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Fink: “Eine ordentliche Saison von uns”

19. Mai 2013

Noch immer rätseln sie bei mir im Umfeld, ob man nun lachen oder doch eher weinen sollte? Der HSV auf Platz sieben, das ist wie Platz vier in der Leichtathletik – das Treppchen verfehlt. Und damit auch Europa verpasst. Deswegen könnte man als HSV-Fan durchaus enttäuscht, frustriert und eventuell sogar sauer sein. Aber Platz sieben gegenüber Platz 15 im Vorjahr, das sollte sich dann auch ein jeder, der nun hadert, noch einmal vor Augen führen. Wer zu Beginn dieser Saison, zumal nach drei Niederlagen und dann auch den Abstiegskampf immer noch im Hirn, davon gesprochen hätte, dass dieser HSV knapp oder haarscharf an Europa vorbeischliddert, den hätte ich leicht für verrückt oder auf jeden Fall für viel zu optimistisch erklärt. Doch der HSV hat an das Tor zu Europa angeklopft, hat eine gewisse „internationale Euphorie“ entfacht und konnte gegen die Geister, die er damit rief, nicht anspielen. Da wurden gewisse Erwartungen geweckt, die diese Mannschaft, die zwar durch und durch mit Nationalspielern aller Herren Länder besetzt ist, die aber dennoch bei weitem nicht die Klasse von Bayern München, Borussia Dortmund, Leverkusen und auch Schalke 04 hat, nicht in die Tat umsetzen konnte. Der HSV ist der Spitzenreiter der Bundesliga-Mittelmäßigkeit. Und aus der gilt es in der nächsten Saison herauszukommen. So einfach ist das.

Der Unterschied zu Bayer Leverkusen, machen wir uns nichts vor, war schon eklatant. In der Werkself viele, viele Klasse-Spieler, beim HSV etliche solide Kicker, die aber höchsten Ansprüchen nicht gerecht werden. Die Statistik des Spiels spricht eine klare Sprache: 15:14 Torschüsse für Leverkusen, 6:2 Ecken für den Sieger des Spiels, 13:12 Flanken und 52:48 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Bayer. Auch die meisten Ballkontakte hatte ein „Roter“: Carvajal hatte 85, der beste Hamburger hatte 73, und das war Heiko Westermann. Reinartz war mit 73 Prozent gewonnener Zweikämpfe der beste Mann, Petr Jiracek brachte es als bester Hamburger auf 63 Prozent.

Erschwerend kommt hinzu, dass der HSV in der Torstatistik die Null stehen hatte, und Leverkusen eine eins. Und ich schließe mich der Rede von Bundesliga-Profi Nummer 001, Harry Bähre, an, der bei „Matz ab live“ gesagt hat: „Machen wir uns nichts vor. Wenn wir nicht einen überragend haltenden Nationaltorwart zwischen den Pfosten gehabt hätten, dann hätten wir 0:3 oder 0:4 verloren. Rene Adler hat uns lange Zeit mit großartigen Paraden im Spiel gehalten.“ Bei der Gelegenheit, lasst mich schnell einmal abschweifen: Ich danke Harry Bähre und auch den ehemaligen HSV-Stürmer Klaus Fock für ihre Gastrolle bei „Matz ab live“, beide Herren haben ihre Sache ausgezeichnet gemacht – vielen, vielen Dank nochmals dafür, das hat viel Spaß gebracht.

Zurück zum Spiel: Der HSV hatte, das müssen auch diejenigen anerkennen, die bis zuletzt von einem HSV-Sieg geträumt hatten, keine hundertprozentige Tormöglichkeit in diesem Spiel. Keine. Und wenn das so ist, dann kann man natürlich nicht gewinnen. Nein, nein, der Unterschied zwischen dem Tabellendritten und dem Tabellensiebten war riesig – und viel, viel größer, als es der Unterschied auf den ersten Blick erkennen lässt.

„Wir müssen uns punktuell verstärken und weiterentwickeln. Nächste Saison wollen wir den Schritt machen. Der HSV gehört nach Europa, aber wir wollen Schritt für Schritt gehen“, sagte Trainer Thorsten Fink nach dem letzten Saisonspiel. Natürlich sagt er so etwas. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass er Europa abgelehnt hätte, wenn der HSV, sein HSV, wegen „unreiner Gangart“ schon ein, zwei Schritte schneller gegangen wäre – und jetzt schon international geworden wäre. So aber bleibt einem Trainer ja gar nichts anderes übrig, als von „Schritt für Schritt“ zu sprechen. Und im Prinzip ist ja auch nicht viel dagegen zu sagen, denn der HSV hatte ja vor zwei Jahren angekündigt, dass der Umbruch vollzogen wird, und dass nun zunächst ein paar magere Jahre kommen werden. Gespannt bin ich nur darauf, ob die Erwartungen der Fans – und auch die des Trainers – am Ende der nächsten Spielzeit dann auch tatsächlich erfüllt worden sind. „Der HSV gehört nach Europa, aber wir wollen Schritt für Schritt gehen.“ Und: „Wir wollen diesen nächsten Schritt nun machen.“ Das hört sich großartig an, ein wenig hanseatisch, ein wenig pathetisch – aber wer gibt die Garantie, dass es so wird? Oder ist es in einem Jahr dann doch eher so, dass man – als Fan – dann wieder die eine oder andere Ausrede hört (nicht nur vom Trainer) – getreu dem Motto: „Was stört mich mein Geschwätz aus dem Mai 2013?“

Abwarten. Mehr bleibt nicht.

„Wir haben alles gegeben, wir haben großartig gefightet, aber es hat nicht gereicht. Die Mannschaft hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr gut gespielt, aber wir müssen in Zukunft mehr Konstanz bekommen. Trotz allem bin ich davon überzeugt, dass wir eine ordentliche Saison gespielt haben“, bilanzierte Fink.

Heiko Westermann und Marcell Jansen betonten unisono: „Die Europa League haben wir nicht gegen Leverkusen verspielt, sondern vorher.“ Stimmt. Westermann, der für mich einmal mehr bester Mann war (neben Rene Adler), sagte auch: „Mit einer so miesen Heimbilanz wie wir sie haben, wäre es ein kleines Wunder gewesen, wenn wir es nach Europa geschafft hätten.“ Stimmt auch. Rafael van der Vaart schien nicht unzufrieden mit Platz sieben: „Wenn man sich gerade noch vor dem Abstieg gerettet hat, nach drei Spieltagen ohne Punkt schon wieder als Abstiegskandidat gilt, und wenn man dann am Ende Siebter wird, dann muss man zufrieden sein. Obwohl wir natürlich auch ganz nah dran waren, nach Europa zu kommen – und das eigentlich ja auch schaffen wollten.“

Immerhin, und das macht mir tatsächlich Mut, hat Thorsten Fink erkannt, dass er mehr Qualität in seine Mannschaft bekommen muss. Und, um ehrlich zu sein, eigentlich darf es nicht nur bei einem Innenverteidiger und einem Stürmer bleiben. Es fehlt viel mehr. Natürlich auch das nötige Kleingeld, das ist schon klar, aber es fehlt wohl auch an jenen Experten, die überall auf dieser Welt Ausschau für den HSV halten, wo es noch preiswerte Talente zu holen gibt. Auch daran hat es lange, lange, sogar jahrzehntelang, gemangelt. Andere Vereine sind da weiter. Viel weiter, sehr viel weiter sogar. Auf diesem Feld muss der HSV nicht nur aktiver, sondern ganz einfach auch viel, viel besser werden. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass ein Mann wie Hakan Calhanoglu, der nun vom KSC kommen wird, diesem HSV sehr gut tun wird. Der junge Karlsruher hat, ganz nebenbei bemerkt, Platz vier mit 17 Treffern in der Torschützenliste der Dritten Liga belegt – mit natürlich sehr vielen Elfmetern, aber 17 ist schon eine tolle Zahl. Und noch einmal nebenbei: St. Paulis Daniel Ginczek, den viele HSV-Fans nun gerne im Volkspark gehabt hätten, schoss heute sein 18. Saisontor. Jetzt wird er wohl aber beim 1. FC Nürnberg landen . . .

Aber gut, es wird sich sicherlich auch beim HSV etwas tun, auch wenn zurzeit noch niemand weiß, was. Gut Ding will Weile haben. Traditionell kommt der HSV – natürlich auch wegen des fehlenden Geldes – eher spät auf (Einkaufs-)Touren. Fest steht für mich aber, dass nicht nur etwas getan wird, sondern auch etwas getan wird. Getreu dem Motto: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Obwohl ich zuletzt, in etwa in den letzten drei Wochen, so bei mir gedacht habe, dass sich der HSV in Sachen Einheit doch etwas gefangen hat. Irgendwie wirkte diese Mannschaft kompakter auf mich, als in den Wochen und Monaten zuvor.

Ob das an Petr Jiracek gelegen haben kann? Ich weiß es nicht, aber mir war so, als hätte der wuselige Tscheche diesem HSV-Team sehr, sehr gut getan, auch wenn viele (Experten) noch immer der Meinung sind, dass der HSV-Jiracek noch immer nicht mit dem EM-Jiracek vergleichbar ist. Ich denke aber, dass der Mittelfeldkämpfer mit dem lockigen Haar viele Zweikämpfe bestreitet, keinem Duell aus dem Wege geht, dass er hart, gelegentlich auch überhart zur Sache geht – und dass er deshalb auch ein ganz wichtiger Stabilisator (geworden) ist. Ein Mann nämlich, der zur Sache geht und zur Sache kommt, steht diesem HSV besonders gut zu Gesicht, denn was ich im hinteren Defensivbereich teilweise tut oder getan hat, das erinnerte doch zeitweise an einen „Streichelzoo“: Nur keinem Gegenspieler mal aus Versehen auf die Stöcker klopfen, das könnte dem ja wehtun . . . Bei der Gelegenheit muss ich daran denken (und darüber schmunzeln), was Rene Adler vor dem Leverkusen-Spiel noch laut gesagt hat: „Der Gegner muss wissen, dass es gegen uns wehtut.“ Kein Gegner hatte das in den 33 Spielen zuvor gewusst, nicht mal geahnt hat er es. Und wenn Adler in diesen 34 Spielen nicht mindestens 20 „Unhaltbare“ noch gehalten hätte, dann stünde diese HSV-Defensive in einem noch viel schlechteren Licht, als das jetzt auch schon der Fall ist – mit 53 Gegentreffern.

Was mir noch – zuletzt – an diesem HSV aufgefallen ist: Thorsten Fink hat in den letzten Spielen 90 Minuten am Rand gestanden und alles gegeben. Der Mann hat gebrüllt, geschimpft, gemeckert, motiviert, angetrieben, geordnet und dirigiert – wie ein ganz, ganz Großer. Herbert von Karajan war gegen ihn ja nur ein Taschenspieler. Fink ist aufgegangen in seinem Job – das war 100 Prozent HSV. Der Mann wollte. Und er will jetzt sicher immer noch. Nämlich besser werden – mit seiner Mannschaft. Er hat den Biss, er hat jetzt den nötigen Biss, den dieser Verein braucht, damit er sich weiterentwickelt. Endlich einmal so richtig weiterentwickelt. Dazu wird ein Trainer benötigt, der beißt, der Leidenschaft zeigt.

Übrigens:
Die Nummer eins im Norden sind wir. Die Nummer eins im Norden ist in diesem Jahr wieder der HSV.

Ein kurzer Blick noch zum letzten Spieltag dieser 50. Bundesliga-Saison: Die Tränen, die Jupp Heynckes in Mönchengladbach nach dem 4:3-Sieg der Bayern vergossen hat, weil ihn die Borussen-Fans in seiner alten Heimat so sehr gefeiert hatten, die haben diesen Mann – für mich – nur noch sympathischer werden lassen.

Und dann war da noch Düsseldorf. Trainer Norbert Meier hatte vor dem Spiel in Hannover immer wieder betont: „Ich habe gesagt, dass wir nicht absteigen, also werden wir auch nicht absteigen.“ Nun ist die Fortuna doch noch ein wenig abgestiegen, was ich für schade halte, aber Meier sagt fast schon trotzig: „Ich werde in Düsseldorf bleiben, etwas anderes stellt sich für mich nicht.“ Er wird vielleicht in Düsseldorf bleiben, nämlich wohnen, aber Fortuna-Trainer? Da würde ich mich festlegen, dass das nicht passiert wird. Das wäre noch so ein Wunder. Wie das, was da am letzten Tag noch mit Hoffenheim passiert ist. Die waren doch schon seit Monaten weg . . .

PS: Morgen, am Pfingstmontag, spielt der HSV noch einmal, und zwar in Meldorf (Anstoß 14 Uhr). Und wer dorthin nicht fahren möchte, dem sei das Hamburger Oddset-Pokalfinale an der Hoheluft ans Herz gelegt, dort stehen sich um 16 Uhr der Regionalliga-Vertreter SC Victoria und Hamburgs Oberliga-Meister FC Elmshorn gegenüber.

PSPS: Die „Zweite“ des HSV hat die Regionalliga gehalten, denn die Mannschaft von Trainer Rodolfo Cardoso holte heute mit einem 2:2 (HSV-Tore: 1:0 George Kelbel und 2:1 Fabian Graudenz) gegen Wilhelmshaven den einen Punkt, der noch zur Rettung benötigt wurde.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass es so mit dem Klassenerhalt tatsächlich auch stimmt, man weiß das in dieser Liga ja nie so genau, denn was sich da mit der Insolvenz von Oberneuland getan hat (oder besser: getan wurde), ist in meinen Augen – gelinde gesagt – unmöglich. Aber okay, ich will mich damit nicht auch noch befassen (oder mich einmischen), für mich steht aber fest, dass mit einer so späten Insolvenz „gespielt“ – und vielleicht auch ein wenig mehr als das – werden könnte. Dass der Norddeutsche Fußball-Verband so urteilt, der Deutsche Fußball-Bund wohl anders urteilen würde – das ist für mich ein Hammer. Aber nun langt es auch.

Ein schönes Pfingstfest noch weiterhin für euch und eure Lieben.

18.41 Uhr

Der HSV nimmt die Rolle des Jägers an!

12. Mai 2013

Geht es euch nicht auch so? Ich muss immer an „Troche“ denken. Ihr doch sicher auch, oder? Piotr Trochowski, der „kleine Dribbelkünstler“ und sein Tor in Frankfurt. Man schrieb damals in Deutschland die 90. Minute im Hessenland, es stand zwischen der Eintracht aus Frankfurt und dem HSV 2:2, und dann hob der Fußball-Gott die Abseitsregelung auf – und „Troche“, unsere aller „kleiner Dribbelkünstler“, gerade noch im Abseits stehend, zog mutig und beherzt ab. Drin das Ding. Und drin der Fisch. Der HSV spielte doch noch Europapokal, Europapokal, Europapokal, Europapokal, Eu-roo-paa-poooo-kaaaaaal . . . Das kann doch kein Zufall sein. Das ist ein Zeichen. Ganz bestimmt. Wieder Frankfurt. Wieder der letzte Spieltag. Wieder muss ein Sieg her – und Frankfurts Niederlage. Doch wo ist der „kleine Dribbelkünstler“? Daran könnte es natürlich noch scheitern, aber ich gehe nicht davon aus. Das wird was. Ihr werdet sehen. Dieser 4:1-Sieg des HSV gegen Hoffenheim hat Langzeitwirkung – und entwickelt sich erst noch. Eine Woche lang, und dann versinkt Hamburg im Freudentaumel. Nächsten Sonnabend, so gegen 17.20 Uhr . . .

„Ich habe schon die verrücktesten Dinge am letzten Spieltag gesehen“, sagte Trainer Thorsten Fink in Sinsheim – und sprach mir dabei so aus dem Herzen. Was gab es nicht schon alles? Die reinsten Kopfstände gab es da schon. Und fragt mal nach bei Otto Rehhagel. Von wegen 12:0 und so. Nein, nein, da kann es doch durchaus passieren, dass die auswärtsstarken Wolfsburger in Frankfurt gewinnen, und der heimstarke HSV, der nur nicht an Fürth, Augsburg und Freiburg denken darf, gegen die nicht ganz so schlechten Leverkusener gewinnt. Das ist ja nicht unmöglich, das wäre ja nicht einmal in der Nähe eines Fußball-Wunders. „Wir haben jetzt viel zu gewinnen und überhaupt nichts zu verlieren. Und vielleicht sind wir in der Jägerrolle besser“, sagte Thorsten Fink auch noch, und ich würde ihm sagen: „Natürlich. Natürlich und absolut liegt dem HSV die Jägerrolle, ganz klar. Eindeutig. Die andere Art von Fußball, nämlich von oben herab spielen, das lag dem HSV ja zuletzt nicht so . . .“

Obwohl – Sinsheim hat ja eigentlich gezeigt, dass der HSV auch von oben herab . . . Mit einer, das ist nun kein Spaß, mit einer erstklassigen Leistung, mit einem konzentrierten und disziplinierten Spiel. Und diesmal hatte ich das Gefühl, dass da eine Mannschaft versucht, das Unmögliche doch noch wahr werden zu lassen. A wurde sich gegenseitig geholfen und motiviert, sodass ich mir gedacht habe: „Menschenskinder, und jetzt, wo sie es halbwegs kapiert haben, da ist die Saison zu Ende. Ein Jammer das.“ Immerhin sagte Thorsten Fink in einem ersten und ganz kurzen Resümee: “Die Saison war und ist jetzt schon mal gut, denn in der letzten Saison wären wir fast abgesteigen, und nun stehen wir auf dem siebten Tabellenplatz – udn wir können nun am letzten Spieltag noch den Sprung nach Europa schaffen.” Das ist doch was! Aber genau. Ich sage dazu schon einmal vorab: “Herzlichen Glückwunsch, Thorsten Fink, gut gemacht.”

Aber – was lehrt uns nun dieser 4:1-Sieg? Ein Wort rückte sich in mir während des Spiels gegen Hoffenheim stets zurecht: punktuell. Carl-Edgar Jarchow, der total verärgerte HSV-Chef (weil der NDR die Sache mit den 24 Mios als kleines Minus rausgehauen hat!), hat ja in der vergangenen Woche gesagt, dass es „keinen Schnitt“ geben wird (beim HSV), sondern dass man sich „punktuell“ verstärken wird. Und das wird genügen. Behaupte ich mal. Kemer Demirbay und Hakan Calhanoglu sind schon da, und wenn nun noch ein „ordentlicher“ Innenverteidiger (vom Typ „Kante“) käme, und ein Brecher wie zum Beispiel St. Paulis Torjäger Daniel Ginczek, dann wäre das schon okay. Natürlich, ich höre und lese es schon, natürlich, da liegt ihr ja nicht so falsch, natürlich könnten auch Rooney, Messi und Ronaldo passen, aber ob man an diese Jungs so billig rankommt? Da habe ich doch meine Zweifel. Leichte, aber sie sind doch schon da. Und noch einmal zu Ginczek. Mein neben mir sitzender Kollege sagte heute während des Spiels neben dem Dom-Platz: „Wenn der HSV nicht geschlafen, sondern den Zambrano und den Kruse im Sommer 2012 mit der U- und der S-Bahn geholt hätte, dann gäbe es heute gar keine Frage mehr, ob sich der HSV noch für Europa . . .“
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?
Und der HSV sucht doch einen Brecher. 17 Tore in der Zweiten Liga sind ja auch nicht ganz so schlecht, die muss man mal erst machen.

Kurz noch einmal zu Carl-Edgar Jarchow. Der Boss freute sich nach dem 4:1-Erfolg und sagte: „Jetzt haben wir ein kleines Finale. Nach dem Verlauf der vergangenen Wochen habe ich das nicht mehr erwartet.“ Der FDP-Politiker glaubt auch, so meldete es die Agentur, dass die Wirtschaftsbilanz zum Saisonende nicht so verheerend wie befürchtet ausfallen werde. Wobei zu diesem Thema immer wieder auch aus der Mitgliedschaft zu hören ist, dass das stimmen mag (und kann). Nämlich dann, wenn der Vertrag mit dem Vermarkter Sportfive doch verlängert wird. Dann steht eine Summe von elf Millionen Euro für den HSV im Raum – und die würde dann ja schnell mal helfen (und etwas ausgleichen) können. Mal abwarten, in welche Richtung sich das alles so bewegen wird. Obwohl, wenn ich so ganz genau nachdenke, dann ist mir so, als hätte ich vor ein, zwei oder drei Jahren gehört, dass der HSV sich künftig selbst vermarkten wolle – und auf Sportfive verzichten wollte. Das hat mir vor langer, langer Zeit schon mal der eine oder andere Offizielle ganz inoffiziell gesagt, aber man kann seine Meinung natürlich auch mal ändern. Keine Frage. Alles legitim. Wenn es zum Wohle es HSV ist.

Zurück nach Sinsheim. In Gedanken. “Wenn wir jetzt doch noch den europäischen Startplatz erreichen sollten, dann interessiert niemanden, ob wir zwischendurch mal schlecht gespielt haben, on es zwischendurch mal ein Auf und Ab oder ob es Höhen und Tiefen gegeben hat. Dann sind wir einfach da”, sagte Nationaltorwart Rene Adler. „Das lief richtig gut.“, sagte Marcell Jansen und dachte (bei Liga total) schon mal sieben Tage weiter: „Es liegt jetzt nicht mehr in unserer Hand, aber wir werden versuchen, das Heimspiel gegen Leverkusen zu gewinnen. Wolfsburg ist im Moment auch gut drauf und sie wollen sicher in Frankfurt gewinnen. Wir werden sehen, was sich der liebe Fußballgott für uns ausgedacht hat . . .“ Aber genau. Und Rafael van der Vaart befand bei „Liga total“: „Die Ergebnisse waren diesmal gut für uns. Wir mussten gewinnen – es wird noch spannend am letzten Spieltag. Hoffentlich gewinnen wir wieder – und die anderen nicht.“ Wie gesagt (und geschrieben): Die Hoffnung stirbt am letzten Spieltag.

Wobei zum Hoffenheim-Ausflug des HSV auch noch eines bemerkt werden darf: Markus Gisdol, der junge und erstliga-unerfahrene TSG-Trainer, war dem HSV schon auch ein bisschen sehr entgegengekommen. Ich dachte so während des Spiels an Joachim „Jogi“ Löw, der während der letzten EM ja auch – vor dem Italien-Spiel – gedacht hat, dass er schon so weit ist, dass er mit der ganzen Fußball-Welt spielen könne. Und heute dachte ich während der Partie St. Pauli – Eintracht Braunschweig an den BTS-Coach Lieberknecht, der ja auch nur, als Dank (denke ich) an seine Aufstiegs-Reservisten, die etwas verbesserte B-Mannschaft auf das Millerntor geschickt hatte. Glückes Geschick. Gisdol, der Hoffenheimer, hatte wohl nach den jüngsten Erfolgen unter seiner Regie gedacht, dass die Bundesliga an sich ein ganz einfaches Geschäft sei. Er baute auf den unerfahrenen Stefan Thesker, der hinten verteidigte (für US-Nationalspieler Fabian Johnson), und er baute in der Innenverteidigung auf den erst 17 Jahre alten Niklas Süle, der bei seinem Erstliga-Debüt den gesperrten Vestergaard. Vertrat. Beide TSG-Youngster aber stürzten (ihre Mannschaft) von einer Verlegenheit in die nächste. Jetzt werden sie in Sinsheim wohl wissen, dass Bundesliga doch nicht ganz so leicht ist.

Dabei fällt mir just ein, wie wohl Paul Scharner jetzt darüber denkt. Über die Bundesliga. Der Österreicher. Der ja nur vom HSV auf die Insel ausgeliehen wurde. Scharner hat es nun allen Hamburgern bewiesen, dass man auch mit der Raute (im Herzen) einen Pott gewinnen kann. Keinen ganz so unwichtigen. Den englischen FA-Cup, der immerhin im Wembleystadion ausgespielt wird. Scharner spielte mit Abstiegskandidat Wigan gegen das große Manchester City und gewann 1:0. Und damit den Pokal. Sensationell. Wobei City ja mit keiner „Gurkentruppe“ spielte, sondern mit: Hart – Zabaleta, Kompany, Nastasic, Clichy – Barry, Yaya Touré – Nasri, Tevez, Silva – Aguero. Der in Dortmund gehandelte Edin Dzeko wurde in der 90. (+ 1) erst eingewechselt – da hatte Watson gerade für das einzige Tor des Tages gesorgt. Übrigens spielte Scharner in der Dreierkette von Wigan, hinten zentral. Und die Null stand hinten.
Ich meine ja nur. Weil der HSV doch einen Innenverteidiger sucht.

PS: Die Regionalliga-Mannschaft des HSV hat gegen Spitzenreiter Holstein Kiel ein achtbares 0:0 erzielt und damit einen kostbaren Punkt gewonnen. Glückwunsch. Und wenn die Agentur es richtig berichtet (oder es der „Matz-abber“ „Wortspieler“ vielleicht doch besser weiß), dann hat die A-Jugend des HSV im letzten Spiel der Saison beim Tabellenvorletzten Chemnitzer FC mit 1:4 verloren, steht aber zum Saisonende auf dem zehnten Tabellenplatz.

PSPS: In eigener Sache. Hier steht am Tag nach dem HSV-Spiel . . .
Diese Passage habe ich am Montag gelöscht, denn “Matz ab live” steht nun drin. Vielen Dank an die Techniker, die daran Tag und Nacht gearbeitet haben.
Holger Hieronymus (HSV-Profi, -Sportchef und – Trainer, Europapokal-Gewinner 1983, Nationalspieler und DFL-Geschäftsführer) war unser ganz besonderen Gast – es lohnt sich, dieses Interview noch einmal anzusehen.

Übrigens gab es diesmal eine große Anzahl von Fragen, die uns per Mail geschickt wurden, die aber während der Sendung nicht alle beantwortet werden konnten. Deshalb hier noch einige Ergänzungen, die gleich kommen werden. Eines muss ich aber im Namen von Holger Hieronymus noch sagen, weil es ja sofort viele Sepkulationen und Vermutungen um seine Person gegeben hatte. Der ehemalige Nationalspieler sagte mir: “Um Missverständnissen vorzubeugen, ich werde zu 100 Prozent nie wieder HSV-Sportchef und ich werde auch nicht in den Aufsichtsrat gehen, nicht wechseln und auch nicht wählen lassen. Das ist hundertprozentig. Bevor mir unterstellt wird, dass ich mich mit dieser Sendung bei ‘Matz ab’ ganz einfach mal so positionieren wollte. Das war zu 100 Prozent nicht der Fall.” Letzteres kann und muss ich bestätigen, “HH” sollte schon lange mal unser Matz-ab-Gast sein, wenn er sich damit und dadurch hätte positionieren wollen, hätte er es schon vor Monaten tun können.

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob der HSV an Frank Arnesen als Sportchef und an Thorsten Fink als Trainer festhalten sollte: “Das ist eine wirklich schwere Frage, denn ich kann nicht beurteilen, wie man beide miteinander arbeiten. Das kann man auch nicht nur daran festmachen, welche Ergebnisse man an den Wochenenden sieht. Zur Arbeit von Sportchef und Trainer gehören auch Dinge, die kein Außenstehender sieht und beurtelen kann. Arnesen muss zum Beispiel Kontakte pflegen und halten, mit der Blickrichtung auf neue Spieler, Spielerberater. Genau so ist es auch bei Thorsten Fink, der hat Aufgaben, die ein Fan oder Außenstehender nicht sieht und deswegen auch nicht beurteilen kann.”

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die HSV-Statuten nicht 60 000 Mitglieder entmündigen, denn es gibt keine Briefwahl: “Ich bin nicht für die Briefwahl. Ganz klar. Und wenn dann gesagt wird, wir können nicht zur Mitgliederversammlung kommen, dann frage ich: Was treibt eigentlich Menschen in einen Verein, wenn er nicht zweimal im Jahr zur Mitgliederversammlung kommen kann? Bei der Versammlung werden nun einmal wichtige und maßgebliche Maßnahmen für den Club getroffen, und das wird über Wochen und ganz genau vorbereitet – so etwas kann man auf dem Postwege nicht erledigen.”

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die Philosophie beim HSV schon über Jahre fehlt (außer Sparen und Platz zehn als Vorgabe): “Man muss die Zeile, die man sich steckt, ja auch erreichen können. Es macht ja keinen Sinn zu sagen, dass man sich die Ziele einfach mal ein bisschen höher stecken sollte. Nach dem Motto: ‘Diese Ziele können wir zwar nicht erreichen, aber wir stecken sie trotzdem mal hoch.’ Das bringt in meinen Augen nichts.”

Dann kamen noch weltbewegende Fragen wie diese eine: “War das Steak durch oder medium?” Dazu sei noch kurz angemerkt: Niemand von uns, auch Holger Hierinymus nicht, hat an diesem Tage, also an diesem 11. Mai 2013, ein so herrliches Block-House-Steak gegessen. Leider. Dabei liebe ich es so sehr, es gibt nichts Besseres! Aber wir waren alle noch zu satt vom Mittagessen (im Hause). Auf die nun dazu aufkommenden neuen Fragen möchte ich jedem zugestehen: “Jawoll, ich bin zu blöd.” Daqs gilt für mich, für die anderen Mitstreiter möchte ich das lieber nicht sagen. Obwohl auch sie nichts gegessen hatten . . .

Bei der Gelegenheit: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.59 Uhr

Jarchow: “Es gibt keinen großen Schnitt”

6. Mai 2013

Der nächste Umbruch kommt bestimmt. Und: Neue Männer braucht der Club. Immer und immer wieder, aber eben auch in diesem Jahr. Thorsten Fink, Trainer des HSV, hatte schon in der vergangenen Woche darauf hingewiesen. Das war vor dem müden 1:1 gegen Wolfsburg. Nach dem müden1:1 gegen Wolfsburg kündigte der Coach nun erneut an: „Wir müssen konsequent sein, müssen einen Schnitt machen. Wir brauchen Spieler, die mitziehen und Gras fressen für den Verein.“ Keine Angst, ihr lieben Tierschützer, damit seine keine Kühe gemeint, sondern neue Profis, die den HSV endlich einmal konstant nach vorne bringen sollen. Ich persönlich habe mich schon in der vergangenen Woche darüber gewundert, dass Thorsten Fink neue Spieler – öffentlich – gefordert hat, weil doch jeder weiß, dass der HSV kein Geld in der Kasse hat, aber gut, man kann sich ja mal wiederholen. Club-Chef Carl-Edgar Jarchow sagte dazu heute: „Ja gut, der Trainer kann ja neue Spieler fordern, das ist sein gutes Recht. Es wird aber keinen großen Schnitt geben, das ist bekannt. Wir werden in erster Linie versuchen, unseren Kader zu reduzieren, und den Kader dann punktuell zu verstärken – aber wir werden grundsätzlich keinen großen Schnitt machen.“
Oh wie schaaaaaddddeeeeeeeeeee!

Was soll denn nun schon wieder aus den vielen Gerüchten werden, die jetzt im Umlauf sind? Die Agentur (SID) schickte heute folgenden Absatz in die fußballerische Umlaufbahn:

„Fink wünscht sich für den nächsten Anlauf nach Europa in der kommenden Saison einen großen, robusten Stürmer, der in der Spitze auch einmal den Ball halten und geschickt verteilen kann. Im Gespräch sind Andreas Cornelius (FC Kopenhagen) und Amido Balde (Vitoria Guimaraes). Laut Informationen des italienischen Fernsehsenders Sky Sport 24 hat der HSV seine Fühler auch nach dem ehemaligen Barca-Angreifer Bojan Krkic ausgestreckt. Der dribbelstarke, mit 1,70-Meter-Körpergröße aber eher kurz geratene Offensivspieler ist derzeit vom AS Rom an den AC Mailand ausgeliehen. Fink und Arnesen sollen sogar schon zu Gesprächen nach Italien gereist sein. Für die wacklige Innenverteidigung könnte Lori Cana (Lazio Rom) ein Kandidat sein. Als Zugänge stehen bisher nur die Talente Hakan Calhanoglu (Karlsruher SC) und Kerem Demirbay (Dortmund) fest.“

Namen sind ja Schall und Rauch, aber mir fehlen da noch einige Namen mehr: Melchior Meier aus Dassendorf, Sascha Schmidt aus Wedel, Peter Petersen aus Buxtehude, Sören Schulz aus Tornesch, Norbert Neumann aus Glinde und Max Merzbach aus Travemünde. Um nur mal einige Namen zu nennen. Wobei ich denke, dass meine Namen doch etwas sinnvoller sind, weil diese „Kracher“, die die Scouting-Abteilung Ochsenzoll „ausgegraben“ hat, für den notorisch klammen HSV noch alle zu bezahlen wären. Mich wundert immer wieder, wie schnell sich die gesamte Öffentlichkeit über die wahren Gegebenheit beim HSV hinwegsetzt. Da werden Namen gehandelt, die allesamt vom HSV nicht zu bezahlen wären – so lange ein Heung Min Son noch nicht verkauft worden ist.

Und in diesem Zusammenhang darf ja nicht vergessen (und unterschätzt) werden: Jedes Spiel von Son ohne Tor muss ihn zwangsläufig billiger machen – wenn ihn zuletzt schon jedes Spiel mit einem Son-Tor immer teurer werden ließ. Wäre doch nur logisch. Und dann sollte eines ebenfalls Beachtung finden: Je öfter der HSV sagt, und Frank Arnesen tat es an diesem Wochenende, dass Son für den Fall, dass er nun nicht verlängert, eben verkauft werden müsse, dann macht dass den Südkoreaner auch nicht gerade teurer. Im Gegenteil. So lange ein Käufer merkt, dass der HSV einen Mann wie Son veräußern muss, um dadurch endlich mal wieder etwas Flüssiges in die Kasse zu bekommen, so lange wird dadurch auch der Preis eher gedrückt. Es sei denn, die Konkurrenz steht Schlange, um den talentierten Son zu holen – und überbietet sich von Stunde zu Stunde. Das aber ist meines Wissens zurzeit nicht der Fall.

Um noch kurz auf einen Namen zurückzukommen: „Matz-ab-Scholle“ behauptet ja steif und fest, dass an Bojan Krkic „etwas dran sein soll“. Da bin ich aber mal gespannt. Weil ich nicht weiß, wie das gehen sollte. Aber vielleicht verkauft der HSV ja auch noch den einen oder anderen „Son“ noch mehr – um dadurch das eine oder andere Milliönchen noch mehr zu kassieren. Vielleicht wird ja auch aus Robert Tesche, der zurzeit noch an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen ist, ein neuer „Verkaufs-Son“? Wer weiß es schon? HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf sagte übrigens heute zu dem Namen Krkic: „Da muss ich lachen . . .“ Und ich frage mich nun, aus welchem Grund? Muss er lachen, weil Krkic zu teuer und damit unerschwinglich wäre? Oder lacht er, weil der HSV dabei ertappt worden ist, wie er versucht, einen „ganz dicken Fisch“ an Land zu ziehen?

Um noch mal auf das Wolfsburg-Spiel zu kommen. Thorsten Fink befand zum Spielausgang: „Es gab ein gerechtes Unentschieden. Wir hatten sieben neue Leute in der Mannschaft, so war es schwierig, die Automatismen rüber zu bringen. Beide Teams haben mit offenem Visier gekämpft und wollten den Sieg. Vom Kämpferischen her war ich zufrieden, spielerisch brauchen wir nicht lange reden, das war nicht so gut von uns. Natürlich wird es jetzt immer schwieriger mit Europa. Wir sind zwar auf einem gutem Weg, uns zu stabilisieren, wir sind so aber noch nicht reif für die Europa League.“ Und ergänzend sagte Fink: „Wir wollen den HSV ganz nach vorne bringen, aber das geht nur mit Kontinuität.“

Wenn wir uns nun mal die Tabelle so anschauen, der HSV auf Platz sieben. Was sagt uns das? Eigentlich ganz okay, es ist auf jeden Fall mit den Zielen, die einst im Sommer 2012 festgelegt wurden, vereinbar. Und dennoch. Nur mal die Spiele gegen Fürth, gegen Augsburg, gegen Freiburg und jetzt gegen Wolfsburg genommen – und da immer einen Dreier für den HSV. Das wären zehn Punkte mehr – bei einem Heimsieg. Und Platz vier. Hätte, wenn und aber. Aber es ist doch so. Gegen diese vier Gegner hattet ihr doch alle (?) einen Heimsieg „eingeplant“. Und dann teilweise solche Grottenkicks. Nicht auszuhalten eigentlich. Eigentlich. Heute traf ich mehrere HSV-Fans – private Leute. Einer sagte mir: „Ich war nun nach längerer Zeit mal wieder dabei, und nun weiß ich wieder mal, warum ich vorher so lange nicht dabei war. Es lohnt sich ganz einfach nicht. Da kann ich bei meinem Verein um die Ecke besseren Fußball sehen, garantiert . . . Hier ist das alles nur auf Zufall aufgebaut.“ Und der andere war mein Kollege Sascha. Der sagte mir: „Jahrelang habe ich mir meine Dauerkarte gekauft, aber das ist nun wirklich vorbei. Das ist kein Fußball mehr zum Verlieben, das, was der HSV spielt, ist Fußball zum Weglaufen. Ich will ja kein Niveau wie es Barca oder der FC Bayern haben, ich möchte nur guten Fußball, aber den sehe ich hier nicht mehr. Ich ärgere mich nur noch, wenn ich das Stadion verlasse, und das will ich mir jetzt nicht mehr antun. Es ist vorbei.“

Carl-Edgar Jarchow zu diesem Thema: „Enttäuscht war ich nach dem 1:1 nicht, denn wir können uns ja gar nicht beklagen. Wolfsburg hat hier über weite Strecken gut gespielt.“ In der Tat. Und hatte Chancen. Der Niederländer Dost hätte „Torschützenkönig“ der Bundesliga werden könne, wenn er alle seine Möglichkeiten genutzt hätte – er nutzte zum Glück für den HSV nicht eine. Jarchow gab dann insgesamt zu: „Enttäuscht bin ich in der Tat über die Spiele gewesen, die wir teilweise vorher abgeliefert haben. Da fehlte am Ende vielleicht auch ein wenig Qualität, das weiß ich nicht. Vielleicht auch ein bisschen Mentalität, aber das werden wir dann ja am Ende der Saison genau analysieren und dann unsere Schlüsse daraus ziehen.“ Der HSV-Boss weiter: „Wir sind jetzt auf Platz sieben, und ich wäre nach den ersten drei Spielen dieser Saison heilfroh gewesen, wenn mir einer gesagt hätte, dass wir am Ende der Saison auf sieben stehen würden. Ich mache es nicht mit, die ganze Saison nun schlecht zu reden, aber sicherlich ist es so, dass die Konstellation mit den vielen Chancen, die wir gehabt haben, doch noch unter die ersten sechs Club zu kommen, eine Enttäuschung mit sich bringt, dass wir es dann doch nicht geschafft haben.“
Obwohl es ja theoretisch noch möglich wäre, theoretisch . . . Ich glaube da nicht mehr dran.

Ganz kurz noch zur Statistik des Wolfsburg-Spiels, weil ich weiß, dass einige User die ganz gerne mal lesen:

Torschüsse 19:15 für den VfL, Ecken 9:4 Wolfsburg, Flanken 11:10 HSV, Ballkontakte 51:49 Wolfsburg, 51:49 Prozent gewonnene Zweikämpfe für den VfL, 20:15 Fouls VfL und 4:1 Abseits Wolfsburg. Die meisten Ballkontakte: Slobodan Rajkovic (80), Rodriguez (74). Die Zweikampstärksten: Rajkovic (85 Prozent), Naldo (72).

Was mir persönlich an diesem Spiel gefiel (ja, das gibt es auch noch!): Als der Wolfsburger und ehemalige HSVer Ivica Olic in der 64. Minute ausgewechselt wurde, gab es herzlichen Applaus von allen Tribünen – von den Hamburgern. Die vergessen eben nie, wer sich mal für den HSV den Hintern aufgerissen hat – und wer nicht. Sollten sich vielleicht mal alle jetzigen HSV-Profis merken.

PS: Und dann gab es da vom „scorpion“ einen Beitrag, den viele andere „Matz-abber“ gelobt haben. Deswegen sei er hier nun noch veröffentlicht:

„Moin zusammen.
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Zu „Matz ab live“:
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Tobias Homp war meiner Meinung nach seit langem ein Gast, der aufgrund seiner Fachkenntnis und verbalen Fähigkeiten zu gefallen wusste.
Der scheint nicht nur die „Raute im Herzen” zu haben, sondern, im Gegensatz zu vielen anderen, auch etwas im Kopf. Schade, dass man solche Ehemaligen nicht einbindet. Zu viel Fachwissen, zu unbequem, zu wenig familiäre Bindungen? Zu wenig Amigo?
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Auf die Frage, welche Spieler TF besser gemacht hat, wusste wohl nur der Blogvater eine Antwort – die allerdings auch nicht so recht überzeugte.
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Zum Spiel:
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Wenn TF im Training auch nur ansatzweise die Dinge im Training ansprechen und verbessern würde, die er anscheinend während eines Spiels sieht und auf Feld schreit, es würde vielleicht besser um den HSV stehen.
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Sieht er denn im Training nie,
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dass eine Diekmeier immer und immer wieder zum Spurt ansetzt, fast genau nach 50 Meter stehen bleibt, auf den Ball tritt und meist zurückspielt?
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ein kreativer Kopf wie vdV sich ständig die Lunge in vorderster Front abrennt?
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keiner, aber auch keiner sich bei eigenem Ballbesitz freiläuft, so dass der ballführende Spieler oder Torwart überhaupt nie weiß, wohin mit dem Ball?
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Einwürfe ständig erst nach gefühlten 5 Minuten, wenn alle Mitspieler gedeckt sind, ausgeführt werden?
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Schüsse aus der „zweiten Reihe”, wenn überhaupt meist nur aus Verzweiflung abgegeben werden?
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die Abwehr immer nur den ballführenden Gegner im Blick hat, aber nie die, die sich hinter dem Rücken freilaufen?
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fast nie im Mittelfeld getackelt wird, sondern Geleitschutz bis zur Torauslinie, mit Einladung zum Flanken gegeben wird?
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Es scheint nicht so.
Allerdings, dass muss man TF zugute halten, beim Fußballtennis oder 5 gegen 3, kann man das schlecht erkennen. Das sieht man erst bei Spielen auf dem Großfeld. und da reagiert er ja jedes Wochenende – mit Worten und Gesten …“

Schnell noch einmal dazu von mir angemerkt: Es sind mit Sicherheit einige recht gute Dinge angeschnitten worden, aber es ist auch sehr viel Schwarz-Weiß dabei. Das habe ich heute auch einem Fans aus dem Badischen gesagt, der nur auf den HSV schimpfte: Warum sind denn in zehn Jahren 13 Trainer verschlissen worden? Doch nicht deshalb, weil ein jeder davon eine ganz dicke Krampe war. Hamburg und der HSV ist ein ganz, ganz schwieriges Pflaster, für jeden, der sich hier versucht und versuchen darf. Die Strukturen im Verein stimmen nicht, davon gehe ich nicht ab, und das ist für mich das Grundübel des HSV 2013. So lange sich da nichts tut, so lange wird der HSV immer da stehen, wo er jetzt steht – mittelmäßig. Und ich kann dazu nur sagen: hoffentlich.

Zu einem anderen Punkt, der noch von „scorpion“ angesprochen wurde:

Mir hat das „Matz ab live“ am Sonntag auch sehr, sehr viel Spaß gemacht, denn Oliver Scheel und Tobias Homp waren traumhaft gute Gäste. Vielen Dank dafür. Zu „Hompi“ sei gesagt: Alle diejenigen, die den Mann aus Henstedt-Ulzburg kennen, die wissen natürlich, dass der „Bursche“ unheimlich viel im Kopf hat. Das ist ja schon immer so gewesen. Ein ganz schlaues Kerlchen, der „Tobi“. Felix Magath hat einmal mit seinem Mannschaftskollegen Schach gespielt, und es war – nach der Niederlage – auch zugleich das letzte Mal. Tobias Homp war früher, als Bundesliga-Profi, aber immer eher einer der Stillen im Lande, doch jetzt ist er verbal kaum noch zu bremsen. Das ist gut so. Und er gibt dabei auch stets unheimlich viele und vor allem gute Sachen von sich. Ich bin in der Tat sehr beeindruckt. Wie er Fußball erklärt und beurteilt – alle Achtung! Er erinnert mich an Thomas von Heesen . . .

PSPS: Noch einmal in eigener Sache. „Scholle“ hatte am Sonnabend von meiner Tochter als „Frau Doktor“ geschrieben, das ist aber nicht der Fall. Sie ist Tierärztin geworden, was auch schon ein langer, sehr beschwerlicher Weg ist (und auch lobenswert, wenn man es denn geschafft hat!), und wir „Matzen“ freuen uns auch alle tierisch mit ihr – aber mit falschen Federn möchten wir uns dann doch nicht schmücken. Also Tierärztin, aber keine Frau Doktor.

PSPSPS: Morgen, am Dienstag , wir um 10 Uhr im Volkspark geübt.

Und nun geht es zu “HH1″, wo Ernst-Otto Riekhoff (und ich) um 20.15 Uhr zu Gast bei der Sendung “Rasant” sein werden.

Einen habe ich dann noch, weil “Scholle” so lieb bittet – es ist sein “Baby”:

Eine recht muntere Diskussion ist inzwischen auf unserer neuen Facebookseite entstanden, deren Mitgliederzahl täglich wächst. Schon sehr bald dürfen wir wohl nach dem 100. schon das 1000. Mitglied begrüßen. Aber seht selbst auf www.facebook.com/groups/matzab

18.24 Uhr

Dann erreichte mich noch ein “Offener Brief”, den ich euch nicht vorenthalten möchte.

Offener Brief an den HSV und den FC Bayern München:

Vor wenigen Tagen gelangte die Bemerkung des HSV-Aufsichtsrats- vorsitzenden Manfred Ertel:

„FC Bayern vor nächstem Hammer-Transfer: Hoeneß zu JVA München!”,

publiziert auf seiner privaten Facebook-Seite, an die breite Öffentlichkeit und fand inzwischen auch in diversen Medien ihren Widerhall.
Die HSV-Realos sowie viele gutwillige Mitglieder und HSVer distanzieren sich von dieser stillosen Bemerkung des Vorsitzenden unseres einflussreichsten HSV-Gremiums.
Unbeschadet der Tatsache, dass derzeit offen ist, ob nach geltendem Recht die Selbstanzeige in der persönlichen Steuerangelegenheit des Aufsichtsrats- vorsitzenden des FC Bayern strafbefreiend sein wird und unbeschadet der Tatsache, dass Herr Ertel inzwischen selbst zur Erkenntnis gelangt ist, dass es in seiner herausgehobenen Funktion keine rein privaten Äußerungen zu diesem Thema geben kann, halten wir Äußerungen dieser Art grundsätzlich für sportlich und menschlich nicht anständig.
Wir sind der Überzeugung, dass Spott und Häme gegen den erfolgreichsten deutschen Fußballvereins und seinen langjährigen Vorsitzenden angesichts der überragenden sportlichen und auch wirtschaftlichen Erfolge der letzten Jahrzehnte vollkommen unangemessen sind.

Bei aller belebenden sportlichen Abgrenzung und Konkurrenz dieser beiden deutschen Traditionsvereine sind wir der Auffassung, dass Sport verbindet und hämische Bemerkungen dieser Art nur unnötige Antipathien oder gar Feindschaft auslösen können. – Dies wollen alle Unterzeichner und sicher auch die ganz überwältigende Mehrheit unserer Mitgliedschaft und Fans nicht!

Wir wünschen beiden Vereinen einen erfolgreichen Saisonabschluss und grüßen unsere Konkurrenz im Süden herzlich

Dr. Konstantin Rogalla, Tom Heinkel, Gunther Kowalewski, Manuela Gerick, Stephan F. Rebbe, Prof. Dr. Jörg Debatin, Michael Halder, Klaus-Dieter Werner, Jasmin Jansen-Sievers, Horst Becker, Ralph Behrbohm, Hans-Joachim Domanski, Heidi Dorsch, Joachim Woyke, Joachim Ulmer, Manfred Ibenthal, Wolfgang Wokel, Peter Frank, Peter Wernicke, Hans Hoh, Reinhard Hupfer, Jane Isigkeit, Gabi Weidenhagen, Gerhard Siedler, Christian Sager, Björn Meyer, Olav Appelius, Sven Ehrich, Ralf Gleitsmann, Christian Maaß, Marco Langner, Reinhard Schnieders, Maik Rautenberg, Wolfgang Suchodolski, Bjoern Spielmann, Bernd Riepen, Maciek Scharafin, Denny Reck, Dirk Schultz, Patrick Meier, Dirk Mann, Ingo la Brador, Nils Krüger, Hans Zimpel, Dennis Siggelkow, Christian Dittrich, Marco Hepe, Niki Kreymann, Marco Witt, Markus Taschendorf, Andreas Irmer, Frank Lichte, Gabriele Robel, Alexander Oest, Helmut Seifert, Heinz Georg Beneke, Volker Weichert, Tobias
Friske, Peter Morlock, Sven Haltermann, Lukasz Parobij, Piet Osswald, Marco Winterberg, Dennis Holm, Jürgen Linne, Frank Solms Nebelung, Uwe Mockenhaupt, Kilian Graubohm, Carsten Kobernuss, Frank Zenger, Uwe Krop, Michael Trautmann, Dirk Vogel, Marco Reinberg, Alex Rau, Dirk Schuran, Harry Busse, Carsten Mierswa, Stefan Hoffmann, Margarete Meyer, Frank Bamberg, Dirk Miesler, Frank Mackerodt, Ronald Weidenhagen, Jörg Hahn.

Ergänzt um 18.56 Uhr

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