Archiv für das Tag 'Bode'

Für eine Nacht Europa League?

21. November 2012

Es gibt so viele Dinge, die keinen Sinn machen. Wie zum Beispiel das 20-Millionen-Euro-Angebot für Heung Min Son. Da spielt der Südkoreaner seine erste halbwegs erfolgreiche – allerdings noch längst nicht konstant gute – Saison, und schon überschlagen sich europäische Topklubs? Zumindest soll das so sein. Liverpool will Son, heißt es! Inzwischen ist aus anfänglich kolportierten zehn Millionen kurzer Hand ein Angebot über 20 Millionen Euro geworden! Und der HSV lehnt ab.

Der HSV lehnt ab? Macht das alles einen Sinn?

Nein! Absolut nicht. Für 20 Millionen Euro würde der HSV Son in Watte verpackt bis in die Umkleidekabine der Reds liefern, um auch ganz sicher zu sein, dass an dem Deal nichts mehr schiefgeht. 20 Millionen wären absolut nicht ablehnbar. Wahrscheinlich wären es nicht einmal die zehn Million, obgleich man mit Son auch gleich zwei, drei neue Werbepartner verpflichtet. Was auch für einen Verkauf spricht: Der HSV ließ trotz derzeit deutlich geringerer finanzieller Nöte schon deutlich arriviertere Spielergrößen ziehen. Rafael van der Vaart beispielsweise ging für 15 Millionen zu Real Madrid, Vincent Kompany für knapp zehn Millionen Euro zu ManCity. Dazu gingen van Buyten, Ujfalusi, Boulahrouz und de Jong einst, weil das jeweilige Angebot nicht abzulehnen war. Das Einzige, was bei der Kiste Son einen Sinn ergibt, ist der Zeitpunkt der kolportierten Angebote. Denn: Dass diese Zahlen unmittelbar im Vorfeld der Vertragsgespräche des HSV mit seinem Talent auftauchen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Zufall! Da wird versucht, einen Preis nach oben zu schrauben. Und das nicht vom HSV.

Aber wohl mit Erfolg. Medien springen auf die Meldung an. Auch wir hier mit dem „MatzAb-Blog“ springen jetzt darauf an, nachdem zuvor im Blog fleißig über Sinn und Unsinn eines Verkaufes diskutiert wurde. Eine Diskussion, an der ich gern ganz kurz teilhaben möchte: Ich würde es ebenso fahrlässig finden, wenn der HSV in der jetzigen Situation ohne Ersatz seinen besten Torschützen verkauft wie den Umstand, eine 20-Millionen-Offerte für den Sükoreaner abzulehnen. Immerhin ist Son eines der größten Talente des HSV – aber in finanziell schwierigen Zeiten sicher alles andere als unverkäuflich. Sportchef Frank Arnesen – und das wird er gemacht haben – ist auf jeden Fall gut beraten, sich schon mal nach vergleichsweise günstigem aber sportlich adäquatem Ersatz umzusehen, sollte tatsächlich mal ein Millionenangebot für Son ins Haus flattern.

Bis dahin allerdings werde ich das Thema Son weitgehend umschiffen – weil es bei derartig viel „Stiller-Post-Fakten“ einfach keinen Sinn macht.

Viel mehr Sinn macht es dagegen, sich mit dem nächsten Spiel zu beschäftigen. Das findet in zwei Tagen in Düsseldorf statt und könnte den HSV wenigstens für eine Nacht in das obere Drittel schieben. Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, wäre mit einem Punkt aus der Düsseldorf-Partie bereits erreicht. Und dass Hannover (in München), Werder (in Wolfsburg) und Mainz (gegen Dortmund) an diesem Spieltag punktlos bleiben, ist längst nicht ausgeschlossen. Ergo: Düsseldorf wird mal wieder ein Schlüsselspiel.

Schon letzte Woche hatten Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen und auch Arnesen von einem richtungsweisenden Spiel gesprochen. Und das wiederholte Fink heute – allerdings bezogen auf Düsseldorf am Freitag. Ich hatte geschrieben, dass Mainz der erste Schritt in eine bessere Zukunft werden soll. Und der HSV machte mit einem schmucklosen, glücklichen 1:0 diesen Step. Sportlich zwar allemal nicht, aber ergebnistechnisch.

Zudem hatten zuvor einige Spieler behauptet, der HSV könnte keine Spiele gewinnen, in denen er „ka….“ spiele. „Dass es trotzdem ging, zeigt, dass wir als Mannschaft gefestigter sind. Gerade in der Defensive arbeiten wir besser gegen den Ball. Wir lassen einfach nicht mehr so viele Chancen zu. Das ist das Geheimnis im Moment“, so HSV-Kapitän Heiko Westermann, der sich weiter im Leistungshoch befindet und der hinzufügt, dass es hinter dem angesprochenen Geheimnis noch ein Geheimnis gibt. „Wir haben die Abstände zwischen den Viererketten verbessert und sind eingespielt, weil wir lange Zeit mit einer Formation gespielt haben.“ Und geht es nach Fink, wäre das auch so geblieben. Allein die Verletzung von Marcell Jansen zwingt den HSV-Coach zu einem Wechsel. „Dennis Aogo kommt rein, mehr ändere ich nicht“, so Fink.

Fink konnte heute mit Freude registrieren, dass sich Tolgay Arslan im Training schmerzfrei bewegte und somit auch in Düsseldorf wieder spielen wird. „Arslan kann spielen“, so Fink, der mit einem Sieg Druck auf die tabellarischen Nachbarn ausüben will – der aber zugleich warnt: „Düsseldorf hat jetzt 11 Punkte und ist auf einem Relegationsplatz. Bei einem Sieg wären sie bis auf drei Punkte an uns ran. Man sieht, dass wir eine gute Möglichkeit haben, uns in der Tabelle höher zu schieben. Das müssen wir ausnutzen.“ Insbesondere bei den oben beschriebenen aktuellen Spieltagspaarungen. „Aber es kann alles ganz schnell gehen.“ In beide Richtungen. Umso wichtiger sei es, sich mit einem Dreier erst mal auf lange Sicht von den Abstiegsrängen zu entfernen.

Der Rahmen dafür ist gegeben. Mit einem allseits beliebten Freitagabendspiel. „Als erste Mannschaft zu spielen, abends, und dazu noch unter Flutlicht – das ist das Schönste“, schwärmt Westermann, der den reiz wie folgt erklärt: „Das Stadion ist super, die Atmosphäre stimmt. Und wir legen vor. Als erste Mannschaft des Spieltages. Das ist cool. Das Ganze hat was von internationalem Feeling.“ Stimmt. Immerhin werden einige Millionen Zuschauer das Spiel sehen, das (fußballtechnisch) konkurrenzlos übertragen wird. Mehr als sonst in der Konferenz die Option HSV wählen auf sicher.

Vor allem aber ist es ein Auswärtsspiel – womit sich die Mannen um Westermann momentan deutlich besser zurechtfinden. „Auswärts klappt es besser“, bestätigt Westermann, „vor allem fußballerisch tun wir uns leichter.“ Weil sie dort im Gegensatz zu den Heimspielen nicht das Spiel machen müssen? „Auch“, sagt Westermann, „allerdings haben wir gegen Freiburg bis zum Platzverweis auch das Spiel gemacht. Wir nutzen auswärts besser unsere Räume, wie wir es gegen Mainz auch hätten machen müssen.“ Und da Düsseldorf nach zuletzt sieben sieglosen Spielen (sechs Niederlagen und ein Remis) kommen muss, dürfte es in der gut gefüllten Düsseldorfer Esprit-Arena für den HSV darum gehen, hinten kompakt wie zuletzt zu stehen, um die Kontermöglichkeiten zu nutzen. „Ich rechne mit einer kämpferisch starken Truppe“, sagt Fink, „da werden wir sicher nicht ins offene Messer laufen. Ich habe gesehen, dass Düsseldorf gute und starke Konter fährt.“

Klingt nach einem nicht allzu attraktiven Spiel. Aber okay, jetzt wieder eine Prognose abzugeben, ob das Spiel gut wird oder nicht, ist auch recht sinnlos. Allerdings glaube ich, dass der HSV mit Dennis Aogo hinten links einen Spieler haben wird, der auf seinen Einsatz brennt. Hoffentlich nicht so sehr wie Scharner vor zwei Wochen in Freiburg…

Zum Ende dieses Blogs habe ich noch zwei kleinere Meldungen. Zum einen bin ich in letzter Zeit häufiger (auch von Bloggern) gefragt worden, ob ich an einen Wechsel von Dietmar Beiersdorfer als Sportchef zu Werder Bremen glaube. Meine Antwort war immer: Nein. Allerdings hatte ich meine Bedenken, immerhin ist das Band zwischen Werder-Trainer Thomas Schaaf, Ex-Profi Marco Bode (hätte sich bei einem Beiersdorfer-Engagement auch zum Helfen bereiterklärt) und Dietmar Beiersdorfer sehr dick. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass Beiersdorfer in St. Petersburg, wo man mit seiner Arbeit hochzufrieden ist, nach nur vier Monaten trotz Vertrages bis 2015 wieder aufhört. Zum Glück habe ich ihn eben erreicht. Unmittelbar vor dem Spiel Zenits gegen den FC Malaga, habe ich mit Beiersdorfer gesprochen. Und? Es ist zum Glück genau wie erwartet gekommen. „Ich kenne dort sehr viele Leute und hatte ein Angebot aus Bremen. Aber ich habe es abgelehnt, weil ich meinen Vertrag bei Zenit erfüllen möchte.“ Der läuft bis 2015. Ergo: Eine Rückkehr zum HSV ist – ohne Frank Arnesen etwas Böses zu wollen, ganz im Gegenteil: Bis 2015 ist noch viel Zeit – in Zukunft nicht mehr ausgeschlossen. Das wäre es aber wahrscheinlich für sehr viele HSV-Fans gewesen, wenn sich der Ex-HSV-Sportchef mit dem Nordrivalen eingelassen hätte.

Bei David Jarolim hatte ich ebenfalls Glück. Den ehemaligen Kapitän habe ich heute erreichen können, nachdem durchgesickert war, dass der Tscheche seinen Vertrag beim französischen Erstligisten FC Evian auf eigenen Wunsch „aus persönlichen Gründen“ aufgelöst hat. Zum Glück waren es keine schlimmen Ereignisse sondern einfach der Umstand, „dass es nicht mehr gepasst hat“, wie Jarolim mir schrieb. Jaro weiter: „Es war meine Entscheidung und besser, es dann direkt zu beenden.“

In diesem Sinne, Jarolim übernimmt beim HSV eine Jugendmannschaft, führt diese bis in die A-Bundesliga und bildet dabei drei, vier absolute Toptalente der Kategorie Götze aus. Beiersdorfer übernimmt zudem, wenn Arnesen den HSV auf Champions-League-Ebene irgendwann abgeben möchte. Und Son erzielt in Düsseldorf den (hoffentlich nur einen von vielen) Siegtreffer(n) auf Flanke von Dennis Aogo, der die kompletten 90 Minuten auf dem Platz steht und zusammen mit Westermann, Mancienne, Diekmeier und Adler hinten erneut die Null sichert.

Einverstanden?

Ich schon. Bis morgen!
Scholle

Der alte Kaltz kann es immer noch

9. Juni 2012

„Und immer dran denken – die Gefahr kommt über rechts.“ Hat Manfred „Manni“ Kaltz bei seiner Abfahrt aus Norderstedt gesagt. Der frühere Nationalverteidiger war Beifahrer von Uli „die Kante“ Borowka, Kaltz ließ schnell die Fensterscheibe herunter und gab mir noch schnell den kostenlosen Tipp. Dann ging es für die beiden ehemaligen Profis in die Fisch-Auktionshalle, wo sie sich das EM-Spiel Deutschland gegen Portugal ansehen werden. Nicht allein. Es sind viele Gäste der Sparda-Bank geladen, und viele Alt-Internationale. Die spielten am Nachmittag auf dem Rasenplatz von Eintracht Norderstedt gegen eine Hamburger Presse-Auswahl. Halbzeit 0:0, Endstand 3:0. Für die „Ehemaligen“ – natürlich, möchte man meinen. Aber die Sieger hatten mehr Mühe als erwartet.

Der Veranstalter hatte mit 4000 bis 5000 Zuschauern gerechnet, gekommen waren bei Hamburger Schmuddelwetter um die 300. Die Autogrammjäger unter ihnen kamen auf ihre Kosten, denn die Stars von gestern stellten sich bereitwillig zu vielen Fotos und zu den begehrten Unterschriften. Auch Schiedsrichter Bernd Heynemann (Magdeburg) verteilte fleißig die von ihm geforderten Autogrammkarten.

Organisiert und aufgestellt hatte das Star-Ensemble der ehemalige HSV-Spieler Stefan Schnoor, der in Ermangelung von Angreifern gelegentlich sogar als Sturmspitze aufkreuzte (und auch das 1:0 per Abstauber erzielte!). „Du warst schon immer ein verkappter Stürmer“, sagte ich ihm während des Spiels, aber er antwortete: „Eher ein verkappter Zehner.“ Fritz Walter, Wolfgang Overath, Günter Netzer . . . Stefan Schnoor.

Aber er hatte natürlich eine gute Mannschaft beisammen. Neben Kaltz und Borowka waren die ehemaligen HSV-Profis Jochen Kientz, Bastian Reinhardt, Peter Nogly, Ingo Hertzsch (aus Leipzig angereist!) und Thomas Vogel dabei. Zudem Michael Rummenigge, Thomas Helmer und Marco Bode, der für mich der beste Mann bei den „Alten“ war, der sogar einen sehenswerten Fallrückzieher riskierte – und auch ein Abstaubertor erzielte. „Man, man, der Bode hat es aber noch drauf“, sagte Presse-Abwehrmann Christian Pletz (unser Matz-ab-Pletzi) später anerkennend. Gut war aber auch, ich ziehe den Hut vor ihm, „Manni“ Kaltz. Alle Achtung. Die Pässe, die Standards und die Flanken kamen wie zu seinen besten Tagen. Presse-Torwart Oliver Hinz von Altona 93: „So schießt sie kein Spieler in der Oberliga Hamburg. Kaltz bringt sie genau dorthin, wo er sie auch hin haben will. Erste Sahne.“ Kaltz, 59 Jahre alt, kann es immer noch. Wie er über das gesamte Spielfeld (mit Ball) stolzierte und mit einem sehenswerten Lupfer gegen den Pfosten das 2:0 (Bode) vorbereitete – einfach nur klasse.

Bei den Medien-Vertretern spielten – neben anderen – auch Sky-Moderator Patrick Wasserziehr sowie HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf, der seinem Unmut über das „schlechte Spiel“ der Presse-Truppe stets freien Lauf ließ. Immerhin gab er nach dem Schlusspfiff zu: „Hat trotz allem Spaß gemacht. Und wenn ich etwas gemeckert habe, so liegt es schlicht und einfach daran, dass ich immer gewinnen will.“ Aber gegen einen Sieg der Medien-Vertreter hatten natürlich die Altmeister doch erhebliche Einwände.

So, es ist EM. Und in einigen Minuten sind auch wir Deutsche voll dabei und mittendrin. Deswegen halte ich mich heute mal kurz und knapp – die Spannung steigt, auch bei mir. Obwohl ich immer noch leicht pessimistisch bin. Ganz leicht.

Aber obwohl ich in der Obdachlosen-Zeitung „Hinz und Kunzt“ ja schon einige EM-Nähkästchen geschrieben habe, gibt es da noch ein ganz kleines, was ich hier schnell noch zum Besten geben möchte. Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden. Bundestrainer Erich Ribbeck, der ehemalige HSV-Sportchef. Der hatte in den Wochen vorher stets verkündet: „Ich werde keinen Spieler mit in den EM-Kader nehmen, der noch kein Länderspiel gemacht hat.“ Ein Mann, ein Wort. Da HSV-Torwart Jörg Butt noch kein Länderspiel bestritten hatte, fragte ich Ribbeck einmal kurz unter vier Augen: „Gilt das auch für Jörg Butt?“ Ribbeck: „Ja, Butt wird vorher noch seinen Einsatz erhalten . . .“

Und es gab da ja auch noch zwei Testspiele für die deutsche Mannschaft. Am 3. Juni gegen Tschechien – aber beim 3:2-Sieg spielte Oliver Kahn 90 Minuten durch. Dann der letzte Test vor dem EM, am 7. Juni in Freiburg gegen Liechtenstein. Ribbeck kündigte in der Pressekonferenz an: „Da wird Jens Lehmann zwischen den Pfosten stehen.“ Wie Lehmann? Und Butt?

Ich ging nach der Pressekonferenz zu Erich Ribbeck, wieder ein kurzes Gespräch unter vier Augen: „Herr Ribbeck, und was ist mit Butt? Sie haben mir doch gesagt, Butt würde auch noch vor der EM seinen Einsatz erhalten . . .“ Ribbeck setzte eine grimmige Miene auf und sagte kurz und knapp: „Sie immer mit Ihrem Butt, Butt, Butt, Aber keine Angst, Herr Matz, er bekommt seinen Einsatz, auch wenn ich es für den dritten Mann im Tor nicht unbedingt für nötig erachte.“

2:1 stand es bei Halbzeit in Freiburg gegen Liechtenstein, dann kam Butt. Er kassierte zwar auch noch einen Gegentreffer vom Fußballzwerg, aber Deutschland gewann 8:2. Und „Butti“ hatte seinen ersten Länderspiel-Einsatz – ich war happy, er war happy – alle waren zufrieden. So hatte ich beim HSV-Torwart vielleicht 25 Prozent meine Finger im Spiel, dass er gegen Liechtenstein ran durfte – aber ganz aufmerksame „Matz-abber“ werden sich erinnern, dass ich einst Sven Kmetsch (ehemaliger HSV-Kapitän) zu Zeiten von Berti Vogts in die DFB-Auswahl „sabbelte“. Da aber waren es mindestens 95 Prozent. Kmetsch schaffte aber nur zwei Einsätze . . .
Den Kritikern (meinen Kritikern) sei gleich entgegnet: Mehr HSV-Spieler waren es aber nicht. Auch bei Piotr Trochowski oder Dennis Aogo hatte ich meine Finger nicht im Spiel. Aber Butt und Kmetsch zeigen, dass es im „großen Fußball“ gelegentlich auch ganz amateurhaft und hemdsärmelig zugehen kann – da gibt es dann keinen Unterschied zu (m)einem kleinen Verein um die Ecke.

So, nun ist EM, und zwar Hochstimmung. Das Spiel Niederlande gegen Dänemark (0:1) bestärkt mich darin, dass es nicht unbedingt ein Turnier für die Favoriten geben wird.

Apropos Dänemark: Da spielt ein Mann namens Lars Jacobsen mit. Der war von 2002 bis 2003 HSV-Profi, brachte es auf 22 Einsätze (ein Tor) und ging wieder, weil ihn der HSV nicht mehr wollte. Quasi durchgefallen. Der 32-jährige Verteidiger vom FC Kopenhagen spielt aber schon seit jener Zeit stets für Dänemark (50 Länderspiele). War aber für den HSV einst ein wenig zu schlecht . . . So kann es gehen.

Falls es gleich auffällt, dass ich ein wenig heiser bin: Ich war heute „Trainer“ der Presse-Auswahl, und da habe ich gelegentlich ein wenig zu laut über den Platz gegrölt. Übrigens: gleich nach dem Schlusspfiff der Partie Deutschland gegen Portugal gibt es wieder „Matz ab live“ – wir sehen uns.
Eine schöne EM für alle.

19.52 Uhr

Jarchow will den Bundesliga-Etat anheben – und hat einen Plan

7. Juni 2012

Man kann über ihn sagen, was man will, aber er hat definitiv Talent. Die Handschuhe übergestreift und los ging es. Keine zwei Minuten brauchte Carl Jarchow, um mithilfe von Spraydosen ein rotes Bobbycar zum HSV-Gefährt umzugestalten. Alles geschehen im Anschluss an den Audi-Pressetermin „praktisch gut“ im Rahmen der Sponsoring-Initiative „Hamburger Weg“. Erklärung: Audi und der HSV haben ein gemeinsames Projekt für Schüler ins Leben gerufen und verkündeten heute, dass sie diese Zusammenarbeit um weitere Jahre verlängern. Eine gute Sache, bei der aus Praktikanten schon Auszubildende bei Audi geworden sind.

So weit, so gut. Anschließend hatten wir noch die Gelegenheit, uns mit dem Klubboss Carl Jarchow zu unterhalten, der im Übrigen am kommenden Mittwoch, nach dem Spiel der Deutschen gegen die Niederlande, auch unser Gast bei „Matz Ab live“ sein wird. Insofern, wer Fragen hat, kann diese schon mal aufschreiben.

Zurück zum Gespräch. Im Laufe dessen kamen wir auch auf die Finanzen zu sprechen. Dabei untermauerte Jarchow seinen strikten Konsolidierungsplan. 15 Prozent müssen auf allen Ebenen eingespart werden. Den Profibereich ausgenommen. Dennoch, auch hier gilt: kein unnötiges Risiko. Egal, was für einen Spieler man eventuell auch kaufen könnte, es wird nur der Spieler kommen, den man aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Sagt Jarchow. Wobei hierbei immer auch die Möglichkeit einer Fremdfinanzierung besteht. „Bislang haben wir alle Transfers aus Eigenmitteln finanziert. Wenn es den Fall gibt, dass ein Spieler interessant für uns ist und selbst interessiert, so aber nicht für uns zu finanzieren ist, dann werden wir über kreative Möglichkeiten nachdenken. Entsprechen eben auch über Beteiligungen. Aber wir werden sicher nicht auf zu erwartende Einnahmen setzen und Gelder im Voraus ausgeben.“

Nun weiß ich, dass Kritiker dem Klubboss das negativ auslegen werden und sagen, der HSV spare sich kaputt. Andererseits aber glaube ich, dass dieser Weg der beste sein kann. „Sein kann“ deshalb, weil der HSV eben das große Glück hat, mit Klaus Michael Kühne einen milliardenschweren Gönner als Fan zu haben und nicht zwingend ins Risko gehen muss, um aufzurüsten. Im Winter schon hätte der Wahlschweizer einen Großteil der vom FC Basel geforderten rund acht Millionen Euro für Granit Xhaka übernommen. Und ich bin mir sicher, zumindest wird das beim HSV so kolportiert, dass Herr Kühne dieses Angebot auch für diese Transferperiode aufrecht erhält. Zumal dann, wenn er sieht, dass dieser HSV nicht willkürlich Geld ausgibt. Vor allem nicht das, was er gar nicht hat. Nein, Herr Kühne sieht, dass der HSV bemüht ist, sich selbst zu finanzieren, ohne neue Schulden zu machen. Und er sieht die finanziellen Grenzen. Er weiß, dass der HSV nur mit seiner Hilfe einen Spieler der gesuchten Größenordnung finanzieren kann. Und er weiß, dass der HSV diesen Spieler braucht. Oder besser: Sein HSV braucht diesen Spieler. Und was kann ihn mehr freuen, als dass die Fans irgendwann alle davon sprechen, dass der neue Hoffnungsträger ihm zu verdanken ist? Wenig bis nichts, würde ich sagen.

Wenig bis nichts möchte der HSV auch in Sachen Tilgung des Stadionkredites zahlen. Die Gespräche mit dem zuständigen Bankenkonsortium, bestehend aus HSH Nordbank, Hamburger Sparkasse und der HypoVereinsbank, sind diesbezüglich dem Vernehmen nach schon weit fortgeschritten. 30 Millionen Euro sind von den ursprünglich 137 Millionen Mark (rund 70 Millionen Euro) vom Stadionkredit bis 2017 noch zu tilgen. Zuzüglich der Sportfive-Prämie von einmalig knapp 5,5 Millionen Euro. „Wir wollen die Rückzahlung des Kredites strecken“, sagt Jarchow. Statt in den nächsten fünf Jahren will der HSV den Kredit bis über 2020 hinaus zurückzahlen. Hintergrund ist, dass so nach Möglichkeit schon in den nächsten Jahren von bislang knapp neun Millionen Euro Annuität nur noch eine jährliche Zahlung von weniger als 5 Millionen Euro zu tätigen wäre. Diese Summe soll von Jahr zu Jahr so abnehmen, dass der HSV ab 2020 nur noch rund eine Million per annum zu zahlen hat. Die Rechnung: Der HSV hätte jährlich zunächst vier Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison mehr für Spieler – Tendenz zunehmend. Und das passt, zumal der Etat der Bundesligamannschaft eh angehoben werden soll. Rund 40 statt der bisher 30 Prozent des Gesamtumsatzes (2011/2012 rund 135 Millionen Euro) sollen künftig allein in die Profimannschaft investiert werden.

Ich hatte vor kurzem geschrieben, dass der HSV Platz elf budgetieren will. Das ist soweit auch korrekt. Allerdings nur in Bezug auf die eingeplanten TV-Gelder, bei denen man lieber etwas zurückhaltend planen will. „Platz elf ist aber keinesfalls unser sportliches Ziel“, stellt Jarchow klar, „im Gegenteil: Wir wollen deutlich besser abschneiden. Zumal wir als Rechengrundlage für die Prämienzahlungen an die Mannschaft 45 Punkte ausgegeben haben.“ Ebenso eingeplant sind die Einnahmen aus die Runden im DFB-Pokal „inklusive einem Heimspiel“, so Jarchow weiter.

Der HSV plant konservativ. Allerdings nur, um böse Überraschungen wie in dieser Saison zu vermeiden. Hintergrund: Aktuell fließen allein an TV-Geldern rund vier Millionen Euro weniger an den HSV als vorher budgetiert.

Dennoch, bei allen Schreckensnachrichten in Sachen Finanzen gibt es auch gute. Immerhin muss der HSV in der kommenden Saison bei gleichbleibenden Einnahmen aus Transferraten nur noch knapp neun Millionen Euro an Raten für seine Spieler bezahlen. Im abgelaufenen Jahr waren es immerhin fünf Millionen mehr, nämlich 14 Millionen Euro. Ergo (alle, die sich furchtbar über die Abmeldung der Bundesliga-Frauen geärgert haben, sollten jetzt nicht weiterlesen): Es sind auf einen Schlag fünf Millionen Euro weniger Belastung gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man auf die Weniger-Belastung die angedachte Streckung des Stadionkredites hinzu, würde der HSV im nächsten Jahr bis zu zehn Millionen Euro weniger bezahlen und zumindest in Teilen für die Profimannschaft zur Verfügung haben. Und obendrauf käme noch, dass der HSV seinen 2015 mit Sportfive auslaufenden Vertrag neu verhandelt. Bislang kassiert Sportfive die stolze Prämie von pauschal 20 Prozent von allen Sponsoreneinnahmen. Gut möglich, dass sich diese im Ligavergleich sehr hohe Prozentzahl ebenfalls drücken lässt…

Und dann noch mal zum Sportlichen: Bei Tolgay Arslan und Marcell Jansen gibt es ebenso wie bei neuen Spielern (inklusive David Abraham) noch nichts Neues. Dafür aber – leider! – von Ivo Ilicevic. Der Kroate hatte sich zuletzt eine Muskelverletzung in der Wade zugezogen und bangte um seine EM-Teilnahme. Leider erfolglos. Heute teilte der kroatische Verband mit, dass Ilicevic nicht am Endturnier teilnehmen wird. Coach Slaven Bilic nominierte den 20-jährigen Sime Vrsaljko von Dinamo Zagreb nach.

Schade für den HSV, der somit keinen einzigen Feldspieler beim Turnier dabei hat. Aber noch bitterer ist das alles natürlich für Ilicevic, dem ich auf diesem Wege gute Besserung wünschen möchte…

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit dem Blogvater, der am Sonnabend übrigens als Trainer der Presseauswahl bei Benefizkick “Ein herz für Kinder” gegen die Altstars (u.a. sind Michael Rummenigge, Manfred Kaltz, Marco Bode, Jochen Kientz, Ingo Hertzsch, Bastian Reinhardt und viele mehr dabei) im Edmund-Plambeck-Stadion fungieren wird. Anpfiff ist um 14.30 Uhr.

Scholle

Sprechstunden-Verlängerung

11. Oktober 2009

Die Verlängerung der Sprechstunde nimmt hiermit Formen an. Und irgendwie möchte ich mich jetzt doch kürzer fassen. Auf geht’s.

„Junger Schwede“ fragte, warum Bruno Labbadia nicht die jungen Spieler den Spielaufbau machen lässt, denn Joris Mathijsen spielt ihm zu lange (Fehl-)Pässe. Gelegentlich empfinde ich das ja auch so, weil etliche 80-Meter-Pässe des Niederländers im Niemandsland flogen, aber zuletzt hatte ich den Eindruck, als hätte er sich gebssert. Und: Vielleicht hat es Labbadia ja doch schon mal angesprochen. Ich weiß von Martin Jol, dass er es gerne gesehen hat (und er es teilweise auch forciert hat), dass Mathijsen zentral angespielt werden soll, um so das Spiel zu eröffnen. Und noch eines: Gerade in letzter Zeit hat der HSV-Trainer in Sachen Spieleröffnung viele Dingen üben (und einstudieren) lassen. Abwarten, ob es nun besser wird.

„mazda“ warf mir vor, ich hätte mehr Einfluss auf HSV-Themen im Doppelpass nehmen müssen. Das aber geht gar nicht, denn auch im Doppelpass geht es zu wie im Fernsehen: Da gibt es eine Strategie, da wird nicht einfach nur mal so drauf los geplaudert, da gibt es Abschnitte in Minuten, die genau vorgegeben werden. Das muss allein deshalb schon sein, weil es ja genügend Einspieler gibt, die von Moderator Jörg Wontorra abgerufen werden. Ich als Dieter Matz kann dann auch nicht einfach mit dem einen oder anderen HSV-Thema dazwischenquatschen, wenn gerade über Dortmund oder Leverkusen gesprochen wird. Nein, „Herr mazda“, so einfach ist das alles nicht.

„Denny“ fragte zur nicht gegebenen Gelben Karte für den Hertha-Spieler Arne Friedrich, wie ich zu den Verwarnungen in Sachen Torjubel stehe? Ich finde, dass das absoluter Blödsinn ist. Auch ein ausgelassener Jubel gehört doch zum Fußball dazu. Aber: Die älteren Herren des Fußballs haben diese Regelung eingeführt, folglich muss sie auch beherzigt werden. Schiedsrichter, die das nicht machen, werden aus dem Verkehr gezogen. Deswegen würde es mich nicht wundern, wenn der Unparteiische Günter Perl jetzt erst einmal eine Pause einlegen müsste, denn er sah Arne Friedrich bei seinem 120-Meter-Lauf tatenlos zu.

Aber, ich schweife schnell noch einmal ab: Wer erinnert sich noch an das Pokalspiel in Düsseldorf? Schiedsrichter Babak Rafati hätte den Fortunen-Keeper eigentlich nach einer Notbremse vom Platz stellen müssen, aber er beließ es gnädig bei einer Gelben Karte. Als es dann später ein Elfmeterschießen gab, hätte dieser Torhüter gar nicht mehr auf dem Platz sein dürfen. Was wäre gewesen, wenn der HSV viermal an ihm gescheitert wäre? Dann hätten alle auf Rafati eingedroschen, ganz sicher.

„Oranje“ fragte nach den Chancen, in der Winterpause Rafael van der Vaart zurückzuholen? Über dieses Thema möchte ich eigentlich gar nicht mehr schreiben, es ist schon lang und breit ausgetreten. Nur so viel: Die Chance gibt es natürlich, aber es gibt sicher auch einige Vereine (in Europa), die von ihren Saisonzielen weit entfernt sind – und mehr Geld haben, als der HSV. Und ausleihen? Wie es „HSVIngo“ fragte. Das ginge natürlich, wobei van der Vaart dann natürlich, das setze ich mal voraus, auch auf Teile seines stattlichen Real-Gehalts verzichten müsste (für ein halbes Jahr), denn in solche Sphären ist der HSV bislang noch nicht vorgedrungen.

Allgemein möchte ich zu „Kultsänger“ Lotto King Karl, der ja bei vielen von Euch ein Held ist, anmerken: Lotto ist so oft bei BU-Heimspielen auf dem Rupprecht-Platz anzutreffen, und zwar auf der Haupttribüne auf Höhe Mittellinie. Wird er dann angesprochen, gibt er Autogramme und unterhält sich gelegentlich auch nett mit seinen Fans. LKK ist an der Steilshooper Straße stets ausgesprochen nett und volksnah.

Wobei ich kurz noch auf eine vielfach geäußerte Bitte kommen möchte: Nach “Dittsche” wurde gefragt, und nach einem Video mit ihm. Das gibt es bereits. Wurde nach dem Dortmund-Spiel geführt. Kurz aber heftig. Nein, ganz normal. Mit Olli Dittrich. Der war zuletzt beruflich sehr eingespannt, denn im nächsten Jahr erscheint von und mit ihm ein großer Kino-Film. Am nächsten Sonntag startet dazu die neue “Dittsche”-Staffel, aber ich werde ihn bei passender Gelegenheit einmal fragen, ob er uns noch einmal zur Verfügung stehen wird – als HSV-Fan natürlich. Wobei ich anmerken möchte: Werden die Videos bei “Matz ab” eigentlich wahr genommen? Bislang gab es für mich eher kaum bis gar keine Resonanz darauf, oder täusche ich mich da?

„Benno Hafas“ fragte, ob die Medien über die Schiedsrichter-Analysen (beim DFB in Frankfurt) informiert werden? Natürlich nicht. Wenn das der Fall wäre, dann würde ja am nächsten Wochenende der eine oder andere „Schwarzkittel“ von den Fans in den Stadien auseinander genommen werden. Das bleibt schön hinter verschlossenen Türen. Einst hieß es ja auch im Fußball, und es ist wohl was dran: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Nein, nein, die Unparteiischen würden so ja Hohn und Spott sämtlicher Fußball-Anhänger ausgesetzt sein, das Spiel würde zu einem einzigen Spießrutenlaufen verkümmern.

„hsvboerni“ fragte nach dem Abendblatt-Autoren, der den Artikel über Thomas Doll geschrieben hat. War im Vorspann allerdings deutlich zu lesen, doch ich sage es trotzdem gern noch einmal: Das war mein ehemaliger Sportchef Jan Haarmeyer.

„KlausKober“ bemerkte, dass im Dezember 1961 alle sieben Tore des Spiels HSV gegen die Nationalmannschaft (4:3) im Westen – und nicht wie ich schrieb, im Osten – gefallen seien. Ich hätte schwören können, dass alle Treffer im Osten fielen, aber ich sprach mit Klaus Neisner (schoss das Siegtor) und Kapitän Jochen Meinke, beide erklärten unabhängig voneinander: „Das war im Westen.“ Wobei sie auch zugaben, es nicht zu 100 Prozent zu wissen – aber ich gebe mich geschlagen.

„raute-511“ fragt, was aus der Aktion „Anstoß hoch drei“ geworden ist, die einst Bernd Hoffmann einführen wollte? Ich glaube, diese Sache hat sich vorerst erledigt. Die Sponsoren sollten ja irgendwelche „Gegenleistungen“ erhalten, die Frage war nur: welche? Das ist so wie mit Audi und Bayern München: Es wird wohl irgendwann auf nur einen Geldgeber hinauslaufen, und nicht auf viele. Sozusagen „Anstoß hoch eins“.

„Martin“ wollte wissen, wie es um den norddeutschen Nachwuchs bestellt ist – und ob der HSV nicht mehr Geld in die Talentsichtung stecken sollte? Der Nachwuchs ist wohl wie überall in Deutschland: gut. Ich beobachte ja seit geraumer Zeit, dass fast alle Spieler technisch sehr, sehr gut ausgebildet sind (auf hohem Niveau, also ab Leistungsklasse). Da trägt die modifizierte Ausbildung schon deutlich Früchte. Ich bin allerdings der Meinung, da schließe ich mich dem HSV-Boss Bernd Hoffmann an, dass da kein Geld mehr (oder zusätzlich) investiert werden sollte, denn was machen alle Klubs? Wenn Not am Mann ist, wird irgendein mittelmäßiger Spieler aus dem Ausland gekauft, bevor ein Talent zeigen darf, was es kann. Deshalb ist jede Geldausgabe mehr zum Fenster hinaus geschmissen – leider, leider. Es müsste meiner Meinung nach ein grundsätzliches Umdenken bei den Profi-Klubs erfolgen, dann wäre es sicher sinnvoll, mehr Geld in den Nachwuchs zu pumpen. Aber auch nur dann!

„Roter Bäron“ fragt, ob ich den ehemaligen Nationalspieler Marco Bode kenne? Jawoll. Wenn wir uns über den Weg laufen, kennen und grüßen wir uns, sprechen gelegentlich auch miteinander. Ich gebe zu, dass ich ein Bode-Fan bin, denn ich halte ihn für einen exzellenten Fachmann, der unglaublich viel Intelligenz besitzt. Mein Traum war vor Jahren, bevor Bernd Hoffmann kam (!), ja der (und der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow weiß davon): Dietmar Beiersdorfer, Oliver Bierhoff und Marco Bode in die Führung des HSV, und schon würde es wie geschmiert laufen. Ließ sich aber nicht verwirklichen. Und ich glaube auch nicht, dass Bode jemals zum HSV kommen würde – nicht einmal, so denke ich, zu einem anderen Klub. Er hat sein Ding mit dem Profi-Fußball gemacht, er spielt ab und zu den Hilfskommentator, und das langt ihm dann auch. Ich glaube wirklich, dass er nicht mehr so viel mit dem Fußball am Hut hat – und haben will.

„Rothosenfan No 1“ beschwerte sich gleich zweimal. Einmal darüber, dass User seinen Kommentar benutzt und verfälscht hätten, dann darüber, dass ich ihm noch nicht geantwortet habe. Also: Antworten gibt es über die Sprechstunde. Und zweitens: Sollte es Ärger deshalb geben, weil einer dem anderen etwas unterstellt, so haben sich bislang alle auf diesem Wege „geeinigt“: Sie haben so lange geschrieben, bis es aus der Welt war. Grundsätzlich muss ich mal sagen, dass es mir spätestens dann keinen Spaß mehr bringt, wenn da mit Anwalt und Gericht gedroht wird. Und wenn es auch nur zwischen den Zeilen geschehen sollte. . .

„Micha Barbarez“ fragte, ob die 4,5 Millionen, die Paolo Guerrero angeblich vom HSV für seinen neuen Vertrag verlangt, stimmen? Meines Wissens stimmt diese Summe nicht. Und ich würde sie im Moment auch als utopisch ansehen wollen, denn Guerrero ist verletzt, kommt erst in Monaten wieder. Wer weiß, in welcher Verfassung. Und dann soll ein anderer Klub vielleicht bereit sein, dem Peruaner fünf Millionen pro Saison zu bieten? Lächerlich. Erst muss doch mal abgewartet werden, wie der Heilungsprozess des gerissenen Kreuzbandes verläuft. Und dazu gehört doch auch, erst einmal abzuwarten, ob dieser Riss (Risse) einmalig ist und bleibt, odr ob sich nach Wochen oder Monate ein erneuter Riss ergibt – was ja schon tausendfach passiert ist. Ich will es doch nicht beschreien, aber wer zahlt denn für so viel Ungewissheit 4,5 Millionen Euro. Der Verein müsste erst noch gegründet werden. Und ein Berater, der eine solche Summe für seinen angeschlagenen Schützling verlangt, müsste per sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Deswegen beantworte ich die Frage ganz deutlich: 4,5 Millionen? Niemals!

„Elfer“ prophezeit einem Horst Hrubesch, sollte er hier eines Tages Sportchef werden, dass er von den Hamburger Medien „zerpflückt“ würde. Das glaube ich aber schon deshalb nicht, weil man das mit einem Horst Hrubesch nicht machen könnte. Der wüsste sich zu wehren, der würde eher die Medienvertreter auseinander nehmen, ganz sicher. Ich habe es bei „Matz ab“ schon mal gesagt: In der Meistermannschaft von 1983 gab es sicherlich einige „Intelligenzbolzen“, aber ihr Chef war eindeutig Horst Hrubesch. Sein Wort hatte nicht nur Gewicht, es war auch Gesetz. Wer sich nicht dran hielt, hatte mit den Konsequenzen zu leben. Und das war dann nicht wie Hallenhalma spielen.

„Alex“ fragte danach, wann zuletzt mal zwei Nationalspieler vom HSV gemeinsam im DFB-Team und damit auch auf dem Rasen standen? Gute Frage. Es war der Kollege Kai Schiller, der en entscheidenden Tipp gab. Das Spiel fand am 1. Mai 1991 in Hannover statt, Deutschland gegen Belgien (1:0). Bei diesem Länderspiel standen Dietmar Beiersdorfer und Thomas Doll (beide HSV) gemeinsam für Deutschland auf dem Rasen. Wer hätte es gewusst?

„Denny“ fragte, ob Jerome Boateng jetzt wohl gestärkt von der Nationalmannschaft zurückkommen werde? Ich denke ja, denn er stand in dem Team, dass die WM in Südafrika gepackt hat. Was muss das für eine Freude gewesen sein. Zudem hat ihn der Bundestrainer gelobt und eine Nationalmannschafts-Karriere in Aussicht gestellt – da kann Boateng aber nun mal ganz lässig die Hosenträger spannen. Wenn er dadurch nicht gestärkt wird, was müsste noch passieren? Außerdem: Er ist ja im Moment in einer großartigen Verfassung, er strotzte doch schon vorher vor Selbstbewusstsein.

„dylan 1941“ stellte in Abrede, dass es eine Wertschätzung des Bundestrainers für Piotr Trochowski gewesen sei, ihn kurz vor Schluss noch einmal zu bringen. Ich behaupte trotz allem, dass es eine große, sogar sehr große Wertschätzung gewesen ist. Selbstverständlich. Auch wenn „Frank“ von „hanebüchen“ und „Realsatire“ spricht. Aber mal im Ernst: Welcher Trainer, der mit diesem knappen 1:0 zur WM fährt, wechselt (bei permanenter Überlegenheit des Gegners) noch einen Spieler ein, von dem er nicht restlos überzeugt ist? Kein Mensch der Welt würde so etwas machen.

Und dass vorher Mesut Özil gespielt hat? Ja, weil der Bremer zurzeit einfach in bestechender Form ist. Und auch bei der Nationalmannschaft dürfen eben nur elf auf einmal eingesetzt werden. Zudem muss ich mal sagen: Ich habe heute mit zwei ehemaligen HSV-Profis über die vier russischen Minuten von Trochowski gesprochen. Beide haben mir bestätigt, dass er in diesen vier Minuten plus drei Minuten Nachspielzeit den Ball gehalten und auch gut verteilt hat – ich denke, genau diese Aufgabe hatte er von Joachim Löw erhalten, und genau das kann eben nicht jeder deutsche Nationalspieler so, wie es der Hamburger nun einmal kann. Und Ende. Euch geht es, so habe ich es in den letzten Tagen herausgelesen, vor allem darum, dass Piotr Trochowski an Selbstüberschätzung leidet. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, dann sollte er daran eben ein wenig arbeiten. Und sollte er hier bei “Matz ab” mitlesen, wird er es sicher auch bei Gelegenheit tun.

“Lovemachine” sah die Leistung von Michael Ballack im Russland-Spiel besser – als ich. Ich muss dazu sagen, dass ich den Kapitän nicht unbedingt schlecht gesehen habe, aber: Von einem Michael Ballack erwarte ich eben einen Tick mehr. Die Mannschaft hatte besonders nach dem Platzverweis  schwer zu kämpfen, da möchte ich dann mal sehen, dass er wirklich der Turm der Schlacht wird, der große Mann, an den sich alle klammern können, der einzig wahre Leithammel, der nicht nur den Mund aufmacht, sondern durch Taten glänzt – aber das sehe ich nicht.  Andere (Trainer und Experten) übrigens auch nicht (immer).

“Olli-WL” sei dank, ich habe wieder etwas gelernt (Vereinsgründung und Datum des Gründungstages).

“Elfer” nahm die Namen Einsath, Wunder und Bartels in der “dritten Sprechstunde” auf, weil ich diese Männer in die Nähe von VW, Bayer und Audi gestellt hatte. Es ist mir aber durchaus bewusst, ehrlich, dass diese Herren nichts mit der Bundesliga zu tun haben, das muss ich schnell mal bekennen. Ich führte diese Sponsoren auch nur deshalb an, weil es einst im Amateurfußball ja auch schon hieß, dass es dadurch zu einer Wettbewerbsverzerrung käme. War ja auch so, denn: Der Hummelsbütteler SV nahm einst an der Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga teil! Und was macht der HuSV heute? Das war damit gemeint. Natürlich ist das eine ganz, ganz andere Ebene, ich wollte nur damit andeuten, dass es nicht nur im großen Fußball solche Sponsoren-Probleme gibt. Ist mir offensichtlich nicht so gut gelungen, sorry.

So, es ist vollbracht, die letzte Frage für heute, und die kommt von „Michael-HSV“: Ob ich mit Bela Rethy befreundet bin? Nein, bin ich nicht. War ich auch nie. Ich schätze ihn aber als kompetenten Kollegen und als ruhigen, netten und intelligenten Menschen. Daran ändert auch die vernichtende Kritik nichts, die Ihr ihm auch nach dem Russland-Spiel mit auf den Feierabend gegeben habt. Einige meiner Abendblatt-Kollegen bestätigen Euch sogar, das will ich gar nicht verhehlen. Für mich ist Bela Rethy trotzdem einer der besten Fußball-Kommentatoren in Deutschland – und einen schlechten Tag, so er ihn dann gehabt hat, kann jeder einmal haben.

Darüber hinaus glaube ich, dass ein geeigneter Kommentator für die Fußball-Fans in diesem Lande erst noch geboren werden muss, denn grundsätzlich macht es (in den Augen aller) hier keiner so gut, dass Mann sagen könnte: Der hier, genau der ist es jetzt. Wird es wohl auch in 100 Jahren nicht geben, denn wo gibt es den Menschen, der es allen recht machen kann?

22.34 Uhr

Nur Mut

7. Oktober 2009

Im Mittelalter wurde der Überbringer schlechter Nachrichten ja in der Regel ge. . .  So gesehen hätte ich eigentlich keine Chance mehr, beim nächsten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen noch in den Volkspark zu reisen. Jetzt, wo Dennis Aogo auch noch verletzt ist. . . Vielleicht sollte Bruno Labbadia, der hier ja ohnehin nur de verbliebenen Rest seiner in aller Herren Länder zerstreuten Mannschaft bewegt, bis zum nächsten Donnerstag auf sämtliche Übungseinheiten verzichten. Damit sich jedenfalls in Hamburg niemand mehr verletzten kann. Und dann trudeln ja auch schon wieder die Nationalspieler ein – hoffentlich überwiegend gesund. Aber vielleicht stellt Bruno Labbadia – oder auch der Herr Bernd Hoffmann – ja bis dahin noch die eine oder andere Kerze in einer Kirche auf, damit die personelle Pechsträhne endlich ihr Ende findet.

Immerhin – und Kompliment: Der HSV hat auf die neue und schlimme Situation reagiert. Die geplanten Umbaumaßnahmen (Südtribüne) werden erst noch einmal verschoben, im Frühjahr 2010 soll nun die Entscheidung darüber fallen, wann mit der Umgestaltung der Arena begonnen wird. Es geht natürlich darum, Geld in der Kasse zu behalten, um eventuell in der Winterpause noch einmal personell reagieren zu können. Auch wenn sich der Klub jetzt nicht (mangels Angebote) verstärken kann, so gehen die Überlegungen doch – sicher ist sicher – Richtung Winter. Zumal sich bis zum Ende der Hinserie ja auch noch der eine oder andere Spieler mehr verletzen könnte – was natürlich kein HSV-Fan erleben möchte.

Doch auch wenn es zurzeit sehr negativ aussieht, ich möchte Euch auch wieder etwas Mut machen. Im Zusammenhang mit dem 20. September 1989. Das ist jener Tag, an dem Ditmar Jakobs in den Karabinerhaken gerutscht war. Die Karriere des Nationalspielers war auf diese tragische Art und Weise von einer Sekunde zur anderen beendet. Aber diesen schweren Unfall erwähne ich nur am Rande, er ist ohnehin negativ genug für die HSV-Geschichte. Es gibt aber im Zusammenhang mit diesem 20. September 1989 auch einige positive Aspekte:

Es ging an jenem Abend gegen Werder Bremen. Der „Erzfeind“ war in den Volkspark gekommen. Es war der zehnte Spieltag, und es sah absolut nicht gut aus für den HSV. Zwei Siege hatte es bis dahin erst für die Truppe von Trainer Willi Reimann gegeben, am Spieltag zuvor hatte sich der HSV im Volksparkstadion 0:0 vom FC St. Pauli getrennt. Und dann Werder! Was die meisten der nur 14 000 Zuschauer an diesem Abend besonders nervte, so sie denn ihre Sympathien den Hamburgern geschenkt hatten: Der HSV trat mit dem letzten Aufgebot an. Dietmar Beiersdorfer verletzt, John Jensen verletzt, Sascha Jusufi verletzt, Harald Spörl verletzt, Oliver Bierhoff verletzt, Marcus Marin verletzt und so mancher Ersatzmann mehr. Wie sollte es da gegen die Bremer einen Heimsieg geben? Wahrscheinlich waren genau deshalb auch nur so wenige Zuschauer gekommen. Die Daheimgebliebenen gaben dem HSV quasi null Chancen. Und auch ich kann mich noch genau erinnern, dass ich mit ganz schlechten Gefühlen Richtung Volksparkstadion losgefahren war. Motto: „Nein, wirklich nur nein, das kann diesmal absolut nichts werden.“

Willi Reimann hatte auf die Jugend setzen müssen, irgendwie musste er ja elf Spieler auf den Rasen bringen. Jörg Bode, der bislang nur zwei Kurzeinsätze in der Bundesliga auf seinem Konto hatte, kam zum Einsatz. Dazu Holger Ballwanz, der sein Bundesliga-Debüt gab. Und auf der Bank saß Jugend-Nationalspieler Ralph Jester – null Bundesliga-Minuten. Und dieser Jester musste sich dann in der 15. Minute seiner Trainingsklamotten entledigen, denn er war vom Trainer auserkoren, Ditmar Jakobs zu ersetzen. Die wenigsten im Stadion kannten den Namen Jester.

Noch Fragen? 0:0 hieß es zu diesem Zeitpunkt, nun waren zwar viele Talente für den HSV am Werk, aber auch kein Jakobs mehr. Wie sollte es mit dieser No-name-Mannschaft noch einen HSV-Sieg geben? Ach was, Sieg. Die meisten Hamburger hofften unter diesen Umständen auf wenigstens noch einen Punkt. Und auch der erschien schon utopisch.
Doch dann das: 1:0 Armin Eck (37.), 2:0 Holger Ballwanz (40.), 3:0 Thomas von Heesen (67.), 4:0 Jörg Bode (85.).

Ich habe das Volksparkstadion selten einmal als Tollhaus erlebt, ganz, ganz selten sogar nur in der Bundesliga – aber an diesem Abend kochte es. Das war der Wahnsinn. Diese junge HSV-Mannschaft, in der auch unser heutiger User „Master of Grätsche“ (Carsten Kober) 90 Minuten mit von der Partie war, wurde dermaßen nach vorne gepeitscht, dass es eine Freude war. Und nach dem Spiel drehten die jungen Spunde eine Ehrenrunde nach der anderen. Jörg Bode und Holger Ballwanz (der es bis zum Saisonende noch auf 21 Spiele brachte!) liefen und liefen mit nacktem Oberkörper und jubelten nur noch. Und von den Zuschauern mochte niemand nach Hause gehen – außer den Bremern natürlich. Dieser Sieg kam einem kleinen Fußball-Wunder gleich. Später sagte der eine oder andere Spieler: „Wir haben alle für Ditmar Jakobs gekämpft, für ihn haben wir alles gegeben.“ Wobei zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch keiner wusste, dass die großartige Karriere des eisenharten und vorbildlichen Stoppers an diesem Abend ihr abruptes Ende gefunden hatte.

Was ich mit dieser Geschichte sagen möchte: Selbst wenn es manchmal noch so hoffnungslos aussieht, es kann trotz allem positiv enden. Und um ein drittes Mal den HSV-Medien-Chef Jörn Wolf zu zitieren: „Wir müssen ab sofort alle enger zusammenrücken.“ Genau das, was jetzt erfolgen soll, war an jenem 20. September 1989 geschehen. Ohne dass dazu auch nur ein HSV-Mitarbeiter aufgerufen hatte. Die Situation schien ausweglos auf eine Niederlage zuzusteuern, aber als die Mannschaft trotz des Ausfalls ihres Führungsspielers ein erstes Lebenszeichen zu erkennen gab, brannte es in der alten und kalten Betonschüssel – wie kaum einmal zuvor und danach. Der Funke war von unten nach oben gesprungen.

Ob so etwas auch in acht Tagen wiederholbar ist? Gegen den Tabellenführer? Ihr könnt den Beweis antreten, dass ja!

Und es gibt ja noch einen Hoffnungsschimmer: Als Uwe Seeler am 20. Februar 1965 beim Spiel in Frankfurt wegen seines Achillessehnenrisses ausscheiden musste, schrie nicht nur „ganz Hamburg“ auf, sondern halb Deutschland stöhnte: „Jetzt steigt der HSV ab. Es lief schon mit Seeler nur mittelprächtig, aber ohne ihn kann es nur runter gehen.“ Es wurde am Ende zwar knapp, der HSV belegte zum Saisonschluss Platz elf, es waren auch nur zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz – aber immerhin, gerettet. Und das ohne „Uns Uwe“.

Also, es gibt immer Licht am Ende des Tunnels, man muss nur seinen Optimismus bewahren. In diesem Sinne, rückt enger zusammen!

Und dazu vielleicht – ganz kurz – noch ein kleiner Tipp: Ihr wisst, dass einige Spieler bei „Matz ab“ mitlesen, ich behaupte sogar die meisten (denn fast alle schleppen Laptops mit ins Trainingslager!) – dann macht es dem einen oder anderen sensiblen Spieler nicht unbedingt Freude, wenn er hier sehen muss, wie er von „seinen“ Fans zerlegt wird.

Zu diesem Thema passt denn auch noch bestens, dass Bruno Labbadia darum bat (vor allem wohl die Medien?), die verbleibenden Stürmer (Marcus Berg. Tunay Torun) nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Und, was er nicht aussprach, aber wahrscheinlich meinte: Nach nicht so prickelnden Auftritten sollten sie auch nicht gleich vernichtet werden.

Es wird zu verfolgen sein, ob diese Bitte ungehört im Niemandsland verhallt.

23.30 Uhr