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Für eine Nacht Europa League?

21. November 2012

Es gibt so viele Dinge, die keinen Sinn machen. Wie zum Beispiel das 20-Millionen-Euro-Angebot für Heung Min Son. Da spielt der Südkoreaner seine erste halbwegs erfolgreiche – allerdings noch längst nicht konstant gute – Saison, und schon überschlagen sich europäische Topklubs? Zumindest soll das so sein. Liverpool will Son, heißt es! Inzwischen ist aus anfänglich kolportierten zehn Millionen kurzer Hand ein Angebot über 20 Millionen Euro geworden! Und der HSV lehnt ab.

Der HSV lehnt ab? Macht das alles einen Sinn?

Nein! Absolut nicht. Für 20 Millionen Euro würde der HSV Son in Watte verpackt bis in die Umkleidekabine der Reds liefern, um auch ganz sicher zu sein, dass an dem Deal nichts mehr schiefgeht. 20 Millionen wären absolut nicht ablehnbar. Wahrscheinlich wären es nicht einmal die zehn Million, obgleich man mit Son auch gleich zwei, drei neue Werbepartner verpflichtet. Was auch für einen Verkauf spricht: Der HSV ließ trotz derzeit deutlich geringerer finanzieller Nöte schon deutlich arriviertere Spielergrößen ziehen. Rafael van der Vaart beispielsweise ging für 15 Millionen zu Real Madrid, Vincent Kompany für knapp zehn Millionen Euro zu ManCity. Dazu gingen van Buyten, Ujfalusi, Boulahrouz und de Jong einst, weil das jeweilige Angebot nicht abzulehnen war. Das Einzige, was bei der Kiste Son einen Sinn ergibt, ist der Zeitpunkt der kolportierten Angebote. Denn: Dass diese Zahlen unmittelbar im Vorfeld der Vertragsgespräche des HSV mit seinem Talent auftauchen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Zufall! Da wird versucht, einen Preis nach oben zu schrauben. Und das nicht vom HSV.

Aber wohl mit Erfolg. Medien springen auf die Meldung an. Auch wir hier mit dem „MatzAb-Blog“ springen jetzt darauf an, nachdem zuvor im Blog fleißig über Sinn und Unsinn eines Verkaufes diskutiert wurde. Eine Diskussion, an der ich gern ganz kurz teilhaben möchte: Ich würde es ebenso fahrlässig finden, wenn der HSV in der jetzigen Situation ohne Ersatz seinen besten Torschützen verkauft wie den Umstand, eine 20-Millionen-Offerte für den Sükoreaner abzulehnen. Immerhin ist Son eines der größten Talente des HSV – aber in finanziell schwierigen Zeiten sicher alles andere als unverkäuflich. Sportchef Frank Arnesen – und das wird er gemacht haben – ist auf jeden Fall gut beraten, sich schon mal nach vergleichsweise günstigem aber sportlich adäquatem Ersatz umzusehen, sollte tatsächlich mal ein Millionenangebot für Son ins Haus flattern.

Bis dahin allerdings werde ich das Thema Son weitgehend umschiffen – weil es bei derartig viel „Stiller-Post-Fakten“ einfach keinen Sinn macht.

Viel mehr Sinn macht es dagegen, sich mit dem nächsten Spiel zu beschäftigen. Das findet in zwei Tagen in Düsseldorf statt und könnte den HSV wenigstens für eine Nacht in das obere Drittel schieben. Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, wäre mit einem Punkt aus der Düsseldorf-Partie bereits erreicht. Und dass Hannover (in München), Werder (in Wolfsburg) und Mainz (gegen Dortmund) an diesem Spieltag punktlos bleiben, ist längst nicht ausgeschlossen. Ergo: Düsseldorf wird mal wieder ein Schlüsselspiel.

Schon letzte Woche hatten Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen und auch Arnesen von einem richtungsweisenden Spiel gesprochen. Und das wiederholte Fink heute – allerdings bezogen auf Düsseldorf am Freitag. Ich hatte geschrieben, dass Mainz der erste Schritt in eine bessere Zukunft werden soll. Und der HSV machte mit einem schmucklosen, glücklichen 1:0 diesen Step. Sportlich zwar allemal nicht, aber ergebnistechnisch.

Zudem hatten zuvor einige Spieler behauptet, der HSV könnte keine Spiele gewinnen, in denen er „ka….“ spiele. „Dass es trotzdem ging, zeigt, dass wir als Mannschaft gefestigter sind. Gerade in der Defensive arbeiten wir besser gegen den Ball. Wir lassen einfach nicht mehr so viele Chancen zu. Das ist das Geheimnis im Moment“, so HSV-Kapitän Heiko Westermann, der sich weiter im Leistungshoch befindet und der hinzufügt, dass es hinter dem angesprochenen Geheimnis noch ein Geheimnis gibt. „Wir haben die Abstände zwischen den Viererketten verbessert und sind eingespielt, weil wir lange Zeit mit einer Formation gespielt haben.“ Und geht es nach Fink, wäre das auch so geblieben. Allein die Verletzung von Marcell Jansen zwingt den HSV-Coach zu einem Wechsel. „Dennis Aogo kommt rein, mehr ändere ich nicht“, so Fink.

Fink konnte heute mit Freude registrieren, dass sich Tolgay Arslan im Training schmerzfrei bewegte und somit auch in Düsseldorf wieder spielen wird. „Arslan kann spielen“, so Fink, der mit einem Sieg Druck auf die tabellarischen Nachbarn ausüben will – der aber zugleich warnt: „Düsseldorf hat jetzt 11 Punkte und ist auf einem Relegationsplatz. Bei einem Sieg wären sie bis auf drei Punkte an uns ran. Man sieht, dass wir eine gute Möglichkeit haben, uns in der Tabelle höher zu schieben. Das müssen wir ausnutzen.“ Insbesondere bei den oben beschriebenen aktuellen Spieltagspaarungen. „Aber es kann alles ganz schnell gehen.“ In beide Richtungen. Umso wichtiger sei es, sich mit einem Dreier erst mal auf lange Sicht von den Abstiegsrängen zu entfernen.

Der Rahmen dafür ist gegeben. Mit einem allseits beliebten Freitagabendspiel. „Als erste Mannschaft zu spielen, abends, und dazu noch unter Flutlicht – das ist das Schönste“, schwärmt Westermann, der den reiz wie folgt erklärt: „Das Stadion ist super, die Atmosphäre stimmt. Und wir legen vor. Als erste Mannschaft des Spieltages. Das ist cool. Das Ganze hat was von internationalem Feeling.“ Stimmt. Immerhin werden einige Millionen Zuschauer das Spiel sehen, das (fußballtechnisch) konkurrenzlos übertragen wird. Mehr als sonst in der Konferenz die Option HSV wählen auf sicher.

Vor allem aber ist es ein Auswärtsspiel – womit sich die Mannen um Westermann momentan deutlich besser zurechtfinden. „Auswärts klappt es besser“, bestätigt Westermann, „vor allem fußballerisch tun wir uns leichter.“ Weil sie dort im Gegensatz zu den Heimspielen nicht das Spiel machen müssen? „Auch“, sagt Westermann, „allerdings haben wir gegen Freiburg bis zum Platzverweis auch das Spiel gemacht. Wir nutzen auswärts besser unsere Räume, wie wir es gegen Mainz auch hätten machen müssen.“ Und da Düsseldorf nach zuletzt sieben sieglosen Spielen (sechs Niederlagen und ein Remis) kommen muss, dürfte es in der gut gefüllten Düsseldorfer Esprit-Arena für den HSV darum gehen, hinten kompakt wie zuletzt zu stehen, um die Kontermöglichkeiten zu nutzen. „Ich rechne mit einer kämpferisch starken Truppe“, sagt Fink, „da werden wir sicher nicht ins offene Messer laufen. Ich habe gesehen, dass Düsseldorf gute und starke Konter fährt.“

Klingt nach einem nicht allzu attraktiven Spiel. Aber okay, jetzt wieder eine Prognose abzugeben, ob das Spiel gut wird oder nicht, ist auch recht sinnlos. Allerdings glaube ich, dass der HSV mit Dennis Aogo hinten links einen Spieler haben wird, der auf seinen Einsatz brennt. Hoffentlich nicht so sehr wie Scharner vor zwei Wochen in Freiburg…

Zum Ende dieses Blogs habe ich noch zwei kleinere Meldungen. Zum einen bin ich in letzter Zeit häufiger (auch von Bloggern) gefragt worden, ob ich an einen Wechsel von Dietmar Beiersdorfer als Sportchef zu Werder Bremen glaube. Meine Antwort war immer: Nein. Allerdings hatte ich meine Bedenken, immerhin ist das Band zwischen Werder-Trainer Thomas Schaaf, Ex-Profi Marco Bode (hätte sich bei einem Beiersdorfer-Engagement auch zum Helfen bereiterklärt) und Dietmar Beiersdorfer sehr dick. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass Beiersdorfer in St. Petersburg, wo man mit seiner Arbeit hochzufrieden ist, nach nur vier Monaten trotz Vertrages bis 2015 wieder aufhört. Zum Glück habe ich ihn eben erreicht. Unmittelbar vor dem Spiel Zenits gegen den FC Malaga, habe ich mit Beiersdorfer gesprochen. Und? Es ist zum Glück genau wie erwartet gekommen. „Ich kenne dort sehr viele Leute und hatte ein Angebot aus Bremen. Aber ich habe es abgelehnt, weil ich meinen Vertrag bei Zenit erfüllen möchte.“ Der läuft bis 2015. Ergo: Eine Rückkehr zum HSV ist – ohne Frank Arnesen etwas Böses zu wollen, ganz im Gegenteil: Bis 2015 ist noch viel Zeit – in Zukunft nicht mehr ausgeschlossen. Das wäre es aber wahrscheinlich für sehr viele HSV-Fans gewesen, wenn sich der Ex-HSV-Sportchef mit dem Nordrivalen eingelassen hätte.

Bei David Jarolim hatte ich ebenfalls Glück. Den ehemaligen Kapitän habe ich heute erreichen können, nachdem durchgesickert war, dass der Tscheche seinen Vertrag beim französischen Erstligisten FC Evian auf eigenen Wunsch „aus persönlichen Gründen“ aufgelöst hat. Zum Glück waren es keine schlimmen Ereignisse sondern einfach der Umstand, „dass es nicht mehr gepasst hat“, wie Jarolim mir schrieb. Jaro weiter: „Es war meine Entscheidung und besser, es dann direkt zu beenden.“

In diesem Sinne, Jarolim übernimmt beim HSV eine Jugendmannschaft, führt diese bis in die A-Bundesliga und bildet dabei drei, vier absolute Toptalente der Kategorie Götze aus. Beiersdorfer übernimmt zudem, wenn Arnesen den HSV auf Champions-League-Ebene irgendwann abgeben möchte. Und Son erzielt in Düsseldorf den (hoffentlich nur einen von vielen) Siegtreffer(n) auf Flanke von Dennis Aogo, der die kompletten 90 Minuten auf dem Platz steht und zusammen mit Westermann, Mancienne, Diekmeier und Adler hinten erneut die Null sichert.

Einverstanden?

Ich schon. Bis morgen!
Scholle

Der alte Kaltz kann es immer noch

9. Juni 2012

„Und immer dran denken – die Gefahr kommt über rechts.“ Hat Manfred „Manni“ Kaltz bei seiner Abfahrt aus Norderstedt gesagt. Der frühere Nationalverteidiger war Beifahrer von Uli „die Kante“ Borowka, Kaltz ließ schnell die Fensterscheibe herunter und gab mir noch schnell den kostenlosen Tipp. Dann ging es für die beiden ehemaligen Profis in die Fisch-Auktionshalle, wo sie sich das EM-Spiel Deutschland gegen Portugal ansehen werden. Nicht allein. Es sind viele Gäste der Sparda-Bank geladen, und viele Alt-Internationale. Die spielten am Nachmittag auf dem Rasenplatz von Eintracht Norderstedt gegen eine Hamburger Presse-Auswahl. Halbzeit 0:0, Endstand 3:0. Für die „Ehemaligen“ – natürlich, möchte man meinen. Aber die Sieger hatten mehr Mühe als erwartet.

Der Veranstalter hatte mit 4000 bis 5000 Zuschauern gerechnet, gekommen waren bei Hamburger Schmuddelwetter um die 300. Die Autogrammjäger unter ihnen kamen auf ihre Kosten, denn die Stars von gestern stellten sich bereitwillig zu vielen Fotos und zu den begehrten Unterschriften. Auch Schiedsrichter Bernd Heynemann (Magdeburg) verteilte fleißig die von ihm geforderten Autogrammkarten.

Organisiert und aufgestellt hatte das Star-Ensemble der ehemalige HSV-Spieler Stefan Schnoor, der in Ermangelung von Angreifern gelegentlich sogar als Sturmspitze aufkreuzte (und auch das 1:0 per Abstauber erzielte!). „Du warst schon immer ein verkappter Stürmer“, sagte ich ihm während des Spiels, aber er antwortete: „Eher ein verkappter Zehner.“ Fritz Walter, Wolfgang Overath, Günter Netzer . . . Stefan Schnoor.

Aber er hatte natürlich eine gute Mannschaft beisammen. Neben Kaltz und Borowka waren die ehemaligen HSV-Profis Jochen Kientz, Bastian Reinhardt, Peter Nogly, Ingo Hertzsch (aus Leipzig angereist!) und Thomas Vogel dabei. Zudem Michael Rummenigge, Thomas Helmer und Marco Bode, der für mich der beste Mann bei den „Alten“ war, der sogar einen sehenswerten Fallrückzieher riskierte – und auch ein Abstaubertor erzielte. „Man, man, der Bode hat es aber noch drauf“, sagte Presse-Abwehrmann Christian Pletz (unser Matz-ab-Pletzi) später anerkennend. Gut war aber auch, ich ziehe den Hut vor ihm, „Manni“ Kaltz. Alle Achtung. Die Pässe, die Standards und die Flanken kamen wie zu seinen besten Tagen. Presse-Torwart Oliver Hinz von Altona 93: „So schießt sie kein Spieler in der Oberliga Hamburg. Kaltz bringt sie genau dorthin, wo er sie auch hin haben will. Erste Sahne.“ Kaltz, 59 Jahre alt, kann es immer noch. Wie er über das gesamte Spielfeld (mit Ball) stolzierte und mit einem sehenswerten Lupfer gegen den Pfosten das 2:0 (Bode) vorbereitete – einfach nur klasse.

Bei den Medien-Vertretern spielten – neben anderen – auch Sky-Moderator Patrick Wasserziehr sowie HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf, der seinem Unmut über das „schlechte Spiel“ der Presse-Truppe stets freien Lauf ließ. Immerhin gab er nach dem Schlusspfiff zu: „Hat trotz allem Spaß gemacht. Und wenn ich etwas gemeckert habe, so liegt es schlicht und einfach daran, dass ich immer gewinnen will.“ Aber gegen einen Sieg der Medien-Vertreter hatten natürlich die Altmeister doch erhebliche Einwände.

So, es ist EM. Und in einigen Minuten sind auch wir Deutsche voll dabei und mittendrin. Deswegen halte ich mich heute mal kurz und knapp – die Spannung steigt, auch bei mir. Obwohl ich immer noch leicht pessimistisch bin. Ganz leicht.

Aber obwohl ich in der Obdachlosen-Zeitung „Hinz und Kunzt“ ja schon einige EM-Nähkästchen geschrieben habe, gibt es da noch ein ganz kleines, was ich hier schnell noch zum Besten geben möchte. Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden. Bundestrainer Erich Ribbeck, der ehemalige HSV-Sportchef. Der hatte in den Wochen vorher stets verkündet: „Ich werde keinen Spieler mit in den EM-Kader nehmen, der noch kein Länderspiel gemacht hat.“ Ein Mann, ein Wort. Da HSV-Torwart Jörg Butt noch kein Länderspiel bestritten hatte, fragte ich Ribbeck einmal kurz unter vier Augen: „Gilt das auch für Jörg Butt?“ Ribbeck: „Ja, Butt wird vorher noch seinen Einsatz erhalten . . .“

Und es gab da ja auch noch zwei Testspiele für die deutsche Mannschaft. Am 3. Juni gegen Tschechien – aber beim 3:2-Sieg spielte Oliver Kahn 90 Minuten durch. Dann der letzte Test vor dem EM, am 7. Juni in Freiburg gegen Liechtenstein. Ribbeck kündigte in der Pressekonferenz an: „Da wird Jens Lehmann zwischen den Pfosten stehen.“ Wie Lehmann? Und Butt?

Ich ging nach der Pressekonferenz zu Erich Ribbeck, wieder ein kurzes Gespräch unter vier Augen: „Herr Ribbeck, und was ist mit Butt? Sie haben mir doch gesagt, Butt würde auch noch vor der EM seinen Einsatz erhalten . . .“ Ribbeck setzte eine grimmige Miene auf und sagte kurz und knapp: „Sie immer mit Ihrem Butt, Butt, Butt, Aber keine Angst, Herr Matz, er bekommt seinen Einsatz, auch wenn ich es für den dritten Mann im Tor nicht unbedingt für nötig erachte.“

2:1 stand es bei Halbzeit in Freiburg gegen Liechtenstein, dann kam Butt. Er kassierte zwar auch noch einen Gegentreffer vom Fußballzwerg, aber Deutschland gewann 8:2. Und „Butti“ hatte seinen ersten Länderspiel-Einsatz – ich war happy, er war happy – alle waren zufrieden. So hatte ich beim HSV-Torwart vielleicht 25 Prozent meine Finger im Spiel, dass er gegen Liechtenstein ran durfte – aber ganz aufmerksame „Matz-abber“ werden sich erinnern, dass ich einst Sven Kmetsch (ehemaliger HSV-Kapitän) zu Zeiten von Berti Vogts in die DFB-Auswahl „sabbelte“. Da aber waren es mindestens 95 Prozent. Kmetsch schaffte aber nur zwei Einsätze . . .
Den Kritikern (meinen Kritikern) sei gleich entgegnet: Mehr HSV-Spieler waren es aber nicht. Auch bei Piotr Trochowski oder Dennis Aogo hatte ich meine Finger nicht im Spiel. Aber Butt und Kmetsch zeigen, dass es im „großen Fußball“ gelegentlich auch ganz amateurhaft und hemdsärmelig zugehen kann – da gibt es dann keinen Unterschied zu (m)einem kleinen Verein um die Ecke.

So, nun ist EM, und zwar Hochstimmung. Das Spiel Niederlande gegen Dänemark (0:1) bestärkt mich darin, dass es nicht unbedingt ein Turnier für die Favoriten geben wird.

Apropos Dänemark: Da spielt ein Mann namens Lars Jacobsen mit. Der war von 2002 bis 2003 HSV-Profi, brachte es auf 22 Einsätze (ein Tor) und ging wieder, weil ihn der HSV nicht mehr wollte. Quasi durchgefallen. Der 32-jährige Verteidiger vom FC Kopenhagen spielt aber schon seit jener Zeit stets für Dänemark (50 Länderspiele). War aber für den HSV einst ein wenig zu schlecht . . . So kann es gehen.

Falls es gleich auffällt, dass ich ein wenig heiser bin: Ich war heute „Trainer“ der Presse-Auswahl, und da habe ich gelegentlich ein wenig zu laut über den Platz gegrölt. Übrigens: gleich nach dem Schlusspfiff der Partie Deutschland gegen Portugal gibt es wieder „Matz ab live“ – wir sehen uns.
Eine schöne EM für alle.

19.52 Uhr

Jarchow will den Bundesliga-Etat anheben – und hat einen Plan

7. Juni 2012

Man kann über ihn sagen, was man will, aber er hat definitiv Talent. Die Handschuhe übergestreift und los ging es. Keine zwei Minuten brauchte Carl Jarchow, um mithilfe von Spraydosen ein rotes Bobbycar zum HSV-Gefährt umzugestalten. Alles geschehen im Anschluss an den Audi-Pressetermin „praktisch gut“ im Rahmen der Sponsoring-Initiative „Hamburger Weg“. Erklärung: Audi und der HSV haben ein gemeinsames Projekt für Schüler ins Leben gerufen und verkündeten heute, dass sie diese Zusammenarbeit um weitere Jahre verlängern. Eine gute Sache, bei der aus Praktikanten schon Auszubildende bei Audi geworden sind.

So weit, so gut. Anschließend hatten wir noch die Gelegenheit, uns mit dem Klubboss Carl Jarchow zu unterhalten, der im Übrigen am kommenden Mittwoch, nach dem Spiel der Deutschen gegen die Niederlande, auch unser Gast bei „Matz Ab live“ sein wird. Insofern, wer Fragen hat, kann diese schon mal aufschreiben.

Zurück zum Gespräch. Im Laufe dessen kamen wir auch auf die Finanzen zu sprechen. Dabei untermauerte Jarchow seinen strikten Konsolidierungsplan. 15 Prozent müssen auf allen Ebenen eingespart werden. Den Profibereich ausgenommen. Dennoch, auch hier gilt: kein unnötiges Risiko. Egal, was für einen Spieler man eventuell auch kaufen könnte, es wird nur der Spieler kommen, den man aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Sagt Jarchow. Wobei hierbei immer auch die Möglichkeit einer Fremdfinanzierung besteht. „Bislang haben wir alle Transfers aus Eigenmitteln finanziert. Wenn es den Fall gibt, dass ein Spieler interessant für uns ist und selbst interessiert, so aber nicht für uns zu finanzieren ist, dann werden wir über kreative Möglichkeiten nachdenken. Entsprechen eben auch über Beteiligungen. Aber wir werden sicher nicht auf zu erwartende Einnahmen setzen und Gelder im Voraus ausgeben.“

Nun weiß ich, dass Kritiker dem Klubboss das negativ auslegen werden und sagen, der HSV spare sich kaputt. Andererseits aber glaube ich, dass dieser Weg der beste sein kann. „Sein kann“ deshalb, weil der HSV eben das große Glück hat, mit Klaus Michael Kühne einen milliardenschweren Gönner als Fan zu haben und nicht zwingend ins Risko gehen muss, um aufzurüsten. Im Winter schon hätte der Wahlschweizer einen Großteil der vom FC Basel geforderten rund acht Millionen Euro für Granit Xhaka übernommen. Und ich bin mir sicher, zumindest wird das beim HSV so kolportiert, dass Herr Kühne dieses Angebot auch für diese Transferperiode aufrecht erhält. Zumal dann, wenn er sieht, dass dieser HSV nicht willkürlich Geld ausgibt. Vor allem nicht das, was er gar nicht hat. Nein, Herr Kühne sieht, dass der HSV bemüht ist, sich selbst zu finanzieren, ohne neue Schulden zu machen. Und er sieht die finanziellen Grenzen. Er weiß, dass der HSV nur mit seiner Hilfe einen Spieler der gesuchten Größenordnung finanzieren kann. Und er weiß, dass der HSV diesen Spieler braucht. Oder besser: Sein HSV braucht diesen Spieler. Und was kann ihn mehr freuen, als dass die Fans irgendwann alle davon sprechen, dass der neue Hoffnungsträger ihm zu verdanken ist? Wenig bis nichts, würde ich sagen.

Wenig bis nichts möchte der HSV auch in Sachen Tilgung des Stadionkredites zahlen. Die Gespräche mit dem zuständigen Bankenkonsortium, bestehend aus HSH Nordbank, Hamburger Sparkasse und der HypoVereinsbank, sind diesbezüglich dem Vernehmen nach schon weit fortgeschritten. 30 Millionen Euro sind von den ursprünglich 137 Millionen Mark (rund 70 Millionen Euro) vom Stadionkredit bis 2017 noch zu tilgen. Zuzüglich der Sportfive-Prämie von einmalig knapp 5,5 Millionen Euro. „Wir wollen die Rückzahlung des Kredites strecken“, sagt Jarchow. Statt in den nächsten fünf Jahren will der HSV den Kredit bis über 2020 hinaus zurückzahlen. Hintergrund ist, dass so nach Möglichkeit schon in den nächsten Jahren von bislang knapp neun Millionen Euro Annuität nur noch eine jährliche Zahlung von weniger als 5 Millionen Euro zu tätigen wäre. Diese Summe soll von Jahr zu Jahr so abnehmen, dass der HSV ab 2020 nur noch rund eine Million per annum zu zahlen hat. Die Rechnung: Der HSV hätte jährlich zunächst vier Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison mehr für Spieler – Tendenz zunehmend. Und das passt, zumal der Etat der Bundesligamannschaft eh angehoben werden soll. Rund 40 statt der bisher 30 Prozent des Gesamtumsatzes (2011/2012 rund 135 Millionen Euro) sollen künftig allein in die Profimannschaft investiert werden.

Ich hatte vor kurzem geschrieben, dass der HSV Platz elf budgetieren will. Das ist soweit auch korrekt. Allerdings nur in Bezug auf die eingeplanten TV-Gelder, bei denen man lieber etwas zurückhaltend planen will. „Platz elf ist aber keinesfalls unser sportliches Ziel“, stellt Jarchow klar, „im Gegenteil: Wir wollen deutlich besser abschneiden. Zumal wir als Rechengrundlage für die Prämienzahlungen an die Mannschaft 45 Punkte ausgegeben haben.“ Ebenso eingeplant sind die Einnahmen aus die Runden im DFB-Pokal „inklusive einem Heimspiel“, so Jarchow weiter.

Der HSV plant konservativ. Allerdings nur, um böse Überraschungen wie in dieser Saison zu vermeiden. Hintergrund: Aktuell fließen allein an TV-Geldern rund vier Millionen Euro weniger an den HSV als vorher budgetiert.

Dennoch, bei allen Schreckensnachrichten in Sachen Finanzen gibt es auch gute. Immerhin muss der HSV in der kommenden Saison bei gleichbleibenden Einnahmen aus Transferraten nur noch knapp neun Millionen Euro an Raten für seine Spieler bezahlen. Im abgelaufenen Jahr waren es immerhin fünf Millionen mehr, nämlich 14 Millionen Euro. Ergo (alle, die sich furchtbar über die Abmeldung der Bundesliga-Frauen geärgert haben, sollten jetzt nicht weiterlesen): Es sind auf einen Schlag fünf Millionen Euro weniger Belastung gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man auf die Weniger-Belastung die angedachte Streckung des Stadionkredites hinzu, würde der HSV im nächsten Jahr bis zu zehn Millionen Euro weniger bezahlen und zumindest in Teilen für die Profimannschaft zur Verfügung haben. Und obendrauf käme noch, dass der HSV seinen 2015 mit Sportfive auslaufenden Vertrag neu verhandelt. Bislang kassiert Sportfive die stolze Prämie von pauschal 20 Prozent von allen Sponsoreneinnahmen. Gut möglich, dass sich diese im Ligavergleich sehr hohe Prozentzahl ebenfalls drücken lässt…

Und dann noch mal zum Sportlichen: Bei Tolgay Arslan und Marcell Jansen gibt es ebenso wie bei neuen Spielern (inklusive David Abraham) noch nichts Neues. Dafür aber – leider! – von Ivo Ilicevic. Der Kroate hatte sich zuletzt eine Muskelverletzung in der Wade zugezogen und bangte um seine EM-Teilnahme. Leider erfolglos. Heute teilte der kroatische Verband mit, dass Ilicevic nicht am Endturnier teilnehmen wird. Coach Slaven Bilic nominierte den 20-jährigen Sime Vrsaljko von Dinamo Zagreb nach.

Schade für den HSV, der somit keinen einzigen Feldspieler beim Turnier dabei hat. Aber noch bitterer ist das alles natürlich für Ilicevic, dem ich auf diesem Wege gute Besserung wünschen möchte…

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit dem Blogvater, der am Sonnabend übrigens als Trainer der Presseauswahl bei Benefizkick “Ein herz für Kinder” gegen die Altstars (u.a. sind Michael Rummenigge, Manfred Kaltz, Marco Bode, Jochen Kientz, Ingo Hertzsch, Bastian Reinhardt und viele mehr dabei) im Edmund-Plambeck-Stadion fungieren wird. Anpfiff ist um 14.30 Uhr.

Scholle

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