Archiv für das Tag 'Catala-Lehnen'

Auch in der Kabine gab’s zu viel Misstrauen

4. Juni 2014

Ist er nun schon in St. Petersburg? Wie laufen die Verhandlungen mit Zenit? Wollen die Russen eine Millionen-Ablöse für ihn? Wann kommt also Dietmar Beiersdorfer wirklich zum HSV?

Gestern Vormittag, so hatte es den Anschein, herrschte keine Eile beim ehemaligen HSV-Sportchef. Besucher eines Cafes am Mittelweg konnten sich freuen über diesen ungewöhnlichen, vielleicht überraschenden Anblick: „Didi“ mit seinem früheren kongenialen, verhassten, umstrittenen, ein traumhaftes Pärchen bildenden Vorstands-Kollegen Bernd Hoffmann an der Seite. Es wurde gescherzt und gelacht – die ehemaligen Macher des HSV vereint – zumindest beim Latte macchiato.

Dass es eine berufliche Wiedervereinigung beim HSV geben wird, ist sehr unwahrscheinlich. Das liegt vor allem daran, dass der Vorstands-Posten neben Beiersdorfer für Joachim Hilke reserviert ist. Über Pfingsten, so heißt es, werden wir schlauer sein.

Was Joachim Hilke angeht, hat er vor etwa zweieinhalb Jahren ein vielbeachtetes Projekt angeschoben, nämlich eine weitreichende medizinische Zusammenarbeit mit dem UKE. Beide Seiten sollten davon profitieren. Der HSV wirtschaftlich und inhaltlich. Einerseits durch einen Pauschal-Vertrag, der die Kosten für die medizinische Betreuung der Profis verlässlich regelt, andererseits durch das Know-How der Klinik. Und auch das UKE hat sich von der Zusammenarbeit Einiges versprochen, das neue „Athleticum“ auf dem Klinik-Gelände wurde im Sommer 2012 eingeweiht – der HSV schien da als Werbe-Zugpferd gerade recht zu kommen.

Als Zwischenbilanz seither muss konstatiert werden, dass es zweieinhalb Jahre im Gebälk geknirscht hat, es immer wieder zu personellen Problemen und inhaltlichen Turbulenzen gekommen ist. Zuletzt hat der langjährige und anerkannte Physiotherapeut Stefan Kliche beim HSV gekündigt. Er ist nach der Neu-Orientierung des Vereins der letzte Mohikaner aus dem alten medizinischen Stab, der nun nicht mehr dabei ist. Neue Leute, neue Qualität? Die HSV-Profis, das ist die Beobachtung, lassen sich keinesfalls ausschließlich im UKE behandeln geschweige denn dort operieren.

„Es stimmt, dass es in diesem Bereich einige Diskussionen gegeben hat“, bestätigte Vereinschef Carl Jarchow. „Vielleicht ist das normal, wenn in ein bestehendes Team neue Elemente hineinkommen. Wir denken trotzdem, dass es ein gutes Konstrukt sein kann.“

Die ärztliche Betreuung ist ein ungeheuer sensibles Thema innerhalb eines Profi-Teams. Mit Gerold Schwartz, Oliver Dierk und Nikolaj Linewitsch hatte der HSV diesen Bereich vor dem UKE-Deal mit eigenen, direkt beim HSV angestellten Ärzten geregelt. Allesamt Fachkräfte, die teils hauptamtlich, teils neben ihrem Praxis-Betrieb in Hamburg als Mannschafts-Ärzte arbeiteten. Eine Reihe von Physios waren beschäftigt. Uwe Eplinius beispielsweise, mit dessen „Epi-Zentrum“ in Eimsbüttel zusammen gearbeitet wurde (die Zusammenarbeit mit Eplinius endete allerdings schon vor dem Deal mit dem UKE). Thomas Marquardt war über ein Jahrzehnt lang der Osteopath im Team, ein bundesweit bekannter Fachmann.

Übrig geblieben ist davon wenig bis nichts. Das UKE schickte seinen Facharzt Philip Catala-Lehnen zum HSV. Gleichzeitig wurden die Physios rund um die Profi-Fußballer nach und nach ausgetauscht. Dies führte zu erheblichen Verwerfungen innerhalb des bewährten Systems, die viel Unruhe nach sich zogen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen „neuen“ und „alten“ Kräften stand auf tönernen Füßen. Dass die „alten“ extrem unzufrieden waren, ist ein offenes Geheimnis – insbesondere ging es um die fachliche Qualität des neuen Inputs aus dem UKE. Osteopath Marquardt hat vergangenes Jahr gekündigt, Physio Kliche vor einigen Wochen – beide nicht im Einvernehmen mit dem Vereins-Vorstand. In jedem Fall ist der Vorstand immer wieder umfänglich über die aufgetretenen Spannungen informiert worden. Kompliziert wird es, weil alle Mitarbeiter des „Medical Staff“ allerdings keine Verträge mehr mit dem HSV haben, sondern eben mit dem UKE. Insofern stießen Beschwerden beim Vereins-Vorstand gleichsam ins Leere.

„Ich muss allerdings betonen“, hält Carl Jarchow entgegen, „dass das UKE auch immer auf unsere Anmerkungen eingegangen ist.“ Nur eben nicht in Übereinstimmung mit den alten Kräften unten in der Kabine beim HSV.

Auch unter den Trainern war dies ein Thema. Thorsten Fink und Bert van Marwijk waren die Coaches, die davon in erster Linie betroffen waren. Mittlerweile hat ja auch das UKE reagiert. Catala-Lehnen ist nicht mehr beim HSV. Auf der Suche nach einem Mannschaftsarzt geht der Verein offenbar wieder auf den alten Weg zurück. Mit Michael Joneleit aus Offenbach wurde zwischenzeitlich ein Top-Mann, so heißt es aus Ärzte-Kreisen, gefunden. Nach einer kurzen Probezeit hat Joneleit nun aber abgesagt, weil er seine neueröffnete Praxis in Offenbach nicht allein lassen konnte. Joneleit steht zwar noch auf der HSV-Homepage, aber er wird den Posten nicht fortführen. Bleibt Michael Schillings, aber der Verein sucht für ihn noch Unterstützung. Übrigens auch als UKE-Angestellte.

Alles in allem, und deswegen schreibe ich diese flüchtigen Eindrücke aus dem Kabinen-Innenleben hier auf, spiegelt sich in der Entwicklung in der medizinischen Abteilung wieder, was wir in den vergangenen Jahren häufig bei Personal-Entscheidungen im Profi-Kader beobachtet haben. Trennungen verlaufen im Unguten, verdiente Kräfte fühlen sich mehr oder weniger verjagt. Auch dies, und das ist meine Quintessenz aus der Geschichte, trägt am Ende dazu bei, dass die Kicker auf dem Rasen keine optimale Leistung zeigen können.

Es soll hier nicht an der Leistungsbereitschaft dieses Teams um das Team gezweifelt werden – im Gegenteil. Jeder einzelne hat mit Sicherheit sein bestmögliches getan. Die beschriebenen Schwierigkeiten gehen von oben aus, indem eine Konstruktion installiert wurde, ohne das Ausmaß der Folgen zu übersehen. Jetzt wird repariert, Stück für Stück, damit in der neuen Saison auf diesem Gebiet mal Ruhe einkehrt. An der generellen Zusammenarbeit mit dem UKE, so viel scheint jedenfalls sicher, möchte der Verein nicht rütteln.

In den vergangenen Tagen war zu hören und zu lesen, dass auch im Bereich der direkten Team-Betreuung Veränderungen vorgenommen werden. Marinus Bester rückt wieder in die Geschäftsstelle, dafür hat Mirko Slomka einen Vertrauten mit in die Kabine geholt. Bleibt zu hoffen, dass im Herbst oder im nächsten Frühjahr nicht wieder eine Masse an Abfindungen gezahlt werden müssen…..

Gute Nachrichten gab es heute aber auch. So hat der Verein mitgeteilt, dass mittlerweile 20.000 Dauerkarten-Kunden ihr Saisonticket auch für die nächste Serie gebucht haben. Es bleibt also dabei: egal was mit dem HSV ist, die Treue auf der Tribüne bleibt bestehen. Bis zum 7. Juni haben die alten Dauerkartenkunden noch ihr Vorkaufsrecht, anschließend startet der Mitglieder- und dann der freie Verkauf.

Die Kollegen der „Bild“ haben heute noch einmal getwittert, dass der HSV das Rennen um Pierre Michel Lasogga noch nicht verloren gibt. Demnach will sich Sportchef Oliver Kreuzer noch einmal aufmachen, um dem Torjäger ein gutes Angebot zu unterbreiten. Aber ist Kreuzer überhaupt noch der richtige Ansprechpartner für Familie Lasogga? Wenn es stimmt, was Dieter hier gestern angedeutet hat – und es gibt wenig Grund daran zu zweifeln – dann könnte die Personalie Stieber zuletzt das endgültige Ende für Kreuzer einleiten.

Es wird ja darüber gemunkelt, dass der neue AG-Aufsichtsrat nicht unbedingt in Jubelschreie ausgebrochen ist, als er von der Verpflichtung Zoltan Stiebers erfahren hat. Ein 25 Jahre alter Zweitliga-Spieler, schon einmal in der Bundesliga (Mainz) gescheitert, für satte 1,2 Millionen Euro zum HSV – naja…. Aus Kreuzers Antrieb, Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit im Sinne des Vereins zu zeigen, könnte ein persönlicher Rohrkrepierer werden, wenn die Personalie von den neuen Leuten – inklusive Dietmar Beiersdorfer – kritisiert wird.

Genau um solche Situationen zu umgehen und nicht beim möglichen nächsten Transfer erneut in die Zuständigkeits-Falle zu tappen, muss die Entscheidung über Beiersdorfer und sein Team schnell fallen.

Ein Thema möchte ich abschließend noch kommentieren. Bei den Beurteilungen über Dietmar Beiersdorfer fällt immer wieder das alte Klischee, er sei so zögerlich, könne sich nicht entscheiden, schiebe Entschlüsse vor sich her, sei nicht geeignet für ein klares, wenn nötig auch konfrontatives Wort. Allen, die dies so sehen, glaube ich versichern zu können, dass sie sich irren. Ich habe in den vergangenen Tagen viel mit Vertrauten von Beiersdorfer gesprochen, mich erkundigt unter Verhandlungspartnern, die er in den vergangenen Monaten hatte.

Beiersdorfer hat sich entwickelt. Das ist der einhellige Tenor. Wer sich behauptet in Salzburg unter einem Alleinherrscher wie Mateschitz ebenso wie in einer anderen Fußball-Kultur wie in St. Petersburg – soll bitte keiner behaupten, dort gebe es keinen Druck -, der ist von seiner Persönlichkeit auch für das Amt beim HSV gewappnet. Dort wo Oliver Kreuzers Schwächen einsetzen, wird Dietmar Beiersdorfer ganz sicher nicht weitermachen.

Für heute ein sportlicher Gruß von Lars

PS: Morgen, am Donnerstag, wird es ein “Matz-ab-live” geben. Kurz nach 18 Uhr werden einige Matz-abber mit Dieter über die vergangene Saison, über die Mitgliederversammlung vom 25. Mai und über die Aussichten bezüglich der neuen Saison diskutieren. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet.

Verletzte ohne Ende! Kreuzer: „Es ist mühsam.“

5. März 2014

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AKTUALISIERUNG: Dem HSV klebt das Pech an den Stiefeln. Linksverteidiger Marcell Jansen musste sich in der 24. Minute des Länderspiels gegen Chile verletzt auswechseln lassen. Jansen signalisierte, dass er sich den linken Fuß umgeknickt hat. Nach dem Spiel wurde beim HSV-Profi ein Außenbandriss festgestellt, damit fällt er für Frankfurt-Spiel am Sonnabend aus – und auch darüber hinaus noch. Aktuell ist Jansen der 13. verletzte, angeschlagene bzw. kranke HSVer!
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Es kennzeichnet Mannschaften in der Abwärtsspirale, dass bei allen Problemen – schlechte Form von Leistungsträgern, individuelle Patzer, extreme Unruhe im Verein, Trainerwechsel, Geldnot – auch oft ein fataler Umstand hinzu kommt: eine Verletztenmisere.

Wer heute beim Training am Volkspark war, der tat sich schwer, allein schon in der Fantasie anhand der wackeren Verbliebenen noch eine einigermaßen schlagkräftige Elf für die Partie gegen Eintracht Frankfurt am kommenden Sonnabend zu basteln. Die Liste der Verletzten ist beim HSV aktuell auf zwölf angewachsen. Eine dramatische Zahl.

Unter ihnen sind allein sieben Spieler, die vergangenen Sonnabend bei der 0:1-Niederlage in Bremen auf dem Rasen standen. Und nur bei wenigen zeichnet sich im Moment deutlich ab, dass es noch reichen könnte für die Partie in drei Tagen im Volkspark.




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Am schwersten wiegt der mögliche Ausfall von Pierre Michel Lasogga im Sturm. Der 22 Jahre alte Torjäger ist beim HSV nicht zu ersetzen. Eine Kernspintomografie in München und eine folgende Untersuchung bei Dr. Müller-Wohlfahrt hat bestätigt, dass Lasogga eine Verhärtung im Oberschenkel hat, die beim Training der Nationalmannschaft neu aufgebrochen ist. „Wir werden mit allen Mitteln darum kämpfen, dass er am Samstag gegen Frankfurt spielen kann“, kündigte Trainer Mirko Slomka an. Es wird allerdings ein Rennen gegen die Zeit – zum einen.

Zum anderen muss sich der Coach natürlich die Frage stellen, ob es überhaupt zu verantworten ist, wenn er Lasogga gegen die Eintracht bringt. Der Leih-Stürmer schlägt sich schon seit Wochen mit ähnlichen Verletzungen herum, die er ganz offensichtlich nie zu 100 Prozent auskuriert. Insofern würde Lasogga eine Pause guttun, auch wenn’s schwer fällt. Und auch wenn Frankfurt eine enorm wichtige Partie ist. Aber das trifft auch auf die Wochen danach zu. Oliver Kreuzer, der Sportchef, formuliert den Zwiespalt so: „Vielleicht müssen wir ein Stückweit ins Risiko gehen.“ In jedem Fall wird Lasogga noch am heutigen Mittwoch-Abend, nach seiner Rückkehr aus München, beim HSV im Stadion weiter behandelt.

Macht es also mehr Sinn, so oder so, erst für Nürnberg mit Lasogga zu planen? Wie schwer sich die anderen HSV-Angreifer tun, hat auch das heute Torschuss-Training gezeigt. Wobei: was heißt eigentlich „die anderen Stürmer“? Es gibt mit Jacques Zoua ja nur einen einzigen, der nominell in Lasoggas Rolle schlüpfen könnte. Jedenfalls ist der Kameruner, weder im Training noch im Spiel, ein echter Knipser. Wesentlich besser stellten sich heute schon Robert Tesche und Ouasim Bouy an. Doch dazu später.

Was Jacques Zoua angeht, hat der ehemalige HSV-Trainer Thorsten Fink heute eine Lanze für den Angreifer gebrochen. Fink hält Zoua, den er im Sommer vergangenen Jahres aus Basel nach Hamburg geholt hat, nach wie vor für einen guten Mann, der Anlaufzeit brauche. Aber, so Fink weiter: „Jacques ist auf jeden Fall besser als die beiden Spieler, die der HSV in der Winterpause geholt hat.“ (Ola John und Ouasim Bouy) Mehr von Zoua (in dieser Bundesliga-Saison erst ein Treffer) und Fink lest Ihr morgen im Hamburger Abendblatt.

Bei Pierre Michel Lasogga ist es neben der medizinischen auch eine Glaubensfrage des Trainers, ob er den Angreifer bringen wird. Komplett ausgeschlossen ist ein Einsatz, um mal bei den sieben aus dem Werder-Spiel zu bleiben, bei Lasse Sobiech. Der Innenverteidiger hat sich im Test gegen die eigene U 23 gestern eine Gehirnerschütterung zugezogen. Außerdem sind ihm gleich drei Zähne abgebrochen. Fünf Tage lang darf Lasse Sobiech sich nun gar nicht belasten. Gute Besserung! Sobiechs Einsatz gegen Frankfurt war allerdings ohnehin nicht vorgesehen, weil sich Mirko Slomka bereits auf sein Abwehrzentrum Djourou/Westermann festgelegt hatte.

Ganz und gar unklar ist noch, welche Mittelfeldspieler zur Verfügung stehen könnten. Rafael van der Vaart hütete auch heute mit einer Grippe das Bett. Das Trio Petr Jiracek/Hakan Calhanoglu/Ivo Ilicevic trainierte individuell mit Reha-Coach Markus Günther. Und Milan Badelj, der nach erfolgreicher Hand-OP wieder ins Training einsteigen wollte, plagen heftige Schmerzen. Dieses Quintett also muss von Tag zu Tag gucken. Am Donnerstag werden wir beim Training sehen, ob der eine oder andere zurückkehrt.

Sportchef Kreuzer hofft, dass zumindest drei der Genannten gegen Frankfurt zur Verfügung stehen. „Bei Hakan bin ich sehr optimistisch“, sagte Kreuzer. „Ich denke, das kriegen wir hin.“ Auch die Entwicklung von Petr Jiracek sei viel versprechend. „Der ist sowieso ein Kämpfer“, meint Kreuzer. Und auch Rafael van der Vaart könnte, wenn das Fieber verschwindet, ein Startelf-Kandidat sein.

Dazu kommen die Langzeitverletzten Slobodan Rajkovic, Maximilian Beister (beide Kreuzbandriss – Rajkovic wurde nicht, wie gestern vom HSV verkündet, gestern operiert – sondern erst am morgigen Donnerstag in Belgien operiert), Zhi Gin Lam (Adduktorenprpbleme), Kerem Demirbay (Bänderriss) sowie Keeper Jaroslav Drobny, dessen verletzte Wade wohl noch nicht bis Sonnabend ausgeheilt sein wird.

„Es ist ziemlich mühsam in diesen Wochen“, fasst Oliver Kreuzer zusammen. „Der Trainingsrhythmus ist auf eine harte Probe gestellt, wenn regelmäßig so viele Spieler ausfallen.“ Viel zu tun gibt es für die medizinische Abteilung des HSV, die ja in den vergangenen Wochen neu geordnet wurde. Nachdem Anfang 2012 die werbewirksam verkündete Zusammenarbeit mit dem UKE begonnen wurde, hatte Philip Catala-Lehnen die Verantwortung. Bereits unter Bert van Marwijk wurde Catala-Lehnen von einer Kapazität abgelöst, wie es in Branchen-Kreisen heißt.

Michael Joneleit, der eine Orthopädie-Praxis in Offenbach betreibt, kümmert sich um die Bundesliga-Spiele herum um die HSV-Mannschaft. Joneleit hat auch einige Jahre in der Schweiz und mit dem bekannten Sportarzt Bernd Seegesser zusammen gearbeitet. In gewisser Weise scheint der Verein also zurückzukehren zu seinem alten Modell, wonach ein Arzt sich als Vertrauensperson um die Mannschaft kümmert.

Zuletzt waren die HSV-Profis für ihre Behandlungen immer wieder zu Ärzten ihres jeweiligen Vertrauens ins ganze Bundesgebiet geflogen, um sich behandeln zu lassen. So macht dann natürlich die gesamte Zusammenarbeit mit dem UKE, die im übrigen auch sehr stark unter dem Gesichtspunkt der Kostenersparnis getroffen wurde, keinen Sinn mehr.

Nun ist also Joneleit da, und seine Aufgabe ist in gewisser Weise mit der von Mirko Slomka zu vergleichen. Sowohl medizinische Abteilung als auch Profi-Mannschaft wurde in den vergangenen Jahren personell kräftig durchgewechselt. Viele Physios, der langjährige Osteopath Thomas Marquardt, der eine oder andere Arzt sind verschwunden. Linewitsch, Niedergassel, vorher Dierk und Schwartz, die beide ja lange Jahre erfolgreich für den HSV da waren. Auch hier täte Kontinuität not.

Im Training heute wurde aus allen Lagen geschossen. Schnelles Spiel nach vorn, Flanken, Kopfbälle und Torschuss. Das hat Mirko Slomka seinen Jungs für heute ins Gebetsbuch geschrieben. Robert Tesche, der „Trainingsweltmeister“, stellte die Keeper Adler und Drobny vor größere Probleme. Auch Ouasim Bouy und –mit Abstrichen – Michael Mancienne bewiesen Treffsicherheit. Bedauerlicherweise sind alle drei nicht gerade die Hoffnungsträger für das Spiel gegen das Team des früheren HSV-Trainers Armin Veh, der sich gegen seinen alten Verein sicher einiges vorgenommen hat. Am Nachmittag war von den Jungs des HSV dann am Trainingsplatz nicht mehr viel zu sehen. Sie trainierten individuell im Kraftraum.

Heute sind noch drei HSV-Profis mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Marcell Jansen trifft mit Deutschland in Stuttgart auf Chile. Verteidiger Johan Djourou ist mit der Schweiz in St. Gallen gegen Kroatien im Einsatz. Und Ola John spielt für die U 21 der Niederlande in Velsen-Zuid gegen Israel. Viel Erfolg – ach, Erfolg ist egal. Verletzt Euch nicht auch noch!

Und dann wäre uns allen sicher geholfen, wenn sich die Erklärungen der Spieler nach dem Frankfurt-Spiel daran orientieren würden, was alle Zuschauer auf den Tribünen sehen und spüren. Schon in Bremen haben die HSV-Profis behauptet, sie hätten gekämpft und alles gegeben. Nein! Abstiegskampf ist mehr als das. Dem Gegner wehtun, so wie es Dortmund beim HSV erlebt hat. Einen Schritt mehr gehen, als man gehen kann. Den Schweinehund überwinden. Diese Eigenschaften stecken nicht in dieser HSV-Mannschaft, jedenfalls nicht von Haus aus. Aber sie muss es eingeimpft bekommen Tag und Nacht vor den entscheidenden Wochen dieser Saison, vor den wichtigsten Wochen der letzten 50 Jahre. Zeigt, dass Ihr keinen Millimeter preisgeben wollt gegen Eintracht Frankfurt. Ist das der Fall, gibt es eine Einheit mit dem Publikum bis zur 90. Minute, die zum Erfolg führen kann. Egal ob Rincon oder Bouy im Mittelfeld stehen, egal ob Lasogga oder Zoua stürmt. Gelingt all dies nicht gegen Eintracht Frankfurt und anschließend, dann Gute Nacht.

Einen entspannten Länderspiel-Abend wünscht
Lars

Sch… Montag: Fünf Spiele Sperre für Beister und Berg fällt bis Saisonende aus

18. März 2013

Pro Beister? Contra Beister? Die Diskussion, die nicht nur hier im Blog heiß und konträre geführt wird, ist das (leider) vorherrschende Thema der beginnenden Länderspielpause. Es gibt wenige Momente, das dürfte sich auch Beister denken, die ungeeigneter waren für so einen Vorfall. Jetzt hat er längere Zeit keine Chance, sich sportlich zu entschuldigen. Es gab aber auch nur wenige Vorfälle, die so vermeidbar waren – vor allem, weil es nicht allein von Beister hätte vermieden werden können. Nein, es hätte von anderer, erfahrener und übergeordneter Stelle vermieden werden müssen.

Denn, und da lege ich mich fest, in diesem Fall ist der größte Schadensträger Thorsten Fink. So viel ich auch weiterhin von Fink halte, insbesondere von seinen rhetorischen Fähigkeiten im Doppelpass mit der Mannschaft, in dem Fall Beister bin ich schon bei dessen Einwechslung auf der Tribüne zusammengezuckt. Was war das für ein Zeichen an seine Mannschaft? Die wussten doch auch, was Beister im Training (nicht) gemacht hat. Ich habe meine Kollegen enervierend mit einem Satz befeuert: „Wie kann ein Trainer in der Woche so deutlich ein Fehlverhalten anprangern und es dann unverbessert noch mit einer Einwechslung belohnen?“ Eine Frage, die ich noch immer nicht beantwortet bekommen habe. Im Gegenteil. Der Schuss von Fink vor Beisters lädierten Bug verstehe ich nur bedingt. Er hätte Beister gebracht, weil Berg nicht da war und er keine Alternative hatte? Wie bitte?? Was bedeutet das denn angesichts der heutigen Meldung, dass Marcus Berg wegen einer Hüft-OP für den Rest der Saison ausfällt (Gute Besserung an dieser Stelle, Marcus!!)? Heißt das, dass Beister nach Absitzen der bevorstehenden Fünf-Spiele-Sperre wieder erste Alternative ist, egal was er im Training zeigt?

Nein, in diesem Fall haben neben Beister auch andere Fehler gemacht. Denn Fink hätte Skjelbred bringen und mit Son und Rudnevs in der Spitze spielen können. Er hätte in dem Moment alles machen können, sogar eher den Platzwart aufstellen sollen als Beister. Um für mehr Torgefahr zu sorgen, bedarf es bei einem Bundesligisten mit 29-Mann-Kader!! keines Spielers, der sich zuvor derart demonstrativ hängengelassen hatte. Vielmehr hätte man sich mit dem maulenden Spieler hinsetzen müssen, ihm die Aussichtslosigkeit seines kindlichen Protestes vor Augen führen müssen und ihm einen gemeinsamen Lösungsweg aufzeigen müssen. Denn, und das Gefühl habe ich schon lange, Beister schien von Woche zu Woche mehr zurückzufallen. Er trainierte lustlos, bekam einen Rüffel und bockte nur noch mehr. Das Ergebnis: Er trainierte noch lustloser und schlechter. Den Höhepunkt stellte zunächst das Testspiel gegen Valerenga Oslo dar. Und es wurde von Trainer Fink, der für solche Situationen eigentlich ein außergewöhnlich gutes Gespür hat, sofort erkannt. „Maxi hat gespielt, als wolle er nicht spielen. Da muss mehr kommen“, so Fink eindeutig. Allerdings verhallten diese Worte beim Angesprochenen schnell, weil sie ihn nur noch mehr maulen ließen. Es war einfach eine Eitelkeit bei Beister gekränkt worden – und der konnte damit nicht umgehen.

Das Ergebnis des Ganzen ist verheerend – es darf aber jetzt nicht dazu führen, Beister mit seinen gerade 22 Jahren aufs Abstellgleis zu schimpfen. Dafür wurde Beister bei seiner Rückkehr schlichtweg zu sehr gefeiert. Auch vom Trainer, der ihm bis zuletzt trotz mieser Trainingsbeteiligung mit Komplimenten bei der Stange zu halten versuchte. Beister hat schlichtweg noch nicht erkannt, wo er wirklich steht. Er hat seinen Weg nicht gefunden. Beister weiß noch nicht, was ihm fehlt, um endlich Stammspieler in der ersten Bundesliga zu werden. Das könnte er sicherlich – aber mal ehrlich: es gab schon deutlich schlimmere Diven beim HSV, denen man immer und immer wieder zu helfen versucht hat. Warum also sollte man bei einem 22-Jährigen zweifellos hochtalentierten Fußballer in seinem ersten richtigen Erstligajahr anders vorgehen? Nur, weil es die breite Öffentlichkeit auf der Suche nach einem Sündenbock für das neuerliche Scheitern in einem wichtigen Spiel so will?

Nein! Das wäre zu kurz gedacht.

Beister gehört intern bestraft. Auch deutlich. Und eine hohe Geldstrafe wird es geben. Allerdings wird diese Geldstrafe ebenso sinnlos verhallen, wenn man sich parallel nicht endlich intensiv mit Beister auseinandersetzt und versucht, sein kindliches (Fehl-)Verhalten in eine reife Auffassung seines Berufes zu drehen. Man muss Beister klarmachen, dass man viel von ihm hält, das allein aber noch keine Qualifikation zum Stammspieler ist. Maxi muss verstehen, dass er selbst dafür verantwortlich ist, ob er spielt oder nicht und dass so ein Verhalten wie in der (in meinen Augen „den“) letzten Woche kontraproduktiv ist. Für den Verein – aber noch deutlicher für ihn. Eine Einwechslung gegen Augsburg – aus welchem Grund auch immer – war da sicher der falscheste Weg.

Als ich dann erfuhr, dass der DFB Beister für fünf Spiele sperrt und der HSV keinen Einspruch einlegen wird, war ich dennoch überrascht. So sehr Beister einen Denkzettel verdient hat, dieses Strafmaß wirkte auf mich auf den ersten Blick deutlich zu hoch. Allein ein Zusatz lässt mich hier aber noch nicht den DFB attackieren. Denn: In der Urteilsbegründung wird neben der Tätlichkeit auch eine „Schiedsrichterbeleidigung“ als zu bestrafender Tatbestand aufgeführt. Meint der DFB damit den „Vogel“, den Beister gezeigt hat, wäre es falsch. Aber: „Das war es nicht, er soll noch ein paar Worte gesagt haben“, sagt Mediendirektor Jörn Wolf. Zudem sollen sich der HSV und seine Anwälte nach der Urteilsbegründung und neuerlichen Sichtung der Fernsehbilder darauf verständigt haben, das ein Einspruch aussichtlos wäre – was ebenfalls für den DFB spricht. Insofern zieh ich meine Kritik hiermit zurück.

Und nur, um hier Missverständnissen vorzubeugen: Beister gehört bestraft – vom HSV wie vom DFB. Er muss allerdings jetzt im Moment des größten Schadens für ihn auch geschützt werden und vom HSV die nötige Hilfe bekommen, um sein Verhalten wiedergutzumachen. Dass dafür seine Bereitschaft Grundvoraussetzung ist, muss ich nicht sagen. Aber ebenso entscheidend ist für mich, dass sich der HSV seiner Pflicht bewusst ist, seine jungen Talente auch pädagogisch zu betreuen und parallel zur körperlichen Fitness auch mental zu schulen. Denn da ist in den letzten Wochen offenbar einiges zu kurz gekommen – oder vielleicht im Fall Beister zu früh und offensichtlich falsch vorausgesetzt worden.

Ein sehr sympathischer Lehrer meiner Schulzeit sagte einst zu mir: „Einmal ist kein Mal – zweimal ist immer….“ Nach diesem Motto verfahre ich seitdem – die wenigen Unentschuldbaren ausgenommen – zumeist. Und obgleich es nicht entscheidend ist, werde ich für meinen Teil diese Messlatte auch bei Beister anlegen.

Noch schlimmer als die Sperre für Beister ist allerdings die Nachricht für Marcus Berg, der wegen einer Verknöcherung im Hüftbereich, die operativ entfernt werden musste, in dieser Saison nicht mehr für den HSV auflaufen kann. Berg wurde am Wochenende in Schweden an der rechten Hüfte operiert. Der Stürmer war Ende letzter Woche auf Anraten der HSV-Ärzte nach Schweden gereist, um die neuerlichen Probleme an seiner vor eineinhalb Jahren operierten Hüfte untersuchen zu lassen.
Beim Mannschaftsarzt der schwedischen Nationalelf ließ Berg seine Hüfte arthroskopieren und dabei musste ein kleines Knochenstück entfernt werden. „Bei der Operation ist alles gut verlaufen. Wir gehen dennoch von einer Rekonvaleszenz von rund drei Monaten aus“, sagt HSV-Mannschaftsarzt Dr. Catala-Lehnen. Bitter.

Schöner ist die Aufsicht auf eine lange Trainingswoche ohne immerhin 15 Nationalspieler zwar auch kaum, aber zumindest ist die Hoffnung da, die nächsten Tage mit weniger unangenehmen Themen verbringen zu können. In diesem Sinne, drückt die Daumen!

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Am Dienstag und Mittwoch wird jeweils um zehn und um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Erster Sieg 2013 – aber van der Vaart und Arslan verletzt

7. Januar 2013

So sollte es mal nicht beginnen. Zumindest nicht alles. Denn trotz eines 3:1-Sieges im ersten Testspiel des Jahres 2013 gegen den nominell eher drittklassigen usbekischen Klub Lokomotive Taschkent vor handgezählten 14 Zuschauern musste HSV-Trainer Thorsten Fink in Abu Dhabi gleich zwei Verletzungen hinnehmen. „So etwas im ersten Test nervt natürlich gewaltig“, sagte Fink, der sich ob des ansonsten überzeugenden Sieges nicht so recht freuen wollte. Immerhin hatte es (mal wieder) ausgerechnet den Top-Spieler getroffen, Rafael van der Vaart. Bereits nach 35 Minuten deutete der Niederländer Probleme mit dem rechten Oberschenkel an und musste ausgewechselt werden. Wieder 35 Minuten später musste dann auch noch van-der-Vaart-Ersatz Tolgay Arslan nach einem übel aussehenden Zusammenprall mit Tashkents Torschützen Abdullaev Sadr den Platz verlassen. „Ich denke, dass es bei Tolgay nichts Schlimmes ist“, so Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen, der sich bei genauen Diagnosen aber noch zurückhielt.

Dennoch, auch van der Vaart selbst signalisierte bereits auf dem Weg in die Kabine, dass es wohl nicht so schlimm sei. Zumindest ist es nicht die gleiche Stelle wie zuletzt. Zur Erinnerung: Gegen Düsseldorf musste van der Vaart am 23. November mit einem Faserriss im rechten Oberschenkel ausgewechselt werden und pausierte seitdem. „Möglicherweise ist es eine Zerrung“, so van der Vaart, „aber ich glaube, dass es nicht wirklich schlimm ist.“ Worte, die zuletzt auch bei der Verletzung von Maximilian Beister benutzt wurden. Und der fällt für den Rest des Trainingslagers voraussichtlich aus. Und so blieb zunächst einmal offen, ob van der Vaart und Arslan im Trainingslager noch mal einsteigen können.

Sportlich hatte es indes schon ganz gut funktioniert. Nachdem die A-Elf am Vormittag fleißig Standards trainiert hatte (van der Vaart von links, Arslan von Rechts, die Ecken wurden auf den kurzen Pfosten geschlagen) war es am Abend insbesondere die Offensive, die den gerade mal 14 Zuschauern im 60000 Zuschauer fassenden Zayed-Sport-Stadium zu gefallen wusste. Artjoms Rudnevs besorgte in der 50. Minute nach glänzender Vorarbeit des starken Heung Min Son das 1:0, Dennis Aogo konnte elf Minuten später nach einer nicht minder schönen Kombination sogar nachlegen. Dem Anschluss von Sadr (71.) folgte in der 74. Minute das 3:1 des kurz zuvor für Son eingewechselten Marcus Berg. „Abgesehen von den Verletzungen, bin ich mit der Partie zufrieden“, zog Finks leicht verbittertes Fazit.

Nicht mitwirken konnte Gojko Kacar. Der Serbe trainiert derzeit in Hamburg mit der U23 und wartet. Er wartet auf seine Mannschaft, die in Dubai wie oben beschrieben den ersten Test erfolgreich bestreiten konnte. Und er wartet auf eine Lösung seines Problems. Immerhin will der HSV ihn nicht mehr (auf der Gehaltsliste) haben – er selbst will aber auch nicht weg, zumindest nicht um jeden Preis. In der Mopo wurde heute geschrieben, sein Gehalt erhöhe sich auf 1,8 Millionen Euro per annum. Und obwohl sich Kacar nicht zu seinen genauen Vertragszahlen äußern wollte, wollte er sich dennoch dagegen wehren, er sei vermessen. „Ich habe lange nichts gesagt, weil sich der Verein und mein Berater um alles gekümmert haben. Ich dachte, dass der Wechsel nach Hannover klappen würde. Das ist jetzt anders. Und jetzt werden leider viele Dinge behauptet, die so nicht stimmen.“

Im Gegenteil. Sagt er zumindest selbst. Allein, dass er nicht ins Trainingslager fliegen sollte, sei falsch. „Ich habe das zusammen mit dem HSV so entschieden, weil lange die Wahrscheinlichkeit bestand, dass ich wechsele und dann sofort mit Hannover ins Trainingslager nach Portugal fliegen sollte. Und im Nachhinein hinzufliegen war nicht so sinnvoll, da ich hier beste Bedingungen habe. Aber von Aussortieren war ganz sicher nie die Rede.“ Vielmehr hatte sich Kacar darauf verlassen, zum „kleinen HSV“ zu wechseln. „Hannover war eine tolle Möglichkeit, ein großer Verein. Es ist sehr schade, dass das nicht geklappt hat.“ Noch trauriger sei er darüber, dass er jetzt mit angeblich zu hohen Gehaltsforderungen als gierig dargestellt wird. „Ich wollte eigentlich nie weg vom HSV. Hätte der HSV mich nicht angesprochen, ich hätte über einen Wechsel gar nicht nachgedacht. Aber ich bin ganz sicher auch keiner, der seinen vertrag aussitzen will. Ich will spielen.“ Deshalb habe er sich während der Verhandlungen mit dem HSV und Hannover auch bereiterklärt, auf Geld zu verzichten. „Ich bin Fußballer und habe noch sehr viele Ziele. Hannover schien sehr interessiert an mir und bietet mit Europa League auch eine tolle Möglichkeit, die ich so in Hamburg nicht hatte. Auch deshalb habe ich gesagt, ich würde auf 20 Prozent meines Gehaltes verzichten. Ich bin runtergegangen mit meinem Gehalt, damit es klappt – mehr ging dann aber nicht. Ich glaube, das kann jeder nachvollziehen.“ Und: Selbstverständlich ist so etwas bei Fußballprofis allemal nicht. Ganz im Gegenteil. Fälle wie Albert Streit zeigen, wie es oft laufen kann.

Dennoch reichte auch das nicht. „Wir waren sehr nah beieinander und hätten uns in der Mitte treffen können – wenn alle gewollt hätten“, sagt Kacar und sieht den Grund des Scheiterns bei seiner langwierigen Verletzung und Zweifeln bei Hannover. „Sie sollten viel Geld für mich bezahlen, ohne genau zu wissen, wie ich nach neun Monaten Pause wieder zurückkomme. Das verstehe ich. Jetzt haben sie zwei andere gefunden und ich bleibe beim HSV.“

Zumindest, wenn sich nicht noch ein weiterer, interessierter Verein meldet. „Grundsätzlich bin ich gesprächsbereit, wenn der HSV es so will. Sollte ein passendes Angebot kommen, müssen wir alle neu überlegen. Aber nach meiner langen Verletzung dürfte das schwierig werden. Das ist doch klar. Und ganz ehrlich, ich will auch nicht um jeden Preis den HSV verlassen, weil ich mich hier noch immer sehr, sehr wohl fühle. Es ist ein großer Klub und wir entwickeln uns. Ich habe noch 2,5 Jahre Vertrag und glaube, dass sich in der Zeit hier vieles tun wird, woran ich mitwirken möchte. Deshalb denke ich jetzt wirklich an nichts anderes als den HSV. Ich werde weiter jeden Tag hart arbeiten und allen zeigen, dass ich wieder topfit bin. Ich bin mir sicher – egal, was jetzt gesagt oder geschrieben wird – wenn ich gesund bleibe und der Trainer sieht, dass ich kämpfe, werde ich mir meine Chance erarbeiten – und die dann nutzen.“

Dass er in die U23 abgeschoben wird, glaubt Kacar nicht. „Das glaube ich nicht. Warum auch? Ich denke schon, dass ich wieder zur Mannschaft stoßen werde, sobald sie wieder in Hamburg ist. Wir sind alle Profis und werden mit Sicherheit auch so handeln.“ Doch selbst, wenn alle Stricke reißen sollten und der HSV ihn abschieben sollte in die U23, käme Kacar damit klar. „Ich habe neun ganz schlimme Monate hinter mir. Etwas Schlimmeres als diese Zeit hatte ich nie und werde ich nicht mehr haben. Insofern kann alles nur besser werden.“

Hoffen wir es. Für ihn – und für den hoffentlich künftig verletzungsfreien HSV.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

HSV im ersten Test 2013: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam – Badelj – Arslan (74. Nafiu), Aogo – van der Vaart (35. Skjelbred) – Son (67. Berg), Rudnevs.

P.S.: Weil es gefragt wurde und auf Dieters Wunsch, noch mal: Dieter hatte gestern den Van der Vaart erst um 19.30 Uhr freigeschaltet, um den Kollegen gegenüber fair zu bleiben. Immerhin war es keine von Matz ab recherchierte, exklusive Geschichte sondern der Hilfe der Kollegen vor Ort zu verdanken, dass wir diese O-Töne hatten. Da wäre es mehr als unfair gewesen, wenn wir (Online geht immer am schnellsten) den Tageszeitungen noch weiter als mit 19.30 ja eh schon vorgreifen. Ich glaube, das dürfte jeder nachvollziehen können.

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