Archiv für das Tag 'Cardoso'

Hermann in Lebensgröße – und den Sieg vor Augen ***Korrektur: Cardoso zieht Klage zurück***

3. April 2014

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Rodolfo Cardoso ist ab sofort Fußballlehrer. Herzlichen Glückwunsch dazu, Rodolfo! Der Argentinier hat die Prüfung zusammen mit 23 anderen Kursteilnehmern bestanden. Mit dabei waren Hermann Andreev, Manuel Baum, Achim Beierlorzer, Michael Boris, Carsten Busch, Joe Enochs, Daniel Farke, Markus Feldhoff, Uwe Grauer, Sören Hartung, Sebastian Hoeneß, Stephan Howaldt, Valérien Ismaël, Jens Kiefer, Petar Kosturkov, Carsten Lakies, Sabine Loderer, André Meyer, René Müller, Christian Preußer, René Rydlewicz, Hans-Walter Thomae und: Cardosos Nachfolger beim HSV als U23-Trainer, Josef Zinnbauer. Wobei der Rechtsstreit Cardoso auf Entfristung seines Arbeitsvertarges beigelegt wurde. Beide Parteien verständigten sich darauf, sich außergerichtlich einigen zu wollen. Auch das ist gut.

Erfreulich ist ebenfalls die Idee des HSV, dem verstorbenen Kultmasseur Hermann Rieger ein Denkmal zu setzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Angedacht ist eine lebensgroße Statue, die für jeden am Eingangsbereich Nord-Ost vor der „Rautenwelt“ zugänglich sein soll, und ihn so zeigt, wie er war: Natürlich, herzlich und bodenständig. Die genauen Planungen zur Umsetzung laufen mit Hochdruck. Wer sich daran beteiligen will, kann spenden. Genaueres findet Ihr auf www.hsv.de.

Dort steht übrigens auch, dass Günter Perl pfeift – was Dieter den ersten kleinen Tod sterben lässt. Perl zählt nicht zwingend zu seinen Lieblingsschiedsrichtern, obgleich die Gesamtbilanz des HSV (8/7/6) unter Perl zu Hause noch positiv ist. Und angesichts des HSV-Songs „Hamburg, meine Perle“ sehe ich Perl als alles andere denn als schlechtes Omen. Wobei, ich sehe es ehrlich gesagt als: GAR NICHTS. Mich interessieren keine Statistiken vor diesem Spiel gegen Leverkusen. Denn ähnlich wie im Pokal zählen auch die letzten Saisonspiele zu denen mit ihren ganz eigenen Gesetzen. Plötzlich schlagen die Kleinen die Großen. Ergebnisse wie beim Eishockey werden häufiger – kurzum: die andere Saisonphase hat begonnen.

Mirko Slomka dürfte es gefallen. Immerhin hat sich der HSV-Trainer auf die Fahnen geschrieben, beim HSV alles anderes mache zu wollen als seine Vorgänger. Und damit liegt er tendenziell nicht falsch. Auch gegen Leverkusen wird Slomka wieder etwas verändern. Zum einen, weil Milan Badelj nach seiner Gelbsperre wieder ins Team rutscht, zum anderen, weil er es will. Im Training heute mischte er noch mal leicht durch und ließ beispielsweise Westermann und Diekmeier in der B-Elf trainieren. Dafür durften sich Jiracek und Rincon der A-Elf beim Spiel zehn gegen zehn zeigen. Und den Rest der Trainingswoche, die mit einem leichten Anschwitzen am Freitagmorgen komplettiert wird. Und auch erst morgen will der Trainer seinen Spielern die Kadernominierungen offenbaren. „Die Spannung hochhalten“, nennt Slomka das. Somit bleibt offen, ob der U23-Angreifer Mattia Maggio tatsächlich seine Premiere im Bundesliga-Kader feiert oder nicht.

Ziemlich sicher ist dagegen, dass Slomka gegen Leverkusen wieder auf die altbewährte Viererkette (Diekmeier, Mancienne, Djourou, Westermann) sowie auf Arslan und Badelj als Sechser, Calhanoglu auf links, van der Vaart hinter Zoua und auf Rincon als rechten Mittelfeldspieler setzen wird, nachdem Ivo Ilicevic auch heute nicht mittrainieren konnte und somit nicht in Frage kommt. Warum Jiracek nicht zum Zuge kommt? Gute Frage. Schlecht trainiert hat der Tscheche nicht, zuletzt in Gladbach brachte seine Einwechslung noch mal etwas Schwung.

Aber letztlich muss auch das egal sein. Der Tabellenstand gibt den Takt vor, und daran müssen sich alle halten. Alle müssen verstehen, dass hier nichts anderes zählt als ein Sieg. Egal gegen wen, egal mit wem. „Wir müssen von der Tribüne bis auf den Platz als Einheit funktionieren“, sagt Heiko Westermann und Milan Badelj ergänzt: „Der Kopf kann entscheiden – was bedeutet: die Mannschaft, die sich am wenigsten schlechte Gedanken macht, kommt am weitesten. Es geht jetzt darum, keine Angst zu haben und einfach Fußball zu spielen. Und zu kämpfen.“ Na dann. Meine Bitte an Adler, Badelj, van der Vaart und Co.: Bitte nicht nachdenken – einfach machen. Denn eines haben wir nicht mehr: Zeit.

Wobei die auch für Leverkusens Trainer Sami Hyypiä zu enden droht. In der Champions League von PSG demontiert holten die Werkskicker erst elf Punkte in der Rückrunde. So viel wie Braunschweig und lediglich drei mehr als der Abstiegskandidat HSV (8). Angesprochen auf eine Trainerdiskussion antwortet Bayers Sportchef Rudi Völler den Standardsatz: „Diese Diskussion stellt sich nicht.“ Noch nicht zumindest. Dennoch rumort es bei Bayer. Denn dem Anspruch, kommende Saison Champions League zu spielen, scheinen Kießling, Son, Bender und Co. zu verspielen. Selbst die Europa League ist bei gerade einmal vier Punkten Vorsprung auf Rang sieben (könnte jedoch theoretisch reichen) noch nicht sicher. „Wir spielen nicht schlecht, wir gewinnen nur zu wenig“, sagt Son und stellt damit genau die Rechnung auf, die Slomka und Co. bei ihren Auswärtsspielen aufmachen. Gut spielen, wenig bis gar nicht punkten.

Fakt ist, dass am Freitag um 20.30 Uhr in der Imtech Arena zwei angeschlagene Teams aufeinander treffen. Das allein spricht für eine eher kampfbetonte denn spielerisch hochwertige Partie. „Wir wissen, dass wir jetzt keinen schönen Fußball erwarten können“, sagt van der Vaart, „jetzt zählen nur noch gute Ergebnisse. Wie wir die erreichen – danach fragt niemand.“

Von daher lasse ich es auch, hier irgendwelche Taktiken, Vorzüge von Aufstellungen und Statistiken hervorzukramen. Denn morgen gelten andere Regeln. Morgen geht es nur noch darum, immer einen Schritt schneller zu sein, immer einen Zentimeter höher zu springen und immer einen Zweikampf mehr als der Gegner zu gewinnen – um am Ende ein Tor mehr zu schießen. Nicht mehr – aber definitiv auch nicht einen Deut weniger. Sechs Mal geht es noch um alles. Und ich werde einen Teufel tun, im Vorfeld eine Trainerentscheidung zu diskutieren.

Ach ja, was den Sieg eigentlich eindeutig vorhersagt: Noch nie konnte Heung Min Son in einer Partei HSV – Leverkusen in der Imtech-Arena gewinnen. Mehr noch: Er traf nicht einmal. Noch Fragen?

In diesem Sinne, morgen muss der Rasen brennen. Nicht die Kurve. Lasst uns die Mannschaft bedingungslos unterstützen, egal ob sie gut oder weniger gut spielt.
Scholle

P.S. vom 4.4.: Heute Abend gibt es nach dem Spiel noch Matz-Ab-Live mit den Gästen Rodolfo Cardoso und Soner Uysal.

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