Archiv für das Tag 'Castelen'

Es weihnachtet noch immer sehr

26. Dezember 2013

Es passt nicht ganz zum festlichen Anlass, denn es weihnachtet ja noch immer sehr – aber was Wahrheit ist, das soll auch Wahrheit bleiben.

„Das tut mir leid, die Fans zahlen für eine solche Scheiße auch noch Geld.“

Mit diesem Spruch hat es Rene Adler in die ZDF-Sprüche-Sammlung der Hinrunde geschafft. Der Nationalkeeper, der diesen Satz nach dem 1:5-Debakel gegen Hoffenheim gesagt hatte, ist damit der einzige Hamburger, der in diesem „erlauchten“ Kreis aufgenommen worden ist – auch eine Ehre. Anderweitig sind HSV-Profis oder die „Rothosen“ allgemein ja kaum einmal ganz vorne zu finden. Mal abgesehen davon, dass der HSV in der Statistik „Rückpässe“ bereits nach nur 17 Spielen die Deutsche Meisterschaft errungen hat – keine andere Mannschaft kann in diesem Punkt den Hamburgern das Wasser reichen. Oder den Titel abspenstig machen. Ja, von dieser Hinrunde bleiben einmal mehr viele, viele „großartige“ Eindrücke.

Kurz vor dem Heiligabend hatten wir, die Hamburger Medien-Vertreter, ja noch die Weihnachtsfeier mit dem HSV. Vorstand, Trainer-Team und die Presse-Abteilung waren anwesend, und was mir jetzt gerade einfällt, was ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht schreiben wollte, was aber nun doch raus muss: Ich habe bei meiner Rede, die ich als Dienstältester halten durfte (oder musste), ganz vergessen, mich im Namen der Kollegen bei der Presse-Abteilung um Medien-Direktor Jörn Wolf herum für die Zusammenarbeit in diesem Jahr zu bedanken. Das hole ich hiermit nach. In der Hoffnung, dass mir ein solcher Fauxpas im nächsten Jahr, so ich dann noch immer Dienstältester sein sollte, nicht wieder passiert.

Was ich aber hauptsächlich von der Weihnachtsfeier schreiben wollte war dies: Irgendwann zu vorgerückter Stunde kamen wir auf Trainer zu sprechen. Trainer, die sich in Hamburg versucht haben. Davon gibt es ja enorm viele. Dass wir uns über diese Fußballlehrer unterhielten, lag vielleicht auch daran, dass Bert van Marwijk, der im Gegensatz zu seinem Kollegen und Landsmann Louis van Gaal kein „Feier-Biest“ sein soll, immer noch „da war“ – womit wir (fast) alle gar nicht gerechnet hatten. Der Niederländer hörte allerdings nicht zu, als wir an unserem Tisch (und auch am Nebentisch) über eine besondere Spezies von Menschen sprachen und diskutierten: „Wer war eigentlich der schlechteste HSV-Trainer in der Bundesliga-Geschichte?“

Nach einigen Minuten hatten wir „ihn“. Und es herrschte Einigkeit. Nachdem zuvor einige Namen „gehandelt“ wurden: Michael Oenning (3/11 – 9/11), Bruno Labbadia (7/09 – 4/10), Klaus Toppmöller (10/03 – 10/04), Kurt Jara (10/01 – 10/03), Egon Coordes (3/92 – 9/92) und Josip Skoblar (7/87 – 11/87), das waren die Kandidaten, aber „gekrönt“ wurde dann doch ein anderer: Rudi Gutendorf, vom 1. Juli 1977 bis 27. Oktober 1977 HSV-Trainer, weil Dr. Peter Krohn es so wollte. Nur einer von vielen, vielen Irrtümern. Mein persönlicher Tipp aber wäre Labbadia gewesen, das gebe ich zu. Jörn Wolf, den ich hiermit schon das zweite Mal erwähne (und er will es überhaupt nicht!), behauptet ja bis heute und bis übermorgen, dass ich deswegen auf Labbadia so schlecht zu sprechen bin, weil er mir seine Telefonnummer nicht gegeben hat – aber das ist Blödsinn. Labbadia war zwar der erste HSV-Coach seit Ernst Happel (von dem ich die Festnetz-Nummer aus seiner Wohnung im Lütjenmoor in Norderstedt hatte – er hatte sie mir gegeben), der mir die Handy-Nummer nicht gegeben hatte, aber das war mir wurscht, weil eine solche Aktion ganz einfach zu ihm passte.

Ich kam aus einem anderen, nein, zwei anderen Gründen nicht mit ihm klar. Erstens redete, redete, redete und redete er beim Training so viel, dass es denen drinnen und den draußen auf den Geist ging. Selbst bei minus sechs, sieben oder mehr Grad, es wurde geredet. Weil Labbadia alles ganz genau wusste – obwohl er Nationalspieler trainierte (Ze Roberto, Mladen Petric zum Beispiel), die wesentlich mehr erlebt hatten, als ihr Trainer. Es gab Spieler, die die Augen verdrehten – ob der Reden. Und die hinterher mit uns darüber sprachen (hinter der vorgehaltenen Hand), dass wir ja selbst sehen würden, was da läuft, was da nicht läuft, wie es eigentlich laufen müsste. Nein, die großen Reden des Bruno L. trieben mich an den Rand des Wahnsinns.

Und dann gab es da eine Geschichte, über die ich bisher geschwiegen habe – eine Art Nähkästchen. Viele von Euch werden sich an einen der wenigen großen Tage erinnern, die der HSV in den vergangenen Jahren doch hatte – tatsächlich. Das war am 23. August 2009, das Auswärtsspiel in Wolfsburg. Es war der vierte Spieltag der Saison, der HSV war immer noch ungeschlagen – und führte in Wolfsburg nach sieben Minuten durch Tore von Paolo Guerrero und Eljero Elia 2:0. Als es in Halbzeit zwei plötzlich 2:2 hieß, legte der HSV wieder zu und gewann nach Treffern von Mladen Petric und Romeo Castelen 4:2. Ganz Hamburg lag sich in den Armen. Das war Fußball! Das war endlich einmal wieder ein Spiel, in dem Super-Fußball geboten worden ist, und zwar vom HSV. Das war ein Wahnsinns-Spiel, das war Spitzenklasse.

Wir warteten danach in Ruhe und Freude im Presseraum des VfL auf die Pressekonferenz. Wow, dieses Spiel – traumhaft! Plötzlich stand – oh, schon wieder – dann Jörn Wolf neben mir und sagte: „Kommst du mal bitte mit, Bruno möchte dich sprechen.“ Oha, das musste ja ganz etwas Besonderes gewesen sein, wenn mich der HSV-Trainer nach einem solchen Titan-Spiel sprechen will. Vorbei an allen Ordnern (an denen ich sonst natürlich nie vorbeigekommen wäre) nahm mich der HSV-Mediendirektor mit bis vor die HSV-Kabine: „Warte kurz hier.“ Natürlich. Drinnen hörte ich fröhliche und laute Stimmen, die Freude über den Sieg und dieses tolle Spiel war bis draußen zu vernehmen – und zu spüren. Und dann kam er, Bruno Labbadia.

Und es haute mich um, was er von mir wollte: „Dieter, du hast heute einen Artikel über mich im Abendblatt gehabt, in dem du mich mit Felix Magath vergleichst. Schreibe so etwas nie wieder. Weil das Mist ist. Ich möchte nie mit Felix Magath verglichen werden, weil ich ein ganz anderer Typ bin. Also, klar? Nie wieder mit Felix Magath vergleichen.“

Wie bitte?

Aber klar, natürlich klar.

Ich war fassungslos. Das blieb so auf der Rückfahrt, das blieb so in den nächsten Tagen – im Prinzip hält das bis heute an. Da hat ein Trainer ein solches Erfolgserlebnis, da spielt die Mannschaft eines Mannes so guten Fußball, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hatte – und dann hat dieser Trainer nur Minuten nach einem solchen Triumph nichts anderes zu tun, als zu sagen, dass er nie wieder mit Felix Magath verglichen werden wolle. Oha. Dieser Stachel muss wohl tief gesessen haben. Aber egal, ich kann so etwas bis heute nicht verstehen. Wenn Labbadia es mir in den folgenden Tagen gesagt hätte – alles okay, aber nur Minuten nach einem solchen Super-Auftritt, und selbst dann, wenn er nur jubelnde Spieler um sich herum hat . . . Mir fehlen die Worte. Immer noch. Aber so ist er.
Obwohl ich das Ganze nun auch nicht wieder so hochsterilisieren möchte . . .

Ganz anderes Thema. Lars hat ja schon aus der neuesten „supporter news“ zitiert, Ausgabe Dezember. Da geht es, wie zuletzt überwiegend, um die Strukturen des HSV. Diesen Pass möchte ich jetzt aber nicht aufnehmen, ich glaube ohnehin, dass wer jetzt nicht weiß, wie er sich am 19. Januar entscheiden muss, der wird es dann auch nicht wissen. Das wäre dann die Sache mit Hopfen und Malz . . . Nein, ich möchte mich mit zwei Artikeln von Ulie Liebnau auseinandersetzen. Beziehungsweise, ich möchte sie loben. Als ich das gelesen habe, dachte ich auf Anhieb: „Aber hallo, so etwas hast du ja in diesem Blatt noch nie gelesen.“ Das nie mag nicht stimmen, aber es kam auf jeden Fall sehr überraschend für mich. Und nochmals: Kompliment.

Auf Seite 51 geht es unter der Überschrift „Zurechtgerückt“ und „Scheinheilig. Die Dritte“ auch um die Strukturen, über die Ulie Liebnau in der sn-Ausgabe 74 geschrieben hatte: „Wir brauchen keine Strukturveränderungen und auch keine scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller!“ Das brachte, neben anderen, auch Jürgen Hunke auf den Plan, der darauf antwortete: „Wer mich richtig kennenlernt weiß, dass ich alles zum Wohle des Vereins mache.“

Daraufhin trafen sich Ulie Liebnau und Jürgen Hunke – und das Fazit nach diesem Treffen lautete (U. L.): „Ich habe Jürgen Hunke als Menschen kennengelernt, der sich in der Vergangenheit erfolgreich für den HSV eingesetzt hat und der sich auch heute noch hoch motiviert für das Wohl des Vereins engagiert. Dass seine dynamischen, wortreichen und immer auf Überzeugung ausgerichteten Auftritte auch Verwunderung, Widerstand und vielleicht auch Neid, erzeugen können, ist nachvollziehbar, ihn aber in die Gruppe der „scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller“ zu stecken, wird ihm nicht gerecht. Auf mich wirkte Jürgen Hunke authentisch.“

Das, lieber Ulie Liebnau, zeugt von menschlicher Klasse, das ist einfach nur gut. Trotz allem möchte ich mich noch einmal überrascht äußern, so etwas hätte ich in den „sn“ nicht erwartet. Ulie Liebnau schreibt dann noch weiter: (Nachtrag in Klammern: Mein Urteil über Jürgen Hunke habe ich revidiert. Offen bleibt für mich die Beurteilung derer, die sich zur Zeit um den HSV Sorgen machen und mit großem Einsatz öffentlich für eine radikale Struktur-Änderung einsetzen. Aber das ist ein anderes Thema.)

In der Tat.

Der Sinneswandel in Sachen Jürgen Hunke aber ist immer noch großartig. Hier wurde erst etwas in den Raum gestellt (vielleicht auch auf Jürgen Hunke bezogen, vielleicht), dann zog sich ein Mann (Jürgen Hunke) den Schuh an – und es wurde miteinander gesprochen. Ich wette, dass es den meisten Leuten, die teilweise so blindwütig auf Jürgen Hunke eindreschen und ihn ins Abseits stellen (teilweise sogar vernichten), nach einem persönlichen Gespräch (mit J. H.) ganz anders denken würden. So wie Ulie Liebnau jetzt. Dass Ulie Liebnau das so offen zugibt – hervorragend. Ganz, ganz stark. Ich jedenfalls, da bin ich auf der Linie von Liebnau, habe Jürgen Hunke schon vor Jahrzehnten so kennengelernt. Der Mann geht seinen Weg, der kennt mitunter auch nicht links und rechts – aber der HSV steht in seinem Fokus. Jürgen Hunke ist gewiss nicht einfach, aber er selbst hat es sich auch nie einfach gemacht. Er ging auch dann seinen Weg, wenn er genau wusste, dass es höchst unangenehm für ihn werden könnte. Das habe ich stets an ihm geschätzt – und werde es auch immer schätzen. Unabhängig einmal davon, ob er mit seinem Struktur-Veränderungs-Modell nun richtig liegt – oder nicht. Mir wäre in diesem Fall wohler, und mehr sage ich zu dieser Struktur-Vielfalt auch nicht, wenn sich HSVPlus und Hunke am Ende einigen und dann auch vereinigen könnten. Damit es nicht noch eine weitere Spaltung in und zu diesem Thema gibt, dann die könnte letztlich alles zunichte machen.

Und noch einmal Ulie Liebnau. Und auch dafür ein dickes Kompliment. Auf Seite 66 der „sn“-Dezember-Ausgabe schreibt er unter der Überschrift: „Scheiß Sankt Pauli?“, dass beim gemeinsamen Feiern mit der Mannschaft und den Fans der Nordtribüne (nach dem 3:1-Sieg über Hannover 96) auch jemand etwas nicht so sehr Freundliches gerufen hätte. Nämlich „Scheiß Sankt Pauli!“ Und dass die Nordtribüne zurückgebrüllt hätte: „Scheiß Sankt Pauli!“

Liebnau schließt seinen Kommentar wie folgt ab: „Nun gut, ich bin schon etwas älter als der Durchschnitt der Brüller und hab’ mal gelernt, dass bei Hunden der Kleinere den Großen ankläfft, nicht umgekehrt. Und darum frag ich euch HSV-Begeisterte: Habt ihr das nötig, den kleineren Hamburger Verein zu beleidigen?“

Wenn das keine Realsatire ist, und davon gehe ich in diesem Moment einmal aus, dann ist auch das klasse. Weil ein solcher (kleiner) Beitrag auch zum Nachdenken anregt. Was hat, das habe ich mich schon immer gefragt, Sankt Pauli bei einem HSV-Spiel zu suchen, wenn Sankt Pauli gar nicht beteiligt ist?

Dass Ulie Liebnau dazu anregt, sich einmal zu hinterfragen, passt bestens in diese Tage – vor dem 19. Januar. Wir alle sollten uns einmal hinterfragen, ob dieses oder jenes (im Streit der Strukturen) nötig ist, nötig wird? Letztlich muss der Verein, unser HSV, eine demokratische Wahl (und nicht nur die eine, hoffentlich) überstehen, ohne Schaden zu nehmen, ohne auseinander zu brechen. Darüber sollten sich spätestens jetzt einmal alle Gedanken machen, die bislang ganz scharfe Geschütze aufgefahren haben.

Ich frage jeden, der in diese Richtung tendiert:

Habt Ihr das nötig?

So, nun werde ich mir in Ruhe den englischen Fußball ansehen, West Ham United (ohne Guy Demel) gegen Arsenal (mit Mertesacker und Özil) – ganz ohne Fußball geht es ja nicht . . .
Lasst das Weihnachtsfest schön, ruhig und stressfrei ausklingen, dann haben diese Tage ihren Sinn erfüllt.

16.15 Uhr

Die Träume platzten auch woanders . . .

16. Juni 2013

Wer kommt, wer geht? Fragen, die die Fans bewegen. Jetzt und in jeder Sommer- oder Winter-Pause. So auch im vergangenen Jahr, als sich im Juni gleich zwölf HSV-Spieler aus Hamburg verabschiedeten. Die meisten von ihnen sicherlich mit dem Gedanken, dass sie vom HSV verkannt worden sind, und dass sie mit dem nächsten Verein das ganz große Los gezogen haben, um nun karrieremäßig durchzustarten. Träume, die allerdings nur bei den wenigsten Spielern, die es beim HSV versucht haben und letztlich für zu leicht befunden wurden, in Erfüllung gegangen sind. Wer erinnert sich noch an die Profis, an die Namen – zwölf an der Zahl?

Einer, der es geschafft hat, ist sicherlich Paolo Guerrero. Der Peruaner wechselte (viel zu billig und für weniger, als es mit den angeblich fünf Millionen angegeben wurde) zu Corinthians Sao Paulo und wurde Stammspieler. 27 Partien bestritt Guerrero für den brasilianischen Erstliga-Club und erzielte dabei zwölf Tore. Kleiner Wermutstropfen: Paolo wurde insgesamt in neun Spielen ausgewechselt.

Etwas mehr hatte sich wohl Mladen Petric versprochen, als er vom HSV zum FC Fulham wechselte. Der Kroate brachte es zwar auf 23 Erstliga-Partien in England, wurde dabei aber vom ehemaligen HSV-Trainer Marin Jol in 14 Partien ein – und in acht Begegnungen ausgewechselt. Insgesamt brachte es Petric dabei nur auf 883 Spielminuten, in denen er immerhin fünf Treffer erzielen konnte. Sein letztes Länderspiel bestritt Mladen Petric am 6. Februar gegen Südkorea, sein Vertrag lief am 30. Juni 2013 aus – und bislang gibt es noch keinen Anschlussvertrag und keinen neuen Arbeitgeber. Dass hatte sich der Torjäger ganz sicher auch etwas anders vorgestellt, als er vor einem Jahr seine Zelten in Hamburg abbrach.

Ebenfalls nicht ganz so gut ist es für David Jarolim gelaufen, der vom HSV keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte und den es dann nach Frankreich zog. Zum Erstliga-Club FC Evian Thonon Gallard. Dort schaffte der Tscheche dann aber nur fünf Einsätze, dreimal wurde er dabei ausgewechselt. Aus persönlichen Gründen löste „Jaro“ dann im Herbst seinen Vertrag auf und schloss sich in Januar dem tschechischen Erstliga-Verein Mlada Boleslav an. Der 34-jährige Jarolim machte bis zum Sommer noch elf Spiele und steht zurzeit ohne neuen Verein da. Das alles ist sicherlich nicht ideal und auch nicht im Sinne des ehemaligen HSV-Kapitäns gelaufen, aber er besitzt mit dem HSV ja noch immer eine vertragliche Anschlussvereinbarung, und die könnte schon in diesem Sommer in Kraft treten: Jugendtrainer, Spieler bei der Regionalliga-Mannschaft? Vieles ist vorstellbar.

Ganz schlecht ist es sogar für Gökhan Töre gelaufen, der Deutsch-Türke galt bei vielen Experten als ein Jahrhunderttalent. Auch ich habe den „bulligen“ Dribbelkünstler weitaus höher eingeschätzt, und zudem habe ich bei seinem Wechsel zu Rubin Kazan gedacht, dass Töre nun die Russen aufmischen würde. Hat er vielleicht sogar, aber auf keinen Fall fußballerisch. Nur fünf Erstliga-Einsätze hatte er, dreimal ein- und einmal ausgewechselt, aber meistens war er gar nicht im Rubin-Kader für die Spiele. Töres Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2016, jetzt aber wurde er von den Russen an den türkischen Erstliga-Club Besiktas Istanbul ausgeliehen. Vorerst für ein Jahr.

Und wer erinnert sich noch an Muhamed Besic? Der Bosnier hatte während seiner Hamburger Zeit immer leicht den Verdacht, dass ihn sein Arbeitgeber HSV unterschätzt. Im Sommer 2012 zog es den 20-jährigen Abwehrspieler dann nach Ungarn, um in der Ersten Liga für Ferencvaros Budapest zu spielen. Kein schlechter Plan, denn Besic machte 22 Spiele und schaffte dabei nur einmal nicht die volle Spielzeit. Das ist doch mal eine ordentliche Ausbeute . . .

Romeo Castelen war der dauer-Pechvogel des HSV, auch er erhielt keinen neuen Vertrag mehr – gab aber nie auf. Er verhandelte mit Birmingham City, schloss sich dann aber dem russischen Club Volga Nizhniy Novogrod an, für den er aber nur zwei Spiele machte – zwei Einwechslungen, einmal 15 und einmal 25 Minuten. Dreimal stand Castelen noch im Kader, brachte es aber nicht zu einem Einsatz – jetzt ist er wieder einmal vereinslos.

In die Dritte Liga hatte es Daniel Nagy gezogen, und zwar zum VfL Osnabrück. 33 Spiele bestritt der Mittelfeldmann für den VfL, wurde dabei aber in gleich 20 Partien von Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vorzeitig vom Platz geholt. Nagy brachte es auf lediglich drei Tore. Die Frage, die sich wohl nicht nur der Spieler stellt, ist die: Ist die Dritte Liga schon das Ende der Fahnenstange einer Karriere, die durchaus mal zu großen oder größeren Hoffnungen Anlass gab?

Ähnlich dürften die fußballerischen Träume von Sören Bertram gewesen sein, den es vom HSV zum VfL Bochum gezogen hat. Dann gab es ein böses Erwachen, denn der 22-jährige Bertram schaffte nur drei Zweitliga-Einsätze – und 13 Spiele in der Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum. Das kann doch eigentlich noch nicht alles gewesen sein, oder?

Eine immer noch im Raum stehende Frage ist für mich der bislang unerklärliche Winter-Wechsel von Tom Mickel zur Spielvereinigung Greuther Fürth. Warum? Von der Nummer drei (oder vier) des HSV zur Nummer drei beim Erstliga-Absteiger, das macht auch heute für mich nur relativ wenig Sinn. Mickel brachte es auf keinen Erstliga-Einsatz, stand aber in neun Regionalliga-Partie (in Bayern) zwischen den Pfosten der Kleeblätter. Die Frage, die sich daran anschließt: wie geht es weiter?

Dann gab es da noch den einst mit ganz großen Hoffnungen in Hamburg begrüßten Macauley Chrisantus, der einst als eines der größten Talente der Welt galt. Beim HSV konnte er diesen Ruf nie auch nur annähernd rechtfertigen, er wurde verschiedentlich ausgeliehen, spielte zuletzt für den FSV Frankfurt. Im Sommer 2012 zog es ihn in die Segunda Division nach Spanien, wo er für DU Las Palmas stürmt. 41 Spiele schaffte er, wurde dabei in zwölf Begegnungen ausgewechselt. Das sieht nicht mehr nach der ganz großen Karriere aus.

Zwei haben wir dann noch. Mikael Tavares schloss sich ebenfalls dem FC Fulham an, brachte es aber auf keinen einzigen Premier-League-Einsatz und ist nun schon seit dem Januar 2013 vereinslos. Und Miroslav Stepanek, ebenfalls ein Dauer-Pechvogel des HSV (Kreuzbandrisse), spielte in der abgelaufenen Saison für zwei Vereine. Erst für den FC Senica, dann mit Beginn des Jahres beim MSV Duisburg II. Der Traum von der großen Fußball-Karriere – geplatzt.

So, das waren die zwölf ehemaligen HSV-Spieler, die einst im Sommer 2012 auszogen, doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Nur ganz, ganz wenige haben es geschafft. Ob das vielleicht auch dem einen oder anderen Verantwortlichen im HSV zu denken gibt? Schließlich waren die Spieler einst zum HSV geholt worden, um den Rothosen auf die Sprünge zu helfen . . . Da wurde wohl mit wenig Auge und mit viel Geld eingekauft – besser wäre es natürlich umgekehrt.

Für die neue Spielzeit (2013/14) galt ja der Nürnberger Timm Klose als Wunschkandidat des HSV in der Abwehr – aber daraus scheint nichts zu werden. Klose hat beim 1. FC Nürnberg das Angebot einer Vertragsverlängerung abgelehnt und strebt jetzt einen Wechsel zum VfL Wolfsburg an. „Nach langer Überlegung habe ich mich entschieden, dass, wenn die Möglichkeit besteht, ich die neue Herausforderung annehmen werde und vorzeitig zum VfL Wolfsburg wechseln möchte“, sagt der Schweizer. Vom HSV hat er nichts gesagt.

Und dann noch einmal zum Pokal-Gegner in Thüringen. Der Oberliga-Aufsteiger SV Schott Jena darf sich bei seiner DFB-Pokalpremiere auf eine geballte Ladung Bundesliga-Tradition freuen. Anfang August empfängt der SV Schott im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld den HSV. „Auf 50 Jahre Erstliga-Erfahrung zu treffen, ist eine großartige Sache. Wir wollen das Stadion voll kriegen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Triller. Das Team von Trainer Steffen Geisendorf hatte Ende Mai im Landespokalfinale überraschend den deutlich favorisierten Drittliga-Vertreter Rot-Weiß Erfurt mit 1:0 bezwungen und sich so erstmals in der Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert. Am Sonnabend hatte der SV Schott das letzte Punktspiel dieser Saison mit 8:0 gegen Meuselwitz II gewonnen.

16.47 Uhr

Castelen wird in Salzburg getestet

18. Juni 2012

Der von uns angemietete Satellit stand uns kurzfristig doch nicht zur Verfügung. Immer dann, wenn unsere Techniker dachten, sie seinen „drin“ im Internet, schmiss man uns wieder raus. Ein Dilemma. Und wohl auch Sabotage. Entweder hat dann noch ein anderer Bieter mehr Geld auf den Tisch gelegt, sodass wir außen vor bleiben mussten, oder der Satellit war vergiftet worden. Ähnlich wie die Spieler der Ukraine, die kürzlich bei einem Deutschland-Aufenthalt, so ihr Trainer Oleg Blochin, mit Lebensmitteln vergiftet worden sind. Aber wir arbeiten dran, bis zum Viertelfinale am Freitag sollen und sollten alle Schwierigkeiten beseitigt sein. Auf jeden Fall war tatsächlich der Wurm bei uns drin – ich hätte es vorher wohl nicht beschreien dürfen. Wer die Sendung dann zeitverzögert trotz allem sah, der wird sich sein Bild davon gemacht haben. Ich war und bin von unseren Gästen noch immer schwer begeistert, denn wohl Carl-Edgar Jarchow als auch Oliver Wurm waren einfach nur klasse. Danke dafür. Jarchow ist in jeder Lage souverän, ist die Ruhe selbst und eine starke Nummer eins des HSV; Wurm ist ein großartiger, enorm kreativer und überragender Kollege, von dem ich denke, dass er eines Tages zum Beispiel auch Nachfolger von Doppelpass-Boss Jörg Wontorra werden könnte. Mir hat diese Sendung und haben diese Gäste trotz aller technischer Probleme auf alle Fälle viel Spaß gemacht.

Zum HSV. Es gibt sie ja doch noch, die (Agentur-)Meldung vom und über den HSV:

„Österreichs Fußball-Meister RB Salzburg testet den früheren HSV-Profi Romeo Castelen. Zum Ende der abgelaufenen Saison hatte der langzeitverletzte Mittelfeldspieler den HSV nach fünfjähriger Zugehörigkeit verlassen. „Romeo Castelen ist ein schneller, quirliger und sehr spielstarker Außenspieler. Wir werden ihn in den nächsten Tagen genau ansehen“, sagte Salzburgs Sportkoordinator Oliver Glasner.

Castelen musste viermal am Knie operiert werden. Für den HSV bestritt der 29-Jährige seit seiner Verpflichtung im Juli 2007 lediglich 28 Pflichtspiele. Einen weiteren Hamburger haben die Salzburger verloren. Der frühere HSV-Co-Trainer Ricardo Moniz trat vor einer Woche aus ‚professionellen Gründen’, wie er mitteilte, zurück.“

Ich würde es dem liebenswerten Romeo ja gönnen, wenn er es sich und allen anderen noch einmal beweisen könnte. Allein mir fehlt der Glaube.

Dann zur EM – und halb zum HSV:

Kroatiens Fußball-Nationaltrainer Slaven Bilic verfolgt den Hype um Trainer Jürgen Klopp vom deutschen Meister Borussia Dortmund amüsiert und mit Ironie. So hieß es heute in der Agentur. Und, nun der wichtigere Teil: Bilic, der nach der EM zu Lokomotive Moskau gehen wird, bestätigte, dass er sich schon lange mit dem Gedanken trug, den Posten als Nationaltrainer abzugeben. „2008 wäre es leicht für mich gewesen, zu gehen. Ein großer Verein wollte mich (der HSV, d. Red.), aber mein Weg war noch nicht zu Ende“, erklärte der 43-Jährige: „Und 2010, nachdem wir die WM-Qualifikation verpasst hatten, konnte ich einfach nicht gehen. Der Verband ist 2006 ein großes Risiko eingegangen, als er mich zum Nationaltrainer gemacht hat. Das habe ich nie vergessen, da hatte ich etwas zurückzuzahlen.“

Noch heute bekomme ich ja Kritik dafür, dass ich seinerzeit im Sport 1-Doppelpass gesagt habe, dass ich glaube (und sicher sei), dass Bilic der neue HSV-Trainer wird. Weil ich es aus „seiner Ecke“ als ziemlich sicher vernommen hatte. Bilic sah sich damals ja auch ein Heimspiel des HSV an, ich sprach ganz kurz mit ihm – und ich war mir schon sicher, dass er kommen würde. Als er dann doch nicht kam, hörte ich später (auch aus seiner Ecke), dass er sich daran gestört hätte, dass sich der HSV-Aufsichtsrat (einige Herren jedenfalls) daran gestört hätte, dass Bilic einen Brillanten im Ohr trug. Ob das tatsächlich der Grund gewesen ist, vermag ich nicht zu sagen, ich habe es mehrfach und tagelang versucht, mit ihm zu telefonieren, aber er ging nicht mehr an sein Handy – selbst dann nicht, als ihm ein Verwandter meine Bitte ausgerichtet hatte. Schicksal.

Zur Gruppe B dieser EM. Ich gebe zu, ich war vorher der größte EM-Pessimist, „uns Scholle“ hat mich mehrfach „zusammenpfeifen“ und zur Ordnung rufen müssen, denn ich sah Deutschland in dieser „Hammer-Gruppe“ nach der Vorrunde nach Hause fliegen. Weil die Vorbereitung ja nun wirklich nicht darauf schließen ließ, dass alle drei Gruppenspiele mit einem deutschen Sieg enden könnten. Und nun fahren die so hoch eingeschätzten Niederländer mit ihrer super Offensive heim – sieg- und punktlos, nur zwei Tore geschossen. Und das ist irgendwie eine kleine Genugtuung, denn wenn ich so an 2000, die EM in Belgien und in Holland, denke, wie früh ich damals meine Koffer packen musste . . . Das war schon deprimierend. Erst sah ich den großen Horst Hrubesch nach der 0:3-Klatsche in Rotterdam gegen Portugal weinen wie einen Schlosshund, dann kam ich hier mit hängenden Ohren in Hamburg an. So, als hätte ich selbst mitgespielt und versagt wie Matthäus, Kahn und Co . . . Zum Glück hat Fußball-Deutschland ja solche Szenarien nicht zu oft erlebt. Und auch jetzt, mit dem Erreichen des Viertelfinals, ist ja wieder ein guter Schritt gemacht worden, ist die Position in der Weltspitze doch schon wieder ein wenig untermauert worden. Gratulation.

Und es geht ja noch weiter. Gegen die Griechen. Ein „Freilos“? Otto Rehhagel warnt ja, und auch wenn ich es nicht glauben will – als Griechenland 2004 Europameister geworden ist, müssen wohl alle Gegner von damals gedacht haben, sie hätten ein „Freilos“ gezogen. Genau deshalb macht es dieses Spiel am Freitag so gefährlich.

Dennoch, das muss ich gestehen, glaube ich nicht daran, dass die Griechen diese gute deutsche Mannschaft stolpern lassen können. Es sei denn, die Löw-Bubis unterschätzen den Gegner – was ja im Fußball auch immer wieder passieren soll.

Und will man dem früheren HSV-Torwart Frank Rost Glauben schenken, so hat Deutschland ja auch noch gar nicht überzeugend gespielt. Sagt eine NDR-Meldung aus:

Der ehemalige Nationaltorhüter Frank Rost ist hart mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Gericht gegangen. Dem Radiosender NJoy, bei dem Rost derzeit als EM-Experte gefragt ist, sagte er nach dem 2:1 gegen Dänemark: „ Fußballerisch hat’s mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Es hat kein Kombinationsspiel stattgefunden, so wie wir es sonst von der deutschen Mannschaft gewohnt sind.“ Und Rost setzte trotz des dritten Sieges im dritten Spiel noch einen drauf: „ Du musst halt irgendwas machen und nicht nur hoffen, dass dein Nachbar was macht. Sondern Dich selbst auch mal anbieten. Das hat mir gefehlt.“ Laut Rost muss eine Leistungssteigerung her für die K.O.-Runde: „Überzeugt hat mich bis jetzt noch kein Spiel.“
Nachhören kann man das ganze Interview unter www.ndr.de/sport

Immerhin, und ich finde diese Zahlen erstaunlich, hat das Spiel gegen Dänemark für eine tolle TV-Quote gesorgt:

Das letzte Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark hat die bisher höchste Zuschauerquote der Fußball-EM gebracht. 27,65 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend im Ersten den Einzug der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ins Viertelfinale, das entspricht einem Marktanteil von 74,2 Prozent, wie die ARD mitteilte. Das zweite Gruppenspiel der Deutschen gegen die Niederlande hatten 27,22 Millionen gesehen.

Muss wohl doch etwas dran sein, an diesem DFB-Team.

Auf dem nächtlichen Rückflug aus Lwiw nach Danzig hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach eine Lobeshymne auf die deutschen Fußball-Nationalspieler und Bundestrainer Joachim Löw angestimmt. „Euer Zusammenhalt ist phänomenal. Ich kann euch nur aufrufen, in diesem Geist weiterzumachen. Ihr seid ein fantastisches Team, und ihr sollt wissen, dass ganz Deutschland hinter euch steht. Was ihr geleistet habt, ist außergewöhnlich und alles andere als selbstverständlich“, sagte Niersbach nach DFB-Angaben in seiner von Applaus begleiteten Ansprache über das Bord-Mikrofon.

Niersbach würdigte auch die Verdienste der Sportlichen Leitung um Bundestrainer Löw nach dem 2:1-Sieg gegen Dänemark und Platz eins in der schweren Gruppe B. „Jogi, du hast dich nicht beklagt über manche Schwierigkeiten bei der EM-Vorbereitung. Du hast es mit deiner Art, mit deinem Trainerteam, mit Oliver Bierhoff im Management, durchgezogen. Das ist allererste Klasse“, sagte der DFB-Chef, der anschließend Siegtorschütze Lars Bender („In der entscheidenden Sekunde warst du da“) und Jubilar Lukas Podolski persönlich ansprach. „In deinem Alter 100 Länderspiele erreicht zu haben und dabei 44 Tore erzielt zu haben, da sage ich nur: Das ist klasse. Wir alle sind froh, dass wir einen wie dich in unserer Mannschaft haben.“

Mit lautstarken „Rede, Rede“-Rufen wurde dann Podolski ans Mikrofon gerufen. „Ja, so ist es richtig, zückt alle die Handys und Kameras“, scherzte der Kölner, der seine 100 Spiele als „Wahnsinn“ bezeichnete und schloss: „Danke an alle – und ab ins Finale!“

Podolski rangiert nach seinem 44. Länderspieltor in der ewigen Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nun nur noch einen Treffer hinter Ex-Kapitän Karl-Heinz Rummenigge (45 Erfolge). Und, was uns Hamburger ja ein wenig trifft: Der 27-Jährige hat nun auch HSV-Legende und Ehrenspielführer Uwe Seeler (43) hinter sich gelassen, „uns Uwe“ bringt es (und brachte es) auf 43 Tore.

Unangefochten in Führung liegt weiterhin Gerd Müller mit 68 Toren in 62 Länderspielen. – Die ewige Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Überblick:

1. Gerd Müller 68 Tore/62 Länderspiele
2. Miroslav Klose 63/119
3. Joachim Streich 55/102 (DFV)
4. Jürgen Klinsmann 47/108
4. Rudi Völler 47/ 90
6. Karl-Heinz Rummenigge 45/ 95
7. Lukas Podolski 44/100
8. Uwe Seeler 43/ 72
9. Michael Ballack 42/ 98
10. Oliver Bierhoff 37/ 70
11. Ulf Kirsten 34/100 (14/49 DFV, 20/51 DFB)
12. Fritz Walter 33/ 61
13. Klaus Fischer 32/ 45
14. Ernst Lehner 31/ 65
15. Andreas Möller 29/ 85
16. Edmund Conen 27/ 28
17. Mario Gomez 25/ 55
18. Eberhard Vogel 25/ 74
19. Richard Hofmann 24/ 25
20. Lothar Matthäus 23/150
20. Bastian Schweinsteiger 23/ 93

PS: Am 2. Juli trainiert der HSV (schon) wieder. Es sind nur noch 14 Tage – Land in Sicht.

18.01 Uhr

Castelen: “Der HSV wird wiederkommen – aber das dauert”

30. April 2012

Was für ein Wochenende! Und damit meine ich nicht das lustige Journalistentreffen. Noch weniger meine ich die „Qualität“ des Spiels gegen Mainz. Vielmehr meine ich die Erleichterung nach Kölns Debakel in Freiburg, Herthas Versagen auf Schalke – und natürlich die emotionalen Verabschiedungen der HSV-Profis David Jarolim, Mladen Petric und Romeo Castelen. Was aber am meisten imponierte, war die ungebrochene Loyalität der Fans gegenüber Jaro. Vor dem Stadion wurden Protestplakate hochgehalten, im Stadion wurde der Tscheche minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert. Sogar schon bevor er ausgewechselt wurde. Und es gab überall nur das eine Thema, oder besser, nur die eine Frage: Warum gibt der HSV diesen David Jarolim ab? Ich war es irgendwann leid, immer wieder dieselben Argumente aufzutischen und eigentlich auch fortwährend die gleichen Reaktionen der Fragenden zu registrieren. „Am Kunden vorbei“ nannte Dieter die Nicht-Verlängerung mit dem Tschechen. Und damit trifft er meiner Meinung nach komplett ins Schwarze. Denn bei der Personalie Jarolim schwingt primär große Sympathie für den „Verstoßenen“ mit. Die wiederum hat er sich sportlich hart erarbeitet, der gemeine Fan mag Jarolims Vorbildliche Einstellung und Identifikation mit dem Klub. Jaro gehört eben zur Familie. Und das ist auch gut so.

Es gibt einfach nur sehr wenige Argumente, die FÜR eine Trennung sprechen. Allerdings gibt es ein, zwei Argumente dann doch. Denn, wir dürfen bei aller gerechtfertigten Sympathie für Jaro auch nicht vergessen, wo der HSV hin will. Es ist nicht der Kampf gegen den Abstieg, wie Fink gesagt hat. Es sind die Top Acht, wie Arnesen gesagt hat. Angesichts der verkorksten Saison 2011/2012 aus meiner Sicht überraschend ambitionierte Ziele, die mit jungen Spielern erreicht werden sollen. Aber ganz ehrlich, wer von uns meckert denn noch, wenn der Sportchef plötzlich einen zweiten Nigel de Jong aus dem Hut zaubert, der auch noch voll einschlägt? Wer von uns regt sich über Jarolims Vertragsende auf, wenn der HSV in der kommenden Saison sportlich positive Schlagzeilen macht? Am Ende wahrscheinlich niemand. Nein, es bleibt dabei: Die handelnden Personen werden an ihren eigenen Aussagen gemessen. Man muss es eher so sehen: Arnesen hätte es sich leicht machen können, Jaro ’nen kleinen Vertrag geben und sich so aus der Schusslinie bringen. Jaro hätte dem HSV geholfen, ganz klar. Aber, und das möchte ich mal wohlwollend positiv formulieren: Arnesen ist mutig, sich gegen alle Widerstände von Jaro zu trennen, wissend, dass er insgesamt und insbesondere bei der Jaro-Nachfolge dadurch unter erhöhtem Druck steht…

Aber gut, das sollte es dann vorerst auch sein. Wir warten ab, was die nächsten Wochen und Monate an Personalentscheidungen bringen. Alles, was wir bislang machen, sind Vermutungen in den Raum zu stellen und unser (noch berechtigtes) Unverständnis über Jaros Abgang zu äußern. Dennoch hoffe ich, dass Arnesen einen gut durchdachten Plan verfolgt, dass er längst weiß, was er abgibt und was er braucht. Vielleicht steht der Nachfolger schon in den Startlöchern und Arnesen straft alle Skeptiker Lügen.

Wobei, das war zugegebenermaßen im letzten Sommer nicht der Fall. Damals hatte ich hier offen meine Befürchtung geäußert, dass der Däne die Bundesliga angesichts seiner Transfers zu unterschätzen scheint. Und ehrlich gesagt, gibt es wenig Anlass, jetzt zuversichtlicher zu sein – weil wir bis auf Adler, Beister und Rudnevs noch nichts haben, was wirklich optimistisch stimmt. Außer vielleicht, dass dieses Mal Trainer Thorsten Fink seinen Kader selbst zusammenschustert und nicht einen anderen übernimmt.

Was mich aber jetzt schon freut ist, dass unser Dauerpatient Romeo Castelen wieder gesund ist. Sagt er selbst auf jeden Fall. Deshalb habe ich mich heute mal mit dem sympathischen Niederländer unterhalten und stelle das kurze, nette Gespräch hier als Interview rein. Denn ich finde, dass bei den viel diskutierten und viel beachteten Abschieden Jarolims und von Mladen Petric der von Castelen zu kurz gekommen ist. Denn auch wenn er in den letzten vier Jahren verletzungsbedingt nicht allzu viele Spiele (17 Bundesliga- und fünf regionalliga-Spiele) für den HSV gemacht hat, war er dem Vernehmen nach ein sehr positiver Faktor innerhalb der Mannschaft. Generell aber schon deshalb hat er es verdient, hier noch mal gewürdigt zu werden. Das Gespräch:

Matz Ab: Romeo, am Sonnabend standst Du das letzte Mal für den HSV auf dem Rasen. Was war das für ein Abschied?
Romeo: Ein sehr schöner, ein sehr trauriger. Denn ich war sehr gern hier, wollte dem Verein viel mehr geben, als ich es letztlich konnte. Leider haben mich meine Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Aber ich glaube sagen zu können, dass es der richtige Schritt für mich war, nach Hamburg zu gehen. Ich habe hier viele neue Freunde gefunden und einen Verein kennengelernt, der riesengroßes Potenzial hat. Sportlich wie menschlich.

MA: Was glaubst Du, wie geht es für den HSV weiter?
Castelen: Der Verein hat eine schwierige Phase gehabt und diese gemeistert. Jetzt steht der nächste Umbruch bevor, da sicherlich wieder viele Neue kommen. Aber an Gladbach hat man gesehen, was in der Bundesliga passieren kann. Eben noch Abstiegskandidat, jetzt schon Qualifikant für die Champions League. Die Bundesliga ist verrückt. Ich glaube, dass der HSV wieder die richtige Richtung einschlägt und auf Allerdings glaube ich auch, dass der HSV das nicht in einem Jahr alles auf einmal schaffen kann. Es wird dauern.

MA: Wie Deine Rückkehr. Du bist Ewigkeiten ausgefallen. Woran lag es?
Castelen: Das hatte viele Gründe. Ich hatte sehr viel Pech mit kleineren Verletzungen. Schlimmer kann es gar nicht mehr kommen. Dazu kam, dass ich falsch operiert worden bin.

MA: Falsch operiert? Was ist da passiert?
Castelen: Wir hatten damals die Wahl, welchen Eingriff wir machen und haben uns offenbar für den Falschen entschieden. Das konnte man vorher nicht wissen – aber ich habe meine Lehren daraus gezogen. Wie auch insgesamt aus der harten Zeit. Ich möchte mich hier an dieser Stelle auch noch mal für die tolle Unterstützung des HSV bedanken. Damals hat Bernd Hoffmann an mich geglaubt und die Fans sind sowieso unfassbar. Die waren damals schon sensationell, als wir um die Europa League spielten. Aber das waren auch gute Zeiten. Wie sie aber in diesem Jahr mit der Mannschaft umgegangen sind, das zeigt, dass sie richtig gute, positive und unterstützende Fans sind. So geduldig und so positiv – das ist schon außergewöhnlich. Ich habe das von außen miterlebt und vielleicht noch etwas differenzierter Wahrgenommen. Aber ich kann sagen: das hat mich beeindruckt.

MA: Zuletzt hast Du viermal für die U23 gespielt. Wie geht es sportlich für Dich weiter?
Castelen: Ich bin wieder gesund, kann endlich wieder spielen. Ich weiß noch nicht, wo ich nächste Saison spielen werde. Aber zum Glück gibt es aus meiner guten Zeit noch etliche Leute, die sich an mich erinnern und die wissen, wozu ich fähig bin. Klar ist, dass ich weiter professionellen Fußball spielen will. Unklar ist nur, in welcher Liga.

MA: Also wäre für Dich auch ein Wechsel in einer Zweite Liga denkbar?
Castelen: Naja, eigentlich meinte ich eher, dass ich noch nicht weiß, ob ich in der Deutschen, der Englischen, der Spanischen oder der Niederländischen Liga spielen werde. Ich bin jetzt gerade mal 28 Jahre alt, ich weiß um meine Qualität und ich habe noch eine Menge Ambitionen…

MA: Ah, okay! Das klingt doch sehr gut. Was genau nimmst Du aus Hamburg mit?
Castelen: Alles. Wir lassen nichts hier, werden aber immer wieder gern nach Hamburg zurückkehren. Die Stadt ist super schön.

MA: Ich meinte eher, was nimmst Du an besonderen Eindrücken, Lehren und Erinnerungen mit?
Castelen: Ach so. Aber auch da gilt: alles! Ich habe hier sehr viele Tiefen aber auch einige Höhen miterlebt, die ich nicht vergesse. Da war mein Tor beim Comeback in Wolfsburg, das ich als Glücksgefühl sicher nie vergessen werde. Das war unglaublich. Wie das gesamte erste halbe Jahr, in dem wir riesigen Fußball gespielt haben mit tollen Fußballern. Wenn ich nur an Kompany, van der Vaart, Olic denke, um nur einige zu nennen – das war schon richtig hochkarätig. Damals haben wir alle gedacht, dass wir schon sehr bald einen Titel feiern würden. Und wir haben europäisch gespielt. Die Zeit war super – vor allem, weil ich gut spielte und gesund war. Und dass es jetzt doch noch einige Vereine gibt, die mich trotz der langen Verletzungspause auf dem Zettel haben und holen wollen, das gibt mit neues Selbstvertrauen.

MA: Klingt so, als sollten für Dich jetzt endlich wieder ein paar fette Jahre folgen. Und vielleicht sehen wir uns ja irgendwann als Gegner in der Champions League oder mit den Nationalmannschaften bei der WM in Brasilien wieder…
Castelen (lacht): Oh Mann, ja! Das wäre ein Traum!

MA: Mit sportlichen Niederlagen für Dich…
Castelen: Abwarten! Obwohl ich sagen kann, dass ich das keinem Verein mehr gönnen würde, als dem HSV.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber Castelen ist einer, der sich nach außen extrem positiv verkauft. Ich glaube sogar, dass er wirklich ein richtig netter Kerl ist, der das Herz am rechten Fleck trägt. Und wer sich seine Leidensgeschichte einmal ansieht, der wird mir beipflichten, wenn ich Romeo Castelen auf seinem Weg etwas mehr Glück, einige Erfolge aber vor allem Gesundheit wünsche. Was hiermit geschehen ist.

In diesem Sinne, auch Euch wünsche ich ’nen schönen Abend und den einen oder anderen Tanz in den Mai. Am Dienstag wird um zehn Uhr trainiert, bevor es um 15 Uhr zum Testspiel bei Concordia Schönkirchen geht.

Scholle

Kurz notiert:
Abschied: Sören Bertram wechselt zum VfL Bochum. Der 20-jährige Mittelfeldspieler unterschreibt beim Zweitligisten einen Vertrag bis 2015.
Der Mittelfeldspieler der Rothosen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, erhält beim Zweitligisten einen Vertrag bis 2015. Seit 2015, damals im zarten Alter von 14 Jahren wechselte Bertram zum HSV und durchlief die B- und A-Jugendmannschaften. Er absolvierte in der Saison 2009/10 zwei Bundesligapartien für den HSV und wurde in der vergangenen Serie an den FC Augsburg verliehen. Diese Saison schaffte er sechs Treffer in 25 Spielen für die U23. Arnesen: „Wir wünschen Sören auf seinem weiteren Weg alles Gute”, sagte Frank Arnesen.“

Abschiedstour: Für den HSV geht es nach dem letzten Bundesligaspiel am Sonnabend in Augsburg weiter zu einer wahren Saison-Abschiedstour. Am Sonntag geht es anlässlich der 850-Jahrfeier von Bergedorf zum Oberligisten Bergedorf 85 (15 Uhr, Sander Tannen). Am 11. Mai geht in den Landkreis Stade zum SV Drochtersen/Assel (Anstoß: 18.30 Uhr) und am 13. Mai gegen den VfB Stuttgart im Büdelsdorfer Eiderstadion (15 Uhr). Den Abschluss der Testspielreihe bildet die Partie gegen den Lüneburger SK anlässlich dessen 111-jährigen Vereinsjubiläums (15. Mai, 19 Uhr, Wilschenbruch).

Und am Ende noch ein paar sehr lesenswerte, interessante Blogbeiträge.
Angefangen mit dem von „Mustang“:

„War mit dem jungen Schweden beim Spiel und danach ein wenig dabei; mein Gastgeber fragte FA nach den Gründen für die Jaro-Entscheidung und er hat bloß politisch korrekt geflunkert (“nachdem er in der Hinrunde nicht mehr zum Einsatz kam, wollte Jaro weg; da haben wir uns umorientiert”). Mein Gastgeber fragte Per Skjelbred, warum Jaro nicht mehr dabei sein würde und S. hob die herausragend-einmalige Rolle von Jaro in der Mannschaft, im Training und seine Akzeptanz im Team hervor – er selber wird versuchen, sich beim HSV endlich im ZOM durchzusetzen, wenn man ihn lässt und ihm eine Chance einräumt.

Unsere Vereinsführung versteht es nicht, an neue Finanzmittel heranzukommen – sie lässt sich allerdings gar nicht erst umfassend beraten, sondern will
allenfalls die Stadionfinanzierung umschulden – und der dänische Märchenonkel ist zwar charmant und weicht den wichtigen Fragen nicht ungeschickt aus, wie soll er sich unter ‘Mustang’ eine Person auch vorstellen; der Trainer war wirklich taktisch nicht besonders ideenreich. Der Eindruck musste entstehen, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht – man ist schon wieder mit dem Erreichten zufrieden und hat eigentlich keinen Schimmer, wie es konzeptionell auf allen Ebenen des Vereins weiter gehen soll und wo die Reise hingeht. Der Gesamtverein HSV ist ein derartkompliziertes Gebilde und abverlangt derart viel politisches Geschick seitens EOR, den Dampfer überhaupt über der Wasserlinie zu halten, dass die meiste Energie internen Grabenkämpfen und Eitelkeiten zum Opfer fällt. Hier wird handwerklich nicht mehr sauber gearbeitet, weder in finanzieller Hinsicht im Vorstand noch in Sachen merkliche Verbesserung der Kaderzusammenstellung, Spielkonzept und – philosophie auf SpoDi-Ebene, geschweige denn taktische Variabilität auf Seiten des Trainerstabs. Es ist TF nicht gelungen, die Spieler und das Spiel zu befeuern und merklich zu verbessern. Der kometenhafte Aufstieg von Töre ist verpufft (es hält sich in Istanbul hartnäckig das Gerücht, dass ein Tausch Milan Baros – Töre diskutiert wird; Sala zeigt Ansätze, Arslan ist wieder im Niemandsland angelangt, Per Skjelbred hat den Durchbruch nicht hinbekommen – eine reale Chance sieht allerdings auch anders aus – Bruma ist wechselhaft, Mancienne konnte sich beim TW bedanken, dass ein Klops nicht zur Niederlage führte, Son war direkt vor meinen und Collos Augen (er saß ein paar Plätze vor uns und hat mitgefiebert) als ROM viel zu wenig anspielbar, wenn ihm auch zentral ein paar ganz gute Ideen einfielen, das Spiel anzukurbeln, denn sonst tat es ja niemand. Unser ZOM und Spielaufbau liegt nämlich vor wie nach völlig brach.

Eine Palastrevolultion mit Didi Beiersdorfer als neuen VV und Symbolfigur für eine gewisse Integration der HSV-Fliehkräfte und Spielertradition mit Sachverstand im Management und Fußball ist zwar darstellbar, wenn man die Satzung juristisch überprüft – diese Kogge können wir kapern. Aber der Kraftakt, sie umzusetzen und mit neuen, professionell besseren Protagonisten auf allen jenen Ebenen zu besetzen, ist für Menschen mit Familienleben und einer normalen beruflichen Karriere in der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit, es sei denn, eine Privatperson nehme wirklich viel Geld in die Hand. Aber auch diese Herangehensweise würde als zu kontrovers niedergeschrien werden. Wir können uns in Versammlungen äußern und auch bei Matz-Ab was schreiben; Eiche zum Fußballerischen, Benno zum Atmospärischen, der junge Schwede, Rauten-Hannes, Mörfi, NeilYoung, Mustang und SW11 zur Vereinspolitik; Trapper, we are family und alnipe zur Taktik und Grundstimmung im Verein und auf den weiten Rängen; aber realistisch ist eine Wachablösung und Umsetzung der von Billy und Dieter Matz oftmals geforderten radikalen Neuorientierung des HSVs – für eine nachhaltige und bessere sportliche Zukunft, gar nicht mal einen Bayern-Konkurrenten – erst mal nicht.

Viel zu viele sind mit dem jeweils Erreichten viel zu zufrieden; diesmal war es der Nicht-Abstieg, der dem Umstand geschuldet ist, dass eine persönliche Differenz zwischen Babbel und Preetz den Niedergang der Hertha beschleunigt hat und der 1. FC Köln schon seit Jahren vor allem durch Selbstauflösung hervorsticht – Volker Finke hatte die Kurve in den letzten drei Partien der vorletzten Spielzeit mit drei Siegen gerade nochmal gekratzt.

Von „Fuxi“:

ZITAT: Von der – auch und vor allem von ihm – so oft hervorgehobenen und beschworenen „guten Qualität“ des HSV-Kaders war in dieser Saison jedenfalls nicht oft etwas zu sehen. Nur drei Heimsiege in 17 Spielen – das ist, um es noch einmal beim deutlich Namen zu nennen, einfach nur erbärmlich und spricht eine viel klarere Sprache, wie es wirklich um den HSV 2011/12 bestellt war.

Diese Aussage kann ich nur vollauf unterstützen. Die Tabelle lügt nicht. Sie kann nach wenigen Spieltagen etwas verzerrt sein, aber wenn eine Mannschaft während einer ganzen Spielzeit zwischen Platz 18 und Platz 12 pendelt, dann hat sie allenfalls mäßige, aber keine gute Qualität. 8 Siege in 33 undesligaspielen, davon gerade 3 Heimsiege, sprechen eine deutliche Sprache. 12 Unentschieden – heißt nichts anderes als mangelnde Siegfähigkeit. Und dann dazu noch drei mehr als klare, deklassierende Niederlagen gegen Dortmund und Bayern. Um nicht zu sagen: Schlachtfeste. Nein, der HSV stand in dieser Saison völlig zurecht dort, wo er stand.

ZITAT: Thorsten Fink sagte auch: „Es kann natürlich nicht unser Anspruch sein, immer gegen den Abstieg zu spielen, aber in dieser Saison war es nach diesem Beginn nicht anders möglich. Die Last des Fehlstarts haben wir durch das ganze Jahr tragen müssen.

Das ist eine nette Geschichtsklitterung, Herr Fink! Michael Oenning ging nach dem 6. Spieltag, da hatte der HSV gerade 4 Punkte und war Letzter. Thorsten Fink feierte sein Debüt am 10. Spieltag, da waren es 7 Punkte. In den folgenden 8 Partien unter seiner Regie holte der HSV 12 Zähler, nach dem 1:1 gegen Augsburg waren es also 19. Ordentliche Bilanz. Nach dem 23. Spieltag waren es 27 Punkte und damit Kontakt zu Rang 8. Nur: In den verbleibenden 10 Spielen gab es gerade 9 (!) Punkte – das hat REIN GAR NICHTS mit dem schwachen Saisonstart zu tun!

ZITAT: Dass aber auch David Jarolim, im Herbst schon still und heimlich auf das Abstellgleis geschoben, gehen muss, obwohl er (gemeinsam mit seinem Landsmann Jaroslav Drobny) den HSV fast im Alleingang gerettet hat, das fand (und findet immer noch nicht) keine Zustimmung in und um Hamburg herum

Auch ich bin wenig erbaut davon, dass das Leistungsprinzip dermaßen ausgehebelt wurde. Zumal David Jarolim von allen Feldspielern des HSV die beste Kicker-Durchschnittsnote aufweist, nämlich 3,41. In einer Mannschaft, in der nur fünf (!) Feldspieler mit mehr als 10 Einsätzen überhaupt einen
Notenschnitt oberhalb von 4,00 haben! Ich gehe jedenfalls auch davon aus, dass wir Jaro nächste Saison noch schmerzlich vermissen werden. Adler (wenn’s denn klappt) ist auf der Linie so gut wie Drobny, aber besser in der Spieleröffnung und in der Strafraumbeherrschung. Das ist aber nach aktuellem Stand die einzige wirkliche Verbesserung. Dass Artjoms Rudņevs so einschlägt wie erwartet, sehe ich noch nicht. Gerade mit seiner überschaubaren Größe von 1,78m ist er bei unserer Dauertaktik – Flanken von links wild durch den Sechzehner – nicht gerade ein Kopfballungeheuer… Dirk Kuyt übrigens mit seinen 1,84m auch nicht (da isser so groß wie Berg) – und der FC Liverpool ist auch lange keine Weltmannschaft mehr. Der ist kein zweiter Raúl. Wohl eher ein zweiter van Nistelrooy… Mit der Personalie Petric kann ich leben. Man muss einfach sagen, dass seine Saison absolut besch…eiden war und auch der Einsatz nicht so oft stimmte, wie man es von einem Stürmer seiner einstigen Klasse erwarten können müsste. Für seine gezeigten Leistungen in den drei Saisons davor hat er sich den Abschied jedoch redlich verdient, das sei hier auch klargestellt.

ZITAT: Aber diesen Ball nahm Carl-Edgar Jarchow auf und sagte zusammenfassend: „Es kann nur besser werden, und es wird besser werden.“

Naja, im Moment sieht es eher nicht danach aus. Im Gegenteil. Mit seiner Taktik, dass die Bundesliga keinerlei finanzielle Einschnitte machen muss, aber dafür sämtlichen anderen Abteilungen Mittel gekürzt werden sollen – was nichts anderes heißen kann, als dass neuerdings (wieder) Mitgliedsbeiträge, mit denen bisher nach meinem Wissen und Aussagen von Abteilungen ausschließlich der Breitensport finanziert wurde, für die Fußball-Bundesliga “zweckentfremdet” werden, da die gleichen Quellen angaben, keinerlei Finanzhilfen aus dem Bundesligatopf zu erhalten -, macht er sich keine Freunde. Ganz im Gegenteil. Wenn die Bundesligamänner bei der nächsten JHV wieder gegen den Abstieg arbeiten (oder dafür?), wird’s auf der Versammlung ganz schön knallen… Perspektivisch glaube ich, dass es auf der JHV krachen wird. Nur weil davon geredet wird, die Mannschaft dürfte gelernt haben, hat sie nicht gelernt. Ich sehe auch nicht, dass der Kader nächste Saison zwingend stärker ist. Geschweige denn, dass Fink das richtige Konzept hat, denn er geht taktisch nur äußerst widerwillig nach den Spielern, die er im Kader hat (siehe Personalie Jarolim, die anfangs nichts mit Leistung zu tun hatte, sondern nur mit dem Willen Finks), sondern versucht die vorhandenen Möglichkeiten in sein Konzept einzupressen, ob es passt oder nicht. Damit wird er genauso scheitern wie jeder andere “Konzepttrainer”, der Vorstand und Aufsichtsrat in den letzten Jahren vortragen durfte, wie toll das doch alles auf Papier und in Powerpoint aussieht… Ich gebe ihm bis Weihnachten, dann ist der HSV spätestens wieder auf der Suche nach seinem Nachfolger, aus der reinen Not heraus.

Von „Thorsten“:

Moin, Moin!

Nachdem er Tagesausflug immerhin schöne Erinnerungen an die emotionalen Verabschiedungen von Jaro und Petric gebracht hat, beginnt wieder alles von vorne.

Die Presse spekuliert wild darüber, was kommen könnte oder nicht, beschimpft sportliche Führung und weiß natürlich alles besser. Ehrlich gesagt, macht dieser Blog nur noch deshalb Spaß, weil man sich darüber informieren kann, was andere HSVer so denken.

Zusammengefasst wird hier blogmäßig in der neuen Saison folgendes passieren:

1. Trainingslager
Es wird mit einer nie gekannten Intensität gespielt, Spielzgüe werden einstudiert, die den Rest der Liga ins VErderben stürzen werden. Mindestens zwei kommende Topstars werden entdeckt werden, denen die Torjägerkanone und eine als internationaler Topstars prognostiziert wird.

4. Spieltag
Die kommenden Weltstars spielen mäßig und treffen nur dreimal in den ersten 3 Spieltagen. Man fragt sich, ob man nicht in die falschen Spieler investiert hat.

8. Spieltag
Bei Matz-Ab wird stolz verkündet, das Troche in Spanien in einem Spieltag drei Tore geschossen hat und nun endlich ein ganz Großer wird. Das es Abseitstore waren, fällt als unwesentliches Detail unter den Tisch.

15. Spieltag
Der HSV hat zu Hause noch nicht verloren, drei Heimsiege eingefahren und Bruma hat bereits 6 assists per Flanke gegeben. Im Matz-Ab Blog wird er als der neue Manni Kaltz und Flankengott – auf Jahre hinweg – gefeiert.

17. Spieltag
Bruma hat in den letzten zwei Spielen nicht einmal geflankt. Matz-Ab rät zum sofortigen Verkauf bzw. Rückabwicklung des Geschäfts mit Chelsea. Das hätten doch alle sehen müssen, dass das nur Zufall war. Der Chronistenpflicht sei beigefügt, dass BRuma einmal gesperrt und einmal verletzt gefehlt hat.

Winterpause
Der HSV steht mit 9 Punkten Rückstand auf Platz 9 und hat bereits 28 Punkte auf dem Konto. In Matz-AB werden Anekdoten aus den 70ern veröffentlicht. Außerdem wird
bekannt, dass DM den Kontakt zu RvN hergestellt und BH auf dessen Frage den Deal empfohlen hat.

19. Spieltag
Der HSV gewinnt 9:0 gegen Werder Bremen. Die Presse spricht von dem größten SPiel der Vereinsgeschichte. In Matz-Ab wird erklärt, warum man mit Troche und Jaro 12:-2 gewonnen hätte.

23. Spieltag
TF hat es geschafft, sein Team deutlich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen. Die Mannschaft spielt guten Fußball, uns hat jetzt schon mehr Tore als in 2011/2012. Man hält Anschluss an die vorderen Plätze. Töre hat bereits zehn Tore geschlossen und beschließt seinen Nachnamen zu ändern.

28. Spieltag
Der HSV gewinnt 5:0 gegen Wolfsburg. Felix Magath erklärt spontan seinen Rücktritt und will fortan bei TF hospitieren. Außerdem tritt der den anonymen FUßballtrainern bei: “Hallo ich bin Felix unf ich muss pro Saison 37 Spieler kaufen.”

34. Spieltag
Durch ein Abseitstor in letzter Sekunde verdrängt der HSV Borussia Dortmund von den EL-Plätzen und feiert eine schnellere Rückkehr in internationale Geschäft. DM erklärt, warum man mit Troche, Jaro, Rost die Cl erreicht hätte.

:mrgreen:

P.S.:
Danke an Jaro und Petric für eine tolle Zeit, vorbildlichen Einsatz und viele Tore beim HSV!!

Jarolim – Entscheidung am Kunden vorbei!

29. April 2012

„So etwas will ich nie wieder erleben!“ Sagte HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow nach dem 0:0 gegen Mainz 05 und der damit verbundenen Rettung, dem Erstliga-Klassenerhalt. Wer hat es sich in diesen Stunden nicht auch schon gesagt? So etwas möchte ich auch nie wieder erleben. Wer möchte das schon? Man ist ja schließlich nicht jahrelang als Fußball-Masochist unterwegs. Eine solche unterirdische Saison sollte eigentlich erst einmal für viele Spielzeiten reichen. „Das war ein Grottenkick“, befand HSV-Kapitän Heiko Westermann nach dem Mainz-Spiel, und doch wusste jeder, wie unerheblich dieser Rückblick auf die 90 niveauarmen Minuten war. Der Punkt war wichtig, nur darauf kam es an; aber dieses Spiel steht und stand auch irgendwie für ein ganzes Spieljahr voller Enttäuschungen und Rückschlägen. Jetzt kann es und soll es nur noch besser werden, Sportchef Frank Arnesen blickte am Sonnabend einmal mehr schon optimistisch in die Zukunft: „Ich denke, dass wir mit den Erfahrungen der letzten Wochen bald einen oder auch zwei Schritte nach vorne machen.“ Wobei der Däne mit dieser Aussage schon einen Schritt zurück machte, denn zuletzt hatte Arnesen immer auch betont, dass die jungen HSV-Spieler durch diese harte und lehrreiche Saison „nicht nur einen, sondern gleich drei Schritte nach vorne machen“ werden. Vielleicht aber auch nur zwei. Oder eventuell auch nur einen? Wäre ja immerhin auch noch nach vorn . . .

Wir alle werden es in der nächsten Spielzeit, die 50. Erstliga-Saison für den HSV, erleben. Ich habe am Sonnabend nach dem Kick solche und solche Stimmen gehört. Viele glauben, dass der HSV auf jeden Fall gefestigt sein wird, dass es zu einem ungefährdeten Mittelfeldplatz reichen wird, nicht wenige aber blicken auch unverändert skeptisch in die Zukunft – weil sie dem Frieden (noch) nicht so ganz trauen. Der HSV mag zwar nach großen Namen wie Rene Adler und Dirk Kuyt greifen, aber erneut ohne internationalen Startplatz und damit auch ohne zusätzliche Einnahmen aus der Europa League dürfte es für den finanziell angeschlagenen Klub schwer werden, mit einem leeren Beutel noch so große und hohe Sprünge zu machen. Wobei die Personalie Adler vielleicht noch zu einem kleinen Politikum innerhalb des HSV wird, denn es gibt hinter der vorgehaltenen Hand Stimmen, die davon sprechen, dass einige Aufsichtsräte weit davon entfernt sind, diesen Super-Transfer mal eben so locker vom Hocker durchzuwinken. Man darf gespannt sein.

Schön aber auf jeden Fall, dass der 125. Geburtstag der Rothosen jetzt doch in Liga eins gefeiert werden kann.

„Ich wollte nicht der erste Trainer sein, der mit dem HSV den Gang in die Zweite Liga antreten muss. Mir fällt natürlich ein Stein vom Herzen, denn es war ja schon damals klar, als ich zum HSV kam, dass es eine sehr schwierige Saison für uns werden würde. Dass wir in Zukunft besser spielen müssen, das wissen wir“, sagte Thorsten Fink nach dem Schlusspfiff erleichtert. Alle konnten dem Coach ansehen, dass er unter dieser Spielzeit enorm gelitten hat – und es war in Finks Gesicht nicht nur die Nachwirkungen einer Magen- und Darm-Grippe erkennbar. Der frühere Bayern-Profi dürfte einige graue Haare mehr in diesem Jahr bekommen haben. Und auch er ist ganz sicher um einige Erfahrungen reicher geworden. Von der – auch und vor allem von ihm – so oft hervorgehobenen und beschworenen „guten Qualität“ des HSV-Kaders war in dieser Saison jedenfalls nicht oft etwas zu sehen. Nur drei Heimsiege in 17 Spielen – das ist, um es noch einmal beim deutlich Namen zu nennen, einfach nur erbärmlich und spricht eine viel klarere Sprache, wie es wirklich um den HSV 2011/12 bestellt war.

Thorsten Fink sagte auch: „Es kann natürlich nicht unser Anspruch sein, immer gegen den Abstieg zu spielen, aber in dieser Saison war es nach diesem Beginn nicht anders möglich. Die Last des Fehlstarts haben wir durch das ganze Jahr tragen müssen. Nächste Saison kann man zusammen einiges erreichen, ohne gleich wieder große Ziele zu setzen, aber der Abstiegskampf sollte es nicht wieder sein . . .“ Da war auch der Sportchef ganz bei ihm. Frank Arnesens Blick in die nähere Zukunft des HSV: „Europäischen Fußball können wir auch in der nächsten Saison noch nicht bieten, aber hoffentlich in zwei Jahren.“
Dieser Hoffnung schließe ich mich gerne an, allein mir fehlt noch etwas der Glaube. Noch.

Das kann sich ja aber auch schon in den nächsten Tagen und Wochen schon ändern. Wenn die ersten Neuzugänge beim HSV „eintrudeln“. Arnesen hat ja wohl schon ganz klare Vorstellungen vom HSV 2012/13, ansonsten hätte es einige Personalien wohl in dieser Form nicht gegeben. Dass Mladen Petric würde gehen müssen, das stand spätestens um den Jahreswechsel fest – und damit hatte sich der HSV-Anhang auch schnell, unspektakulär und mehr oder weniger schweigend abgefunden. Dass aber auch David Jarolim, im Herbst schon still und heimlich auf das Abstellgleis geschoben, gehen muss, obwohl er (gemeinsam mit seinem Landsmann Jaroslav Drobny) den HSV fast im Alleingang gerettet hat, das fand (und findet immer noch nicht) keine Zustimmung in und um Hamburg herum. Die „David-Jarolim“-Sprechchöre am Sonnabend sollten den HSV-Verantwortlichen noch immer in den Ohren klingeln und auch ein weiteres Mal zu denken geben.

Ich habe es in 32 Jahren als HSV-Reporter höchst selten einmal erlebt (eigentlich kann ich mich nicht an einen einzigen Fall erinnern), dass die Klub-Oberen so am Kunden vorbei entscheiden. Und dass einmal eine Entscheidung so hart, unerbittlich und konsequent verfolgt und durchgezogen wird, obwohl es viele, viele Widerstände gibt. Zumal ja ein Plan besteht, David Jarolim später in irgendeiner Form beim HSV anstellen zu wollen (wenn er denn jetzt noch besteht!). Da hätte es ein „kleinerer Anschlussvertrag“ vielleicht noch einmal getan, um einen Vollblut-HSVer zu halten – und um später noch einmal von ihm zu profitieren. Und nicht wenige Fans haben sich beim Verlassen des Volksparks am Sonnabend auch die Frage gestellt: „Was ist, wenn der HSV wieder in eine solche Abstiegsgefahr geraten sollte? Wer spielt dann den David Jarolim beim HSV? So richtig viele und adäquate Kandidaten scheint es da – meiner unmaßgeblichen Meinung nach – beim HSV noch nicht zu geben. Aber: gut Ding will Weile haben. Arnesen hat einen Plan im Kopf, lassen wir uns mal überraschen. Allerdings geht er in meinen Augen ein sehr hohes Risiko, denn sollte es so schiefgehen wie in dieser Saison, dann dürfte schnell ein Sündenbock ausgemacht sein. Hoffen wir (und ich hoffe es wirklich!), dass es nicht so kommen mag. Hoffentlich.

Zurück noch einmal zu diesem 0:0. Der Punkt war das sportliche Highlight (weil die Rettung), die Abschiedsfeier für David Jarolim, Mladen Petric und auch für Romeo Castelen aber durch nichts, wirklich durch nichts zu toppen. Ich gebe es zu (und ich bin erstaunt, wie viele Kollegen es später auch zugaben), auch mir kullerten ein paar Tränen bei dieser Zeremonie zu Boden. Selten einmal so etwas Emotionales erlebt. Wobei ich auch Thorsten Fink danke, dass er sich trotz des engen Spielstandes in der Lage sah, sowohl Petric als auch Jarolim vorzeitig vom Platz zu nehmen, damit sie schon ein erstes Mal gebührend gefeiert werden konnten. Das war großes Kino, danke Herr Fink!

„Es war ein so emotionaler und sensationeller Moment, der mir sehr nahe gegangen ist“, gab Petric später, als seine Tränen getrocknet waren, zu. Seine sportliche Zukunft ist geklärt, aber noch hat er nicht verraten, wohin es ihn ziehen wird. Ob er sich, so denke ich schon seit einigen Tagen, auf seine alten Tage noch einmal den englischen Fußball antun wird? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, ich habe auch nichts läuten gehört, aber irgendwie habe ich im Hinterkopf, als ob sich Fulhams Trainer Martin Jol noch an Petric erinnern könnte . . . Mal abwarten. Aber ich denke auch: Wenn Heung-Min Son mit Newcastle in Verbindung gebracht wird, wenn Markus Marin für sieben Millionen zum FC Chelsea geht (ob er dort auch so oft und so schön und so leicht fällt?), dann könnte auch Mladen Petric . . .

Noch nichts ist bei Jarolim bekannt. Ich fand es ja super, dass der Tscheche zuletzt zugegeben hat (er hatte bis dahin ja nie öffentlich etwas dazu gesagt), dass er bis zuletzt doch noch auf eine kleine Hintertür gehofft hatte, um noch beim HSV bleiben zu können. Das macht ihn nur noch menschlicher. „Jaro“ sagte nach seinem letzten Spiel auf „heiligem Boden“ und nach neun Jahren HSV: „Ich bin sehr glücklich, dass wir uns gerettet haben, und nun wünsche ich dem HSV, dass man Konstanz hier reinbringen wird, und dass es ein wenig ruhiger wird, was die Klubführung angeht.“ Aber diesen Ball nahm Carl-Edgar Jarchow auf und sagte zusammenfassend: „Es kann nur besser werden, und es wird besser werden.“ Jarchows Wort in des Fußballgottes Gehörgang . . .

Wie Trainer Fink sich den weiteren Weg mit dem HSV vorstellt, das verriet er auch schon einmal (ganz kurz) am Sonnabend: „Wir wollen nicht tausend neue Leute holen, sondern uns gezielt verstärken. Den Großteil der Mannschaft wollen wir schon behalten, ich glaube, dass die jungen Spieler gelernt haben – wir haben, so denke ich, den drittjüngsten Kader der Bundesliga, von daher gehe ich aus, dass wir einiges gelernt haben in diesem Jahr.“ Lernen. Das dürfte wohl aber auch auf die älteren Herrschaften (in Mannschaft und Klub-Führung) zutreffen. Wäre schön, wenn sich diesbezüglich einige den Schuh anziehen würden, nämlich die entsprechenden Lehren aus 2011/12 zu ziehen. Thorsten Fink lobte aber immerhin den Zusammenhalt im Klub: „Wir haben uns nicht nervös machen lassen, wir haben unser Ding durchgezogen, ich habe im Verein große Unterstützung gehabt. Das ist ja immer wichtig, dass man merkt, dass sportlicher Leiter, der Präsident, alle möglichen Leute im Aufsichtsrat, dass einem alle das Vertrauen schenken und aussprechen – und die Fans auch. Das alles zusammen hat uns sicher den Klassenerhalt gesichert, und daran sieht man, dass Teamwork im Fußball sehr viel bewirkt. Es gab einige Klubs, bei denen das nicht so gelaufen ist . . .“

Apropos andere Klubs. Ein schneller und kurzer Abstecher zu Thomas Tuchel sei mir noch gestattet. Der Mainzer Trainer war oft genug (auch) für mich ein „rotes Tuch“, aber diesmal hat er bei mir Boden gut gemacht. Er hat mir sogar imponiert. Während des Spiels kaum eine Regung (oder gar ein Wutausbruch) gegen den guten Schiedsrichter Florian Meyer, und auch nach dem Spiel immer den direkten Weg zum Tor . . . Tuchel „zerlegte“ seine Mannschaft ohne Rücksicht auf Verluste: „Wir geben mit einer Fahrlässigkeit Punkte und Tabellenplätze her, da fällt es mir schwer, mich zu freuen oder auch zufrieden zu sein. Wir haben heute schlechten Fußball gespielt, diese Art und Weise passt mir gar nicht. Sehr fehlerhaft und mangelhaft bei eigenem Ballbesitz, beim Umschalten gab es wahnsinnig viele Fehler, unsere wenigen Torchancen haben wir schlampig vergeben, noch viel schlampiger sind wir mit jenen Chancen umgegangen, die erst gar keine Torchancen wurden – weil wir sie mit schlechtem Passspiel und ungenauem Freilaufverhalten verhindert haben. Das hat von hinten bis vorne gar nicht gepasst, und das ist ein Abziehbild dieser gesamten Saison.“
Das war mal Klartext. Alle Achtung, Herr Tuchel, auch so kann man es mal machen. Kompliment! Dickes Kompliment sogar. Das war die ungeschminkte, schonungslose Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

So, das war mein Wort zum Sonntag. Nach einer ziemlich harten und feucht-fröhlichen Nacht, das sei einmal zugegeben, denn wir Hamburger Journalisten haben (auf eigene Kosten) den Saisonausklang in Hamburg gefeiert – und ein wenig natürlich auch auf den Klassenerhalt angestoßen. Eine nette Feier, von drei Kollegen organisiert – ich glaube, das gibt es in dieser Form nicht oft in anderen deutschen Städten. NDR, Bild, Mopo, Welt, Abendblatt, Kicker, Stern, Sky und, und, und – alle an einem Tisch, das ist eine schöne und runde Sache. Bei allem Konkurrenzdenken gibt es auch in unserem Job noch so etwas wie Menschlichkeit und Freundschaft. Danke dafür – ich freue mich schon auf die neue Saison; ich fühle mich sehr wohl in diesem (euren) Kreis.

Bei der Gelegenheit, weil wir alle so nett unter uns beisammen saßen: NDR-90,3-Moderatorin Britta Kehrhahn verriet eine kleine Besonderheit. Am Sonnabend waren rund um die Bundesliga-Spiele „nur“ Frauen in die Nachmittags-Sendung involviert. Sie sehen ja auf Monitoren auch das Spiel. Eigentlich wird ein laufendes Musikstück nur bei einem Tor unterbrochen, diesmal entschied Britta Kehrhahn aber einmal ganz anders: Als David Jarolim in der 88. Minute vom Platz ging, überließ sie Reporter Lars Pegelow die Szenerie. Abends gab Britta Kehrhahn zu: „Wir Frauen wären auch gar nicht in der Lage gewesen, etwas zu sagen – wir haben alle vor Rührung geheult . . .“

Toll, diese entwaffnende Ehrlichkeit. Passte aber zu diesem grandiosen Jarolim-Abgang – und zu diesem gelungenen Saison-Abschieds-Abend in der Schanze. Ganz nebenbei: Auch der HSV war mit seiner Presseabteilung (Jörn Wolf an erster Stelle) vertreten, Thorsten Fink wollte dabei sein, aber die Magen- und Darm-Grippe . . . Aber selbst Teammanager Marinus Besten war mit von der Partie. Ich weiß, ich weiß, er heißt Marinus Bester, aber ich nenne ihn schon seit Jahren nur „Herr Besten“. Der Grund für diese Namesänderung? Der sei denn noch schnell verraten: Als der Österreicher Kurt Jara hier Trainer war, da merkten wir alle schnell, dass er sich nicht so richtig die Namen seiner „Untergebenen“ und der Randfiguren merken konnte. Nico Hoogma hieß bei Jara noch lange „Hoogmann“, Co-Trainer Armin Reutershahn hieß bei Jara schon mal „Reutershagen“, und ich hieß beim Trainer nur „Herr Matzen“. Obwohl Marinus „Besten“ ihm so oft – auch schon vor den Gesprächen – zugeflüstert hatte: „Kurt, der Matzen heißt nur Matz!“ Es blieb aber bei Matzen. Also hieß „Herr Besten“ auch nur „Herr Besten“ – und das ist bis heute so geblieben.
Ende.

PS: Am Montag wird nicht trainiert.

18.49 Uhr

Guerrero und Son überragen – Tesche und Kacar leider überhaupt nicht

10. Februar 2012

Ich tue mich schwer, mich in meiner Funktion als Journalist auch als Fan zu bezeichnen. Beim HSV ist es irgendwie anders, immerhin verfolge ich den Klub seit frühester Kindheit – das zählt nicht. Aber bei allem, was ich seit 2000, seit meinem ersten Tag beim Abendblatt, kennengelernt habe, versuche ich mich bewusst objektiv. Deshalb formuliere ich es mal anders: ich mag die Art, wie Paolo Guerrero Fußball spielt. Ich halte ihn für den (Achtung, Scherz! Ich weiß, dass komplett nicht zu steigern ist…) komplettesten Spieler im HSV-Team. Und jetzt wird er auch noch richtig locker. „Ich möchte für die jungen Spieler Vorbild sein“, sagte er bei seinem in meinen Augen sehr gelungenen ersten TV-Studio-Interview in Hamburg. „Das war schon eine große Herausforderung für mich“, sagt Guerrero heute, „aber ich habe es gern gemacht, weil ich mich richtig gut fühle. Der Trainer vertraut mir, wir spielen besser und ich bin fit und gut drauf. Es macht Spaß, über unsere aktuelle Leistung zu sprechen.“

So ist es. Auch bei ihm persönlich. Der Peruaner ist momentan eine Stütze in der Offensive. Auch heute im Training. Im A-Team stürmte er neben Mladen Petric und erzielte beide Treffer. Darüber freuen wollte er sich dennoch nicht. „Wir haben 2:4 verloren“, sagt Guerrero, da waren alle sauer. Auch ich.“ Allerdings sei diese Niederlage gegen die vermeintlichen Reservisten auch ein gutes Zeichen dafür, „dass alle heiß sind. Alle wollen sich dem Trainer zeigen und unbedingt spielen.“

Das gilt auch für Robert Tesche und Gojko Kacar. Sollte es zumindest. Zunächst durfte der Serbe im A-Team ran. Und das tat er – erschreckend schwach. Ganz in Dortmund-Spiel-Form spielte Kacar einen Fehlpass nach dem anderen, verlor Zweikämpfe und wirkte komplett verunsichert. Erst als er zur Halbzeit des Abschlussspiels gegen Robert Tesche ausgetauscht wurde und ins B-Team wechselte, taute er auf. Plötzlich kamen seine Pässe an, er grätschte erfolgreich und gewann endlich seine Zweikämpfe. Ganz im Gegenteil zu Tesche. Auch der zweite Kandidat für die Sechserposition neben David Jarolim versagte. Auf ganzer Linie. Denn nachdem er die Zweikämpfe verlor, das Zentrum dem Gegner öffnete und Fehlpässe spielte, spielte er sogar noch tödliche Pässe – für den Gegner. Heung Min Son, der überragend trainierte und drei Tore erzielte, nahm das Gastgeschenk dankend an. Ergebnis: geht es nach Trainings- und Spielleistungen gibt es nur eine Wahl – weder Tesche noch Kacar dürfen für den gesperrten Tomas Rincon ran.

Wohl auch deshalb legte sich Trainer Thorsten Fink schon heute fest, Per Skjelbred wieder in den Kader zu nehmen. Denn auch der Norweger wäre ein Kandidat für die einzige offene Position. Und nach einem kurzen Schreckmoment, als Son dem Norweger einmal mächtig gegen die lädierte Stelle auf dem rechten Schienbein trat, wirkte Skjelbred deutlich engagierter als seine zwei Konkurrenten. Zwar ließ er sich von Guerrero in einem Zweikampf abschütteln, als wäre er Luft, aber anschließend bemühte sich der ballsichere Rechtsfuß, um den Trainer auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings beließ es Fink dabei, den Rekonvaleszenten auf der rechten Seite im B-Team spielen zu lassen.

Ebenfalls nicht auf der Sechs im Training: Jacopo Sala. Der Italiener agierte im Stammteam rechts, Ilicevic im B-Team links. Und beide spielten gut, wobei Ilicevic noch etwas auffälliger spielte und die Stamm-Viererkette mehrfach mit guten Dribblings und/oder geschickten Pässen aushebelte. Auch deshalb hoffe ich weiterhin darauf, dass Fink seinem Vorsatz zuwider doch etwas mehr umbaut, genau genommen zwei Positionen: Sala von rechts in die Zentrale und Ilicevic von der Bank in die Startelf.

Neben Guerrero, Son und Ilicevic ebenfalls auffällig gut waren heute Dennis Aogo und David Jarolim. Letztgenannter erlebt im Moment seinen gefühlt 100. Frühling. Und er erhält dafür nicht nur von den Fans wie nach dem Bayern-Spiel unfassbar viel Zuspruch, sondern auch von seinen Teamkameraden. Immer wieder erntete der fast schon aussortierte Sechser heute Lob von seinen Kollegen. Selbst einfachste Ballgewinne zogen ein „sauber Jaro!“ oder „gut so, Jaro!“ nach sich. Wobei mein netter Bild-Kollegen Kai Uwe Hesse in Anlehnung an die schwachen Leistungen Tesches und Kacars auf der Sechs spontan die Vermutung äußerte: „Die loben ihn, um ihn starkzureden. Die wissen alle, dass er am Sonntag, auf der Sechs der einzige ist, auf den sie hoffen können.“

Dabei ist beim HSV vor dem Auswärtsspiel in Köln an sich kaum bis keine Skepsis zu spüren. Im Gegenteil. Wieder einmal besteht für den HSV eine große Chance. Sportchef Frank Arnesen glaubt dran, mit einem Sieg endgültig den Abstiegskampf verlassen zu können. Und eigentlich alle Spieler sowie Trainer sehen in Köln die große Chance, endlich den nächsten Etappenschritt in Finks Masterplan zu nehmen: das Erreichen der Top-Ten. „Das ist für uns alle eine riesige Motivation“, sagt Guerrero, „und wenn wir immer so spielen wie gegen Bayern, können wir sicher noch ganz viel erreichen, Dann ist alles drin.“

Für ihn persönlich sollen es noch sechs Tore sein. Fünf hat er, zehn sind sein bisheriger Rekord – und elf hätte er gern im Mai 2012 auf dem Konto. „Aber wichtiger ist, dass wir gewinnen. Ich will mit dem HSV noch was erreichen. Vielleicht können wir ja aus dieser Saison sogar noch eine vernünftige machen. Aber dazu zählt auch, dass wir in Köln gewinnen müssen.“ Obwohl den HSV dort die nach dem HSV, Dortmund und Schalke viertbeste Stimmung erwartet? „In Köln ist immer richtig gute Stimmung. Und auch das Stadion ist sehr schön“, sagt Guerrero, der daraus einen Vorteil für den HSV macht. „Die haben auch einen guten Rasen. Und das kommt uns entgegen, weil wir Fußball spielen wollen.“ Zwar seien auch immer Spiele dabei, wie gegen etwas dominantere Bayern oder dominante Dortmunder dabei, aber grundsätzlich „ist unser Spiel, den Ball zu haben“, sagt Guerrero. Dafür sei ein tadelloses Geläuf von Vorteil. Wie am vergangenen Spieltag gegen den FC Bayern auf dem frisch verlegten Rollrasen der Imtech-Arena.

In diesem Sinne, ich hoffe auf Ilicevic, einen guten Rasen, den Einsatz der Vorwoche – und entsprechend drei Punkte in Köln. Ich verbleibe mit dem hoffnungsvollen Wunsch auf ein schönes Wochenende für uns alle mit dem Alstervergnügen sowie einem erfolgreichen Auftritt in Köln. Bis morgen, dann berichtet Dieter wieder für Euch.

Scholle (17.41 Uhr)

P.S.: Gute Nachrichten von der Verletztenfront: Denn während Romeo Castelen im Mannschaftstraining mitmischte, soll Gökhan Töre in der nächsten Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

P.P.S.: Und noch eine Bitte – auch wenn Ihr mit einem Blog mal nicht so einverstanden sein solltet, bewahrt bitte Contenance. Viele Blogger wollten auch hier lesen, wie die Scoutingabteilung funktioniert. Dieser Wunsch wurde immer wieder an Dieter und mich herangetragen, und dieses Bedürfnis habe ich gestern versucht zu decken. Und die absolute Mehrheit hat sich über diese Infos gefreut. Was mich wiederum gefreut hat. Dass es einen inhaltlich sehr ähnlichen Artikel bereits im HA Print gab, hatte ich ebenfalls gleich zu Beginn des Artikels erwähnt. Also war auch jeder frühzeitig genug gewarnt, nicht weiterlesen zu müssen.

Endlich: Dienstag rollt der Ball im Volkspark

2. Januar 2012

Morgen ist sie vorbei, die Zeit ohne den HSV. Um 15 Uhr stehen die Helden wieder an der Arena auf dem Trainingsplatz. Endlich! Um mit dem Aktuellen zu beginnen: David Jarolim soll nach Auskunft des HSV mit von der Partie sein, auch wenn fast stündlich „etwas passieren“ könnte. Ein Vereinswechsel zum Beispiel. Auch sollen ja noch einige Nachwuchstalente ausgeliehen werden, doch noch ist nichts passiert. Romeo Castelen wird am Mittwoch nicht im Flieger sitzen, wenn es ins Trainingslager nach Marbella geht, dafür ein junger Spieler: Dennis Bergmann von der U 19, ein Mittelfeldspieler. Und auch ein „Neuer“ ist an Bord: Tolgay Arslan. Der Mittelfeldspieler lag nun ein halbes Jahr auf Eis, weil er im Vorbereitungsspiel gegen Wolfsburg umgetreten worden war, nun aber ist Arslan zurück. Er hat über Weihnachten und den Jahreswechsel eisern trainiert, fängt also in Spanien nicht ganz bei Null an.

Im Moment, gebe ich zu, sitze ich in der Redaktion und sehe fern. Sport 1, das Altherren-Turnier in Oldenburg. Gerade hat Hannover 96 gegen Werder Bremen 2:3 verloren. Bei 96 spielten Martin Groth und Andre Breitenreiter mit, bei Werder Frank Ordenewitz und kleines, dickes Ailton. Er schoss den Siegtreffer. Kurz bevor er ins Dschungelcamp geht. Dazu gab es ja aus Euren Reihen einen kleinen Schmunzel-Beitrag von „hekto“:
„Danke für den Blog nett zu lesen.
Aber dieses Ehemaligen aus den Untiefen raus holen, mag ich nicht.
Wenn denn einer dieser Ehemaligen was drauf hat und wirklich was reißen
könnte, wäre er eben kein Ehemaliger mit nichts außer großen Worten, der im
Augenblick nach ein wenig Anerkennung sucht. Für solche Problemfälle haben
wir ja das Dschungelcamp, oder die bald stattfindende Staffel ehemaliger
Fußballgott sucht Frau. Lets Dance oder so etwas.“

Dschungelcamp war das Stichwort. Ailton hat ja immer noch sein bestes Kampfgewicht, so wie er einst in Hamburg antrat: 177 Kilo. Ich freue mich schon darauf, wenn er Ameisen, Kröten und Kakerlaken essen wird und muss. Und wenn er das macht, dann wünsche ich ihm stets noch eine Extra-Portion an Kamel-Hoden und Lurch-Augen. Er sollte dabei immer an den Fehlschuss gegen Werder Bremen denken (müssen), als das Bremer Tor leer war, er die Kugel aber voll in die Hamburger Dschungel-Nacht drosch – der Frosch. Er hatte ja einst sein ganzes Geld auf die hohe Kante gelegt, aber von da muss die ganze Kohle runter gefallen sein – ins Nichts. Und nun? Er ist alt und braucht neues Geld. Hoffentlich schluckt er deshalb richtig viele Kröten . . .

Nun gut, das war ein kleiner Abstecher ins Dschungelcamp. Er sei mir verziehen.

Wobei ich, passend zu Silvester, noch schnell einige Dinge loswerden möchte, die ich mir vorher schon parat gelegt hatte. Motto: Aus dem Nähkästchen geplaudert. Lustige Sachen – und nicht ganz so lustige.

Vor viele, vielen Jahren, als die Journalisten noch in den Innenraum des Volksparkstadions durften, gab es vor einem Bundesliga-Kick bei schönstem Sonnenschein ein Vorspiel. Es prallten die Frauen-Mannschaften von Hamburg und Berlin aufeinander. Ich trat gerade an die Torauslinie, als es einen Eckstoß für Hamburg vor der Ostkurve gab. Kurz bevor die Hamburgerin den Ball zur Mitte bringen wollte, ertönte ein Pfiff des Schiedsrichters. Ich würde diese Geschichte nicht schreiben, wenn dieser Mann noch pfeifen würde, aber so . . .

Peter Hülsing (Altona 93) blies in seine Pfeife, hob den linken Arm zum Zeichen des „Stopps“ und sagte der Hamburger Schützin: „Mooooooment mal, noch nicht schießen – erst muss ich mal meinen Freud Dieter begrüßen.“ Er tat, wie angekündigt, gab mir kurz die Hand, begrüßte mich nett – und pfiff dann an: „So, bitte!”

Dann war da noch Gert „Charly“ Dörfel, mit dem ich bei HH1 2006 eine WM-Sendung machen durfte. Beim Schminken verriet „Charly“: „Ich habe eine Wette laufen, ich muss in dieser Sendung das Wort Darmspiegelung unterbringen.“ Machte er, indem er über die Nationalmannschaft herzog, die gerade in Hamburg China mit 1:0 aus dem Stadion gefegt hatte. Dörfel: „Die Flanken, die die Jungs da schlagen, die bringe ich heute noch aus dem Stand – und sogar nach einer Darmspiegelung . . .“ Wette gewonnen.

Dann gab es noch eine traurige Geschichte. Länderspiel in Teheran, das war am 9. Oktober 2004: Die deutschen Journalisten waren in einem anderen Hotel untergebracht, als das DFB-Team. Als ich eincheckte, öffnete sich die Fahrstuhltür (eine von acht) – und vor mir stand Mehdi Mahdavikia. Ausgerechnet er. Welch ein Zufall. Wir fielen uns in die Arme, quatschten noch eine Weile und erfuhr dabei, dass die iranische Nationalmannschaft in diesem Hotel logierte. Ich hatte in der Heimat kurz vor dem Abflug noch eine ganz besondere Bitte mitgenommen: Eine (mir unbekannte) Frau rief mich an und bat mich, ein Mahdavikia-Trikot für ihren an Krebs erkrankten kleinen Sohn, der Mehdi-Fan war, zu erbetteln. Ich fragte Mehdi, er sagte sofort zu – und versprach mir das Trikot bei seiner Rückkehr nach Hamburg. Als ich aber wieder in der Redaktion saß, erhielt ich abermals einen Anruf dieser Frau – ihr Sohn war gestorben. Mehdi und ich waren total betroffen und traurig.

Nochmals zu dieser Iran-Reise. Es war schon etwas Ungewöhnliches und Außergewöhnliches. Nie vorher und nie nachher habe ich erlebt, wie eine deutsche Nationalmannschaft im Ausland so begeistert gefeiert wurde. Und wir Journalisten hatten einen Abend eine Einladung vom persischen Presse-Verband (wo es trotz Alkoholverbots Alkohol bis zum Abwinken gab). Ich war aber nicht mit, weil ich im Nati-Hotel, zehn Kilometer entfernt, eine Verabredung mit meinem Freund Peter (ein Freund der Nationalmannschaft, FdN) hatte. Ich lag deshalb noch eine Stunde in der Badewanne, ging dann runter ins Foyer – per Fahrstuhl. Als ich raus kam, sprach mich ein etwa 1,90 Meter großer Mann, der im schwarzen Ledermantel an mich herantrat, an – perfekt Deutsch sprechend: „Sie sind doch deutscher Journalist, oder?“ Ich: „Ja“. Er: „Was machen Sie denn noch hier, Sie sind doch alle eingeladen.“ Meine Antwort: „Ich habe eine Verabredung.“ Er: „Wo?“ Ich: „Im deutschen Mannschaftshotel.“ Er: „Mit wem?“ Ich: „Mit einem deutschen Fan.“ Er: „Aha. Ich werde Ihnen ein Taxi besorgen.“
Das tat er dann, obwohl so viele Taxis vor dem Hotel standen, ich hätte selbst eines finden können. Er gab dem Fahrer aber die Anweisung, wohin er mich zu fahren hätte: inds deutsche Mannschaftshotel.
Das war eine etwas mulmige Geschichte . . . Aber alles ging glatt. Und: Im Mannschaftshotel wurde ich schon erwartet und in Empfang genommen, ich konnte keinen einzigen unbeobachteten Schritt machen. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung im Fußball.

So, zurück nun zum ganz normalen Fußball. Und zum HSV. Da hatte es ja heute die Kai-Schiller-Geschichte über Bernd Hoffmann im Hamburger Abendblatt gegeben. Hat einigen Wirbel ausgelöst – wie erwartet. Dazu nahm, auch erwartet, der Aufsichtsrats-Boss Ernst-Otto Rieckhoff Stellung. Er schrieb, für diejenigen, die es noch nicht kennen (oder nicht erhalten):

„Liebe Mitglieder,
im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 15.1. hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr detailliert öffentlich Stellung zu beziehen, weil Sie einen Anspruch haben und ich es für mehr als richtig empfinde, Sie aus erster Hand in dem mündlichen Bericht des Aufsichtsrats über aktuelle Themen zuerst zu informieren.
Bei diesem Vorsatz bleibe ich, auch wenn damit zu rechnen ist, dass nach einem heute erschienenen Artikel im Hamburger Abendblatt mit weiterer Berichterstattung zum Thema Aufarbeitung in Sachen der Ära unserer ehemaligen Vorstände Katja Kraus und Bernd Hoffmann zu rechnen ist.

Der Aufsichtsrat hat die Aufarbeitung nach einer juristischen Bewertung abschließend beraten, er hat Beschlüsse zum weiteren Vorgehen und zur Kommunikation in der Mitgliederversammlung getroffen. Darüber werden wir Ihnen mit der gebotenen Ausführlichkeit in der Mitgliederversammlung Bericht erstatten. Das wird auf sachliche und unaufgeregte Weise geschehen. Wenn gezielt eine emotionale Aufladung im Vorwege erzeugt werden soll, verurteile ich das. Dadurch werden zu einer Unzeit Prioritäten verschoben.

Natürlich werden wir wie beschlossen die Aufklärung unserer Mitglieder betreiben. Aber danach haben wir volle Konzentration auf die wirklich aktuellen Themen des Vereins zu lenken. Der Vorstand hat in hervorragender Weise die Führung unseres Vereins in der Hand, er ist zusammen mit dem Trainerstab voll fokussiert auf die Umsetzung unserer neuen, sehr Erfolg versprechenden Philosophie, die dem gesamten Verein nützlich sein wird. Der Aufsichtrat unterstützt einhellig den eingeschlagenen Weg.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie am 15. Januar zur Mitgliederversammlung recht zahlreich erscheinen.“

Otto Rieckhoff
Vorsitzender des Aufsichtsrats

Es könnte vielleicht doch ein wenig brisanter zugehen, als ich noch vor Tagen gedacht habe . . .

Und: Ich hatte bereits vor Wochen prophezeit, dass irgendwann auch Einzelheiten der Hoffmann-Ära ans Tageslicht kommen werden. Nun ist der Anfang gemacht.

Um noch ein kleines Mal sportlich zu werden:

Der HSV bereitet sich mit vier Testspielen während des Winter-Trainingslagers in Marbella (Spanien – 4. bis 12. Januar) auf die Rückrunde vor. Die Gegner der Hanseaten heißen SC Lokeren (6. Januar), FC Brügge mit Trainer Christoph Daum (beide Belgien, 8. Januar), ADO Den Haag (Niederlande, 10. Januar) und zum Abschluss UD Marbella (11. Januar). Bevor die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink am 22. Januar zum Auftakt der Rückrunde den deutschen Meister Borussia Dortmund empfängt, steht noch ein letzter Test gegen Arminia Bielefeld (14. Januar) auf dem Programm.
Sorry, es ist heute etwas “dünner” geworden, aber das ist die Ruhe vor dem großen Sturm (in die Rückrunde).
Dann bis morgen, Training um 15 Uhr. Den Bericht wird es am Abend geben, am Mittwoch übernimmt dann „Scholle“, der für „Matz ab“ mit ins Trainingslager gehen wird. Er hat es sich verdient, schließlich hat er kürzlich zwei Monate am Stück gearbeitet. Und ich habe, weil es bei uns daheim eine außergewöhnliche Situation gegeben hatte (Krankheit), noch fast den gesamten Urlaub von 2011, so dass der nun auch noch genommen werden muss.

18.51 Uhr

Die besten Wünsche zum Jahr 2012

1. Januar 2012

Willkommen im neuen Jahr, alles Gute für Euch, Glück, Erfolg und vor allem beste Gesundheit. Und ganz speziell wünsche ich Euch, dass sich der HSV 2012 wieder von seiner besten Seite zeigt. Am Dienstag geht es ja wieder mit dem Training los, am Mittwoch fliegt die Mannschaft ins Trainingslager nach Marbella, dann erfolgt der Feinschliff erstmals unter der Regie von Thorsten Fink. Ich kann es, das gebe ich zu, kaum erwarten, den „neuen“ HSV dann am 22. Januar im Heimspiel gegen Meister Borussia Dortmund zu sehen, irgendwie erwarte ich schon ein bisschen mehr – als zuletzt. Aber mal abwarten, wie sich das dann alles entwickelt.

Ohne Fußball geht es ja auch im neuen Jahr nicht, während ich das schreibe, sehe ich mir Sunderland gegen Manchester City an. Der englische Spitzenreiter mit einem ganz starken Kapitän namens Vincent Kompany. Der Bursche hat sich schon gemacht. Kann aber auch nicht verhindern, dass es nach einer Stunde immer noch 0:0 heißt. Nigel de Jong spielt auch mit, hat sich in der siebten Minute bereits Gelb abgeholt –Blutgrätsche. Was mir auffällt: Schon in der Vorwoche taten sich die Spitzenklubs sehr schwer, das setzte ich auch diesmal fort, denn ManU verlor daheim gegen den Tabellenletzten Blackburn 2:3. Und Chelsea verlor zu Hause gegen Aston Villa 1:3. Hat sich mal gelohnt, dieser Ausflug, denn die englische Liga gilt ja bei vielen Experten als die beste der Welt. Aber mich erinnerte das ein wenig an Italien von früher. Und an Riegel-Rudi. Was in England von den „Kleinen“ gemauert (und dann gekontert) wird, das ist sagenhaft. Da stehen zehn Spieler im und am eigenen Strafraum – und es ist schon kurios zu sehen, dass die „Großen“ keine Lücken finden. Das ist wirklich einfallslos, dieses Gekicke, irgendwie hat England nachgelassen. Oder es ist nur eine schlechte Momentaufnahme. Übrigens hat Rafael van der Vaart für Tottenham getroffen, per Seitfallzieher (abgefälscht) zum 1:0 gegen Swansea, Endstand 1:1.

Zum HSV. Am 1. Januar. Da denke ich – wahrscheinlich geht es Euch ebenso – unwillkürlich an die Rückrunde und ganz allgemein an die Zukunft der Raute. Natürlich habe ich Hoffnungen und Wünsche. Der Klub will ja künftig verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen, weil die Summen, die neue Spieler kosten, bald nicht mehr zu bezahlen sein werden. Deswegen hoffe ich, dass vor allem das Team um Frank Arnesen den Nachwuchsbereich so auf die Beine stellen kann, dass dieses Rezept dann auch funktioniert. Natürlich hat der HSV im Moment eine sehr junge Mannschaft, aber ich wünschte mir schon, dass da mehr Spieler dabei wären, die – wie zum Beispiel Heung Min So und Zhi Gin Lam – aus der eigenen Jugendarbeit kämen. Immerhin aber hat sich das gegenüber der Zeit vor ungefähr zehn, 15 Jahren schon verbessert. Aber es kann eben auch noch viel besser werden, es muss sogar besser werden, wenn der HSV mit diesem Konzept überleben und auch wieder nach oben kommen will.

Dann würde ich mir schon wünschen, wenn die Verantwortlichen das wahr machen würden, was sei vor Beginn der Saison schon verkündeten, nämlich die Zusammenarbeit mit den „Ehemaligen“ intensivieren und verbessern. Manfred Kaltz ist ein solcher Name. Als ich ihn in der Anfangszeit dieser Saison traf, da war er frohen Mutes, dass er in irgendeiner Form „eingebunden“ wird in die HSV-Arbeit. Ist aber bei der Hoffnung geblieben.

Ferner würde ich mir wünschen, dass Uwe Seeler stärker Gehör im Klub findet, und dass mit einem Mann wie Horst Hrubesch, der immerhin schon seit Jahren als DFB-Trainer fast alle deutschen Talente kennen gelernt hat, den aber bis zu dieser Saison niemand einmal um einen Rat (oder um einen Spieler-Tipp) gefragt hat. Jedenfalls kein Hamburger. Was ich für wenig professionell halte – aus HSV-Sicht.

Für das Klub-Leben ganz allgemein würde ich mir wieder mehr miteinander als gegeneinander wünschen, schon allein im Hinblick auf die Jahreshauptversammlung am 15. Januar. Dass es da nicht eskaliert oder auf die Spitze getrieben wird, denn im Moment hat der HSV doch ganz andere Sorgen – sportliche nämlich.

Ganz nebenbei: In der 93. Minute schießt Sunderland das 1:0 gegen Manchester City. Welch ein englisches Wochenende. . .

Zurück zum HSV. Ich wünsche dem Romeo Castelen, dass er es in diesem Jahr schafft, in der Anfangsformation zu stehen. Ich weiß, ein sehr frommer Wunsch, aber ihm würde ich es so sehr gönnen. Und freuen würde ich mich, wenn David Jarolim doch noch in Hamburg bleiben würde, könnte, dürfte. Dass er auf der Abschussliste steht, das soll auch den Hintergrund haben, dass sich der HSV von einem Spieler trennen möchte, der zu den besser verdienenden Profis gehört. Und Geld ist, das wissen wir schon lange, knapp im Klub. Und wenn „Jaro“ dann doch gehen muss (wird), dann fände ich es schon schön, wenn er nach seiner Spielerkarriere wieder zurück zum HSV kommen könnte, um seine Erfahrung an die jungen Spieler zu vererben.

Ich würde mir auch wünschen (und mich freuen, wenn es gelänge), dass der Vertrag mit Gökhan Töre schon jetzt verlängert werden könnte. Ich weiß, so denken nicht alle in Hamburg (Eiche Nogly zum Beispiel), aber für mich ist dieser junge Mann ein riesiges Juwel, den würde ich noch sehr gerne ganz lange in Hamburg sehen wollen. Aber daran wird ja auch schon intensiv gearbeitet – ich drücke Frank Arnesen die Daumen.

Zum Fußball ganz allgemein habe ich mir auch während dieser Winterpause meine Gedanken gemacht. Und, da ich schon ein paar Tage länger auf dieser Welt bin, auch mal verglichen. Fußball damals, Fußball heute. Da hat sich doch sehr, sehr viel verändert.

Das beginnt schon vor dem Spiel – auch das ist oft sehr gut im Fernsehen zu sehen. Bevor die Mannschaften auf den Rasen kommen, begrüßen sich die meisten Spieler schon per Handschlag. Dann die Seitenwahl. Schieds- und Linienrichter bekommen von den Kapitänen die Hände geschüttelt, die Kapitäne begrüßen sich jetzt auch für die Fans im Stadion noch einmal per Handschlag – dann segelt die Münze durch die Luft. Ball oder Seite? Unmittelbar danach geben sich die Herren alle noch einmal die Hände. Absolut hygienisch, zumal dann, wenn sich die Spieler vorher mit Salben ihre Muskeln eingerieben haben . . . Das ist schon alles sensationell. Irgendwann macht aber, so denke ich, mal ein Kapitän schlapp und scheidet schon vor dem Anpfiff wegen des „Dauerschüttelns“ mit einem „Tennisarm“ aus. Wetten, dass . . ?

Was mir auch aufgefallen ist: Beim Anstoß steht oft schon der Spieler, der den Ball nach dem Anstoß in Empfang nimmt, in der gegnerischen Hälfte. Früher haben die Schiedsrichter darauf geachtet, heute nicht mehr. Zudem wird der Anstoß selbst oft falsch ausgeführt – oder ist da etwas an mir vorbeigegangen? Es hieß doch einst, dass der Ball nach vorne gespielt werden muss – das geschieht oftmals nicht mehr, er wird nur quer gespielt. Wie zum Beispiel in der Enjoy-Werbung mit Jürgen Klopp. Hat wohl Schule gemacht.

Kurios ist ja auch jene Anstoßzeremonie, wenn die Mannschaft den Ball immer nur zurückspielt – bis hin zum Torwart. Und der muss die Kugel dann mit einem weiten Schlag möglichst in die gegnerische Hälfte befördern – unkontrolliert. Die Frage, die ich mir stelle: können das die Feldspieler nicht auch? Und sollte diese Frage nicht auch ein Trainer stellen, nämlich an seine Mannschaft?

Früher, ist ja ganz auffällig, wurden ja auch noch falsche Einwürfe (ein Bein in der Luft, Ball mit einer Hand geworfen, und, und, und) abgepfiffen, heute erst, wenn ein Spieler mit der Kugel mit beiden Beinen abhebt wie ein Frosch . . .

Aber das ist ja auch wohl egal, es geht ja in erster Linie um Fußball. Obwohl: Wenn ich teilweise sehe, wie ein Spieler nach dem Schiedsrichter-Pfiff den Ball in die Hände nimmt, um dann mit ihm einige Meter weg zu laufen, dann finde ich das höchst unfair. Der Ball wird dann meistens im hohen Bogen zum „Tatort“ geworfen, Motto: „Jede Sekunde Verzögerung zählt.“ Ich frage mich, warum ein Spieler den Ball überhaupt in die Hände nimmt? Soll er die Kugel doch liegen lassen – so wie beim Handball. Da muss der Ball dort liegengelassen werden, wo das Foul geschah, ansonsten gibt es (wohl) schnell mal eine Zeitstrafe. Im Fußball würde ich dafür Gelb verteilen – und statt dessen auf Gelbe Karten nach dem Torjubel (Sprint zur Fan-Kurve, Trikot über den Kopf ziehen) verzichten. Aber das werden die alten Herren der Fifa wohl kaum für mich ändern, ich weiß, ich weiß.

Dafür sollten sich die Herren – auch die Schiedsrichter – mal überlegen, wie es mit der Nachspielzeit ist. In der Schlussphase dieser Hinserie habe ich einige Live-Spiele im Fernsehen erlebt, die auf die Sekunde pünktlich abgepfiffen wurden – sowohl die erste als auch die zweite Spielhälfte. Und dann erinnere ich mich immer gerne an den 19. Mai 2001. An diesem Tag wurde in Hamburg der Meister der Herzen gekürt – und zwar im fernen Gelsenkirchen. Weil der FC Bayern in der 94. Spielminute im Volkspark noch zum 1:1 gegen den HSV gekommen war. Schiedsrichter Dr. Markus Merk hatte, weil es (wie er später sagte) insgesamt sechs Auswechslungen in der zweiten Halbzeit gegeben hatte. Diese Ein- und Auswechslungen hätten für die lange Nachspielzeit geführt.

Hamburg war es egal, wer Meister wurde – Bayern oder Schalke. Aber in den folgenden Jahren habe ich sehr wohl beobachtet, dass es Spiele mit sechs Ein- und Auswechslungen gab, die pünktlich (oder fast pünktlich) abgepfiffen worden sind. Und da frage ich mich schon: was denn nun? Die Schiedsrichter sprechen immer davon, dass es kein „Fingerspitzengefühl“ im Fußball zu geben hat. Das mag ja sein, aber ist es Mitleid? Oder was ist es, wenn einmal so (lange) verlängert wird, oder einfach – piepe-schnurz-egal – pünktlich abgepfiffen wird? Deshalb mein Vorschlag: Jeder wüsste, ob Spieler, Trainer, Fans und Schiedsrichter: Gibt es sechs Einwechslungen, wird pro Spieler um eine halbe Minute verlängert. Sechs Mal eine halbe Minute, das wären drei Minuten insgesamt. Und dazu käme dann noch die eine oder andere Verzögerung, wenn es die dann gegeben hätte. Auf jeden fall wüssten alle Beteiligten: Hat es hier soundso viele Auswechslungen gegeben, wird soundso lange nachgespielt – und Ende. Dann entscheidet nicht mehr der Zufall, auch nicht das Fingerspitzengefühl, auch nicht die Willkür eines Schiedsrichters. Wäre meines Erachtens mal nachdenkenswert.

Was mir auch ein- und auffiel: Hand hoch – bevor der Eckballschütze schießt. Sehen wir ja immer wieder. Gab es früher nie. Nie! Aber warum heute? Warum hebt der ausführende Eckballschütze den Arm? Achtung, jetzt schieße ich! Oder: Dieser Ball fliegt besonders hoch zur Mitte? Oder ist es auch nur eine Warnung für tieffliegende Vögel? Oder, wie früher bei Mehdi Mahdavikia, eine Entwarnung für Maulwürfe, weil dieser Ball ausnahmsweise nicht flach zur Mitte gedroschen wird? Ich habe noch kein Tor gesehen, dass nach einem Eckstoß erzielt wurde, als der Spieler die Hand anhob. So nach dem Motto: Denen haben wir es aber mal (an-)gezeigt, und trotzdem haben die nichts gemerkt.

Früher hieß es ja auch von so manchem Spieler (und Trainer): „Hätte er den Ball doch nur einfach auf die Tribüne geballert, dann wäre dieses letzte Tor nicht mehr gefallen.“ So hieß es übrigens auch am 19. Mai 2001 als, als es den HSV-Rückpass auf Torwart Matthias Schober gegeben hatte: „Hätte der doch den Ball nur einfach auf die Tribüne gedroschen.“ In diesem Fall hätte es wohl geholfen, ansonsten aber wohl kaum noch, denn heute liegen so viele Bälle draußen bei den Balljungs, so dass es immer gleich weiter geht, ohne darauf zu achten, ob sich da noch eine Kugel auf der Tribüne befindet.

Und was auch weiterhin zunimmt: spucken. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass früher so viel gespuckt wird. Ich gehe seit 1959 zum HSV, ich habe Horst Schnoor, Jochen Meinke, Jürgen Werner, Horst Dehn, Uwe Seeler und auch Gert Dörfel nie spucken gesehen. Weil es damals nicht vom Fernsehen entlarvt wurde? Ich glaube nicht. Es war damals einfach nur nicht „angesagt“. Heute rotzen sie alle naselang auf den Rasen und merken nicht, wie ekelhaft es ist. Ist wahrscheinlich auch egal, müssen sich ja Freund und Feind drin herumwälzen . . .

Und noch eines ist mir aufgefallen. Wie oft haben wir von Spielern und Trainern schon folgende Floskel gehört: „Kein Spieler verletzt einen anderen mit Absicht, da gibt es einen Ehrendkodex.“ Natürlich. Der Fall „Jones gegen Reus“ zeigt es doch eindrucksvoll. Niemand will einen anderen absichtlich verletzen. Wer glaubt, dass das ein Einzelfall ist, der glaubt auch daran, dass sechs Ein- und Auswechslungen drei Minuten Nachspielzeit bedeuten – und zwar in jedem Fall.

Was mir, und damit bin ich dann auch am Ende, positiv aufgefallen ist: Bei den Spielen der Dortmunder geht BVB-Trainer Jürgen Klopp meistens sofort auf den Rasen. Einige Mal hat er das schon gemacht, um dem Schiedsrichter-Gespann seine Meinung zu geigen, das ist natürlich nicht gut. Und es ist auch gar nicht gemeint. Vielmehr ist zu beobachten, dass „Kloppo“ nicht nur seinen Spielern die Hände drückt (oder ihnen einen Klaps auf die Schultern gibt), sondern auch den Spielern des Gegners. Das sollte in der Tat Schule machen, denn das halte ich für nachahmenswert – weil es eine schöne sportliche Geste ist. Klopp macht es auch dann, wenn sein Team nicht gewonnen hat. Und er macht es schon seit vielen, vielen Jahren. Erstmalig habe ich es beim Zweitliga-Spiel Mainz 05 gegen St. Pauli beobachten können – und war schon damals fasziniert davon. Für mich heißt das dann: „Jungs, alles in Ordnung, egal was war, wir geben uns die Hand und bleiben Freunde . . .“ Toll. Oder bin ich einfach nur ein unverbesserlicher Romantiker?

Egal, das war es für heute – mal ein etwas anderer „Matz-ab“-Beitrag, aber es ist ja auch ein etwas anderer, außergewöhnlicher Tag, dieser 1. Januar 2012. Dieser Tag soll der Aufbruch zu wieder besseren HSV-Zeiten stehen. Soll. Bleibt nur zu hoffen, dass er das auch sein wird.

19.03 Uhr

Die Offensive – Halbzeit-Bilanz Teil zwei

26. Dezember 2011

Die Offensive des HSV – das Sorgenkind? Oder alles völlig normal – für einen Tabellen-13.? 21 Treffer hat der HSV erzielen können, elf Mannschaften waren besser. Und, was eigentlich für eine schlechte Quote spricht: Das Tabellenschlusslicht SC Freiburg hat auch 21 Tore erzielt. Die gibt es also noch reichlich Luft nach oben. Viele Experten, auch etliche „Matz-abber“ wollen den Grund für die mangelnden Offensivleistungen ja auch schon (lange) ausgemacht haben: Rafael van der Vaart. Den Namen höre ich immer und überall wieder. Es fehlt dem HSV einer wie Rafael van der Vaart. Es fehlt ein Spieler, bei dem die Fäden zusammenlaufen, der die Ideen hat, der Spielwitz zeigt, der den tödlichen Pass spielen kann. Wobei wir aber bei einem anderen Problem wären: Tödlicher Pass ist ja schön und gut, aber wer soll ihn erlaufen? Der HSV hat keinen Sprinter im Angriffszentrum. Weder Paolo Guerrero noch Mladen Petric sind Konter-Stürmer. Und ich geben bei einem Spieler-Typen wie Rafael van der Vaart auch immer zu bedenken, dass damit eine Kraft „nach hinten“ fehlen würde. Denn van der Vaart hat für die Defensive stets herzlich wenig gemacht. Auch deswegen wurde er ja auch oft nominell in den Angriff gestellt. Im Moment kümmern sich mit Tomas Rincon und Gojko Kacar zwei eher defensiv ausgerichtete „Sechser“ um die hinteren Regionen. Wobei Rincon den Ball möglichst effizient nach vorne spielen soll. Und, das ist mir auch nicht entgangen, Kacar rückt eher einmal mit in den Angriff. Wobei da zu beobachten ist, dass wenn der HSV-Angriff abgefangen ist, Kacar eher langsam und bedächtig zurück trabt. Auch dann, wenn schnelles Umschalten dringend nötig wäre. Wenn ein „Typ van der Vaart“, dann wohl schon eher hinter der einen Spitze, denn ich glaube nicht, dass sich Thorsten Fink beide Außen nehmen lassen würde. Zwei Sechser, zwei Außen, eine Spitze, ein Regisseur. So könnte es vor der Viererkette aussehen. Sieht es bislang ja auch aus, denn sowohl Guerrero als auch Ivo Ilicevic (als Petric fehlte) hielten sich ja meistens hinter der einen HSV-Spitze auf.

Zwei Namen fallen mir übrigens ein, wenn ich über den Spielmacher schreibe. Irgendwie habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Per Ciljan Skjelbred noch in eine solche Rolle schlüpfen kann – der Norweger konnte es doch schon mal, trat doch auch international schon in Erscheinung. Vielleicht nicht als „van der Vaart“, aber an den Füßen hat Skjelbred schon einiges, und die Hoffnung stirbt in diesem Falle (für mich) auch zuletzt. Im Training hat der blonden aus dem hohen Norden mitunter recht gute Szenen, ich glaube, dass er noch kommen wird. In welcher Rolle auch immer – abschreiben werde ich ihn jedenfalls noch nicht.

Und ein zweiter Namen geht mir durch den Kopf: Piotr Trochowski. Ob er jetzt, wo es keinen Spielmacher beim HSV gibt, in seine Lieblings-Rolle geschlüpft wäre? Wahrscheinlich ja nicht, aber das ist hypothetisch, weil es nicht beweisbar ist. Immerhin, der „kleine Dibbelkünstler“ ist noch gelegentlich ein Thema bei „Matz ab“. Wie gestern, als es folgende Beiträge gab:

„Nils Lofgren“ befand:
„Ich fand das war die beste saison, die trotsche seit langem für den hsv gespielt hat.“

„Trapper Doc Seitenberg“ erwiderte:
„0,0 Minuten für uns, Du Hase! Sein Abgang ist einer der größten Leistungen, die er, neben dem Abseitstor seinerzeit, je für den HSV erbracht hat (Wenn wir mal von sieben Jahren herausragender Trainingsleistungen absehen).“

Ich habe sehr geschmunzelt, und ich habe so bei mir (ganz im Stillen, passend zur Weihnachtszeit) gedacht: „Hase!“ Das könnte doch unser Zauberwort werden. Auch wenn zurzeit gerade der Weihnachtsmann in ist.

Okay, es geht zur Sache, jetzt ist die HSV-Offensiv-Abteilung dran – wieder mit Schulnoten.

Gökhan Töre ist für mich die Entdeckung. Und wird es sicherlich nicht für mich sein, denn die HSV-Fans wissen ihn inzwischen längst zu schätzen, und die anderen Klubs wohl auch –nicht nur in Deutschland. Selbst die türkische Nationalmannschaft hat ihn in diesem Jahr ja lieben und schätzen gelernt. Und wenn ich kürzlich im ZDF-Sportstudio gesehen habe, wer von den Experten zum Aufsteiger der Saison gewählt wurde – da kreuzte der HSV-Profi an dritter oder vierter Stelle auf. Sieh an, sieh an. Da hat doch der Frank Arnesen ein gutes Händchen und zugleich auch ein gutes Näschen bewiesen. Und wenn ich mich gleich zweimal an den früheren Nationaltorwart Jens Lehmann erinnere (den ich übrigens sehr schätze – ist auch ein Freund von Christian Pletz), dann stehen folgende Bemerkungen von ihm im Raume. Erstens hat er einst Arnesen vorgeworfen, nur Spieler von Chelsea zu kennen . . . Und zweitens hat Lehmann kürzlich gesagt: „Gut dass Arnesen den Töre kannte, und dass ansonsten kaum einer Töre kannte, sonst wäre Töre nämlich niemals zum HSV gekommen . . .“ So werden Sportchefs (auch des HSV) durch die Hintertür geadelt. Töre ist für mich schon jetzt unersetzlich für den HSV, auch wenn der Deutsch-Türke, der erst 19 Jahre ist, zuletzt doch ein wenig nachgelassen hatte. Das kommt wieder. Hundertprozentig. Deswegen gibt es für ihn von mir die
Note zwei.

Marcell Jansen auf der linken Außenbahn ist von jener Form, die ihn einst in die Nationalmannschaft gebracht, sehr, sehr wiet entfernt. Er hatte im Sommer ein Extra-Fitness-Training absolviert, versprach danach in Deutschland: „Ich bin fit wie noch nie.“ Das allerdings war nie zu sehen. Jansen war zwar weniger verletzt als sonst die Jahre zuvor, aber für mich lief er immer irgendwie „unrund“. Auch ein wenig hüftsteif, was er vorher nie hatte. Wie ich gestern schon bei Jeffrey Bruma und Gojko Kacar empfahl: Einzeltraining. Hilft gelegentlich. Wird allerdings zu selten drauf zurückgegriffen. Leider. Ich erinnere, „Alt-Matz-abber“ werden es wissen, dabei gerne an Thomas von Heesen. Der galt als „ewiges Talent“, wollte aber mehr. Und engagierte sich einen Privat-Trainer, einen Zehnkämpfer. Immer dann, wenn der HSV nicht trainierte, dann trainierte von Heesen in der Jahnkampfbahn mit Rainer Sonnenburg. Und Thomas von Heesen wurde besser – nur wusste keiner, warum. Irgendwann wurde das „private Paar“ gesehen, und damit auch „entlarvt“, von Heesen gab seine „Nachhilfestunden“ zu. Was zur Folge hatte, dass Rainer Sonnenburg erst in den Trainerstab des HSV kam, später dann zum FC St. Pauli ging. Zurück zu Jansen. Wenn er seine Form nicht bessern kann, dann war es das mit der Nationalmannschaft. Ich gebe ihm, trotz seiner Tore und weil ich genau weiß, dass er so viel mehr abrufen könnte, für diese Hinrunde nur
Note fünf.

Über Per Ciljan Skjelbred habe ich bereits alles gesagt, ganz klar ist, dass er bislang seinen hohen Vorschusslorbeeren nicht gerehct geworden ist. Nun sollte die Zeit der Umstellung aber abgelaufen sein. Bislang ist er aber nur bei
Note fünf.

Pechvogel Romeo Castelen ist nicht zu bewerten. Bewundernswert, wie er sich immer wieder herankämpft, allein dafür müsste er die Note eins bekommen. Der Mann ist klasse – und ganz nebenbei ein ganz, ganz feiner Mensch. Es wäre wirklich schön, wenn Ihr ihm alle die Daumen drücken würdet, dass er es tatsächlich noch einmal packt. Obwohl . . .

Wer Heung Min Son im Zillertaler Trainingslager Tore schießen und auch tanzen (!) sah, der dachte sicherlich bei sich: „Das wird seine Saison, jetzt kommt der Son ganz groß heraus.“ Denkste. Testspiele gegen „Pille-palle-Gegner“ können zwar gelegentlich Selbstvertrauen geben, aber sie geben leider keinerlei Aufschluss darüber, wie gut ein Spieler tatsächlich in Form ist, in Form kommt. Im vergangenen Jahr hatte Son eine schwere Verletzung, die ihn zurückgeworfen hatte, diesmal wäre er wohl „da“ gewesen, aber er konnte seine im Sommer gezeigten Leistungen nie bestätigen. Leider. Zum Schluss war es sogar weit von der Rolle, deswegen gibt es nur
Note fünf.

Marcus Berg hat bei Thorsten Fink wieder einmal aufgeatmet. Der Trainer sieht in dem Schweden eine echte Alternative für den Angriff, was in erster Linie für den Trainer spricht. Und dazu müsste dann Berg unendlich viel Gas geben, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Das tat Berg aber nicht – auch deshalb, weil ich zwei schwere Verletzungen ereilten. Jetzt fällt er noch wochenlang aus, verpasst die Vorbereitung (vielleicht nicht ganz, aber einige Sachen ganz sicher), so dass auch in dieser Saison der Durchbruch wohl ausbleiben wird. Für die bisherige Saison gibt es von mir nur
Note fünf.

Ivo Ilicevic kam und war gesperrt, dann verletzt. Kein Einstand nach Maß. Ich erwarte aber nun, wenn er die Vorbereitung mit der Mannschaft absolviert, dass er das zeigt, was er kann. Und er kann in meinen Augen (und in den Augen von Arnesen) ganz viel. Bislang aber hat er es nicht gezeigt, weil er auch nie bei 100 Prozent war. Das wird er (wohl) im Januar sein, und dann wird er schwer kommen. Ich bin davon restlos überzeugt. Mit ihm hat Frank Arnesen einen „Goldfisch“ an Land gezogen – jetzt muss der „Goldfisch“ nur noch zeigen, dass er besser als die vielen Karpfen um ihn herum ist. Bislang war das
Note vier.

Zhi Gin Lam kam wie Kai aus der Kiste – von Rodolfo Cardoso ins kalte Wasser geworfen. Und sofort mitgeschwommen – Kompliment. Nur hat der „Lütte“ noch ein wenig zu wenig auf den Rippen. Er soll nicht dicker werden, nur athletischer. Wenn er da zulegen kann, und ich hoffe, dass da die Trainer vor sind, dann wird er „einer“. Spielerisch und läuferisch ist er hoch veranlagt, er könnte eventuell auch in eine Art „Van-der-Vaart-Rolle“ schlüpfen. Eines Tages habe ich geschrieben, nicht jetzt. Bislang war das
Note vier.

Paolo Guerrero war in Hamburg lange Zeit höchst umstritten. Besonders als wurfgewaltiger Handballer. Abgehakt. In den zurückliegenden Fink-Wochen habe ich noch nie so viel Lob über Guerrero gehört. Hamburg schwärmt inzwischen von dem manchmal eigenwilligen Südamerikaner, der aber, das versichere ich jedem, abseits des Platzes ein ganz feiner, stiller und eher introvertierter Mensch ist. Und jetzt zeigt er ganz Hamburg (und der Bundesliga), dass er auch eins ehr guter Fußballer sein kann. Deswegen
Note drei.

Mladen Petric hat lange gepokert, war lange verletzt, scheint jetzt nicht mehr so lange pokern zu wollen, kann sich sogar vorstellen, in Hamburg zu verlängern – und er zeigt auf dem Platz, dass er Taten sprechen lassen will. Unter Thorsten Fink sah es dann, wenn Petric spielte, immer recht gut aus. Weil sich der Kroate auch meistens rege bewegte – und nicht nur bedienen lassen wollte. Wenn er das konservieren kann, wenn Fink ihm das auch im neuen Jahr mit in jedes Spiel gibt – dann freue ich mich auf eine lange Verlängerung. Bislang war das
Note vier.

Nicht zu bewerten ist Tolgay Arslan, der „dank“ des Wolfsburgers Dejagah schon seit Saisonbeginn verletzt ist. Was schade ist, denn in der vorherigen Saison hat Arslan in Aachen (wohl) eine sehr gute Saison gespielt. Am Tivoli jedenfalls weinen sie ihm schon lange nicht nur eine Träne nach.

So, das war die Offensive, gestern war es die Defensive – und keine Angst, der Trainerstab und die Herren Funktionäre werden auch noch unter die Lupe genommen.

Erst einmal lasst das Fest gut und bestens ausklingen, und dann wünsche ich jedem von Euch einen guten Start in die letzte Woche des Jahres.

16.52 Uhr

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