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Was “Calli” Calmund vom neuen HSV hält . . .

23. Juni 2013

Das kann ja heiter werden . . . Der dicke „Calli“, früher Manager von Bayer Leverkusen und auf den Namen Reiner Calmund hörend, hat in der Bild am Sonntag schon mal die Bundesliga 2013/14 durchgetippt. Und siehe da, bei „Calli“ steht der HSV ganz hoch im Kurs. Immerhin zwölf satte Punkte traut er den Hanseaten in der Hinrunde dann doch zu, davon sind zwei Spiele gewonnen und sechs Mal gibt es eine Punkteteilung. Das sieht dann wie folgt aus: Gegen Hoffenheim gibt es ein 1:1, gegen Werder 1:1, gegen Nürnberg 1:1, gegen Stuttgart 0:0, gegen Mönchengladbach 1:1 und gegen Mainz schießt der HSV dann sogar mal zwei Tore, Endstand 2:2. Die HSV-Siege fallen dazu auch ein wenig dürftig aus: 1:0 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den FC Augsburg. Mein Trost: Es muss ja nicht so kommen . . . Und wenn doch, dann gibt es wenigstens mal eine recht turbulente Mitgliederversammlung im Januar. Das hätte ja auch etwas.

Ansonsten: Bei Hertha BSC trainieren sie schon wieder, die Eintracht ist in Braunschweig schon wieder auf dem Rasen zugange, die Bayern werden am Mittwoch beginnen – und der HSV am Montag (am 1. Juli), also morgen in einer Woche. Gut Ding will Weile haben – fällt mir dazu ein. Aber bis zum Trainingsauftakt wird die Zeit sicherlich noch genutzt, um ein, zwei oder auch drei Neuzugänge unter Vertrag zu nehmen. An diesem Wochenende ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Was nicht heißen soll, dass sich beim HSV auf die faule Haut gelegt worden ist – von Freitag bis Sonntag. Das ist ganz gewiss nicht der Fall, aber es braucht eben alles seine Zeit. Und auch in Sachen „Struktur-Veränderungen“ kann ich versichern, dass da nichts eingeschlafen ist – im Gegenteil. Ernst-Otto Rieckhoff gibt richtig Gas und führt beinahe täglich Gespräche, um diese ganz entscheidende Sache professionell vorzubereiten und auf die Beine zu stellen. Er, Rieckhoff, bleibt am Ball, und ich werde auf Ballhöhe bleiben. Und bin davon weiterhin restlos überzeugt, dass alles gut wird.

So, und dann möchte ich hier heute ganz gerne mal über Fußball schreiben, weil mir zuletzt zu viele Dinge hier hinein gerutscht sind, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Mir geht, nachdem ich nun Spiele der U-20-Weltmeisterschaft gesehen habe und heute auch das A-Jugend-Finale zwischen Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg (1:3 n. Verl.) eine Passage des Golz-Interviews der Vorwoche nicht aus dem Sinn. Da wird Richard Golz auf den HSV-Nachwuchs angesprochen und er sagt: „Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.“ Mein Kollege Alexander Laux und ich entgegneten: „Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt . . .“ Golz antwortete: „Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.“

Dazu möchte ich zweierlei Dinge anmerken. Erstens ist es sicherlich richtig, dass auf diesem Gebiet noch „viel rauszuholen“ ist, dass dieses Thema aber von den meisten Trainern heute immer noch unterschätzt wird. Und weil das so ist, ist es zweitens so, dass die Vereine zwar gelegentlich einen Psychologen einstellen, aber die jeweiligen Trainer verzichten so gut wie immer auf eine erfüllende Zusammenarbeit. Weil sie sich, das habe ich so oft gehört, „nicht von einem Außenstehenden in die Mannschaft reinreden“ lassen wollen, und weil sie glauben, dass sie selbst Psychologe genug sind, um solche Fälle auf eigene Faust (und eigenem Muster) lösen zu können. Und irgendwie war es früher, als diese Trainer noch als Spieler „unterwegs“ waren, ja auch so, dass die „psychologische Arbeit“ von jedem Trainer „mitgemacht“ wurde.

Wobei ich festgestellt habe, dass die Trainer früher – egal in welcher Spielklasse auch immer – viel mehr mit „ihren Jungs“ gesprochen haben, dass sie sich viel mehr um die Sorgen, Nöte, Form und die Einstellung ihre Spieler gekümmert haben. Mein Eindruck ist der, dass damals (oder vor einiger Zeit) die Trainer viel häufiger auch „Hobby-Psychologen“ waren. Heute ist ein jeder, ob nun Spieler oder Trainer, in erster Linie erst einmal ein Profi, und dieser hat erstens ganz professionell zu tun (und zu lassen), was vom Verein (Trainer) vorgegeben wird. Und zweitens steht man als Profi ohnehin über den Dingen und weiß genau, wie der Hase zu laufen hat. Da gehört es längst nicht mehr zum Alltag, dass eigene Schwächen gebeichtet werden, dass über Schwächen oder Sorgen gesprochen wird. Schon gar nicht mit dem Vorgesetzten.

Dabei gab es auch beim HSV schon Profis, die psychologische Hilfe, die vom Verein angeboten wurde, in Anspruch genommen haben. Die Trainer wussten davon und billigten es (wenn auch die meisten höchst ungern), und dazu geschahen solche Gespräche immer auch absolut anonym. Dass es den Spielern etwas gebracht hätte, das wüsste ich allerdings nicht. Und deswegen denke ich auch, dass da noch sehr viel an der Einsicht vor allen Dingen der Trainer getan werden muss, dass da noch viele Barrieren (und auch Berührungsängste) abgebaut werden müssen, um eine wirklich professionelle psychologische Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die dann kein Alibi (mehr) ist, sondern auch tatsächlich eine Hilfe für den Spieler, die Mannschaft und somit auch für den Verein. Ich denke aber genau wie Richard Golz, dass auf diesem vom Profi-Fußball (in Hamburg?) bislang recht stiefmütterlich behandelten Gebiet noch viel mehr rauszuholen wäre. Man muss es nur wollen. Und wohl in erster Linie auch erkennen, dass da noch viele möglich ist.

So, und dann habe ich mir mal Gedanken um die Spieler gemacht, die jetzt (und demnächst) von Oliver Kreuzer verpflichtet werden – und somit als Soforthilfe für den HSV einzustufen sind. Wie jedes Jahr dominiert bei jedem (HSV-)Einkauf die Hoffnung. Und wie oft wurden wir alle enttäuscht, maßlos enttäuscht mitunter. Und ich habe mir mal eine Liste gebastelt, die ihr dann ja mal mit euren HSV-Enttäuschungen vergleichen könntet. Wo liegen wir auf einer Linie, wo setzt ihr andere Prioritäten – wen habt ihr noch zusätzlich auf dem Zettel. Wobei ich in drei Kategorien unterscheiden möchte:

Total-Flops, Enttäuschungen und Missverständnisse.

Letztere „Abteilung“ möchte ich gleich zu Beginn anführen, denn da habe ich im Grunde nur drei Namen anzubieten:

Marek Saganowski (kam 1996 von Feyenoord Rotterdam), brachte es nur auf drei Bundesliga-Spiele für den HSV und verschwand nach Polen. Später wurde er nicht nur Nationalspieler seines Landes, sondern auch Kapitän der Nationalmannschaft. Zweiter Name in dieser Kategorie ist Reto Ziegler, 2005 von Tottenham Hotspur gekommen, schaffte acht Bundesliga-Einsätze, ging zu Wigan Athletic und später zu Sampdoria Genua, Juventus Turin und spielt jetzt für Fenerbahce Istanbul. Für die Schweiz bring er es bislang auf 32 Länderspiele. Und noch ein Name fällt mir dazu ein: Vadis Odjidja-Ofoe, vom RSC Anderlecht gekommen, zwei Bundesliga-Einsätze – und weg. Der Mittelfeldspieler wurde in Belgien noch Nationalspieler und spielt heute beim FC Brügge.

Dann komme ich zu meinen Total-Flops. Der größte Flop steht an erster Stelle, der zweite auf zwei – usw. Meine Top-Ten:

1.) Ailton. Der „Kugelblitz“ kam 2006 von Besiktas Istanbul und führte sich auf wie eine Diva. Dabei war er nur (trainigs-)faul, dick und unantastbar, er war nur im Kassieren eine Eins. Deswegen eine glatte Sechs für den Klops, der dem HSV Millionen gekostet hat – auch wegen des Fehlschusses gegen Werder Bremen.

2.) Martin Dahlin. Der Schwede kam 1998 von den Blackburn Rovers und alle in Hamburg hatten sofort den Verdacht: „Das ist nur der untalentierte Zwillingsbruder des ehemaligen Mönchengladbachers Martin Dahlin.“ Er lief und trabte nur wie ein Freizeit-Fußballer über den Platz.

3.) Mladen Pralija. Ersetzte 1987 den geschassten Uli Stein – er sollte ihn ersetzen. Erwies sich als absolut untauglich für die Bundesliga, und die erste Amtshandlung des neuen HSV-Trainers Willi Reimann war die: Pralija wurde vor die Tür gesetzt. Und womit? Mit recht.

4.) Juan Pablo Sorin. Der Weltmeister aus Argentinien. Welch ein klangvoller Name, und welch eine jämmerliche Attrappe steckte dahinter! Kam als Dauerverletzter und blieb eigentlich immer ein Dauerverletzter. Ganz erbärmlich, dieser Transfer – gewiss keine Ruhmestat des HSV.

5.) Albert Streit. Der Rumäne kam 2009 auf Leihbasis vom FC Schalke 04 und brachte es für den HSV auf zehn Bundesliga und zwei Regionalliga-Einsätze. Der gute Mann hätte als Fußballer eigentlich alles gehabt – nur der Kopf machte nicht mit. Kam als Außenseiter und blieb ein absoluter Außenseiter, der gar nicht wollte.

6.) Niclas Kindvall. Der Schwede wurde 1994 per Video verpflichtet. Auf diesem Videoband waren alle Liga-Tore von Kinvall zu sehen und zu bewundern – und das taten die Herren des HSV dann auch: gekauft der Mann. Eher das „Männlein“. Brachte hier kein Bein auf den Boden und blieb ein bemitleidenswerter Mitläufer.

7.) Mark McGhee. Wurde 1984 von Günter Netzer verpflichtet, und als der HSV-Manager zum Flughafen fuhr (um McGhee in Empfang zu nehmen), soll er sich gewundert haben. Ein Gerücht besagte danach, dass Netzer eigentlich einen ganz anderen Schotten verpflichten wollte – und genau das wäre auch besser gewesen. McGhee tänzelte durch die Strafräume der Bundesliga, sorgte eher für Lacher denn für Schrecken beim Gegner.

8.) Vanja Grubac. Wurde 1998 von Frank Pagelsdorf als Torjäger zum HSV geholt – und entpuppte sich als Niete. Elf Spiele, zwei Tore in fast drei Jahren – das ist dann doch eher keine Bilanz.

9.) Alexander Curtianu. Wurde 1998 aus St. Petersburg geholt, nachdem er der deutschen Nationalmannschaft in Moldawien kurz zuvor Knoten in die Beine gespielt hatte. Nach diesem begeisternden Auftritt in Chisinau hätte, das muss ich zugeben, Curtiano auch verpflichtet, aber es muss das Spiel seines Lebens gewesen sein – nie wieder erreichte er auch nur annähernd eine solche Form.

10.) Martin Zafirov. Ein Bundesliga-Einsatz. Eingewechselt am 6. August 1997 beim Spiel in Wolfsburg, der Bulgare kam nach der Halbzeit für Markus Schopp und flog in der 87. Minute, nachdem er bis dahin nichts, aber auch wirklich nichts gezeigt hatte, mit Rot vom Platz. Kurios: Zafirov wurde von Trainer Pagelsdorf geholt, obwohl genau dieser Zafirov ein Jahr zuvor noch bei einem Probetraining der Zweiten Mannschaft des HSV (Trainer Gerd-Volker Schock) durchgefallen war! Es eben alles Ansichtssache. Nach dem Auftritt in Wolfsburg war für Zafirov Abpfiff, er spielte nie wieder für den HSV.

So, dass waren meine Voll-Flops, allerbeste Chancen auf Platz elf in dieser Liste hätten folgende Herren:

Andreas Mate (kam 1964), Elmar May (1966), Volker Danner (1973), Buca (1979), Wolfram Wuttke, Dieter Schatzschneider (beide 1983), Sergio Zarate (1994), Christian Claaßen (1995), Jakob Friis-Hansen (1996), Jens Dowe (1996), Pawel Wojtala (1996), Sascha Ilic (1997), Michael Molata (1997), Joe Simunic (1997), Rasoul Khatibi (1999), Jörg Albertz (kam 2001 aus Glasgow zurück), Kim Christensen (2001), Rene Schneider (2001), Michael Bauer (2002), Vyacheslav Hleb (2003), Almali da Silva Moreira, Jean Carlos Donde, Charles Takyi (alle 2004). Daniel Ziebig (2005), Danijel Ljuboja, Boubacar Sanogo (beide 2006), Khalid Sinouh, Alex Silva, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Macauley Chrisantus (alle 2008), Marcus Berg (2009), Lennard Sowah (2010) sowie Paul Scharner, der 2012 kam, verletzt war, vom Platz flog – und sich ausleihen ließ. Nun kommt er wohl wieder – jeder hat eine zweite Chance verdient.

Wie gesagt, das sind meine „Favoriten“, sicher habe ich den einen oder anderen „Kandidaten“ vergessen – und ihr werdet vielleicht (oder ganz sicher) andere haben. Vielleicht teilt ihr sie dann ja mal mit.

PS: Könnte gut sein, das Jacques Zoua vom FC Basel morgen nach Hamburg reisen wird. Was sich daraus entwickelt? Mal abwarten.

17.59 Uhr

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