Archiv für das Tag 'Castelen'

Die Träume platzten auch woanders . . .

16. Juni 2013

Wer kommt, wer geht? Fragen, die die Fans bewegen. Jetzt und in jeder Sommer- oder Winter-Pause. So auch im vergangenen Jahr, als sich im Juni gleich zwölf HSV-Spieler aus Hamburg verabschiedeten. Die meisten von ihnen sicherlich mit dem Gedanken, dass sie vom HSV verkannt worden sind, und dass sie mit dem nächsten Verein das ganz große Los gezogen haben, um nun karrieremäßig durchzustarten. Träume, die allerdings nur bei den wenigsten Spielern, die es beim HSV versucht haben und letztlich für zu leicht befunden wurden, in Erfüllung gegangen sind. Wer erinnert sich noch an die Profis, an die Namen – zwölf an der Zahl?

Einer, der es geschafft hat, ist sicherlich Paolo Guerrero. Der Peruaner wechselte (viel zu billig und für weniger, als es mit den angeblich fünf Millionen angegeben wurde) zu Corinthians Sao Paulo und wurde Stammspieler. 27 Partien bestritt Guerrero für den brasilianischen Erstliga-Club und erzielte dabei zwölf Tore. Kleiner Wermutstropfen: Paolo wurde insgesamt in neun Spielen ausgewechselt.

Etwas mehr hatte sich wohl Mladen Petric versprochen, als er vom HSV zum FC Fulham wechselte. Der Kroate brachte es zwar auf 23 Erstliga-Partien in England, wurde dabei aber vom ehemaligen HSV-Trainer Marin Jol in 14 Partien ein – und in acht Begegnungen ausgewechselt. Insgesamt brachte es Petric dabei nur auf 883 Spielminuten, in denen er immerhin fünf Treffer erzielen konnte. Sein letztes Länderspiel bestritt Mladen Petric am 6. Februar gegen Südkorea, sein Vertrag lief am 30. Juni 2013 aus – und bislang gibt es noch keinen Anschlussvertrag und keinen neuen Arbeitgeber. Dass hatte sich der Torjäger ganz sicher auch etwas anders vorgestellt, als er vor einem Jahr seine Zelten in Hamburg abbrach.

Ebenfalls nicht ganz so gut ist es für David Jarolim gelaufen, der vom HSV keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte und den es dann nach Frankreich zog. Zum Erstliga-Club FC Evian Thonon Gallard. Dort schaffte der Tscheche dann aber nur fünf Einsätze, dreimal wurde er dabei ausgewechselt. Aus persönlichen Gründen löste „Jaro“ dann im Herbst seinen Vertrag auf und schloss sich in Januar dem tschechischen Erstliga-Verein Mlada Boleslav an. Der 34-jährige Jarolim machte bis zum Sommer noch elf Spiele und steht zurzeit ohne neuen Verein da. Das alles ist sicherlich nicht ideal und auch nicht im Sinne des ehemaligen HSV-Kapitäns gelaufen, aber er besitzt mit dem HSV ja noch immer eine vertragliche Anschlussvereinbarung, und die könnte schon in diesem Sommer in Kraft treten: Jugendtrainer, Spieler bei der Regionalliga-Mannschaft? Vieles ist vorstellbar.

Ganz schlecht ist es sogar für Gökhan Töre gelaufen, der Deutsch-Türke galt bei vielen Experten als ein Jahrhunderttalent. Auch ich habe den „bulligen“ Dribbelkünstler weitaus höher eingeschätzt, und zudem habe ich bei seinem Wechsel zu Rubin Kazan gedacht, dass Töre nun die Russen aufmischen würde. Hat er vielleicht sogar, aber auf keinen Fall fußballerisch. Nur fünf Erstliga-Einsätze hatte er, dreimal ein- und einmal ausgewechselt, aber meistens war er gar nicht im Rubin-Kader für die Spiele. Töres Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2016, jetzt aber wurde er von den Russen an den türkischen Erstliga-Club Besiktas Istanbul ausgeliehen. Vorerst für ein Jahr.

Und wer erinnert sich noch an Muhamed Besic? Der Bosnier hatte während seiner Hamburger Zeit immer leicht den Verdacht, dass ihn sein Arbeitgeber HSV unterschätzt. Im Sommer 2012 zog es den 20-jährigen Abwehrspieler dann nach Ungarn, um in der Ersten Liga für Ferencvaros Budapest zu spielen. Kein schlechter Plan, denn Besic machte 22 Spiele und schaffte dabei nur einmal nicht die volle Spielzeit. Das ist doch mal eine ordentliche Ausbeute . . .

Romeo Castelen war der dauer-Pechvogel des HSV, auch er erhielt keinen neuen Vertrag mehr – gab aber nie auf. Er verhandelte mit Birmingham City, schloss sich dann aber dem russischen Club Volga Nizhniy Novogrod an, für den er aber nur zwei Spiele machte – zwei Einwechslungen, einmal 15 und einmal 25 Minuten. Dreimal stand Castelen noch im Kader, brachte es aber nicht zu einem Einsatz – jetzt ist er wieder einmal vereinslos.

In die Dritte Liga hatte es Daniel Nagy gezogen, und zwar zum VfL Osnabrück. 33 Spiele bestritt der Mittelfeldmann für den VfL, wurde dabei aber in gleich 20 Partien von Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vorzeitig vom Platz geholt. Nagy brachte es auf lediglich drei Tore. Die Frage, die sich wohl nicht nur der Spieler stellt, ist die: Ist die Dritte Liga schon das Ende der Fahnenstange einer Karriere, die durchaus mal zu großen oder größeren Hoffnungen Anlass gab?

Ähnlich dürften die fußballerischen Träume von Sören Bertram gewesen sein, den es vom HSV zum VfL Bochum gezogen hat. Dann gab es ein böses Erwachen, denn der 22-jährige Bertram schaffte nur drei Zweitliga-Einsätze – und 13 Spiele in der Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum. Das kann doch eigentlich noch nicht alles gewesen sein, oder?

Eine immer noch im Raum stehende Frage ist für mich der bislang unerklärliche Winter-Wechsel von Tom Mickel zur Spielvereinigung Greuther Fürth. Warum? Von der Nummer drei (oder vier) des HSV zur Nummer drei beim Erstliga-Absteiger, das macht auch heute für mich nur relativ wenig Sinn. Mickel brachte es auf keinen Erstliga-Einsatz, stand aber in neun Regionalliga-Partie (in Bayern) zwischen den Pfosten der Kleeblätter. Die Frage, die sich daran anschließt: wie geht es weiter?

Dann gab es da noch den einst mit ganz großen Hoffnungen in Hamburg begrüßten Macauley Chrisantus, der einst als eines der größten Talente der Welt galt. Beim HSV konnte er diesen Ruf nie auch nur annähernd rechtfertigen, er wurde verschiedentlich ausgeliehen, spielte zuletzt für den FSV Frankfurt. Im Sommer 2012 zog es ihn in die Segunda Division nach Spanien, wo er für DU Las Palmas stürmt. 41 Spiele schaffte er, wurde dabei in zwölf Begegnungen ausgewechselt. Das sieht nicht mehr nach der ganz großen Karriere aus.

Zwei haben wir dann noch. Mikael Tavares schloss sich ebenfalls dem FC Fulham an, brachte es aber auf keinen einzigen Premier-League-Einsatz und ist nun schon seit dem Januar 2013 vereinslos. Und Miroslav Stepanek, ebenfalls ein Dauer-Pechvogel des HSV (Kreuzbandrisse), spielte in der abgelaufenen Saison für zwei Vereine. Erst für den FC Senica, dann mit Beginn des Jahres beim MSV Duisburg II. Der Traum von der großen Fußball-Karriere – geplatzt.

So, das waren die zwölf ehemaligen HSV-Spieler, die einst im Sommer 2012 auszogen, doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Nur ganz, ganz wenige haben es geschafft. Ob das vielleicht auch dem einen oder anderen Verantwortlichen im HSV zu denken gibt? Schließlich waren die Spieler einst zum HSV geholt worden, um den Rothosen auf die Sprünge zu helfen . . . Da wurde wohl mit wenig Auge und mit viel Geld eingekauft – besser wäre es natürlich umgekehrt.

Für die neue Spielzeit (2013/14) galt ja der Nürnberger Timm Klose als Wunschkandidat des HSV in der Abwehr – aber daraus scheint nichts zu werden. Klose hat beim 1. FC Nürnberg das Angebot einer Vertragsverlängerung abgelehnt und strebt jetzt einen Wechsel zum VfL Wolfsburg an. „Nach langer Überlegung habe ich mich entschieden, dass, wenn die Möglichkeit besteht, ich die neue Herausforderung annehmen werde und vorzeitig zum VfL Wolfsburg wechseln möchte“, sagt der Schweizer. Vom HSV hat er nichts gesagt.

Und dann noch einmal zum Pokal-Gegner in Thüringen. Der Oberliga-Aufsteiger SV Schott Jena darf sich bei seiner DFB-Pokalpremiere auf eine geballte Ladung Bundesliga-Tradition freuen. Anfang August empfängt der SV Schott im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld den HSV. „Auf 50 Jahre Erstliga-Erfahrung zu treffen, ist eine großartige Sache. Wir wollen das Stadion voll kriegen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Triller. Das Team von Trainer Steffen Geisendorf hatte Ende Mai im Landespokalfinale überraschend den deutlich favorisierten Drittliga-Vertreter Rot-Weiß Erfurt mit 1:0 bezwungen und sich so erstmals in der Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert. Am Sonnabend hatte der SV Schott das letzte Punktspiel dieser Saison mit 8:0 gegen Meuselwitz II gewonnen.

16.47 Uhr

Castelen wird in Salzburg getestet

18. Juni 2012

Der von uns angemietete Satellit stand uns kurzfristig doch nicht zur Verfügung. Immer dann, wenn unsere Techniker dachten, sie seinen „drin“ im Internet, schmiss man uns wieder raus. Ein Dilemma. Und wohl auch Sabotage. Entweder hat dann noch ein anderer Bieter mehr Geld auf den Tisch gelegt, sodass wir außen vor bleiben mussten, oder der Satellit war vergiftet worden. Ähnlich wie die Spieler der Ukraine, die kürzlich bei einem Deutschland-Aufenthalt, so ihr Trainer Oleg Blochin, mit Lebensmitteln vergiftet worden sind. Aber wir arbeiten dran, bis zum Viertelfinale am Freitag sollen und sollten alle Schwierigkeiten beseitigt sein. Auf jeden Fall war tatsächlich der Wurm bei uns drin – ich hätte es vorher wohl nicht beschreien dürfen. Wer die Sendung dann zeitverzögert trotz allem sah, der wird sich sein Bild davon gemacht haben. Ich war und bin von unseren Gästen noch immer schwer begeistert, denn wohl Carl-Edgar Jarchow als auch Oliver Wurm waren einfach nur klasse. Danke dafür. Jarchow ist in jeder Lage souverän, ist die Ruhe selbst und eine starke Nummer eins des HSV; Wurm ist ein großartiger, enorm kreativer und überragender Kollege, von dem ich denke, dass er eines Tages zum Beispiel auch Nachfolger von Doppelpass-Boss Jörg Wontorra werden könnte. Mir hat diese Sendung und haben diese Gäste trotz aller technischer Probleme auf alle Fälle viel Spaß gemacht.

Zum HSV. Es gibt sie ja doch noch, die (Agentur-)Meldung vom und über den HSV:

„Österreichs Fußball-Meister RB Salzburg testet den früheren HSV-Profi Romeo Castelen. Zum Ende der abgelaufenen Saison hatte der langzeitverletzte Mittelfeldspieler den HSV nach fünfjähriger Zugehörigkeit verlassen. „Romeo Castelen ist ein schneller, quirliger und sehr spielstarker Außenspieler. Wir werden ihn in den nächsten Tagen genau ansehen“, sagte Salzburgs Sportkoordinator Oliver Glasner.

Castelen musste viermal am Knie operiert werden. Für den HSV bestritt der 29-Jährige seit seiner Verpflichtung im Juli 2007 lediglich 28 Pflichtspiele. Einen weiteren Hamburger haben die Salzburger verloren. Der frühere HSV-Co-Trainer Ricardo Moniz trat vor einer Woche aus ‚professionellen Gründen’, wie er mitteilte, zurück.“

Ich würde es dem liebenswerten Romeo ja gönnen, wenn er es sich und allen anderen noch einmal beweisen könnte. Allein mir fehlt der Glaube.

Dann zur EM – und halb zum HSV:

Kroatiens Fußball-Nationaltrainer Slaven Bilic verfolgt den Hype um Trainer Jürgen Klopp vom deutschen Meister Borussia Dortmund amüsiert und mit Ironie. So hieß es heute in der Agentur. Und, nun der wichtigere Teil: Bilic, der nach der EM zu Lokomotive Moskau gehen wird, bestätigte, dass er sich schon lange mit dem Gedanken trug, den Posten als Nationaltrainer abzugeben. „2008 wäre es leicht für mich gewesen, zu gehen. Ein großer Verein wollte mich (der HSV, d. Red.), aber mein Weg war noch nicht zu Ende“, erklärte der 43-Jährige: „Und 2010, nachdem wir die WM-Qualifikation verpasst hatten, konnte ich einfach nicht gehen. Der Verband ist 2006 ein großes Risiko eingegangen, als er mich zum Nationaltrainer gemacht hat. Das habe ich nie vergessen, da hatte ich etwas zurückzuzahlen.“

Noch heute bekomme ich ja Kritik dafür, dass ich seinerzeit im Sport 1-Doppelpass gesagt habe, dass ich glaube (und sicher sei), dass Bilic der neue HSV-Trainer wird. Weil ich es aus „seiner Ecke“ als ziemlich sicher vernommen hatte. Bilic sah sich damals ja auch ein Heimspiel des HSV an, ich sprach ganz kurz mit ihm – und ich war mir schon sicher, dass er kommen würde. Als er dann doch nicht kam, hörte ich später (auch aus seiner Ecke), dass er sich daran gestört hätte, dass sich der HSV-Aufsichtsrat (einige Herren jedenfalls) daran gestört hätte, dass Bilic einen Brillanten im Ohr trug. Ob das tatsächlich der Grund gewesen ist, vermag ich nicht zu sagen, ich habe es mehrfach und tagelang versucht, mit ihm zu telefonieren, aber er ging nicht mehr an sein Handy – selbst dann nicht, als ihm ein Verwandter meine Bitte ausgerichtet hatte. Schicksal.

Zur Gruppe B dieser EM. Ich gebe zu, ich war vorher der größte EM-Pessimist, „uns Scholle“ hat mich mehrfach „zusammenpfeifen“ und zur Ordnung rufen müssen, denn ich sah Deutschland in dieser „Hammer-Gruppe“ nach der Vorrunde nach Hause fliegen. Weil die Vorbereitung ja nun wirklich nicht darauf schließen ließ, dass alle drei Gruppenspiele mit einem deutschen Sieg enden könnten. Und nun fahren die so hoch eingeschätzten Niederländer mit ihrer super Offensive heim – sieg- und punktlos, nur zwei Tore geschossen. Und das ist irgendwie eine kleine Genugtuung, denn wenn ich so an 2000, die EM in Belgien und in Holland, denke, wie früh ich damals meine Koffer packen musste . . . Das war schon deprimierend. Erst sah ich den großen Horst Hrubesch nach der 0:3-Klatsche in Rotterdam gegen Portugal weinen wie einen Schlosshund, dann kam ich hier mit hängenden Ohren in Hamburg an. So, als hätte ich selbst mitgespielt und versagt wie Matthäus, Kahn und Co . . . Zum Glück hat Fußball-Deutschland ja solche Szenarien nicht zu oft erlebt. Und auch jetzt, mit dem Erreichen des Viertelfinals, ist ja wieder ein guter Schritt gemacht worden, ist die Position in der Weltspitze doch schon wieder ein wenig untermauert worden. Gratulation.

Und es geht ja noch weiter. Gegen die Griechen. Ein „Freilos“? Otto Rehhagel warnt ja, und auch wenn ich es nicht glauben will – als Griechenland 2004 Europameister geworden ist, müssen wohl alle Gegner von damals gedacht haben, sie hätten ein „Freilos“ gezogen. Genau deshalb macht es dieses Spiel am Freitag so gefährlich.

Dennoch, das muss ich gestehen, glaube ich nicht daran, dass die Griechen diese gute deutsche Mannschaft stolpern lassen können. Es sei denn, die Löw-Bubis unterschätzen den Gegner – was ja im Fußball auch immer wieder passieren soll.

Und will man dem früheren HSV-Torwart Frank Rost Glauben schenken, so hat Deutschland ja auch noch gar nicht überzeugend gespielt. Sagt eine NDR-Meldung aus:

Der ehemalige Nationaltorhüter Frank Rost ist hart mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Gericht gegangen. Dem Radiosender NJoy, bei dem Rost derzeit als EM-Experte gefragt ist, sagte er nach dem 2:1 gegen Dänemark: „ Fußballerisch hat’s mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Es hat kein Kombinationsspiel stattgefunden, so wie wir es sonst von der deutschen Mannschaft gewohnt sind.“ Und Rost setzte trotz des dritten Sieges im dritten Spiel noch einen drauf: „ Du musst halt irgendwas machen und nicht nur hoffen, dass dein Nachbar was macht. Sondern Dich selbst auch mal anbieten. Das hat mir gefehlt.“ Laut Rost muss eine Leistungssteigerung her für die K.O.-Runde: „Überzeugt hat mich bis jetzt noch kein Spiel.“
Nachhören kann man das ganze Interview unter www.ndr.de/sport

Immerhin, und ich finde diese Zahlen erstaunlich, hat das Spiel gegen Dänemark für eine tolle TV-Quote gesorgt:

Das letzte Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark hat die bisher höchste Zuschauerquote der Fußball-EM gebracht. 27,65 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend im Ersten den Einzug der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ins Viertelfinale, das entspricht einem Marktanteil von 74,2 Prozent, wie die ARD mitteilte. Das zweite Gruppenspiel der Deutschen gegen die Niederlande hatten 27,22 Millionen gesehen.

Muss wohl doch etwas dran sein, an diesem DFB-Team.

Auf dem nächtlichen Rückflug aus Lwiw nach Danzig hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach eine Lobeshymne auf die deutschen Fußball-Nationalspieler und Bundestrainer Joachim Löw angestimmt. „Euer Zusammenhalt ist phänomenal. Ich kann euch nur aufrufen, in diesem Geist weiterzumachen. Ihr seid ein fantastisches Team, und ihr sollt wissen, dass ganz Deutschland hinter euch steht. Was ihr geleistet habt, ist außergewöhnlich und alles andere als selbstverständlich“, sagte Niersbach nach DFB-Angaben in seiner von Applaus begleiteten Ansprache über das Bord-Mikrofon.

Niersbach würdigte auch die Verdienste der Sportlichen Leitung um Bundestrainer Löw nach dem 2:1-Sieg gegen Dänemark und Platz eins in der schweren Gruppe B. „Jogi, du hast dich nicht beklagt über manche Schwierigkeiten bei der EM-Vorbereitung. Du hast es mit deiner Art, mit deinem Trainerteam, mit Oliver Bierhoff im Management, durchgezogen. Das ist allererste Klasse“, sagte der DFB-Chef, der anschließend Siegtorschütze Lars Bender („In der entscheidenden Sekunde warst du da“) und Jubilar Lukas Podolski persönlich ansprach. „In deinem Alter 100 Länderspiele erreicht zu haben und dabei 44 Tore erzielt zu haben, da sage ich nur: Das ist klasse. Wir alle sind froh, dass wir einen wie dich in unserer Mannschaft haben.“

Mit lautstarken „Rede, Rede“-Rufen wurde dann Podolski ans Mikrofon gerufen. „Ja, so ist es richtig, zückt alle die Handys und Kameras“, scherzte der Kölner, der seine 100 Spiele als „Wahnsinn“ bezeichnete und schloss: „Danke an alle – und ab ins Finale!“

Podolski rangiert nach seinem 44. Länderspieltor in der ewigen Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nun nur noch einen Treffer hinter Ex-Kapitän Karl-Heinz Rummenigge (45 Erfolge). Und, was uns Hamburger ja ein wenig trifft: Der 27-Jährige hat nun auch HSV-Legende und Ehrenspielführer Uwe Seeler (43) hinter sich gelassen, „uns Uwe“ bringt es (und brachte es) auf 43 Tore.

Unangefochten in Führung liegt weiterhin Gerd Müller mit 68 Toren in 62 Länderspielen. – Die ewige Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Überblick:

1. Gerd Müller 68 Tore/62 Länderspiele
2. Miroslav Klose 63/119
3. Joachim Streich 55/102 (DFV)
4. Jürgen Klinsmann 47/108
4. Rudi Völler 47/ 90
6. Karl-Heinz Rummenigge 45/ 95
7. Lukas Podolski 44/100
8. Uwe Seeler 43/ 72
9. Michael Ballack 42/ 98
10. Oliver Bierhoff 37/ 70
11. Ulf Kirsten 34/100 (14/49 DFV, 20/51 DFB)
12. Fritz Walter 33/ 61
13. Klaus Fischer 32/ 45
14. Ernst Lehner 31/ 65
15. Andreas Möller 29/ 85
16. Edmund Conen 27/ 28
17. Mario Gomez 25/ 55
18. Eberhard Vogel 25/ 74
19. Richard Hofmann 24/ 25
20. Lothar Matthäus 23/150
20. Bastian Schweinsteiger 23/ 93

PS: Am 2. Juli trainiert der HSV (schon) wieder. Es sind nur noch 14 Tage – Land in Sicht.

18.01 Uhr

Castelen: “Der HSV wird wiederkommen – aber das dauert”

30. April 2012

Was für ein Wochenende! Und damit meine ich nicht das lustige Journalistentreffen. Noch weniger meine ich die „Qualität“ des Spiels gegen Mainz. Vielmehr meine ich die Erleichterung nach Kölns Debakel in Freiburg, Herthas Versagen auf Schalke – und natürlich die emotionalen Verabschiedungen der HSV-Profis David Jarolim, Mladen Petric und Romeo Castelen. Was aber am meisten imponierte, war die ungebrochene Loyalität der Fans gegenüber Jaro. Vor dem Stadion wurden Protestplakate hochgehalten, im Stadion wurde der Tscheche minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert. Sogar schon bevor er ausgewechselt wurde. Und es gab überall nur das eine Thema, oder besser, nur die eine Frage: Warum gibt der HSV diesen David Jarolim ab? Ich war es irgendwann leid, immer wieder dieselben Argumente aufzutischen und eigentlich auch fortwährend die gleichen Reaktionen der Fragenden zu registrieren. „Am Kunden vorbei“ nannte Dieter die Nicht-Verlängerung mit dem Tschechen. Und damit trifft er meiner Meinung nach komplett ins Schwarze. Denn bei der Personalie Jarolim schwingt primär große Sympathie für den „Verstoßenen“ mit. Die wiederum hat er sich sportlich hart erarbeitet, der gemeine Fan mag Jarolims Vorbildliche Einstellung und Identifikation mit dem Klub. Jaro gehört eben zur Familie. Und das ist auch gut so.

Es gibt einfach nur sehr wenige Argumente, die FÜR eine Trennung sprechen. Allerdings gibt es ein, zwei Argumente dann doch. Denn, wir dürfen bei aller gerechtfertigten Sympathie für Jaro auch nicht vergessen, wo der HSV hin will. Es ist nicht der Kampf gegen den Abstieg, wie Fink gesagt hat. Es sind die Top Acht, wie Arnesen gesagt hat. Angesichts der verkorksten Saison 2011/2012 aus meiner Sicht überraschend ambitionierte Ziele, die mit jungen Spielern erreicht werden sollen. Aber ganz ehrlich, wer von uns meckert denn noch, wenn der Sportchef plötzlich einen zweiten Nigel de Jong aus dem Hut zaubert, der auch noch voll einschlägt? Wer von uns regt sich über Jarolims Vertragsende auf, wenn der HSV in der kommenden Saison sportlich positive Schlagzeilen macht? Am Ende wahrscheinlich niemand. Nein, es bleibt dabei: Die handelnden Personen werden an ihren eigenen Aussagen gemessen. Man muss es eher so sehen: Arnesen hätte es sich leicht machen können, Jaro ’nen kleinen Vertrag geben und sich so aus der Schusslinie bringen. Jaro hätte dem HSV geholfen, ganz klar. Aber, und das möchte ich mal wohlwollend positiv formulieren: Arnesen ist mutig, sich gegen alle Widerstände von Jaro zu trennen, wissend, dass er insgesamt und insbesondere bei der Jaro-Nachfolge dadurch unter erhöhtem Druck steht…

Aber gut, das sollte es dann vorerst auch sein. Wir warten ab, was die nächsten Wochen und Monate an Personalentscheidungen bringen. Alles, was wir bislang machen, sind Vermutungen in den Raum zu stellen und unser (noch berechtigtes) Unverständnis über Jaros Abgang zu äußern. Dennoch hoffe ich, dass Arnesen einen gut durchdachten Plan verfolgt, dass er längst weiß, was er abgibt und was er braucht. Vielleicht steht der Nachfolger schon in den Startlöchern und Arnesen straft alle Skeptiker Lügen.

Wobei, das war zugegebenermaßen im letzten Sommer nicht der Fall. Damals hatte ich hier offen meine Befürchtung geäußert, dass der Däne die Bundesliga angesichts seiner Transfers zu unterschätzen scheint. Und ehrlich gesagt, gibt es wenig Anlass, jetzt zuversichtlicher zu sein – weil wir bis auf Adler, Beister und Rudnevs noch nichts haben, was wirklich optimistisch stimmt. Außer vielleicht, dass dieses Mal Trainer Thorsten Fink seinen Kader selbst zusammenschustert und nicht einen anderen übernimmt.

Was mich aber jetzt schon freut ist, dass unser Dauerpatient Romeo Castelen wieder gesund ist. Sagt er selbst auf jeden Fall. Deshalb habe ich mich heute mal mit dem sympathischen Niederländer unterhalten und stelle das kurze, nette Gespräch hier als Interview rein. Denn ich finde, dass bei den viel diskutierten und viel beachteten Abschieden Jarolims und von Mladen Petric der von Castelen zu kurz gekommen ist. Denn auch wenn er in den letzten vier Jahren verletzungsbedingt nicht allzu viele Spiele (17 Bundesliga- und fünf regionalliga-Spiele) für den HSV gemacht hat, war er dem Vernehmen nach ein sehr positiver Faktor innerhalb der Mannschaft. Generell aber schon deshalb hat er es verdient, hier noch mal gewürdigt zu werden. Das Gespräch:

Matz Ab: Romeo, am Sonnabend standst Du das letzte Mal für den HSV auf dem Rasen. Was war das für ein Abschied?
Romeo: Ein sehr schöner, ein sehr trauriger. Denn ich war sehr gern hier, wollte dem Verein viel mehr geben, als ich es letztlich konnte. Leider haben mich meine Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Aber ich glaube sagen zu können, dass es der richtige Schritt für mich war, nach Hamburg zu gehen. Ich habe hier viele neue Freunde gefunden und einen Verein kennengelernt, der riesengroßes Potenzial hat. Sportlich wie menschlich.

MA: Was glaubst Du, wie geht es für den HSV weiter?
Castelen: Der Verein hat eine schwierige Phase gehabt und diese gemeistert. Jetzt steht der nächste Umbruch bevor, da sicherlich wieder viele Neue kommen. Aber an Gladbach hat man gesehen, was in der Bundesliga passieren kann. Eben noch Abstiegskandidat, jetzt schon Qualifikant für die Champions League. Die Bundesliga ist verrückt. Ich glaube, dass der HSV wieder die richtige Richtung einschlägt und auf Allerdings glaube ich auch, dass der HSV das nicht in einem Jahr alles auf einmal schaffen kann. Es wird dauern.

MA: Wie Deine Rückkehr. Du bist Ewigkeiten ausgefallen. Woran lag es?
Castelen: Das hatte viele Gründe. Ich hatte sehr viel Pech mit kleineren Verletzungen. Schlimmer kann es gar nicht mehr kommen. Dazu kam, dass ich falsch operiert worden bin.

MA: Falsch operiert? Was ist da passiert?
Castelen: Wir hatten damals die Wahl, welchen Eingriff wir machen und haben uns offenbar für den Falschen entschieden. Das konnte man vorher nicht wissen – aber ich habe meine Lehren daraus gezogen. Wie auch insgesamt aus der harten Zeit. Ich möchte mich hier an dieser Stelle auch noch mal für die tolle Unterstützung des HSV bedanken. Damals hat Bernd Hoffmann an mich geglaubt und die Fans sind sowieso unfassbar. Die waren damals schon sensationell, als wir um die Europa League spielten. Aber das waren auch gute Zeiten. Wie sie aber in diesem Jahr mit der Mannschaft umgegangen sind, das zeigt, dass sie richtig gute, positive und unterstützende Fans sind. So geduldig und so positiv – das ist schon außergewöhnlich. Ich habe das von außen miterlebt und vielleicht noch etwas differenzierter Wahrgenommen. Aber ich kann sagen: das hat mich beeindruckt.

MA: Zuletzt hast Du viermal für die U23 gespielt. Wie geht es sportlich für Dich weiter?
Castelen: Ich bin wieder gesund, kann endlich wieder spielen. Ich weiß noch nicht, wo ich nächste Saison spielen werde. Aber zum Glück gibt es aus meiner guten Zeit noch etliche Leute, die sich an mich erinnern und die wissen, wozu ich fähig bin. Klar ist, dass ich weiter professionellen Fußball spielen will. Unklar ist nur, in welcher Liga.

MA: Also wäre für Dich auch ein Wechsel in einer Zweite Liga denkbar?
Castelen: Naja, eigentlich meinte ich eher, dass ich noch nicht weiß, ob ich in der Deutschen, der Englischen, der Spanischen oder der Niederländischen Liga spielen werde. Ich bin jetzt gerade mal 28 Jahre alt, ich weiß um meine Qualität und ich habe noch eine Menge Ambitionen…

MA: Ah, okay! Das klingt doch sehr gut. Was genau nimmst Du aus Hamburg mit?
Castelen: Alles. Wir lassen nichts hier, werden aber immer wieder gern nach Hamburg zurückkehren. Die Stadt ist super schön.

MA: Ich meinte eher, was nimmst Du an besonderen Eindrücken, Lehren und Erinnerungen mit?
Castelen: Ach so. Aber auch da gilt: alles! Ich habe hier sehr viele Tiefen aber auch einige Höhen miterlebt, die ich nicht vergesse. Da war mein Tor beim Comeback in Wolfsburg, das ich als Glücksgefühl sicher nie vergessen werde. Das war unglaublich. Wie das gesamte erste halbe Jahr, in dem wir riesigen Fußball gespielt haben mit tollen Fußballern. Wenn ich nur an Kompany, van der Vaart, Olic denke, um nur einige zu nennen – das war schon richtig hochkarätig. Damals haben wir alle gedacht, dass wir schon sehr bald einen Titel feiern würden. Und wir haben europäisch gespielt. Die Zeit war super – vor allem, weil ich gut spielte und gesund war. Und dass es jetzt doch noch einige Vereine gibt, die mich trotz der langen Verletzungspause auf dem Zettel haben und holen wollen, das gibt mit neues Selbstvertrauen.

MA: Klingt so, als sollten für Dich jetzt endlich wieder ein paar fette Jahre folgen. Und vielleicht sehen wir uns ja irgendwann als Gegner in der Champions League oder mit den Nationalmannschaften bei der WM in Brasilien wieder…
Castelen (lacht): Oh Mann, ja! Das wäre ein Traum!

MA: Mit sportlichen Niederlagen für Dich…
Castelen: Abwarten! Obwohl ich sagen kann, dass ich das keinem Verein mehr gönnen würde, als dem HSV.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber Castelen ist einer, der sich nach außen extrem positiv verkauft. Ich glaube sogar, dass er wirklich ein richtig netter Kerl ist, der das Herz am rechten Fleck trägt. Und wer sich seine Leidensgeschichte einmal ansieht, der wird mir beipflichten, wenn ich Romeo Castelen auf seinem Weg etwas mehr Glück, einige Erfolge aber vor allem Gesundheit wünsche. Was hiermit geschehen ist.

In diesem Sinne, auch Euch wünsche ich ’nen schönen Abend und den einen oder anderen Tanz in den Mai. Am Dienstag wird um zehn Uhr trainiert, bevor es um 15 Uhr zum Testspiel bei Concordia Schönkirchen geht.

Scholle

Kurz notiert:
Abschied: Sören Bertram wechselt zum VfL Bochum. Der 20-jährige Mittelfeldspieler unterschreibt beim Zweitligisten einen Vertrag bis 2015.
Der Mittelfeldspieler der Rothosen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, erhält beim Zweitligisten einen Vertrag bis 2015. Seit 2015, damals im zarten Alter von 14 Jahren wechselte Bertram zum HSV und durchlief die B- und A-Jugendmannschaften. Er absolvierte in der Saison 2009/10 zwei Bundesligapartien für den HSV und wurde in der vergangenen Serie an den FC Augsburg verliehen. Diese Saison schaffte er sechs Treffer in 25 Spielen für die U23. Arnesen: „Wir wünschen Sören auf seinem weiteren Weg alles Gute”, sagte Frank Arnesen.“

Abschiedstour: Für den HSV geht es nach dem letzten Bundesligaspiel am Sonnabend in Augsburg weiter zu einer wahren Saison-Abschiedstour. Am Sonntag geht es anlässlich der 850-Jahrfeier von Bergedorf zum Oberligisten Bergedorf 85 (15 Uhr, Sander Tannen). Am 11. Mai geht in den Landkreis Stade zum SV Drochtersen/Assel (Anstoß: 18.30 Uhr) und am 13. Mai gegen den VfB Stuttgart im Büdelsdorfer Eiderstadion (15 Uhr). Den Abschluss der Testspielreihe bildet die Partie gegen den Lüneburger SK anlässlich dessen 111-jährigen Vereinsjubiläums (15. Mai, 19 Uhr, Wilschenbruch).

Und am Ende noch ein paar sehr lesenswerte, interessante Blogbeiträge.
Angefangen mit dem von „Mustang“:

„War mit dem jungen Schweden beim Spiel und danach ein wenig dabei; mein Gastgeber fragte FA nach den Gründen für die Jaro-Entscheidung und er hat bloß politisch korrekt geflunkert (“nachdem er in der Hinrunde nicht mehr zum Einsatz kam, wollte Jaro weg; da haben wir uns umorientiert”). Mein Gastgeber fragte Per Skjelbred, warum Jaro nicht mehr dabei sein würde und S. hob die herausragend-einmalige Rolle von Jaro in der Mannschaft, im Training und seine Akzeptanz im Team hervor – er selber wird versuchen, sich beim HSV endlich im ZOM durchzusetzen, wenn man ihn lässt und ihm eine Chance einräumt.

Unsere Vereinsführung versteht es nicht, an neue Finanzmittel heranzukommen – sie lässt sich allerdings gar nicht erst umfassend beraten, sondern will
allenfalls die Stadionfinanzierung umschulden – und der dänische Märchenonkel ist zwar charmant und weicht den wichtigen Fragen nicht ungeschickt aus, wie soll er sich unter ‘Mustang’ eine Person auch vorstellen; der Trainer war wirklich taktisch nicht besonders ideenreich. Der Eindruck musste entstehen, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht – man ist schon wieder mit dem Erreichten zufrieden und hat eigentlich keinen Schimmer, wie es konzeptionell auf allen Ebenen des Vereins weiter gehen soll und wo die Reise hingeht. Der Gesamtverein HSV ist ein derartkompliziertes Gebilde und abverlangt derart viel politisches Geschick seitens EOR, den Dampfer überhaupt über der Wasserlinie zu halten, dass die meiste Energie internen Grabenkämpfen und Eitelkeiten zum Opfer fällt. Hier wird handwerklich nicht mehr sauber gearbeitet, weder in finanzieller Hinsicht im Vorstand noch in Sachen merkliche Verbesserung der Kaderzusammenstellung, Spielkonzept und – philosophie auf SpoDi-Ebene, geschweige denn taktische Variabilität auf Seiten des Trainerstabs. Es ist TF nicht gelungen, die Spieler und das Spiel zu befeuern und merklich zu verbessern. Der kometenhafte Aufstieg von Töre ist verpufft (es hält sich in Istanbul hartnäckig das Gerücht, dass ein Tausch Milan Baros – Töre diskutiert wird; Sala zeigt Ansätze, Arslan ist wieder im Niemandsland angelangt, Per Skjelbred hat den Durchbruch nicht hinbekommen – eine reale Chance sieht allerdings auch anders aus – Bruma ist wechselhaft, Mancienne konnte sich beim TW bedanken, dass ein Klops nicht zur Niederlage führte, Son war direkt vor meinen und Collos Augen (er saß ein paar Plätze vor uns und hat mitgefiebert) als ROM viel zu wenig anspielbar, wenn ihm auch zentral ein paar ganz gute Ideen einfielen, das Spiel anzukurbeln, denn sonst tat es ja niemand. Unser ZOM und Spielaufbau liegt nämlich vor wie nach völlig brach.

Eine Palastrevolultion mit Didi Beiersdorfer als neuen VV und Symbolfigur für eine gewisse Integration der HSV-Fliehkräfte und Spielertradition mit Sachverstand im Management und Fußball ist zwar darstellbar, wenn man die Satzung juristisch überprüft – diese Kogge können wir kapern. Aber der Kraftakt, sie umzusetzen und mit neuen, professionell besseren Protagonisten auf allen jenen Ebenen zu besetzen, ist für Menschen mit Familienleben und einer normalen beruflichen Karriere in der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit, es sei denn, eine Privatperson nehme wirklich viel Geld in die Hand. Aber auch diese Herangehensweise würde als zu kontrovers niedergeschrien werden. Wir können uns in Versammlungen äußern und auch bei Matz-Ab was schreiben; Eiche zum Fußballerischen, Benno zum Atmospärischen, der junge Schwede, Rauten-Hannes, Mörfi, NeilYoung, Mustang und SW11 zur Vereinspolitik; Trapper, we are family und alnipe zur Taktik und Grundstimmung im Verein und auf den weiten Rängen; aber realistisch ist eine Wachablösung und Umsetzung der von Billy und Dieter Matz oftmals geforderten radikalen Neuorientierung des HSVs – für eine nachhaltige und bessere sportliche Zukunft, gar nicht mal einen Bayern-Konkurrenten – erst mal nicht.

Viel zu viele sind mit dem jeweils Erreichten viel zu zufrieden; diesmal war es der Nicht-Abstieg, der dem Umstand geschuldet ist, dass eine persönliche Differenz zwischen Babbel und Preetz den Niedergang der Hertha beschleunigt hat und der 1. FC Köln schon seit Jahren vor allem durch Selbstauflösung hervorsticht – Volker Finke hatte die Kurve in den letzten drei Partien der vorletzten Spielzeit mit drei Siegen gerade nochmal gekratzt.

Von „Fuxi“:

ZITAT: Von der – auch und vor allem von ihm – so oft hervorgehobenen und beschworenen „guten Qualität“ des HSV-Kaders war in dieser Saison jedenfalls nicht oft etwas zu sehen. Nur drei Heimsiege in 17 Spielen – das ist, um es noch einmal beim deutlich Namen zu nennen, einfach nur erbärmlich und spricht eine viel klarere Sprache, wie es wirklich um den HSV 2011/12 bestellt war.

Diese Aussage kann ich nur vollauf unterstützen. Die Tabelle lügt nicht. Sie kann nach wenigen Spieltagen etwas verzerrt sein, aber wenn eine Mannschaft während einer ganzen Spielzeit zwischen Platz 18 und Platz 12 pendelt, dann hat sie allenfalls mäßige, aber keine gute Qualität. 8 Siege in 33 undesligaspielen, davon gerade 3 Heimsiege, sprechen eine deutliche Sprache. 12 Unentschieden – heißt nichts anderes als mangelnde Siegfähigkeit. Und dann dazu noch drei mehr als klare, deklassierende Niederlagen gegen Dortmund und Bayern. Um nicht zu sagen: Schlachtfeste. Nein, der HSV stand in dieser Saison völlig zurecht dort, wo er stand.

ZITAT: Thorsten Fink sagte auch: „Es kann natürlich nicht unser Anspruch sein, immer gegen den Abstieg zu spielen, aber in dieser Saison war es nach diesem Beginn nicht anders möglich. Die Last des Fehlstarts haben wir durch das ganze Jahr tragen müssen.

Das ist eine nette Geschichtsklitterung, Herr Fink! Michael Oenning ging nach dem 6. Spieltag, da hatte der HSV gerade 4 Punkte und war Letzter. Thorsten Fink feierte sein Debüt am 10. Spieltag, da waren es 7 Punkte. In den folgenden 8 Partien unter seiner Regie holte der HSV 12 Zähler, nach dem 1:1 gegen Augsburg waren es also 19. Ordentliche Bilanz. Nach dem 23. Spieltag waren es 27 Punkte und damit Kontakt zu Rang 8. Nur: In den verbleibenden 10 Spielen gab es gerade 9 (!) Punkte – das hat REIN GAR NICHTS mit dem schwachen Saisonstart zu tun!

ZITAT: Dass aber auch David Jarolim, im Herbst schon still und heimlich auf das Abstellgleis geschoben, gehen muss, obwohl er (gemeinsam mit seinem Landsmann Jaroslav Drobny) den HSV fast im Alleingang gerettet hat, das fand (und findet immer noch nicht) keine Zustimmung in und um Hamburg herum

Auch ich bin wenig erbaut davon, dass das Leistungsprinzip dermaßen ausgehebelt wurde. Zumal David Jarolim von allen Feldspielern des HSV die beste Kicker-Durchschnittsnote aufweist, nämlich 3,41. In einer Mannschaft, in der nur fünf (!) Feldspieler mit mehr als 10 Einsätzen überhaupt einen
Notenschnitt oberhalb von 4,00 haben! Ich gehe jedenfalls auch davon aus, dass wir Jaro nächste Saison noch schmerzlich vermissen werden. Adler (wenn’s denn klappt) ist auf der Linie so gut wie Drobny, aber besser in der Spieleröffnung und in der Strafraumbeherrschung. Das ist aber nach aktuellem Stand die einzige wirkliche Verbesserung. Dass Artjoms Rudņevs so einschlägt wie erwartet, sehe ich noch nicht. Gerade mit seiner überschaubaren Größe von 1,78m ist er bei unserer Dauertaktik – Flanken von links wild durch den Sechzehner – nicht gerade ein Kopfballungeheuer… Dirk Kuyt übrigens mit seinen 1,84m auch nicht (da isser so groß wie Berg) – und der FC Liverpool ist auch lange keine Weltmannschaft mehr. Der ist kein zweiter Raúl. Wohl eher ein zweiter van Nistelrooy… Mit der Personalie Petric kann ich leben. Man muss einfach sagen, dass seine Saison absolut besch…eiden war und auch der Einsatz nicht so oft stimmte, wie man es von einem Stürmer seiner einstigen Klasse erwarten können müsste. Für seine gezeigten Leistungen in den drei Saisons davor hat er sich den Abschied jedoch redlich verdient, das sei hier auch klargestellt.

ZITAT: Aber diesen Ball nahm Carl-Edgar Jarchow auf und sagte zusammenfassend: „Es kann nur besser werden, und es wird besser werden.“

Naja, im Moment sieht es eher nicht danach aus. Im Gegenteil. Mit seiner Taktik, dass die Bundesliga keinerlei finanzielle Einschnitte machen muss, aber dafür sämtlichen anderen Abteilungen Mittel gekürzt werden sollen – was nichts anderes heißen kann, als dass neuerdings (wieder) Mitgliedsbeiträge, mit denen bisher nach meinem Wissen und Aussagen von Abteilungen ausschließlich der Breitensport finanziert wurde, für die Fußball-Bundesliga “zweckentfremdet” werden, da die gleichen Quellen angaben, keinerlei Finanzhilfen aus dem Bundesligatopf zu erhalten -, macht er sich keine Freunde. Ganz im Gegenteil. Wenn die Bundesligamänner bei der nächsten JHV wieder gegen den Abstieg arbeiten (oder dafür?), wird’s auf der Versammlung ganz schön knallen… Perspektivisch glaube ich, dass es auf der JHV krachen wird. Nur weil davon geredet wird, die Mannschaft dürfte gelernt haben, hat sie nicht gelernt. Ich sehe auch nicht, dass der Kader nächste Saison zwingend stärker ist. Geschweige denn, dass Fink das richtige Konzept hat, denn er geht taktisch nur äußerst widerwillig nach den Spielern, die er im Kader hat (siehe Personalie Jarolim, die anfangs nichts mit Leistung zu tun hatte, sondern nur mit dem Willen Finks), sondern versucht die vorhandenen Möglichkeiten in sein Konzept einzupressen, ob es passt oder nicht. Damit wird er genauso scheitern wie jeder andere “Konzepttrainer”, der Vorstand und Aufsichtsrat in den letzten Jahren vortragen durfte, wie toll das doch alles auf Papier und in Powerpoint aussieht… Ich gebe ihm bis Weihnachten, dann ist der HSV spätestens wieder auf der Suche nach seinem Nachfolger, aus der reinen Not heraus.

Von „Thorsten“:

Moin, Moin!

Nachdem er Tagesausflug immerhin schöne Erinnerungen an die emotionalen Verabschiedungen von Jaro und Petric gebracht hat, beginnt wieder alles von vorne.

Die Presse spekuliert wild darüber, was kommen könnte oder nicht, beschimpft sportliche Führung und weiß natürlich alles besser. Ehrlich gesagt, macht dieser Blog nur noch deshalb Spaß, weil man sich darüber informieren kann, was andere HSVer so denken.

Zusammengefasst wird hier blogmäßig in der neuen Saison folgendes passieren:

1. Trainingslager
Es wird mit einer nie gekannten Intensität gespielt, Spielzgüe werden einstudiert, die den Rest der Liga ins VErderben stürzen werden. Mindestens zwei kommende Topstars werden entdeckt werden, denen die Torjägerkanone und eine als internationaler Topstars prognostiziert wird.

4. Spieltag
Die kommenden Weltstars spielen mäßig und treffen nur dreimal in den ersten 3 Spieltagen. Man fragt sich, ob man nicht in die falschen Spieler investiert hat.

8. Spieltag
Bei Matz-Ab wird stolz verkündet, das Troche in Spanien in einem Spieltag drei Tore geschossen hat und nun endlich ein ganz Großer wird. Das es Abseitstore waren, fällt als unwesentliches Detail unter den Tisch.

15. Spieltag
Der HSV hat zu Hause noch nicht verloren, drei Heimsiege eingefahren und Bruma hat bereits 6 assists per Flanke gegeben. Im Matz-Ab Blog wird er als der neue Manni Kaltz und Flankengott – auf Jahre hinweg – gefeiert.

17. Spieltag
Bruma hat in den letzten zwei Spielen nicht einmal geflankt. Matz-Ab rät zum sofortigen Verkauf bzw. Rückabwicklung des Geschäfts mit Chelsea. Das hätten doch alle sehen müssen, dass das nur Zufall war. Der Chronistenpflicht sei beigefügt, dass BRuma einmal gesperrt und einmal verletzt gefehlt hat.

Winterpause
Der HSV steht mit 9 Punkten Rückstand auf Platz 9 und hat bereits 28 Punkte auf dem Konto. In Matz-AB werden Anekdoten aus den 70ern veröffentlicht. Außerdem wird
bekannt, dass DM den Kontakt zu RvN hergestellt und BH auf dessen Frage den Deal empfohlen hat.

19. Spieltag
Der HSV gewinnt 9:0 gegen Werder Bremen. Die Presse spricht von dem größten SPiel der Vereinsgeschichte. In Matz-Ab wird erklärt, warum man mit Troche und Jaro 12:-2 gewonnen hätte.

23. Spieltag
TF hat es geschafft, sein Team deutlich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen. Die Mannschaft spielt guten Fußball, uns hat jetzt schon mehr Tore als in 2011/2012. Man hält Anschluss an die vorderen Plätze. Töre hat bereits zehn Tore geschlossen und beschließt seinen Nachnamen zu ändern.

28. Spieltag
Der HSV gewinnt 5:0 gegen Wolfsburg. Felix Magath erklärt spontan seinen Rücktritt und will fortan bei TF hospitieren. Außerdem tritt der den anonymen FUßballtrainern bei: “Hallo ich bin Felix unf ich muss pro Saison 37 Spieler kaufen.”

34. Spieltag
Durch ein Abseitstor in letzter Sekunde verdrängt der HSV Borussia Dortmund von den EL-Plätzen und feiert eine schnellere Rückkehr in internationale Geschäft. DM erklärt, warum man mit Troche, Jaro, Rost die Cl erreicht hätte.

:mrgreen:

P.S.:
Danke an Jaro und Petric für eine tolle Zeit, vorbildlichen Einsatz und viele Tore beim HSV!!

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