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Von van der Vaart, Holtby, Zoua und anderen

26. August 2014

Es rappelt ganz ordentlich im Karton. In der letzten Woche der Sommer-Transferperiode geht es erfahrungsgemäß immer recht turbulent zu, so auch in Hamburg. Beim HSV wird hinter den Kulissen noch versucht und versucht und versucht. Ob damit auch die Aufregung um Rafael van der Vaart zusammenhängt, das ist noch unklar. Fest steht, dass es das Gerücht gibt, der HSV-kapitän wechselt in die Türkei, angeblich soll der Erstliga-Vertreter Trabzonspor „dran“ sein. Angeblich. Der Berater von van der Vaart soll gegenüber dem türkischen Sender „NTVSpor“ bestätigt haben, dass es Kontakt zu dem türkischen Club gibt, und dass es auch bereits Gespräche mit den HSV-Verantwortlichen gegeben haben soll. Davon weiß beim HSV aber – angeblich – niemand. Und ich habe dazu Stimmen von maßgeblichen HSV-Herren eingeholt, die das zwar nicht schriftlich bestätigen wollen, die aber fest davon ausgehen, dass da „nichts dran“ ist. Wir werden es abwarten müssen. Ebenso geht es mit der Personalie Lewis Holtby. Der ehemalige Schalker, jetzt in London bei Tottenham Hotspur, steht auf der Wunschliste des HSV, vor Wochen hat HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer auch schon mit dem (früheren) Nationalspieler gesprochen, aber der Mann ist teuer. Viel zu teuer für den HSV, der nach wie vor kein Geld hat. Auch hier heißt es abwarten.

 

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Sollte sich die Sache mit van der Vaart und der Türkei konkretisieren, dann wäre der Weg wohl frei für Holtby. Der Niederländer dürfte nur dann gehen, wenn Holtby parat stünde. Obwohl „einige Herren“ Holtby auch dann schon beim HSV sehen, wenn van der Vaart hier und in Hamburg bleibt und beim HSV sein Teamkollege wird. Wie gesagt, fix was los – und das sicher nicht nur beim HSV. Aber eben auch. Bei der Gelegenheit: Jacques Zoua soll dann doch tatsächlich ein Angebot eines türkischen Clubs vorliegen haben. Und sollte der Kameruner Hamburg noch auf den letzten Drücker verlassen, so würde sich der HSV natürlich noch um einen neuen Stürmer bemühen. Der würde dann aber jung sein müssen – und unter dem Motto „perspektivisch“ verpflichtet werden. Man darf gespannt sein, was sich noch bis zum 2. September um zwölf Uhr tun wird.

 

Erfreulich ist, dass es finanziell wohl ein bisschen aufwärts gehen wird, denn das erste Heimspiel der Saison, am Sonnabend um 15.30 Uhr ist Anstoß gegen Aufsteiger SC Paderborn, läuft so gut wie auf „ausverkauft“ hinaus. Bislang sind 50 000 Karten verkauft – und das gegen einen Underdog wie Paderborn. Alle Achtung! Die Hamburger (und natürlich jene, die aus der Umgebung kommen), sind doch wieder hungrig auf den HSV, und auch etliche HSV-Fans, die nach den letzten Spielzeiten die Nase restlos voll hatten, sind wohl doch bereit, ihren Lieblingen eine letzte Chance einzuräumen. Schön zu sehen. Nun muss die Mannschaft nun nur noch bereit sein, auch tatsächlich alles zu geben.

 

Heute beim (zweimaligen) Training wurde alles gegeben. Es ging schön zur Sache, und das ist natürlich auch gut so – an einem Dienstag (vor einem Sonnabend-Spiel). Da wurde nicht nur mit dem ball gearbeitet, sondern die letzte halbe Stunde auch ohne. Soll heißen: laufen. Und es wurde gelaufen. Muss ja auch, wenn der HSV weiterhin so fit bleiben will, wie es bislang den Anschein hatte. Und ich kann sagen, dass die Spieler (fast) alle einen absolut fitten und austrainierten Eindruck machen. Sie sind, nein, ich will es mal so formulieren, sie wirken auf mich so, als würden sie wesentlich lauffreudiger, williger, emsiger, engagierter und konzentrierter bei der Sache sein.

 

Und festmachen möchte ich das in diesem Fall mal an Tolgay Arslan, der erstens auf mich ein wenig schlanker wirkt als noch in der Vorsaison (er war natürlich nie dick, aber jetzt macht er auf mich einen absoluten fitten Eindruck). Er spielt schneller, er läuft schneller, er wirkt auch ideenreicher auf mich, er beißt. Wenn er das nun noch für 90 Minuten und dann jedes Spiel hinbekommt, dann dürfte auch er ein Gewinn für diesen HSV sein. Wobei ich bei ihm ja immer die Gefahr gesehen habe (und nicht nur ich), dass er nach einem guten Spiel und den damit verbundenen guten Kritiken leicht etwas zurückfallen ließ und ein wenig auf „halblang“ machte. Diese Zeiten aber dürften bei diesem neuen HSV vorbei sein, nicht nur für Arslan, sondern bald auch für jeden anderen Spieler. Wenn der Kader komplett ist und wenn tatsächlich alle fit sind, dann rappelt es auch innerhalb des Teams im Karton, dann wird sich jeder zusammenreißen müssen, auch im Training immer alles und somit 100 Prozent geben müssen, um am Wochenende dabei zu sein. Rosige Zeiten für den Trainer, die Fans und den Verein.

 

Noch aber sind eben nicht alle fit. Sorgenfalten sehe ich noch bei den Verantwortlichen auf der Stirn, wenn es um Nicolai Müller geht. Der aus Mainz gekommene Flügelflitzer hat auch heute nicht mit der Mannschaft trainieren können, Müller leidet unter Adduktoren-Problemen. Er hat auch heute nur ein Lauftraining absolviert und wird das nun von Tag zu Tag leicht steigern. Nach jeder Einheit wird genau untersucht, wie sein Körper auf die stets leicht gesteigerten Anforderungen reagiert. Und dann wird von Tag zu Tag entschieden, wann er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann – und soll. Ein Einsatz am Sonnabend gegen Paderborn ist zum jetzigen Zeitpunkt aber wohl auszuschließen.

 

Zugang Zoltan Stieber stand am Vormittag auf dem Platz, absolvierte auch die ganze Einheit, aber am Nachmittag fehlte er. Eine Vorsichtsmaßnahme. Der ehemalige Fürther soll das Pensum auch von Tag zu tag steigern, um dann am Sonnabend eventuell schon im Kader zu sein. Ebenfalls aus Vorsicht wurden Rene Adler und Ivo Ilicevic von der Nachmittagseinheit befreit, beide trainierten im Stadion individuell – Ilicevic wurde von Fitness-Coach Nikola Vidovic „beschäftigt“. Heute gefehlt hat auch Nachwuchsmann Matti Steinmann, der sich eine Kapselverletzung zugezogen und für fünf Tage eine Pause erhalten hat. Noch nicht wieder in Hamburg gesehen wurde Maximilian Beister, der Pechvogel des HSV (nach Kreuzbandriss nun eine Meniskus-OP) weilt zur Reha noch in Düsseldorf und soll in der kommenden Woche wieder nach Hamburg und damit zum HSV zurückkehren.

 

Ein HSV-Profi, der als „unkaputtbar“ gilt und eigentlich immer dabei ist, das ist Heiko Westermann. Der Abwehrmann sollte in den ersten beiden Pflichtspielen dieser Saison ja bekanntlich eher auf der Bank sitzen als auf dem Rasen herumtollen, aber es kam anders. Der ehemalige Kapitän spielt. Auch deshalb, weil andere nicht spielen können. Gespannt bin ich darauf, wie es nun weitergehen wird mit „HW4“, denn nun ist ja mit dem Brasilianer Cleber ein neuer Innenverteidiger verpflichtet worden. Ob der Südamerikaner schon am Sonnabend auflaufen wird? Oder ob Trainer Mirko Slomka der Abwehr, die in Köln gut spielte und die Null hinten stehenließ, noch einmal eine neue Chance geben wird? Ich weiß es nicht, habe auch kein Bauchgefühl zu diesem Thema. Cleber hat heute einen guten Eindruck auf mich gemacht. Und ich musste immer dann, wenn er in Aktion trat, an Dietmar Beiersdorfer denken, der ihn ja in die Nähe von „Khalid Boulahrouz gestellt hat. Das stimmt, habe ich so bei mir gedacht, Cleber guckt nicht nur teilweise so böse wie einst der „Kannibale“, sondern er geht auch ebenso zur Sache. Er ist schnell, hat ein gutes Auge, wirkt absolut athletisch und er ist hart in seinen Aktionen.

 

Das kann durchaus etwas werden mit ihm. Und ich glaube auch fest daran, dass es mit ihm etwas wird, denn ich weiß, wer diesen Mann über Wochen und Monate alles unter die Lupe genommen hat – das sind Fußball-Kenner, die ihr Handwerk verstehen. Es sollte mich sehr, sehr wundern, wenn das mit Cleber nicht hinhauen sollte – aber da wir ja schon etliche Brasilianer (oder auch Südamerikaner) hier in Hamburg erlebt haben, die es dann letztlich doch nicht gebracht haben, werden wir auch in diesem Punkt abwarten müssen. Und ich, das dürfte niemanden wundern, vertraue nach wie vor Heiko Westermann, den ich mir nicht aus dieser Mannschaft wegdenken kann. Wir konnten ihn heute zu seiner Situation und natürlich auch zur bislang letzten HSV-Verpflichtung fragen, und Westermann stand – wie immer – zur Verfügung und gab bereitwillig Auskünfte über sein Innenleben.

 

Wie kann es angehen, dass die schlechteste Abwehr der vergangenen Bundesliga-Saison (75 Gegentore!) in Köln meistens sicher stand und 90 Minuten ohne Gegentreffer blieb. Heiko Westermann hat da eine einfache Erklärung: „Das ist ein Verdienst der gesamten Mannschaft, das hat nicht nur mit der Viererkette zu tun. Das habe ich immer gesagt. Wir haben kompakter gestanden, haben die Abstände untereinander eng gehalten. Und ein großer Unterschied zur Vorsaison ist auch die Tatsache, dass vor uns ein Valon Behrami steht, der viel abräumt. Er ist immer bei uns, bildet mit der Innenverteidigung ein Dreieck, sodass da kaum etwas durchkommen kann.“ Lag es mehr an der Schwäche der Kölner oder an der Stärke des HSV? Westermann: „Wir haben wenig zugelassen. Wir haben in der gesamten Vorbereitung gute Spiele abgeliefert, in denen wir kaum etwas zugelassen haben – außer in dem Spiel gegen Lazio. Ansonsten aber haben wir sehr konzentriert gearbeitet, und das muss auch unser Ziel für die nächsten Aufgaben sein.“ Dann fügt er noch hinzu: „Ansonsten muss man ja betonen, dass das ja auch erst der erste Spieltag war, also schön auf dem Boden bleiben – wir wollen das jetzt natürlich zu Hause bestätigen.“

 

Jetzt geht es gegen Paderborn. Der zweite Aufsteiger. Das wird ebenso schwer, wie zuletzt die Spiele in Cottbus und in Köln. Die der HSV letztlich positiv „gemeistert“ hat, auch wenn es im Pokal das Erfolgserlebnis erst nach einigen Elfmetern gab, und weil es in Köln immerhin keine Niederlage, sondern ein Pünktchen gab. Was mir nach diesem 0:0 in Müngersdorf auffiel war die Tatsache, dass dieser Punkt fast wie ein Sieg gefeiert wurde. So bescheiden sind wir in Hamburg (und Umgebung) schon geworden. Westermann: „Diese beiden kleinen Erfolgserlebnisse taten gut, damit haben wir nach außen und auch für uns ein positives Gefühl geschaffen, und nun gilt es, vor der Länderspielpause zu Hause nachzulegen und einen Dreier einzufahren – vor ausverkauftem Haus wahrscheinlich.“

 

Ich habe Heiko Westermann explizit nach der Fitness innerhalb der Mannschaft gefragt, nach der „neuen Fitness“ im HSV. Und er antwortete: „Wir brauchen uns nicht darüber zu streiten, darüber haben wir auch in der letzten Saison einige Male gesprochen – wir waren in der Endphase der Saison nicht fit. Und wir hatten viele Verletzte. Jetzt haben fast alle Spieler die Vorbereitung mitgemacht, wir haben heute wieder eine ordentliche Einheit absolviert, und das alles wird uns zugute kommen. Ich denke trotz allem, dass wir noch mehr machen können, als zuletzt in Köln. Vor allem im Umschaltspiel. Dann kriegen wir vielleicht auch noch mehr Chancen.“ Und seine persönliche Fitness? Alles bestens? Muss eigentlich, denn wenn ich an die 90 Minuten im Westen zurückdenke, dann trat Westermann nicht nur in der Abwehr sehr gut in Erscheinung, sondern trabte auch dann nach vorne, wenn Rafael van der Vaart einen seiner gefühlt 78 Freistößen in den Kölner Strafraum schoss. Zu solchen Ausflügen muss ja auch Kraft und Kondition da sein – für 90 und mehr Minuten. „Ich fühle mich gut. Ich habe ein Spiel in der Innenverteidigung gemacht, ansonsten spielte ich rechts, und da musste ich ein wenig mehr laufen – das gibt Kraft. Ich bin fit, habe jede Trainingseinheit mitgemacht, und das ist gut. Nun ist es wichtig, fit zu bleiben und eine gute Saison mit dem HSV zu spielen“, sagt Heiko Westermann.

 

Dass nun ein Brasilianer für den Posten des Innenverteidigers geholt wurde – stört ihn das? Er sagt: „Das stört mich nicht. Warum auch? Konkurrenz belebt das Geschäft, und ich versuche, meine Aufgabe dort hinten so gut wie möglich zu machen, versuche den Laden da hinten so dicht wie möglich zu halten – ich werde auch diese Saison meine Spiele bekommen. Ansonsten gibt es zu diesem Thema nichts weiter zu sagen.“ Stimmt wohl. Obwohl „HW4“ über seinen neuen Konkurrenten dann noch hinzufügt: „Er muss sich erst einmal einleben hier, wir haben nicht einen Spieler, der Portugiesisch spricht. Er versteht kein Englisch und kaum Spanisch, das ist nicht einfach für ihn, aber wir werden ihn da so gut es geht unterstützen.“ Das ehrt ihn und die gesamte Mannschaft. Und fußballerisch? Was denkt er über Cleber: „Er ist ein guter Junge, gibt Gas, er ist auch körperlich gut drauf und gut gebaut. Ich glaube, er wird sich hier gut und schnell einleben – und dann wird man sehen.“

 

Apropos neu: Was erwartet Heiko Westermann noch von diesem HSV? „Zoltan Stieber war nicht dabei, auch Nicolai Müller nicht, und das sind schon Spieler, die technisch sehr versiert sind und auch enorm schnell. Die haben uns in Köln vielleicht ein bisschen gefehlt, obwohl es bestimmt auch gut ist, auswärts im ersten Spiel 0:0 zu spielen. Ansonsten denke ich schon, dass wir noch besser spielen können, und das muss primär auch unser Ziel für Sonnabend sein, da noch eine Schippe mehr draufzulegen. Um uns auch mehr Chancen zu kreieren“, sagt Heiko Westermann und ergänzt über den Gegner: „Ich habe Paderborn schon in der letzten Saison genau beobachtet, die Mannschaft ist taktisch gut aufgestellt, sie versucht zwischen den Linien gut Fußball zu spielen, das ist ganz sicher keine Laufkundschaft, die am Sonnabend in den Volkspark kommt. Es wird sogar ein verdammt hartes Ding, aber ich bin auch optimistisch, dass wir das packen werden.“

 

Westermann der Optimist. Er ist nach außen hin kaum zu erschüttern. Ich frage mich, wie es im Inneren bei ihm aussieht? Ob er da wirklich so gelassen ist, wie er jetzt wirkt. Schließlich wusste in Hamburg jeder, dass er zunächst nur auf die Bank sollte, dass Trainer Slomka mit der Viererkette Diekmeier, Kacar, Djourou und Jansen spielen lassen wollte. Heiko Westermann will nicht zurückblicken, sagt eisern: „Ich habe alles abgehakt, was zuletzt war, das ist alles vergessen. Ich bin auch kein nachtragender Mensch. Letztes Jahr ist vergessen, die letzten Jahre sind vergessen. Wenn das nicht so wäre, dann wäre es falsch zu sagen: ‚Ich bleibe hier und gebe mein Bestes. Das wäre dann ja Schwachsinn.’ Ich habe das abgehakt, anders geht es ja nicht.“

 

Okay, die zurückliegenden Spielzeiten hat er abgehakt, aber die neue Saison begann ja auch nicht gerade vielversprechend. Wie denkt er darüber? „Was ich denke, das ist hat nicht zu interessieren. So ist das im Fußball. Da rechnet man mit einer Sache, aber es passiert doch alles ganz anders. Ich bleibe positiv, was soll ich auch machen? Ich werde jetzt nicht nach Hause gehen und heulen. Es geht immer weiter.“ Für ihn (hoffentlich) positiv. Das ist das Stichwort. Denn so geht es derzeit, man hört es aus allen Ecken und immer wieder, im Club zu. Endlich. Es herrscht Ruhe, es reden nur die Leute, die auch reden dürfen – der HSV berappelt sich allmählich. So sieht es auch Westermann, der dazu befindet: „Man hört zurzeit nur Positives. Es herrscht eine engere Verbundenheit im Club, auf allen Ebenen. Das ist auch wichtig, damit der HSV wieder eine positive Marke wird. Daran arbeiten wir, und das kann man am besten mit Erfolgen tun, das ist unsere Aufgabe, dass müssen wir Spieler erledigen.“

 

Und vielleicht auch ein wenig die Fans? Es haben sich ja einige von ihrem Lieblings-Club abgewandt. Der HSV-Blog war zwar in Köln auch ausverkauft, dennoch war es nie so laut, wie in den Vorjahren in der HSV-Kurve. Ist diese Tatsache auch dem Spieler Heiko Westermann aufgefallen? Er bekennt: „Das stimmt schon. Dadurch, dass die Ultras da keine Stimmung mehr machen, merkt man schon, dass es leiser geworden ist. Das muss man schon sagen. Ich weiß nicht, wie das nun am Sonnabend wird, aber ich hoffe doch sehr darauf, dass uns 50 000 HSV-Fans anfeuern werden.“ Oder sogar mehr?

 

Wäre schon toll, wenn alle dabei mithelfen würden, dass es mit den drei großen Hamburger Buchstaben wieder und allmählich bergauf gehen würde.

 

PS: Morgen, am Mittwoch, wird im Volkspark um 10 Uhr und um 15.30 Uhr trainiert! Sehr gut.

 

19.19 Uhr

Guten Rutsch – und vielen Dank für 2013!

Van der Vaart: “Es tut natürlich weh . . .”

21. August 2013

Ein Kollege von mir, eingefleischter und hundertprozentiger HSV-Fan (seit Jahrzehnten), er ist wirklich und absolut kein Schön-Wetter-HSV-Fan, hat mir folgende sms geschickt:

„Du weißt, wie es um diesen Verein steht, wenn dein sechsjähriger Sohn dich fragt: ‚Papa, hat der HSV eigentlich schon mal gewonnen . . ?’ Traurig.“

Lieber Kollege, Du kannst Deinem kleinen Knaben sagen, dass der HSV am Sonnabend gewinnen wird. Wahrscheinlich jedenfalls. Im HSV gehen sie davon mal aus. Da heißt es zurzeit: „Wenn wir gegen Hertha gewinnen, dann eine Woche später auch gegen Braunschweig, dann haben wir einen guten Saisonstart hingelegt.“ Wenn. So heißt dieses Zauberwort, und daran klammern sich im Moment fast alle. Wenn.

Und wenn nicht? Das wird nicht geklammert, das wird ausgeklammert. Lassen wir uns mal überraschen, denn so, wie es jetzt aussieht, werden die Spieler, die dieses 1:5 gegen Hoffenheim verbockt haben, wohl wieder eine Chance bekommen. Bis auf Marcell Jansen, denn der hat heute nicht trainiert – und wenn ich gefragt werde, so gehe ich davon aus, dass der Nationalspieler auch am Sonnabend nicht zum Einsatz kommen wird, kommen kann. Für ihn dürfte dann der junge Zhi Gin Lam auf links verteidigen, denn Dennis Aogo ist ja aus dem Verkehr gezogen worden. Wie übrigens auch Tomas Rincon, der ja auch kurz mal nach Mallorca gejettet war. Ich kann nur sagen: schade, schade. Ich hätte Aogo gerne mal wieder auf hinten links gesehen, und ich hätte auch Rincon gerne mal, als Defensivstabilisator, auf der Sechs gehabt. Diese beiden Wünsche muss ich dann wohl noch ein wenig hinten anstellen.

Gespannt bin ich ferner darauf, ob Heiko Westermann in der Stamm-Formation bleiben wird. Heute hat er im Trainingsspielchen für die A-Mannschaft verteidigt. Und während er das tat, hatte ich ein friedliches Streitgespräch mit einem „Matz-abber“, der so sehr wünscht, dass Westermann mal nicht . . . Auf dem Weg in die Redaktion schloss ich mich dann erstmalig diesem Wunsch an. Ich drücke die Daumen, dass Westermann am Sonnabend gegen die Hertha nicht spielen darf. Er wird wohl dennoch spielen, denn wenn Jansen fehlt, dann würde schon mal die halbe Viererkette fehlen, aber wünschen darf ich es mir doch mal – oder? Denn dann, und davon bin ich restlos überzeugt, würden alle die Fans, die Westermann gerne draußen sehen würden, mal erleben können, wie es ohne den großen Kämpfer geht. Natürlich, auch ich würde es erleben, aber ich bin davon restlos überzeugt, dass dieser Schuss nach hinten losgehen würde. Deswegen hoffe ich es – und wenn es nur diesen einzigen Versuch geben würde . . .

Wobei ich gerne zugebe, dass Heiko Westermann gegen Hoffenheim wirklich mal schwach gespielt hat. Nur – wer hat das nicht? Sie waren doch alle grottenschlecht, und zwar ohne Ausnahme (im Feld jedenfalls). Und das müssen die Spieler dann eben auch mal einsehen, sie müssen es auf jeden Fall auch mal verkraften, dass sie nicht von der Presse gepudert werden – nach einem solchen Desaster. Das kann aber nicht jeder. Aber eine solche 1:5-Klatsche ist eben nicht nur eine Niederlage, sondern eine totale Vernichtung. Und dann darf auch nichts beschönigt werden, dann muss die Wahrheit auf den Tisch, dann muss Tacheles gesprochen – und geschrieben werden. Es ist nur menschlich, wenn der eine oder andere Spieler dann „maulig“ ist, aber dennoch hoffe ich, dass er sich im stillen Kämmerlein einsichtig zeigt und dann befindet: „Der hat ja Recht, ich war wirklich schlecht wie die Suppe . . .“ Wie hat mit heute gerade der ehemalige HSV-Verteidiger Tobias Homp noch gesagt? „Selbstkritik ist der beste Weg, wieder zur Bestform zurückzufinden.“ Aber genau.

Aber, auch das ist mir natürlich bekannt, Selbstkritik ist erstens nicht jedermanns Geschmack, und ist darüber hinaus auch stark aus der Mode gekommen. Leider, leider.

Kurz, ganz kurz nur möchte ich noch einmal auf Mallorca und Aogo zurückkommen. Dieses Thema hat alles andere, was sich um dieses 1:5 rankt, verdrängt. Mir wäre es lieber, wenn statt Mallorca tatsächlich mal „knallhart“, so wie es der Sportchef Oliver Kreuzer angekündigt hatte, über dieses 1:5-Dilemma diskutiert werden würde. So dass dann tatsächlich mal die Fetzen fliegen und schonungslos die Wahrheit ans Tageslicht kommen würde. Aber beim HSV, so sagte es mir heute noch einmal ein Trainingskiebitz, „wird viel zu viel schöngeredet – und zwar seit Jahren schon“.

Und um das noch einmal zu sagen: Ich habe Sportchef Oliver Kreuzer für seine klaren Worte nun schon mehrfach gelobt, und ich finde es mutig, dass Kreuzer nun gesagt hat: „Solche Dinge werde bei mir sanktioniert, ganz klar.“ Der Trainer wusste nicht, dass der Sportchef Aogo schon für den Berlin-Ausflug gesperrt hatte – auch das bewerte ich positiv. Weil Kreuzer durchgreift, in Zukunft auch weiter durchgreifen wird. Speziell zu Dennis Aogo sei noch gesagt, dass er WM-Teilnehmer und Nationalspieler war, und dass er nun kein Stammspieler mehr ist – beim HSV! Das sollte ihm vielleicht auch ein wenig zu denken geben. Und wenn er dann zu dem Schluss kommt, dass es nicht am Trainer liegt (diese Frage muss er für sich beantworten), denn müsste er (Aogo) zu dem Ergebnis kommen, dass er mehr tun muss als andere, um wieder in Form zu kommen, dass er wieder erste Wahl für den HSV ist. Das allerdings muss dann wirklich jeder Spieler, nicht nur Dennis Aogo, für sich beantworten.

Um noch einmal das Thema zu wechseln: Wenn denn aber in Berlin gewonnen wird (vom HSV), und von mir aus auch eine Woche später gegen Braunschweig, dann ist ohnehin nicht mehr nötig, dass über dieses 1:5 auch nur noch ein Wort verloren wird. Wenn. Warten wir es mal ab.

Wenn aber nicht, dann werden sich auch danach wieder einige Ehemalige des HSV zu Wort melden. So wie es jetzt schon geschehen ist. Das ist ja immer so, schon seit Gründung der Bundesliga ist das so – und das ist auch gut so. Obwohl natürlich auch das von einige immer wieder scharf verurteilt wird. Aber zu 99 Prozent sind es doch die Spieler, die einst ganz Großes für den HSV geleistet haben, und die es auch heute noch immer nur gut meinen mit ihren Rothosen. Es äußert sich doch keiner deswegen negativ, weil er inzwischen Werder- oder St.-Pauli-Fan ist, sie äußern sich besorgt (und gelegentlich, stimmt auch, negativ), weil sie um ihren Dino zittern. Und sie wollen mit ihren (teilweise mahnenden) Worten auf- und wachrütteln. Nur das. Denn auch sie, die ja durchaus auch ein wenig (!) Ahnung von der Materie haben, sehen, was hier falsch läuft – seit Jahrzehnten. Und was das Gute ist: Niemand dieser Ehemaligen erhebt doch irgendwelche Ansprüche, um mitmischen zu wollen, um ein Pöstchen bekommen zu wollen.

Obwohl ich es, ich ganz persönlich, schon begrüßen würde, wenn der eine oder andere wirklich große HSV-Spieler von einst tatsächlich mitmischen würde, davon mal ganz abgesehen. Aber das ist zurzeit ja nicht möglich, denn jeder, wirklich jeder, lehnt es ja in dieser Konstellation ab, da irgendwie ein wenig Verantwortung tragen zu wollen. Aber gut, so ist es eben. Nur hoffe ich, dass sich die Zeiten schon bald und demnächst ändern werden. Zum Wohle des HSV.

Und für mich könnte auch Klaus-Michael Kühne durchaus eine solche Position beanspruchen und dann auch bekleiden. Ach wenn ich selbstverständlich weiß, dass es auch hier einige hartgesottene HSV-Fans gegenteiliger Meinung sind. Sie haben zwar zähneknirschend akzeptiert, dass der Herr Kühne hier einige Milliönchen in den Club gepumpt hat (nein, geschenkt hat er sie), aber das hat er ja auch freiwillig getan. Wo der HSV heute ohne die Kühne-Milliönchen stehen würde, ist natürlich eine ganz andere Frage. Und die wird auch gewiss nicht von jedem HSV-Fan beantwortet. Aber auch das ist gut so. Deswegen wird der HSV ja auch weltweit bewundert, von vielen, vielen anderen Clubs dieses Erdballs, und er wird natürlich auch beneidet – wegen der Mitbestimmung seiner Fans. So muss es sein.

Zum Glück will der Herr Kühne ja auch keine Milliönchen mehr geben. Wegen der unpassenden Strukturen des HSV, und wegen die Leute, die den Verein führen. Inklusive aller Räte, die sich um diesen Verein bemühen und verdient machen. Jeder ist enorm wichtig, jeder kann seinem HSV jederzeit sagen, was falsch läuft, wie es richtiger laufen könnte – mit ihm. Und ohne Kühne. Um an Geld zu kommen, das ist überhaupt die (!) Lösung, müsste der HSV doch einfach nur einige Spieler verkaufen. So wie früher, als Jungs wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten und zum Beispiel Jerome Boateng ge- und wieder verkauft worden sind. Alles ganz einfach. Heute müsste der HSV nur Spieler wie Gojko Kacar, Paul Scharner, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Robert Tesche und noch ein paar mehr verkaufen, und dann hätte er die Kasse wieder bestens gefüllt.

Oder liege ich da falsch? Wie, der HSV versucht schon seit Wochen, diese Spieler zu verkaufen? Und das gelingt nicht? Wieso das denn? Kann nicht angehen, kann ich nicht glauben. Das sind doch alles hochbezahlte HSV-Profis . . . Nun gut, das wird noch. Ganz sicher. Und wenn nicht? Dann hat der HSV ja auch schon Übung im Verschenken. Marcus Berg hat es uns allen und dem HSV ja vorgemacht. Zum Wohle des HSV.

Übrigens hat heute Rafael van der Vaart zu uns gesprochen. Um es einmal vorweg zu nehmen, der Niederländer tut mir leid. Er wurde, von Klaus-Michael Kühne, zum HSV zurückgeholt und hat bislang niemanden gefunden, mit dem er so richtig gut zusammenspielen kann. Früher konnte er das mit Sergej Barbarez, dem kleinen Dribbelkünstler (de jetzt in Spanien um Anschluss bemüht ist), mit Mehdi Mahdavikia, David Jarolim, Timothee Atouba, Guy Demel, Daniel van Buyten, Raphael Wicky, Stefan Beinlich und einigen mehr. Und heute? Auf diese Frage dürft ihr Euch gerne selbst die Antwort geben. ich glaube, dass sich die „ewige 23“ erstens mehr von seiner Rückkehr zum HSV versprochen hat, und dass er zweitens zurzeit nicht gerade glücklich in seiner Rolle als HSV-Spieler ist. Letzteres habe ich bewusst ein wenig untertrieben.

Rückblickend sagt van der Vaart (auf das 1:5 bezogen): „Es tut natürlich weh, wenn man so verliert, keine Frage. Es ist auch schwer zu verstehen, wenn man so gut auf Schalke spielt, und dann gegen Hoffenheim daheim so untergeht. Die Achterbahn-Fahrt geht weiter. Nach einem guten Spiel folgt ein schlechtes – also wäre in Berlin jetzt wieder ein gutes dran.“ Stimmt. Hoffen wir das Beste. „Rafa“ sagt weiter: „Im Moment ist es vielleicht einfacher für uns, wenn wir auswärts spielen, denn dann müssen wir nicht schön spielen, dann müssen wir das Spiel nicht machen. Dann haben wir auch etwas mehr Räume, zu spielen, und das könnte dann Selbstvertrauen geben.“

Zuletzt hatte es ja auch Kritik n den „Alten“ und „Erfahrenen“ gegeben, dass die die jungen Spieler nicht führen. Van der Vaart sagt: „Zuletzt haben wir alle schlecht gespielt, alte wie junge Spieler. Das ist auch eine Kopfsache. Wenn etwas schiefläuft, sind wir nicht in der Lage, das Spiel umzudrehen.“ So ist es – leider. VdV weiter: „Wir müssen jetzt das Hoffenheim-Spiel aus den Köpfen bekommen, wir wissen, dass wir uns blamiert haben – jetzt müssen wir unsere Ehre wieder zurückholen. Ich weiß, das haben wir schon oft gesagt, aber so ist es ja. Leider passiert das aber zu oft, das stimmt schon.“ Quintessenz? Platz sechs, der angepeilt wird, ist wohl doch nur Utopie, oder? „Rafa“, der auch von diesem Ziel gesprochen hat, sagt: „Es ist ja erst der zweite Spieltag vorbei, vor einem Jahr hatten wir nach drei Spieltagen nur null Punkte. So gesehen sind wir schon besser gestartet, mit diesem einen Punkt.“ Nur damals, das bleibt festzuhalten, kam Rafael van der Vaart erst nach diesen drei punktlosen Spielen zum HSV und bewirkte den Umschwung. Wer kommt diesmal? Keiner!

Zur „Aogo-Affäre“ (die auch eine „Rincon-Affäre“ ist) hat Rafael van der Vaart eine spezielle Meinung: „Ich nehme das ganz locker. Was er privat macht, das macht er privat. Dass es nicht schlau ist, das ist auch klar, das wissen wir – aber für mich ist das kein großes Problem.“ Für andere ist es das aber schon. Der Niederländer sagt jedoch: „Solche negativen Schlagzeilen gehören zum Fußball, das ist nach einem 1:5 doch normal. Dann kommen sie alle aus ihren Löchern raus und reden nur schlecht. Aber dann reden sie überall auf der Welt schlecht von dem Verein, der so verloren hat, das gehört wohl zum Fußball-Geschäft dazu.“

Der Trainer will in Zukunft etwas defensiver spielen lassen, mehr Wert auf die Defensive legen. Kann das der HSV überhaupt? Van der Vaart sagt: „Wir wollen gerne Druck machen und nach vorne spielen, aber wenn es dann nicht läuft, dann stehen wir oft auch zu weit auseinander. Das müssen wir versuchen abzustellen, wir müssen kompakter stehen. Lieber mal 1:2 verlieren, statt 1:5 oder 2:9. So etwa passiert uns zu oft, das ist ganz klar unsere Schuld. Wir wollen gerne Fußball spielen, gerne gewinnen, wir wollen nach vorne spielen, aber in dieser Situation sollten wir uns darauf besinnen, zunächst einmal die Null halten zu wollen. Wir bekommen zu viele Gegentore, da müssen wir gemeinsam rauskommen.“

Dass die Zuschauer am Sonnabend in Scharen frühzeitig das Stadion verließen, das hat van der Vaart mitbekommen – er meint: „Wenn man in einem Spiel innerhalb von zehn Minuten drei Gegentore kassiert, dann ist klar, dass das jedem HSVer weh tut. Jetzt ist es unsere Aufgabe, das wieder umzudrehen, dass die Leute uns wieder lieben.“ Dass er die Kapitänsbinde bei seiner Auswechslung nach hinten „fallen“ ließ, das beschreibt er heute so: „Ich habe sie zu Petr Jiracek geworfen . . . Aber ist doch klar, dass auch ich enttäuscht war. So etwas geht ja auch an mir nicht spurlos vorbei. Ich habe nach dem Spiel ganz schlecht geschlafen, das muss ich schon sagen.“

So, dann gab es noch ein SID-Interview, das bestimmt Eure Aufmerksamkeit erhalten wird:

Nach dem 1:5 gegen 1899 Hoffenheim lieferte der Hamburger SV weitere Negativ-Schlagzeilen. Der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow bezieht im SID-Interview Stellung.

SID: „Herr Jarchow, der HSV kommt nicht zur Ruhe. Jetzt lieferte sich laut Medienberichten Aufsichtsrat Hans-Ulrich Klüver eine Auseinandersetzung mit einem Ordner auf dem Arena-Parkplatz. Wie haben Sie reagiert, als sie am Mittwoch die Zeitung aufgeschlagen haben?“

Carl Jarchow: „Ich hatte es am Dienstag schon mitbekommen, es war keine Überraschung mehr für mich. Ich werde es nicht kommentieren. Klar ist, dass man sich über die aktuellen Schlagzeilen nicht freut.“

SID: „Der HSV steht derzeit stark im Fokus. Wie gehen Sie damit um, dass nach dem 1:5 gegen Hoffenheim schon nach dem zweiten Spieltag der Druck sehr hoch ist?“

Jarchow: „Ich finde es überraschend, dass der HSV immer sofort sehr kritisch beurteilt wird. Das war schon vor dem 3:3 gegen Schalke so, dann stimmte die Leistung. Sobald aber der nächste Rückschlag kommt, prallt es mit voller Wucht ein. Das frappierende an der Niederlage gegen Hoffenheim war, dass alles innerhalb von elf Minuten gekippt ist. Insofern liest sich das 1:5 schon als große Niederlage. Wir wissen aber, dass die Mannschaft es kann. Alle Beteiligten machen sich große Gedanken, aber wir werden nicht nach einer Niederlage alles in Schutt und Asche legen.“

SID: „Dennis Aogo und Tomas Rincon sind an den freien Tagen im Anschluss an das 1:5 nach Mallorca geflogen. Wie beurteilen Sie die Trips?“

Jarchow: „Ich finde es äußerst enttäuschend, weil sie jegliche Sensibilität für die Situation vermissen lassen und zeigen, dass sie nicht verstanden haben, was so eine Niederlage für den Verein bedeutet. Zwei freie Tage sind nicht dazu gedacht, Party zu machen, sondern dazu, sich Gedanken zu machen. Schlechter geht es nicht.“

SID: „Mit welchen Konsequenzen müssen die beiden Profis rechnen?“

Jarchow: „Arbeitsrechtlich können wir nichts unternehmen, weil wir ihnen nicht vorschreiben können, wo sie sich an freien Tagen aufhalten. Von Geldstrafen halten ich eher weniger, aber Folgen wird es sicher haben.“

SID: „Was halten Sie von der Entscheidung von Trainer Thorsten Fink, nach der klaren Niederlage zwei Tage frei zu geben?“

Jarchow: „Man kann diskutieren, ob zwei freie Tage richtig sind oder nicht. Aber es ist die Entscheidung des Trainers, die ich respektiere und nicht kommentieren werde. In der öffentlichen Beurteilung wird sich das nach unserem Spiel in Berlin zeigen. Wenn es schlecht ausgeht, werden die freien Tage sicher als Fehler gewertet, wenn wir gewinnen, hat Thorsten Fink alles richtig gemacht.“

PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 16 Uhr im Volkspark trainiert

17.31 Uhr

“Ruhm folgt deiner Leistung wie ein Schatten”

14. August 2013

Das war ja niedlich! Mitten auf dem Rasen des Trainingsplatzes sangen die HSV-Profis munter ein Lied. Ein Geburtstagsständchen für Heiko Westermann, der heute 30 Jahre jung geworden ist. Und danach folgte ein sehr, sehr gutes Training, das diesmal eine Stunde und 45 Minuten dauerte. Da war Zug drin. Und nicht etwa deshalb, weil Trainer Thorsten Fink so etwas wie ein Straf-Training abhielt, sondern weil es wohl einfach mal nötig oder erforderlich war. Die Jungs haben alle super mitgezogen, sodass ich mittendrin mal dachte: Jeder will seinen Platz verteidigen, oder die, die bislang außen vor waren, die wollen dem Coach zeigen, dass sie sich mit einem guten Training anbieten. Das sah richtig gut aus, wobei ich bewusst nicht von einer guten Stimmung schreiben will. Es hat nämlich auch keiner oft oder laut gelacht – alle waren einfach nur engagiert und diszipliniert dabei. Mehr davon . . .

Erst ein „normales“ Training rechts, dann ging es auf den Kunstrasen, wo ein Kraftzirkel absolviert wurde. Das, so haben die Kiebitze wohl gedacht (auch ich!), war es dann – aber denkste! Dann ging es wieder auf den Rasen zurück und es wurde noch ein kleines, sehr gutes und auch sehr intensives Spielchen gemacht. Das schönste Tor des Vormittags schoss dann ausgerechnet das Geburtstagskind, Heiko Westermann traf aus halblinker Position hoch in den hinteren Winkel – ein Traumtor. Zugleich das letzte in diesem Spiel, und wohl auch die Entscheidung zu Gunsten des Westermann-Teams. Beim Abgang der Spieler in die Kabine dachte ich so bei mir: „Wenn die Mannschaft so gut und konzentriert auch am Sonnabend gegen Hoffenheim auftritt, dann werden die drei Punkte im Volkspark bleiben . . .“

Hoffentlich. Obwohl Thorsten Fink schon einmal vorab warnt: „Das wird ein schwereres Spiel, als zuletzt gegen Schalke. In Gelsenkirchen hatten wir nichts zu verlieren, da haben wir frech gespielt – so will ich uns auch gegen Hoffenheim sehen, ganz klar. Aber um das klar zu sagen: Es war das erste Spiel, wir haben gut gespielt, aber ich will mich da auch nicht zu sehr blenden lassen. Wir nehmen das mit, und die Mannschaft muss das Selbstvertrauen daraus mitnehmen, muss aber auch mit der gleichen Aggressivität und mit der nötigen Cleverness und mit dem richtigen Umsetzen der taktischen Vorgabe wieder zu Werke gehen. Sie muss gierig sein auf Erfolg.“ Fink weiter: „Was mir sehr gut gefalle hat, das war, dass wir immer wieder nach Rückstand oder nach dem Ausgleich wiedergekommen sind. Die Ausstrahlung, die war mir sehr wichtig, und die möchte ich wieder sehen. Wir sind mental gefestigt, und das gibt mir die Hoffnung, dass wir aus der vergangenen Saison gelernt haben.“

Dann sagte Thorsten Fink auch noch: „Ich habe kürzlich ein Buch gelesen, das heißt: ‚Der Ruhm folgt deiner Leistung wie ein Schatten.’ Soll heißen: Wenn ich gut spiele, werde ich jedes Mal Punkte holen.“ Frei übersetzt jedenfalls . . .

Nun aber gibt es einen neuen Gegner, einer, der sich vielleicht erst einmal nur hinten reinstellen wird – und den HSV kommen lässt. Thorsten Fink hat so seine Vorstellungen vom kommenden Sonnabend: „Hoffenheim ist eine gute Mannschaft, die sehr gut organisiert ist, die sehr aggressive spielt, immer mit einem Gegen-Pressing spielt – und das ist eine ganz andere Mannschaft, als noch in der vergangenen Saison.“ Da hatte der HSV beide Spiele gewonnen. Aber eine ganz andere Mannschaft könnte ja auch durchaus der HSV sein. Schon deswegen, weil auf Schalke zuletzt „ohne Sturm“ gespielt wurde. Sollte Fink das auch am Sonnabend (Anstoß 15.30 Uhr im Volkspark) versuchen, wäre das auf sicher ein „neuer HSV“. Noch aber ist in dieser Hinsicht keine Entscheidung gefallen, der Coach überlegt noch.

„Ich könnte mir vorstellen, dass wir so auch einmal in einem Heimspiel auftreten, aber ich will auch variable bleiben. Mal mit einem Stürmer vorne drin spielen lassen, mal ohne. Sodass wir auch verschiedene Möglichkeiten haben. Es kann also durchaus sein, dass Artjoms Rudnevs vorne drin spielt – schaun wir mal.“ Und das ist ja keine ganz so schlechte Konstellation. Wie soll sich ein Gegner wie Hoffenheim darauf einstellen? Mal ein Stürmer des HSV, mal keiner.

Und wenn keiner, dann ist es als einer von vier Möglichkeiten ja auch Rafael van der Vaart, Hört sich kurios an, stimmt aber, denn einer war auf Schalke ja immer dann vorne drin, wenn der HSV in Ballbesitz war. Auch der „kleine Engel“. Und in dieser „Zwitter-Position“ machte er wohl sein bestes Spiel seiner HSV-Neuzeit. Fink lobt die „ewige 23“: „Rafa hat ein sehr gutes Spiel gemacht, aber ich wusste auch vorher, dass ich einen sehr guten Kapitän habe. Entscheidend ist, dass man Verantwortung auf dem Platz übernimmt, das macht er, er hatte keine Angst, den Elfmeter zu schießen. Beim Stande von 0:1 ist das ganz sicher nicht so leicht, als wenn man 2:0 oder 3:0 führt. Er war eiskalt dabei, er ist sehr professionell und hat sehr gute Nerven. Er ist aber auch fit, und er wirkte sehr spritzig. Das haben wir genau dosiert, sodass er auf den Punkt fit war – so wie wir das wollten.“

Eventuell hatte ja aber auch Stefan Effenberg, der „ewige Mittelfinger“, dafür gesorgt, dass van der Vaart so bissig war, denn der ehemalige deutsche Nationalspieler hatte sich vor dem Spiel auf Schalke nicht gerade gut über den Niederländer geäußert. Fink dazu: „Ich lasse mich nicht davon beeinflussen, wir wollen uns nicht mit Dingen beschäftigen, die andere Leute über uns wissen wollen. Wir wollen eine gute Saison spielen, alles andere wird dann von allein ergeben. Wir wollen unsere Leistung bringen, und nicht über Dinge, die von außen an uns herangetragen werden, den Kopf zerbrechen.“

Fest steht aber, dass Rafael van der Vaart der beste Hamburger am vergangenen Sonntag war, dass er auch „giftiger“ war als zuletzt. Thorsten Fink aber hat den Niederländer vorher nicht besonders angestachelt, auch kein Vier-Augen-Gespräch mit ihm geführt. Fink: „Das war vorher alles ganz normal, da muss ich ihn nicht besonders kitzeln. Aber er kann ja auch Zeitungen lesen, und wenn er das von Effenberg dann liest, dann sieht er das vielleicht so, dass es ihn anstachelt. Vielleicht war die Aussage Effenbergs dann doch nicht so schlecht, vielleicht war das noch eine besondere Motivation.“ Dann fügt Thorsten Fink noch an: „Grundsätzlich ist Rafael aber motiviert genug, er will eine gute Saison spielen.“ Und: „Wir konnten in der vergangenen Saison mit ihm zufrieden sein, und trotzdem weiß er, dass er natürlich noch mehr Tore schießen kann. Das hat er in der Vergangenheit ja auch schon gezeigt – und das will er auch in dieser Saison. Das aber gilt für alle, jeder will sich in dieser Spielzeit verbessern wollen, das muss für jeden Spieler ein Ansporn sein.“

Das aber scheint – im Moment jedenfalls – zu stimmen. Dafür gibt es einige Beispiele. Eines davon heißt Tolgay Arslan. Der deutsche U-21-Nationalspieler hat sein Spiel umgestellt. Weg vom „Daddelbruder“, hin zum erfolgreichen Sechser. Arslan ist kein Schönspieler mehr, er spielt zweckmäßig. Und gelegentlich tritt er auch seien Gegenspielern auf die Füße. Zuletzt hatte das Nationalspieler Draxler zu spüren bekommen, der Schalker musste verletzt vom Platz. Dazu schrieb mir der „Matz-abber“ Joachim K.:

Sehr geehrter Herr Matz,

ich lese jeden Tag mit Freude Ihre Artikel über den HSV. Ich möchte Sie, falls Sie noch dazu kommen, den Spieler Arslan fragen, ob es ihm Spaß macht, andere Spieler mit Absicht zu verletzen. Das letzte Opfer war der Spieler Draxler. Fernsehbilder beweisen, das er gar nicht die Absicht hatte, den Ball zu treffen. Als HSV Fan finde ich seine Spielweise erschreckend. Bei mir würde er nicht spielen.

Mit freundlichem Gruß.

Ich habe mit Tolgay Arslan darüber gesprochen, über seinen neuen Job, über die Umstellung seines Spiels, über seine Härte – auch über das Foul gegen Julian Draxler. Speziell zum Foul sagte Arslan: „Das war absolut unabsichtlich, es tut mir leid – und ich wäre froh, wenn er am Sonnabend wieder spielen könnte, weil er ja schon auf das Länderspiel gegen Paraguay verzichten musste.“ Dann sagte der Deutsch-Türke auch: „So etwas passiert in einem Spiel, das kann man nie ausschließen. Ich selbst habe es vor zwei Jahren erfahren müssen, da war ich nach einem Tritt sieben Monate verletzt, das war eine ganz bittere Zeit für mich.“ Damals hatte ihn der damalige Wolfsburger Dejgah bei einem Testspiel (!) in Flensburg ganz böse getreten und noch übler verletzt.

Seit dieser Zeit hat sich offenbar einiges verändert im Leben des Profi-Fußballers Tolgay A. Er wurde von seinem Trainer Monate nach der Verletzung auf die „Sechs“ gestellt – und schlug ein. Und nun schon wieder. Arslan spielt und zeigt Härte, die man auf dieser Position haben und zeigen muss. Viele haben ihm das so nicht zugetraut, auch ich nicht, aber er kann es. Und sagt dazu: „Früher musste man auf der Sechs nur Abräumer-Qualitäten haben, heute reicht das nicht mehr. Man muss das Spiel des Gegners zerstören können, und dann auch mit dem Ball den Aufbau des eigenen Spiels beginnen.“ Ihm gelingt diese Synthese ausgezeichnet. Er steckt ein, er teilt aus – und verteilt und erobert Bälle. „Ich will nicht verlieren, ich will den Ball, ich will, dass wir gewinnen – dafür gebe ich alles. Dass ich auch Tritte einstecken muss, das ist mir bewusst, aber das kann ich ja auch, ich beklage mich nicht.“ Auf Schalke zum Beispiel hat er diverse Tritte von Jones einstecken müssen – Arslan hat es überlebt. Unverletzt.

Grundsätzlich möchte ich sagen, dass ich eine solche Umstellung, wie sie Tolgay Arslan nun mitgemacht hat, großartig finde. Und ich finde es auch gut, wenn sich ein Spieler zu behaupten und zu wehren weiß. Und ist es nicht so? Beim HSV gibt es ja nicht viele Spieler, die sich durch Härte Respekt verschaffen wollen (oder müssen), in diesem Punkt ist der HSV eine eher zu faire Mannschaft. Ein Typ wie Khalid Boulahrouz, Bernd Hollerbach, Nico Hoogma oder Stig Töfting gibt es in diesem Team (oder auch seit vielen Jahren) doch kaum noch. Vielleicht Tomas Rincon? Arslan könnte da eher einer sein, der den jungen Nebenleuten zeigt wie man sich behaupten kann – oder sollte. Man darf es nur nicht übertreiben. Und schon gar nicht absichtlich foulen. Aber das hat Tolgay Arslan ja auch gesagt, dass dieses Foul an Draxler unabsichtlich war.

Thorsten Fink sagt über Tolgay Arslan: „Er muss da reinwachsen in diese Rolle, aber ich finde auch, dass er das schon sehr gut gemacht hat. Er ist technisch gut, er teilt die Leute ein, er hat keine Angst, er holt sich Bälle auch wenn es eng wird, auch wenn man in Rückstand gerät, auch wenn man vorher einen Fehlpass geschlagen hat – er ist ein Spieler, der will nach oben. Er gibt in jedem Spiel und in jedem Training alles, er kann nicht verlieren, er will nicht verlieren, er passt absolut in das Anforderungsprofil, das ich an meine Spieler habe.“ Und weiter: „Arslan ist kein Treter, das Foul gegen Draxler war unabsichtlich und unglücklich. Tolgay wird nie ein Treter werden – das will ich auch gar nicht.“

PS: Heute hat Zhi Gin Lam wieder mit der Mannschaft trainiert, sah alles bestens und prima aus.

PSPS: Morgen, am Donnerstag, ist um 16 Uhr Training im Volkspark.

17.21 Uhr

Ein Hamburg-Scherz auf Hoeneß’ Kosten

29. April 2013

Am Wochenende spielt die Bundesliga, und am Dienstag und Mittwoch können die Fans Fußball sehen. Im Fernsehen. Zum Glück gibt es ja die Champions League, und da wird noch richtig guter Fußball gespielt. So wie Fußball aussieht. Und nicht ein solch fades Gekicke wie zuletzt in Gelsenkirchen. Was uns allen ja trotzdem als Fußball vorgesetzt oder verkauft wird . . . Aber es ist ja so wie es ist. Und es soll ja auch alles schon sehr bald viel, viel besser werden. Und das wird es ganz bestimmt auch. Weil der HSV die richtigen Männer dafür hat.

Apropos. Von „Eiche“ gab es diesbezüglich einen Hinweis, und zwar einen Kommentar auf facebook:

Nun schaut mal liebe Leute: Bei uns ist ziemlich viel im Argen. Und was macht unser AR-Vorsitzender in dieser Zeit? Er äußert sich öffentlich in einem sozialen Netzwerk:

„FC Bayern vor nächstem Hammer-Transfer: Hoeneß zu JVA München!”

Ist das nicht fantastisch, souverän und abgeklärt? Hat einen Haufen Dilettanten um sich herum, aber Zeit für dumme Sprüche.
Ganz hanseatisch, der Herr Ertel. Toll.

Also, mal im Ernst. Ich kann und will nicht glauben, dass ein so überaus intelligenter Mann wie Manfred Ertel so etwas von sich gibt. Ich lehne es ab, das zu glauben, ich weigere mich auch schlichtweg, das zu glauben. Das kann nicht sein. Und es ist bestimmt auch nicht so. Herr Ertel ist Spiegel-Journalist, der weiß genau, was witzig ist, was Satire ist – und was nicht. Und er weiß sicherlich auch einzuschätzen, was ein Uli Hoeneß geleistet hat, und was er (Manfred Ertel) bislang im deutschen Fußball geleistet hat. Manfred Ertel weiß ganz sicher genau, dass er erst am Anfang einer großen Fußball-Funktionärs-Karriere steht, und dass Uli Hoeneß in dieser Republik trotz dieser Steuer-Affäre hohes Ansehen genießt. Bei vielen Leuten jedenfalls, auch wenn sich einige von ihm losgesagt haben. Aber selbst wenn dieser angekündigte „Hammer-Transfer“ klappen sollte – Hoeneß bleibt Hoeneß, der Vater aller Bundesliga-Manager. Er hat niemanden umgebracht, das ist schon mal gut, und er hat einen riesigen Fehler gemacht, indem er das Volk betrogen hat – aber das weiß ein so kluger Mann wie Uli Hoeneß auch selbst – und dafür wird er auch büßen. Ganz sicher. Deutschland ist schließlich ein Rechtstaat. Hoeneß wird seine Strafe auch akzeptieren, und dann wird auch Ende sein. Jedenfalls mit dieser Affäre.
Also, bitte nicht zu ernst nehmen das alles, empört euch nicht, das war Manfred Ertel, das ist meine Meinung, ganz bestimmt nicht, da hat sich einer unter seinem Namen einen ganz billigen Scherz erlaubt . . . Das ist im Internet ja gelegentlich an der Tagesordnung.

Und noch eines möchte ich noch loswerden: Sollte es dem HSV eines fernen Tages tatsächlich einmal so schlecht ergehen, dass er finanziell ums Überleben kämpfen muss, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, dann sollte dieser HSV besser nicht an die Tür von Uli Hoeneß dem Steuersünder klopfen. Ich befürchte, dass der Bayern-Boss dann so laut loslachen wird, wie er über diesen netten Spruch mit der JVA München gelacht hat.
Aber, um auch das einmal klar zu sagen: Der HSV wird nie in diese missliche Lage kommen, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, denn da wacht ja ein aufgeweckter Aufsichtsrat drüber, dass so etwas nie im Leben passieren wird.
Und noch eine kleine, unmaßgebliche Anmerkung zu dieser JVA-München-Geschichte: Uli Hoeneß hat ja nicht nur dem FC St. Pauli geholfen, als dieser vor dem Kollaps stand, er hat auch unzähligen anderen Vereinen schon geholfen. Ist ja alles nachzulesen. Und dieser Uli Hoeneß, das weiß kaum einer, hat auch bereits dem oftmals sehr, sehr klammen HSV schon unter die Arme gegriffen – und geholfen. Das weiß nur dieser Witzbold, der unter dem Namen Ertel geschrieben hat, nicht. Sonst hätte er gewiss solche Zeilen nie in die Öffentlichkeit gebracht. Nie. Sage ich mal.

Ich schätze, das muss ich an dieser Stelle auch mal loswerden, Manfred Ertel eher so ein, dass er sich in erster Linie gradlinig, fair und selbstkritisch über und zu seinem HSV äußern würde – nach diesem neuerlichen Minus-Auftritt am Sonntag. Über diesen Anti-Fußball ließe es sich doch auf facebook sicherlich seiten- und tagelang schreiben. Um sich das nur einmal kurz vor Augen zu führen, was da Sache war: Da könnte eine Mannschaft (wie zum Beispiel der HSV) mit einem Sieg auf Schalke auf einen Champions-League-Platz (!) vorstoßen, führt auch schnell 1:0 – und lässt dann alles vermissen, was einen Auswärtssieg unter Dach und Fach bringen würde. Zum Beispiel mal Kampfgeist. Oder Einsatz. Engagement. Mannschaftliche Geschlossenheit. Herz. Biss. Leidenschaft. Laufbereitschaft. Willen. Kratzen. Kloppen. Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen (ohne Rücksicht auf Verluste). Oder auch nur mal 90 Minuten lang hammerhart in die Zweikämpfe gehen, nur um dem Gegenspieler mal kurz zu zeigen, was hier alles auf dem Spiel steht.

Aber, was haben wir gesehen?
Begleitschutz in Vollendung und zum Verlieben. Streicheln, schmeicheln, liebkosen, umgarnen, Süßholz raspeln. Wunderbar. Nach allen Regeln der Kunst.

Dieser HSV 2013 denkt nämlich nicht an die Champions League. Weil es ja doch schlicht und einfach nicht rechtens wäre, wenn dieser HSV im Konzert der ganz Großen des europäischen Fußballs mitspielen würde. Da sind sie ja alle in Hamburg Realisten genug. Deswegen war nur das vom HSV auf Schalke zu sehen, was wir gesehen haben, was wir sehen mussten: Schalke ist besser als der HSV, Schalke war besser als der HSV, deswegen war der Sieg auch völlig verdient, der HSV muss dann eben seine Punkte gegen andere, gegen schlechtere Mannschaften einfahren. Zum Beispiel gegen Greuther Fürth. Zum Beispiel Augsburg. Oder auch Freiburg. Nein, stopp. Freiburg ist ja derzeit Tabellensechster, also steht (viel) besser als der HSV. Da kann man dann auch mal ganz leicht keine Punkte holen. Wie wir wissen.

Ich kenne keinen HSV-Fan, keinen HSV-Anhänger, keinen Hamburger, der sich über eine solche traurige Vorstellung nicht aufregt. Und ich bin mir sicher, ganz sicher sogar, dass auch ein Mann wie Manfred Ertel diese traurigen 90 Minuten von und auf Schalke zum Anlass nehmen würde, den Verantwortlichen ins Stammbuch zu schreiben, wie grottig das alles war. Der HSV 2013 ist auch eine Frage der Qualität. Und diesbezüglich habe ich die Hoffnung aufgegeben, das sage ich offen und ehrlich. Diese Mannschaft spielt so, wie sie von der Qualität ihrer Spieler auch zusammengestellt worden ist. Brav, bieder, amateurhaft. Ich erwarte in den restlichen drei Spielen von dieser Truppe nichts mehr, dieses Team ist keine Einheit, wird es auch nie, diese Mannschaft setzt sich aus elf Einzelartisten zusammen, die es alle können – nur nicht gemeinsam.

Leider mache ich mir schon in Sachen nächster Spielzeit die allergrößten Sorgen um ein so großes Talent wie Hakan Calhanoglu, das bekanntlich im Sommer vom KSC zum HSV kommen wird. Ich befürchte, dass der junge Mann hier auch gleich so „eingeordnet“ wird, dass er nur untergehen kann. Das hat der HSV schließlich mit jedem noch so großen Talent geschafft – das wird auch im Fall Calhanoglu klappen. Ich bin mir da fast sicher.

Das läuft schließlich seit Jahren schon so. Obwohl es in dieser Saison auch ein Gegenbeispiel gibt: Marcell Jansen. Jahrelang verletzungsanfällig, jahrelang nicht in Bestform, jahrelang als einer jener Spieler bekannt, die viel reden, viel versprechen, von denen aber nicht allzu viel kommt. Auf dem Rasen. In dieser Saison aber zeigt Jansen es allen – auch mir. Jansen war auf Schalke einer derjenigen, die das brachten was sie können, und er geht seit Wochen, seit Monaten mit bestem Beispiel voran, wenn es darum geht, den Weg aufzuzeigen. Auch auf dem Rasen. Wenn sich, das behaupte ich auch mal frech, im Moment alle so den Hintern aufreißen würden wie Jansen, dann wäre es besser um den HSV bestellt. Ganz sicher.

Ausnahme Rene Adler. Der Mann mit den tausend Armen und Händen bringt – Ausnahme Hannover – immer seine überdurchschnittliche Leistung und bewahrt den HSV vor peinlichen Niederlagen und rettete der Mannschaft, seiner Mannschaft, auch schon so manchen Dreier. Der ehemaligen HSV-Torwart Horst Schnoor, Keeper der Meistermannschaft von 1960, sagte mir zu diesem Themas: “Ich bewundere Rene Adler, wie der diese ganzen Unzulänglichkeiten seiner Vorderleute wegsteckt, wie ruhig er bleibt. Ich könnte das nicht.” Schnoor weiter: “Rene Adler muss sich doch längst mal fragen, wo er hier reingeraten ist? Er ist doch der einzige HSV-Spieler, der konstant seine Leistungen bringt. Und ich würde mich auch nicht wundern, wen er nicht doch noch zu einem anderen, zu einem besseren Verein wechseln würde, denn Angebote hat er ja wohl genug. Und ich würde ihm auch einen Wechsel nicht verübeln, denn wenn er bleibt, dann muss man ihn doch nach den meisten Spielen nur bemitleiden . . .”

Ich behaupte dazu auch gerne noch ein weiteres Mal: Wenn dieser HSV 2012/13 diesen Rene Adler nicht zwischen den Pfosten hätte, dann würde dieser HSV 2012/13 auf Augenhöhe mit Fürth, Hoffenheim, Augsburg, Düsseldorf und Werder stehen. Das mag bitter klingen, ist aber Realität. Und wenn ich dazu an Udo Bandow denke, dann wird mir ganz übel – vor der Zukunft des HSV. Denn, ich muss es noch einmal und noch einmal schreiben, der ehemalige Aufsichtsrats-Chef hatte sich ja kürzlich im „HSV Magazin live“ wie folgt geäußert und keine Entgegnungen seitens des Vereins geerntet: „Ich befürchte, dass der nicht durch Vereinsvermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.“

Diese Befürchtungen teilen viele und immer mehr, aber niemand unternimmt etwas, damit es dem HSV besser demnächst mal geht. Nicht mal der Aufsichtsrat. Oder geht da etwas an mir vorbei?

Ich frage mich: Wo und wie soll das alles noch enden? Auch wenn einige kluge und noch viel, viel klügere Menschen nun schon wieder sagen werden: „Was soll dieser Mist, Matz? Es ist doch nicht so schlimm um den HSV bestellt, wie du es immer fälschlich beschreibst . . .“
Abwarten, ihr netten Leute, abwarten. Und dazu vielleicht auch noch ein wenig in der Vergangenheit herumkramen und versuchen, sich zu erinnern: Inzwischen haben es ja doch auch schon einige (eigentlich Unbelehrbare) geschnallt, die es früher so oft nicht wahrhaben wollten, dass es nämlich finanziell schlecht um den HSV bestellt ist. Da wurden uns von Matz ab immer die klügsten, besten und tollsten Bilanzen vorgehalten, da wurden wir vernichtet und es wurde gerechnet und gerechnet und gerechnet. Und da wurden immer wieder noch die ältesten Ablösesummen von Kompany, Ujfaluis, Boulahrouz, de Jong und van der Vaart ins Feld geführt, mit denen der HSV wieder (ganz sicher) zur alten Stärke aufsteigen wird – wie Phönix aus der Asche. Dabei waren diese Summen schon lange vereinnahmt und wieder für neue (und schlechtere) Spieler ausgegeben worden.

PS: Ich mache mir schon Sorgen um diesen HSV, der aber immerhin in dieser Saison nicht in den Kreis der Abstiegskandidaten gerutscht ist (wie von vielen vorher befürchtet). Das war gut. Aber wie geht es weiter? Und eines ist auch klar: Ich mache mir keine Sorgen um Uli Hoeneß. Der ist stark genug, um sich selbst zu helfen. Und da behaupte ich mal: aber ganz, ganz sicher. Dem können sie nicht mal aus Hamburg ans Bein pinkeln . . .

PSPS: Ein Gerücht besagt, dass sich Hannover 96 diesmal nicht um Gojko Kacar, sondern vielmehr um Dennis Diekmeier bemüht. Öfter mal was Neues. „Scholle“ sprach in diesem Zusammenhang mit „DD“ und der Abwehrspieler sagte ihm: „Ich fühle mich sehr wohl beim HSV und könnte mir vorstellen, hier zu verlängern.“ Die Gespräche mit dem „großen“ HSV laufen zurzeit.

PSPSPS: Morgen (Dienstag) wird um 15 Uhr geübt.

Kurze Ergänzung: Am Abend wurde der “Hammer-Transfer-Spruch” von der betreffenden facebook-Seite zurückgezogen bzw gelöscht.

17.33 Uhr

Für eine Nacht Europa League?

21. November 2012

Es gibt so viele Dinge, die keinen Sinn machen. Wie zum Beispiel das 20-Millionen-Euro-Angebot für Heung Min Son. Da spielt der Südkoreaner seine erste halbwegs erfolgreiche – allerdings noch längst nicht konstant gute – Saison, und schon überschlagen sich europäische Topklubs? Zumindest soll das so sein. Liverpool will Son, heißt es! Inzwischen ist aus anfänglich kolportierten zehn Millionen kurzer Hand ein Angebot über 20 Millionen Euro geworden! Und der HSV lehnt ab.

Der HSV lehnt ab? Macht das alles einen Sinn?

Nein! Absolut nicht. Für 20 Millionen Euro würde der HSV Son in Watte verpackt bis in die Umkleidekabine der Reds liefern, um auch ganz sicher zu sein, dass an dem Deal nichts mehr schiefgeht. 20 Millionen wären absolut nicht ablehnbar. Wahrscheinlich wären es nicht einmal die zehn Million, obgleich man mit Son auch gleich zwei, drei neue Werbepartner verpflichtet. Was auch für einen Verkauf spricht: Der HSV ließ trotz derzeit deutlich geringerer finanzieller Nöte schon deutlich arriviertere Spielergrößen ziehen. Rafael van der Vaart beispielsweise ging für 15 Millionen zu Real Madrid, Vincent Kompany für knapp zehn Millionen Euro zu ManCity. Dazu gingen van Buyten, Ujfalusi, Boulahrouz und de Jong einst, weil das jeweilige Angebot nicht abzulehnen war. Das Einzige, was bei der Kiste Son einen Sinn ergibt, ist der Zeitpunkt der kolportierten Angebote. Denn: Dass diese Zahlen unmittelbar im Vorfeld der Vertragsgespräche des HSV mit seinem Talent auftauchen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Zufall! Da wird versucht, einen Preis nach oben zu schrauben. Und das nicht vom HSV.

Aber wohl mit Erfolg. Medien springen auf die Meldung an. Auch wir hier mit dem „MatzAb-Blog“ springen jetzt darauf an, nachdem zuvor im Blog fleißig über Sinn und Unsinn eines Verkaufes diskutiert wurde. Eine Diskussion, an der ich gern ganz kurz teilhaben möchte: Ich würde es ebenso fahrlässig finden, wenn der HSV in der jetzigen Situation ohne Ersatz seinen besten Torschützen verkauft wie den Umstand, eine 20-Millionen-Offerte für den Sükoreaner abzulehnen. Immerhin ist Son eines der größten Talente des HSV – aber in finanziell schwierigen Zeiten sicher alles andere als unverkäuflich. Sportchef Frank Arnesen – und das wird er gemacht haben – ist auf jeden Fall gut beraten, sich schon mal nach vergleichsweise günstigem aber sportlich adäquatem Ersatz umzusehen, sollte tatsächlich mal ein Millionenangebot für Son ins Haus flattern.

Bis dahin allerdings werde ich das Thema Son weitgehend umschiffen – weil es bei derartig viel „Stiller-Post-Fakten“ einfach keinen Sinn macht.

Viel mehr Sinn macht es dagegen, sich mit dem nächsten Spiel zu beschäftigen. Das findet in zwei Tagen in Düsseldorf statt und könnte den HSV wenigstens für eine Nacht in das obere Drittel schieben. Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, wäre mit einem Punkt aus der Düsseldorf-Partie bereits erreicht. Und dass Hannover (in München), Werder (in Wolfsburg) und Mainz (gegen Dortmund) an diesem Spieltag punktlos bleiben, ist längst nicht ausgeschlossen. Ergo: Düsseldorf wird mal wieder ein Schlüsselspiel.

Schon letzte Woche hatten Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen und auch Arnesen von einem richtungsweisenden Spiel gesprochen. Und das wiederholte Fink heute – allerdings bezogen auf Düsseldorf am Freitag. Ich hatte geschrieben, dass Mainz der erste Schritt in eine bessere Zukunft werden soll. Und der HSV machte mit einem schmucklosen, glücklichen 1:0 diesen Step. Sportlich zwar allemal nicht, aber ergebnistechnisch.

Zudem hatten zuvor einige Spieler behauptet, der HSV könnte keine Spiele gewinnen, in denen er „ka….“ spiele. „Dass es trotzdem ging, zeigt, dass wir als Mannschaft gefestigter sind. Gerade in der Defensive arbeiten wir besser gegen den Ball. Wir lassen einfach nicht mehr so viele Chancen zu. Das ist das Geheimnis im Moment“, so HSV-Kapitän Heiko Westermann, der sich weiter im Leistungshoch befindet und der hinzufügt, dass es hinter dem angesprochenen Geheimnis noch ein Geheimnis gibt. „Wir haben die Abstände zwischen den Viererketten verbessert und sind eingespielt, weil wir lange Zeit mit einer Formation gespielt haben.“ Und geht es nach Fink, wäre das auch so geblieben. Allein die Verletzung von Marcell Jansen zwingt den HSV-Coach zu einem Wechsel. „Dennis Aogo kommt rein, mehr ändere ich nicht“, so Fink.

Fink konnte heute mit Freude registrieren, dass sich Tolgay Arslan im Training schmerzfrei bewegte und somit auch in Düsseldorf wieder spielen wird. „Arslan kann spielen“, so Fink, der mit einem Sieg Druck auf die tabellarischen Nachbarn ausüben will – der aber zugleich warnt: „Düsseldorf hat jetzt 11 Punkte und ist auf einem Relegationsplatz. Bei einem Sieg wären sie bis auf drei Punkte an uns ran. Man sieht, dass wir eine gute Möglichkeit haben, uns in der Tabelle höher zu schieben. Das müssen wir ausnutzen.“ Insbesondere bei den oben beschriebenen aktuellen Spieltagspaarungen. „Aber es kann alles ganz schnell gehen.“ In beide Richtungen. Umso wichtiger sei es, sich mit einem Dreier erst mal auf lange Sicht von den Abstiegsrängen zu entfernen.

Der Rahmen dafür ist gegeben. Mit einem allseits beliebten Freitagabendspiel. „Als erste Mannschaft zu spielen, abends, und dazu noch unter Flutlicht – das ist das Schönste“, schwärmt Westermann, der den reiz wie folgt erklärt: „Das Stadion ist super, die Atmosphäre stimmt. Und wir legen vor. Als erste Mannschaft des Spieltages. Das ist cool. Das Ganze hat was von internationalem Feeling.“ Stimmt. Immerhin werden einige Millionen Zuschauer das Spiel sehen, das (fußballtechnisch) konkurrenzlos übertragen wird. Mehr als sonst in der Konferenz die Option HSV wählen auf sicher.

Vor allem aber ist es ein Auswärtsspiel – womit sich die Mannen um Westermann momentan deutlich besser zurechtfinden. „Auswärts klappt es besser“, bestätigt Westermann, „vor allem fußballerisch tun wir uns leichter.“ Weil sie dort im Gegensatz zu den Heimspielen nicht das Spiel machen müssen? „Auch“, sagt Westermann, „allerdings haben wir gegen Freiburg bis zum Platzverweis auch das Spiel gemacht. Wir nutzen auswärts besser unsere Räume, wie wir es gegen Mainz auch hätten machen müssen.“ Und da Düsseldorf nach zuletzt sieben sieglosen Spielen (sechs Niederlagen und ein Remis) kommen muss, dürfte es in der gut gefüllten Düsseldorfer Esprit-Arena für den HSV darum gehen, hinten kompakt wie zuletzt zu stehen, um die Kontermöglichkeiten zu nutzen. „Ich rechne mit einer kämpferisch starken Truppe“, sagt Fink, „da werden wir sicher nicht ins offene Messer laufen. Ich habe gesehen, dass Düsseldorf gute und starke Konter fährt.“

Klingt nach einem nicht allzu attraktiven Spiel. Aber okay, jetzt wieder eine Prognose abzugeben, ob das Spiel gut wird oder nicht, ist auch recht sinnlos. Allerdings glaube ich, dass der HSV mit Dennis Aogo hinten links einen Spieler haben wird, der auf seinen Einsatz brennt. Hoffentlich nicht so sehr wie Scharner vor zwei Wochen in Freiburg…

Zum Ende dieses Blogs habe ich noch zwei kleinere Meldungen. Zum einen bin ich in letzter Zeit häufiger (auch von Bloggern) gefragt worden, ob ich an einen Wechsel von Dietmar Beiersdorfer als Sportchef zu Werder Bremen glaube. Meine Antwort war immer: Nein. Allerdings hatte ich meine Bedenken, immerhin ist das Band zwischen Werder-Trainer Thomas Schaaf, Ex-Profi Marco Bode (hätte sich bei einem Beiersdorfer-Engagement auch zum Helfen bereiterklärt) und Dietmar Beiersdorfer sehr dick. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass Beiersdorfer in St. Petersburg, wo man mit seiner Arbeit hochzufrieden ist, nach nur vier Monaten trotz Vertrages bis 2015 wieder aufhört. Zum Glück habe ich ihn eben erreicht. Unmittelbar vor dem Spiel Zenits gegen den FC Malaga, habe ich mit Beiersdorfer gesprochen. Und? Es ist zum Glück genau wie erwartet gekommen. „Ich kenne dort sehr viele Leute und hatte ein Angebot aus Bremen. Aber ich habe es abgelehnt, weil ich meinen Vertrag bei Zenit erfüllen möchte.“ Der läuft bis 2015. Ergo: Eine Rückkehr zum HSV ist – ohne Frank Arnesen etwas Böses zu wollen, ganz im Gegenteil: Bis 2015 ist noch viel Zeit – in Zukunft nicht mehr ausgeschlossen. Das wäre es aber wahrscheinlich für sehr viele HSV-Fans gewesen, wenn sich der Ex-HSV-Sportchef mit dem Nordrivalen eingelassen hätte.

Bei David Jarolim hatte ich ebenfalls Glück. Den ehemaligen Kapitän habe ich heute erreichen können, nachdem durchgesickert war, dass der Tscheche seinen Vertrag beim französischen Erstligisten FC Evian auf eigenen Wunsch „aus persönlichen Gründen“ aufgelöst hat. Zum Glück waren es keine schlimmen Ereignisse sondern einfach der Umstand, „dass es nicht mehr gepasst hat“, wie Jarolim mir schrieb. Jaro weiter: „Es war meine Entscheidung und besser, es dann direkt zu beenden.“

In diesem Sinne, Jarolim übernimmt beim HSV eine Jugendmannschaft, führt diese bis in die A-Bundesliga und bildet dabei drei, vier absolute Toptalente der Kategorie Götze aus. Beiersdorfer übernimmt zudem, wenn Arnesen den HSV auf Champions-League-Ebene irgendwann abgeben möchte. Und Son erzielt in Düsseldorf den (hoffentlich nur einen von vielen) Siegtreffer(n) auf Flanke von Dennis Aogo, der die kompletten 90 Minuten auf dem Platz steht und zusammen mit Westermann, Mancienne, Diekmeier und Adler hinten erneut die Null sichert.

Einverstanden?

Ich schon. Bis morgen!
Scholle

Bruma ist da – selbstbewusst und zielsicher

30. Juni 2011

Die Karnickel waren fleißig. Nächtelang haben sie gebuddelt und Tunnel unter das satte Grün des Sylter Stadionrasens gegraben. Ergebnis: das Testspiel wurde heute Mittag kurzzeitig abgesagt. Die zwei HSV-Greenkeeper überzeugten sich höchstselbst vom unbespielbaren Zustand des Platzes und sagten die Partie wegen der zu hohen Verletzungsgefahr für die Spieler ab. Womit Bernd „Fummel“ Wehmeyer auf den Plan gerufen wurde und kurzerhand Gott und die Welt (der Mann kennt jeden!) in Bewegung zu setzen und das Spiel auf den Trainingsplatz des HSV am „Nordsee-College Sylt“ zu verlegen, wo am morgigen Freitag um 18.30 Uhr der Anpfiff zum ersten Test des neuen, jungen HSV gegen eine Nordfriesland-Auswahl angepfiffen wird.

Was den rund 500 für heute erwarteten Zuschauern entgangen sein wird, ist der erste Auftritt von Jeffrey Bruma, der heute Nachmittag bei immer noch starken aber gegenüber dem Orkan am Morgen fast angenehmen Winden seine erste Einheit als HSV-Profi absolvierte. Dabei wirkte der Niederländer nach seinem kurzen Urlaub erstaunlich frisch. Am Ball zeigte er bei Passübungen wie beim Turnier, dass er zu den spielerisch besseren Innenverteidigern zählt. „Jeffrey ist noch sehr jung, hat aber schon bewiesen, dass er auf höchstem Niveau spielen kann“, lobt Trainer Michael Oenning und stellt damit den Unterschied zu den ebenfalls vom FC Chelsea gekommenen 19-Jährigen Gökhan Töre und Jacopo Sala heraus, „aber für ihn wie für alle anderen gilt das Prinzip: Wer Leistung anbietet, erhält seine Chancen.“

Den überaus positiven Eindruck wusste Bruma im Gespräch zu bestätigen. Gekleidet in seine neuen HSV-Klamotten, die so neu waren, dass am Polo-Shirt noch das Adidas-Schild hing, referierte der 19-Jährige locker, flockig und mit einem breiten Grinsen über seine Beweggründe, zum HSV zu wechseln. Und das in bestem Deutsch. „Ich habe die Sprache drei „Jahre lang in der Schule gelernt“, so Brumas Erklärung – auf Deutsch selbstverständlich.

Der gelernte Innenverteidiger hatte am Mittwoch nach seinem bestandenen Medizincheck in Hamburg einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Dieser sieht vor, dass der FC Chelsea Bruma nach einem Jahr zurückholen könnte. Sollte das nicht passieren, hätte der HSV vor Ablauf des Leihvertrages eine Kaufoption zu einer festgeschriebenen Ablösesumme. Ob Bruma sich vorstellen kann, länger als zwei Jahre in Hamburg zu bleiben? „Ich habe keinen konkreten Karriereplan“, sagt Bruma, lässt allerdings zugleich keinen Zweifel daran, dass er große Ziele hat. „Ich bin jetzt 19 Jahre und am Anfang meiner Entwicklung. Ich hatte verschiedene Angebote. Drei aus England, von den Top-Klubs in den Niederlanden – aber der HSV ist die beste Option für mich. Ich will mich hier entwickeln und den nächsten Level erreichen. Dafür ist eine gute Mannschaft in einer Top-Liga wie die Bundesliga wichtig. Wenn ich hier gute Leistungen zeige, ist das auch gut für meine Nationalmannschaftskarriere.“ Und sein größtes Ziel ist, mit den Niederlanden bei der EM 2012 in der Ukraine und Polen dabei zu sein.

Was sich für den einen oder anderen nach der berühmt-berüchtigten Übergangsstation anhören mag, für die der HSV eine zeitlang verschrien war, ist vielleicht nicht falsch. Aber eben normal und okay, wenn der HSV davon profitiert. Und in diesem speziellen fall glaube ich, dass der HSV richtig gehandelt hat. Zumal Bruma nicht anfängt, irgendwelche Herzensgeschichten im Zusammenhang mit dem HSV populistisch anzuführen. Er ist kein Mann der Show, kein Schnacker. Im Gegenteil, der kantige Abwehrmann wirkt extrem ehrlich, scheint klar zu sein und keinerlei Starallüren zu haben. Er kommt sehr sympathisch rüber, ist höflich zurückhaltend, aber zielbewusst. Er scheint ein wenig das Gegenteil von Eljero Elia zu sein, der … naja, auch hier geloben HSV und Spieler Besserung – und dabei belasse ich es, weil ich weiterhin von den sportlichen Qualitäten des niederländischen Nationalspielers überzeugt bin.

Nein, Bruma weiß, dass er noch einen weiten Weg zu gehen hat. Er scheint devot gegenüber dem Profifußball und allem, was dazugehört. So legt er großen Wert darauf, seine Eltern um sich herum zu haben. Er sei kein Partygänger und wolle sich auf seinen beruf und seine Karriere konzentrieren. Dafür braucht er Sicherheit um sich herum. „In zwei Wochen, sobald ich eine Unterkunft für mich gefunden habe, kommen meine Eltern und bleiben für ein paar Monate.“ Zudem erwartet Bruma seine 19-jährige Freundin Jorja Zimmerman in ein paar Wochen. Allerdings, und das ist für Bruma ebenfalls ganz normal, „sie reist wieder zurück, weil sie noch sehr jung ist und gerade angefangen hat zu studieren. Aber sie wird mich so oft es geht besuchen.“ Einfach vernünftig.

Dabei hätte Bruma es sich leichter machen können. Seit Jahren buhlt der HSV um das Talent. Er selbst war einem Wechsel gegenüber nicht abgeneigt, hatte dies auch schon im Winter in Erwägung gezogen. Allerdings lehnte Chelsea, bei dem Bruma noch bis 2014 unter Vertrag steht, damals ab und transferierte ihn auf Leihbasis zu Leicester City. Wie schon bei Töre und Sala vermochte erst Frank Arnesen alle von der Sinnhaftigkeit eines Wechsels nach Hamburg komplett zu überzeugen. Wobei bei Bruma auch die Gespräche während seiner Länderspieltour mit den Niederlanden in Südamerika Wirkung hatten. „Ich habe mich mit einigen Ex-HSVern unterhalten“, erzählt Bruma. So habe er zunächst von Nigel de Jong den Tipp erhalten, dass Hamburg ein großer verein sei, er nach Hamburg wechseln solle. Gleiches erzählten Khalid Boulahrouz und Joris Mathijsen, dessen Nachfolger Bruma werden soll. „Ich würde gern seine Position einnehmen“, sagt Bruma, „ich will auf jeden Fall allen zeigen, dass ich das drauf habe.“

Klar ist auf jeden Fall, dass Bruma vom HSV als Innenverteidiger geholt wurde und er selbst auch dort seine größte Stärke sieht. Welche Qualitäten er sich selbst bescheinigt? Bruma selbstbewusst: „Ich werde immer als moderner Verteidiger bezeichnet, weil ich schnell, zweikampfstark, stark und gut im Passspiel bin.“ Allerdings, im Kopfballspiel habe er noch Defizite, gibt er zu.

Defizite hat auch Sala. Der junge Italiener musste heute mit dem Training aussetzen, weil er muskuläre Probleme hat. Ob er Freitagmorgen bei der Fahrradtour dabei ist, ist noch offen. Ebenfalls noch offen ist, wann genau Mladen Petric wieder ins Mannschaftstraining einsteigt. „Aber ich bin froh, dass er so früh schon wieder dabei ist“, freut sich Oenning.

In diesem Sinne, überzeugt davon, dass Bruma eine echte Verstärkung werden kann, sage ich für heute Tschüß und melde mich morgen wieder bei Euch. Dann mit dem ersten Testspiel im Rücken und voraussichtlich erst etwas später. Der Anpfiff gegen die Nordfrieslandauswahl ist erst um 18.30 Uhr…

Scholle

19.24 Uhr

Die spinnen doch, die….

26. Mai 2011

…. nein, nicht die Römer! Diesmal sind’s die Holländer. Salopp formuliert natürlich… Im Speziellen meine ich da die Niederländer des HSV. Da entpuppt sich zuerst der ansonsten als Musterprofi hochgelobte Joris Mathijsen als eine Art Mogelpackung, und jetzt kann sein Landsmann Eljero Elia mal wieder nicht die Klappe halten. Wobei, vielleicht ist es den hiesigen verantwortlichen gar nicht so unrecht.

Schließlich wird, so beteuert es Trainer Michael Oenning, beim HSV weiter ganz fest mit dem potenziell abwanderungswilligen Flügelflitzer geplant. Andererseits ist der immer wieder sportlich enttäuschende niederländische Nationalspieler einer der wenigen Spieler, mit denen der HSV noch richtig Geld für die klammen Kassen erzielen kann. Und vielleicht ja auch will…

Auf jeden Fall bietet sich Elia mal wieder feil. Diesmal nicht bei Manchester United oder dem FC Barcelona, wo sich der schnelle, technisch begnadete und verbal ziemlich unkontrollierte Außenstürmer bereits wähnte. Nein, er ist bescheidener geworden. Diesmal sind es „nur“ Juventus Turin und der FC Liverpool. Erstgenannter sei immerhin die größte Adresse im italienischen Fußball. Und Liverpool? „Bei Liverpool Kuyt auf rechts, vorn in der Spitze Carroll, dahinter Suarez und ich auf links. Da würden wir alle verrückt machen.“

Nun muss man dazu sagen, dass Elia von seiner eigenen Entwicklung schon vor Jahren überholzt wurde. Mit 17 bereits Profi, mit 18 den ersten guten Vertrag, mit 21 sogar schon den ersten Millionenvertrag, wurde er früh Vater. Er selbst dachte und sagte damals, er würde damit keine Probleme haben und sich über die große Verantwortung freuen. Und das klang glaubhaft. Allein Elia fehlte die Gabe, in den richtigen Momenten um Hilfe zu bitten. Er wollte und will noch heute alles allein machen. Allerdings sind das alles Dinge, die nicht so einfach zu bewältigen sind, wenn die entsprechende Hilfe fehlt. „Ich habe viel zu überprüfen in meinem Kopf“, sagt Elia, und weiter: „Aber vorerst zählt für mich nur der HSV.“

Klar, das muss er ja sagen. Schließlich hat er ja auch noch einen bis 2014 laufenden Vertrag. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Niederländer, sobald sie bei der Nationalmannschaft zusammentreffen, immer wieder in die falsche Richtung pushen. Rafael van der Vaart hat mir mal erzählt, dass die international zweifellos sehr hoch gehandelten niederländischen Nationalspieler ihn bei Länderspieltreffen immer wieder gefragt hätten, warum er „nur“ beim HSV spiele und nicht wie die meisten anderen bei den Spitzenklubs Real Madrid, Barcelona, Inter Mailand oder auch Arsenal London. Damals, so versicherte er mir, habe er immer geantwortet: „Weil Hamburg riesiges Potenzial hat und ich mich da am besten entwickeln kann.“ Worte, die ich gern Elia andichten würde – zumindest würde sich mein Bild von ihm dann nicht noch weiter verziehen. „Junge Spieler kriegen schon einen Floh ins Ohr gesetzt, wenn sie auf Kollegen treffen, die bei den ganz großen Klubs spielen“, sagte van der Vaart damals – und ich glaube ihm. Kommt dann noch wie bei Elia Wankelmütigkeit und ein Berater hinzu, der seinem Namen dem Vernehmen nach absolut keine Ehre erweist, hinzu, dann ist das Dilemma programmiert. Zumindest bei großen Spielern, die sich selbst schlecht einschätzen können.

Apropos einschätzen. Das wiederum können die Kollegen von www.Transfermarkt.de in der Regel sehr gut. Und sollten ihre Zahlen auch diesmal stimmen, bräuchten wir uns über einen Verkauf von Pitroipa, Guerrero, Jansen oder eben Elia überhaupt keine Gedanken machen. Denn die Kollegen beziffern Mathijsens Marktwert mit 9 Millionen Euro. Eine Summe, die ich für ebenso absurd wie für den HSV als wünschenswert empfinde. Immerhin steht der Verkauf Mathijsens, der nach Ajax Amsterdam auch aus Spanien ein lukratives Angebot vorliegen haben soll, unmittelbar bevor. Und die Tendenz geht inzwischen zu einem spanischen Erstligisten. „Ich will in jedem Spiel gefordert werden“, sagte Mathijsen heute im Trainingslager der Niederländer, „das ist in den Niederlanden in einigen Spielen leider nicht der Fall.“ Zu groß sei der Leistungsunterschied zwischen Ajax und den Klubs, die gegen den Abstieg spielen. Dennoch sei noch längst keine Entscheidung gefallen. „Ich werde die Länderspiele spielen und mich erst danach entscheiden“, so Joris.

Mathijsens Abgang dürfte indes schnell kompensiert werden können. Und das ausgerechnet mit einem Landsmann, der sich aktuell ebenfalls im Kreise der offenkundig sehr selbstbewussten niederländischen Nationalspieler bewegt: Jeffrey Bruma. Der 19-Jährige gilt in den Niederlanden als DAS aktuelle Toptalent, sein Wechsel zum HSV hat sich inzwischen auch bis zum Oranje-Team herumgesprochen. Entsprechend groß war der Andrang heute, als sich der junge Innenverteidiger der Presserunde stellte. Und nachdem er sich selbstbewusst gab und davon sprach, auf die eine oder andere Spielminute bei der Länderspielreise zu hoffen, folgten die erwarteten Fragen nach seiner Zukunft. Dabei bestätigte Bruma das Interesse des HSV und seine grundsätzliche Bereitschaft „zu diesem großen Klub“ zu wechseln. Allerdings, und da reiht er sich dann bei Joris und Elia nahtlos ein, überraschte er mit seinem Ausblick auf die nächsten Tage. Und Wochen. „Ich werde die Länderspielreise mitmachen, anschließend in den Urlaub fahren und mir da meine Gedanken zu allem machen.“ Und während man in Hamburg davon spricht, alles geklärt und sich geeinigt zu haben und noch immer alle davon ausgehen, in den nächsten Tagen die finale Nachricht vom Wunschspieler zu erhalten, sagt dieser: „Ich habe keinen Druck. Ich habe das mit Frank Arnesen so besprochen.“ Sein Ultimatum würde demnach erst in drei Wochen ablaufen.

Nun denn. Warum sollte es bei Bruma auch anders sein als bei seinen Landsleuten. Khalid Boulahrouz verletzte sich urplötzlich beim Warmmachen vor einem Europa-League-Spiel und wechselte einen Tag später zum FC Chelsea, für den er international nicht mehr hätte spielen dürfen, wenn er am Vortag beim HSV gespielt hätte. Rafael van der Vaart, der an sich sportlich tadellos war, präsentierte sich im Valencia-Trikot und verhob sich plötzlich beim Spielen mit seinem Sohn, nachdem der HSV ihm den Wunsch, nach Valencia zu wechseln, verweigert hatte. Dazu gesellen sich wie bereits erwähnt Ruud van Nistelrooy, dem Angebote der Top-Klubs vorlagen und den es jetzt nach malaga zieht sowie Joris Mathijsen und Eljero Elia, während Nigel de Jong die goldene Ausnahme ist. Zumindest, wenn man Nico Hoogma aus dieser Reihe herausnimmt. Immerhin war dieser auch nie Teil der großen Nationalmannschaft der Niederlande…

In diesem Sinne, hebben een leuke avond…

Euer Scholle

17.55 Uhr

20 Millionen minus – der Abgrund naht

28. Dezember 2010

Er bleibt. Das hat Klubboss Bernd Hoffmann („Veh wird auch gegen Schalke auf der Bank sitzen“) versprochen. Und das hat auch Armin Veh gesagt. Er will dem HSV erhalten bleiben. Veh will seinen Vertrag bis Saisonende wenigstens erfüllen, tendenziell sogar die Option zur Verlängerung wahrnehmen. „Der HSV bietet einen der begehrtesten Arbeitsplätze der Liga“, hatte Veh gesagt. Und damit hat er wahrscheinlich sogar Recht. Zumindest war dies bislang immer so. Der HSV gilt ligaweit als Top-Adresse. Kein Wunder, ist es doch der einzige Klub, der seit Ligagründung erstklassig ist. Dazu noch ausgestattet mit einem starken Kader und großen Zielen. Allerdings läuft es in dieser Saison wie schon in der letzten Serie nicht so gut. Noch schlimmer: der Klub steht finanziell noch schlechter da als bisher bekannt.

Zuletzt hatte mir unsere Vorstandsfrau Katja Kraus von maximal 2,5 Millionen Euro kalkuliertem Minus für die aktuelle Saison berichtet. Allerdings kommen rund 14 Millionen Euro Verbindlichkeiten im Laufe der kommenden Saison hinzu. Zahlen, die vom Vorstand niemand bestätigen wollte – bis dem Abendblatt die Zahlen vorgelegt wurden. Demnach stehen 2011/2012 14 Millionen Euro Verbindlichkeiten zur Zahlung an, 2011/2012 noch mal sechs Millionen. Macht zusammen rund 20 Millionen Euro für Verbindlichkeiten aus Spielerkäufen. Dementgegen stehen keinen nennenswerten Einnahmen – zumal nicht, wenn erneut der internationale Wettbewerb verpasst wird.

Es liegt immer im Interesse des Verkäufers, sein Produkt anzupreisen. Auch deshalb, oder besser: nur deshalb sagt Hoffmann: „Der aktuelle Planungsstand für die kommende Saison ist nun wirklich nicht besorgniserregend.“ Dabei sollte er es besser wissen. Schließlich hatte der HSV in den letzten beiden Jahren die luxuriöse Situation im zweistelligen Millionenbereich investieren zu können. Jetzt muss er einen ähnlichen Betrag abbezahlen.

Und der Klub steht vor einem Umbruch. Einem Umbruch, den er mit minimalen finanziellen Mitteln schaffen muss. Dafür ist schon die ganz hohe Kunst des Managements erforderlich.

Dem Vorstand zugutehalten muss man, dass der Klub über einen teuren Kader verfügt und mit einem Verkauf eines Eljero Elias (Marktwert liegt bei geschätzten 15 Millionen Euro) auf einen Schlag ein Großteil der Verbindlichkeiten gedeckt werden könnten. Allerdings wäre damit auch der Spieler weg. Und angesichts der nicht funktionierenden aktuellen Mannschaft müsste der HSV mehr als nur einen neuen Spieler holen, um einen Umbruch auch einen selbigen werden zu lassen. Und gerade dafür wäre Geld mehr als hilfreich.

„Wir werden in diesem Winter und im kommenden Sommer mit einer heißeren Nadel als sonst stricken müssen“, weiß auch Sportchef Bastian Reinhardt, dass er ein kleines Kunststück vollbringen muss, will der Klub in der kommenden Saison wieder in die internationalen Ränge vorrücken. Mit Abgängen prominenter Spieler wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy und Frank Rost (zumindest plant das der Vorstand, obwohl Rost selbst noch weiterspielen will) ist zu rechnen. Hinzu kommen Wackelkandidaten wie eben Elia, Mladen Petric (wollte/sollte schon vor dieser Saison weg) deren drohende Abgänge einkalkuliert werden müssen als sportliche Schwächungen. Rückkehrer wie Marcus Berg und David Rozehnal, deren Transfers im Übrigen den Bärenanteil der ausstehenden Verbindlichkeiten ausmachen, können nicht als Verstärkungen gezählt werden.

Quo vadis HSV?

Es müssen „Billigspieler“ kommen. Wobei der Begriff despektierlich ist. Es müssen Akteure kommen, die ablösefrei sind oder zumindest wenig kosten. So wie Shinji Kagawa, der vor dieser Saison für 350000 Euro zu Dortmund wechselte und für mich einer der überragenden Akteure der Hinrunde ist. Allerdings ist genau das die Konstellation, die der HSV seit 18 Monaten versucht aber nicht mehr hinbekommen hat. Im Gegenteil: mit Kacar, Berg und Rozehnal wurden allein schon mehr als 20 Millionen Euro versenkt. Zuvor hatte der HSV immerhin immer wieder mal Glücksgriffe mit Thomas Gravesen (kam ablösefrei, ging für 3,5 Millionen zu Everton). Oder wie bei Boulahrouz (kam für 1,5 Millionen, ging für 13 Mios) und Daniel van Buyten (kam für 3,8 Millionen – ging für knapp zehn Millionen). Der HSV hatte sich unter dem geschassten ehemaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer – in hier ganz klar zu nennender und von mir deshalb auch noch mal betonter – erfolgreicher Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann in die europäische Verfolgergruppe katapultiert und sportlich teuren Einkäufe zumeist noch teurere Verkäufe folgen lassen.

Bestes Beispiel dafür sind sicher Nigel de Jong und Rafael van der Vaart, die mit der Absicht nach Hamburg kamen, sich hier wieder in den europäischen Fokus spielen zu wollen und beide dem HSV neben sportlichen Spitzenleistungen ein dickes finanzielles Plus hinterließen. Der HSV wirtschaftete hervorragend und hatte den nötigen Erfolg.

Bis zur Demission Beiersdorfers, die eine sicher nicht innige dafür aber umso erfolgreichere Zusammenarbeit des seit Jahrzehnten erfolgreichsten Tandems an der Klubspitze beendete. Seitdem fehlte die sportliche Kompetenz. Warnungen wurden arrogant ignoriert und den Alleingängen verschiedener Entscheidungsträger wurde nicht ausreichend oder auch gare nicht vom völlig überforderten Aufsichtsrat entgegengewirkt – und der HSV steht da, wo er folgerichtig stehen muss: sportlich wie finanziell im Abseits.

„Wir werden auf der Basis gewohnter wirtschaftlicher Solidität die notwendigen sportlichen Entscheidungen treffen, um uns für die nächsten Jahre richtig aufzustellen“, beschreibt Hoffmann, dass man bemüht sei, trotz wenig Geld gute Spieler bekommen zu wollen. Ich bin mir fast sicher, dass allein dieser zweifellos getrübte Blick in die Zukunft bis und natürlich auch bei der Jahreshauptversammlung am 9. Januar für Gesprächsstoff sorgen wird.

Es werden die Schuldigen gesucht, und das muss auch so sein. Das ist notwendig, um Fehlfunktionen zu beheben. Allerdings ist das gerade im Vorfeld der Jahreshauptversammlung ein beliebter Vorgang, um politische Gegner zu diskreditieren. Schließlich stehen auch Wahlen (von Aufsichtsräten) an. Hoffmanns Kritiker werden ihn in die Ecke treiben wollen, ihn Hoffmann wird entweder andere Schuldige ausmachen oder die Situation beschönigen. Allerdings wird all das dem HSV aktuell nichts helfen, denn der steckt in der offensichtlich größten Krise der letzten zehn Jahre. Der HSV hat absolut keine Zeit, um persönliche Fehden auszutragen. Um der Krise entgegenzuwirken, bleibt dem HSV keine Millisekunde für etwas anderes, als das, was diese Mannschaft in der Rückrunde besser machen kann.

Warum ich das sage? Ob ich hier Entscheidungsträger vorläufig schürzen will? Mitnichten! Absolut nicht, ich bin sogar sehr dafür, eine ausführliche Analyse samt den dazugehörigen Folgeentscheidungen stattfinden zu lassen. Daran werde ich mir hier zusammen mit Euch auch gern aktiv beteiligen.

Aber nicht jetzt. Jetzt habe ich Angst. Die Angst, dass sich dieser HSV verhebt. Ich höre fast täglich Stimmen von den Hoffmann-Kritikern, die sich postieren und den großen Machtwechsel anstreben. Ein neuer Klubboss muss demnach her, am besten sogar schon direkt nach der Jahreshauptversammlung. Und am besten gleich noch ein neuer, stärkerer weil erfahrener Sportchef dazu. Aber Leute, selbst wenn demso sein sollte, wie soll das alles in der kurzen Zeit klappen? Am 9. Januar ist die Jahreshauptversammlung, am 15. Januar muss die Veh-Truppe bereits in Gelsenkirchen bei Schalke zur Rückrunde antreten. Und wer trifft bis dahin die wichtigen Entscheidungen in der Winterpause? Wer klärt die Trainerfrage, wer stellt in so kurzer Zeit ein Rettungsprogramm zusammen?

Nein, das kann nicht gutgehen. Nicht jetzt! Jetzt heißt es, auf die Lippen beißen und zusehen, mit dem vorhandenen Personal das Beste aus der Situation zu machen. Ohne Rücksicht auf Egoismen. Bis zum Ende der Saison alles nur im Sinne des Vereins.

Denn der Klub hat einzig und allein über den sportlichen Weg eine letzte Minimalchance, die kommende Saison auch finanziell etwas gelassener als vollkommen verspannt angehen zu können. Soll heißen: dem Klub bleibt nur die gut vier Wochen kurze Winterpause, um sich neu zu sortieren und aus einer mittelmäßigen Mannschaft ein funktionierendes Team zu formen, das die Europa-League-Ränge in Angriff nimmt. Ein Führungsvakuum wäre verheerend. Sollte das nicht verhindert werden können, droht der Absturz ins Mittelmaß. Genau dahin, wo sich die Mannschaft diese Saison bereits befindet. Genauer genommen sogar schon das ganze Jahr befindet. Denn wie meine Kollegen von der „Bild“ gerade online veröffentlicht haben, ist der HSV von den Punkten her bundesweit im Kalenderjahr 2011 nur elfter. Also unteres Mittelmaß.

Und allein das sollte Alarm genug für alle HSV-Sympathisanten sein, den Karren endlich wieder auf Kurs zu bringen. Gemeinsam. Egal, ob neben einem ein Freund oder ein vermeintlicher „Feind“ arbeitet. Die Zeit, die Schuldigen zu suchen, bleibt anschließend auch noch. Und sie wird genutzt. Ganz sicher.

19.11 Uhr

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