Archiv für das Tag 'Chelsea'

Van der Vaart: “Ich habe das Gefühl, ich treffe in Hannover wieder…”

20. Februar 2013

Kennt Ihr das? Ihr wollt etwas fragen – traut Euch aber die Frage nicht, weil es Euch dem Gast gegenüber unangenehm ist. Noch schlimmer: Schon der Fakt, diese Frage überhaupt stellen zu wollen, ist Euch selbst unangenehm. So ähnlich ging es mir heute bei Rafael van der Vaart. Der Niederländer saß uns Fragenden gegenüber und sprach über die Wichtigkeit des Hannover-Spiels und seines Tores für ihn. Und ich wollte wissen, wie sehr ihn der Hype um seine Kurzzeittrennung von seiner Frau genervt und gestört hat. Allerdings bedürfte das einer Frage über sein Privatleben – und sowas ist so gar nicht mein Ding. Es interessiert mich auch tatsächlich nicht im Zusammenhang mit Fußball.

Aber egal wie, ich habe gefragt. Allerdings anders. So zurückhaltend, dass ich mir die Frage mir selbst gegenüber rechtfertigen konnte. Eben gut verpackt, wie ich finde. Zumindest konnte Rafael den privaten Anteil problemlos selbst dosieren. Ob er sich darüber freut, endlich nur sportliche Nachrichten zu produzieren bzw. über sich lesen zu können, war die eine Frage. Und ob er für seine Leistungsfähigkeit einen Unterscheid spürt im Gegensatz zur Trennungsphase Anfang Januar? Zwei Fragen, die Medienprofi van der Vaart mit seiner gewohnt charmanten Art abarbeitete. „Natürlich war es wichtig für mich, mal wieder gut zu spielen. Und zuletzt, auch dank des Tores gegen Gladbach, war es schon besser. Und solche Tore schießt man nur, wenn man auch privat Ruhe hat. Die private Ruhe ist sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt wieder frei.“ Hat man gesehen, wie ich finde. Schon beim Jubel – aber das hatten wir gestern ja schon…

Van der Vaart ist das Alphatier beim HSV in Sachen Selbstvertrauen. Als Fink gestern davon sprach, dass sich die Mannschaft eine andere Außenwirkung erarbeitet habe, dachte er mit Sicherheit auch an van der Vaart und dessen Wirkung auf die Mannschaft. Ein Rene Adler ist dabei sicherlich ähnlich einflussreich – aber van der Vaart ist derjenige auf dem Platz, an dem sich die meisten Spieler hochziehen. Er ist der Weltstar, der den Unterschied machen kann – wie mit seinem Traumtor gegen Gladbach. Und er ist auch der einzige, der öffentlich von Europa sprechen darf.

Aber genau das macht er nicht. Im Gegenteil, auch hundert Nachfragen verführen van der Vaart nicht zu leichtsinnigen Aussagen. Die Nummer 23 des HSV warnt stattdessen vor zu früher Zufriedenheit und appelliert an seine Mitspieler. „Hannover ist eine starke Mannschaft, das wird ganz schwer. Aber wir sind auch stark. Und das wissen die Gegner.“ Immerhin sei der HSV immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Und defensiv würde hervorragend gearbeitet. Eine gute Kombination. „Allein das verunsichert den Gegner nicht selten.“

Mit Folgen. Tabellarisch verbessert sich der HSV Woche für Woche. Und anstatt Häme werden Rudnevs, Son, Jansen und Co. Respekt entgegengebracht. Sagt van der Vaart. „Am Anfang haben die Gegner über uns gelacht, wenn wir angekommen sind. Das machen sie jetzt nicht mehr. Das merken wir.“ Schon anhand der gegnerischen Taktiken erkenne man das. Kein Gegner würde mehr auf Teufel komm raus den HSV unter Druck setzen wollen. Im Gegenteil, die Gegner sind vorsichtig geworden. Van der Vaart: „Alle versuchen erst mal, kompakt zu stehen. Weil wir immer gefährlich sind, weil wir Selbstvertrauen haben. Wir sind inzwischen einfach extrem schwer zu schlagen. Das wissen die.“ Ob Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 aktuell einen Entwicklungsschritt weiter ist? „Nein“, sagt van der Vaart, „das ist nur eine Momentaufnahme. Der HSV ist so groß, das dreht sich in wenigen Sekunden.“

Van der Vaart ist auch die Vormachtstellung im Norden egal. „Wenn wir Dritter und die Zweiter sind, wäre mir das egal“, so der Linksfuß, der dem Nordderby am Sonnabend deshalb auch keine besondere Wichtigkeit beimisst. „Für die Fans ist es sicher was Großes, und den einen oder anderen Spieler motiviert es zusätzlich. Aber am Ende ist es ein Punktspiel. Und wir brauchen einfach die Punkte.“

Und dafür wiederum braucht der HSV Tore. Von van der Vaart – oder eben von den anderen. Zuletzt hatte sich Artjoms Rudnevs diesbezüglich ebenso hervorgetan wie Heung Min Son. Allerdings entstand nur um den Südkoreaner ein ungeahnter Wirbel. Arsenal, Liverpool, Tottenham, Chelsea – eigentlich alle Premier-League-Klubs und überhaupt alle Vereine dieser Welt – wollen Son. Zehn, 15, sogar 20 Millionen Euro Ablösesummen werden gespielt. Und mittendrin versucht HSV-Sportchef Frank Arnesen, den Südkoreaner längerfristig an den finanziell klammen HSV zu binden. Allerdings mit guten Aussichten auf Erfolg, wie Trainerteam und Vorstand gleichermaßen betonen. Und auch van der Vaart – den Son zuletzt als „mein Vorbild“ bezeichnete – ist guter Dinge. „Sonni macht das ganze Theater nicht unruhig. Er ist für uns überragend. Und ich glaube, dass er sich bei uns auch sehr wohlfühlt.“

Van der Vaart selbst will sich in den nächsten Tagen auch mal mit dem Angreifer unterhalten. „Eigentlich halte ich mich da raus“, sagt van der Vaart, „aber ich werde ihm sagen, dass es besser ist, noch zu bleiben. Und das nicht für uns als HSV, sondern für ihn.“ Hier in Hamburg habe Son beste Entwicklungschancen, während der Schritt zu einem europäischen Topklub gleichbedeutend mit weniger Einsatzzeiten und mehr Bankzeiten sein könnte. „Sonni ist jetzt 20 Jahre alt und spielt seine erste sehr gute Saison“, sagt van der Vaart und rät seinem Angreifer, „da muss er nicht gleich nervös werden. Es wäre gut für ihn, wenn er noch ein paar Saisons hier spielt.“

Das wäre es auch für den HSV. Obgleich die durchgesickerte Zusage Lewandowskis mit den Bayern – für mich der logische Schritt eines überragenden Bundesligastürmers – den Stürmermarkt innerhalb der Bundesliga noch mal wachrüttelte. Der Dortmunder wechselt wohl an die Isar und der BVB muss sich Ersatz suchen. Ob Son das sein kann? Bislang ist darüber nichts bekannt, aber es würde zu Klopp passen, statt eines fertigen Superstars sich ein Talent der Kategorie Son zu holen. Insgesamt glaube ich, dass sich auch die Bundesliga immer weiter hin zum spanischen Modell ohne reinen Stürmer entwickeln wird. Technisch versierte Offensivspieler wie Götze, Lewandowski oder auch Son werden gesucht – und auch das macht Son für den HSV noch wertvoller. Ob Son sich bei van der Vaart mal erkundigt hat nach der Premier League oder im Speziellen Tottenham? „Nein“, so der Niederländer, „und ich glaube auch nicht, dass er das machen wird. Im Gegenteil: Ich habe nicht das Gefühl, dass Sonni gehen will.“

Und wer ist als Orakel besser geeignet als der Mann, der seine ersten Treffer nach einer langen Durststrecke richtig ankündigte? Richtig – niemand! Deshalb musste heute natürlich auch die Frage folgen, was der HSV-Star für das bevorstehende Nordderby orakelt. Und wir wurden nicht enttäuscht: „Mein Gefühl sagt mir“, so van der Vaart, „dass ich wieder treffen werde!“

Klingt super, oder?! Und sollte van der Vaart seine sportlichen Leistungen jetzt noch dem Klang seiner Vorhersagen anpassen – dem HSV wäre doppelt und dreifach geholfen…

In diesem Sinne, morgen wird wieder trainiert. Mit Rene Adler und Slobodan Rajkovic, die auch heute schon problemlos mitwirken konnten und gegen Hannover dabei sein werden. Auch das klingt gut…

Bis morgen,
Scholle

HSV macht EM-Pause – Kontrolleure beraten über Adler-Transfer

7. Mai 2012

Da wird er heute sicher den einen oder anderen Drink mehr zu sich nehmen. Zum einen aus Frust über die Nichtnominierung von Bundestrainer Joachim Löw, zum anderen auch, weil er ab heute (Quasi-)Urlaub hat. Die Testkicks beim SV Drochtersen/Assel (Freitag), den gegen Stuttgart (Sonntag) und beim Lüneburger SK (15. Mai) mal ausgenommen. Aber zumindest muss er sich nicht mehr auf ein Endturnier vorbereiten. Für das er topfit sein muss. Statt seiner reist der 24-jährige Marcel Schmelzer mit in die Ukraine und Polen. Eine Entscheidung, von der Aogo heute nicht überrascht wurde – er hatte sie bereits gestern vom Bundestrainer persönlich via Telefon mitgeteilt bekommen.

Es sei eine Entscheidung für Schmelzer gewesen umging Löw heute bei der offiziellen Pressekonferenz eine Antwort auf die Frage, warum er sich nicht für Aogo entscheiden habe. Wobei sich die Antwort vergleichsweise leicht herbeiführen lässt. Immerhin ist Schmelzer mit ziemlich konstant guten Leistungen mit seiner Mannschaft Deutscher Meister geworden, während Aogo sich zwar nach eigener und des Trainers Aussage in einer schwierigen Phase super entwickelt habe. Allerdings scheint Löw auf das Selbstvertrauen eines Siegers mehr Wert zu legen, als auf Aogo, der sich heute am Telefon nicht weiter dazu äußern wollte. Bei Sonne und 21 Grad im Schatten auch verständlich. Ich hätte da auch eine ganze Reihe Ideen, was schöner wäre, als über Fußball zu reden…

Wobei Aogo nicht allein ist. Weder auf Malle noch mit seinem Schicksal innerhalb des HSV. Der Bundesliga-Dino macht EM-Pause. Denn neben Aogo spielen auch Marcell Jansen und Heiko Westermann in Löws Planungen keine Rolle. Zudem muss Jeffrey Bruma, vor der Saison noch als DAS Abwehrtalent der Niederlande gerühmt, eine Nichtnominierung seines Bondscoaches Bert van Marwijk verkraften. Und so wenig überraschend das für mich kommt, ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Bruma nicht annähernd so klar war, er trotz seiner insgesamt sicher enttäuschenden Saison bis zuletzt Hoffnungen hatte.

Dennoch bin ich weit davon entfernt, jetzt an dieser Stelle noch mal draufzuhauen und hier Gründe aufzuzählen, weshalb die Entscheidungen so richtig sind. Es ist für einen jungen Sportler mit Sicherheit – egal wie schlecht die vorangegangene Saison auch gelaufen ist – ein mächtig harter Schlag, wenn man letztlich erfährt, nicht dabei zu sein, nachdem jeder bis zur letzten Sekunde gehofft haben dürfte. Dafür ist eine EM einfach ein viel zu großes Ziel, da ist ein Spieler nicht nur realistisch, da darf auch meiner Meinung nach geträumt werden.

Vom HSV – zumindest ziemlich – sicher dabei ist bislang nur Jaroslav Drobny als Ersatzkeeper der Tschechen. Ansonsten könnte noch Marcus Berg auf seinen schwedischen Nationaltrainer hoffen. Ebenso Ivo Ilicevic und Mladen Petric auf Kroatiens Chefcoach Slaven Bilic. Wobei den beiden Kroaten kaum bis keine Chancen zugestanden werden.

Zwei Spieler hätte der HSV somit bei der EM – wenn überhaupt. Mehr werden es voraussichtlich nicht. In diesem Bereich nähert sich der HSV längst überwundenen Zeiten wieder an. 2004 war auch so Turnier. Damals endete es für die Deutschen bereits in der Vorrunde. Gleiches passierte 2000, als zumindest Hans-Jörg Butt bei den Deutschen als dritter Keeper dabei war. Damals war ich auch dabei – als Fan reiste ich mit meinem Vater zum letzten Vorrundenspiel gegen Portugal nach Rotterdam. Das 0:3 war einer der schwärzesten Momente meiner Fußballerzeit als Fan. Ich war unfassbar sauer über den völlig blutleeren Auftritt der DFB-Elf. Meine einzig nette Erinnerung: Nachdem die Deutschen von ihren Fans ausgepfiffen worden waren, marschierten sie teilweise lächelnd in die Kabine – was mich noch saurer machte. Und auch der Trainerstab war schnell vom Platz. Allerdings, einzig der damalige Cotrainer Horst Hrubesch hockte am Ende noch lange nach Schlusspfiff auf der in den Boden eingelassenen Reservebank der Deutsche. Erst 30 Minuten nach seinen Kollegen stand er auf und ich sah, dass er weinte. Auch er hatte offensichtlich nicht verstehen können, wie man als angeblich so stolzer Nationalspieler seines Landes so leidenschaftslos agieren konnte. Und ich glaube, beim HSV hätte er, der ja wirklich kurzzeitig als Trainer ins Gespräch gebracht worden war, in dieser Saison ähnliches auf Vereinsebene erlebt…

Apropos alte HSVer. Ich hatte die Diskussion, welche Identifikationsfigur dem HSV helfen könnte, hier bei Euch weiterverfolgt. Schon allein, weil ich wissen wollte, welcher Ex-HSVer bei Euch am höchsten gehandelt würde. Dass dabei Dietmar Beiersdorfer häufiger genannt wurde, verwunderte mich nicht. Beiersdorfer hat beim HSV (im Verbund mit Hoffmann) einen sehr guten Job gemacht, er ist – das kann ich bestätigen – mit sehr viel Herzblut dabei gewesen. Und er hat den Verein enger zusammengeführt, weil seine manchmal etwas verhaltene Art dem Image des neunmalklugen, arroganten und Millionen verdienenden HSV-Vorstandes komplett widersprach. Und er hatte Erfolg. Der Name Beiersdorfer wurde beim HSV vor einem Jahr sogar kurz mal ins Gespräch gebracht, aber im Aufsichtsrat umgehend von denen, die auch schon bei dessen Freistellung Kontrolleure waren, abgelehnt. Stattdessen kam bekanntermaßen Frank Arnesen.

Und dem obliegt es jetzt, den HSV nach einem verkorksten Jahr wieder in die Spur zu kriegen. „Einige Neue“ sollen kommen, darunter auch der ewig gesuchte kreative Mittelfeldspieler. Zudem sollen den Verein in den nächsten Wochen noch Spieler mit laufenden Verträgen verlassen – und wie im Fall Robert Tesche auch verlassen wollen. Der Mittelfeldspieler soll in einem Gespräch mit Arnesen erklärt haben, mehr Spielpraxis zu brauchen und deshalb den Verein verlassen zu wollen. Hannover 96 war bereits einmal vor 18 Monaten an Tesche interessiert – aktuell dürften es aber eher andere, weniger international orientierte Vereine (aus eventuelle anderen Ligen) sein.

Egal wie, die nächsten Wochen werden zeigen, wohin es mit dem HSV geht. Sich darauf zu verlassen, dass alle Spielerin der kommenden Saison um eine Serie gereifter und entsprechend besser werden, wäre fahrlässig. Auch, sich den kreativen Spieler aus dem vorhandenen Spielermaterial schnitzen zu wollen. Der HSV hat diese Qualität nicht im Kader. Ein Tolgay Arslan kann das nicht, ebenso wenig wie Ivo Ilicevic, Gökhan Töre, Jacopo Sala oder gar Heung Min Son. Auch von Beister, der am Donnerstag zunächst Düsseldorf in die erste Liga schießen soll, kann man in seiner ersten echten Erstligasaison eine solch tragende Rolle nicht erwarten. Nein, hier gilt es, fleißig zu sein. Oder besser: fleißiger und ideenreicher als die Konkurrenz, wie Arnesen selbst seine Vorgehensweise beim Amtsantritt beschrieb.

Aber okay, wir haben heute den 7. Mai, die Saison ist seit zwei Tagen beendet und die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen. Noch bleibt Zeit. Von daher sind auch einige Forderungen von Euch, Dieter und/oder ich müssten uns klar positionieren, was wir vom HSV halten, verfrüht. Noch muss sich niemand festlegen. Wir können bei Arnesen die erste Saison beurteilen. Bei Trainer Thorsten Fink geht das noch weniger, weil er mit dem vorhandenen Potenzial arbeiten musste, ohne vorher Mitspracherecht bei der Kaderzusammenstellung gehabt zu haben.

Nein, bei aller Skepsis, ich hoffe und glaube auch, dass Arnesen erkannt hat, dass die Bundesliga härter ist und mehr verlangt, als ein paar neue Talente. Es reicht nicht, Chelseas dritte Reihe zu holen, dieser HSV braucht Sofortverstärkungen. Eine unfassbar schwierige Aufgabe, angesichts des schmalen Geldbeutels, der ihm vom verein zur Verfügung gestellt wird. Andererseits muss man auch sagen, dass der HSV 2006 noch einen Mannschaftsetat hatte, der halb so hoch war wie der heutige. Insofern hoffe ich, dass Arnesen die ständige Einflechtung von Talenten mit Führungskräften garniert. Mit der Kategorie René Adler könnte er den ersten Schritt in die richtige Richtung machen. Zumindest beschwören das Adlers Wegbegleiter für den Fall, dass der Keeper gesund bleibt.

Nicht beschworen, dafür aber festlegend geäußert hatte sich Vorstandsboss Carl Jarchow zum Thema Adler. Das hakte bislang an dem Verkauf (Weggang) von Jaroslav Drobny. „Wir werden sicher nicht mit zwei hochklassigen und hoch bezahlten Torhütern in die neue Saison gehen.“ Eine Aussage, die er am Sonntag bestätigte: „Aus meiner Sicht werden wir nicht mit zwei hochbezahlten Torhütern in die neue Saison starten“, so der Vorstandschef im NDR-Sportclub. Allerdings sagte sein Vorstandskollege Arnesen parallel, dass der HSV ein Jahr zuvor auch mit Rost und Drobny gut gefahren sei. Der Däne ist anderer Meinung: „Jaroslav hat einen Vertrag, und er hat gut gehalten. Im vergangenen Jahr hatten wir mit Frank Rost und Drobny auch zwei gestandene Torhüter unter Vertrag. Ich sehe da keinen Unterschied.“

Wer Recht hat? Wessen Strategie gefahren wird? Darüber soll morgen der Aufsichtsrat diskutieren. Beim noch als „informelle Aufsichtsratssitzung“ deklarierten Zusammentreffen soll Arnesen ein Weg aufgezeigt werden, unter welchen Bedingungen er Adler endgültig unterschreiben lassen kann.

In der Hoffnung, dass zumindest dieser Transfer endlich und vernünftig abgeschlossen werden kann,

bis morgen!
Scholle

Das Spiel gegen die Unaussprechlichen elektrisiert

15. Februar 2012

So schnell kann es gehen! Das dachten wir uns oben im fünften Stock der Imtech-Arena. Kaum kündigt der HSV verschärfte Maßnahmen gegen Pyrotechnik-Missbrauch im Stadion an, brennt es auch schon in der Imtech-Arena. Zumindest dachte das die Feuerwehr, die um 12.54 Uhr mit vier Wagen und Blaulicht anrückte Allerdings, schon 14 Minuten später rückten alle Löschwagen wieder ab – falscher Alarm. Zum Glück. Richtig heiß wird es eh erst am Sonnabend, wenn der HSV im Block 25A die Kontrollen drastisch verschärft. Und ganz nebenbei: Mit den Unaussprechlichen kommen an dem Tag ausgerechnet die Fans nach Hamburg, die in der Bundesliga am häufigsten Pyrotechnik zünden. Ob es im Gästeblock auch eine derart verschärfte Kontrolle gibt? Nein!

Echter Alarm herrscht allerdings im Hinblick auf das bevorstehende Nordderby. Auf dem Trainingsplatz wurde nach einer kurzen Aufwärmphase so eine Art Völkerball gespielt. Zunächst waren die Nummern ein bis 13 draußen, der Rest innen mit Fitnesscoach Nikola Vidovic – und nach 50 Minuten wurde gewechselt. Wobei ziemlich klar sein dürfte, dass die Jungs in der Kabine von dem Kickboxmeister deutlich härter drangenommen wurden als die Gruppe draußen von Fink und Co. „Das tut schon mal richtig weh“, beschreibt Jansen Vidovic’s Trainingsmethoden, „aber es tut allen gut.“ Und ganz ehrlich: ich habe mit fast allen Spielern mal über den verhältnismäßig neuen Physio gesprochen – und alle sind begeistert.

Das wiederum gilt auch für das wichtigste Ereignis dieser Woche (nach meiner aktiven Rückkehr auf den Trainingsplatz natürlich): für das Nordderby gegen die Nord-Delmenhorster. Die Runde von damals mit den vier Spielen in Folge nervt hier – nicht nur mich. „Das war scheiße“, spricht Jansen Klartext, „da haben wir im DFB-Pokal, das muss man so ehrlich sagen, verdient verloren, weil wir taktisch schlechter waren. Aber in der Europa-League waren wir in beiden Spielen besser und haben unter kuriosen Umständen verloren. Ich erinnere da nur an Michael Gravgaard – zuerst die Papierkugel und dann auch noch das nicht gegebene Tor.“ Das Ligaspiel fiel damals anschließend kaum noch ins Gewicht. Zu groß war die Enttäuschung über das Doppel-Aus in den beiden Cup-Halbfinals. „Schon deshalb ist das Spiel am Sonnabend hier mehr als nur ein Top-Spiel für uns“, verspricht Jansen, „Das ist eine Top-Spiel mit Sternchen. Da haben wir noch was in der Schublade…“ Womit der Linksfuß sagen will, dass sie noch etwas gutzumachen haben.

Gut macht es im Moment die gesamte HSV-Mannschaft im Kollektiv. Wer auch immer sich über das Spiel am Sonntag in Köln geärgert hat, sie/er hat noch zu hohe Ansprüche. Der Satz von Trainer Thorsten Fink „Wir spielen im Moment genau das, was wir können“ ist meiner Meinung nach komplett richtig und alles beschreibend. Solche Siege sind Gold wert, weil sie existenziell sind. Ein 0:0 in Köln hätte Diskussionen aufgeworfen, ganz klar. Das weiß auch Fink. Weil das bei Niederlagen fast immer so ist. Und der HSV-Coach hätte sich trotzdem gestellt, ganz sicher. Allerdings hat der Trainer im Moment nur die Aufgabe, dieser Mannschaft eine gesunde Basis zu verschaffen. Auf dem Platz wie in der Tabelle. Und diese beiden Dinge gelingen ihm sehr gut. Auch in Köln, wo man nicht mehr als drei Punkte mitnehmen konnte. Insofern sollten wir zufrieden sein, wenn der HSV gewinnt, ohne dabei kapitale Schwächen zu offenbaren, die Anlass zur Kritik bieten. Und das hat die Mannschaft nun wirklich nicht.

Aber okay, zurück zum alles beherrschenden Thema: zum Nordderby gegen die Unaussprechlichen. Die haben heute parallel zu unserer Runde mit Paolo Guerrero eine Runde mit Claudio Pizarro angesetzt. Pikant: Den wollte der HSV 2008 verpflichten, als er vom FC Chelsea zurück in die Bundesliga wechselte. „Ja, es gab damals ein Angebot vom HSV“, sagte Pizarro heute. Und via Interviewticker aus Bremen aktuell informiert, stellte ich gleich Frank Arnesen die Frage, ob das so stimme. Immerhin war der heutige HSV-Sportchef damals noch als Sportchef des FC Chelsea aktiv. „Davon weiß ich nichts“, so der Däne, „vom HSV hatte sich damals nie jemand gemeldet. Wäre da was gekommen, hätten wir ihn natürlich nach Hamburg geschickt“, scherzt Arnesen, der heute noch mal klarstellte, dass er sich über David Jarolims Rückkehr zwar sehr freue, deshalb aber den Plan, den Tschechen im Sommer abzugeben, noch nicht über den Haufen geworfen habe.

Aber zurück zu Pizarro und seinem HSV-Angebot von 2008. Es gab es, wie mir damals der Vorstand bestätigte. Und ehrlich gesagt hätte ich mich richtig gefreut, wenn das geklappt hätte. Allerdings kam es nie zu intensiveren Verhandlungen. Pizarro wollte unbedingt nach Nord-Delmenhorst zurück, ließ daran von Beginn der Verhandlungen an keinen Zweifel. „Ansonsten hätte ich nie wieder nach Bremen einreisen dürfen“, scherzte Pizarro heute in der Interviewrunde.

Mein sympathischer Kollege Kai Schiller war übrigens vor Ort. Frisch geimpft (nur ’n dummer Scherz, bitte nicht beleidigt sein, liebe Bremer) und von mir mit dem Auftrag ausgestattet, dem besten Spieler der Unaussprechlichen ordentlich einen gegen das Schienbein zu schmettern, lauschte er dem Topstürmer, während ich in der Imtech-Arena dem einzig echten Peruaner der Bundesliga zuhörte: Paolo Guerrero. Der ist im Moment – nein: schon seit der Übernahme von Thorsten Fink – in aufsteigender Form. Wer der bessere Stürmer ist wurde da gefragt. Eigentlich müsste man hierbei ehrlicherweise für Pizarro votieren, der gefühlte 100 Tore mehr erzielt hat in seiner Bundesliga-Karriere. Aber noch eigentlicher sollte man diese Frage so gar nicht stellen. Immerhin sind beide absolut verschiedene Spielertypen. Denn während Pizarro vom Typ her am ehesten dem früheren Mladen Petric beim HSV entspricht, ist Paolo der Arbeiter unter den Angreifern. „Paolo haut sich immer voll rein, ist super mannschaftsdienlich, arbeitet tierisch nach hinten und ist schon deshalb hoch angesehen in der Truppe“, lobt Jansen, „und wenn er jetzt noch trifft – umso besser. Wir brauchen auch Stürmer, die mehr als fünf, sechs Tore machen.“ Bedeutet: Guerrero muss am Wochenende nachlegen – er hat ja erst sechs Saisontreffer.

Nachlegen müsste der HSV auch, wollte er Mladen Petric über die Saison hinaus halten. Das aber wird so nicht geschehen, wie Klubboss Carl Jarchow bereits ankündigte und Arnesen heute noch mal unterstrich: „Wir müssen wieder sparen. Wir wissen, dass wir in der kommenden Saison nicht so viel Kohle ausgeben können, wie in diesem Jahr. Wir müssen das noch mal zurückschrauben.“ Selbst das Erreichen eines internationalen Startplatzes (Arnesen: „Darüber rede ich gar nicht“) würde finanziell nicht allzu viel bewegen. „Du weißt nie, wen Du als Gegner bekommst, wie weit Du kommst und so weiter. Außer in der Champions League kann man nicht viel einplanen. Aber ein internationaler Startplatz macht dich als Verein für Spieler interessanter. Da könnte es uns das Leben etwas leichter machen.“

Leichter machen könnte es auch Klaus Michael Kühne. Der Milliardär steht weiterhin in engem Kontakt zum HSV. Gerade jetzt, wo die Suche des HSV nach einem kreativen Mittelfeldspieler auf Hochtouren läuft und die Vereinskassen leer sind, könnte der HSV-Fan, der gerade 450 Millionen Euro bei Hapag Lloyd investiert hat, helfen. Das hofft Arnesen trotz des Gegenwindes in der Mitglieder. „Herr Kühne steht unserer Zukunftsplanung sehr positiv gegenüber. Und die Mitglieder müssen keine Angst haben, dass hier etwas im Stile der englischen Klubs verkauft wird. Der HSV wird immer souverän bleiben“, plädiert der HSV-Sportchef, „und ich werde den Klub immer verteidigen. Herr Kühne ist ein Investor, der das Risiko eingeht, 100 Prozent zu verlieren. Für mich ist das mehr ein Sponsor als ein Investor. Aber keinesfalls jemand, der dem HSV schaden könnte. Im Gegenteil.“

Eine Meinung, die ich im Übrigen teile. Sofern die Investments gläsern sind. Soll heißen: ich würde mich freuen, wenn Herr Kühne dem HSV einen Mittelfeldspieler der Klasse Rafael van der Vaart komplett finanziert. Dann darf er auch gern an einem eventuellen Weiterverkauf des Spielers partizipieren. Er darf auch gern daran verdienen, sollte der Spieler dem HSV mehr einbringen, als er vorher gekostet hat. Zudem glaube ich, dass der HSV bei allen Bestrebungen, neue Geldquellen (Arena-Events, Südkorea, etc.) zu erschließen, Hilfe dringend brauchen kann. Denn gute Spieler erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf sportliche Erfolge. Die wiederum machen den HSV attraktiver für Sponsoren und interessante Spieler. Und so kann sich eine Schraube bei gutem Management schnell immer weiter nach oben schrauben.

Und damit meine ich nicht nur fertige Stars á la van der Vaart, sondern auch Spieler wie Maximilian Beister. Nach der Borussia aus Dortmund soll laut Sportbild die Borussia aus Mönchengladbach jetzt an dem Leihspieler des HSV in Diensten Fortuna Düsseldorfs interessiert sein. „Aber ich bin ganz ruhig“, sagt Arnesen, „es ist alles besprochen, zuletzt noch mal in Berlin. Es ist alles positiv.“ Jetzt ginge es nur noch um letzte finanzielle Details. „Wir werden in den nächsten sieben bis zehn Tagen eine Entscheidung haben. Und ich glaube, sie wird positiv für uns.“

Wie das Heimspiel am Sonnabend. Da gibt es keine zwei Meinungen.

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle

P.S.: Am Nachmittag ging es auf dem Platz gut zur Sache. Insbesondere im Abschlussturnier mit drei Mannschaften auf verkürztem Feld. Und während der Trainingsplatz schwer ramponiert wirkte, erstrahlt der Stadionrasen nach den Eisestemperaturen in einem nahezu perfekten Zustand.

18.59 Uhr

Nächste Einträge »