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Was will Petric uns sagen?

10. September 2010

Weiter geht’s, zurück in den normalen Bundesligarhythmus. Endlich. Bevor ich noch einmal zum Thema/Fall Mladen Petric komme, möchte ich Euch kurz erklären, warum die Heimspielstätte des HSV auch morgen gegen den 1. FC Nürnberg noch ohne Schriftzug oder Buchstaben auf dem Dach sein wird. Entgegen anders lautender Meldungen (die auch ich leider verbreitet habe) sollen die ersten Buchstaben in der kommenden Woche montiert werden. Anfang dieser Woche war zu viel Wind, da wurden nur Vorkehrungen und Vorbereitungen getroffen. Jetzt liegen die fertig zusammengebauten Buchstaben im gesicherten Bereich des Stadions und werden nächste Woche in luftige Höhen gehievt, um den „oben ohne“-Zustand endlich zu beenden.

So, nun zu wichtigeren Themen. Ich kann mir gut vorstellen, dass den meisten von Euch heute der Kragen geplatzt ist, als Ihr die Tageszeitungen oder auch die aktuellen Internetbeiträge zum Fall Mladen Petric gelesen habt. Und soll ich Euch mal etwas sagen? Mir ging und geht es genauso. Allerdings muss ich, nachdem ich mir den O-Ton von Armin Veh von der gestrigen Pressekonferenz eben noch einmal im Original angeschaut habe (Videoclip hier), natürlich anmerken, dass sich der Trainer durchaus eine Hintertür offen gehalten hat. Er hat Petric nicht voreilig für das Duell gegen den FCN aus dem Kader gestrichen, sondern die Wahrscheinlichkeit betont, dass der Kroate nicht dabei sein würde.

Aber das ist ja auch eigentlich gar nicht der Aufreger, jedenfalls nicht bei mir. Ich finde die Aussage von Petric nach dem Gespräch mit Sportchef Bastian Reinhardt – Zitat: „Ich werde mich weiter wie bisher professionell verhalten, meine Leistung bringen. Ich bleibe aber dabei, dass nicht alles korrekt abläuft.“ – alles andere als professionell und clever formuliert. Nachdem ich diesen Kommentar von ihm gelesen habe, musste ich mir zwangsläufig zwei Fragen stellen: 1. Ist Petric nach wie vor beleidigt, dass er nicht wechseln durfte? Muss er deshalb immer das letzte Wort haben? 2. Will Petric seine Lage beim HSV bewusst verschlechtern, um im Winter auch ganz sicher den Verein wechseln zu können?

Ich weiß, ich weiß, einige von Euch werden nun wieder argumentieren, dass da ja wirklich etwas schief gelaufen sein muss auf der Kommunikationsebene. Petric deutet ja auch immer wieder an, dass er hier zum Verein zurückkehren musste, der ihn eigentlich loswerden wollte. Aber Ross und Reiter hat er dabei nie genannt. Zum Wohle des Vereins, könnte man meinen. Aber wenn ihm daran wirklich viel gelegen sein sollte, dann würde er diese Thematik jetzt nicht zum wiederholten Male derartig schwammig anmerken, sondern mal Klartext reden, intern und extern. Und dann wäre es gut oder eben auch nicht. Aber mit dieser Art der Andeutungen wie „nicht alles korrekt abläuft“ verursacht der Torjäger mehr Unruhe und Raum für Spekulationen, als es der HSV im sportlichen Bereich gebrauchen kann. Und bei diesem Weg der Konfliktbewältigung handelt es sich gerade bei Petric bestimmt nicht um Äußerungen im Affekt, denn der Stürmer ist auf abseits des Platzes meistens genauso clever wie innerhalb des Strafraums.

Denkt jetzt nicht, dass ich Petric zum Buhmann abstempeln will. Das ist ganz und gar nicht meine Absicht. Ich betone es hier und an dieser Stelle noch einmal: Ich halte ihn für einen begnadeten Stürmer, der Qualitäten mit sich bringt, die dem HSV gut zu Gesicht stehen und auf die der Verein nicht verzichten kann. Trotzdem sollte und müsste er sich einfach mal in die Lage des HSV bei der besagten Wechsel-Thematik versetzen. Egal, wie es abgelaufen ist: Nach dem Ende der Wechselfrist und der Absage an den VfB Stuttgart hat der HSV meiner Meinung nach alle notwendigen Schritte eingeleitet, um den Hausfrieden schnellstmöglich wiederherzustellen. Bernd Hoffmann hat sich mit Petrics Berater getroffen und geredet, Bastian Reinhardt hat das Gespräch mit dem Spieler direkt gesucht, und Armin Veh hat ebenfalls eine Unterhaltung mit dem Kroaten angekündigt. Das zeugt nun wahrlich nicht von Desinteresse, von Abneigung oder einer auf Disharmonie ausgerichteten Haltung der Verantwortlichen, oder?

Vielleicht bewerten wir den Fall aber auch alle über, denn wenn Petric heute Nachmittag beim späten Abschlusstraining (16 Uhr) mitwirkt und in den Kader berufen wird oder auch vorsichtshalber gestrichen wird, dann legt sich die Aufregung urplötzlich – und spätestens, wenn Petric wieder auf den Platz berufen wird (von der Bank oder direkt in die Startelf), ist sowieso wieder alles in Butter. Das Tagesgeschäft Bundesliga ist wirklich einzigartig und schnelllebig wie kaum ein anderes. Überlegt mal: Vor drei Wochen haben sich noch alle über die HSV-Angriffsabteilung mit Petric, Ruud van Nistelrooy und Paolo Guerrero gefreut, jetzt scheint es manchmal fast so, als bereite die Abteilung Attacke nur Probleme. Und diese Diskussionen überschatten fast alle anderen werthaltigen Themen und „Baustellen“.

Ich glaube übrigens, dass Trainer Veh gegen den Club erstmals in dieser Saison von Anfang an auf Piotr Trochowski setzen wird. Der Nationalspieler hat sich in den vergangenen Tagen in einer starken Trainingsform gezeigt, und er ist nach seiner Verletzung und auch nach seiner fehlenden Berücksichtigung für die Nationalmannschaft ausgeruht und strotzt vor Tatendrang. Er könnte für Überraschungseffekte gegen die defensiv zu erwartenden Nürnberger sorgen. So, das war es erst einmal. Ich melde mich heute extra früh, weil die meisten ja freitags früher von der Arbeit wegkommen und womöglich noch nach oder vor der Mittagspause ein paar News zum HSV wollen. Nach dem Abschlusstraining werde ich mich noch einmal ganz kurz melden, um Euch zu sagen, wer denn nun im Kader steht und wer nicht. Und dann gibt es im Fall Petric ja auf jeden Fall ein neues Kapitel.

11:45 Uhr

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