Archiv für das Tag 'de Jong'

Der Beiersdorfer-Effekt greift

31. Juli 2014

Hat allen Grund, sich zu freuen. Mit Behrami ist Dietmar Beiersdorfer ein erster richtig guter Deal gelungen.

Hat allen Grund, sich zu freuen. Mit Behrami ist Dietmar Beiersdorfer ein erster richtig guter Deal gelungen.

 

Dietmar Beiersdorfer ist die personifizierte Hoffnung – und er wird seiner Rolle von Beginn an gerecht. Mit dem Schweizer Valon Behrami hat der 50-Jährige seinen ersten richtig großen Coup gelandet. Den Mittelfeldspieler (zwölf Millionen Euro Marktwert laut Tranfermarkt.de) verpflichtete er für gerade einmal 3,5 Millionen Euro vom SSC Neapel. Und das, obwohl neben dem HSV angeblich Inter Mailand sieben Millionen Euro und Atletico Madrid selbst dieses Angebot noch überboten haben sollen. Beiersdorfer ist geldwert – im wahrsten Sinne. Denn Behrami hatte sich dem Vernehmen nach schon lange mit einem Wechsel zum HSV beschäftigt. Bevor er beim SSC Neapel aussortiert worden war. Und bevor er andere Angebote bekommen hatte. Schon während der WM hatte sich der Schweizer Nationalspieler intensiv mit einem Wechsel nach Hamburg auseinandergesetzt, wie sein Freund und HSV-Profi Johan Djourou heute bestätigte. „Ich weiß seit ein paar Tagen, dass er zu uns kommt. Er hatte mir schon vor einigen Monaten erzählt, dass er sich mit der Bundesliga beschäftigt. Und, dass er sehr guten Kontakt zu Didi Beiersdorfer hat.“

Da ist es wieder, das „Prinzip Beiersdorfer“, das schon Spieler wie de Jong, van der Vaart und Co. nach Hamburg brachte: Groß reden können alle – ich mache. Und dabei erlaubt sich Beiersdorfer keine Fehler. So, wie er zu Amtsantritt jedem einzelnen Mitarbeiter des HSV die Hand gab und einen kurzen Plausch hielt, so sehr kümmert er sich auf persönlicher Ebene um „seine“ Spieler. Auch um die, die noch nicht da sind, aber irgendwann kommen sollen. Das kommt an. Und das spart dem HSV hier und da ein paar Euro – mal ganz stark untertrieben formuliert.

Dass dabei auch mal ein Transfer schiefgeht, oder besser: nicht erfolgreich ist – sch….egal. Bei Stefan de Vrij, dessen Geschichte ich hier wie versprochen in voller Länge erzählen und beweisen werde, wenn er fix irgendwo unterschrieben hat, hat’s offenbar nicht geklappt. Mit ManU und letztlich vor allem Lazio Rom hatte Beiersdorfer zwei zu große Konkurrenten im Boot. Da nützte auch alles Persönliche und der gute Leumund des HSV in den Niederlanden nichts, der Innenverteidiger wechselt dem Vernehmen nach nach Italien. Aber: Solange die Quote für eine starke Kaderzusammensetzung beim HSV ausreicht soll und muss es allen recht sein. Mehr ist für den Moment nicht zu erwarten.

„Dukaten-Didi“, wie Beiersdorfer in Anlehnung an sein glückliches Händchen bei An- und Verkäufen von Spielern in seiner Amtszeit als HSV-Sportchef (2002 – 2009) beim HSV genannt wurde, macht seinem Namen gleich zu Beginn seiner Transferaktivitäten alle Ehre. Und das leise. Sehr leise. Bis zum Transfervollzug, der für Freitagmorgen erwartet wird, kam: genau gar nichts. Für uns Journalisten macht es das Arbeiten nicht leichter und die Fans freut es. Ich befinde mich in solchen Momenten immer in einer Zwitterphase – letztlich aber ist das gut, was dem Verein hilft. Wenn es nachhaltig ist. Auch ich sehe das komplett so. Und das ist es bei Dietmar Beiersdorfer. Es ist förderlich für den Verein, der „dank“ seiner inzwischen fast vollzählig abgetretenen Protagonisten in Vorstand und Aufsichtsrat in den letzten Jahren als der neue „FC Hollywood“ verhöhnt wurde. Mehr noch: Es macht den HSV wieder seriös. Didi macht den HSV wieder seriös. Und nichts hat der HSV, die neue Fußball AG, nötiger, als glaubhaft zu sein. Für Fans, Spieler und Berater.

Allerdings, und das muss man festhalten, geht das alles nur, weil Beiersdorfer endlich Planungssicherheit hat. Nach etlichen Verhandlungen hat sich Klaus Michael Kühne jetzt bereit erklärt, dem mit 100 Millionen Euro verschuldeten HSV knapp 20 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen – für Neue. Und es ist bislang allein die Zusage Kühnes, die beim HSV das Personalkarussell ordentlich in Schwung bringt. Neben dem Mainzer Müller sollen noch Linksverteidiger Matthias Otsrzolek aus Augsburg sowie ein gestandener Innenverteidiger kommen. Anfang kommender Woche soll das Options-Modell (Kühne soll seine Einlage zu einem späteren Zeitpunkt in Vereinsanteile umwandeln können) unterschrieben werden. Bis dahin will Beiersdorfer neben Behrami auch gern den Mainzer Offensiven Nicolai Müller verpflichtet haben.

Ebenfalls in aller Ruhe. Zitate von Beiersdorfer dahingehend? Null. Er redet nicht – er macht einfach. Und das, was ihm viele in anderen Fällen negativ auszulegen versuchten, ist gut so. Immerhin hat es dem HSV einen Typen beschert, den ich mir und viele von Euch sich ewig zum HSV gewünscht hatten: einen so genannten harten Hund, um nicht übler klingend Begriffe zu benutzen. „Er ist verrückt auf dem Platz“, weiß Johan Djourou, der Behrami als seinen besten Freund im Schweizer Nationalteam sieht. Der HSV-Verteidiger kennt den neuen HSV-Star: „Er hat immer das Visier oben und gibt nicht auf. Ein toller Charakter. Behrami kann und will Niederlagen nicht hinnehmen. Der fightet bis zum Umfallen, ist sehr, sehr aggressiv. Egal ob im Spiel oder im Training. Das braucht eine gute Mannschaft. Und er hat viel Erfahrung.“ Ausreichend, um trotz der harten Gangart Roten Karten aus dem Weg zu gehen? „Er ist immer nur einen Millimeter vor den Verwarnungen“, sagt Djourou und führt Daumen und Zeigefinger symbolisch nah zusammen und lacht dabei: „Aber er kommt meistens heil durch. Auch, wenn man ihn manchmal beruhigen muss.“ Eine Rote und eine Gelbrote in 255 Profispielen untermauern das sicher…

Sportlich kommt noch eine Menge Qualität dazu. „ Er ist sehr, sehr gut am Ball, macht fast nie Fehler. Er spielt einfache, klare Bälle und ist extrem wichtig für unser Mittelfeld bei der WM gewesen“, lobt Djourou. „Ich glaube, er ist ein Spieler, der jede Mannschaft besser macht.“

Den HSV auf jeden Fall.

Am allermeisten freuen wird das sicherlich Trainer Mirko Slomka. Der ackert im Trainingslager in Österreich mit der Mannschaft so intensiv, wie ich es seit Jahren nicht mehr miterleben durfte. Mängel werden akribisch angegangen, körperliche Defizite aufgearbeitet. Und alle ziehen voll mit. Die Stimmung ist trotz grenzwertiger körperlicher Belastungen rundum gut. Selbst bei den Spielern, deren Zukunft noch offen ist. Denn klar ist auch, wo Neue kommen, müssen alte gehen. Auch das gehört zu dem Personalkarussell, das sich beim HSV jetzt erst richtig in Gang setzt.

Im zentral-defensiven Mittelfeld könnte das theoretisch leicht sein. Per Skjelbred würde gern bei Hertha BSC spielen, die Berliner wollen ihn – und der HSV hat auf der Position des Norwegers einen personellen Überhang. Allerdings würde ich Skjelbred nicht abgeben, wenn alles so kommt, wie der HSV es erwartet. Denn dann würde Hertha erst am letzten Tag der Transferperiode kommen und „Kleines“ anbieten. Doch dafür ist Skjelbred, der bislang einen sehr guten Eindruck macht, schlichtweg zu schade.

Ebenfalls möglich ist ein Verkauf von Milan Badelj, der sicherlich etwas mehr Geld bringen würde als Skjelbred – wenn es denn Interessenten gibt. Bislang hat sich diesbezüglich niemand beim HSV gemeldet. Allerdings läuft der Vertrag des Kroaten nur noch ein Jahr und er wäre 2015 ablösefrei. Die letzte Chance, Geld für ihn zu bekommen wäre dann im Winter. Oder eben jetzt. Und das sage ich als bekennender Fan der technischen Fähigkeiten Badeljs. Ich glaube, dass Badelj neben einem echten Abräumer für den HSV noch deutlich wertvoller als zuletzt würde. Aber der HSV muss wirtschaftlich denken. Und da kann er einen Verkauf schlichtweg nicht mehr ausschließen. Zumal Badelj, Arslan und auch der in der Vorbereitung auffällige Kerem Demirbay zu ähnliche Spielertypen sind.

In der Innenverteidigung ist das ähnlich. Auch wenn es hier jemanden noch härter treffen könnte. Denn Heiko Westermann, der bislang fast jedes Spiel für den HSV auf dem Platz stand, steht wie viele andere auch zur Disposition. „Aber genau das wollen wir doch“, lobt selbiger, „wir wollen Konkurrenzkampf auf hohem Niveau. Das ist für die Mannschaft gut – und es macht jeden einzelnen Spieler stärker.“

Harmonie trotz Leistungsdruck – das gab es lange nicht. Wie auch, es fehlte die Leistung…

Aber es muss auch klar sein, dass es nicht immer so weitergehen wird. Im Gegenteil, es wird sicherlich auch noch kleinere Unruhen geben, wie zuletzt bei Rafael van der Vaart, dem Interesse aus England nachgesagt wird. Sein ehemaliger Tottenham-Coach Redknapp soll den Linksfuß zu den Queens Park Rangers (Aufsteiger in die Premier League) lotsen wollen und lässt dafür kein öffentliches Statement aus. Ganz im Gegensatz zu van der Vaart, der noch ruhig ist. Der Niederländer würde gern in Hamburg bleiben, hat aber von Beiersdorfer und Co. noch keine klare Ansage. Aber auch hier zieht die Trumpfkarte Beiersdorfer. „Ich kenne ihn, er ist ehrlich, er ist gut. Hier wird einiges passieren. Und da wäre ich gern dabei.“ Weil der HSV wieder Spaß macht. Spielern, Offiziellen – und endlich auch wieder den Fans. Es wird dauern – aber der allseits erhoffte Beiersdorfer-Effekt zeigt seine (positive) Wirkung.

Am Freitagmorgen soll Behrami nach bestandenem Test unterschreiben. Anschließend geht’s per Flieger zusammen mit Beiersdorfer und dem neuen Nachwuchschef Bernhard Peters nach Österreich ins Trainingslager. Ich hoffe, dass wir morgen Gelegenheit haben werden, uns mit den Dreien zu unterhalten. Und noch mehr hoffe ich, dass es schon sehr bald weitere Neue gibt. Wobei ich zugeben muss, dass ich Geduld habe. Weil auch ich auf Beiersdorfers Fähigkeiten vertraue. Der Behrami-Deal hat’s nur noch einmal bewiesen…

 

Und dann noch ein paar gute News: Maxi Beister ist zurück auf dem Platz. der Rechtsfuß absolvierte  seine erste Einheit mit Ball und war anschließend extrem gut drauf: “Der nächste Meilenstein ist erreicht. Es geht voran.”

Fussball Fussball

Wieder am Ball: Maxi Beister

Wieder am Ball: Maxi Beister

 

 

Selbiges gilt für Pierre-Michel Lasogga, der zusammen mit der Fitnessabteilung des HSV arbeitete und zum Abschluss ein Fußball-Tennis-Spiel gegen Fitnesscoach Vidovic spielte. Das Ergebnis lasse ich hier aus…

Endlich wieder auf dem Platz: Pierre-Michel Lasogga

Endlich wieder auf dem Platz: Pierre-Michel Lasogga

 

In diesem Sinne, falls heute noch etwas passiert, ergänze ich den Blog selbstredend. Ansonsten wünsche ich Euch einen schönen Abend und mir eine etwas ruhigere, längere Nacht als gestern. So erfreulich die Unterbrechung der Nachtruhe auch war… 😉

 

Scholle

http://www.sky.de/web/cms/de/videos-bundesliga.jsp?bctid=3706166334001

 

P.S.: Er hat nur Gutes verdient: Tomas Rincon. Umso schöner, dass der Venezolaner einen neuen Klub gefunden und für vier Jahre beim CFC Genua unterschrieben hat. Alles Gute, Tomas!

P.P.S.: In kürzester Zeit hat der HSV alle 5000 Auswärtstickets für das Köln-Spiel abgesetzt. Und wo wir uns schon über positive Veränderungen freuen, noch eine aus meiner Sicht sehr erfreulich Nachricht. Der Supporters Club will sich nicht in Gänze gegen die AG aussprechen und sucht den Dialog. Und das unterstütze ich an dieser Stelle nur zu gern. Aber lest selbst, was „HSVSCHNICKSCHNACK“ schreibt:

Wie geht es im Supporters Club weiter?“ ist das Kernthema unserer ersten Ausgabe – und hierzu hat uns ein Aufruf von Dirk Mansen, Timo Horn, Joachim Eybe, Axel Formeseyn und Nils Kühlwein erreicht, die sich um eine Neuordnung und Neuausrichtung des Supporters Clubs bemühen.

Nachdem am Sonntag ein erstes Treffen mit ca. 20 Fans aller Couleur (Fanclubvertreter, Regionalbetreuer, Allesfahrer, Reformer, Plusser – auch ohne Interesse an Vereinspolitik) stattgefunden hatte, sollen alle Mitglieder die Möglichkeit haben, den aktuellen Stand der Bemühungen und die Überlegungen zum Neuaufbau zu erfahren, mit zu diskutieren, ihre Bedenken oder Anregungen zu äußern oder sich einfach nur von der positiven Stimmung anstecken zu lassen.

Dazu findet am 06.08. um 19.00 Uhr ein weiteres Treffen statt, dieses Mal im Fanhaus an der Stresemannstrasse. Die Initiatoren würden sich über regen Zuspruch freuen. Lasst das Lagerdenken zu Hause und kommt aufgeschlossen und interessiert auf ein Bier (oder ein stilles Wasser) vorbei!

 

 

 

Mirko Slomka: „Ich spüre Spaß und Freude“

23. Juli 2014

Gewartet habe ich ja schon lange drauf, aber jetzt geht es (endlich?) los: neue Spieler braucht der Club. Täglich werden neue Namen für den HSV gehandelt, und das ist ja auch völlig normal. Oder? Diese Transferperiode läuft noch bis zum 2. September, es fließt also noch viel, sehr viel Wasser die Elbe rauf und runter, und Spieler-Namen gibt es bis zu diesem Tag auch reichlich. Selbst für den HSV, der ja eigentlich kein Geld hat. Immer wieder liest und hört man das, obwohl es bei den Rothosen ja auch solche schlauen Leute gibt (oder gab?), die von wirtschaftlichen Schwierigkeiten nie etwas wissen wollten. Und ganz früher, bei Matz ab erinnern wir uns genau, gab es ja die ganz, ganz Schlauen, die uns immer vorrechneten, dass da noch 20 Millionen für Nigel de Jong, 15 Millionen für Rafael van der Vaart, 12,5 Millionen für Vincent Kompany und 13 Millionen für Khalid Boulahrouz offen seien müssen . . . Oh man, was waren das für Zeiten. Inzwischen sind diese Jungs, die sich in Sachen HSV-Finanzen so super auskannten, wohl alle geheilt, oder?

Dennoch: Nun gibt es sie beinahe täglich, die Hiobsbotschaften, dass der HSV finanziell aus dem letzten Loch pfeift. Am Ende dieses Artikels habe ich eine heutige Agentur-Meldung reingestellt.
Allerdings, das muss man dann auch mal sagen, ist es dann doch nicht so grausam um den Club bestellt, dass er sich keinen einzigen neuen Spieler mehr wird erlauben können. Es wird schon noch, keine Angst, der HSV wird sich auch zu dieser neuen Saison noch verstärken – er hat es doch eigentlich immer getan. Oder, um es ehrlicher zu schreiben, immer versucht. Und, dazu fällt mir gerade jetzt das Gespräch von der Mittagspause ein, das wir im Kollegenkreis führten: Wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass ein Mann wie Michael Mancienne, der nun in Englands zweiter Liga spielen wird, zwei Millionen im Jahr verdient – beim HSV? Ein Viertel dieser Summe hätte es bestimmt auch getan, aber der HSV hatte es ja. Und gab es mit vollen Händen – zur Freude von jenen Leuten, die seit Jahren sagen, dass in dieser Bundesliga zu viele Durchschnitts-Fußballer viel zu gut bezahlt werden.

Nun gut, das will der HSV ja auch abstellen (schon seit einiger Zeit), und vielleicht wird es ihm sogar eines Tages gelingen. Das würde aber auch bedeuten, dass noch einige Durchschnitts-Fußballer, die viel zu gut beim HSV verdienen, vor die Tür gesetzt werden. Ob das in diesem Jahr schon gelingt, ist fraglich, aber spätestens im nächsten Sommer darf von einer Säuberungswelle geschrieben werden. Dann laufen elf Verträge aus.

Egal, wir leben hier und jetzt, und da werden neue Spieler benötigt. Einige HSV-Fans verlieren langsam die Geduld (oder haben sie schon verloren), aber ich kann immer wieder nur betonen: „Das wird noch, keine Panik!“ Und wenn ich so meine Kollegen lese, dann wird ja auch schon fleißig verhandelt. Wenn ich mal zusammenfassen darf: Hiroshi Kiyotake kommt vom 1. FC Nürnberg, Valon Behrami vom SSC Neapel, Daniel van Buyten vom FC Bayern. Und das ist erst der Anfang. Da kommen noch viele, viele Spieler mehr. Um von mir werden dann auch noch sehr gerne zwei Namen ins Rennen geschickt: Nikica Jelavic kommt von Hull City, und der Däne Nicklas Bendtner, zuletzt FC Arsenal und nun vereinslos, kommt ebenfalls. Was wäre das für ein Sturm-Duo: Bendter, 1,94 Meter groß und ein Bär, neben dem anderen Bären, den der HSV nun schon unter Vertrag genommen hat: Pierre-Michel Lasogga! Die könnten nur noch von einer Herde von Büffeln gestoppt werden. Der HSV müsste nur den Mut haben. Und Geld natürlich. Und dann zugreifen. So einfach ist das. Wäre das.

Nein, nein, liebe Matz-abber, es werden noch Namen hier gespielt, da werden wir alle noch gewaltig ins Schwitzen geraten. Wobei das mit dem Namen van Buyten bestimmt schon geschehen ist, denn der Belgier war nach seinem Abgang im Jahre 2006 zur Persona non grata in Hamburg erklärt worden – von den HSV-Fans. Ob diejenigen nun plötzlich hosianna schreien? Und ob sie alle Pfiffe, die es sei diesem Wechsel gegen van Buyten gegeben hat, nun ganz spontan zurücknehmen? Ich glaube eher nicht. Aber noch ist er ja auch nicht da, der gute Daniel, gemach, gemach.

Immerhin gibt es hinter den Kulissen beim HSV aber weiterhin viel Bewegung – in Sachen Verstärkungen. Das möchte ich jedem Skeptiker versichern. Meinem Kollegen Alexander Laux gegenüber wollte Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt aus AG-rechtlichen Gründen keine Angabe machen zum Etat machen, sagte aber: „Wir schauen uns jede Menge personelle Optionen aus sportlichen Gesichtspunkten an, die wir auch jeweils für finanzierbar halten.” Und: „Es ist falsch, dass wir handlungsunfähig sind.”

Zum Sportlichen:

Trainer Mirko Slomka hatte zum Test in Niendorf gleich zwei Mannschaften auf den Rasen geschickt, die je 3:0 gegen den Oberliga-Club gewann, ob der Coach aber mit dem Gezeigten zufrieden war, das war nicht genau zu entschlüsseln. Slomka eilt der Ruf voraus, dass er auch bei solcher Art Spielen keinen Schlendrian duldet, dass er bei Minus-Leistungen ganz schnell mal auf 180 ist – diesmal aber blieb er, jedenfalls äußerlich, total gelassen. „Wir sind mitten in der Vorbereitung, das war uns anzusehen, wir haben noch viel zu tun“, sagte der Trainer. Und: „Am Wochenende geht es im Telekom-Cup gegen direkte Konkurrenz, da wird man dann auch spüren und sehen können, ob wir vorne eiskalt sind, solche Chancen, wie wir sie gegen Niendorf hatten, dann auch nutzen. Das muss man, denn sonst kassiert man ein Gegentor und läuft wieder hinterher, und das haben wir letzte Saison oft genug gehabt.“

In Sachen Vorbereitung aber hatte der HSV ja sehr früh, und zwar schon am 18. Juni, als erster Club von allen Erstliga-Vereinen, losgelegt. Müsste das Team da nicht schon etwas weiter sein? Mirko Slomka: „Wir haben ein paar Tage hinter uns, das ist richtig, wir hatten dann auch die Gelegenheit, eine Pause einzustreuen, das hat der Mannschaft auch sehr gut getan. Wir mussten diese Pause machen, weil uns die China-Reise körperlich doch einiges abverlangt hat, und jetzt spüre ich bei der Mannschaft eine ganz andere Frische. Ich spüre Spaß und Freunde, wieder dabei zu sein. Jetzt geben wir richtig Gas.“ Wie schon zu Anfang Juli. Slomka erklärt: „Ich habe das schon erwähnt; wir haben die ersten drei Wochen genutzt, um eine gute Grundlage zu legen, einige müssen noch etwas nachholen, und ansonsten werden wir die Intensität auch weiterhin erhöhen. Ich glaube, das hat man auch heute gesehen, wir haben ein wenig schwere Beine gehabt, es sind einige noch nicht so spritzig, das ist auch normal. Aber daran werden wir nun im Trainingslager arbeiten. Es wird da immer eine Mischung aus Taktik-Training und auch sehr athletischen Übungen geben.“

Und wie steht es um Verstärkungen, Herr Slomka? Gibt es da Bewegung? Der Coach sucht nach Worten: „Grundsätzlich habe ich jetzt mal den Fokus auf die Spieler und das Team, was mir jetzt gerade zur Verfügung steht. Das ist, glaube ich mal, jetzt wichtig. Ich will dazu auch raten, dass die Spieler sich auf ihre Aufgaben konzentrieren und nicht noch irgendwelche Neuzugänge fordern.“ Das ging an die Adresse von Johan Djourou, der ja öffentlich noch einige neue Spieler gefordert hatte. Slomka weiter: „Wenn das gefordert wird, dann heißt das für mich, dass sie selber nicht gut genug sind – deswegen würde ich da immer auch Geduld haben.“

Dann erklärt der Trainer für sich „Ich habe ohnehin Geduld, weil ich weiß, was wir im Hintergrund tun. Wir haben gewisse Dinge festgelegt, wir sind in guten Absprachen, wir sind in Verhandlungen mit Spielern und Clubs, und ich glaube schon, dass wir unsere Vorstellungen beizeiten auch umsetzen können. Aber es macht jetzt keinen Sinn, mit Zeitdruck zu operieren, oder die Schraube anzuziehen. Das würde nur dazu führen, dass die Spieler möglicherweise teurer werden, und das ist ja auch nicht unser Aspekt, den wir gerne hätten. Wir wollen vernünftig verhandeln, wir wollen fair verhandeln, wir wollen korrekt sein auch in der Auswahl unserer Spieler, wir haben unsere Auswahl getroffen, mehr oder weniger, insofern gehe ich davon aus, dass wir unsere Vorstellungen auch umsetzen werden.“
Ich gehe davon auch aus. Ohne Frage.

Der Telekom-Cup wird vielleicht schon richtungsweisend sein. Obwohl Sonnabend-Gegner (oder hochtrabend: Halbfinal-Gegner) VfL Wolfsburg sicherlich noch arg ersatzgeschwächt auflaufen wird, denn die Niedersachsen hatten sieben WM-Fahrer (die noch im Urlaub sind, auf jeden Fall aber noch ohne die rechte Fitness). Mirko Slomka. „Jeder Verein, der am Wochenende dabei ist, möchte den Cup gewinnen, das möchten wir natürlich auch. Wir möchten ins Finale, das möchten wir unseren Fans bieten, das möchten wir unseren Fans zeigen, und ich glaube, das wäre auch für unsere Motivation klasse, wenn wir das schaffen würden. Wir werden alles dransetzen, Erfolg zu haben, das heißt aber nicht, dass wir es auch schaffen – das wollen die anderen Clubs natürlich auch.“ Selbstverständlich. Wobei ich auf die Bayern gespannt bin, die ja noch ohne Weltmeister in den Volkspark kommen werden.

Hier noch die anfangs versprochene Agentur-Meldung:

Hamburg (dpa/lno) – Der hoch verschuldete Fußball-Bundesligist Hamburger SV muss mit erheblichen Einbußen für die neue Saison auf den VIP-Plätzen rechnen. Rund vier Wochen vor dem Saisonbeginn seien etwa die Hälfte der Plätze im teuersten Segment der insgesamt 4300 Tickets nicht verkauft, berichtet die „Bild“-Zeitung. Zwar sollten bis zum ersten Heimspiel am 30. August gegen Aufsteiger Paderborn noch VIP-Sitze verkauft werden, beschlossen sei aber schon, dass Teile des Bereichs komplett geschlossen werden. Zudem werde das Stadionrestaurant Raute an Spieltagen nicht mehr geöffnet. Auch der Telekom-Cup am Wochenende mit Bayern München, Borussia Mönchengladbach, Wolfsburg und Ausrichter HSV ist kein Publikumsrenner. Etwa 25 000 Karten sind für die Halbfinal-Spiele am Sonnabend abgesetzt worden.

So, das war es für heute. Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark zweimal geübt – 10 und 15.30 Uhr.

17.52 Uhr

Dieter

Mal wieder ein kleines Lebenszeichen . . .

25. Juni 2014

***Bitte beachten***
Dieser Artikel ist nur eine kleine und kurze Ergänzung, der zuvor von Lars Pegelow veröffentliche Bericht ist vom heutigen Tag aus Glücksburg und vom HSV – sehr lesenswert!

Ein ganz lieber „Matz-abber“ hat mich heute angerufen und gemeint, ich könnte doch mal wieder ein kleines Lebenszeichen von mir geben. Recht hat er, habe ich sofort gedacht, und mich „ans Werk“ gemacht. Wobei ich eines gestehen muss. Nein, zweierlei: Erstens bekomme ich immer noch viele Genesungswünsche per Mail, und zweitens, Asche auf mein Haupt, ja, wirklich viel Asche, denn ich habe mich immer noch nicht bei allen für ihre Grüße und Wünsche bedankt. Auf diesem Wege sei das nachgeholt, vielen Dank für Eure Unterstützung auf meinem Wege zur Besserung. Allmählich bekomme ich wieder Boden unter meine Füße, aber ich gestehe, ich habe mir das alles viel, viel leichter und einfacher und schneller vorgestellt. Im Krankhaus hatte ich noch gedacht, dass ich das auf einer A-Backe absitzen werde, aber da habe ich mich gewaltig getäuscht. Vor allem das Cortison (auch Kortison geschrieben, ich weiß) hat mich total umgehauen – ein Teufelszeug. Mit vielen, vielen Nebenwirkungen. Ich denke, dass ich zurzeit bei 70 Prozent bin. Aber es wird. Weil ich doch von Euch dabei unterstützt werde. Und von vielen Leuten, von denen ich es nie gedacht hätte, dass sie an mich denken. Toll, es ist einfach nur toll und grandios. Auch eine großartige Erfahrung für’s Leben.

Ich verfolge natürlich den Fußball weiterhin. Von der WM sehe ich nicht alles, aber vieles. Und den HSV verfolge ich natürlich auch. Allein per Telefon, weil mich die Leute anrufen und mit mir über die drei großen Buchstaben klönen wollen. Die meisten haben Angst, das muss ich zugeben, Angst davor, dass auch die kommende Saison so laufen könnte, wie die gerade abgelaufene. Mitunter, je nach Tagesform, teile ich diese Ansichten, obwohl mir eines – ganz eindeutig – auch Hoffnung auf bessere Tage und Zeiten macht. Eines – oder einer. Wenn ich so mitbekomme, dass Mirko Slomka im Training ganz schön anzieht, dann freut mich das ungemein. Der Mann hat es erkannt, woran das Dilemma Nummer eins des HSV liegt, gelegen hat. Dieses C-Jugend-Training all die Jahre, das hat den HSV vor allem runtergezogen, und das scheint nun ein Ende zu haben. Endlich, endlich, endlich. Ich hoffe es sehr. Für den HSV. Für die Mannschaft. Für den Trainer. Und für die Verantwortlichen, die jetzt übernehmen. Es musste jemand kommen und erkenne, wie schlecht diese Mannschaft trainiert ist (und wurde), und der jetzt den Hebel umlegt. Hoffentlich auf Dauer. Wobei ich jedem noch einmal empfehle, einen meiner letzten Matz-ab-Artikel zu lesen – den vom 8. Juni. Darin steht zu lesen, war zu lesen, dass sich vor Beginn der vergangenen Saison zwei Nationalspieler (einer vom HSV, einer von Dortmund) über die absolut unterschiedliche Trainings-Intensität beider Clubs unterhalten haben. Wenn daraus nur ein wenig, nur ein ganz klein wenig die Konsequenzen gezogen werden, dann stünde der HSV meiner Meinung nach vor einer guten Spielzeit 2014/15. Davon bin ich restlos überzeugt. Mirko Slomka ist da auf einem sehr guten Weg, wie mir scheint. Auch wenn ich das (den HSV) derzeit nur von weitem sehr entfernt (war in geflügeltes Wort meines Schwiegervaters) betrachte.

Ähnlich ist es ja mit dieser WM. Nur vorm Fernseher sitzend. Und da gehen mir das Turnier und der HSV nicht aus dem Sinn. Irgendwie denke ich immer an den HSV, wenn ich einen Hamburger Bezug feststelle. Nigel de Jong, Vincent Kompany, Ivica Olic, Niko Kovac, Eric-Maxim Choupo-Moting, Heung Min Son und, und, und.

Und dann denke ich auch an Hamburg. Dass bei den Schweizern immer noch ein Mann namens Reto Ziegler spielt. Der ist schon vor einem Jahrzehnt beim HSV durchgefallen. Weggeschickt haben sie ihn. Erst ausgeliehen und dann vom Hof gejagt. Ja, so spielt das Fußballer-Leben. Aber man muss ja auch nichts können, wenn man in der Schweiz Nationalspieler ist, gell? Auch wenn das über zehn Jahre geht. Bei Deutschland haben Piotr Trochowski, Dennis Aogo und Heiko Westermann (zum Beispiel) ja auch „einige“ Länderspiele gemacht, obwohl sie in Hamburg gespielt haben (und dort nur gelitten waren). Muss ich noch mal loswerden, bei dieser Gelegenheit. Und ich weiß genau, was mir jetzt wieder um die Ohren fliegen wird, ich trage es diesmal aber mit Fassung. Kann ja nicht jeder so schlau sein, wie ein Bundestrainer oder ein National-Coach. Wie zum Beispiel Ottmar Hitzfeld. Der nimmt Ziegler, der jetzt in Italien bei Sassuolo Calcio unter Vertrag steht, zwar mit, lässt ihn aber nicht spielen . . . Hat ja auch genug andere gute Spieler. Zum Beispiel Johan Djourou, fällt mir jetzt gerade ein.

Aber zurück nach Hamburg. Da gab es mal im Amateurfußball einen Trainer, der jetzt Nationaltrainer ist. Wie lange noch, das ist die Frage, aber noch ist er es: Volker Finke. Was kaum jemand vom ehemaligen Freiburger Trainer weiß, dass er im Norden mal bei Havelse war – und auch beim 1. SC Norderstedt. Diesen Abstecher will Finke zwar nicht mehr gerne hören oder lesen, aber er war tatsächlich mal hier. Und welcher Hamburger Verein kann schon sagen, dass einer seiner Trainer mal Coach bei der Weltmeisterschaft war? Das dürften nicht so sehr viel sein . . .

Und dann gibt es ja auch noch einen Spieler namens Alexej Koslow von Dynamo Moskau. Trägt bei den Russen die Rückennummer zwei. Und spielte einst in Hamburg. Bei Bergedorf 85. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. ZDF-Reporter Bela Rethy hat sogar gesagt, dass dieser Koslow in der Jugend des HSV ausgebildet worden ist, aber dafür habe ich (noch) keine Bestätigung gefunden. Vielleicht weiß da einer von Euch (oder mehrere?) mehr und macht mich und alle anderen klug. Auf jeden fall ist das schon ein Ding, dass da einer mitmischt, der mal in Bergedorf gespielt hat. Von 85 soll Koslow dann zum VfB Lübeck gegangen sein, und dann? Auf jeden Fall in Brasilien – jetzt.

Und noch ein „dickes Ding“ gibt es aus Hamburger Sicht. Der frühere HSV-Spieler Muhamed Besic fliegt mit Bosnien-Herzegowina zwar nun nach Hause, hat aber alle drei Spiele in Brasilien für sein Land bestritten – dreimal 90 Minuten plus Nachspielzeit. Muhamed Besic. Wer erinnert sich noch? Beim HSV ein Mitläufer, zur Zweiten abgeschoben – und dann quasi vor die Tür gesetzt. Seit dieser Zeit kickt er bei Ferencvaros Budapest, erst von Ricardo Moniz nach Ungarn geholt, dann von Thomas Doll übernommen. Jenen Muhamed Besic, den hier keiner für „voll“ genommen hat. Der immer sehr viel auf sich hielt, aber dennoch keinerlei Beachtung fand. Als er einmal bei der Zweiten auflaufen sollte, fuhr er ohne „Buffer“ nach Norderstedt – keine große Lust, in der Regionalliga zu spielen. Musste er dann doch, weil man ihm Stiefel besorgte, aber dementsprechend spielte er dann auch: lustlos. Weil er sich ungerecht behandelt fühlte.

Jetzt hat er dreimal bei dieser WM gespielt. Muss sich der HSV nun grämen? Es wird sich wohl niemand finden, der dazu bereit wäre. Kann ja auch Zufall sein, dass sich Besic nun bei dieser WM wiedergefunden hat. Wahrscheinlich hatten die niemanden, der bei Bosnien auf der Sechs spielen konnte. So wird, nein, so muss es sein.

Obwohl ich mit Thomas Doll, seinem jetzigen Trainer, gesprochen habe. Und der hat mir nun ein ganz anderes Bild von Besic vermittelt. Erst einmal sind sie alle in Budapest stolz wie Bolle, dass Muhamed Besic WM-Teilnehmer geworden ist. Es gibt, so glaube ich, nicht so sehr viele aus der Ersten Liga Ungarns, die in Brasilien aufdribbelten oder noch aufdribbeln – aber Besic. Und Thomas Doll gerät ins Schwärmen, wenn er von Besic spricht: „Er spielte bei uns erst Innenverteidiger, aber Katze Zumdick und ich konnten ihn davon überzeugen, dass das nicht seine Position ist. Er spielte dann Rechtsverteidiger und wurde eine unserer größten Stützen. Er spielte diesen Part unglaublich dynamisch, zuverlässig, konzentriert. Und er ist in seiner Spielweise ruhiger geworden. Früher war er oft zu hektisch, auch abseits des Platzes, aber er ist ruhig und ausgeglichen geworden – und ein großartiger Spieler.“

Thomas Doll sagt über Besic auch: „Katze und ich, wir haben uns Mühe mit ihm gegeben, und er hat es uns mit erstklassigen Leistungen zurückgezahlt. Ich habe ein Vater-Sohn-Verhältnis zu ihm bekommen, und darauf bin ich stolz. Muhamed ist ein feiner Junge, der noch viel vor sich hat. Wir freuen uns mit ihm und für ihn.“

Am 28. Juni findet sich Besic wieder in Budapest ein. Dann wird seine Situation besprochen. Ferencvaros will den Bosnier behalten, aber hat wohl keine Chance. Es liegen dem „Sechser“ einige sehr lukrative Angebote vor – natürlich, er ist WM-Teilnehmer. Schön für den HSV: Sollte Besic tatsächlich den Verein wechseln, so sollen die drei Hamburger Buchstaben daran beteiligt sein – zu 20 Prozent, wir gemunkelt. Ob verdient oder unverdient, das lasse ich mal dahingestellt, es ist so wie es ist. Nur zum HSV, da sollte sich niemand Sorgen drum machen, wird Besic wohl nicht wieder zurückkommen. Da müsste er vielleicht wieder in der Zweiten spielen . . . Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Einen schönen Abend und einen guten Tag für Euch, ich werde mich demnächst wieder mit einem Lebenszeichen melden. Bitte aber nehmt Euch auch noch den Artikel von Lars Pegelow, den er für mir hier reinegestellt hat, „zur Brust“, er ist sehr, sehr aufschlussreich und gut geschrieben und vermittelt einen Eindruck vom Geschehen in der Flensburger Bucht. Dort hält sich ja der HSV derzeit auf.

Dieter

Kein Grund für Optimismus

3. Januar 2014

Das Jahr der Erkenntnisse? Es bleibt zu hoffen. Denn wenn dieser HSV es jetzt nicht versteht, seine Möglichkeiten richtig einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, dann grenzte es schon bald an Unmöglichkeit, irgendwann noch einmal die Kurve zu bekommen. Und zum Trainingsauftakt heute wurde wenigstens nichts schöngeredet. Fast nichts. Denn außer einem kurzen Ausbruch vom Trainer, der vorrechnete, man hätte eigentlich auch locker 19 Punkte haben können/müssen und dann wäre alles etwas entspannter – waren sich zumindest die zwei Anführer auf und abseits des Platzes – Rafael van der Vaart und Bert van Marwijk – einig, dass fast alles besser werden muss und es zunächst nicht um hohe Ziele geht sondern um den Klassenerhalt.

Soweit so gut.

Aber die große und weiter unbeantwortete Frage ist das WIE. Immerhin wiederholte van Marwijk heute, dass dieser Mannschaft immer wieder ein Faktor fehlt, der unabdingbar ist: Charakter. Ehrlich gesagt ist das sogar ein vernichtendes Urteil. Und das hätte ich auch heute so gedeutet, wenn van Marwijk nicht sofort eingeschränkt hätte, dass die Mannschaft grundsätzlich alles hätte und das ja auch wiederholt gezeigt habe. Dennoch war und ist der Niederländer noch immer schockiert über die wiederholten Zusammenbrüche seiner Elf. Untrainierbar sei das, was fehlt. Wo er ansetzen will? „Die Lösung ist die Mannschaft“, so van Marwijk, der in der Winterpause viel nachgedacht hat. Sagt er selbst. „Es ist nicht einfach, weil wir mit Menschen zu tun haben. Allgemein brauchen wir einen Charakter, uns über die schlechten Phasen hinwegzusetzen. Das hat uns gefehlt. Und das muss wieder zurückkommen. Wir haben Spiele gespielt, wo wir auf einem guten Weg waren. Und dann gegen Augsburg und Mainz – ganz schlecht. Wir müssen lernen, zu überleben, wenn es nicht so gut läuft. Die Mannschaft ist die Lösung, weil wir einzelne Charaktere nicht ändern können. Es geht über Disziplin – und daran kann man arbeiten.“

In der Sonne von Indonesien und Abu Dhabi. Wobei van Marwijk nicht überzeugt zu sein scheint von der Planung des Trainingslagers. „Wir sind fast mehr im Flugzeug als auf dem Platz. Wenn wir nach 15 Stunden in Indonesien ankommen, müssen wir uns ausruhen, da muss ich ganz vorsichtig trainieren, um Verletzungen zu vermeiden. Dann haben wir ein Spiel, wo ich alle wohl einsetzen werde, die ich dabei habe, um jedem einzelnen möglichst wenig zu belasten. Und dann fliegen wir zurück nach Abu Dhabi, wo wir uns am ersten Tag wieder etwas ausruhen müssen von den Reisestrapazen.“ Richtig trainieren könne er mit der Mannschaft somit erst am 8. Januar. „Das ist sicherlich nicht optimal. Optimal wäre, gleich nach Abu Dhabi und da zwölf Tage trainieren“, so van Marwijk, der aber Verständnis für die Bedürfnisse des Klubs hat. „Das ist normal, der Verein will Geld verdienen, der Verein muss Geld verdienen. Das machen inzwischen fast alle und das gehört wohl einfach dazu. Damit müssen wir leben. Wir sprechen viel mit der medizinischen Abteilung. Wir müssen das Beste daraus machen.“

Zuletzt war viel die Rede davon, dass van Marwijk härter durchgreifen will. Er selbst sagt: „Das habe ich nie gesagt. Ich bin sehr zufrieden mit der Einstellung der Spieler beim Training. Es werden ein paar Sachen geändert – aber die Intensität im Training ist so hoch, das muss nicht mehr werden.“ Was er ändern will? „Das wird sich noch zeigen. Aber ich kann sagen, ich bin voller Energie und dabei, den Verein kennenzulernen. Wir müssen einfach wieder geschlossener spielen, wieder zurück zur Basis. Die einzelnen Bereiche, Angriff, Mittelfeld, Abwehr müssen besser verteidigen. So, wie wir es eigentlich am Anfang meiner Zeit ganz gut gemacht haben. Wir gehen wieder ‚back tot he roots’“, sagt van Marwijk. Wie viel vom Verein er denn inzwischen kennen würde. Der Niederländer überlegt kurz, antwortet dann: „Vielleicht 60 Prozent. Ich habe noch einen weiten Weg zu gehen…“

Stimmt. Und wie steinig der wird, hat die Hinrunde angedeutet. Die vorgegeben Ziele wurden weit verfehlt, Aue, Düsseldorf und Paderborn sind näher als die Europa League. Ich hatte das im Dezember in einer Matzab-Sendung mal gesagt, dass ich glaube, die Mannschaft habe ein Qualitätsproblem und alle Beteiligten wären gut beraten, die Leistungsstärke realistischer einzustufen. Deshalb war ich auch froh, dass Rafael van der Vaart heute klar sagte: „Wir haben keine anderen Ziele momentan als den Klassenerhalt. Wir stecken im Abstiegskampf.“

Der erste Schritt zur Besserung ist die Erkenntnis. Und van der Vaart macht den ersten Schritt. Eine kleinen wohlgemerkt, aber ich hoffe, dass sich die Mannschaft anschließt und endlich begreift, dass sie über das Talent nicht kommen kann. Das reicht nicht aus, um zu bestehen. Das reichte – bei aller Hochachtung vor deren Leistungen – nicht einmal mehr für Augsburg und Mainz zuhause.

Rafael van der Vaart dürfte dabei einer der Schlüsselspieler werden. Ob er optimistisch ist? „Wir müssen da unten raus kommen. Es muss besser werden, das wissen bei uns tatsächlich alle. Aber es muss endlich auch mal passieren.“ Ob er weiß, weshalb die Mannschaft so großen Schwankungen unterliegt? „Am Ende haben wir nicht mehr gemacht, was wir machen müssen. Das hat man auf dem Platz gesehen und das Ergebnis war entsprechend.“ Wer den entscheidenden Impuls setzen muss, Mannschaft auf dem Platz oder der Trainer? „In der Kabine kann man noch so viel reden – das muss einfach raus. Fußball ist ein schönes Spiel, das müssen alle wieder spüren.“

Oha. Das klingt nicht nach einem Plan. Im Gegenteil, hier regiert weiterhin das Prinzip Hoffnung, dass es „einfach mal Klick macht“, wie man so schön sagt. Das kann es nicht sein, das ist amateurhaft. Und für mich am ersten Tag im neuen Jahr nach ei paar Wochen Urlaub bleibt nur die bittere Erkenntnis, dass noch nichts besser geworden ist und offenbar auch noch nichts Entscheidendes angeschoben wurde. Bitter.

Ein Zustand, der auch den rund 300 Fans beim heutigen Auftakt nicht wirklich Hoffnung machen kann. Vielleicht blieb beim Aufgalopp um 10.52 Uhr auch deshalb der Beifall der spalierstehenden Fans aus. Es scheinen alle zu wissen, dass der HSV handeln muss. Und ich bleibe dabei: diese Mannschaft hat nicht die Qualität, das vorgegeben Ziel von Platz sechs zu erreichen. Im Gegenteil, sie zerbricht eher an den eigenen Ansprüchen. Das Konstrukt, die Zusammenstellung: noch immer höchst fragil! Und so platt es klingt, wenn man in solchen Phasen nach Neuen ruft – ich mache es. Dem HSV fehlt ein Innenverteidiger mit der Qualität des Abwehrchefs neben Jonathan Tah, der für mich schon jetzt nicht mehr zu ersetzen ist. Djourous letzte Auftritte lassen wenig hoffen. Zudem fehlt ein Sechser mit der Qualität, dem Gegner Respekt einzuflößen. Ein Typ wie einst Nigel de Jong, der häufiger um Millimeter an einer Roten Karte vorbeischrammte, aber den Gegnern ordentlich Respekt einflößte und die eigenen Kameraden oft ansteckte. Zudem war der Niederländer auch in der Lage, das eigene Spiel schnell zu machen. Auf dieser Position rein aufs Spielerische zu setzen und mit Badelj sowie Arslan aufzulaufen, das kann man sich nur erlauben, wenn man so dominant auftritt, dass das eigene Defensivverhalten nicht mehr so ins Gewicht fällt. Aber davon kann keine Rede sein.

Noch sind 28 Tage Zeit, um Spieler abzugeben, oder sonstwie Geld aufzutreiben, um dieser Mannschaft einen neuen Impuls in Form eines neuen Spielers zu verleihen. Das muss die Aufgabe sein, an der sich Sportchef Oliver Kreuzer und der restliche Vorstand messen lassen müssen. Denn eines ist klar: Darauf zu setzen, dass es „einfach mal Klick macht“ wird den HSV seinen eigentlichen Zielen nicht näherbringen. Im Gegenteil: es gefährdet die Bundesligazugehörigkeit fahrlässig.

In diesem Sinne, morgen geht’s ins Trainingslager. Zuerst nach Indonesien, dann nach Abu Dhabi. Abendblatt-Reporter Kai Schiller ist für uns dabei und wird uns mit exklusiven Informationen versorgen.

Glaubt mir, ich wäre gern optimistischer in die Rückrunde gestartet und hätte von Aufbruchsstimmung, neuen Erkenntnissen und Lösungsansätzen berichtet. Aber ich sehe sie nicht. Leider.

Scholle

P.S.: Heiko Westermann fehlte heute noch, absolvierte nur leichtes Lauftraining und soll im Trainingslager wieder mit der Mannschaft trainieren. Zudem legte van Marwijk heute fest, auch Robert Tesche nicht mit ins Trainingslager zu nehmen.

Guten Rutsch – und vielen Dank für 2013!

“Wie geht es nun weiter?”

28. Dezember 2013

Winterpause. Fast alle sind im Urlaub, bereiten sich mental auf die Rückrunde vor. Mit nur 16 Punkten aus 17 Spielen hat der HSV mit Beginn des neuen Jahres eine Menge zu erledigen, es fehlt an allen Ecken und Enden, nichts ist bei den „Rothosen“ so in Ordnung, dass sich bequem zurückgelegt werden kann. Im Gegenteil, bei allen, bei wirklich allen müssten täglich die Alarmglocken schrillen. Und jeder müsste sich quasi rund um die Uhr die Frage stellen: „Wie kommen wir aus diesem Dilemma so schnell wie möglich wieder heraus?“ Ja, wie? Was ist zu tun? Laufen mir in diesen Tagen HSV-Fans über den Weg, dann werde auch ich immer wieder gefragt: „Wie geht es nun weiter?“ Ich bin leider auch kein Hellseher. Ich weiß nur, wenn hier nicht vom 3. Januar an eine ganz andere Gangart eingeschlagen wird, dann kann das alles doch noch ganz böse enden – denn die (Abstiegs-)Konkurrenz schläft nicht, diese Vereine haben sich schon lange mit ihrer prekären Situation auseinandergesetzt, haben die Lage erkannt und angenommen – und kämpfen dagegen mit allen Mitteln an. Und zwar miteinander.

Spreche ich mit den HSV-Anhängern über die Hinrunde, so komme ich auch immer wieder auf das Freiburg-Spiel. Da warf sich der SCF-Torwart Baumann ja gleich drei Dinger (beim 3:0-Sieg des HSV) selbst rein. Wenn diese drei Punkte nicht auf das HSV-Konto gewandert wären, was wäre dann wohl hier los? Man mag ja gar nicht daran denken . . .

Die letzte Rettung scheint für Fans des HSV einen Namen zu haben: Einkäufe. Der Club muss bessere Spieler kaufen, so wird oft gefordert. Die Antwort, die ich darauf gebe, ist immer dieselbe: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Und die Antworten, die Trainer Bert van Marwijk und Sportchef Oliver Kreuzer immer wieder auf die Frage nach neuen Spieler-Einkäufen unisono gaben, war die: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Obwohl das noch immer nicht alle verinnerlicht haben. Die wollen ja nichts von „einem stets klammen HSV“ wissen, die glauben immer noch an einen finanziell total gesunden HSV. Dass im vergangenen Sommer noch millionenschwere Spieler-Einkäufe getätigt wurden, das werten sie als untrügliches Zeichen dafür, dass es immer noch viel Geld im HSV gibt. Dass es aber immer Schulden oder ein immer größer werdendes Minus gibt, auch durch diese Verpflichtungen, das sehen sie nicht. Zum Ende meines Beitrags komme ich, weil ich dazu aufgefordert wurde, noch einmal auf dieses leidige Thema zu sprechen. Dass nur deswegen mit dem Vermarkter, von dem sich der Verein (HSV) eigentlich schon seit Jahren trennen wollte (ist alles nachzulesen), noch einmal verlängert wurde (das gab Millionen, die den Verein gerade noch vor einem totalen Finanz-Chaos bewahrten), das betrachten diese Finanz-Experten als völlig normal. Es ist so wie es ist . . .
Wie gesagt, am Ende kommt dieses Thema noch einmal hoch.

Zunächst aber noch einmal zu jenen Neuverpflichtungen, die nun helfen sollen – oder könnten. Das ist ein Trugschluss. Erstens wegen der fehlenden Geldmittel, zweitens wegen fehlender Angebote. Welcher Verein trennt sich jetzt von Spielern, die so gut sind, dass sie dem HSV eine Soforthilfe wären? Und selbst wenn so gute Spieler auf dem Markt wären – zu welchem Preis? Die wären (für den HSV) kaum bezahlbar. Und, wie geschrieben, sie müssten keine Ergänzungsspieler sein, sondern Profis, die dem Club sofort helfen. Von dieser Sorte aber laufen in Europa, nein, in der ganzen Welt herzlich wenige herum. Im Sommer ist das anders, aber im Winter sind solche (auch von der Konkurrenz) begehrten Exemplare wahre Raritäten.

Ich habe einmal nachgesehen, was es in diesem Jahrtausend an Winter-Transfers des HSV gegeben hat – also Einkäufe. Die Zahl derer ist, bis auf eine Saison, begrenzt. Das hat mich überrascht. So viele „Nachkäufe“ hat es gar nicht gegeben.

In der Spielzeit 2000/01 kamen in der laufenden Saison Erik Meijer, Tomas Ujfalusi und Jochen Kientz. Spieler, die nicht die ganz großen „Kracher“ waren, die aber immerhin mitgespielt haben – und zwar nicht schlecht. Wobei Ujfalusi für mich ein sehr, sehr guter Einkauf war, der Tscheche war ganz sicher überdurchschnittlich und eine sehr gute Stütze der HSV-Mannschaft.

Dann ging es weiter:

 

 

Saison 01/02: Am 1. Dezember kam Raphael Wicky, aber das blieb nicht die einzige Winter-Verpflichtung, denn es kam auch noch Bernardo Romeo (vielen Dank, Devildino!). Der HSV belegte am Ende Rang elf.

 

 

Saison 02/03: Im Winter kam Stürmer Naohiro Takahara, der es noch auf 16 Einsätze brachte, dabei aber nur drei Tore erzielte. Keine ganz so starke Bilanz. Der HSV belegte Platz vier.

 

 

Saison 03/04: Im Winter kamen Torwart Tom Starke und das Stuttgarter Talent Vjatscheslaw Hleb, beide Spieler spielten aber keine Rolle für den HSV, der am Ende Rang acht belegte.

 

 

Saison 04/05: Im Winter wurde Piotr Trochowski vom FC Bayern geholt, der Mittelfeldspieler wurde in Hamburg Nationalspieler. Der HSV belegte zum Schluss wieder Platz acht.

 

 

Saison 05/06: Im Winter gab es zwei Verpflichtungen. Eine lohnende, denn das war Nigel de Jong, und eine, die völlig daneben ging: Ailton. Der dicke Brasilianer war ein völliger Flop, aber der HSV schaffte seine beste Platzierung in diesem Jahrtausend, und zwar unter Trainer Thomas Doll: Platz drei.

 

 

Saison 06/07: Im Winter gab es drei Not-Einkäufe. Frank Rost ist bis heute der beste Winter-Einkauf des HSV aller Zeiten, denn der Torwart rettete dem HSV die Erste Bundesliga. Zudem war Ivica Olic eine überragende Verpflichtung, der Dauerläufer wurde – wie Rost – zu einer riesigen Stütze des HSV. Der „dritte Mann“ in diesem Bunde, Mathias Abel, spielte dagegen keine Rolle. Der HSV wurde am Saisonende noch (unter der Regie von Retter Huub Stevens) Tabellensiebter.

 

 

Saison 07/08: Im Winter wurden Vadis Odjidja Ofoe und Anton Putsila (in Hamburg fälschlich Putsilo genannt) unter Vertrag genommen, beide Spieler kamen über eine Mitläufer-Rolle nicht hinaus – der HSV belegte Rang vier.

 

 

Saison 08/09: Diese Spielzeit geht „in die Geschichte“ ein, weil es im Winter (unter dem Team Martin Jol/Dietmar Beiersdorfer) gleich sechs neue Leute gab – und nur einer davon mit einer großen Nachhaltigkeit aufwarten konnte: Tomas Rincon. Der Venezolaner ist bis heute dabei, alle anderen aber suchten – mehr oder weniger – schnell wieder das Weite. Oder mussten das Weite suchen: Albert Streit, Michael Gravgaard, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng (heute bei Hertha BSC fast ein Stammspieler) und Ersatztorwart Khalid Sinouh (wer hat ihn eigentlich noch drauf?). Der HSV wurde in dieser Spielzeit Tabellenfünfter.

 

 

Saison 09/10: In diesem Winter gab es nur eine Verpflichtung, aber die hatte es auch in sich: Ruud van Nistelrooy. Marketing-technisch ein „Kracher“, sportlich nicht. Tabellenrang sieben gab es dann für den HSV.

 

 

Saison 10/11: Der HSV endete auf Rang acht, im Winter hatte es keine „Nachkäufe“ gegeben.

 

 

Saison 11/12: Der HSV hielt mit Mühe und Not die Klasse, Platz 15 war es zum Schluss – ohne Verstärkungen im Winter.

 

 

Saison 12/13: Auch in diesem Winter keine einzige Verstärkung, am Ende gab es Rang sieben für den HSV. Der wohl eingesehen hatte, dass Winter-Verpflichtungen nicht so wirklich sinnvoll sind.

 

 

Seit 13 Jahren waren im Prinzip von insgesamt 23 Einkäufen nur Rost, Olic, Trochowski, Romeo, Wicky, de Jong und Rincon wertvolle Ergänzungen – weil Soforthilfen. Nicht wirklich lohnende Geschäfte für den HSV, eher war das Gegenteil der Fall, weil zu viel Geld für viel zu wenig (einfach nur) verplempert wurde.
Daraus ist allerdings zu schließen, dass sich auch in diesem Winter der HSV nur auf sicher verlassen sollte. Einfach mal die Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen. Das hätte schon was . . .

Nun noch ein ganz interessanter Brief, der mich nach den Festtagen erreichte. Vielen Dank dafür, auch wenn er, das habe ich natürlich durchaus registriert, kritisch mit mir, „Matz ab“ und dem Sport-Journalismus umgeht. Ich werde dazu am Ende dieser Mail noch einmal Stellung beziehen, jetzt erst einmal die Zuschrift:

„Moin Herr Matz,

erstmal hoffe ich, dass Sie, zusammen mit Ihrer Familie, schöne und erholsame Weihnachten verbracht haben. Und wünsche Ihnen hiermit auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr! Soweit, so gut. Nun gehts wieder zu unserem geliebten HSV und den, ich nenne es mal, Aufgaben, eigentlich sogar Pflichten, eines Journalisten. Seit mehr als einer Woche ist es nun auch offiziell: dem HSV geht es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr schlecht. Noch schlechter, als einige erwartet haben. Die vor kurzem veröffentlichte Bilanz lässt das nur zu gut erkennen. Nun meine Frage: Liegt es an der noch relativ knappen Zeit, dass eben über diese aktuelle (und zugleich schrecklich anzuschauende) Geschäftsbilanz der Saison 2012/2013 nur sehr oberflächlich berichtet worden ist, oder war das in der Tat schon alles, was wir dazu erwarten durften? Allgemein vermisse ich bei Ihnen und Ihren Kollegen vom Abendblatt eine detaillierte und tiefgreifende Analyse zu den aktuellen HSV-Verhältnissen. Insbesondere den Finanzen. Vieles ist so schwammig, so oberflächlich. Aber ist es nicht genau die Aufgabe eines Journalisten, eklatante Missstände klar und deutlich anzuprangern? Zum Beispiel so wie Ihre Kollegin Britta Kerhahn das vor einigen Tagen getan hat? Wobei Sie nicht mal außergewöhnliches geleistet hat, sie hat einfach nur das getan, was ein/eine Journalist/Journalistin tun muss. Nämlich Missstände aufdecken. Klar und deutlich. Darf man das zukünftig (vermehrt) auch von Ihnen und Ihren Abendblatt-Kollegen erwarten? So eine schöne, tiefgreifende Analyse der Finanzen des HSV, der aktuellen Bilanz 2012/2013? Wo z.B. ist das Geld der Fananleihe plötzlich hin?

. . .

Sehr viele HSV-Fans würden es Ihnen danken und sich mit Sicherheit sehr darüber freuen, solche detaillierte Analysen zukünftig in Ihrem, ansonsten durchaus interessanten HSV-Blog, zu lesen zu bekommen. Gerne aber auch beim Abendblatt direkt. Trauen Sie sich und lassen Sie zu diversen Themen mal “echte” Experten an die Tasten! Das würde dem Blog meiner Meinung nach sehr gut tun. PRO Gastbeiträge bzw. Expertenmeinungen.

Viele Grüße, Marcel“

 

 

Eine „schöne und tiefgreifende Analyse“ erwartet der User „Marcel“. Dazu muss ich einmal sagen, dass es solche „schönen, tiefgreifenden Analysen“ hier früher durchaus zu solchen Zahlen gegeben hat. Nur was war die Folge? Die Experten, und es gab hier tatsächlich solche Experten, die mit Zahlen im täglichen Alltag, also im Berufsleben, umzugehen hatten, diese Experten haben uns Punkt für Punkt widerlegt. Es wäre ja alles nur dummes Zeug, alles Blödsinn, es ist ohnehin alles ganz anders. Wir wurden als völlig „ahnungslos“ und als „Blinde“ hingestellt. Das ging nicht nur wochenlang, sondern monatelang und jahrelang so. Diese Herren (und auch Damen, muss ich leider sagen) wussten alles besser. Die glaubten unsere „schönen, tiefgreifenden Analysen“ nicht nur nicht, sie rechneten uns genau das Gegenteil von dem vor, was wir in unseren „schönen, tiefgreifenden Analysen“ errechnet und recherchiert hatten.

Davon, lieber „Marcel“, habe ich persönlich längst die Nase gestrichen voll. Sprechen diese Zahlen und Tatsachen, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht für sich? Ist das alles nicht alarmierend genug? Und bei diesem ganzen Dilemma in diesem HSV ist doch heute noch immer so, dass hier Leute glorifiziert werden, die für den finanziellen Absturz des HSV verantwortlich sind. Die Jungs, die dafür Verantwortung tragen, dass es mit diesem Club steil bergab ging, werden jetzt aber immer noch von Leuten glorifiziert, die zwar bei den HSV-Spielen auf der Tribüne dabei sind, sogar gelegentlich beim Training – die aber allein dadurch alles wissen (wollen) und die sich so den absoluten Durchblick verschafft haben. Woher dieser Durchblick dann aber auch immer kommen mag, ich habe diese Leute nie innerhalb des HSV mitarbeiten gesehen, geschweige dass sie sich HSV-intern erkundigt oder auch nur schlau gemacht haben, wie und warum alles so läuft – oder gelaufen ist?
Da wird munter drauf gemutmaßt und dann einfach rausgehauen, was ihrer Meinung nach einfach mal herausgehauen werden muss.

Vielleicht kommt eines Tages doch noch ein Mensch (des HSV), der einmal schonungslos auspackt und die Dinge offen beim Namen nennt. Das ist leider nie geschehen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch meine. Wenn eines Tages die eine oder andere Führungsperson des HSV so in die Enge getrieben worden ist, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als „auszupacken“, dann werden wir allen vielleicht doch noch einmal die ganze Wahrheit erfahren. Ich wünsche es mir.

Vieles ist „so schwammig, so oberflächlich“ – schreibt „Marcel“. In seinem vorherigen Beitrag hat „Scholle“ noch einmal – allerdings gar nicht so schwammig und oberflächlich – geschrieben, wie es um die Finanzen des HSV bestellt ist. Auch die Problematik mit dem Vermarkter, der noch einmal verpflichtet werden musste, weil sonst die schon so negativen Zahlen noch viel dramatischer gewesen wären.
Was ist daran „schwammig und oberflächlich“? Diese Bilanz wurde von allen Medien angeprangert. Das ist Tatsache. Und nun sind die HSV-Mitglieder gefordert, darauf zu reagieren. Wo es doch innerhalb des HSV noch immer (und ganz sicher) viele, viele Leute (Mitglieder) gibt, die die Zahlen ohnehin nicht als so dramatisch ansehen, als dass darauf reagiert werden müsste. Oder die diese Negativ-Zahlen einfach als “dummes Zeug” abtun.

Kurios in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass es nun im Aufsichtsrat Personen gibt, die eine solche Kontrolle (des Vorstands) immer von ihren Vorgängern nicht nur erwartet, sondern auch stets und ständig mit Nachdruck, Vehemenz und auch mit vielen bösen Worten (oft hinter der vorgehaltene Hand) gefordert hatten, die heute aber selbst alles nur abnicken und mittragen.
Alles halb so wild? Genau, alles nur halb so wild!
Offenbar wollen es im HSV viele so „schwammig und oberflächlich“.

Allen aber, denen die Tatsache, dass die negativen HSV-Zahlen nur durch eine eigentlich nie gewollte Verschönungskur (mit dem Vermarkter) „gerettet“ wurden, zu denken gibt, die sollten sich endlich wehren. Am 19. Januar können die Weichen für eine bessere Zukunft des HSV gestellt werden, diejenigen, die dabei mithelfen wollen, die müssen dann nur Flagge zeigen, ins CCH kommen und wählen. So einfach wäre das.
In diesem Zusammenhang stelle ich mir übrigens schon seit geraumer Zeit zwei nicht ganz unwichtige Fragen:

Wieso engagieren sich eigentlich so viele ehemalige HSV-Profis für diese neuen HSV-Strukturen – wieso? Ich kenne bislang keinen „Ehemaligen“ (Spieler) des HSV, der dagegen ist.
Und warum sind so viele Leute, die nie an den Außenlinien auf- und abgelaufen sind, um dann eine halbhohe Flanke zur Mitte zu schlagen, so sehr dagegen? Weil diese Leute ganz einfach viel mehr Ahnung vom Profi-Fußball haben?

Ihr solltet vielleicht einmal darüber nachdenken.

Und nicht vergessen:
Ich bin für ein friedliches Miteinander.

17.57 Uhr

Bangen um Adler – Jansens Freude auf Bayern

11. Dezember 2013

Nun ist der HSV ja nicht Manchester City, das ist schon klar, aber die Engländer haben es immerhin geschafft, den großen FC Bayern, den europäischen Überflieger, die zurzeit weltbeste Vereinsmannschaft zu besiegen. Damit ist immerhin der Beweis angetreten, dass ein solches Unterfangen durchaus gelingen kann, da muss man nicht einmal Weltklasse-Fußball abliefern oder bieten – weil die Bayern ganz einfach schwach waren. Zwei geschenkte Tore zu Beginn, und dann wurde nur noch „Fünf gegen Zwei“ gespielt. Das musste sich rächen. Und dann bewahrheitete sich auch wieder einmal eine alte, eine ur-alte Fußballer-Weisheit, die besagt, dass man den Hebel dann nicht mehr umlegen kann, wenn der Schlendrian erst einmal Einzug in die Mannschaft gehalten hat. Spätestens nach dem 2:3 hatte ich das Gefühl, dass die Bayern dann doch noch einmal ein wenig wollten, aber es ging nichts mehr. Das sollte den HSV doch ermutigen, dass die Sache vielleicht doch nicht ganz so aussichtslos ist, wie sie uns allen bislang noch erscheint.


„Blöd gelaufen.“ Das sagte Bayerns Nationalspieler Mario Götze nach der Niederlage. In der Tat, das war blöd gelaufen. Und Trainer Pep Guardiola mutmaßte: „Vielleicht brauchen dieser Verein, dieser Trainer und die Mannschaft eine Niederlage, um zu wissen, wie schwierig es ist, die Spiele zu gewinnen – in der Bundesliga und in Europa.“ Und Karl-Heinz Rummenigge forderte seine Stars auf, „aus dieser Niederlage die richtigen Lehren zu ziehen“. Franck Ribery konnte die 90 Minuten unmittelbar nach dem Schlusspfiff noch nicht fassen: „Ich weiß nicht, was passiert ist.“ Doch Thomas Müller befand: „Da sind so ein bisschen die Menschen in uns durchgekommen.“ Stimmt wohl auch. Die Bayern wurden schon als Außerirdische angesehen, nun aber haben sie gezeigt, dass selbst sie verwundbar sind. Ich hoffe nur, dass mit der sich nun eventuell einstellenden Bayern-Wut der HSV gut umgehen kann – und nicht so leiden muss. Ich hoffe . . .

Obwohl ich glaube, dass zurzeit nicht alle Bayern-Überflieger ihre beste Form mit sich herumtragen. Kroos habe ich kaum gesehen, Müller nur so richtig beim 1:0, Ribery im zweiten Durchgang kaum noch einmal, Götze tauchte unmittelbar nach seinem (Abseits-)Tor zum 2:0 ab, Alaba war schon einmal dominierender auf links, Boateng war nicht so sicher wie sonst, und wen ich ja ein „wenig gefressen“ habe, das ist Dante. Der gibt als Innenverteidiger den Spielmacher. Wobei sein Pass zum 1:0 auf Müller Weltklasse war, das stimmt, aber ansonsten stochert der nur noch wie ein Storch im Salat herum. Da fehlen nur noch weiße „Buffer“ und weiße Handschuhe. Dante war früher eine Kante, der langte zu, der ging zur Sache, aber heute will er seine Aufgaben mit links, auf jeden Fall nur spielerisch lösen – und das geht in letzter Zeit einige Male schön daneben. Die Chance für den HSV? Für Pierre-Michel Lasogga? Es wäre zu hoffen.

Auf jeden Fall weiß der HSV, dass die Bayern nicht unverwundbar sind, und der HSV wird wissen (darüber hat sie Trainer Bert van Marwijk schon eindringlich aufgeklärt!), dass er dramatisch zulegen muss, um doch wenigstens eine ganz kleine Chance in München zu haben. Dramatisch zulegen!

Dabei steht noch gar nicht fest, mit welcher Formation der „Dino“ in München wird antreten können, denn Ivo Ilicevic, der für den gesperrte Maximilian Beister spielen sollte, fehlte auch heute aus „familiären Gründen“ beim Training, und auch von Rene Adler war nur etwas zu sehen, als er die Arena betrat. Auf dem Rasen zeigte sich der Nationaltorwart gestern und heute nicht, er arbeitete im Stadion. Sein Einsatz aber für Sonnabend steht in den Sternen, denn der HSV-Torwart hat sich eine Sprunggelenkverletzung zugezogen, eine Kapseldehnung. Einsatz, so hieß es heute beim HSV, am Sonnabend ungewiss. Sollte Adler nicht durch sein Tor fliegen können, wäre das natürlich ein herber Rückschlag für den HSV, obwohl mit Jaroslav Drobny natürlich auch ein erstklassiger Keeper als Ersatz parat stünde. Mal abwarten, wie sich diese nicht ganz so nette Geschichte entwickelt.

Was er von der Niederlage gegen Manchester City halten sollte, das wusste heute Marcell Jansen nicht so recht. Der Ersatz-Kapitän des HSV sagte über die derzeitige Situation: „Nach dieser Niederlage könnte man vermuten, dass die Bayern so ehrgeizig sind, um am Sonnabend erst recht gegen uns zu gewinnen. Hätten sie hoch gegen ManCity gewonnen, dann hätte man gesagt, dass sie es nun am Sonnabend locker gegen den HSV angehen lassen können – aber so etwas gibt es im Endeffekt nicht. Die Bayern haben einen ganz klaren Plan, den sie durchziehen, und wir müssen uns darauf konzentrieren, dass wir an diesem Sonnabend an unsere Grenzen kommen, um einen richtigen Fight abzuliefern. Das ist entscheidend, unabhängig von dieser knappen Bayern-Niederlage.“

Marcell Jansen kehrt an eine seiner früheren Stationen zurück, er war ein Bayern-Profi, kennt die Münchner Verhältnisse. Er lässt sich von den „Überfliegern“ nicht schrecken: „Ich fahre dorthin, um ein geiles Spiel zu machen. Ein tolles Stadion, ein Mega-Bundesliga-Spiel, darauf freue ich mich, darauf sollten wir uns alle freuen.“ Aber wie kann man dort gewinnen? Jansen: „Wir müssen aus unseren Köpfen streichen, was war, einfach nach vorne blicken. Wir müssen Spaß und Frischheit entwickeln, um kleine Nadelstiche und freche Aktionen zu setzen. Und man muss als Mannschaft sehr, sehr gut verteidigen – und zwar als Mannschaft gut verteidigen. Das ist uns beim 2:9 zuletzt natürlich nicht gelungen, aber wenn es diesmal klappt, dann können wir auch dort ein gutes Spiel machen. Aber es muss eben an diesem Tag auch vieles passen.“ Dann sagt Marcell Jansen weiter: „Für uns geht es um viel in den letzten beiden Spielen des Jahres, wir haben halt vorher auch ein bisschen etwas liegen lassen an Punkten, und dazu zähle ich nicht das Augsburg-Spiel. Das war ein gebrauchter Tag, da waren wir einfach nicht gut; damit kann ich besser leben, als vorher mit den Spielen in Wolfsburg, Leverkusen und Mönchengladbach, da hätten wir uns eigentlich viel mehr ärgern sollen, denn da war mehr möglich.“

Dann konkretisiert er: „Nach dem Spiel in Wolfsburg konnte ich die Nacht nicht schlafen, so sehr habe ich mich geärgert. Da haben wir die letzte halbe Stunde auf ein Tor gespielt und nur ein 1:1 erzielt, das kann ich nicht fassen, nach einem solchen Spiel bin ich dann lange nicht ansprechbar. Nach dem Augsburg-Spiel dauert es vielleicht nur zwei Stunden, bevor ich einschlafe, weil ich einfach sage, dass wir den größten Mist zusammengespielt haben. Anders als zuvor in Leverkusen und Mönchengladbach, wo mehr drin war, wo wir uns aber selber geschlagen haben – und damit kann ich dann nicht leben, das ärgert mich maßlos.“

Fährt er nicht auch nach München mit dem Hintergedanken im Gepäck, Schadensbegrenzung zu betreiben? Marcell Jansen wird sofort lebhaft: „Wenn man als Sportler mit dem Gedanken anreist, nur Schadensbegrenzung betreiben zu wollen, dann solltest du besser gleich zu Hause bleiben und sagst dem Trainer, dass du nicht spielen willst. Fehler machen und verlieren, das kann man gegen jeden Gegner in der Bundesliga, das ist klar, gegen Bayern zu verlieren wäre auch keine Schande, aber ich denke über Schadensbegrenzung gar nicht erst nach. Ich fahre nach München, um mich mit diesen Spielern zu messen, ich versuche dort, an meine Grenzen zu gehen, das ist entscheidend. Und wenn man so eingestellt ist, das hat der Fußball doch schon so oft bewiesen, dann kann man durchaus auch positive Dinge kreieren – und etwas holen. Das ist unsere Aufgabe am Sonnabend.“

Marcell Jansen war nach dem Augsburg-Spiel der einzige HSV-Spieler, der nicht um den heißen Brei herumgesprochen, sondern klar und deutlich gesagt hat, wieso es zu einer solchen Pleite kommen konnte. Erntet er dafür von allen Seiten Zuspruch? Jansen: „erstens nehme ich da selbst nicht aus, denn ich rede immer von uns und von der Mannschaft, aber ich kann die Fans verstehen, wenn sie nach einer solchen Vorstellung sauer sind. Das ist ganz einfach nicht gut.“ Stimmt. Dann bekräftigt Marcell Jansen noch einmal: „Ich habe diese Tendenz der ersten Halbzeiten auch in den Spielen nicht gesehen, wo es danach hieß, wir hätten ein Riesen-Spiel gemacht. Ich habe in den letzten Spielen keine gute erste Halbzeit gesehen – auch weil wir als Spieler auf dem Platz die falschen Entscheidungen getroffen haben. Wir haben uns in diesen ersten Halbzeiten das Leben selbst schwer gemacht, haben uns nicht gegenseitig geholfen – ob das Hannover war, Wolfsburg, Köln oder in Leverkusen. Und gegen Augsburg hat uns die erste Halbzeit zum ersten Mal die Strafe gegeben, dass wir auch in der zweiten Halbzeit nicht mehr ins Spiel hineinkamen.“

Gegen Augsburg schien Trainer van Marwijk draußen am Rand heißer zu sein, als seine Spieler auf dem Rasen. Sieht Jansen das auch so? Der Nationalverteidiger sagt: „Der Trainer ist immer heiß. Aber vielleicht hat er frühzeitig gemerkt, dass wir auf dem Platz zu viel nachdenken, anstatt zu machen. Wir waren einfach unsicher, uns war einfach nicht klar, wie wir uns in dieses Spiel hineinkämpfen sollen.“

Dann habe ich Marcell Jansen noch gefragt, ob er sich als HSV-Spieler noch an einen positiven HSV-Auftritt in München gegen den FC Bayern erinnern kann? Er konnte nicht, denn Jansen sagte: „Ich kann mich an ein Spiel Bayern – HSV erinnern, da erzielte Nigel de Jong kurz vor dem Ende das Siegtor für den HSV. Damals hat es geschneit – aber da habe ich noch nicht für den HSV gespielt.“ Richtig. Der Schnee von gestern. Das Spiel, was Marcell Jansen meint, fand am 4. März 2006 statt, der HSV gewann 2:1 bei und gegen die Bayern. Damals hatte Trainer Thomas Doll (der zu 99 Prozent neuer Coach des ungarischen Erstliga-Clubs Ferencvaros Budapest wird – soll heute noch oder morgen perfekt gemacht sein!) folgende Mannschaft aufgeboten: Wächter, Mahdavikia, Demel, Boulahrouz, Atouba, Jarolim, de Jong, Trochowski (90. Reinhardt), van der Vaart (67. Klingbeil), Takahara (87. Fillinger). Guy Demel hatte das 1:0 erzielt, bevor de Jong in der 89. Minute traf.
Marcell Jansen aber kam erst im Sommer 2008 zum HSV . . .
Aber dann könnte er ja jetzt Geschichte mit dem HSV in München schreiben. Wir alle würden uns dann garantiert noch Jahrzehnte später dran erinnern.

So, noch einige Dinge am Rande:

Im Training hat heute Tomas Rincon Rechtsverteidiger gespielt. Auch eine Variante. Vielleicht sogar eine viel bessere. Dazu dann Tolgay Arslan und Milan Badelj als „Sechser“ – das hätte schon was.

Und: Bislang sind 43 000 Karten für das letzte HSV-Spiel des Jahres verkauft, der HSV trifft unmittelbar vor dem Weihnachtsfest im Volkspark auf Mainz 05. Gaaaanz wichtig, diese Begegnung, gaaaaaanz wichtig.


Themenwechsel:
Zum gestrigen Beitrag des „Matz-abbers“ „Waltero“ gab es heute eine Ergänzung, und wie ich finde, ist das eine überaus lesenswerte Ergänzung. Auch von „Waltero“ geschrieben – vielen Dank dafür. Es geht los – und ich glaube, dass einige von Euch bass erstaunt sein werden, wenn sie das hier gelesen haben:

Guten Abend Herr Matz,

erst einmal schönen Dank, dass Sie meinen Kommentar herausgestellt haben. Im Endeffekt habe ich mir die Zahlen von Bundesliga.de etwas genauer angeschaut, um meine subjektiven Eindrücke zu der fehlenden Laufleistung der Profis zu untermauern. Und ich finde, in den Zahlen von Bundesliga steckt auch eine Menge an Informationsgehalt, zumal man die Werte aller Vereine vergleichen kann. Aus diesem Grund habe ich Ihnen auch noch einmal die Tabelle angehängt.
Kurz zu meiner Arbeit: Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, kann aber natürlich nicht komplett ausschließen, dass ein Zahlendreher enthalten ist. Die Daten stammen wie gesagt von Bundesliga.de und können dort von jedem Interessierten eingesehen werden (Analyse, Teamstatistik). Ich habe in der Tabelle Minimalwerte rot und Maximalwerte grün gekennzeichnet. In der oberen Hälfte finden sich die Tracking-Daten vom 15. Spieltag. Da ich mir die Daten vor den Sonntags-Spielen angeschaut habe, habe ich für die vier Sonntags-Teams die Tracking-Daten vom 14. Spieltag verwendet. In der unteren Hälfte finden sich die gesamten Tracking-Daten der Mannschaft des HSV in dieser Saison, unterteilt nach Spieltagen. Mit der Spalte „Anzahl der Kategorien besser als Gegner oder gleich gut“ habe einen (einfachen) Indikator konstruiert, mit dem ich bewertet habe, ob die Laufwerte des HSV besser oder schlechter als die Gegners waren. Ich habe dazu einfach die Kategorien gezählt (also Gesamtdistanz, intensive Läufe usw.), in denen der HSV einen besseren oder gleichguten Wert wie der Gegner hatte. Bei 0-3 Punkten habe ich den HSV als läuferisch unterlegen bewertet, bei 4 Punkten gleich gut und ab fünf Punkten überlegen.

Was mich ärgert bei der Betrachtung der Zahlen: Dass sich der HSV von einer Woche auf die nächste von einer Mannschaft, die sich behäbig über den Platz bewegt (1. bis 6. Spieltag Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 6,5 und 7 km/h), zu einer der bewegungsfreudigsten Teams in der Bundesliga wandelt (7. bis 11. Spieltag zwischen 6,9 und 7,5 km/h – also am oberen Limit; am 15. Spieltag war Stuttgart am schnellsten unterwegs mit 7,6 km/h) – und alles nur, weil ein neuer Trainer da ist… Offensichtlich kann die Mannschaft ja schneller laufen, ruft es allerdings nicht ständig ab. Leider geht der Trend inzwischen schon wieder in die andere Richtung, die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt stetig…

Guckt man sich den Vergleich der Tracking-Daten mit denen des direkten Gegners an, fällt auf, dass wir nur in drei Spielen überwiegend bessere Laufwerte als der Gegner hatten. Ich hatte es ja schon geschrieben, dass Braunschweig viel weniger als alle anderen läuft und dem Gegner so natürlich weniger abverlangt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass wir ausgerechnet gegen Gladbach und Leverkusen mehr gelaufen sind. Die Teams sind spielerisch überlegen und Gegner müssen daher mehr investieren, um diese beiden Mannschaften zu schlagen. Die Spiele gingen ja trotzdem verloren. Aber gegen alle anderen Mannschaften, insbesondere die auf Augenhöhe, sieht man läuferisch nicht gut aus… Das kann doch irgendwo nicht sein! Wie will man ein Team, das sich spielerisch auf Augenhöhe befindet, besiegen, wenn man weniger als der Gegner investiert? Und bei den Top-Mannschaften haut man dann die Kilometer raus, weil man ja ansonsten keine Chance hat. Im Ergebnis wird allerdings immer zu wenig investiert, wenn man eine derartige Saisonarbeitermentalität an den Tag legt… Ich denke, das ist auch der Grund, weshalb ausschließlich gegen die schwächeren Teams gewonnen wird – bei den anderen wird systematisch zu wenig investiert oder sie sind einfach spielerisch so deutlich überlegen, dass das durch mehr Laufen nicht zu kompensieren ist.

Noch ein abschließendes Wort zu dieser Tabelle: Ich gebe zu, dass es wirklich etwas schwierig ist, Schlüsse aus diesen Zahlen zu ziehen. Und viel Laufen ist natürlich auch nicht alles im Fußball. Da wir jedoch spielerisch momentan alles andere als Top sind, sollte zunächst einmal Einsatzwille und Laufbereitschaft vorhanden sein, um überhaupt einen gleichstarken bzw. auch stärkeren Gegner zu bezwingen. Und da habe ich (nicht nur wegen der Zahlen) so meine Zweifel. Wenn der Trend so weiter geht und BvM das Ruder nicht rum reißt (wie es Fink in seiner Amtszeit diverse Male gemacht hat), kann das diese Saison noch eine ganz bittere Geschichte werden!

Vielen Dank „Waltero“, auch dieser Beitrag ist wieder sehr, sehr lesenswert, es stehen viele interessante Dinge darin – die mich zum Staunen und zum Nachdenken gebracht haben. Ich hoffe nur, dass das auch mal an maßgeblicher Stelle gelesen wird, damit dem einen oder anderen Herrn in der HSV-Führung doch einmal die Augen aufgehen.
Ich habe übrigens einiges an Lob erhalten, weil ich gestern den Beitrag von „Waltero“ veröffentlicht habe, denn es ging offenbar vielen „Matz-abbern“ so wie mir – sie bekamen den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu. Also, „Waltero“, gleich zweimal Dank für diese Berichte und Erkenntnisse.


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Und noch eine Ergänzung zum Beitrag vom Dienstag. Es geht um die widerwärtige Schal-Aktion, die für Empörung und Entsetzen gesorgt hat. Dazu erreichte mich auch eine Zuschrift, die ich gerne weitergebe (der Absender ist mir persönlich bekannt):

Hallo Dieter,

da lese ich doch Deinen Blog und möchte mich auch mal kurz zu der Schal-Affäre melden.

Es war definitiv nicht nur ein Schal. Nach den Erzählungen vermute ich, dass das in so gut wieder jeder Toilette im B/C-Rang in Nord der Fall war. Ich habe es selbst gesehen in der Toilette zwischen Nord und West. Ein Schal in der Rinne – ein zweiter direkt im Klo.

Blöderweise habe ich nicht schnell genug geschaltet. Ich hatte nur gedacht, was denn da Doofes passiert ist. Erst danach habe ich mitbekommen, dass HSV Plus Schals verteilt hat – und dann konnte ich mir meinen Teil denken.

Ich weiß von anderen, die in andern Toiletten das auch gesehen haben. Also definitiv kein Einzelfall.

Ich finde es absolut erschreckend, wie hier vorgegangen wird und teile die Sorgen, dass es immer schmutziger (im wahrsten Sinne des Wortes) zugehen wird. Sehr schade!

Dann gibt es noch etwas Neues bei „HSVPlus“. Erst-Otto Rieckhoff hat einen weiteren prominenten Mitstreiter an seiner Seite, nämlich Werner E. Klatten. Der 69-jährige Jurist ist aktueller Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe und Mitglied des Kuratoriums Bundesligastiftung. Zusätzlich ist er ehemaliger Chef von SAT 1 und DSF, Spiegel TV und Spiegel Net AG, EM.TV bzw. Constantin Medien.

Mit Klatten hat HSVPlus ein Interview geführt, dass Ihr selbstverständlich auch bei HSVPlus lesen könnt, ich habe mir mir einmal die erste Frage herausgepickt:

Herr Klatten, in den letzten zehn Jahren sind Sie im Zusammenhang mit dem Hamburger Sport-Verein nicht in Erscheinung getreten. Gleichwohl sind Sie mit der Beteiligung an TEAM quasi als einer der Erfinder der Champions League eine führende Persönlichkeit in der deutschen Sport- bzw. Fußballszene. Warum unterstützen Sie HSVPLUS?

Werner E. Klatten: „Ich habe den Großteil meines privaten Lebens in Hamburg verbracht. In jener Zeit ist meine persönliche Liebe zum HSV gewachsen. Seither verfolge ich die Entwicklung auf und neben dem Platz. Ich halte die Initiative von Otto Rieckhoff – damit meine ich im Kern die Trennung von Universalsportverein und Profifußball – für zwingend. Das vorliegende Konzept ist eine sehr gut gemachte und vernünftige Grundlage für bessere Rahmenbedingungen innerhalb des Traditionsvereins HSV mit angeschlossenem Wirtschaftsbetrieb.“

Wie geschrieben, auf HSVPlus gibt es das ganze Interview mit Klatten zu lesen.

PS: Am Donnerstag gibt es kein öffentliches Training.

18.17 Uhr

Van der Vaart: “Es tut natürlich weh . . .”

21. August 2013

Ein Kollege von mir, eingefleischter und hundertprozentiger HSV-Fan (seit Jahrzehnten), er ist wirklich und absolut kein Schön-Wetter-HSV-Fan, hat mir folgende sms geschickt:

„Du weißt, wie es um diesen Verein steht, wenn dein sechsjähriger Sohn dich fragt: ‚Papa, hat der HSV eigentlich schon mal gewonnen . . ?’ Traurig.“

Lieber Kollege, Du kannst Deinem kleinen Knaben sagen, dass der HSV am Sonnabend gewinnen wird. Wahrscheinlich jedenfalls. Im HSV gehen sie davon mal aus. Da heißt es zurzeit: „Wenn wir gegen Hertha gewinnen, dann eine Woche später auch gegen Braunschweig, dann haben wir einen guten Saisonstart hingelegt.“ Wenn. So heißt dieses Zauberwort, und daran klammern sich im Moment fast alle. Wenn.

Und wenn nicht? Das wird nicht geklammert, das wird ausgeklammert. Lassen wir uns mal überraschen, denn so, wie es jetzt aussieht, werden die Spieler, die dieses 1:5 gegen Hoffenheim verbockt haben, wohl wieder eine Chance bekommen. Bis auf Marcell Jansen, denn der hat heute nicht trainiert – und wenn ich gefragt werde, so gehe ich davon aus, dass der Nationalspieler auch am Sonnabend nicht zum Einsatz kommen wird, kommen kann. Für ihn dürfte dann der junge Zhi Gin Lam auf links verteidigen, denn Dennis Aogo ist ja aus dem Verkehr gezogen worden. Wie übrigens auch Tomas Rincon, der ja auch kurz mal nach Mallorca gejettet war. Ich kann nur sagen: schade, schade. Ich hätte Aogo gerne mal wieder auf hinten links gesehen, und ich hätte auch Rincon gerne mal, als Defensivstabilisator, auf der Sechs gehabt. Diese beiden Wünsche muss ich dann wohl noch ein wenig hinten anstellen.

Gespannt bin ich ferner darauf, ob Heiko Westermann in der Stamm-Formation bleiben wird. Heute hat er im Trainingsspielchen für die A-Mannschaft verteidigt. Und während er das tat, hatte ich ein friedliches Streitgespräch mit einem „Matz-abber“, der so sehr wünscht, dass Westermann mal nicht . . . Auf dem Weg in die Redaktion schloss ich mich dann erstmalig diesem Wunsch an. Ich drücke die Daumen, dass Westermann am Sonnabend gegen die Hertha nicht spielen darf. Er wird wohl dennoch spielen, denn wenn Jansen fehlt, dann würde schon mal die halbe Viererkette fehlen, aber wünschen darf ich es mir doch mal – oder? Denn dann, und davon bin ich restlos überzeugt, würden alle die Fans, die Westermann gerne draußen sehen würden, mal erleben können, wie es ohne den großen Kämpfer geht. Natürlich, auch ich würde es erleben, aber ich bin davon restlos überzeugt, dass dieser Schuss nach hinten losgehen würde. Deswegen hoffe ich es – und wenn es nur diesen einzigen Versuch geben würde . . .

Wobei ich gerne zugebe, dass Heiko Westermann gegen Hoffenheim wirklich mal schwach gespielt hat. Nur – wer hat das nicht? Sie waren doch alle grottenschlecht, und zwar ohne Ausnahme (im Feld jedenfalls). Und das müssen die Spieler dann eben auch mal einsehen, sie müssen es auf jeden Fall auch mal verkraften, dass sie nicht von der Presse gepudert werden – nach einem solchen Desaster. Das kann aber nicht jeder. Aber eine solche 1:5-Klatsche ist eben nicht nur eine Niederlage, sondern eine totale Vernichtung. Und dann darf auch nichts beschönigt werden, dann muss die Wahrheit auf den Tisch, dann muss Tacheles gesprochen – und geschrieben werden. Es ist nur menschlich, wenn der eine oder andere Spieler dann „maulig“ ist, aber dennoch hoffe ich, dass er sich im stillen Kämmerlein einsichtig zeigt und dann befindet: „Der hat ja Recht, ich war wirklich schlecht wie die Suppe . . .“ Wie hat mit heute gerade der ehemalige HSV-Verteidiger Tobias Homp noch gesagt? „Selbstkritik ist der beste Weg, wieder zur Bestform zurückzufinden.“ Aber genau.

Aber, auch das ist mir natürlich bekannt, Selbstkritik ist erstens nicht jedermanns Geschmack, und ist darüber hinaus auch stark aus der Mode gekommen. Leider, leider.

Kurz, ganz kurz nur möchte ich noch einmal auf Mallorca und Aogo zurückkommen. Dieses Thema hat alles andere, was sich um dieses 1:5 rankt, verdrängt. Mir wäre es lieber, wenn statt Mallorca tatsächlich mal „knallhart“, so wie es der Sportchef Oliver Kreuzer angekündigt hatte, über dieses 1:5-Dilemma diskutiert werden würde. So dass dann tatsächlich mal die Fetzen fliegen und schonungslos die Wahrheit ans Tageslicht kommen würde. Aber beim HSV, so sagte es mir heute noch einmal ein Trainingskiebitz, „wird viel zu viel schöngeredet – und zwar seit Jahren schon“.

Und um das noch einmal zu sagen: Ich habe Sportchef Oliver Kreuzer für seine klaren Worte nun schon mehrfach gelobt, und ich finde es mutig, dass Kreuzer nun gesagt hat: „Solche Dinge werde bei mir sanktioniert, ganz klar.“ Der Trainer wusste nicht, dass der Sportchef Aogo schon für den Berlin-Ausflug gesperrt hatte – auch das bewerte ich positiv. Weil Kreuzer durchgreift, in Zukunft auch weiter durchgreifen wird. Speziell zu Dennis Aogo sei noch gesagt, dass er WM-Teilnehmer und Nationalspieler war, und dass er nun kein Stammspieler mehr ist – beim HSV! Das sollte ihm vielleicht auch ein wenig zu denken geben. Und wenn er dann zu dem Schluss kommt, dass es nicht am Trainer liegt (diese Frage muss er für sich beantworten), denn müsste er (Aogo) zu dem Ergebnis kommen, dass er mehr tun muss als andere, um wieder in Form zu kommen, dass er wieder erste Wahl für den HSV ist. Das allerdings muss dann wirklich jeder Spieler, nicht nur Dennis Aogo, für sich beantworten.

Um noch einmal das Thema zu wechseln: Wenn denn aber in Berlin gewonnen wird (vom HSV), und von mir aus auch eine Woche später gegen Braunschweig, dann ist ohnehin nicht mehr nötig, dass über dieses 1:5 auch nur noch ein Wort verloren wird. Wenn. Warten wir es mal ab.

Wenn aber nicht, dann werden sich auch danach wieder einige Ehemalige des HSV zu Wort melden. So wie es jetzt schon geschehen ist. Das ist ja immer so, schon seit Gründung der Bundesliga ist das so – und das ist auch gut so. Obwohl natürlich auch das von einige immer wieder scharf verurteilt wird. Aber zu 99 Prozent sind es doch die Spieler, die einst ganz Großes für den HSV geleistet haben, und die es auch heute noch immer nur gut meinen mit ihren Rothosen. Es äußert sich doch keiner deswegen negativ, weil er inzwischen Werder- oder St.-Pauli-Fan ist, sie äußern sich besorgt (und gelegentlich, stimmt auch, negativ), weil sie um ihren Dino zittern. Und sie wollen mit ihren (teilweise mahnenden) Worten auf- und wachrütteln. Nur das. Denn auch sie, die ja durchaus auch ein wenig (!) Ahnung von der Materie haben, sehen, was hier falsch läuft – seit Jahrzehnten. Und was das Gute ist: Niemand dieser Ehemaligen erhebt doch irgendwelche Ansprüche, um mitmischen zu wollen, um ein Pöstchen bekommen zu wollen.

Obwohl ich es, ich ganz persönlich, schon begrüßen würde, wenn der eine oder andere wirklich große HSV-Spieler von einst tatsächlich mitmischen würde, davon mal ganz abgesehen. Aber das ist zurzeit ja nicht möglich, denn jeder, wirklich jeder, lehnt es ja in dieser Konstellation ab, da irgendwie ein wenig Verantwortung tragen zu wollen. Aber gut, so ist es eben. Nur hoffe ich, dass sich die Zeiten schon bald und demnächst ändern werden. Zum Wohle des HSV.

Und für mich könnte auch Klaus-Michael Kühne durchaus eine solche Position beanspruchen und dann auch bekleiden. Ach wenn ich selbstverständlich weiß, dass es auch hier einige hartgesottene HSV-Fans gegenteiliger Meinung sind. Sie haben zwar zähneknirschend akzeptiert, dass der Herr Kühne hier einige Milliönchen in den Club gepumpt hat (nein, geschenkt hat er sie), aber das hat er ja auch freiwillig getan. Wo der HSV heute ohne die Kühne-Milliönchen stehen würde, ist natürlich eine ganz andere Frage. Und die wird auch gewiss nicht von jedem HSV-Fan beantwortet. Aber auch das ist gut so. Deswegen wird der HSV ja auch weltweit bewundert, von vielen, vielen anderen Clubs dieses Erdballs, und er wird natürlich auch beneidet – wegen der Mitbestimmung seiner Fans. So muss es sein.

Zum Glück will der Herr Kühne ja auch keine Milliönchen mehr geben. Wegen der unpassenden Strukturen des HSV, und wegen die Leute, die den Verein führen. Inklusive aller Räte, die sich um diesen Verein bemühen und verdient machen. Jeder ist enorm wichtig, jeder kann seinem HSV jederzeit sagen, was falsch läuft, wie es richtiger laufen könnte – mit ihm. Und ohne Kühne. Um an Geld zu kommen, das ist überhaupt die (!) Lösung, müsste der HSV doch einfach nur einige Spieler verkaufen. So wie früher, als Jungs wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten und zum Beispiel Jerome Boateng ge- und wieder verkauft worden sind. Alles ganz einfach. Heute müsste der HSV nur Spieler wie Gojko Kacar, Paul Scharner, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Robert Tesche und noch ein paar mehr verkaufen, und dann hätte er die Kasse wieder bestens gefüllt.

Oder liege ich da falsch? Wie, der HSV versucht schon seit Wochen, diese Spieler zu verkaufen? Und das gelingt nicht? Wieso das denn? Kann nicht angehen, kann ich nicht glauben. Das sind doch alles hochbezahlte HSV-Profis . . . Nun gut, das wird noch. Ganz sicher. Und wenn nicht? Dann hat der HSV ja auch schon Übung im Verschenken. Marcus Berg hat es uns allen und dem HSV ja vorgemacht. Zum Wohle des HSV.

Übrigens hat heute Rafael van der Vaart zu uns gesprochen. Um es einmal vorweg zu nehmen, der Niederländer tut mir leid. Er wurde, von Klaus-Michael Kühne, zum HSV zurückgeholt und hat bislang niemanden gefunden, mit dem er so richtig gut zusammenspielen kann. Früher konnte er das mit Sergej Barbarez, dem kleinen Dribbelkünstler (de jetzt in Spanien um Anschluss bemüht ist), mit Mehdi Mahdavikia, David Jarolim, Timothee Atouba, Guy Demel, Daniel van Buyten, Raphael Wicky, Stefan Beinlich und einigen mehr. Und heute? Auf diese Frage dürft ihr Euch gerne selbst die Antwort geben. ich glaube, dass sich die „ewige 23“ erstens mehr von seiner Rückkehr zum HSV versprochen hat, und dass er zweitens zurzeit nicht gerade glücklich in seiner Rolle als HSV-Spieler ist. Letzteres habe ich bewusst ein wenig untertrieben.

Rückblickend sagt van der Vaart (auf das 1:5 bezogen): „Es tut natürlich weh, wenn man so verliert, keine Frage. Es ist auch schwer zu verstehen, wenn man so gut auf Schalke spielt, und dann gegen Hoffenheim daheim so untergeht. Die Achterbahn-Fahrt geht weiter. Nach einem guten Spiel folgt ein schlechtes – also wäre in Berlin jetzt wieder ein gutes dran.“ Stimmt. Hoffen wir das Beste. „Rafa“ sagt weiter: „Im Moment ist es vielleicht einfacher für uns, wenn wir auswärts spielen, denn dann müssen wir nicht schön spielen, dann müssen wir das Spiel nicht machen. Dann haben wir auch etwas mehr Räume, zu spielen, und das könnte dann Selbstvertrauen geben.“

Zuletzt hatte es ja auch Kritik n den „Alten“ und „Erfahrenen“ gegeben, dass die die jungen Spieler nicht führen. Van der Vaart sagt: „Zuletzt haben wir alle schlecht gespielt, alte wie junge Spieler. Das ist auch eine Kopfsache. Wenn etwas schiefläuft, sind wir nicht in der Lage, das Spiel umzudrehen.“ So ist es – leider. VdV weiter: „Wir müssen jetzt das Hoffenheim-Spiel aus den Köpfen bekommen, wir wissen, dass wir uns blamiert haben – jetzt müssen wir unsere Ehre wieder zurückholen. Ich weiß, das haben wir schon oft gesagt, aber so ist es ja. Leider passiert das aber zu oft, das stimmt schon.“ Quintessenz? Platz sechs, der angepeilt wird, ist wohl doch nur Utopie, oder? „Rafa“, der auch von diesem Ziel gesprochen hat, sagt: „Es ist ja erst der zweite Spieltag vorbei, vor einem Jahr hatten wir nach drei Spieltagen nur null Punkte. So gesehen sind wir schon besser gestartet, mit diesem einen Punkt.“ Nur damals, das bleibt festzuhalten, kam Rafael van der Vaart erst nach diesen drei punktlosen Spielen zum HSV und bewirkte den Umschwung. Wer kommt diesmal? Keiner!

Zur „Aogo-Affäre“ (die auch eine „Rincon-Affäre“ ist) hat Rafael van der Vaart eine spezielle Meinung: „Ich nehme das ganz locker. Was er privat macht, das macht er privat. Dass es nicht schlau ist, das ist auch klar, das wissen wir – aber für mich ist das kein großes Problem.“ Für andere ist es das aber schon. Der Niederländer sagt jedoch: „Solche negativen Schlagzeilen gehören zum Fußball, das ist nach einem 1:5 doch normal. Dann kommen sie alle aus ihren Löchern raus und reden nur schlecht. Aber dann reden sie überall auf der Welt schlecht von dem Verein, der so verloren hat, das gehört wohl zum Fußball-Geschäft dazu.“

Der Trainer will in Zukunft etwas defensiver spielen lassen, mehr Wert auf die Defensive legen. Kann das der HSV überhaupt? Van der Vaart sagt: „Wir wollen gerne Druck machen und nach vorne spielen, aber wenn es dann nicht läuft, dann stehen wir oft auch zu weit auseinander. Das müssen wir versuchen abzustellen, wir müssen kompakter stehen. Lieber mal 1:2 verlieren, statt 1:5 oder 2:9. So etwa passiert uns zu oft, das ist ganz klar unsere Schuld. Wir wollen gerne Fußball spielen, gerne gewinnen, wir wollen nach vorne spielen, aber in dieser Situation sollten wir uns darauf besinnen, zunächst einmal die Null halten zu wollen. Wir bekommen zu viele Gegentore, da müssen wir gemeinsam rauskommen.“

Dass die Zuschauer am Sonnabend in Scharen frühzeitig das Stadion verließen, das hat van der Vaart mitbekommen – er meint: „Wenn man in einem Spiel innerhalb von zehn Minuten drei Gegentore kassiert, dann ist klar, dass das jedem HSVer weh tut. Jetzt ist es unsere Aufgabe, das wieder umzudrehen, dass die Leute uns wieder lieben.“ Dass er die Kapitänsbinde bei seiner Auswechslung nach hinten „fallen“ ließ, das beschreibt er heute so: „Ich habe sie zu Petr Jiracek geworfen . . . Aber ist doch klar, dass auch ich enttäuscht war. So etwas geht ja auch an mir nicht spurlos vorbei. Ich habe nach dem Spiel ganz schlecht geschlafen, das muss ich schon sagen.“

So, dann gab es noch ein SID-Interview, das bestimmt Eure Aufmerksamkeit erhalten wird:

Nach dem 1:5 gegen 1899 Hoffenheim lieferte der Hamburger SV weitere Negativ-Schlagzeilen. Der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow bezieht im SID-Interview Stellung.

SID: „Herr Jarchow, der HSV kommt nicht zur Ruhe. Jetzt lieferte sich laut Medienberichten Aufsichtsrat Hans-Ulrich Klüver eine Auseinandersetzung mit einem Ordner auf dem Arena-Parkplatz. Wie haben Sie reagiert, als sie am Mittwoch die Zeitung aufgeschlagen haben?“

Carl Jarchow: „Ich hatte es am Dienstag schon mitbekommen, es war keine Überraschung mehr für mich. Ich werde es nicht kommentieren. Klar ist, dass man sich über die aktuellen Schlagzeilen nicht freut.“

SID: „Der HSV steht derzeit stark im Fokus. Wie gehen Sie damit um, dass nach dem 1:5 gegen Hoffenheim schon nach dem zweiten Spieltag der Druck sehr hoch ist?“

Jarchow: „Ich finde es überraschend, dass der HSV immer sofort sehr kritisch beurteilt wird. Das war schon vor dem 3:3 gegen Schalke so, dann stimmte die Leistung. Sobald aber der nächste Rückschlag kommt, prallt es mit voller Wucht ein. Das frappierende an der Niederlage gegen Hoffenheim war, dass alles innerhalb von elf Minuten gekippt ist. Insofern liest sich das 1:5 schon als große Niederlage. Wir wissen aber, dass die Mannschaft es kann. Alle Beteiligten machen sich große Gedanken, aber wir werden nicht nach einer Niederlage alles in Schutt und Asche legen.“

SID: „Dennis Aogo und Tomas Rincon sind an den freien Tagen im Anschluss an das 1:5 nach Mallorca geflogen. Wie beurteilen Sie die Trips?“

Jarchow: „Ich finde es äußerst enttäuschend, weil sie jegliche Sensibilität für die Situation vermissen lassen und zeigen, dass sie nicht verstanden haben, was so eine Niederlage für den Verein bedeutet. Zwei freie Tage sind nicht dazu gedacht, Party zu machen, sondern dazu, sich Gedanken zu machen. Schlechter geht es nicht.“

SID: „Mit welchen Konsequenzen müssen die beiden Profis rechnen?“

Jarchow: „Arbeitsrechtlich können wir nichts unternehmen, weil wir ihnen nicht vorschreiben können, wo sie sich an freien Tagen aufhalten. Von Geldstrafen halten ich eher weniger, aber Folgen wird es sicher haben.“

SID: „Was halten Sie von der Entscheidung von Trainer Thorsten Fink, nach der klaren Niederlage zwei Tage frei zu geben?“

Jarchow: „Man kann diskutieren, ob zwei freie Tage richtig sind oder nicht. Aber es ist die Entscheidung des Trainers, die ich respektiere und nicht kommentieren werde. In der öffentlichen Beurteilung wird sich das nach unserem Spiel in Berlin zeigen. Wenn es schlecht ausgeht, werden die freien Tage sicher als Fehler gewertet, wenn wir gewinnen, hat Thorsten Fink alles richtig gemacht.“

PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 16 Uhr im Volkspark trainiert

17.31 Uhr

“Beim HSV wird immer etwas gesucht . . .”

3. Juli 2013

Das war ja mal wieder ein Hammer. „Wamms gegen der Latte“, hat ein früherer Mitspieler von mir immer im feinsten Hochdeutsch gesagt, wenn es mal richtig schepperte – egal wo. Nun hat es mal wieder beim HSV gescheppert. Die Bild hat es in der heutigen Ausgabe ausführlich g- und beschrieben, und das hat schon für Aufregung gesorgt. In etwa eine solche Aufregung, wie vor Wochen, noch in der laufenden Bundesliga-Saison, als die „Mopo“ von dem berühmt-berüchtigten 24-Millionen-Loch im HSV berichtet hatte. Geht es nach den „Machern“ im HSV, ist das alles kein Grund zur Panik. Wie Vorstandsmitglied Joachim Hilke kürzlich in einem Interview mit „Matz ab“ gesagt hat. Ich glaube ihm. Dass der HSV jetzt nicht weiter einkaufen darf, stimmt wohl so nicht ganz, dass der HSV händeringend und ganz, ganz dringend verkaufen muss, ist ein alter Hut. Wie mir ein ranghohes Matz-ab-Mitglied heute am Telefon sagte: „Das schreibst du schon seit Monaten . . .“ Stimmt. Und das der HSV keine zehn Millionen für Heung Min Son bekommen hat, das habe ich zum Beispiel am 13. Juni geschrieben. Ist nachzulesen, das Internet lügt ja nicht.

Fest steht, und auch das steht schon seit Monaten fest, dass es dem HSV finanziell dreckig geht. Das hat jetzt, auch das schrieb ich schon vor Monaten und auch Wochen danach, das hat jetzt, so denke ich, ein jeder Träumer, der noch immer auf die Millionen von Nigel de Jong, Vincent Kompany und zum Beispiel auch Rafael van der Vaart gewartet hatte (und damit kalkuliert), begriffen. Bei manchem dauert es eben doch ein wenig länger, aber ich bin mir sicher: Nach der heutigen Bild-Geschichte weiß es nun auch der allerletzte HSV-Fan.

DER HSV HAT KEIN GELD UND GEHT FINANZIELL AM STOCK.

Deswegen, ja genau deswegen, muss verkauft werden. Zwar schon seit einem Jahr, aber es wird schon. Und ich würde dem Club in dieser prekären Situation schon raten, eventuell auf eine Ablöse zu verzichten, denn die mehr als üppigen Gehälter einzusparen, das ist doch auch schon mal was. Zumal aussortierte Spieler wohl kaum noch gewinnbringend verschachert werden können. Wie sagte mir Gojko Kacar noch gestern? „Spieler, die zur Zweiten Mannschaft abgeschoben werden, die können doch dem Club keine Ablöse mehr bringen. Das muss doch jedem klar denkenden Menschen bewusst sein . . .“
Bei dem letzteren Gedanken des Serben habe ich aber doch meine ganz starken Zweifel.

Bevor ich weiter schreibe, möchte ich schnell mal einen Bericht vom SID (Sport-Informations-Dienst) hier veröffentlichen. Der Kollege hat mit Carl-Edgar Jarchow über die Lage der Nation gesprochen:

. . . Ein Transfer-Stopp vom Vorstandschef, zwei Tage nach der Kampfansage des Superstars? Dazwischen lag zudem noch die Absage des Wunsch-Stürmers Roque Santa Cruz aus familiären Gründen. Nichts ist unmöglich – HSV. Im SID-Gespräch wollte Jarchow den Begriff „Transfer-Stopp“ so nicht stehen lassen, er bestätigte aber, dass es in diese Richtung geht. „Wir wollen den Kader verschlanken, uns punktuell verstärken und das Budget senken“, erklärte er, „das heißt auch, dass wir jetzt nicht erst mal fünf Spieler kaufen, ohne zu verkaufen. Das geht Hand in Hand.“

Anscheinend plagen den Fußball-Bundesligisten immer größere finanzielle Sorgen. Mal wieder droht ein Millionen-Minus, laut Bild darf Sportdirektor Oliver Kreuzer nicht mehr einkaufen, sondern muss zunächst mal mit dem Verkauf von Ladenhütern mindestens zehn Millionen Euro erlösen. Bei der Ausleihe des Innenverteidigers Johan Djourou (26) vom FC Arsenal aus London, es ging dabei um „nur“ 800 000 Euro, soll es im Aufsichtsrat erheblichen Widerstand gegeben haben. „Wir fahren voll gegen die Wand“, wird ein Gremiumsmitglied zitiert.

„Da hat ein Aufsichtsrat aus egoistischen Hintergründen den Weg an die Presse gesucht“, sagte Jarchow dem SID. Ein Maulwurf. Roque Santa Cruz (FC Malaga), dessen Ehefrau nicht mit nach Hamburg kommen will, wäre zwar ablösefrei gewesen, hätte aber ein stattliches Gehalt bekommen – und dafür war Geld da. Und jetzt ist es weg? Oder kehrt nun Vernunft ein beim HSV, der seit Jahren über seine Verhältnisse lebt? „Wir haben bisher noch keine entscheidende Reduzierung getätigt“, sagte Jarchow, „aber das Transferfenster hat ja gerade erst geöffnet.“

Für das aktuelle Geschäftsjahr zeichnet sich jedenfalls bei den Hanseaten mal wieder ein Minus ab – in zweistelliger Millionenhöhe. Schon in den vergangenen beiden Jahren hatte der Klub jeweils einen kräftigen Verlust verzeichnet. In der Saison 2010/11 lag das Defizit bei 4,9 Millionen Euro, in der Spielzeit 2011/12 bei 6,6 Millionen Euro. Der Gehaltsetat soll von 48 Millionen Euro auf unter 40 Millionen gesenkt werden. Dafür muss Kreuzer aber Spieler wie Marcus Berg, Gojko Kacar, Robert Tesche, Paul Scharner, Michael Mancienne oder Slobodan Rajkovic verkaufen. Allerdings gestaltet sich dies sehr schwierig – die Spieler besitzen teils hochdotierte Verträge und würden im Fall eines Wechsels deutlich weniger verdienen.

Deshalb ist zuletzt auch die geplante Verpflichtung von Abwehrspieler Lasse Sobiech (Borussia Dortmund) ins Stocken geraten. Zudem soll der HSV von der Zehn-Millionen-Ablöse für Angreifer Heung Min Son (wechselte zu Bayer Leverkusen) nur 7,5 Millionen kassieren. Der Rest geht an Sons Berater und den Südkoreaner selbst. „Das war im Vertrag so vereinbart“, sagte Jarchow. Santa Cruz hatte dem HSV am Dienstag einen Korb gegeben. „Sein Berater hat sich bei uns gemeldet und uns abgesagt“, sagte Kreuzer der Hamburger Morgenpost: „Roque wäre sehr gern gekommen, aber seine Frau wollte aus sehr speziellen privaten Gründen nicht nach Hamburg. Das ist sehr schade, weil Roque sehr gut zu uns gepasst hätte, aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren.“

Bisher stehen nur Verteidiger Johan Djourou und Stürmer Jacques Zoua (21/FC Basel) als Neuzugänge fest. Weitere sind von Trainer Thorsten Fink selbstverständlich gewünscht: Hohe Ziele, wenig Geld, das würde extrem anspruchsvoll.

Das war der SID-Bericht. Wichtig darin auch die Passage zum Son-Verkauf. Wer da alles so sein Händchen mit aufhält. Interessant, oder? Das sage (oder schreibe) ich deswegen, damit alle, die noch auf die Millionen von Nigel de Jong, Vincent Kompany oder auch Rafael van der Vaart gewartet und gehofft und gesetzt haben, damit diese Damen und Herren mal begreifen, dass im Profi-Fußball längst nicht eins und eins zwei sind. Da wird von zehn Millionen gesprochen, aber wenn diese zehn Millionen dann mal etwas durchgeschüttelt werden, bleiben vielleicht nur noch fünf . . . So geht Profi-Fußball heute. Das ist nicht mehr nur schwarz und weiß.

Deswegen möchte ich allen, die immer noch vom großen und reichen HSV träumen, zurufen:

Aufwachen! Wacht endlich auf! Es wird höchste, nein, es wird allerhöchste Zeit.

Ich kriege fast einen Herz-Kasper, wenn ich höre, dass einige Fans (und Funktionäre!) sagen: „Neue Strukturen schießen keine Tore.“ Ne, Strukturen nicht, aber Stürmer, die ein wenig Kleingeld kosten, die treffen dann doch hin und wieder. Nur was macht ein Verein, der kein Kleingeld hat? Und auch keines will? Weil wir ja zum Beispiel 1976 erfolgreich waren, weil wir doch 1977 den Europapokal gewonnen haben, weil wir ja 1983 an der Spitze Europas standen? Denen möchte ich zurufen:

Träumt schön weiter.

Andere Clubs holen sich Geldgeber wie zum Beispiel Adidas, Audi und die Telekom mit ins Boot und bekommen dafür Millionen, und hier in Hamburg träumen einige davon, dann doch lieber auf Grand an der Gustav-Falke-Straße zu spielen . . . Gute Morgen. Strukturen schießen in der Tat keine Tore, aber Geld schießt heutzutage sehr wohl Tore, das müssten inzwischen doch auch alle längst (Experten) begriffen und gelernt haben. In der Bild steht heute auch die Geldrangliste der Bundesliga – nach dem Wert des Kaders. Der HSV hat einen Wert von 92,5 Millionen und liegt damit auf Rang acht. Platz eins hat der FC Bayern erklommen, Wert der Münchner Mannschaft: satte 509,15 Millionen). Diese Angaben sind in Euro zu sehen. Logisch, dass 500 Millionen dann doch etwas mehr Tore schießen als 100 – oder? Das Verhältnis ist in etwa 9:2 zu betrachten . . .

Natürlich könnte man auch mit 100 Millionen (Euro) etwas auf die Beine stellen und erfolgreich(er) sein. Natürlich. Das bestreite ich nicht. Aber warum schafft der HSV das schon seit geraumer Zeit nicht (mehr)? Weil nicht nur die falschen Trainer am Ruder standen. Ganz sicher nicht. Aber sicher auch. Das gebe ich zu. Denn was wurden in allein den Jahren des neuen Jahrtausends an Spielern nach Hamburg geholt, die der HSV gar nicht benötig hätte. Da wurde gekauft, gekauft, gekauft, gerade so, als könne dieser HSV noch immer aus dem Vollen schöpfen. Hier ’ne Million, da ’ne Million, und vielleicht auch da noch ’ne Million? Motto: „Wir brauchen da noch – nur aus Gründen der Sicherheit – einen Spieler als Ersatz für den Ersatzspieler. Kein Problem, den holen wir relativ billig . . .“ Und dann gehen wieder Millionen über den Tisch. Wir ha’m es ja.

Nein, meine Damen und Herren, so lange dieser HSV so funktioniert, so lange wird er auf keinen grünen Zweig mehr kommen. Fachleute müssen hier ran, Fachleute in allen Ebenen. In allen! Dabei fällt mir Willi Schulz ein, der schon vor vielen Jahren laut und immer wieder gesagt hat: „Wir müssen uns den FC Bayern zum Vorbild nehmen. Geht man in München von oben nach unten durch den Club, trifft man überall auf Weltmeister . . .“ Das allerdings ist beim HSV ja auch so. Nein, nein, alles was recht ist, das ist in Hamburg auch schont so lange so. Sie sind beim HSV nämlich, egal auf welcher Ebene, alles Weltmeister. Im Schnacken. Zwar nur im Schnacken, aber immerhin. Das ist doch auch etwas. Und alle diese ober-wichtigen Schnacker arbeiten Hand in Hand mit ihrem Sponsor Pattex. Nur dadurch können sie weiterhin fest an ihren HSV-Stühlen kleben.

Noch kurz zu meiner (HA-)Geschichte von heute: Berg und Kacar. Beim HSV wurde die nicht so gerne gelesen – ist schon klar. Aber warum wohl? Wenn alles so professionell in diesem Club ablaufen würde, dann gäbe es solche Geschichten gar nicht erst. Ist es aber professionell, wenn ein Spieler aus der Zeitung erfahren muss, dass er aussortiert wurde? Ich denke nein. Das ist eher höchst unprofessionell. Professionell, lieber HSV, wäre es wie folgt gewesen: Man beschließt intern, dass Spieler XY aussortiert wird. Das teilt man dem Spieler dann umgehend oder zügig mit – irgendwie. Und wenn es per Brieftaube geschehen müsste. Oder eben auch über den Berater. Erst versucht man beim HSV einige Male den Spieler XY anzurufen, klappt das nicht, dann ruft man den Berater von Spieler XY an – und wenn man dem nichts sagen möchte, dann bittet man den Berater von Spieler XY darum, dass Spieler XY mal beim HSV – dem Sportchef oder dem Trainer – zurückrufen möge. Klappt das aber alles nicht, dann hält man beim HSV so lange die Klappe, bis Spieler XY – oder eben der Berater von Spieler XY – dann doch noch erreicht worden ist.
Verstanden? Das wäre professionell in einen Augen, aber ich bin ja auch nur ein kleiner Amateur. Und dann nämlich müsste kein Spieler, nicht nur der Spieler XY, aus der Zeitung erfahren, dass er aussortiert worden ist.

Ich bin mir aber ganz sicher, dass einige HSV-Herren aus dem jüngsten Fall gelernt haben.
Und: Ich habe Verständnis für einen Spieler (wie Marcus Berg), der aus der Zeitung erfährt, dass er weg vom Fenster ist, dass der dann nicht mehr mit dem Sportchef reden mag. Absolutes Verständnis. Aber auch ein klein wenig Verständnis habe ich für den HSV, denn wer bekommt schon gerne öffentlich gesagt, dass man als Profi-Club höchst unprofessionell gehandelt hat?

So, dann noch kurz zum heutigen Vormittagstraining. Ohne besondere Vorkommnisse. Rafael van der Vaart verließ den Trainingsplatz allerdings ein wenig früher, weil der Niederlande in die Heimat reisen wollte und musste. Der Kapitän nahm am Nachmittag an einem Benefizspiel teil – und bekam von Trainer Thorsten Fink die Erlaubnis, daran teilzunehmen. Zur finanziellen Sache des HSV wollte Fink keine Stellung beziehen, er sagte: „Das ist nicht mein Aufgabengebiet, ich konzentriere mich auf meine Mannschaft, das ist meine Sache. Ansonsten möchte ich mich nicht dazu äußern, was in der Zeitung steht – wir wissen doch um unsere Situation. Meine Aufgabe ist die Mannschaft, dazu äußere ich mich, zu anderen Dingen aber nicht, denn beim HSV wir immer etwas gesucht . . .“

Und wenn es Geld ist.

Zur personellen Situation seiner Mannschaft befand Thorsten Fink: „Im Moment bin ich mit der Entwicklung zufrieden, wir haben jetzt vier neue Spieler, von daher tut sich ja etwas. Und das andere werden Oliver Kreuzer und auch andere Leute schon machen, da mache ich mir keine Sorgen.“

Dann habe ich noch einmal Paul Scharner beobachtet. Der Österreicher blieb während der Einheit relativ ruhig, ich konnte an ihm keine Emotionen entdecken. Die zeigte er aber nach dem Training, denn mit wem auch immer er sich zu einem Foto aufstellte – der Paul lachte. Oder lächelte auf jeden Fall immer. Das, obwohl er ja beim HSV vor einer ungewissen Zukunft steht – stehen soll. „Paul, du hast gelacht – weißt du schon, wie es mit dir und dem HSV weitergehen wird?“ Scharner geht erst einmal auf sein Lachen ein: „Ich habe ja zuletzt den FA-Cup gewonnen, da kommt natürlich Freude auf. Und wenn ich daran zurückdenke, dann muss ich lachen.“ Und wie ist es sonst – sportlich? Die Zukunft? Scharner: „Ich habe ein Gespräch mit Thorsten Fink gehabt, und er hat mir versichert, dass jeder Spiele die gleichen Chancen hat. Davon gehe ich jetzt erst einmal aus.“ Und lacht.

Dann sagt er: „Ich habe in der Mopo gelesen, dass ich weg soll. Mehr kann ich auch nicht sagen. Mehr weiß ich nicht.“ Sportchef Oliver Kreuzer aber hatte zum Trainings-Auftakt gesagt, „dass es Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic und Paul Scharner schwer haben werden, in den Kader zu kommen, dass diese Spieler ansonsten aber so behandelt werden, wie alle anderen HSV-Spieler“ auch. „Das ist alles sehr lustig, wenn man hier keinen FA-Cup-Sieger gebraucht, das ist lustig und interessant“, sagt Scharner. Dann sagt der Innenverteidiger: „Ich würde schon gerne die Herausforderung annehmen und mich hier beim HSV dem Konkurrenzkampf stellen wollen. Ich glaube, dass meine Chance kommen wird, ich bin sogar fest davon überzeugt.“

Im Winter hatte sich Paul Scharner für ein Leihgeschäft mit dem englischen Erstliga-Club Wigan entschieden, er hatte das seinerzeit selbst vorangetrieben. Jetzt aber will er abwarten, auch sein Berater unternimmt nichts: „Das müsste schon vom HSV kommen. Wenn die mich weghaben wollen, dann müssen die es schon sagen. Ich bleibe hier, denn ich will mich durchsetzen.“ Obwohl Scharner auch sagt: „Ich habe genügende Angebote aus England, aber die sind nicht so interessant für mich.“ Dann sagt Scharner: „Ich bin ein direkter Mensch, deswegen würde ich es schon vertragen, wenn man mir hier sagen würde, dass ich gehen soll. Ich bin alt genug, um die Wahrheit zu ertragen. Wenn er HSV käme und sagen würde: ‚Paul, pass auf, es passt überhaupt nicht, geh weg.’ Dann wäre alles okay. Aber so ein Herumgemurkse, das mag ich nicht. Ich hätte wirklich kein Problem damit, wenn man mir die Wahrheit sagen würde – direkt zu mir.“

18 Spiele hat Paul Scharner auf der Insel bestritten, er rechnet vor: „ 18 Spiele a 90 Minuten, und das in dreieinhalb Monaten, das ist mir als eine halbe Saison. Ich weiß deshalb nicht, warum dann solche Geschichten, wie sie jetzt zu lesen und zu hören waren, aufkommen in der Öffentlichkeit.“ Am Freitag geht es mit dem HSV ins Trainingslager. Da stößt dann Scharners Vertrauensperson dazu, und dann soll es ein Vier-Männer-Gespräch mit Sportchef und Trainer geben. Und wohl auch die entscheidende Richtung, wohin der Hase in Sachen Paul Scharner künftig zu laufen hat.

Aus zweierlei Gründen möchte ich noch einmal zu meiner heutigen Eröffnung zurückkommen. In der Bild stand ja auch zu lesen, dass der Aufsichtsrat seinen Boss Manfred Ertel stürzen wollte. Da aber die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit fehlte, um diesen Punkt nachträglich (!) auf die Tagesordnung zu setzen, scheiterte das Vorhaben – kläglich.
So ist er, dieser Aufsichtsrat. Und warum dieser Punkt erst heute, Wochen und Monate nach Ertels peinlicher Entgleisung gegen Uli Hoeneß, auf die Tagesordnung gehievt werden sollte, ist mir auch nicht klar. Ist doch längst schon Gras drüber gewachsen. Das hätte gleich gemacht werden müssen – aber jetzt? Das ist schon sehr mysteriös. Aber vielleicht wollten die Räte doch noch einmal „eine“ Nacht drüber schlafen . . .

Und dann möchte ich noch einmal „mein Archiv“ bemühen:

Am 13. Juni 2013 stand bei „Matz ab“ auch zu lesen, was und wie Uwe Seeler derzeit über seinen Club denkt. „Uns Uwe“ hat gesagt: „Ich habe große Angst davor, dass der HSV vor die Wand knallt.“

Um es mit Roy Black zu sagen: „Du bist nicht allein . . .“

PS: Es ist wieder ein wenig zu lang geworden – sorry. Morgen ist dann wieder „Scholle“ am Start, er wird für „Matz ab“ – und damit für euch – auch in den Trainingslagern dabei sein.

PSPS: Training ist am Donnerstag um 10 Uhr am Volkspark, über den Nachmittag (eventuell kein Training) wird noch HSV-intern gesprochen.

17.31 Uhr

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