Sch… Montag: Fünf Spiele Sperre für Beister und Berg fällt bis Saisonende aus
18. März 2013
Pro Beister? Contra Beister? Die Diskussion, die nicht nur hier im Blog heiß und konträre geführt wird, ist das (leider) vorherrschende Thema der beginnenden Länderspielpause. Es gibt wenige Momente, das dürfte sich auch Beister denken, die ungeeigneter waren für so einen Vorfall. Jetzt hat er längere Zeit keine Chance, sich sportlich zu entschuldigen. Es gab aber auch nur wenige Vorfälle, die so vermeidbar waren – vor allem, weil es nicht allein von Beister hätte vermieden werden können. Nein, es hätte von anderer, erfahrener und übergeordneter Stelle vermieden werden müssen.
Denn, und da lege ich mich fest, in diesem Fall ist der größte Schadensträger Thorsten Fink. So viel ich auch weiterhin von Fink halte, insbesondere von seinen rhetorischen Fähigkeiten im Doppelpass mit der Mannschaft, in dem Fall Beister bin ich schon bei dessen Einwechslung auf der Tribüne zusammengezuckt. Was war das für ein Zeichen an seine Mannschaft? Die wussten doch auch, was Beister im Training (nicht) gemacht hat. Ich habe meine Kollegen enervierend mit einem Satz befeuert: „Wie kann ein Trainer in der Woche so deutlich ein Fehlverhalten anprangern und es dann unverbessert noch mit einer Einwechslung belohnen?“ Eine Frage, die ich noch immer nicht beantwortet bekommen habe. Im Gegenteil. Der Schuss von Fink vor Beisters lädierten Bug verstehe ich nur bedingt. Er hätte Beister gebracht, weil Berg nicht da war und er keine Alternative hatte? Wie bitte?? Was bedeutet das denn angesichts der heutigen Meldung, dass Marcus Berg wegen einer Hüft-OP für den Rest der Saison ausfällt (Gute Besserung an dieser Stelle, Marcus!!)? Heißt das, dass Beister nach Absitzen der bevorstehenden Fünf-Spiele-Sperre wieder erste Alternative ist, egal was er im Training zeigt?
Nein, in diesem Fall haben neben Beister auch andere Fehler gemacht. Denn Fink hätte Skjelbred bringen und mit Son und Rudnevs in der Spitze spielen können. Er hätte in dem Moment alles machen können, sogar eher den Platzwart aufstellen sollen als Beister. Um für mehr Torgefahr zu sorgen, bedarf es bei einem Bundesligisten mit 29-Mann-Kader!! keines Spielers, der sich zuvor derart demonstrativ hängengelassen hatte. Vielmehr hätte man sich mit dem maulenden Spieler hinsetzen müssen, ihm die Aussichtslosigkeit seines kindlichen Protestes vor Augen führen müssen und ihm einen gemeinsamen Lösungsweg aufzeigen müssen. Denn, und das Gefühl habe ich schon lange, Beister schien von Woche zu Woche mehr zurückzufallen. Er trainierte lustlos, bekam einen Rüffel und bockte nur noch mehr. Das Ergebnis: Er trainierte noch lustloser und schlechter. Den Höhepunkt stellte zunächst das Testspiel gegen Valerenga Oslo dar. Und es wurde von Trainer Fink, der für solche Situationen eigentlich ein außergewöhnlich gutes Gespür hat, sofort erkannt. „Maxi hat gespielt, als wolle er nicht spielen. Da muss mehr kommen“, so Fink eindeutig. Allerdings verhallten diese Worte beim Angesprochenen schnell, weil sie ihn nur noch mehr maulen ließen. Es war einfach eine Eitelkeit bei Beister gekränkt worden – und der konnte damit nicht umgehen.
Das Ergebnis des Ganzen ist verheerend – es darf aber jetzt nicht dazu führen, Beister mit seinen gerade 22 Jahren aufs Abstellgleis zu schimpfen. Dafür wurde Beister bei seiner Rückkehr schlichtweg zu sehr gefeiert. Auch vom Trainer, der ihm bis zuletzt trotz mieser Trainingsbeteiligung mit Komplimenten bei der Stange zu halten versuchte. Beister hat schlichtweg noch nicht erkannt, wo er wirklich steht. Er hat seinen Weg nicht gefunden. Beister weiß noch nicht, was ihm fehlt, um endlich Stammspieler in der ersten Bundesliga zu werden. Das könnte er sicherlich – aber mal ehrlich: es gab schon deutlich schlimmere Diven beim HSV, denen man immer und immer wieder zu helfen versucht hat. Warum also sollte man bei einem 22-Jährigen zweifellos hochtalentierten Fußballer in seinem ersten richtigen Erstligajahr anders vorgehen? Nur, weil es die breite Öffentlichkeit auf der Suche nach einem Sündenbock für das neuerliche Scheitern in einem wichtigen Spiel so will?
Nein! Das wäre zu kurz gedacht.
Beister gehört intern bestraft. Auch deutlich. Und eine hohe Geldstrafe wird es geben. Allerdings wird diese Geldstrafe ebenso sinnlos verhallen, wenn man sich parallel nicht endlich intensiv mit Beister auseinandersetzt und versucht, sein kindliches (Fehl-)Verhalten in eine reife Auffassung seines Berufes zu drehen. Man muss Beister klarmachen, dass man viel von ihm hält, das allein aber noch keine Qualifikation zum Stammspieler ist. Maxi muss verstehen, dass er selbst dafür verantwortlich ist, ob er spielt oder nicht und dass so ein Verhalten wie in der (in meinen Augen „den“) letzten Woche kontraproduktiv ist. Für den Verein – aber noch deutlicher für ihn. Eine Einwechslung gegen Augsburg – aus welchem Grund auch immer – war da sicher der falscheste Weg.
Als ich dann erfuhr, dass der DFB Beister für fünf Spiele sperrt und der HSV keinen Einspruch einlegen wird, war ich dennoch überrascht. So sehr Beister einen Denkzettel verdient hat, dieses Strafmaß wirkte auf mich auf den ersten Blick deutlich zu hoch. Allein ein Zusatz lässt mich hier aber noch nicht den DFB attackieren. Denn: In der Urteilsbegründung wird neben der Tätlichkeit auch eine „Schiedsrichterbeleidigung“ als zu bestrafender Tatbestand aufgeführt. Meint der DFB damit den „Vogel“, den Beister gezeigt hat, wäre es falsch. Aber: „Das war es nicht, er soll noch ein paar Worte gesagt haben“, sagt Mediendirektor Jörn Wolf. Zudem sollen sich der HSV und seine Anwälte nach der Urteilsbegründung und neuerlichen Sichtung der Fernsehbilder darauf verständigt haben, das ein Einspruch aussichtlos wäre – was ebenfalls für den DFB spricht. Insofern zieh ich meine Kritik hiermit zurück.
Und nur, um hier Missverständnissen vorzubeugen: Beister gehört bestraft – vom HSV wie vom DFB. Er muss allerdings jetzt im Moment des größten Schadens für ihn auch geschützt werden und vom HSV die nötige Hilfe bekommen, um sein Verhalten wiedergutzumachen. Dass dafür seine Bereitschaft Grundvoraussetzung ist, muss ich nicht sagen. Aber ebenso entscheidend ist für mich, dass sich der HSV seiner Pflicht bewusst ist, seine jungen Talente auch pädagogisch zu betreuen und parallel zur körperlichen Fitness auch mental zu schulen. Denn da ist in den letzten Wochen offenbar einiges zu kurz gekommen – oder vielleicht im Fall Beister zu früh und offensichtlich falsch vorausgesetzt worden.
Ein sehr sympathischer Lehrer meiner Schulzeit sagte einst zu mir: „Einmal ist kein Mal – zweimal ist immer….“ Nach diesem Motto verfahre ich seitdem – die wenigen Unentschuldbaren ausgenommen – zumeist. Und obgleich es nicht entscheidend ist, werde ich für meinen Teil diese Messlatte auch bei Beister anlegen.
Noch schlimmer als die Sperre für Beister ist allerdings die Nachricht für Marcus Berg, der wegen einer Verknöcherung im Hüftbereich, die operativ entfernt werden musste, in dieser Saison nicht mehr für den HSV auflaufen kann. Berg wurde am Wochenende in Schweden an der rechten Hüfte operiert. Der Stürmer war Ende letzter Woche auf Anraten der HSV-Ärzte nach Schweden gereist, um die neuerlichen Probleme an seiner vor eineinhalb Jahren operierten Hüfte untersuchen zu lassen.
Beim Mannschaftsarzt der schwedischen Nationalelf ließ Berg seine Hüfte arthroskopieren und dabei musste ein kleines Knochenstück entfernt werden. „Bei der Operation ist alles gut verlaufen. Wir gehen dennoch von einer Rekonvaleszenz von rund drei Monaten aus“, sagt HSV-Mannschaftsarzt Dr. Catala-Lehnen. Bitter.
Schöner ist die Aufsicht auf eine lange Trainingswoche ohne immerhin 15 Nationalspieler zwar auch kaum, aber zumindest ist die Hoffnung da, die nächsten Tage mit weniger unangenehmen Themen verbringen zu können. In diesem Sinne, drückt die Daumen!
Bis morgen,
Scholle
P.S.: Am Dienstag und Mittwoch wird jeweils um zehn und um 15 Uhr an der Arena trainiert.