Archiv für das Tag 'Bruma'

Bruma spielt keine Rolle mehr – auch nicht gegen Schalke ****HSV gewinnt 9:0 in Winsen****

23. April 2013

Bei der Planung der Testspiele hatte der Verantwortliche ganz offenbar nicht mit dem Halbfinale Bayern gegen Barca für den heutigen Tag gerechnet. Und Thorsten Fink, als ehemaliger Bayern-Profi, dürfte sich heute besonders ärgern, da der Test in Winsen zwar um 18 Uhr beginnt, die Bustour zurück jedoch höchstwahrscheinlich dazu führen wird, dass er die ersten Minute dieses hochklassigen Halbfinales verpasst. Genau wie die (Journalisten und) Anhänger des HSV, die aus Hamburg oder von noch weiter weg anreisen, um ein Spiel zu sehen, in dem nur die zweite Reihe aufgeboten wird. „Wir wollen die spielen lassen, die zuletzt nicht zum Zuge gekommen sind.“ Wobei durchaus auch wichtige Erkenntnisse zu ziehen sein dürften. Immerhin geht es für Fink noch immer um die Umbesetzung der Rechtsverteidigerposition.

In der Auswahl nicht dabei: Jeffrey Bruma. Der hat zwar vor der Saison 2011/2012 seinen Geländewagen, einen knapp 400 PS starken schwarzen Range Rover, aus England mitgebracht. Allerdings hat es Jeffrey Bruma seither beim HSV nicht auf die Überholspur geschafft. Und das, obwohl der 21-jährige Innenverteidiger noch immer als eines der größten Abwehrtalente im holländischen Fußball gilt. Ein Umstand, dem sich Jeffrey Bruma bewusst ist. Zu bewusst, wie seine Kritiker sagen. „Es muss mentale Gründe haben, weshalb sich Jeff beim HSV nie durchgesetzt hat“, sagt beispielsweise Brumas Landsmann und Ex-HSV-Trainer Huub Stevens und geht noch weiter: „Es gibt beim HSV keinen Innenverteidiger, der von den Voraussetzungen her so gut ist wie Jeff. Aber wer weiß, vielleicht hat Jeffrey es nicht verstanden, sich zu zeigen, sich zu beweisen. Dazu gehört auch der Kopf. Ich bin mir sicher, dass HSV-Trainer Thorsten Fink ein Guter ist und den Bruma, den ich mir vorstelle, nur zu gern in die Startelf gestellt hätte.“

Worte, über die sich Bruma sehr freut („Aus dem Munde eines so guten Trainers ist das ein Riesenkompliment“), die aber bei Trainer Thorsten Fink keine Wirkung mehr haben dürften. Der setzt Bruma nicht ein, tat dies auch ansonsten nicht. Oder besser: nur selten. Nach 22 Startelfeinsätzen in der ersten Saison reichte es in der aktuellen zu gerade mal zehn Spielen von Beginn an. Und auch am Sonntag auf Schalke (17.30 Uhr, Veltins-Arena) kommt kein weiteres hinzu. Fink legte sich bereits fest, am Sonntag wahrscheinlich Jacopo Sala oder vielleicht Zhi Gin Lam als Ersatz für den gelbgesperrten Dennis Diekmeier vorzuziehen. Bruma indes spielt keine Rolle in den Planungen. „Jacopo und Zhi Gin haben gut trainiert und ich muss jetzt sehen, dass ich die spielen lasse, die auch nächste Saison noch bei uns unter Vertrag stehen.“ Und das trifft auf Bruma nicht zu.
Dem wurde vor 14 Tagen (das hatten wir im Blog relativ unbeachtet exklusiv) von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass die Kaufoption in dem am Saisonende auslaufenden Leihvertrag mit dem FC Chelsea nicht gezogen wird. Und während Frank Arnesen keinen Hehl daraus macht, dass er sich deutlich mehr von Bruma erhofft hatte, nannte er seiner Entdeckung andere Gründe: „Ich bin wohl zu teuer, der HSV will aber sparen“, sagt Bruma, der die Ehrlichkeit und den frühen Zeitpunkt der Entscheidung jedoch lobt. „Der HSV wäre eine tolle Option für mich, ich wäre sehr gern geblieben. Die Entscheidung ist hart. Aber so kann ich mich in Ruhe auf die letzten Spiele hier konzentrieren und mein Berater hat genug Zeit, mit mir für die neue Saison die beste Lösung zu finden.“
Angebote dafür gibt es bereits genug. Insbesondere aus der Heimat, wo sich fast alle großen Clubs wie Feyenoord Rotterdam, der PSV Eindhoven oder auch Ajax Amsterdam bereits beim niederländischen Staragenten Rodger Linse nach Bruma erkundigt haben. „Die Heimat ist sicher eine Option. Ich werde aber im Sommer erst mal nach London fliegen und mit Chelsea sprechen“, sagt Bruma. Voraussichtlich wird der 2014 auslaufende Vertrag um mindestens ein weiteres Jahr verliehen, um Bruma dann erneut auf Leihbasis abgeben zu dürfen.
Wirklich viel übrig hat Bruma für ein weiteres Leihgeschäft zwar nicht, aber er weiß, dass er seine anfänglich so vielversprechende Karriere langsam auf die nächste Stufe heben muss, wenn er den Anschluss nicht verpassen will. Und dafür muss er Abstriche machen. In der Bringschuld sieht er sich jedoch nur bedingt: „Ich kann mich nur in Spielen zeigen. Und genau das ist mein primäres Ziel für die kommende Saison. Wenn das der Fall ist, kann ich auch meine Leistung zeigen.“ Nicht so wie in Hamburg. Bruma: „Ich hatte mir natürlich deutlich mehr Spiele erhofft, weil ich mir sicher bin, dass ich über mehrere Spiele in Folge auch zu meiner Leistung gefunden hätte.“
Dabei wird schnell deutlich, weshalb das Engagement Brumas in Hamburg nicht weitergeführt wird. Zu unterschiedlich sind Spieler und Verantwortliche in der Beurteilung seiner Leistung. Denn während Arnesen bei Bruma stagnierende Leistungen im Training erkannt haben will und Fink immer wieder forderte, es müsse in den Trainingseinheiten „deutlich mehr von Jeff“ kommen, sieht sich dieser eher gut. „Ich trainiere sehr gern und immer mit 100 Prozent Einsatz. Ich glaube nicht, dass es an meinen Trainingsleistungen liegt.“
Konsequenz: Bruma, den der HSV im Winter noch verpflichten wollte, spielt beim HSV keine Rolle mehr. Zunächst wollte sich Fink am Dienstag gar nicht erst über Personalien äußern, die nichts mit dem Spiel auf Schalke am Sonntag zu tun haben. Dann aber sagte er: „Jeff könnte eine Rolle spielen – wenn sich in der Innenverteidigung zwei Leute verletzten.“ Soll heißen: Heiko Westermann und Michael Mancienne bleiben gesetzt, erster Ersatz ist Slobodan Rajkovic. Erst dann käme Bruma. Für den Mann, der als A-Nationalspieler kam und als U21-Nationalspieler geht, ein bitterer Abschied.
Zumal Bruma nicht mal mehr für die U23 auflaufen darf, nachdem er in mindestens 50 Prozent der Bundesligaspiele auf dem Platz stand (zehn Mal Startelf, sieben Mal eingewechselt) Wie er mit seinem Saisonende umgeht? „Gar nicht“, sagt Bruma und gibt sich kämpferisch: „Ich habe hier noch lange nicht Schluss. Ich gebe im Training weiter Vollgas und zeige allen, was ich kann.“
Worte, die den Versuch, trotz des Reservisten-Daseins vom niederländischen Nationaltrainer für die U21-EM in Israel im Sommer nominiert zu werden, als Ursache haben. Es ist aber vielleicht auch der Versuch, auf der Zielgerade noch einmal allen zu zeigen, dass er einen Kauf doch wert gewesen wäre. „Ich gehe hier nicht im Streit. Ich bin hier reifer geworden, physisch stärker.“ Und selbstbewusst wie am ersten Tag. „Es war schwierig, da ich Trainerentscheidungen akzeptiere. Aber ich hätte sicher mehr gezeigt, wenn man mir mehr vertraut hätte.“ Und obwohl sein Range Rover vielleicht das Letzte ist, was an bessere Zeiten erinnert, bleibt Bruma optimistisch: „Ich weiß trotzdem, dass ich ein guter Spieler bin. Noch immer. Und das werde ich zeigen.“ Worte, die mich zwar leise für ihn hoffen lassen, die mich aber zumindest daran zweifeln lassen, ob Bruma seine Lage inzwischen erkannt hat.

Denn Bruma droht zum zweiten Elia zu werden. Der kam auch in Hamburg als eines der größten Talente an, spielte in der Imtech-Arena beim T-Home-Cup erst mal Nationalspieler Philip Lahm Knote in die Beine und überragte bis zu seiner üblen Verletzung aus dem Spiel in Mainz. Aber heute ist der Niederländer abgetaucht. Aus seinen ausgiebigen Tattoo-Studio-Besuchen sind inzwischen Familienabende geworden, wie mir meine Bremer Kollegen berichten. Allerdings soll Elia zwar vernünftiger, aber keinesfalls engagierter dabei sein. Im Gegenteil, der pfeilschnelle Dribbelkünstler scheint sich mit Werder nicht so recht arrangieren zu können und fällt mehr durch seine Lethargie denn durch Trainingseifer auf. Was mir auffällt ist, dass beide Spieler mit 17 Jahren schon zu kommenden Superstars stilisiert wurden. Beide hatten – nachdem sie früh aus ihrer Familie geholt und Fußball-vereinen unterstellt worden waren – ein Umfeld, das ihnen nur eintrichterte, wie gut sie sind. Beide hatten Berater, die das große Geld witterten – und auf dem Weg dahin war ihnen kein Kompliment zu hoch gegriffen.

Was folgte ist ein Absturz, der programmiert ist und immer wieder vor-kommt. Beide Talente denken, dass ihr Talent allein schon den Anspruch rechtfertigt, bei großen Teams Stammspieler zu sein. Beide verloren zuerst die zweifellos notwendige Relation – und dann ihre Stammplätze in den Clubs sowie bei der Nationalmannschaft.

Und um eines klarzustellen: Für beide ist es noch lange nicht zu spät. Allerdings müssen beide langsam erkennen, dass der Zug ohne sie abzufahren droht. Und sollten sie dann später irgendwann erkennen, welche Chance sie hatten und was sie alles fahrlässig haben liegen lassen – ich will nicht mit ihnen tauschen. Egal wie viele Millionen bis dahin auf ihren Konten liegen, diese Erkenntnis wäre für mich das Schlimmste…

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass sowohl Jeffrey als auch Eljero die Kurve kriegen. Schließlich sind beide vielleicht ein wenig desorientiert – aber dafür gibt es Entschuldigungsgründe.

Bis nachher! Dann berichte ich Euch in aller Kürze – auch ich will Bayern gegen Barca sehen – vom Test in Winsen.

Scholle

P.S.: Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Wir sind jetzt auch auf Facebook aktiv. Unter: https://www.facebook.com/groups/matzab
könnt Ihr ab sofort aktuelle Fotos, Videos und kürzere, den Blog ergänzen-de Texte finden. Heute beispielsweise ist ein Kurzinterview mit dem Trainer zu sehen.

P.P.S.: Der HSV hat den Test in Winsen vor 1000 Zuschauern mit 9:0 gewonnen. Die Tore erzielten Rudnevs 0:1, 0:2, 0:9 (4., 10., 82.), 0:3 Bruma (13.), 0:4, 0:7 Arslan (15., 54.), 0:5 Rajkovic (39.), 0:6 Ilicevic (53., FE), 0:8 Maggio (75.). Arslan war der beste Mann auf dem Platz, wirkte nach überstandener Grippe topfit. Und so haben sie gespielt:
Drobny (46. Neuhaus) – Sala, Bruma, Rajkovic, Lam (64. Langer) – Rincon (68. Norgaard), Kacar (64. Tah)- Nafiu (46. Ingreso), Arslan (64. Maggio), Ilicevic (64. Brown) – Rudnevs.

Huub Stevens glaubt an den HSV in der Europa League – und an Jeffrey Bruma

22. April 2013

Er sitzt gerade im Garten seines Anwesens in Eindhoven, als ich ihn erreiche. Im Hintergrund zwitschern die Vögel, er selbst sagt, er habe gerade den Garten wieder auf Vordermann gebracht und um ihn herum spielen seine Enkelkinder. Es ist einer der Momente, in denen der ehemalige HSV-Trainer Huub Stevens voll aufgeht. Es zeige ihm, dass es ein Leben ohne Fußball gibt. Ihm, der das eigentlich ausgeschlossen hatte. „Ganz ohne würde ich gar nicht wollen“, hatte Stevens vor seinem Abschied aus Hamburg gesagt. Allerdings, und das macht Stevens im Interview klar, diese Woche zählt König Fußball noch mal mehr als sonst. Zunächst mit den Champions-League-Halbfinals Bayern gegen Barca und anschließend Dortmund gegen Real Madrid. Aber vor allem wegen des Duells seiner zwei Ex-Klubs am Sonntag. Denn da gastiert der HSV beim FC Schalke Das Interview:
Hamburger Abendblatt: Herr Stevens, geht es Ihnen ohne Fußball gut?
Huub Stevens: Blendend. Perfekt sogar. Ich spiele mit meinen Enkelkindern und kümmere mich um meinen Garten. Mehr geht nicht.
Außer einen Trainerjob.
Stevens: Nein, das kann – muss aber
nicht. Ich bin in der luxuriösen Situation, es mir aussuchen zu können. Ich nehme nicht mehr alles an, wie ganz am Anfang meiner Trainerzeit. Es muss alles passen. Das ist im Moment nicht so, deshalb sitze ich mit meinen Enkeln im Garten und bin glücklich. Vielleicht bleibt das ja auch so.
Am Sonntag werden Sie aber sicherlich Fußball sehen.
Stevens: Klar. Schalke gegen HSV – das hat noch Priorität.
Wer gewinnt?
Stevens: Es wird ein enges Spiel. Schalke ist zu Hause gut, der HSV auswärts. Und beide haben große Ziele.
Realistische?
Stevens: Na klar. Schalke steht gut da. Ich habe doch selbst noch an der Mannschaft mitgewirkt und weiß, was sie kann. Diese Mannschaft muss sich für die Champions League qualifizieren.
Muss?
Stevens: Ja, sportlich. Aber auch finanziell. Der Klub hat vor einigen Jahren sehr viel im Voraus finanziert und in den letzten Jahren keine großen Sprünge machen können. Die Schuldenlast ist groß. Und das ist heute nicht anders.
Beim HSV leider auch nicht.
Stevens: Stimmt. Aber in Hamburg konnte man zu Saisonbeginn noch mal ordentlich investieren. Und das völlig zu Recht. Ein Rafael van der Vaart war sehr teuer – aber das Risiko wert. Diese HSV-Mannschaft brauchte den Führungsspieler und hat ihn jetzt.
Auch, weil van der Vaart anstelle Heiko Westermanns zum Kapitän befördert wurde?
Stevens: Auch. Heiko war ein guter Kapitän, aber eben in allen Belangen ein ganz anderer Typ. Rafael ist schon sportlich ein Leitwolf, der junge Leute wie Heung Min Son führt. Son wird auch besonders durch Rafael besser. Durch einen van der Vaart in der Verantwortung trittst du innerhalb der Mannschaft einfach etwas los, weil alle auf ihn hören.
Wo landet der HSV am Ende?
Stevens: In der Europa League. Die Mannschaft scheint intakt. Es herrscht wieder positive Stimmung. Das passt.
Wieder?
Stevens: Ja, wie damals. Als ich ging dachte ich, der HSV würde sich so weiterentwickeln, auf internationalem Niveau. Dem war nicht so. Dieses Jahr hat man das mit viel Geld versucht zu korrigieren – und es scheint aufzugehen. Jetzt hoffen alle in Hamburg. Das ist wieder positiv. Zwischendurch in dieser Saison schienen aber sehr viele vergessen zu haben, woher der HSV gerade kommt. Die waren enttäuscht, wenn der HSV nicht unter den ersten Sechs war. Das ist jetzt nicht mehr so. Die Verantwortlichen arbeiten gut, sie bewahren die Ruhe. Und aus der Ferne geurteilt, scheint Thorsten Fink die Mannschaft gut zu erreichen. Das kann auf Sicht gut funktionieren.
Wenn personell nachgerüstet wird. Innenverteidiger Felipe Santana von Borussia Dortmund ist bei beiden Klubs Thema. Wer braucht ihn mehr?
Stevens (lacht): Felipe habe ich schon zu meiner Zeit bei Schalke da ins Gespräch gebracht, der Junge ist gut. Beide können ihn gut gebrauchen. Schalke als Ersatz für Metzelder. Wobei ich beim HSV mit Mancienne und vor allem Bruma zwei Verteidiger neben Westermann sehe, die das Potenzial haben. Sie müssen aber langsam wach werden und jetzt zeigen, dass sie es wirklich können.
Bruma wurde mitgeteilt, dass er im Sommer nicht verpflichtet wird.
Stevens: Ja, weil er sich nach zwei Jahren nicht durchgesetzt hat, was sehr erstaunlich ist. Das hätte er schaffen müssen. Das kann nur mentale Gründe haben. Jeffrey hat wirklich alles. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Hamburg einen Innenverteidiger gibt, der besser ist. Aber er muss das dem Trainer auch zeigen. Das hat er wohl nicht. Und das ist sehr schade. Für alle.
Dortmund und Bayern marschieren in der Bundesliga vorneweg. Sind die beiden aufzuhalten?
Stevens: Nein, in den nächsten Jahren nicht. Auch nicht von Schalke. Die können in den nächsten Jahren da oben nicht mitmischen und sollten versuchen, sich zwischen Rang drei und sechs einzuleben. Beim HSV ist das immer so eine Sache. Bleibt’s ruhig und die Leute dürfen konstant arbeiten, ist vieles drin. Allerdings erst mal ab Rang drei.
Wer gewinnt denn die Champions League? Bayern? Dortmund?
Stevens: Der Gewinner der Partie Bayern gegen Barcelona. Das ist das vorweggenommene Endspiel, wobei ich jetzt eine große Chance für ein deutsch-deutsches Finale sehe, Dortmund gegen Real Madrid sehr gute Chancen hat. Es wird ein spannendes Duell Deutschland gegen Spanien. Besonders für die Leute, die sich für Spielsysteme interessieren. In den Duellen wird alles zu sehen sein.

Klingt wirklich so, als würde sich Huub Stevens noch immer sehr mit seinem HSV beschäftigen. Und gerade was Bruma betrifft, war Stevens tatsächlich extrem enttäuscht von seinem Landsmann. Er sei eines der größten Talente in den Niederlanden, so Stevens weiter, das sei landesweit in den Niederlanden bekannt. Am größten war seine Enttäuschung, glaube ich, auch, weil die Niederlande nicht zwingend mit großartigen Innenverteidigern in der Nationalelf ausgestattet sind.

Wobei ich Stevens auch sagte, dass es gut sein kann, dass Bruma am Sonntag in Gelsenkirchen spielen muss. Immerhin fällt Dennis Diekmeier gelbgesperrt aus. Und ich kann mir nach den zuletzt gezeigten Schwächen bei Standards nur schwer vorstellen, dass Fink sich für den kleinen Zhi Gin Lam und gegen den kopfballstarken Bruma entscheidet.

Aber egal wie, eine Zukunft – das stand hier im Blog exklusiv vor Wochen – hat Bruma in Hamburg offenbar nicht mehr. Ihm wurde bereits von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass der HSV keine Mühen unternimmt, ihn beim FC Chelsea herauszukaufen. „Der HSV hat kein Geld dafür“, hatte mir Bruma gesagt. „Der Sportchef hat es mir gesagt, mein Berater weiß auch Bescheid – jetzt schauen wir, wie es weitergeht. Ich wäre gern geblieben, aber ich muss jetzt zusehen, dass ich die Saison ordentlich bis zum Ende spiele und mich dann anders orientiere.“

In diesem Sinne, ich orientiere mich gen Feierabend. Bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Arena trainiert, ehe es am Abend um 18 Uhr zum Landesligisten TSV Winsen geht.

Scholle

P.S.: Solltet Ihr noch ein paar Foto- und Videobeweise vom Matz-ab-Treffen am vergangenen Freitag wünschen, kopiert einfach den unten stehenden Link. Der leitet Euch weiter auf unsere noch relativ frische Facebook-Seite. Da sind ein Video (Scheel sieht den HSV in der Europa League) und einige Fotos drauf. Schade, dass sich mein Akku so früh verabschiedet hatte, ich hätte noch viel mehr Bilder und Videos machen können/wollen. Aber okay, nächstes Mal! Hier erst mal der Link: https://www.facebook.com/groups/matzab

Fink mit weckender Wutrede!

19. April 2013

Das saß! Aber wie! Um 16.31 Uhr unterbrach Thorsten Fink das Abschlussspielchen zum zweiten Mal und holte seine Schäfchen zusammen. Was dann folgte, das habe ich unter diesem Trainer noch nie erlebt. Thorsten Fink „donnerte“ seine Spieler zusammen, sodass ihnen anschließend kein Hut mehr passte. Das war nach alter Trainer-Kunst ein Gewitter, das hoffentlich alle Antennen der Herren Profis wieder auf „gerade“ gesetzt haben dürfte. Fink brüllte los wie noch nie: „Das will ich nicht sehen, hier macht schon wieder jeder was er will. In der vergangenen Woche habe ich euch das schon mal gesagt, und dann hat es in Mainz geklappt, aber jetzt läuft schon wieder alles durcheinander, da ist nichts mehr von Disziplin zu sehen. Hört zu, wenn ich etwas sage, und haltet euch gefälligst daran – ihr Penner!“ Das war eine einzigartige Explosion. Glückwunsch, Herr Fink, das war Maßarbeit. Wer jetzt nicht weiß, wie er morgen gegen Fortuna Düsseldorf zu ticken und zu funktionieren hat, der wird es wohl nie begreifen. Ich bin aber davon überzeugt, dass es nun jeder weiß: Heimsieg gegen Düsseldorf!

Ausschlaggebend für den Ausraster des Trainers war ein Eigentor von Heiko Westermann. Dadurch stand es plötzlich 1:0 für die Reservisten gegen das A-Team. Nach der Standpauke Finks waren Flanken von links und rechts angesagt, aber das Spiel war mit einem Schlag, mit einem Donnerschlag beendet worden. Und die gute Stimmung, die bis dahin geherrscht hatte, war mit einem Schlag vorbei. Wie belämmert schlichen die Spieler schweigend über den Rasen. Auch bei den Flanken herrschte Ruhe. Einmal allerdings, da gab es donnernden Applaus. Petr Jiracek hatte geflankt, Gojko Kacar volley eingehämmert (man muss es so nennen!) – und eine schwedische Reisegruppe, die vom an Krücken gehenden Marcus Berg angeführt wurde, stiftete den Beifall. Für ein wahrhaft tolles Tor. Kacar war darin die Nummer eins, Jacopo Sala und Valmir Nafiu schossen ebenfalls bildschöne Tore. Morgen wären dann mal Heung Min Son, Rafael van der Vaart und Marcell Jansen dran. Zum Beispiel.

Thorsten Fink erklärte nach dem laustarken Auftritt: „Ich hatte das Gefühl, dass hier schon wieder jeder macht was er will, und das kann es nicht sein. Ich wollte die Spieler wachrütteln, denn es geht doch für uns gegen Düsseldorf um viel. Das Training an sich war nicht schlecht, nur einige Dinge haben mir eben nicht gefallen, und deshalb musste das mal so sein, wie es war. Damit alle wach sind.“ Und das, ganz genau das, das ist auch gut so. Einen solchen hoch emotionalen Auftritt eines HSV-Trainers habe ich zuletzt zu Zeiten von Huub Stevens erlebt . . .

Nun bin ich mal auf die Reaktion der
Spieler gespannt. Düsseldorf müsste morgen eigentlich aufgefressen werden . . . Und ich habe mich mal in Sachen Bilanz schlauch gemacht: 45 Bundesliga-Partien gab es bislang zwischen beiden Clubs, 20 HSV-Siege, zwölf Unentschieden und 13 Niederlagen stehen zu Buche. Zu Hause hat der HSV 16 Spiele gewonnen. Mir fällt bei dem Stichwort Fortuna Düsseldorf sofort eine besondere Partie ein: Am 31. Mai 1997 spielte der HSV am Rhein 1:1 – es war das zweiten und gleichzeitig das letzte Spiel des HSV-Trainers Ralf Schehr, der ungeschlagen abtreten musste. Damals konnte mal als Journalist noch den Innenraum betreten, deswegen ging wir Hamburger mit dem Trainer in Richtig HSV-Kurve, wo sich die Spieler für die Unterstützung bedanken wollten. Es war ja das letzte Saisonspiel, der HSV endete damals auf Rang 13, war aber lange in höchster Abstiegsgefahr. Deswegen waren die mitgereisten Fans auch nicht besonders gut drauf. Eher war genau das Gegenteil der Fall, denn plötzlich prasselten Wasserbeutel auf die HSV-Spieler ein. Wobei ich heute sehr, sehr hoffe, dass es auch tatsächlich Wasser war . . . Auf jeden Fall verließen die Spieler und auch wir fluchtartig den Innenraum – ein etwas anderes Saisonende.

Hoffen wir, dass es morgen alles gut und friedlich über die Bühne geht. Woran ich aber keinen Zweifel habe. Der HSV will endlich wieder einen Heimsieg, und die Fortuna ist eigentlich auf einem leicht absteigenden Ast. Vor sechs, sieben Wochen hat doch am Rhein niemand im Ernst daran gedacht, dass Düsseldorf noch in Abstiegsgefahr geraten kann. Aber nun ist es geschehen, und damit muss diese Mannschaft – so plötzlich – zurechtkommen. Ob das noch gelingt? Die letzte Ergebnisse habe nicht bestätigt, dass dieser Abstiegskampf schon in Düsseldorf angekommen ist. Man darf gespannt sein . . .

Zu diesem Spiel gab es dann auch folgende Aussage – eines Hamburgers.
„Ich freue mich richtig auf das Spiel. Durch den Sieg in Mainz hat die ganze Mannschaft wieder Selbstvertrauen. Jetzt wollen wir nachlegen.“ Natürlich. Wer will das nicht. Der, der diese Aussage machte, ist Heung Min Son. Er will morgen gegen die in Abstiegsgefahr geratene Fortuna aus Düsseldorf nachlegen. Und der selbstverständlich will das auch der HSV. Denn es wird, wie ja schon seit Wochen verraten wird, immer nur von Spiel zu Spiel gedacht. Von der Papierform her dürfte der HSV an diesem Sonnabend vor einem leichten, okay, ich will mal von einem lösbaren Heimspiel reden, stehen.

Son weiter: „Wir haben ja auch noch etwas gut zu machen gegen Düsseldorf. Im Hinspiel
ist es ja nicht so toll gelaufen. Und dann gab es danach im Hotel mitten in der Nacht auch noch den Feueralarm . . .“ Ist nicht vergessen. Und der Südkoreaner hat ja auch allen Grund, weiter schön Gas zu geben – bei bislang elf Treffern will er es sicher noch nicht bewenden lassen. Er ist jedenfalls voll motiviert: „Ich finde es richtig geil, dass die Arena voll wird. Ich würde gern
wieder treffen – für unsere Fans. Vielleicht werde ich mir die Tore vom vergangenen Wochenende vor dem Spiel nochmal anschauen. Obwohl ich auch so schon motiviert bin ohne Ende.“ Er wird die einzige Spitze sein, hat vorerst Artjoms Rudnevs verdrängt. Son: „Vorn in der Spitze fühle ich mich auch am wohlsten. Hoffentlich können mir Rafa oder Milan wieder ein paar Bälle auflegen . . .“ Das hoffen wir auch.

Übrigens: Nicht im Kader für das Düsseldorf-Spiel ist Jeffrey Bruma. Auch ein Anzeichen dafür, dass sich die Wege des Niederländers und des HSV am Saisonende ganz sicher trennen werden. Der Club hat nicht das nötige Kleingeld, um Bruma vom FC Chelsea zu kaufen. Das hat ihm auch Sportchef Frank Arnesen bereits mitgeteilt, die Sache ist somit beschlossen und verkündet. Wobei ich gespannt auf den weiteren Verlauf der Bruma-Karriere bin. Er hätte das Zeug, ein Großer zu werden, aber dafür muss er sich deutlich mehr engagieren, als er es in Hamburg und beim und für den HSV getan hat. Schade, dass ein solches Talent solche Umwege einlegen muss.

So, gleich geht es los mit dem Matz-ab-Treffen im HSV-Restaurant “1887” – die ersten Gäste sind bereits da.

18.36 Uhr

Arslan: “Gegen Düsseldorf wird sich viel entscheiden”

18. April 2013

Die finale Einstimmung hat begonnen. „Kampf, Fleiß, Disziplin – das will ich sehen“, fordert Trainer Thorsten Fink heute, auf dem Podium im Presseraum sitzend. Die Mannschaft habe in Mainz die Messlatte gehängt, an der sie sich selbst messen müsse. „Wir müssen nichts anders machen als in Mainz. Wenn wir das alles wieder abrufen können, ist es für mich okay.“ Die Mannschaft solle nicht zu weit zurückblicken, sondern sich einfach „an die gezeigten Attribute erinnern“, das würde reichen, um gegen Düsseldorf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein gutes Spiel zu absolvieren. Zumal die Mannschaft in dieser Woche eine ebenso engagierte Leistung hingelegt habe wie vor dem Mainz-Spiel.

So viel zu den Hypothesen, zu denen ein Trainer in meinen Augen tatsächlich irgendwann gezwungen ist, wenn er zum gefühlt 1000. Mal innerhalb der letzten sieben, acht Monate zum selben Thema befragt wird. Es ist im Fußball ein ewiger Kreislauf, es sind Momente, die es ähnlich schon gab und die es in fast identischer Art irgendwann auch wieder geben wird. Es ist der stumpfe Mikrokosmos, den mir meine Frau immer vorwirft – und den ich so liebe. Und ohne den ich gar nicht mehr leben kann.

Deshalb, wie Thomas Doll zu sagen pflegte: „Jetzt aber rein in die Mühle“. Und die begann heute mit etwas Verspätung. Erst um 10.30 Uhr trabte die Mannschaft, angeführt von Torwart Rene Adler auf den Trainingsplatz. Was folgte, war eine intensive Einheit, in der zu Teilen erkennbar war, dass die Anspannung ungleich höher ist. Immerhin: „Das Spiel gegen Düsseldorf ist ein Big-Point-Spiel“, sagt Tolgay Arslan, der gegen die Fortuna erneut neben Milan Badelj im defensiven Mittelfeld auflaufen wird. Und der U-21-Nationalspieöler fügte hinzu: „Da wird sich viel entscheiden.“ Angesprochen auf diese Aussage reagierte Arslan mit einem Lächeln das mehr aussagte als der nachfolgende Satz: „Wir wollen uns im Mittelfeld festsetzen und einen einstelligen Tabellenplatz.“

Klar.

Aber auch hier gilt: was soll Arslan sagen? Soll er in seiner ersten echten Erstligasaison die Europa League einfordern und als Ziel ausgeben? Natürlich nicht. Allerdings ist es schön zu sehen, dass er es für sich offenbar macht – und dass er nicht daran kaputt geht. Immerhin gilt Arslan als sehr intelligent und konstruktiv selbstkritisch. „Ich weiß, wenn ich Mist baue und verinnerliche den Fehler, damit ich ihn nicht wieder mache. Aber ich gebe mir auch die nötige Zeit, um mich zu entwickeln, da ich weiß, dass ich kein Schnellstarter sondern ein sich eher langsam Entwickelnder bin.“ Eine Selbstreflektion, die man im Profifußball selten hat.

Vor allem nicht mit einem Happy End versehen. Und genau das scheint sich für Arslan so langsam einzustellen. Seit dem 20. Spieltag schien Arslan in einem kleinen Formtief festzustecken. Bis er gegen Freiburg eine sehr engagierte und in Mainz eine fußballerisch sehr gute Leistung zeigte. Auf der Doppelsechs. „Ich fühle mich auf der Position sehr, sehr wohl. Ich glaube ich habe meine neue Position gefunden.“ Auf dem Platz und innerhalb der Mannschaft – Arslan sprüht vor Energie im Saisonendspurt. „Ich bin körperlich top drauf – wir als Mannschaft sind richtig gut drauf.“ Das zeige schon das (tatsächlich!) aggressiv geführte Training.

Sich zeigen darf voraussichtlich auch wieder Petr Jiracek. „Ich tendiere dahin, die Mannschaft aus dem Mainz-Spiel beginnen zu lassen“, sagte Fink heute, obgleich er dem zuletzt auf die Bank versetzten Toptorjäger (wie Son hat der Tscheche auch elf Saisontore) Artjoms Rudnevs zumindest einen Spalt Hoffnung machte. „Ich überlege nur, ob ich Rudy wieder reinnehme. Dann müsste Son auf links und Jiracek raus.“ Dennoch, grundsätzliche Tendenz sei, nichts zu ändern, da die Mannschaft in Mainz genau den von ihm geforderten und auch jetzt erwünschten Teamgeist und Kampfeswillen gezeigt hätte.

Geändert hat sich tabellarisch dagegen einiges durch das glückliche 2:1 des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg. Denn, wären die Breisgauer ins Finale gegen die Bayern eingezogen und zeitgleich am Saisonende unter den ersten sechs, hätte dem HSV schon der siebte Rang gereicht, um in die Europa League einzuziehen. „Ich rechne zwar zwischendurch nicht, weil es nichts bringt. Aber natürlich wird es jetzt ungleich schwieriger, das Unmögliche möglich zu machen. Da schaue ich natürlich auch ein wenig traurig hinterher, da theoretisch ach der siebte Platz hätte reichen können.“

Noch nicht gereicht hat bislang die Klubkasse, um neue Einkäufe zu tätigen. Sportchef Frank Arnesen muss – das ist hinlänglich bekannt – zunächst verkaufen. Und auch das gestaltet sich schwierig, da Kandidaten wie Marcus Berg verletzt sind und andere wie Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic oder auch Jeffrey Bruma sich auf Bundesligaebene momentan nicht präsentieren und somit auch nicht besonders eindrucksvoll anbieten können. „Wir haben eine lange Liste von Spielern, die mit zunehmender Zeit kleiner wird, weil sich die Spieler entscheiden wollen, Klarheit brauchen. Das ist unser Los und damit gehen wir um.“ Ebenso schwierig gestaltet sich die Vertragsverlängerung von Heung Min Son, der sich erst entscheiden will, wenn er weiß, wohin der sportliche Weg des HSV führt. „Finanziell sind wir ganz nah beieinander“, sagt Arnesen und fügt hinzu: „Da bin ich insgesamt sehr positiv.“ Zumal der Südkoreaner auch Trainer Thorsten Fink bestätigt hatte, dass er bleiben wolle. „Er weiß, dass ich auf ihn zähle und sagt selbst, dass er bleiben will. Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch lange mit Son zusammenzuarbeiten. Er hat noch einiges an Entwicklungspotenzial.“

Stimmt. Und genau das haben andere auch erkannt. Zwar ist aktuell kein Verein offiziell an den HSV herangetreten, allerdings ist auch den Verantwortlichen bewusst, dass es gleich mehrere auch internationale Interessenten (Tottenham und Dortmund, um nur zwei zu nennen) um Son werben. „Sonni weiß, dass er sich bei uns bestens entwickeln kann und er ist genau der Typ Spieler, den wir nicht abgeben wollen“, sagt Arnesen und stellt klar: „Allerdings muss auch ihm klar sein, dass wir ihn im Sommer ohne eine Vertragsverlängerung verkaufen müssten.“ Dazu sei der HSV schon aus finanziellen Gründen schlichtweg gezwungen, da der Vertrag 2014 ausläuft und Son dann ablösefrei wäre.

Egal wie, am Sonnabend wird Son auflaufen, wenn nichts Unerwartetes (klopfe dreimal auf Holz) passiert. Und der HSV wird gewinnen – wenn nichts Unerwartetes passiert (ich klopfe gleich nochmal dreifach auf Holz). Mein Tipp in der Redaktion ist ein 3:1-Sieg. Und der steht.

Bis morgen! Da wird zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, aber dafür meldet sich Dieter bei Euch wieder mit dem Aktuellsten des Tages zu Wort, ehe wir uns am Abend ja sowieso (hoffentlich zahlreich) beim Matzab-Treffen in Norderstedt sehen. Beginn ist – für die, die es vergessen haben – um 19 Uhr. Was bislang noch keiner weiß: wir dürfen uns morgen auf Vorstand Oliver Scheel freuen, der von sich aus dazustoßen will und natürlich genauso herzlich willkommen ist wie alle anderen. Ich freue mich auf jeden Fall auf morgen. Und auf Sonnabend…

Scholle

P.S.: Am Sonnabend nach dem Spiel begrüßen wir übrigens den ehemaligen Torwarttrainer Claus Reitmeier und Ex-HSV-Stürmer Vahid Hashemian bei Matz ab live!

Aogo und Rudnevs müssen in Mainz auf die Bank

12. April 2013

Heiko Westermann ist nicht nach Lachen zumute. Zumindest wirkt das im Training so. Dennoch ist er engagiert wie eh und je – was mich nicht im Geringsten verwundert. Allein die Frage umtreibt mich: Ist er wirklich so glücklich mit der neuen Situation, wie es Trainer Thorsten Fink sagt? Und war die Kapitänsbinde beim HSV nach zwei Jahren tatsächlich eine Last für den 24-maligen A-Nationalspieler? Fragen, die ich Heiko Westermann selbst stellen wollte. Allerdings ließ mich der HSV-Abwehrchef wissen, dass er sich in den nächsten Tagen und Wochen nicht äußern wolle und sich ausschließlich auf den Fußball konzentrieren wolle.

Glaubt man Günter Netzer, sollte das gelingen können. Mein absoluter Favorit auf einen Vorstandsposten beim HSV sieht den Wechsel von Westermann zu Rafael van der Vaart positiv. Und obgleich mich dieser Wechsel vor allem in der Form noch immer wundert, sehe auch ich ein, zwei positive Ansätze. Vor allem bei Rafael van der Vaart, der mit der Binde am Arm noch einmal mehr in die Verantwortung genommen wird und sich somit nicht mehr ganz so leicht davonschleichen kann wie zuletzt. Zum anderen dürfte es dem Niederländer nach dem privaten Liebes-Wirrwarr zusätzliches Selbstvertrauen geben, quasi einen Neuanfang zu machen. Alles noch mal auf null und besser in die Zukunft.

„Er wollte zuletzt nicht mehr so wie vorher“, erklärte mir Frank Arnesen gestern. Gemeint war Heiko Westermann, der sich als Kapitän von der Mannschaft im Stich gelassen fühlte und es angeblich leid war, vor den Kameras die immer gleichen Statements über das neuerliche Versagen abzugeben. Ein Umstand, den ich mir grundsätzlich gut vorstellen kann. Allerdings habe ich mir auch sagen lassen, dass Fink sich bei der Entscheidung keinesfalls vorher bei Westermann rückversichert hat sondern es selbst entschieden hat. Westermann wurde schlichtweg überrascht. So wie der Rest.

Wobei dieser Effekt von Fink ja auch gewollt war. Es sollte einen „Impuls geben“, wie es der HSV-Trainer formuliert. Auch bei Westermann. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es gut war. Er will sich wieder allein auf seine Leistung konzentrieren und wieder die Werte der Hinrunde erreichen, wo er in vielen Punkten sogar ligaweit Topwerte aufwies.“ Den Impuls hat Fink indes nicht allein beim Hauptdarsteller ausgemacht sondern allgemein im Training erkannt: „Ich hatte mir Gedanken gemacht, wie ich den Wechsel zum Positiven schaffen kann. Und das gibt neue Impulse, das merkt man. Wir müssen jetzt schauen, wie das alles ankommt. Aber ich bin da sehr positiv.“

Das gelte auch für Milan Badelj, den Fink am vergangenen Wochenende überraschend aus der Startelf gestrichen hatte. Der Kroate wirkte zuvor müde, vielleicht ein wenig überspielt. Aber vor allem wirkte er unzufrieden damit, nicht in der Startelf zu stehen. Was grundsätzlich gut ist. Vor allem dann, wenn es zu besseren Leistungen führt. „Und das ist bei Milan so. Milan hat seine alte Stärke wieder und so gut trainiert wie seit Wochen nicht mehr“, lobt Fink seine Maßnahme gleichermaßen wie den Spieler, der das Ganze bestätigt: „Vielleicht war die Pause wirklich ganz gut für mich. Auf jeden Fall habe ich diese Woche viel besser trainiert als vorher“, so der technisch starke Rechtsfuß, der am Sonnabend in Mainz wieder auf die Sechs rücken wird – zusammen mit – Tolgay Arslan! Überraschenderweise, wie ich finde. Immerhin rotiert somit Dennis Aogo auf die Bank, da zeitgleich Per Skjelbred rechts und Petr Jiracek links ins Mittelfeld rücken.

Auch in der Spitze gibt es eine Überraschung. „Rudy läuft immer sehr, sehr viel“, lobte Fink heute seinen Toptorjäger, „aber gegen Freiburg hatte er seine schwächsten Laufwerte.“ Zusammen mit den restlichen Eindrücken sei das für ihn das Zeichen gewesen, dem Letten eine Pause zu gönnen. Für Rudnevs stürmt Heung Min Son als einzige Spitze unterstützt vom offensiven, zentralen Mann: Neu-Kapitän Rafael van der Vaart.

Sehr interessant könnte es zudem in der Defensive werden. Nicht, was die Startelf betrifft. Dafür aber was den ersten Ersatzmann für die Innenverteidigung gilt. Das soll Jeffrey Bruma sein. Allerdings ist der eigentlich gesperrt. Zumindest so lange, wie das Spiel der U23 (nur Zhi Gin Lam hilft aus) gegen Paulis Nachwuchs läuft. Da ist am Sonnabend um 13.30 Uhr Anpfiff und dementsprechend planmäßig um 15.15 Uhr Abpfiff. Das würde reichen. Kommt es aber zu Verspätungen im Nachwuchsderby und das Spielende ist nach 15.30 – dann wäre Bruma gesperrt. Eigentlich kein Problem, immerhin ist da ja auch noch Slobodan Rajkovic. Allerdings erhielt der bislang noch kein Okay aus der medizinischen Abteilung, nachdem seine Platzwunde aus dem U23-Spiel vom Dienstag mit sieben Stichen genäht worden war. Gut möglich daher, dass Rajkovic als Ersatz von Bruma nicht infrage käme – womit wir bei einem –zugegebenermaßen unwahrscheinlichen – Fall angekommen sind, in dem Fink fast schon gezwungen wäre, Gojko Kacar als Innenverteidiger aufzubieten. Eine Variante, die durchaus erfolgreich war. Wie auch „we are family“ richtig schrieb. Aber lest selbst:
we_are_family sagt (11. April 2013, 10:57 Uhr):

Ich habe schon in der Hinrunde der vergangenen Saison die Frage aufgeworfen, warum sich weder Michael Oenning, noch FA an die letzten Spiele der Saison 10/11 erinnerten und auch Thorsten Fink nicht ein einziges Mal diese Option gezogen hat… Gut zwei Jahre (!) ist es her, da schlug der HSV am 27.Spieltag im ersten Spiel unter Michael Oenning Köln mit 6:2. Neben Joris spielte in der Innenverteidigung ein Spieler namens Kacar. Am nächsten Spieltag blieb man ohne Gegentor in Hoffenheim. Dann fiel Joris mit Knöchelproblem den Rest der Saison aus. Gegen den späteren Meister BVB hieß das IV-Duo dann erstmalig Kacar/Westermann. Man ließ erst in der Nachspielzeit das 1:1 zu. Im folgenden gab es mit diesem Duo ein 0:0 gegen den späteren 4. Hannover 96, ein 1:1 beim späteren Vizemeister Leverkusen und am letzten Spieltag gab es gegen Gladbach, für die es – im Gegensatz zum HSV – noch um alles ging, ebenfalls ein 1:1 ohne Gegentor aus dem Spiel heraus (direkter Freistoß).
Lediglich beim 0:3 in Stuttgart gab es in dieser Zusammensetzung die unrühmliche Ausnahme gegen eine Truppe, für die es ebenfalls noch um den Abstiegskampf ging.

Wieso gab es dieses überwiegend funktionierende Innenverteidiger-Duo seit dem 14. Mai 2011 nie wieder?

Gruß
Rainer“

Eine berechtigte Frage, wie ich finde. Wobei für die Hinrunde festzuhalten ist, dass Mancienne funktionierte und Kacar verletzt war. Jetzt ist Mancienne wieder fit und soll sich über Spiele seine nötige Matchfitness holen. Allerdings, mit Kacar stünde neben Bruma und Rajkovic eine weitere Alternative zur Verfügung.

Und wenn ich schon beim Thema Innenverteidiger bin: Es gilt als beschlossen, dass Jeffrey Brumas Vertrag in Hamburg nicht verlängert wird. Ebenso wenig wie der von Gojko Kacar und Rajkovic. Allerdings laufen deren Verträge noch bis 2015 und sie sollen nicht nur wieder abgegeben sondern verkauft werden. Aber das hatten wir im Winter ja auch schon.

Womit ich den heutigen Blog beenden möchte, ist der Hinweis auf Matz ab live morgen Abend nach dem Auswärtssieg in Mainz. Da senden wir ab ca. 17.30 Uhr wieder aus dem Block House in Eidelstedt und haben Nachwuchschef Michael Schröder sowie Ex-Aufsichtsrat Bernd Enge zu Gast. Zwei Hamburger Fußballgrößen, die sich im Profi- ebenso wie im Amateurfußball bestens auskennen und keineswegs immer einer Meinung sind. Ob das auch für morgen Abend gilt? Abwarten. Es dürfte allemal eine höchst unterhaltsame Runde mit vielen interessanten Fragen und Antworten werden. Ich freue mich darauf ebenso wie auf den Auswärtssieg in Mainz. Mein Tipp: ein „hässliches 2:1. Torschützen: van der Vaart und Westermann. Es wäre der versöhnlichste Abschluss einer trotz des langweiligen Tabellenstandes lebhaften Woche.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

Die voraussichtliche Startelf: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Arslan, Badelj – Skjelbred, van der Vaart, Jiracek – Son

Erkenntnisse einer 0:1-Heimniederlage

7. April 2013

Bei Radio Hamburg suchen sie zurzeit neue Sportarten. Oder Menschen, die eine neue Sportart haben und sie vorstellen möchten. Und da hat sich an diesem Sonntag ein Moderator ganz nett und ganz fair bedankt, dass auch der HSV an dieser Aktion teilnimmt. Weil, so der Moderator, „das am Sonnabend gegen Freiburg ja kein Fußball war. Das war eine andere, eine neue Sportart“. Könnte man eventuell so sehen, muss man aber nicht.

Aber bevor ich nun auf den HSV komme, möchte ich das nachholen, was ich gestern versäumt habe: Herzlichen Glückwunsch dem FC Bayern München zu seiner 23. Deutschen Meisterschaft, dieser Titel ist ja so etwas von verdient – die Bayern spielen im Moment (und in der gesamten Saison) Fußball in einer anderen Liga. Sie sind eine der besten Mannschaften der Welt, ich glaube ja daran, dass sie alle drei Titel in dieser Saison gewinnen werden. So, wie sie diesmal die Liga dominiert haben, war das Extraklasse. Gratulation. Das war und ist Fußball – und keine neue Sportart.

Fußball wurde heute auch in der Regionalliga Nord gespielt, und da hatte der abstiegsgefährdete HSV eine prima Idee. Zum Auswärtsspiel beim BSV Rehden waren folgende Spieler im Kader von Trainer Rodolfo Cardoso: Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Zhi Gin Lam, Jacopo Sala, Gojko Kacar, Christian Norgaard, Petr Jiracek und Valmir Nafiu.
Und nun dürfen alle diejenigen, die das Ergebnis noch nicht kennen, dreimal raten, wie das Punktspiel zwischen Rehden und dem HSV II endete.

4:1 für Rehden.

Unter den Zuschauern weilte auch Thorsten Fink. Der HSV II trat mit folgender Mannschaft an:

01 – Dehmelt, Tino TW
02 – Lam , Zhi Gin
03 – Sternberg, Janek
04 – Bruma, Jeffrey
05 – Rajkovic, Slobodan
06 – Kacar, Gojko
07 – Sala, Jacopo
08 – Norgaard, Christian
09 – Maggio, Mattia
10 – Nafiu, Valmir
11 – Jiracek, Petr

Die Torfolge: 1:0 Heyken (21.), 2:0 Arend (32.), 2:1 Bruma (71.), 3:1 Kosenkow (78.), 4:1 Bruma (80., Eigentor). Besonders Verkommnis: Rehden verschoss beim Stande von 4:1 noch einen Elfmeter.

Kommentar: überflüssig.

Wie das Punktspiel zwischen dem HSV I gegen den SC Freiburg I endete, das wissen wohl inzwischen alle. Wieder mal 0:1. Dazu befand HSV-Sportchef Frank Arnesen: „Wir müssen erkennen, dass wir zurzeit die Form nicht haben. Im Moment ist es schwer für uns. Die Mannschaft hat hart gearbeitet, aber wir haben kein Selbstvertrauen. Und du brauchst auch ein bisschen Glück, das hatten wir diesmal nicht.“

Trainer Thorsten Fink, für den in der Woche vor diesem Kick nichts anderes als ein Heimsieg in Frage gekommen war, musste ernüchtert feststellen: „Wir haben zwar eine kämpferisch gute Leistung gezeigt, nach vorne aber nicht die Durchschlagskraft gehabt. Aber wir haben natürlich auch gegen eine Mannschaft gespielt, die hervorragend organisiert war in der Defensive und die auf unseren Fehler gewartet hat.“ Dann befand der Coach auch noch: „Die Mannschaft wollte diesen Sieg unbedingt, aber es hat halt einfach heute nicht gereicht.“

So einfach ist das. Nun setzt für fünf tage wieder das Prinzip Hoffnung ein. Und spätestens am Donnerstag, da kenne ich etliche HSV-Fans mittlerweile ganz genau, ist jeder zweite Hamburger wieder von einem Auswärtssieg in Mainz fest überzeugt. Auch wenn sie vielleicht nur ein an 1:0 glauben – aber Sieg. Woher dieser Optimismus stammt, weiß ich nicht, aber er ist immer wieder da. Nach der größten Klatsche. Und so war das ja wohl nach dem 2:9-Debakel von vor einer Woche. Ab Donnerstag wurde von vielen doch nur vom Sieg über die „nicht ungefährlichen Freiburger“ referiert. Ich kann es nicht mehr hören. 1:1 gegen Greuther Fürth. 0:1 gegen den FC Augsburg, 0:1 gegen Freiburg – und die Träumer sterben nicht aus.

Zurzeit sitze ich in der Redaktion und gucke mir nebenbei Nürnberg gegen Mainz an. Die 05-Truppe wartet ja am Sonnabend auf den HSV. Und wenn ich mir dieses Spiel ansehe, und es mit dem Gekicke vom Sonnabend aus dem Volkspark vergleiche, dann muss ich sagen: Das ist Fußball, was ich jetzt sehe. Da wird – von keiner Mannschaft – 78-mal zum Torwart zurückgespielt, da gibt es kein langweiliges Quergeschiebe, keinen hilflosen Fünf-Meter-Pass, um dem Kollegen die Verantwortung für den Ball (und den Aufbau) in die Schuhe zu schieben – da gibt es eines: Ball nach vorne und versuchen, ein Ding zu machen. Das sieht auf jeden Fall nach Fußball aus. Und nach keiner neuen Sportart.

Übrigens, das sei schnell eingefügt: Nürnberg gewann 2:1 und zog am HSV vorbei – nur noch Tabelleplatz zehn für Hamburg.

Zurück zum HSV-Spiel. Thorsten Fink hat nach der 0:1-Pleite auch gesagt: „Man muss die Mannschaft jetzt aufbauen. Ich glaube nicht, dass man sie zusammenfalten sollte, denn sie hat heute alles gegeben – aber wir hatten heute nicht die Mittel, um den Sieg einzufahren. Klar sind wir deswegen alle enttäuscht, aber die Mannschaft hat gekämpft und gefightet. Ich denke, dass wir heute besser waren, dass wir aggressiv waren, dass wir in die Zweikämpfe gegangen sind, dass wir eng genug am Mann waren und dass wir nicht versucht haben, schön zu spielen, sondern einfach nach vorne.“

Letzteres mag vielleicht stimmen, aber wie langsam und umständlich geht das denn bitteschön über die Bühne – dieses „einfach nach vorne“. Da schläft man ja in schöner Regelmäßigkeit bei ein. Immer und immer wieder. Das ist doch längst das größte Manko des HSV, daran krankt es doch hauptsächlich. Das ist doch nur noch Schlafwagen-Fußball. Und in Sachen Rückpässe ist der HSV doch schon vor Wochen, viel, viel eher als die Bayern, Deutscher Rückpass-Meister geworden.

Und ich denke, dass das auch nichts (oder nicht viel) mit dem 2:9 von München zu tun hat, diese sensationelle Aufbau-„Geschwindigkeit“ steckt in dieser HSV-Mannschaft einfach mal drin. Es ist zum „Aus-der-Haut-fahren“. Wobei Rafael van der Vaart sagte: Wir waren verunsichert von letzter Woche. Aber wir haben gekämpft, alle haben gekämpft. Aber wir haben nicht gut genug gespielt, um zu gewinnen. Hoffentlich wird es nächste Woche besser.“
Ja, die Hoffnung. Wenn die nicht wäre. Woran würden sich denn sonst noch alle klammern? Woran? Van der Vaart hat natürlich auch den Unmut der Zuschauer mitbekommen, hat die Pfiffe nicht überhört. Der Niederländer dazu: „Die Fans sind natürlich unzufrieden, das ist doch logisch. Aber wir sind keine Champions-League-Mannschaft – das wissen unsere Fans auch.“
Hoffentlich. Hoffentlich bald auch alle und jeder. Rafael van der Vaart über die Gesamt-Situation: „Jeder ist im Moment unzufrieden, das ist klar, aber am Anfang der Saison waren wir ein Abstiegskandidat, und jetzt stehen wir in der Mitte.“ Und: „Natürlich fehlt der Mannschaft noch etwas.“

Oder auch etwas mehr.

Der HSV steckt meiner Meinung nach schon mittendrin – in einer Krise. Davon allerdings wollen die unmittelbar Beteiligten nichts wissen. Fink sagt: „Wir haben eine schlechte Phase, aber ich habe schon immer den Finger gehoben und gesagt, dass wir nicht abheben sollen.

Bei „Liga total“ sagte Dennis Aogo: „Ich mag das Wort Krise nicht wirklich, aber wir sind auf jeden Fall in keiner einfachen Phase. Kurz vor Schluss ist das natürlich bitter, denn jetzt muss man auf einmal Sachen besprechen, die wir eigentlich schon dachten, überwunden zu haben.“
Aogo zu Ambitionen Richtung Europa League: „Nach den letzten drei Spielen ist man dumm, wenn man dieses Wort noch in den Mund nimmt!“

So ist es.

Auf „Sky“ sagte Experte (und Rekord-Nationalspieler) Lothar Matthäus über die verpasste HSV-Wiedergutmachung nach dem Debakel in München. „Das Einzige, was besser war, war dass die Niederlage nicht so hoch ausfiel. Das war ein Katastrophenspiel vom HSV. Die Körpersprache fehlt, sie sind gar nicht anwesend. Diese Mannschaft lebt zurzeit nicht. Man muss es klar ansprechen, was falsch gemacht worden ist in den letzten Wochen. Und dann muss eine Reaktion kommen.“ „Sky“-Experte Jan-Aage Fjörtoft über die Hamburger Vorstellung: „Das ist der FC Gleichgültigkeit. Alle traben nur herum.“

Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Und zu „Loddar“: Vor einer Woche, als ich bei „Sky 90“ den guten „Charakter der Mannschaft“, den Thorsten Fink hervorgehoben hatte, anzweifelte, auch befand, dass der HSV bis auf Dortmund und Stuttgart in diesem Jahr meistens nur schlecht gespielt hat, das sagte der „ewige Loddar“ doch: „Das sehe ich anders als der Kollege aus Hamburg, denn der HSV hat ja schon elf Spiele gewonnen, da müssen doch einige sehr gute Spiele dabei gewesen sein.“ Waren es ja auch, nur das war 2012, lieber „Loddar“, das war 2012. Jetzt schreiben wir 2013, und der HSV stürzt ab. Wobei ich mich tatsächlich frage, was wohl in dieser HSV-Mannschaft vorgeht. „Rafa“ van der Vaart hat es ja gesagt: „Wir waren zu Saisonbeginn ein Abstiegskandidat.“ Stimmt. Aber dann entwickelte sich der HSV nach oben, gewann – elf Spiele – und der Anhang träumte von Europa. Genau eine solche positive Entwicklung hätte die Mannschaft doch beflügeln müssen. Motto: „Keiner hat vorher an uns geglaubt, aber jetzt wollen wir auch mehr, jetzt zeigen wir es allen. Auch das, was tatsächlich in uns steckt.“
Aber denkste Puppe.

Noch ein Wort zu Trainer Thorsten Fink. Weil ja viel spekuliert wird. Von wegen Entlassung, Beurlaubung, Trennung. Für Sportchef Frank Arnesen ist das „kein Thema“. Und Club-Chef Carl-Edgar Jarchow sagte zu diesen Gerüchten: „Wir sind mit der Arbeit des Trainers zufrieden und würden gerne mit ihm weitermachen.“ Und Thorsten Fink selbst? Er sagt auf die Frage, ob es nun eine Trainer-Diskussion geben wird: „Nein.“

Immer noch sage ich: „Das ist auch gut so.“ Denn eines hat mir mein Freund Joachim heute auch gesagt: „Du schreibst immer davon, dass der HSV um Kontinuität bemüht ist. Auch und vor allem in Sachen Trainer. Aber Kontinuität wäre es doch auch, wenn Fink gehen müsste. In zehn Jahren 13 Trainer, in elf Jahren 14 Trainer, in zwölf Jahren 15 Trainer, in 13 Jahren 16 Trainer . . . das ist doch auch Kontinuität, oder?“ Stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen.

So, zum Ende noch ein anderes Thema. Das Hamburger Abendblatt hatte in der vergangenen Woche ein Trainings-Protokoll des HSV veröffentlicht. Dazu gab es einen Haufen von Zuschriften, zwei möchte ich davon stellvertretend veröffentlichen.

Moin Matze,

ich bin ein recht regelmäßiger Deines Blogs und schätze dieArt und Weise wie Ihr berichtet sehr. Für Fans des HSV, die nicht an jedem Spiel (von Trainings brauchen wir gar nicht erst reden) live teilnehmen können, ist es sehr interessant, so einen Eindruck in die Stimmung beim HSV zu erhalten.
In diesem Zusammenhang meine Frage. Was mich regelmäßig schockiert ist die Einfallslosigkeit, mit der bei uns die Spieleröffnung geschieht. Wir kreieren viel zu wenig zwingende Chancen und viele Abläufe wirken nicht eingeübt. Wenn ich mir jetzt das diese Interview von Thomas Tuchel anschaue und mit dem vergleiche, was Du über das Training des HSV schreibst, dann wird mir Angst und Bange…
Also – ist das Training tatsächlich so statisch und repetitiv wie ich den Eindruck habe oder täuscht das?

Viele Grüße, Andreas

Die Nummer zwei schrieb an das Abendblatt:

Liebe Abendblatt Redaktion

„Betreff Trainingsplan HSV“

Seit Montag verfolge ich mit Verwunderung und Schmunzeln den Trainingsplan unserer HSV Profi-Mannschaft. 1 ? Std Mannschaftstraining vormittags für Vollprofis, einfach nicht zu glauben!!!? Da trainieren Freizeitmannschaften mehr. Wahrscheinlich erklären die einträglichen Werbe- und PR-Auftritte? Diese zeitlich limitierte , ja lächerliche, Trainingseinheit.

Tipp: HA sollte über die Effizienz der Trainingseinheiten detailliert recherchieren um ggf. Missverständnissen und Häme vorzubeugen.
Mit freundlichen Grüßen, Roland Sch.

Ich möchte dazu sagen: Nicht ich habe dieses Trainings-Protokoll geschrieben, sondern zwei Kollegen. Und auch ich, das muss ich gestehen, habe mich in der vergangenen Woche gewundert, dass relativ wenig (an Zeit!) trainiert worden ist. Marcell Jansen sagte dazu: „Mag sein, dass es an Zeit wenig war, aber es war auf jeden Fall sehr intensiv.“ Ich möchte aber jene Fans warnen, die nur diese Trainingszeiten der vergangenen Woche beurteilen. Wir alle wissen nicht, was im Stadion trainiert wird, im Kraftraum oder in den Katakomben. Deswegen können wir stets nur das beurteilen, was wir draußen auf dem Platz sehen (können). Es ist also Vorsicht geboten, sich über das Pensum lächerlich zu machen.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.31 Uhr

“. . . wir wollen Herz und Leidenschaft”

3. April 2013

Immer wieder dieses 2:9. Noch immer. Aber auch immer wieder die Fragen: „Kommt Holger Badstuber zum HSV?“ Oder: „Kommt nun auch Claudio Pizarro zum HSV?“ Und meine Antworten sind immer gleich: „Natürlich.“ Auf die Frage, ob der Vertrag mit Trainer Thorsten Fink, der ja noch bis 2014 Vertrag hat, tatsächlich vorzeitig verlängert wird, sage ich selbstverständlich auch: „Natürlich.“ Und ich sage auch jedem: „Der HSV holt natürlich auch Bastian Reinhardt als Abwehrbollwerk zurück, und natürlich wird für das Mittelfeld noch gerade rechtzeitig vor dem Saisonende Sergej Barbarez reaktiviert, und neuer Flügelflitzer rechts wird natürlich Mehdi Mahdavikia, der im Iran gerade seine Karriere beenden will. Es ist wirklich alles im Fluss. Nur Messi und Ronaldo kommen noch nicht, weil deren Ausleihgebühren doch noch ein wenig zu hoch sind. Aber immerhin, ausgeschlossen ist auch da nichts, es wird verhandelt, da gibt es noch Hoffnung.“ Im Prinzip ist wirklich alles bestens, und während der Frühling hierzulande erst noch kommen wird, ist beim HSV das Feld bereits bestens bestellt. Die 51. Bundesliga-Spielzeit kann kommen, ab sofort kann diese Saison schon abgehakt und vergessen werden.

Aber, und das ist höchst bedauerlich, zu Ende ist ja noch nichts. Und jetzt kommt erst einmal der SC Freiburg. Der kleine SC Freiburg. Ein namenloser Außenseiter. Der steht im Moment zwar auf Rang sieben, also vor dem HSV, aber der HSV hat ja gelernt. Und bevor jetzt nach jeder Pleite ein Haufen Grillwürste angekarrt wird, wird dann doch lieber mal gewonnen. Besser ist besser.

Nein, nein, und nochmals nein. Mir steht es nach wie vor noch bis Unterkante Oberlippe. Nichts hat sich an meinem Zustand gebessert. Ich bin satt, wenn ich nur an Bratwürste denke . . . Und wenn ich beim HSV-Training bin, werde ich dieses 2:9-Gefühl, diese 2:9-Ohnmacht, diesen 2:9-Wahnsinn einfach nicht los.
Wann das wohl mal vorbei ist?

Heute haben Rot gegen Grün und Blau gegen Rot und Grün gegen Blau gespielt. Im Training. Und Grün hat das Turnier gewonnen. Was euch sicherlich nicht viel helfen wird, denn wer war Grün, wer war Rot und wer war Blau? Blau, ich höre es jetzt schon, waren sie am Sonnabend wohl alle . . . Was natürlich nicht stimmt. Aber heute spielten für „Blau“ Jungs wie Nafiu, Aogo, Rajkovic, Kacar, Rincon, Diekmeier und Lam. Für „Grün“ spielten van der Vaart, Arslan, Jansen, Jiracek, Westermann und Son; und bei Rot standen Beister, Rudnevs, Skjelbred, Norgaard, Sala, Badelj und Bruma unter Vertrag. Im letzten Spielchen ging es zwischen Blau und Grün um den Turniersieg, eigentlich wäre um 11.15 Uhr Trainingsende gewesen, aber da stand es noch 0:0. Das nächste Tor musste entscheiden, und das schoss van der Vaart (gegen Sven Neuhaus), indem er den Ball um 11.21 Uhr den Ball mächtig unter die Latte drosch. Jubel brach danach aber bei „Grün“ nicht aus. Einziger Gratulant des Torschützen war Heung Min Son, der seine Faust gegen die Faust von Rafael van der Vaart presste.

Woraus vielleicht schon zu entnehmen ist, dass die Stimmung immer noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Entgegen anders lautender Meldungen, wonach die Spieler schon wieder scherzen und lachen sollen, war davon heute (ich glaube, auch gestern) nichts zu sehen. Es herrscht im Volkspark nach wie vor eher eine angespannte, vielleicht auch irgendwie explosive Atmosphäre vor – der Lage und den Umständen angemessen.

Auch heute waren wieder viele Zaungäste und Kiebitze beim Training, viel mehr als gestern. Es scheint so, als wenn die „harten HSV-Fans“ schnell und schneller verzeihen könnten. Es hat nämlich auch heute keiner (laut) geflucht oder seinem Ärger per Meckerei oder Pöbelei Luft gemacht. Im Gegenteil, den Spielern wurden die besten Wünsche für das Freiburg-Spiel mit auf den Gang in die Kabine zugerufen, und es wurden wieder fleißig Autogramme gesammelt. Dafür scheint jetzt tatsächlich die beste Zeit gekommen zu sein – denn welcher HSV-Profi würde es jetzt schon wagen, sich zu verweigern?

Übrigens: Mindestens eine Unmutsäußerung gab es heute dann doch noch. Es hing ein Plakat am Zaun, genau dort, wo die Spieler trainierten. Es war also unübersehbar. Und darauf stand zu lesen: „Wir pfeifen auf Wurst und Bier, wir wollen Herz und Leidenschaft dafür.“

Passend zu diesem Thema gab es heute in der Agentur einen Beitrag:

. . . Auch die HSV-Fans erwarten im Heimspiel gegen Freiburg am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) eine Trotzreaktion ihrer Mannschaft. „Die Leute brauchen ein Zeichen und wollen von Anfang an sehen, dass sich die Mannschaft zerreißt“, sagte Supporters-Chef Christian Bieberstein der Morgenpost und drohte gleichzeitig mit Konsequenzen: „Wenn das nicht der Fall ist, könnte es ungemütlich werden.“ Nach nur vier Punkten aus den letzten fünf Spielen sind die Norddeutschen zurzeit Neunter, liegen jedoch nur einen Punkt hinter Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Auch die Champions League ist angesichts von vier Punkten Rückstand noch in Reichweite.

Zur Aufstellung für Sonnabend zeichnen sich immer mehr einige Umstellungen ab. Nach dem heutigen Training würde ich auf folgende HSV-Mannschaft tippen, die es im Volkspark gegen den SC Freiburg richten soll:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Rincon, Arslan; Skjelbred, Jiracek; van der Vaart; Rudnevs.
Also ohne Bruma, Aogo, Badelj und Son.
Könnte so sein, könnte so werden – muss aber nicht.

Zum Thema Heimspiel erreichte mich übrigens eine interessante Statistik, die ich niemandem vorenthalten möchte:

Hallo Herr Matz,

anbei mal etwas Statistik vom HSV (Heimspiele der letzten 10 Jahre). Die erschütternde Bilanz der letzten 50 Heimspiele (ab 04. April 2010): 18 Siege – 14 Remis – 18 Niederlagen; 57:58 Tore.

Nun wundert sich hoffentlich niemand mehr, warum zuletzt immer mehr Plätze im Stadion frei geblieben sind . . . Es sind eben nicht nur die jüngsten Enttäuschungen (Frankfurt, Fürth, Augsburg), sondern das zieht sich seit Jahren wie ein roter Faden durch . . .

Viele Grüße, Andreas K.

Bei der Gelegenheit, ich habe es schon so oft geschrieben: Bitte schickt mir keine Mails in oder auf die Gewinnspiel-Adresse. Die meisten, 90 Prozent, denke ich, verkümmern dort. Ich lese in dieser Gewinnspiel-Adresse so gut wie nie, sie ist Sache der Internet-Abteilung. Wenn ihr also Mails an mich habt, dann über das Hamburger Abendblatt (es wird weitergeleitet an mich) oder über Matz ab und die Moderatoren.
Bitte beherzigt das, sonst heißt es – was natürlich falsch wäre – dass ich keine an mich gerichtete Post bearbeite.

Dann zu unserem „Matz-ab“-Treffen, das bekanntlich am 19. April stattfinden soll. Dazu erreichten mich einige Mails, eine davon möchte ich euch zeigen:

Hallo Dieter,

ich würde als Matz-ab-Leser gern mal zu einem Treffen kommen und habe mir das für den 19. 04. vorgenommen.
Da der Ort nicht klar ist und du nach einem suchst, schlage ich ein Restaurant vor, das neben den „normalen“ Räumlichkeiten über drei unterschiedlich große Räume/Häuser für Feiern aller Art verfügt.
Gemeint ist . . .

Mit freundlichen Grüßen, Detlef

Vielen Dank für diesen Vorschlag – und die vielen anderen, die mich ebenfalls erreichten. Da uns die Raute nur ein Pauschal-Angebot machen würde und wollte, haben wir haben uns anderweitig umgesehen – und inzwischen ein Lokal gefunden, in dem wir uns treffen wollen – und werden. Es ist das HSV-Restaurant „1887“ auf der HSV-Sportanlage Ochsenzoll (in der Ulzburger Straße in Norderstedt). Dort werden wir „Matz-abber“ uns am 19. April von 19 Uhr an treffen. Dazu möchte ich schon einmal ein besonderes Dankeschön an unsere „Eva/Hope“ senden, die wieder einmal als großartige Organisatorin aufgetreten und eingesprungen ist. Dankeschön! Wir treffen uns an diesem 19. April um 19 Uhr, und es wurde mit dem „1887“-Chef vereinbart, dass Speisen und Getränke, die an diesem Abend bestellt werden, gleich nach Erhalt bezahlt werden. Weil es, die „harten“ „Matz-abber“ wissen es, in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen ist, dass einige Fans glatt vergessen hatte, zu bezahlen . . .

Für Auswärtige gibt es auf der von der HSV-Anlage gegenüberliegenden Seite zwei Hotels: Hotel Cafe Kampe und Hotel Maromme.

PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.03 Uhr

PSPS: Gerade kommt noch diese Meldung über den Ticker:

Ailton vor Weggang bei Hassia Bingen

Bingen (dpa/lrs) – Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Ailton wird den Sechstligisten Hassia Bingen womöglich schon nach einer Saison wieder verlassen. Nach einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz gab der abstiegsbedrohte Verbandsliga-Club am Mittwoch bekannt, dass er seine Option auf eine Weiterverpflichtung des 39 Jahre alten Brasilianers nicht ziehen werde. Die Begründung: Einer der drei Geldgeber habe sich noch nicht entschieden, ob er auch in der kommenden Saison in ein Engagement von Ailton investieren wolle.
Ein Verbleib des früheren Torjägers von Werder Bremen und Schalke 04 ist damit aber noch nicht vom Tisch. Zum einen sucht Hassia Bingen nun nach einem neuen Sponsor für seinen Star. Und zum anderen sagte Ailton selbst: „Mit der sportlichen Entwicklung bin ich nicht zufrieden – ich hätte lieber um den Aufstieg als gegen den Abstieg gespielt. Aber meine Familie fühlt sich sehr wohl und ich werde meine Entscheidung, ob ich bleibe oder gehe, mit meiner Frau besprechen.“

Wer es gemerkt hat: Vom HSV wurde in diesem Bericht gar nichts geschrieben. Ob sich da vielleicht doch noch eine kleine Sensation anbahnt?

Knock down – aber der Kampf geht weiter

2. April 2013

Das nächste Spiel ist immer das schwerste.

Nach diesem Motto lebt und arbeitet der HSV in diesen, zugegeben, schweren Tagen. Ihr habt es bestimmt selbst (als HSV-Fans) erlebt, man kommt an diesem vermaledeiten 2:9 ja nicht vorbei. Immer wieder wird man – oft auch von den nettesten Mitmenschen – auf dieses Debakel angesprochen. Ätzend. Jeder kann mir glauben: ich habe keine Lust mehr, über dieses üble 2:9 zu reden und zu schreiben. Aber kann man das denn jetzt schon, nach so kurzer Zeit, einfach so mir nichts dir nichts abhaken? Ich glaube nicht. Aber irgendwie muss es ja doch so, und nur so, funktionieren. Sonst könnte der HSV ja den Spielbetrieb einstellen. Sonnabend aber, da wartet schon der nächste Gegner, und der ist nicht nur der schwerste, sondern vielleicht auch der unangenehmste, den sich der HSV in dieser beklemmenden Situation vorstellen kannst. Der SC Freiburg ist ja höchst unangenehm, wenn ich allen schon mal an den Trainer denke – der sehr, sehr gut und auch hart und teilweise unerbittlich ist. Christian Streich lässt seine Mannschaft nicht nur 90 Minuten rennen, er überwacht es auch eisern. Und wenn da einer nicht mitmacht, dann nimmt er ihn raus. So einfach ist das.

Darüber habe ich heute – in der Arena – auch ein wenig referiert. Vor einigen Kollegen. Denn nach wie vor verstehe ich nicht, dass sich Thorsten Fink darüber beklagt hat, dass seine Spieler auch nach dem hohen Rückstand immer noch nach vorne gerannt sind. Gerade so, als ging es um nichts. Dazu sage ich (kleiner B-Lizenz-Trainer, der einst vier Jugend- und fünf Herren-Team trainiert hat), dass ich wie folgt gehandelt hätte: Zur Pause, als es 0:5 in München hieß, hätte ich drei Spieler ausgewechselt. Um mal ein Zeichen zu setzen. Und jedem, dem ich eine Defensivrolle übertragen habe, hätte ich verboten, nach der Pause noch über die Mittellinie zu gehen. Ich hätte jedem gesagt: „Gehst du noch einmal über die Mittellinie, bist du draußen. Es ist mir egal, ob wir dann ab sofort nur noch mit zehn Mann spielen würden . . .“

Dass das ein durchaus ernstes Thema ist, das kann ich sogar belegen. HSV-Fans werden sich wohl alle an Branko Zebec erinnern, der legte damals allergrößten Wert auf die Defensive. Und er hat seinen Spielern mitunter recht drastisch auferlegt, nicht über die Mittellinie zu gehen. Peter Nogly, der ehemalige Nationalspieler und HSV-Kapitän, weiß davon ein Lied zu singen. Er schoss einst ein Tor für den HSV – und wurde von Zebec dafür an- und ausgemeckert. Weil er ersten in des Gegners Hälfte war, zweiten aus 25 Metern geschossen (und getroffen) hatte. Nogly erinnert sich: „Wir sollten nicht aus 25 oder 30 Metern schießen, weil der Trainer uns immer wieder gesagt hat: ‚Das sind Ballverluste, die wir uns nicht erlauben wollen.’ Deswegen war er auch mit meinem Tor nicht einverstanden – der Schuss hätte auch zum Ballverlust führen können . . .“ Peter Nogly über die Einstellung seines damaligen Trainers Zebec, der ja eisenhart und noch viel härter war: „Er hat zu mir immer gesagt: ‚Du bist mein bester Mann, wenn wir zu null spielen.’ Für den Trainer war wichtig, dass die Null hinten stand, denn dann konnte man auf jeden Fall schon mal nicht verlieren.“

Peter Nogly über die heutige HSV-Mannschaft (und das 2:9): „Der HSV muss sein ganzes Abwehrverhalten überdenken, das stimmt doch schon lange nicht mehr. Wobei allein das Wort Abwehrverhalten bei diesem HSV nicht passt. Es gibt keines. Das hat man doch auch schon in Hannover, beim 1:5, gesehen. Da hätten auch leicht mehr Tore gegen den HSV fallen können. Spätestens nach diesem 1:5 hätte man sich beim HSV mal Gedanken über die Abwehr machen sollen – und müssen. Wenn das Zweikampfverhalten nicht auf ein eins gegen eins, sondern auf ein eins gegen drei ausgelegt ist, dann stimmt doch etwas nicht.“

In der Tat. Und übrigens: Nach dem 1:5 wurde beim HSV davon (öffentlich, und zwar im NDR-Sportclub live) gesprochen, die Zügel anzuziehen, eine direktere Ansprache zu bevorzugen, den trainingsfreien Tag zu streichen. Nach diesem 2:9 wurde davon nicht gesprochen. Heute wurde zweimal trainiert. Wie immer. Morgens von 10 Uhr bis 11.15 Uhr. Nachmittags von 15 bis 16 Uhr. Bei der zweiten Schicht wurde auch ein Spiel A gegen B gemacht, da spielten Marcell Jansen (ist ja klar) hinten links, da spielte Michael Mancienne für Jeffrey Bruma, und da spielte Tolgay Arslan für Milan Badelj in der A-Mannschaft. Das sind wohl die Änderungen, die gegen Freiburg den Erfolg bringen sollen.

Ansonsten hätte ich mir, das gebe ich zu, dazu werde ich auch immer stehen, schon gewünscht, dass der (gesamte) HSV eine etwas, nur etwas härtere Gangart im Umgang mit der Mannschaft an den Tag legen würde. Dass vielleicht auch mal das Trainingspensum angezogen worden wäre. Als ich das aber wagte zu äußern, hieß es nur: „Das wäre doch nur ein Show-Training für die Fans, die darauf warten, gewesen.“ Nun ja. Als ich mir erlaubte, darauf hinzuweisen, dass es einem Felix Magath total egal gewesen wäre, was die Fans draußen erwarten oder denken, bekam ich eine herbe Abfuhr von einer Kollegin (!): „Du willst doch jetzt wohl nicht mit Felix Magath kommen, oder? Die Zeiten sind doch zum Glück vorbei. Heute wird anders trainiert, nicht mit Medizinbällen und Runden laufen . . .“

Stimmt, liebe Kollegin, stimmt.

Heute wird vor allem wissenschaftlich trainiert. Das unterscheidet die junge Trainer-Generation wohl von einem Felix Magath. Obwohl ich grundsätzlich mal festhalten möchte, dass ich nicht dafür bin, Thorsten Fink von seinem Amt zu entbinden. Ich habe es gesagt, ich habe es hier auch schon geschrieben: Fink hat den HSV von Platz 18 wieder nach oben geführt. Und er hat dafür gesorgt, dass es in dieser Saison keine Abstiegsgefahr gegeben hat. Schon vergessen? Und er hat mit seinem Team endlich einmal das gemacht, was viele, viele namhafte Vorgänger von ihm nicht gemacht haben, nämlich mit einem Einzeltraining dafür zu sorgen, dass sich Spieler verbessern. Paradebeispiel dafür ist Artjoms Rudnevs, der dadurch wirklich stetig besser geworden ist. Zu Beginn seiner Hamburger Zeit wurde der Lette oft milde belächelt, heute genießt er den Respekt eines jeden HSVers. Weil Fink mit Rudnevs arbeiten ließ – in Sonderschichten.

Das alles ist sicherlich gut. Dass er, Thorsten Fink, trotz allem nicht alles richtig macht, ist auch klar. Aber wer macht das schon? Kein HSV-Trainer in der Vergangenheit war ohne Fehler. Keiner. Also darf Fink auch Fehler drauf haben. Und die hat er. So war es in meinen Augen fahrlässig, in München mit den Bayern mitspielen zu wollen. Und das nicht spätestens zur Pause revidiert zu haben. Und wenn er es hat revidieren wollen, und es hat nicht funktioniert, weil die Spieler gespielt haben was sie wollten, dann muss er sich jetzt jede Menge Gedanken machen. Und jene Herren rausnehmen, die nicht das gespielt haben, was der Trainer wollte.

Das wäre mit Sicherheit auch leicht, nur beim HSV eben nicht. Weil es an Alternativen zu jenen Versagern fehlt, die dem HSV München 2013 eingebrockt haben. Es gibt weder fähige Ersatzmänner, noch gibt es, das sollte eventuell mal ein ernstes Thema für den HSV werden (okay, okay, ist es schon lange, nur passiert nichts!), einen Unterbau in der Regionalliga, wo Spieler zum Einsatz kommen, die den Bundesliga-Profis mal Feuer unter dem Hintern machen könnten. Null. Da gibt es null! Und das allein ist schon ein Dilemma. Seit Jahrzehnten. Egal, wer sich daran versucht. Aber das ist jetzt nicht das Thema – nur ein kleines Randthema.

Kurz noch einmal auf den Namen Felix Magath zurück. Ich weiß, dass er auch hier immer wieder ein Thema ist. Er war es heute auch am Rande des Trainings. Nur kann ich sagen, dass Magath überhaupt kein Thema ist – beim HSV. An Magath wird nicht im Entferntesten gedacht. Es geht weiter mit Thorsten Fink, weiter mit Sportchef Frank Arnesen, weiter mit allen, weiter wie immer. Und immer auch in der Hoffnung, dass sich etwas – auf Dauer – bessert. Dass sich schon einiges verbessert hat, das kann niemand leugnen, nun muss daran gearbeitet werden, dass es auch mal von Dauer sein wird. Und diesbezüglich spielt bei diesem HSV (und seiner Führung) das Wort Kontinuität eben die allergrößte Rolle. Und das sollten wir schon mal positiv begleiten – meine ich. Ernsthaft. Denn in zehn Jahren 13 Trainer verschlissen zu haben, ohne dass sich Gravierendes (und zum Vorteil des HSV) verändert hat, das müsste doch jedem zu denken geben. Jedem. Es kann doch, bei einer solchen Bilanz, nicht an den Trainern gelegen haben. Das sollte sich jeder einmal vor Augen führen. Es muss in diesem Fall und bei diesem „Patienten HSV“ noch viele, viele Versager mehr gegeben haben. Viele.

Aber zurück zur heutigen Situation. „Manchmal heißt es ja, dass man die Spieler für diese Katastrophe bestrafen müsste, dass sie nun zehn Kilometer laufen müssten, sie müssten das und das machen – aber das glaube ich nicht. Für mich gibt es ein anderes Thema. Es geht darum, wo können wir besser werden, wie können wir besser werden. Darüber haben wir gesprochen, auch mit den Spielern. Das Thema ist, was wir besser machen können“, sagt HSV-Sportchef Frank Arnesen zu Lage der Bundesliga-Mannschaft. Der Däne weiter: „Wir müssen wieder auf Kurs kommen. Das sind Menschen, das sind Fußballer, und niemand soll mir erzählen, dass ein Fußballer nicht immer 100 Prozent geben will. Das gibt es nicht. Aber manchmal kann ein Fußballer das nicht, das passiert schon mal.“

Arnesen weiß, dass dieses 2:9 nicht aus den Geschichtsbüchern zu löschen sein wird, dass dieses grausame Ergebnis alle über Jahrzehnte begleiten wird. Der Sportchef aber denkt anders: „Es geht jetzt weiter, nun kommt Freiburg, danach geht es gegen Mainz, dann gegen Düsseldorf. Da müssen wir Gas geben, wir müssen nun noch sieben Wochen Gas geben. Und damit müssen wir am Sonnabend beginnen.“

Natürlich. Aber solche Aussagen gibt es immer wieder. Die gab es nach dem 1:5 gegen Hannover, nach dem blamablen 1:1 gegen Fürth, auch nach dem erschreckenden 0:1 gegen Augsburg. Flotte Sprüche, aber kaum etwas dahinter.

Arnesen und Fink haben heute eineinhalb Stunden unter vier Augen gesprochen. „Das war gut, das war ein konstruktives Gespräch“, sagt der Däne. Über die Themen, die besprochen wurden, verrät er – natürlich – nichts. Er sagt nur: „Thorsten und ich sprechen immer, jeden Dienstag, auch dann, wenn wir gewinnen.“ Alles wie immer also. Obwohl Arnesen auch sagt: „Wir sehen das wie einen Boxkampf. Es ist die fünfte Runde, wir hatten einen Knock down, aber der Kampf geht weiter. Wir haben noch sieben Runden, und da können wir noch gewinnen.“

Frank Arnesen bleibt positiv: „So schlecht, wie es das 2:9 besagt, sind wir nicht. Ich glaube an diese Mannschaft, ich glaube auch an diesen Trainerstab. Wir waren doch vor ein paar Wochen ganz zufrieden mit dieser Mannschaft, und das bin ich heute auch. Noch immer. Trotz dieser Katastrophe. Wir müssen aus diesem Spiel lernen, und wir wollen es sehen, dass die Spieler gelernt haben, dass sie lernen wollen – das werden die nächsten Wochen zeigen.“ Arnesen weiter: „Ich finde nicht, dass diese Spieler nun geschlachtet werden müssen, denn sie haben auch in Dortmund 4:1 gewonnen. Die Spieler können sich nun noch zeigen, und die nächsten Wochen werden uns allen zeigen, wie sich das entwickelt. Eines ist klar: Ich bin mit niemandem, der Sonnabend dabei war, zufrieden, ich bin auch mit mir nicht zufrieden, ganz klar – aber wir haben am Sonnabend auch nur drei Punkte verloren, mehr nicht.“

Naja, und den einen Punkt im Torverhältnis.

Immerhin, in den vielen Gesprächen, die seit Sonnabend geführt wurden, erfuhren die Verantwortlichen einiges darüber, wie die Mannschaft eigentlich tickt. Frank Arnesen: „Die Spieler haben geredet, und das war gut. Weil wir wissen müssen, was in ihren Köpfen vorgeht. Und wie sie darüber denken, was verbessert werden muss, wie wir besser spielen können. Das ist wichtig, das war wichtig, das hat uns geholfen, das war positiv. Und wichtig ist jetzt auch, dass wir diese Worte der Spieler gut analysieren, damit wir uns verbessern.“

So, in der Hoffnung, dass es so ist – nämlich das Verbessern – komme ich nun zum Ende. Es gibt noch eine kleine Personalie: Jaroslav Drobny erlitt bei einem Zusammenprall mit Jeffrey Bruma eine Platzwunde am Hinterkopf, der Torwart musste in die Kabine gefahren werden – es soll allerdings nichts Gravierendes sein.

Morgen wird um 10 Uhr trainiert, nachmittags wird dann individuell trainiert – einige Spieler werden laufen, einige gehen in den Kraftraum, andere wieder trainieren etwas anderes.

19.14 Uhr

“Ein denkwürdig schlechtes Spiel”

31. März 2013

Das wird noch andauern. Über diese Klatsche, über diesen Skandal von München, über diese Frechheit, die sich der HSV bei den Bayern erlaubt hat, wird noch tagelang, nein, wochenlang gesprochen und geschrieben werden. Es ist für mich nach wie vor unfassbar, auch deshalb, weil ich niemals geglaubt habe, dass ein HSV jemals noch einmal neun Dinger einfängt. Das habe ich für völlig ausgeschlossen gehalten. Aber wenn man 90 Minuten lang nicht einmal ernsthaft zur Sache geht, wenn es nicht eine einzige Gelbe Karte für einen der Verlierer gibt, dann muss sich niemand wundern. Niemand.

Sie haben sich ja nicht einmal gewehrt . . .

Und dann war da auch die Harakiri-Taktik, die Thorsten Fink ausgegeben hatte, wohl etwas frivol und leicht verfehlt. Der HSV sollte mitspielen. Das war schon mutig gedacht. Zumal dann, wenn man in den letzten Wochen ein 1:1 gegen den Tabellenletzten Fürth „erkämpft“ hat, und wenn man dazu eine 0:1-Heimniederlage gegen den Drittletzten Augsburg „eingefahren“ hat. All diese erschütternden Auftritte, einschließlich des Horror-1:5 in Hannover, wurden offenbar vergessen, auf jeden Fall aber verdrängt. Plötzlich war der HSV so mutig, mit diesen Über-Bayern, die in dieser Saison nur einmal verloren haben, die in diesem Jahr alles gewonnen haben, mitspielen zu wollen. Herrschaftszeiten, wieso? Gegen diese blitzschnellen Tempo-Spieler aus München wurde versucht, über 70 Meter zu verteidigen. Anstatt die Räume in der eigenen Hälfte eng zu machen. Damit sich gegenseitig schneller geholfen werden kann.
Hinterher ist man zwar immer schlauer, aber nach dieser eben geschilderten Hannover-Fürth-Augsburg-Vorgeschichte hätte der HSV auf keinen Fall so in München auftreten sollen, wie er letztlich aufgetreten ist. Das waren drei bis zehn Schüsse in den Ofen. Auch wenn es von den Verantwortlichen heißen mag: „Erstens können wir nicht mauern, zweitens haben wir so in Dortmund und auch in Stuttgart gewonnen . . .“ Mag ja sein, aber Bayern sind die Bayern, die Münchner sind zurzeit (und schon länger) eine der besten Mannschaften der Welt. Die knappsen sich nicht mal eben ein 1:1 gegen Fürth ab, die verlieren auch nicht daheim 0:1 gegen Augsburg. Aber wenn’s dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis . . .

Nein, was sich da, an diesem historischen 30. März 2013, in München abgespielt hat, geht in die Vereins- und in die Bundesliga-Geschichte ein. Das hat die Welt noch nicht gesehen – so schlecht, so dramatisch schlecht. Das war eine einzige Trümmer-Truppe, die sich da in die Geschichtsbücher gequält hat. Zur Erinnerung:

Adler; Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo; Rincon, Badelj; Skjelbred, Son; van der Vaart; Rudnevs.

Diese Herren sind ab nun nicht mehr aus den Köpfen der (Hamburger) Fußball-Fans zu verdrängen, sie werden Jahrzehnte noch mit diesem Makel leben müssen. Wobei ich mich auch frage, wen es denn überhaupt juckt?

Kapitän Heiko Westermann sagte nach dem Spiel in alle Kameras und Mikrofone (hier in „Liga total“): „Ich schäme mich für mich selber, für die Mannschaft, dass ich heute das HSV-Trikot getragen und eine solche Leistung abgeliefert zu haben. So leichtfertig, ohne jeden Grund Tore verschenkt zu haben, ohne den nötigen Biss. Wir haben kein einziges Foul an der Mittellinie gemacht, um den Gegner zu bremsen, bevor er in Fahrt kommt. Das ist für mich unverständlich. Klar wird es dann schwer, wenn die Bayern erst einmal 5:0 führen, aber das ist trotz allem für mich unerklärlich. Da werden in dieser Woche noch klare Worte fallen müssen. So geht es nicht, so kann es nicht gehen.“

Land auf, Land ab ist der HSV das Oster-Thema Nummer eins. Die Mannschaft hat den Traditions-Club zum Gespött der Leute gemacht. Der Image-Verlust wird immens sein, nicht nur in Deutschland wird dieses 2:9 zu sehen sein, sondern in der ganzen Welt. Da hatte sich dieser HSV gerade ein wenig berappelt, war auf jeden Fall schon mal wieder auf einem ganz guten Weg – und dann dieses Dilemma. Wahnsinn!

Beim Doppelpass auf „Sport 1“ sagte der ehemalige HSV-Torwart Uli Stein heute am Vormittag: „Es gibt in diesem HSV keinen Führungsspieler, trotz eines Rafael van der Vaarts, eines Heiko Westermanns, der ja auch Kapitän ist. Die Mannschaft ergibt sich widerstandslos, es ist kein Leben in der Truppe. Das ist ja nicht das erste Mal, es war ja auch schon beim 1:5 in Hannover desolat. Nur damals hat 96 irgendwann – und zum Glück für den HSV – das Toreschießen eingestellt, während die Bayern am Sonnabend munter weiter machten.“

Uli Stein nahm dabei aber den Torwart-Kollegen Rene Adler in Schutz: „Bei allen neun Gegentoren hat er keine Chance. Am Torwart hat es ganz sicher nicht gelegen, Adler hat noch drei, vier Sachen gehalten, sonst wäre es zweistellig geworden.“

Uli Stein sagte weiter: „Was mir auffällt: Es regte sich nach den Toren keiner auf, da schimpft keiner, da meckert keiner. Wenn es schlecht läuft, dann bricht alles auseinander, dann hat jeder mit sich selbst zu tun.“

Allgemein befand der frühere Weltklasse-Keeper über den Zustand des HSV:
„Gestern hat jegliche Laufbereitschaft gefehlt. Das ist schon schockierend, vor allem weil es ja auch noch um das internationale Geschäft geht. Man kann gegen die Bayern natürlich verlieren, aber nicht in dieser Form. Das tut mir als Hamburger weh.“

Ebenfalls im „Doppelpass“ sagte „Sport 1“-Experte Thomas Strunz (der für mich die Nummer eins des Senders ist – tatsächlich! Strunz hat Ahnung): „Keine Struktur in dieser HSV-Mannschaft erkennbar, kein Kern, der sich dann zeigt, wenn es schlecht läuft.“

Zur Rückkehr in den Volkspark hatten sich trotz oder gerade wegen des Debakels einige Fans eingefunden. Nur wenige gaben aufgebrachte Kommentare ab, die meisten wirkten eher betroffen. Neun Gegentore, die sorgen überall für Fassungslosigkeit.

Auch bei den Spielern, die in ihren Taxen wie die begossenen Pudel wirkten – und so vorgefahren wurden. Sie wissen alle, was sie da geleistet haben – beziehungsweise, was nicht. „Keiner von uns hat gut und viel geschlafen. Mir fehlen heute noch die Worte. Eine solche Niederlage kann man auch nicht schönreden, das ist klar, wir wissen alle, dass wir Mist gebaut haben“, sprach HSV-Torwart Rene Adler. Er war der einzige Hamburger in Normalform. Und sagte weiter: „Ein 2:9 ist nicht alltäglich, deswegen kann man auch nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergehen. Das werden wir auch nicht machen. Dennoch muss ich sagen, dass ich diese Niederlage auch einen Tag danach noch nicht erklären kann, dafür fehlen mir die Worte.“

Diese 2:9-Blamage kam einer (sportlichen) Hinrichtung gleich. Das weiß die gesamte Mannschaft, die auch um Wiedergutmachung bemüht ist. Am 21. April, einen Tag nach dem Heimspiel gegen Düsseldorf (wenn das Wetter besser ist – und auch das HSV-Spiel. Hoffentlich), wird die Mannschaft mit den Fans grillen – und auch diskutieren. Über die 2:9-Schlappe und über die gesamte Saison. Das ist ein Versöhnungsangebot. Ein erstes. Sportlich müssen bis zu diesem Datum noch weitere folgen.

„Wir müssen uns bei jedem entschuldigen, keine Frage, vor allem bei jenen Fans, die mit uns nach München gereist sind. Das war ein Auftritt, der eines HSV nicht würdig war. Jeder einzelne von uns muss mit sich hart ins Gericht gehen. Und dann müssen wir am Sonnabend gegen Freiburg eine Top-Leistung abrufen“, sagt Rene Adler, der noch nie in seinem Leben neun Gegentore gefangen hat. „Spätestens zur Halbzeit war klar, dass wir hier nichts mehr holen können, und dann hätte sich jeder von uns am Stolz gepackt fühlen müssen und dagegen angehen müssen, sich hier nicht abschlachten zu lassen“, sagt Adler, „wir hätten es nicht so ausufern lassen dürfen.“

Die Frage wird jetzt auch sein, wie die Spieler eine solche Klatsche verarbeiten? Und ob sich die Mannschaft endlich einmal zusammenraufen wird, um auch als Team und echte Einheit auftreten? Wie heißt es so schön? Hinfallen kann man, aber man darf nicht liegen bleiben, sondern muss sofort wieder aufstehen. Und Zähne zeigen.

Rene Adler zur Lage: „Dieses 2:9 war wieder ein Schritt in die falsche Richtung, das war schon ein denkwürdig schlechtes Spiel von uns. Diese Niederlage, das gebe ich zu, tut brutal weh, ich werde da noch Jahren dran denken. Aber da müssen wir nun gemeinsam raus, wir haben es uns ja auch gemeinsam eingebrockt. Wieder aufstehen, schon beim nächsten Spiel – das sind wir allen Leuten, die Fans und auch der Stadt, schuldig.“

Ein absolutes Sch…-Wochenende. Ostern ist versaut. Auch ich habe natürlich sau-schlecht geschlafen, das gebe ich zu, habe eher nur lange im dunklen Zimmer gelegen – und gegrübelt. Auch über einen merkwürdigen Umstand: Am Sonnabend Frühstück im Hause. Frau M., die immer, absolut immer optimistisch ist, was den HSV anbelangt, hatte morgens zu mir gesagt: „Ich habe ein ganz mulmiges Gefühl. Das wird kein schönes Spiel in München.“ Dann hielt sie inne, sagte nach einigen Sekunden Pause weiter: „Das wird ein ‚Lieber-mal-sechs-Gegentore-als-sechs-Mal-0:1-Spiel.’ Das könnte Thorsten Fink danach sagen – ich halte es nicht für ausgeschlossen.“ Die Seherin. Frau M. wird mir unheimlich. Früher keine Ahnung vom Fußball, und heute weiß sie fast alles . . . Aber nun müsste es heißen: „Lieber mal neun Dinger kassieren, als neun Mal 0:1.“ Unfassbar.

Unfassbar war auch die Flut von Mails und Anrufen, die ich seit gestern um 20.30 Uhr bekommen habe. Und dazu eine ganze sms-Batterie. Sogar der große „Manni“ Breuckmann fragte nach, was da in Hamburg und beim HSV los ist. Alle machen sich, wie bereits geschrieben, um diesen HSV ihre Gedanken.

Zwei Mails, die mich erreichten, möchte ich gerne noch veröffentlichen. Wie gesagt, von vielen, vielen anderen.

Die erste Mail:

Lieber Matz,

Ich gehöre zu den Fans die mit in München waren! Wenn die Mannschaft sich bei den mitgereisten Fans entschuldigen möchten, dann sollen sie aus der Mannschaftskasse die Eintrittspreise der Fans erstatten! Aber dafür sind die Millionäre wohl zu geizig!!! Wir Fans sind doch selber Schuld dass wir an die Mannschaft geglaubt haben…!

Gruß Björn Sch.

Wäre ja mal was. Obwohl, es soll ja auch am 21. April etwas kommen . . . Und vorher auch schon mehr.

Und in Sachen Rekorde und Einmaligkeit erreichte mir eine Mail meines Kollegen Hans Vinke, der mir aus dem Emsland schrieb:

Lieber Dieter.

Ich möchte gar nichts zu diesem grausigen Auftritt sagen, das machen ja Deine User ausgiebig. Nur eine kleine Korrektur, denn mehrere Blog-Teilnehmer (zum Beispiel SW 11 heute um 9:50 Uhr) sprechen von der höchsten Niederlage der Vereinsgeschichte. Derartiges ist aber schlicht falsch: Die höchste Niederlage gab es am 21. 2. 1954 mit 2:10 bei Arminia Hannover. Es ist zudem die einzige zweistellige Niederlage des HSV in einem Pflichtspiel.

Was allerdings auch kein Tost sein wird. Weder für mich noch für jeden anderen HSV-Anhänger. Jetzt, spätestens jetzt, muss etwas von der Mannschaft kommen – sie allein ist nun in der Bringschuld.

Aber trotz allem: macht noch etwas aus Ostern! Viel Spaß.

PS: Ostermontag haben die Spieler frei. Dafür wurde heute trainiert, am Sonntag, der eigentlich frei sein sollte.

18.11 Uhr

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