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Ohne Lasogga nach Stuttgart!

21. März 2014

***AKTUALISIERT** Traurige Nachricht: Jürgen Kurbjuhn ist verstorben – Dieters Nachruf am Textende

Was will man von einem so verregneten und trostlosen Freitag schon erwarten? Nichts Gutes auf jeden Fall. Und so geschah es dann auch mittags im Volkspark: Pierre-Michel Lasogga fehlte beim Abschlusstraining des HSV, und somit wird er auch morgen im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart nicht auflaufen. Und wer jetzt vielleicht denkt, dass es bis zum Anpfiff an diesem Sonnabend um 15.30 Uhr noch Zeit ist, um ein Wunder geschehen zu lassen, den müssen wir enttäuschen: Lasogga, der genau um 14.10 Uhr gemeinsam mit Reha-Coach Markus Günther einen Lauf durch den Volkspark antrat, fliegt gar nicht erst mit der Mannschaft ins Ländle. Bitter für den HSV, der wohl mit derselben Anfangsformation beginnen wird, die zuletzt gegen den 1. FC Nürnberg startete. Und wer jetzt vielleicht mit dem Fußball-Gott hadert, dass der HSV-„Bomber“ nicht dabei sein wird, den möchten wir dann doch Jacques Zoua wärmstens ans Herz legen, denn der Kameruner schoss heute die ersten beiden Tore im abschließenden Trainingsspielchen. Das ist doch mal ein Anfang . . .

Zoua, das sei an dieser Stelle erwähnt, hat in den letzten beiden HSV-Spielen einen Aufwärtstrend erkennen lassen. Das ist schon mal positiv. Und er soll genau der Typ sein, den der HSV gesucht habe – so Thorsten Finks ersten Worte im Sommer, als er uns im Trainingslager in Österreich erklärte, weshalb er sich für eine Verpflichtung von Jacques Zoua stark mache. Ein Typ wie Paolo Guerrero, so der deutlich zu hoch gegriffene Vergleich mit einem der sportlich besseren Stürmer der letzten zehn Jahre in Hamburg. „Ich kenne ihn aus Basel und weiß, dass er riesiges Potenzial, aber einfach nur zu wenig Spielpraxis hat“, sagte Fink, der seinen damals ehemaligen und zugleich auch baldigen Angreifer anschließend in seinen fünf Spielen als HSV-Trainer 2013/2014 jeweils 90 Minuten durchspielen ließ. „Ich bin überzeugt davon, dass er uns helfen kann“, so Fink damals, während Zoua auf dem Platz in fünf Partien einmal (gegen Brauschweig) traf – aber ansonsten kaum überzeugte. So wenig jedenfalls, dass er ab dem sechsten Spieltag unter Finks Nachfolger Bert van Marwijk nur noch zwei Spiele über die volle Distanz spielte. „Das war hart“, so Zoua, „aber ich wusste, dass ich sie bekomme. Und jetzt ist sie da.“

Und Zoua nutzt sie für sich. „Er hat seine Sache sehr ordentlich gemacht“, lobte ihn der jetzigen Trainer Mirko Slomka nach dem Spiel gegen Frankfurt – und er wiederholte das Kompliment nach dem Nürnberg-Spiel. Zu recht, wie wir finden, denn Zoua hat alles eingebracht, was er einbringen konnte. „Ein bisschen mehr kann er noch in Bewegung bleiben“, merkte Slomka zwar an, aber der Rest war schon okay. Den Ball festmachen, abschirmen, ablegen und mit dem Kopf verlängern. Dazu ständig in Bewegung sein und die Innenverteidiger unter Druck setzen – es gelang größtenteils. Dass Zoua kein Knipser ist – es ist in diesem Moment zweitrangig. Denn Zoua ist alles, was der HSV momentan vorne hat. Schon zwangsläufig, nachdem Pierre-Michel Lasogga erneut ausfallen wird. „Jacques hat gute Ansätze gezeigt“, redet Slomka seinem letzten Mittelstürmer stark, „und er wird noch besser, je mehr Spiele er spielt.“ Das ist zu hoffen.


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Im Training jedenfalls ist Zoua schon deutlich aktiver. Immer wieder angetrieben von kritischen Begleitungen Slomkas wird Zoua selbstbewusster. Und er trifft. Noch zwar nur im Training, aber das kann sich ja ändern. Wobei ich ehrlich gesagt schon glücklich bin, wenn Zoua ähnlich effektiv wie gegen den FCN auftritt. Gerade auswärts ist es wichtig, beim Konterspiel vorne jemanden zu haben, der selbst viel unterwegs ist und die Bälle festmachen kann, bis die offensiven Mittelfeldspieler nachrücken. Denn, und so scheint es auch Slomka zu sehen, das Toreschießen können hinter dem Kameruner die Profiteure Ilicevic, van der Vaart und natürlich Hakan Calhanoglu übernehmen.

Oder auch ein Westermann. Immerhin zählt der Aushilfs-Linksverteidiger zu den kopfballstärksten Bundesligaspielern, während Slomka die Standrads von van der Vaart und Calhanoglu vorsichtig mit dem Prädikat „Weltklasse“ versieht. „Wir treten die Standards sensationell“, sagt Slomka, „allein in der Mitte fehlt uns das Ergebnis. Wir schlagen deutlich zu wenig Kapital aus den eigenen Standardsituationen.“ Auch deshalb ließ Slomka heute im Anschluss an das Abschlusstraining Standards üben. Wie, das wird natürlich nicht verraten. Aber mit etwas Glück ist das in Stuttgart ja zu sehen…

Der HSV wird sich am Neckar auf ein heißes Tänzchen gefasst machen müssen. Weil Mannschaften, die von Huub Stevens trainiert und betreut werden, immer und von Haus aus ein heißes Tänzchen abliefern. Das geht gar nicht anders. Und für den VfB gilt es nun auch, diese unheimliche Negativserie zu beenden, denn die Schwaben, die oft höchst, höchst unglücklich verloren (oder nicht gewonnen) haben, die haben am 7. Dezember 2013 ihr letztes Bundesliga-Spiel gewonnen. Und genau das ist das ganz Gefährliche an dieser Aufgabe, denn eines muss man dem HSV ja bestätigen: Wenn in diesem Land eine Mannschaft oder auch nur ein Spieler mal wieder aufgebaut werden musste, weil es da eine gewisse Pechsträhne zu löschen galt, dann war dieser HSV geradezu prädestiniert, diese Aufbauhilfe auch zu leisten. Es klingt ironisch, aber es ist Tatsache. Parade-Beispiel für solche Art der Gnadenakte ist Srdjan Lakic. Der Erfolglos-Stürmer stand einst bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag (heute in Kaiserslautern – auf der Bank), er hatte monatelang, fast jahrelang nicht mehr getroffen – und auch nicht mehr gespielt. Und dann bringt ihn Armin Veh ausgerechnet zum Spiel im Volkspark in der Anfangsformation – und der Kroate trifft sogar zweimal! Es war unfassbar, aber wahr. Es gäbe noch viele Beispiele mehr, aber es soll mal mit diesem wunderbaren Muster beendet sein.

Gut vorstellen ließe sich zu diesem Thema aber, dass morgen ein Mann namens Sedad Ibisevic wieder aufgebaut wird. Der Bosnier war zuletzt bei fünf VfB-Spielen zum Zuschauen verdammt, weil er eine Rote Karte abzusitzen hatte, aber gegen den HSV darf er wieder ran. Und da der Hamburger (und Österreicher) in Diensten des VfB, Martin Harnik (einst Vier- und Marschlande), wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist, wird Ibisevic auf jeden Fall von Anfang an spielen. Auch wenn VfB-Trainer Huub Stevens daraus noch ein (kleines) Geheimnis macht – oder gemacht hat, Ibisevic wird gegen den HSV von Beginn an auflaufen, denn es gibt keine Alternative zu ihm.

In Stuttgart wird die Partie gegen den HSV nicht nur als eines von vielen Abstiegs-Endspielen angesehen, sondern als DAS wichtigste Spiel seit Jahrzehnten für den VfB bezeichnet. Der Druck auf die VfB-Mannschaft ist immens, sie muss diese Partie auf jeden Fall gewinnen, allein schon deshalb, weil dann eventuell doch noch eine kleine Erfolgsserie gestartet werden könnte. Gerade noch rechtzeitig. Und Stevens unterstützt diese Versuche auf eine für ihn untypisch Art – der „Knurrhahn“ versprüht Witz, Humor und Optimismus, er scherzt und lacht sogar oft! Gerade so, als hätte er nie eine andere Strategie (nämlich die knurrende und schroffe) bevorzugt. Im Moment, so berichten die Kollegen aus dem Ländle, überschlägt sich Stevens vor guter Laune. So weich (-gespült) war der harte Hund wohl noch nie. Da bleibt uns eigentlich nur zu hoffen, dass dieser Versuch am Sonnabend um 17.20 Uhr sein Ende gefunden hat – und dass es dann wieder heißen wird: Huub, Schluss mit lustig! Letzteres setzt dann allerdings wohl einen HSV-Sieg voraus, wobei wir, „Scholle“ und ich, mit einem netten Auswärtspünktchen schon zufrieden sein würden.

In diesem Sinne, bis morgen. Da melden wir uns wie immer bei Auswärtsspielen aus dem „Champs“ und haben zwei Größen aus dem Hamburger Amateurfußball dabei: Christian Woike, den Trainer des Oberliga-Vierten SC Condor sowie dessen Manager und Ex-HSV-Spieler Matthias Bub. Zusammen sind sie unter der Woche ins Oddset-Pokal-Halbfinale eingezogen, im Geiste getrennt werden sie das Spiel des HSV beim VfB Stuttgart verfolgen. Hintergrund: Passenderweise ist Woike als in Hamburg aufgewachsener und in Stuttgart geborener ein glühender VfB-Fan, während das einstige Toptalent des HSV-Nachwuchses Bub seit jeher glühender HSV-Anhänger ist.

Dieter und Scholle

VfB: Ulreich – Schwaab, Rüdiger, Niedermeier, Sakai – Gentner, Boka – Traoré, Cacau, Rausch – Ibisevic
HSV: Adler – Diekmeier, Mancienne, Djourou, Westermann – Badelj, Arslan – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic – Zoua.
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych

****AKTUALISIERT****

Eine traurige Nachricht für alle HSVer und HSV-Fans:

Der HSV trauert um einen seiner größten Spieler. Jürgen Kurbjuhn, der in 78 Oberliga und 242 Bundesliga-Spielen den Linksverteidiger für die Hamburger spielte, starb am 15. März im Alter von 73 Jahren in seinem Heimatort Buxtehude nach langer und schwerer Krankheit. Der Tod des ehemaligen Nationalspielers löst Trauer und Betroffenheit im Club und auch bei seinen ehemaligen Mitspielern aus. Uwe Seeler war von der Nachricht überrascht und sagte: „Das tut mir riesig leid, Kubbi war ein Pfundskumpel, der immer alles für die Mannschaft gegeben hat. In den letzten Jahren ging es ihm gesundheitlich nicht gut, das wussten wir alle, aus diesem Grund war er auch nicht mehr bei den HSV-Spielen anzutreffen. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie, der Jürgen wird für uns immer unvergessen bleiben, ich bin tief betroffen.“

Das gilt für alle. Jürgen Kurbjuhn, der sein letztes Erstliga-Spiel am 30. Oktober 1971 bestritt, eine 1:4-Niederlage gegen Bayern München, absolvierte fünf A-Länderspiele und war WM-Teilnehmer 1962. Er wuchs im Buxtehuder Stadtteil Altkloster auf und schnürte im Verein erstmalig für den Buxtehuder SV die Fußballstiefel. In der Saison 1960/61 kam er zum HSV und startete dort eine rasante Karriere. Torwart Horst Schnoor erinnert sich an seinen Vordermann: „Kubbi war ein eisenharter und kompromissloser Abwehrspieler, der stets alles für sein Team gab.“ HSV-Kapitän Jochen Meinke über seinen ehemaligen Mitspieler: „Als er zu uns kam, war er sofort ein fester Bestandteil der Mannschaft, Jürgen wusste immer, was er wollte, er war unheimlich ehrgeizig und ein großartiger Teamplayer. Wir hatten einen guten Draht miteinander, abseits des Spielbetriebs war er aber eher ein ruhiger und zurückhaltender Mensch.“

Auch sein früherer Mannschaftskollege Gert „Charly“ Dörfel war fassungslos: „Jürgen und ich, wir waren bei Auswärtsspielen oft in einem Zimmer, er war ein großartige Fußballer, der vor Kraft nur so strotzte, er kämpfte immer wie ein Löwe. Und er war ein Mann, zu dem man aufgucken konnte, wir waren auf der linken Seite beim HSV eine Einheit, wir haben uns prächtig verstanden. Zudem waren wir auch nach unserer Zeit beim HSV befreundet, fuhren auch gemeinsam in den Urlaub. Sein Tod trifft mich und meine Frau Lidia tief, ich kann es nicht glauben, ich bin sehr, sehr erschüttert, sein Tod macht mich traurig.“

Jürgen Kurbjuhn gewann mit dem HSV die Deutsche Pokalmeisterschaft 1963 und galt über Jahrzehnte als der beste Linksverteidiger der Rothosen. Nach seiner Karriere blieb er in Buxtehude wohnen und zog sich aus dem alltäglichen Fußball-Geschäft total zurück. Der gelernte Bankkaufmann war nie ein Mann großer Worte, er hielt sich immer viel lieber im Hintergrund auf – Interview gab er nur in ganz seltenen Fällen. Ein Satz von ihm ist allerdings auch heute noch von gewisser Nachhaltigkeit. Kurbjuhn, der als Offensivmann im Fußball begonnen hatte, sagte über seine gelegentlich trotzige und sture Einstellung: „Das stimmt wohl. Wenn ich nicht will, dann laufe ich in einem Spiel nicht mehr als einen Kilometer – und da ist der Weg von und zu den Kabinen schon mit drin.“

So allerdings haben die HSV-Fans ihn nie kennengelernt. Die Rothosen haben nun einen ihrer größten Spieler für immer verloren, aber trotz allem wird Jürgen Kurbjuhn immer seinen Platz beim HSV haben.

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