Archiv für das Tag 'Bruma'

Van der Vaart und das Salz in der Cola

25. April 2013

Den Spruch hat inzwischen wohl jeder schon gehört: „Wenn der FC Bayern die beste Mannschaft der Welt mal eben mit 4:0 wegdonnert, dann relativiert sich das 2:9 des HSV aber ganz, ganz gewaltig.“ Stimmt. Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem 4:1 von Borussia Dortmund gegen Real Madrid? Hat nicht der HSV den BVB, der mal eben die „Königlichen“ „weggefiedelt“ hat, in dieser Saison gleich zweimal besiegt und dafür gesorgt, dass alle Schwarz-Gelben mit gesenkten Häuptern in der Kabine verschwanden? Und relativiert sich das denn auch? Einmal 3:2, einmal – in Dortmund – 4:1? Mal sehen. Mal sehen, wie sich das jetzt in Gelsenkirchen anlässt. Es sind nur noch vier Spiele, die der HSV in dieser Bundesliga-Saison bestreiten muss, das auf Schalke scheint im Moment das wichtigste zu sein. Es geht ja nicht nur um das „einfache Europa“, es geht um mehr. Und für Rafael van der Vaart ist sogar das Erreichen der Champions-League-Qualifikation kein völlig utopisches Ziel. „Wenn wir am Sonntag bei Schalke 04 gewinnen sollten, darf man ein bisschen daran denken“, sagte der HSV-Kapitän, fügte aber auch gleich warnend hinzu: „Dafür müssen wir natürlich deutlich besser spielen als zuletzt.“

Heute im Training war das schon mal gut. Vielleicht sogar sehr gut. Es ging im Abschlussspielchen mächtig zur Sache. Gerade so, als wisse nun jeder Spieler ganz genau, um was es jetzt geht. Das Spiel zwischen A und B war temporeich, aggressiv und rassig. Da hatte kein Spieler auch nur eine Sekunde Zeit, sich am Ball auszuruhen. Das sah wirklich gut aus. Wobei Thorsten Fink zwei Wechsel zur Halbzeit vornahm: Heung Min Son ging von A nach B, Artjoms Rudnevs ging von B nach A. Und dazu wechselte Dennis Aogo von A nach B, für ihn kam Tomas Rincon von B nach A. Das bedeutete, dass sich der Trainer auf jeden Fall noch etwas offen lassen möchte – bis Sonnabend.

Im Moment scheint es aber so (für mich) zu sein, dass vorne Son beginnen und Rudnevs auf der Bank sitzen wird, und auf der „Sechs“ werden Tolgay Arslan (für den – wohl – verletzt ausfallenden Milan Badelj) und Aogo zum Einsatz kommen – „Reserve“ ist Rincon. Wenn ich die Gedanken des Trainers denn richtig lesen kann . . . Hinten rechts wird dazu, daran ändert sich nichts, Jacopo Sala spielen (für den gesperrten Dennis Diekmeier). Wobei mich schon ein wenig wundert, dass Jeffrey Bruma dann doch so überhaupt keine Chance mehr hat – und auch bekommt. In der Not, so heißt es doch, frisst der Teufel Fliegen, aber Bruma scheint beim HSV nicht nur ein Auslaufmodell zu sein, er wird auch als ein solches behandelt. Knallhart. Die Zeiten ändern sich. Ich habe zudem das Gefühl, dass Thorsten Fink tatsächlich härter auftritt – auf jeden Fall, so behaupte ich, anders als noch vor ein paar Wochen. Aber, das fällt mir just beim Schreiben dieser Zeilen ein, genau das habe ich gemeint, als ich bei „Sky 90“ vor Wochen, einen Tag nach dem 2:9 von und in München, auf die Frage von Moderator Patrick Wasserziehr („Wird der HSV daraus seine Lehren ziehen?“) gesagt habe: „Vor allen Thorsten Fink wird aus diesem Debakel lernen und seine Schlüsse ziehen . . .“ Hat er – in meinen Augen jedenfalls.

Und in diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder das Wort „Penner“ ein. Gebrüllt vom Trainer am vergangenen Freitag, gemeint war die Mannschaft. So etwas gab es in dieser Woche (bislang) noch nicht. Fink: „Wenn ich aber merke, dass die Mannschaft nachlässt, dann werde ich sicherlich wieder etwas sagen, wenn sie nicht nachlässt, dann werde ich auch nichts erfinden. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist, wenn sie jedoch mal einen Impuls braucht, dann werde ich ihr diesen auch geben.“ Fink sagte auch: „Wir haben noch vier Spiele, da muss man schon noch vorsichtig sein und aufpassen, dass es jetzt nicht wieder anders herum geht, aber ich denke mit nun 44 Punkten und noch vier Spielen ist das schon gut gelaufen.“

Kurz noch einmal zum heutigen Training zurück. Einige gute, vielleicht auch sehr gute Szenen hatte Gojko Kacar, aber richtig beeindruckt war ich vor allen Dingen von Heung Min So. Der Junge, das stelle ich immer wieder fest, hat viel, nein, er hat sehr viel gelernt beim HSV. Er war heute auch im Spiel Mann gegen Mann, im Dribbling, richtig stark. Sodas ich mir während dieser „Vorstellung“ gedacht habe: „Es ist doch alles Quatsch, wenn da Hinz und Kunz immer wieder sagen, dass Son noch so jung sei, dass ihm noch einige Jahre beim HSV sehr gut tun würden, weil er so in der Bundesliga lernen und zu einem fertigen Spieler werden kann. Das ist, um es noch einmal zu sagen, Quatsch. Er hat jetzt schon viel gelernt, und ich bin davon überzeugt, dass er das auch bei einem Spitzen-Club – wie zum Beispiel Borussia Dortmund – zeigen würde.

Denkt doch bitte einmal kurz zurück, ich sprach mit einigen Kollegen heute vor der Pressekonferenz darüber, wie es damals mit Hasan Salihamidzic war. Als der 1998 vom FC Bayern gekauft wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt. Und was hat ihm hier jeder in Hamburg prophezeit? Genau: „Der wird dort niemals zum Einsatz kommen, geschweige denn Stammspieler. Der überschätzt sich maßlos – und wird auch maßlos überschätzt.“ Und? Wie kam es? Salihamidzic mischte erst München, dann die Bundesliga und später auch Europa auf. Wie oft hat er allein Real Madrid aufgemischt? Nun gut, das ist, wie Dortmund zeigt, ja auch keine große Kunst mehr . . . Nein, nein, ein Scherz. Das war ein Scherz.

Und noch einmal kurz zum heutigen HSV-Training zurück. Zum Schluss wurde „geballert“. Jeder der wollte, der durfte auch mal. Oder mehrfach. Im Tor standen sie alle, die das können – wobei ich einmal mehr von Sven Neuhaus begeistert war. Wie er fliegt, wie er sich reinhängt, obwohl er am Sonntag wieder nur daheim vor dem Fernseher sitzen wird – das ist schon erste Sahne. Toll. Und vorbildlich. Aber darüber wollte ich gar nicht groß berichten. Es gab da einen Zweikampf, der verbissen geführt wurde. Tolgay Arslan und Rafael van der Vaart zählten jeden Treffer, das war ein richtig hartes Duell. Und das endete dann auch noch mit einem Unentschieden. Deshalb musste ein Elfmeterschießen entscheiden. Jeder nur einen Schuss. Der „kleine Engel“ drosch den Ball weit und hoch über das Tor, die Kugel suchen sie morgen noch. Dann Arslan. Als er anlief (gegen Neuhaus), schoss – zum Zwecke der Störung – van der Vaart einen zweiten Ball quer. Wie unfair! Arslan beschwert sich, lief noch einmal an – und verwandelte. Daraufhin ging er in die Knie und hob laut jubelnd seine Arme in die Luft: Sieg.

Und dann sprachen sich die beiden Kontrahenten ab. Was genau, war nicht zu hören. Es ging aber darum: Der Verlierer musste dem Sieger eine Cola mit Zitrone und Eis auf den Umkleideplatz in der Kabine stellen. Und? Hat „Rafa“ das gemacht? Ja. Sagte er. Aber ohne Zitrone und Eis. Dafür war ein wenig Salz in diesem Frei-Getränk. Die Niederländer freute sich diebisch: „Ali hat getrunken und alles sofort wieder ausgespuckt . . .“ Es war dann doch wohl eher ein Pyrrhus-Sieg. Und, um das auch noch zu sagen: Das Schuss-Duell zwischen Arslan und van der Vaart wurde zwar verbissen geführt, aber trotz allem fair und stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Was davon zeugt, dass man sich im Moment (nach zwei Siegen) und mit einem neuen Kapitän bestens versteht.

Schnell noch zu einem ganz, ganz anderen Thema. Ich schreibe ja heute zum ersten Mal in dieser Woche, mir brannte in dieser Zeit immer noch die Seite 62 des HSV-live-Magazins unter den Nägeln. Da hatte sich der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow mit einem Leserbrief an den HSV zu Wort gemeldet. Ich fand diese Zeilen schon sehr bemerkenswert, doch irgendwie schienen sie mir doch ein wenig untergegangen zu sein. Und weil ich denke, dass dieser Brief eine größere Aufmerksamkeit verdient (gehabt hätte), möchte ich ihn hier noch einmal veröffentlichen – mit Genehmigung von Udo Bandow.

Liebe Sportfreunde, mit großem Interesse habe ich den Bericht des Aufsichtsrates über seine Arbeit gelesen. Ich stimme ihm voll zu, dass die wirtschaftliche Konsolidierung unseres Vereins höchste Priorität hat. In der Tat hat sich die wirtschaftliche Situation des HSVin den letzten drei bis vier Jahren dramatisch verschlechtert. Ich befürchte, dass der nicht durch Vermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.
Nicht nachvollziehen kann ich die Formulierung: „Oberste Prämisse sei dabei, eine sportliche Nachhaltigkeit zu garantieren und nicht die Substanz der Mannschaft entscheidend zu schwächen; es sollen nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht werden.“
Der Aufsichtsrat sollte sich hier keinen Illusionen hingeben. Wenn wir wieder einen Kader haben, der international Interesse erweckt, was zurzeit leider nicht der Fall ist, wird der Aufsichtsrat ähnlich entscheiden wie er es in anderer Zusammensetzung in der Vergangenheit getan hat. Wenn Spieler Offerten bekommen von Vereinen wie zum Beispiel Bayern München, Real Madrid oder Manchester-Vereinen, dann sind sie nicht zu halten, da sich nicht nur ihre Bezüge kräftig erhöhen, sondern sie auch die Garantie der permanenten Teilnahme in der Champions League haben, was ihre Position in den Nationalmannschaften nachhaltig stärkt.
Entscheidend ist dabei, die ausscheidenden Spieler durch qualitativ gleichwertige, jüngere und finanziell günstigere zu ersetzen. Dies ist bis zur Trennung von Dietmar Beiersdorfer recht gut gelungen.
Ich nenne als Beispiels für jüngere Spieler, die Abgänge ersetzt und später ebenfalls hohe Transfergewinne erbracht haben, nur einige Namen:
Tomas Ujfalusi, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Nigel de Jong, Jerome Boateng und Joris Mathijsen.
Ich hoffe, dass dies bei ähnlicher Konstellation auch in Zukunft gelingen möge.
Ihr Udo Bandow.

Ich habe mit Udo Bandow über diesen Brief gesprochen, er wollte aber nicht mehr ins Detail gehen – was ich verstehe. Er sagte nur noch: „Ich werde dazu keine weiteren Kommentare abgeben, es steht alles drin, es ist alles gesagt.“
Was natürlich auch stimmt, dennoch hätte ich gerne noch etwas „mehr“ gehört. Aber man kann ja auch zwischen den Zeilen lesen . . .

PS: Am Freitag wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.53 Uhr

Bruma spielt keine Rolle mehr – auch nicht gegen Schalke ****HSV gewinnt 9:0 in Winsen****

23. April 2013

Bei der Planung der Testspiele hatte der Verantwortliche ganz offenbar nicht mit dem Halbfinale Bayern gegen Barca für den heutigen Tag gerechnet. Und Thorsten Fink, als ehemaliger Bayern-Profi, dürfte sich heute besonders ärgern, da der Test in Winsen zwar um 18 Uhr beginnt, die Bustour zurück jedoch höchstwahrscheinlich dazu führen wird, dass er die ersten Minute dieses hochklassigen Halbfinales verpasst. Genau wie die (Journalisten und) Anhänger des HSV, die aus Hamburg oder von noch weiter weg anreisen, um ein Spiel zu sehen, in dem nur die zweite Reihe aufgeboten wird. „Wir wollen die spielen lassen, die zuletzt nicht zum Zuge gekommen sind.“ Wobei durchaus auch wichtige Erkenntnisse zu ziehen sein dürften. Immerhin geht es für Fink noch immer um die Umbesetzung der Rechtsverteidigerposition.

In der Auswahl nicht dabei: Jeffrey Bruma. Der hat zwar vor der Saison 2011/2012 seinen Geländewagen, einen knapp 400 PS starken schwarzen Range Rover, aus England mitgebracht. Allerdings hat es Jeffrey Bruma seither beim HSV nicht auf die Überholspur geschafft. Und das, obwohl der 21-jährige Innenverteidiger noch immer als eines der größten Abwehrtalente im holländischen Fußball gilt. Ein Umstand, dem sich Jeffrey Bruma bewusst ist. Zu bewusst, wie seine Kritiker sagen. „Es muss mentale Gründe haben, weshalb sich Jeff beim HSV nie durchgesetzt hat“, sagt beispielsweise Brumas Landsmann und Ex-HSV-Trainer Huub Stevens und geht noch weiter: „Es gibt beim HSV keinen Innenverteidiger, der von den Voraussetzungen her so gut ist wie Jeff. Aber wer weiß, vielleicht hat Jeffrey es nicht verstanden, sich zu zeigen, sich zu beweisen. Dazu gehört auch der Kopf. Ich bin mir sicher, dass HSV-Trainer Thorsten Fink ein Guter ist und den Bruma, den ich mir vorstelle, nur zu gern in die Startelf gestellt hätte.“

Worte, über die sich Bruma sehr freut („Aus dem Munde eines so guten Trainers ist das ein Riesenkompliment“), die aber bei Trainer Thorsten Fink keine Wirkung mehr haben dürften. Der setzt Bruma nicht ein, tat dies auch ansonsten nicht. Oder besser: nur selten. Nach 22 Startelfeinsätzen in der ersten Saison reichte es in der aktuellen zu gerade mal zehn Spielen von Beginn an. Und auch am Sonntag auf Schalke (17.30 Uhr, Veltins-Arena) kommt kein weiteres hinzu. Fink legte sich bereits fest, am Sonntag wahrscheinlich Jacopo Sala oder vielleicht Zhi Gin Lam als Ersatz für den gelbgesperrten Dennis Diekmeier vorzuziehen. Bruma indes spielt keine Rolle in den Planungen. „Jacopo und Zhi Gin haben gut trainiert und ich muss jetzt sehen, dass ich die spielen lasse, die auch nächste Saison noch bei uns unter Vertrag stehen.“ Und das trifft auf Bruma nicht zu.
Dem wurde vor 14 Tagen (das hatten wir im Blog relativ unbeachtet exklusiv) von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass die Kaufoption in dem am Saisonende auslaufenden Leihvertrag mit dem FC Chelsea nicht gezogen wird. Und während Frank Arnesen keinen Hehl daraus macht, dass er sich deutlich mehr von Bruma erhofft hatte, nannte er seiner Entdeckung andere Gründe: „Ich bin wohl zu teuer, der HSV will aber sparen“, sagt Bruma, der die Ehrlichkeit und den frühen Zeitpunkt der Entscheidung jedoch lobt. „Der HSV wäre eine tolle Option für mich, ich wäre sehr gern geblieben. Die Entscheidung ist hart. Aber so kann ich mich in Ruhe auf die letzten Spiele hier konzentrieren und mein Berater hat genug Zeit, mit mir für die neue Saison die beste Lösung zu finden.“
Angebote dafür gibt es bereits genug. Insbesondere aus der Heimat, wo sich fast alle großen Clubs wie Feyenoord Rotterdam, der PSV Eindhoven oder auch Ajax Amsterdam bereits beim niederländischen Staragenten Rodger Linse nach Bruma erkundigt haben. „Die Heimat ist sicher eine Option. Ich werde aber im Sommer erst mal nach London fliegen und mit Chelsea sprechen“, sagt Bruma. Voraussichtlich wird der 2014 auslaufende Vertrag um mindestens ein weiteres Jahr verliehen, um Bruma dann erneut auf Leihbasis abgeben zu dürfen.
Wirklich viel übrig hat Bruma für ein weiteres Leihgeschäft zwar nicht, aber er weiß, dass er seine anfänglich so vielversprechende Karriere langsam auf die nächste Stufe heben muss, wenn er den Anschluss nicht verpassen will. Und dafür muss er Abstriche machen. In der Bringschuld sieht er sich jedoch nur bedingt: „Ich kann mich nur in Spielen zeigen. Und genau das ist mein primäres Ziel für die kommende Saison. Wenn das der Fall ist, kann ich auch meine Leistung zeigen.“ Nicht so wie in Hamburg. Bruma: „Ich hatte mir natürlich deutlich mehr Spiele erhofft, weil ich mir sicher bin, dass ich über mehrere Spiele in Folge auch zu meiner Leistung gefunden hätte.“
Dabei wird schnell deutlich, weshalb das Engagement Brumas in Hamburg nicht weitergeführt wird. Zu unterschiedlich sind Spieler und Verantwortliche in der Beurteilung seiner Leistung. Denn während Arnesen bei Bruma stagnierende Leistungen im Training erkannt haben will und Fink immer wieder forderte, es müsse in den Trainingseinheiten „deutlich mehr von Jeff“ kommen, sieht sich dieser eher gut. „Ich trainiere sehr gern und immer mit 100 Prozent Einsatz. Ich glaube nicht, dass es an meinen Trainingsleistungen liegt.“
Konsequenz: Bruma, den der HSV im Winter noch verpflichten wollte, spielt beim HSV keine Rolle mehr. Zunächst wollte sich Fink am Dienstag gar nicht erst über Personalien äußern, die nichts mit dem Spiel auf Schalke am Sonntag zu tun haben. Dann aber sagte er: „Jeff könnte eine Rolle spielen – wenn sich in der Innenverteidigung zwei Leute verletzten.“ Soll heißen: Heiko Westermann und Michael Mancienne bleiben gesetzt, erster Ersatz ist Slobodan Rajkovic. Erst dann käme Bruma. Für den Mann, der als A-Nationalspieler kam und als U21-Nationalspieler geht, ein bitterer Abschied.
Zumal Bruma nicht mal mehr für die U23 auflaufen darf, nachdem er in mindestens 50 Prozent der Bundesligaspiele auf dem Platz stand (zehn Mal Startelf, sieben Mal eingewechselt) Wie er mit seinem Saisonende umgeht? „Gar nicht“, sagt Bruma und gibt sich kämpferisch: „Ich habe hier noch lange nicht Schluss. Ich gebe im Training weiter Vollgas und zeige allen, was ich kann.“
Worte, die den Versuch, trotz des Reservisten-Daseins vom niederländischen Nationaltrainer für die U21-EM in Israel im Sommer nominiert zu werden, als Ursache haben. Es ist aber vielleicht auch der Versuch, auf der Zielgerade noch einmal allen zu zeigen, dass er einen Kauf doch wert gewesen wäre. „Ich gehe hier nicht im Streit. Ich bin hier reifer geworden, physisch stärker.“ Und selbstbewusst wie am ersten Tag. „Es war schwierig, da ich Trainerentscheidungen akzeptiere. Aber ich hätte sicher mehr gezeigt, wenn man mir mehr vertraut hätte.“ Und obwohl sein Range Rover vielleicht das Letzte ist, was an bessere Zeiten erinnert, bleibt Bruma optimistisch: „Ich weiß trotzdem, dass ich ein guter Spieler bin. Noch immer. Und das werde ich zeigen.“ Worte, die mich zwar leise für ihn hoffen lassen, die mich aber zumindest daran zweifeln lassen, ob Bruma seine Lage inzwischen erkannt hat.

Denn Bruma droht zum zweiten Elia zu werden. Der kam auch in Hamburg als eines der größten Talente an, spielte in der Imtech-Arena beim T-Home-Cup erst mal Nationalspieler Philip Lahm Knote in die Beine und überragte bis zu seiner üblen Verletzung aus dem Spiel in Mainz. Aber heute ist der Niederländer abgetaucht. Aus seinen ausgiebigen Tattoo-Studio-Besuchen sind inzwischen Familienabende geworden, wie mir meine Bremer Kollegen berichten. Allerdings soll Elia zwar vernünftiger, aber keinesfalls engagierter dabei sein. Im Gegenteil, der pfeilschnelle Dribbelkünstler scheint sich mit Werder nicht so recht arrangieren zu können und fällt mehr durch seine Lethargie denn durch Trainingseifer auf. Was mir auffällt ist, dass beide Spieler mit 17 Jahren schon zu kommenden Superstars stilisiert wurden. Beide hatten – nachdem sie früh aus ihrer Familie geholt und Fußball-vereinen unterstellt worden waren – ein Umfeld, das ihnen nur eintrichterte, wie gut sie sind. Beide hatten Berater, die das große Geld witterten – und auf dem Weg dahin war ihnen kein Kompliment zu hoch gegriffen.

Was folgte ist ein Absturz, der programmiert ist und immer wieder vor-kommt. Beide Talente denken, dass ihr Talent allein schon den Anspruch rechtfertigt, bei großen Teams Stammspieler zu sein. Beide verloren zuerst die zweifellos notwendige Relation – und dann ihre Stammplätze in den Clubs sowie bei der Nationalmannschaft.

Und um eines klarzustellen: Für beide ist es noch lange nicht zu spät. Allerdings müssen beide langsam erkennen, dass der Zug ohne sie abzufahren droht. Und sollten sie dann später irgendwann erkennen, welche Chance sie hatten und was sie alles fahrlässig haben liegen lassen – ich will nicht mit ihnen tauschen. Egal wie viele Millionen bis dahin auf ihren Konten liegen, diese Erkenntnis wäre für mich das Schlimmste…

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass sowohl Jeffrey als auch Eljero die Kurve kriegen. Schließlich sind beide vielleicht ein wenig desorientiert – aber dafür gibt es Entschuldigungsgründe.

Bis nachher! Dann berichte ich Euch in aller Kürze – auch ich will Bayern gegen Barca sehen – vom Test in Winsen.

Scholle

P.S.: Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Wir sind jetzt auch auf Facebook aktiv. Unter: https://www.facebook.com/groups/matzab
könnt Ihr ab sofort aktuelle Fotos, Videos und kürzere, den Blog ergänzen-de Texte finden. Heute beispielsweise ist ein Kurzinterview mit dem Trainer zu sehen.

P.P.S.: Der HSV hat den Test in Winsen vor 1000 Zuschauern mit 9:0 gewonnen. Die Tore erzielten Rudnevs 0:1, 0:2, 0:9 (4., 10., 82.), 0:3 Bruma (13.), 0:4, 0:7 Arslan (15., 54.), 0:5 Rajkovic (39.), 0:6 Ilicevic (53., FE), 0:8 Maggio (75.). Arslan war der beste Mann auf dem Platz, wirkte nach überstandener Grippe topfit. Und so haben sie gespielt:
Drobny (46. Neuhaus) – Sala, Bruma, Rajkovic, Lam (64. Langer) – Rincon (68. Norgaard), Kacar (64. Tah)- Nafiu (46. Ingreso), Arslan (64. Maggio), Ilicevic (64. Brown) – Rudnevs.

Huub Stevens glaubt an den HSV in der Europa League – und an Jeffrey Bruma

22. April 2013

Er sitzt gerade im Garten seines Anwesens in Eindhoven, als ich ihn erreiche. Im Hintergrund zwitschern die Vögel, er selbst sagt, er habe gerade den Garten wieder auf Vordermann gebracht und um ihn herum spielen seine Enkelkinder. Es ist einer der Momente, in denen der ehemalige HSV-Trainer Huub Stevens voll aufgeht. Es zeige ihm, dass es ein Leben ohne Fußball gibt. Ihm, der das eigentlich ausgeschlossen hatte. „Ganz ohne würde ich gar nicht wollen“, hatte Stevens vor seinem Abschied aus Hamburg gesagt. Allerdings, und das macht Stevens im Interview klar, diese Woche zählt König Fußball noch mal mehr als sonst. Zunächst mit den Champions-League-Halbfinals Bayern gegen Barca und anschließend Dortmund gegen Real Madrid. Aber vor allem wegen des Duells seiner zwei Ex-Klubs am Sonntag. Denn da gastiert der HSV beim FC Schalke Das Interview:
Hamburger Abendblatt: Herr Stevens, geht es Ihnen ohne Fußball gut?
Huub Stevens: Blendend. Perfekt sogar. Ich spiele mit meinen Enkelkindern und kümmere mich um meinen Garten. Mehr geht nicht.
Außer einen Trainerjob.
Stevens: Nein, das kann – muss aber
nicht. Ich bin in der luxuriösen Situation, es mir aussuchen zu können. Ich nehme nicht mehr alles an, wie ganz am Anfang meiner Trainerzeit. Es muss alles passen. Das ist im Moment nicht so, deshalb sitze ich mit meinen Enkeln im Garten und bin glücklich. Vielleicht bleibt das ja auch so.
Am Sonntag werden Sie aber sicherlich Fußball sehen.
Stevens: Klar. Schalke gegen HSV – das hat noch Priorität.
Wer gewinnt?
Stevens: Es wird ein enges Spiel. Schalke ist zu Hause gut, der HSV auswärts. Und beide haben große Ziele.
Realistische?
Stevens: Na klar. Schalke steht gut da. Ich habe doch selbst noch an der Mannschaft mitgewirkt und weiß, was sie kann. Diese Mannschaft muss sich für die Champions League qualifizieren.
Muss?
Stevens: Ja, sportlich. Aber auch finanziell. Der Klub hat vor einigen Jahren sehr viel im Voraus finanziert und in den letzten Jahren keine großen Sprünge machen können. Die Schuldenlast ist groß. Und das ist heute nicht anders.
Beim HSV leider auch nicht.
Stevens: Stimmt. Aber in Hamburg konnte man zu Saisonbeginn noch mal ordentlich investieren. Und das völlig zu Recht. Ein Rafael van der Vaart war sehr teuer – aber das Risiko wert. Diese HSV-Mannschaft brauchte den Führungsspieler und hat ihn jetzt.
Auch, weil van der Vaart anstelle Heiko Westermanns zum Kapitän befördert wurde?
Stevens: Auch. Heiko war ein guter Kapitän, aber eben in allen Belangen ein ganz anderer Typ. Rafael ist schon sportlich ein Leitwolf, der junge Leute wie Heung Min Son führt. Son wird auch besonders durch Rafael besser. Durch einen van der Vaart in der Verantwortung trittst du innerhalb der Mannschaft einfach etwas los, weil alle auf ihn hören.
Wo landet der HSV am Ende?
Stevens: In der Europa League. Die Mannschaft scheint intakt. Es herrscht wieder positive Stimmung. Das passt.
Wieder?
Stevens: Ja, wie damals. Als ich ging dachte ich, der HSV würde sich so weiterentwickeln, auf internationalem Niveau. Dem war nicht so. Dieses Jahr hat man das mit viel Geld versucht zu korrigieren – und es scheint aufzugehen. Jetzt hoffen alle in Hamburg. Das ist wieder positiv. Zwischendurch in dieser Saison schienen aber sehr viele vergessen zu haben, woher der HSV gerade kommt. Die waren enttäuscht, wenn der HSV nicht unter den ersten Sechs war. Das ist jetzt nicht mehr so. Die Verantwortlichen arbeiten gut, sie bewahren die Ruhe. Und aus der Ferne geurteilt, scheint Thorsten Fink die Mannschaft gut zu erreichen. Das kann auf Sicht gut funktionieren.
Wenn personell nachgerüstet wird. Innenverteidiger Felipe Santana von Borussia Dortmund ist bei beiden Klubs Thema. Wer braucht ihn mehr?
Stevens (lacht): Felipe habe ich schon zu meiner Zeit bei Schalke da ins Gespräch gebracht, der Junge ist gut. Beide können ihn gut gebrauchen. Schalke als Ersatz für Metzelder. Wobei ich beim HSV mit Mancienne und vor allem Bruma zwei Verteidiger neben Westermann sehe, die das Potenzial haben. Sie müssen aber langsam wach werden und jetzt zeigen, dass sie es wirklich können.
Bruma wurde mitgeteilt, dass er im Sommer nicht verpflichtet wird.
Stevens: Ja, weil er sich nach zwei Jahren nicht durchgesetzt hat, was sehr erstaunlich ist. Das hätte er schaffen müssen. Das kann nur mentale Gründe haben. Jeffrey hat wirklich alles. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Hamburg einen Innenverteidiger gibt, der besser ist. Aber er muss das dem Trainer auch zeigen. Das hat er wohl nicht. Und das ist sehr schade. Für alle.
Dortmund und Bayern marschieren in der Bundesliga vorneweg. Sind die beiden aufzuhalten?
Stevens: Nein, in den nächsten Jahren nicht. Auch nicht von Schalke. Die können in den nächsten Jahren da oben nicht mitmischen und sollten versuchen, sich zwischen Rang drei und sechs einzuleben. Beim HSV ist das immer so eine Sache. Bleibt’s ruhig und die Leute dürfen konstant arbeiten, ist vieles drin. Allerdings erst mal ab Rang drei.
Wer gewinnt denn die Champions League? Bayern? Dortmund?
Stevens: Der Gewinner der Partie Bayern gegen Barcelona. Das ist das vorweggenommene Endspiel, wobei ich jetzt eine große Chance für ein deutsch-deutsches Finale sehe, Dortmund gegen Real Madrid sehr gute Chancen hat. Es wird ein spannendes Duell Deutschland gegen Spanien. Besonders für die Leute, die sich für Spielsysteme interessieren. In den Duellen wird alles zu sehen sein.

Klingt wirklich so, als würde sich Huub Stevens noch immer sehr mit seinem HSV beschäftigen. Und gerade was Bruma betrifft, war Stevens tatsächlich extrem enttäuscht von seinem Landsmann. Er sei eines der größten Talente in den Niederlanden, so Stevens weiter, das sei landesweit in den Niederlanden bekannt. Am größten war seine Enttäuschung, glaube ich, auch, weil die Niederlande nicht zwingend mit großartigen Innenverteidigern in der Nationalelf ausgestattet sind.

Wobei ich Stevens auch sagte, dass es gut sein kann, dass Bruma am Sonntag in Gelsenkirchen spielen muss. Immerhin fällt Dennis Diekmeier gelbgesperrt aus. Und ich kann mir nach den zuletzt gezeigten Schwächen bei Standards nur schwer vorstellen, dass Fink sich für den kleinen Zhi Gin Lam und gegen den kopfballstarken Bruma entscheidet.

Aber egal wie, eine Zukunft – das stand hier im Blog exklusiv vor Wochen – hat Bruma in Hamburg offenbar nicht mehr. Ihm wurde bereits von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass der HSV keine Mühen unternimmt, ihn beim FC Chelsea herauszukaufen. „Der HSV hat kein Geld dafür“, hatte mir Bruma gesagt. „Der Sportchef hat es mir gesagt, mein Berater weiß auch Bescheid – jetzt schauen wir, wie es weitergeht. Ich wäre gern geblieben, aber ich muss jetzt zusehen, dass ich die Saison ordentlich bis zum Ende spiele und mich dann anders orientiere.“

In diesem Sinne, ich orientiere mich gen Feierabend. Bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Arena trainiert, ehe es am Abend um 18 Uhr zum Landesligisten TSV Winsen geht.

Scholle

P.S.: Solltet Ihr noch ein paar Foto- und Videobeweise vom Matz-ab-Treffen am vergangenen Freitag wünschen, kopiert einfach den unten stehenden Link. Der leitet Euch weiter auf unsere noch relativ frische Facebook-Seite. Da sind ein Video (Scheel sieht den HSV in der Europa League) und einige Fotos drauf. Schade, dass sich mein Akku so früh verabschiedet hatte, ich hätte noch viel mehr Bilder und Videos machen können/wollen. Aber okay, nächstes Mal! Hier erst mal der Link: https://www.facebook.com/groups/matzab

Fink mit weckender Wutrede!

19. April 2013

Das saß! Aber wie! Um 16.31 Uhr unterbrach Thorsten Fink das Abschlussspielchen zum zweiten Mal und holte seine Schäfchen zusammen. Was dann folgte, das habe ich unter diesem Trainer noch nie erlebt. Thorsten Fink „donnerte“ seine Spieler zusammen, sodass ihnen anschließend kein Hut mehr passte. Das war nach alter Trainer-Kunst ein Gewitter, das hoffentlich alle Antennen der Herren Profis wieder auf „gerade“ gesetzt haben dürfte. Fink brüllte los wie noch nie: „Das will ich nicht sehen, hier macht schon wieder jeder was er will. In der vergangenen Woche habe ich euch das schon mal gesagt, und dann hat es in Mainz geklappt, aber jetzt läuft schon wieder alles durcheinander, da ist nichts mehr von Disziplin zu sehen. Hört zu, wenn ich etwas sage, und haltet euch gefälligst daran – ihr Penner!“ Das war eine einzigartige Explosion. Glückwunsch, Herr Fink, das war Maßarbeit. Wer jetzt nicht weiß, wie er morgen gegen Fortuna Düsseldorf zu ticken und zu funktionieren hat, der wird es wohl nie begreifen. Ich bin aber davon überzeugt, dass es nun jeder weiß: Heimsieg gegen Düsseldorf!

Ausschlaggebend für den Ausraster des Trainers war ein Eigentor von Heiko Westermann. Dadurch stand es plötzlich 1:0 für die Reservisten gegen das A-Team. Nach der Standpauke Finks waren Flanken von links und rechts angesagt, aber das Spiel war mit einem Schlag, mit einem Donnerschlag beendet worden. Und die gute Stimmung, die bis dahin geherrscht hatte, war mit einem Schlag vorbei. Wie belämmert schlichen die Spieler schweigend über den Rasen. Auch bei den Flanken herrschte Ruhe. Einmal allerdings, da gab es donnernden Applaus. Petr Jiracek hatte geflankt, Gojko Kacar volley eingehämmert (man muss es so nennen!) – und eine schwedische Reisegruppe, die vom an Krücken gehenden Marcus Berg angeführt wurde, stiftete den Beifall. Für ein wahrhaft tolles Tor. Kacar war darin die Nummer eins, Jacopo Sala und Valmir Nafiu schossen ebenfalls bildschöne Tore. Morgen wären dann mal Heung Min Son, Rafael van der Vaart und Marcell Jansen dran. Zum Beispiel.

Thorsten Fink erklärte nach dem laustarken Auftritt: „Ich hatte das Gefühl, dass hier schon wieder jeder macht was er will, und das kann es nicht sein. Ich wollte die Spieler wachrütteln, denn es geht doch für uns gegen Düsseldorf um viel. Das Training an sich war nicht schlecht, nur einige Dinge haben mir eben nicht gefallen, und deshalb musste das mal so sein, wie es war. Damit alle wach sind.“ Und das, ganz genau das, das ist auch gut so. Einen solchen hoch emotionalen Auftritt eines HSV-Trainers habe ich zuletzt zu Zeiten von Huub Stevens erlebt . . .

Nun bin ich mal auf die Reaktion der
Spieler gespannt. Düsseldorf müsste morgen eigentlich aufgefressen werden . . . Und ich habe mich mal in Sachen Bilanz schlauch gemacht: 45 Bundesliga-Partien gab es bislang zwischen beiden Clubs, 20 HSV-Siege, zwölf Unentschieden und 13 Niederlagen stehen zu Buche. Zu Hause hat der HSV 16 Spiele gewonnen. Mir fällt bei dem Stichwort Fortuna Düsseldorf sofort eine besondere Partie ein: Am 31. Mai 1997 spielte der HSV am Rhein 1:1 – es war das zweiten und gleichzeitig das letzte Spiel des HSV-Trainers Ralf Schehr, der ungeschlagen abtreten musste. Damals konnte mal als Journalist noch den Innenraum betreten, deswegen ging wir Hamburger mit dem Trainer in Richtig HSV-Kurve, wo sich die Spieler für die Unterstützung bedanken wollten. Es war ja das letzte Saisonspiel, der HSV endete damals auf Rang 13, war aber lange in höchster Abstiegsgefahr. Deswegen waren die mitgereisten Fans auch nicht besonders gut drauf. Eher war genau das Gegenteil der Fall, denn plötzlich prasselten Wasserbeutel auf die HSV-Spieler ein. Wobei ich heute sehr, sehr hoffe, dass es auch tatsächlich Wasser war . . . Auf jeden Fall verließen die Spieler und auch wir fluchtartig den Innenraum – ein etwas anderes Saisonende.

Hoffen wir, dass es morgen alles gut und friedlich über die Bühne geht. Woran ich aber keinen Zweifel habe. Der HSV will endlich wieder einen Heimsieg, und die Fortuna ist eigentlich auf einem leicht absteigenden Ast. Vor sechs, sieben Wochen hat doch am Rhein niemand im Ernst daran gedacht, dass Düsseldorf noch in Abstiegsgefahr geraten kann. Aber nun ist es geschehen, und damit muss diese Mannschaft – so plötzlich – zurechtkommen. Ob das noch gelingt? Die letzte Ergebnisse habe nicht bestätigt, dass dieser Abstiegskampf schon in Düsseldorf angekommen ist. Man darf gespannt sein . . .

Zu diesem Spiel gab es dann auch folgende Aussage – eines Hamburgers.
„Ich freue mich richtig auf das Spiel. Durch den Sieg in Mainz hat die ganze Mannschaft wieder Selbstvertrauen. Jetzt wollen wir nachlegen.“ Natürlich. Wer will das nicht. Der, der diese Aussage machte, ist Heung Min Son. Er will morgen gegen die in Abstiegsgefahr geratene Fortuna aus Düsseldorf nachlegen. Und der selbstverständlich will das auch der HSV. Denn es wird, wie ja schon seit Wochen verraten wird, immer nur von Spiel zu Spiel gedacht. Von der Papierform her dürfte der HSV an diesem Sonnabend vor einem leichten, okay, ich will mal von einem lösbaren Heimspiel reden, stehen.

Son weiter: „Wir haben ja auch noch etwas gut zu machen gegen Düsseldorf. Im Hinspiel
ist es ja nicht so toll gelaufen. Und dann gab es danach im Hotel mitten in der Nacht auch noch den Feueralarm . . .“ Ist nicht vergessen. Und der Südkoreaner hat ja auch allen Grund, weiter schön Gas zu geben – bei bislang elf Treffern will er es sicher noch nicht bewenden lassen. Er ist jedenfalls voll motiviert: „Ich finde es richtig geil, dass die Arena voll wird. Ich würde gern
wieder treffen – für unsere Fans. Vielleicht werde ich mir die Tore vom vergangenen Wochenende vor dem Spiel nochmal anschauen. Obwohl ich auch so schon motiviert bin ohne Ende.“ Er wird die einzige Spitze sein, hat vorerst Artjoms Rudnevs verdrängt. Son: „Vorn in der Spitze fühle ich mich auch am wohlsten. Hoffentlich können mir Rafa oder Milan wieder ein paar Bälle auflegen . . .“ Das hoffen wir auch.

Übrigens: Nicht im Kader für das Düsseldorf-Spiel ist Jeffrey Bruma. Auch ein Anzeichen dafür, dass sich die Wege des Niederländers und des HSV am Saisonende ganz sicher trennen werden. Der Club hat nicht das nötige Kleingeld, um Bruma vom FC Chelsea zu kaufen. Das hat ihm auch Sportchef Frank Arnesen bereits mitgeteilt, die Sache ist somit beschlossen und verkündet. Wobei ich gespannt auf den weiteren Verlauf der Bruma-Karriere bin. Er hätte das Zeug, ein Großer zu werden, aber dafür muss er sich deutlich mehr engagieren, als er es in Hamburg und beim und für den HSV getan hat. Schade, dass ein solches Talent solche Umwege einlegen muss.

So, gleich geht es los mit dem Matz-ab-Treffen im HSV-Restaurant “1887” – die ersten Gäste sind bereits da.

18.36 Uhr

Arslan: “Gegen Düsseldorf wird sich viel entscheiden”

18. April 2013

Die finale Einstimmung hat begonnen. „Kampf, Fleiß, Disziplin – das will ich sehen“, fordert Trainer Thorsten Fink heute, auf dem Podium im Presseraum sitzend. Die Mannschaft habe in Mainz die Messlatte gehängt, an der sie sich selbst messen müsse. „Wir müssen nichts anders machen als in Mainz. Wenn wir das alles wieder abrufen können, ist es für mich okay.“ Die Mannschaft solle nicht zu weit zurückblicken, sondern sich einfach „an die gezeigten Attribute erinnern“, das würde reichen, um gegen Düsseldorf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein gutes Spiel zu absolvieren. Zumal die Mannschaft in dieser Woche eine ebenso engagierte Leistung hingelegt habe wie vor dem Mainz-Spiel.

So viel zu den Hypothesen, zu denen ein Trainer in meinen Augen tatsächlich irgendwann gezwungen ist, wenn er zum gefühlt 1000. Mal innerhalb der letzten sieben, acht Monate zum selben Thema befragt wird. Es ist im Fußball ein ewiger Kreislauf, es sind Momente, die es ähnlich schon gab und die es in fast identischer Art irgendwann auch wieder geben wird. Es ist der stumpfe Mikrokosmos, den mir meine Frau immer vorwirft – und den ich so liebe. Und ohne den ich gar nicht mehr leben kann.

Deshalb, wie Thomas Doll zu sagen pflegte: „Jetzt aber rein in die Mühle“. Und die begann heute mit etwas Verspätung. Erst um 10.30 Uhr trabte die Mannschaft, angeführt von Torwart Rene Adler auf den Trainingsplatz. Was folgte, war eine intensive Einheit, in der zu Teilen erkennbar war, dass die Anspannung ungleich höher ist. Immerhin: „Das Spiel gegen Düsseldorf ist ein Big-Point-Spiel“, sagt Tolgay Arslan, der gegen die Fortuna erneut neben Milan Badelj im defensiven Mittelfeld auflaufen wird. Und der U-21-Nationalspieöler fügte hinzu: „Da wird sich viel entscheiden.“ Angesprochen auf diese Aussage reagierte Arslan mit einem Lächeln das mehr aussagte als der nachfolgende Satz: „Wir wollen uns im Mittelfeld festsetzen und einen einstelligen Tabellenplatz.“

Klar.

Aber auch hier gilt: was soll Arslan sagen? Soll er in seiner ersten echten Erstligasaison die Europa League einfordern und als Ziel ausgeben? Natürlich nicht. Allerdings ist es schön zu sehen, dass er es für sich offenbar macht – und dass er nicht daran kaputt geht. Immerhin gilt Arslan als sehr intelligent und konstruktiv selbstkritisch. „Ich weiß, wenn ich Mist baue und verinnerliche den Fehler, damit ich ihn nicht wieder mache. Aber ich gebe mir auch die nötige Zeit, um mich zu entwickeln, da ich weiß, dass ich kein Schnellstarter sondern ein sich eher langsam Entwickelnder bin.“ Eine Selbstreflektion, die man im Profifußball selten hat.

Vor allem nicht mit einem Happy End versehen. Und genau das scheint sich für Arslan so langsam einzustellen. Seit dem 20. Spieltag schien Arslan in einem kleinen Formtief festzustecken. Bis er gegen Freiburg eine sehr engagierte und in Mainz eine fußballerisch sehr gute Leistung zeigte. Auf der Doppelsechs. „Ich fühle mich auf der Position sehr, sehr wohl. Ich glaube ich habe meine neue Position gefunden.“ Auf dem Platz und innerhalb der Mannschaft – Arslan sprüht vor Energie im Saisonendspurt. „Ich bin körperlich top drauf – wir als Mannschaft sind richtig gut drauf.“ Das zeige schon das (tatsächlich!) aggressiv geführte Training.

Sich zeigen darf voraussichtlich auch wieder Petr Jiracek. „Ich tendiere dahin, die Mannschaft aus dem Mainz-Spiel beginnen zu lassen“, sagte Fink heute, obgleich er dem zuletzt auf die Bank versetzten Toptorjäger (wie Son hat der Tscheche auch elf Saisontore) Artjoms Rudnevs zumindest einen Spalt Hoffnung machte. „Ich überlege nur, ob ich Rudy wieder reinnehme. Dann müsste Son auf links und Jiracek raus.“ Dennoch, grundsätzliche Tendenz sei, nichts zu ändern, da die Mannschaft in Mainz genau den von ihm geforderten und auch jetzt erwünschten Teamgeist und Kampfeswillen gezeigt hätte.

Geändert hat sich tabellarisch dagegen einiges durch das glückliche 2:1 des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg. Denn, wären die Breisgauer ins Finale gegen die Bayern eingezogen und zeitgleich am Saisonende unter den ersten sechs, hätte dem HSV schon der siebte Rang gereicht, um in die Europa League einzuziehen. „Ich rechne zwar zwischendurch nicht, weil es nichts bringt. Aber natürlich wird es jetzt ungleich schwieriger, das Unmögliche möglich zu machen. Da schaue ich natürlich auch ein wenig traurig hinterher, da theoretisch ach der siebte Platz hätte reichen können.“

Noch nicht gereicht hat bislang die Klubkasse, um neue Einkäufe zu tätigen. Sportchef Frank Arnesen muss – das ist hinlänglich bekannt – zunächst verkaufen. Und auch das gestaltet sich schwierig, da Kandidaten wie Marcus Berg verletzt sind und andere wie Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic oder auch Jeffrey Bruma sich auf Bundesligaebene momentan nicht präsentieren und somit auch nicht besonders eindrucksvoll anbieten können. „Wir haben eine lange Liste von Spielern, die mit zunehmender Zeit kleiner wird, weil sich die Spieler entscheiden wollen, Klarheit brauchen. Das ist unser Los und damit gehen wir um.“ Ebenso schwierig gestaltet sich die Vertragsverlängerung von Heung Min Son, der sich erst entscheiden will, wenn er weiß, wohin der sportliche Weg des HSV führt. „Finanziell sind wir ganz nah beieinander“, sagt Arnesen und fügt hinzu: „Da bin ich insgesamt sehr positiv.“ Zumal der Südkoreaner auch Trainer Thorsten Fink bestätigt hatte, dass er bleiben wolle. „Er weiß, dass ich auf ihn zähle und sagt selbst, dass er bleiben will. Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch lange mit Son zusammenzuarbeiten. Er hat noch einiges an Entwicklungspotenzial.“

Stimmt. Und genau das haben andere auch erkannt. Zwar ist aktuell kein Verein offiziell an den HSV herangetreten, allerdings ist auch den Verantwortlichen bewusst, dass es gleich mehrere auch internationale Interessenten (Tottenham und Dortmund, um nur zwei zu nennen) um Son werben. „Sonni weiß, dass er sich bei uns bestens entwickeln kann und er ist genau der Typ Spieler, den wir nicht abgeben wollen“, sagt Arnesen und stellt klar: „Allerdings muss auch ihm klar sein, dass wir ihn im Sommer ohne eine Vertragsverlängerung verkaufen müssten.“ Dazu sei der HSV schon aus finanziellen Gründen schlichtweg gezwungen, da der Vertrag 2014 ausläuft und Son dann ablösefrei wäre.

Egal wie, am Sonnabend wird Son auflaufen, wenn nichts Unerwartetes (klopfe dreimal auf Holz) passiert. Und der HSV wird gewinnen – wenn nichts Unerwartetes passiert (ich klopfe gleich nochmal dreifach auf Holz). Mein Tipp in der Redaktion ist ein 3:1-Sieg. Und der steht.

Bis morgen! Da wird zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, aber dafür meldet sich Dieter bei Euch wieder mit dem Aktuellsten des Tages zu Wort, ehe wir uns am Abend ja sowieso (hoffentlich zahlreich) beim Matzab-Treffen in Norderstedt sehen. Beginn ist – für die, die es vergessen haben – um 19 Uhr. Was bislang noch keiner weiß: wir dürfen uns morgen auf Vorstand Oliver Scheel freuen, der von sich aus dazustoßen will und natürlich genauso herzlich willkommen ist wie alle anderen. Ich freue mich auf jeden Fall auf morgen. Und auf Sonnabend…

Scholle

P.S.: Am Sonnabend nach dem Spiel begrüßen wir übrigens den ehemaligen Torwarttrainer Claus Reitmeier und Ex-HSV-Stürmer Vahid Hashemian bei Matz ab live!

Aogo und Rudnevs müssen in Mainz auf die Bank

12. April 2013

Heiko Westermann ist nicht nach Lachen zumute. Zumindest wirkt das im Training so. Dennoch ist er engagiert wie eh und je – was mich nicht im Geringsten verwundert. Allein die Frage umtreibt mich: Ist er wirklich so glücklich mit der neuen Situation, wie es Trainer Thorsten Fink sagt? Und war die Kapitänsbinde beim HSV nach zwei Jahren tatsächlich eine Last für den 24-maligen A-Nationalspieler? Fragen, die ich Heiko Westermann selbst stellen wollte. Allerdings ließ mich der HSV-Abwehrchef wissen, dass er sich in den nächsten Tagen und Wochen nicht äußern wolle und sich ausschließlich auf den Fußball konzentrieren wolle.

Glaubt man Günter Netzer, sollte das gelingen können. Mein absoluter Favorit auf einen Vorstandsposten beim HSV sieht den Wechsel von Westermann zu Rafael van der Vaart positiv. Und obgleich mich dieser Wechsel vor allem in der Form noch immer wundert, sehe auch ich ein, zwei positive Ansätze. Vor allem bei Rafael van der Vaart, der mit der Binde am Arm noch einmal mehr in die Verantwortung genommen wird und sich somit nicht mehr ganz so leicht davonschleichen kann wie zuletzt. Zum anderen dürfte es dem Niederländer nach dem privaten Liebes-Wirrwarr zusätzliches Selbstvertrauen geben, quasi einen Neuanfang zu machen. Alles noch mal auf null und besser in die Zukunft.

„Er wollte zuletzt nicht mehr so wie vorher“, erklärte mir Frank Arnesen gestern. Gemeint war Heiko Westermann, der sich als Kapitän von der Mannschaft im Stich gelassen fühlte und es angeblich leid war, vor den Kameras die immer gleichen Statements über das neuerliche Versagen abzugeben. Ein Umstand, den ich mir grundsätzlich gut vorstellen kann. Allerdings habe ich mir auch sagen lassen, dass Fink sich bei der Entscheidung keinesfalls vorher bei Westermann rückversichert hat sondern es selbst entschieden hat. Westermann wurde schlichtweg überrascht. So wie der Rest.

Wobei dieser Effekt von Fink ja auch gewollt war. Es sollte einen „Impuls geben“, wie es der HSV-Trainer formuliert. Auch bei Westermann. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es gut war. Er will sich wieder allein auf seine Leistung konzentrieren und wieder die Werte der Hinrunde erreichen, wo er in vielen Punkten sogar ligaweit Topwerte aufwies.“ Den Impuls hat Fink indes nicht allein beim Hauptdarsteller ausgemacht sondern allgemein im Training erkannt: „Ich hatte mir Gedanken gemacht, wie ich den Wechsel zum Positiven schaffen kann. Und das gibt neue Impulse, das merkt man. Wir müssen jetzt schauen, wie das alles ankommt. Aber ich bin da sehr positiv.“

Das gelte auch für Milan Badelj, den Fink am vergangenen Wochenende überraschend aus der Startelf gestrichen hatte. Der Kroate wirkte zuvor müde, vielleicht ein wenig überspielt. Aber vor allem wirkte er unzufrieden damit, nicht in der Startelf zu stehen. Was grundsätzlich gut ist. Vor allem dann, wenn es zu besseren Leistungen führt. „Und das ist bei Milan so. Milan hat seine alte Stärke wieder und so gut trainiert wie seit Wochen nicht mehr“, lobt Fink seine Maßnahme gleichermaßen wie den Spieler, der das Ganze bestätigt: „Vielleicht war die Pause wirklich ganz gut für mich. Auf jeden Fall habe ich diese Woche viel besser trainiert als vorher“, so der technisch starke Rechtsfuß, der am Sonnabend in Mainz wieder auf die Sechs rücken wird – zusammen mit – Tolgay Arslan! Überraschenderweise, wie ich finde. Immerhin rotiert somit Dennis Aogo auf die Bank, da zeitgleich Per Skjelbred rechts und Petr Jiracek links ins Mittelfeld rücken.

Auch in der Spitze gibt es eine Überraschung. „Rudy läuft immer sehr, sehr viel“, lobte Fink heute seinen Toptorjäger, „aber gegen Freiburg hatte er seine schwächsten Laufwerte.“ Zusammen mit den restlichen Eindrücken sei das für ihn das Zeichen gewesen, dem Letten eine Pause zu gönnen. Für Rudnevs stürmt Heung Min Son als einzige Spitze unterstützt vom offensiven, zentralen Mann: Neu-Kapitän Rafael van der Vaart.

Sehr interessant könnte es zudem in der Defensive werden. Nicht, was die Startelf betrifft. Dafür aber was den ersten Ersatzmann für die Innenverteidigung gilt. Das soll Jeffrey Bruma sein. Allerdings ist der eigentlich gesperrt. Zumindest so lange, wie das Spiel der U23 (nur Zhi Gin Lam hilft aus) gegen Paulis Nachwuchs läuft. Da ist am Sonnabend um 13.30 Uhr Anpfiff und dementsprechend planmäßig um 15.15 Uhr Abpfiff. Das würde reichen. Kommt es aber zu Verspätungen im Nachwuchsderby und das Spielende ist nach 15.30 – dann wäre Bruma gesperrt. Eigentlich kein Problem, immerhin ist da ja auch noch Slobodan Rajkovic. Allerdings erhielt der bislang noch kein Okay aus der medizinischen Abteilung, nachdem seine Platzwunde aus dem U23-Spiel vom Dienstag mit sieben Stichen genäht worden war. Gut möglich daher, dass Rajkovic als Ersatz von Bruma nicht infrage käme – womit wir bei einem –zugegebenermaßen unwahrscheinlichen – Fall angekommen sind, in dem Fink fast schon gezwungen wäre, Gojko Kacar als Innenverteidiger aufzubieten. Eine Variante, die durchaus erfolgreich war. Wie auch „we are family“ richtig schrieb. Aber lest selbst:
we_are_family sagt (11. April 2013, 10:57 Uhr):

Ich habe schon in der Hinrunde der vergangenen Saison die Frage aufgeworfen, warum sich weder Michael Oenning, noch FA an die letzten Spiele der Saison 10/11 erinnerten und auch Thorsten Fink nicht ein einziges Mal diese Option gezogen hat… Gut zwei Jahre (!) ist es her, da schlug der HSV am 27.Spieltag im ersten Spiel unter Michael Oenning Köln mit 6:2. Neben Joris spielte in der Innenverteidigung ein Spieler namens Kacar. Am nächsten Spieltag blieb man ohne Gegentor in Hoffenheim. Dann fiel Joris mit Knöchelproblem den Rest der Saison aus. Gegen den späteren Meister BVB hieß das IV-Duo dann erstmalig Kacar/Westermann. Man ließ erst in der Nachspielzeit das 1:1 zu. Im folgenden gab es mit diesem Duo ein 0:0 gegen den späteren 4. Hannover 96, ein 1:1 beim späteren Vizemeister Leverkusen und am letzten Spieltag gab es gegen Gladbach, für die es – im Gegensatz zum HSV – noch um alles ging, ebenfalls ein 1:1 ohne Gegentor aus dem Spiel heraus (direkter Freistoß).
Lediglich beim 0:3 in Stuttgart gab es in dieser Zusammensetzung die unrühmliche Ausnahme gegen eine Truppe, für die es ebenfalls noch um den Abstiegskampf ging.

Wieso gab es dieses überwiegend funktionierende Innenverteidiger-Duo seit dem 14. Mai 2011 nie wieder?

Gruß
Rainer“

Eine berechtigte Frage, wie ich finde. Wobei für die Hinrunde festzuhalten ist, dass Mancienne funktionierte und Kacar verletzt war. Jetzt ist Mancienne wieder fit und soll sich über Spiele seine nötige Matchfitness holen. Allerdings, mit Kacar stünde neben Bruma und Rajkovic eine weitere Alternative zur Verfügung.

Und wenn ich schon beim Thema Innenverteidiger bin: Es gilt als beschlossen, dass Jeffrey Brumas Vertrag in Hamburg nicht verlängert wird. Ebenso wenig wie der von Gojko Kacar und Rajkovic. Allerdings laufen deren Verträge noch bis 2015 und sie sollen nicht nur wieder abgegeben sondern verkauft werden. Aber das hatten wir im Winter ja auch schon.

Womit ich den heutigen Blog beenden möchte, ist der Hinweis auf Matz ab live morgen Abend nach dem Auswärtssieg in Mainz. Da senden wir ab ca. 17.30 Uhr wieder aus dem Block House in Eidelstedt und haben Nachwuchschef Michael Schröder sowie Ex-Aufsichtsrat Bernd Enge zu Gast. Zwei Hamburger Fußballgrößen, die sich im Profi- ebenso wie im Amateurfußball bestens auskennen und keineswegs immer einer Meinung sind. Ob das auch für morgen Abend gilt? Abwarten. Es dürfte allemal eine höchst unterhaltsame Runde mit vielen interessanten Fragen und Antworten werden. Ich freue mich darauf ebenso wie auf den Auswärtssieg in Mainz. Mein Tipp: ein „hässliches 2:1. Torschützen: van der Vaart und Westermann. Es wäre der versöhnlichste Abschluss einer trotz des langweiligen Tabellenstandes lebhaften Woche.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

Die voraussichtliche Startelf: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Arslan, Badelj – Skjelbred, van der Vaart, Jiracek – Son

Erkenntnisse einer 0:1-Heimniederlage

7. April 2013

Bei Radio Hamburg suchen sie zurzeit neue Sportarten. Oder Menschen, die eine neue Sportart haben und sie vorstellen möchten. Und da hat sich an diesem Sonntag ein Moderator ganz nett und ganz fair bedankt, dass auch der HSV an dieser Aktion teilnimmt. Weil, so der Moderator, „das am Sonnabend gegen Freiburg ja kein Fußball war. Das war eine andere, eine neue Sportart“. Könnte man eventuell so sehen, muss man aber nicht.

Aber bevor ich nun auf den HSV komme, möchte ich das nachholen, was ich gestern versäumt habe: Herzlichen Glückwunsch dem FC Bayern München zu seiner 23. Deutschen Meisterschaft, dieser Titel ist ja so etwas von verdient – die Bayern spielen im Moment (und in der gesamten Saison) Fußball in einer anderen Liga. Sie sind eine der besten Mannschaften der Welt, ich glaube ja daran, dass sie alle drei Titel in dieser Saison gewinnen werden. So, wie sie diesmal die Liga dominiert haben, war das Extraklasse. Gratulation. Das war und ist Fußball – und keine neue Sportart.

Fußball wurde heute auch in der Regionalliga Nord gespielt, und da hatte der abstiegsgefährdete HSV eine prima Idee. Zum Auswärtsspiel beim BSV Rehden waren folgende Spieler im Kader von Trainer Rodolfo Cardoso: Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Zhi Gin Lam, Jacopo Sala, Gojko Kacar, Christian Norgaard, Petr Jiracek und Valmir Nafiu.
Und nun dürfen alle diejenigen, die das Ergebnis noch nicht kennen, dreimal raten, wie das Punktspiel zwischen Rehden und dem HSV II endete.

4:1 für Rehden.

Unter den Zuschauern weilte auch Thorsten Fink. Der HSV II trat mit folgender Mannschaft an:

01 – Dehmelt, Tino TW
02 – Lam , Zhi Gin
03 – Sternberg, Janek
04 – Bruma, Jeffrey
05 – Rajkovic, Slobodan
06 – Kacar, Gojko
07 – Sala, Jacopo
08 – Norgaard, Christian
09 – Maggio, Mattia
10 – Nafiu, Valmir
11 – Jiracek, Petr

Die Torfolge: 1:0 Heyken (21.), 2:0 Arend (32.), 2:1 Bruma (71.), 3:1 Kosenkow (78.), 4:1 Bruma (80., Eigentor). Besonders Verkommnis: Rehden verschoss beim Stande von 4:1 noch einen Elfmeter.

Kommentar: überflüssig.

Wie das Punktspiel zwischen dem HSV I gegen den SC Freiburg I endete, das wissen wohl inzwischen alle. Wieder mal 0:1. Dazu befand HSV-Sportchef Frank Arnesen: „Wir müssen erkennen, dass wir zurzeit die Form nicht haben. Im Moment ist es schwer für uns. Die Mannschaft hat hart gearbeitet, aber wir haben kein Selbstvertrauen. Und du brauchst auch ein bisschen Glück, das hatten wir diesmal nicht.“

Trainer Thorsten Fink, für den in der Woche vor diesem Kick nichts anderes als ein Heimsieg in Frage gekommen war, musste ernüchtert feststellen: „Wir haben zwar eine kämpferisch gute Leistung gezeigt, nach vorne aber nicht die Durchschlagskraft gehabt. Aber wir haben natürlich auch gegen eine Mannschaft gespielt, die hervorragend organisiert war in der Defensive und die auf unseren Fehler gewartet hat.“ Dann befand der Coach auch noch: „Die Mannschaft wollte diesen Sieg unbedingt, aber es hat halt einfach heute nicht gereicht.“

So einfach ist das. Nun setzt für fünf tage wieder das Prinzip Hoffnung ein. Und spätestens am Donnerstag, da kenne ich etliche HSV-Fans mittlerweile ganz genau, ist jeder zweite Hamburger wieder von einem Auswärtssieg in Mainz fest überzeugt. Auch wenn sie vielleicht nur ein an 1:0 glauben – aber Sieg. Woher dieser Optimismus stammt, weiß ich nicht, aber er ist immer wieder da. Nach der größten Klatsche. Und so war das ja wohl nach dem 2:9-Debakel von vor einer Woche. Ab Donnerstag wurde von vielen doch nur vom Sieg über die „nicht ungefährlichen Freiburger“ referiert. Ich kann es nicht mehr hören. 1:1 gegen Greuther Fürth. 0:1 gegen den FC Augsburg, 0:1 gegen Freiburg – und die Träumer sterben nicht aus.

Zurzeit sitze ich in der Redaktion und gucke mir nebenbei Nürnberg gegen Mainz an. Die 05-Truppe wartet ja am Sonnabend auf den HSV. Und wenn ich mir dieses Spiel ansehe, und es mit dem Gekicke vom Sonnabend aus dem Volkspark vergleiche, dann muss ich sagen: Das ist Fußball, was ich jetzt sehe. Da wird – von keiner Mannschaft – 78-mal zum Torwart zurückgespielt, da gibt es kein langweiliges Quergeschiebe, keinen hilflosen Fünf-Meter-Pass, um dem Kollegen die Verantwortung für den Ball (und den Aufbau) in die Schuhe zu schieben – da gibt es eines: Ball nach vorne und versuchen, ein Ding zu machen. Das sieht auf jeden Fall nach Fußball aus. Und nach keiner neuen Sportart.

Übrigens, das sei schnell eingefügt: Nürnberg gewann 2:1 und zog am HSV vorbei – nur noch Tabelleplatz zehn für Hamburg.

Zurück zum HSV-Spiel. Thorsten Fink hat nach der 0:1-Pleite auch gesagt: „Man muss die Mannschaft jetzt aufbauen. Ich glaube nicht, dass man sie zusammenfalten sollte, denn sie hat heute alles gegeben – aber wir hatten heute nicht die Mittel, um den Sieg einzufahren. Klar sind wir deswegen alle enttäuscht, aber die Mannschaft hat gekämpft und gefightet. Ich denke, dass wir heute besser waren, dass wir aggressiv waren, dass wir in die Zweikämpfe gegangen sind, dass wir eng genug am Mann waren und dass wir nicht versucht haben, schön zu spielen, sondern einfach nach vorne.“

Letzteres mag vielleicht stimmen, aber wie langsam und umständlich geht das denn bitteschön über die Bühne – dieses „einfach nach vorne“. Da schläft man ja in schöner Regelmäßigkeit bei ein. Immer und immer wieder. Das ist doch längst das größte Manko des HSV, daran krankt es doch hauptsächlich. Das ist doch nur noch Schlafwagen-Fußball. Und in Sachen Rückpässe ist der HSV doch schon vor Wochen, viel, viel eher als die Bayern, Deutscher Rückpass-Meister geworden.

Und ich denke, dass das auch nichts (oder nicht viel) mit dem 2:9 von München zu tun hat, diese sensationelle Aufbau-„Geschwindigkeit“ steckt in dieser HSV-Mannschaft einfach mal drin. Es ist zum „Aus-der-Haut-fahren“. Wobei Rafael van der Vaart sagte: Wir waren verunsichert von letzter Woche. Aber wir haben gekämpft, alle haben gekämpft. Aber wir haben nicht gut genug gespielt, um zu gewinnen. Hoffentlich wird es nächste Woche besser.“
Ja, die Hoffnung. Wenn die nicht wäre. Woran würden sich denn sonst noch alle klammern? Woran? Van der Vaart hat natürlich auch den Unmut der Zuschauer mitbekommen, hat die Pfiffe nicht überhört. Der Niederländer dazu: „Die Fans sind natürlich unzufrieden, das ist doch logisch. Aber wir sind keine Champions-League-Mannschaft – das wissen unsere Fans auch.“
Hoffentlich. Hoffentlich bald auch alle und jeder. Rafael van der Vaart über die Gesamt-Situation: „Jeder ist im Moment unzufrieden, das ist klar, aber am Anfang der Saison waren wir ein Abstiegskandidat, und jetzt stehen wir in der Mitte.“ Und: „Natürlich fehlt der Mannschaft noch etwas.“

Oder auch etwas mehr.

Der HSV steckt meiner Meinung nach schon mittendrin – in einer Krise. Davon allerdings wollen die unmittelbar Beteiligten nichts wissen. Fink sagt: „Wir haben eine schlechte Phase, aber ich habe schon immer den Finger gehoben und gesagt, dass wir nicht abheben sollen.

Bei „Liga total“ sagte Dennis Aogo: „Ich mag das Wort Krise nicht wirklich, aber wir sind auf jeden Fall in keiner einfachen Phase. Kurz vor Schluss ist das natürlich bitter, denn jetzt muss man auf einmal Sachen besprechen, die wir eigentlich schon dachten, überwunden zu haben.“
Aogo zu Ambitionen Richtung Europa League: „Nach den letzten drei Spielen ist man dumm, wenn man dieses Wort noch in den Mund nimmt!“

So ist es.

Auf „Sky“ sagte Experte (und Rekord-Nationalspieler) Lothar Matthäus über die verpasste HSV-Wiedergutmachung nach dem Debakel in München. „Das Einzige, was besser war, war dass die Niederlage nicht so hoch ausfiel. Das war ein Katastrophenspiel vom HSV. Die Körpersprache fehlt, sie sind gar nicht anwesend. Diese Mannschaft lebt zurzeit nicht. Man muss es klar ansprechen, was falsch gemacht worden ist in den letzten Wochen. Und dann muss eine Reaktion kommen.“ „Sky“-Experte Jan-Aage Fjörtoft über die Hamburger Vorstellung: „Das ist der FC Gleichgültigkeit. Alle traben nur herum.“

Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Und zu „Loddar“: Vor einer Woche, als ich bei „Sky 90“ den guten „Charakter der Mannschaft“, den Thorsten Fink hervorgehoben hatte, anzweifelte, auch befand, dass der HSV bis auf Dortmund und Stuttgart in diesem Jahr meistens nur schlecht gespielt hat, das sagte der „ewige Loddar“ doch: „Das sehe ich anders als der Kollege aus Hamburg, denn der HSV hat ja schon elf Spiele gewonnen, da müssen doch einige sehr gute Spiele dabei gewesen sein.“ Waren es ja auch, nur das war 2012, lieber „Loddar“, das war 2012. Jetzt schreiben wir 2013, und der HSV stürzt ab. Wobei ich mich tatsächlich frage, was wohl in dieser HSV-Mannschaft vorgeht. „Rafa“ van der Vaart hat es ja gesagt: „Wir waren zu Saisonbeginn ein Abstiegskandidat.“ Stimmt. Aber dann entwickelte sich der HSV nach oben, gewann – elf Spiele – und der Anhang träumte von Europa. Genau eine solche positive Entwicklung hätte die Mannschaft doch beflügeln müssen. Motto: „Keiner hat vorher an uns geglaubt, aber jetzt wollen wir auch mehr, jetzt zeigen wir es allen. Auch das, was tatsächlich in uns steckt.“
Aber denkste Puppe.

Noch ein Wort zu Trainer Thorsten Fink. Weil ja viel spekuliert wird. Von wegen Entlassung, Beurlaubung, Trennung. Für Sportchef Frank Arnesen ist das „kein Thema“. Und Club-Chef Carl-Edgar Jarchow sagte zu diesen Gerüchten: „Wir sind mit der Arbeit des Trainers zufrieden und würden gerne mit ihm weitermachen.“ Und Thorsten Fink selbst? Er sagt auf die Frage, ob es nun eine Trainer-Diskussion geben wird: „Nein.“

Immer noch sage ich: „Das ist auch gut so.“ Denn eines hat mir mein Freund Joachim heute auch gesagt: „Du schreibst immer davon, dass der HSV um Kontinuität bemüht ist. Auch und vor allem in Sachen Trainer. Aber Kontinuität wäre es doch auch, wenn Fink gehen müsste. In zehn Jahren 13 Trainer, in elf Jahren 14 Trainer, in zwölf Jahren 15 Trainer, in 13 Jahren 16 Trainer . . . das ist doch auch Kontinuität, oder?“ Stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen.

So, zum Ende noch ein anderes Thema. Das Hamburger Abendblatt hatte in der vergangenen Woche ein Trainings-Protokoll des HSV veröffentlicht. Dazu gab es einen Haufen von Zuschriften, zwei möchte ich davon stellvertretend veröffentlichen.

Moin Matze,

ich bin ein recht regelmäßiger Deines Blogs und schätze dieArt und Weise wie Ihr berichtet sehr. Für Fans des HSV, die nicht an jedem Spiel (von Trainings brauchen wir gar nicht erst reden) live teilnehmen können, ist es sehr interessant, so einen Eindruck in die Stimmung beim HSV zu erhalten.
In diesem Zusammenhang meine Frage. Was mich regelmäßig schockiert ist die Einfallslosigkeit, mit der bei uns die Spieleröffnung geschieht. Wir kreieren viel zu wenig zwingende Chancen und viele Abläufe wirken nicht eingeübt. Wenn ich mir jetzt das diese Interview von Thomas Tuchel anschaue und mit dem vergleiche, was Du über das Training des HSV schreibst, dann wird mir Angst und Bange…
Also – ist das Training tatsächlich so statisch und repetitiv wie ich den Eindruck habe oder täuscht das?

Viele Grüße, Andreas

Die Nummer zwei schrieb an das Abendblatt:

Liebe Abendblatt Redaktion

„Betreff Trainingsplan HSV“

Seit Montag verfolge ich mit Verwunderung und Schmunzeln den Trainingsplan unserer HSV Profi-Mannschaft. 1 ? Std Mannschaftstraining vormittags für Vollprofis, einfach nicht zu glauben!!!? Da trainieren Freizeitmannschaften mehr. Wahrscheinlich erklären die einträglichen Werbe- und PR-Auftritte? Diese zeitlich limitierte , ja lächerliche, Trainingseinheit.

Tipp: HA sollte über die Effizienz der Trainingseinheiten detailliert recherchieren um ggf. Missverständnissen und Häme vorzubeugen.
Mit freundlichen Grüßen, Roland Sch.

Ich möchte dazu sagen: Nicht ich habe dieses Trainings-Protokoll geschrieben, sondern zwei Kollegen. Und auch ich, das muss ich gestehen, habe mich in der vergangenen Woche gewundert, dass relativ wenig (an Zeit!) trainiert worden ist. Marcell Jansen sagte dazu: „Mag sein, dass es an Zeit wenig war, aber es war auf jeden Fall sehr intensiv.“ Ich möchte aber jene Fans warnen, die nur diese Trainingszeiten der vergangenen Woche beurteilen. Wir alle wissen nicht, was im Stadion trainiert wird, im Kraftraum oder in den Katakomben. Deswegen können wir stets nur das beurteilen, was wir draußen auf dem Platz sehen (können). Es ist also Vorsicht geboten, sich über das Pensum lächerlich zu machen.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.31 Uhr

“. . . wir wollen Herz und Leidenschaft”

3. April 2013

Immer wieder dieses 2:9. Noch immer. Aber auch immer wieder die Fragen: „Kommt Holger Badstuber zum HSV?“ Oder: „Kommt nun auch Claudio Pizarro zum HSV?“ Und meine Antworten sind immer gleich: „Natürlich.“ Auf die Frage, ob der Vertrag mit Trainer Thorsten Fink, der ja noch bis 2014 Vertrag hat, tatsächlich vorzeitig verlängert wird, sage ich selbstverständlich auch: „Natürlich.“ Und ich sage auch jedem: „Der HSV holt natürlich auch Bastian Reinhardt als Abwehrbollwerk zurück, und natürlich wird für das Mittelfeld noch gerade rechtzeitig vor dem Saisonende Sergej Barbarez reaktiviert, und neuer Flügelflitzer rechts wird natürlich Mehdi Mahdavikia, der im Iran gerade seine Karriere beenden will. Es ist wirklich alles im Fluss. Nur Messi und Ronaldo kommen noch nicht, weil deren Ausleihgebühren doch noch ein wenig zu hoch sind. Aber immerhin, ausgeschlossen ist auch da nichts, es wird verhandelt, da gibt es noch Hoffnung.“ Im Prinzip ist wirklich alles bestens, und während der Frühling hierzulande erst noch kommen wird, ist beim HSV das Feld bereits bestens bestellt. Die 51. Bundesliga-Spielzeit kann kommen, ab sofort kann diese Saison schon abgehakt und vergessen werden.

Aber, und das ist höchst bedauerlich, zu Ende ist ja noch nichts. Und jetzt kommt erst einmal der SC Freiburg. Der kleine SC Freiburg. Ein namenloser Außenseiter. Der steht im Moment zwar auf Rang sieben, also vor dem HSV, aber der HSV hat ja gelernt. Und bevor jetzt nach jeder Pleite ein Haufen Grillwürste angekarrt wird, wird dann doch lieber mal gewonnen. Besser ist besser.

Nein, nein, und nochmals nein. Mir steht es nach wie vor noch bis Unterkante Oberlippe. Nichts hat sich an meinem Zustand gebessert. Ich bin satt, wenn ich nur an Bratwürste denke . . . Und wenn ich beim HSV-Training bin, werde ich dieses 2:9-Gefühl, diese 2:9-Ohnmacht, diesen 2:9-Wahnsinn einfach nicht los.
Wann das wohl mal vorbei ist?

Heute haben Rot gegen Grün und Blau gegen Rot und Grün gegen Blau gespielt. Im Training. Und Grün hat das Turnier gewonnen. Was euch sicherlich nicht viel helfen wird, denn wer war Grün, wer war Rot und wer war Blau? Blau, ich höre es jetzt schon, waren sie am Sonnabend wohl alle . . . Was natürlich nicht stimmt. Aber heute spielten für „Blau“ Jungs wie Nafiu, Aogo, Rajkovic, Kacar, Rincon, Diekmeier und Lam. Für „Grün“ spielten van der Vaart, Arslan, Jansen, Jiracek, Westermann und Son; und bei Rot standen Beister, Rudnevs, Skjelbred, Norgaard, Sala, Badelj und Bruma unter Vertrag. Im letzten Spielchen ging es zwischen Blau und Grün um den Turniersieg, eigentlich wäre um 11.15 Uhr Trainingsende gewesen, aber da stand es noch 0:0. Das nächste Tor musste entscheiden, und das schoss van der Vaart (gegen Sven Neuhaus), indem er den Ball um 11.21 Uhr den Ball mächtig unter die Latte drosch. Jubel brach danach aber bei „Grün“ nicht aus. Einziger Gratulant des Torschützen war Heung Min Son, der seine Faust gegen die Faust von Rafael van der Vaart presste.

Woraus vielleicht schon zu entnehmen ist, dass die Stimmung immer noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Entgegen anders lautender Meldungen, wonach die Spieler schon wieder scherzen und lachen sollen, war davon heute (ich glaube, auch gestern) nichts zu sehen. Es herrscht im Volkspark nach wie vor eher eine angespannte, vielleicht auch irgendwie explosive Atmosphäre vor – der Lage und den Umständen angemessen.

Auch heute waren wieder viele Zaungäste und Kiebitze beim Training, viel mehr als gestern. Es scheint so, als wenn die „harten HSV-Fans“ schnell und schneller verzeihen könnten. Es hat nämlich auch heute keiner (laut) geflucht oder seinem Ärger per Meckerei oder Pöbelei Luft gemacht. Im Gegenteil, den Spielern wurden die besten Wünsche für das Freiburg-Spiel mit auf den Gang in die Kabine zugerufen, und es wurden wieder fleißig Autogramme gesammelt. Dafür scheint jetzt tatsächlich die beste Zeit gekommen zu sein – denn welcher HSV-Profi würde es jetzt schon wagen, sich zu verweigern?

Übrigens: Mindestens eine Unmutsäußerung gab es heute dann doch noch. Es hing ein Plakat am Zaun, genau dort, wo die Spieler trainierten. Es war also unübersehbar. Und darauf stand zu lesen: „Wir pfeifen auf Wurst und Bier, wir wollen Herz und Leidenschaft dafür.“

Passend zu diesem Thema gab es heute in der Agentur einen Beitrag:

. . . Auch die HSV-Fans erwarten im Heimspiel gegen Freiburg am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) eine Trotzreaktion ihrer Mannschaft. „Die Leute brauchen ein Zeichen und wollen von Anfang an sehen, dass sich die Mannschaft zerreißt“, sagte Supporters-Chef Christian Bieberstein der Morgenpost und drohte gleichzeitig mit Konsequenzen: „Wenn das nicht der Fall ist, könnte es ungemütlich werden.“ Nach nur vier Punkten aus den letzten fünf Spielen sind die Norddeutschen zurzeit Neunter, liegen jedoch nur einen Punkt hinter Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Auch die Champions League ist angesichts von vier Punkten Rückstand noch in Reichweite.

Zur Aufstellung für Sonnabend zeichnen sich immer mehr einige Umstellungen ab. Nach dem heutigen Training würde ich auf folgende HSV-Mannschaft tippen, die es im Volkspark gegen den SC Freiburg richten soll:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Rincon, Arslan; Skjelbred, Jiracek; van der Vaart; Rudnevs.
Also ohne Bruma, Aogo, Badelj und Son.
Könnte so sein, könnte so werden – muss aber nicht.

Zum Thema Heimspiel erreichte mich übrigens eine interessante Statistik, die ich niemandem vorenthalten möchte:

Hallo Herr Matz,

anbei mal etwas Statistik vom HSV (Heimspiele der letzten 10 Jahre). Die erschütternde Bilanz der letzten 50 Heimspiele (ab 04. April 2010): 18 Siege – 14 Remis – 18 Niederlagen; 57:58 Tore.

Nun wundert sich hoffentlich niemand mehr, warum zuletzt immer mehr Plätze im Stadion frei geblieben sind . . . Es sind eben nicht nur die jüngsten Enttäuschungen (Frankfurt, Fürth, Augsburg), sondern das zieht sich seit Jahren wie ein roter Faden durch . . .

Viele Grüße, Andreas K.

Bei der Gelegenheit, ich habe es schon so oft geschrieben: Bitte schickt mir keine Mails in oder auf die Gewinnspiel-Adresse. Die meisten, 90 Prozent, denke ich, verkümmern dort. Ich lese in dieser Gewinnspiel-Adresse so gut wie nie, sie ist Sache der Internet-Abteilung. Wenn ihr also Mails an mich habt, dann über das Hamburger Abendblatt (es wird weitergeleitet an mich) oder über Matz ab und die Moderatoren.
Bitte beherzigt das, sonst heißt es – was natürlich falsch wäre – dass ich keine an mich gerichtete Post bearbeite.

Dann zu unserem „Matz-ab“-Treffen, das bekanntlich am 19. April stattfinden soll. Dazu erreichten mich einige Mails, eine davon möchte ich euch zeigen:

Hallo Dieter,

ich würde als Matz-ab-Leser gern mal zu einem Treffen kommen und habe mir das für den 19. 04. vorgenommen.
Da der Ort nicht klar ist und du nach einem suchst, schlage ich ein Restaurant vor, das neben den „normalen“ Räumlichkeiten über drei unterschiedlich große Räume/Häuser für Feiern aller Art verfügt.
Gemeint ist . . .

Mit freundlichen Grüßen, Detlef

Vielen Dank für diesen Vorschlag – und die vielen anderen, die mich ebenfalls erreichten. Da uns die Raute nur ein Pauschal-Angebot machen würde und wollte, haben wir haben uns anderweitig umgesehen – und inzwischen ein Lokal gefunden, in dem wir uns treffen wollen – und werden. Es ist das HSV-Restaurant „1887“ auf der HSV-Sportanlage Ochsenzoll (in der Ulzburger Straße in Norderstedt). Dort werden wir „Matz-abber“ uns am 19. April von 19 Uhr an treffen. Dazu möchte ich schon einmal ein besonderes Dankeschön an unsere „Eva/Hope“ senden, die wieder einmal als großartige Organisatorin aufgetreten und eingesprungen ist. Dankeschön! Wir treffen uns an diesem 19. April um 19 Uhr, und es wurde mit dem „1887“-Chef vereinbart, dass Speisen und Getränke, die an diesem Abend bestellt werden, gleich nach Erhalt bezahlt werden. Weil es, die „harten“ „Matz-abber“ wissen es, in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen ist, dass einige Fans glatt vergessen hatte, zu bezahlen . . .

Für Auswärtige gibt es auf der von der HSV-Anlage gegenüberliegenden Seite zwei Hotels: Hotel Cafe Kampe und Hotel Maromme.

PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.03 Uhr

PSPS: Gerade kommt noch diese Meldung über den Ticker:

Ailton vor Weggang bei Hassia Bingen

Bingen (dpa/lrs) – Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Ailton wird den Sechstligisten Hassia Bingen womöglich schon nach einer Saison wieder verlassen. Nach einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz gab der abstiegsbedrohte Verbandsliga-Club am Mittwoch bekannt, dass er seine Option auf eine Weiterverpflichtung des 39 Jahre alten Brasilianers nicht ziehen werde. Die Begründung: Einer der drei Geldgeber habe sich noch nicht entschieden, ob er auch in der kommenden Saison in ein Engagement von Ailton investieren wolle.
Ein Verbleib des früheren Torjägers von Werder Bremen und Schalke 04 ist damit aber noch nicht vom Tisch. Zum einen sucht Hassia Bingen nun nach einem neuen Sponsor für seinen Star. Und zum anderen sagte Ailton selbst: „Mit der sportlichen Entwicklung bin ich nicht zufrieden – ich hätte lieber um den Aufstieg als gegen den Abstieg gespielt. Aber meine Familie fühlt sich sehr wohl und ich werde meine Entscheidung, ob ich bleibe oder gehe, mit meiner Frau besprechen.“

Wer es gemerkt hat: Vom HSV wurde in diesem Bericht gar nichts geschrieben. Ob sich da vielleicht doch noch eine kleine Sensation anbahnt?

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