Archiv für das Tag 'Choupo-Moting'

Jetzt spricht auch Kreuzer Tacheles!

15. Dezember 2013

Was macht eine Mannschaft, die vor dem Anpfiff weiß, dass sie nach dem Schlusspfiff schnell duschen muss, um in den Flieger nach Marokko zu kommen, wo nun die Club-Weltmeisterschaft gespielt wird? Sie lässt es geruhsam angehen, denn niemand möchte sich jetzt noch verletzen, um dann vielleicht nur zu Hause bleiben zu müssen. Und so hat der FC Bayern gegen den HSV gespielt. Möglichst nicht viel Nachspielzeit, ab unter die Dusche, mit nassen Haaren zum Flughafen – und ab. Dass in den Minuten zuvor der HSV quasi im Schongang mit 3:1 besiegt wurde, war nur ein Randaspekt. Beim Verlierer sah das schon ganz anders aus. Platz 13. Da zählt dann jedes Pünktchen. Und deswegen war der Ärger bei Trainer Bert van Marwijk auch nicht gerade klein. „Ich ärgere mich, ganz klar, denn hier war mehr drin“, sagte der Niederländer. Und ich weiß nicht, ob er die Situation da nicht ein wenig verkennt. Es sah so aus, als sei mehr drin gewesen für den HSV, aber sah das nicht vor allem deswegen so aus, weil die Bayern wie im Training spielten? Wenn das schiefgegangen wäre, dann wären mit Sicherheit Ribery und Alaba schnellstens eingewechselt worden. Ich denke, dass wenn der HSV aufgedreht hätte, so richtig aufgedreht hätte, um einen Punkt zu ergattern, dann hätten auch die Bayern aufgedreht. So aber spulten sie ihr Pensum so herunter, dass es zum Dreier langte – ohne einen Verletzten. Und auf nach Marokko.


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Bayern-Trainer Pep Guardiola gab dann auch nach dem 3:1-Sieg über den HSV zu: „Nach der Champions League-Niederlage gegen Manchester City haben die Spieler diese Periode mit der Club-WM in Marokko und dem Urlaub vielleicht schon im Kopf gehabt. Aber wir hatten noch diesen Klassiker gegen den HSV zu spielen. Es war heute schwierig. Es ist immer schwierig nach Champions-League-Spielen.“ Auch Bayerns Sportchef Matthias Sammer nörgelte (ein wenig?), indem er sagte: „Ich glaube, dass wir uns zum Abschluss des Jahres noch einmal steigern müssen, sowohl im Kopf als auch in den Füßen. Es kann doch nicht sein, dass wir das 1:2 bekommen und dann noch um den Sieg zittern müssen . . .“

Ja, so gab es schon das eine oder andere lange Gesicht auf Bayern-Seite. Sie hätten wohl doch ganz gerne mehr Tore für sich gesehen. Dadurch aber kam es zur kuriosen Situation, dass beide Seiten mit leicht gesenkten Köpfen umher rannten. „Hier war mehr für uns möglich, aber uns hat die letzte Überzeugung gefehlt. Ich bin deshalb unzufrieden und ärgere mich. Es ist ein anderer Ärger, als der nach dem 0:1 gegen Augsburg, aber es ist Ärger. Diesmal bin ich böse über das Ergebnis“, sagte Bert van Marwijk. Torchancen hatte der HSV genug, so gesehen wäre „rechnerisch“ allemal ein Unentschieden drin gewesen. Das wusste auch HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga, der auch gegen die Bayern traf – bereits sein neuntes Saisontor: „Die Münchner haben ihre Chancen eiskalt genutzt, wir leider nicht.“ Treffer!

Noch verärgerter als der Trainer schien aber der Sportchef zu sein. Oliver Kreuzer gab nach der Niederlage ähnlich viel Gas, wie sein Trainer am vergangenen Wochenende, als er in der Pressekonferenz Tacheles sprach. Kreuzer sagte: „Unsere Mannschaft muss lernen, Woche für Woche ans Limit zu gehen, das muss in die Köpfe der Spieler rein. Mit angezogener Handbremse zu spielen und ein bisschen dominant zu sein, das geht nicht. Dazu reicht unsere Qualität einfach nicht aus.“

Das stimmt zwar, aber angezogene Handbremse? Damit war an diesem Sonnabend doch nur der FC Bayern unterwegs. Ich habe beim HSV keine angezogene Handbremse gesehen, im Gegenteil, die Spieler sind endlich einmal so richtig zur Sache gegangen – wenn es darum ging, das Tor zu verteidigen. Kreuzer hatte damit auch nicht den Auftritt des HSV-Teams in München gemeint. Er kritisierte nur allgemein. Und fügte erklärend an: „Das Spiel gegen die Bayern war besser, als das Spiel gegen Augsburg letzte Woche.“ Natürlich. Schlechter ging es ja auch nicht mehr. „Spiele bei den Bayern sind nicht die, die wir gewinnen müssen, wir müssen unsere Heimspiele gewinnen, da müssen wir unsere Hausaufgaben machen. Da müssen wir über die Leidenschaft und das Engagement kommen, das machen uns Vereine wie Augsburg, Freiburg oder Braunschweig vor.“ Auch das stimmt. Er hätte aber auch noch Mainz 05 in diesen Kreis mit aufnehmen können, und dieser „Karnevals-Verein“ kommt nun am Sonnabend in den Volkspark. Da ist dann wieder eine Partie wie die gegen Augsburg zu erwarten . . .

Oliver Kreuzer forderte vielleicht auch genau deshalb rechtzeitig die HSV-Profis dazu auf, „an ihre Grenzen zu gehen“. „Denn“, so der Sportchef weiter, „wir dürfen nicht glauben, dass wir der große HSV sind.“ Auch das ist natürlich Tatsache. Und ich freue mich, dass das nun auch nicht nur von den Club-Verantwortlichen erkannt worden ist, sondern endlich auch einmal schonungslos ausgesprochen wird. Vom „großen HSV“ ist doch seit Jahr und Tag nichts mehr zu sehen. Auch deswegen war dieses „magere“ 1:3 gegen die Bayern wie eine Art Hoffnungsschimmer. Ich nenne es ja die „neue Bescheidenheit des HSV“, dass man in Hamburg schon froh ist, nicht schon wieder eine Klatsche eingefahren zu haben. So ändern sich die Zeiten. Aber diese guten alten Zeiten sind ja nun auch schon so runde 30 Jahre her, fast ein halbes Leben . . .

Und daran wird sich auch so schnell nichts mehr ändern. Wer als HSV-Anhänger davon träumt, dass es in der in einer Woche beginnenden Winterpause den einen oder anderen neuen Spieler geben könnte, der irrt gewaltig. Oliver Kreuzer jedenfalls stellte diesbezüglich schon mal die Ampel auf Rot: „Wir können im Prinzip nichts machen, das weiß auch der Trainer. Dementsprechend haben wir auch keine Wintertransfers geplant.“ Wobei es natürlich noch immer einige Spieler gibt, die dringend verkauft werden sollen – aber auch das ist ja nichts Neues, daran hat man sich in Hamburg schon lange, lange gewöhnt. Etwas abgeschwächter war zu diesem Thema die Aussage des Trainers. Bert van Marwijk bekannte, dass man „in der kommenden Woche über die Rückrunde reden“ wolle, doch der Coach macht sich wohl nicht allzu große Illusionen: „Ich weiß, dass in Hamburg finanziell nicht viel möglich ist.“ Naja, die einen sagen so, die anderen sagen so . . . Es gibt ja immer noch kluge Leute, die nichts von einem „klammen HSV“ wissen wollen. Immer noch gibt es sie. Obwohl – das kann doch eigentlich gar nicht sein. Wo doch noch die Ablösesummen von einst, die von Rafael van der Vaart, Nigel de Jong, Vincent Kompany . . . Nee, lassen wir das.

Zur Kreuzer-Schelte, das fällt mir just ein, passt geradezu herrlich, was der frühere HSV-Profi Markus Babbel heute im Doppelpass von „Sport1“ gesagt hat – über seinen früheren Verein: „Der HSV ist ein sagenhaft toller Verein mit unglaublichen Fans, aber sie schießen sich immer wieder selbst ins Knie. Wenn man das Gefühl hat, es läuft, kommt wieder irgendeiner und erzählt etwas, um sich in den Vordergrund zu spielen. Es gibt für mich kein Miteinander im Verein, sondern nur ein Gegeneinander. Wenn es gut läuft, will jeder derjenige sein, der dafür verantwortlich ist; und wenn es schlecht läuft, sucht man immer einen Schuldigen, der es aushalten muss – das ist eigentlich schade.“

Naja, auch daran haben wir uns doch schon lange gewöhnt, würde ich sagen.

Einer, der sich nicht so richtig dran gewöhnen will, ist offenbar Marcell Jansen. Der Nationalverteidiger gibt nicht nur im Spiel mächtig Gas, sondern auch danach – verbal. „Wir hatten gegen die Bayern dreimal so viele Tormöglichkeiten wie zuletzt gegen den FC Augsburg, da müssen wir uns hinterfragen, wieso das so ist. Wir müssen uns nach diesem 1:3 auch ankreiden, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht frecher waren.“ Jansen weiter: „Bei uns ist diese Art von Zufriedenheit das Schlimmste. Nun müssen wir gegen Mainz gewinnen, sonst geht es noch einmal ein, zwei Plätze weiter nach hinten, und dann ist nicht mehr viel . . .“ Genau. Dann kommen schon bald Freiburg, Nürnberg und Braunschweig . . .

Aber immerhin, und das wäre mein Fazit von München, hat der HSV gezeigt, dass er die Zeichen der Zeit verstanden hat. Bert van Marwijk hat erkannt, von Tag zu Tag mehr, woran es beim HSV hapert, und er hat einiges davon nun öffentlich angeprangert. Das lässt hoffen, und es hat gezeigt, dass auch die Spieler verstanden haben. Ich hoffe es jedenfalls. In München aber haben sie sich gewehrt, da haben sie endlich gebissen und sind zur Sache gegangen. So, wie sagte es Oliver Kreuzer, so wie Freiburg, Augsburg und Braunschweig. Genau das wollen sie hier in Hamburg sehen. Schlecht spielen, das hat einst so mancher Trainer von sich gegeben, schlecht spielen kann man immer einmal (oder auch zwei- und dreimal), aber man kann in jedem Fall immer kämpfen. Ist das der Fall, dann wird (einer so jungen Mannschaft) auch das eine oder andere schlechte Spiel verziehen. Mit ihrem Auftritt in München hat der HSV bewiesen (allen voran Pierre-Michel Lasogga, Tomas Rincon, Jacques Zoua), dass es geht, dass man durchaus in der Lage ist, Kampfgeist zu entwickeln. Daran werden die Spieler nun auch im Heimspiel gegen Mainz gemessen. Und nicht nur in diesem Spiel . . .

So, ich habe fertig (für den dritten Advent). Morgen, am Montag, ist kein Training angesetzt, am Dienstag geht es um 15 Uhr an der Arena weiter.

Zwei kleine Randnotizen möchte ich dennoch schnell loswerden.

Wir erinnern uns wohl alle, das klare Abseitstor von Hannover 96 gegen den 1. FC Nürnberg, der sonst wohl seinen ersten Saisonsieg eingefahren hätte. Nach dem Spiel sagte 96-Sportchef Dirk Dufner: „Es war irregulär, aber das ist mir jetzt egal.“
Natürlich. In Nürnberg sind sie immer noch erbost und entsetzt. Und beim nächsten Mal, wenn Hannover 96 benachteiligt wird, dann wird Dufner ganz sicher anders argumentieren, als zu sagen: „Es war irregulär, aber das ist mir jetzt egal.“
So ist Fußball, das ist der Fußball.

Und dann noch dies: Der Augsburger Andre Hahn schoss gegen Braunschweig zwei Tore und bringt es nun, als bester FCA-Schütze, auf insgesamt sechs Saisontreffer. Ich schreibe es nur, weil wir nicht immer nur an Heung Min Son (der zurzeit mit Leverkusen spielt) denken sollten, oder an Erik-Maxim Choupo-Moting oder Änis Ben-Hatira. Hahn ist 23 Jahre jung und versuchte sich einst auch beim HSV. Er kam im Sommer 2010 vom FC Bremerhaven, spielte bei der „Zweiten“ und ging nach einem halben Jahr zum FC Oberneuland. Durchgefallen? Durchgefallen! Und nun schießt er in Liga eins seine Tore. Für die Augsburger, die immer besser werden. Mit ihrer No-name-Truppe.

Wer jetzt genug hat, sollte bitte abschalten, jetzt kommt etwas “Ein-” oder “Hausgemachtes”.
Ich habe noch einen Leserbrief, den ich gerne an die Leserschaft weitergeben möchte. Der Absender dieser Zeilen ist bekannt, ich möchte ihn dennoch vor etwaigen Anfeindungen schützen und verschweige den Namen vorsichtshalber. Die Zeilen aber sind lesenswert und regen (vielleicht) zum Nachdenken an:

Hallo,

als erstes möchte ich mich beim Hamburger Abendblatt und insbesondere bei den Verantwortlichen für den HSV-Blog bedanken!!!! Falls machbar leiten Sie bitte diese Zeilen an sie weiter. Was ich am Blog aber unsäglich finde, sind ein Großteil der Kommentare. Aber das lässt sich in der heutigen Zeit leider nicht vermeiden, es ist wahrscheinlich zu einfach (oder feige) anonym irgendwelchen Mist von sich zu geben. Bitte nehmen Sie diesen Mist nicht so persönlich, auch wenn sich das leicht sagen lässt, immerhin sind das ihre direkten „Kunden“ und das einfach nicht zu beachten, geht auch nicht. Ich gehe diesen Weg über eine Mail, da ich kein Interesse daran habe, mich an diesen social media Diensten – und dazu gehört auch der Blog – zu beteiligen. Ich lese den Blog seit über 2 Jahren jeden Abend, natürlich und erst recht auch im Urlaub.

Ich finde es absolut richtig, dass Sie in der „Strukturdiskussion“ alle Beteiligte zu Wort kommen lassen, nur so lässt sich ein umfassendes Urteil bilden. Denn die Struktur ist die absolut entscheidende Frage für die Zukunft des HSV. Was in der Diskussion übersehen wird, ist die Tatsache, dass erfolgreich handelnde Personen – für den Aufsichtsrat und davon abhängig auch für das Präsidium – nur bei professionellen Strukturen gefunden werden können. Bei den aktuellen Rahmenbedingungen – und dazu zählt insbesondere die aktuelle Wahl der Aufsichtsratsmitglieder durch die Mitgliederversammlung – treten doch erfolgreiche Personen gar nicht mehr an. Es zählt doch nicht mehr die soziale, wirtschaftliche oder sportliche Kompetenz, sondern nur noch die vermeintliche Fannähe und das möglichst seit der Kindheit. Keine bedeutende Persönlichkeit tut sich eine solche Mitgliederversammlung an! Die meisten Mitglieder des Aufsichtsrat haben noch nicht einmal eine der eben genannten Kompetenzen. Wenn man die Bayern mit dem HSV vergleichen will, reicht doch nur ein Vergleich des Aufsichtsratsvorsitzenden (obwohl der aus Bayern einen ganz großen Fehler gemacht hat). Hr. Ertei versteht noch nicht einmal, dass er nicht mehr als einfaches Mitglied agieren kann, das ist nur noch peinlich und sagt alles. Das ein Unternehmen vom Kopf anfängt zu stinken, ist auch nichts Neues und hat deshalb Einfluss auf den Gesamtverein, insbesondere auf das Präsidium (obwohl Hr. Kreuzer einen guten Job macht).

Das Ganze ist nur entstanden durch die machtbewussten Supporters, die sich maßlos überschätzen und deren persönlichen Interessen eindeutigen Vorrang gegenüber dem Wohl des HSV haben. Solange die nicht gebrochen wird (und dafür ist die Quote sehr hoch), wird der HSV auch in den nächsten 30 Jahren noch erfolglos bleiben.

Ich selbst habe Gott sei Dank die erfolgreiche Zeit des HSV in den 70- und 80-iger Jahren erlebt und hatte bis vor 2,5 Jahren eine Dauerkarte und war auch HSV-Mitglied. Als aber die Supporters Hr. Hoffmann gestürzt haben, war für mich Schluss und ich bin bei den Supporters ausgetreten. Nicht dass ich ein überzeugter Anhänger von Hr. Hoffmann bin, aber er hat schon eine ganze Menge richtig gemacht. Der HSV hat es nur zugelassen, über einen langen Zeitraum ohne sportliche Kompetenz zu agieren und das rächt sich noch immer. Schneller konnte man das Geld nicht verbrennen.

Nochmals vielen Dank für Ihre Arbeit, weiter so und bitte sich nicht so viele Dinge sich zu Herzen nehmen. Wobei man als Außenstehender das sehr leicht sagen kann. Mir war es mit der Mail nur wichtig einmal darauf hinzuweisen, dass die vermeintlich völlig unterschiedlichen Themen Struktur und personelle Kompetenz sehr wohl zusammenhängen und sich dies – wie von den Supporters behauptet wird – nicht trennen lässt.

Mit freundlichen Grüßen, M.

Dazu gab es wieder etliche Mails, die ich als „Irrläufer“ bezeichne, denn sie landen in jenem „Postfach“, das einst eingerichtet wurde, um das „Matz-ab“-Gewinnspiel abzuwickeln. Ich wiederholen diese Bitte immer und immer wieder: Bitte schreibt Eure Mails nicht an dieses (eigentlich) stillgelegte Postfach, sondern entweder ans Abendblatt (es wird mir weitergeleitet!) oder an die Moderatoren von „Matz ab“. Es ist in Eurem Interesse, denn sonst verkümmern viel vielleicht sehr gut gemeinte Mails im „dunklen Keller“, wo sie niemand ansieht und auch niemand findet.

17.32 Uhr

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