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Es stimmt hinten und vorne nicht!

15. März 2015

„Jetzt müssen wir am Freitag gegen Hertha BSC gewinnen, das ist sehr wichtig. Wir müssen zeigen, dass wir eine Mannschaft sind.” Gesagt hat es Dennis Diekmeier, aber es dieses Zitat könnte von jedem HSV-Spieler und von jedem Offiziellen stammen. Es ist fünf vor Zwölf, obwohl ich gar nicht von der „ewigen Uhr” anfangen möchte. Neun Spiele hat der HSV noch, gegen Berlin, in Leverkusen, gegen Wolfsburg, in Bremen, gegen Augsburg, in Mainz, gegen Freiburg, in Stuttgart und gegen Schalke 04. Und einige Experten hatten schon vor Wochen errechnet, dass der HSV fünf, mindestens aber vier Siege benötigt, um zu überleben. Die Spiele aber werden immer weniger, und Hamburger Siege stellen sich partout nicht ein. Wo wird das enden? Immer mehr Fans, Experten und Ehemalige sind fertig mit den Nerven und behaupten: „Diesmal steigt der HSV ab!” Zumal sich die Entwicklung des Vorjahres noch nicht abzeichnet. Damals verloren Braunschweig und Nürnberg immer einträchtig mit, jetzt tun es die Stuttgarter noch, und Paderborn sackt immer tiefer ab – aber ansonsten wehren sich die Abstiegskandidaten 2015 wesentlich besser – als der HSV.

 


 

 


„Wir sind wieder ein Stück weitergekommen, auch wenn die Ergebnisse nicht passen. Aber die werden irgendwann kommen, da bin ich mir ganz sicher.” Hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer abends bei seinem zweiten Auftritt im ZDF-Sportstudio gesagt. Eine mutige Aussage, denn zu Buche stand und steht ja immerhin die 1:3-Niederlage in Augsburg.

 

Dieses „Dokument” habe ich heute per Zufall entdeckt. Es stammt vom 29. November 2014. Die Ergebnisse stimmen immer noch nicht, und es fällt mir persönlich schwer, daran zu glauben, dass sie noch einmal besser werden. Bei 16 geschossenen Toren! SECHSZEHN! In 25 Spielen. Ich sah gestern noch die Schlussphase von Dortmund gegen Köln (0:0). In der Schlussphase des Spiels fuhren die „Geißböcke”, denen nachgesagt wird, dass sie mauern würden, einen mustergültigen Konter-Angriff, wie ihn der HSV nicht hinbekommen würde. Sechs Kölner liefen im Sprinter-Tempo gegen den BVB-Strafraum an, sechs! Ich muss es wiederholen: sechs! Und Dortmund hat im Gegenzug kein Tor geschossen (logisch, bei 0:0), aber der BVB schoss auch deshalb kein Tor, weil alle Kölner – kurz vor Schluss – im Sprinter-Tempo wieder hinten waren. So geht Fußball. Beim HSV läuft meistens nur einer nach vorne, das ist der leidgeprüfte Ivica Olic, der arme Teufel – und die anderen sehen meistens zu und wünschen viel Erfolg. Warum sollten sie auch mit nach vorne laufen, der Ball geht doch gleich wieder verloren. Dann kann man auch hinten bleiben und getrost auf den nächsten Angriff des Gegners warten.

 

Nein, meine Herren, es stimmt hinten und vorne nicht. Vorne ganz offensichtlich, aber hinten deswegen, weil es kaum Unterstützung für den Einzelkämpfer dort vorne gibt. Sechszehn Tore: Das muss man sich mal vorstellen. In 25 Spielen. Das ist doch unfassbar. Und zu diesem Dilemma gesellt sich dann auch noch viel Pech. Hier ab und zu mal ein „falscher Elfmeter” (wie zum Beispiel in Augsburg und Frankfurt), dort mal ein „richtiger” Strafstoß mit anschließendem Platzverweis – und wer weiß schon, was es in Zukunft noch alles für und gegen den HSV geben wird? Auch an Verletzungen? Immer wieder aufbrechende Blessuren, oder auch neue, wie jetzt zum Beispiel Heiko Westermann. Der Routinier erlitt in Sinsheim eine Innenbandverletzung im Knie. Und eine solche Verletzung klingt nicht nur nicht gut, sie dürfte auch nicht schnell zu „beheben” sein. Zumindest das „Endspiel” gegen Hertha dürfte „HW4″, der in Sinsheim sein 150. Bundesliga-Spiel mit der Raute auf der Brust absolvierte, schon einmal verpassen.
Wobei ich mir jeglichen weiteren Kommentar verkneife, das darf sich ein jeder hier selbst eintragen . . .

 

Der HSV, das nur mal so zur Erinnerung, ist die schwächste Auswärtsmannschaft der Liga. Zwei Siege, neun Pünktchen und sechs (!) zu 24 Törchen. Wir schreiben inzwischen März 2015 – wer soll denn aus der Bundesliga absteigen? Die Tabelle lügt nicht, heißt es immer so schön. Aber, und das sei nun mal zum Öffnen der Augen angeführt, aus welchem Stoff sind eigentlich Absteiger gebaut? Gerade jetzt, zu diesem Zeitpunkt der Saison, wo es mit allen Entscheidungen enger, enger und enger wird, darf das ja mal gefragt werden. Und mal ehrlich, warum ist das Hertha-Spiel denn jetzt auf einmal so wichtig? Hoffenheim wäre auch mal ganz wichtig gewesen. Und die Gegner zuvor wären auch alle schon ganz, ganz wichtig gewesen. Wie oft haben wir das schon gehört, dass das alles so wichtig ist. Und dann? Passiert doch meistens nichts. Wie oft stand er HSV in der jüngeren Vergangenheit schon vor ganz wichtigen Spielen – und hat dann doch nichts geholt. Unzählige Male gab es das schon. Unzählige Male. Ich kann und mag es nicht mehr hören.

 

Natürlich hatte der HSV in Sinsheim das Pech, dass Jaroslav Drobny früh die Rote Karte gesehen hatte. Es war der zweite Platzverweis eines HSV-Torhüters seit de, 17. September 1994, als Uli Stein beim 1:1 gegen Bayern München Rot gesehen hatte. Die Statistik damals in den Spielen davor liest sich zudem ziemlich gruselig, das nur mal so nebenbei: Gelb
-Rot für Andreas Sassen (am 19. August gegen Stuttgart), Gelb-Rot für Valdas Ivanauskas (am 3. September gegen den KSC) und Rot für Michael Kostner am 10. September im Pokalspiel gegen Schalke – und danach Stein. Der hatte bekanntlich davor schon einmal „voll“ Rot gesehen, im DFB-Supercup gegen Bayern München (18. Juli 1987, 1:2 verloren), als er die „Kobra“ schlug – Jürgen Wegmann.

 

Ich sprach es ja bei „Matz ab live“ kurz an, es sei noch einmal erwähnt: Am 28. Januar 2001 verlor der HSV daheim gegen Hertha BSC 1:2. Rob Maas sah in der 28. Minute Rot, Jörg Butt verwandelte den Elfmeter zum 1:0 für den HSV – Halbzeit. Dann stellte Berlins Trainer Jürgen Röber um, von Vierer- auf Dreierkette, hatte dadurch einen Mann mehr im Mittelfeld – und der HSV verlor noch 1:2. Unterstützt auch durch eine Rote Karte für Rodolfo Cardoso (77.) – zu diesem Zeitpunkt hieß es 1:1. Aber, und das ist die Moral von der Geschicht, es geht doch, auch aus einer solchen schweren Situation noch „etwas“ zu machen.
Man muss es nur wollen? Nein, so einfach ist es dann doch nicht. Man muss auch die nötige Qualität haben, das trifft es wohl eher.

 

Und daran hapert es beim HSV gewaltig. Zwei mickrige Chancen hatten die Zinnbauers, die ja immerhin noch ohne Marcell Jansen, Slobodan Rajkovic, Marcelo Diaz, Nicolai Müller, Pierre-Michel Lasogga, Johan Djourou und Maximilian Beister auskommen mussten, in Sinsheim. Zwei. Ganze zwei. Nach einer Ecke kam Cleber zum Kopfball, Baumann hielt (61.). Und kurz vor Schluss, unmittelbar vor dem 0:3, zog Zoltan Stieber aus 16 Metern ab, traf aber genau TSG-Keeper Baumann. Ansonsten null Chancen.

 

„Anderen Mannschaften in Unterzahl wäre es nicht anders gegangen, als uns heute”, befand der für Drobny eingewechselte Rene Adler, befand zur misslichen Tor-Lage seines Teams aber auch: „Wir müssen auch mal einen machen, dann nehmen wir halt ein 1:1 mit. So machen wir blind auf und verlieren das.” Und zu diesem schwierigen Thema äußerte sich auch Joe Zinnbauer, der nach dem Spiel dem ZDF sagte: „Wichtig ist, dass die Tore in den wichtigen Spielen fallen. Am Freitag gegen Hertha BSC, da muss ein Tor fallen, und wenn wir dann keines bekommen, dann hätten wir schon mal drei Punkte mehr auf dem Konto . . .“ Wenn wir dann keines bekommen. Jawollo. Wenn.

 

Aber das ist alles Zukunftsmusik. Erst einmal schwebt hier noch ein, zwei Tage Hoffenheim durch den Volkspark, und das ist schlimm genug. „Da geht man natürlich enttäuscht raus. Die Situation ist nach wie vor nicht gut”, sagte HSV-Sportdirektor Peter Knäbel. Zwei Pünktchen Vorsprung auf den Relegationsplatz, nur zwei Pünktchen. Vor dem SC Paderborn, von dem sein Trainer Andre Breitenreiter nach der Niederlage in Frankfurt gesagt hat: „Heute haben wir gespielt wie ein Absteiger.“ Der Aufsteiger wandelt, zum Glück für den HSV (?), auf den Spuren von Nürnberg und Braunschweig. Ich glaube aber immer noch nicht, dass Stuttgart dort unten bleibt. Ich traue es Huub Stevens nach wie vor zu (und bin da ja in einem Boot mit den VfB-Verantwortlichen), dass der die Schwaben noch rettet. Denn eines muss ja festgestellt werden: So schlecht, wie es das 0:4 besagt, waren die Stuttgarter in Leverkusen nun wirklich nicht. Im Gegenteil, irgendwie habe ich nach wie vor das Gefühl, dass der VfB noch ein ganz gute Offensive hat . . .
Und der HSV hat eben keine. Das muss man so sehen – bei nur 16 Dingern. Knäbel sagt vielsagend über die Freitags-Partie gegen die Berliner: „Da müssen wir das machen, was nötig ist – nämlich den direkten Konkurrenten zu Hause schlagen. Gegen einen direkten Konkurrenten haben wir aber nicht immer überzeugt . . .” Leider ist es so. Leider, leider. Deswegen fügt Knäbel auch hinzu: „Dieses Spiel ist das bisher wichtigste Spiel in der Rückrunde für uns.”

 

Stimmt. Und als HSV-Fan kann man nur hoffen. Trainer Zinnbauer aber weiß schon, wie es mit einem Dreier klappen könnte: „Ich hoffe, dass einige Verletzte zurückkommen. Dann werden wird das Ding schon hinkriegen.” Der HSV-Coach hatte sich in Sinsheim nach der Pressekonferenz kurz verlaufen, war statt in die HSV-Kabine in den TSG-Fanshop gegangen. Seine scherzhafte Erklärung: „Ich wollte noch ein paar Fan-Artikel kaufen.” Aber so gut war Hoffenheim doch wirklich nicht. Ich hätte es gerne mal gesehen, wie das Spiel bei elf gegen elf ausgegangen wäre. Aber es ist müßig, darüber zu lamentieren oder zu spekulieren, es ist wie es ist.

 

Und unter dem Strich ist es schlimm. Schlimm bestellt um den Dino. Obwohl, es gibt doch drei kleine Aspekte, eigentlich Aspektchen, die irgendwie einen kleinen Hauch von Optimismus versprühen, die auch etwas versöhnlich (?) stimmen (könnten):

1.) Rene Adler zeigte nach seiner Einwechslung eine starke Leistung, er verhinderte eine noch höhere Niederlage. Und er unterstrich dabei seine Ansprüche, wieder als Nummer eins ins Tor des HSV zurückkehren zu wollen. Nach dieser Vorstellung in Sinsheim muss man ihm bestätigen, dass er wieder auf einem guten Weg ist, zumal Drobny nach seinem Rot ja wohl mindestens für ein Spiel gesperrt werden wird.

2.) Lewis Holtby „turnte“ zwar nur einige Minuten über den Sinsheimer Rasen, aber in dieser kurzen Zeit machte er einige gute Sachen. Das macht (mir) Mut. Auch wenn er nach der langen Zwangspause natürlich noch nicht wieder in Form sein kann, das ist schon klar. Dennoch ist auch er einer, auf den die HSV-Anhänger noch hoffen dürfen. Ich hoffe mit. Aber ganz kräftig sogar.

3.) Großartig war, dass die HSV-Fans ihr Team in Sinsheim mit Beifall verabschiedeten. Das ist doch mal ein Zeichen. Super! Vielleicht ist das ein Anreiz für alle, ihren Lieblings-Club in den restlichen Spielen so zu unterstützen, wie es sich für einen „richtigen“ Fan gehört, anstatt eigene Spieler auszupfeifen. Ich wiederhole mich in diesem Punkt gerne: Jetzt muss alles dafür gegeben werden, damit der HSV „drin“ bleibt. Alles. Gepfiffen, gemeckert oder verurteilt darf dann im Sommer werden, dann ist genügend Zeit dazu da – es findet ja keine WM oder auch nur eine EM statt. Deswegen war der Beifall der „Mitgereisten“ eine echte Wohltat – mehr davon. Bitte, bitte mehr davon. Auch wenn es mitunter, bei der Art des Fußballs, der vom HSV dargeboten wird, schwerfällt.

 

Gefragt wurde ich seit gestern um 17.20 Uhr oftmals nach Rafael van der Vaart. Der „kleine Engel“ schmorte 90 Minuten auf der Ersatzbank. Ich muss immer noch gestehen, dass ich mir (es ist meine ganz persönliche Meinung, aber die will so mancher hier ja auch hören) wünschen würde, dass „Raffa“ wieder in dieses HSV-Team zurückkehrt. So schlecht, dass er in dieser gelegentlich richtig schlechten Mannschaft noch abfallen würde, ist er gewiss nicht. Er weiß immer noch, was er mit der Kugel am Fuß zu tun hat. Und gerade jetzt, wo es im Abstiegskampf um fast schon alles geht, ist auch ein Tick Erfahrung gefragt. Schnelligkeit hin, Langsamkeit her. Bekommt van der Vaart genügend Unterstützung von seinen Kollegen, und ich meine damit nicht nur die läuferische oder kämpferische Unterstützung, sondern auch die moralische, dann wird er es allen noch zeigen, dass er es nicht verlernt hat. Davon bin ich überzeugt, auch wenn das natürlich einige, etliche oder viele inzwischen längst anders sehen.

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal in die Vergangenheit gehen. Der HSV hat ja schon oft genug mit dem Rücken zur Wand gestanden, wo wie jetzt. Immer wieder zog der Club noch den Kopf aus der Schlinge. Und ich muss, wenn ich daran denke, immer wieder an Sascha Jusufi denken. Der HSV-Mittelfeldspieler war in der Saison 1989/90 zwar kein Kapitän, er gehörte aber zum Mannschaftsrat, und er rüttelte wochenlang seine Mitspieler auf, schärfte alle Sinne für den Abstiegskampf. Bei den Spielen, im Training und drumherum. Der HSV stand am 29. Spieltag an vorletzter Stelle, lief dann aber noch auf Platz elf ein – fünf Punkte besser als der erste Absteiger (Waldhof Mannheim). Jusufi prägte damals ein Motto, dass heute, bei der heutigen Generation von Profis, wohl kaum noch Gehör finden würde. Er sagt immer und immer wieder: „Ich werde mir hier den Hintern aufreißen, ich werde alles für den HSV geben, und das erwarte ich auch von jedem meiner Kollegen, denn ich möchte nicht in der Reihe jener Spieler stehen, die erstmalig für den Abstieg des HSV in die Geschichtsbücher eingehen.“ Aber juckt das heute noch einige Spieler? Ich glaube nicht. Dann denke ich kurz mal wieder an jene Kicker, die vor einem Jahr nach Hamburg ´geholt wurden, die aber nie ankamen, die eigentlich und bestimmt nie wussten, für welchen Verein sie da jetzt die Knochen hinhalten sollen: Ola John und Quasim Bouy. Und von diesen Johns und Bouys gibt es heute, allgemein in der Bundesliga, genügend Vertreter. So irre ist das Fußball-Geschäft inzwischen geworden.

 

Fast zum Schluss möchte ich mit dem „Schneckenrennen” aussteigen. Das „Rennen“ der diesjährigen Abstiegskandidaten kommentierte Joe Zinnbauer in Sinsheim dann doch noch mit einem Schuss Humor: „Wenn man unten drin hängt, ist es manchmal gut, wenn es beim Schneckentempo bleibt. Sonst würden uns andere überholen.” In diesem Sinne, hofft darauf, dass die alte Dame aus Berlin am Freitag ihre Zähne in der Schublade lassen wird.

 

Dann möchte ich mich noch einmal für die Panne mit „Matz ab live“ entschuldigen, und zwar ganz, ganz herzlich. Wenn einer stirbt bei einer solchen Vorstellung, dann bin ich das. Das möge man mir glauben. Ich habe leider erst nach dieser Nicht-Sendung davon erfahren, und dann bin ich immer so am Ende, dass ich nichts mehr sehen, hören und schreiben will. Nur weg, nur weg vom Ort des Grauens. Tut mir leid, dass wir Euch so lange in Unwissenheit gelassen haben, es soll nicht wieder passieren. Aber da bleibt mir – wie in der oben ausführlich angeführten Sache – auch nur das Prinzip Hoffnung

Ich habe aber volles Verständnis dafür, wenn zum Beispiel der Herr „Scorpion” geschrieben hat:

„@ Mods, @ Dieter@ Scholle.
.
Sorry, aber Eure Öffentlichkeitsarbeit ist genau so grenzwertig, wie die des HSV.
.
Könnt Ihr nicht einmal proaktiv hier einstellen, ob, wann und ob überhaupt ein „Matz ab live” stattfindet?
.
Unprofessionell. Leider.”

Stimmt. Auch leider. Aber wie gesagt, ich erfuhr es erst nach der Nicht-Sendung. Gute Nacht.
Bei der Gelegenheit möchte ich mich schnell noch einmal bei Ex-HSV-Profi Stefan Schnoor und Kult-Sänger Lotto King Karl bedanken, die wieder einmal Super-Gäste und ganz einfach nur klasse waren – vielen, vielen Dank dafür!
Dieter

 

PS: Im Prinzip dürfte morgen, am Montag, im Volkspark trainiert werden, weil ja jetzt schon am Freitag das nächste Spiel auf dem Programm steht, ich weiß aber leider nicht, wann dieses Training stattfinden wird.

 

18.31 Uhr

“Kommt, Leute, immer positiv!”

27. September 2014

Der Druck wird sicherlich noch größer, und das gleich in dreifacher Hinsicht. Der HSV jagt ja nicht nur seinem ersten Saison-Tor hinterher, er konkurriert auch mit dem VfL Bochum um den Negativ-Rekord und der Sache mit der 25. Minute, und der HSV wartet immer noch auf den ersten Dreier dieser Saison. Da lastet viel auf den Schultern der vornehmlich jungen Hamburger Spieler, die unter solchen Vorgaben ganz sicher nicht alle unverkrampft in dieses so wichtige Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt gehen werden. Deswegen wäre es super, wenn die HSV-Anhängerschaft ihre Mannschaft wieder so großartig unterstützen würde, wie es im letzten Heimspiel beim 0:0 gegen die Bayern der Fall war. Irgendwann wird und muss der Knoten platzen, wie schön wäre es, wenn das morgen gelingen würde. Motto: „Tore, Sieg, Punkte – und Luft holen.“

 

Viele, wenn nicht alle, Augen werden auf Pierre-Michel Lasogga ruhen, verbunden mit den Fragen: „Was gelingt ihm diesmal? Endlich mal sein Tor?“ Er wird, davon bin ich überzeugt, es schon mal wieder schaffen. Und wenn der HSV dann ohne ein Lasogga-Tor gewinnen sollte, dann ist auch gut. „Solche Phasen, dass ein Torjäger mal eine längere Zeit mal nicht trifft, gibt es eben, die hat jeder schon mitgemacht“, sagte mir einst der große Uwe Seeler mal. Sein Rezept: „Schießen, schießen, immer wieder schießen, es immer wieder versuchen – bis es klappt.“ Uwe Seeler selbst weiß, wie es ist, lange nicht zu treffen, in der Saison 1971/72 blieb er mal 749 Spiel- und Bundesliga-Minuten ohne Tor. Und er hatte dann ja auch einen namhaften Kollegen, dem das ähnlich erging: Gerd Müller. Der wurde dann, als diese Torflaute zu lange gedauert hat (das war, denke ich, 1975), kurzerhand als Libero des FC Bayern aufgestellt (FCB-Trainer war Dettmar Cramer). So gewann Müller seine Sicherheit wieder, und als es dann nach vorne ging, da fielen sie wieder wie reife Früchte, die Müller-Tore. Wobei ich Lasogga ganz bestimmt nicht hinten sehen möchte.

 

Denk ich an Frankfurt im Zusammenhang mit HSV und Bundesliga, fallen mir zwei ganz unterschiedliche Spiele ein. Am 14. November 1998 siegten die Hessen in ihrem letzten Spiel im alten Volksparkstadion mit 1:0, obwohl der HSV keine so schlechte Mannschaft auf den Rasen geschickt hatte: Butt, Groth, Hertzsch, Hoogma, Hollerbach, Fischer, Spörl (61. Kirjakow), Vogel (83. Grubac), Dembinski, Dahlin, Yeboah. „Lumpi“ Spörl verschoss beim Stande von 0:0 einen Elfmeter . . .
Ein ganz schlimmes Spiel gab es dann kurze Zeit danach, das war am 3. Dezember 1999. Das Stadion „voll“ in der Umbauphase, ohne Dach, und es regnete und stürmte und was nicht sonst noch alles. Ungemütlich ist untertrieben, es war fürchterlich. Ich weiß noch, dass viele Kollegen in das Innere des Stadions geflüchtet waren, um dort das Spiel per Fernseher zu sehen – es war, das gebe ich zu, nicht zum aushalten. Aber der HSV gewann immerhin mit 1:0, wobei Anthony Yeboah das entscheidende Tor in der 77. Minute erzielt hatte.

 

Zu Frankfurt fällt mir dann noch eine ganz besondere (oder sonderbare?) Geschichte ein. In der Redaktion klingelte das Telefon, am anderen Ende ein Eintracht-Präsident (von dem ich diesen Anruf NIE erwartet hatte!), der mich nach einem ehemaligen Hamburger befragte: „Wie ist er als Mensch, wie ordnet er sich ein, was hat er für Macken – kann die Eintracht den verpflichten . . ?“ Das fand ich mal ganz professionell, dass sich ein Vereins-Chef auf diese Art erkundigte. Um welchen Spieler es sich dabei gehandelt hat, das lasse ich genau so offen wie die Frage, ob die Hessen den Kandidaten dann auch verpflichtet haben.

 

Ja, die Frankfurter. Sind ja eigentlich der Lieblings-Gegner des HSV, denn gegen keinen Verein schaffte der HSV mehr Siege – nämlich 41 (davon 30 im Volkspark). Und von den letzten elf Auftritten in Hamburg konnte die Eintracht nur einen gewinnen. Ein gutes Omen für morgen? Eher nicht, ich gebe auf eine solche Statistik überhaupt nichts. Was haben Nicolai Müller, Johan Djourou, Matthias Ostrzolek, Zoltan Stieber, Lewis Holtby und zum Beispiel auch Torjäger Lasogga mit dieser HSV-Statistik zutun? Nichts. Null. Alles muss sich in jedem Spiel neu erarbeitet werden. Und da könnte morgen schon mal helfen, wenn bei den Hessen der „harte Knochen“ Zambrano (er konnte drei Tage lang nicht trainieren) nicht dabei wäre, er soll ja eine dicke Mandelentzündung haben.

 

Beim HSV waren alle Spieler zum Abschlusstraining erschienen – und fast alle gingen auch heil vom Rasen. Einzig Artjoms Rudnevs zog sich eine Verletzung zu, der Lette musste das Training mit einer Knöchelverletzung vorzeitig beenden. So, wie es zurzeit aussieht, jetzt ein paar Minuten nach dem Training, wird der Stürmer wohl ausfallen. Viel Pech für „Rudi“, viel Pech auch für den HSV.
Von den Langzeit-Verletzten war an diesem Sonnabend auch Marcell Jansen wieder dabei, zudem Julian Green, aber beide Spieler werden wohl zunächst nur auf der Bank sitzen, denn Trainer Joe Zinnbauer, so hat es den Anschein, wird seine Startelf der letzten beiden Partien nicht verändern. Da heißt es für jeden anderen erst einmal, sich hinten anzustellen. Mit im Training wieder Tolcay Cigeri und Valmir Nafiu, dazu Gojko Kacar, der zuletzt zwar trainierte, aber nicht mit im Kader war.

 

Beim heutigen Abschlusstraining, das um 16.30 Uhr begann, begannen die Profis mit zwei Handballspielen – hier die A-Elf, dort das B-Team. Danach gab es einige Laufübungen, und dann ging es ans Eingemachte. Pässe und Laufwege wurden geübt. Zinnbauer griff immer wieder lautstark ein, unterbrach, gab Tipps, forderte Konzentration. Immer und immer wieder. Das war unheimlich akribisch – und ich hoffe mal, dass es die Jungs verstanden haben, was der Coach von ihnen will. Später wurde dann auf ein Tor gespielt, immer wieder die Eröffnung probiert. Und es war schon schön zu sehen, wie sich die Spieler (und auch die Trainer!) immer wieder gegenseitig anfeuerten. Als einmal mehr eine Torchance vergeben worden war, stand Lewis Holtby neben dem Tor und klatschte in die Hände, schrie dabei: „Kommt, Leute, immer positiv!“ Ja, positiv denken, dass ist das Motto der Stunde. Es ist aber einfacher gesagt als getan. Als Pierre-Michel Lasogga einmal freistehend an Jaroslva Drobny gescheitert war, da drehte der Torjäger – den Kopf hängend – eine kleine „Ehrenrunde“, bei der er sich zu fragen schien: „Wieso klebt mir das Pech so an den Stiefeln?“ Das mag ja morgen schon wieder ganz anders sein . . . Fazit: Es war ein inhaltsreiches, lautstarkes Training, der Coach gab dabei alles – er wird auch morgen alles geben und die Mannschaft nach vorne pushen, davon bin ich überzeugt. Es ist wieder ein ganz anderes Leben in der Bude, das muss und wird sich demnächst schon wieder auszahlen. Ich bin davon überzeugt.

 
Kurz noch zum Schiedsrichter am Sonntag, die Partie wird von Florian Meyer geleitet.

 

Passend zum morgigen Spiel habe ich zwei Sprüche gefunden, die sich jeder von Euch mal auf der Zunge zergehen lassen kann (könnte). Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking hat im vergangenen Jahr einmal gesagt: „Wir sagen immer nur, wir wollen, wir sollen, wir können, wir dürfen – wir sollten es einfach mal machen.“ Und der Bremer Sportchef Eichin hat in der vergangenen Saison einmal befunden: „Wer nach fünf Spieltagen den Kopf in den Rasen steckt, verliert die Richtung aus den Augen.“ Wie wahr.
Und, wo ich gerade dabei bin, auch von Rene Adler gibt es da noch einen Spruch (im März 2013 gesagt), der erwähnenswert ist: „Wenn wir jetzt ausgeben, um Platz neun oder zehn zu spielen, dann kann ich auch Urlaub buchen . . .“
Ich wäre jetzt schon mit Platz neun oder zehn sehr zufrieden, Urlaub hin, Urlaub her.

 

Dann möchte ich eine Mail thematisieren, die uns in diesen Tagen erreicht hat:

 

Lieber Dieter und lieber Scholle,

vielleicht erinnert Ihr Euch an uns –
wir haben „gemeinsam” im Champs Slomkas letztes Spiel geschaut.
Heute früh habe ich in der Welt den Bericht über Ultras gelesen (sehr
lesenswert!) und wollte Euch anregen und bitten, mal zu schreiben, wie es
sich inzwischen mit Fans und Stimmung verhält beim HSV, bei Heimspielen und
auswärts. Da gab es ja große Bedenken und Drohungen, was sich mit der AG
alles ändern wird. Habe das Spiel gegen Bayern nur auf Sky gesehen, aber
da hörte es sich nach super Stimmung an.
Herzliche Grüße (hoffe, dem kleinen Mats geht’s gut) und alle Daumen
hoch für Sonntag, Lucielotte.

 

Liebe Lucielotte, natürlich erinnern wir uns an Euch. Und zu Deinen (Euren) Beobachtungen ist zu sagen, dass Ihr richtig beobachtet habt. Die Stimmung während des Bayern-Spiels war tatsächlich super, und deswegen hoffen wir, dass es auch gegen Frankfurt wieder so sein wird – diese neue Mannschaft braucht ja auch dringend Unterstützung vom zwölften oder auch 13. Mann.

 

Da wir auswärts nicht dabei sind, kann ich nur das schreiben, was ich bislang gehört habe. Die HSV-Fans sollen sich in der Fremde bislang noch ein wenig leiser verhalten haben. So haben es auch einige Spieler wahrgenommen. Ich glaube aber, das wird noch kommen – wie schon im Volkspark. Da wurde ja auch prophezeit, dass es in dieser Saison wesentlich ruhiger zugehen würde, aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Auch weil die Damen und Herren von „Poptown“ im Norden die Zügel in die Hand genommen haben und die (laute) Richtung vorgeben. Danke dafür!

 

Passend dazu, naja, fast passend, gab es nun die folgende Nachricht:

 

DFL Deutsche Fußball Liga GmbH: 40-2014/ Stellungnahme des Ligaverbandes zum Pilotversuch des Landes Nordrhein-Westfalen in Bezug auf das Thema Polizei-Einsätze

 

„Der Pilotversuch des Landes Nordrhein-Westfalen hat sich offensichtlich gelohnt. Die vorliegenden Zahlen unterstreichen: Wenn alle Beteiligten in ihrem jeweiligen Bereich an Verbesserungen arbeiten und nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sind Lösungsansätze im Sinne der Sache möglich. Der Weg, bei Spielen mit voraussichtlich geringerem Konfliktpotenzial weniger Polizei einzusetzen, hat sich als vielversprechend erwiesen. Sicherlich wird der Pilotversuch auch in anderen Bundesländern Beachtung finden. Die Liga und ihre Clubs stehen weiterhin für einen zielführenden Dialog mit Politik und Polizei unter Einbeziehung der Fans zur Verfügung.“

 

 

So, morgen nach dem Spiel gibt es natürlich wieder „Matz ab live“, „Scholle“ und ich begrüßen dazu – hoffentlich – wieder zwei Gäste. Bislang warten wir allerdings noch auf die zweite Zusage, deswegen erst nach dem Schlusspfiff die Namen der Personen, mit denen wir über das Spiel sprechen werden.

 

PS: Immer wieder werde ich auf die „de Vrij“-Geschichte rund um „Scholle“ angesprochen. Das hat wahrlich Kreise gezogen, so etwas vermutet man gar nicht. Als gäbe es keine anderen Sorgen rund um den HSV. Vor einer Woche wurde ich beim „nicht-öffentlichen“ Training von einem „Matz-abber“ aus dem Hessischen darauf angesprochen, heute wurde ich beim „Nicht-öffentlichen“ schon wieder gefragt. Fakt ist: „Scholle“ wird sich erklären, und dazu wird er von hoch-kompetenter Seite Unterstützung erfahren. Allen denjenigen, die bis jetzt eine Sensation wittern, denen kann ich den Wind aus den Segeln nehmen, diese Sache wird ganz unspektakulär enden, weil „Scholle“ schlicht und einfach die Wahrheit geschrieben hat. Ich weiß es, und Ihr werdet es demnächst erfahren. Obwohl „Scholle“ schon richtig liegt, irgendwie ist es schon paradox. Aber gut, so ist unsere Welt inzwischen wohl geworden.
Ich kann mich für uns nur wiederholen: Wir schreiben hier nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Und wenn jetzt einige wieder in die Luft gehen, weil ich einst im Doppelpass gesagt habe, dass der oder dieser neuer Trainer des HSV wird, so war das erstens nicht geschrieben, und zweitens in die Zukunft gesehen. Und da wissen wir alle, seit der Sammer-Time, dass in letzter Sekunde immer noch etwas dazwischen kommen kann. Obwohl ich gerade zu Sammer sagen muss: Ich hoffen immer noch, dass er eines Tages erklären wird, warum er von seiner Zusage doch noch zurückgetreten ist. Und wenn er es in seinen Memoiren schreiben wird.

 

Verlebt einen netten und wunderschönen Sonnabend und bis zum Anstoß um 17.30 Uhr, und dann drückt die Daumen, dass es an diesem Sonntag gegen 19.25 Uhr etwas Erfreuliches gibt – erstes HSV-Tor und erster HSV-Sieg 2014/15. “Kommt, Leute, immer positiv!”

 

Dieter

18.24 Uhr

Slomka kommt, Aufsichtsräte gehen!

16. Februar 2014

„Wir sahen uns zum jetzigen Zeitpunkt gezwungen, diese Entscheidung zu treffen, obwohl wir sie gleichwohl bedauern“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer über die Entlassung von Trainer Bert van Marwijk. Eine Trennung im besten Einvernehmen, irgendwie sind sie nicht nur alles Freunde, sie gehen auch als Freunde. Das ist wie Friede, Freude, Eierkuchen – wenn es nicht alles so furchtbar schlimm wäre, wenn es nicht alles so furchtbar schlimm um den HSV bestellt wäre. Und damit ist nicht in erster Linie gemeint, dass sich der HSV seit Wochen und vor allem in der vergangenen Woche zum Gespött von Fußball-Deutschland gemacht hat. Es geht hier und heute und morgen nur darum, den Dino in der Ersten Bundesliga zu halten, nur das ist der einzige Aspekt, der jetzt noch zählt. Es ist mir wurscht und total egal, was aus diesem Aufsichtsrat wird, wie viele zurücktreten oder bleiben, es geht nur um die Rettung des HSV. Dafür muss jetzt jeder alles geben.


Inzwischen ist es so, dass der HSV Mirko Slomka als neuen Trainer unter Vertrag genommen hat. So berichten es einige Agenturen, aber der HSV hat es immer noch nicht bestätigt – jetzt um 18.45 Uhr. Ich gehe aber fest davon aus, dass es Slomka wird.

Um Euch den neuen Coach einmal in Zahlen aufzubröseln – das ist Mirko Slomka (46):

Geboren am 12. September 1967 in Hildesheim. – Verheiratet mit Gunda, zwei Kinder (Lilith und Luk). – Abgeschlossenes Lehramts-Studium in Sport und Mathematik. – Stationen als Trainer: Hannover 96 (A-Jugend, 1989-99), Tennis Borussia Berlin (A-Jugend, 1999-2000), Tennis Borussia Berlin (2000), Hannover 96 (Co-Trainer, 2001-2004), Schalke 04 (Co-Trainer, 2004-2006), Schalke 04 (2006-2008), Hannover 96 (19. Januar 2010 bis 27. Dezember 2013), Hamburger SV (ab 16. Februar 2014). – Erfolge als Trainer: UEFA-Cup-Halbfinale (2006), Platz zwei in der Bundesliga und Einzug in die Champions League 2007, Einzug ins Viertelfinale der Champions League 2008 (alles mit Schalke 04), zweimaliger Einzug in die Europa League mit Hannover 96.

Für Abendblatt-Blogs


Kurz noch einmal zurück zu Bert van Marwijk, dem Ritter des Ordens von Oranien-Nassau. Er wird noch in den Genuss einer satten Abfindung kommen, die sich auf cirka zwei Millionen Euro belaufen soll. Nicht mal fünf Monate des bis Sommer 2015 datierten Vertrages hat er erfüllt. Natürlich hat auch Slomka mit dem HSV über einen längerfristigen Vertrag verhandelt – das ist wohl so üblich. Und selbstverständlich nur, um hier in Hamburg langfristig etwas aufzubauen. Wer denkt denn da an eine Abfindung? Das können doch nur ganz böse Menschen machen . . . Zumal es der HSV ja nun wirklich hat. Das nötige Kleingeld.

Van Marwijk soll seinen Spielern laut „ Mopo“ zum Abschied noch gesagt haben: „Ich glaube auch weiterhin an euch, wie ich es die ganze Zeit gemacht habe. Ich gönne es euch und wünsche euch viel Glück.“

Bert van Marwijk ist nach 144 Tagen mit einer niederschmetternden Bilanz gegangen (worden): 15 Liga-Spiele, neun Niederlagen, drei Siege, drei Unentschieden sowie eine Serie von sieben Bundesliga-Schlappen nacheinander. 0,8 Punkte pro Spiel, das ist die zweitschlechteste Bilanz eines HSV-Cheftrainers nach Michael Oenning (0,64).

Alles neu macht der Mai . . . Im Moment liegt der gesamte HSV am Boden. Und irgendwie findet keiner der Dreh, sich dagegen zu wehren, um wieder aufzustehen. Ja, nun rappelt es mächtig im Karton. Um es mit Bert van Marwijk und der Frankfurter Rundschau und meinem Kollegen Jan-Christian Müller zu sagen: „Ein Verein zerstört sich selbst“. Und zwar nicht erst in diesen Tagen, sondern dieser Zerstörung-Prozess hat schon vor einigen Jahren begonnen und wurde dann systematisch verfeinert. Das, was sich jetzt im und um den Volkspark herum abspielt, ist nur die logische Konsequenz von dem, was schon vor langer Zeit eingeleitet wurde. Der I-Punkt sozusagen. Ich habe hier schon vor Wochen einige Male gefragt:
„Quo vadis, HSV?“

Als die Führungs-Crew um Carl-Edgar Jarchow den HSV am 16. März 2011 übernommen hatte, da sagten alle Herren unisono: „Wir müssen endlich mehr Kontinuität in diesen Verein bekommen.“ Insbesondere die vielen Trainer-Entlassungen hatten zu diesem hehren Satz inspiriert. Und heute? Nach Michael Oenning und Thorsten Fink ist Trainer Nummer drei gefeuert. Bert van Marwijk. Wobei ich eines gleich sagen möchte: ich, Dieter Matz, war gegen keine dieser Trennungen, ich habe sie sogar befürwortet, weil sie in meinen Augen unumgänglich waren, denn es ist unter der Regie dieser drei Herren – mehr oder weniger – spektakulär nach unten gegangen. Was ich damit nur sagen möchte ist das: Kontinuität ist ein besonders schönes Wort, doch wie schwer es ist, sich daran zu halten, das haben nun alle Führungskräfte des HSV wohl genügend erkannt. Es spricht sich leicht aus, dieses Wort Kontinuität, aber wie unendlich schwer dagegen ist es, einen geeigneten Trainer zu finden. Und wie schwer ist es erst, einen für diesen HSV geeigneten Trainer zu finden! Das ist das ganz große Dilemma. Dieser Verein hatte doch nicht nur schlechte Trainer in der Vergangenheit, aber sie alle sind gnadenlos gescheitert. Trotz der Tatsache, dass sie unter dem Stichwort „Kontinuität“ hatten arbeiten sollen.

Trainer-Suche, Trainer-Findung, Trainer-Verpflichtung, das ist das eine Ding. Aber es gehört eben sehr, sehr viel Fußball-Sachverstand und auch einiges an Fingerspitzengefühl dazu, den wirklich auch passenden Mann zu finden und zu verpflichten. Das Beispiel Bert van Marwijk: Hätten sie beim HSV doch nur einmal in Dortmund nachgefragt, nur einmal. Dann hätten sie alle gewusst, welcher Trainer-Typ van Marwijk ist. Wobei ich nicht weiß, ob sie nicht tatsächlich einmal in Dortmund nachgefragt haben. Wenn sie es tatsächlich gemacht haben sollten, dann waren sie taub – oder sie haben alle Vorbehalte, die es gegen den Niederländer gab und gibt, ganz einfach in den Wind geschlagen. Das wäre dann noch viel fahrlässiger, als sich gar nicht zu erkundigen.

Thomas Helmer, „Sport1“-Experte, hat es heute am Vormittag im „Doppelpass“ (in dem auch „Scholle“ saß und eine ganz starke Figur abgegeben hat!) wunderbar auf den Punkt gebracht. Helmer lebt in Hamburg, bekommt also durchaus einiges von dem mit, was hier unter dem Namen HSV läuft. Und der ehemalige Nationalspieler befand: „Bert van Marwijk hat nie so richtig Zugriff auf diese Mannschaft bekommen.“ Genau so ist es. Oder war es. Erst in den letzten Tagen, als schon nichts mehr (oder kaum noch etwas) zu retten war, hat sich van Marwijk ein wenig mehr Zugang zu seinem Team verschaffen wollen. Zu spät. Er ist ein introvertierter Typ, der ruhig, gelassen, ja, total cool bleibt, in allen Lebenslagen. Beide Hände in den Hosentaschen vergraben stand er am Spielfeldrand – und tat kaum etwas. Andere Trainer sorgen vom Rande aus für Feuer, falls ihre Mannschaft nicht so funktioniert wie abgesprochen, aber van Marwijk hielt seine Hände eisern in den Taschen. Nur ja nicht zu viel von sich preisgeben. So war er immer. Auch in Dortmund. Und er war auch immer schnell weg. Nach den Spielen, nach dem Training. Davon erzählen sie noch heute in Dortmund. Weil auch das einzigartig war. Hätte man aus Hamburg erfragen können, aber hier war man schnell sehr froh, einen erfahrenen Mann, endlich einen erfahrenen Mann (nach dem jungen Hüpfer Fink) mit einem international anerkannten Ruf unter Vertrag genommen zu haben. Man war auch schnell per Du, alles schien freundschaftlich-toll, harmonisch, nett – allerbest. Nur: Hat sich Bert van Marwijk jemals zu 100 Prozent mit dem HSV, mit „seinem“ HSV identifiziert? Wie es sich eigentlich für einen engagierten Trainer gehören würde! Ich hatte nie das Gefühl, dass der Coach, seine Mannschaft, der Verein und auch die Fans eine Einheit sein würden. Nie.

Auch so, wenn sich ein Trainer wirklich uneingeschränkt zu seiner Mannschaft „herablassen“ würde, könnte ein Klima entstehen, dass ein Wir-Gefühl nicht nur fördern, sondern auch längerfristig installieren würde.

Ich bin schon etwas neidisch geworden als ich gestern im ZDF-Sportstudio den Schalker Trainer Keller hörte. Seine Mannschaft hat nun von vier Spielen in diesem Jahr vier gewonnen, von einer Trainer-Entlassung ist in Gelsenkirchen nichts mehr zu hören (und zu lesen). Wolke sieben auf Schalke. Und Keller gab ein Geheimnis preis: „Die Mannschaft ist zusammengerückt, sie hat sich Ende des Jahres ausgesprochen, sie ist eine Einheit geworden, nachdem sie sich auch mal ein paar unbequeme Sätze gesagt hatte. Nun ist einer für den anderen da.“

Darauf hatte ich auch immer mal in Hamburg gehofft, aber wenn es den Spielern nicht vorgelebt wird, dann passiert so etwas eigentlich immer nur dann, wenn es (einige) Erfolge zu feiern gibt. Aber die gab es eben nicht beim HSV. Hier gab und gibt es einen Auflauf von Geschäftsleuten mit einem gemeinsamen Interesse am Fußball, aber in erster Linie denkt natürlich jeder nur an sich selbst. Oder er lässt, ganz einfach, von Beratern, die nur an die Kohle und dann nochmals nur an die Kohle denken, an sich selbst denken.
Auch in diesem Punkt ist der große FC Bayern schon längst ein Vorbild geworden, denn dort spielen nur Jung-Millionäre, und die halten auch noch fest zusammen. Egal, ob nun auf der Bank, auf der Tribüne oder auf dem rasen. Wie die das in München immer hinbekommen, weil Jung-Millionäre ja ganz besonders egoistisch und schwer zu führen sind, ist mir ein Rätsel, aber sie schaffen es. Immer besser sogar. Was natürlich, ist schon klar, auch an jenen Millionen liegen könnte, die dort selbst ein Bankdrücker noch kassiert . . .

Nein, beim HSV hat es schon lange keine Mannschaft mehr gegeben, die der Fan auch als Mannschaft bezeichnen könnte. Die letzte Truppe, die ich so bezeichnen würde, die gab es um das Jahr 2000 herum. Mit Jörg Butt, Tomas Ujfalusi, Nico Hoogma (an erster Stelle), Andrej Panadic, Martin Groth, Sergej Barbarez, Niko Kovac, Roy Präger, Mehdi Mahdavikia, Vahid Hashemian, Bernd Hollerbach, Rodolfo Cardoso, Ingo Hertzsch, Thomas Doll, Marinus Bester, Stig Töfting und, und, und. Dazu noch „Papa“ Frank Pagelsdorf als Trainer. Das war eine Einheit – wenn es auch nicht unbedingt die besten Fußballer waren (schlecht waren sie allerdings auch nicht!). Irgendwann, als die (damals) Verantwortlichen erkannt hatten, dass der Teamgeist beim HSV auf der Strecke bleibt, haben sie sich öffentlich (in den Medien) geschworen: „Wir kaufen jetzt nur noch Spieler mit Charakter ein . . .“ Es blieb, natürlich, das hat der Verein so an sich, bei diesem Vorhaben. Denn auch Spieler mit Charakter zu finden, das ist genauso schwer wie den passenden Trainer für den HSV zu verpflichten. Trotz der besten Vorsätze.

Kleine Unterbrechung, weil ich gerade Augsburg gegen Abstiegs-Mit-Konkurrent Nürnberg sehe (noch 0:0). Wie diese Spieler, und zwar die beider Teams (!) laufen, das ist sagenhaft. Daran kann dieser HSV nicht klingeln, keine Frage. Dagegen ist das HSV-Spiel dieser Wochen und Monate wie Zeitlupe. Wie da gesprintet wird, wie sich da eingesetzt wird, sie da auch nachgerückt wird – das ist vorbildlich, das ist wie aus dem Lehrbuch. Eine solche Art des Fußballs ist dem HSV schon lange, lange abhanden gekommen. Leider, leider.

Und wo ich gerade dabei bin: Laufspiel. Ein Fremdwort in dieser HSV-Mannschaft. Wie oft habe ich in diesem Jahr schon darauf geachtet: „Ballannahme, Ball abspielen, stehenbleiben.“ Letzteres ist natürlich falsch, denn es müsste „freilaufen“ heißen. Weiß man ja, wenn man Fußball spielt. Nur in Hamburg, da weiß man so etwas eben nicht. Da wird Stand-Fußball praktiziert. Immer schön wenig laufen und die Kräfte sinnvoll einteilen, das scheint die Devise vieler HSV-Spieler zu sein. Wenn sie sich diese Art des grauenvollen Fußballs nur mal selbst, im stillen Kämmerlein, jeder für sich, reinziehen würden – sie müssten doch endlich einmal lernen. Oder ist das zu viel verlangt?

Überhaupt laufen. Wer viel im Training läuft, der denkt während es Spiels gar nicht erst daran, dass es gegen Ende der 90 Minuten weniger werden könnte. Wer im Training viel läuft (und laufen muss!), dem geht ein solche Laufspiel in Fleisch und Blut über. Aber es wird ja nicht gelaufen im HSV-Training. Schon lange nicht mehr. Weil nur noch „wissenschaftlich“ trainiert wird. Und „wissenschaftlich“ bedeutet ganz offenbar ein Training ohne laufen. Beim HSV sah das so aus: Zum Aufwärmen ein wenig traben im Zuckeltrab, dann allerhöchstens fünf Minuten schnelleres Laufen, dann Passspiel, dann Kreisspiel, dann Abschlussspielchen. Da blieb keine Zeit mehr für ein intensives Lauftraining. Oh, doch, ich vergaß: Nach dem netten 1:2 gegen den FC Augsburg, da durfte die Mannschaft am Tag danach mal eine runde Dreiviertelstunde laufen. Weil der Trainer not amused war – über das Resultat gegen die No-name-Mannschaft aus Augsburg. Also, immerhin, einmal wurde dann doch schon mal etwas kräftiger gelaufen. Wenn das nichts ist.

Nein, nein, meine Damen und Herren, hier stinkt der Fisch nicht nur vom Kopf her, hier stinkt es überall. In erster Linie ist es natürlich auch so, dass von „oben“ nicht eingeschritten wird. Wenn von „oben“ eine klare Linie vorgegeben sein würde, dann könnte man jederzeit überprüfen, ob sich daran gehalten wird. Und wenn nicht, dann sagt man eben mal ein paar Takte. Werden aber keine klaren Linien vorgegeben, dann tut und lässt ein jeder was er will. Und genau das wird beim HSV schon seit Jahren so gehandhabt. Alle sehen zu und hoffen dabei im Stillen, das es gut geht. Aber es geht schon seit langer, langer Zeit nicht mehr gut – genau das Gegenteil ist der Fall. Was übrig geblieben ist, das ist ein einziger Trümmerhaufen. Diese Mannschaft erscheint – zurzeit jedenfalls – nicht (mehr) bundesligatauglich.

Ja, und in der Zwischenzeit ist der unglaubliche Höhenflug des FC Augsburg gestoppt worden: Nürnberg siegt im Auswärtsspiel 1:0 – ganz bitter für den HSV. Aber wie bereits geschrieben, da reißt sich eben auch ein jeder den Hintern auf: Fußball ist ein Laufspiel. Und ein Kampfspiel. Zeitlupe ist da denkbar ungeeignet.
Und, um das Maß an diesem Wochenende noch voller zu machen: Nun macht auch noch Per Ciljan Skjelbred das 1:0 für Hertha gegen Wolfsburg. Aber dieser Skjelbred, sagt mir gerade mein Kollege von gegenüber, der „hätte auch nicht in diesen HSV hineingepasst, denn der konnte ja laufen . . .“

Apropos: Tragisch war an diesem 2:4-Debakel von Braunschweig natürlich auch, welche Rolle Rene Adler gespielt hat. Seine „Dinger“ haben für diesen Niedergang gesorgt, das ist überhaupt keine Frage. Der HSV war 50 Minuten lang auf der Siegerstraße, dieses Spiel hätte niemals verlorengehen dürfen – wenn nicht der Torwart so grob gepatzt hätte. Diese Vorstellung des (ehemaligen) Nationaltorhüters war schon unglaublich, passt aber auch irgendwie zu diesem desolaten HSV. Alle passen sich an.

Ja, und jetzt soll Slomka den HSV-Niedergang stoppen. Aber kann er das? Und kann überhaupt noch jemand den Absturz des dienstältesten Fußball-Bundesliga-Clubs stoppen? Für mich ist klar: Slomka muss sich zu einem Über-Menschen entwickeln. Weil es in dieser Mannschaft hinten und vorne nicht stimmt, weil nichts, aber auch wirklich nichts intakt ist in dieser Truppe,, weil nicht mal mehr die einfachsten Dinge des Fußball-ABC’s funktionieren. Das ist mal Fakt. Und das ist keine Nestbeschmutzung, das ist die Wahrheit, daran kommt nun wirklich auch keiner mehr vorbei, nicht mal mehr der größte aller HSV-Fans.

Unterdessen sind die Rückzugs-Bemühungen im Aufsichtsrat immer noch nicht abgeschlossen. Mehrere Mitglieder, so wurde kolportiert, seien zum Rücktritt entschlossen. Fest soll stehen, dass Schauspieler Marek Erhardt schon vor einigen Tagen sein Amt niedergelegt hat. Andere sollen folgen, zwei sollen bereits feststehen, drei oder vier Räte überlegen sich diesen Schritt noch . . .

So lange vier der elf Mitglieder starken Gremiums verbleiben, ist der Rat allerdings beschlussfähig. Mindestens vier Mitglieder des elfköpfigen Aufsichtsrates wollen (wollten?) ihre Posten hinschmeißen. Auch der Vorsitzende Jens Meier stand vor einem Rücktritt. Das berichteten meine Kollegen vom Hamburger Abendblatt. So lange vier der elf Mitglieder starken Gremiums verbleiben, ist der Rat allerdings beschlussfähig.

Dazu steht in den HSV-Satzungen unter §17, Aufsichtsrat:

1. Der Aufsichtsrat besteht aus elf Mitgliedern, von denen acht von der Mitgliederversammlung gewählt werden und je ein Mitglied von der Abteilung Fördern- de Mitglieder, der Amateurversammlung und von der Gemeinschaft der Senioren entsandt wird. Die Wiederwahl bzw. erneute Entsendung ist zulässig.
Dann kommen verschiedene Punkte, bis zu jener Passage, die nun greift:

Scheidet ein gewähltes Aufsichtsratsmitglied vor Ablauf der Amtsperiode aus, so bleibt sein Sitz bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung vakant. Sinkt dadurch die Zahl der von der Mitgliederversammlung gewählten Mitglieder des Aufsichtsrates unter vier Personen, so hat der Vorstand unverzüglich eine Mitgliederversammlung zur Wahl der vakant gewordenen Plätze im Aufsichtsrat einzuberufen. Dies gilt nicht, sofern noch mindestens drei von der Mitgliederversammlung gewählte Aufsichtsratsmitglieder im Amt sind und bereits eine ordentliche oder außerordentliche Mitgliederversammlung geplant ist, deren Durchführung in den darauffolgenden drei Monaten erfolgen soll; in diesem Fall findet die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder zur Besetzung der vakanten Plätze in der geplanten Mitgliederversammlung statt.

So, dann habe ich noch eine Bitte in eigener Sache: Ich werde seit Tagen mit sms, Mails und Anrufen geradezu überschüttet, ich muss mein altes Handy dreimal am Tag aufladen. Nach dem „Ding von Braunschweig“ habe ich ABGESTELLT, weil ich mich vor Anfragen nicht retten konnte. Das war der bisherige Höhepunkt in meiner Journalisten-Zeit. Bitte, bitte habt Verständnis, wenn ich nicht alles beantworten kann, der Tag müsste sonst schon mindestens 36 Stunden haben – und mehr.

Eine Mail an mich möchte ich aber kurz noch veröffentlichen, weil sie in vielen Punkten meine Meinung trifft – und vielleicht auch Eure. Vielen Dank auf jeden Fall dem Absender- vielen Dank auch allen, die mir geschrieben haben, die mich angerufen haben. Ihr seid klasse, ich weiß, wie groß die Sorgen sind, die Ihr Euch um Euren HSV macht – es sind auch meine Sorgen, das sollt Ihr wissen:

Hallo Herr Matz,

wie es um Ihren Seelenzustand derzeit bestellt ist, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Unser HSV steht am Abgrund und unsere Herzen weinen. Sie bekommen bestimmt derzeit tonnenweise E – Mails, deshalb versuche ich – dies ist wahrlich nicht einfach 😉 – mich kurz zu halten.

Ich verfolgen Ihren Blog noch, habe mich aber nach der Entmachtung von Bernd Hoffmann ( ich war ganz klar ein Befürworter ) mit Kommentaren komplett zurückgezogen. Es haben zu wenige im Blog verstanden das es wichtig ist die kompletten Positionen im Vorstand / Aufsichtsrat mit Fachleuten zu besetzen. Was meine ich mit Fachleuten?? Leute, die vom Fach “Fußball” etwas verstehen.

Unser HSV hat es versäumt in einem Zeitraum von 10 Jahren den Aufsichtsrat zu verkleinern und vernünftig zu besetzen. Es wurde immer wieder auf die Satzung hingewiesen und das es nicht so einfach sei…..ganz klar ein Problem der völlig veralteten Struktur!

Unser HSV hat sich viel zu spät um das Strukturproblem gekümmert. Auch dies ist schon sehr lange bekannt. Der HSV wird geführt wie ein Angelverein und nicht wie eine professionelle Bundesliga – Mannschaft!

Die ” Hardliner ” vom SC wollen immer noch mit aller Macht eine Fernwahl verhindern. Bei über 70.000 Mitgliedern ( ich bin auch eines davon ) halte ich das für den Witz des Jahres. Wieder wird auf die Satzung hingewiesen ( Austragungsort Hamburg / Stimmberechtigung nur für Anwesende ) . Warum wird das so gemacht? Ganz einfach – weil jede Abstimmung dadurch manipulierbar ist. Bestes Beispiel die Aufsichtsratswahlen…..Chosen – Few geben kurz vor der Wahl ihre Favoriten über die MOPO bekannt. Der Rest ist nur noch ein Rechenbeispiel. Bei ca. 900 Anwesenden brauchen wir ca. 460 Stimmen…..alleine 200 – 300 kommen aus den eigenen Reihen. Dieses Verhalten hat dem HSV fast alles gekostet. Auch die Mitglieder haben diesen Verein an seine Grenzen gebracht!

Seit ca. 2 Jahren ist unser HSV nicht mehr auf dem Transfermarkt tätig – das kann keine Bundesliga – Mannschaft verkraften! Der Ausverkauf ist an Naivität kaum noch zu überbieten!

BvM hat gravierende Fehler gemacht. Er hat an einem System festgehalten das nicht funktioniert und hat Spieler auf falschen Positionen eingesetzt – die Entlassung kommt zu spät!

Einzig und allein Thomas Doll könnte unseren HSV noch retten! Wenn es Slomka wird dann handelt es sich um einen Perspektivtrainer. Er wird unseren HSV nicht da unten rausholen können, aber er kann eine Mannschaft aufbauen – auch in der 2. Liga. Das traue ich Thomas Doll aber auch zu hundert Prozent zu!

Einen Abstieg ( wenn es denn so kommt -auch ich hoffe immer noch ) wird und kann unser HSV nicht verkraften! Wirtschaftlich uns sportlich wird unser Verein in der Bedeutungslosigkeit verschwinden!

Ich habe versucht mich kurz zu halten, lieber Herr Matz. Eine genauere Ausführung wäre eine seitenlange E – Mail geworden. Eine kurze Zusammenfassung von mir würde sich so anhören:

Veraltete Strukturen gepaart mit unfähigem Personal auf allen Ebenen der Führung, eine Mannschaft die aus Kostengründen bis aufs Blut geschwächt wurde, arrogante Mitglieder die meinen den Verein führen zu können und eine viel zu spät begonnene Strukturreform – das sind die Zutaten für diesen hochgiftigen Abstiegscocktail.

Herr Matz, unsere Herzen bluten und unsere HSV – Seelen sind in einem sehr schlechten Zustand. Aber da müssen wir jetzt durch!

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Sonntag

und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Karsten G.

PS: Auch das noch: Rafael van der Vaart war am Nachmittag zur Kernspintomographie, und dort wurde eine doch schwerer Verletzung festgestellt: Bänderriss und Kapselriss im rechten Knöchel, der Niederländer fällt auf jeden Fall drei Wochen aus.

PSPS: Morgen soll um 15 Uhr im Volkspark trainiert werden. Mittags soll zuvor den Medien der neue Coach präsentiert werden.

18.56 Uhr

So, um 22 Uhr ergänze ich meinen Bericht noch mit einigen besonderen Aussagen von HSV-Legende Uli Stein, der am Abend bei “Sky” mächtig auf seinen ehemaligen Club eindrosch. Wobei ich sagen muss, dass ich mich mit einigen Aussagen sehr wohl identifizieren kann.

Hier die Stein-Aussagen bei Sky von diesem Sonntag:

Uli Stein (228 Bundesligaspiele im Tor des HSV) über…

…HSV Kapitän Rafael van der Vaart: „Der fehlende elfte Mann ist für mich der Kapitän. Was van der Vaart auf dem Platz abliefert, hat mit Fußball und mit Mannschaftssport nichts zu tun. Das ist ein Alibi-Fußballer. Er holt sich hinten den Ball und macht das Spiel langsam, indem er sich nicht vorne anbietet. Dann kann er seine 3,4 oder 10 Meter Pässe spielen, bleibt er aber hinten stehen und versteckt sich. Er ist der erste der abtaucht, wenn es nicht läuft. Er ist kein Leader. Er kann die Mannschaft nicht führen. Das hat er gezeigt in dieser Saison. Ich weiß auch nicht warum Westermann die Kapitänsbinde abgenommen und ihm gegeben wurde. Von der Präsenz neben dem Platz muss ich mehr erwarten von so einem Klassemann.“

…die Verhandlungen mit Felix Magath: „Er hat ja nicht am Tag der Absage mit Fulham verhandelt, sondern schon viel früher. So ein Vertrag, den er sofort 24 Stunden später in Fulham unterschreibt, ist ja langfristig aufgebaut worden. Mit der Gewissheit, er kann sofort in Fulham unterschreiben, hat er Forderungen gestellt, wo ich gesagt habe, er wollte die Diktatur wieder einführen. Du kannst doch nicht Sportchef, Trainer und Vorstandsvorsitzender werden. Das war auch der Grund wieso Felix Magath so aufgetreten ist: Ich probiere das mal, ich haue das so raus. Weil wenn es nicht klappt: Okay ich habe meine Verein, wo ich hingehe. Was ich nicht gut finde: Er hat gesagt, ich trage die Raute im Herzen, ich bin HSVer und hat im Nachhinein bewiesen, dass er es nicht ist. Er hat kein ehrliches Spiel gespielt. Er hat die Fans mit der Fahne im Garten belogen. Aber die mit der Raute im Herzen haben lange die Augen verschlossen vor der Wahrheit. Der Verein wird in den oberen Etagen geführt von Ahnungslosen, die vom Fußball keine Ahnung haben.“
…die Herausforderung für den neuen Trainer beim HSV: „Im Moment ist es eher die Frage: Kann überhaupt ein Trainer die Mannschaft noch retten? Ein großes Problem beim ist HSV ist, dass die Mannschaft in einem Zustand ist, wo ein Trainer eigentlich nur eine Chance hat, etwas zu machen, wenn er die Mannschaft in der Vorbereitung hat, indem er viele Dinge verändern kann. Hier kannst du nichts mehr verändern. Du musst mit dem Material leben, den Spielern leben.“

…den möglichen neuen Trainer Mirko Slomka: „Ich halte Mirko Slomka für den richtigen Trainer in der jetzigen Situation. Aber was kann er noch ausrichten? Er fängt wahrscheinlich mit einer Heimniederlage gegen Dortmund an und dann ist der neue Schwung und Elan auch schon verpufft. Er hat nicht die Zeit, die Jungs so fit zu machen dass sie diese 7 Kilometer aufholen, die sie zu wenig laufen.“

…die physischen Probleme der Hamburger: „Ein ganz großes Problem ist der körperliche Zustand der Mannschaft. Die laufen pro Spiel 7 oder 8 Kilometer weniger als der Gegner. Das ist keine Kopfsache, auch wenn ich im Kopf schlecht drauf bin, kann ich laufen. Der HSV hat dafür, dass er immer 10 gegen 11 spielt mit 16 Punkten eigentlich noch eine ganz gute Ausbeute.“

…die mentalen Probleme der Hamburger: „Da ist überhaupt keine Mannschaft auf dem Platz. Das hat man auch nach dem Spiel gegen Braunschweig gesehen, da geht jeder seine Wege. Du siehst ja gar nicht mehr, dass sich zwei in Arm nehmen und sich gegenseitig trösten. Man hat auch das Gefühl, dass es den Spielern vollkommen egal ist, weil die sagen: Dann spiele ich eben nächste Saison wo anders. Da habe ich nicht das Gefühl, dass ein Spieler auf dem Platz ist, der wirklich die Raute im Herzen trägt, der sagt, ich kämpfe für den Verein. Es gibt keinen, nicht nur in dieser Saison, das verfolge ich schon in den Jahren davor, der die Ärmel hochkrempelt und sich gegen eine Niederlage stemmt. Da fällt ein Gegentor: Kopf runter.“

…die Mentalität im Abstiegskampf: „Die ganze große Gefahr besteht, dass alle anderen unten drin wissen, dass sie gegen den Abstieg spielen. Der HSV, ich hoffe dass sie es inzwischen realisiert haben, aber ich glaube die wissen es immer noch nicht. Es ist ganz wichtig, den Spielern zu vermitteln, dass sie gegen den Abstieg spielen. Beim HSV habe ich immer das Gefühl, dass alle denken, das schaffen wir schon irgendwie.“

…das zu lange Festhalten an Bert van Marwijk: „Für mich war es schon bedrohlich nach erstem Spiel Rückrunde. Man verliert 0 zu 3 gegen Schalke und zur Belohnung kriegen die Spieler noch zweieinhalb Tage frei. Du weißt deine Mannschaft läuft 7,8 Kilometer weniger als der Gegner und dann gibst ihnen dann noch frei. Da habe ich doch als Trainer irgendwas falsch gemacht. Das war für mich schon ein Zeitpunkt wo ich schon angefangen habe darüber nachzudenken, ist das noch der richtige Trainer für einen Verein, der sportlich wie finanziell in so einer prekären Situation ist. Die Überlegung kommt viel zu spät.“

…eine möglichen Zäsur durch Abstieg: „Es gibt nie einen richtigen Zeitpunkt für einen Abstieg. Ganz große Gefahr sehe ich beim HSV bei den Verbindlichkeiten. Wenn die Zahlen stimmen, die in der Zeitung stehen, wäre ein Abstieg aus wirtschaftlicher Sicht verheerend für den Verein. Wie soll der Verein sich da in der zweiten Liga wieder konsolidieren? Das wird ganz schwierig.“

…die momentane Rangfolge der deutschen Torhüter: „Neuer, Weidenfeller, Ter Stegen. Adler ist für mich im Moment nicht unter den Top 3, auch bedingt durch die Situation beim HSV.“

Nun gilt es: Aufstehen für den HSV

7. Februar 2014

Heute Mittag im Stadion-Restaurant „Die Raute“. Einträchtig sitzen die Vorstands-Kollegen Carl Jarchow, Joachim Hilke und Oliver Kreuzer beim Mittags-Buffet zusammen. Die Stimmung scheint ganz gut zu sein, aber zugegeben: beste Laune war aus den Gesichtern der drei Herren nicht zu erkennen. Logisch, die Anspannung vor dem enorm wichtigen Heimspiel gegen Hertha BSC am morgigen Sonnabend (18.30 Uhr) nimmt zu.

Hoffentlich gilt das auch für die Konzentration der Mannschaft, denn was in den vergangenen Tagen alles auf sie eingeprasselt ist und was sich an Nebenkriegsschauplätzen ergeben hat, war schon nicht ohne. Die Aufarbeitung der 0:3-Niederlage in Hoffenheim; die ellenlangen und im Kern überzogenen Debatten um die Interviews von Bert van Marwijk und Rafael van der Vaart nach dem Spiel; Trainer-Bekenntnisse von Oliver Kreuzer und Carl Jarchow; das Theater um den Vertrag von Jonathan Tah; den Fanmarsch vom Bahnhof Stellingen (wobei dies noch die positive Aktion war); Unstimmigkeiten um den Rauswurf von Rodolfo Cardoso; zuletzt auch noch die Geschichte um geklaute Nobel-Uhren der Herren Zoua und Djourou. Zwischenzeitlich, nicht zu vergessen, Vorwürfe gegen Coach van Marwijk und seine umstrittene Kabinenansprache („Ich steige nicht mit Euch ab!“), die womöglich in den falschen Kontext gestellt wurde. Alles in allem war es mal wieder eine typische HSV-Woche.

Ich frage mich, was bis zum 10. Mai und dem letzten Bundesliga-Spieltag bei Mainz 05 eigentlich noch kommen soll? Wie soll das noch gesteigert werden, wenn es erst noch ein paar Runden bis zum Ende sind? Vor diesem Hintergrund wäre es extrem hilfreich, wenn die Profis ihre Partie jetzt gegen Hertha tatsächlich für sich entscheiden würden. Allein um den Druck etwas herauszunehmen und sich mit einem Erfolgserlebnis zu belohnen.


Wir warten darüber hinaus im Stadion gespannt auf die eine oder andere weitere Aktion. Alle zehn Minuten soll ja beispielsweise ein „Steht auf für den HSV!“ angestimmt werden, das dann bitte auch alle befolgen sollen. Hierzu ein Brief, den Dieter bekommen hat:

Hallo Herr Matz,
Da ich ganz fest hoffe, dass morgen 12 HSVer auf dem Platz stehen, versuche ich gerade alles, dass auch die nicht Facebooker es mitbekommen. Sie haben eine so große Leserschaft!!!!! Haben Sie von der Steh-auf-Aktion gehört? Gibt es eine Möglichkeit, dass auch Sie die noch mal pushen??? Das wäre eine große Chance noch mehr Fans zu erreichen. Hier noch mal meine Aktion, wie ich sie bei Facebook formuliert habe:
… Und damit wirklich im Stadion auch die manchmal etwas zurückhaltenderen Fans auf den Geraden mitgerissen werden, denkt an die große Aktion: Steht auf für den HSV! Und zwar alle 10 Minuten (Spielminute 10,20,30 …) Singt alle mit! Steht alle auf! Macht alle 10 Minuten Radau! Lasst uns alle TANZEN! Schreit Euch die Seele aus dem Hals! Bring Luftschlangen in Massen mit (Bitte nicht aufs Spielfeld werfen) Schwenkt Eure Schals! Und ganz wichtig: Animiert auch den schüchternen Fan neben Euch! Und hört danach nicht gleich wieder auf. Wir müssen die ganze Zeit alles geben. Spätestens nach 10 Minuten wieder voll durchstarten. Wenn der erste Versuch in der 10. Minute gut, laut, lustig und megagenial wird, werden in der 20. Minute alle mitmachen. Auch die, die sich sonst nicht trauen.
Viele Grüße aus der Speicherstadt,
Frederik Braun
Miniatur Wunderland Hamburg GmbH

Etwas enttäuschend, aber nach den Darbietungen der vergangenen Monate auch nicht wirklich überraschend, ist die zu erwartende Zuschauerzahl. Bis zum Freitag-Nachmittag waren lediglich 47.000 Karten für die Partie gegen Hertha BSC verkauft. Nachwirkungen des Schalke-Spiels sind zu spüren, als Tausende Anhänger bereits eine halbe Stunde vor Spielende (bei allerdings auch arktischen Temperaturen) aus der Arena gelaufen sind.

Beim Training heute Nachmittag waren alle Augen auf Pierre Michel Lasogga gerichtet. Der Torjäger des HSV (schon neun Treffer in dieser Saison) konnte tatsächlich alles mitmachen und schien dabei auch keinerlei Probleme zu haben. Er könnte also eine Alternative für die Startelf sein. Oder vertraut Coach Bert van Marwijk zunächst noch auf Jacques Zoua, weil Lasoggas Comeback im Basel-Testspiel zu früh kam? “Alles gut, alles gut!” Das gab Leih-Angreifer Lasogga allen Neugierigen noch mit auf den Weg, ehe er in der Kabine verschwand. Ich tippe allerdings darauf, dass der bullige Angreifer zunächst von der Bank kommen dürfte.

Diese Frage wird jedenfalls erst unmittelbar vor dem Anpfiff beantwortet werden. Überhaupt ist van Marwijk diesmal schwer in die Karten zu gucken. Am ehesten taugt noch ein Blick auf das geheime Training am Donnerstag im Stadion. Lam als Rechtsverteidiger, Djourou in der Innenverteidigung für Tah, Bouy und Arslan im zentralen Mittelfeld (ohne Badelj), und tatsächlich wieder John auf dem Flügel (anstelle von Calhanoglu oder Ilicevic).

Zweite wichtige Personalie – die Torwartfrage. Rene Adler hat im Abschlussspielchen alles mitgemacht. “Ich werde aber mit der medizinischen Abteilung Rücksprache halten”, so Trainer van Marwijk nach der Einheit. Soll heißen: erst wenn das Licht für den lange am Fuß verletzten Nationalkeeper knallgrün gestellt ist, wird er auch in der Startformation beginnen. Auch hier tendiere ich zu der Prognose, dass der Trainer eher noch einmal auf Jaroslav Drobny baut, auch wenn der zuletzt gegen Schalke und in Hoffenheim nicht in großer Form war.

Wir werden es sehen und nach den Eindrücken und Äußerungen dieser Woche ist es vor allem wichtig, dass Bert van Marwijk die elf Spieler heraussucht, die brennen – ungefähr wie das Feuer, durch das alle nach Aussage von Rafael van der Vaart gehen wollen.

Neue Stimmung – neues Hotel. Auch in der Suche nach einer neuen Unterkunft vor der Partie gegen die Hauptstädter soll ein Puzzle-Teilchen gefunden sein. Statt ins Elysee zieht es die HSV-Truppe nach Harburg. Wohin genau, möchte der HSV nicht unbedingt hinaus posaunen. Das ist auch okay, entscheidend ist das Ergebnis.

Carl Jarchow und Oliver Kreuzer haben in den vergangenen Tagen eindeutig zu Bert van Marwijk gestanden. Ihre Aussagen, und zuletzt auch die von Jarchow in unserem Video-Interview, lassen keinen Spielraum für das Hertha-Spiel. Normalerweise bleibt Bert van Marwijk unangetastet, selbst wenn es erneut eine schlechte Leistung analog Schalke und Hoffenheim geben sollte.

Werden sie am Sonntag, nach einer wiederholt peinlichen Vorstellung, von ihren eigenen Worten eingeholt? Im Sinne des HSV wäre dies nicht, denn es würde bedeuten, dass die Mannschaft schon wieder ganz wichtige Punkte hat liegen lassen. Trotzdem geht es mit dieser Partie auch um die Glaubwürdigkeit und die Handlungsfähigkeit des Vorstands.

Es gibt offenkundig nicht wenige Aufsichtsräte, die mit dem Bild des Trainers, aber auch des Vorstands in diesen Tagen alles andere als zufrieden sind. Natürlich wird auch in diesem Gremium über die kritische Lage diskutiert. Sollte es also eine erneute Niederlage geben, reden wir nicht nur über die Trainerfrage, die dann aufs Neue gestellt wird, sondern auch über den Vorstand und dessen Verhalten.

Zur Einstimmung auf die kommenden Monate in Kurzform ein Rückgriff auf die drei Jahre, in denen der HSV in der jüngeren Vergangenheit schon einmal in einer sportlich Existenz-gefährdeten Lage war.

1997/98 hatte Trainer Frank Pagelsdorf vor dem ersten Spiel des neuen Jahres, der HSV stand zu diesem Zeitpunkt auf Rang 16, eine glorreiche Idee. Sein neuer Hinrunden-Keeper Hans-Jörg Butt sollte durch den erfahrenen Richard Golz ersetzt werden. Die Folge: Schon nach 9 Sekunden kassierte Golz im Spiel beim FC Bayern das 0:1, der Keeper erwischte insgesamt keinen guten Tag. Die Partie endete 0:3 und der HSV war Schlusslicht der Bundesliga. Erst mit einem Kraftakt und dank eines Schlüssel-Sieges gegen Werder Bremen am 28. Spieltag (2:1 durch ein spätes Yeboah-Tor – Pagelsdorf weinte anschließend hemmungslos) war der Klassenerhalt gesichert. Am Ende wurde der HSV sogar Neunter.

2006/2007 sorgte ein Trainerwechsel für die Rettung. Nach dem 19. Spieltag und einem enttäuschenden 1:1 zu Hause gegen Energie Cottbus war für Thomas Doll „Finito“. Der HSV war Letzter und holte Huub Stevens als Feuerwehrmann. Noch ehe der „Knurrer“ richtig auf der HSV-Trainerbank Platz genommen hatte, kassierte sein neues Team durch einen Weitschuss in der Nachspielzeit von Mineiro eine 1:2-Niederlage bei Hertha BSC. Der HSV lag vier Punkte hinter dem rettenden Ufer – und drehte das Blatt. Auswärtssiege bei den Bayern, in Bremen und auf Schalke sorgten für das Happy-End. Am Ende stand ein – gemessen an der Vorrunde – sensationeller siebter Rang zu Buche.

2011/12 schließlich, daran können sich die meisten noch problemlos erinnern, wurde es etwas später knalleng. Nach einem 1:2 in Wolfsburg stand der HSV am 27. Spieltag erstmals auf Relegationsrang 16. Ziemlich unerwartet schlidderte das Team von Thorsten Fink, das zwischenzeitlich mit der Europa-League-Qualifikation geliebäugelt hatte, in den Abstiegsstrudel. Ein 1:0-Zittersieg auf dem Lauterer Betzenberg (Tor: Marcell Jansen) schaffte Erleichterung und letztendlich den zwar wenig berauschenden aber doch sehr erleichternde Verbleib in der Bundesliga.

Morgen um 18.30 Uhr geht es also erneut um die Wurscht für den HSV. Dieter und Scholle begrüßen anschließend Ex-Stürmer Andreas Merkle, der den Verein 1989 zu einem legendären 2:0-Erfolg nach Verlängerung gegen Real Saragossa geschossen hatte. Außerdem kommt Frederik Braun vom Miniatur-Wunderland – siehe oben. Viel Spaß mit den vier Herren!

Mögliche HSV-Aufstellung: Drobny (Adler) – Lam, Djourou, Westermann, Jansen – Bouy, Arslan – John, van der Vaart, Calhanoglu – Zoua (Lasogga)
Das Motto des Hertha-Tages: Aufs Wesentliche konzentrieren!
Schöner Gruß von Lars

**Aktualisiert**Chapeau, “Rhinemike” – da steckt viel Wahres drin!

15. Januar 2014

Rudnevs verliehen, Westermann noch nicht wieder fit, Arslan verletzt, Diekmeier verletzt, Beister schwer verletzt und Kerem Demirbay mit Verdacht auf Bänderriss im Sprunggelenk (wird am Freitag in Hamburg genauer untersucht) – es läuft in dieser Vorbereitung nicht gut. Ganz im Gegenteil. Trainer Bert van Marwijk, der die Reisestrapazen als „nicht optimal“ bezeichnet hatte, gab seinen Profis heute sogar vom Nachmittag an bis zur Abreise morgen frei. „Ich hätte gerne noch mal trainiert, aber wir müssen realistisch sein. Wir haben mehrere Profis, bei denen unsere Docs sagen, dass ihnen eine Trainingspause gut tun würde.“

Bitter. Was für eine holprige Vorbereitung.

Einziger Lichtblick, so mein Kollege vor Ort, Kai Schiller, war Jacques Zoua, der positiv zu gefallen wusste, gestern im Test sogar doppelt traf. Und der einstige Wunschspieler von Thorsten Fink fühlt sich endlich richtig wohl. Auch positionell. „Ich mag es am meisten im Zentrum zu spielen“, so Zoua, der aber über Einsatzzeiten generell schon froh wäre und schnell nachschiebt:, „Aber ich kann auch auf den Flügeln spielen.“

Das kann auch Marcell Jansen, dem Kontakt zu Bayer Leverkusen nachgesagt wird. Inzwischen sogar inniger Kontakt. Zwar dementierten das heute nahezu alle Beteiligten – allerdings muss das nichts heißen. Zumal meinem Kollegen Kai Schiller glaubhaft versichert wurde, dass Jansen in Leverkusen schon im Wort stünde und dies familienintern verkündet hätte. Fünf Millionen Euro würde das dem HSV festgeschriebene Ablösesumme bringen – und der Linksverteidiger, der in den letzten Jahren eigentlich immer zum Kreis der Nationalelf gehörte (auch bei seiner letzten Vertragsverlängerung), kann international spielen. Soll heißen: Sollte Jansen nicht eh schon weg sein, hätte er eine momentan sehr gute Verhandlungsposition – der HSV nicht.

Aber gut, die Situation in diesem Fall passt sich nur der generellen Position des HSV an. Und die ändert sich auf Sicht nicht – es sei denn, am Sonntag wird entsprechend gewählt. Es kann der Startschuss erfolgen, indem (mindestens – und am besten nur) eine Strukturreform gewählt wird. Da die Initiative HSVPlus für mich die einzige ist, die bislang in allen Diskussionsrunden konkrete Lösungsansätze liefern konnte, ist klar, wozu ich tendiere. Denn dieser HSV braucht Sofort-Hilfe – wie gesagt, auf allen Ebenen. Und vor allem finanziell.


Passend dazu bitte ich Euch, Euch den folgenden, mit sehr vielen Wahrheiten versehenen Artikel von „rhinemike“ durchzulesen. Der Verfasser des Textes hat mir heute noch mal ausdrücklich die Erlaubnis zum Abdrucken seines Beitrages auf Transfermarkt.de gegeben und ebenso nette Worte für den Matz-ab-Blog gefunden wie in großen Teilend die HSV-Historie der letzten Jahre korrekt dargestellt. Daher auch an dieser Stelle noch einmal, Chapeau „rhinemike“! Und danke, dass ich ihn hier veröffentlichen darf. Der Text:

Hört auf Hunke!!!!

O-Ton Hunke:”Wir brauchen neue Leute! Immer hatten wir Cliquen, Gruppen von 7,8Mann, die sich zusammen gesetzt haben. Und den Verein übernahmen. Wir brauchen neue Menschen!”

Hunke sagte in der Sendung das, was ich bereits vor 3 Jahren beim HSV kritisierte. Es gibt “Vereine im Verein!” . Das bleibt bei keinem großen Verein aus. Erst recht bei Traditionsclubs, in großen Städten! *Hüstel*

Und besonders in einem so weit verzweigten Club, wie dem HSV, mit dieser Vielzahl an Abteilungen.

Wie dem HSV!

Der HSV:

Einst ein Gigant! In den 80ern mindestens auf Augenhöhe mit Bayern! Ein Name wie Donnerhall! Ein dickes, fettes Stück Bundesliga-Geschichte und tragende Säule des deutschen Fußballs! Ich habe diese Zeiten, als Kind erlebt! Und oft ehrfürchtig nach Norden geschaut!

Es war, als Stünde dort ein Riese, der den Norden dominiert und von dort alles wegfegt!
Irgendwann liefen die Bremer dann sportlich den Rang ab!
Der Riese legte sich hin, zu einem langen, langen Schlaf! Er verschwand völlig aus meiner Wahrnehmung, verkümmerte zur grauen Maus. Die Tabellenplätze wurden dauerhaft zweistellig!
Mit Ausreißern nach oben, unter Magath und Pagelsdorf.

Irgendwann kam dann Hoffmann! Wirkte unsympathisch, überheblich! Aber sehr energisch. Redete von Dingen, die ich damals nicht verstand. Die ich für Teufelswerk hielt, die im Fußball nix verloren hatten. Marketingkonzepte, Strategien, Wachstum generieren, usw.

Damals war dieses überhebliche “Unternehmensberater-Gequatsche” noch verpönt!

Aber er fand in Beierdorfer einen kongenialen Mann vor, der einen Riecher für Transfers zu haben schien! Hoffmann beschaffte die Gelder, die Beiersdorfer in Spieler investierte, die wiederum teuer verkauft wurden, usw.

Mit den beiden wuchs und wuchs der HSV wieder! Es reichte nnoch nicht für ganz oben! Aber der HSV war wieder präsent! Auch international! Und ich konnte den Kerl immer noch nicht leiden! Klar! Didi Beiersdorfer war auch beim FC! Super Typ! Mega-sympathisch! Aber dieser Hoffmann???
Ist kein Sunny-Boy! Aber er scheint was drauf zu haben. Irgendwann führten wir diese Diskussionen, wie man den Verein besser vermarktet und mehr Geld heraus holt, etc. auch beim FC. Ich beschäftigte mich natürlich zwangsläufig mit diesen Dingen. Auch in anderen Clubs. Und irgendwann habe ich den HSV um diesen Hoffmann beneidet!

Einen Macher! Keiner, der auf Person X oder Person Y Rücksicht nimmt! Einer der den Verein nach vorne bringen will. Einer der Ideen hat. Für Hoffmann waren diese Befindlichkeiten, der wachsenden “Ultrakultur” neu! Diese etablierte sich erst Am Anfang des 21. Jahrhunderts so richtig, wuchs mit dem Internet. Ebenso diese internationalen Gemeinsamkeiten wie einen Kodex, für Ultras und ein , wenn man sich stur dran hält, arg begrenztes Weltbild, welches diese “Vereinsverterter” nachbeten.

Wie dem auch sei! Hier stießen Innovation und Tradition( ich bezeichne es mal so), aufeinander!
Hoffmann war dem Verein zu schnell! Er war vielen in der Bundesliga um Jahre voraus! Das Mißtrauen, im Umfeld der Alt-HSVer wuchs! Er kam mit Dingen an, die sie befremdeten, die sie verunsicherten. Weil sie es nicht verstanden! Und das schlimmste von allen: “Er war keiner von ihnen!” Er war kein Hamburger, kein HSVer! Keine Raute im Herzen!

Er hatte keine Seilschaft!!!

Wie dem auch sei! Hoffmann beging den Fehler und trieb Beierdorfer aus dem Club! Den anerkannten Publikumsliebling, der in meiner Wahrnehmung, die meisten Lorbeeren für den bisherigen Aufstieg erntete. Damit gab sich Hoffmann selber zum Abschuß frei!

Er war ja sowieso so anders! “Ein Wirtschaftsmensch”! Einer der kühl und emotionslos daher redet. Mit wirtschaftsbezogenen Fachbegriffen um sich schmeißt! Einer der alles zu Geld machen will!

Total Anti-Ultra! Denn die haben ja diesen Kodex! Und nach dem müssen Ultras ja Kommerz scheiße finden! “Hilfe! Wir haben den leibhaftigen Satan im Verein!” Die Ultras rieben sich an ihm! Sie testeten Ihre Grenzen aus. Und so kam es, dass beim HSV, wie bei anderen Clubs auch, einige Vögel entdeckten, wozu sie in der Lage sind. Sprich Bednarek und momentan Liebnau. Stellvertretend für einige andere auch noch!

Sie haben gemerkt, wie einfach so eine straff organsisierte Gruppe zu mobilisieren, zu lenken ist! Mit ganz einfachen rhetorischen Mitteln. Ein wenig Populismus, ein wenig Demagogie! Hier etwas verzerren, dort etwas aufbauschen, am Ende etwas weglassen. Das ganze mit viel Pathos vorgetragen. Appelle an symbolische, nicht meßbare Dinge, wie Ehre, Tradition, Werte! Und schon schafft man Identifikation!

Dieses Phänomen kennen wir alle aus der Geschichte, aus der Welle, aus vielen radikalen polit. Gruppen! Eine handvoll “Führer” gibt die Parole vor, die Herde blökt sie nach! Die Inhalte sind zwar ganz andere, aber das Prinzip ist bekannt! Diese Probleme hatten auch Köln, Bayern, Schalke, usw.

Die Ultras haben gemerkt, welche Macht sie haben Alleine, über die Kurven! Aber es gibt ja noch andere Wege, die ihnen aber zunächst verschlossen blieben!

Aber es gab ja auch noch andere “Hoffmann”-Verlierer. Leute, die in seiner Ära ihr Pöstchen verloren haben. Vereinspolitische Gegner eben. Aber auch Journalisten, denen er nicht so Rede und Antwort stand, wie die feinen Herrn Lokalreporter es gewohnt waren und erwartet haben. Hoffmann wollte Professionlität! Und dazu gehört es, nicht mehr Preis zu geben, als nötig!

Ein Sakrileg in Hamburg!

Denn, ich zitiere aus Schtonk, einer der genialsten Satiren, ever:
“Hamburg ist ja DIE deutsche Pressestadt”

So wuchsen Interessengemeinschaften! Diverse Lokalreporter aportierten brav jedes Stöckchen, welches ihnen die Hoffmann-Gegner zu warfen. So kam es zu interessanten und ungeahnten Koalitionen! Dass Hunke und Ertel keine Freunde sind, ist wohl kein Geheimnis!

Hunke sieht sich als den wahren “Großen Vorsitzenden”, zumindest im AR. Ich bezweifle, dass er Ertel ernst nimmt und sich selbst wohl eher für das Maß aller Dinge hält. Ertel wiederum weiß, dass Hunke ein Narziss und Selbstdarsteller ist. Dazu ein großer Blender! Aber ein blender, der weit in die Hamburger Bürgerschaft wirkt.

Beide machten sich irgendwo das Potential der Ultras zu nutze! Was nicht schwierig war. Ertel scheint mit seiner linken Weltanschauung sowieso etwas “ultra-kompatibel” zu sein. Aber im Grunde reichte es , wie bei Hunke, einfach irgendwie gegen Hoffmann zu sein. Die Ultras waren das Stimmvieh, Bednarek, Liebnau und Co waren plötzlich wichtig. Sie wurden durch die Hintertür umworben. Es scheint, als haben sich Hunke und Ertel einfach davor geklemmt. Sie öffneten Liebnau und Bednarek wiederum Türen, die vorher für sie verschlossen waren. Der Einfluss, den jede einzelne der Parteien besaß, verschmolz!

Und fertig war die Front!

Man schoss den Vorstand nach und nach sturmfrei! Unterstützt, durch Dauerfeuer der hamburger Presse! Das gipfelte dann in der “Übernahme” durch die Hintertür. Man brachte genug eigene Leute in den AR! Genug, um Hoffmann quasi Handlunsunfähig zu machen.

Ab diesem zeitpunkt wurde der Aufsichtsrat MIßBRAUCHT! Man benutzte dieses Kontroll und Aufsichtsorgan, man pervertierte es , um von dort aus den Verein zu lenken. Bei der nächsten Wahl zogen noch mehr Leute, aus der gemeinsamen Wahl in den AR, dass er nun unter der Herrschaft Ertels, zum Machtzentrum wurde! Man hatte es geschafft! Feierte sich selbst!

Klar schlug der ehemalige AR, Rieckhoff, dann Jarchow vor! Als Interimslösung! Mangels alternativen, in dieser hektischen Zeit, konnte man nur wenige Kandidaten gewinnen. Erst recht, weil sie der “Front” gefallen mussten. So kam Jarchow ins Spiel!

Angedacht, um den HSV in dieser schwierigen Zeit auf Kurs zu halten, bis man sich auf einen “Profi”, als dauerhafte Lösung einigen könnte.

Was die Anti-Hoffmann-Fraktion übersehen, bzw. nicht bemerkt hat:

Der harte Kern der Ultras, die in diesem, von Liebnau vorgegröhlten Block sitzen, sind nicht DIE Mitglieder des HSV! Sie sind nur ein teil! Selbst alle im Stadion, über die Kurven hinaus, sind längst nicht alles. Nein! Weit über Hamburg hinaus gibt es etwa 70.000 Mitglieder und ein vielfaches an Fans! Und ebenso, wie diese Ultrakultur, wuchs im Internet eine weitere Neuerung! Diverse Foren, auf denen über Fußball diskutiert werden. Der ein oder andere weiß, was ich meine! Dort versammeln sich Fans, die nicht zwingend in der Kurve stehen, die keinem auferlegten, schrägen Kodex folgen, die kein Satzungskonformes Weltbild haben. Fans die sich ihre eigenen Meinungen bilden. Die sich nicht über ein Megafon beeinflussen lassen.
Diese Fans stellen fest, dass sie mit ihren Gedanken nicht alleine sind. und dass viele tausende andere auch der Meinung sind, dass Hoffmann eigentlich ein guter war, dass die Absetzung schäbig verlaufen ist. Und teilen ihren Frust, der aber noch immer ignoriert wird, und von oben herab abfällig abgetan wird. “Jaaa im Netz wird viel geschrieben, aber das ist alles nur Hetze und unsachlich!”

Man ignoriert das gepflegt und setzt darauf, die Ultras zu befrieden und bei allem irgendwie bei Laune zu halten! Man glaubte, es genügt, um irgendwie an der Macht zu bleiben. Wie naiv manche sich das vorgestellt haben, den Club besser zu führen, als Hoffmann, habt Ihr bei Konzepten von Hunke, Liebnau und Ertel selber gehört!

Diese Herrschaften dachten sich, wir spielen jetzt mal mit in der großen Fußballwelt!

Und dann begingen die neuen ihren dicksten Fehler! Sie haben Jarchow, einen von ihnen, der nur als Interimslösung verkauft wurde, heimlich still und leise zur Dauerlösung befördert!
Ohne Diskussion! Jarchow war pflegeleicht!

Der User, der ihn vor ein paar Tagen beschrieb, drückte vieles aus, was ich dumpf empfunden habe!
Jarchow wirkte eher wie ein biederer Verwalter! Einer der keinem weh tut. Der nur dann agiert, wenn es denn sein muss. Der , bei kritik, schön die Verantwortung weiter gibt. Gerne auch an “Hoffmann-Leute”, wie Arnesen.

Mit dem Tag der Vertragsverlängerung Jarchow´s, festigte sich die Meinung der breiten Masse! Die Fans und Mitglieder in den Foren, in den Fanclubs! Alle hatten die Schnauze voll! Die Wut festigte sich. Zu dreist, zu überheblich, zu arrogant hat diese Clique in Hamburg die Dinge an sich gerissen!

Zu dreist und arrogant ist sie aufgetreten! Mit einem unglaublich widerlichen Selbstverständnis!
Natürlich! Hätten ja auch alle anderen zu den Versammlungen kommen können. Selber Schuld!

“Wenn euch euer Verein nicht mal wert ist, einmal im Jahr nach Hamburg zu reisen, dann seid Ihr halt keine echten Fans! Dann seid Ihr Fans 2. Klasse! Krankheit, Familie, Geld, Beruf sind doch nur Ausreden und treffen nur bei einzelnen zu. Der Rest ist doch nur zu bequem!”

So schienen die neuen Verantwortlichen zu denken. So wirkten sie, bei all ihrem Handeln!

Dummerweise haben sie sich alle überschätzt! Liebnau, Ertel, Hunke, Jarchow!
Sie zeigten in der Zeit, seit dem Tag der Entlassung, spätestens, dass sie es nicht können. Sie entliessen Arnesen. Der vlt. nicht so engagiert war, wie das alle gedacht haben. Natürlich wurde er unter anderen Vorzeichen geholt. Man hat ihm mit Sicherheit andere Bedingungen versprochen.
Auch er wurde im Laufe der Zeit zermürbt.

Während dessen wuchs aber nun ein neuer “Feind” am Himmel! EOR kam plötzlich, wie aus heiterem Himmel, mit einer initiative, die nicht nur Licht am Ende des finanziellen Tunnels versprach, sondern auch Veränderungen voraus setzten, die beim HSV nichts mehr so lassen würde, wie es war.

Auch dieses wurde zunächst belächelt. Man unterschätzte die Strahlkraft! Aber das wichtigste:
Alle gegner der “Clique” fanden nun eine Stimme. Es schien, als käme da jemand , der die , bisher, nicht organisierten fans verstünde!

Es gibt nun plötzlich eine ungeahnte Opposition! Rieckhoff zog das ganze sachlich, professionell und sehr fleissig auf! Bereiste die Republik!

Endlich! Endlich etwas, worauf dieser Club seit langer Zeit gewartet hat!

Die Clique stellte nun fest, dass dort auf der JHV plötzlich ein völlig neuer Gegner auftaucht! Eine völlig neue Qualität der Mobilisierung! Diskussionen, die so differenziert waren, dass man sie von Fans eigentlich nicht so erwartet hat. Nicht diese einfach zu handelnden “Schafe”, aus dem Block, der Chosen Few! Nein! Viele, viele Fans, die aufgrund der Teilnahme an der Diskussion so gefestigt und überzeugt in ihrer Meinung sind, dass diese populistische Masche nicht mehr läuft!

Man wurde aktionistisch! Der kritische Arnesen wurde durch kreuzer ersetzt. Auch er wird sich das anders vorgestellt haben! Aber er scheint dankbar, für diese Chance zu sein.

Aber auch er konnte aus einem Esel kein Rennpferd machen! Fink wurde durch BvM ersetzt!
Toll ! Sportlicher Aufschwung! Aber einer, der schnell wieder verpuffte! Auch er wirkt desillusioniert!

Beide Personalien zeigten, dass der HSV ein Sumpf ist! Ganz deutlich! Ebenso kann man das an V.d.Vaart festmachen!

Chaosclubs bieten immer große Chancen! Ein guter Spielmacher oder ein charismatischer Trainer oder ein cleverer Sportdirektor können bei so einem Chaos manchmal der große retter sein.

Dass plötzlich ein Rädchen ins andere greift, der Erfolg zurück kommt, und der Laden läuft!

Siehe Watzke, beim BVB!
Siehe Favre bei BMG
Siehe Magath, beim VFB und in der ersten Saison beim S04!

usw.

Aber beim HSV verbrennen sie in kürzester Zeit! Es ist, als ob die Protagonisten abenteuerlustig sind und sich denken, dass sie es schon schaffen. Aber irgendwann merken sie, sie stecken in einem Sumpf. Aus dem sie nicht so schnell heraus kommen.

Die Clique merkt, dass sie ihr Pulver verschossen hat! Sie haben nur noch eine Chance, indem sie HSV+ verhindern. Das haben sie mittlerweile gemerkt!

Und so kommt es am Sonntag zu einer historischen Entscheidung!

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So habe ich den HSV in den letzten Jahren wahr genommen! So habe ich seine Geschichte, seine Entwicklung erlebt! Auch, wenn es ein längerer Post ist, ist es natürlich sehr verkürzt! Ich habe mir viele, viele Gedanken über den HSV gemacht. Und das ist der Eindruck, den ich habe!

Falls ich irre, möge man mich korrigieren!

Ich wiederhole mich in der Sache, aber der HSV MUSS sich von den Cliquen, den Vereinen im Verein lösen! Ich wüsste nicht, wie das anders gehen sollte, als den Verein auszugliedern.

Eine neue Organisation und Struktur würde frischen Wind rein bringen, alte Zöpfe abschneiden.
Andernfalls wird sich nichts dauerhaft ändern. Alleine aufgrund der Durchlässigkeit der momentanen Satzung konnten immer wieder diese Leute in den Verein, die dort nichts zu suchen haben.

Kein anderer Bundesligaclub ist so transparent, wie der HSV! Es scheint so, als habe jeder, jedes AR-Mitglied, jeder Mitarbeiter der geschäftsstelle seinen “eigenen Journalisten”. Das bietet zwar für neutrale einen hohen Unterhaltungswert. Der Verein verkommt so aber zu einer Mischung aus GZSZ, Muppet-Show und Dallas. Damit muss Schluß sein!

Das ist dieses Clubs unwürdig!

Alleine damit hätte der HSV schon wieder einiges gewonnen! Nicht zu letzt Seriösität!
Wenn man dann im 2. Schritt auch gleich das finanzielle Dilemma beseitigen kann, umso besser!

Und auch nach den beiden Sendungen komme ich zum gleichen Schluß, wie der werte Herr Hunke:

“Die Cliquen müssen weg! Wir brauchen neue Leute!”

Tut ihm doch am Sonntag den Gefallen!

Ich habe versucht, mich in beide Parteien hinein zu versetzen. habe Argumente abgewogen.
Und natürlich ist der Preis beachtlich, den HSV+ manchen abverlangt!

Aber es ist mMn. existentiell unumgänglich!

Sorry, wenn ich euch nochmal mit einem längeren Post quälen musste! Aber ich musste das nochmal in Gänze reflektieren, um dann entweder korrigiert oder bestätigt zu werden.

So ist die Situation, wie ich sie in den letzten Jahren wahr genommen habe!

Gute Nacht, aus Kölle!

“rhinemike” transportiert die richtige Nachricht – Cliquen regieren seit Jahren. Und das nicht immer – sogar immer weniger! – zum Wohle des Vereins. Der Aufsichtsrat macht dies augenscheinlich, und auch in der oft zitierten Ära Hoffmann/Beiersdorfer ist das der Grund fürs Scheitern gewesen. Dass in dem Beitrag jetzt nicht alles so war und ich auch die Rollen einzelner nicht so dramatisch beurteilen würde, wie er – so what…?! Das eigentliche Übel hat “rhinemike” erkannt.

Und das war, sowas wird mir trotz allem noch immer von einigen nachgesagt, ganz sicher auch nicht Bernd Hoffmann. Im Gegenteil. Ich habe immer gesagt, dass er und Beiersdorfer im Duett genau das waren, was diesen HSV auf Jahre nach vorn hätte bringen können. Aber leider vertrugen sich beide nicht. Beiersdorfer warf Hoffmann vor, ihn zu hintergehen, ihn zu mobben und aus wichtigen Entscheidungen bewusst auszugrenzen. Hoffmann wiederum kritisierte Beiersdorfers Arbeitsweise. Beiersdorfer war für Hoffmann zu langsam, zu glanzlos. Hoffmann wollte es selbst machen und entscheiden. Und so kam es wie in allen anderen sozialen Schichten auch möglich, zum Zerwürfnis der beiden. Es war ein Ende aus persönlichen Gründen. Es ging einfach nichts mehr – leider anschließend auch nicht mehr für den HSV.

Immer wieder höre ich von Spielern aus der Zeit (2009), dass Bruno Labbadia ein richtig guter Trainer war. Ich weiß, das sieht Dieter anders und auch ich hatte meine Probleme mit Labbadias Trainingsarbeit. Aber letztlich muss man eingestehen, dass der HSV unter Labbadia hervorragenden, attraktiven Fußball spielte. Vielleicht am Anfang sogar den schönsten der letzten 25 Jahre. Und hätte Labbadia, der als bissig und ziemlich beratungsresistent gilt, in dieser Phase einen beruhigenden, erfahrenen Sportchef wie Beiersdorfer an seiner Seite gehabt – er hätte viele interne Machtkämpfe nicht kämpfen müssen und sich mehr auf seine Kernkompetenz konzentrieren können – auf die Mannschaft. Ich bin mir bis heute absolut sicher, mit Beiersdorfer wäre es besser gelaufen.

Aber okay, ich bin schon wieder beim “hätte, wenn und aber” – es ist leider nicht so gekommen.

Im Übrigen, selbst wenn mir jemand nicht sympathisch ist – und davon gab’s in den letzten 15 Berufsjahren einige, wie Ihr Euch denken könnt, ich hatte und habe nicht das Bedürfnis, ihm bewusst zu schaden. In diesem Punkt muss ich “rhinemike” widersprechen. Auch aktuell gibt es einige im HSV, die mir alles andere als sympatisch sind – dies aber m.M.n. auch nicht sein müssen. Solange sie aus meiner Sicht einen guten Job machen, schreibe ich das. Wenn ich irgendwann der Meinung bin, dass die jeweiligen Personen – selbst wenn ich sie persönlich noch so sehr schätze – nicht mehr gut arbeiten, schreibe ich auch das. Um nur ein paar Beispiele zu bringen, fragt doch mal bei Bastian Reinhardt, Holger Hieronymus (den ich heute sehr gern wieder in einer verantwortungsvollen Position beim HSV sehen würde), Jörg Butt, Frank Pagelsdorf, Armin Veh u.s.w. nach… Das sind alles Leute, die ich noch heute sehr schätze, zu denen ich seit ihrem Ausscheiden beim HSV teilweise sogar freundschaftsähnliche Verhältnisse pflege. Aber es sind eben auch Leute, bei denen ich irgendwann das Gefühl hatte, dass es mit ihnen und vor allem auch durch sie beim HSV nicht mehr voranging. So habe ich es zu den verschiedenen Zeitpunkten auch geschrieben – und bin damit nichts besonderes. Ich behaupte sogar, das machen 98 Prozent meiner Kollegen “Lokalreporter” nicht anders.

Aber ich komme vom eigentlichen Thema ab – und das hat “rhinemike” heute sensationell dargestellt: Dieser HSV muss sich neu aufstellen. Strukturell, personell, finanziell und sportlich ist man derzeit kaum mehr konkurrenzfähig und riskiert viel. Zu viel sogar. Daher sehe ich den durchaus lobenswerten Gedanken von Eckart Westphalen, die Konzeptträger sollten mehr Zeit bekommen, einen Konsens zu finden, als fahrlässig an. Es wird keinen Konsens zwischen den verschiedenen Strukturen mehr geben, wie Otto Rieckhoff im Sportforum sowie im Interview danach deutlich gesagt hatte. Und das wird sich auch am Sonntag zeigen.

Nein, dieser HSV braucht jetzt eine klare Entscheidung, einen neuen Weg. Einen besseren. Vielleicht haben wir dann ja die Möglichkeit, den 19. Januar 2024 als zehnjähriges Jubiläum für eben jenen Tag zu feuern, an dem eine neue, bessere Ära eingeläutet wurde.

ich hoffe es. Sehr sogar.

Also noch einmal: Geht am Sonntag ins CCH. Geht wählen! Der HSV braucht Euch.

Scholle

Guten Rutsch – und vielen Dank für 2013!

Fink: “Es gibt da einige Fragezeichen”

9. September 2013

So richtig rund ging er nicht. Hatte ich jedenfalls das Gefühl. Thorsten Fink schien ein wenig zu humpeln. Nachwirkungen vom Spiel und Tag „der Legenden“? „Nein, nein, alles in Ordnung, ich habe alles gut überstanden“, sagte der HSV-Trainer und gab Entwarnung. Er spielte mit Hamburg gegen Deutschland, und bei Deutschland war auch Jürgen Klopp mit an Bord. Fink gegen Klopp – aber da gab es keine Berührungspunkte, keine Duelle, nicht mal verbaler Natur. „Wir haben uns kurz die Hand gegeben, das war es dann auch schon. Es waren ja so viele Leute da, da gab es gar keine Zeit, sich länger zu unterhalten“, so der HSV-Coach. Abends, nach dem Spiel, bei der Nacht der Legenden, ergab sich dann auch kein Gespräch mehr zwischen den Trainern, die sich am Sonnabend erneut gegenüberstehen werden: Dortmund – HSV, das späte Sonnabend-Spiel, Anpfiff um 18.30 Uhr.


Finks Fazit vom Tag am Millerntor fiel aber überragend aus: „Es hat sehr viel Spaß gebracht, es kam ja auch viel Geld für einen guten Zweck zusammen – und der Show-Abend verdiente nur ein Prädikat: ‘Weltklasse.’“ Fink: „Das ist Deutschlands beste Benefiz-Veranstaltung, das kann man nicht mehr überbieten. Ein echtes Highlight. Beim Spiel dann 25 000 Zuschauer – da kommt jeder Spieler sehr, sehr gerne. Das ist für niemanden eine Last, das ist Spaß und Freude. Es gibt nichts Besseres.“

Das trifft im deutschen Fußball auch auf die Spitze zu: Bayern und Dortmund. Und nun darf der HSV am Sonnabend seine beiden Siege der vergangenen Saison gegen die Borussia gerne wiederholen. Es soll auf jeden Fall versucht werden. Und wenn wir ehrlich sind: Wer hätte im Vorjahr nach drei sieglosen und punktlosen Spielen schon daran geglaubt, dass der HSV im Volkspark seinen ersten Saisonerfolg schaffen würde? Ich jedenfalls nicht. Damals waren die Voraussetzungen deutlich schlechter für den HSV, als zurzeit. Und da es im Rückspiel einen 4:1-Sieg des HSV gegeben hatte, zeigt uns das doch: alles ist möglich. Zumal der BVB noch nicht so in Form zu sein scheint, wie es die vier Siege in vier Spielen besagen müssten. Und nimmt man mal einen Quervergleich, der natürlich blanker Unsinn ist, als Maßstab, müsste der HSV am Sonnabend eigentlich wieder gewinnen, denn der BVB schaffte gegen Eintracht Braunschweig nur einen mühsamen 2:1-Erfolg, der HSV aber siegte gegen den Aufsteiger glatt 4:0. Noch Fragen?

Natürlich. Wer spielt, wer muss passen – und verletzt sich noch einer bei den Länderspielen am Dienstag? Das alles muss zunächst einmal abgewartet werden. Für Fink steht fest: „Wir wollen gegenüber dem Braunschweig-Spiel nichts Großartiges verändern. Wir müssen aber schauen, wer fit bleibt, wer fit wird. Denn da gibt es ja schon einige Fragezeichen.“

Tolgay Arslan ist eines davon. Der Trainer ist aber optimistisch: „Ich glaube nicht, dass es da große Probleme gibt.“ Der Deutsch-Türke hatte sich eine Zeh-Prellung zugezogen. Ebenfalls mit dem Zeh hat Marcell Jansen zu tun – ein Bruch. Für den Nationalspieler ist morgen der entscheidende Tag, ob er dann mittrainieren kann – ob sein Fuß überhaupt schon wieder in einen Fußballstiefel passt. An diesem Mittwoch kommt dann auch für Rafael van der Vaart der Tag der Entscheidung. Lässt die Oberschenkel-Zerrung schon wieder einen Einsatz auf dem Rasen zu? Thorsten Fink: „Am Mittwoch sollte er trainieren, er kann ja nicht erst am Freitag mit dem Training beginnen um dann einen Tag später zu spielen. Zwei Wochen ohne Training ist mir zu viel. Wenn das mal von Sonnabend auf Sonnabend wäre, das ist nicht so schlimm, aber fast 14 Tage, da würde er dann doch zu viel verlieren.“ Fink ergänzt: „Aber wir tun alles dafür, dass er es noch schafft, denn mit dem Rafael van der Vaart vom letzten Spieltag ist er natürlich für uns sehr wichtig. Und auch seine Erfahrung wäre in Dortmund sicherlich sehr wichtig für uns.“

Thorsten Fink über den kommenden HSV-Gegner: „Der BVB will seine Spitzen-Position sicherlich mit einem weiteren Sieg festigen, und ich denke auch, dass der Trainer seine Spieler darauf aufmerksam machen wird, dass der HSV die letzten zwei Spiele gewonnen hat – und dass das nicht noch ein drittes Mal passieren darf. Deswegen wird Dortmund schon sehr heiß gegen uns sein.“ Was nicht gleichbedeutend mit einer HSV-Niederlage sein muss, denn Fink sagt auch: „Jeder spielt man immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Wenn wir dort eine Top-Leistung abliefern, hat man immer eine Chance, gegen jede Mannschaft. Wir müssen da frech aufspielen, uns nicht verstecken – und wir werden dort auch wieder mit zwei Stürmern antreten, das steht jetzt schon fest. Trotzdem wird es natürlich schwierig, und unsere Leistung vom letzten Spiel gegen Dortmund zu wiederholen, das ist eigentlich gar nicht möglich. Trotzdem, mit einer Top-Leistung können wir dort eine Überraschung schaffen. Und jeder kann in der Bundesliga jeden schlagen, das ist nun mal so.“ Fink sich selbst Mut machend: „Und wenn Dortmund mal nicht so spielt, wie Dortmund spielen kann, dann wollen wir diese Chance auch nutzen. Wir sind ja letztlich auch kein Verein, den man unterschätzen sollte . . .“

Um noch einmal zur personellen Situation des HSV zurück zu kommen: Milan Badelj fällt auf jeden Fall aus, für ihn käme Tomas Rincon in die Mannschaft – falls sich der Südamerikaner nicht doch noch im Länderspiel verletzen sollte. Und hinten links, so sieht es jetzt aus, wird Zhi Gin Lam auf jeden Fall im Team bleiben, auch dann, wenn Marcell Jansen wieder trainieren könnte. Fink: „Zhi Gin Lam hat zuletzt zwei gute Spiele hinten links gemacht, ich sehe keinen Grund, ihn dann rauszunehmen.“ Anders sieht der Coach aber auch keinen Grund, einen „Neuzugang“ gleich reinzubringen: Pierre Lasogga. Fink: „Er hat gute Chancen, mit in den Westen zu fahren, aber von Anfang an eingesetzt zu werden, das wäre sicherlich zu früh. Zumal die beiden Stürmer zuletzt ja gut gespielt haben, und wir wollen ja auch einen vernünftigen Konkurrenzkampf haben – das ist für alle ein Ansporn, zu spielen, da muss sich jeder reinhängen. Einen solchen Konkurrenzkampf hatten wir vergangene Saison nicht, jetzt können wir davon profitieren.“ Und zu Lasogga befand Thorsten Fink: „Pierre braucht sicher noch seine Zeit, um in den richtigen Rhythmus zu kommen, denn er war ja lange verletzt, er braucht schon noch ein bisschen mehr Spritzigkeit. Um ihn mal für zehn Minuten zu bringen, dazu könnte es aber schon reichen.“

Hakan Calhanoglu wird der Ersatzmann sein, falls Rafael van der Vaart doch ausfallen sollte. Fink: „Er hat durch seinen Einsatz gegen Braunschweig Selbstvertrauen bekommen, aber das Dortmund-Spiel wird natürlich viel schwieriger für ihn. Trotzdem, ein junger Spieler kann dann nur besser werden, wenn man ihn einsetzt. Und wenn er denn die Chance bekommt, dann wird er daraus auch lernen – ob positiv oder negativ, er wird seine Erfahrungen sammeln. Fest steht aber, so ist das geplant: Hakan ersetzt Rafael, falls der einmal ausfallen sollte.“ Und dazu könnte es ja jetzt kommen.

Ein wunder Punkt ist für Fink – schon seit Wochen – jede Frage nach der Zukunft von Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic. Darauf reagiert der Coach allergisch. Die Frage hat der Mopo-Redakteur gestellt, ich nehme mir kurz nur eine kleine Antwort heraus, dann ist aber auch schon Schluss damit: „In der Saison kann viel passieren. Ich habe nie gesagt, das keiner mehr spielen wird.“ Leichte Irritationen hatte es aber immerhin gegeben, weil Sportchef Oliver Kreuzer einst angekündigt hatte, dass auch Mancienne und Rajkovic wie Gojko Kacar und Robert Tesche zur U 23 versetzt werden. Fink: „Das haben wir geklärt, es gab da einen Email-Verkehr, und wenn der Sportchef aus dem Urlaub zurück ist, dann werden wir darüber auch noch einmal reden. Ich glaube aber, dass wir zusammen immer gute Entscheidungen treffen, wir sind ein Team, und da wollen wir gemeinsam entscheiden, da werden wir für und wider besprechen. Trotzdem denke ich, dass sich daran jetzt nichts mehr ändern wird, Mancienne und Rajkovic werden weiter bei uns trainieren.“ Am Freitag kehrt Kreuzer aus dem Kurz-Urlaub zurück.

Ich habe dann trotz eines gewissen Reiz-Klimas doch noch gewagt, eine Frage zu Tesche und Kacar zu stellen. Beide haben bei der Niederlage der Zweiten gegen Eintracht Norderstedt nicht gespielt. Warum? Fink: „Das ist die Entscheidung von Rodolfo Cardoso.“ Damit also hat der Chef-Trainer nichts zu tun. Fink sagt nur: „Wenn ich einen Spieler von oben zur U 23 schicke, weil er dort spielen soll, dann spielt er da auch.“
Ich habe fertig.

Ganz kurz noch ein Rückblick auf den Tag der Legenden. Mein Kollege Florian Heil hat mir Stimmen (zur HSV-Zukunft) hinterlassen, die im Abendblatt noch nicht „verarbeitet“ worden sind – ich nehme sie gerne mit, vielen Dank dafür:

Jimmy Hartwig: „Der HSV wird am Ende auf Platz acht bis zehn landen. Ich vermisse die richtige Moral in der Truppe. Die geplante Ausgliederung ist eine gute Idee. Dadurch werden die Geschäfte beim HSV für alle transparenter. Doch auch mit dieser Maßnahme würde es lange dauern, den Anschluss wieder herzustellen. Ich wohne aber mittlerweile in München und muss sagen, dass mich der HSV nicht mehr sonderlich interessiert.”

Thomas Doll: „Der HSV wird einen guten Mittelfeldplatz belegen. Um mehr zu erreichen, müssten die Säulen der Mannschaft um Adler, Westermann und van der Vaart eine überragende Saison spielen, an der sich die anderen dann orientieren können. Die Strukturreform ist eine gute Sache, ich bin für alle modernen Ideen im Fußball total offen. Es gibt ja genügend Vorbilder, an denen sich der HSV orientieren kann. Nur muss der Verein die Fans bei diesem Vorhaben mitnehmen.”

Jörg Butt: „Der HSV tritt auf der Stelle, langfristig muss sich auf jeden Fall etwas ändern. Der Verein steht sich manchmal selbst im Weg. Ich arbeite ja mittlerweile fünf Tage die Woche im elterlichen Betrieb in Oldenburg und sehe selbst, dass schnelle Prozesse und Entscheidungen oft von Vorteil sind. Und diese sind bei der momentanen Struktur im Verein schwer umzusetzen.”

Martin Pieckenhagen: „Beim HSV ist diese Saison alles möglich, zwischen Platz 16 und fünf. Aus Unternehmenssicht wäre eine ausgegliederte AG sicherlich schlau, doch ich glaube kaum, dass die Mitgliedschaft das mitträgt. Solche Pläne haben immer zwei Seiten. Aus traditioneller Sicht sollte alles so bleiben wie es ist, nach vorne geguckt müsste sich was ändern.”

Michel Dinzey: „Wenn der Antrag von Otto Rieckhoff durchkommt, sitzen mit Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus und Thomas von Heesen endlich mal Leute im Beirat, die auch was von Fußball verstehen. Der HSV muss einen Weg finden, auf dem er zur Ruhe kommt.”

Lothar Matthäus: „Wenn keine Ruhe im Club einkehrt, zieht das auch die Profis mit nach unten, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Der HSV braucht Geduld, wird realistisch auf Platz acht bis zwölf landen. Die geplanten Änderungen in der Vereinsstruktur sehe ich überhaupt nicht kritisch, um den Verein gesundzustoßen, muss jedes Mittel Recht sein. Das wäre auf jeden Fall ein legitimer Weg, den HSV zu entschulden.”

PS: Morgen, am Dienstag, wird beim HSV zweimal trainiert. Um 10 Uhr und um 16 Uhr – im Volkspark.

18.52 Uhr

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

Na bitte: Stilz und das Sondertraining

6. September 2013

War das ein herrlicher Sommertag im Volkspark. Frau M. hat sogar einen Sonnenbrand auf meiner Nase erkannt . . . Hochsommerliche Gefühle kamen da auf, auch wenn es für mich den Anschein hatte, dass es immer weniger Leute waren, die heute trainierten. Was vielleicht auch daran lag, dass Thorsten Fink nicht da war, und dass auch Konditionstrainer Nikola Vidovic nicht auf dem Rasen stand. Die beiden Cotrainer hatten heute am Vormittag das Sagen: Patrick Rahmen leitete das Training, Roger Stilz beschäftige sich – am Rande – einige Zeit mit Nachwuchsmann Dennis Bergmann. Der Abwehrspieler der Zweiten hatte ein reduziertes Programm verordnet bekommen, weil er am Sonntag das Regionalliga-Spiel HSV II bei Eintracht Norderstedt zu bestreiten hat.

Mich erinnerte das Sondertraining an zweierlei: Erstens hatte ich vor genau einer Woche in der Kolumne im Abendblatt über ein solches individuelles Training geschrieben, zweitens habe ich das einst als B-Jugendspieler bei BU bekommen und genossen. Stilz beschäftigte Bergmann mit dem Ball, und ich habe das sehr gerne gesehen. Mein Trainer damals (es war Gerd Krischo, einst ein großartiger Halblinker bei BU und dem Post SV – für diejenigen, die sich im Hamburger Amateurfußball auskennen) hat immer zu uns Knirpsen gesagt: „Jede Ballberührung macht euch stärker.“ Und so ist es auch. Auf diesem Gebiet kann beim HSV schon seit Jahrzehnten (!) viel, viel mehr gemacht werden, und ich hoffe doch mal sehr, dass es unter Thorsten Fink nun forciert wird. Talente, die nach Hamburg geholt werden, die müssen geschult und gefördert werden, auch mit einem gezielten Einzeltraining.

Und das alles ist auch eine Sache der Ansprache. Wenn der Chef-Trainer diesen Talenten erklärt (vielleicht – oder sehr gerne – auch dem einen oder anderen Jung-Profi!), dass es nur zu ihrem Vorteil geschieht, wenn sie einzelne Zusatzschichten schieben, dann werden sie es begreifen. Weil sie dadurch, davon bin ich restlos überzeugt, ganz gewiss stärker werden. Ich habe es kürzlich einem HSVer erzählt: Wer erinnert sich nicht an Talente wie zum Beispiel Gerald Klews und Jens Bochert. Vom HSV aus dem Osten nach Hamburg geholt – mit den größten Hoffnungen. Aber wann immer ich im Norderstedter Herold-Center war, traf ich diese beiden Spieler dort. Sie saßen meistens in einem Cafe, rauchten teilweise still vor sich hin (war damals noch erlaubt) – statt einen Kilometer – mit Ball – weiter gen Norden zu ziehen, um dort in der HSV-Ochsenzoll-Anlage zu trainieren. Gestandene Fußballer haben damals schon über den HSV nur den Kopf geschüttelt, weil: Da werden Talente, auch für einiges an Geld (!), nach Hamburg geholt, aber anstatt sie weiter auszubilden, dürfen diese Spieler den ganzen Tag in einem Einkaufszentrum herum- oder abhängen. Weil ja erst abends um 18 Uhr der erste und einzige Training des Tages stattfindet. Welch ein Wahnsinn – ich kann mich da nur wiederholen.

Wenn ich aber an diese Woche denke, so findet im Moment bei „diesem“ HSV ein erstes Umdenken statt – und das ist auch gut so. Ein Lichtblick! Endlich. Am Mittwoch hatte sich Stilz schon – abseits des Mannschaftstrainings – mit den Innenverteidigern beschäftigt, heute nun (aus gegebenem Anlass – aber immerhin) mit Bergmann. Weiter so! Denn man kann sicherlich den einen oder anderen Spieler noch verbessern und in die richtige Spur stellen, man muss nicht nur kaufen, kaufen, kaufen wollen. Und jetzt dann doch Schluss mit diesem Thema.

Erfreulich ist für mich ebenfalls, dass der leicht angeschlagene Johan Djourou, der gegen Eintracht Braunschweig früher vom Platz gehen musste, die ganze Woche über schon wieder mit den Kollegen trainiert hat. Und wie ich es beobachten konnte, hat er das ohne das geringste Problem überstanden. Das ist prima. Ein kleines Sorgenkind bleibt in Sachen Verletzungen immer noch Ivo Ilicevic, der heute früher in die Kabine ging. Die Kiebitze fragten sich besorgt: „Was ist da los? Ist Ivo wieder angeschlagen?“ Nein, ist er nicht, er wird derzeit aber wie ein rohes Ei behandelt, um so behutsam aufgebaut zu werden. Auch er absolvierte ein reduziertes Programm, es war so mit Thorsten Fink abgesprochen.

Zwei Spieler hatten sich heute kurzzeitig beim Abschlussspiel verletzt: Zhi Gin Lam lag plötzlich am Boden und krümmte sich vor Schmerzen, die medizinische Abteilung aber stellte den Abwehrspieler nach ein, zwei Minuten des Banges aber wieder auf die Beine. Lam war umgeknickt, so schien es mir, ich habe nämlich keinen Zweikampf gesehen, in dem eine Verletzung passiert sein könnte. Als nach dem Spiel (insgesamt dauerte das Training 90 Minuten) einige wie Sven Neuhaus, Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Maximilian Beister und Kerem Demirbay etwas fertig zu Boden gingen (weil sehr intensiv trainiert wurde – bei gleißender Sonne), da zog sich Demirbay den linken Stifel aus und ließ sich behandeln. Mit dem Stiefel in der Hand und einem dicken Verband um den Knöchel ging er (ein wenig humpelnd) in die Kabine. Zuvor hatte er ein wirklich sehr gutes Training abgeliefert – der junge Mann wird ganz sicher kommen, an ihm wird der HSV und sein Anhang, werden wir alle noch viel Freude haben – er ist in meinen Augen so ein Spieler-Typ, den es heute kaum noch gibt, nämlich ein Straßenfußballer.

Und wo ich gerade beim Training bin: Erstaunlich ist für mich, wie sehr sich Heiko Westermann in jede Einheit „reinhängt“. Der Mann gibt immer 100 Prozent, er will gewinnen, egal wie unwichtig auch gerade der Training-Kick ist. Westermann flucht, schreit und wird wild, wenn etwas nicht so läuft – wie er sich das vorstellt. Heute fluchte er nach einem Gegentor zum Beispiel laut: „Mann ist das doof, man ist das doof . . .“ Zur Nachahmung empfohlen, obwohl es auch heute in Sachen Einstellung nichts zu meckern gab, alles Spieler machten sehr gut und engagiert mit. Wie Thorsten Fink gestern schon lobte: „Nach einem gewonnenen Spiel ist die Stimmung gleich viel, viel besser, dann ziehen alle auch hundertprozentig mit. Das macht allen Spaß.“ So ist es. Auch heute gewesen.

Zu diesen Spielern, die emsig trainieren, gehörte auch heute wieder Neuzugang Pierre Lasogga. Er verblüfft alle und jeden. Er wollte doch zunächst nur, so hatte es der aus Berlin gekommene Stürmer angekündigt, mit Reha-Coach Markus Günther auf den „Acker“, um so langsam (aber sicher) Anschluss nach seiner Verletzung (Außenband-Anriss) zu bekommen. Aber nichts da, Lasogga macht alles mit, ist nicht zu bremsen, er gibt Gas – und fühlt sich offenbar sehr wohl. „Ich halte nichts von Terminen und von zeitlichen Ankündigungen, wann was passieren soll oder wird. Genaue Zeitpunkte kann man nie sagen. Und ich will mich nicht unter Druck setzen. Wenn alles klappt und stimmt, dann ist es gut, und so ist es jetzt – ich freue mich, dass alles schon bestens funktioniert. Schmerzen habe ich keine, es ist wirklich alles super – deswegen kann ich jetzt auch so schon einsteigen“, sagt Pierre Lasogga. So könnte es unter Umständen sogar mit dem Dortmund-Spiel klappen.

Darauf hofft wohl auch Lasse Sobiech – der ehemalige Dortmunder. Der 22-jährige Innenverteidiger hatte im Braunschweig-Spiel bis zur 72. Minute auf der Bank gesessen, bevor er für Djourou auf den Rasen kam. Bleibt der Schweizer aber so fit, wie er heute gewirkt hat, so dürfte es für Sobiech schwer werden, am 14. September in Dortmund wieder in die Anfangsformation zu kommen. „Es war natürlich schade, dass ich gegen Braunschweig zunächst nicht gespielt habe, weil ich, wie jeder Spieler, stets gerne auf dem Platz bin, aber jetzt gilt es für mich, im Training Gas zu geben um mich so wieder rein zu beißen. Ich will so schnell wie möglich wieder in die Mannschaft kommen.“

Allerdings hat der Trainer nach einem 4:0-Sieg wenig Argumente (bis hin zu keinem), die Mannschaft zu verändern – wenn er es nicht muss. Und in diesem Falle ist es wohl so, dass er nicht muss. Das weiß auch Sobiech: „Meine Chancen sind sicherlich geringer geworden, nach einem Sieg muss nicht viel gewechselt werden – dennoch bereite ich mich gut vor auf dieses Spiel, und dann wird man sehen, ob man eine Chance hat, in die Mannschaft zu kommen, eingewechselt zu werden – und eventuell das Siegtor zu köpfen . . .“ Westermann und Djourou sind wohl die Innenverteidiger, auf die Thorsten Fink setzt, Lasse Sobiech kommt danach – und sagt selbst: „Ich bin, das habe ich vor der Saison so herausgehört, dass ich die Nummer drei bin – auch wenn es ein offenes Rennen ist. Aber ich habe in der Vorbereitung ganz gut gespielt, wir haben mindestens drei gute Innenverteidiger – wenn nicht sogar mehr, und ich sehe mich da nicht hinten dran, sondern denke, dass ich die Qualität auch mitbringe, um beim HSV Stammspieler zu werden.“ Und er fügt noch kämpferisch an: „Ich werde die Rolle als Nummer drei aber auch gar nicht erst annehmen, sondern werde jede Woche dafür kämpfen, um in die Mannschaft zu kommen.“ Das wird Thorsten Fink sicherlich sehr gerne hören – eine großartige Einstellung.

Zum Spiel in Dortmund befand Lasse Sobiech: „Das werden geile 90 Minuten, das ist ja kein Geheimnis. Ich war zehn Jahre da, es ist für mich das größte Spiel – und in Dortmund, in diesem Stadion zu spielen, das ist so ziemlich das Geilste was es gibt.“

Etwas ganz Geiles hat an diesem Freitag auch „Maxi“ Beister erlebt. Er bekam an seinem 23. Geburtstag erst einmal ein Ständchen seiner Kollegen, und nach dem Training von zwei weiblichen Fans einen ganz besonderen Kuchen: Beister mit einem Sixpack. Habe ich noch nie gesehen, das war mal ein außergewöhnliches Geburtstagsgeschenk – irgendwo im Internet (oder auch beim HSV-Internet) muss es sogar ein Foto davon geben. Ich glaube fast, dass auch „Scholle“ ein solches Foto gemacht hat.

So, das war es zum heutigen Tag im Volkspark. Auch Rafael van der Vaart war kurz zu sehen, er war zur Behandlung in der Kabine.

Dann komme ich nun zum sportlichen Höhepunkt des Wochenendes: Tag der Legenden am Millerntor. Die Veranstaltung beginnt auf der „Aktionmeile“ auf dem Heiligengeistfeld (NDR-Showtruck, Robo-Keeper, Biathlon, Schießanlage, Kletterwand). Einlass ins Stadion ist um 11.30 Uhr. Es gibt um 12 Uhr ein Warm-up-Spiel zwischen dem Booster Team und dem FC NestWerk. Um 12.55 Uhr beginnt das Stadion-Programm, bei dem die Band „Tonbandgerät“ spielen wird. Um 13.40 Uhr begrüßen Schirmherr Michael Schumacher und Veranstalter Reinhold Beckmann die Zuschauer, um 13.55 Uhr ziehen die Legenden ins Stadion ein. Anpfiff der Partie Deutschland gegen Hamburg ist um 14.20 Uhr. Für Deutschland laufen, neben vielen anderen Fußballern, Matthias Sammer, Jürgen Klopp, Lothar Matthäus, Karl-Heinz Riedle, Thomas Helmer, Tim Borowski, Olaf Thon und Fredi Bobic auf, für Hamburg spielen, neben anderen, Thorsten Fink, Michael Frontzeck, Manfred Kaltz, Thomas Doll, Hasan Salihamidzic, Rachid Azzouzi, Sergej Barbarez, Thomas von Heesen und Jörg Butt auf. Kommentatoren sind an diesem Nachmittag Lou Richter und Kult-Reporter Werner Hansch. Und ich hoffe sehr, dass Ihr auch dabei sein werdet. Es ist für einen guten Zweck, immer dran denken.

Dann bleibt mir für heute nur einen wunderschönen und erfolgreichen Fußball-Abend zu wünschen: Deutschland gegen Österreich. Wird spannend, glaube ich, weil der Charakter dieses Spiels ähnlich dem sein wird, was am Sonntag am Millerntor ablaufen wird: Tag der offenen Tür. Gegen eine geringe Eintrittsgebühr – versteht sich.

PS: Trainiert wird im Volkspark am Montag erst wieder nachmittags, 15 oder 16 Uhr.

17.58 Uhr

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