Archiv für das Tag 'Bruma'

Nun aber – die Saisonbilanz, Teil eins

9. Juni 2013

Es tut sich was. Leider nur bei anderen Clubs. Beim HSV ruht, erwartungsgemäß, noch ganz still er See. Neuerwerbungen? Pustekuchen. Und Verkäufe? Fehlanzeige! Fast jedenfalls. Nur in Sachen Marcus Berg tut sich wohl etwas. Der Schwede soll, das berichtete der Kicker, nach übereinstimmenden schwedischen und griechischen Medienberichten bereits mit dem griechischen Klub Panathinaikos Athen einig sein. Der 26 Jahre alte Stürmer wird angeblich am Montag in der griechischen Hauptstadt zum Medizincheck erwartet und soll danach einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Na bitte. Das klingt doch gut.

Ansonsten aber ist ja auch noch so viel Zeit. Zudem kommt der HSV ja – zumindest in den letzten Jahren – immer sehr schwer aus den Puschen. Erst einmal verkaufen, damit Geld reinkommt. Und das mit dem Verkauf ist ja auch so eine Sache. Wer will schon Spieler, die der HSV aussortieren möchte, kaufen? Und das noch möglichst zu einem Spitzenpreis. Das hat Frank Arnesen nun ein Jahr lang nicht hinbekommen, und der neue Sportchef Oliver Kreuzer nimmt seine Arbeit ja auch erst am Dienstag auf. Ob er dann mit den von Trainer Fink aussortierten Robert Tesche und Gojko Kacar beginnen wird? Oder steht dann doch eher Heung Min Son ganz oben auf der Prioritätenliste? Bei Son hapert es ja schon lange. Während der Saison, in der sein Verbleiben (?) so oft in Aussicht gestellt worden ist, und jetzt zu Beginn der Sommerpause wieder. Eigentlich sollte mit Leverkusen doch schon alles klar sein – aber das scheitert wohl bislang an dem bevorstehenden Verkauf von Leverkusens Nationalstürmer Andre Schürrle zum FC Chelsea. Wenn dieser Transfer perfekt ist, dann wird wohl auch Son als Bayer-Neuzugang offiziell begrüßt werden können.

Also üben wir uns in Geduld. Mehr bleibt auch nicht. Per Ciljan Skjelbred hat es uns ja vorgemacht, dass man einen langen Atem braucht. Vier Jahre hat er nicht in der norwegischen Nationalmannschaft gespielt, nun feierte er sein Comeback. Ein kurzes, aber immerhin. Gegen (und in) Albanien wurde der HSV-Mittelfeldspieler in der 84. Minute eingewechselt, dann erzielte Norwegen (drei Minuten später) das Tor zum 1:1-Endstand. Immerhin nicht verloren. Wie auch Tomas Rincon, der mit Venezuela ebenfalls ein 1:1 schaffte, und zwar im Auswärtsspiel in Bolivien. Tschechien erreichte mit Petr Jiracek (und Jaroslav Drobny auf der Bank) im Team einen Achtungserfolg, denn es gab gegen Italien ein 0:0. Dagegen blamierte sich Kroatien mit den HSV-Profis Milan Badelj und Ivo Ilicevic mit einem 0:1 daheim gegen Schottland. Lettland traf es noch härter, denn es gab im Heimspiel gegen Bosnien-Herzegowina eine 0:5-Klatsche – die HSV-Torschützenkönig Artjoms Rudnevs von der Bank aus betrachten durfte.

Ich habe von all diesen WM-Qualifikationsspielen, das gebe ich zu, herzlich wenig gesehen, obwohl ich sonst alles sehe, was nach Fußball aussieht. Aber diesmal war ich viel auf Achse. Am Sonnabend traf ich bei einer Party eine „schöne Fee“, die mir ins Ohr flüsterte: „Hasan Salihamidzic ist ohne Verein und wäre ablösefrei zu bekommen. Er ist zwar mittlerweile 36 Jahre alt, aber er ist noch topfit. Und der HSV hat ja wenig Geld für neue teure Spieler – falls er den Brazzo nach Einsätzen bezahlen würde, wäre es doch einen Versuch wert. Oder?“ Naja. Ich bin kein Salihamidzic-Fan, muss ich zugeben. Und zuletzt in Wolfsburg hat er ja auch kaum noch gespielt- obwohl dafür nicht sein Alter ausschlaggebend gewesen sein soll. Wenn ich an den „Brazzo“ denke, er hat ja von 1996 bis 1998 für den HSV gespielt, dann habe ich immer Uli Hoeneß in den Ohren. Weil der FC Bayern ja dann der neue Arbeitgeber von Salihamidzic geworden war. Hoeneß sagte mir einmal: „Der Brazzo ist ein Phänomen für mich, so einen hatten wir hier noch nie. Der arbeitet jeden Tag wie ein Besessener, der gibt immer alles – und eines ist ganz besonders wichtig: er will sich jeden Tag verbessern.“ Was er in München ja auch wohl geschafft hat. Aber ich denke trotz allem, dass seine Zeit mit 36 wohl doch eher vorbei ist. Selbst für den klammen HSV. Oder hat da jemand eine andere Meinung?

Vielleicht ja auch erst dann, wenn man Hasan, den „Altmeister“, mit jenen Spielern vergleicht, die der HSV in der vergangenen Saison in der Abwehr hatte. Ich möchte heute, weil es doch einige „Matz-abber“ so gewünscht haben, mit der bislang ausgebliebenen Saison-Benotung der HSV-Spieler – und zum Schluss auch der Offiziellen – beginnen. Zuerst mit der Abwehr.

Rene Adler erhält von mir die Note eins – aber ich arbeite ja auch nicht bei einem Fachblatt. Der Nationaltorwart hat eine überragende Saison gespielt, in der er sich nur einen „Aussetzer“ erlaubte, nämlich den beim 1:5 in Hannover. Ansonsten hat Adler den HSV, davon waren und sind immer noch viele HSV-Altmeister restlos überzeugt, viele Punkte gerettet. Allein in der Hinrunde sollen es, so wurde mir oft genug vorgerechnet, acht bis zehn Punkte gewesen sein. Natürlich hat Adler 52 (von insgesamt 53) Gegentore geschluckt, und das ist schon eine gewaltige Zahl, aber ohne Adler hätte der HSV wahrscheinlich 75 oder mehr Treffer kassiert. Ich glaube, dass noch nie ein HSV-Torwart so viele „Unhaltbare“ gehalten hat, wie Adler – ihm ganz nahe kam, so denke ich, wohl Frank Rost. Note eins.

Jaroslav Drobny ersetzte Adler zweimal, und zwar beim 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach (16. Februar) und beim 1:1 gegen Wolfsburg (5. Mai.). Beide Male zeigte er, dass er nichts von seinem großen Können verlernt hat. Immerhin ist er ja auch noch in der Nationalmannschaft der Tschechen noch der Ersatzkeeper. Was Drobny ansonsten auszeichnet? Er ist ein absoluter Teamplayer und sorgt praktisch Tag für Tag für gute Stimmung. Allein deswegen musste er gehalten werden – und wurde er ja auch. Note drei.

Sven Neuhaus ist Torwart Nummer drei, kam aber nur zu Einsätzen in der Regionalliga-Mannschaft. Da war der Routinier aber in der schwierigen Phase, als der Abstieg drohte, eine Bank. Neuhaus wurde gelobt und gefeiert, weil er großartig hielt. Im Training zeigt er zudem eine hervorragende Einstellung, auch er ordnet sich ausgezeichnet ein und sorgt so für ein gutes Klima beim HSV. Auch seine Vertragsverlängerung ist nur zu begrüßen. Note drei.

Dennis Diekmeier hat in dieser Saison einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Schon in der Hinrunde zeigte er sich stabiler als in den Spielzeiten davor, in der Rückrunde, speziell gegen Ende der Saison, wurden seine Leistungen dann noch einmal deutlich besser. Auch wenn, das muss erwähnt werden, er noch Luft nach oben hat. Er kann sich besonders in der Defensivarbeit noch verbessern, da sollte er noch aggressiver, durchsetzungsfähiger und härter werden. Note drei.

Jeffrey Bruma brachte es in dieser Saison auf 18 Einsätze, wobei er acht Mal eingewechselt wurde. Der Niederländer gehört deswegen zu meinen ganz großen Enttäuschungen der Spielzeit 2012/13, weil er eigentlich die besten Voraussetzung hat, ein erstklassiger Abwehrspieler zu sein – aber das Phlegma . . . Ich habe höchst selten einmal bei ihm erkannt, dass er sich mit dem HSV zu 100 Prozent identifiziert. Deswegen ist sein Abschied aus Hamburg nur eine logische Konsequenz aus dieser Saison. Note fünf.

Heiko Westermann erhält meine Bestnote der Feldspieler. Weil er ein vorbildlicher Profi ist, der sich von der ersten bis zur letzten Sekunde für seine Mannschaft und seinen Club nicht nur einsetzt, sondern alles gibt. Das schreibt sich so leicht: alles gibt. Westermann aber hängt sich stets voll rein, er gibt nie auf, er versucht es auch in noch so aussichtlosen Situationen – hervorragend. Genau deswegen verzeihe ich ihm auch den einen oder anderen Fehlpass oder Stockfehler. Mit zehn Westermännern im Feld hätte der HSV in diesem Jahr ganz sicher international gespielt. Note eins.

Michael Mancienne begann großartig, war eine Stütze und gefiel im Zusammenspiel mit Westermann. Dann verletzte sich der Engländer und musste deshalb lange pausieren – und kam nicht mehr in jenen Schwung, den er noch in der Hinserie hatte. Mich haben seine unzähligen Quer- und Rückpässe genervt (und oft auf die Palme gebracht!), und ich kritisiere auch jetzt sein körperloses Spiel. Das ist zu wenig für einen Innenverteidiger in der Bundesliga. Note fünf.

Slobodan Rajkovic hatte sich über Monate selbst ins Abseits manövriert, feierte dann aber doch noch – etwas unerwartet – sein Comeback. Das sah mitunter nicht schlecht aus, gelegentlich sogar auch ganz gut – insgesamt aber ist auch das zu wenig gewesen. Dem Serben fehlt die Beweglichkeit, er hat eine zu lange Übersetzung. Er wird, so glaube ich, bei einem anderen verein versuchen müssen, seine Leistungen zu steigern, ich denke, dass er beim HSV keine Zukunft mehr haben wird. Note vier.

Marcell Jansen ist einer der Aufsteiger dieser 50. Bundesliga-Saison. Viele hatten den Nationalspieler schon lange aus der Nationalmannschaft verabschiedet, und plötzlich feierte der ehemalige Mönchengladbacher auch im DFB-Trikot ein Comeback. Hinten links. Vor allem dort hatte ich ihn schon verabschiedet – so geht es gelegentlich im Fußball. Jansen hat eine (fast) verletzungsfreie Saison gespielt, das allein ist schon ein bemerkenswerter Punkt in seiner Karriere, zudem hat er kämpfen gelernt. So oft, wie er in dieser Spielzeit grätschend am Boden lag, hat er es wohl noch nie geschafft. Ich ziehe vor dieser Steigerung meinen Hut und hoffe darauf, dass er nicht nur so weiter machen wird, sondern auch noch zulegen kann, Die nächste WM kommt bestimmt . . . Note zwei.

Zhi Gin Lam brachte es auf vier Einsätze hinten links, einmal schaffte er dabei volle 90 Minuten. Mit Sicherheit ist Lam ein Fußballer, der technisch einiges drauf hat, dennoch gehe ich immer noch nicht mit Trainer Thorsten Fink konform, dass dieser Zhi Gin Lam hinten links eine Zukunft hat. Da fehlt körperlich doch noch zu viel – auch wenn der Bayern-Kollege Lahm es Jahr für Jahr beweist, dass auch ein vergleichsweise kleiner Abwehrspieler seine (teilweise überragenden) Leistungen bringen kann. Da aber gibt es, wie gesagt, körperlich doch noch einigen Nachholbedarf. Note vier.

So, das war die Abwehr. Und irgendwie finde ich, das habe ich beim Schreiben dieser Zeilen für mich entdeckt, dass es durchaus noch Spaß bringt, sich noch einmal in dieser Form mit der abgelaufenen Saison zu beschäftigen. Ich war jedenfalls wieder mittendrin. Genau so, als stünde morgen schon das nächste Bundesliga-Spiel für den HSV auf dem Programm.

19.07 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »