Archiv für das Tag 'Calhanoglu'

Tah wechselt für knapp zehn Millionen zu Bayer

14. Juli 2015

Jonathan Tah wechselt zu Bayer Leverkusen

Die Pässe kamen zielgenau. „Geiles Ding“, ließ ein Zuschauer verlauten – und meinte damit einen der vielen Pässe von Bernhard Trares, der ebenso wie Trainer Bruno Labbadia bei der Vormittagsübung das Stellungsspiel im 4-1-4-1-System auf die Probe stellte. Und obgleich die Pässe scharf getreten waren, stand die Defensive gut. „Schön zu sehen“, so Trares’ Kommentar, ehe er seine erste Trainingseinheit als neuer „Übergangstrainer“ des HSV beendete. „Das sah schon ganz gut aus“, so der einstige Bundesliga-Abwehrrecke, der bei seinem Einstand gleich eine Nachricht verkraften musste, die unter den HSV-Fans für kontroverse Diskussionen gesorgt hat und jetzt umso mehr sorgen wird: Jonathan Tah wird verkauft! Den ganzen Beitrag lesen »

Beister wechselt nach Mainz – Rajkovic wartet

27. Juni 2015

Blickt ab sofort besseren Zeiten entgegen: Maxi Beister. Foto: Witters

Blickt ab sofort besseren Zeiten entgegen: Maxi Beister. Foto: Witters

Ja, das ist mal (wieder) ein dickes Ding! Maximilian Beister wechselt vom HSV zu Mainz 05! Dem FSV ist gerade Mister Okazaki abhanden gekommen, den Japaner zieht es zu Leicester Ciy, da kommt ein ablösefreier Beister gerade recht – und man kann dabei nicht viel verkehrt machen. Aber bevor nun einige über den HSV herfallen: Ich möchte dem HSV bei seiner Kaderplanung immer noch folgen. Den ganzen Beitrag lesen »

Beiersdorfer freut sich auf den FC Bayern – Gregoritsch soll der erste Neue werden

26. Juni 2015

Kaum zu fassen! Der HSV hat die alte Bundesliga-Saison abgeschlossen mit dem Relegations-Krimi in Karlsruhe – und der HSV eröffnet das neue Spieljahr gleich mit dem ersten Auftritt beim FC Bayern München. Was haben sich die Spielplangestalter der DFL dabei bloß gedacht? Wahrscheinlich ist ein Eröffnungsspiel noch nie unter solch klaren Vorzeichen gestartet worden. Das schreibe ich zwar jetzt hier knapp zwei Monate vor dem Anpfiff, aber an der Konstellation wird sich nicht nennenswert etwas ändern. Den ganzen Beitrag lesen »

„Wir haben sicher kein Thema Knäbel!“ – Adler wieder Nr. 1

2. April 2015

Der Gründonnerstag ist traditionell ein ruhiger Medientag. Die Kollegen der Print-Branche machen frei oder höchstens halblang, denn am Karfreitag erscheint keine Tageszeitung. Heute war es jedoch alles andere als ruhig in der Gerüchteküche – Thema: Trainerfrage beim HSV -, auch wenn am Ende wenig Zählbares stand. Aber dazu am Ende mehr.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Fans sich einfinden zu den Trainingseinheiten am Stadion. Heute war es bestimmt wieder eine dreistellige Besucherzahl. Die meisten von ihnen mussten sich ganz schön strecken während der knapp zweistündigen Einheit. Denn je mehr Fans kommen, desto höher und undurchlässiger werden die Planen drum herum. Klar: Peter Knäbel hat gerade vor seinem ersten Spiel wenig Interesse daran, dass viel von seiner taktischen Richtung nach außen dringt. Morgen beim Abschlusstraining wird es übrigens garantiert gar nichts zu sehen geben. Die Einheit findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Stadion statt.

Was nun die spannendste offene Personalfrage angeht, spielt Knäbel noch einige Stunden auf Zeit. Drobny oder Adler – das will der Trainer am Donnerstagabend mit beiden Torhütern besprechen. Sobald ich von einer Entscheidung höre, wird der Blog hier aktuell ergänzt. Im Training haben beide in etwa gleichlange Einsatzzeiten im vermeintlichen A-Team erhalten. Wie dieses A-Team aussehen könnte, deutete sich zumindest an. Die Viererkette hinten mit Diekmeier, Djourou, Westermann und Ostrzolek, davor Behrami und Jiracek, schließlich eine offensive Dreierreihe mit Müller, Stieber und Ilicevic sowie der einzigen Spitze Olic. Wenig Neues also, aber das war wohl auch nicht zu erwarten.
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AKTUELL: Rene Adler ist ab sofort wieder die Nummer 1 im HSV-Tor. Das teilte Peter Knäbel den beiden Torhütern am frühen Abend mit. Adler habe sich seinen Einsatz verdient, so Knäbel.
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In dem heutigen Video seht Ihr wie gehabt die Pressekonferenz. Ich will hier jetzt nicht alle Einzelheiten schriftlich wiederholen, aber einige Passagen lohnen doch für einen zweiten Blick. Sportlich Erhellendes war nicht herauszuhören – da wollte Knäbel deutlich spürbar wenig preisgeben. Erfeulich jedenfalls, das hat Knäbel klar bestätigt, dass es vor der Partie wenig Säbelrasseln oder Revanche-Gelüste gibt, nachdem das Hinspiel ja vor Emotionen nur so kochte. Der HSV hatte das Calhanoglu-geprägte Spiel mit 1:0 für sich entschieden.


 

Natürlich wurde Peter Knäbel angesprochen auf die Äußerungen von Aufsichtsrats-Boss Karl Gernandt am vergangenen Sonntag. Sehr klar und gerade nahm Knäbel dazu Stellung, und es war zwischen den Zeilen zu hören, dass er nicht begeistert war über das, was er da von Gernandt hören konnte. Nachdem Vereinschef Dietmar Beiersdorfer ja angekündigt hatte, Knäbel werde so oder so auf den Posten des Sportdirektors zurückkehren, hatte Gernandt ebendiese Einschätzung in Zweifel gezogen. Knäbel würde die nötige Strahlkraft verloren gehen, wenn der HSV absteige. So umschrieb Unternehmer Gernandt seine Zukunftsprognose im Abstiegsfall.

Völlig zurecht hat Knäbel nun entgegnet, dass die fehlende Strahlkraft „bei jedem im HSV so sein wird, der Verantwortung trägt“. Eine banale Aussage eigentlich, aber sie trifft den Kern. Und sie offenbart auch den Fehler in der Gernandt-Aussage, denn wenn dieser HSV tatsächlich den Weg nach unten gehen muss, dann steht zwangsläufig alles auf dem Prüfstein. Einen Peter Knäbel da noch herauszunehmen, ist also überflüssig gewesen. Ist nicht im Abstiegsfall Karl Gernandt selbst gnadenlos gescheitert? Dietmar Beiersdorfer ebenso? Wie sieht es mit Bernhard Peters aus? Diese Debatten würden kommen, daran führt kein Weg vorbei. Insofern absolut korrekt, wenn Peter Knäbel heute schlussfolgert: „Wir haben aktuell alles – aber sicher kein Thema Knäbel.“

Weil Knäbel beim HSV auch um alles kämpft, nicht aber um seine persönliche Zukunft als Trainer, kann er auch die Diskussionen um Thomas Tuchel glaubhaft beiseite schieben. Er muss sie nicht deuten als Angriff auf seinen Posten, und darf sich deswegen auch – so wie heute geschehen – darüber freuen, dass ein begehrter Mann mit dem HSV in Verbindung steht. Es beeinflusse ihn überhaupt nicht, und selten habe ich bei einer Trainerdiskussion einen Satz gehört, der so glaubhaft war wie dieser von Peter Knäbel.

Natürlich sorgt dies nicht dafür, dass irgendwelche Sorgenfalten kleiner werden. Die gesamte HSV-Führung hat sich in den vergangenen Tagen immer wieder zitieren lassen mit selbstkritischen Bemerkungen. Dass offensichtlich niemand von den Granden befürchtet hat, dass die aktuelle Lage so misslich sein würde, wie sie jetzt ist, kann man als ehrliches Hinterfragen der eigenen Performance werten. Selbst wenn sie nichts an den Fehlern ändert, die Scholle hier in seinem gestrigen Blog, wie ich denke, klar und eindeutig aufgezeigt hat.

Die Verantwortlichen müssen sich sogar vorwerfen lassen, sich in ihrem mittel- und langfristigen Planen so sehr gefallen zu haben, dass sie die aktuelle Entwicklung nicht mehr in den Griff bekommen haben. Stand jetzt jedenfalls. In Wahrheit hat nicht eine einzige der personellen oder strategischen Entscheidungen von Beiersdorfer und Co. irgendeinen positiven Einfluss auf die laufende Saison gehabt. Mit vielen Maßnahmen sollten Weichen gestellt werden, und es liegt ja auch auf der Hand, dass ein Bernhard Peters beispielsweise mit einer Neu-Ausrichtung des Jugend- und Nachwuchsbereiches nicht nach einem halben Jahr am Ziel seiner Träume sein kann.

Ebenso klar ist, dass Beiersdorfers Identitätsfindung nicht, nachdem der Identitätsverlust des HSV über Jahre betrieben wurde, in einer Saison funktionieren würde. Auch Peter Knäbel konnte bislang keine einschneidenden Einflüsse auf das Transfergeschäft geltend machen – in seine Zeit beim HSV fällt gerade einmal eine Winter-Transferperiode. Mit anderen Worten: Das, was im Mai vergangenen Jahres als Aufbruch startete, kann nicht im April 2016 umgesetzt sein. Wer das geglaubt hat, ist naiv.

Leider muss dieser Vorwurf nach Naivität manchen Entscheidungsträger selbst treffen. Denn das trotz des Einsatzes großer Mittel und einer Mannschaft, die vom Gehaltsniveau und von der eigentlichen Leistungsstärke seiner einzelnen Kicker viel weiter oben stehen müsste, nicht mehr als Platz 16 mit 16 kümmerlichen Toren herausgesprungen ist, das ist eben auch ein Fehler der auf langwirkende Strategie setzenden hohen Herren beim HSV. Nachdem erkannt wurde, dass die Mannschaft in sich kein funktionierendes Gefüge und keine Hierarchie besitzt, die Leistungsfußball fördert, wurden strategisch fragwürdige Transfers getätigt. Der chronisch angeschlagene Behrami, um endlich einen Leader im Mittelfeld zu haben. Mit Cleber einen brasilianischen Innenverteidiger für drei Millionen Euro, um wirklich einen im positiven Sinne brutalen Abwehrspieler zu haben – egal ob er große Eingewöhnungsprobleme haben könnte und technisch etwas unter Thiago Silva steht. Mit Olic einen Rückkehrer im Sturm, der trotz seines Alters und des fehlenden Wiederverkaufswertes zumindest Leistung und Einstellung garantieren sollte, die das vorhandene, traumatisierte Personal nicht zu liefern imstande war.

Diese Transfers sind jeder für sich genommen als Rettungsanker nachvollziehbar, weil sie auf aktuelle Defekte, wie Dietmar Beiersdorfer es nannte, reagierten. Doch abgesehen davon, dass der sportliche Niedergang trotzdem nicht verhindert werden konnte, wird jede einzelne Maßnahme, die die eigene Strategie konterkariert, den dringenden Prozess des Umbruchs erneut verzögern. Und zwar nicht nur in dieser Saison, sondern auch in der nächsten. Finanzielle Mittel werden gebunden, die eigentlich für andere Transfers, die in die Zukunft gerichtet sein sollen, da sein müssten. Der eine oder andere Platz im Kader wird durch einen Arrivierten besetzt, wo doch ein Youngster hineinpreschen müsste.

Ich wurde vor zwei Wochen nach dem Trainerwechsel gefragt, ob damit nicht das gesamte neue Konzept erledigt sei. Im Abstiegsfall ist die Antwort eindeutig – dann ist erstmal alles erledigt. Unter welchen Bedingungen der HSV dann, mit welchem Personal und mit welchen Führungsfiguren, wieder aufstehen will, ist einigermaßen unklar. Was aber, wenn der Klassenerhalt doch gelingt?

In ferner Zukunft, das wird sich jeder HSV-Fan erhoffen, wird die Saison 2014/2015 dann unter Umständen als notwendige Zittersaison gesehen werden, die anschließend – analog Borussia Mönchengladbach – zum Aufschwung geführt hat. Ob es so kommt, wissen wir heute nicht. Wer garantiert, dass nicht eine weitere, dritte Horrorsaison folgt? Genau hier setzen die strategischen Entscheidungen der Vereins-Führung an. Und ich behaupte, dass man erst in der kommenden Saison beurteilen kann, ob die Beiersdorfer-Maßnahmen in die richtige Richtung geführt haben oder nicht. Eine Stabilisierung mit einer veränderten Mannschaft, die sich endlich wieder Leistungssport-Gesichtspunkten beugen muss, muss das Ziel sein. Das ist sicher nicht unmöglich, wenngleich das Hineinschliddern in die momentane Lage das Vertrauen in die führenden Personen erschüttert hat.

Und während ich so darüber nachdenke, was die Zukunft dem HSV bringen wird, blicke ich auf den Spielplan der kommenden Wochen. Auswärts Leverkusen, zu Hause Wolfsburg, auswärts Bremen. Wenn sich fortsetzt, was der HSV aktuell bietet, dann steht das Team nach diesen Partien – eventuell noch vor dem SC Paderborn – auf einem Abstiegsplatz in der Bundesliga. Und es sind nur noch fünf Spiele übrig. Das Konzept des HSV mit Dietmar Beiersdorfer hängt am seidenen Faden.

Und damit auch die Verpflichtung von Thomas Tuchel. Hier möchte ich am Beginn einhaken. Gegen Mittag, die HSV-Pressekonferenz lief gerade, erreichte mich eine Nachricht. Die Leipziger Volkszeitung habe getwittert, Thomas Tuchel gehe zu RB. Ich wollte Knäbel gerade danach fragen, da folgte schon das Online-Dementi. Der Twitter-Account der Zeitung sei geknackt worden – es war eine Falschmeldung.

Kurz danach meldete die „Rhein-Neckar-Zeitung“, Thomas Gisdol sei ein Trainer-Kandidat in Hamburg. Nicht unbedingt weit hergeholt, denn dass Bernhard Peters große Stücke auf Gisdol hält, ist bekannt. Allerdings dementierte der HSV die Meldung.

Es sind noch nicht einmal zwei Tage bis zum Spiel eins beim HSV unter Peter Knäbel. Die Spannung steigt.

Lars
18.40 Uhr

Neujahr 2015 – der HSV steckt noch immer im Wendemanöver

1. Januar 2015

Ich wünsche Euch allen zunächst ein frohes neues Jahr 2015! Viel Gesundheit und Glück – und dass wir alle mal ganz zufrieden sein können mit unserem HSV.

Aber die Sache mit der Zufriedenheit ist nicht so ganz leicht herzustellen. Der HSV beginnt das Jahr 2015 im Vergleich zum Jahresbeginn 2014 mit einem komplett anderen Gesicht. Statt e.V. ist der Profi-Fußball-Bereich eine AG geworden. Statt Carl Jarchow sitzt nun Dietmar Beiersdorfer dem HSV als Vorstands-Chef vor. Es gibt den alten Aufsichtsrat nicht mehr, um den herum sich so viel Unruhe entwickelt hatte. Manfred Ertel war vor zwölf Monaten dessen Vorsitzender. Nun ist es Karl Gernandt im AG-Aufsichtsrat. Im sportlichen Bereich sind komplett neue Leute an der Führung. Statt Kreuzer/van Marwijk haben wir dort nun Peters/Knäbel/Zinnbauer.

Vom Campus liegt immer noch kein einziges Steinchen, der HSV ist finanziell nackt bis auf die Knochen. Klaus-Michael Kühne fungiert nach wie vor als Kreditgeber – er hat im Laufe des Jahres sein Darlehen von 8 auf 25 Millionen Euro erhöht. Im Sommer ist der HSV recht knapp am Lizenz-Entzug vorbeigeschrammt, und schon jetzt gelten alle wirtschaftlichen Planungen dem Ziel, ein enges Rennen wie zuletzt zu vermeiden. Mit dem Bitburger-Bier-Deal wurde vorab geleistet, was im Vorjahr mit adidas der Rettungsanker war.

Gaaanz langsam angekommen ist der Prozess beim HSV in der Bundesliga-Mannschaft. Das Fußballjahr 2013 beendete der HSV mit einer 2:3-Heimniederlage gegen Mainz (Tore: Calhanoglu, van der Vaart) mit 16 Punkten auf Rang 14. Nun gab es ein 0:0 auf Schalke, was bedeutet: Ebenfalls Platz 14, diesmal mit 17 Punkten. Von den elf Spielern in der Startaufstellung Ende 2013 sind Ende 2014 nur zwei übrig geblieben – Torwart Jaroslav Drobny und Innenverteidiger Johan Djourou.

Viele, viele Veränderungen also – aber der Tanker HSV steckt noch mitten im Wendemanöver und hat noch längst nicht Tempo aufgenommen für eine zügige Weiterfahrt in die richtige Richtung.

Noch immer sind die Verantwortlichen dabei, auf allen möglichen Ebenen Fehler der Vergangenheit zu begradigen, um nicht unnötigen Ballast mitzuschleppen. Dazu gehört der offene Arbeitsgerichts-Prozess mit Ex-Sportchef Oliver Kreuzer, aber dazu gehört in erster Linie die Anpassung des Profi-Kaders an die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Dies hinzubekommen ist die Kernaufgabe des Jahres 2015. Kühne-Kredit, Bier-Vertrag – all das ist für die Katz, wenn der HSV Jahr um Jahr Gehälter bezahlt in der Größenordnung von Champions-League-Vereinen. Schon das Winter-Transferfenster, das sich diesmal bis zum 2. Februar erstreckt, soll hier Erfolge bringen. Dummerweise weiß ganz Fußball-Europa um die wirtschaftlichen Zwänge des HSV, was die Preise nachhaltig beeinflusst. Jüngstes Gerücht: Tolgay Arslan soll bei Inter Mailand auf der Beobachtungsliste stehen. Das berichtet der Internet-Dienst calciomercato in einer Silvester-Meldung. Arslan ist demnach eine Option für Trainer Roberto Mancini, wenn die Italiener den gewünschten Transfer von Lassana Diarra (zuletzt Lokomotive Moskau) nicht unter Dach und Fach bekommen.

Ebenfalls aus Italien kam in diesen Tagen die Meldung, der HSV sei am Schweizer Innenverteidiger Timm Klose vom VfL Wolfsburg dran. Wie ich gehört habe, kann diese Meldung allerdings vernachlässigt werden.

Wie auch immer: Arslan, Jansen, Adler, Ilicevic, Rajkovic und ein paar andere – die Liste der HSV-Profis, auf die der Verein bei entsprechendem Angebot reagieren würde, ist nicht ganz kurz. Ähnlich sieht es übrigens beim VfB Stuttgart aus. Auch die Schwaben haben ein halbes Dutzend Profis auf ihrer Liste, die sie gern veräußern würden.

Dass sich die Lage zu Jahresbeginn 2015 noch immer so kritisch darstellen würde, hätten viele HSV-Freunde am 25. Mai, dem Tag der beschlossenen Ausgliederung, nicht für möglich gehalten. Die Gleichung, die aufgemacht wurde, lautete damals: HSVPlus + Kühne + Beiersdorfer = Entschuldung + weitere Investoren.

So ist es nicht gekommen, und bis auf einen Punkt ist das wohl auch nicht überraschend. Die Überraschung im negativen Sinne ist, dass Klaus-Michael Kühne beim HSV nicht als Anteilseigner eingestiegen ist. Hieran bestand eigentlich kein Zweifel, bzw. es wurde insbesondere von Karl Gernandt der Eindruck erweckt, dass kein Zweifel an einem entsprechenden Engagement seines Geldgebers Kühne berechtigt sei. Gernandt hat sich jedoch vertan, und diese Fehleinschätzung schmerzt den HSV. Einerseits.

Andererseits beweist Klaus-Michael Kühne mit seinen Interviews, in diesem Halbjahr erschienen in Abendblatt, Stern und Zeit, dass der HSV froh sein muss, ihn nicht als Anteilseigner zu haben. Was Dietmar Beiersdorfer versucht auszustrahlen – Verlässlichkeit, Geradlinigkeit, Konzepttreue, ruhige Hand, Vertrauen – das konterkariert Kühne immer wieder, auch wenn – und das habe ich hier in verschiedenen Blogs immer wieder betont – Kühne sich als Helfer in der Not (angebotene Bürgschaft in der Lizenzfrage im Mai) auch um den HSV verdient gemacht hat. Umso unverständlicher erscheint immer wieder sein Wankelmut, der offenbar keiner geraden Linie folgen mag. Und darunter leidet natürlich auch die Position von Karl Gernandt, der es „nicht mal“ fertig gebracht hat, „seinen“ Kühne an den HSV zu binden.

Weniger überraschend ist dagegen, dass bislang kein anderer HSV-Anteilseigner gefunden wurde. Die Unternehmensbewertung in Höhe von 330 Millionen Euro wird in der Wirtschaft mit Zweifeln betrachtet – nicht nur bei Klaus-Michael Kühne. Und vor allem: die Unsicherheit in der sportlichen Entwicklung, vielleicht sogar in der Liga-Zugehörigkeit, hält Firmen im Moment von zahlungskräftigem Investment ab. Es bleibt dabei: sportliche Entwicklung ist der Motor für den HSV. Stabilisiert sich die Mannschaft, wird der Club auch wieder attraktiver und der Markenwert wird sichtbar. Die Metropole Hamburg, der Status als letzter Dino, die Größe des Vereins – all das ist eine schlummernde Kraft des HSV, die geweckt werden will.

Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang gar nicht schlecht, wenn die stets aus der Not geborene Zusammenarbeit zwischen dem HSV auf der einen und Kühne auf der anderen Seite nun eine klarere Basis hat. Kein „vielleicht Investor“ mehr. Kein „will einsteigen“ mehr. Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Am 25. Januar wird Jens Meier mutmaßlich neuer Präsident des HSV e.V. Sollte zugleich der Antrag von Manfred Ertel angenommen werden, wonach der e.V.-Präsident automatisch Aufsichtsrats-Vorsitzender der HSV-AG werden soll (ein verständliches Bestreben, schließlich ist und bleibt der e.V. Mehrheitseigner der AG), dann steht – wie ich finde – auch die Position von Karl Gernandt auf gesünderen Füßen. Allein schon die theoretische Möglichkeit eines Interessenkonflikts birgt Unruhe-Potenzial. Beim FC Bayern beispielsweise, die einige Verwaltungsrats-Posten mit Vertretern ihrer Investoren besetzt haben, ist der Vorstands-Posten „in den Händen“ des FC Bayern geblieben – durch Karl Hopfner.

Besteht nun beim HSV weitgehende Einigkeit in allen HSV-Gremien, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, dann muss damit auch kein Gesichtsverlust einher gehen für Karl Gernandt. Selbst wenn Gernandt, der rhetorisch stark und mit einer breiten Mehrheit ausgestattet starten konnte, an Strahlkraft verloren zu haben scheint. Man könnte eine veränderte Konstruktion jedenfalls als die Linderung einer Kinderkrankheit betrachten.

Ob damit dann am 31. Januar mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln eine erfolgreiche Rückrunde eingeläutet werden kann, ist offen. Trainer Joe Zinnbauer muss in den vier Trainingswochen bis dahin insbesondere an den Offensiv-Problemen des HSV arbeiten. Er wird dies bis zum Erbrechen tun, ganz sicher. Ein neuer Stürmer könnte dabei helfen, ganz klar, aber ein Allheilmittel ist auf dem Transfermarkt ganz sicher nicht zu bekommen. Ganz sicher nicht! Immerhin: aus den eigenen Reihen drängt der lange verletzte Maximilian Biester nach. Doch bei ihm sind nach dem Kreuzbandriss und den darauf folgenden Problemen in der Reha sowie insgesamt einem Jahr Fußball-Pause keine Wunder erwartet werden.

Wichtig wäre, wenn die Vorbereitungsarbeit schnell von Erfolgserlebnissen untermauert wird. Wird die Bundesliga-Rückrunde angepfiffen, und die Mannschaft fällt automatisch wieder in alte Verhaltensmuster und alte Ängste zurück, dann wird auch diese Rückrunde eine zähe Angelegenheit. 27, 31, 31, 36, 31, 30, 31, 34, 33, 35 – das sind die Punktezahlen des jeweiligen Tabellen-Sechzehnten der vergangenen Dekade. Das muss der HSV übertreffen, damit es nicht erneut zum Herzkasper-Showdown kommt. Ich traue Joe Zinnbauer und dem HSV zu, sich Abstand von den Abstiegsrängen zu erkämpfen, um in diesem Jahr im sicheren hinteren Mittelfeld einzulaufen.

Zinnbauer wird verstärkt darauf achten, welche Spieler er auf seinem Weg mitnehmen kann. Dass nun schon ein Sextett von U-23-Spielern mit ins Trainingslager fährt (Götz, Gouaida, Marcos, Brunst, Mende, A. Arslan), ist auch ein Beleg für seine Unzufriedenheit mit einigen Etablierten. Die Hierarchie wird umgebaut – mannschaftsintern ein komplizierter Prozess. Wie präsentiert sich Königstransfer Lasogga, eine der größten Enttäuschungen der Hinrunde? Gibt es ein Überraschungs-Comeback eines möglicherweise „Aussortierten“? Und dann auch hier: wird Zinnbauers Linie von einem Erfolgserlebnis, etwa schon gegen Köln, getragen?

Der HSV steht vor einem Jahr voller Fragezeichen. Aber er genießt auch Kredit. Nach wie vor schöpft der HSV Kraft aus der Führungsperson Dietmar Beiersdorfer, dessen Maßnahmen überwiegend auf große Akzeptanz stoßen. Dass nichts alle Transfers sitzen konnten, war doch klar. Dass nicht alle HSV-Plus-Hoffnungen sofort wahr werden würden, ist logisch gewesen. Nach einem halben Jahr HSV-AG ist der Verein weiter gekommen. Viel mehr, denke ich, war im Gesamtpaket kaum drin. Und auch heute in einem Jahr kann es sein, dass der HSV noch nicht dort angekommen ist, wo er gerne hin möchte.

Mir haben viele Heimspiele des HSV in der Hinrunde sogar ansatzweise Spaß gemacht. Da war Leben in der Bude. Mal abgesehen vom Stuttgart-Spiel kann ich mich auch an keinen Auftritt unter Joe Zinnbauer erinnern, an dessen Ende die Mannschaft mit Pfiffen verabschiedet wurde. Es werden junge Spieler eingebaut. Der gesamte Trainerstab, auch inklusive Zinnbauer-Vorgänger Mirko Slomka, hat an der katastrophalen Defensiv-Darbietung der Vorsaison gearbeitet. Auch am desolaten körperlichen Zustand vieler Profis. Es sind Veränderungen sichtbar, wenn auch noch längst nicht genügend.

Vielleicht müssen alle HSVer zu Beginn des neuen Jahres auch ein wenig froh sein, dass ihr Verein nicht mehr hinten dran hängt. Er hat den Anschluss an die hinteren Mannschaften hergestellt. Das war im Frühjahr 2014 wahrlich nicht selbstverständlich, als der HSV in allen Bereichen komplett am Boden lag und den unverdientesten Nichtabstieg der Bundesliga-Geschichte perfekt gemacht hat.

Dietmar Beiersdorfer hat vor zwei Wochen von einem „Pioniergeist“ gesprochen, den er im Verein spüre. Diesen Geist gilt es zu bewahren und auch nach außen deutlicher sichtbar zu machen. Es bleibt dabei: einen anderen Weg gibt es nicht, ist er auch noch so steinig und langsam. Es bleibt aber auch dabei: keinesfalls ist es ein Automatismus, dass der Weg am Ende ins Licht führt. Die handelnden Personen dürfen nicht erlahmen, müssen weiter durchgreifen und das Sanieren nicht vernachlässigen.

Lars
18.05 Uhr

Fleiß zahlt sich aus – kommt Drmic im Winter?

11. November 2014

Warum werden die Fußballer beim HSV schwächer? „Schlechter Fußball steckt an“ titelte eine Tageszeitung und meinte damit den HSV. Und ich hätte den Autor gern gefragt, ob das eben auch fürs Schreiben gilt. Denn Fakt ist, dass der HSV einige Jahre lang – daher stammt ja auch erst der Name „Dukaten-Didi“ große Talente beim HSV hatte und sie an europäische Spitzenklubs weitergegeben hat. Leider zu viele, wie sich irgendwann bei ausbleibendem Erfolg herausstellt. Und genau hier begann die Phase, die der oben genannte Autor meint. Und letztlich ist die Antwort ebenso komplex wie erklärbar:

Es waren die handelnden Personen, die das Umfeld verschlechtert haben. Zum Teil, weil sie schwache Spieler eingekauft haben, zum anderen, weil sie das sportliche Umfeld für die Mannschaft verschlechterten. Aber klar ist: Schlechter Fußball ist nicht ansteckend – er wird produziert. Und vor allem: Er ist vermeidbar.

Was ich damit meine, ist, schlechte Fußballer finden sich sehr wenige in Deutschlands Oberhaus. Ich behaupte, dass selbst „Hose 21“ beim Aufsteiger Paderborn ein von Haus aus richtig guter Kicker ist und von einem sehr guten Trainer zum richtig guten Bundesligaspieler ausgebildet werden kann. Die wirklich „schlechten“ Fußballer schaffen es gar nicht erst bis ins Oberhaus – es sei denn, irgendein Sportchef hat aberwitzige Ideen und/oder eine schlechte Scouting-Abteilung mit zu viel Entscheidungsgewicht. Letztlich aber ist jeder Verein dafür verantwortlich, wie gut seine Spieler sind, bleiben oder eben werden. Und hier hat der HSV in den letzten Jahren nachweisloch mehr falsch gemacht, als er es sich eigentlich erlauben konnte. Das hat das letzte Jahr gezeigt – und auch jetzt haben die Verantwortlichen noch daran zu knabbern.

Für Abendblatt-Blogs


Seit 2010 hat der HSV keinen Spieler mehr ausgebildet, der noch in den eigenen Reihen spielt. Gestandene Spieler wie van der Vaart, Jiracek, Westermann, Adler und Drobny, die noch da sind, mal ausgenommen. In Hamburg groß gemachte Talente wie Guerrero, Boateng, Son und Calhanoglu mussten oder wollten weg. Ebenso wie die hier perspektivlosen Talente Ben-Hatira, Choupo-Moting und Töre, die gehen sollten oder sich gegen den HSV entschieden. Und das ganz sicher nicht immer nur wegen besser dotierter Verträge…

Ich weiß, dass (jaja, leider auch vom Abendblatt) schon die ersten Benotungen der Neueinkäufe getätigt wurden. Allerdings halte ich das angesichts der Vorgaben vor dieser Saison für unzulässig. Denn klar war, dass der HSV zum Vorjahr viel verändern musste. Und das ohne irgendeinen Cent in der Tasche. Erst nachdem sich die HSV-Bosse und Kühne am Thema „Calhanoglu-weg-und-von-den Einnahmen-Lasogga-kaufen“ gerieben hatten und der Türke gen Bayer verkauft wurde, um Lasogga zu finanzieren, kam der deutlich vorher erhoffte Geldfluss des HSV-Fans und strategischen Partners Klaus Michael Kühne. Daran anschließend wurden noch Nicolai Müller, Valon Behrami, Lewis Holtby und Matthias Ostrzolek verpflichtet. Vier Spieler mit großem Potenzial und teilweise bereits gezeigt guten Leistungen. Allerdings gibt es hierbei den Haken, dass sie allesamt in ein nicht gut funktionierendes Team kommen, das sie funktionieren lassen sollen. Das darf man sicher auch erwarten und sie am Ende daran messen. Aber schlechter als vorher sind sie als Spieler bei HSV nicht geworden. Im Gegenteil: Alle vier heben das Niveau beim HSV deutlich an, obgleich sie alle bis auf Behrami noch nicht annähernd in Topform sind.

Allerdings wurde auch dieses Jahr von der Führung ein eklatanter Fehler gemacht, als man sich dazu entschloss, Mirko Slomka die gesamte Vorbereitung machen zu lassen und ihn dennoch nach nur drei Bundesligaspielen absetzte. Slomka hatte die körperliche Basis erarbeitet und die taktischen Vorgaben eingebläut. Mit seinem Nachfolger Josef „Joe“ Zinnbauer wurde dann ein neuer installiert, der der Mannschaft nicht nur neues Leben einhauchte – sondern auch neue Vorgaben aufdrückte. Damit will ich mitnichten Zinnbauers Weg kritisieren, dennoch musste sich die Mannschaft sich neu orientieren. Wohl bemerkt die „neue“ Mannschaft, die sich gerade einzuspielen versucht hatte. „Wir werden Zeit brauchen, um unseren Weg gänzlich zu finden“, sagte Zinnbauer bei Amtsantritt – und ich habe sie. Weil ich überzeugt davon bin, dass ein konsequent durchgezogener, guter Weg immer noch tausendmal erfolgreicher ist, als fünf unterschiedliche richtig gute, wenn diese alle nur in Teilen gegangen werden. Konstanz ist das Zauberwort.

Und gerade das kann ich nicht zuerst von den Spielern und dann von der Führung verlangen, wie es der Autor leider macht. Ich weiß, dass es Leute gibt, die auch Beiersdorfers Einkaufspolitik vor dieser Saison bereits kritisieren. Aber auch hier halte ich mich klar zurück. Ich mache das nicht, weil ich es a) anders sehe und b) sicher bin, dass der Zeitpunkt für ein solch weitreichendes Resümee noch nicht gegeben ist. Und noch weniger stelle ich mich hin und behaupte, dass beim HSV alle Spieler schlechter werden als sie es vor ihrem Wechsel zum HSV waren. Aber das hatte ich oben bereits erwähnt…

Dennoch gibt der Autor einen ganz wesentlichen Anstoß – wenn auch ungewollt: Das Training muss noch spezifischer werden. Ich weiß, dass diese These Wasser ist auf Dieters Mühlen und dieser beim Lesen dieser Zeilen wieder Bluthochdruck bekommt – aber ich will dafür gar nicht zu weit in die Vergangenheit blicken. Für mich ist entscheidend, was jetzt passiert. Und da sollte der oben erwähnte (an sich tatsächlich sehr schön geschriebene) Artikel als Warnung dienen: Mach mehr als Deine Vorgänger, Joe! Trainiere die zweifellos zahlreich vorhandenen Talente (Holtby, Müller, Lasogga, Ostrzolek, Stieber, Götz, Jung, Steinmann, P. Müller etc.) mit Deinem großen Trainerteam individueller. Und wenn das bedeutet, dass es für einzelne Spieler und auch ganze Mannschaftsteile eine, zwei oder auch drei, vier Einheiten mehr pro Woche sind – dann ist das so. Das verkraftet eine Mannschaft, die nur einen Wettbewerb zu spielen hat, allemal. Zumal dann, wenn sie merkt, dass es hilft.

„Wir müssen mehr arbeiten, findiger sein als die anderen“, war die immer selbe Antwort, wenn man die Verantwortlichen auf den finanziellen Nachteil anderen Bundesligaklubs gegenüber ansprach. Und Fakt ist, das kann man heute sagen: Der HSV war das zuletzt nicht oft. Ob ein Darlehen wie das von Kühne nun als findig zu erachten ist, oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Im Ergebnis ist es mehr Geld – und das hilft zunächst. Dass allerdings gerade die Leute, die den Satz oben prägten und im nächsten Moment eine 17,5-Millionen-Anleihe binnen weniger Monate pulverisieren, ohne dafür Verstärkungen zu holen, ist fatal. Ebenso wie die Tatsache, dass der letzte Individualtrainer Ricardo Moniz war und der nur von 2008 bis 2010 beim HSV arbeitete. Wobei ich hier die Hoffnung habe, dass Dietmar Beiersdorfer, der damals noch Sportchef war, sich der Sinnhaftigkeit eines solchen Trainings erinnert und entweder den vorhandenen Trainerstab zu derartigen Einheiten animiert, wenn er sich derartig gute Individualtrainer aktuell nicht auch noch leisten kann.

Erkennbar ist für mich immer wieder, dass die Spieler nicht schlechter werden, sondern dass sie das Umfeld entscheidend prägt. Schlimmer noch: die wenigen Spieler, die hier wachsen (z.B.: Son, Calhanoglu), die (wollen unbedingt) wechseln.

Mit dem neuen Führungstrio Beiersdorfer/Peters/Knäbel ist da offensichtlich ein sehr guter, erster Schritt getan worden. Mit Zinnbauer ist zudem ein junger, hungriger Trainer am Werk, der von sich sagt, genau auf diese individuelle, sehr akribische Trainingslehre Wert zu legen. Ein junger Schweizer soll kommen, zudem ist der HSV angeblich an einem Leihgeschäft von Bayer Leverkusens Josip Drmic interessiert, wie die “SportBild” berichtet. Kurios: An beiden Spielern soll auch Werder Bremen interessiert sein.

Aber zurück zum aktuellen Kader: Selbst die Leihe von Jonathan Tah nach Düsseldorf erachte ich als sehr hilfreich, weil er sich dort super entwickelt und am Ende zurückkommt. Insofern besteht die Aussicht auf Besserung. Und trotz der berechtigten Kritik an den letzten vier, fünf Jahren, dürfen wir jetzt nicht wieder ungeduldig werden und unsere guten Zugänge schlechtreden, weil der erhoffte Erfolg aus größtenteils erklärbaren und glücklicherweise erkannten Gründen noch ausbleibt. Selbsterfüllende Prophezeiungen nennt man das, glaube ich. Und darauf habe ich keine Lust. Denn dann würde ich mich tatsächlich (als kleines Licht zwar nur in kleinen Teilen, aber dennoch) mitverantwortlich für die sportliche Verschlechterung fühlen…

Apropos: Auch wir wollen uns verbessern und hatten heute ein längeres Team-Meeting in der Redaktion. Dabei kamen viele technische Neuerungen auf den Tisch, einige neue Ideen in Sachen Layout, Themen und Bloggestaltung. Aber vor allem wollen wir die Frage stellen, was Ihr vermisst. Soll heißen: Wir wollen von Euch hören (lesen), was sich hier noch verbessern kann, soll und/oder muss. Beim letzten Matz-ab-Treffen hat sich gezeigt, dass die Gemeinschaft sehr wohl gemeinschaftlich daran interessiert ist, den Blog zu verbessern. Da kam auch die Frage auf, weshalb die Live-Sendungen nicht auf allen Androids abrufbar sind. Daher wäre eine Frage von uns schon mal: Mit welchen Androids (Marke) können die Live-Sendungen nicht gesehen werden? Hat noch wer nachhaltig Probleme, unsere Sendungen abzurufen? Daher wären wir allen, die uns hierbei hilfreiche Kritiken und Anregungen liefern können, sehr dankbar. Am besten würde das funktionieren, indem wir wieder einen „Schneeballpost“ (Post kopieren, mit seinem Eintrag versehen und reinstellen…) machen. Es könnte auf jeden Fall sehr hilfreich sein.

Danke! Und bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr auf dem Platz an der Imtech Arena trainiert. Bis dahin!

Scholle

„Lass meine Spieler in Ruhe!“

2. November 2014

Dass wir erst ein Matz-ab-Treffen machen mussten, ehe der HSV mal ein Heimspiel gewinnt… Leidenschaft am Freitagabend in Norderstedt (vielen Dank auch noch einmal an die Gastgeber des „Anno 1887“, die uns erneut ihre Räume zur Verfügung gestellt haben) – und es schien, als ob die Mannschaft davon gestern beim 1:0 gegen Bayer Leverkusen beflügelt worden wäre. Ich habe dazu heute beim Regionalliga-Spiel der U 23 mit einigen Fans gesprochen – und der Tenor war: „Das war ein Super-Spiel gegen Leverkusen. Wobei es eigentlich gar kein Spiel war, sondern ein Super-Gehacke. Trotzdem: weiter so!“

50 Fouls, neun Gelbe Karten – das war Saison-Rekord in der Bundesliga, und es ist sicherlich ein kleines Fußball-Wunder, dass es keine Platzverweise gab und zum Glück auch keine Verletzungen. Damit wären wir auch schon beim Schiedsrichter. Bayer Leverkusen hat Florian Meyer gestern als Hauptschuldigen des 0:1 von Hamburg ausgemacht. Trainer Roger Schmidt war überhaupt nicht einverstanden mit seiner Spielleitung, und dabei ging der Trainer gar nicht einmal auf den unstrittigen Elfmeter ein (Foul von Bayer-Keeper Bernd Leno an Marcell Jansen), der in der 26. Minute zum Tor des Tages durch Rafael van der Vaart führte. Schmidt beschwerte sich über Meyers ganze Spielleitung: „Ich fand nicht in Ordnung, was auf dem Platz passiert ist. Der Schiedsrichter hat es aber zugelassen. Das war teilweise eine Treibjagd.“ Schmidt bemängelte, dass der HSV mit vielen taktischen Fouls Chancen der Leverkusener im Ansatz zunichte machte, die dann aber nicht zu Gelben Karten führten.

Nun ist zumindest die letzte dieser Beschwerden sachlich nicht ganz richtig. Immerhin gab es sechs Verwarnungen gegen HSV-Profis. Man kann darüber streiten, ob Meyer nicht auf der einen, aber auch auf der Leverkusener Seite (Foul von Donati an Jansen kurz vor dem Wechsel) Rot hätte ziehen können oder müssen, doch generell haben sich die Leverkusener sicher vor allem geärgert, dass ihnen der HSV den Schneid abgekauft hat. Rudi Völler, der Sportdirektor der Werkself, sagte über den Schiri: „Es war zu erwarten, dass es hart werden würde. Aber wir hätten besser geschützt werden müssen vom Schiedsrichter mit Gelben oder Roten Karten, dass es so nicht geht. Das hat er nicht gemacht, und dann hören die Hamburger auch nicht auf. Ist ja ganz klar.“

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Jedenfalls hat die sehr hitzige Atmosphäre dazu geführt, dass es beim Gang in die Pause sogar zwischen den Trainern gekracht hat. Joe Zinnbauer wollte den Unparteiischen abfangen auf ein Wörtchen, aber sein Kollege Schmidt war schneller. Dann hat der HSV-Coach offenbar Schmidts Beschwerde über die Gangart der Hamburger aufgeschnappt und ist, gelinde gesagt, ziemlich aus der Haut gefahren. Medien-Direktor Jörn Wolf musste Zinnbauer zurückhalten, der immer wieder schrie: „Lass meine Spieler in Ruhe!“

„Es hat so ausgesehen, als wollte ich ihm an die Wäsche. Aber so war das nicht. Trotzdem war es nicht gut von mir, das muss ich auf meine Kappe nehmen“, so Zinnbauer mit etwas Abstand. „Das passiert mal, dass man emotional drauf ist. Aber wir haben uns anschließend auch wieder die Hand gegeben.“

Abseits dieser Diskussionen ist wohl unstrittig, dass genau diese harte und aggressive Gangart der Schlüssel war zum ersten HSV-Heimsieg seit Anfang April. Spielerisch mitzuhalten mit dem Champions-League-Teilnehmer – das haben sich die Hamburger offenbar von Beginn an abgeschminkt. Marcell Jansen: „Wir brauchen keine spielerische Entwicklung. Was wir brauchen ist, als Mannschaft gut zu stehen. Wir müssen als Mannschaft gut verteidigen – und wenn du dir irgendwann mal genügend Punkte erkämpfst, kommt das Spielerische hinten raus. Aber der umgekehrte Weg funktioniert nicht im Fußball.“ Und weil die HSV-Verantwortlichen wissen, wie schwer sich die Mannschaft auf dem Weg zum gegnerischen Tor tut, wird halt noch größerer Wert auf die Defensive gelegt. Was ja auch funktioniert hat, denn bis auf die Monster-Chance in der 94. Minute von Karim Bellarabi, dessen Schuss an den Innenpfosten des Hamburger Tores ging, sprang nur recht wenig Hochkarätiges für die Gäste heraus.

„Not in my house!“ So sagen es die Basketballer in der amerikanischen NBA, wenn sich ein Eindringling zu nahe an den eigenen Korb heranwagt. Dann wird aus dem körperlosen ganz schnell ein körperbetontes Spiel, in dem der Gegner mit aller Macht zurückgeschmettert wird. Diese Ausstrahlung hatte der HSV gestern. „Nicht in unserem Stadion!“, schienen sie den Leverkuseners mit jedem Angriffsversuch entgegen schmettern zu wollen.

Mir ist dabei eine Geschichte eingefallen, die mir ein Ex-Star mal aus den 80er Jahren erzählt hat. Da wurde das ganze im Vorwege erledigt. So dribbelte Wolfram Wuttke für den 1. FC Kaiserslautern im Volkspark auf. Er hatte den HSV kurz zuvor verlassen, seine Hamburger Zeit war bekanntlich keine Erfolgsgeschichte. Beim Wiedersehen in der Saison 1987/88 also, kurz vor der Europameisterschaft in Deutschland, zu der sich Wuttke große Teilnahme-Chancen ausrechnete, gab’s im Kabinengang unmittelbar vor dem Anpfiff das große Wiedersehen mit den alten Kollegen. Auch mit Verteidiger Ditmar Jakobs. Der schüttelte „Wolle“ freundlich die Hand – und sagte dann ganz ruhig: „Übrigens, wenn Du wirklich zur EM willst, dann bleib heute mal lieber von unserem Strafraum weg.“ Wuttke „gehorchte“ (er fuhr dann wirklich zur EM), der HSV gewann mit 5:1 (Jakobs hatte sein Ziel erreicht). Ich hoffe, derjenige, der mir diese Anekdote mal anvertraut hat, ist jetzt nicht sauer (es war nicht Jakobs selbst!) – aber inzwischen ist der Vorfall ja auch verjährt.

Gestern stand natürlich alles unter dem Stern mit dem Namen „Hakan“. Schmäh- und Pöbelgesänge gegen den früheren HSV-Spieler gab es fortwährend, das war ja klar. „Vor dem Spiel war es im Stadion schon ziemlich hitzig durch Hakan“, sagte Heiko Westermann (diesmal ohne Fehler). „Aber für uns war es einfach wichtig, den Dreier einzufahren. Es ging nicht um Hakan. Das haben wir alles bravourös gemeistert.“ Calhanoglu selbst konnte diese Partie nicht prägen. Der eine oder andere Freistoß kam, er schoss auch vier Mal aufs Hamburger Tor, aber meistens zu harmlos für Jaroslav Drobny (diesmal ebenfalls ohne Fehler). Von den Rängen ließ sich der Ex-HSVer jedenfalls nicht provozieren, und zum Glück sind auch die reichlichen Gegenstände (Feuerzeuge u.ä.) in der ersten Halbzeit bei der Freistoß-Aktion vor der Nordtribüne an ihm vorbei geflogen. „Hakan hat sich nichts anmerken lassen. Er hat auch schon vorher einen glasklaren Eindruck gemacht. Ich wusste, er würde der Situation gewachsen sein“, lobte Roger Schmidt seinen Schützling. Und damit wirklich genug zu diesem Spieler.

Aber halt: ein Schlenker muss noch sein. Rafael van der Vaart hat sich in diesem Spiel nach einer ziemlich harten Grätsche – ausgerechnet gegen Calhanoglu – die Gelbe Karte abgeholt. Das war ein Zeichen! Und in diesem Spiel nicht das einzige von van der Vaart. Er hat Verantwortung übernommen und die Stimmen, die in den vergangenen Wochen einen Abgesang auf ihn angestimmt haben, zumindest etwas leiser werden lassen. Dass er überhaupt auf dem Rasen stand, war ja schon überraschend. Läuferisch nicht mehr stark genug, Luft nur für 60 Minuten, keine Führungsfigur – diese Vorwürfe trafen van der Vaart, und er hat sie alle durch seine mäßigen Leistungen in den vergangenen Monaten untermauert. Doch die Pause durch seine lange Wadenverletzung scheint nun auch sein Gutes zu haben.

Zwar stimmt die Einschätzung, dass der Kapitän ganz offensichtlich nicht die Luft hat für 90 Minuten. „Rafael war kämpferisch ein Vorbild und wollte auch viele Dinge spielerisch gut lösen“, befand Joe Zinnbauer. „Aber man hat auch gesehen, dass er noch nicht bei 100 Prozent ist. Wir hoffen, das wird er bald erreichen.“ Dennoch: Van der Vaart hatte gute Laufwerte (mehr als 7,5 Kilometer in 62 Minuten) und einen guten Einfluss auf das Spiel. Und: Er hat das Tor des Tages gemacht. „Ehrlich gesagt, ich habe die Augen zu gemacht und so hart wie möglich geschossen. Glücklicherweise war er drin.“

Gibt es also doch eine gemeinsame Zukunft für das Mittelfeldduo van der Vaart/Holtby? „Es kann auch nächste Woche wieder anders aussehen“, sagte Trainer Zinnbauer zu diesem Thema. Da werden sicher die Trainingseindrücke eine große Rolle spielen, wobei ich jetzt schon die Tendenz sehe, van der Vaart für einen laufstärkeren Spieler herauszunehmen. Doch das bleibt nun abzuwarten. In jedem Fall ist Rafael van der Vaart aufgefordert, seine Leistungssteigerung zu bestätigen. Dass er nach seinem Treffer effektvoll auf die HSV-Raute auf seinem Trikot geklopft hat, ist ja erstmal schön anzusehen. Doch nachhaltige Leistungen wären allen, die mit dem HSV zu tun haben, auf Sicht bestimmt lieber.

Noch wichtiger als van der Vaart war für den HSV gestern wohl Valon Behrami. Fußball-Direktor Peter Knäbel hat dem Schweizer, der – obwohl angeschlagen – auf die Zähne gebissen hat, ein Sonderlob ausgesprochen. Und da wollte auch Joe Zinnbauer nicht hintenan stehen: „Er hat ein überragendes Spiel gemacht. Normal hätte er nicht spielen können. Schon in der Halbzeit konnte er eigentlich nicht mehr. Kurz nach der Pause wollte er auch mal raus, aber dann habe ich nichts mehr gehört. Er hat sich aufgeopfert für die Mannschaft. Das ist sensationell. Aber seine Präsenz brauchen wir auf dem Platz. Auch wenn man es optisch nicht sofort erkannt, weil er nicht die tollen Pässe spielt. Aber er räumt unheimlich viel ab.“

Was die Laufwerte des Teams angeht, war das diesmal alles nicht so doll. Der HSV landete bei 110 Kilometern, das ist extrem wenig, ist sicher aber auch den ständigen Unterbrechungen und Spielpausen geschuldet.

Heute war nun also fußballfrei für die Profis, die sich stattdessen auf den Weg zu ihren Fanclubs machten. Über Twitter flogen Fotos von lächelnden HSVern durchs Netz. Drobny in Reppenstedt, Lasogga in Nordhausen, Djourou in Hohenlockstedt – da lässt es sich nett diskutieren mit diesem Erfolgserlebnis im Gepäck. Es war das vierte Heimspiel in der Bundesliga unter Joe Zinnbauer – und zum vierten Mal Beifall des Publikums. Drei Treffer sind den Hamburgern in diesen Spielen nur gelungen, aber der Einsatz stimmte. 0:0 gegen die Bayern, 1:2 gegen Frankfurt, 1:1 gegen Hoffenheim, jetzt 1:0 gegen Leverkusen. EIN Ziel vor Saisonbeginn war es, die Begeisterung der Fans neu zu entfachen mit leidenschaftlichem Fußball. Es wird nicht immer solch eine Schlacht sein wie gestern, aber es gibt doch das eine oder andere Indiz für Besserung. Nicht nur beim Blick auf die Tabelle, die mal wieder einen grünen Pfeil nach oben neben dem HSV sieht.

Verbessern kann sich die Zweite Mannschaft des HSV nicht mehr. Die schwebt in der Regionalliga Nord schon über allen anderen, und deswegen war das 0:0 heute gegen den SV Meppen schon eine Überraschung. 15 Spiele, 13 Siege, zwei Unentschieden – so lautet die Zwischenbilanz. 750 Zuschauer an der Hagenbeckstraße haben diesmal nicht den gewohnten Schwung gesehen, aber das muss auch mal drin sein, nachdem das Team von Trainer Daniel Petrowsky die FT Braunschweig in der Vorwoche mit 10:0 gedemütigt hatte. Trotzdem hatten die Hamburger heute die besten Chancen, aber Nils Brüning (44., Pfosten) und der eingewechselte Said Benkarit (88., Latte) vergaben sie.

Und so spielte der HSV II: Brunst – Götz, Jung, Carolus, Marcos – Steinmann, Mende – Arslan, Cigerci (70. P. Müller), Gouaida (70. Masek) – Brüning (82. Benkarit)
Gelb-Rote Karte: Carolus (63., wiederholtes Foulspiel)

Die Profis haben morgen noch einmal richtig frei, ehe es am Dienstag um 10 Uhr mit der nächsten Einheit weitergeht. Es wird die erste von sechs sein auf dem Weg nach Wolfsburg am kommenden Sonntag.

Lars
18.34 Uhr

Nachtrag: Jetzt habe ich vergessen, etwas über Manfred Kaltz zu schreiben, der laut “Bild am Sonntag” ein Angebot für die Teilnahme am Dschungelcamp hat. Aber irgendwie fällt mir da auch nichts Gescheites ein…

Bayer kommt mit Calhanoglu – der HSV wieder mit Rudnevs

31. Oktober 2014

Er kommt mit. Und ganz Hamburg ist wie elektrisiert. Alles schaut auf den kleinen Mann mit den tollen Distanzschüssen und dem Hang zu falschen Krankschreibungen. Und so spannend es für die Zuschauer wird, wie vergiftet die Atmosphäre diesem einen Spieler gegenüber sein wird, muss klar sein, dass es der falsche Fokus ist – zumindest für die Mannschaft. Denn: Sechs Punkte nach nunmehr neun Spielen und Platz 16 sind Baustellen, die alle Aufmerksamkeit verlangen. „Ich habe ganz ehrlich noch nicht ein Wort von den Spielern über Hakan gehört“, sagt Joe Zinnbauer, der Hakan Calhanoglu in seiner Zeit als KSC-Trainer unter sich hatte. „Ich habe zwar mit ihm telefoniert“, so Zinnbauer, der das Thema so wenig vordergründig sieht, wie es nur geht, „aber wir haben uns nicht einmal über Fußball unterhalten.“ Gut. Der letzten Aussage maßen wir nicht allzu viel Wahrheitsgehalt bei. Zinnbauer relativierte auch schnell: „Wir haben nach dem Hertha-Spiel gesprochen und ich habe ihm nur gesagt, dass wir gegen Leverkusen sicher nicht so eine Leistung auf den Platz bringen wie gegen Hertha.“

Aber was soll Zinnbauer auch sagen? Er versucht, was richtig ist: Er lenkt den Fokus seiner Spieler auf die eigenen Baustellen – und davon gibt es noch reichlich. Seit dem Bayern-Spiel sogar eine mehr: Heiko Westermann. Der Innenverteidiger wird auch am morgigen Sonnabend gegen Leverkusen wieder von Beginn an spielen, darauf legte sich Zinnbauer bereits fest. „Mit Heiko brauchen wir nicht über den Fehler sprechen – das muss man bei dem Fehler mit keinem Spieler. Er hat ihn gemacht, das weiß er. Und den wird er ausbügeln wollen. Und diese Chance werden wir ihm nicht nehmen. Er ist auch erfahren genug, damit umzugehen.“ Soll heißen: Westermann agiert neben Djourou in der Innenverteidigung. Ob er dann gleich so einen Kracher loslässt wie beim letzten Gastspiel der Werkself sei dahingestellt. Aber mich würde es im doppelten Sinne freuen: Für ihn und für den HSV.

Das Videointerview (entschuldigt bitte die Tonqualität – vor allem dioe Fragen sind kaum zu hören…):

Wobei es mir absolut sch…egal ist, wie und durch wen der HSV letztlich seine Punkte holt. Ich freue mich über die emotionsgeladene Stimmung in diesem Spiel vor allem, weil ich hoffe, dass es dem HSV noch ein wenig mehr Auftrieb gibt. „Wir brauchen unsere Anhänger vielleicht mehr denn je“, sagt Zinnbauer – und wurde erhört. Ab 13.30 Uhr starten die HSV-Fans ab Stellingen einen Unterstützungsmarsch. Aufgerufen vom Fanclub „Inside HSV“.

Welche Elf dann auf dem Platz stehen wird, ließ Zinnbauer natürlich noch offen. Dennis Diekmeier ist zwar wieder eisnetzbar – aber es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich noch gedulden muss. „Wir müssen sehen, ob er in den zwei Wochen Verletzungspause viel verloren hat“, so Zinnbauer, „jeder weiß ja, dass es immer schwierig ist, im Spiel die Viererkette zu wechseln. Deshalb müssen wir schauen, ob er 90 Minuten spielen kann.“ Sollte dem nicht so sein, spielt Götz, den Zinnbauer besser gesehen hat als manch Kritiker: „Er hat seine Sache gut gemacht. Besser, als er dargestellt wurde.“ Dennoch würde er seinen Youngster der Erfahrung opfern, wenn Diekmeier fit ist: „Diekmeier ist ein sehr erfahrener Spieler auf der Position. Wenn die Kräfte reichen, würde ich lieber mit einem erfahrenen Spieler aufstellen – ohne, dass Götz schlecht gespielt hat. Aber, klar ist: Wir müssen hier genau hinschauen.“

Selbiges gilt für die Kombination Holtby/van der Vaart. Zuletzt hieß es nicht nur „entweder oder“ – es wurde auch so umgesetzt. In Berlin startete van der Vaart und Holtby blieb auf der Bank, gegen Bayern im Pokal war es andersrum. Ob er sich vorstellen kann, beide zusammen spielen zu lassen? „Wir arbeiten daran“, sagt der HSV-Trainer, „aber es eine derartige Umstellung im System ist etwas, was Zeit braucht, was vor allem Training braucht. Sowas fällt normalerweise in die Sommer- oder Wintervorbereitung.“

Dennoch probiert es Zinnbauer in den Trainingseinheiten immer wieder aus. Heute auch. Heute ließ er beide in getrennten Mannschaften antreten. Zunächst Holtby hinter Lasogga, in der zweiten Hälfte dann beide zusammen – also van der Vaart auf der Acht, während Holtby weiterhin hinter Lasogga wirbelte. Festlegen würde ich mich dabei, dass Holtby spielt. Das ist eine Lehre aus den letzten beiden Spielen, die selbst dem fußballfremdesten Menschen dieses Planeten aufgefallen sein dürfte. Die Frage jedoch ist, ob Zinnbauer tatsächlich Arslan rausnimmt und dafür mit van der Vaart beginnt. Ich persönlich würde es begrüßen – obgleich dieser Testballon gegen eine weniger spielstarke Mannschaft sicher geeigneter wäre.

 

 

 

Auf links wirbelte heute übrigens wieder ein neues Talent: Mohamed Gouaida. Und das sogar im vermeintlichen A-Team. Allerdings wird der Junge nur als Platzhalter vorgesehen sein. Stieber, ein verschobener Holtby oder Jansen? Ich persönlich setze auf Letztgenannten. Zumal nach der Aussage Zinnbauers, dass er sich gegen Bayer im Zweifel für Erfahrung und gegen die Jugend entscheiden würde. „Wir müssen sehen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Regionalligaspieler sind keine gestandenen Bundesligaspieler und brauchen Zeit. Ich habe berechtigte Hoffnung, dass wir die Zeit hier bekommen, unsere jungen Talente aus der Regionalliga und der U19 in den Bundesligaspielbetrieb einzubauen.“ Allerdings ist das in derart heiklen Phasen nicht allzu leicht. Es sei denn, man bekommt den Zwang auferlegt wie mit der Verletzung Diekmeiers, der in Götz den ersten ernst zu nehmenden Backup seit Jahren hat. Und wie es aussieht, ist Diekmeier wieder fit. Diesmal allerdings mit dem Wissen für den RV-Highlander, dass es doch noch einen Zweiten gibt.

Wieder dabei ist auch Artjoms Rudnevs. Der Lette verdrängte Julian Green aus dem Kader, während Jiracek und Nafiu Behrami und Diekmeier weichen mussten. Soll heißen, der HSV könnte wie folgt spielen, wobei ich meinem Wunsch für die Startelf mal mehr Raum lasse als den Indizien des Trainings: Drobny – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami – Jansen, van der Vaart, Holtby, Müller – Lasogga.

Auf jeden Fall wäre es eine gute Startelf in einem Spiel, das von Beginn an unter besonderer Beobachtung steht. Ich hoffe jedenfalls auf ein Publikum, dass aus dem Protest gegen Calhanoglu Unterstützung für die eigene Team macht. Ich jedenfalls freue mich darauf! Ebenso wie auf unser Treffen gleich im „Anno 1887“.

Bis dahin,
Scholle

Behrami ist wieder fit – und ein zweiter Arslan dabei

30. Oktober 2014

Ich gebe zu, ich war schon zur Halbzeit ein Stück weit genervt. Weil der HSV es den Bayern mit individuellen Fehlern extrem leicht gemacht hat. Und das, obwohl die Bayern sicher die letzte Mannschaft im Volkspark sind und sein werden, die Unterstützung brauchen, um zu gewinnen. Dennoch, Westermanns kapitaler Bock und Drobnys Probleme mit Alabas Flatterball – zwei Tore, die sicherlich leicht vermeidbar und somit komplett unnötig waren – und die das Spiel frühzeitig entschieden. „Das wird langweilig“, habe ich Dieter geantwortet, als er mich darauf ansprach, dass es ja noch mal 45 Minuten zu spielen gäbe. Denn dass der HSV verlieren würde, war leider Gottes schon im Vorfeld zu ahnen. Das letzte Fünkchen Hoffnung der Fans – ich hatte es diesmal leider schon beim Lesen der Aufstellungen nicht mehr – bestand eher darin, sich noch mal möglichst lange schadlos zu halten und irgendwie, irgendwann und durch irgendwen den „Lucky Punch“ zu setzen.

Und immerhin konnte der HSV gegen unkonzentrierter agierende Bayern in den letzten Minuten noch mal einen Treffer erzielen. Wieder war es die Kombination van der Vaart/Lasogga, die in der vergangenen Saison neben Calhanoglu hauptverantwortlich fürs Toreschießen war. Apropos Calhanoglu: Der Junge kommt am Sonnabend mit seinem neuen Klub Bayer Leverkusen nach Hamburg. Zumindest war das so geplant und von HSV-Fans heiß erwartet. Daraus wird allerdings, wie gestern in der Sendung schon angedeutet, wahrscheinlich nichts. Die Deutsche Presse Agentur meldete heute:
„Hakan Calhanoglu droht ausgerechnet im Ligaspiel bei seinem Ex-Club Hamburger SV am Samstag auszufallen. Der 20-Jährige, der nach 155 Sekunden den Führungstreffer erzielt hatte, blieb nach der Halbzeitpause in der Kabine wegen eines Zweikampfs mit dem Magdeburger Silvio Bankert. „Er hatte einen Tritt auf dem Fuß bekommen und konnte nicht mehr sauber abrollen“, meinte Trainer Roger Schmidt.“

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Nun denn. Mit Krankschreibungen kennt sich Hakan ja aus, mag man meinen. Und ich erinnere mich immer wieder an die Message der allerersten LP meines Lebens: „Peter und der Wolf“. Denn, so wenig unwahrscheinlich eine derartige Fußverletzung auch ist, man mag sie ihm nach der unglaublichen Geschichte mit Depressionen und Krankschreibungen im Sommer nicht mehr glauben. In dieser Hinsicht hat sich Calhanoglu seinen Ruf allemal versaut. Umso erstaunlicher finde ich (wobei, bei ihm eigentlich nicht…) die eindimensionale Sichtweise Lothar Mathhäus’. Denn in dem oben zitierten dpa-Artikel wird folgendes zitiert:

„Rückendeckung bekam der Deutsch-Türke von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus: ‚Der Spieler hat alles richtig gemacht. Er spielt jetzt in der Champions League, ist in der Bundesliga vorne dabei statt im Keller’, meinte Matthäus in der SportBild.“ Und ich glaube, Matthäus selbst wird ein ebenso guter Spielerberater wie sein jetziger, der aus dem einstigen Weltfußballer eine kaum mehr ernst zu nehmende Person des Öffentlichen Lebens gemacht hat. Leider.

Nun denn, sportlich betrachtet hat Matthäus ja sogar Recht. Und ich gebe zu, dass ich geneigt bin, auch die Calhanoglu-Version mit der Absprache mit Oliver Kreuzer zu glauben. Dennoch hat sich der Junge nachweislich vergaloppiert. Sich nach seiner (wie auch immer vereinbarten) Vertragsverlängerung demonstrativ vor jede Kamera und jedes Mikrofon zu stellen und von „einem Zeichen“ seiner Treue und Verbundenheit zum HSV zu sprechen, war so dumm, dass er mit den Protesten der HSV-Fans in massivster Formrechnen musste. Insofern hat er sportlich zweifellos alles richtig gemacht, wenn es um seine persönliche Entwicklung als Spieler geht. Aber als Mensch hat er extrem viel verloren. Oder meint Ihr, die Bayer-Führung vertraut dem Freistoßspezialisten zu 100 Prozent? Nein. Können sie ja nicht. Sie wissen ja, wie leicht es ist, den talentierten Mittelfeldmann zu ködern.

Aber egal, wir müssen es eh nicht mehr, weil der Junge in Hamburg schon Geschichte ist. Und wenn er dann wirklich am Sonnabend fehlen und erst in einem Jahr wieder mit Bayer nach Hamburg kommt – ich glaube, dann werden sich nicht mehr viel für diese Geschichte interessieren. Sie (und er) ist es schlichtweg auch nicht wert.

Mehr Wert lege ich natürlich auf die aktuelle Entwicklung. Tabellarisch stagniert diese zweifellos. Personell geht es glücklicherweise wieder voran. Im Pokal hat sich keiner verletzt, zudem kehrte heute auch René Adler wieder ins Training zurück. „Ein kleiner, guter Schritt in die richtige Richtung“, blieb der Keeper auf seine Einsatzfähigkeit angesprochen verhalten optimistisch. Aber er kommt zurück. Das ist Ivo Ilicevic bereits seit mehr als einer Woche. Im Kader war er noch nicht, aber das könnte sich am Sonnabend ändern. Und angesichts der weiterhin schwachen Offensive des HSV wäre auch das „ein kleiner, guter Schritt in die richtige Richtung“. Denn obwohl er nicht abfällt, bei Zoltan Stieber habe ich immer noch das Gefühl, dass er zu leichtgewichtig ist für die Bundesliga. Wie sagte/schrieb „Eiche“ heute bei der Diskussion um Dennis Diekmeier? „Bei DD weißt Du was Du bekommst, nämlich irgendwie nix. Da lieber einen Jungen, der will. Ob er es packt ist ne andere Sache. Aber zu wissen auf RV hast Du ne 4+ und das bleibt auch so, befriedigt nicht!“

Gut, mit „jung“ ist der 28-jährige Ilicevic in seiner achten Bundesligasaison sicher nicht mehr zu umschreiben. Aber dafür Ahmet Arslan. Der Toptorjäger der Regionalliga Nord (12 Treffer) wurde heute von Trainer Joe Zinnbauer ins Profitraining hochgezogen. Und was auf der einen Seite wie ein weiterer Nackenschlag des auf seinen Einsatz wartenden Artjoms Rudnevs’ aussieht, zeigt auf der anderen Seite, dass der HSV-Trainer weiterhin bereit ist, seinem Nachwuchs eine Chance zu geben. Nach Götz, Steinmann, Cigerci und Nafiu könnte der gelernte offensive Mittelfeldspieler der nächste U23-Kicker sein, der sein Bundesligadebüt feiert. Und das ist gut. Denn auch der junge Arslan ist gut.

Noch besser ist, dass Valon Behrami am Sonnabend wohl wieder spielen kann. „Ich gehe aktuell davon aus“, antwortet Zinnbauer auf die Frage, ob der heute geschonte und im Stadioninneren behandelte Sechser rechtzeitig fit wird. Schon morgen soll Behrami wieder mit der Mannschaft trainieren. Dass er dem HSV mehr Stabilität verleiht, war zuletzt zu erkennen. Vor allem dann, wenn er fehlte, was im Übrigen auch für Lewis Holtby zählt. Denn der mit Abstand aktivste Mittelfeldspieler des HSV ist in meinen Augen unverzichtbar. Ich wiederhole mich da gern. Und ich glaube auch, Zinnbauer sieht das inzwischen ebenso.

In diesem Sinne, bis morgen, wo es deutlich spannender als heute wird. Denn da wird sich entscheiden, wie der HSV am Sonnabend ins Spiel geht. Mit Behrami oder wieder mit dem Youngster Matti Steinmann, der seine Sache ordentlich und unauffällig erledigte. Normalerweise heißt das, dass einer von beiden neben Arslan spielen wird, der bei seiner Auswechslung erstaunlich offen zeigte, was er von selbiger hielt. Nämlich nichts. Dabei war diese in dem Spiel sicher alles andere als schwer zu argumentieren.

Allerdings, und diese Resthoffnung schwirrt immer noch in meinem Hinterkopf herum, es gäbe auch die Möglichkeit, im eigenen Stadion offensiver aufzutreten und Holtby als Achter neben Behrami zu positionieren. Warten wir es ab.

Bis morgen! Und da ja gleich doppelt: Einmal per Blog, und anschließend ab 19 Uhr beim Matz-Ab-Treffen im „Anno 1887“. Wir freuen uns auf Euch!

Scholle

P.S.: Der dumme Stadionflitzer erhielt neben dem obligatorischen Stadionverbot eine Strafanzeige des HSV. Und: Wer auch immer den dummen Jungen feiert,w eil er Ribery attackiert hat, sollte sich mit ihm solidarisisren und ebenso lange dem Stadion fern bleiben.

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