Archiv für das Tag 'Bruma'

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

Son geht, Son bleibt, Son geht – oder bleibt er jetzt doch?

14. Mai 2013

Er hatte es eilig. Immerhin musste er noch den Flieger nach London erreichen, der ihn zum Spiel Wigans bei Arsenal London befördern sollte. Paul Scharner tritt heute Abend für Wigan an – und Fink will zusammen mit Sportchef Frank Arnesen vor Ort überprüfen, inwieweit der Österreicher für den HSV in der kommenden Saison wichtig ist. „Ich muss Paul auch mal live sehen, und heute ergibt sich die Gelegenheit“, sagt Fink. Ob er sich auch andere Spieler ansieht oder sonstige Termine hat? „Keine Termine“, so Fink, „ich fliege tatsächlich nur wegen Paul hin.“ Okay, aber sollte noch jemand auffallen – Stift und Zettel haben Arnesen und Fink dabei, wie der Trainer versichert…

Der hatte zuvor auf einige Stammspieler im Training verzichten müssen. Dennis Aogo kuriert noch die Reste seiner Sprunggelenksverletzung aus, Petr Jiracek hat in Hoffenheim einen Schlag aufs Knie bekommen und Rafael van der Vaart leichte Wadenprobleme. „Alle drei wollen aber schon am Mittwoch wieder mittrainieren“, so Fink, der bei seiner Mannschaft ob des Saisonendspurts „einen gewissen Substanzverlust“ erkannt hat. Allerdings liege der noch im Erträglichen – und die Aussicht auf das Finale am Sonnabend im eigenen Stadion sei Schmerzmittel genug für alle Wunden. „Es ist deutlich, dass hier alle richtig heiß darauf sind, am Sonnabend das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Mannschaft die Überraschung erzwingt.“ Und sollte dies nicht gelingen, weil Frankfurt parallel punktet: „Dann ziehe ich den Hut vor der Eintracht“, so Fink, „dann haben sie es verdient.“

Stimmt. Egal wer am Ende auf welchem Platz steht, er hat es verdient. Wobei ich mir ebenso wie Fink sicher bin, dass sich Ex-HSVer Ivica Olic mit dem VfL Wolfsburg in der Partie bei Eintracht Frankfurt nicht hängenlassen wird, nachdem sie nunmehr neun Spiele in Folge nicht verloren haben und noch die Chance auf einen einstelligen Tabellenplatz haben. Zudem liegt der psychologische Druck bei den Hessen. „Frankfurt hat den Vorteil, nur einen Punkt zu brauchen und ein Heimspiel zu haben. Aber auf der anderen Seite haben wir den psychologischen Vorteil, nur gewinnen zu können, während Frankfurt eine ganze Menge zu verlieren hat.“

Stimmt. Aber ob’s was nützt?

Egal wie, der HSV muss zuerst einmal gegen Bayer Leverkusen gewinnen. Und die Werkself ist nicht nur tabellarisch nach Bayern und Dortmund der drittschwerste Gegner, den man haben kann. „Taktisch, technisch und physisch ist Bayer top“, lobt auch HSV-Trainer Fink. Zurecht. Denn die Leverkusener sind spielstark, können hervorragend kontern und sind bei Standards gefährlich. Es fehlt an nicht vielem. Außer vielleicht an der Motivation im letzten Saisonspiel, da es für Bayer um nichts mehr geht. Der dritte Rang ist gesichert – weder nach oben noch nach unten geht etwas. „Ich glaube nicht, dass die sich hängenlassen“, sagt Fink, der ein heißes Spiel erwartet: „Alle, ob Spieler, Trainer oder Zuschauer, können sich auf ein geiles Finale freuen.“

Wobei so kurz vor Saisonende auch schon die ersten Andeutungen von Analysen durchsickern. Heute bei Fink. „Wir hatten 48 Punkte mehr oder weniger als Ziel ausgegeben und die jetzt erreicht. Die haben wir auch nicht von irgendwelchen Elfen geschenkt bekommen sondern uns erarbeitet. Wir dürfen uns ganz sicher nicht belügen, da gibt es einiges, was wir verbessern müssen. Aber wie wir nach den großen Rückschlägen in München, Hannover oder hier gegen Schalke zurückgekommen sind zeigt, dass der Kern der Mannschaft da ist. Und der will jetzt die 51 Punkte, was top wäre.“ Immerhin sei man in der Vorsaison 15. Gewesen und jetzt achter. Fink: „Das ist eine absolut positive Entwicklung.“

Allerdings eine, die noch deutlich besser hätte ausfallen müssen. Die Ansprüche, die der HSV hat, können nicht jenseits irgendwelcher Europapokalplätze liegen“, bilanzierte auf der 20. Hamburg-Soirée am Montag Günther Netzer die wechselhafte Saison schon vor dem letzten Spieltag. „Man kann nicht zufrieden sein. Die Mannschaft hat kein Vertrauen geschaffen. Man muss sich nur mal vorstellen, welche Punkte der HSV in dieser Saison liegen gelassen hat“, sagt der vielleicht geeignetste Kandidat für einen HSV-Vorstandsposten, der allerdings und leider weiterhin jegliche Mitarbeit bei seinem Ex-Klub ausschließt.

Ausgeschlossen ist zudem ein letztes Mitwirken von Tolgay Arslan, dessen Kreuzbandzerrung noch immer nicht auskuriert ist und die den jungen Mittelfeldmann vor echte Probleme stellen könnte. „Es sieht nicht gut aus bei ihm“, sagt Fink, bezogen auf einen Einsatz Arslans und ergänzt: „Das wird eng für seine EM-Teilnahme.“ Hintergrund: Arslan zählt noch immer zum Kader der U21-Nationalelf, die vom 5. bis 18. Juni in Israel um den EM-Titel kämpft. Bitter für Tolgay, dem ich von hier gute Besserung wünsche und für den ich beide Daumen gedrückt halte. Er hätte sich so einen krönenden Abschluss absolut verdient.

Verdienen ist ein gutes Stichwort. Das will der HSV mit Spielerverkäufen. Unter anderem stand und steht auch ein Verkauf von Heung Min Son noch auf dem Zettel. Und während in den letzten Tagen immer wieder Champions-League-Finalist Borussia Dortmund als Hauptinteressent genannt wurde, scheint sich dieser Wechsel plötzlich zu zerschlagen. Denn trotz des Dementis von Werders Kevin de Bruyne soll der Transfer des Belgiers zum BVB bereits eingetütet sein. Einzig die Einigung zwischen BVB und Chelsea, von denen de Bruyne an die Weser verliehen ist, steht noch aus. Zudem sollen BVB-Boss Watzke samt Trainer Jürgen Klopp und Manager Michael Zorc in Brasilien bezüglich eines offensiven Mittelfeldspielers und in Porto in Sachen Stürmer fündig geworden sein: Jackson Martinez gilt inzwischen als heißester Kandidat für die wahrscheinliche Nachfolge Robert Lewandowskis.

Zudem gilt intern als hochwahrscheinlich, dass Son ein Engagement in England nicht dem HSV vorziehen werde. Im Gegenteil, heute habe ich das erste Mal seit Wochen wieder einen Offiziellen sagen hören, dass er eher mit einem Verbleib Sons rechnet. Nun denn. – eine Fortsetzung der Arie ist sicher. Geplant ist, dass sich Son im Laufe der kommenden Woche erklärt. Aber dazu werde ich Euch im Laufe dieser Woche hoffentlich noch ein wenig mehr berichten können.

Und wo wir gerade beim Thema Angreifer sind: Während ich vor zwei Wochen an eine taktische Aussage Finks glaubte, als er Maxi Beister hoch lobte, hat sich dieser die Komplimente inzwischen wieder ehrlich verdient. Im Training gibt der reumütige Youngster Vollgas und scheint vieles wiedergutmachen zu wollen. Und das sieht gut aus. Deutlich besser sogar als noch vor der überflüssigen Roten Karte. Weiter so, Maxi!

Klar ist, dass am Sonnabend nur Jeffrey Bruma verabschiedet wird. Für die restlichen Verkaufsposten hat sich bislang noch kein Abnehmer gefunden. Kacar scheint sich mit Hannover einig werden zu können und Slobodan Rajkovic soll Interessenten aus Russland haben, dort aber nicht hingehen wollen. Aber ansonsten ist noch alles ruhig. „Der Markt bewegt sich schon“, hatte Frank Arnesen vor 14 Tagen gesagt. Allerdings bewegt sich selbiger bislang am HSV vorbei. Aktuell marschiert auch ein Stürmerkandidat am HSV vorbei: Daniel Ginczek wechselt vom FC St. Pauli voraussichtlich nach Nürnberg. Der HSV, der einen groß gewachsenen Stürmer wie Ginczek (22 Jahre alt, 17 Tore, 191 Zentimeter hoch und 80 Kilogramm schwer) sucht, ist nicht in der Verlosung, worüber sich heute einige aufgeregt haben. Und ehrlich gesagt, zählte auch ich zu denen, die in Ginczek einen richtig Guten erkannt haben wollten. Dennoch bin ich aktuell nicht der Meinung, dass der HSV Ginczek holen muss. Im Gegenteil, der Pauli-Recke ist mir einem Rudnevs zu ähnlich. Und obwohl sich Fink zitieren lässt, Ginczek wäre interessant und würde ins Anforderungsprofil passen, glaube ich, dass der HSV besser beraten wäre, einen langen Stürmer zu nehmen, der über etwas mehr technische Fähigkeiten verfügt. Denn davon gibt’s beim HSV keinen und genau den will Fink. Insofern bin ich diesbezüglich ganz entspannt. Noch hat der HSV ja Zeit.

Nicht vorbei sein wird es mit HSV-Spielen nach der Partie gegen Leverkusen, da die Mannschaft ab kommenden Dienstag für drei Tage (21. Bis 24. Mai) eine Abschlussreise mit Teambuilding-Caharakter nach Neuruppin unternimmt. Die Tour wird durch ein Testspiel gegen Neuruppin abgerundet. Und das alles ja vielleicht doch noch als Europa-League-Teilnehmer.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Rhythmuswechsel für das schier Unmögliche

8. Mai 2013

Was’n Tag! Sommerwetter, und dann noch eine XXL-Trainingseinheit. Sagt der Trainer. Und er hat Recht, denn mit gut 110 Minuten war es eine der längsten Einheiten der Rückrunde. Allerdings auch nur, weil morgen frei ist. Der Vatertag gehört den Spielern und den Trainern. Und diese Maßnahme sorgt für mächtig Verwirrung.

Wie kann man nur zwei Tage vor einem solch wichtigen Spiel frei machen?

Eine Frage, die Thorsten Fink mit einem von ihm gewünschten „Rhythmuswechsel“ beantwortet. Und wer auch immer sich hier jetzt echauffiert und schreit, dass das alles gar nicht mehr wahr sein kann, dem sei gesagt: es kann! Denn auf den letzten Metern der Saison holt und verliert ein Spieler durch einen Tag Pause keine Fitness. Ganz sicher nicht. Einzig der psychologische Faktor ist diskutabel. Und ob der gut ist oder nicht, das entscheidet sich mit dem Ergebnis in Hoffenheim. Ergo: abwarten.

Abzuwarten bleibt auch, wer aufläuft. Heute im Trainingsspiel mischte Fink bunt durcheinander. Wobei Gojko Kacar fehlte. Der Serbe hatte sich am Dienstag das Knie überstreckt und pausierte heute. „Er hatte in der Nacht eine Reaktion und ist vorsorglich zum Arzt“, so Fink. Eine endgültige Diagnose hatte ich bis jetzt noch nicht, liefere diese aber natürlich nach, sobald sie da ist.

Relativ klar scheint, dass Kacar an sich nicht mehr lange da ist. Nachdem Hannover 96 im Winter Interesse bekundet hatte und der Wechsel überraschend platzte, soll es jetzt etwas werden. Dem Vernehmen nach fordert der HSV knapp zwei Millionen Euro Ablösesumme – die Niedersachsen scheinen dennoch interessiert.

Kacar wäre damit der erste einer ganz langen Reihe von Spielern, die den verein verlassen (sollen). Am Dienstag hatte ich im Abendblatt die Liste veröffentlicht, und zu dieser gesellt sich mit immer größer werdender Wahrscheinlichkeit auch Heung Min Son. Der Südkoreaner hatte dem Verein mitgeteilt, bzw. mitteilen lassen, dass er die sportliche Entwicklung abwarten wollte und dass der internationale Wettbewerb eine gewichtige Rolle spielen würde. Und ob das etwas wird oder nicht, wissen alle in zehn Tagen. Bis dahin will sich der Torjäger mit Ladehemmung entschieden haben. Vieles deutet daraufhin, dass sich Ligakonkurrent Borussia Dortmund die Dienste Sons sichern kann. Der BVB hatte bereits vor einigen Monaten bei Son-Berater Thies Bliemeister angefragt und hat jetzt durch das Erreichen der Champions League das nötige Kleingeld in der Tasche. „Es gibt noch nichts Neues“, sagt Bliemeister, der Verhandlungen mit dem BVB aber dementiert. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass da Verhandlungen laufen.“ Und er sollte es wissen. Dennoch deutet der Berater sehr wohl an, dass es sehr bald eine Entscheidung geben dürfte. Und das ist gut so.

Angesichts der aktuellen Finanzlage hoffe ich, dass dem HSV noch ein Millionenangebot ins Haus flattert. NDR 90,3 hatte heute erneut von dem drohenden Rekordminus berichtet. In der Agenturmeldung heißt es:

„Die wirtschaftliche Lage des Hamburger SV ist möglicherweise noch deutlich prekärer als erwartet. Nach Informationen des Radiosenders NDR 90,3 aus Kreisen des Fußball-Clubs steuert der HSV im laufenden Geschäftsjahr auf den Rekordverlust von24 Millionen Euro zu. Bisher war ein Minus von rund 15 Millionen Euro erwartet worden. „Ich weiß nicht, wo das herkommt und werde irgendwelche Zahlen, die in die Welt gesetzt wurden, nicht weiter kommentieren“, sagte Clubchef Carl Edgar Jarchow….
….Allerdings geht auch der Vorstandsvorsitzende schon länger von einem „Minus im zweistelligen Millionenbereich“ aus. Fest steht, dass der HSV nach Defiziten von 4,9 (2010/11) und 6,6 Millionen Euro (2011/12) zum dritten Mal in Serie ein Geschäftsjahr tief in den Miesen beenden wird. Dass der Traditionsclub die Lizenz für die nächste Saison dennoch ohne Auflagen erhalten hat, ist seiner Liquidität zu verdanken. Denn zum Nachweis seiner Zahlungsfähigkeit stehen dem Club allein aus einer im Vorjahr erzielten Fan-Anleihe 17,5 Millionen Euro zur Verfügung.“

Umso wichtiger werden aktuell Spielerverkäufe. Entweder die acht, neun Streichkandidaten werden Geld bringend verkauft – oder die Son-Millionen müssen es richten. Denn dieser HSV braucht noch Verstärkungen. In allen Mannschaftsteilen – die Torwartposition mal ausgenommen. Und dafür wird Geld benötigt, auch wenn Fink sagt: „Es geht auch ohne viel Geld. Wir müssen nur einfach ein gutes Auge haben.“

Aber schon die Streichliste zeigt, dass der HSV damit seine Probleme hat. Wenn ich überlege, dass mit Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Jeffrey Bruma und Jacopo Sala gleich vier Chelsea-Transfers verkauft oder wieder abgegeben werden sollen – Frank Arnesen wird eine Menge zu erklären haben, nachdem der fünfte Mann vom FC Chelsea, Gökhan Töre (allerdings gewinnbringend) bereits verkauft ist. „Wir werden uns zeitnah nach Saisonende hinsetzen und die Saison analysieren“, kündigt Vorstandsboss Carl Jarchow an. Ginge es nach Fink, könnte dieses Treffen schon früher stattfinden. Und sein Kompagnon in Sachen Kaderplanung stimmt zu: „Wir sind ständig im Gespräch und wissen, dass wir immer bereit sein müssen. Der Transfermarkt bewegt sich dieses Mal schon deutlich früher als in den letzten Jahren.“ Verantwortlich dafür war unter anderen der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern – der ja auch unmittelbare Auswirkungen auf den HSV haben könnte. Stichwort: Son…

Dass es heute widersprüchliche Meinungen zum Thema Bojan Krkic gibt, wundert mich nicht. Aber es lässt mich befürchten, dass dem HSV ein altbekanntes Problem bevorsteht: Uneinigkeit. Schon bei der letztjährigen Kaderplanung hatten Fink und Arnesen bei der Spielerauswahl teilweise unvereinbar unterschiedliche Meinungen. Zudem hatten Arnesen und Jarchow unterschiedliche Vorstellung, die Investitionssumme betreffend. Erst die Intervention Kühnes in Sachen Rafael van der Vaart und der misslungene Saisonstart brachen den Damm und der HSV investierte. „Natürlich gibt es auch mal unterschiedliche Ansichten“, sagt Fink, „aber letztlich machen wir das zusammen. Immerhin muss ich mich an dem Erfolg der Mannschaft ja auch messen lassen.“ Ebenso wie Arnesen, dessen Vertrag im Herbst, also nach der Kaderzusammenstellung für die neue Saison, besprochen werden soll.

Momentan deutet vieles daraufhin, dass der mit 1,8 Millionen Euro teuerste Sportchef-Vertrag der HSV-Geschichte nicht verlängert wird. Dem Dänen werden nicht allein eine falsche Spielerauswahl vorgeworfen. Immerhin setzte er sich bei Adler gegen alle Widerstände durch. Arnesen wird auch vorgehalten, im Winter sein Ziel, Spieler zu verkaufen, verpasst zu haben. „Im Sommer hat er die Möglichkeit, seine Kritiker Lügen zu strafen“, sagt ein Aufsichtsrat – allein ihm fehle der Glaube daran.

Der fehlt mir noch nicht. Ich will ihn einfach haben und gehe die Sache aus Prinzip schon optimistisch an. Wie bei der Tipprunde, in der der HSV bei mir seit 2003 nicht einen Punkt abgegeben hat. Ich hoffe einfach, dass Arnesen im Sommer nicht nur viele Spieler absetzen sondern auch qualitativ hochwertige dazugewinnen kann. Für ihn, für die Mannschaft, für den Verein – und vor allem für die Fans. Die dürfen sich übrigens darüber freuen, dass Dennis Aogo seine Kapselbeschwerden ausgestanden hat und ebenso wie Marcell Jansen wieder voll zur Verfügung steht. Lediglich Ivo Ilicevic musste heute passen. „Er hat leichte muskuläre Probleme“, so Fink, der einen Einsatz des Kroaten nicht ausschließen will.

In diesem Sinne, bleibt gesund, genießt den Vatertag und drückt die Daumen, dass das nahezu Unmögliche doch noch möglich wird…

Scholle

P.S.: Großen Respekt habe ich vor Sir Alex Ferguson, der nach 27 Jahren als Trainer von Manchester United zurücktritt. Der 71-Jährige ist mit 13 englischen Meistertiteln, fünf Pokalerfolgen und zwei Champions-League-Titeln der erfolgreichste Fußballtrainer Großbritanniens.

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