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Adler: „Man lebt hier HSV“

28. September 2012

Das Geburtstagsspiel. 125 Jahre HSV, das geht voll ab. Hoffentlich spielt der Gast auch mit. Das heißt, mitspielen wird er ganz sicher, aber wird sich Hannover 96 auch als freundlicher Gast erweisen? Und die Punkte in Hamburg lassen? Da habe ich, muss ich zugeben, doch leise Zweifel, denn zu oft hat uns der „kleine HSV“ schon vor das Schienbein getreten. Ist ja auch Derby-Time. Und irgendwie sind sich ja die Bremer und die „Roten“ einig, immer wenn es gegen den HSV aus Hamburg geht. Dann geht es voll zur Sache. Geburtstag oder Abstiegsgefahr? Das spielt keine Rolle. Und genau deshalb läuft doch alles auf einen eher gnadenlosen Gast hinaus, wenn die Partie an diesem Sonnabend um 15.30 Uhr angepfiffen wird. Aber inzwischen muss sich der „große HSV“ ja auch hinter den meisten Bundesliga-Klubs nicht mehr verstecken. Oder gar Angst haben. Der Hamburger HSV ist aufgewacht und spielt seit zwei Begegnungen richtig guten Fußball. Weiter so!

Wobei mir just in diesem Moment einfällt, wie oft uns doch richtige „Gurkenspiele“ des HSV in der jüngeren Vergangenheit noch als „guter Fußball“ verkauft wurden. Verbal natürlich nur, aber es hat schon genervt. Nun aber muss das Spiel des HSV nicht mehr – hoffentlich jedenfalls – schön geredet werden, jetzt ist es Fußball. Dank Rafael van der Vaart. Bin nur gespannt, wer den Elfmeter gegen Hannover schießt – wenn es denn einen geben sollte? Ob es die „ewige 23“ noch einmal versuchen wird? Von mir aus gerne – weil ich auch keinen anderen Spieler sehe. Und, ich habe das gerade nachlesen können, Jörg Butt hat von seinen 21 Elfmetern, die er für den HSV einst schoss, auch nicht alle verwandelt. Zwei Fehlschüsse waren dabei – dann hat vdV seine Elfer-Serie eben gleich mit einer Fahrkarte begonnen . . .

Wir hatten heute das Vergnügen, mit Rene Adler sprechen zu können. Einem absoluten Leistungsträger, der von allen Seiten nur Lob erfährt, der sofort Verantwortung in diesem – für ihn neuen – HSV-Team übernommen hat. Adler tut dem HSV gut, sehr gut sogar, und er sagt: „Ich bin bestimmt kein Lautsprecher, aber ich bin einer, der stets klare Worte findet. Man muss sich gegenseitig Sicherheit geben, und da ist Kommunikation auf und außerhalb des Platzes wichtig.“

Der Adler ist hier mit einer Punktlandung angekommen. Ein Spieler, auf den eines voll zutrifft: Soforthilfe. Der Mann ist einfach nur klasse. Und er macht jedem HSV-Fan nur Spaß. Und Spaß hat offenbar auch er gleich in seiner neuen Wahl-Heimat gefunden. Nach dem Dortmund-Sieg hatte er den Medien gesagt: „Ich habe so viel Spaß am Fußball wie nie zuvor. Nach meiner Verletzungspause bin ich körperlich auf Topniveau, dazu kommt die nötige Lockerheit. Und ich fühle mich richtig wohl beim HSV, hier passt alles für mich. Trotz des schlechten Starts war und bin ich total davon überzeugt, dass wir das Potenzial haben, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen.“

Heute relativierte Rene Adler allerdings etwas: „Mit solchen Aussagen muss man vorsichtig sein, denn auch in Leverkusen hatte ich eine wunderschöne Zeit. Gerade die Zeit mit Trainer Michael Skibbe, da waren wir noch die jungen Wilden, mit Barnetta, Kießling, Rolfes und Adler – da hatten wir jede Woche drei Spiele, hatten riesige Erfolge, sind durch die Welt gereist – das war toll. Und eine sehr schöne Zeit war auch die mit Trainer Jupp Heynckes, der war so erfahren, da hatten wir Erfolg, er hat uns geführt und gesagt, wo es lang geht. An diese Zeiten habe ich gute Erinnerungen.“ Dann ergänzt Adler: „Wenn man dann ein Jahr nicht gespielt hat, wenn man so lange verletzt war, dann ist es natürlich besonders schön, wenn man wieder spielen kann und darf. Ich fühle mich topfit, und ganz besonders schön ist es für mich, vor einer solchen Kulisse wie in Hamburg spielen zu können.“

Eine ganz besondere Wertschätzung genießen bei Rene Adler die Fans: „Ich habe anfangs oft den Kopf geschüttelt – und zwar positiv, denn es sind immer so viele Menschen da, die uns beim Training zusehen, die uns und dem Verein ihre Freizeit opfern – das habe ich in der Form noch nie erlebt, das ist unglaublich, da ziehe ich jeden Hut, den ich habe. Man lebt hier HSV.“

Dann gibt Adler zu: „Ich habe mich vor dem Start in Hamburg schon gefragt, ob ich auch woanders als in Leverkusen funktioniere. Deshalb ist es für mich auch eine Bestätigung, denn ich habe es noch einmal geschafft, oder ich schaffe es noch einmal. Ich habe es geschafft, aufgrund meiner Leistung die Mannschaft von mir zu überzeugen, den Verein und hoffentlich auch die Fans. Dass ich sie durch sportliche Leistungen und durch meine Persönlichkeit überzeuge, das liegt mir sehr am Herzen.“ Und dann fügt Rene Adler etwas ganz Wichtiges ein: „Was ich allen garantieren kann ist das, dass ich mit absoluter Leidenschaft und mit absoluter Hingabe für den Verein spiele. Das ist mir schon wichtig. Ich möchte nicht als Söldner betrachtet werden. Nur bei einem Verein zu spielen und einfach nur seine Arbeit zu machen, das ist mir zu wenig. Ich will hier einen guten Job machen, mit Leidenschaft, da muss schon etwas mehr dahinter sein, und deswegen genieße ich diese Zeit jetzt auch besonders intensiv.“ Adler weiter: „Für einen solchen Traditions-Klub wie den HSV zu spielen, auch wenn wir einige Probleme hatten, das genieße ich intensiv. Gemeinsam mit den Jungs, mit dem Verein und mit den Fans um die drei Punkte zu fighten, dass ist schon etwas Besonderes.“ Und er gibt zu: „Zumal ich Abstiegskampf ja gar nicht kenne, mit Leverkusen standen wir nie so weit unten. Und wenn sich das dann so wie nach dem Sieg gegen Dortmund entlädt, dann ist das einfach nur traumhaft. Das war schon eines der geilsten Spiele, die ich bisher machen durfte.“

Über seine Rolle in der neuen Umgebung sagte Adler noch: „Ich sehe es auch als meine Aufgabe an, Dinge, die ich aufgrund meiner Erfahrung erkenne und die nicht so gut laufen, anzusprechen. Ich spreche dann mit den Führungsspielern, mit dem Heiko, mit dem Cello, mit dem Raffa und auch mit dem Trainer darüber. Beim HSV spielt die Kommunikation eine wichtige Rolle, hier hat man in dieser Beziehung viel mehr zu tun als in Leverkusen. Hier wird man als Führungsspieler viel mehr in die Verantwortung genommen, vom Trainer, aber auch vom Vorstand. Hier wird immer wieder ein Feedback verlangt, das finde ich gut, das finde ich auch wichtig.“

Für Trainer Thorsten Fink war das Gladbach-Spiel das beste HSV-Spiel, seit er hier den Coach gibt. Auch Rene Adler sagt: „Ich habe selten eine Partie erlebt, in der wir den Gegner spielerisch so beherrscht haben. Wir haben uns den Gegner mit Geduld zurechtgelegt. Und ich nehme aus dieser Begegnung auch das Positive heraus – ich erwarte von unserer Mannschaft einfach, dass wir das gegen Gladbach können, auch gegen Dortmund – und jetzt gegen Hannover 96. Und was ich auch erwarte, dass wir aus unseren Fehlern die Lehren ziehen.“ Und die Fehler in Gladbach waren? Adler: „Wir haben in der Schlussphase den Ball nicht mehr gehalten, haben zu viele Bälle verschenkt. Und das wird uns so nicht mehr passieren, denn es hat sich jeder von uns sehr über dieses 2:2 geärgert. Ich glaube wirklich nicht, dass wir so blöd sind und diese Fehler noch einmal machen. Da sehe ich uns aber auf einem guten Weg – und wir werden uns nun auch an der guten Leistung von Gladbach messen lassen.“

Dann gilt es an diesem Sonnabend, bei diesem Jubiläumsspiel gegen Hannover 96. Adler: „Jeder darf Fehler machen, aber jeder sollte bemüht sein, keine Fehler zu machen. Volle Konzentration, jeder versucht erst einmal, seine Leistung zu bringen – dann bin ich überzeugt davon, dass wir auch Hannover schlagen können. Ich bin wirklich guter Dinge, dass wir nun in jedem Spiel einige Schritte vorwärts machen werden.“

Schön wäre es ja, denn dann stünde einem großen und großartigen Abend nichts mehr im Wege.

Apropos Abend: Der NDR berichtet von der HSV-Gala (etwas zeitversetzt) an diesem Sonnabend, und um 0.00 Uhr beginnt dann die Sendung „Nur der HSV”. Das ist eine 60-minütige NDR-Dokumentation zum 125-jährigen Jubiläum. Wie gesagt, am Sonnabend/Sonntag um Mitternacht und dann am 30. September um 14 Uhr die Wiederholung. Im NDR Fernsehen. Das wird ein bestimmt toller HSV-Fernseh-Abend, ein MUSS für jeden Fan. Viel Spaß dabei. Und wer live bei der Gala ist, der sollte den Recorder einschalten und alles aufnehmen!

Dann noch ein zweites Mal zu diesem HSV-Fest: Die Festschrift ist auf dem Markt, und dieses Werk ist eine „Bombe“. Ein Traum, und auch ein MUSS für jeden HSVer. Mitglieder bekommen es vom Verein kostenlos, wer sich eines kaufen möchte (für acht Euro), dann ab in die HSV-Shops – oder das „Super-Ding“ über den HSV (bestellen). An diesem Heft, nein, es ist fast ein Buch, hat der „Macher“ ein halbes Jahr gearbeitet. Ein fleißiger Mensch, dieser Axel Formeseyn, ein dickes und auch ganz großes Kompliment.

Axel, Du hast Deinen Beruf verfehlt, Du könntest einer von uns sein!

Kurz noch zum HSV-Kader: Neu dabei ist wieder der zuletzt gesperrte Petr Jiracek, von dem ich fset annehme, dass er von Beginn an spielen wird. Natürlich. Die Rote Karte von Frankfurt und von Wolfgang Stark ist für mich immer noch der größte Witz seit Jahren. Deshalb muss der Tscheche unbedingt wieder ran – und zwar sofort.
Thorsten Fink nimmt 19 Mann mit, morgen muss einer von ihnen auf die Tribüne.

So, ich bin am Ende.

Ehrlich gesagt vollkommen. Die technischen Störungen (die ich in meiner Not “Eiche” zurief) waren keine Ausrede, sondern Tatsache. Sorry. Ich war aber echt verzweifelt. In Mölln und Umgebung. Soll heißen: Frau M. ist zurzeit in einer Reha-Klinik in Lehmrade. Ich habe sie heute abgeholt, wollte eigentlich in ihrem Klinik-Zimmer schreiben, um den Bericht pünktlich fertig zu haben. Das ging auch – nur hatte ich dort keinen Internet-Anschluss. Null. Es rührte sich nichts. Ich bin gelaufen und gelaufen. Erst in der Klinik, dann draußen – nichts zu machen. Sachen packen und ab. Nach Mölln. Am Marktplatz auf einen Parkplatz gestellt – immer noch nichts. Wahnsinn. Ich habe an Dresden gedacht. Dresden zu DDR-Zeiten. Weil man in Dresden kein West-Fernsehen empfangen konnte. Tal der Ahnungslosen wurde das glaube ich genannt. Mölln und Umgebung und Internet – das scheint nicht zu passen. Aus der Klinik-Leitung sagte mir eine Dame: „Wir hoffen, dass wir in zwei Jahren eine Glasfaser-Leitung gelegt bekommen . . .“ Was mir wenig half. Und mich auch nicht aufmuntern konnte.

Also durchstarten. Wir nach Norderstedt – und da ging es wieder in altbewährter Manier. Tolle Erfahrung jedenfalls. Und Frau M. hätte sich das Wiedersehen ganz sicher nicht so „knurrig“ und hektisch vorgestellt . . .

20.43 Uhr

Das kam von “Randnotiz” – und es ist ganz wichtig. Danke. Los geht es:

Hinweise vom HSV für morgen:
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HSV-Spiel:
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Die Fangruppe Chosen Few hat gemeinsam mit mehreren hundert HSVern zum 125. Geburtstag eine große Choreographie gebastelt.
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Wir bitten alle Stadionbesucher mindestens 15 Minuten vor Anpfiff ihre Plätze einzunehmen und die Anweisungen auf den verteilten Flyern zu beachten.
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Die ausgeteilten Elemente sind nach der Choreo ein Geburtstagsgeschenk an jeden einzelnen und dürfen gerne mit nach Hause genommen werden.
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HSV-Feier:
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Liebe HSVer,
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wir freuen uns, Sie morgen anlässlich des 125-jährigen Geburtstages unseres HSV zur Gala zu begrüßen. Die Veranstaltung in der O2 World Hamburg beginnt morgen am 29.09.2012 um 19:30 Uhr. Der Einlass erfogt ab 17:30 Uhr.
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Nach einem kurzem Empfang erwartet Sie eine spannende Reise durch 125 Jahre HSV begleitet von Music Acts, Comedians und internationalen Gästen!
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Bitte nehmen Sie bis 19:15 Uhr Ihre Plätze ein, da es sich gleichzeitig um eine TV-Aufzeichnung handelt, die am gleichen Abend ab ca. 22:00 Uhr im NDR Fernsehen übertragen wird.
.
Durch das Bundesligaspiel des HSV gegen Hannover 96 in der gegenüberliegenden Imtech Arena, das um 17:15 Uhr endet, muss mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen rund um die beiden Arenen gerechnet werden. Bitte planen Sie dies bei Ihrer Anreise mit ein.
Hinweise vom HSV für morgen: . HSV-Spiel: . Die Fangruppe Chosen Few hat gemeinsam mit mehreren hundert HSVern zum 125. Geburtstag eine große Choreographie gebastelt. . Wir bitten alle Stadionbesucher mindestens 15 Minuten vor Anpfiff ihre Plätze einzunehmen und die Anweisungen auf den verteilten Flyern zu beachten. . Die ausgeteilten Elemente sind nach der Choreo ein Geburtstagsgeschenk an jeden einzelnen und dürfen gerne mit nach Hause genommen werden. . .

HSV-Feier: . Liebe HSVer, . wir freuen uns, Sie morgen anlässlich des 125-jährigen Geburtstages unseres HSV zur Gala zu begrüßen. Die Veranstaltung in der O2 World Hamburg beginnt morgen am 29.09.2012 um 19:30 Uhr. Der Einlass erfolgt ab 17:30 Uhr. . Nach einem kurzem Empfang erwartet Sie eine spannende Reise durch 125 Jahre HSV begleitet von Music Acts, Comedians und internationalen Gästen! . Bitte nehmen Sie bis 19:15 Uhr Ihre Plätze ein, da es sich gleichzeitig um eine TV-Aufzeichnung handelt, die am gleichen Abend ab ca. 22:00 Uhr im NDR Fernsehen übertragen wird. . Durch das Bundesligaspiel des HSV gegen Hannover 96 in der gegenüberliegenden Imtech Arena, das um 17:15 Uhr endet, muss mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen rund um die beiden Arenen gerechnet werden. Bitte planen Sie dies bei Ihrer Anreise mit ein.”

So, das war “Randnotiz”, nun ich zum Schluss noch einmal:

Ein Grußwort an “Javert”: Genau damit (einem solchen Kommentar!) habe ich gerechnet. Vielen Dank. Ich freue mich über jeden Menschen, der technisch begabter ist als ich. Beim nächsten Mal nehme ich den Herrn Javert mit nach Mölln – garantiert. Der wird mir dann den Internet-Weg weisen.

Scharner – ein Spieler befragt den Trainer

7. August 2012

Ob es noch Minuten dauert, oder vielleicht noch einige Stunden – egal, es soll heute noch geschehen und verkündet werden: Der HSV hat einen neuen Innenverteidiger. Sofern Paul Scharner nicht ein „Hoeneß-Knie“ hat, an dem die spotmedizinische Untersuchung (Bundesliga-Tauglichkeits-Bescheinigung) doch noch scheitert. Ansonsten ist der nächste Neue da. Und Trainer Thorsten Fink wirkte total erleichtert. War der Coach in den letzten Wochen oft auch schon mal schlecht gelaunt, so wirkte er heute gelöst, gelockert, frei und sogar einige Male heiter. Es geht voran. Und um es gleich zu sagen: Paul Scharner kommt nicht zum HSV, weil ihn Eintracht Frankfurt nicht haben wollte. Wer so etwas behauptet, der liegt total daneben. Der 32-jährige Scharner war den Hessen zu teuer, deswegen ist (wohl) ein eventuelles Engagement des Österreichers gescheitert. Der HSV dagegen hatte offenbar das nötige Kleingeld, um sich mit dem Nationalspieler zu einigen.

„Es fehlt nur noch die Untersuchung und die Unterschrift, aber wir sind uns einig“, sagt Fink, der sich am Montag mit Scharner getroffen hatte „Wir hatten ein langes und sehr gutes Gespräch, ich habe dabei gemerkt, dass mir gegenüber ein heißer und erfahrener Spieler sitzt, der im positiven Sinne verrückt ist – er ist schon ein absoluter Profi. Manchmal vielleicht schon ein wenig zu übertrieben, aber ich finde das gut. Er bringt eine Menge Erfahrung mit, die wir gut gebrauchen können, nämlich dann, wenn es brenzlig wird. Ich glaube, wir haben den richtigen Mann gefunden, er wird unserer jungen Abwehr eine Stütze sein. Wobei ich sagen muss, dass alle die Chance haben, dort zu spielen. Ein gesunder Konkurrenzkampf ist gut, Scharner kommt nicht nur, um den Kader aufzufüllen.“

Thorsten Fink machte sich in diesem Gespräch ein erstes Bild von seinem Zugang, aber es war auch umgekehrt. Scharner, der vereinslos war, hatte eine Liste mitgebracht, auf denen Fragen an den HSV-Trainer standen. Viele Fragen. Der 1,93 Meter große Abwehrmann wollte nicht blauäugig in sein Engagement in Hamburg stolpern, er hatte sich vorher Gedanken gemacht und sich mächtig präpariert. Der Profi fragte den Trainer aus. Fink: „Er war top vorbereitet. Ungewöhnlich, so viele Fragen, aber das ist positiv, und es ist mir lieber so, als wenn einer zu mir kommt und sagt, nun frag mich mal. Paul dagegen war ganz heiß, das hat mir top gefallen. Und er macht einen top durchtrainierten Eindruck.“

Scharner, der auch im Mittelfeld spielen könnte, wird beim HSV nur als Innenverteidiger eingesetzt werden. Entweder für Michael Mancienne oder für Jeffrey Bruma. „Ich bin froh, dass wir nun eine Alternative haben, denn wenn Bruma oder Mancienne mal ausgefallen wären, dann hätten wir viel umbauen müssen“, sagt Fink. Nämlich Heiko Westermann zurückbeordern, das fällt nun flach. Die HSV-Abwehr wird mit Scharner kantiger, größer und kopfballstärker.

Paul Scharner ist ein „bunter Vogel“, er ist in Österreich nicht unumstritten, aber er ist auf jeden Fall einer, der seinen Job sehr ernst nimmt. Und er macht seinen Mund auf, soll heißen, der dirigiert seine Nebenleute lautstark und überaus engagiert, er ist ein großartiger Organisator, ein Mann auch, der kein Blatt vor den Mund nimmt – Klartext ist angesagt. Und das kann dieser HSV-Mannschaft nur gut tun, denn solche Leute braucht ein Team. Es davon nur zu wenige. Jetzt ist Scharner da, und da auch ein Rene Adler immer seinen Mund aufmacht, anspornt, dirigiert, lobt und die Vorderleute stellt, kommt schon mehr Leben in die Bude – auf jeden Fall schon mal in die Defensive.

Für das Testspiel am Mittwoch in Flensburg gegen den dänischen Meister Nordsjaelland (Anstoß 19 Uhr) spielt Scharner, dem nach eigener Aussage viele Angebote vorlagen, noch keine Rolle, eventuell aber ist er am Sonnabend dabei, wenn der HSV dann auf Mallorca gegen Mallorca spielt. Fink auf jeden Fall ist schwer begeistert vom neuesten „Fang“ des HSV. Nachdem der Coach ausgiebig von dem Spieler befragt wurde, stand Scharner auf (Thorsten Fink spielte es voller Begeisterung nach!) und sagte in Richtung Fink: „Trainer, ich mach’s.“

Das klingt alles so gut, ich glaube diese Kante tut dem HSV tatsächlich gut. Auch wenn er „schon“ 32 Jahre alt ist, aber jedem dürfte doch klar sein, dass eine „Bubi-Abwehr“ auf Dauer doch sehr anfällig werden könnte.

„Jetzt ist eine weitere Baustelle gelöst, nun gehen wir weiter“, sagt Thorsten Fink. Es ist klar, was jetzt noch kommen muss: ein Kreativspieler. Und ein Stürmer? Fink: „Wenn das mit Milan Badelj klar ist, wenn dann auch ein Spieler da ist, der unser Spiel lenken kann und wird, dann schauen wir mal, was noch übrig ist. Mal abwarten.“ Also doch ein Stürmer? Thorsten Finks Vorstellungen gehen in diese Richtung: „Vielleicht ein junger Mann, der kopfballstark ist. Mal ein ganz anderer Stürmer-Typ. Aber das muss ich erst noch mit Frank Arnesen absprechen. Persönlich, nicht am Telefon. Mal schauen, was noch möglich ist.“ Uwe Seeler hatte ja einen „Brecher“ gefordert – Fink zu jenem Stürmer, der ihm vorschwebt: „Mehr oder weniger ein Brecher . . .“

Dann brach der HSV-Trainer allerdings auch noch eine Lanze für die Angreifer, die er jetzt schon hat: Marcus Berg und Artjoms Rudnevs: „Wir wollen jetzt nicht alles schlechtreden, was bislang im Sturm war. Nur weil die beiden Spieler gegen Barcelona, Dortmund und Bayern nicht getroffen haben. Ein Torjäger, der dreimal in Folge in drei verschiedenen Ligen jeweils über 20 Tore macht, der wird nicht immer nur angeschossen worden sein, wenn er seine Tore gemacht hat. Artjoms Rudnevs braucht, wie Marcus Berg, ein Erfolgserlebnis, dann wird es schon klappen. Wir haben mit ihnen zwei gute Stürmer, davon bin ich überzeugt, und dazu können wir ja auch immer noch wieder Heung Min Son oder auch Maximlilian Beister in den Sturm nehmen.“

Dann stellt Thorsten Fink eine gewagte Prognose auf: „Wir werden in den nächsten fünf Spielen, also im Pokal in Karlsruhe, auch in den Testspielen, immer mehr Ballbesitz haben als der Gegner. Da können wir jetzt schon wetten. Und dann gilt es, da Chancen herauszuspielen. Das wird auch gegen Nürnberg so sein, das wird in Bremen gleich sein, das wird aber auch in Frankfurt der Fall sein, und da gilt es dann, die richtige Mischung zu finden, den Ball in die Tiefe zu spielen, von der zweiten Reihe auch zu schießen, was wir noch zu wenig machen – und dann die Chancen zu nutzen.“ Zudem gab es von Fink schon mal ein kleines Resümee: „Ich finde, wir stehen in der Abwehr schon besser als in der vergangenen Saison, wir stehen da schon viel organisierter als zuletzt.“
Dann muss jetzt eben noch etwas in Sachen „Angriff“ passieren – aber das wird ja auch. Fink: „Die Jungs da vorne müssen alle Gas geben. Wir werden in den Testspielen noch mal wechseln, es können sich alle noch einmal zeigen.“

Links ist bislang Marcell Jansen gesetzt, wie Fink es sagt: „Er spielt im Moment effektiv. Und Ivo Ilicevic ist noch nicht bei 100 Prozent. Er war lange verletzt, er hat bei uns noch nie eine richtige Vorbereitung mitgemacht, wenn er das schafft, dann wird er auch körperlich hundertprozentig fit sein. Und dann wird er auch effektiver. Obwohl er auch jetzt schon Super-Leistungen gezeigt hat; in Südkorea zum Beispiel, wo er ein großartiges Tor erzielt hat. Für ihn wird es auch leichter, wenn wir mehr in Ballbesitz sind.“

Eine erfreuliche Nachricht am Rande: Zhi Gin Lam, der „neue Lahm“ des HSV, der zuletzt verletzt pausieren musste, ist beim Nachmittags-Training schon wieder dabei.

Morgen wird, bevor es nach Flensburg geht, um 10 Uhr im Volkspark trainiert.

Dann möchte ich schnell noch einige Zeilen anderer Art veröffentlichen.

Zunächst geht es um die Sorge um den HSV:

„Lieber Dieter Matz, lieber Scholle,

Glückwunsch zum 3-jährigen. Hätte nicht gedacht, daß Sie noch so jung sind. Zum Thema HSV: Ich bin jetzt 61 Jahre alt und seit Kindesbeinen Ostfrieslands größter HSV – Fan, doch so gelitten wie im letzten Jahr habe ich noch nie. Nun habe ich mir die Vorbereitungsspiele des HSV im Fernsehen angesehen, soweit dies möglich war. Mein Eindruck nach dem Liga – Total-Cup ist erschreckend. In der derzeitigen Verfassung werden wir kein Spiel in der Bundesliga gewinnen, so dämlich können sich die anderen Mannschaften gar nicht anstellen!

Lieber Dieter, lieber Scholle,
können Sie irgendeinen Funken Hoffnung versprühen, daß es besser wird? Ich biete meine Hilfe gerne an, denn ich bin Fußballjugendobmann beim TV Bunde (einem 3800 – Seelenort). Obwohl wir ein kleiner Ort sind, konnten wir in den letzten 20 Jahren die erfolgreichste Jugendabteilung Ostfrieslands aufbauen, spielen mit den A – Junioren in der Landesliga und haben unsere 1. Herrenmannschaft, die in der Bezirksliga spielt, in den letzten Jahren so mit Jugendspielern “gefüttert”, daß sie inzwischen ein Durchschnittsalter von knapp 22 Jahren hat. Kein Spieler erhält auch nur einen Cent Geld, aber jeder, ob Jugend- oder Herrenspieler zeigt mehr Engagement für unseren Club, als jeder aktuelle HSV – Spieler (außer vielleicht Heiko Westermann). Bitte gebt mir irgendwie Hoffnung! Freundliche Grüße in meine Lieblingsstadt,

Gerold van H.”

Und dann gab es von der Deutschen Presse-Agentur folgende Meldung:

Jörg Butt hat seine Tätigkeit als Leiter des Jugendleistungszentrums von Bayern München beendet. 37 Tage nach seinem Wechsel vom Bundesliga-Kader in die Nachwuchsabteilung ist für den 38 Jahre alten ehemaligen Fußball-Torwart bereits wieder Schluss. „Ich habe dieses Tätigkeitsfeld, für das ich nun seit einigen Wochen verantwortlich bin, falsch eingeschätzt“, ließ Butt am Dienstag mitteilen. „Ich bin mit großer Begeisterung an meine neue Tätigkeit herangetreten, musste allerdings feststellen, dass mir diese Aufgabe nicht die gewünschte Zufriedenheit und Passion bringt.“

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge reagierte auf die Freistellungsbitte „völlig überrascht. Jörg Butt ist ein geradliniger und konsequenter Mann. Darum werden wir diese Entscheidung, auch wenn wir sie bedauern, akzeptieren.“ Butt hatte am 1. Juli den Job als Nachfolger des langjährigen Jugendchefs Werner Kern übernommen.

Ob sich da eine Bayern-Verpflichtung negativ auf die Arbeit von “Butti” Butt ausgewirkt hat? Matthias Sammer ist ja ein einnehmender Mensch . . .

Zuletzt folgt eine für mich etwas traurige Nachricht:

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) trennt sich von seinem Nationalmannschaftssprecher Harald Stenger. Da der auslaufende Vertrag mit dem 61-Jährigen nicht verlängert wird, wird der frühere Redakteur der „Frankfurter Rundschau“ in der kommenden Woche rund um das Länderspiel gegen Argentinien zum letzten Mal die Pressekonferenzen der Nationalelf leiten. Das bestätigte der DFB am Dienstag in einer Presseerklärung. Nachfolger wird der 41 Jahre alte Jens Grittner, der zuvor unter anderem Pressechef der Organisations-Komitees für die WM 2006 und die Frauen-WM 2011 war.

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff würdigte Stenger und den ebenfalls scheidenden Servicemann Manfred Drexler als „zwei tolle Persönlichkeiten, die sich um die Nationalmannschaft verdient gemacht haben. Beide stehen nicht nur für professionelles Arbeiten, sondern haben es auch verstanden, sich als wichtige Bezugspersonen für die Trainer und Spieler zu etablieren“.

Stenger selbst zeigte sich enttäuscht und überrascht von der Entscheidung. „Ich kann nur bestätigen, dass ich gerne weitergemacht hätte. Das wusste auch der DFB“, sagte er dem Radiosender „hr3“. „Ich habe nicht mitbekommen, dass man mit meiner Arbeit unzufrieden ist – zumindest hat mir Oliver Bierhoff, als er mir die Entscheidung mitgeteilt hat, gesagt, dass die sportliche Leitung der Nationalmannschaft, die ja vom Bundestrainer Joachim Löw angeführt wird, mit meiner Arbeit immer sehr zufrieden war und ich mich stets loyal und korrekt verhalten habe.“

Ja, der gemütliche „Dicke“ geht. Schade. Harald Steger ist sicherlich allen Fußball-Fans vom Fernsehen her bekannt, wenn er die Pressekonferenzen der Nati leitete. Stenger war einst Redakteur der „Frankfurter Rundschau“, wir waren jahrzehntelang mit dem DFB-Team auf Tour, wir waren und sind Freunde – deswegen tut mir diese Trennung auch mit weh. Denn ich weiß, dass dieser Job, den der gute Harald seit 2001 ausgeübt hat, sein Leben war. Er ist in diesem Beruf aufgegangen, er hat für den DFB fast rund um die Uhr alles gegeben. Alles. Zu Beginn seiner DFB-Tätigkeit hatte er etliche Skeptiker gegen sich, fast alle aber sind sie mit der Zeit umgekippt und haben ihm einen ausgezeichneten Job bestätigt. Nun ist es wohl wie fast überall in der deutschen Arbeitswelt, nun soll ein jüngerer Mann für frischen Wind sorgen.
Alles Gute, Jens Grittner, und vielen Dank, lieber Harald Stenger für Deine jahrelange Freundschaft, viel Erfolg für Deinen weiteren beruflichen Weg.

18.29 Uhr

Der alte Kaltz kann es immer noch

9. Juni 2012

„Und immer dran denken – die Gefahr kommt über rechts.“ Hat Manfred „Manni“ Kaltz bei seiner Abfahrt aus Norderstedt gesagt. Der frühere Nationalverteidiger war Beifahrer von Uli „die Kante“ Borowka, Kaltz ließ schnell die Fensterscheibe herunter und gab mir noch schnell den kostenlosen Tipp. Dann ging es für die beiden ehemaligen Profis in die Fisch-Auktionshalle, wo sie sich das EM-Spiel Deutschland gegen Portugal ansehen werden. Nicht allein. Es sind viele Gäste der Sparda-Bank geladen, und viele Alt-Internationale. Die spielten am Nachmittag auf dem Rasenplatz von Eintracht Norderstedt gegen eine Hamburger Presse-Auswahl. Halbzeit 0:0, Endstand 3:0. Für die „Ehemaligen“ – natürlich, möchte man meinen. Aber die Sieger hatten mehr Mühe als erwartet.

Der Veranstalter hatte mit 4000 bis 5000 Zuschauern gerechnet, gekommen waren bei Hamburger Schmuddelwetter um die 300. Die Autogrammjäger unter ihnen kamen auf ihre Kosten, denn die Stars von gestern stellten sich bereitwillig zu vielen Fotos und zu den begehrten Unterschriften. Auch Schiedsrichter Bernd Heynemann (Magdeburg) verteilte fleißig die von ihm geforderten Autogrammkarten.

Organisiert und aufgestellt hatte das Star-Ensemble der ehemalige HSV-Spieler Stefan Schnoor, der in Ermangelung von Angreifern gelegentlich sogar als Sturmspitze aufkreuzte (und auch das 1:0 per Abstauber erzielte!). „Du warst schon immer ein verkappter Stürmer“, sagte ich ihm während des Spiels, aber er antwortete: „Eher ein verkappter Zehner.“ Fritz Walter, Wolfgang Overath, Günter Netzer . . . Stefan Schnoor.

Aber er hatte natürlich eine gute Mannschaft beisammen. Neben Kaltz und Borowka waren die ehemaligen HSV-Profis Jochen Kientz, Bastian Reinhardt, Peter Nogly, Ingo Hertzsch (aus Leipzig angereist!) und Thomas Vogel dabei. Zudem Michael Rummenigge, Thomas Helmer und Marco Bode, der für mich der beste Mann bei den „Alten“ war, der sogar einen sehenswerten Fallrückzieher riskierte – und auch ein Abstaubertor erzielte. „Man, man, der Bode hat es aber noch drauf“, sagte Presse-Abwehrmann Christian Pletz (unser Matz-ab-Pletzi) später anerkennend. Gut war aber auch, ich ziehe den Hut vor ihm, „Manni“ Kaltz. Alle Achtung. Die Pässe, die Standards und die Flanken kamen wie zu seinen besten Tagen. Presse-Torwart Oliver Hinz von Altona 93: „So schießt sie kein Spieler in der Oberliga Hamburg. Kaltz bringt sie genau dorthin, wo er sie auch hin haben will. Erste Sahne.“ Kaltz, 59 Jahre alt, kann es immer noch. Wie er über das gesamte Spielfeld (mit Ball) stolzierte und mit einem sehenswerten Lupfer gegen den Pfosten das 2:0 (Bode) vorbereitete – einfach nur klasse.

Bei den Medien-Vertretern spielten – neben anderen – auch Sky-Moderator Patrick Wasserziehr sowie HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf, der seinem Unmut über das „schlechte Spiel“ der Presse-Truppe stets freien Lauf ließ. Immerhin gab er nach dem Schlusspfiff zu: „Hat trotz allem Spaß gemacht. Und wenn ich etwas gemeckert habe, so liegt es schlicht und einfach daran, dass ich immer gewinnen will.“ Aber gegen einen Sieg der Medien-Vertreter hatten natürlich die Altmeister doch erhebliche Einwände.

So, es ist EM. Und in einigen Minuten sind auch wir Deutsche voll dabei und mittendrin. Deswegen halte ich mich heute mal kurz und knapp – die Spannung steigt, auch bei mir. Obwohl ich immer noch leicht pessimistisch bin. Ganz leicht.

Aber obwohl ich in der Obdachlosen-Zeitung „Hinz und Kunzt“ ja schon einige EM-Nähkästchen geschrieben habe, gibt es da noch ein ganz kleines, was ich hier schnell noch zum Besten geben möchte. Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden. Bundestrainer Erich Ribbeck, der ehemalige HSV-Sportchef. Der hatte in den Wochen vorher stets verkündet: „Ich werde keinen Spieler mit in den EM-Kader nehmen, der noch kein Länderspiel gemacht hat.“ Ein Mann, ein Wort. Da HSV-Torwart Jörg Butt noch kein Länderspiel bestritten hatte, fragte ich Ribbeck einmal kurz unter vier Augen: „Gilt das auch für Jörg Butt?“ Ribbeck: „Ja, Butt wird vorher noch seinen Einsatz erhalten . . .“

Und es gab da ja auch noch zwei Testspiele für die deutsche Mannschaft. Am 3. Juni gegen Tschechien – aber beim 3:2-Sieg spielte Oliver Kahn 90 Minuten durch. Dann der letzte Test vor dem EM, am 7. Juni in Freiburg gegen Liechtenstein. Ribbeck kündigte in der Pressekonferenz an: „Da wird Jens Lehmann zwischen den Pfosten stehen.“ Wie Lehmann? Und Butt?

Ich ging nach der Pressekonferenz zu Erich Ribbeck, wieder ein kurzes Gespräch unter vier Augen: „Herr Ribbeck, und was ist mit Butt? Sie haben mir doch gesagt, Butt würde auch noch vor der EM seinen Einsatz erhalten . . .“ Ribbeck setzte eine grimmige Miene auf und sagte kurz und knapp: „Sie immer mit Ihrem Butt, Butt, Butt, Aber keine Angst, Herr Matz, er bekommt seinen Einsatz, auch wenn ich es für den dritten Mann im Tor nicht unbedingt für nötig erachte.“

2:1 stand es bei Halbzeit in Freiburg gegen Liechtenstein, dann kam Butt. Er kassierte zwar auch noch einen Gegentreffer vom Fußballzwerg, aber Deutschland gewann 8:2. Und „Butti“ hatte seinen ersten Länderspiel-Einsatz – ich war happy, er war happy – alle waren zufrieden. So hatte ich beim HSV-Torwart vielleicht 25 Prozent meine Finger im Spiel, dass er gegen Liechtenstein ran durfte – aber ganz aufmerksame „Matz-abber“ werden sich erinnern, dass ich einst Sven Kmetsch (ehemaliger HSV-Kapitän) zu Zeiten von Berti Vogts in die DFB-Auswahl „sabbelte“. Da aber waren es mindestens 95 Prozent. Kmetsch schaffte aber nur zwei Einsätze . . .
Den Kritikern (meinen Kritikern) sei gleich entgegnet: Mehr HSV-Spieler waren es aber nicht. Auch bei Piotr Trochowski oder Dennis Aogo hatte ich meine Finger nicht im Spiel. Aber Butt und Kmetsch zeigen, dass es im „großen Fußball“ gelegentlich auch ganz amateurhaft und hemdsärmelig zugehen kann – da gibt es dann keinen Unterschied zu (m)einem kleinen Verein um die Ecke.

So, nun ist EM, und zwar Hochstimmung. Das Spiel Niederlande gegen Dänemark (0:1) bestärkt mich darin, dass es nicht unbedingt ein Turnier für die Favoriten geben wird.

Apropos Dänemark: Da spielt ein Mann namens Lars Jacobsen mit. Der war von 2002 bis 2003 HSV-Profi, brachte es auf 22 Einsätze (ein Tor) und ging wieder, weil ihn der HSV nicht mehr wollte. Quasi durchgefallen. Der 32-jährige Verteidiger vom FC Kopenhagen spielt aber schon seit jener Zeit stets für Dänemark (50 Länderspiele). War aber für den HSV einst ein wenig zu schlecht . . . So kann es gehen.

Falls es gleich auffällt, dass ich ein wenig heiser bin: Ich war heute „Trainer“ der Presse-Auswahl, und da habe ich gelegentlich ein wenig zu laut über den Platz gegrölt. Übrigens: gleich nach dem Schlusspfiff der Partie Deutschland gegen Portugal gibt es wieder „Matz ab live“ – wir sehen uns.
Eine schöne EM für alle.

19.52 Uhr

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