drosch den Ball weit und hoch über das Tor, die Kugel suchen sie morgen noch. Dann Arslan. Als er anlief (gegen Neuhaus), schoss – zum Zwecke der Störung – van der Vaart einen zweiten Ball quer. Wie unfair! Arslan beschwert sich, lief noch einmal an – und verwandelte. Daraufhin ging er in die Knie und hob laut jubelnd seine Arme in die Luft: Sieg.

Und dann sprachen sich die beiden Kontrahenten ab. Was genau, war nicht zu hören. Es ging aber darum: Der Verlierer musste dem Sieger eine Cola mit Zitrone und Eis auf den Umkleideplatz in der Kabine stellen. Und? Hat „Rafa“ das gemacht? Ja. Sagte er. Aber ohne Zitrone und Eis. Dafür war ein wenig Salz in diesem Frei-Getränk. Die Niederländer freute sich diebisch: „Ali hat getrunken und alles sofort wieder ausgespuckt . . .“ Es war dann doch wohl eher ein Pyrrhus-Sieg. Und, um das auch noch zu sagen: Das Schuss-Duell zwischen Arslan und van der Vaart wurde zwar verbissen geführt, aber trotz allem fair und stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Was davon zeugt, dass man sich im Moment (nach zwei Siegen) und mit einem neuen Kapitän bestens versteht.

Schnell noch zu einem ganz, ganz anderen Thema. Ich schreibe ja heute zum ersten Mal in dieser Woche, mir brannte in dieser Zeit immer noch die Seite 62 des HSV-live-Magazins unter den Nägeln. Da hatte sich der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow mit einem Leserbrief an den HSV zu Wort gemeldet. Ich fand diese Zeilen schon sehr bemerkenswert, doch irgendwie schienen sie mir doch ein wenig untergegangen zu sein. Und weil ich denke, dass dieser Brief eine größere Aufmerksamkeit verdient (gehabt hätte), möchte ich ihn hier noch einmal veröffentlichen – mit Genehmigung von Udo Bandow.

Liebe Sportfreunde, mit großem Interesse habe ich den Bericht des Aufsichtsrates über seine Arbeit gelesen. Ich stimme ihm voll zu, dass die wirtschaftliche Konsolidierung unseres Vereins höchste Priorität hat. In der Tat hat sich die wirtschaftliche Situation des HSVin den letzten drei bis vier Jahren dramatisch verschlechtert. Ich befürchte, dass der nicht durch Vermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.
Nicht nachvollziehen kann ich die Formulierung: „Oberste Prämisse sei dabei, eine sportliche Nachhaltigkeit zu garantieren und nicht die Substanz der Mannschaft entscheidend zu schwächen; es sollen nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht werden.“
Der Aufsichtsrat sollte sich hier keinen Illusionen hingeben. Wenn wir wieder einen Kader haben, der international Interesse erweckt, was zurzeit leider nicht der Fall ist, wird der Aufsichtsrat ähnlich entscheiden wie er es in anderer Zusammensetzung in der Vergangenheit getan hat. Wenn Spieler Offerten bekommen von Vereinen wie zum Beispiel Bayern München, Real Madrid oder Manchester-Vereinen, dann sind sie nicht zu halten, da sich nicht nur ihre Bezüge kräftig erhöhen, sondern sie auch die Garantie der permanenten Teilnahme in der Champions League haben, was ihre Position in den Nationalmannschaften nachhaltig stärkt.
Entscheidend ist dabei, die ausscheidenden Spieler durch qualitativ gleichwertige, jüngere und finanziell günstigere zu ersetzen. Dies ist bis zur Trennung von Dietmar Beiersdorfer recht gut gelungen.
Ich nenne als Beispiels für jüngere Spieler, die Abgänge ersetzt und später ebenfalls hohe Transfergewinne erbracht haben, nur einige Namen:
Tomas Ujfalusi, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Nigel de Jong, Jerome Boateng und Joris Mathijsen.
Ich hoffe, dass dies bei ähnlicher Konstellation auch in Zukunft gelingen möge.
Ihr Udo Bandow.

Ich habe mit Udo Bandow über diesen Brief gesprochen, er wollte aber nicht mehr ins Detail gehen – was ich verstehe. Er sagte nur noch: „Ich werde dazu keine weiteren Kommentare abgeben, es steht alles drin, es ist alles gesagt.“
Was natürlich auch stimmt, dennoch hätte ich gerne noch etwas „mehr“ gehört. Aber man kann ja auch zwischen den Zeilen lesen . . .

PS: Am Freitag wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.53 Uhr

Jansen hat alles richtig gemacht

24. März 2013

Das ist der Hammer! Marcell Jansen, vom HSV in den „Urlaub“ geschickt, weilt nun bei der deutschen Nationalmannschaft. Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt. Mit allem hätte ich gerechnet, aber nicht damit. Nun gut, ich werde meine Worte vom Freitag (im Hamburger Abendblatt) nicht selbst fressen: ich freue ich. Für Jansen und den HSV. Und eines muss ja auch festgehalten werden: Jansens Strategie hat sich voll bezahlt gemacht. Aber wie voll. Er wollte bim HSV hinten links spielen, wollte auch nicht mehr nach vorne (links), als Dennis Aogo wieder gesund war – weil Marcell Jansen eben auch „Mister Cleverle“ ist. Hinten links wird in Deutschland gesucht, fast so wie eine „Blaue Maurizius“. Er konnte sich ausrechnen, dass es nicht über das Mittelfeld zurück ins Nationalteam gehen würde, sondern nur über hinten links. Treffer. Was nun in Dennis Aogo, der letzte HSV-Profi, der für Deutschland hinten links spielte, nun vorgeht, würde ich zwar gerne wissen, aber er wird es mir bestimmt nicht verraten. Du wenn ja, dann nur privat. Das ist eine Geschichte wie Vettel und Webber . . .

Und: Das ist nun kein Flachs, was ich schreibe. Marcell Jansen, beim HSV ja auch eine zeitlang immer wieder mal verletzt, ist beim DFB nach wie vor hoch angesehen. Ganz hoch. In der DFB-Zentrale in Frankfurt haben sie immer, auch wenn es keiner so richtig bemerkt haben sollte, ein Auge (oder sogar mehrere) auf den HSV-Profi geworfen. Wann immer ich mit einem Angestellten des DFB telefonierte oder unter vier Augen sprach, alle lobten sie Marcell Jansen. Einer sagte mir stets am Ende unserer Unterhaltung: „Und behandle mir den Marcell pfleglich, er ist ein feiner Kerl . . .“ Ein anderer erkundigte sich nach einem Gespräch stets und ständig, wie es „dem Marcell zurzeit geht“, fragte auch, wie der HSV-Profi denn in Form sei? Deswegen kommt die Nominierung eigentlich doch nicht so, wie ich sie im ersten Moment empfunden habe – nämlich aus heiterem Himmel.

Kurz für die Statistiker: Marcell Jansen hat bereits 36 Einsätze für die A-Mannschaft gehabt, war WM- und EM-Teilnehmer (WM 2006 und 2010, EM 2008). Sein letztes Länderspiel bestritt er am 3. September 2010 in und gegen Belgien, Deutschland siegte damals durch ein Tor von Klose 1:0. Allerdings spielte Jansen nur bis zum Seitenwechsel, dann kam für ihn – Heiko Westermann.

Nein, um das noch einmal – ganz ehrlich und abschließend – zu sagen: ich freue mich. Ich habe mich schon am Freitag gefreut, als im ZDF die DFB-Ersatzbank gezeigt wurde, auf der Rene Adler und Heiko Westermann saßen. Toll, habe ich so beim mir gedacht, besonders toll für die Jungs, toll auch für den HSV, natürlich auch toll für den HSV-Anhang. Und das trifft nun auch auf den 27-jährigen Jansen zu. Ganz nebenbei wird ihm das noch mehr Selbstvertrauen geben, und er wird sich, so denke ich, beim HSV nun noch mehr reinhängen, damit diese (Nach-)Nominierung kein Einzelfall bleibt. So ähnlich ist es ja zuletzt auch mit Heiko Westermann gelaufen – und schwupps bist du wieder Nationalspieler. Toll!

Und so ganz nebenbei: Wenn Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag im Rückspiel gegen Kasachstan (20.45 Uhr in Nürnberg) nur die „Reservisten“ einsetzen würde, weil von den Arrivierten doch ohnehin nur wieder Dienst nach Vorschrift zu erwarten ist, dann würde es am Ende ein 8:0 für Deutschland geben. Spielen aber die „Stars“ – und sie werden natürlich spielen, wer sonst (?) – dann dürfte wohl nur ein mageres 2:1 (fast hätte ich geschrieben: ein mageres 2:1-chen) zu erwarten sein. Wg. Schonung – oder Voll-Schonung – für das Wochenende und den Bundesliga-Endspurt. Ich bin sowieso davon überzeugt, dass sogar der HSV gegen Kasachstan hoch gewinnen würde. Selbst auf Kunstrasen. Weil die Mannschaft von Thorsten Fink doch nach und aus den Flops gegen Fürth und Augsburg gelernt hat . . . Oder zumindest gelernt haben dürfte.

Apropos Fink. Der HSV-Coach zeigte sich über die Nominierung seines Schützlings Jansen erfreut: „Für Marcell freue ich mich sehr. Er hat es sich durch sehr gute Leistungen bei uns verdient. Das ist ja auch eine Form der Anerkennung.“
Ganz sicher.

Jetzt eine Ergänzung um 18.50 Uhr:
Jansen hat alles richtig gemacht – so lautet heute die Zeile; Matz hat alles falsch gemacht, denn ich hatte hier geschrieben, dass Marcell Jansen gegen Bayern mit noch mehr Selbstvertrauen auflaufen wird. Irgendwann vielleicht schon, nur nicht am nächsten Sonnabend, denn da fehlt er wegen einer Gelb-Sperre.
Ich Doofkopp. Und danke “Eiche”.

Dennoch zum Spiel in München, wo die Bayern tatsächlich schon ihre Meisterschaft feiern könnten. Der HSV ist doch zu allem fähig, negativ wie positiv. Das zeigen auch die Spiele, die die Hamburger in München, beim Rekordmeister, abgeliefert haben. Gegen Ende des letzten Jahrtausends war an der Isar nicht so viel zu holen für die Hansestädter, aber es gab auch mal ein kurzes Zwischenhoch. Das begann, als der HSV am 4. März 2006 mit 2:1 gewann, die Tore erzielten Guy Demel (!) und dann auch noch Nigel de Jong (!). Letzterer sogar Sekunden vor Schluss. In der folgenden Spielzeit gab es noch einen 2:1-Sieg des HSV in München, am 28. April 2007 trafen Rafael van der Vaart und der eingewechselte Paolo Guerrero.

An dieses Spiel habe ich ganz besondere Gedanken, ich werde es nicht so schnell vergessen. Weil ich danach dem HSV-Trainer Huub Stevens zum ersten und zum einzigen Mal die Hand gegeben habe. Aufgezwungen habe ich sie ihm regelrecht aufgezwungen, denn er gab ja keinem Hamburger Journalisten die Hand. Damals aber, nach diesem Auswärtssieg, musste es sein – dachte ich mir. Stevens sah mich zwar total „verdaddert“ an, aber er hatte keine Chance, meiner Hand zu entgehen: „Herzlichen Glückwunsch, Trainer, mit diesem Erfolg haben Sie dem HSV die Bundesliga gerettet. Ich hätte es nie geglaubt, dass das noch etwas wird, deswegen umso mehr der Glückwunsch, er kommt von Herzen.“

Es folgten nach diesem (für mich) „historischen“ Sieg noch zwei Unentschieden in München. Am 24. Februar 2008 traf Ivica Olic – und es gab ein 1:1 (wie schon im Hinspiel), und in der Saison 08/09 glichen Piotr Trochowski und Paolo Guerrero nach einem 0:2-Rückstand noch aus. Dieser Punkt wurde noch wie ein Auswärtssieg gefeiert, aber danach ging es bergab. Mit dem HSV. Am 12. März 2010 hieß es nach 90 fürchterlichen Minuten 6:0 für Bayern – es war das letztes Spiel von Armin Veh als HSV-Trainer. Im August 2011 folgte in München ein sattes 5:0 für die Bayern, es trafen, was besonders bitter war, auch Daniel van Buyten und Ivica Olic gegen „ihre“ Hamburger. Und die bislang letzte Partie zwischen dem HSV und dem Meister 2013 endete in Hamburg am 3. November 2012 mit einem eindeutigen 0:3 – nun folgt das Rückspiel.

Alles drin? Oder ist der HSV doch nur wieder Kanonenfutter? Weil die Bayern doch Meister werden könnten – der frühestes (März-)Meister der Bundesliga-Geschichte. Aber vielleicht laufen ja Rene Adler und Heiko Westermann, die aktuellen deutschen Nationalspieler, zu so großer Form auf, dass es – wie in Dortmund – eine Sensation gibt. Wer weiß?

Und sollte sich ein aktueller HSV-Spieler tatsächlich für die Vereins-Historie interessieren, dann wird er auch noch auf den 24. April 1982 stoßen. Das Spiel der Spiele zwischen Bayern München und dem HSV. 1:3 lagen die Hamburger zurück, dann trat Thomas von Heesen in der eigenen Hälfte (vor dem Strafraum) zu einem unwiderstehlichen Solo an – 2:3. Und es folgten zwei große Auftritte von Horst Hrubesch, die schließlich noch einen 4:3-Sieg für den HSV ergaben. Wahnsinn! Dieser Erfolg löste an der Elbe fast ein Erdbeben aus. Der HSV war Meister (so gut wie, er wurde dann Meister) – ja, das waren noch Zeiten. Damals hat der HSV allen bewiesen, dass man selbst nach einem fast unaufholbaren Rückstand noch bei den Bayern siegen kann – das wäre doch mal ein Versuch wert, dieses Kunststück 2013 nachzuahmen.

Kurz noch zu einem Auftritt des DFB-Präsidenten.

Wolfgang Niersbach, der deutsche Fußball-Boss, war am heutigen Sonntag zu Gast im „Volkswagen-Doppelpass“ auf „Sport 1“ und hat sich unter anderem zu den Vorwürfen von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati, der Zukunft des Bundestrainers sowie den Fehlern der Fifa bei der WM-Vergabe geäußert. Die wichtigsten Aussagen anbei:

Wolfgang Niersbach über . . .

… die neuen Vorwürfe von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati:

„Wir sind natürlich betroffen. Im Umfeld haben wir uns immer wieder die Frage gestellt: Hätten wir etwas merken müssen? Wir haben nichts wahrgenommen, was auf eine ernsthafte Erkrankung hätte hindeuten können. Alle Schiedsrichter, die nahe an ihm dran waren, sowie die Schiedsrichterführung besaßen wirklich keine Indizien, dass Babak Rafati während seiner aktiven Karriere diese Probleme hatte, die er heute beschreibt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Leistung der Schiedsrichter jedes Wochenende beurteilt wird. Alle sagen übereinstimmend, dass es nicht das gegeben hat, was Rafati als Mobbing oder unerträglichen Druck beschrieben hat. […]

Wir standen im stetigen Kontakt zu seinem Anwalt und haben immer Hilfe angeboten. […] Ich hätte mir im Nachklapp gewünscht, dass er diese Vorwürfe uns gegenüber klar artikuliert, ehe er mit dieser Verspätung jetzt über eine Buchveröffentlichung kommt. […] Ich hätte mir gewünscht, dass er zu uns Kontakt aufgenommen hätte. Das ist nicht passiert. Ich sage ganz deutlich und klar: Herbert Fandel an der Spitze und mit ihm Helmut Krug und Michael Fröhlich erledigen ihre Aufgabe immer höchst verantwortungsvoll und auch sensibel. […] Ich kann nur anbieten, dass er selbstverständlich gerne Kontakt zu uns haben kann, betone aber im gleichen Atemzug, dass in unserer Schiedsrichterführung, wie ich informiert bin, mit der nötigen Sensibilität gearbeitet wird.“

Und Wolfgang Niersbach bei „Sport 1“ über die WM-Vergabe:

„Aus meiner Sicht sind gravierende Fehler gemacht worden. Der größte war, dass man die Vergabe 2018 und 2022 gekoppelt hat, was es vorher noch nie gab. Das war eine Steilvorlage für Absprachen nach dem Motto: Gib du mir deine Stimme, und so weiter. Nach meiner Einschätzung ist es nicht nur das Klima: Katar ist auch einfach ein kleines Land. Die Entscheidung, die WM dahin zu geben, ist momentan Fakt. Ich sehe auch diese Fragestellungen. Nur haben wir uns auch an diesen Fakten zu orientieren. Es ist Aufgabe der Fifa zu beleuchten, ob es da wirklich Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Ich weiß es nicht. […] Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt, dann muss man eine Formel finden, um von dem Sommer wegzukommen. Diese Hitze hält man nicht aus. Warum hat man das nicht berücksichtigt?“

Zu letzterem Punkt gab es heute auch diese Meldung des Sport-Informations-Dienstes:

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hält sich in Bezug auf eine Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar vom Sommer in den Winter weiter zurück. Möglicherweise droht nämlich in diesem Fall eine Klage der Mitbewerber USA, Südkorea, Japan oder Australien. „Wenn Katar mit einer solchen Anfrage kommt, dann wird das Fifa-Exekutiv-Komitee darüber beraten. Bisher ist eine Terminänderung jedoch nur Vermutung. Für uns als Fifa-Exekutive – und da bin ich ja der Chef – steht die WM in Katar, immer noch im Juni/Juli“, sagte der 77 Jahre alte Weltverbands-Chef im Bild-Interview.

Zur Frage nach einer möglichen Klage der Mitkonkurrenten Katars sagte der Fifa-Chef: „Dann könnte das Fifa-Exekutiv-Komitee ein Problem haben, aber wir halten uns an die Fakten.“ Eine Verlegung der WM-Endrunde 2022 in den Winter würde die Voraussetzungen der Vergabe vor knapp 28 Monaten in Zürich infrage stellen. Katar erhielt am 2. Dezember 2010 bei der Abstimmung im Exekutivkomitee der Fifa in Zürich im vierten Wahlgang den Zuschlag. Mit 14:8 Stimmen setzte sich das Emirat am Persischen Golf gegen die USA durch. Für Katar stimmte unter anderem Uefa-Präsident Michel Platini. Australien schied in der ersten Wahlrunde aus, im zweiten Urnengang traf es Japan. Südkorea musste bei der dritten Abstimmung die Segel streichen.

Katar hatte am vergangenen Freitag erstmals Signale für eine Verlegung in den Winter gesandt. „Viele Faktoren sprechen dafür, die WM im Winter auszutragen. Wir sind bereit, das WM-Turnier im Sommer oder im Winter auszurichten. Unsere Planung wird das nicht beeinträchtigen“, hatte das lokale Organisationskomitee mitgeteilt. Spieler und Funktionäre aus aller Welt hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, in dem Emirat aufgrund akuter Gesundheitsgefährdung nicht im brütend heißen Sommer zu spielen.

Vor allem Platini setzte sich zuletzt vehement für eine Verlegung in den Winter ein. Bisher planen die Organisatoren, die Stadien während der WM herunterzukühlen, um die Temperatur erträglich zu halten. Im Sommer sind Temperaturen an die 50 Grad Celsius in Katar an der Tagesordnung.

PS: Ich bin mir sicher: Wenn es am Nordpol so viele Milliardäre geben würde wie in Katar, dann würde auch am Nordpol eine Fußball-WM stattfinden. Vielleicht ist es ja im Jahre 2038 soweit. Und es wäre dabei auch völlig egal, ob dann auf Eisschollen gespielt werden müsste, oder im Juni bei acht Meter hohem Schnee – pro Quadratmeter. Hauptsache die Kohle stimmt. Bei wem auch immer. Über Eis und Schnee, wie man das alles auftauen könnte, darüber müssten sich dann alle mal viel, viel später Gedanken machen.
Nein, nein, das sind schon alles großartige und vor allem weitsichtige Herren, die so etwas veranstalten . . .

PSPS: Morgen, am Montag, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert. Ohne Hitze, ohne Eis, ohne Schnee. Rasenheizung!

17.19 Uhr

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