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Van der Vaart: “Ich habe das Gefühl, ich treffe in Hannover wieder…”

20. Februar 2013

Kennt Ihr das? Ihr wollt etwas fragen – traut Euch aber die Frage nicht, weil es Euch dem Gast gegenüber unangenehm ist. Noch schlimmer: Schon der Fakt, diese Frage überhaupt stellen zu wollen, ist Euch selbst unangenehm. So ähnlich ging es mir heute bei Rafael van der Vaart. Der Niederländer saß uns Fragenden gegenüber und sprach über die Wichtigkeit des Hannover-Spiels und seines Tores für ihn. Und ich wollte wissen, wie sehr ihn der Hype um seine Kurzzeittrennung von seiner Frau genervt und gestört hat. Allerdings bedürfte das einer Frage über sein Privatleben – und sowas ist so gar nicht mein Ding. Es interessiert mich auch tatsächlich nicht im Zusammenhang mit Fußball.

Aber egal wie, ich habe gefragt. Allerdings anders. So zurückhaltend, dass ich mir die Frage mir selbst gegenüber rechtfertigen konnte. Eben gut verpackt, wie ich finde. Zumindest konnte Rafael den privaten Anteil problemlos selbst dosieren. Ob er sich darüber freut, endlich nur sportliche Nachrichten zu produzieren bzw. über sich lesen zu können, war die eine Frage. Und ob er für seine Leistungsfähigkeit einen Unterscheid spürt im Gegensatz zur Trennungsphase Anfang Januar? Zwei Fragen, die Medienprofi van der Vaart mit seiner gewohnt charmanten Art abarbeitete. „Natürlich war es wichtig für mich, mal wieder gut zu spielen. Und zuletzt, auch dank des Tores gegen Gladbach, war es schon besser. Und solche Tore schießt man nur, wenn man auch privat Ruhe hat. Die private Ruhe ist sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt wieder frei.“ Hat man gesehen, wie ich finde. Schon beim Jubel – aber das hatten wir gestern ja schon…

Van der Vaart ist das Alphatier beim HSV in Sachen Selbstvertrauen. Als Fink gestern davon sprach, dass sich die Mannschaft eine andere Außenwirkung erarbeitet habe, dachte er mit Sicherheit auch an van der Vaart und dessen Wirkung auf die Mannschaft. Ein Rene Adler ist dabei sicherlich ähnlich einflussreich – aber van der Vaart ist derjenige auf dem Platz, an dem sich die meisten Spieler hochziehen. Er ist der Weltstar, der den Unterschied machen kann – wie mit seinem Traumtor gegen Gladbach. Und er ist auch der einzige, der öffentlich von Europa sprechen darf.

Aber genau das macht er nicht. Im Gegenteil, auch hundert Nachfragen verführen van der Vaart nicht zu leichtsinnigen Aussagen. Die Nummer 23 des HSV warnt stattdessen vor zu früher Zufriedenheit und appelliert an seine Mitspieler. „Hannover ist eine starke Mannschaft, das wird ganz schwer. Aber wir sind auch stark. Und das wissen die Gegner.“ Immerhin sei der HSV immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Und defensiv würde hervorragend gearbeitet. Eine gute Kombination. „Allein das verunsichert den Gegner nicht selten.“

Mit Folgen. Tabellarisch verbessert sich der HSV Woche für Woche. Und anstatt Häme werden Rudnevs, Son, Jansen und Co. Respekt entgegengebracht. Sagt van der Vaart. „Am Anfang haben die Gegner über uns gelacht, wenn wir angekommen sind. Das machen sie jetzt nicht mehr. Das merken wir.“ Schon anhand der gegnerischen Taktiken erkenne man das. Kein Gegner würde mehr auf Teufel komm raus den HSV unter Druck setzen wollen. Im Gegenteil, die Gegner sind vorsichtig geworden. Van der Vaart: „Alle versuchen erst mal, kompakt zu stehen. Weil wir immer gefährlich sind, weil wir Selbstvertrauen haben. Wir sind inzwischen einfach extrem schwer zu schlagen. Das wissen die.“ Ob Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 aktuell einen Entwicklungsschritt weiter ist? „Nein“, sagt van der Vaart, „das ist nur eine Momentaufnahme. Der HSV ist so groß, das dreht sich in wenigen Sekunden.“

Van der Vaart ist auch die Vormachtstellung im Norden egal. „Wenn wir Dritter und die Zweiter sind, wäre mir das egal“, so der Linksfuß, der dem Nordderby am Sonnabend deshalb auch keine besondere Wichtigkeit beimisst. „Für die Fans ist es sicher was Großes, und den einen oder anderen Spieler motiviert es zusätzlich. Aber am Ende ist es ein Punktspiel. Und wir brauchen einfach die Punkte.“

Und dafür wiederum braucht der HSV Tore. Von van der Vaart – oder eben von den anderen. Zuletzt hatte sich Artjoms Rudnevs diesbezüglich ebenso hervorgetan wie Heung Min Son. Allerdings entstand nur um den Südkoreaner ein ungeahnter Wirbel. Arsenal, Liverpool, Tottenham, Chelsea – eigentlich alle Premier-League-Klubs und überhaupt alle Vereine dieser Welt – wollen Son. Zehn, 15, sogar 20 Millionen Euro Ablösesummen werden gespielt. Und mittendrin versucht HSV-Sportchef Frank Arnesen, den Südkoreaner längerfristig an den finanziell klammen HSV zu binden. Allerdings mit guten Aussichten auf Erfolg, wie Trainerteam und Vorstand gleichermaßen betonen. Und auch van der Vaart – den Son zuletzt als „mein Vorbild“ bezeichnete – ist guter Dinge. „Sonni macht das ganze Theater nicht unruhig. Er ist für uns überragend. Und ich glaube, dass er sich bei uns auch sehr wohlfühlt.“

Van der Vaart selbst will sich in den nächsten Tagen auch mal mit dem Angreifer unterhalten. „Eigentlich halte ich mich da raus“, sagt van der Vaart, „aber ich werde ihm sagen, dass es besser ist, noch zu bleiben. Und das nicht für uns als HSV, sondern für ihn.“ Hier in Hamburg habe Son beste Entwicklungschancen, während der Schritt zu einem europäischen Topklub gleichbedeutend mit weniger Einsatzzeiten und mehr Bankzeiten sein könnte. „Sonni ist jetzt 20 Jahre alt und spielt seine erste sehr gute Saison“, sagt van der Vaart und rät seinem Angreifer, „da muss er nicht gleich nervös werden. Es wäre gut für ihn, wenn er noch ein paar Saisons hier spielt.“

Das wäre es auch für den HSV. Obgleich die durchgesickerte Zusage Lewandowskis mit den Bayern – für mich der logische Schritt eines überragenden Bundesligastürmers – den Stürmermarkt innerhalb der Bundesliga noch mal wachrüttelte. Der Dortmunder wechselt wohl an die Isar und der BVB muss sich Ersatz suchen. Ob Son das sein kann? Bislang ist darüber nichts bekannt, aber es würde zu Klopp passen, statt eines fertigen Superstars sich ein Talent der Kategorie Son zu holen. Insgesamt glaube ich, dass sich auch die Bundesliga immer weiter hin zum spanischen Modell ohne reinen Stürmer entwickeln wird. Technisch versierte Offensivspieler wie Götze, Lewandowski oder auch Son werden gesucht – und auch das macht Son für den HSV noch wertvoller. Ob Son sich bei van der Vaart mal erkundigt hat nach der Premier League oder im Speziellen Tottenham? „Nein“, so der Niederländer, „und ich glaube auch nicht, dass er das machen wird. Im Gegenteil: Ich habe nicht das Gefühl, dass Sonni gehen will.“

Und wer ist als Orakel besser geeignet als der Mann, der seine ersten Treffer nach einer langen Durststrecke richtig ankündigte? Richtig – niemand! Deshalb musste heute natürlich auch die Frage folgen, was der HSV-Star für das bevorstehende Nordderby orakelt. Und wir wurden nicht enttäuscht: „Mein Gefühl sagt mir“, so van der Vaart, „dass ich wieder treffen werde!“

Klingt super, oder?! Und sollte van der Vaart seine sportlichen Leistungen jetzt noch dem Klang seiner Vorhersagen anpassen – dem HSV wäre doppelt und dreifach geholfen…

In diesem Sinne, morgen wird wieder trainiert. Mit Rene Adler und Slobodan Rajkovic, die auch heute schon problemlos mitwirken konnten und gegen Hannover dabei sein werden. Auch das klingt gut…

Bis morgen,
Scholle

HSV macht EM-Pause – Kontrolleure beraten über Adler-Transfer

7. Mai 2012

Da wird er heute sicher den einen oder anderen Drink mehr zu sich nehmen. Zum einen aus Frust über die Nichtnominierung von Bundestrainer Joachim Löw, zum anderen auch, weil er ab heute (Quasi-)Urlaub hat. Die Testkicks beim SV Drochtersen/Assel (Freitag), den gegen Stuttgart (Sonntag) und beim Lüneburger SK (15. Mai) mal ausgenommen. Aber zumindest muss er sich nicht mehr auf ein Endturnier vorbereiten. Für das er topfit sein muss. Statt seiner reist der 24-jährige Marcel Schmelzer mit in die Ukraine und Polen. Eine Entscheidung, von der Aogo heute nicht überrascht wurde – er hatte sie bereits gestern vom Bundestrainer persönlich via Telefon mitgeteilt bekommen.

Es sei eine Entscheidung für Schmelzer gewesen umging Löw heute bei der offiziellen Pressekonferenz eine Antwort auf die Frage, warum er sich nicht für Aogo entscheiden habe. Wobei sich die Antwort vergleichsweise leicht herbeiführen lässt. Immerhin ist Schmelzer mit ziemlich konstant guten Leistungen mit seiner Mannschaft Deutscher Meister geworden, während Aogo sich zwar nach eigener und des Trainers Aussage in einer schwierigen Phase super entwickelt habe. Allerdings scheint Löw auf das Selbstvertrauen eines Siegers mehr Wert zu legen, als auf Aogo, der sich heute am Telefon nicht weiter dazu äußern wollte. Bei Sonne und 21 Grad im Schatten auch verständlich. Ich hätte da auch eine ganze Reihe Ideen, was schöner wäre, als über Fußball zu reden…

Wobei Aogo nicht allein ist. Weder auf Malle noch mit seinem Schicksal innerhalb des HSV. Der Bundesliga-Dino macht EM-Pause. Denn neben Aogo spielen auch Marcell Jansen und Heiko Westermann in Löws Planungen keine Rolle. Zudem muss Jeffrey Bruma, vor der Saison noch als DAS Abwehrtalent der Niederlande gerühmt, eine Nichtnominierung seines Bondscoaches Bert van Marwijk verkraften. Und so wenig überraschend das für mich kommt, ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Bruma nicht annähernd so klar war, er trotz seiner insgesamt sicher enttäuschenden Saison bis zuletzt Hoffnungen hatte.

Dennoch bin ich weit davon entfernt, jetzt an dieser Stelle noch mal draufzuhauen und hier Gründe aufzuzählen, weshalb die Entscheidungen so richtig sind. Es ist für einen jungen Sportler mit Sicherheit – egal wie schlecht die vorangegangene Saison auch gelaufen ist – ein mächtig harter Schlag, wenn man letztlich erfährt, nicht dabei zu sein, nachdem jeder bis zur letzten Sekunde gehofft haben dürfte. Dafür ist eine EM einfach ein viel zu großes Ziel, da ist ein Spieler nicht nur realistisch, da darf auch meiner Meinung nach geträumt werden.

Vom HSV – zumindest ziemlich – sicher dabei ist bislang nur Jaroslav Drobny als Ersatzkeeper der Tschechen. Ansonsten könnte noch Marcus Berg auf seinen schwedischen Nationaltrainer hoffen. Ebenso Ivo Ilicevic und Mladen Petric auf Kroatiens Chefcoach Slaven Bilic. Wobei den beiden Kroaten kaum bis keine Chancen zugestanden werden.

Zwei Spieler hätte der HSV somit bei der EM – wenn überhaupt. Mehr werden es voraussichtlich nicht. In diesem Bereich nähert sich der HSV längst überwundenen Zeiten wieder an. 2004 war auch so Turnier. Damals endete es für die Deutschen bereits in der Vorrunde. Gleiches passierte 2000, als zumindest Hans-Jörg Butt bei den Deutschen als dritter Keeper dabei war. Damals war ich auch dabei – als Fan reiste ich mit meinem Vater zum letzten Vorrundenspiel gegen Portugal nach Rotterdam. Das 0:3 war einer der schwärzesten Momente meiner Fußballerzeit als Fan. Ich war unfassbar sauer über den völlig blutleeren Auftritt der DFB-Elf. Meine einzig nette Erinnerung: Nachdem die Deutschen von ihren Fans ausgepfiffen worden waren, marschierten sie teilweise lächelnd in die Kabine – was mich noch saurer machte. Und auch der Trainerstab war schnell vom Platz. Allerdings, einzig der damalige Cotrainer Horst Hrubesch hockte am Ende noch lange nach Schlusspfiff auf der in den Boden eingelassenen Reservebank der Deutsche. Erst 30 Minuten nach seinen Kollegen stand er auf und ich sah, dass er weinte. Auch er hatte offensichtlich nicht verstehen können, wie man als angeblich so stolzer Nationalspieler seines Landes so leidenschaftslos agieren konnte. Und ich glaube, beim HSV hätte er, der ja wirklich kurzzeitig als Trainer ins Gespräch gebracht worden war, in dieser Saison ähnliches auf Vereinsebene erlebt…

Apropos alte HSVer. Ich hatte die Diskussion, welche Identifikationsfigur dem HSV helfen könnte, hier bei Euch weiterverfolgt. Schon allein, weil ich wissen wollte, welcher Ex-HSVer bei Euch am höchsten gehandelt würde. Dass dabei Dietmar Beiersdorfer häufiger genannt wurde, verwunderte mich nicht. Beiersdorfer hat beim HSV (im Verbund mit Hoffmann) einen sehr guten Job gemacht, er ist – das kann ich bestätigen – mit sehr viel Herzblut dabei gewesen. Und er hat den Verein enger zusammengeführt, weil seine manchmal etwas verhaltene Art dem Image des neunmalklugen, arroganten und Millionen verdienenden HSV-Vorstandes komplett widersprach. Und er hatte Erfolg. Der Name Beiersdorfer wurde beim HSV vor einem Jahr sogar kurz mal ins Gespräch gebracht, aber im Aufsichtsrat umgehend von denen, die auch schon bei dessen Freistellung Kontrolleure waren, abgelehnt. Stattdessen kam bekanntermaßen Frank Arnesen.

Und dem obliegt es jetzt, den HSV nach einem verkorksten Jahr wieder in die Spur zu kriegen. „Einige Neue“ sollen kommen, darunter auch der ewig gesuchte kreative Mittelfeldspieler. Zudem sollen den Verein in den nächsten Wochen noch Spieler mit laufenden Verträgen verlassen – und wie im Fall Robert Tesche auch verlassen wollen. Der Mittelfeldspieler soll in einem Gespräch mit Arnesen erklärt haben, mehr Spielpraxis zu brauchen und deshalb den Verein verlassen zu wollen. Hannover 96 war bereits einmal vor 18 Monaten an Tesche interessiert – aktuell dürften es aber eher andere, weniger international orientierte Vereine (aus eventuelle anderen Ligen) sein.

Egal wie, die nächsten Wochen werden zeigen, wohin es mit dem HSV geht. Sich darauf zu verlassen, dass alle Spielerin der kommenden Saison um eine Serie gereifter und entsprechend besser werden, wäre fahrlässig. Auch, sich den kreativen Spieler aus dem vorhandenen Spielermaterial schnitzen zu wollen. Der HSV hat diese Qualität nicht im Kader. Ein Tolgay Arslan kann das nicht, ebenso wenig wie Ivo Ilicevic, Gökhan Töre, Jacopo Sala oder gar Heung Min Son. Auch von Beister, der am Donnerstag zunächst Düsseldorf in die erste Liga schießen soll, kann man in seiner ersten echten Erstligasaison eine solch tragende Rolle nicht erwarten. Nein, hier gilt es, fleißig zu sein. Oder besser: fleißiger und ideenreicher als die Konkurrenz, wie Arnesen selbst seine Vorgehensweise beim Amtsantritt beschrieb.

Aber okay, wir haben heute den 7. Mai, die Saison ist seit zwei Tagen beendet und die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen. Noch bleibt Zeit. Von daher sind auch einige Forderungen von Euch, Dieter und/oder ich müssten uns klar positionieren, was wir vom HSV halten, verfrüht. Noch muss sich niemand festlegen. Wir können bei Arnesen die erste Saison beurteilen. Bei Trainer Thorsten Fink geht das noch weniger, weil er mit dem vorhandenen Potenzial arbeiten musste, ohne vorher Mitspracherecht bei der Kaderzusammenstellung gehabt zu haben.

Nein, bei aller Skepsis, ich hoffe und glaube auch, dass Arnesen erkannt hat, dass die Bundesliga härter ist und mehr verlangt, als ein paar neue Talente. Es reicht nicht, Chelseas dritte Reihe zu holen, dieser HSV braucht Sofortverstärkungen. Eine unfassbar schwierige Aufgabe, angesichts des schmalen Geldbeutels, der ihm vom verein zur Verfügung gestellt wird. Andererseits muss man auch sagen, dass der HSV 2006 noch einen Mannschaftsetat hatte, der halb so hoch war wie der heutige. Insofern hoffe ich, dass Arnesen die ständige Einflechtung von Talenten mit Führungskräften garniert. Mit der Kategorie René Adler könnte er den ersten Schritt in die richtige Richtung machen. Zumindest beschwören das Adlers Wegbegleiter für den Fall, dass der Keeper gesund bleibt.

Nicht beschworen, dafür aber festlegend geäußert hatte sich Vorstandsboss Carl Jarchow zum Thema Adler. Das hakte bislang an dem Verkauf (Weggang) von Jaroslav Drobny. „Wir werden sicher nicht mit zwei hochklassigen und hoch bezahlten Torhütern in die neue Saison gehen.“ Eine Aussage, die er am Sonntag bestätigte: „Aus meiner Sicht werden wir nicht mit zwei hochbezahlten Torhütern in die neue Saison starten“, so der Vorstandschef im NDR-Sportclub. Allerdings sagte sein Vorstandskollege Arnesen parallel, dass der HSV ein Jahr zuvor auch mit Rost und Drobny gut gefahren sei. Der Däne ist anderer Meinung: „Jaroslav hat einen Vertrag, und er hat gut gehalten. Im vergangenen Jahr hatten wir mit Frank Rost und Drobny auch zwei gestandene Torhüter unter Vertrag. Ich sehe da keinen Unterschied.“

Wer Recht hat? Wessen Strategie gefahren wird? Darüber soll morgen der Aufsichtsrat diskutieren. Beim noch als „informelle Aufsichtsratssitzung“ deklarierten Zusammentreffen soll Arnesen ein Weg aufgezeigt werden, unter welchen Bedingungen er Adler endgültig unterschreiben lassen kann.

In der Hoffnung, dass zumindest dieser Transfer endlich und vernünftig abgeschlossen werden kann,

bis morgen!
Scholle

Das Spiel gegen die Unaussprechlichen elektrisiert

15. Februar 2012

So schnell kann es gehen! Das dachten wir uns oben im fünften Stock der Imtech-Arena. Kaum kündigt der HSV verschärfte Maßnahmen gegen Pyrotechnik-Missbrauch im Stadion an, brennt es auch schon in der Imtech-Arena. Zumindest dachte das die Feuerwehr, die um 12.54 Uhr mit vier Wagen und Blaulicht anrückte Allerdings, schon 14 Minuten später rückten alle Löschwagen wieder ab – falscher Alarm. Zum Glück. Richtig heiß wird es eh erst am Sonnabend, wenn der HSV im Block 25A die Kontrollen drastisch verschärft. Und ganz nebenbei: Mit den Unaussprechlichen kommen an dem Tag ausgerechnet die Fans nach Hamburg, die in der Bundesliga am häufigsten Pyrotechnik zünden. Ob es im Gästeblock auch eine derart verschärfte Kontrolle gibt? Nein!

Echter Alarm herrscht allerdings im Hinblick auf das bevorstehende Nordderby. Auf dem Trainingsplatz wurde nach einer kurzen Aufwärmphase so eine Art Völkerball gespielt. Zunächst waren die Nummern ein bis 13 draußen, der Rest innen mit Fitnesscoach Nikola Vidovic – und nach 50 Minuten wurde gewechselt. Wobei ziemlich klar sein dürfte, dass die Jungs in der Kabine von dem Kickboxmeister deutlich härter drangenommen wurden als die Gruppe draußen von Fink und Co. „Das tut schon mal richtig weh“, beschreibt Jansen Vidovic’s Trainingsmethoden, „aber es tut allen gut.“ Und ganz ehrlich: ich habe mit fast allen Spielern mal über den verhältnismäßig neuen Physio gesprochen – und alle sind begeistert.

Das wiederum gilt auch für das wichtigste Ereignis dieser Woche (nach meiner aktiven Rückkehr auf den Trainingsplatz natürlich): für das Nordderby gegen die Nord-Delmenhorster. Die Runde von damals mit den vier Spielen in Folge nervt hier – nicht nur mich. „Das war scheiße“, spricht Jansen Klartext, „da haben wir im DFB-Pokal, das muss man so ehrlich sagen, verdient verloren, weil wir taktisch schlechter waren. Aber in der Europa-League waren wir in beiden Spielen besser und haben unter kuriosen Umständen verloren. Ich erinnere da nur an Michael Gravgaard – zuerst die Papierkugel und dann auch noch das nicht gegebene Tor.“ Das Ligaspiel fiel damals anschließend kaum noch ins Gewicht. Zu groß war die Enttäuschung über das Doppel-Aus in den beiden Cup-Halbfinals. „Schon deshalb ist das Spiel am Sonnabend hier mehr als nur ein Top-Spiel für uns“, verspricht Jansen, „Das ist eine Top-Spiel mit Sternchen. Da haben wir noch was in der Schublade…“ Womit der Linksfuß sagen will, dass sie noch etwas gutzumachen haben.

Gut macht es im Moment die gesamte HSV-Mannschaft im Kollektiv. Wer auch immer sich über das Spiel am Sonntag in Köln geärgert hat, sie/er hat noch zu hohe Ansprüche. Der Satz von Trainer Thorsten Fink „Wir spielen im Moment genau das, was wir können“ ist meiner Meinung nach komplett richtig und alles beschreibend. Solche Siege sind Gold wert, weil sie existenziell sind. Ein 0:0 in Köln hätte Diskussionen aufgeworfen, ganz klar. Das weiß auch Fink. Weil das bei Niederlagen fast immer so ist. Und der HSV-Coach hätte sich trotzdem gestellt, ganz sicher. Allerdings hat der Trainer im Moment nur die Aufgabe, dieser Mannschaft eine gesunde Basis zu verschaffen. Auf dem Platz wie in der Tabelle. Und diese beiden Dinge gelingen ihm sehr gut. Auch in Köln, wo man nicht mehr als drei Punkte mitnehmen konnte. Insofern sollten wir zufrieden sein, wenn der HSV gewinnt, ohne dabei kapitale Schwächen zu offenbaren, die Anlass zur Kritik bieten. Und das hat die Mannschaft nun wirklich nicht.

Aber okay, zurück zum alles beherrschenden Thema: zum Nordderby gegen die Unaussprechlichen. Die haben heute parallel zu unserer Runde mit Paolo Guerrero eine Runde mit Claudio Pizarro angesetzt. Pikant: Den wollte der HSV 2008 verpflichten, als er vom FC Chelsea zurück in die Bundesliga wechselte. „Ja, es gab damals ein Angebot vom HSV“, sagte Pizarro heute. Und via Interviewticker aus Bremen aktuell informiert, stellte ich gleich Frank Arnesen die Frage, ob das so stimme. Immerhin war der heutige HSV-Sportchef damals noch als Sportchef des FC Chelsea aktiv. „Davon weiß ich nichts“, so der Däne, „vom HSV hatte sich damals nie jemand gemeldet. Wäre da was gekommen, hätten wir ihn natürlich nach Hamburg geschickt“, scherzt Arnesen, der heute noch mal klarstellte, dass er sich über David Jarolims Rückkehr zwar sehr freue, deshalb aber den Plan, den Tschechen im Sommer abzugeben, noch nicht über den Haufen geworfen habe.

Aber zurück zu Pizarro und seinem HSV-Angebot von 2008. Es gab es, wie mir damals der Vorstand bestätigte. Und ehrlich gesagt hätte ich mich richtig gefreut, wenn das geklappt hätte. Allerdings kam es nie zu intensiveren Verhandlungen. Pizarro wollte unbedingt nach Nord-Delmenhorst zurück, ließ daran von Beginn der Verhandlungen an keinen Zweifel. „Ansonsten hätte ich nie wieder nach Bremen einreisen dürfen“, scherzte Pizarro heute in der Interviewrunde.

Mein sympathischer Kollege Kai Schiller war übrigens vor Ort. Frisch geimpft (nur ’n dummer Scherz, bitte nicht beleidigt sein, liebe Bremer) und von mir mit dem Auftrag ausgestattet, dem besten Spieler der Unaussprechlichen ordentlich einen gegen das Schienbein zu schmettern, lauschte er dem Topstürmer, während ich in der Imtech-Arena dem einzig echten Peruaner der Bundesliga zuhörte: Paolo Guerrero. Der ist im Moment – nein: schon seit der Übernahme von Thorsten Fink – in aufsteigender Form. Wer der bessere Stürmer ist wurde da gefragt. Eigentlich müsste man hierbei ehrlicherweise für Pizarro votieren, der gefühlte 100 Tore mehr erzielt hat in seiner Bundesliga-Karriere. Aber noch eigentlicher sollte man diese Frage so gar nicht stellen. Immerhin sind beide absolut verschiedene Spielertypen. Denn während Pizarro vom Typ her am ehesten dem früheren Mladen Petric beim HSV entspricht, ist Paolo der Arbeiter unter den Angreifern. „Paolo haut sich immer voll rein, ist super mannschaftsdienlich, arbeitet tierisch nach hinten und ist schon deshalb hoch angesehen in der Truppe“, lobt Jansen, „und wenn er jetzt noch trifft – umso besser. Wir brauchen auch Stürmer, die mehr als fünf, sechs Tore machen.“ Bedeutet: Guerrero muss am Wochenende nachlegen – er hat ja erst sechs Saisontreffer.

Nachlegen müsste der HSV auch, wollte er Mladen Petric über die Saison hinaus halten. Das aber wird so nicht geschehen, wie Klubboss Carl Jarchow bereits ankündigte und Arnesen heute noch mal unterstrich: „Wir müssen wieder sparen. Wir wissen, dass wir in der kommenden Saison nicht so viel Kohle ausgeben können, wie in diesem Jahr. Wir müssen das noch mal zurückschrauben.“ Selbst das Erreichen eines internationalen Startplatzes (Arnesen: „Darüber rede ich gar nicht“) würde finanziell nicht allzu viel bewegen. „Du weißt nie, wen Du als Gegner bekommst, wie weit Du kommst und so weiter. Außer in der Champions League kann man nicht viel einplanen. Aber ein internationaler Startplatz macht dich als Verein für Spieler interessanter. Da könnte es uns das Leben etwas leichter machen.“

Leichter machen könnte es auch Klaus Michael Kühne. Der Milliardär steht weiterhin in engem Kontakt zum HSV. Gerade jetzt, wo die Suche des HSV nach einem kreativen Mittelfeldspieler auf Hochtouren läuft und die Vereinskassen leer sind, könnte der HSV-Fan, der gerade 450 Millionen Euro bei Hapag Lloyd investiert hat, helfen. Das hofft Arnesen trotz des Gegenwindes in der Mitglieder. „Herr Kühne steht unserer Zukunftsplanung sehr positiv gegenüber. Und die Mitglieder müssen keine Angst haben, dass hier etwas im Stile der englischen Klubs verkauft wird. Der HSV wird immer souverän bleiben“, plädiert der HSV-Sportchef, „und ich werde den Klub immer verteidigen. Herr Kühne ist ein Investor, der das Risiko eingeht, 100 Prozent zu verlieren. Für mich ist das mehr ein Sponsor als ein Investor. Aber keinesfalls jemand, der dem HSV schaden könnte. Im Gegenteil.“

Eine Meinung, die ich im Übrigen teile. Sofern die Investments gläsern sind. Soll heißen: ich würde mich freuen, wenn Herr Kühne dem HSV einen Mittelfeldspieler der Klasse Rafael van der Vaart komplett finanziert. Dann darf er auch gern an einem eventuellen Weiterverkauf des Spielers partizipieren. Er darf auch gern daran verdienen, sollte der Spieler dem HSV mehr einbringen, als er vorher gekostet hat. Zudem glaube ich, dass der HSV bei allen Bestrebungen, neue Geldquellen (Arena-Events, Südkorea, etc.) zu erschließen, Hilfe dringend brauchen kann. Denn gute Spieler erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf sportliche Erfolge. Die wiederum machen den HSV attraktiver für Sponsoren und interessante Spieler. Und so kann sich eine Schraube bei gutem Management schnell immer weiter nach oben schrauben.

Und damit meine ich nicht nur fertige Stars á la van der Vaart, sondern auch Spieler wie Maximilian Beister. Nach der Borussia aus Dortmund soll laut Sportbild die Borussia aus Mönchengladbach jetzt an dem Leihspieler des HSV in Diensten Fortuna Düsseldorfs interessiert sein. „Aber ich bin ganz ruhig“, sagt Arnesen, „es ist alles besprochen, zuletzt noch mal in Berlin. Es ist alles positiv.“ Jetzt ginge es nur noch um letzte finanzielle Details. „Wir werden in den nächsten sieben bis zehn Tagen eine Entscheidung haben. Und ich glaube, sie wird positiv für uns.“

Wie das Heimspiel am Sonnabend. Da gibt es keine zwei Meinungen.

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle

P.S.: Am Nachmittag ging es auf dem Platz gut zur Sache. Insbesondere im Abschlussturnier mit drei Mannschaften auf verkürztem Feld. Und während der Trainingsplatz schwer ramponiert wirkte, erstrahlt der Stadionrasen nach den Eisestemperaturen in einem nahezu perfekten Zustand.

18.59 Uhr

Töre macht Freude – und hat große Ziele

2. November 2011

Der Typ schockt einfach. Schon optisch. Er sieht gefährlich aus – und gibt sich nicht nur handzahm. Er ist einfach ein sympathischer Zeitgenosse. „Ich bin gar nicht so emotional“, sagt der Deutsch-Türke vor dem Duell mit seinem ehemaligen Klub Bayer Leverkusen und versucht, mit dem einen oder anderen Vorurteil aufzuräumen. Das ihm nachgesagte Image des Heißsporns hat er in Hamburg eh noch nicht nachgewiesen. Im Gegenteil, obwohl er sich anfänglich mit der Eingewöhnung etwas schwertat, ist Gökhan Töre inzwischen das, was man bei Zugängen als „Verstärkung“ betitelt. Am Sonntag wurde er für Zhi Gin Lam ausgewechselt – und von den 55348 Zuschauern mit stehenden Ovationen verabschiedet. „Ein tolles Gefühl, so von den Zuschauern verabschiedet zu werden“, so Töre, der dabei fast etwas peinlich berührt wirkt. Dabei erhielt er den Zuspruch vollkommen zurecht, wie ich finde. Es hallten sogar Sprechchöre durch das Stadion. Und für mich waren es Rufe, die sich der 19-Jährige in den zuvor 80 Minuten hart erarbeitet hatte.

Immer wieder versuchte sich Töre in Dribblings in höchstem Tempo, er schleppte Bälle, er spielte geschickte Pässe – kurzum: er suchte die Offensive. Und dabei versteckte er sich nicht bei der Defensivarbeit. „Ich muss jetzt zwar mehr nach hinten arbeiten“, sagt Töre, der im gleichen Atemzug aber auch klarstellt, dass er das für „selbstverständlich in dem heutigen, modernen Fußball“ hält. Töre spielte richtig gut, er bereitete zudem das 1:1 vor und war mit fünf Torschussvorlagen fleißigster Vorbereiter. „Am Ende wollte ich noch viel mehr machen“, so Töre, der sich einzig seinem Körper geschlagen geben musste. „Ich hatte Krämpfe, ich konnte kaum mehr richtig auftreten.“

Dabei ist Töres gesamter Auftritt in Hamburg als große Bühne zu bezeichnen. Der Linksfuß hat sich schon im Trainingslager sehr selbstbewusst gezeigt. Er rechne damit, in Hamburg Stammspieler zu werden, so die damalige Ansage, die er heuer in die Tat umgesetzt hat. Zehn von elf Spielen hat er bestritten, musste nur einmal verletzt pausieren. „Es läuft ganz gut“, so Töre, der auch in dem Moment des Glückes nie seine Freunde vergisst. Am Sonntag lief er mit einem Trauerflor für die bei dem Erdbeben in der Türkei gestorbenen Landsleute. „Ich selbst war noch nie in dem Gebiet, aber ich habe dort viele Freunde. Zum Glück sind sie alle unverletzt geblieben“, erzählt Töre, der von seinen Freunden und Bekannten um die Geste mit dem Trauerflor gebeten wurde. „Ich habe das natürlich sehr gern gemacht.“

Töre wirkt professionell. Ein gebrandmarkter Mensch („In der Türkei wurde viel Falsches über mich geschrieben, seitdem bin ich sehr vorsichtig“), der langsam Fuß und Vertrauen fasst. Es scheint, als blühe der gerade mal 19-Jährige nicht nur fußballerisch in Hamburg auf. „Es passt momentan fast alles, bis auf die Punkte“, so Töre, der sich allerdings sicher ist, dass auch die kommen werden. „Wir haben unter dem neuen Trainer sehr viel Spaß, wir spielen guten Fußball. Und wenn wir so weitermachen, werden wir auch in der Tabelle klettern.“

Beginnen will er damit lieber gstern als heute. Auf jeden Fall aber spätestens in seiner alten Heimat beim Gastspiel bei Bayer Leverkusen am Sonnabend (18.30 Uhr, BayArena). Dort verbrachte der in Köln geborene türkische Nationalspieler seine Fußballjugend, bis er 2009 in die U18 zum FC Chelsea wechselte. Überzeugt wurde er übrigens damals wie dieses Jahr beim Wechsel zum HSV von seinem Mentor Frank Arnesen. „Ich habe immer an Arnesen geglaubt. Er wollte hier was Neues probieren und aufbauen. Das hörte sich sehr gut an. Ich bin seinetwegen hier.“ Und das inzwischen sehr gern.

Selbst das Spiel in seiner alten Heimat (er wuchs in Köln auf, spielte in der Jugend für Bayer) vermag bei Töre nichts mehr hervorzurufen als: „Es ist sicher was Besonderes. Aber ich bin ganz locker und entspannt – ich bin da nicht mehr emotional.“ Zwar musste er gleich 25 Karten für Freunde und Verwandte in dem eigentlich mit gerade 30250 Zuschauern ausverkauften BayArena besorgen, allerdings sieht er das Spiel in erster Linie als Möglichkeit für den HSV, weitere dringend benötigte Punkte zu sammeln, denn als persönliches Highlight.

Töre ist gereift. Das klingt zunächst unspektakulär, schließlich sollte das jeder Mensch mit jedem neuen Tag machen. Aber allein der Vergleich vom Trainingslager auf Sylt bis heute dürfte bei jedem ein Lächeln erzeugen. Töre hält Schritt mit der Entwicklung, die er selbst innerhalb der Mannschaft ausgemacht haben will. Selbst die „drohende“ Rückkehr des erfahreneren Ivo Ilicevic beunruhigt Töre nicht. Im Gegenteil: „Wenn man Stammspieler ist, gibt einem das eine Menge Selbstvertrauen. Und das habe ich im Moment.“

Dennoch droht Töre ein direktes Duell mit Ilicevic – allerdings in den EM-Qualifikations-Playoffs, wo Töre mit seinen Türken auf Ilicevic’ Kroaten trifft. Ob sie sich in der Kabine schon gegenseitig flachsen? „Nein“, lacht Töre, „wir haben eigentlich noch gar nicht so richtig darüber gesprochen. Aber es wird ein ganz enges, ganz hartes Spiel zweier guter Mannschaften. Die Chancen stehen 50:50“, sagt Töre und man merkt, wie sehr sich der ehrgeizige Offensivmann nach einer Teilnahme 2012 in Polen und der Ukraine sehnt.

Aber Töre wäre nicht der (neue) Töre, würde er nicht sofort wieder auf den HSV und das nächste Spiel hinweisen. Und das tat er auch heute. Am Anfang, in der Mitte und am Ende des Gesprächs immer wieder gleichermaßen. Weil er angekommen ist. Sportlich wie menschlich.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle (18.48 Uhr)

Kurz notiert:
Ausgesetzt:
Marcus Berg absolvierte heute nur ein individuelles Lauf- und Krafttraining.
Angesetzt: Der HSV bestreitet am 12. November in Oststeinbek ein Testspiel gegen Dynamo Bukarest. Der Anstoß gegen den rumänischen Erstligisten ist um 14 Uhr.

Rajkovic stellt sich vor – noch etwas müde…

24. August 2011

Da isser nu. Der fünfte Chelski-(Reserve-)Spieler. Und er macht Eindruck. Zumindest optisch. Denn Slobodan Rajkovic misst stattliche 1,91 und bringt auch entsprechend Gewicht auf die Waage. „Er ist einer, der Angst und Schrecken verbreitet“, hatte Michael Oenning gesagt. Davon wiederum war heute nichts zu sehen. Weder sportlich im Training, wo der Serbe das eine oder andere Mal übel stehen gelassen wurde. Und das nicht nur von den antrittsschnellen Spielern. Selbst Kacar hatte leichtes Vorbeikommen. Aber gut, es ist ja auch erst das erste Training gewesen. Wie dem Rest der Mannschaft werde ich auch ihm ne gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen.

Und, auch wenn mich heute ein befreundeter Spielerscout anrief, der Rajkovic bewusst gescoutet hatte und dem HSV sehr wohlgesonnen ist, und tatsächlich nur wenig bis nichts Gutes über den neuen Innenverteidiger zu berichten wusste, werde ich mitnichten hier den Stab über Rajkovic brechen. Im Gegenteil, der Serbe machte einen sympathischen Eindruck, hat einen starken linken Fuß, spielt vielleicht etwas zu viele lange Bälle, die allerdings dafür ziemlich zielgenau. Zudem bleibt die Hoffnung, dass das heute nur ein holpriger Start war und der Innenverteidiger in den nächsten Einheiten die Müdigkeit aus den Beinen schüttelt, um dann die erhoffte Verstärkung zu werden.

Bis dahin sollte dann auch die Geschichte mit dem Spucken bei Olympia 2008 in Peking und der einjährigen Sperre für alle internationalen Spiele mit Serbien ad acta gelegt werden. Ich weiß, dass meine Kollegen vom Boulevard schon ob der jeweiligen Chef-Ansage gar nicht drumherumkommen, die Geschichte bis in die letzte Faser zu recherchieren. Aber für uns hier im Blog muss das nicht gelten. Wir sollten Rajkovic unabhängig von Vorgeschichten versuchen, möglichst objektiv zu beurteilen. Schon deshalb werde ich im Blog heute noch mal Rajkovics Sicht vom Vorfall darstellen und das Fass anschließend schließen. „Ich kann Euch in die Augen gucken und besten Gewissens sagen, dass die Fifa einen Fehler gemacht hat. Ich habe niemanden angespuckt. Es gab auch nie einen Beweis für meine Schuld, selbst auf Videos ist nichts zu sehen. Ich kann nicht für meine Kollegen von damals sprechen, vielleicht hat ja einer wirklich gespuckt. Aber ich war das nicht. Ich bin ein Spieler, der immer viel Respekt hat – das weiß auch jeder, der mich schon mal auf dem Platz gesehen hat.“

Was wir noch von dem Neuzugang auf dem Platz erwarten dürfen? „Ich spreche ungern über mich selbst“, so Rajkovic, „ich zeige lieber auf dem Platz, dass ich immer bis an die Schmerzgrenze gehe und 110 Prozent gebe.“ Ganz praktisch ist dabei, dass der in Belgrad geborene 22-Jährige Gegentore „hasst“, wie er sagt. „Ich werde dann immer richtig aggressiv.“ Weswegen ihn Chelsea nicht behalten wollte? „Wollten sie eigentlich“, Konter Rajkovic, „aber ich habe keine Arbeitserlaubnis bekommen.“ Dafür hätte er 75 Prozent der serbischen Länderspiele in den letzten zwei Jahren oder 60 Prozent der letzten 20 Länderspiele absolvieren müssen. „Aber zum einen hat die Sperre mir nicht weitergeholfen, mich zu integrieren.“ Zum anderen habe er in der Nationalmannschaft mit den internationalen Spielern wie Kolarov von ManCity, Vidic (ManU), dem ehemaligen HSV-Wunschspieler Ivanovic (Chelsea) und auch Subotic von Borussia Dortmund sehr starke Konkurrenz in der Verteidigung. Warum er sich bei Chelsea nicht durchgesetzt hat? Immerhin war er schon mit 16 Jahren als damaliges Jahrhunderttalent für den stolzen Preis von fünf Millionen Euro Ablöse zum Premier-League-Klub gewechselt. „Ich habe die hohe Ablöse damals auch als Druck empfunden und war vom Kopf her überhaupt noch nicht reif. Ich habe viele Dinge einfach nicht verstanden. Ich habe einfach den Kopf verloren und zu wenig nachgedacht.“ Das sei heute zum Glück ganz anders. „Ich bin tatsächlich ruhig geworden.“

Der bekennende Single, der im Stadtzentrum eine Wohnung sucht, wird in Hamburg die Nummer 23 erhalten. Womit auch den letzten Träumern, zu denen ich mich zähle, klar sein dürfte, dass sich ihr Wunsch nicht mehr erfüllen wird: Denn ansonsten hätte der HSV ganz sicher nicht Rafael van der Vaarts Trikotnummer neu verteilt… Ein Umstand, der Rajkovic erst im Nachhinein bewusst wurde. „Ich habe die Frage danach erwartet. Und meine Antwort ist eigentlich ganz unspektakulär: ich habe die Nummer 23 genommen, weil ich nächstes Jahr 23 werden.“ Und als wir ein paar Minuten später nach seinem Idol fragten, hatte er gleich die Antwort parat: „Michael Jordan.“ Hintergrund: der vielleicht beste Basketballspieler aller Zeiten trug in seiner aktiven Zeit immer die Nummer 23…

Humor hat Rajkovic offenbar. Freunde auch. Ob er schon vorher mal in Hamburg gewesen sei? „Ja, ich habe hier vor zwei, drei Jahren mit Freunden Freunde besucht, die noch immer hier leben und mir die Eingewöhnung sicher erleichtern werden.“ Zudem kennt er Gojko Kacar als Teamkollegen in der serbischen Nationalelf, die vier vor ihm nach Hamburg gewechselten Ex-Chelsea-Spieler aus gemeinsamen Vorbereitungen in England sowie Eljero Elia als ehemaligen Mannschaftskameraden bei Twente Enschede in der niederländischen Eredivisie. „Ich werde mich hier schnell eingewöhnen“, so Rajkovic sicher.

Sportlich soll das sogar schon am Sonnabend klappen. “Ich bin fit”, sagt Rajkovic selbst. Und auch von Trainerseite her besteht die Hoffnung, dass der Neue bis zum Kellerduell gegen den 1. FC Köln (Sa., 15.30 Uhr, Imtech-Arena) im Training so zu überzeugen weiß, dass man gar nicht mehr um ihn herumkommt.

Apropos Oenning. Was meine Kollegen von der „SportBild“ da herausgefunden und aufgeschrieben haben, hat mir die Sprache verschlagen. Ich war schon nach dem Hertha-Spiel irritiert, als Oenning davon sprach, dass Skjelbred schon in den Trainingseinheiten der Tage zuvor einen müden Eindruck gemacht hatte – denn Oenning ließ den Norweger trotzdem spielen. Ich war nicht weniger irritiert, als Oenning jetzt davon sprach, dass sich Aogo nach zehn Minuten gegen Bayern durch die gelbe Karte selbst aus dem Spiel genommen hatte – ohne dass er ihn aber ausgewechselt hatte. Der jetzt bekannt gewordene Freud’sche Fehler, womit Oenning die SportBild-Geschichte erklärte, haut mich aber aus den Socken. Vor versammelter Mannschaft vor einem Spieler zu warnen, der längst nicht mehr beim Gegner spielt – das ist peinlich, das ist amateurhaft. Das ist eine Sache, die ihn angreifbar macht, die ihm mit Sicherheit von unzufriedenen Spielern immer wieder vorgehalten werden kann. Wie jetzt mit dem SportBild-Souffleur passiert. Und dann noch das Ding mit Mickel, den er nach dem Dortmund-Spiel fragte, wie es bei den Amateuren war – bitter! Immerhin war Mickel am Tag zuvor zusammen mit Oenning und der Mannschaft in Dortmund…

Da hilft die Generaldeckung seitens des Vorstandes – so eine Art Amnestie für Oennings vorübergehende Amnesie – nur bedingt. Nein, ich bin mir sicher, dass diese Geschichten jeweils eine Erklärung haben, die wahrscheinlich sogar nachvollziehbar ist. Aber selbst die besten Erklärungen können nicht den Eindruck verwischen, dass hier ähnlich „unkonzentriert“ gearbeitet wurde, wie anschließend von der Mannschaft beim 0:5 in München. Und noch eines ist sicher: Sollte Oenning weiter Misserfolg haben, wird die Trainerdiskussion in der kommenden Woche mit Sicherheit alles andere als abebben. Dann muss sich der HSV-Trainer auf zwei sehr ungemütliche Wochen vorbereiten. Zum einen, weil der Blogvater ab Mittwoch wieder übernimmt ;-). Zum anderen aber, weil diese jüngsten Anekdoten immer wieder zitiert werden. Sie werden als Indizien für Oennings angebliche Unfähigkeit herhalten müssen. Und er hat auch noch selbst Schuld. Leider.

Umso mehr ist ihm/uns/der Mannschaft/dem Verein gegen Köln ein Sieg zu wünschen. Das würde alles ein wenig entspannen. Und anschließend hat die Mannschaft in den zwei Wochen Länderspielpause ausreichend Zeit, um sich sich intensiv auf Rudi Völler…äääh….Claudio Pizarro (nur ’n Joke, entschuldigt bitte!!) vorzubereiten.

Scholle
(19 Uhr)
P.S.: Training am Donnerstag ist um 15 Uhr an der Arena.

Arnesen sieht Handlungsbedarf – Rajkovic soll kommen

22. August 2011

Frank Arnesen geriet ins Schwitzen. Allerdings weniger, weil er um Antworten verlegen war, als wegen der fehlenden Klimaanlage im 5. Stock der Imtech-Arena, wo der Däne sich zuerst meinen Kollegen vom Fernsehen und anschließend uns Schreiberlingen stellte. Und das sehr ausführlich. Tenor: er würde weiter fest hinter dem Trainer stehen, die Diskussion nicht mitmachen. Die Mannschaft und der Trainer bräuchten Zeit – und die bekämen sie von ihm auch garantiert. Zudem wird binnen der nächsten zehn Tage personell nachgelegt. Und obwohl der Name Slobodan Rajkovic bereits durch alle Medien geisterte, umging Arnesen eine direkte Bestätigung. Er werde erst dann etwas zu einem Spieler sagen, wenn derjenige beim HSV auch unterschrieben habe. Und das ist auch gut so. Denn wie bei Matthias „Ich-habe-den-HSV-verarscht-und-mache-auch-so-weiter“ Sammer gesehen, können selbst bis ins letzte Detail abgeklärte Verträge plötzlich platzen.

Apropos Sammer – den ehemaligen Weltklassefußballer habe ich früher al Nationalspieler geliebt – und bin seit der Geschichte mit dem HSV enttäuscht von ihm. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen habe ich mich bis heute immer wieder gefragt, ob nicht entgegen aller Beteuerungen da der HSV zu naiv war oder gar falsche Dinge kommuniziert hat. Aber seit der Doppelpass-Sendung am Sonntag aber weiß ich, dass Sammer häufiger mal schneller redet als nachdenkt. Denn selbst wenn er damit witzig sein wollte, der Spruch „Mit mir hätte es kein 0:5 gegeben“ war daneben. So weit, dass ich Sammers Intelligenz infrage stellen muss. Es gibt nur ganz wenige Menschen, denen ich derlei Aussagen über den HSV verbieten würde. Aber Sammer ist einer von denen. Gerade er sollte nach seinem Wortbruch lieber ruhig sein und den HSV meiden.

Und wo wir gerade bei Spott sind, über zu wenig davon kann sich der HSV derzeit leider nicht beschweren. Zunächst hatte Hoeneß dem HSV „Hol’s Balli“-Fußball attestiert, jetzt legte Franz Beckenbauer nach. „Man hat die Situation unterschätzt, und die Spieler, die man geholt hat, überschätzt“, so der Kaiser via „Sky 90“. „Bei solchen Stellungsfehlern und Schwächen im Zweikampf: ich weiß nicht, wie das besser werden soll.“ Harter Tobak. Auch für Arnesen, der sich verantwortlich für die Auswahl der Neuen zeichnet. Der allerdings mit Rajkovic gerade diese vom „Kaiser“ angesprochene Schwäche ausbügeln will.

Immerhin gilt der 191 Zentimeter große Serbe als erfahrener Spieler. Rajkovic war zuletzt von Chelsea an den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim ausgeliehen. Er galt bereits in jungen Jahren als Riesentalent. Chelsea holte ihn 2005 als 16-Jährigen für knapp fünf Millionen Euro von OFK Belgrad, für die er bereits 26 Ligaspiele in Serbien absolviert hatte. Anschließend wurde er vom Abramowitsch-Klub an den PSV Eindhoven und Twente Enschede verliehen. Rajkovic ist seit 2009 serbischer A-Nationalmannschaft. Zuvor war er ein Jahr lang für alle internationalen Spiele gesperrt worden, nachdem er bei den Olympischen Spielen einen Gegenspieler angespuckt hatte. Die niederländische Zeitung „Voetbal international“ hatte geschrieben, Rajkovic würde drei Millionen Euro Ablösesumme kosten und für vier Jahre unterschreiben. Zwei Zahlen, die etwas zu hoch angesetzt sind. Der Abwehrmann, der schon heute in Hamburg sein soll, soll für drei Jahre unterschreiben und rund zwei Millionen Euro kosten.

Viel Geld für den HSV, da bislang kein weiterer Spieler verkauft wurde. Guy Demel ebenso wenig wie Mickael Tavares. „Und für Elia gibt es auch kein neues Angebot“, so Arnesen, der sich nach dem Bayern-Spiel noch mal länger mit dem Niederländer unterhalten hatte. „Bei ihm ist es wie bei vielen Profis: Spielt er, scheint die Sonne. Spielt er nicht, regnet es und er ist sauer. Und auch wenn ein Verkauf des Außenstürmers nicht gänzlich ausgeschlossen ist, betonte Arnesen, dass man sich derzeit keine Gedanken darüber mache. Ob die Schmerzgrenze noch nicht erreicht sei? Arnesen kurz: „Nein.“

Stattdessen bat Arnesen seinen Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow und den Aufsichtsrat um Hilfe, nachdem auch er erkannt hatte, dass defensiv Handlungsbedarf besteht. „Ich habe gefragt. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind nicht groß “, so Arnesen, „aber ich bin froh, dass alle sehen, dass wir was tun müssen.“ Damit wollte er jedoch nicht klagen, wie er gleich nachschob. „Ich bin hergekommen und wusste, dass wir finanziell Probleme haben, dass wir nicht mal eben 20 Millionen ausgeben können. Aber ich sehe das als Herausforderung und bin ehrlich gesagt nicht unzufrieden mit dem Kader. Ich gebe den Spielern noch Zeit, weil ich weiß, dass sie gut sind. Unsere Neuen sind zum Teil erst 19, da erwarte ich nicht nach drei Spielen eine Führungsrolle. Das sind nicht die Schlüsselspieler – nicht mal nach einer ganzen Saison.“

So eine Rolle gebe es beim HSV derzeit eh nur einmal, sagt Arnesen: und zwar lediglich mit Heiko Westermann. Der Mannschaftskapitän ist für den Sportchef der einzige Spieler, der eine echte Führungskraft darstellt. „Der lässt sich nicht unterkriegen“, lobt Arnesen, „der spielt weiter, auch wenn er ausgepfiffen wird. Der steht seinen Mann und wird in solchen Momenten sogar noch besser. Heiko ist ein sehr guter Kapitän. Wenn wir hier über Führung sprechen, dann möchte ich nur über Heiko sprechen. Er kann schlecht spielen, ausgepfiffen werden – aber er ist immer weiter ein Vorbild auf dem Platz und im Training.“ Gerade diese unerschütterliche Mentalität Westermanns scheint Arnesen zu imponieren, der sich von der Sorte Spieler offensichtlich mehr wünscht.
Mehr wünscht sich Arnesen auch für Oenning. Der Trainer sei einer Situation ausgesetzt, die mehr Zeit bedarf, sagt der HSV-Sportchef. „Ich habe es von Anfang an gewusst, dass es dauert. Ich habe hier einen Dreijahresvertrag abgeschlossen und hoffe, dass ich den komplett mit Michael als Trainer erfüllen kann.“ Für ihn spiele dabei auch keine Rolle, dass Oenning in elf Spielen beim HSV (saisonübergreifend) nur einen Sieg feiern konnte. Im Gegenteil, Arnesen schiebt die Problematik in den nicht mehr greifbaren Raum. „Nach dem Spiel habe ich in der Kabine gemerkt, dass die Spieler sauer waren. Richtig sauer auf sich selbst. Und jetzt müssen wir Eier haben und den Ärger umformen in Vertrauen und Willen. Jetzt muss jeder Spieler Stolz und Ehre entwickeln, weil er weiß, dass er es besser kann.“

Denn bislang sei der Leistungsstand noch nicht abrufbar, „wir wissen noch immer nicht, wo wir stehen“, so Arnesen. „Aber wir wissen, dass wir besser sind. Und wir wissen auch, dass wir schon bald besser werden.“

Viele Worte, viele Durchhalteparolen und noch mehr Konjunktive. Ich kann nur hoffen, dass Arnesen mit seiner Prognose Recht hat. Alles andere wäre allerdings auch fatal.

In diesem Sinne,
bis morgen!

Scholle (18.45 Uhr)

Kurz notiert:

Während die Stammelf einen knapp 60-Minuten langen Lauf im Volkspark absolvierte, trainierten die Reservisten auf dem Platz. Mladen Petric absolvierte zusammen mit der Startelf aus dem Bayern-Spiel die Laufeinheit und soll am Dienstag um 10 und 15 Uhr aber ebenso wieder mit der Mannschaft trainieren, wie Änis Ben-Hatira heute schon. Weiter ausfallen wird Tolgay Arslan, der seine hartnäckige Knochenprellung im Knöchel am Rande des Bayern-Spiels von FC-Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ. Ohne neuen Befund. Wann der Offensivmann wieder voll mittrainieren kann, ist offen.

Das Transferkarussell nimmt Fahrt auf

20. Juni 2011

Sie lieben ihn alle. Was mich und viele von Euch mit Sicherheit nicht verwundert. Aber ich wollte es hier mal anbringen, weil sich mein Kollege Reinhard Franke von der Münchner „AZ“ so euphorisch bei mir bedankte. Zum einen, weil wir in der Zeit, wo Collos Wechsel bekannt wurde, gut zusammengearbeitet haben. Zum anderen aber, weil Collo jetzt Münchener ist. Er hat sich bei mir quasi stellvertretend für das „Ziehenlassen“ bedankt. „Ein sensationeller Typ“, schwärmt Franke, „einen so netten Kerl hatten wir hier lange nicht mehr.“ Und da Collin nachweislich auch ein guter (für die Zweite Liga allemal ein sehr guter!) Spieler ist, passt bei 1860 München alles.

Schon als Collin um 9.15 Uhr zusammen mit seinem alten HSV- und neuen 1860-Kameraden Benny Lauth das Trainingsgelände betrat, warteten die Fans, die zum Trainingsauftakt des aufstrebenden Zweitligisten gekommen waren. Sie mussten sich allerdings zuerst noch gedulden, denn vor dem ersten Training der neuen Saison musste Collo noch seinen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr unterschreiben. Als das erledigt war, ging es für den ehemaligen Publikumsliebling des HSV gleich in die Vollen: 1860-Trainer Reiner Maurer hatte Zirkeltraining angesetzt. Und er zeigte sich begeistert vom Transfer des 32-Jährigen. „Collin ist vielseitig einsetzbar und hat in der Bundesliga wie international schon eine Menge Erfahrungen sammeln können. Er ist die ideale Ergänzung für unser junges Team.“ Wobei Maurer „Ergänzung“ nicht mit „Reserve“, sondern mit „passend zum Rest“ verstanden wissen will.

Nun ist er also weg. Und ich freue mich für Collo, weil er sich – wie viele andere Ex-HSVer auch, klar! – hier acht jahrelang tadellos verhalten hat. Und wenn es etwas Gerechtigkeit in dem sonst so skrupel- und herzlosen Profigeschäft gibt, dann die, dass Collo einen guten Verein gefunden hat und hoffentlich noch ein, zwei schöne und erfolgreiche Jahre als Spieler absolviert. Und darauf deutet im Moment alles hin.

Hinweise auf einen möglichen Vereinswechsel gab und gibt es bei Eljero Elia naturgemäß immer. Der Niederländer wird aktuell dem Vernehmen nach von Chelsea und Juventus Turin umworben. Als mögliche Ablösesummen lassen die italienischen wie englischen Berichte (Internet und Tageszeitungen) 15 Millionen Euro verlauten. Eine Summe, die für den HSV verführerisch ist, die aber meines Erachtens nach nicht annähernd ausreicht. Wenn ich höre, dass Chelski für rund 30 Millionen Euro gerade Alexis Sanchez verpflichtet hat, kann ein mögliches Angebot – beim HSV will noch niemand etwas aus England gehört haben – für einen Vizeweltmeister über gerademal die Hälfte der Sanchez-Summe nicht mehr als ein schlechter Witz sein.

Wer Sanchez ist? Eine berechtigte Frage. Sanchez ist ein 22-Jähriger Außenstürmer, der auch bei Inter Mailand auf dem Zettel stand, für die allerdings zu teuer war. Und Sanchez gilt ob seiner noch jungen 22 Lenze als Toptalent. Als einer, der seinen großen Tag erst noch vor sich hat.

Ebenso Elia. Hoffe ich jedenfalls. Denn wirklich große Tage durfte einer unserer größten Hoffnungsträger bislang nur in der niederländischen Nationalelf feiern. Aber, und davon bin ich weiterhin überzeugt, hat Elia etwas Seltenes, das gewisse Extra. Eben das Außergewöhnliche, das ihn vom durchschnittlich starken Fußballer abhebt: er kann Spiele durch individuelle Aktionen in jedem Moment allein entscheiden. Und diese Qualität kostet in der Regel weit mehr als 15 Millionen Euro. Zumindest dann, wenn derart potente Klubs wie Chelsea oder auch Juve anklopfen…

Dennoch, noch ist nichts passiert. Michael Oenning plant den Saisonauftakt ohne weiteren prominenten Abgang mit Eljero Elia. Zumal Chelsea jetzt gerade anfängt, richtig einzukaufen und noch nicht einmal klar ist, wer neuer Trainer wird. Zwar ist der Porto-Trainer André Villas-Boas der Top-Kandiadat – allein Einigung konnte bislang noch nicht erzielt werden. Und demnach stehen noch sehr viele Kandidaten auf Ambramowitschs Zettel, von denen sich der Neue die seiner Meinung nach Geeignetsten aussuchen wird.

Übrigens, und das nur mal so am Rande erwähnt, weil bei meinen Elia-Recherchen gehört: Sicher ist, dass Didier Drogba Chelsea trotz Vertrages bis 2012 verlassen soll. Allein sein Brutto-Gehalt von geschätzten 15 Millionen Pfund schreckte bislang alle Interessenten ab. Bis jetzt Paris Saint Germain Interesse an dem 33-Jährigen bekundete. Dort soll Leonardo neuer Trainer bei Paris werden. PSG hatte zuletzt eine Investorengruppe aus Katar als Geldgeber gewinnen können und bläst jetzt zum großen Angriff. Zudem soll Chelsea bereit sein, den Ivorer ablösefrei ziehen zu lassen, um ihn so von der Gehaltsliste zu bekommen.

Also: Chelsea darf nicht ausgeschlossen werden, ist aber alemal unbestätigt. Und Juve ist wahrscheinlich der Klub auf der Welt ist, der als einziger in jeder Wechselperiode an bislang allen Aktiven auf diesem Fußballplaneten dran war. Zumindest wenn man den seriösen italienischen Zeitungsberichten glauben darf…

Nein, in Hamburg ist man berechtigterweise noch ganz ruhig. Zwar wird Guy Demel aller Voraussicht nach am Sonnabend in Hamburg eintreffen und am Sonntag mittrainieren, allerdings hat sich nichts an der gemeinsamen Meinung von Klub und Spieler geändert, wonach er gehen darf/soll/wird.

Gleiches gilt Jonathan Poitroipa. Bis auf das „soll“. Der Burkinabe steht weiter kurz vor seinem Transfer zu Stade Rennes. Obgleich sich jetzt noch ein spanischer Klub gemeldet hat. Ich habe versprochen, den Namen nicht zu schreiben, was allerdings auch nicht ganz so schlimm ist, weil die Franzosen, die ihr Angebot auf fünf Millionen Euro Ablösesumme anheben wollen, weiterhin als Wunschverein Pitroipas und demnach als Topfavorit auf eine Verpflichtung des pfeilschnellen Außen gelten.

Und der HSV? Ob es neue Namen gibt? Leider keine bestätigten. Auch Jermaine Jenas von den Tottenham Hotspurs will vom HSV niemand offiziell bestätigen. Zwar berichtet das englische Blatt „People“, dass neben dem FC Fulham und Galatasaray Istanbul der HSV in Person von Frank Arnesen bei dem 28-jährigen zentralen Mittelfeldspieler mit Vertrag bis 2013 angeklopft hat. Der 21-malige englische Nationalspieler ist bei den Spurs im zentralen Mittelfeld lediglich Ersatz und soll für acht Millionen Euro gehen können. Ein Betrag, den der HSV – einen Pitroipa-Verkauf vorausgesetzt – stemmen könnte. Zumal der Transfer von David Rozehnal in Frankreich schon als perfekt und in Hamburg als fast sicher bestätigt wurde und auch Alex Silva in den nächsten Tagen verkauft werden soll. Und obwohl brasilianische Zeitungen von einem Besuch Juan Figers bei Arnesen für morgen berichten und dies vom HSV dementiert wird, gilt der Transfer von Silva als unverändert höchstwahrscheinlich.

Alles Transfers, die Arnesen noch zögern lassen, in welcher Preisklasse er für das offensive Mittelfeld einkaufen kann/darf/will. Und by the way, einen zentralen Mann von den Spurs zu holen, der dort unter anderem von einem EX-HSVer namens Rafal van der Vaart verdrängt wurde, wäre zumindest nominell zumindest anfänglich etwas seltsam, wünschen sich doch hier (fast) alle nichts sehnlicher als das Original zurück…

In diesem Sinne, es wird noch viel passieren, das scheint klar. Und das ist für mich bis auf weiteres erst einmal eine gute Nachricht.

Euch allen einen schönen Abend und bis Mittwoch (morgen ist Dieter da),

Scholle

19 Uhr

Arnesen im Gespräch: “Wir müssen intelligenter sein”

23. Februar 2011

++++++So, dann waren wir doch etwas schneller durch, als gedacht. Ich hoffe, es stört niemanden ;-)+++++++

Der Trouble schien Morten Nissen nicht wirklich geheuer zu sein. Eigentlich hatte der Organisator des Wirtschaftsvereins „Boblernes Ehrverv Support“ eine sehr informative, aber auch im sehr überschaubaren Kreis gehaltene Info-Veranstaltung erwartet. „Wir planen solche Veranstaltungen für unsere Partner alle zwei, drei Jahre. Zuletzt war Flemming Ostergaard, Präsident des FC Kopenhagen Gastredner. Da war es ruhig.“ Im Gegensatz zur diesjährigen Veranstaltung, zu der niemand geringeres als Frank Arnesen eingeladen wurde. „Dass er dann so kurz vor der Veranstaltung für den HSV verpflichtet wurde, konnten wir zuerst gar nicht glauben.“ Aber es wertete die Veranstaltung, zu der nach der PK noch 450 honorige Geschäftsleute in das Hotel Comwell in Sonderborg geladen waren, deutlich auf.

Das wiederum lag an dem durchaus imponierenden Auftreten Arnesens. Der dänische Sportchef des FC Chelsea und designierte Sportliche Leiter des HSV zeigte sich völlig entspannt. Adrett im dunkelblauen Anzug und mit einer dunkelblau-schwarzen Krawatte gekleidet, stellte er sich uns sogar noch vor Beginn der Veranstaltung. Wir wollten wissen, ob er inzwischen Kontakt zu HSV-Trainer Armin Veh aufgenommen hat. „Nein“, so die kurze Antwort, „ich möchte die in Hamburg arbeitenden Leute nicht unnötig beunruhigen. Ich habe noch einen Vertrag bis zum 30. Juni beim FC Chelsea. Ich habe ein gutes Verhältnis zu den Leuten dort, insbesondere zu Roman Abramowitsch.“ Dies wolle er nicht mit despektierlichem Verhalten gefährden.

Arnesen hat Stil. Nicht nur bei der Kleidungswahl. Wird der dänische Ex-Nationalspieler (sang übrigens das WM-Lied „vi er roede, vi er vide“ der Dänen bei der WM 1986 in Mexiko) gefragt, antwortet er der Person, ohne sie dabei aus dem Blick zu verlieren. Und er antwortet lang, sehr ausführlich. Den dänischen Kollegen erklärte er ausführlich, warum sein FC Chelsea am Dienstag gegen den FC Kopenhagen gewonnen hatte. Und er erklärte, was ihn zu einem Wechsel von einem Milliardenklub wie dem FC Chelsea nach Hamburg zum HSV bewegen konnte. „Finanziell wird es wohl ein bisschen anders“, lachte Arnesen und fügte hinzu: „Ich habe zehn Jahre lang beim PSV Eindhoven gearbeitet, wo wir finanzielle ähnlich situiert waren. Damals mussten wir einfach investigativer arbeiten, intelligenter sein als andere. Und das ist eine riesige Herausforderung. Auch dann beim HSV.“

Dann beim HSV. Arnesen ließ keine Gelegenheit aus, deutlich zu machen, dass er erst ab Juli für den HSV aktiv wird. Wer jetzt die nötigen Entscheidungen trifft? Immerhin 20 Spieler- und ein Trainervertrag gilt es zu verlängern oder eben zu beenden. „Ich bin zu 100 Prozent für Chelsea unterwegs und habe den HSV im Hinterkopf. Ich telefoniere sicherlich auch mit Hamburg. Aber Hamburg hat bislang immer wieder ohne Frank Arnesen funktioniert – und das wird der Klub auch in dieser kurzen Zeit schaffen.“

Selbst die Stadt kennt Arnesen nach eigener Aussage nur von dem kurzen Testspieltrip des FC im Sommer. „Aber mein Freund Sören Lerby hat mir sehr viel über die Stadt erzählt. Meine Frau liebt London. Da ist es kein riesiger Schritt gewesen, sie zu überzeugen.“ Insgesamt sieht Arnesen sogar in dem Umfeld des HSV dessen größtes Kapital. „Wir müssen einen guten Plan haben, um gute Leute zu bekommen. Dabei können wir – ähnlich wie im schönen Londoner Stadtteil Chelsea – mit einer tollen Stadt und einem sehr schönen Wohnumfeld punkten. Dazu das Stadion – das ist fantastisch. Und die Fans sind es auch. Wir haben einen Zuschauerschnitt von 55000 und eine Top-Mannschaft.“

Zudem sei der sportliche Reiz der Bundesliga für ihn ein ganz wichtiges Argument gewesen. „Das alles ist mit Englischen Verhältnissen gleichzusetzen. Deutschland hat zusammen mit England die beste Infrastruktur für Fußball. Spätestens seit der WM 2006 und den Bau der tollen Stadien.“ Nach dem Scherz, dass Deutschland nach Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Spanien und England eines der letzten Länder sei, in dem er noch nicht gearbeitet habe, lobt er die sportliche Qualität: „In der Bundesliga spielen immer gleich zehn bis zwölf Klubs um die Spitze, das macht den Wettbewerb besonders spannen. Wie spannend erkennt man schon daran, dass in den letzten Jahren Wolfsburg, Stuttgart, Bayern München und aktuell der BVB ganz oben stehen. In den anderen großen Ligen wie England sind es drei, vier Teams, die um den Titel spielen. In Deutschland ist das immer ziemlich offen.“

Dass es trotz lukrativer Angeote von Real Madrid und Scheichklub Manchester City letztlich der HSV wurde, für den sich Arnesen entschied, erklärt der vierfache Vater auch mit der großen Vergangenheit. In seiner aktiven Zeit bei Ajax Amsterdam erlebte er die erfolgreichste Ära der Hamburger. Und er war begeistert: „Namen wie Kaltz, Hrubesch, Magath und Kevin Keegan waren damals riesig. Der HSV stand zweimal im internationalen Endspiel. Der HSV war immer ein ganz großer Verein. Und jetzt müssen wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass wir wieder das Beste erreichen.“ Wobei Arnesen insbesondere den Teamgeistgedanken hervorhebt. „Wir müssen alle zusammenarbeiten, anders gibt es keinen Erfolg. Jetzt müssen wir alle wider dafür sorgen, aus diesem Verein wieder etwas Großes zu machen. Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Nachwuchsbereich und im Scouting. Ich erwarte von meinem Mitarbeiterstab Zusammenhalt, dass alle für die gemeinsame Sache auftreten.“ Dass der in Titeln gerechnet schon eine ziemlich lange Zeit beim HSV ausgeblieben ist, stört Arnesen nicht – es motiviert ihn: „Ich kann mich durch Niederlagen richtig gut entwickeln, weil ich da vor Augen geführt bekomme, was ich alles falsch und dementsprechend besser machen muss. Und das gilt auch für jeden einzelnen im Klub.“ Arnesens Arbeitsmotto: „Mit Emotion dabei sein, aber niemals aus einer Emotion heraus entscheiden.“

Wie genau er das beim HSV umsetzen will und welche seine erste Baustelle sei, wollte Arnesen nicht beantworten. Er könne es auch gar nicht. Stichwort Chelsea, Vertrag und so… Sein Ziel sei es, ein gutes Team auf und neben dem Platz aufzustellen. Dass es passieren könnte, dass sein Mentor und Fürsprecher im Klub, Vorstandsboss Bernd Hoffmann, über dessen Verbleib in den nächsten Monaten vom Aufsichtsrat entschieden wird, dann schon nicht mehr zum Team gehört, wollte Arnesen nicht kommentieren. „Das ist Sache des Klubs.“

Und der trainierte heute. Wie Ihr Euch sicher denken könnt, war ich durch meinen Dänemark-Trip nicht am Stadion. Aber, mein Abendblatt-Kollege Florian Heil sowie Benno Hafas konnten mir einige Eindrücke schildern. So ließ Trainer Armin Veh einem kurzen Aufwärmprogramm mit Kreisspiel ein langes Spiel über den kompletten Platz folgen. Elf gegen elf. Und A- gegen B-Elf, wobei Jansen gegenüber dem Bremen-Spiel Heung Min Son ersetzte. Endergebnis: 6:0! Für die A-Elf. Mladen Petric und Paolo Guerrero doppelt sowie Jansen und Zé Roberto trafen in einer höchst einseitigen Partie. Dabei hatte die B-Elf absolut keine Chance. Auffällig schwach hierbei: Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer befindet sich noch immer in einem Formtief.

Ebenfalls auffällig war heute David Jarolim. Nachdem sich der Tscheche über einen Zweikampf, den der frustrierte Mittelfeldspieler im Gegensatz zum Trainer als Foul wertete, bei eben selbigem beschwerte, platzte es aus Veh heraus: „Wenn das hier so weitergeht, ist hier gleich Feierabend.“ Worte, die an Jarolim gerichtet waren, für alle gelten sollten und symptomatisch für Vehs Stimmung. Die ist trotz des 4:0 im Derby gegen Bremen (Arnesen: „Das war doch schon richtig gut“) diplomatisch gesagt bescheiden. Ich bi n gespannt, ob der Trainer, der für die nahe Zukunft ein klares Statement seinerseits angekündigt hat, vielleicht schon heute in der turnusmäßigen Pressekonferenz des HSV (wird auch hier wieder in kompletter Länge zu sehen sein) zu seiner Zukunft äußert. Nicht wenige rechnen weiterhin damit, dass er trotz der Ankündigungen von Noch-Sportchef Bastian Reinhardt, im März würde eine Entscheidung fallen, dem Ganzen vorgreift.

In diesem Sinne, se dig i morgen! Bis morgen!

20.30 Uhr

Euer Scholle

P.S.: Trainiert wird morgen um 15 Uhr an der Imtech-Arena.

So’n Schiet: Sons Fußbruch

5. August 2010

Son Pech kann man eigentlich gar nicht haben. Gestern der lachende Held, heute der traurige Pechvogel. Heung Min Son ist die erste tragische Figur des HSV in dieser gerade erst angelaufenen Saison. Gestern gegen Chelsea war der Südkoreaner der Strahlemann des Abends. Sein Treffer kurz vor Schluss sorgte für Jubelstürme auf den Rängen. „Son hat Spaß und bereitet Freude“, urteilte Trainer Armin Veh. Im Nachhinein hätte er auf den Zehn-Minuten-Einsatz des Stürmers wahrscheinlich lieber verzichtet. Denn kurz nach seinem Tor geriet Son in der Chelsea-Hälfte in einen unglücklichen Zweikampf, bei dem ihm ein Londoner Profi auf den Fuß trat. Son versuchte anschließend normal weiterzulaufen, humpelte ein bisschen, beim Abpfiff Minuten später konnte er aber nicht mal mehr auftreten. Und heute Morgen folgte bei einer Computertomographie die erschütternde Gewissheit einer wirklich schweren Verletzung: Mittelfußbruch.

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie oft ich heute schon den Kopf geschüttelt habe wegen dieser Nachricht. Das kann, das darf es doch gar nicht geben. Warum muss ausgerechnet so einem positiv-frischen, jungen Hoffnungsschimmer wie Son so ein Missgeschick widerfahren? Es ist echt zum Heulen. Armin Veh wirkte noch am ehesten gefasst: „Da sieht man, wie schnell es im Fußball zugehen kann. Diese Verletzung und die dazugehörige Pause sind bitter, vor allem für den Jungen selbst.“

Das Mitleid der Kollegen und Verantwortlichen ist dem ehrgeizigen Asiaten sicher. David Jarolim sprach dem jungen Kollegen Mut zu, viele andere taten es ihm gleich. Dass Son laut Trainer Veh dennoch „extrem traurig ist, weil diese Zwangspause so weh tut“, ist wohl mehr als verständlich. Morgen schon soll sein lädierter Fuß operiert werden, so dass Son dann möglichst schnell mit der Rehabilitation beginnen kann. Experten rechnen bei einem Mittelfußbruch mit einer Zwangspause von sieben bis acht Wochen. „Wir wollen mal schauen, wie die Heilung bei ihm verläuft“, sagt Veh. Sportchef Bastian Reinhardt, der sich dem Pechvogel in einem persönlichen Gespräch widmete und ihn bestärkte, dass er nach seiner Rückkehr wieder in die jüngste Position im Profikader zurückkehren werde, nahm dem Jungspund auch mögliche Ängste einer Langzeitpause: „Er wird es in der Aufbauphase nach der OP viel leichter haben als ich. Schließlich ist er um einiges leichter und jünger!“ Reinhardt hatte ein Mittelfußbuch fast ein Jahr lang außer Gefecht gesetzt.

Unter den Fans des HSV sprach sich das Ausmaß der Verletzung Sons rasend schnell herum. Die ersten Genesungswünsche erreichten das Juwel bereits unmittelbar vorm Mannschaftsfototermin, der heute Mittag war. Ich bleibe dabei: Sollte der Heilungsprozess optimal verlaufen, hat dieser junge Mann eine tolle Perspektive beim HSV. Er verkörpert nämlich das, was man sich als Hamburger so sehr und leider oft auch vergeblich von Nachwuchshoffnungen wünscht: Mut, Ehrgeiz, Bescheidenheit, Geduld und jede Menge Unbekümmertheit, das alles natürlich gepaart mit einem gehörigen Anteil Talent und fußballerischer Qualität.

So bitter diese Nachricht auch ist, so schnell geht es in der Vorbereitung dennoch weiter. Trübsal blasen ist nicht. Und für einen Hamburger Profi hat sich die persönliche Lage aufgrund der Verletzung sogar verbessert, auch wenn er gar nichts dafür kann: Eric Maxim Choupo-Moting. Hatte Veh dem Kameruner zuletzt noch freigestellt, ob er sich für oder gegen einen Verbleib beim HSV aussprechen würde, dürfte die Abgabebereitschaft des HSV nun deutlich gesunken sein. Hinter Ruud van Nistelrooy, Mladen Petric und Paolo Guerrero, die heute übrigens mit den anderen Stammkräften zur Regeneration eine Mountainbike-Tour durch den Volkspark machten, ist „Choupo“ nun Stürmer Nummer vier. Geduld muss er trotzdem beweisen, aber der eine oder andere Kurzeinsatz dürfte dem Mann aus Altona gewiss sein.

Bei so vielen Schlechtwetter-Nachrichten bin ich froh, dass ich auch noch etwas Erfreuliches vermelden darf. Armin Veh hatte nämlich ein Telefonat mit Bundestrainer Joachim Löw. Das ist an sich noch nicht positiv, aber der Inhalt ist es schon. Genauso wie Löw den Bayern mitteilte, dass er für das Länderspiel am 11. August in Dänemark maximal zwei Profis nominieren werde (Kroos und Gomez), versprach er dies auch dem HSV-Coach. Demnach wird außer Piotr Trochowski kein weiterer Akteur mit nach Kopenhagen genommen. „Ich freue mich über diese Geste“, sagte Veh. Sie zeuge auch dafür, dass der Bundestrainer die Lage der Bundesligavereine verstehe und respektiere.

Vehs in Hamburg ist weiterhin mit einigen personellen Fragezeichen versehen. Ich rechne mittlerweile damit, dass Zé Roberto im DFB-Pokal und im ersten Ligaspiel gegen Schalke als Linksverteidiger auflaufen wird, da Dennis Aogo sich noch immer mit Problemen am Ischiasnerv herumplagt. Defensiv gibt es dann noch einiges an Verschiebepotenzial: mit Westermann und Mathijsen in der Innenverteidigung, mit Demel oder Diekmeier rechts hinten, mit Jarolim und Kacar als Sechser, vielleicht aber auch mit Tesche oder Rincon. Nur in der „Abteilung Attacke“ gibt es einige, nein, nach den Eindrücken des Chelsea-Spiels, erhebliche Bedenken. Will Veh Mladen Petric wirklich über rechts agieren lassen, wo der Kroate offensichtlich nicht ins Spiel findet, keine Tempo-Macher-Eigenschaften hat und so berechenbar ist? Sucht der Trainer krampfhaft nach einem Weg, mit Petric UND van Nistelrooy aufzulaufen? Und was ist mit Paolo Guerrero. Dessen Zehner-Rolle könnte Petric ja auch spielen. Und so zaghaft, tempo- und ideenarm wie gegen die Engländer würde er sie gewiss im Nu auch spielen können, eben nur mit besserer Chance und Lage zum Abschluss.

Veh läutet die Feinjustierung jetzt ein. Tag für Tag werden nun mehr Mosaiksteine zusammengesetzt, um die beste Mannschaft ins Rennen zu schicken. Nach meinem Empfinden wird die Frage irgendwann lauten: mit Petric ODER van Nistelrooy in der Startelf? Noch ist es aber nicht soweit. Vielleicht geben die nächsten Einheiten ja Aufschluss. Dann bin ich auch nicht mehr so schockiert von Sons Verletzung. Son Schiet muss man ja nicht noch mal haben in dieser Serie.

PS: Morgen ist ein besonderer Tag für unseren Blog. Er wird dann ein Jahr alt. Zur Einstimmung möchte ich heute um Mitternacht einen Beitrag freischalten, dem möglichst viele persönliche Kommentare von Euch mit Erlebnissen rund um dieses HSV-Portal folgen sollen. Ein bisschen nach dem Motto: Das macht den “Matz ab”-Blog so einzigartig und besuchenswert. Negative Eindrücke sind natürlich auch willkommen. Aber geht behutsam damit um, Einjährige sind meist noch sehr sensibel…nein, Spaß beiseite. Ich würde mich über eine rege Teilnahme sehr freuen und werde den Geburtstagseintrag eröffnen. Bis dann.

15:30 Uhr

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