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Van der Vaart: “Mir geht es gut.”

6. Januar 2013

Erst einmal muss ich Entschuldigung sagen. Heute gibt es “Matz ab” aus kollegialen Gründen mal etwas später, weil sich die Kollegen aller Hamburger Zeitungen, die sich zurzeit in Abu Dhabi aufhalten, darauf geeinigt haben, die Sätze von Rafael van der Vaart nicht vor 19.30 Uhr zu veröffentlichen. Ich halte mich daran, ich hoffe, dass sich auch alle anderen – wie abgesprochen – daran halten werden.

So, nun beginnt es um 19.30 Uhr:

„Wir haben nicht vor, über glühende Kohlen zu laufen oder auf einem Nagelbett zu schlafen. Wir wollen gut miteinander umgehen. Es hilft total, sich nicht wie ein Arsch zu verhalten. Das sagte der wie immer wortgewaltige Borussen-Trainer Jürgen Klopp auf die Frage, ob im Trainingslager der Dortmunder teambildende Maßnahmen geplant sind.

Keine Angst, auch der HSV wird nicht auf den Spuren von Christoph Daum wandeln. Auch wenn es heute vielleicht hier und dort den Anschein hatte. Von wegen Achterbahn fahren oder mit dem Auto durch die wüste Wüste gurken – wie es zum Beispiel Dennis Diekmeier, Heiko Westermann und auch Sven Neuhaus taten. Wobei es die meisten HSV-Spieler, so hörte ich, dann doch vorzogen, im Hotel zu bleiben und zu relaxen. Oder an den Strand zu gehen. Es wurde Beach-Volleyball gespielt, und mit von der Partie waren da – alle sollen ihren Spaß gehabt haben, auch Trainer Thorsten Fink und Vereins-Boss Carl-Edgar Jarchow. Eine etwas andere Tour genehmigte sich Rafael van der Vaart. Er düste ins 180 Kilometer entfernt Dubai, um dort einen Freund zu treffen. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste was es gibt auf der Welt, ein Freund, ein guter Freund . . . Kennen wir (alten Hasen) ja aus dem Film „Die Drei von der Tankstelle“.

Stichwort van der Vaart. Zu seiner heutigen Tour sagte er unserem Chefreporter Kai Schiller: „Ich will das Leben genießen, weil es am Ende doch nur darum geht.“ Über seine derzeitige Verfassung bekennt er – leicht ironisch: „Mir geht es gut. Sehr gut.“

Vielleicht auch deshalb das „sehr gut“, weil er eines durchzieht: „Ich lese momentan ganz einfach keine Zeitungen.“ Immerhin gibt er aber auch zu: Natürlich bekomme das alles aber trotzdem mit.“ Das alles. Die Trennung von seiner Frau Sylvie. Und dass es ja jetzt so sein soll, dass diese niederländische Ehe ja schon vor der Rückkehr nach Hamburg vor dem Aus gestanden habe. Wenn das so sein sollte, dann Hut ab – was der gesamten Öffentlichkeit bis zum Jahreswechsel noch vorgespielt wurde. An heiler Welt. Aber egal, das soll nicht mein und unser Thema sein. Ich freue mich darauf, dass der „kleine Engel“ (!) in diesem neuen Jahr wieder richtig Gas geben wird – für den HSV.

Und dazu sagt er: „Ich merke, dass das Team für mich da ist, und das freut mich“. Dass er nun n ein tiefes (Leistungs-)Loch fallen könnte, was so viele HSV-Fans in diesen Tagen vermuten, das ist für ihn kein Thema:„Ich bin Druck gewohnt. Als Topspieler muss man damit umgehen.“ Und er stellt klar: „In Hamburg habe ich mehr Druck als bei Real Madrid. Bei Real war ich einer von vielen Stars, in Hamburg gucken alle auf mich.“ Das wird auch an diesem Montag so sein, wenn auch nur bildlich gesagt – denn es wird vom Testspiel HSV gegen Lokomotiv Tashkent keine Übertragung geben. Erstmals nach seiner Oberschenkelverletzung wird „Raffa“ wieder in einem Spiel für den HSV auf dem Rasen stehen, um dann spätestens beim Rückrundenauftakt in zwei Wochen beim Sonntagsspiel in Nürnberg wieder bei 100 Prozent sein.

Was ist für den HSV in dieser Saison noch drin? Rafael van der Vaart sagt: „Am Anfang der Saison wurde noch jeder Sieg wie eine Meisterschaft gefeiert. Jetzt hat das Team eine ganz andere Ausstrahlung. Das Schöne am Fußball ist, dass sich alles schnell ändern kann.“ Auch alles wieder gut wird. Erst jetzt mal für den HSV – und für ihn. Dass er diese Leistung abrufen kann, die er zuletzt gebracht hat (oder noch besser). Er sagt über sein Bestreben: „Ich mache einfach das, was ich gut kann: Auf dem Fußballfeld alles zu geben.“

Klingt gut. Beim Training gibt ihn jeder Einheit ein jeder alles – so sieht es derzeit aus. Und einer strahlt dabei stets besonderen Ehrgeiz aus: der Kapitän. Heiko Westermann will jedes noch so kleine Trainings-Partie gewinnen, egal wie klein der Platz für dieses Spielchen auch gemacht worden ist. Und nach oben ist ohnehin keinem einem Platz eine Grenze gesetzt – und das nutzt der Spielführer immer dann aus, wenn er schimpft, wenn ihm nach meckern ist, wenn er sauer ist. Dann packt er sich den Ball und drischt ihn vor Wut hoch und weit weg. Es ist allerdings nur ein Gerücht, dass man so manche Kugel noch immer suchen muss . . .

Eine kleine Hiobsbotschaft der personellen Art gibt es dann auch noch zu vermelden: Maximilian Beister wird kaum noch an den Testspielen teilnehmen können, seine alte Oberschenkel-Verletzung ist wieder aufgebrochen. Der Angreifer wird wohl erst in Hamburg wieder normal mit der Mannschaft trainieren können – was im Hinblick auf das Nürnberg-Spiel nichts Gutes für ihn verheißt. Denn eine Woche vorher, am 12. Januar wird Thorsten Fink in der Generalprobe sein für die „Clubberer“ angedachtes Team auf den Rasen schicken. Und da kann Beister dann logischerweise nicht dabei sein.

Beim Montag-Spiel gegen Tashkent wird wohl auch die zurzeit denkbar beste HSV-Mannschaft zum Einsatz kommen. Das heißt dann Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam; Badelj; Arslan, Aogo; van der Vaart: Son, Rudnevs.

Wie ein solches Spiel unter den sonnigen Bedingungen in Abu Dhabi abläuft, davon konnte sich das Trainer-Team heute schon einmal überzeugen. Fink und Co sahen Eintracht Frankfurt gegen Al Jazeera. Es stand gerade 3:2 (nach 40 Minuten, und alle drei Treffer für die Hessen hat wer erzielt?
Muss ich das verraten?
Ihr wisst es bestimmt schon selbst. Oder ahnt es bereits. Natürlich. Alex Meier. Unser ehemaliger Hamburger. Ein Phänomen. Ich sprach mit Carl-Edgar Jarchow, der im Stadion neben einem weiteren ehemaligen Hamburger saß, nämlich Frankfurts Boss Heribert Bruchhagen. „Heute würde Meier bestimmt für den HSV spielen, aber ob er bis heute so viele Chancen beim HSV bekommen hätte, wie er sie in Frankfurt erhalten hat, das weiß ich natürlich nicht. Ist aber auch Schnee von gestern“, sagte mir Jarchow.

Der HSV-Chef fühlt sich wohl, ist zufrieden mit dem Trainingslager: „Die Atmosphäre ist gut, die Bedingungen sind top – alles bestens.“ Und wie denkt er über den Nicht-Verkauf von Gojko Kacar? Jarchow: Ein bisschen enttäuscht war ich schon, das gebe ich zu. Weil es ja alles relativ rund aussah, wir waren uns ja mit Hannover 96 einig. Ich halte es auch nach wie vor nicht für schlau, dass der Spieler nicht gewechselt ist, und ich kann das bislang auch nicht so recht verstehen. Kacar hätte bei einem sehr guten Klub gespielt, der sogar noch in der Europa Legaue beschäftigt ist, und er hätte noch ein Jahr länger Vertrag gehabt als mit uns. Nein, ich begreife diesen geplatzten Wechsel wirklich nicht . . .“

Enttäuschend ist ja auch für den HSV, dass nun in Sachen Verkäufen noch etwas getan werden muss. Carl-Edgar Jarchow ist aber optimistisch: „Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass sich in dieser Hinsicht bei uns bis zum 31. Januar noch etwas passieren wird.“

Dann hoffen wir alle mal mit dem Boss mit. Und drücken Frank Arnesen die Daumen.

So, zum Abschluss noch einmal eine ganz andere Sache – von einem anderen Verein:

Wolfsburgs Manager Klaus Allofs hat gelassen auf die Kritik von Bernd Schuster reagiert, der ihm bei den gescheiterten Verhandlungen um den Trainerjob beim VfL Wolfsburg schlechten Stil vorgeworfen hatte. „Ich kann verstehen, dass er enttäuscht ist, denn für ihn wäre Wolfsburg eine große Chance gewesen. Aber für mich ist die Sache klar, es wird auch kein klärendes Gespräch geben“, sagte Allofs im Wolfsburger Trainingslager in Belek.

Schuster, der vor der Verpflichtung von Dieter Hecking lange Zeit als aussichtsreichster Trainerkandidat beim Ex-Meister galt, hatte zuvor mächtig Dampf abgelassen. „Im Nachhinein muss ich sagen, dass dort nicht mit offenen Karten gespielt wurde. Wenn man so nah dran war und einem dann die Tür zugeschlagen wird, ist das schon extrem bitter.“

Konkrete Gründe für die Schuster-Absage nannte Allofs öffentlich nicht, die unerwartet starken Fanproteste gegen eine Schuster-Verpflichtung hätten jedoch keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt, betonte er. Schuster ließ dennoch kein gutes Haar an seinem früheren Nationalmannschaftskollegen Allofs: „Ich habe Allofs geglaubt, dass ich die einzige Option bin.“ Aber auch diese Aussage konterte der Wölfe-Manager. Es sei „blauäugig von ihm anzunehmen, dass er der einzige Kandidat war“.

In Deutschland hat Schuster bislang nie Fuß fassen können. Seine Engagements bei Fortuna Köln und dem 1. FC Köln standen unter keinem guten Stern.

Und genau das dürfte auch der Punkt für Allofs gewesen sein. Ich kann den VfL-Manager nur zu seiner Wahl beglückwünschen, er hat die richtige Entscheidung getroffen. Und wenn ich eines noch sagen darf: Ich würde, wenn ich für einen Bundesliga-Klub zuständig wäre, lieber Lothar Matthäus holen, als Schuster. Letzteren habe ich als Trainer in Köln (sowohl als auch) kennengelernt, das reichte mir. Vielleicht hat Wolfsburg ja aber auch nur abgeschreckt, dass der Klub eventuell auch noch die vier Bodyguards hätte bezahlen sollen, die den für Fans so “zugänglichen” Coach (und Welt-Star) hätten abschirmen müssen. Vielleicht. Ich denke voller Schrecken immer noch an die Begegnung mit Bernd Schuster zurück, die es beim Emirates-Cup 2008 in London gab. Da ließ Schuster die versammelte Welt-Presse (und bitte glaubt es mir, es war tatsächlich so, denn es trat ja der Wetl-Klub Real Madrid dort auf!) mindestens eineinhalb Stunden warten. Und als er dann kam, da gab es nicht die kleinste Entschuldigung für diese Verspätung, Schuster lümmelte sich auf dem Podium herum, als ginge ihn das alles überhaupt nichts an. ließ den Kopf total bocklos nach unten hängen. Er sah dabei dann auch nicht mal jene Leute an, die ihm Fragen stellten, und er wollte erst recht nicht auf jede Frage antworten. Das war für mich so etwas von enttäuschend, dass sich ein deutscher Trainer so im Ausland verhält – immer noch unglaublich und unfassbar für mich. Arsene Wenger dann von Arsenal, der sprach sogar auf Deutsch, wenn er auf Deutsch gefragt wurde . . . So viel zum Thema gutes Benehmen.
Mir klingen dazu auch noch immer die Sätze eines großen deutschen Managers in den Ohren, der mir einst, als Schuster bei Real tätig war, sagte: “Schuster und Real, das passt doch nicht, das kann nicht passen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das lange gut gehen wird. Irgendwann werden es auch die Spanier merken, was hinter diesem Mann steckt . . .” Haben die Spanier dann ja auch. Trotz der Meisterschaft.

Ich wünsche allen Matz-abbern und ihren Lieben einen guten Start in die zweite Januar-Woche 2013.

19.31 Uhr

In Frankfurt warten einige “Hamburger”

10. September 2012

Dreimal hätte Rafael van der Vaart in seinen bisherigen drei Hamburger Jahren die Chance gehabt, mit dem HSV in Frankfurt um Bundesliga-Punkt zu kämpfen, einmal nur hat er es geschafft. Und dieses eine Mal endete mit einer 1:2-Niderlage für den HSV, obwohl der „kleine Engel“ am 15. September 2007 das Hamburger Ehrentor erzielen konnte. Am Sonntag nun kann es van der Vaart besser machen – mit Tor und mit einem ersten Sieg beim Aufsteiger in Frankfurt. Allerdings dürfte das kein Selbstgänger werden, denn die Hessen sind hinter dem FC Bayern München Tabellenzweiter, weil sie ihre beiden Auftaktspiele siegreich gestalten konnten: 2:1 gegen Bayer Leverkusen, 4:0 bei der TSG Hoffenheim. Aber egal, wie es in der Vergangenheit auch lief, auf den Schultern des 29-jährigen Niederländers ruhen zurzeit alle Hamburger Hoffnungen. Welche Zeitung man auch immer aufschlägt, welche Fernsehanstalten dieser Tage auch immer über den HSV berichten – an van der Vaart kommt niemand vorbei. Mal sehen, wie lange dieser Zustand noch andauert. Gibt es die erhofften HSV-Erfolge, dann sicherlich noch sehr, sehr lange. Bleiben diese Erfolge aber aus, so dürfte sich der Alltag auch im Volkspark ganz schnell wieder einstellen.

Wiedersehen macht Freude – am Sonntag werden etliche „Hamburger“ auf der Gegenseite stehen, beim Gastgeber. Das fängt ganz oben bei der Eintracht an, denn der Klub-Boss Heribert Bruchhagen war einst Manager beim HSV, bevor es zur unschönen Trennung kam; der damalige HSV-Chef Ronald Wulff setzte Bruchhagen vor die Tür. Ein Umstand, den der Frankfurter Vorstandsvorsitzende bis heute noch nicht so recht verarbeitet hat. Auf der Trainerbank der Hessen sitzt Armin Veh, der im Sommer 2010 den Job beim HSV angetreten hatte. Am 8. März teilte Veh dem Klub mit, dass er am Saisonende aufhören werde: „Mit der Entwicklung im Verein kann man aus meiner Sicht nicht arbeiten. Es geht hier teilweise nicht mehr um Fußball, was aber mein Job ist. Auch wenn wir sportlich nicht dort stehen, wo wir gerne stehen würden, braucht man dennoch eine Perspektive. Diese ist für mich nicht vorhanden.“

Fünf Tage nach dieser Erklärung verlor der HSV mit gefühlt 0:15 beim und gegen den FC Bayern, aber auch das realistische 0:6 war der HSV-Führung zu hoch – Veh musste seine Koffer packen, sein Nachfolger wurde sein Assistent Michael Oenning. Der ließ, das aber nur am Rande, die Mannschaft danach sofort härter trainieren (was nach Meinung vieler Trainer im März überhaupt nichts mehr nützt), aber so richtig nach vorn gebracht hat den HSV diese Maßnahme auch nicht mehr. Veh heuerte dann bei der Frankfurter Eintracht an und stieg in diesem Sommer mit dem Verein in die Erste Bundesliga auf – am Sonntag gibt es nun das erste sicherlich brisante und pikante Wiedersehen.

In der Mannschaft der Hessen stehen zudem drei weitere „Hamburger“. Zambrano und Oczipka kamen vom FC St. Pauli, Alexander Meier spielte einst (2003 bis 2004) für den HSV, bevor er nach Frankfurt wechselte. Dort ist der heute 29-jährige Mittelfeldspieler nicht nur schon seit Jahren eine große und überragende Stütze, sondern auch ein gefährlicher Torschütze. Fast könnte ich wetten, dass er auch am Sonntag wieder gegen den HSV zulangen wird – er hat es doch eigentlich immer getan. Das hat schon Tradition. Kurios ist: Vier Einsätze hatte Alex Meier nur für den HSV. In der Saison 2003/04. Gegen Hannover 96 (der HSV verlor 0:3) löste er in der 71. Minute den dänischen Verteidiger Lars Jacobsen ab, beim 1:1 des HSV in Bochum kam Meier in der 69. Minute für Bernardo Romeo, und in der Rückrunde war Meier dann auch nur noch zweimal für den HSV am Start: gegen Hannover und gegen Bochum. Kurios, aber wahr. Gegen 96 kam Meier in der 81. Minute für David Jarolim, der HSV verlor 2:3, und beim 1:1 gegen den VfL stand Alex Meier zum einzigen Mal in einem Bundesliga-Spiel für den HSV in der Start-Formation – mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit stand für ihn Naohiro Takahara auf dem Rasen.

Wenn es nicht aufgefallen sein sollte – Meier, der gegen Hoffenheim zweimal traf, blieb mit dem HSV sieglos! Aber mit Frankfurt feierte er danach große Erfolge. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass der HSV nicht mit „jungen Spielern“ kann? Die Geduld fehlte auch in seinem Fall, das ist klar, dass er sich so gut entwickeln würde, das war damals nicht vorhersehbar. Fest steht, dass Meier ein großes Talent war, und dass er heute wohl auch beim und bei diesem HSV einen Stammplatz hätte. Aber von solchen Talenten hat der HSV ja in all seinen Bundesliga-Jahren etliche (und viel zu viele) vom Hof geschickt. Und dabei wohl auch viel, viel Geld dabei eingebüßt . . .

Apropos jung: Der HSV ist seit Monaten ja sehr stolz darauf, dass er eine ganz, ganz junge, vielleicht sogar die jüngste Mannschaft der Liga hat. Gegen Bremen hatte das Werder-Team ein Durchschnitts-Alter von 24,6 Jahren, der HSV hatte 24,9 Jahre vorzuweisen. Ähnlich wird es wohl gegen Frankfurt sein, denn die Eintracht brachte zuletzt auf 25 Jahre, und beim HSV wird bekanntlich der 29-jährige Rafael van der Vaart erstmalig wieder mit dabei sein – und das Durchschnitts-Alter somit leicht erhöhen.

Wenn es denn aber hilfreich ist . . . Die neue HSV-Mannschaft um van der Vaart macht mir doch die Hoffnung, dass es eine Zittersaison wie zuletzt nicht noch einmal geben wird. Adler – Bruma, Westermann, Mancienne, Aogo – Badlj, Jiracek – Beister, van der Vaart, Jansen – Rudnves; das ist doch ein Team, dass auch bei einem Aufsteiger bestehen könnte. Zumal die Frankfurter gewiss auch nicht unverwundbar sind, denn im Pokal haben sie sich ebenso blamiert wie der HSV. Die Eintracht verlor (mit zehn Mann) beim Zweitliga-Vertreter Erzgebirge Aue mit 0:3. Also müsste der HSV doch eigentlich nur so wie Aue spielen . . .

Wobei noch nicht sicher ist, ob der Kroate Milan Badelj überhaupt mit von der Partie wird sein können, denn der Zugang hatte sich ja beim 0:2 in Bremen einen Muskelriss zugezogen. Und von den Nationalspielern könnte sich ja auch noch morgen der eine oder andere Hamburger noch verletzen – was wir nicht hoffen wollen.
Morgen wird im Volkspark übrigens zweimal trainiert, und zwar um 10 und um 16 Uhr. Am Mittwoch wird um 16 Uhr geübt, am Donnerstag und Freitag jeweils um 10 Uhr. Und weil am Mittwoch erst nachmittags trainiert wird, fällt das geplante Frage-und-Antwort-Spiel von „Scholle“ und mir (bei „Matz ab live“) erst einmal aus. Wird aber dann doch bald schon nachgeholt. Das Moderatoren-Team sucht dafür immer noch „Moderatoren“, wer also an einem Mittwoch-Nachmittag Zeit und Lust hat, uns die Fragen zu stellen, der sollte sich bei uns (den Moderatoren) melden.

Zwei Dinge habe ich noch am Rande zu berichten (zu berichtigen?). Am Freitag schrieb ich in meinem Bericht im Hamburger Abendblatt darüber, dass mit der Wahl des zwölfköpfigen Aufsichtsrates im November 1996 „Leben in die Bude beim HSV“ kam. Verrat und Intrigen gab es seit dieser Zeit genügend – und viel zu viel. Nur das war damit gemeint. Ich weiß sehr wohl, dass es seit dieser zeit auch viele (kleinere) sportliche Erfolge gab (Start in der Champions League und in der Europa League), und dass auch in dieser Zeit das Stadion neu gebaut wurde, dass die Liga-Mannschaft von Norderstedt-Ochsenzoll in den Volkspark umzog, und, und, und. Mit „Leben in der Bude“ waren aber nur die Verräter und die Intriganten gemeint – alles klar?

Und dann gab es noch einen ganz kleinen TV-Bericht im Dritten Programm (NDR), in dem es hieß, dass ich gesagt habe, dass es für uns HSV-Reporter früher leichter gewesen ist, an die Spielerfrauen heranzukommen. Heranzukommen? Daraufhin wurde ich geflachst und gefragt, wie oft ich denn an HSV-Spielerfrauen herangekommen bin? So, wie mir diese Frage gestellt wurde, war das natürlich nicht gemeint. Es war nur so, dass Spielerfrauen damals viel, viel länger mit ihren Männern beim HSV (und in Hamburg) waren, und dass man sich deswegen untereinander auch kannte – teilweise sehr gut, dazu war man auch oft „per Du“. Das ist heute (bis auf eine Ausnahme) absolut nicht mehr möglich.

Damals aber, um mal kurz aus dem Nähkästchen zu plaudern, war das Verhältnis Spieler/Journalist auch nicht ganz so distanziert, wie heute. Da gab es auch mal die eine oder andere freundschaftliche Beziehung – alles längst vorbei. Als der junge Dietmar Beiersdorfer einst aus Fürth zum HSV gekommen ist (das war 1986) , brachte er auch seine junge Freundin Anja mit. Und eines Tages bat mich der „Didi“, mal zu seiner Anja zu fahren, die in Ottensen eine Lehrstelle als Modistin angetreten hatte. Beide, der Didi und die Anja, hatten sich verkracht, sie hatte „Schluss gemacht“ mit ihm. Beiersdorfer bat mich, mit ihr zu reden. Weil ich etwas zu früh zur Lehrstelle in Ottensen gekommen war, wartete ich bis zur Mittagspause auf Didis Freundin. Dann redeten wir, und später vertrugen sich der HSV-Profi und seine Anja auch wieder – sie heirateten später sogar (diese Ehe hielt dann aber doch nicht ganz so lange). Aber einen solchen „Schlichtungsversuch“ wird es in diesem Leben nicht mehr geben, weder von mir noch von einem anderen Reporter. Denn solche „engen“ Beziehungen sind im heutigen Profi-Fußball ganz einfach undenkbar.
Schade eigentlich. Zurückzudrehen aber gibt es da nichts mehr, das ist sicher.

18.33 Uhr

Magath oder Sidka – das war hier die Frage

15. Juni 2011

Vielen Dank für die vielen Reaktionen auf den Artikel über Benno Möhlmann. Für „Matz ab“ gibt es keine Sommerpause, da wird von allen Seiten, von allen Ecken und Ende gepowert. Manchmal etwas überraschend für mich, aber so ist es im Fußball nun einmal. Da gibt es neben tollen Toren und Volleyschüssen auch Querschläger, Pressschläge, Fallrückzieher und falsche Einwürfe. Danke für alles.

Den folgenden Artikel habe ich heute aus den Agenturen übernommen. Ich stelle ihn mal ohne Kommentar hier hinein – fast ohne Kommentar: Fand es nur interessant, wie es Kollegen der schreibenden Zunft sehen.

Danach folgt dann noch etwas zu meiner Trainer-Serie:

Hamburg (dapd). Hundertdreizehn! So lautet die Antwort auf die Frage: Wie viele Minuten kamen in der vergangenen Rückrunde HSV-Spieler zum Einsatz, die aus der eigenen Jugend stammen? Diese 113 Minuten verteilen sich auf die drei Kurzeinsätze von Tunay Torun am 27., 30. und 31. Spieltag. Der türkische Stürmer wechselt in diesem Sommer übrigens nach Berlin zu Aufsteiger Hertha BSC. Soviel zum Thema Nachwuchsarbeit beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV.

Während in der abgelaufenen Saison bei fast allen Konkurrenten junge, deutsche Spieler um die 20 für Aufsehen gesorgt haben, sucht man unter den Stammkräften des Erstliga-Dinos seit Jahren vergebens Nachwuchskräfte aus eigenem Anbau. Stattdessen bekamen immer wieder Altstars wie Zé Roberto (36) oder Ruud van Nistelrooy (34) die Gelegenheit, ihre Rente aufzubessern, während ihr Stern sank. Das alles soll und muss nun anders werden. Soll, weil die neue sportliche Leitung um Sportdirektor Frank Arnesen und Trainer Michael Oenning es so will. Und muss, weil schlicht und ergreifend das Geld fehlt und den Verantwortlichen gar keine andere Wahl bleibt. „Zur neuen Saison werden wir Etat und Gehaltskosten herunterfahren müssen“, kündigte Vorstandschef Carl E. Jarchow bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr an.

Chelsea-Talente statt überteuerte Alt-Stars

Zumindest was den Altersdurchschnitt angeht, ist der HSV unter dem neuen Sportchef Frank Arnesen auf einem guten Weg. Zé Roberto, van Nistelrooy sowie Torwart-Oldie Frank Rost (37) oder auch Collin Benjamin (32) haben keine neuen Verträge bekommen. Weitere Trennungen im Bereich der Topverdiener sind angedacht. So gehören auch die Verteidiger Guy Demel (30) sowie die zuletzt verliehenen David Rozehnal (30) und Alex Silva (26) zu den Profis, die man bis zum 30. August gerne verkaufen würde. Da ihre Verträge 2012 enden, brächten sie nämlich kommenden Sommer kein Geld mehr in die klammen Kassen.

Ersatz hat Arnesen längst im Auge oder gar schon besorgt: Der Däne lässt ganz einfach die guten Kontakte zu seinem ehemaligen Arbeitgeber spielen. Beim englischen Vizemeister FC Chelsea war er als Nachwuchsleiter, Chefscout, Chefanalytiker und Sportdirektor tätig, bevor er nun beim HSV anheuerte. Arnesen holt also nicht die Katze im Sack, wenn er die Talente des Londoner Klubs reihenweise nach Hamburg lotst. Drei an der Zahl sind es bereits, der vierte soll kommende Woche folgen: Nach dem Italiener Jacopo Sala (19), dem Türken Gökhan Töre (19) und dem Engländer Michael Mancienne (23) wird wohl auch der Holländer Jeffrey Bruma (19) ab der kommenden Saison nicht mehr für die Blues, sondern für die Rothosen auflaufen.

Letzter HSV-Titel bald ein Vierteljahrhundert her

Der Verjüngungs- und Sparkurs ist also eingeschlagen beim Hamburger SV. Junge, deutsche Spieler, mit denen sich die Fans identifizieren können, fehlen weiterhin. Aber auch das soll sich ändern: „Ich will die U23-Mannschaft näher ans Stadion bringen“, sagt Arnesen. „Wann immer es möglich ist, soll die Nachwuchsmannschaft zeitgleich mit den Profis auf dem Nebenplatz trainieren. Jeder, der auf dem Nebenplatz trainiert, will auf den Hauptplatz – und von da in die Arena.“

Aber dieser Prozess braucht Zeit, Michael Oenning wird Geduld verlangen können. Auch der Trainer gilt in Hamburg als Billig-Lösung, schließlich konnte die Mannschaft unter dem ehemaligen Assistenten von Armin Veh in einem schwachen Saison-Endspurt nicht überzeugen: Nach seinem Debüt-Erfolg gegen Köln (6:2) gab es in den letzten sieben Spielen keinen Sieg mehr (fünf Unentschieden und zwei Niederlagen) und nur klägliche drei Tore. Am Ende fand sich der HSV auf Platz acht wieder – schlechter beendete man zuletzt die Saison 2001/02.

HSV kommenden Sommer ein Vierteljahrhundert ohne Titel

Die kommende Spielzeit wird also voraussichtlich mal wieder zu einer Leidenszeit für die nach Erfolgen lechzenden HSV-Fans – aber das sind sie ja gewohnt. 2006 schaffte man zuletzt die Qualifikation zur Champions League – und ging in der Gruppenphase als Tabellenletzter kläglich unter. Der bisher letzte Titel, der DFB-Pokalsieg 1987, wird Ende der kommenden Saison ein Vierteljahrhundert her sein. Und dass dann bereits ein weiterer hinzukommt, damit rechnen selbst die treuesten Fans nicht.

So, das war der DAPD-Artikel. Nun setze ich, Dieter Matz, die Trainer-Serie fort.

Heute geht es weiter mit Felix Magath. Wobei ich einen kleinen Umweg über Bremen gehe. Heute rief mich ein glühender Werder-Fan an, der in Hamburg lebt und mit mir befreundet ist. Der sagte mir (auch ein wenig vorwurfsvoll?): „Wenn man deine Nähkästchen liest, dann könnte man auf den Gedanken kommen, dass du jeden zweiten HSV-Trainer mit verpflichtet hast . . .“ Ich dazu: „Wieso, nur weil ich ein wenig bei Willi Reimann und Gerd-Volker Schock nachgeholfen habe . .?“ Schon wieder beim Lügen erwischt. Ehrlich. Denn bei Magath war ich ja auch involviert. Ich schrieb es schon einmal, aber – wie gesagt – es gibt ja täglich neue „Matz-ab“-Leser, die sollen auch ins rechte Bild gesetzt werden.

Eines Tages, es war ein Montag, klingelte in der Redaktion das Telefon. Jürgen Hunke: „Dieter Matz, Sie kennen doch Gott und die Welt, ich suche einen Trainer für den HSV, der die Amateure trainiert, der aber auch gleichzeitig Co-Trainer von Benno Möhlmann ist. Wüssten Sie da einen?“ Ich: „Natürlich, Felix Magath.“ Hunke: „Wieso Magath?“ Ich: „Weil Sie doch erstens Alt-HSVer wieder in den Verein holen wollen, und weil Magath zweitens die Raute im Herzen trägt, und weil er drittens mit einer No-name-Mannschaft des FC Bremerhaven große Erfolge feiert.“ Hunke: „Dann geben Sie Magath meine Nummer, er möge mich mal anrufen.“

Ich aufgelegt – und gleich wieder aufgenommen. Magath angerufen: „Felix, Hunke such einen Trainer für die Amateure und einen Co für Benno Möhlmann, du sollst ihn mal anrufen.“ Magath: „Das mache ich nicht. Hunke und ich, das passt nicht.“ Ich: „Felix, was kennst du denn von Hunke? Und: Überlege doch mal: Wer ist jetzt Trainer des HSV?“ Magath: „Benno Möhlmann.“ Ich: „Und wer ist HSV-Trainer, wenn der Klub mal in eine Krise gerät? Immer der Assistent. Erst einmal jedenfalls.“ Magath: „Okay, gebe mir die Nummer . . .“

Magath rief Hunke an, beide trafen sich am folgenden Freitag, beide Herren riefen mich nach dem Treffen an und sagten unisono: „Am Montag wird der Vertrag gemacht.“ So lief das. Jahre später, genau bei der WM 2002 in Japan und Südkorea, traf ich vor einem WM-Stadion zufällig die DFL-Delegation. Mit dabei waren Dr. Koch (heute DFB-Vize), Harald Strutz (Präsident Mainz 05), und, und, und. Und Heribert Bruchhagen. Der nahm mich dann vor versammelter „Mannschaft“ in den Arm und sagte „Wisst ihr, dass Dieter Matz mir einst die erste richtig schmerzhafte Niederlage als HSV-Manager beigebracht hat?“ Sie wussten natürlich nichts. Ich wusste auch von nichts – und war echt erstaunt, als Bruchhagen verriet: „Als wir damals einen Trainer für die Amateure und zugleich einen Assistenten für die Profis gesucht haben, schlug Dieter Matz Felix Magath vor, ich schlug Wolfgang Sidka vor – und der Matz-Vorschlag wurde genommen.“ Das war auch absolutes Neuland für mich, aber man lernt ja bekanntlich nie aus.

Am 6. Oktober 1995 wurde Felix Magath HSV-Trainer, er löste Möhlmann ab. Übrigens, das nur zum Thema Neueinkäufe. In der Saison, nur als Beispiel (und das ist keine Attacke gegen den damaligen und auch nicht gegen den heutigen Sportchef) die Verpflichtungen der Saison 1995/96: Hiemann (Chemnitz), Kmetsch, Jähning (Dresden), Claaßen (Wilhelmshaven), Hollerbach (Kaiserslautern), Riegel, Siedschlag, Salihamidzic (eigene Amateure), Ostermann (Lurup) und Henchoz (Xamax Neuchatel). Namen, die jeden HSV-Kenner noch heute in Euphorie ausbrechen lassen.

„Matz, du bist und bleibst ein Amateur.“ So sagte es Magath mir immer dann, wenn ich ihn auf eine gewisse Art und Weise (leicht) korrigieren wollte. Über diese Versuche aber kam ich nie hinaus, da ließ der gute Felix nicht mit sich spaßen. Mehr möchte ich zu Felix Magath eigentlich nicht schreiben, es ist doch schon alles gesagt und geschrieben worden. Wir waren Stammtisch-Brüder, und als solche gewannen wir (aber nur fünf Brüder von zwölf) an einem zweiten Weihnachtsfeiertag einmal 22 500 Mark im Lotto. Das war mein (unser) nächster Urlaub.

Felix Magath musste am 18. Mai 1997 seinen Hut nehmen, ausschlaggebend war eine empfindliche 0:4-Heimpleite gegen den 1. FC Köln. Mit dieser Pleite geriet der HSV in arge Abstiegsnöte, doch Interims-Coach Ralf Schehr, der „alte“ Concorde, rettete mit zwei ungeschlagenen Spielen (2:1 gegen Dortmund, 1:1 in Düsseldorf) die Klasse. Schehr war einst Hamburgs Verbandstrainer, bevor er die HSV-Amateure übernahm, unter seiner Regie erwarb ich die Trainer-B-Lizenz. Was ich ihm bis heute (leicht) übel nehme ist die Tatsache, dass meine Prüfung (in Ochsenzoll) abnahm und mir nur eine „Zwei minus“ gab. Mit dem Hinweis: „Thema leicht verfehlt.“ Ich hätte, um die A-Lizenz erwerben zu können, aber eine glatte Zwei haben müssen. Die A-Lizenz hatte mir Ralf Schehr damit aber verwehrt. Das nur am Rande.

So, und alle die bis jetzt bis hierhin gelesen haben, noch drei aktuelle HSV-Nachrichten:
Joris Mathijsen wird ganz heiß in Spanien gehandelt, Malaga und van Nistelrooy locken wohl sehr vehement, ich gehe davon aus, dass der Niederländer den HSV verlassen wird.
Zudem wird Jonathan Pitroipa (HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow: „Wir wollen ihn nicht unbedingt abgeben“) wird mit Frankreich und Stade Rennes in Verbindung gebracht. Und hinter Eljero Elia ist immer noch, und zwar vehement, Juventus Turin hinterher.

Es tut sich also noch allerhand.

16.29 Uhr

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