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Verletzte ohne Ende! Kreuzer: „Es ist mühsam.“

5. März 2014

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AKTUALISIERUNG: Dem HSV klebt das Pech an den Stiefeln. Linksverteidiger Marcell Jansen musste sich in der 24. Minute des Länderspiels gegen Chile verletzt auswechseln lassen. Jansen signalisierte, dass er sich den linken Fuß umgeknickt hat. Nach dem Spiel wurde beim HSV-Profi ein Außenbandriss festgestellt, damit fällt er für Frankfurt-Spiel am Sonnabend aus – und auch darüber hinaus noch. Aktuell ist Jansen der 13. verletzte, angeschlagene bzw. kranke HSVer!
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Es kennzeichnet Mannschaften in der Abwärtsspirale, dass bei allen Problemen – schlechte Form von Leistungsträgern, individuelle Patzer, extreme Unruhe im Verein, Trainerwechsel, Geldnot – auch oft ein fataler Umstand hinzu kommt: eine Verletztenmisere.

Wer heute beim Training am Volkspark war, der tat sich schwer, allein schon in der Fantasie anhand der wackeren Verbliebenen noch eine einigermaßen schlagkräftige Elf für die Partie gegen Eintracht Frankfurt am kommenden Sonnabend zu basteln. Die Liste der Verletzten ist beim HSV aktuell auf zwölf angewachsen. Eine dramatische Zahl.

Unter ihnen sind allein sieben Spieler, die vergangenen Sonnabend bei der 0:1-Niederlage in Bremen auf dem Rasen standen. Und nur bei wenigen zeichnet sich im Moment deutlich ab, dass es noch reichen könnte für die Partie in drei Tagen im Volkspark.




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Am schwersten wiegt der mögliche Ausfall von Pierre Michel Lasogga im Sturm. Der 22 Jahre alte Torjäger ist beim HSV nicht zu ersetzen. Eine Kernspintomografie in München und eine folgende Untersuchung bei Dr. Müller-Wohlfahrt hat bestätigt, dass Lasogga eine Verhärtung im Oberschenkel hat, die beim Training der Nationalmannschaft neu aufgebrochen ist. „Wir werden mit allen Mitteln darum kämpfen, dass er am Samstag gegen Frankfurt spielen kann“, kündigte Trainer Mirko Slomka an. Es wird allerdings ein Rennen gegen die Zeit – zum einen.

Zum anderen muss sich der Coach natürlich die Frage stellen, ob es überhaupt zu verantworten ist, wenn er Lasogga gegen die Eintracht bringt. Der Leih-Stürmer schlägt sich schon seit Wochen mit ähnlichen Verletzungen herum, die er ganz offensichtlich nie zu 100 Prozent auskuriert. Insofern würde Lasogga eine Pause guttun, auch wenn’s schwer fällt. Und auch wenn Frankfurt eine enorm wichtige Partie ist. Aber das trifft auch auf die Wochen danach zu. Oliver Kreuzer, der Sportchef, formuliert den Zwiespalt so: „Vielleicht müssen wir ein Stückweit ins Risiko gehen.“ In jedem Fall wird Lasogga noch am heutigen Mittwoch-Abend, nach seiner Rückkehr aus München, beim HSV im Stadion weiter behandelt.

Macht es also mehr Sinn, so oder so, erst für Nürnberg mit Lasogga zu planen? Wie schwer sich die anderen HSV-Angreifer tun, hat auch das heute Torschuss-Training gezeigt. Wobei: was heißt eigentlich „die anderen Stürmer“? Es gibt mit Jacques Zoua ja nur einen einzigen, der nominell in Lasoggas Rolle schlüpfen könnte. Jedenfalls ist der Kameruner, weder im Training noch im Spiel, ein echter Knipser. Wesentlich besser stellten sich heute schon Robert Tesche und Ouasim Bouy an. Doch dazu später.

Was Jacques Zoua angeht, hat der ehemalige HSV-Trainer Thorsten Fink heute eine Lanze für den Angreifer gebrochen. Fink hält Zoua, den er im Sommer vergangenen Jahres aus Basel nach Hamburg geholt hat, nach wie vor für einen guten Mann, der Anlaufzeit brauche. Aber, so Fink weiter: „Jacques ist auf jeden Fall besser als die beiden Spieler, die der HSV in der Winterpause geholt hat.“ (Ola John und Ouasim Bouy) Mehr von Zoua (in dieser Bundesliga-Saison erst ein Treffer) und Fink lest Ihr morgen im Hamburger Abendblatt.

Bei Pierre Michel Lasogga ist es neben der medizinischen auch eine Glaubensfrage des Trainers, ob er den Angreifer bringen wird. Komplett ausgeschlossen ist ein Einsatz, um mal bei den sieben aus dem Werder-Spiel zu bleiben, bei Lasse Sobiech. Der Innenverteidiger hat sich im Test gegen die eigene U 23 gestern eine Gehirnerschütterung zugezogen. Außerdem sind ihm gleich drei Zähne abgebrochen. Fünf Tage lang darf Lasse Sobiech sich nun gar nicht belasten. Gute Besserung! Sobiechs Einsatz gegen Frankfurt war allerdings ohnehin nicht vorgesehen, weil sich Mirko Slomka bereits auf sein Abwehrzentrum Djourou/Westermann festgelegt hatte.

Ganz und gar unklar ist noch, welche Mittelfeldspieler zur Verfügung stehen könnten. Rafael van der Vaart hütete auch heute mit einer Grippe das Bett. Das Trio Petr Jiracek/Hakan Calhanoglu/Ivo Ilicevic trainierte individuell mit Reha-Coach Markus Günther. Und Milan Badelj, der nach erfolgreicher Hand-OP wieder ins Training einsteigen wollte, plagen heftige Schmerzen. Dieses Quintett also muss von Tag zu Tag gucken. Am Donnerstag werden wir beim Training sehen, ob der eine oder andere zurückkehrt.

Sportchef Kreuzer hofft, dass zumindest drei der Genannten gegen Frankfurt zur Verfügung stehen. „Bei Hakan bin ich sehr optimistisch“, sagte Kreuzer. „Ich denke, das kriegen wir hin.“ Auch die Entwicklung von Petr Jiracek sei viel versprechend. „Der ist sowieso ein Kämpfer“, meint Kreuzer. Und auch Rafael van der Vaart könnte, wenn das Fieber verschwindet, ein Startelf-Kandidat sein.

Dazu kommen die Langzeitverletzten Slobodan Rajkovic, Maximilian Beister (beide Kreuzbandriss – Rajkovic wurde nicht, wie gestern vom HSV verkündet, gestern operiert – sondern erst am morgigen Donnerstag in Belgien operiert), Zhi Gin Lam (Adduktorenprpbleme), Kerem Demirbay (Bänderriss) sowie Keeper Jaroslav Drobny, dessen verletzte Wade wohl noch nicht bis Sonnabend ausgeheilt sein wird.

„Es ist ziemlich mühsam in diesen Wochen“, fasst Oliver Kreuzer zusammen. „Der Trainingsrhythmus ist auf eine harte Probe gestellt, wenn regelmäßig so viele Spieler ausfallen.“ Viel zu tun gibt es für die medizinische Abteilung des HSV, die ja in den vergangenen Wochen neu geordnet wurde. Nachdem Anfang 2012 die werbewirksam verkündete Zusammenarbeit mit dem UKE begonnen wurde, hatte Philip Catala-Lehnen die Verantwortung. Bereits unter Bert van Marwijk wurde Catala-Lehnen von einer Kapazität abgelöst, wie es in Branchen-Kreisen heißt.

Michael Joneleit, der eine Orthopädie-Praxis in Offenbach betreibt, kümmert sich um die Bundesliga-Spiele herum um die HSV-Mannschaft. Joneleit hat auch einige Jahre in der Schweiz und mit dem bekannten Sportarzt Bernd Seegesser zusammen gearbeitet. In gewisser Weise scheint der Verein also zurückzukehren zu seinem alten Modell, wonach ein Arzt sich als Vertrauensperson um die Mannschaft kümmert.

Zuletzt waren die HSV-Profis für ihre Behandlungen immer wieder zu Ärzten ihres jeweiligen Vertrauens ins ganze Bundesgebiet geflogen, um sich behandeln zu lassen. So macht dann natürlich die gesamte Zusammenarbeit mit dem UKE, die im übrigen auch sehr stark unter dem Gesichtspunkt der Kostenersparnis getroffen wurde, keinen Sinn mehr.

Nun ist also Joneleit da, und seine Aufgabe ist in gewisser Weise mit der von Mirko Slomka zu vergleichen. Sowohl medizinische Abteilung als auch Profi-Mannschaft wurde in den vergangenen Jahren personell kräftig durchgewechselt. Viele Physios, der langjährige Osteopath Thomas Marquardt, der eine oder andere Arzt sind verschwunden. Linewitsch, Niedergassel, vorher Dierk und Schwartz, die beide ja lange Jahre erfolgreich für den HSV da waren. Auch hier täte Kontinuität not.

Im Training heute wurde aus allen Lagen geschossen. Schnelles Spiel nach vorn, Flanken, Kopfbälle und Torschuss. Das hat Mirko Slomka seinen Jungs für heute ins Gebetsbuch geschrieben. Robert Tesche, der „Trainingsweltmeister“, stellte die Keeper Adler und Drobny vor größere Probleme. Auch Ouasim Bouy und –mit Abstrichen – Michael Mancienne bewiesen Treffsicherheit. Bedauerlicherweise sind alle drei nicht gerade die Hoffnungsträger für das Spiel gegen das Team des früheren HSV-Trainers Armin Veh, der sich gegen seinen alten Verein sicher einiges vorgenommen hat. Am Nachmittag war von den Jungs des HSV dann am Trainingsplatz nicht mehr viel zu sehen. Sie trainierten individuell im Kraftraum.

Heute sind noch drei HSV-Profis mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Marcell Jansen trifft mit Deutschland in Stuttgart auf Chile. Verteidiger Johan Djourou ist mit der Schweiz in St. Gallen gegen Kroatien im Einsatz. Und Ola John spielt für die U 21 der Niederlande in Velsen-Zuid gegen Israel. Viel Erfolg – ach, Erfolg ist egal. Verletzt Euch nicht auch noch!

Und dann wäre uns allen sicher geholfen, wenn sich die Erklärungen der Spieler nach dem Frankfurt-Spiel daran orientieren würden, was alle Zuschauer auf den Tribünen sehen und spüren. Schon in Bremen haben die HSV-Profis behauptet, sie hätten gekämpft und alles gegeben. Nein! Abstiegskampf ist mehr als das. Dem Gegner wehtun, so wie es Dortmund beim HSV erlebt hat. Einen Schritt mehr gehen, als man gehen kann. Den Schweinehund überwinden. Diese Eigenschaften stecken nicht in dieser HSV-Mannschaft, jedenfalls nicht von Haus aus. Aber sie muss es eingeimpft bekommen Tag und Nacht vor den entscheidenden Wochen dieser Saison, vor den wichtigsten Wochen der letzten 50 Jahre. Zeigt, dass Ihr keinen Millimeter preisgeben wollt gegen Eintracht Frankfurt. Ist das der Fall, gibt es eine Einheit mit dem Publikum bis zur 90. Minute, die zum Erfolg führen kann. Egal ob Rincon oder Bouy im Mittelfeld stehen, egal ob Lasogga oder Zoua stürmt. Gelingt all dies nicht gegen Eintracht Frankfurt und anschließend, dann Gute Nacht.

Einen entspannten Länderspiel-Abend wünscht
Lars

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