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Was “Calli” Calmund vom neuen HSV hält . . .

23. Juni 2013

Das kann ja heiter werden . . . Der dicke „Calli“, früher Manager von Bayer Leverkusen und auf den Namen Reiner Calmund hörend, hat in der Bild am Sonntag schon mal die Bundesliga 2013/14 durchgetippt. Und siehe da, bei „Calli“ steht der HSV ganz hoch im Kurs. Immerhin zwölf satte Punkte traut er den Hanseaten in der Hinrunde dann doch zu, davon sind zwei Spiele gewonnen und sechs Mal gibt es eine Punkteteilung. Das sieht dann wie folgt aus: Gegen Hoffenheim gibt es ein 1:1, gegen Werder 1:1, gegen Nürnberg 1:1, gegen Stuttgart 0:0, gegen Mönchengladbach 1:1 und gegen Mainz schießt der HSV dann sogar mal zwei Tore, Endstand 2:2. Die HSV-Siege fallen dazu auch ein wenig dürftig aus: 1:0 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den FC Augsburg. Mein Trost: Es muss ja nicht so kommen . . . Und wenn doch, dann gibt es wenigstens mal eine recht turbulente Mitgliederversammlung im Januar. Das hätte ja auch etwas.

Ansonsten: Bei Hertha BSC trainieren sie schon wieder, die Eintracht ist in Braunschweig schon wieder auf dem Rasen zugange, die Bayern werden am Mittwoch beginnen – und der HSV am Montag (am 1. Juli), also morgen in einer Woche. Gut Ding will Weile haben – fällt mir dazu ein. Aber bis zum Trainingsauftakt wird die Zeit sicherlich noch genutzt, um ein, zwei oder auch drei Neuzugänge unter Vertrag zu nehmen. An diesem Wochenende ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Was nicht heißen soll, dass sich beim HSV auf die faule Haut gelegt worden ist – von Freitag bis Sonntag. Das ist ganz gewiss nicht der Fall, aber es braucht eben alles seine Zeit. Und auch in Sachen „Struktur-Veränderungen“ kann ich versichern, dass da nichts eingeschlafen ist – im Gegenteil. Ernst-Otto Rieckhoff gibt richtig Gas und führt beinahe täglich Gespräche, um diese ganz entscheidende Sache professionell vorzubereiten und auf die Beine zu stellen. Er, Rieckhoff, bleibt am Ball, und ich werde auf Ballhöhe bleiben. Und bin davon weiterhin restlos überzeugt, dass alles gut wird.

So, und dann möchte ich hier heute ganz gerne mal über Fußball schreiben, weil mir zuletzt zu viele Dinge hier hinein gerutscht sind, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Mir geht, nachdem ich nun Spiele der U-20-Weltmeisterschaft gesehen habe und heute auch das A-Jugend-Finale zwischen Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg (1:3 n. Verl.) eine Passage des Golz-Interviews der Vorwoche nicht aus dem Sinn. Da wird Richard Golz auf den HSV-Nachwuchs angesprochen und er sagt: „Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.“ Mein Kollege Alexander Laux und ich entgegneten: „Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt . . .“ Golz antwortete: „Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.“

Dazu möchte ich zweierlei Dinge anmerken. Erstens ist es sicherlich richtig, dass auf diesem Gebiet noch „viel rauszuholen“ ist, dass dieses Thema aber von den meisten Trainern heute immer noch unterschätzt wird. Und weil das so ist, ist es zweitens so, dass die Vereine zwar gelegentlich einen Psychologen einstellen, aber die jeweiligen Trainer verzichten so gut wie immer auf eine erfüllende Zusammenarbeit. Weil sie sich, das habe ich so oft gehört, „nicht von einem Außenstehenden in die Mannschaft reinreden“ lassen wollen, und weil sie glauben, dass sie selbst Psychologe genug sind, um solche Fälle auf eigene Faust (und eigenem Muster) lösen zu können. Und irgendwie war es früher, als diese Trainer noch als Spieler „unterwegs“ waren, ja auch so, dass die „psychologische Arbeit“ von jedem Trainer „mitgemacht“ wurde.

Wobei ich festgestellt habe, dass die Trainer früher – egal in welcher Spielklasse auch immer – viel mehr mit „ihren Jungs“ gesprochen haben, dass sie sich viel mehr um die Sorgen, Nöte, Form und die Einstellung ihre Spieler gekümmert haben. Mein Eindruck ist der, dass damals (oder vor einiger Zeit) die Trainer viel häufiger auch „Hobby-Psychologen“ waren. Heute ist ein jeder, ob nun Spieler oder Trainer, in erster Linie erst einmal ein Profi, und dieser hat erstens ganz professionell zu tun (und zu lassen), was vom Verein (Trainer) vorgegeben wird. Und zweitens steht man als Profi ohnehin über den Dingen und weiß genau, wie der Hase zu laufen hat. Da gehört es längst nicht mehr zum Alltag, dass eigene Schwächen gebeichtet werden, dass über Schwächen oder Sorgen gesprochen wird. Schon gar nicht mit dem Vorgesetzten.

Dabei gab es auch beim HSV schon Profis, die psychologische Hilfe, die vom Verein angeboten wurde, in Anspruch genommen haben. Die Trainer wussten davon und billigten es (wenn auch die meisten höchst ungern), und dazu geschahen solche Gespräche immer auch absolut anonym. Dass es den Spielern etwas gebracht hätte, das wüsste ich allerdings nicht. Und deswegen denke ich auch, dass da noch sehr viel an der Einsicht vor allen Dingen der Trainer getan werden muss, dass da noch viele Barrieren (und auch Berührungsängste) abgebaut werden müssen, um eine wirklich professionelle psychologische Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die dann kein Alibi (mehr) ist, sondern auch tatsächlich eine Hilfe für den Spieler, die Mannschaft und somit auch für den Verein. Ich denke aber genau wie Richard Golz, dass auf diesem vom Profi-Fußball (in Hamburg?) bislang recht stiefmütterlich behandelten Gebiet noch viel mehr rauszuholen wäre. Man muss es nur wollen. Und wohl in erster Linie auch erkennen, dass da noch viele möglich ist.

So, und dann habe ich mir mal Gedanken um die Spieler gemacht, die jetzt (und demnächst) von Oliver Kreuzer verpflichtet werden – und somit als Soforthilfe für den HSV einzustufen sind. Wie jedes Jahr dominiert bei jedem (HSV-)Einkauf die Hoffnung. Und wie oft wurden wir alle enttäuscht, maßlos enttäuscht mitunter. Und ich habe mir mal eine Liste gebastelt, die ihr dann ja mal mit euren HSV-Enttäuschungen vergleichen könntet. Wo liegen wir auf einer Linie, wo setzt ihr andere Prioritäten – wen habt ihr noch zusätzlich auf dem Zettel. Wobei ich in drei Kategorien unterscheiden möchte:

Total-Flops, Enttäuschungen und Missverständnisse.

Letztere „Abteilung“ möchte ich gleich zu Beginn anführen, denn da habe ich im Grunde nur drei Namen anzubieten:

Marek Saganowski (kam 1996 von Feyenoord Rotterdam), brachte es nur auf drei Bundesliga-Spiele für den HSV und verschwand nach Polen. Später wurde er nicht nur Nationalspieler seines Landes, sondern auch Kapitän der Nationalmannschaft. Zweiter Name in dieser Kategorie ist Reto Ziegler, 2005 von Tottenham Hotspur gekommen, schaffte acht Bundesliga-Einsätze, ging zu Wigan Athletic und später zu Sampdoria Genua, Juventus Turin und spielt jetzt für Fenerbahce Istanbul. Für die Schweiz bring er es bislang auf 32 Länderspiele. Und noch ein Name fällt mir dazu ein: Vadis Odjidja-Ofoe, vom RSC Anderlecht gekommen, zwei Bundesliga-Einsätze – und weg. Der Mittelfeldspieler wurde in Belgien noch Nationalspieler und spielt heute beim FC Brügge.

Dann komme ich zu meinen Total-Flops. Der größte Flop steht an erster Stelle, der zweite auf zwei – usw. Meine Top-Ten:

1.) Ailton. Der „Kugelblitz“ kam 2006 von Besiktas Istanbul und führte sich auf wie eine Diva. Dabei war er nur (trainigs-)faul, dick und unantastbar, er war nur im Kassieren eine Eins. Deswegen eine glatte Sechs für den Klops, der dem HSV Millionen gekostet hat – auch wegen des Fehlschusses gegen Werder Bremen.

2.) Martin Dahlin. Der Schwede kam 1998 von den Blackburn Rovers und alle in Hamburg hatten sofort den Verdacht: „Das ist nur der untalentierte Zwillingsbruder des ehemaligen Mönchengladbachers Martin Dahlin.“ Er lief und trabte nur wie ein Freizeit-Fußballer über den Platz.

3.) Mladen Pralija. Ersetzte 1987 den geschassten Uli Stein – er sollte ihn ersetzen. Erwies sich als absolut untauglich für die Bundesliga, und die erste Amtshandlung des neuen HSV-Trainers Willi Reimann war die: Pralija wurde vor die Tür gesetzt. Und womit? Mit recht.

4.) Juan Pablo Sorin. Der Weltmeister aus Argentinien. Welch ein klangvoller Name, und welch eine jämmerliche Attrappe steckte dahinter! Kam als Dauerverletzter und blieb eigentlich immer ein Dauerverletzter. Ganz erbärmlich, dieser Transfer – gewiss keine Ruhmestat des HSV.

5.) Albert Streit. Der Rumäne kam 2009 auf Leihbasis vom FC Schalke 04 und brachte es für den HSV auf zehn Bundesliga und zwei Regionalliga-Einsätze. Der gute Mann hätte als Fußballer eigentlich alles gehabt – nur der Kopf machte nicht mit. Kam als Außenseiter und blieb ein absoluter Außenseiter, der gar nicht wollte.

6.) Niclas Kindvall. Der Schwede wurde 1994 per Video verpflichtet. Auf diesem Videoband waren alle Liga-Tore von Kinvall zu sehen und zu bewundern – und das taten die Herren des HSV dann auch: gekauft der Mann. Eher das „Männlein“. Brachte hier kein Bein auf den Boden und blieb ein bemitleidenswerter Mitläufer.

7.) Mark McGhee. Wurde 1984 von Günter Netzer verpflichtet, und als der HSV-Manager zum Flughafen fuhr (um McGhee in Empfang zu nehmen), soll er sich gewundert haben. Ein Gerücht besagte danach, dass Netzer eigentlich einen ganz anderen Schotten verpflichten wollte – und genau das wäre auch besser gewesen. McGhee tänzelte durch die Strafräume der Bundesliga, sorgte eher für Lacher denn für Schrecken beim Gegner.

8.) Vanja Grubac. Wurde 1998 von Frank Pagelsdorf als Torjäger zum HSV geholt – und entpuppte sich als Niete. Elf Spiele, zwei Tore in fast drei Jahren – das ist dann doch eher keine Bilanz.

9.) Alexander Curtianu. Wurde 1998 aus St. Petersburg geholt, nachdem er der deutschen Nationalmannschaft in Moldawien kurz zuvor Knoten in die Beine gespielt hatte. Nach diesem begeisternden Auftritt in Chisinau hätte, das muss ich zugeben, Curtiano auch verpflichtet, aber es muss das Spiel seines Lebens gewesen sein – nie wieder erreichte er auch nur annähernd eine solche Form.

10.) Martin Zafirov. Ein Bundesliga-Einsatz. Eingewechselt am 6. August 1997 beim Spiel in Wolfsburg, der Bulgare kam nach der Halbzeit für Markus Schopp und flog in der 87. Minute, nachdem er bis dahin nichts, aber auch wirklich nichts gezeigt hatte, mit Rot vom Platz. Kurios: Zafirov wurde von Trainer Pagelsdorf geholt, obwohl genau dieser Zafirov ein Jahr zuvor noch bei einem Probetraining der Zweiten Mannschaft des HSV (Trainer Gerd-Volker Schock) durchgefallen war! Es eben alles Ansichtssache. Nach dem Auftritt in Wolfsburg war für Zafirov Abpfiff, er spielte nie wieder für den HSV.

So, dass waren meine Voll-Flops, allerbeste Chancen auf Platz elf in dieser Liste hätten folgende Herren:

Andreas Mate (kam 1964), Elmar May (1966), Volker Danner (1973), Buca (1979), Wolfram Wuttke, Dieter Schatzschneider (beide 1983), Sergio Zarate (1994), Christian Claaßen (1995), Jakob Friis-Hansen (1996), Jens Dowe (1996), Pawel Wojtala (1996), Sascha Ilic (1997), Michael Molata (1997), Joe Simunic (1997), Rasoul Khatibi (1999), Jörg Albertz (kam 2001 aus Glasgow zurück), Kim Christensen (2001), Rene Schneider (2001), Michael Bauer (2002), Vyacheslav Hleb (2003), Almali da Silva Moreira, Jean Carlos Donde, Charles Takyi (alle 2004). Daniel Ziebig (2005), Danijel Ljuboja, Boubacar Sanogo (beide 2006), Khalid Sinouh, Alex Silva, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Macauley Chrisantus (alle 2008), Marcus Berg (2009), Lennard Sowah (2010) sowie Paul Scharner, der 2012 kam, verletzt war, vom Platz flog – und sich ausleihen ließ. Nun kommt er wohl wieder – jeder hat eine zweite Chance verdient.

Wie gesagt, das sind meine „Favoriten“, sicher habe ich den einen oder anderen „Kandidaten“ vergessen – und ihr werdet vielleicht (oder ganz sicher) andere haben. Vielleicht teilt ihr sie dann ja mal mit.

PS: Könnte gut sein, das Jacques Zoua vom FC Basel morgen nach Hamburg reisen wird. Was sich daraus entwickelt? Mal abwarten.

17.59 Uhr

Messi ist wieder fit – Uwe Seeler sorgt sich

30. Juli 2012

Messi hat es wieder getan. Er hat gespielt. Tatsächlich. Das Hämatom ist überstanden, das Hämatom ist kein Thema mehr, das Hämatom war offenbar nur für Hamburg und den HSV ein kurzes Thema. Hier der Beweis einer „Wunderheilung“:

„Weltfußballer Lionel Messi hat sich nach einer verletzungsbedingten Pause eindrucksvoll zurückgemeldet. Der 25-Jährige steuerte ein Dreierpack (34./37./45.) zum 8:0-Kantersieg des FC Barcelona gegen den marokkanischen Klub Raja Casablanca bei. Wegen einer Wadenprellung hatte Barca-Coach Tito Vilanova am Dienstag gegen den Hamburger SV (2:1) auf Messi verzichtet.“

Was hat Casablanca, was Hamburg nicht hat? Auf jeden Fall viel Pech für den HSV und für die HSV-Fans. Kurios, dass nur Tage nach der HSV-Pleite auch Hertha BSC von Italienern vorgeführt wurde – denn Juventus Turin schickte zur Hertha-Feier ebenfalls nur sein B-Team in die deutsche Hauptstadt. Ich bin gespannt, wie lange sich die Vereine, die so an der Nase herumgeführt werden, sich das noch gefallen lassen.

Ja, ich gebe zu, der Stachel „FC Barcelona II“ sitzt bei mir immer noch tief. Weil ich auch einige Enttäuschte in meinem Bekannten- und Freundes-Kreis habe, die ebenfalls immer noch sauer sind. Und davon muss es ja in der Stadt ja noch so viele Fans geben, die nach wie vor enttäuscht sind. Ich sprach in diesen Tagen mit Dieter Roth, zweiter Vorsitzender des TSV Wandsetal. Von der Liga hatten sich gleich einige Spieler eine Karte für HSV gegen Barcelona gekauft – weil sie einmal in ihrem Leben Messi live sehen wollten. Einmal. Und dafür verzichteten sie dann auch alle auf ein Testspiel des TSV gegen Börnsen. Die Quittung kam prompt, beim Oddset-Pokalspiel griff TSV-Trainer Mike Breitmeier auf andere Spieler zurück, die „Messis“ blieben außen vor. So kann es dann auch mal gehen . . . Immerhin können alle behaupten: „Ich habe das Spiel gesehen, in dem Messi fast mitgespielt hätte.“

So, anderes Thema, der HSV ist im schwedischen Urwald, kämpft ums Überleben. Bis morgen geht das noch sah, am Abend kehrt die Truppe (hoffentlich vollzählig) zurück. Und weil die Mannschaft unerreichbar ist, habe ich heute mal in meiner Post „gewühlt“. Ich möchte euch heute eines jener Schreiben zugänglich machen, die mich jeden Tag privat erreichen:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Mein Name ist Ralf H., ich lebe in Essen und bin HSV-Mitglied!

Schreiben ist ihr Beruf, deshalb müssen sie jeden Tag etwas schreiben. In der nun langsam ablaufenden Sommerpause fällt mir auf, dass sie sich für eine Verpflichtung von R.v der Vaart erwärmen könnten.-Was soll der HSV mit einem Spieler, der den Verein schon mal stehen gelassen hat und der offensichtlich nicht will, oder nur, wenn sein Gehalt den Mangel seiner Begeisterung für den HSV ausgleichen würde! – ?

Im heutigen Blog ist eine hintergründige Stimmung gegen F. Arnesen zu spüren. Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen? Allein, dass er Guerrero losgeschlagen hat, ist eine Erlösung für den HSV. Ein Spieler, der dem Verein, speziell durch seine Tätlichkeit in der letzte Saison schwer geschadet hat, diesbezüglich veharmlosende Äusserungen von sich gegeben hat, der 4,5 Millionen p.A. verschlungen hat…

Ihre vorauseilende Kritik an Rudnevs? In ihrem Artikel steht mit anderen Worten: Der trifft das Tor nicht! Haben sie sich mal den Werdegang der Herren Blasykowsky, Pisczek und Lewandowsky beim BVB zu Gemüte geführt? Nein? Schade! An einem polnischen Torschützenkönig schon im Vorfeld herumzumäkeln…?

Ich lese ihre Blogs sehr gern, aber im Unproduktiven herumzuorakeln, fänd ich nur gut, wenn ich so ein bisschen Stimmung gegen den Verein machen wollte!

Herzliche Grüße aus Essen! Ralf H.“

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Ich bin auch HSV-Mitglied. Glauben Sie mir bitte, es gibt bei „Matz ab“ viele, viele User, die das genau andersherum sehen. Sie haben Ihre Meinung, und zwar hundertprozentig („So muss es sein, so ist es – ich weiß das ganz genau!“), andere User haben aber genau die gegenteilige Meinung davon. Und sind auch hundertprozentig davon überzeugt, dass sie richtig liegen – und zwar hundertprozentig. Das ist doch mein täglich Brot.

Wenn ich hier zum Beispiel schreibe:
„Der HSV ist der beste Klub der Welt, er hat in der vergangenen Saison nur ein bisschen Pech gehabt, sonst wäre er noch in die Europa League gekommen . . .“ Dann schreien 500 „Matz-abber“ vor Freude auf und feiern mich, und die anderen 500 wünschen mich zum Teufel und vernichten mich.

Nehmen Sie mal allein „Ihren Fall van der Vaart“. Tausende würden den „Raffa“ gerne wieder beim HSV sehen – als Spieler. Sie nicht – das ist Ihre Meinung. Andere wollen van der Vaart auch nicht, aber natürlich gibt es auch hier wieder Hälfte-Hälfte. Und wenn Sie mir unterstellen, dass ich ihn gerne hier haben wollte, so ist das auch nur eine Unterstellung von Ihnen. Wissen Sie ganz genau, was und wen ich will? Ich bin da nämlich völlig neutral. Käme van der Vaart, dann hätte der HSV auf jeden Fall einen „Zehner“ der es kann – es könnte. Kommt er nicht zurück, dann ist auch gut. Dann holt der HSV eben einen anderen „Zehner“, wo ist das Problem? Ich kann es doch ohnehin nicht beeinflussen. Oder glauben Sie, dass F. Arnesen mich erhören würde, wenn ich van der Vaart zurück haben wollte?

Und wenn Sie hier eine Stimmung gegen F. Arnesen spüren, dann kann ich nichts dafür. Sie spüren etwas, was ich nicht so spüren kann. Dass man als Journalist einige Dinge hinterfragt, ist doch logisch. Wo ist der HSV im Sommer 2012 noch gelandet? Wenn ich nicht irre, auf Rang 15. Die schlechteste Platzierung der HSV-Bundesliga-Geschichte. Wenn man da nicht gewisse Dinge durchleuchtet, wann denn dann? So darf es doch wohl nicht weitergehen.

Und zu Rudnevs habe ich zuletzt alles geschrieben. Wenn Sie lesen, dass dort mit anderen Worten „trifft das Tor nicht“, dann ist es wohl so. Wenn ich seine Chancen gegen Norderstedt aufzähle, kann ich die ja nicht nachträglich in Tore ummünzen. Schießt er daneben, dann ist der Ball im Aus. Dann war es offenbar kein Tor. Darf ich das nicht mal aufzählen? Zumal dann, wenn mir vorgehalten wird, ich würde ihn schon jetzt, ohne Bundesliga-Spiel, vernichten. Vorbei ist vorbei, so ist es nun einmal. Oder soll ich es das nächste Mal weglassen? Warten Sie es nun mal ab, wie sich Rudnevs entwickelt – und ich warte auch ab. Dann werden wir bei passender Gelegenheit ein Resümee ziehen. Okay?

Die Frage allerdings, was Sie bislang schon an fußballerischen Dingen von Rudnevs gesehen haben, was Sie kennen oder wissen – die hätte ich schon gerne mal gestellt. Aber gut, manchmal klappt das ja auch vom Sofa aus, auch das gibt es ja zigfach . . .

Und noch zu einem anderen interessanten Thema. Sie, Herr H., schreiben oben:

„Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen?“

Meine Antwort: Tausende. Die wollen alle diesen Job . . .

Und ganz ehrlich: Fragen Sie doch auch einmal, wie viele Vorstands-Vorsitzende den Job von Carl-Edgar Jarchow haben wollen?
Tausende! Wollten den mal haben . . . Jetzt aber, wo der HSV nicht mehr im Geld zu schwimmen scheint, nicht mehr ganz so viele.
Und? Was können Sie hier nicht jeden Tag an Meinungen der User lesen? Allgemeiner Tenor: „Raus mit Jarchow!“ Was für ein Blödsinn! Das ist meine Meinung zu diesem Thema.
Andere wissen es aber viel besser als ich. In der Anonymität des Internets weiß ohnehin jeder mehr und viel – und alle können es selbstverständlich noch viel besser. So ist das nun mal.

Sie können aber ganz sicher sein: Sollte F. Arnesen eines Tages den HSV verlassen (verlassen müssen, sollen, freiwillig gehen), so wird der HSV nicht untergehen, denn dieser Aufsichtsrat wird dann mit Sicherheit eines fernen Tages noch einen neuen Sportchef finden. Mir zum Beispiel würden da schon sofort einige Namen einfallen, will aber gar nicht, dass darüber spekuliert wird – denn F. Arnesen bleibt ja. Ende und aus die Maus.

Anderes Thema:
Von „we are family” kam ein interessanter Beitrag, auf den ich kurz einmal eingehen möchte:

„Schon gestern stand auf der Homepage von UD Las Palmas “….. a costa cero”. Auch auf transfermarkt.de steht “ablösefrei”. Wenn das stimmt, spart der HSV lediglich das Gehalt eines 21-jährigen, der seinen Profivertrag im
Sommer 2008 bekam. Da wird er wohl eher im unteren Viertel der gezahlten Spielergehälter liegen.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Chrisantus hatte noch Vertrag bis 2013. Man hätte ihn doch das erste Mal beim HSV eine komplette Vorbereitung machen lassen können. Die U23 soll möglichst aufsteigen und hat mit Bertul
Kocabas den Topscorer an einen türkischen Erstligisten abgegeben. Kelbel ist zur Zeit noch verletzt.

Warum lässt man ihn nicht wenigstens die Hinrunde in der U23 spielen und teilweise bei den Profis mitrainieren, um sich wirklich mal ein Bild vom ehemaligen “Jahrhunderttalent” zu machen?

Ablösefrei hätte man ihn auch im Winter oder im nächsten Sommer abgeben können. Beim KSC und beim FSV Frankfurt hat er immerhin jeweils 8 Tore in der Saison erzielt, obwohl er in 2 Saisons nur auf 25 Spiele über die volle Distanz kam und beide Teams gegen den Abstieg spielten – bei beiden Teams damit sicherlich auch die notwendige Qualität der Mitspieler fehlte. Der Kerl wird im August gerade mal 22 Jahre alt! Da wechselte ein Huntelaar gerade aus der 2. holländischen Liga in die Ehredivisie.

Wann bekommt beim HSV ein junger Spieler wirklich mal das Vertrauen und wird beim HSV weiterentwickelt und nicht in Mainz, Leverkusen, Rennes oder auf den Kanaren?“

Gute Frage. Auf dieses HSV-Talent (oder sogar Talente!) warte ich auch seit Jahrzehnten. Da läuft schon lange, lange ganz sicher sehr viel falsch. Beim FC Bayern spielen in einem Champions-League-Halbfinale (!) neun Spieler mit, die aus der eigenen FCB-Jugend kommen, und beim HSV kann man die Leute, die es gelegentlich mal bis zum Profi-Training bringen, an einer Hand abzählen. Ich bewundere die Geduld, die anscheinend keine Grenzen kennt, aller Beteiligten! Eigentlich kann es doch gar nicht angehen, dass da immer auf die falschen Pferde gesetzt wird, aber offenbar ist es doch so. Oder? Diejenigen Talente, die es beim HSV nicht geschafft haben, kommen doch auch bei anderen Vereinen nicht so zum Zuge, wie sie sich das erhofft haben. Die eine oder andere Ausnahme soll es geben, aber zum Beispiel Änis Ben-Hatira oder Tunay Torun. Haben sie die Rolle in Berlin gespielt, die sie für sich schon beim HSV sahen? Ich wünschte mir schon mal solche Talente wie die der Bayern mit beispielsweise Philipp Lahm, Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller. Talente solchen Kalibers gibt es beim HSV schon seit Jahr und Tag nicht. Leider, leider.

Allerdings denke ich ja auch, dass sich ein HSV-Coach sehr wohl damit schmücken würde, endlich mal wieder einen jungen Spieler ganz nach oben gebracht zu haben (wie Felix Magath mit Hasan Salihamidzic). Es gab etliche Trainer, die auf dem Wege waren, jemandem zu vertrauen, dann aber den Versuch doch noch abbrechen mussten, weil es eben doch nicht für ganz oben reichte. Zum Beispiel Muhamed Besic, Ben-Hatira, Eric-Maxim Choupo-Moting, Vadis Odjidja-Ofoe (heute belgischer Nationalspieler) , Benny Feilhaber, Andreas Laas. Oder früher auch Mustafa Kucukovic, Stephan Kling und Alex Meier (St. Pauli), heute schon lange Stammspieler bei Eintracht Frankfurt.

Und speziell zu Macauley Chrisantus. Der hat in meinen Augen Chancen genug erhalten. Und wenn er es tatsächlich könnte, dann hätte er es doch mal beim KSC oder beim FSV Frankfurt gezeigt – wie zum Beispiel Maximilian Beister in Düsseldorf. Deswegen ist es gut, dass Chrisantus nun gehen durfte – egal ob mit oder ohne Ablöse. In der jetzigen schwierigen finanziellen Phase des HSV zählt jeder Cent, der eingespart wird – auch der des Chrisantus-Gehalts. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass Chrisantus in diesem Sommer teilweise ganz beachtlich trainiert hat. Er wollte wohl noch einmal, aber er hatte eventuell vergessen, dass er dazu schon zu oft die Gelegenheit gehabt hatte. Irgendwann ist dann eben mal Schicht im Schacht.

Eine andere Frage aber ist in Sachen Stürmern: auf wen will der HSV denn vorne setzen? Das sehe ich im Moment mehr Quantität als Qualität. Und da hätte Chrisantus dann doch eventuell doch mitmischen können. Ich halte es ja immer noch für sehr, sehr gefährlich, dass der HSV nur noch über einen „Zehner“ und einen Innenverteidiger spricht. Mir kommt das Wort Stürmer da überhaupt noch nicht vor. Ob die Verantwortlichen tatsächlich wissen, dass sie da vorne kaum etwas haben? Ich habe meine Zweifel. Aber, und das sage ich gern noch einmal, ich bin ja auch nicht der Trainer und der Sportchef des HSV.

Auch Uwe Seeer ist weder Trainer noch Sportchef des HSV, dennoch hat er viel zu „seinem“ HSV zu sagen. „Uns Matz-ab-Scholle“ war heute am Millerntor, wo „uns Uwe“ einen neuen Werbe-Spot für die PSD-Bank drehte. Zusammen mit den St.-Pauli-Profis Fabian Boll und Florian Kringe. Seeler lobte den Zweitliga-Klub: „Der FC St. Pauli leistet gute Arbeit. Ich hoffe, dass sie ihrer letzten guten Saison eine noch bessere folgen lassen und aufsteigen.“

Um den HSV, um „seinen“ HSV, macht sich Uwe Seeler dagegen schon (und immer wieder) einige Sorgen. Der Ehrenspielführer, bekannt dafür, dass er früher stets den direkten Weg zum Tor suchte, und auch dafür, dass er stets geradlinige Antworten gibt, sagt: „Meine Frau hat letztes Jahr miterlebt, wie mich das Zittern um den HSV verändert hat. Ich hätte richtig abgebaut, sagt sie. Und ganz ehrlich: es wird nicht besser. Ich bin noch nicht zufrieden. Ich hatte gehofft, dass der HSV in der jetzigen Phase schon weiter wäre. Noch muss bei unserem HSV sehr viel passieren.“

Fast alles muss sich ändern – hatte Uwe Seeler unmittelbar nach der verkorksten letzten Saison gesagt. Jetzt spricht er aus, wo er noch Defizite sieht: „Wir brauchen noch mindestens zwei neue Spieler, das ist das Minimum. Im Mittelfeld und in der Abwehr, in der Innenverteidigung. Die brauchen wir, um wenigstens ein wenig Sicherheit zu haben und nicht gegen den Abstieg zu spielen. Hinten müssen wir besser werden. Wir dürfen nicht mehr so viele Tore kassieren. Und ich behaupte sogar, wir bräuchten auch für vorn noch einen richtigen Brecher.“

Ach, lieber Herr Seeler, sie laufen bei mir ja offene Tore ein. Wie sehr wir einen solchen Spieler brauchen, wie sehr! Einen Innenverteidiger hätten wir ja mit Heiko Westermann, aber einen richtigen Brecher? Seeler über den Stürmer-Zugang aus Lettland: „Rudnevs spielt nun in einer neuen, härteren Liga. Das wird hart für ihn und wir sollten ihm Zeit geben.“ Generell befindet Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten zur Lage des HSV: „Es reicht nicht, zu hoffen, dass wieder zwei, drei Mannschaften schlechter sind. Das Risiko ist zu groß. Jetzt müssen alle mal in die Socken kommen. Und auch wenn ich weiß, dass es unser Sportchef Frank Arnesen weiß: Je länger die Transferperiode schon andauert, desto schwieriger wird es, die Guten zu bekommen.“ Wobei Uwe Seeler auch noch mit Wehmut an einen Abgang des HSV zurückdenkt: „Ich hätte David Jarolim nicht gehen lassen, denn er war einer, der immer voranging. So einer fehlt uns jetzt noch.“

Als Druck von außen möchte Seeler seine Aussagen nicht verstanden wissen. Im Gegenteil, er sei stets ein Optimist. Dennoch hat er einen Wunsch an die HSV-Verantwortlichen: „Ich wünsche mir nur, dass alle die Situation ausreichend ernst nehmen. Und ich habe das Spiel gegen Barcelona gesehen. Bei allem was man entschuldigen kann, es gab doch noch viele Dinge, die letztes Jahr schon falsch gelaufen sind und die noch immer nicht behoben sind.“

Aber, damit ich auch das noch einmal schreiben kann: Der HSV arbeitet ja jetzt noch ganz intensiv daran, die Lage zu verbessern. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es soll ja noch alles gut werden, und ich glaube auch fest daran, dass alles noch gut wird, dass es noch jene Verstärkungen gibt, die den HSV wieder stärker werden lassen. Noch ist ja Zeit. Keine Panik.

Und das Überlebens-Camp in Schweden wird den HSV ja auch ganz sicher schon etwas stärker werden lassen – von wegen Teamgeist.

18.11 Uhr

Arnesen klärt letzte Details – Guerrero ist weg, Töre wird wohl folgen

16. Juli 2012

Um 8.40 Uhr heute Morgen sind sie abgehoben. Son-Heimat Südkorea heißt es für die nächsten sieben Tage. Drei Testspiele stehen an, das erste am Mittwoch in Suwon gegen Suwon Samsung II, das letzte dann am Sonntag im Peace-Cup, dessen Antrittsgage dem HSV den Trip bereits im Vorwege finanziert hat. Erst am Montag geht es zurück, ehe am Dienstag (24. Juli) das Testspiel gegen den FC Barcelona auf dem Plan steht. Eine Vorbereitungsplan, der es in sich hat. Allerdings auch einer, der vom HSV als äußerst sinnvoll erachtet wird. „Solche Reisen muss man als großer Klub machen“, sagt Trainer Thorsten Fink. „Zum einen haben wir eine ausreichend lange Vorbereitung bis zu ersten Spiel. Und zum anderen braucht der Verein diese Reise, um Geld zu verdienen.“ Und zwar sofort sowie auf lange Sicht durch die Gewinnung neuer Sponsoren vor Ort. „Wir wollen uns auf dem Markt in Südkorea platzieren, planen dort eine Kooperation mit der Fußballschule von Heung Min Sons Vater“, erklärt Marketing-Vorstand Joachim Hilke, der nicht mitflog. An seiner Stelle ist seine rechte Hand, Nicholas MacGowan dabei, der die gesamte Reisevorbereitungen und PR-Termine zuvor wahrgenommen hatte.

Ebenfalls in Hamburg geblieben ist Fran Arnesen. Der Sportchef ist noch dabei, die letzten Details des Wechsels von Paolo Guerrero nach Sao Paulo sowie den Wechseln von Gökhan Töre zu Rubin Kazan zu klären. Zudem soll in den nächsten Tagen auch der eine oder andere Neuzugang vermeldet werden. Das kündigte Trainer Thorsten Fink heute auf dem Flughafen noch vor dem Abflug an. „Da wird in den nächsten tagen etwas passieren. Bald wird es Resultate geben.“ Zur Personalie Töre, der trotz der hohen Wechselwahrscheinlichkeit die Reise nach Südkorea mit antrat, sagte Fink: „Wenn ein Spieler hier ist, dann ist er auch hier. Dann beschäftige ich mich auch mit ihm und lasse ihn spielen.“ Obwohl intern bestätigt wurde, dass der Deutsch-Türke zuletzt geschont wurde, um einen Wechsel (Kazan soll rund vier Millionen Euro bieten) nicht durch eine Verletzung zu gefährden.

Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich den Wechsel an sich für diskutabel halte. Wirtschaftlich ist es vielleicht ein gutes Geschäft. Bei vier Millionen Euro Ablöse blieben dem HSV abzüglich der 50 Prozent für den FC Chelsea rund zwei Millionen Euro. Das Gegenrechnen Ablösesumme und des Gehaltes aus der abgelaufenen Saison habe ich rausgenommen, da es inhaltlich nicht wichtig ist und sich noch immer verschiedene Ablösesummen kursieren. Bei den meisten Berichten wird von 1,3 Millionen Euro Ablöse gesprochen, andere besagen, Töre sei ablösefrei gewesen. Da damals gleich mehrere Chelsea-Spieler im Paket gekommen sind und so verrechnet wurden, ist auch letztlich nicht genau zu erkennen, für wen Chelsea letztlich wie viel genommen hat. Ausnahme: Rajkovic. Aber okay, immerhin blieben heuer zwei Millionen Euro Ablöse. Aber das wiederum ist offenbar nicht genug für den HSV-Sportchef. „Wir müssen und wollen Gökhan gar nicht unbedingt abgeben“, sagt Arnesen, der auf mindestens fünf Millionen Euro Ablöse seitens der Russen spekuliert.

Zudem setzt Arnesen, der am Donnerstag nach Südkorea nachreisen will, wie Fink auf einen Neuzugang in den nächsten Tagen. „Es kann jederzeit etwas passieren“, so der Däne, „aber noch ist nichts zu vermelden. Wir arbeiten daran.“ Bis Donnerstag, so der Plan, soll der nächste Zugang vermeldet werden können.

Schön wär’s doch. Auch wenn es Rafael van der Vaart nicht wird. „Ich verstehe nicht ganz, weshalb es diese Aufregung gab“, sagt Arnesen, “ich hatte erst letzten Donnerstag noch mal mit dem Berater von Rafael gesprochen, der mir gesagt hat, dass Rafael auf jeden Fall noch ein Jahr in Tottenham bleiben wolle. Und wir kommunizieren intern sehr viel. Das Thema hätte gar nicht so groß werden müssen am Freitag.“

Wurde es aber. Und selbst hier sorgt es für hitzige Diskussionen. Ganz im Gegenteil zu einer Personalie, die ich durchaus schwierig finde, die aber komplett unter den Tisch zu fallen scheint: Slobodan Rajkovic. Der Serbe trainierte heute mit der U23 an der Imtech-Arena und wirkte nicht glücklich. Während seine Kollegen in München auf dem Flughafen zwei Stunden Aufenthalt hatten, war der von Trainer Thorsten Fink nach seiner Schlägerei mit Heung Min Son suspendierte Abwehrhüne mit Passübungen beschäftigt. „Ich werde versuchen, ihn wieder aufzubauen“, sagt U23-Trainer Rodolfo Cardoso, der im heutigen Training immer wieder das Vier-Augen-Gespräch mit Rajkovic suchte.

Und der 23-Jährige tat es seinem Übergangstrainer (Cardoso: „Ich plane nicht mit Slobodan“) gleich, suchte seinerseits das Vier-Augen-Gespräch mit Arnesen. „Ich habe fünf Tage geschwiegen und viel über mich gehört. Mir ist es wichtig, dass die Verantwortlichen meine Sichtweise hören und verstehen“, so der Linksfuß, der auf mich einen sehr geknickten Eindruck machte, der ansonsten aber lieber schweigen will. Immerhin versprach ihm Arnesen, nach seiner Ankunft bei der Mannschaft in Südkorea am Donnerstag noch mal das Vier-Augengespräch mit Fink zu suchen. Ob sich an dem grundsätzlichen Entschluss der Suspendierung etwas verändert hat? Arnesen: „Nein, aber ich will alle Parteien hören, bevor ich meinen Entschluss treffe.“

Wobei dem HSV gar keine Wahl blieb angesichts des Prügelei-Kontrahenten. Heung Min Son ist immerhin der einzige Spieler im Kader, der Millionen einbringt. Siehe diese Südkoreareise. Zudem wollte der Klub die ganze Zeit schon Rajkovic loswerden. Und während ich durchaus nachvollziehen kann, weshalb der Verein das Rajkovic-Gehalt (rund 1,5 Millionen Euro zzgl. Prämien) einsparen und nicht auf einen der letzten Angreifer verzichten will, erscheint mir die Art und Weise seltsam. Zumal intern Heung Min Son als immer schwieriger gilt. Nicht wenige Spieler und Trainer haben mir gegenüber schon ihre Bedenken geäußert, weil sie das Gefühl haben, Son würde sein tatsächlich unglaublicher Bekanntheitsgrad in Südkorea langsam zu Kopf steigen. Aber okay, auch Rajkovic hatte seine Probleme. Im Training mit Marcell Jansen, jetzt mit Son, bei der Roten Karte gegen Kaiserslautern und vor allem schon vor der Zeit beim HSV, als er bei Olympia einen Schiedsrichter angespuckt haben soll. Ein Tatvorwurf, der vom zuständigen Sportrichter zwar bestätigt und entsprechend mit einer monatelangen Sperre geahndet wurde, der aber bis heute nicht nachgewiesen werden konnte. Noch immer stehen Aussage gegen Aussage und Rajkovic betont seine Unschuld. Und, als alter Jura-Student gilt für mich: In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Wobei seitens der „Richter“ Arnesen, Jarchow und Fink im aktuellen Fall Rajkovic eigentlich kaum noch Zweifel vorhanden zu sein scheinen, so klar wie sie sich bisher positioniert haben.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann hoffentlich mit neuen Namen – und neuer Hoffnung.

Scholle

P.S.: Macauley Chrisantus ist ebenfalls nicht mit nach Südkorea geflogen, da er aktuell ein Probetraining bei Sturm Graz absolvieren soll.

Campus plus Fan-Anleihe – HSV-Fans finanzieren Ausbau des Trainingsgeländes

12. Juli 2012

Da hat der HSV mal alle Register gezogen. Genau um 0.04 Uhr wurde die Pressemitteilung herausgegeben, in der zur außerordentlichen Pressekonferenz geladen wurde. Selbst auf Nachfrage wollte vom HSV niemand etwas zum Thema der Veröffentlichung sagen. Es wurde auf Geheimnis gemacht – und das zog. Sechs Kamerateams und zahlreiche Journalisten kamen, obgleich schon morgens durchgesickert war, dass es sich nicht um die Präsentation eines neuen Spielers drehen würde. Stattdessen würde ein großer Neubau angekündigt. Und so kam es dann auch. Der HSV baut sein Trainingszentrum an der Imtech-Arena aus. Das knapp 12 Millionen Euro teure Projekt, dessen Planungen HSV-Aufsichtsratsboss Alexander Otto finanziert und das auf dem Parkplatz Weiß 2 (hinter der Südostecke) geplant ist soll fremdfinanziert werde, besser gesagt: Die Fans können Anleihen, die bei 125 Euro pro Stück beginnen, erwerben. Diese werden vom HSV auf sieben Jahre angelegt und per annum zu sechs bis sieben Prozent verzinst. Auf 12,5 Millionen Maximaleinnahme ist die so genannte „125 Jahre HSV Jubiläumsanleihe“ ausgelegt. Zudem ist es nicht ausgeschlossen, dass die Anleihen auch über die 12,5 Millionen Euro ausgeweitet werden.

„Es ist und bleibt unser Ziel“, sagt Carl Edgar Jarchow, „den HSV mittelfristig wieder international als Spitzenmannschaft zu etablieren. Unser Finanzlage wird aber in den nächsten Jahren angespannt bleiben, weil wir auch das wunderschöne Stadion noch abbezahlen müssen“, so der Klubboss, der die Investition in Steine als logische Konsequenz sieht. „Ganz ohne werden wir nicht auskommen – aber wir werden nicht in erster Linie große Transfers tätigen. Das können und wollen wir nicht. Als Konsequenz unserer Analyse ist klar, dass wir auf eine funktionierende Nachwuchsförderung setzen müssen und wollen. Wir wollen unser Nachwuchskonzept, den Campus hier am Volkspark etablieren. Wir wollen hier eine Talentheimat entstehen lassen.“

Das aber geht ob der aktuellen Finanzlage nicht ohne fremde Hilfe. Ergo: Die Anleihe, deren Einnahmen übrigens zweckgebunden sind und entsprechend nicht in neue Spieler gesteckt werden dürfen, soll helfen. Dabei helfen, zwei neue Trainingsplätze zu bauen. „Es war meine Idee, die ich vom ersten Tag an hier hatte“, sagt Frank Arnesen zum Projekt „HSV-Campus“, in dessen Zuge er zudem auf den Bau eines weiteren Kunstrasens hofft. „Ich hatte die Idee, und der Vorstand hat hier große Arbeit geleistet. Dass das Projekt so schnell umgesetzt werden kann, ist Wahnsinn.“

Wobei auch der Bau der Plätze zumindest schnell gehen dürfte. „Die bedürfen in etwa einer Bauzeit von acht bis zehn Wochen“, sagt Vorstand Joachim Hilke, der die Bauzeit für das zugehörige Funktionsgebäude mit 4000 Quadratmetern Nutzfläche sowie einem integrierten Internat mit 18 Monaten ansetzt. Baubeginn ist für Frühjahr/Sommer 2013 vorgesehen. Im Internat sollen bis zu 16 Spieler der U17- und U19-Mannschaften wohnen können.

Bis 2020, so ein erster noch unausgereifter Gedanke, könnte die Anlage auch für andere Leistungsspieler des Klubs ausgebaut und nutzbar gemacht werden. „Vielleicht sind dann neben Fußballern auch Volleyballer, Handball- und Hockeyspieler dort untergebracht“, sagt Arnesen. Was aus dem Internat Ochsenzoll wird? Dort werden weiter Jugendliche untergebracht und zumindest tagsüber betreut. Was aus den Zimmern der bisherigen Internatsbewohner wird? „Es steht noch nicht wirklich fest, was wir damit machen“, sagt Jarchow ehrlich.

Nicht wirklich viel neues Wissen gibt es auch im Fall Rafael van der Vaart, den hier im Blog schon einige im „Grand Elysée“ wähnten. Dem scheint meinen Infos zufolge nicht so zu sein. Im Gegenteil. Van der Vaart hat in England genug zu tun. Im Moment deutet nicht viel darauf hin, dass der Transfer der einstigen Nummer 23 zum HSV realisiert wird. „Ich habe mit Rafael gesprochen“, sagte mir Arnesen heute nach der PK, „und er will und muss erst einmal seine persönliche Situation mit dem neuen Trainer in Tottenham klären.“ Der hatte zuletzt signalisiert, bei Anfragen für den Niederländer gesprächsbereit zu sein. Nun will van der Vaart selbst in den nächsten Tagen das Gespräch mit Andre Villas Boas, seinem neuen Coach in Tottenham suchen. Auch, weil AVB nach Sigurdsson noch seinen portugiesischen Landsmann und Nationalspieler Joao Moutinho vom FC Porto nach Tottenham holen will, und dieser auf van der Vaarts Position zuhause ist.

Klar ist, egal für wie unwahrscheinlich der Deal immer wieder bezeichnet wird, das Interesse des HSV an dem Niederländer ist groß. „Rafael ist ein sehr guter Spieler, der natürlich sehr interessant wäre für den HSV – wenn wir das Geld hätten. Er würde ideal ins Anforderungsprofil passen – mit seinen 29 Jahren von der Altersstruktur her, von der Spielweise ebenso. Jeder beim HSV würde sich über ihn freuen. Auch der Trainer.“ Zudem sagte mir Arnesen heute, dass er sich bislang aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber noch zurückhalte. „Sollte ich von Tottenham oder Rafael grünes Licht bekommen, werde ich die Gespräche schnell aufnehmen. Das ist klar. Aber zuerst brauche ich dieses Zeichen.“

Und Geld. Wie immer. Denn, was uns Frank Arnesen heute erzählte, ließ mich kurz zusammenzucken. „Wenn der Verkauf von Paolo über die Bühne gegangen ist, haben wir Artjoms Rudnevs Kosten wieder drin. Das und noch ein klein bisschen mehr. Wenn wir dazu noch zwei, drei Spieler abgeben, können wir wieder etwas machen. Allerdings auch dann noch lange keinen van der Vaart. Dafür benötigen wir sehr viel Hilfe.“ Ergo: Guerreros Ablöse lässt Arnesen noch keine Sprünge machen. Nicht mal kleine.

Aporopos kleiner Sprung. Den könnte Macauley Chrisantus machen. Der Nigerianer, der beim HSV quasi chancenlos ist, hat ein Angebot von Sturm Graz vorliegen, seinem Berater Gordon Stipic hat Arnesen bereits mitgeteilt, dass der HSV den Angreifer ziehen lassen würde. „Macauley muss sich mit dem Verein einigen, bevor wir da etwas machen können“, sagt Arnesen, der zudem einen lange beim HSV gehandelten Namen heute vorerst ausschloss – Zvjedzdan Misimovic. Arnesen deutlich: „Er ist kein Kandidat.“ Entsprechend ist auch das kolportierte Wechselgeschäft mit der Abgabe von Slobodan Rajkovic an Dynamo Moskau kein Thema. „Rajkovic wird bleiben. Ebenso wie Mancienne und Bruma“, so Arnesen.

Langsam wieder zurückkommen will Ivo Ilicevic, der heute zusammen mit Tomas Rincon seinen Laktattest absolvierte. „Ivo wird Marcell Jansen auf links große Konkurrenz machen“, sagt Fink, der nach eigener Aussage kein Problem damit hat, dass sein Kader noch immer nicht komplett ist. „Natürlich ist es so, dass ich als Trainer gern schnell den Kader komplett habe, denn je später ich die Spieler bekomme, desto weniger Automatismen kann ich einstudieren. Aber ich muss damit fertig werden, die Probleme haben andere auch. Außerdem reden wir hier nicht über gravierende Veränderungen, sondern um ein, zwei Neue.“ Die allerdings auf meines Erachtens nach auf äußerst wichtigen Positionen. „Wir suchen einen Sechser und einen Zehner“, wiederholt Arnesen und betont, dass sie trotz der Abgabe Guerreros keinen neuen Stürmer holen wollen. „Wir haben vorne Rudnevs, Berg und Son“, sagt der Sportchef, „das ist ausreichend. Grundsätzlich planen wir mit einer Spitze.“

Und auch ein weiterer Innenverteidiger ist nicht eingeplant. Auch nicht David Abraham. „David ist jetzt bei Getafe und die fordern Minimum vier Millionen Euro. Das ist zwar sehr schade, aber unsere Prioritäten liegen woanders.“ Stimmt. Ein Sechser und Zehner fehlen. Zwei Positionen, die zentraler auf dem Feld nicht sein können. Und dafür bastelt der HSV weiter an den Fronten Abgabe und Einkauf. Zumindest hofft Fink auf den sportlichen Ehrgeiz der Spieler im Kader, denen nahegelegt wurde und wird, den Verein zu wechseln. Ob er sich Sorgen macht, am Ende auf den Streichkandidaten sitzen zu bleiben? „Nein, diejenigen, die es betrifft, werden es am Ende der Vorbereitung merken. Spätestens dann regelt sich vieles von selbst.“

So muss es am Ende eigentlich schon kommen. Denn bei allen schönen Zukunftsvisionen mit dem sehr ansehnlichen Ausbau des Trainingsgeländes, noch ist das Puzzle HSV lange nicht komplett. Im Gegenteil. Es fehlt seit Guerreros Abgang ins fußball-finanziell boomende Brasilien (Arnesen: „Die WM wirft schon weite Schatten voraus, da wird mächtig investiert“) etwas mehr als vorher. Adler für Drobny (obwohl der bleiben will), Rudnevs kommt für Petric – aber auch Guerrero ist weg. ‚Und was ist mit Beister?’ werden jetzt einige von Euch denken. Zurecht, denn auch er ist ja neu. Aber einem Beister jetzt gleich dem Druck auszusetzen, in seinem ersten Erstligajahr einen erfahrenen Spieler wie Guerrero zu ersetzen wäre schlichtweg unfair. Und nicht realistisch. Obgleich hier Hoffnung durchaus berechtig ist.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

P.S.: Training ist um zehn und 16 Uhr an der Imtech-Arena.

Arnesen: “Es passiert etwas. Schon sehr bald”

9. Juli 2012

Nur gut, dass sein kurzer Wutausbruch keine Verletzung nach sich zog. Immer wieder prügelte Marcell Jansen auf den gepflegten Trainingsrasen im Stadion von Hippach mit seiner rechten Faust ein. Er ärgerte sich über vergebene Chancen. Er fluchte sogar lautstark, obwohl er im Trainingsspiel seiner Mannschaft fünf Tore beisteuern konnte, er zu den auffälligeren Akteuren gehörte und seine Mannschaft am Ende gewann. Es war heute einfach Zug drin. Nach einem kurzen Kraftausdauer-Zirkel (bislang werden die hier noch sehr spielerfreundlich dosiert) folgte ein Spiel auf verkürztem Feld mit Anspielpunkten an den Außenseiten. Ein Spiel auf engem Raum. Ergo: viele schnelle Zweikämpfe, viele Torabschlüsse. Und viele Reibereien. Eben ein Spiel, das für die Zuschauer schön anzusehen und sehr unterhaltsam war. „Ich bin mit Robert Tesche eigentlich sehr gut befreundet“, sagte mir Tolgay Arslan anschließend, „wir haben uns anschließend auch wieder vertragen – aber selbst mit ihm habe ich mich in diesem Spiel richtig angelegt.“

Ein gutes Zeichen? Ja. Ebenso, wie die Tatsache, dass Frank Arnesen („Ich habe Ersatzakkus dabei“) fast durchgehend am Telefon hängt. Der Sportchef hat alle Hände voll zu tun, wie wir wissen. Immerhin muss noch eine ganze Menge passieren, sollte der HSV nicht wieder in den unteren Regionen spielen wollen. „Und es passiert schon ordentlich was“, sagt Arnesen, bevor er von einem Fan gefragt wird, wann dann beim HSV etwas Zählbares passieren wird. „Schon sehr bald, glaube ich.“

In Tottenham, so ist zu hören, ist auf jeden Fall schon ordentlich was los. Nachdem Rafael van der Vaart dort immer wieder platziert hatte, sich einen Wechsel – insbesondere in die Bundesliga – vorstellen zu können, scheint auch der Premier-League-Klub gesprächsbereit zu sein. Von HSV-Seite soll das Interesse an dem Niederländer nachhaltig platziert worden sein. Obgleich im Vorstand nicht alle für die Verpflichtung der einstigen Nummer 23 sind. Dennoch, und das wissen alle, bei keinem anderen Spieler auf der noch immer händeringend gesuchten Position besteht eine vergleichbar große Chance, von Fan/Investor/Mäzen Klaus Michael Kühne Geld zu bekommen. Und das ist angesichts des weiter stockenden Verkaufsstatus’ der eigenen Spieler so etwas wie ein (nicht der letzte, aber momentan der größte) Strohhalm, an den sich alle klammern.

Aber gut, zuletzt hatte uns Arnesen gesagt, es gebe zwei Spieler (Sechser und Zehner), die aus eigenen Mitteln finanziert werden könnten. Namen, die noch nirgendwo geschrieben wurden, wie uns versichert wurde. Aber eben auch Namen, die nur dann infrage kommen, wenn beim HSV Spieler abgegeben werden können. Doch diese Spieler wiederum gibt es aktuell nicht. Slobodan Rajkovic zählt dazu, ist heute aber vorzeitig zum Training erschienen, obwohl er eigentlich noch bis zum 11. Juli frei haben sollte. Anstatt zu wechseln, ist Rajkovic früher da als er muss – klingt nicht so, als ob er weg will. „Das ist lobenswert. Das zeigt seine gute Einstellung“, lobt Arnesen, wissend, dass es die Situation nicht leichter macht. Denn auch der Innenverteidiger scheint schwer zu vermitteln, zumal er beim HSV sehr gut verdient. Womit wir beim Kernproblem sind: die Spieler, die gehen sollen, müssten woanders auf Geld verzichten. Und das wollen sie natürlich nicht. Verständlicherweise. Das zählt für Rajkovic ebenso wie für Robert Tesche, Per Skjelbred (bei ihm soll Trondheim erfolglos angefragt haben), Jaroslav Drobny und am meisten natürlich der HSV-Topverdiener Paolo Guerrero. Eine Situation, die für die betroffenen Spieler nicht einfach ist. Egal mit wie viel Geld im Monat sie entschädigt werden, an der Ehre eines Profis kratzt es, wenn ihm gesagt wird, dass er nicht mehr gebraucht wird. „Das ist für jeden Spieler im ersten Moment schlimm“, sagt Arnesen, „aber im zweiten Moment erkennt er, dass man ihm mit so klaren, ehrlichen Aussagen helfen will. Denn kein Spieler spielt gern bei einem Verein, bei dem er nicht zum Einsatz kommt. Das ist doch klar.“

Klar gewonnen (zugegeben, kleiner Themenbruch…) hat am Sonntagabend übrigens Maximilian Beister. Ebenso wie die anderen Neuen Rene Adler („Dich zu lieben“ von Roland Kaiser), Rudnevs (lettische Nationalhymne), Macauley Chrisantus (Heimatlied aus Nigeria), Matti Steinmann (Udo Lindenbergs Duett mit Clueso „Cello“), Florian Stritzl (ein mir nicht bekanntes deutsches Raplied) sowie der dänische Youngster Christian Nörgaard, (die dänische Version von „Bruder Jacob“) musste Beister beim Mannschaftsabend unterhalb des Teamhotels singen. „Maxi ist er King, Maxi war mit Abstand der Beste“, lobte Arnesen, „der war so cool, als wäre das sein Beruf.“ Letztlich musste Beister sogar doppelt singen. Wie beim Grand Prix d’Eurovision üblich, musste der Sieger sein Siegerlied (Beister sang „Someone like you“ von Adele) zur Feier noch mal singen. Anders als Nörgaard (nicht Norgaard, obwohl das so auf dem Trikot steht…), dessen Lied nur Arnesen sofort erkannte. „Christian war sooo schlecht“, scherzte Arnesen anschließend, „ich habe ihm gesagt, dass das eine Schande für uns Dänen und für seien Eltern war, die beide Musiker sind. Ich habe ihm gesagt, dass er von mir eine heftige Geldstrafe aufgebrummt bekommt.“

Die hatte zuletzt tatsächlich Paolo Guerrero bekommen, der zusammen mit Tomas Rincon, Drobny und dem verletzten Ivo Ilicevic noch Urlaub hat und somit die ersten Einheiten mit dem neuen Angreifer Artjoms Rudnevs, bei dem übrigens beide „s“ am Ende des Vor- und Nachnamens mitgesprochen werden, verpasst. Zuletzt hatte es bezüglich des Namens unterschiedliche Aussagen gegeben – nur deshalb sei das hier noch mal erwähnt.

Ebenso wie die Tatsache, dass der erste Lette beim HSV gut angenommen wird. Mannschaftsintern wird er bereits Rudi genannt. Und er selbst sagt, dass er sehr glücklich ist, sich auf den nächsten Schritt freut, „der sehr hart wird. Die Bundesliga ist noch mal ein ganz anderes Kaliber als die polnische Liga. Aber dafür arbeiten wir auch härter.“

Das muss er allerdings auch. Denn obwohl Arnesen und auch Trainer Thorsten Fink immer wieder versuchen, jeglichen Druck von Rudnevs abzuwenden, setzt er sich selbst einem hohen Erwartungsdruck aus. „Wie ich gehört habe, bin ich der erste Lette in der Bundesliga. Ich repräsentiere hier mein Land. Und das möchte ich so gut machen wie zuletzt in Polen, wo ich 22-mal getroffen habe.“

Dass er eine solche Marke in der Bundesliga nicht sofort erwarten kann, ist Rudnevs klar. Der Angreifer wirkt aber sehr entspannt, verliert kein Wort zu viel. Er ist cool. Und er scheint alles im Blick zu haben. „Er ist eher ein ruhiger Typ“, sagt Arslan, der sich nicht nur außerhalb des Platzes mit dem Letten hervorragend versteht: „Vom ersten Tag an haben wir uns gut verstanden. Wir kennen schon unsere Laufwege, stimmen uns gut aufeinander ab. Und er ist mal ein ganz anderer Spielertyp als Paolo Guerrero und Mladen Petric, die viel übers Spielerische lösen können. Rudi kommt eher über die Laufarbeit, ist sehr viel unterwegs. Und dadurch reißt er viele Lücken. Zumal er nicht selten beide Innenverteidiger auf sich zog und ich dadurch unbeobachtet war.“

Lobende Worte für den Mann, der nach eigener Aussage seine Familie, Frau Santa und Tochter Arina in jeder Sekunde vermisst, die er noch ohne sie ist. „Sie ziehen wahrscheinlich zum ersten Spiel her, wenn die ganzen Vorbereitungstouren beendet sind“, sagt Rudnevs, der in Hamburg noch im Hotel wohnt und am Donnerstag mit dem Deutschunterricht beginnen will. „Die Sprache ist mir sehr wichtig“, so der 24-Jährige, der dafür sogar einen der ganz wenigen freien Tage opfert.

Rudnevs gewöhnt sich noch. So zumindest würde ich seine bisherigen Kostproben einstufen. Er zeigte in den Spielen ausbaufähige Leistungen. Im Training zeigte er aber auch, dass er zum Tormachen da ist. Er nahm wenig am Spiel teil, dafür traf er aber. „Ich bin Stürmer“, sagt Rudnevs, „und ich will zuallererst Tore machen. Ich muss viele Tore machen.“ Den Vergleich zum bisher besten HSV-Schützen, Mladen Petric, lehnt er dennoch ab. „Ich bin nicht der neue Mladen Petric – ich bin Artjoms Rudnevs. Und ich bin beim HSV“ Was die Ziele mit dieser Mannschaft sein können? „Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die sich sehr gut versteht. Alle sind freundlich zueinander und wissen, wie sie sich neben und auf dem Platz zu verhalten haben. Hier haben alle Respekt voreinander – und das ist mir wichtig“ Für welche Tabellenregion das reichen könnte? „Schwer zu sagen“, antwortet Rudnevs, der die Bundesliga ja auch nur aus dem Fernsehen kennt. „Aber die Mannschaft hat die große Chance, jetzt zu zeigen, dass sie sich auf einem großen Level zurechtfinden kann.“

In diesem Sinne, hier in Finkenberg hat es angefangen zu regnen. Unmittelbar vor dem wahrscheinlich anzahlmäßig mit Abstand am besten besuchten Fanfest, dass hier am Montagabend um 18 Uhr beginnt. Hoffentlich haben die dort Vorkehrungen getroffen. Denn diese mehr als 500 Fans, die jedes Training zum kleinen Fest machen, haben es allemal verdient.

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Dennis Aogo musste mit leichten Sprunggelenksproblemen heute pausieren, soll aber am Dienstag voraussichtlich wieder ins Training einsteigen können.

P.P.S.: Die Fahrradtour des HSV nach Hintertux gewann Heiko Westermann. Der Kapitän absolvierte die zehn Kilometer lange, stetig ansteigende (von 1500 auf 2000 Höhenmeter) Strecke in 50 Minuten.

P.P.P.S: Das Fanfest war, wie eigentlich alles bislang in diesem Trainingslager, bestens organisiert. Unter einem riesigen Zeltdach konnten rund 500 HSV-Fans mit den Profis sprechen, Fotos machen und sich Autogramme holen. Mittendrin natürlich unsere Matzabber, die sich als erstes Rene Adler an den Tisch holten (Foto), ehe sie lange mit Frank Heinemann sprachen.

Rudnevs trifft doppelt beim 10:0 gegen Zillertalauswahl

8. Juli 2012

Es war der letzte Abend des Trainingslagers in Marbella. Der HSV hatte uns Journalisten zum Abschluss in ein nettes Restaurant eingeladen. Eine gemütliche, ungezwungen Runde sollte es werden – und die wurde es am Ende auch. Allerdings musste einer anfänglich leiden: Nikola Vidovic. Der Arme hatte sich neben den Trainer gesetzt, und hatte links neben sich noch einen Platz frei. Und das war meine Chance. Mit allen aus dem Trainerstab hatte ich schon gesprochen, nur mit dem Fitness-Guru noch nicht. Ich setzte mich also neben Vidovic, was diesen wiederum Böses erahnen ließ. Ein Journalist, der ihn nicht kennt, sitzt die nächsten zwei, die Stunden neben ihm. Da waren Fragen programmiert. Und der kroatische Kickboxmeister galt bis dahin nicht unbedingt als Mann der vielen Worte. Finstere Blicke aber hatte er parat. Für lau.

Allerdings änderte sich das relativ schnell. Zu meinem Glück. Über den HSV kommend, gelangten wir schnell bei seiner Geschichte. Und die hatte es in sich. Ihr könnt ja mal seine Heimatstadt googlen. Gebt Vukovar und „Bilder“ ein, dann könnt ihr schon erahnen, was mir der damals noch relativ frische HSV-Fitnesstrainer erzählte. Die grausame Geschichte des Bürgerkrieges, bei dem sein Heimatort von 6000000 (in Worten: sechs Millionen!!) Granaten zerbombt wurde. 84 Tage lang bombardierten Serben die Grenzstadt, bis am Ende nur noch 2000 von anfänglich über 40000 Einwohnern übrig blieben. Von diesen wiederum wurden 1500 in Arbeitslager verfrachtet und weitere 300 auf einem offenen Feld hingerichtet und in einem Massengrab vergraben. Eine brutale Geschichte, an die lediglich die früher sonntäglichen Geschichten vom Opa meines besten Freundes Marc Schemmel herankamen. Und Opa Schemmel, ein Mann mit imponierendem Format, war während des zweiten Weltkrieges Gefangener im KZ Neuengamme…

Warum ich Euch das alles erzähle?

Weil ich hoffe, Euch so ein besseres Bild von dem engen Vertrauten des Trainers zu machen. Denn dieser Nikola Vidovic ist ein Selfmade-Mann. Einer, den nach eigener Aussage nichts mehr erschüttern kann. Er hatte damals alles verloren. Familienangehörige, sein Heimatstadt, und seinen hart erarbeiteten Job als Fitnesscoach der kroatischen Nationalmannschaft. Sein gerade beendetes Studium der Sportwissenschaften war plötzlich nichts mehr wert – denn Vidovic flüchtete nach München. Hier angekommen, fing er zunächst als Türsteher im Szene-Club „P1“ an. Über Kontakte wurde er zudem tagsüber als Fitnesstrainer im Fitnessclub Grünwald angestellt, wo er letztlich Thorsten Fink kennenlernte. „Ich hatte in Deutschland bei null beginnen müssen. Nein, bei minus zehn“, erzählt Vidovic heute, „aber ich war es gewohnt, mich durchzukämpfen.“

In Kroatien hatte das begonnen, als er grundlos verprügelt und schwer verletzt worden war. Anschließend schwor sich Vidovic, der damals Basketball spielte, sich fortan selbst beschützen zu wollen. Er begann mit Selbstverteidigung, lernte Kickboxen. „Ich war schon immer ein Sportjunkie. Ich kann nicht ohne Sport“, so Vidovic, der dieses Selbstlob beeindruckend untermauerte, indem er sich letztlich den kroatischen Kickbox-Meistertitel sicherte. „Ich bin kein Freund von halben Sachen“, so die simple Erklärung des Mannes für die Überstunden. „Der ist immer da, wenn du ihn brauchst“, hatte mir David Jarolim zuletzt erzählt, bei dem das oft nötig war. Ebenso wie bei Gojko Kacar vor seiner Verletzung sowie Mladen Petric und aktuell Maxi Beister. „Sie wollten Extraschichten machen, Boxen lernen. Das mache ich nach den Einheiten“, so der 48-Jährige, dessen Kraftausdauer beim HSV trotz des derben Altersunterschiedes noch kein Spieler erreicht hat.

Zumindest erzählen die Spieler das so. Voller Respekt. Denn Vidovic ist nicht einer, der mit einer Trillerpfeife im Mund die Spieler quält. Nein, er macht alle Übungen selbst mit – oder zumindest vor. „Zeigen ist besser als 1000 Worte. Zum einen lernen es die Spieler so schneller, zum anderen sehen sie, dass ich weiß, wovon ich spreche.“ Dass das wiederum bedeutet, dass er selbst immer topfit sein muss – für Vidovic kein Problem. „Ich will mich ja fit halten. Ich muss es sogar. Ich kann eben nicht ohne. Nicht mal Heiligabend…“

Das für Vidovic diese Sommertage wie Weihnachten sind, hat einen anderen Grund. Mit einem breiten, zufriedenen Grinsen erzählt er: „Es ist das erste Mal beim HSV für mich, dass ich eine richtige, komplette Vorbereitung gestalten kann. Und ich will die Spieler stärker machen.“ Denn da ist nach seiner Auskunft noch Luft nach oben. „Alle haben ihr Programm in der Pause gut absolviert. Und wer noch etwas nachzuholen hat, der kommt eben zu mir in die Extraschicht.“ Dort wiederum muss Vidovic auch immer wieder Spieler wegschicken. „Tolgay Arslan will sehr viel. Da muss ich aufpassen, dass die Dosis stimmt. Genau so bei Heung Min Son, den ich immer eher etwas bremsen als puschen muss. Und Paolo Guerrero natürlich“, sagt Vidovic und lacht: „Der ist auch manchmal etwas zu motiviert. Vielleicht niete ich ihm ja demnächst einen Yoga-Kurs an…“

Sehr zufrieden ist Vidovic auch mit den drei Neuen. Insbesondere Rene Adler hat es dem Kroaten angetan. „Rene ist richtig gut drauf. Der hat sehr gut gearbeitet in den letzten Monaten, das sieht man. Rene ist sehr stabil.“ Und sehr präsent, wie zuletzt auch an dieser Stelle immer wieder berichtet wurde. Heute kam der 27-Jährige zu uns in die Runde. Und er lieferte einen Auftritt ab – entschuldigt, dass ich schon wieder so ein Kompliment machen muss -, der meinen ersten sehr guten Eindruck von ihm bestätigte. Der ehemalige Leverkusener ist nicht mehr der ehemalige Leverkusener. Den Blick zurück meidet er, den Blick in den Spiegel genießt er hingegen. Insbesondere, wenn er seine HSV-Klamotten trägt. „Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich diesen Anblick genieße. Die Klamotten stehen mir. Mehr noch: Mir kommt es sogar schon so vertraut vor, als wäre ich schon Jahre hier.“

Ist er aber nicht. Dafür aber hat die Nummer 15 (sollte Drobny doch noch den Verein wechseln, erhält er dessen Rückennummer eins) bereits in den ersten sieben Tagen eine Führungsrolle eingenommen. „Rene verfügt über fußballerische Fähigkeiten, wie es nur wenige Torhüter haben“, hatte uns Torwarttrainer Ronny Teuber erzählt, „und das merkt man auch in seinen Ansagen. Er ist eben ein Fußballer, der ein richtig gutes Auge hat, Situationen gut einschätzt und entsprechend seine Vorderleute dirigiert.“ Kurz gesagt: Adler ist der erste Spieler der Sorte Führungsspieler, wie sie Trainer Thorsten Fink unlängst gefordert hatte.

Und diese Rolle gefällt Adler. „Ich werde nicht in diese Rolle gedrängt. Ich finde es einfach selbstverständlich, von hinten zu dirigieren, weil ich von dort alles vor mir habe. Ich habe als Torwart doch den besten Blick auf das Geschehen, daher ist es nur logisch, dass ich versuche, zu führen. Ich fühle mich dazu verpflichtet. Und ich trage gern Verantwortung.“ Dass dies auch mal unangenehme Gespräche bedeutet, schreckt ihn nicht ab. „Da musst du auch schon mal jemanden zusammenscheißen, ganz klar. Aber du musst auch wissen, wie du mit wem redest. Es ist eher kontraproduktiv, wenn du jemanden zusammenstauchst, der danach Zitterfüße bekommt. Aber all das werde ich mir während der Vorbereitung erarbeiten. Auch dafür sind diese Wochen.“

Es sind notwendige Wochen, wie das Spiel gegen den TSV 1860 Rosenheim zeigte. Insbesondere spielerisch hapert es beim HSV noch. Und das, obwohl Fink gerade die spielerische Komponente hervorheben will. Um hier fundierter nacharbeiten zu können, reiste Spielanalyst Sören Meier extra mit ins Trainingslager nach Österreich. Neben den Testkicks sollen auch alle Einheiten auf dem Rasen aufgezeichnet werden, um sie anschließend auszuwerten.

Wobei der Test gegen die Zillertalauswahl nicht als wertvoll erachtet werden kann. Was allerdings diesmal nicht am HSV, sondern an der Ortsauswahl lag, die maximal Bezirksliganiveau hatte. Dennoch war es ein Laune machender Nachmittag bei bestem Sommerwetter in dem schmucken, kleinen Jahnstadion in Hippach. Das lag vor allem an der guten Stimmung der rund 1000 Anhänger. Das Spiel hingegen begann mal wieder sehr schleppend. Erst in der 21. Minute traf der als hängende Spitze aufgebotene Robert Tesche zum 1:0. Und während in der 23. Minute sogar der Ausgleich hätte fallen müssen. Jeffrey Bruma unterschätzte einen Freistoß und der dahinter postierte Zillertaler hätte nur mit dem Kopf ins Tor verlängern müssen, köpfte jedoch Rene Adler direkt in die Arme. Besser machten es Berg (24.) und noch mal Tesche (42.), die das Halbzeitergebnis auf 3:0 hochschraubten. Erst in der zweiten Halbzeit, in der die Amateurauswahl einbrach, drehte der auf allen elf Positionen ausgetauschte HSV auf. Maxi Beister (54., 89.), Macauley Chrisantus (61.), Tolgay Arslan (63., 83.) und Artjoms Rudnevs (76., 80.) trafen zum 10:0-Endstand.

Was wir aus dem Spiel mitnehmen können? Nicht viel. Außer einem Sonnenbrand bei dem einen oder anderen Zuschauer. Wir Journalisten hatten uns alle eingecremt. Weil Rene Adler das vorher angesagt hatte. Der Mann übernimmt eben Führung. In allen Bereichen.

In diesem Sinne, bis morgen! Sonnige Grüße aus dem schönen Zillertal,

Scholle

HSV: Adler (Mickel) – Lam (Norgaard), Bruma (Mancienne), Besic (Sternberg), Aogo (Jansen) – Sala (Skjelbred), Westermann (Steinmann) – Töre (Chrisantus)Tesche (Arslan), Son (Beister) – Berg (Rudnevs).
Die Spieler in Klammern sind allesamt in der 46. Minute eingewechselt worden.

Rubin Kazan will Paolo Guerrero

5. Juli 2012

Es wird hart. Richtig hart. Aber das ist mit Sicherheit auch gut so. „Wir haben sehr lange Zeit“, sagt Trainer Thorsten Fink, der heute den ersten richtigen „Kraftzirkel“ mit seinen Spielern durchzog. Gewichtschlitten mit 100 Kilogramm Gewicht (nur bei Lam wurden 20 Kilo weniger draufgepackt) mussten vor- und rückwärts gezogen werden. Medizinbälle wurden gestemmt, im Liegen hin- und her geworfen und als Stütze für Liegestütze benutzt, während der andere Mannschaftsteil Fußball-Tennis spielte und Techniktraining absolvierte. „Im Moment legen wir vermehrt Wert auf die Grundlagenausdauer“, sagt Fink, der im am Freitag beginnenden Trainingslager in Österreich drei Einheiten pro Tag ankündigte. „Um 7.30 Uhr machen wir dort ein lockeres Lauftraining, um 10.30 und 16.30 Uhr gehen wir auf den Platz. Und dann Feuer frei! Viele freie Tage wird es nicht mehr geben – wir dürfen einfach keine Tage verschenken. Wir haben dieses Mal mehr Zeit – und wir können und werden deutlich mehr machen.“

Der Trainingsplan, der in Österreich vor allem harte Einheiten wie die heutige vorsieht, wird jedoch von Spielen umrahmt. Am Freitag spielt der HSV in Rosenheim gegen TSV 1860 Rosenheim (Regionalliga-Aufsteiger), am 8. Juli geht es in Hippach gegen eine Zillertal-Auswahl, bevor es am 10. Juli in Mittersill gegen den tschetschenischen Teilnehmer Derek Grozny geht. „Zudem werden wir bei jeder Einheit auf dem Platz 20 bis 25 Minuten spielen und dieses Abschlussspiel dafür nutzen, um uns taktisch weiterzuentwickeln“, sagt Fink, der am heutigen Donnerstag bereits Gespräche mit den drei Neuen (Adler, Beister, Rudnevs) führte, um die Spielidee noch mal näherzubringen. Insbesondere die Neuen haben zudem ein intensives Videostudium mit Matthias Kreutzer (hoch gelobter Verantwortlicher für Gegner-Studien und Videoanalysen beim HSV) erhalten. „Sie sollen anhand von Bildern noch mal sehen, was ich ihnen sage. Die Gespräche mit den Jungs werde ich in den Trainingslagern fortführen.“

In diesen Gesprächen wird Fink auch den neuen Verhaltenskatalog erörtern. „Viel mussten wir gar nicht verändern. Aber ein paar kleine Dinge gibt es dann doch, die ich ab sofort nicht mehr toleriere.“ Ein Beispiel? Fink: „Zum Beispiel, dass die Jungs mit Handy auf die Massagebank sind, ist ab sofort untersagt. Das geht gar nicht. Und von solchen Kleinigkeiten gibt es noch ein paar, die ab sofort untersagt sind.“ Zudem gibt es einen überarbeiteten Ernährungsplan. „Wir müssen herausfinden, warum der eine oder andere – wie Ivo Ilicevic zum Beispiel – bei uns so lange verletzt war. Vielleicht hängt das ja auch mit der Ernährung zusammen.“ Und obwohl Fink seine Spieler lobt und ihnen grundsätzlich eine sehr vernünftige Ernährung attestiert, verbannt der Trainer per sofort Süßgetränke wie Coca Cola und Limonaden aus dem Kabinentrakt. Zudem sollen Allergietests durchgeführt werden, was allerdings durchaus gängig ist bei Bundesligisten. Was Fink noch verändern will, und ob er vielleicht auch an seinem Führungsstil etwas verändern möchte? „Nein, ich bin mit meinem Führungsstil ganz zufrieden. Immerhin hat der mich hierher gebracht.“ Was er dennoch verändern will: „Wir wollen besser spielen.“

Oh ja, bitte! Tiki Taka in der Imtech-Arena. Das hätte was, wenn es nicht nur einmal am 24. Juli in der Partie gegen Barcelona vom Gegner gezeigt wird. Wobei Fink mit der Problematik umgehen muss, seinen Kader wahrscheinlich erst sehr spät zusammen zu haben. Die heute kolportierte endgültige Absage von Finks Wunsch- und Ex-Baselspieler David Abraham wollte der Coach nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Ich habe mit dem Berater gesprochen und der hat mir gesagt, das sich an Davids Haltung nichts verändert hat.“ Dessen Aussagen, dass er jetzt für Getafe alles geben würde, kommentierte Fink so: „Was soll er denn sonst sagen?“ Stimmt. Wobei das alles nicht wirklich für den Charakter des italienisch-argentinischen Innenverteidigers spricht. Immerhin hat der 25-Jährige nicht unter Einsatz von Waffengewalt seinen Vertrag bei den Spaniern unterschrieben. Insofern sollte er zu dem stehen, was er abgemacht hat. Wovon allerdings nicht auszugehen ist, wenn man Fink heute hört: „Ich gehe davon aus, dass wir bei dieser Personalie bis zum Ende der Transferperiode warten müssen. Zumal in unseren Planungen kein Geld für die Verpflichtung eines Innenverteidigers vorgesehen war. Aber ich werde weiter auf ihn warten.“

Na dann.

Besser sieht es da offensichtlich mit dem zentralen Mittelfeldspieler aus. Rafael van der Vaart wurde heiß gehandelt. Auch hier bei uns. Allerdings scheinen sich die Entscheidungsträger da nicht wirklich einig zu sein. Zumindest ist zu hören, dass eine teure Verpflichtung des Niederländers von Vorstandsseite weniger denn von der sportlichen Leitung befürwortet wird. Insofern würde ich eine Verpflichtung des Niederländers – persönlich empfände ich sie in der aktuellen Situation als Sechser im Lotto – als nicht allzu wahrscheinlich betrachten. Leider. Mir bleibt nur zu hoffen, dass sich die verantwortlichen das Thema van der Vaart noch mal überdenken…

Aber gut, bis zum ersten Spieltag ist der neue Spielmacher da, das hatte Klubboss Carl Jarchow zuletzt in der „Bild“ angekündigt. Worte, an denen sich diese HSV-Führung messen muss. Natürlich auch Frank Arnesen, der es sich zwar nicht anmerken lässt, der aber dennoch unter immensem Druck steht. Erfolgsdruck. Und das, obwohl seine Situation vielleicht eine der schwersten ist, in denen sich HSV-Sportchefs befanden. Immerhin ist nicht nur kein Geld für Neue da, sondern diese Tatsache hat sich auch bei den Spielerberatern herumgesprochen. Ergo: Interessante Spieler muss der HSV finden, die werden eher selten frei angeboten, da für die werten Berater wenig bis keine Magen zu machen sind.

Bleibt also nur ein teurer Verkauf inklusive Gehaltseinsparungen. Paolo Guerrero wird dort an erster Stelle (leider, weil er in meinen Augen noch immer der beste HSV-Angreifer ist) gehandelt. Dem Peruaner liegen bislang nur unverbindliche Anfragen aus Spanien vor. Zudem traf ich heute einen befreundeten Spielerberater, der zusammen mit einem Scout von Rubin Kazan bei Vorstandsboss Carl Jarchow vorstellig wurde. Thema: Paolo Guerrero. Und obgleich ich mir vorstellen kann, dass für den Südamerikaner Russland nicht zwingend erste Wahl sein dürfte – die Russen verfügen zumindest über ausreichend Kapital, um Guerreros Ablöse und Gehalt zu bezahlen. „Dabei muss man aber auch beachten, dass er hier in Hamburg nicht das beste Standing hat“, versuchte der Berater mit mir zu feilschen. Hintergrund: Bis ihn der Berater aufklärte, dachte er („Alex“) zunächst, ich sei ein Offizieller vom HSV…

Bin ich aber nicht. Dafür andere, die der Verein nicht zwingend halten will. „Die Spieler wissen alle, woran sie sind“, sagt Fink, „ich kann nicht sagen, ob sie wirklich suchen oder nicht. Aber sie haben auch einen Vertrag bei uns, von daher arbeite ich ganz normal mit ihnen.“ Unruhig ist Fink nach eigenen Angaben nicht. „Wie jeder Trainer der Welt hätte ich natürlich gern die gesamte Vorbereitung mit allen Spielern absolviert. Aber dem ist eben nicht so. Das ist auch okay. Aber wir haben alle die Aussage von Jarchow (bezüglich des Spielmachers, d. Red.) gehört. Ich bleibe da auch ruhig.“ Zu viele Neue erwartet der Trainer eh nicht mehr. „Sollten am Ende vier, fünf Neue erst im letzten Moment dazustoßen, wäre es sicherlich schlecht. Aber davon gehe ich auch nicht aus.“ Vielmehr seien eher zwei, drei neue Spieler noch zu erwarten.

Zwei neue entwickeln sich indes zu kleinen Geheimtipps: Matti Steinmann und Christian Norgaard. Die beiden Youngster haben heute in einem persönlichen Gespräch von Fink zwar zu hören bekommen, dass sie nicht zu viel erwarten sollen. Allerdings lobt der HSV-Coach die beiden Talente, die sich teamintern schon einen recht guten Ruf erarbeitet haben. „Sie haben beide Fähigkeiten“, so Fink, „sie haben Talent. Sie sollen in unserer zweiten Mannschaft spielen und bei uns ein wenig reinschnuppern.“ Dennoch sei längst nicht ausgeschlossen, dass sich einer der beiden – was eigentlich nur Steinmann sein dürfte – durchsetzt, wie es einst Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka beim FC Basel unter Fink schafften. „Auch die beiden haben langsam angefangen“, sagt Fink und mahnt zur Geduld: „Matti und Christian sind geerdet, die heben sich ab von den Jungs, von denen man früh sehr viel erwartet hat und die diese Erwartungen nie erfüllen konnten. Ich habe schon viele junge Spieler gesehen, die zu früh abgehoben sind und inzwischen als ewige Talente herumlaufen. So sind die beiden nicht – und darauf werden wir auch achten. Die beiden sollen einfach noch nicht zu viel erwarten.“

Aber sie dürfen viel zeigen.

In diesem Sinne, nach all dem Erfreulichen habe ich noch etwas weniger Erfreuliches. Heute erreichte uns ein Brief von einem Blogger, den ich Euch vorlegen möchte. Mit einer kleinen Geste können wir dort helfen. Und ich bin dabei! Aber lest selbst:

„Sehr geehrter Herr Matz,

ich wende mich heute mit einer Bitte an Sie: ein sehr guter Freund von
mir, mit dem ich seit vielen Jahren zum HSV fahre, wurde vor drei Monaten
in China unter fadenscheinigen Anschuldigungen verhaftet. Bis jetzt gibt es keine Anklage, die Vorwürfe sind haltlos – er ist leider ein Spielball der chinesischen Politik.

Obwohl er seit 5 Jahren in China lebt ist er weiterhin nicht nur
HSV-Mitglied sondern auch Dauerkarteninhaber. Jeden seiner Heimatbesuche legt er so, dass er möglichst mehrere Spiele mit mir anschauen kann. Er ist also wahrscheinlich der Dauerkarteninhaber mit der weitesten Anreise.
Um auch aus der Ferne immer auf dem Laufenden zu sein ist er, wie ich,
seit der ersten Stunde regelmäßiger Leser Ihres Blogs. In einem kürzlich
erschienenen Zeitungsartikel in den USA ist er mit der Raute auf der Brust
abgebildet:
http://www.bloomberg.com/news/2012-05-16/german-held-on-art-smuggling-in-china-as-buyers-dodge-tax.html

Es wäre großartig, wenn Sie die gerade veröffentlichte Facebook-Seite
http://www.facebook.com/pages/Free-Nils-Jennrich/364563893601439

in Ihrem Blog teilen könnten, jeder Unterstützer erhöht den medialen Druck
auf die chinesische Politik, gerade im Hinblick auf den
deutsch-chinesischen Rechtsdialog in der nächsten Woche.

Für eventuelle Rückfragen können Sie sich gerne telefonisch an mich wenden. Es würde mich freuen, die Solidarität unter uns Fans hier für die gute Sache gewinnen zu können!

Vielen Dank und mit sportlichen Grüßen,
Timo Hardt“

Ich hoffe, dass möglichst viele von uns Bloggern hier mitmachen und wir so ein wenig helfen können.

Bis morgen – und vielen Dank an Euch im Voraus -,

Scholle

P.S.: Auch wenn es ihm nicht mehr viel nützen wird, im Trainingsspiel präsentierte sich Macauely Chrisantus heute in guter Form. Er traf – und er wurde von Trainer Thorsten Fink gelobt.

Westermann: “Wir müssen mehr Herz zeigen”

4. Juli 2012

“Der Transfer des Isländers Gylfi Sigurdsson vom Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim zum englischen Premier-League-Klub Tottenham Hotspur ist perfekt. Der 22 Jahre alte Offensivspieler, der in der Rückrunde der vergangenen Saison auf Leihbasis beim Swansea City in der Premier League spielte, soll den Kraichgauern angeblich knapp zehn Millionen Euro in die Kasse spülen.

In 36 Bundesliga-Partien im Hoffenheimer Trikot hatte der frühere Profi des FC Reading neun Tore geschossen. Bei Swansea erzielte Sigrurdsson in 18 Spielen sieben Treffer. Die Waliser hatten zuletzt etwas zu voreilig vermeldet, dass sie Sigurdsson für 8,5 Millionen Euro Ablöse fest verpflichtet hätten.“

Das meldet heute der Sport-Informations-Dienst (SID).
Warum ich diese Meldung übernehme? Eine gute, nein, eine besonders gute Fee hatte mir zu Beginn dieser Woche geflötet: „Wenn Sigurdsson zu Tottenham wechselt, dann darf Rafael van der Vaart die Londoner verlassen – dann ist er frei. Frei für den HSV!“

Und wo ich gerade dabei bin, die DFL hat die ersten Termine veröffentlicht. Der HSV spielt – oh Wunder – von sechs Spieltagen nur einmal sonntags! Aber das wird die DFL ja wohl noch hinbekommen, dass da noch einige Sonntags-Spiele folgen werden, sonst müssten sich die Hamburger ja noch umgewöhnen. Immer wieder sonntags . . . Die Zahl zehn der vergangenen Spielzeit muss doch zu toppen sein, oder?

Die Ansetzungen Fußball-Bundesliga, Spieltage eins bis sechs:

1. Spieltag:
Samstag, 25.08.2012: Hamburger SV – 1. FC Nürnberg 15.30 Uhr;

2. Spieltag:
Samstag, 01.09.2012: Werder Bremen – Hamburger SV 15.30 Uhr;

3. Spieltag:
Sonntag, 16.09.2012: Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 17.30 Uhr;

4. Spieltag:
Samstag, 22.09.2012: Hamburger SV – Borussia Dortmund 15.30 Uhr;

5. Spieltag:
Mittwoch, 26.09.2012: Bor. Mönchengladbach – Hamburger SV 20.00 Uhr;

Samstag, 29.09.2012: Hamburger SV – Hannover 96 15.30 Uhr.

Dann kommen wir zum heutigen Tag im Volkspark. Vormittags haben sich bei mir gleich einige „Matz abber“ darüber beklagt, dass wir eine Trainingszeit angekündigt hatten, zu der der Platz dann doch eher leer blieb. Das ist Schicksal. Uns wurde gestern vom HSV mitgeteilt, dass das Training um 10 Uhr stattfinden würde – parallel zum Laktat-Test. Kurzfristig wurde sich dann aber in der sportlichen Führung umentschieden, das kann ja auch immer mal wieder passieren. Statt zehn Uhr wurde dann 14.30 Uhr genannt. So spielt das Leben. Und das alles zum Wohle des HSV – nicht seine Anhanges.

Wir haben heute im Kollegenkreis, um noch einmal auf das Randthema Zugänge zu kommen, über Trainer Thorsten Fink gesprochen. Einige meinen ja: „Fink hat schlechte Laune.“ Ich sehe das nicht ganz, finde allerdings auch, dass Fink einen sehr angespannten Eindruck macht. Ich hatte das (im Gespräch mit den Kollegen) so gedeutet, dass Fink die Zügel ein wenig anziehen will. Schluss mit lustig. Auf mich machte der Coach beim gestrigen Training den Eindruck, als wolle er selbst mehr und mehr alles (oder fast alles) in der Hand haben. Er unterbrach das Training einige Male mehr als sonst (in der vergangenen Saison), er gab Tipps und Hilfestellungen, und er gab dem betreffenden Spieler mit auf den Weg, wie er (Fink) sich das als Trainer vorstellt, wie das zu laufen hat. Grundsätzlich also hatte ich den Eindruck, als wenn es künftig etwas härter, disziplinierter und generell auch noch profihafter beim HSV zugehen wird. Und Fink bestimmt den Rhythmus. Ohne wenn und aber.

Als ich diese (meine) Theorie verbreitet hatte, sagte der eine oder andere aber: „Ich glaube eher, dass er einfach nur schlechte Laune hat. Wegen fehlender Zugänge.“
Kann natürlich auch sein, denn: Wir haben nun die gefühlt längste Sommerpause der Welt hinter uns, und passiert ist nichts. Wir erinnern uns doch alle: Rene Adler, Maximilian Beister und Artjoms Rudnevs standen bereits als Zugänge fest, als die vergangene Saison noch lief! Seit dieser Zeit haben wir in Hamburg gefühlt nun Frühling, Herbst und Winter hinter uns gebracht, aber weder wurde einer der HSV-„Ladenhüter“ verkauft, noch wurde der so sehr herbeigesehnte Kreativspieler verpflichtet. Das ist nun mal Fakt.

Und deshalb ist Thorsten Fink so schlecht drauf? Mag ja sein. Das alles wäre auf jeden Fall ein guter Grund für eine schlechte Laune. Und, wenn man ehrlich ist, ermutigend ist die jetzige Situation ja auch nicht gerade wirklich. Wenn der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow nun (via „Bild“) verspricht, dass es den Kreativspieler bis zum Saisonstart geben wird, dann ist das ja schön und gut – besser wäre es natürlich gewesen, er wäre jetzt schon da, denn dann hätte er sich schon mal mit den Kollegen einspielen können. Zum Vorteil des HSV. Das ist ja wohl auch jedem klar. Aber das ist eben der Unterschied zwischen dem Soll- und dem Ist-Zustand, und auch Bundesliga-Fußball ist bekanntlich kein Wunschkonzert. Fakt ist ja nach wie vor, und da will ich gar nicht wieder mit dem fehlenden Geld anfangen, dass der HSV erst einmal verkaufen muss. Bevor eingekauft wird. Das wird seit vielen Wochen immer und immer wieder betont. So ist der etwas ramponierte Zustand des Klubs nun einmal, da beißt die Maus nach wie vor keinen Faden ab.

Aber, und das habe ich heute auch mit einem „Matz abber“ lange und ewig besprochen, erschwerend kommt noch hinzu: Wer kauft sich denn schon einen Fast-Absteiger für viel Geld ein? Für viel Geld! Nicht für Peanuts! Und wer holt dem HSV einen Spieler von einem Tabellenfünfzehnten vom Hof? Das macht doch kein Verein, der nach oben will. Das machen höchstens minderbemittelte Klubs wie die Aufsteiger, das machen Vereine, die kaum Geld (für einen richtig guten Spieler) haben.
Und? Was soll der HSV dann davon halten? Kein Geld hat der HSV ja selber schon genug . . .
Deswegen wird es noch riesig schwer für Sportchef Frank Arnesen. Über den gestern im Volkspark – ganz nebenbei – ein höchst pikanter Witz kursierte:
Es steht ja beim Training nun, das ist Realität, ein fahrbarer Imbiss (hoffentlich noch ziemlich lange). Da gibt es allerlei Leckereien zu kaufen – welch ein Service! Ein Trainings-Kiebitz befand, als der Imbiss abends einpackte und davonfuhr: „Der Ingo-Mann hat sein Geschäft aber gemacht, der hat heute mehr Würstchen verkauft, als Frank Arnesen es jemals in einem Monat schaffen wird . . .“
Hoffentlich nicht.

Dann sprach heute der Kapitän. Heiko Westermann, der neue „Sechser“ und ehemalige Innenverteidiger des HSV, sagt über seine neue Rolle: „Ich habe kein Problem damit, diese Position zu bekleiden. Wenn wir damit erfolgreicher sind, wenn ich damit der Mannschaft helfe, dann tue ich das gerne. Es kommt ja auch darauf an, dass wir als Mannschaft erfolgreicher sind, und wenn das der Fall ist, dann kommt auch jeder einzelne Spieler von uns besser weg.“ Gemeint ist wohl die Kritik, und dass jeder dann in einem viel besseren Licht erscheint. Westermann sagt aber auch: „Wir müssen einfach stabiler werden, und zwar vom ersten Spieltag an, wir dürfen nicht mehr so viele Gegentore kassieren. Wir müssen mehr Herz zeigen, mehr Laufbereitschaft – dann haben wir sicherlich viel weniger Probleme als in der vergangenen Saison. Wir müssen cleverer werden, die Laufwege müssen passen, wir müssen Stabilität in unser Spiel bekommen.“

Der HSV-Start in der Spielzeit 2011/12 war mit den schweren Gegnern Dortmund, Bayern und Bremen schon äußerst happig. In meinen Augen ist er aber in dieser Spielzeit nicht weniger „hart“, denn mit dem 1. FC Nürnberg kommt am ersten Spieltag eine höchst unbequeme und unberechenbare Mannschaft – aber es muss schon mal zur Probe gewonnen werden (vom HSV). Muss deswegen, weil es dann zweimal auswärts gilt, die Punkte zu holen. Und danach kommt schon wieder der Meister nach Hamburg . . . Ein Zuckerschlecken wird das in meinen Augen ganz sicher nicht. Westermann aber sagt: „Es ist doch schön, dass wir mit einem Heimspiel starten können. Nürnberg ist zwar keine schlechte Mannschaft, aber hinter dem Club brauchen wir uns nicht zu verstecken.“ Aber zweimal danach auswärts, dann auch schon mal wieder Dortmund? Westermann: „Damit beschäftige ich mich doch jetzt noch nicht. Erst einmal steht Nürnberg auf dem Plan . . . Und zu diesem Spiel müssen wir fit sein.“
Okay. Das ist mal ein Wort.
Übernehmen Sie, Herr Fink!

Heiko Westermann beurteilte dann aus seiner Sicht die bisherigen Zugänge: „Maxi Beister ist genau der Typ, den man jetzt in der Bundesliga braucht. Wegen seiner enormen Schnelligkeit, wegen seiner Geschwindigkeit, mit der er von außen kommend in die Mitte zieht. Und zu ‚Rudi’ Rudnevs: Man sieht, dass er schnell den Torabschluss sucht, als Stürmer immer hart an der Abseitsgrenze spielt – das ist gut. Und Rene Adler war die deutsche Nummer eins, und das will er sicher auch wieder werden – das spricht für ihn.“ Und für den HSV.

Ich habe es dem Heiko Westermann ja kürzlich (bei „Matz ab live“) direkt gesagt, dass er für mich ein Spieler ist, der zwar auch immer mal den einen oder anderen Stockfehler drauf hat, der aber stets ein Vorbild für jeden anderen HSV-Spieler war und ist. Weil Westermann stets alles gegeben hat, alles gibt. Elf Westermänner, und dem HSV würde es ganz sicher besser gehen – als zuletzt. Deswegen kann ich es auch nicht nachvollziehen, dass er besonders bei uns, bei „Matz ab“, immer wieder so heftig kritisiert wird, dass er so manches Mal sogar unterhalb der Gürtellinie attackiert wird. Aber ich tröste mich stets damit, dass der (ganz bestimmte) HSV-Anhang eben immer mal einen Sündenbock braucht. Früher waren das der „kleine Dribbelkünstler“ Piotr Trochowski und David Jarolim, ansatzweise auch schon mal Dennis Aogo – und immer wieder mal Heiko Westermann. Leider, leider. Mir wäre schon wohler, wenn man als Hamburger mal einen Spieler aus Bremen, Wolfsburg oder Hannover aufs Korn nehmen würde, aber so hanseatisch „gerecht“ (eher ungerecht) sind die Hamburger dann eben doch. Auch wenn es höchst seltsam ist. Aber Profi-Fußball an der Elbe ist eben auch kein Kinderballett.

Zurück zu Heiko Westermann. Er geht mit dem HSV in die dritte Saison. Wie hat er die beiden Spielzeiten verarbeitet, in denen es stetig bergab ging? Und in denen Westermann, der in jedem Spiel seine 100 Prozent abruft, eigentlich schon lange mit dem HSV international hätte spielen wollen? Er sagt: „Ich habe enorm viel gelernt in meiner Hamburger Zeit.“ Das ist wohl wahr. Als Kapitän der Hamburger in Hamburg bei jeder Ballberührung von den Hamburgern ausgepfiffen zu werden, das soll wohl auch besonders lernfähig machen. Westermann fügt noch hinzu: „Natürlich waren diese zwei Jahre enttäuschend, darüber müssen wir nicht reden. Im letzten Dreivierteljahr aber habe ich wieder viel Spaß am Fußball bekommen, ich habe das Gefühl, dass wir, dass der HSV und wir gemeinsam viel erreichen können.“

Ein Dreivierteljahr? Also die Zeit mit Thorsten Fink? Westermann: „Ja, genau. Wir haben einen guten Trainer, mit dem wir noch viel erreichen können. Ein guter Trainer macht 70 bis 80 Prozent im Fußball aus, und wir haben einen guten Trainer. Wir sollten nun alle nach vorne schauen, wir haben eine höchst schwierige Saison hinter uns, aus der wir alle lernen konnten.“ Ich habe Heiko Westermann zu seiner Trainer-Aussage befragt: Gibt es einen Unterschied zwischen Thomas von Heesen, der ihn einst zur Arminia nach Bielefeld (und damit in den „großen“ Fußball) geholt hatte, und Thorsten Fink? Westermann: „Den Unterschied sehe ich nicht, und wenn, dann sind es Nuancen. Sie beide sind Vollblutfußballer, beide können sehr gut mit einer Mannschaft umgehen, beide haben sie Biss, beide haben ihre klaren Vorstellungen vom Fußball, haben viel taktisches Geschick und Verständnis – ich würde sie mal auf einer Höhe sehen.“

Heiko Westermann ist mit seinen 28 Jahren der älteste Feldspieler des HSV. Im Kader sind nur die Torhüter Jaroslav Drobny (32) und Sven Neuhaus (34) älter als der Kapitän. Er sagt: „Als Ze Roberto noch bei uns war, da war er der älteste Spieler – aber auch der Mann, der so fit wie kein anderer von uns war. Es kommt nicht auf das Alter an.“ Wobei mit 28 der Älteste – das ist schon eine unglaublich junge HSV-Truppe. Und die braucht auch sicherlich eine starke Führung. Zu der sich Thorsten Fink nun ganz offenbar auch aufschwingen will. Westermann: „Der Trainer ist ein emotionaler Mann, der weiß genau, was verlangt wird. Ohne Disziplin wird man nicht viel erreichen, aber das haben die meisten von uns ja auch schon im Abstiegskampf gelernt. Da muss man dann weiterhin ein bisschen härter rangehen, damit es so bleibt – oder vielleicht sogar noch besser wird.“ Die Finksche Marschroute? Kann schon sein.

Was hält Heiko Westermann denn bislang vom HSV, ist da schon oder noch genügend Qualität im Kader (mit dem es ja am Freitag ins Trainingslager ins Zillertal gehen wird)? Der Kapitän: „Wir haben zuletzt gegen den Abstieg gespielt, deshalb sollte man nicht von Qualität oder Potenzial sprechen, sondern sich darauf konzentrieren, es zu zeigen und auf den Platz zu bringen.“

Ein sehr gutes Schlusswort!

Ich habe aber noch schnell mit dem „Matz abber“ „JU aus Qu“ gesprochen, und der sagte mir nach dem Nachmittags-Training etwas ganz Interessantes: „Mir haben in dem abschließenden Spielchen drei Spieler, die kaum einer so richtig auf dem Zettel hat, gefallen. Macauley Crisantus fand ich sehr engagiert und auch gut, dann gefällt mir der junge Matti Steinmann immer besser, und auch Marcus Berg hatte viele gelungene Szenen.“ Er fügte noch hinzu: „Das mögen andere vielleicht anders sehen, aber in meinen Augen war das so.“
Was ja auch nicht schlecht sein muss.

PS: Morgen wird um 10 Uhr im Volkspark geübt. Das heißt: es soll um 10 Uhr geübt werden. Ohne Gewähr! Morgen wird die gesamte Mannschaft aber auch – für den dann folgenden Trip nach Südkorea – geimpft.

So, ganz zum Schluss noch ein ganz besonderes Thema (ähnlich wie „Hinz und Kunzt“):

„Das Team Hamburg will Revanche – und TV-Moderator Reinhold Beckmann wieder etwas für Jugendliche in benachteiligten Hamburger Stadtteilen tun. Zu seinem achten Benefiz-Fußballspiel „Tag der Legenden“ haben sich mehr als 70 ehemalige Bundesligaprofis angekündigt. „Superhelden der Fußballwelt“ laute das Motto am 9. September im Millerntorstadion, kündigten die Veranstalter am Mittwoch in der Hansestadt an.

In der Arena des FC St. Pauli soll dann wieder die Oldie-Partie „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ angepfiffen werden. Nach vier Niederlagen in Serie hatte die Deutschland-Auswahl im vergangenen Jahr erstmals seit 2006 das Team Hamburg mit 6:1 besiegt. Der Erlös der Aktion kommt der von Beckmann gegründeten Initiative NestWerk zugute, die sich für Jugendliche an sozialen Brennpunkten engagiert. Mit rund 24 000 Zuschauern war das Millerntorstadion im Vorjahr ausverkauft.

Erstmals dabei in diesem Jahr sind der dänische Torjäger Allan Simonsen, der frühere HSV- und Bayern-Star Niko Kovac sowie Bernd Schneider, Vizeweltmeister 2002 und WM-Dritter 2006. „Krassimir Balakov und Giovane Elber erwecken gemeinsam mit Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic das „magische Dreieck“ neu zum Leben“, hieß es in der Mitteilung. Ebenfalls mit von der Partie sind Guido Buchwald, Olaf Thon, Thomas Helmer, Thomas Doll und Sergej Barbarez sowie als Schiedsrichter Walter Eschweiler und Bernd Heynemann.

NestWerk organisiert Straßenfußball- und Musikprojekte und kümmert sich um Sporthallen-Angebote für benachteiligte Jugendliche. „Im sportlichen Spiel lernen sie Respekt und Fairness, Toleranz und Solidarität“, erklärt der Verein auf seiner Internetseite sein Anliegen. „Mit Musik können sie sich kreativ entfalten, entdecken neue Chancen und gewinnen mehr Selbstvertrauen – soziale Kompetenzen, die gerade sie für die Gestaltung ihrer Zukunft brauchen.“

Übrigens: Zu „Hinz und Kunzt“ noch kurz gesagt: 80 000 Exemplare waren (mit der EM-Beilage) gedruckt worden, die wurden leider nicht alle verkauft, aber über 70 000 ist auch schon eine gute Marke. Vielen Dank dafür.

17.39 Uhr

EM: Tops und Flops und flotte Sprüche ***Aktualisiert***

1. Juli 2012

****ACHTUNG: Wenn Ihr heute Abend während der Live-Übertragung Fragen stellen wollt, dann macht das bitte in dem Blog, der auch das Video beinhaltet. Dort werden Scholle und ich während der Sendung reinschauen und versuchen, die eine oder andere Frage von Euch an Maxi Beister oder auch Heiko Westermann weiterzuleiten****

Nur der HSV! Noch nicht so ganz, denn es ist ja auch noch ein „bisschen“ EM, vor allen Dingen ist ja auch noch die „Abrechnung“ mit dem Bundestrainer ein Thema – aber mit dem heutigen Beitrag noch einmal EM, und dann ist Schluss. Weil am Montag ja bekanntlich wieder der Ball durch den Volkspark rollt, und das ist dann Thema Nummer eins. Beginn des Auftakt-Trainings ist um 15 Uhr.

Beginnen möchte ich trotz allem mit dem HSV. Noch nicht mit einem neuen Spieler, denn der Sportchef weilt ja nicht in Hamburg, sondern sieht in Kiew das EM-Finale, aber es dreht sich immerhin umeinen einstmals neuen HSV-Spieler. Der User „Jan B.“ hatte gefragt:

„Hab mir gerade die Mopo Liste mal angesehen und unter Macauley Christantus das Statement ‚keine Verwendung’ gefunden. Ich hab mal eine Frage an alle Fußballtrainer hier im Blog: Wie kann es sein das ein U17-Nationalspieler, hinter dem alle namhaften Clubs Europas hinterher waren, plötzlich das Fußball spielen verlernt und als nicht verwendbar abgestempelt wird? Das will einfach nicht in meinen Kopf. Der Junge war höchst veranlagt und hat geknipst zur U17 WM. Die Wahl war damals ziemlich eng zwischen Ihm und Toni Kroos zum Spieler des Turniers (Kroos gewann den Titel). Warum ist der eine einer der besten Fußballspieler Deutschlands und der andere nicht mal ein guter 2.Liga Spieler? Was machen wir falsch?“

Dazu platzierte der „Kieler HSV-Fan“ wohl eine Pressemeldung aus der damaligen Zeit:

„Der Hamburger SV hat sich die Dienste von Macauley Chrisantus gesichert. Der 17-Jährige Nigerianer, der mit sieben Treffern bei der diesjährigen U17-Weltmeisterschaft in Korea Torschützenkönig wurde und maßgeblichen Anteil am Titelgewinn seines Landes hatte, erhält zunächst einen Vertrag als Amateurspieler. Im nächsten Sommer soll der Angreifer einen langfristigen Profivertrag unterschreiben. Christantus spielte bislang beim nigerianischen Verein Abuja FC und wurde bei der U17-WM hinter Toni Kroos zum zweitbesten Spieler des Turniers ausgezeichnet. Im Anschluss lagen dem 1,83 Meter großen Stürmer zahlreiche Angebote von europäischen Topklubs vor.

‚Wir sind froh, ihn von unserem Konzept überzeugt zu haben’, sagte Dietmar Beiersdorfer. Dieses sieht vor, ihn langsam an die Profimannschaft heranzuführen. Am Dienstagvormittag trainierte Chrisantus bereits mit den Profis an der HSH Nordbank Arena.“

Ja, warum setzte sich Chrisantus nicht durch? Eine gute Frage. Ich weiß es noch, als wäre es heute geschehen. Chrisantus kam, und der HSV, speziell Dietmar Beiersdorfer, wurde gefeiert. So, als hätte der HSV eben einen neuen Pele unter Vertrag genommen. Hinter dem jungen Stürmer waren viele Klubs her, auch englische – sogar der FC Chelsea. Und der HSV machte das Rennen. Und dann kam da so gar nichts. Null. Chrisantus zeigte im Training nichts, und er zeigte in der zweiten Mannschaft nichts. Er wirkte im Training mit den Profis wie ein Fremdkörper. Wenn Manfred Kaltz der „Schweiger“ genannt wurde, dann müsste Christantus eigentlich der „Schweiger hoch vier“ genannt werden. Ich weiß bis heute nicht, ob er reden konnte. Und auch nicht, ob er das Lachens fähig war. Deutsch konnte er auch nicht, und er lernte es auch nicht – der vielleicht größte Fehler, sein größtes Handicap. Und wenn du keinen Kontakt zu deinen Kollegen hältst, ihn auch nie willst, dann hast du im Sport, vornehmlich im Mannschafts-Sport, keine Chance, groß heraus zu kommen.

Chrisantus konnte in der Jugend bestimmt sehr gut Fußball spielen, aber man hatte ihm nicht beigebracht, wie es im Profi-Sport zugeht. Und, das muss ich auch dem Verein ankreiden: Immer wieder wurde, nicht nur bei ihm, gesagt: „Wir drängen ihn zum Deutsch-Unterricht.“ Wenn das tatsächlich geschah, dann war das aber auch schon alles. Kontrolliert wurde nämlich so gut wie nie, ob die Spieler denn auch tatsächlich ihre Deutsch-Stunden absolviert haben. Das wurde uns von etlichen Spielern im Laufe der Jahre immer wieder bestätigt. Ein schweres Versäumnis und ein total unprofessionelles Verhalten eines Profi-Sport-Vereins. Da wird viel Geld investiert, um den Spieler zu verpflichten, aber es wird nicht bis zur letzten Konsequenz kontrolliert, ob der Spieler dann auch alle Vereinbarungen einhält. Und die Sprache des Gastgeber-Landes zu lernen, das ist ja wohl mal möglich – man wird ja auch nicht dümmer dadurch. Mein Vorbild ist in diesem Punkt Tomas Rincon, der schon nach kurzer Zeit prächtig Deutsch sprechen konnte.

Dann gab es noch eine Mail zum Thema 1970, Italien gegen Deutschland 4:3.

„Danke Dieter,

endlich können auch mal die Jüngeren nachlesen, dass wir 1970, drei Monate vor meiner Geburt, total verpfiffen worden sind. Wenn über das Spiel geredet oder geschrieben wird, dann wird das immer total verschwiegen. Ich habe mir die Partie zweimal irgendwann zwischen 1990 und 2010 über die volle Spielzeit angesehen und muss sagen, dass ich wirklich selten einen schlechteren Schiedsrichter gesehen habe.

Um auch mal abschweifen zu dürfen: Zum Halbfinal-Rückspiel HSV-Werder (2-3) reden alle Leute immer nur über die Papierkugel. Ich sage dann immer, dass dies nichts (oder fast gar nichts) damit zutun hatte, weil zweitens eine Ecke nicht immer zu einem Tor führen muss und vor allem weil erstens der Spieler Michael Gravgaard beim Stande von 1-2 ein blitzsauberes Kopfballtor erzielt hatte, welches nicht gegeben wurde. Das Spiel wäre dann anders ausgegangen…

Zurück zu 1970: Im Wikipedia-Eintrag ist nichts von diesem unterirdischen Schiedsrichter zu lesen. Ich würde das am liebsten ändern. Aber ich glaube, ich benötige dazu eine Quellenangabe…
BWSG, Henning

So, und dann war der heutige „Doppelpass” auf „Sport 1” ja mit Hamburger „durchsetzt“. Thomas Helmer wohnt hier, Thomas Doll ist immer noch einer von Hamburgs Fußball-Lieblingen, und Marcell Jansen spielt hier, obwohl der neue Vertrag immer noch nicht unterschrieben worden ist.

Wer es nicht mitbekommen hat, hier die wichtigsten Aussagen von Marcell Jansen. Er sagt . . .

…über die Zukunft von Joachim Löw:
„Ich glaube, dass er sich stellt, weil er etwas vorzuweisen hat. Und er war auch für mich einer meiner wichtigsten Trainer in meiner Laufbahn – eine taktische und fußballerische Ausbildung auf einem sehr hohen Niveau. Natürlich verstehe ich die Emotionalität nach dem Spiel, aber Jogi Löw hatte auch bereits als Co-Trainer 2006 eine ganz immens wichtige Position innerhalb der Mannschaft und hat mich persönlich sehr weit gebracht. Natürlich führt jeder Rückschlag dennoch zu Debatten und dazu, noch einen Schritt draufzusetzen. Das muss jetzt das Ziel sein. Jogi Löw ist da auch so ehrgeizig, das anzunehmen. Es ist doch schön, wenn wir jetzt wieder neue Ziele haben.“

…über fehlende Führungsspieler in der deutschen Mannschaft:
„Was fehlt ist die Frage, ist ein Spieler marketingtechnisch so aufgebaut oder ist er von Natur aus so? […] Und das ist der große Unterschied: Ob man sich in der Öffentlichkeit hinstellt und irgendetwas versucht, damit es sich hinterher gut anhört, oder ist man einfach so wie man ist? […] In der eigenen Darstellung muss jeder selbst Verantwortung für sich übernehmen und sich fragen, wie bin ich als Typ und wie möchte ich rüber kommen. Jeder muss da seinen Weg finden und das ist heutzutage allgemein schwierig, weil alles irgendwie vermarktet ist. […] Das ist eine sehr schwierige Diskussion, weil alles seit Jahren als gut und richtig anerkannt wurde. Jetzt sitzen wir heute hier, weil wir einmal nicht gut gespielt haben und verdient ausgeschieden sind. Wo war die Kritik als es noch lief?“

…über deutsche Spieler, die die Nationalhymne nicht mitgesungen haben:
„Wir haben ab 2006 wieder angefangen, eine Euphorie zu entfachen. Das hat gut getan und da ist auch das jetzige Trainerteam dafür verantwortlich, dass das so Schwung aufgenommen hat. […] Klar sind die Spieler dafür verantwortlich, auf dem Platz zu verkörpern, dass sie für unser Land auflaufen. […] Man muss aber aufpassen, dass man da nicht zu viel rein interpretiert. Dennoch muss man versuchen, sich über die Nationalhymne kurz vor dem Spiel noch eine Extra-Motivation zu holen. Ich denke, dass das bei den Jungs aber auch der Fall war.“

…über die Italiener und das heutige EM-Finale:
„Es ist beeindruckend, wie sie mit der Situation umgegangen sind, weil das ja auch ein Riesen-Druck war – gerade ein Buffon, der ja sehr hart kritisiert wurde. […] Wenn Italien in der Lage ist, in Führung zu gehen, können sie es auch schaffen. Wenn nicht, wird es sehr eng. […] Ich bin der Überzeugung, dass es Spanien macht, aber emotional wäre es auch Italien zu gönnen.“

Und Thomas Doll sagte auf Sport 1 . . .

…über die Entwicklung der deutschen Mannschaft:
„Wir sehen unsere Nationalmannschaft sehr gerne Fußball spielen. Wir können uns damit identifizieren und haben in den letzten sechs Jahren Riesen-Sprünge nach vorne gemacht. Nationen wie England und Frankreich wären froh, wenn sie da stehen würden, wo wir jetzt stehen. Und man kann nicht von einem einzigen Spiel ausgehen – auch wenn es das Halbfinale ist – ob Jogi Löw jetzt der richtige Trainer ist oder nicht. Jogi macht einen klasse Job und ist genau der richtige Mann – und auch der richtige Mann für 2014.“

Und noch ein ehemaliger HSVer hat ich zum Thema Nationalmannschaft und EM geäußert: Günter Netzer. Der ehemalige Manager äußerte sich in der „Bild am Sonntag“, und Insider wissen es vielleicht, wie ich denke: Wenn Günter Netzer etwas sagt, dann hat das in meinen Augen Gewicht. Er ist meine absolute Nummer eins in Deutschland. Der Mann ist super, der weiß wovon er spricht, der weiß auch genau, was er sagt. Das ist niemals ein Blabla:

Günter Netzer hat deutliche Kritik an den Führungsspielern und an der Rundumversorgung in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geübt. Der Ex-Nationalspieler kritisierte nach dem EM-Halbfinale gegen Italien (1:2) in einer Kolumne für die Zeitung „Bild am Sonntag“ besonders Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Lahm trete vor den Fernsehkameras „rhetorisch brillant“ auf. Aber in dieser Saison bei Bayern München und in der Nationalelf bei der EM habe er abgesehen vom Spiel gegen die Niederlande „gravierende Abwehrschwächen“ gezeigt. „Ihm sind der Drang nach vorne und die Effizienz verloren gegangen“, sagte Netzer. Podolski sei nur noch ein „Nationalspieler von Löws Gnaden“, Schweinsteiger „einfach keine Führungsnatur“.

Netzer hält die von Bundestrainer Joachim Löw gelobte flache Hierarchie für falsch. „Jede Mannschaft braucht eine Hierarchie. Das haben wir gegen Italien nicht gehabt. Dort waren wir nicht in der Lage, diese Aufgaben zu erfüllen“, schrieb Netzer. Die „paradiesischen Zustände“, wie sie dem Team im EM-Quartier Dwor Oliwski geboten wurden, betrachtete Netzer als „ein wenig zu viel des Guten“. Dass Löw von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach das Vertrauen ausgesprochen wurde, begrüßte Netzer aber. „Löw ist unbestritten einer der besten Trainer der Welt“, sagte er (aufgezeichnet von dapd).

Dann gibt es da noch die Tops und Flops der EM

TOPS

Gastfreundschaft: Die Geschichte der Deutschen in Danzig, Warschau, Lwiw oder auch Charkiw ist eine ganz spezielle – aber in der Gegenwart war es beeindruckend, wie freundlich und herzlich die Menschen in Polen und der Ukraine auch ihre deutschen Gäste bei sich willkommen hießen. Doch trug dazu sicherlich auch bei, dass diese Gäste sich bei ihrem Besuch zu benehmen wussten.

Fratelli d’Italia: Gianluigi Buffon singt sie im Gedenken an seine Großeltern, andere hatten andere Motive – aber alle gemeinsam intonierten Italiens Nationalspieler vor jedem Spiel die Hymne ihres Heimatlandes mit solcher Inbrunst, dass ihnen alleine dafür der Titel gebührte.

Die Königlichen: Fast in Mannschaftsstärke war Spaniens Meister Real Madrid im Halbfinale der EM vertreten, angeführt vom endlich einmal auch in Portugals Nationaltrikot überzeugenden Cristiano Ronaldo. Das Team der Vorrunde war hingegen der VfL Wolfsburg mit dem prompt teuer an Bayern München verkauften Dreifachtorschützen Mario Mandzukic sowie Petr Jiracek, der für Tschechien ebenso zweimal traf wie sein Landsmann und künftiger Teamkollege Vaclav Pilar.

Stratege: Der stets adrette Signore Cesare Prandelli pilgerte nach jedem Sieg von Italiens Nationalteam. Mit innerer Ruhe entwickelte er die perfekte Strategie, wie sich Verletzungssorgen und dem Wettskandal in der Heimat trotzen ließ und darüber hinaus die Exzentriker Mario Balotelli und Antonio Cassano ins Team zu integrieren waren.

Sonderpreis: Mit ihrer Version von „Low lie the fields of Athenry“ sorgten die irischen Fußballfans für den Gänsehautmoment dieser EM. „Wir alle waren beeindruckt von diesen Fans. Sie haben die Ergebnisse ihrer Mannschaft wettgemacht“, sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino über die Anhänger der sieg- und punktlosen Iren. Den Sonderpreis der Uefa, den Präsident Michel Platini ihnen auf Beschluss des Exekutivkomitees überreichen wird, haben sie zweifellos verdient. Fraglich ist nur, ob die Uefa sich nicht besser mit drängenderen Problemen beschäftigen sollte, etwa dem Torklau von Donezk. Und damit zu den…

FLOPS

Schummelei: Löw und der Balljunge und die Tränen von Fan Andrea – in mindestens diesen beiden Fällen schummelte die Uefa gewaltig beim weltweiten TV-Signal. Mindestens deshalb, weil wir nicht wissen, welche Szenen uns womöglich noch in aufgezeichneter Form untergejubelt wurden. Hatte Balotelli womöglich in einem ganz anderen Spiel zwei Tore geschossen? Fakt ist: Manipulation und Zensur empören ARD und ZDF – und nicht nur die.

Gastgeber: Vor vier Jahren waren die Ausrichter Österreich und Schweiz zu schwach für ein Weiterkommen, nun scheiterten auch die dank dieser Rolle ins Feld der EM-Teilnehmer gerutschten Polen und Ukraine schon nach der Vorrunde. Ein Gastgeber mit Erfolgsaussichten wäre also mal wieder schön. Ob aber ausgerechnet Frankreich das 2016 gelingen wird? Vielleicht hilft ihnen ja die Aufstockung auf 24 Teams…

Wertloser Weltrekord: Der EM-Titel war das erklärte Ziel, aber wieder einmal reichte es für Deutschlands beste Fußballer nur zum Halbfinale. Joachim Löw verzockte sich bei der Taktik gegen Italien, Bastian Schweinsteiger war zu keinem Zeitpunkt er selbst, Lukas Podolski spielte erst recht ein schwaches Turnier. Der Weltrekord von 15 Pflichtspielsiegen hintereinander ist wertlos, wenn andere das wahre Ziel erreichen und den Titelgewinn feiern.

Rassismus und Randale: Nationalistische Fahnen und Symbole und menschenverachtende Grunzlaute primitiver Fans waren bestimmende Themen der ersten Turnierwoche. Zum Glück nur der ersten Turnierwoche. Danach waren Russland und Kroatien ausgeschieden – und der friedliche Teil der Fans unter sich.

Störenfriede: Für die letzten Ausraster des Turniers sorgten der Trainer der Ukraine, Oleg Blochin, und Frankreichs Stürmer Sami Nasri. Beide bepöbelten ihnen missliebige Journalisten. Echte Störenfriede waren auch die Egoisten in Hollands Team, Klaas-Jan Huntelaar etwa, der sich selbst wichtiger nahm als den Erfolg seiner „Elftal“.

Und um die EM noch abzurunden, es gibt auch noch die Zitate der Fußball-Europameisterschaft

„Da heißt es, Stahlhelm aufsetzen und groß machen.“ (Deutschlands Assistenztrainer Hansi Flick am Freitag in Danzig auf die Frage, ob es wegen der Schusskünste von Cristiano Ronaldo eine Freistoßwarnung an die deutschen Spieler gegen Portugal geben werde)

„Das ist schließlich nicht Andorra. Obwohl: Gegen Andorra triffst du nicht immer so viel ins Netz.“ (Mittelfeldspieler Roman Schirokow nach dem furiosen 4:1 der Russen gegen Tschechien bei der Fußball-EM)

„Vor dieser Pressekonferenz habe ich noch ein Stündchen geschlafen. Ich bin entspannt wie ein kleines Kind, das seine Hausaufgaben gemacht hat.“ (Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli einen Tag vor dem Gruppenspiel gegen Spanien)

„Egoland – Legoland 0:1.“ (Fans der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter über die Leistung ihres Teams bei der EM-Auftaktniederlage gegen Dänemark)

„Ich werde nur die erste Hälfte der Frage beantworten, weil der Übersetzer weg ist. Ich glaube, er ist auf die Toilette gegangen.“ (Frankreichs Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc bei der Pressekonferenz vor dem EM-Spiel gegen England)

„Darf ich es waschen lassen?“ (Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano zu Nationaltorwart Gianluigi Buffon, der ihm nach dem 1:1 gegen Spanien sein verschwitztes Trikot geschenkt hatte)

„Was hat mal ein ganz großer Kollege von mir gesagt, Giovanni Trapattoni: Ein Trainer ist kein Idiot!“ (Bundestrainer Joachim Löw auf die Frage, wie seine Personalentscheidungen zustande kämen, mehr aus Gefühl oder mehr aus Erkenntnissen)

„Ich habe euch nicht gebeten, zu warten.“ (Torschütze Samir Nasri nach der Dopingprobe beim 1:1 gegen England auf die Anmerkung eines Journalisten, man habe zwei Stunden auf ihn gewartet)

„Ich war schon geschockt über Mario, weil ich noch nie gesehen habe, dass er den Ball so mitgenommen hat. Wenn er solche Aktionen öfter hat, muss man aufpassen, dass er nicht nach Brasilien geht.“ (Bastian Schweinsteiger zum ersten Tor von Gomez beim 2:1 gegen die Niederlande)

„Spanien kann praktisch mit geschlossenen Augen spielen.“ (Irlands Trainer Giovanni Trapattoni nach dem 0:4 gegen Spanien)

„Mir blieb nichts anderes übrig, als den Ball reinzuschießen. Ich hätte 80 Meter wieder zurücklaufen müssen.“ (Lars Bender zu seinem Siegtor gegen Dänemark)

„Beim Spiel der Spanier wird nur der Ball müde.“ (Uefa-Präsident Michel Platini über die körperliche Fitness und das schnelle Kurzpassspiel der Spanier)

„Wenn wir jetzt über einzelne Fälle von Schiedsrichterentscheidungen sprechen würden, säßen wir Weihnachten noch hier.“ (Uefa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina nach dem Torklau von Donezk)

„Bei so einem Spiel dabei zu sein, hätte ich mir allenfalls an der Playstation vorstellen können.“ (Italiens Stürmer Alessandro Diamanti vor dem Viertelfinale gegen England)

„Es ist wie mit einem Ehepaar – wenn du immer alles unter den Teppich kehrst, fliegt das Ganze irgendwann auseinander.“ (Frankreichs Co-Trainer Alain Boghossian über die Auseinandersetzungen nach der 0:2-Niederlage gegen Schweden)

„Wir wissen alle, dass Mario eine schöne Frisur hat. Aber über meine Frisur geht nichts.“ (Marco Reus auf die Frage einer ausländischen Reporterin, ob er wisse, dass seine Frisur noch schöner sei als die von Teamkollege Mario Gomez)

„Ich habe einen Spaten daheim, den könnte ich Jogi Löw schicken, damit er den Maulwurf erschlägt.“ (Hoffenheims Trainer Markus Babbel zur sogenannten Maulwurf-Affäre bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft)

„Das war der schönste Abend meines Lebens.“ (Italiens Stürmerstar Mario Balotelli nach dem 2:1 im EM-Halbfinale gegen Deutschland)

„Wir haben viermal auf die Fresse gekriegt.“ (Mario Gomez nach dem 1:2 gegen Italien im EM-Halbfinale. Mit dem FC Bayern hatte er in dieser Saison dreimal knapp einen Titel verpasst)

„Es gibt keinen Grund, etwas anzuzweifeln.“ (Fußball-Bundestrainer Joachim Löw nach dem EM-Aus gegen Italien)

„Ich habe viel Wodka getrunken.“ (Uefa-Präsident Michel Platini auf die Frage eines Journalisten, was er in den vergangenen Wochen so getan habe, außer EM-Spiele im Stadion zu schauen)

Und einmal EM habe ich noch – für jene, die am Bundestrainer zweifeln:

Die Positive Löw-Bilanz: Nur sechs Pleiten in 50 Pflichtspielen

Ausgerechnet in seinem 50. Pflichtspiel musste Joachim Löw die vielleicht bitterste Niederlage in seiner Amtszeit als Fußball-Bundestrainer hinnehmen. Es war erst die sechste in einem Wettbewerbsspiel. 39 Siege und fünf Unentschieden stehen für den 52-Jährigen zu Buche. Bei allen drei Turnieren als Bundestrainer konnte Löw den letzten oder vorletzten Schritt mit dem DFB-Team nicht machen, zweimal gegen Spanien und jetzt erstmals gegen Italien. Die sechs Pflichtspiel-Niederlagen unter Bundestrainer Löw:

17.10.2007 Deutschland – Tschechien 0:3 EM-Qualifikation *
12.06.2008 Deutschland – Kroatien 1:2 EM-Vorrunde
29.06.2008 Deutschland – Spanien 0:1 EM-Finale
18.06.2010 Deutschland – Serbien 0:1 WM-Vorrunde
07.07.2010 Deutschland – Spanien 0:1 WM-Halbfinale
28.06.2012 Deutschland – Italien 0:1 EM-Halbfinale * Die deutsche Mannschaft hatte sich wenige Tage zuvor für die EM 2008 qualifiziert (dpa).

Und dann auch noch das ganz kurz zum Thema Frauen-Fußball und Abmeldung der HSV-Bundesliga-Mannschaft:

Der Frauenfußball-Bundesligist FCR Duisburg hat nach eigenen Angaben die Insolvenz-Gefahr gebannt. „Nur mit dem unermüdlichen, monatelangem Einsatz aller Verantwortlichen und der Hilfe der treuen Sponsoren konnte die akut drohende Insolvenz jetzt endgültig abgewendet werden“, hieß es in einer Pressemitteilung des Klubs.
Der FCR musste zuletzt personell einen Aderlass verkraften. Neben Nationalspielerin Annike Krahn, die ihren Abschied am vergangenen Donnerstag verkündet hatte, verlassen unter anderem auch die Nationalspielerinnen Alexandra Popp, Luisa Wensing und Simone Laudehr den Klub. Popp und Wensing schließen sich dem VfL Wolfsburg an, Laudehr wechselt zum siebenmaligen Meister 1. FFC Frankfurt. Krahn will ihren neuen Klub in Kürze bekannt geben.
Der Klub kündigte an, dass es aufgrund der angespannten Finanzlage „auch nach der Rettung nicht möglich sein wird, spektakuläre Neuverpflichtungen zu realisieren“. (SID)

So, nun ist auch Schluss mit lustig. Ich mache mich nun vom Acker (aus der Redaktion), weil es ins „Champs“ nach Schnelsen geht, aus dem am Abend „Matz ab live“ mit unseren Gästen Heiko Westermann und Maximilian Beister (und natürlich mit „uns Scholle“) gesendet wird. Ich werde dort eher in „Schweinsteiger-Verfassung“ auflaufen, also höchstens bei 70 bis 80 Prozent, weil ich immer noch leicht angeschlagen bin, aber dann wird es eben „Scholle“ richten müssen. Wird schon. Ich hoffe doch, dass ihr wieder mit von der Partie sein werdet.
Einen schönen Abend für euch und eure Lieben.

17.39 Uhr

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