Archiv für das Tag 'Boateng'

Fleiß zahlt sich aus – kommt Drmic im Winter?

11. November 2014

Warum werden die Fußballer beim HSV schwächer? „Schlechter Fußball steckt an“ titelte eine Tageszeitung und meinte damit den HSV. Und ich hätte den Autor gern gefragt, ob das eben auch fürs Schreiben gilt. Denn Fakt ist, dass der HSV einige Jahre lang – daher stammt ja auch erst der Name „Dukaten-Didi“ große Talente beim HSV hatte und sie an europäische Spitzenklubs weitergegeben hat. Leider zu viele, wie sich irgendwann bei ausbleibendem Erfolg herausstellt. Und genau hier begann die Phase, die der oben genannte Autor meint. Und letztlich ist die Antwort ebenso komplex wie erklärbar:

Es waren die handelnden Personen, die das Umfeld verschlechtert haben. Zum Teil, weil sie schwache Spieler eingekauft haben, zum anderen, weil sie das sportliche Umfeld für die Mannschaft verschlechterten. Aber klar ist: Schlechter Fußball ist nicht ansteckend – er wird produziert. Und vor allem: Er ist vermeidbar.

Was ich damit meine, ist, schlechte Fußballer finden sich sehr wenige in Deutschlands Oberhaus. Ich behaupte, dass selbst „Hose 21“ beim Aufsteiger Paderborn ein von Haus aus richtig guter Kicker ist und von einem sehr guten Trainer zum richtig guten Bundesligaspieler ausgebildet werden kann. Die wirklich „schlechten“ Fußballer schaffen es gar nicht erst bis ins Oberhaus – es sei denn, irgendein Sportchef hat aberwitzige Ideen und/oder eine schlechte Scouting-Abteilung mit zu viel Entscheidungsgewicht. Letztlich aber ist jeder Verein dafür verantwortlich, wie gut seine Spieler sind, bleiben oder eben werden. Und hier hat der HSV in den letzten Jahren nachweisloch mehr falsch gemacht, als er es sich eigentlich erlauben konnte. Das hat das letzte Jahr gezeigt – und auch jetzt haben die Verantwortlichen noch daran zu knabbern.

Für Abendblatt-Blogs


Seit 2010 hat der HSV keinen Spieler mehr ausgebildet, der noch in den eigenen Reihen spielt. Gestandene Spieler wie van der Vaart, Jiracek, Westermann, Adler und Drobny, die noch da sind, mal ausgenommen. In Hamburg groß gemachte Talente wie Guerrero, Boateng, Son und Calhanoglu mussten oder wollten weg. Ebenso wie die hier perspektivlosen Talente Ben-Hatira, Choupo-Moting und Töre, die gehen sollten oder sich gegen den HSV entschieden. Und das ganz sicher nicht immer nur wegen besser dotierter Verträge…

Ich weiß, dass (jaja, leider auch vom Abendblatt) schon die ersten Benotungen der Neueinkäufe getätigt wurden. Allerdings halte ich das angesichts der Vorgaben vor dieser Saison für unzulässig. Denn klar war, dass der HSV zum Vorjahr viel verändern musste. Und das ohne irgendeinen Cent in der Tasche. Erst nachdem sich die HSV-Bosse und Kühne am Thema „Calhanoglu-weg-und-von-den Einnahmen-Lasogga-kaufen“ gerieben hatten und der Türke gen Bayer verkauft wurde, um Lasogga zu finanzieren, kam der deutlich vorher erhoffte Geldfluss des HSV-Fans und strategischen Partners Klaus Michael Kühne. Daran anschließend wurden noch Nicolai Müller, Valon Behrami, Lewis Holtby und Matthias Ostrzolek verpflichtet. Vier Spieler mit großem Potenzial und teilweise bereits gezeigt guten Leistungen. Allerdings gibt es hierbei den Haken, dass sie allesamt in ein nicht gut funktionierendes Team kommen, das sie funktionieren lassen sollen. Das darf man sicher auch erwarten und sie am Ende daran messen. Aber schlechter als vorher sind sie als Spieler bei HSV nicht geworden. Im Gegenteil: Alle vier heben das Niveau beim HSV deutlich an, obgleich sie alle bis auf Behrami noch nicht annähernd in Topform sind.

Allerdings wurde auch dieses Jahr von der Führung ein eklatanter Fehler gemacht, als man sich dazu entschloss, Mirko Slomka die gesamte Vorbereitung machen zu lassen und ihn dennoch nach nur drei Bundesligaspielen absetzte. Slomka hatte die körperliche Basis erarbeitet und die taktischen Vorgaben eingebläut. Mit seinem Nachfolger Josef „Joe“ Zinnbauer wurde dann ein neuer installiert, der der Mannschaft nicht nur neues Leben einhauchte – sondern auch neue Vorgaben aufdrückte. Damit will ich mitnichten Zinnbauers Weg kritisieren, dennoch musste sich die Mannschaft sich neu orientieren. Wohl bemerkt die „neue“ Mannschaft, die sich gerade einzuspielen versucht hatte. „Wir werden Zeit brauchen, um unseren Weg gänzlich zu finden“, sagte Zinnbauer bei Amtsantritt – und ich habe sie. Weil ich überzeugt davon bin, dass ein konsequent durchgezogener, guter Weg immer noch tausendmal erfolgreicher ist, als fünf unterschiedliche richtig gute, wenn diese alle nur in Teilen gegangen werden. Konstanz ist das Zauberwort.

Und gerade das kann ich nicht zuerst von den Spielern und dann von der Führung verlangen, wie es der Autor leider macht. Ich weiß, dass es Leute gibt, die auch Beiersdorfers Einkaufspolitik vor dieser Saison bereits kritisieren. Aber auch hier halte ich mich klar zurück. Ich mache das nicht, weil ich es a) anders sehe und b) sicher bin, dass der Zeitpunkt für ein solch weitreichendes Resümee noch nicht gegeben ist. Und noch weniger stelle ich mich hin und behaupte, dass beim HSV alle Spieler schlechter werden als sie es vor ihrem Wechsel zum HSV waren. Aber das hatte ich oben bereits erwähnt…

Dennoch gibt der Autor einen ganz wesentlichen Anstoß – wenn auch ungewollt: Das Training muss noch spezifischer werden. Ich weiß, dass diese These Wasser ist auf Dieters Mühlen und dieser beim Lesen dieser Zeilen wieder Bluthochdruck bekommt – aber ich will dafür gar nicht zu weit in die Vergangenheit blicken. Für mich ist entscheidend, was jetzt passiert. Und da sollte der oben erwähnte (an sich tatsächlich sehr schön geschriebene) Artikel als Warnung dienen: Mach mehr als Deine Vorgänger, Joe! Trainiere die zweifellos zahlreich vorhandenen Talente (Holtby, Müller, Lasogga, Ostrzolek, Stieber, Götz, Jung, Steinmann, P. Müller etc.) mit Deinem großen Trainerteam individueller. Und wenn das bedeutet, dass es für einzelne Spieler und auch ganze Mannschaftsteile eine, zwei oder auch drei, vier Einheiten mehr pro Woche sind – dann ist das so. Das verkraftet eine Mannschaft, die nur einen Wettbewerb zu spielen hat, allemal. Zumal dann, wenn sie merkt, dass es hilft.

„Wir müssen mehr arbeiten, findiger sein als die anderen“, war die immer selbe Antwort, wenn man die Verantwortlichen auf den finanziellen Nachteil anderen Bundesligaklubs gegenüber ansprach. Und Fakt ist, das kann man heute sagen: Der HSV war das zuletzt nicht oft. Ob ein Darlehen wie das von Kühne nun als findig zu erachten ist, oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Im Ergebnis ist es mehr Geld – und das hilft zunächst. Dass allerdings gerade die Leute, die den Satz oben prägten und im nächsten Moment eine 17,5-Millionen-Anleihe binnen weniger Monate pulverisieren, ohne dafür Verstärkungen zu holen, ist fatal. Ebenso wie die Tatsache, dass der letzte Individualtrainer Ricardo Moniz war und der nur von 2008 bis 2010 beim HSV arbeitete. Wobei ich hier die Hoffnung habe, dass Dietmar Beiersdorfer, der damals noch Sportchef war, sich der Sinnhaftigkeit eines solchen Trainings erinnert und entweder den vorhandenen Trainerstab zu derartigen Einheiten animiert, wenn er sich derartig gute Individualtrainer aktuell nicht auch noch leisten kann.

Erkennbar ist für mich immer wieder, dass die Spieler nicht schlechter werden, sondern dass sie das Umfeld entscheidend prägt. Schlimmer noch: die wenigen Spieler, die hier wachsen (z.B.: Son, Calhanoglu), die (wollen unbedingt) wechseln.

Mit dem neuen Führungstrio Beiersdorfer/Peters/Knäbel ist da offensichtlich ein sehr guter, erster Schritt getan worden. Mit Zinnbauer ist zudem ein junger, hungriger Trainer am Werk, der von sich sagt, genau auf diese individuelle, sehr akribische Trainingslehre Wert zu legen. Ein junger Schweizer soll kommen, zudem ist der HSV angeblich an einem Leihgeschäft von Bayer Leverkusens Josip Drmic interessiert, wie die “SportBild” berichtet. Kurios: An beiden Spielern soll auch Werder Bremen interessiert sein.

Aber zurück zum aktuellen Kader: Selbst die Leihe von Jonathan Tah nach Düsseldorf erachte ich als sehr hilfreich, weil er sich dort super entwickelt und am Ende zurückkommt. Insofern besteht die Aussicht auf Besserung. Und trotz der berechtigten Kritik an den letzten vier, fünf Jahren, dürfen wir jetzt nicht wieder ungeduldig werden und unsere guten Zugänge schlechtreden, weil der erhoffte Erfolg aus größtenteils erklärbaren und glücklicherweise erkannten Gründen noch ausbleibt. Selbsterfüllende Prophezeiungen nennt man das, glaube ich. Und darauf habe ich keine Lust. Denn dann würde ich mich tatsächlich (als kleines Licht zwar nur in kleinen Teilen, aber dennoch) mitverantwortlich für die sportliche Verschlechterung fühlen…

Apropos: Auch wir wollen uns verbessern und hatten heute ein längeres Team-Meeting in der Redaktion. Dabei kamen viele technische Neuerungen auf den Tisch, einige neue Ideen in Sachen Layout, Themen und Bloggestaltung. Aber vor allem wollen wir die Frage stellen, was Ihr vermisst. Soll heißen: Wir wollen von Euch hören (lesen), was sich hier noch verbessern kann, soll und/oder muss. Beim letzten Matz-ab-Treffen hat sich gezeigt, dass die Gemeinschaft sehr wohl gemeinschaftlich daran interessiert ist, den Blog zu verbessern. Da kam auch die Frage auf, weshalb die Live-Sendungen nicht auf allen Androids abrufbar sind. Daher wäre eine Frage von uns schon mal: Mit welchen Androids (Marke) können die Live-Sendungen nicht gesehen werden? Hat noch wer nachhaltig Probleme, unsere Sendungen abzurufen? Daher wären wir allen, die uns hierbei hilfreiche Kritiken und Anregungen liefern können, sehr dankbar. Am besten würde das funktionieren, indem wir wieder einen „Schneeballpost“ (Post kopieren, mit seinem Eintrag versehen und reinstellen…) machen. Es könnte auf jeden Fall sehr hilfreich sein.

Danke! Und bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr auf dem Platz an der Imtech Arena trainiert. Bis dahin!

Scholle

Klare Entscheidungen – in Sachen Knäbel und auch sonst bitte

8. September 2014

Länderspiele der Deutschen haben ja schon seit längerer Zeit nur noch in Ausnahmefällen etwas mit dem HSV zu tun. Wobei das im Spiel gegen Schottland anders war. Nicht, weil die Viererkette ähnlich anfällig war wie der HSV gegen Paderborn. Vielmehr habe ich mich immer wieder gefragt, ob Joachim Löw das bewusst macht gegen einen vermeintlich nicht so starken Gegner. Denn anders war für mich nicht erklärbar, dass diese Viererkette (Rudy, Boateng, Höwedes, Durm) unverändert durchspielte. Zumindest die Linksverteidigerposition mit Durm war inakzeptabel schwach. Gut, es war Durms erstes Pflichtspiel für die Nationalelf – aber was genau ihn jetzt so sehr von Jansen abhebt, dass der HSV-Mann nicht einmal nominiert wurde, erschließt sich mir nicht.



Aber egal. Nationalmannschaft war – jetzt ist HSV. Und der befindet sich weiter auf dem Erneuerungspfad. Diesmal mit der seit Monaten erwarteten Verpflichtung von Peter Knäbel. Die soll (mal wieder) fix sein. Und egal wie wenig sattelfest diese von allen Tageszeitungen verkündete Nachricht ohne offizielle Bestätigung des HSV auch ist – ich bleibe natürlich unverändert bei meinem Statement aus dem Juli: Knäbel kommt.

Und der Chef des Schweizer Fußballverbandes wird in Hamburg weiter umbauen. Das war eine der Bedingungen für den ehemaligen St.-Pauli-Profi. Zuletzt waren die Gespräche immer wieder an dem Punkt gestoppt, wo es um die Festlegung der Kompetenzen ging. Das scheint sich geklärt zu haben. Jetzt, wo fast alle Vorstände im Urlaub weilen ist das zwar ein komischer Zeitpunkt – aber es ist für mich auch eine gute Nachricht. Immerhin gilt Knäbel als Entwickler, als Fußball-Stratege. Den Schweizer Fußballverband leitete er als Direktor bis hoch zum WM-Teilnehmer in die Zwischenrunde. Bei HSV-Nachwuchschef Bernhard Peters steht der 47-Jährige zudem ähnlich hoch im Kurs wie bei Beiersdorfer. Ergo: Knäbel wird ins neue Führungs-Team passen.

 

Für Abendblatt-Blogs


Dass auch diese Verpflichtung die Gerüchte um einen Trainerwechsel nicht leiser werden lassen – es ist zu erwarten. Leider. Zumal dann nicht, wenn ein Aufsichtsratsvorsitzender Forderungen an den Trainer formuliert – aber dazu später mehr. Oder auch nicht. Mal sehen…
 

Egal wie, die Trainerpersonalie ist für mich die letzte, die sich jetzt noch – und vor allem endlich! – langfristig klären muss. Beiersdorfer täte ganz sicher gut daran, nach seinem Urlaub ein klares Signal zu senden, ob und wie es weitergeht. Schon allein, um allen Gerüchten den Garuas zu machen. Und damit wende ich mich hier weder für noch gegen Slomka. Aber ich weiß, dass nichts schädlicher ist als ein geschwächter Trainer in einer schwierigen sportlichen Phase. Und dass sich ausgerechnet jetzt auch noch ein Mann wie Aufsichtsratsboss Karl Gernandt zu Wort meldet und den Trainer zu „mutigen Entscheidungen“ auffordert – es macht die Sache nicht einfacher. Nicht für Slomka, nicht für den HSV – und am wenigsten für alle zusammen. Ganz im Gegenteil.

 

Nein, so deutet fast alles daraufhin, dass Slomka beim HSV schon auf Bewährung ist. Die Frage ist nur, mit welchem Sinn das Ganze versehen sein könnte. Oder ist es nur, weil der potenziell Neue noch nicht überzeugt werden konnte? Glaubt tatsächlich irgendwer, dass ein Sieg in Hannover alles verändern könnte? Wäre dann plötzlich alles wieder gut und Slomka über alle Zweifel erhaben? Was passiert denn, wenn der HSV anschließend in Hannover gewinnt und gegen München direkt danach erwartungsgemäß verliert? Haben wir dann mehr geschafft, als dieselbe schädliche Diskussion auch noch nach dem vierten Spieltag zu führen?






Ich glaube nicht. Für mich ist vielmehr der Moment, in dem ein Trainerjob vom nächsten Spiel abhängig gemacht wird, schon der Moment, in dem gehandelt werden muss. So, wie damals vor Braunschweig, als Oliver Kreuzer als Sportchef mit Slomka eigentlich schon einig war und dem damaligen Trainer Bert van Marwijk trotzdem noch eine (unnötige weil nicht echte) „letzte Chance“ gab.
 

Apropos: Oliver Kreuzer befindet sich jetzt ja schon eine Weile im Urlaub. Gut bezahlt und mit Handy, Dienstwagen und Tankkarte des HSV ausgestattet. Und das bleibt bis zu seinem Vertragsende auch so. Zumindest sollen sich der HSV und sein ehemaliger Sportchef darauf außergerichtlich geeinigt haben. Entlassen zu werden kann eben tatsächlich auch schön sein – zumindest dann, wenn man vorher beim HSV angestellt war…
 

Gerade erst angekommen ist Julian Green. Heute war sein erster Trainingstag – und der macht Hoffnung. Schnell, ballsicher und torgefährlich präsentierte sich der US-Nationalspieler, der vom FC Bayern auf Leihbasis zum HSV gewechselt ist und hier das Ziel hat, den nächsten Karriereschritt einzuläuten. „Ich habe mich lange unterhalten und sowohl von Pep Guardiola als auch von meinem Nationaltrainer Jürgen Klinsmann die klare Empfehlung bekommen, zum HSV zu gehen“, so Green, der erst am letzten Donnerstag vor dem Ende der Transferperiode das erste Mal vom HSV angerufen worden war. „Guardiola meinte, es sei meine Entscheidung und ich solle nach Hamburg gehen und mich durchsetzen. Und das habe ich vor.“
 
Klingt gut. Wobei dem jungen Offensivspieler (bevorzugte Position links offensiv) die Demut vor der neuen Aufgabe anzumerken ist. Und das ist ein gutes Zeichen. „Ich weiß, dass ich Geduld brauche, um einen Schritt nach dem anderen zu machen.“ Weil er eben alle diese Schritte benötigen würde, um sich weiterzuentwickeln. In Hannover dürfte der flinke Rechtsfuß noch von der Bank aus kommen. Aber ich bin ehrlich gespannt, ob mit ihm, dem offensichtlich wieder genesenen Nicolai Müller sowie Ivo Ilicevic (trainierte heute separat: „Ich hoffe, dass ich am Donnerstag wieder mit der Mannschaft trainieren kann“) das Tempo in das HSV-Spiel kommt, dass Slomka für sein immer wieder gefordertes schnelles Umschaltspiel benötigt.
 
Wobei ziemlich klar ist, dass es schlechter als zuletzt gegen Paderborn kaum werden kann. Deshalb hoffe ich zum einen auf klare Entscheidungen in Zeiten, in denen die Weichen für den zukünftigen HSV noch gestellt werden können. Und zum anderen hoffe ich natürlich darauf, dass in Hannover nicht nur neues Personal auf dem Platz zu erkennen sein wird, sondern endlich auch eine neue Mannschaft…
 
In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 und um 15.30 Uhr trainiert. Mittwoch ist trainingsfrei.
 
Scholle

Es geht aufwärts. Sagt mir mein Gefühl!

17. Juli 2014

Der Alltag hat uns wieder – nach dieser traumhaften WM. Auch mich hat er wieder, mein Name ist Dieter Matz. Zuletzt hatte ich hier an dieser Stelle durch Abwesenheit geglänzt, aber diese Zeiten sind nun – hoffentlich – vorbei. Nach meinem Krankenhaus-Aufenthalt unmittelbar nach Pfingsten hatten mich die Ärzte für einige Zeit aus dem Verkehr gezogen, danach hatte ich eine Aufgabe übernommen, die ich – natürlich mit Genehmigung des Hamburger Abendblattes (Chefredaktion) – schon vor Monaten vertraglich abgeschlossen hatte. Ich war, gemeinsam mit anderen Herren, so auch der ehemalige Welttorhüter Sepp Maier, WM-Kommentator auf dem „Traumschiff“, der „MS Deutschland“. Die drei Ärzte, die mich während und nach der Krankheit betreuten, hatten mir ausdrücklich zu dieser Tour geraten und mir dafür grünes Licht gegeben. Heute kann ich auch sagen, dass mir diese Reise sehr gut getan hat, denn mir geht es fast schon wieder so gut wie früher, wenn ich nicht bei 100 Prozent bin, dann doch bei 99. Von der rechtsseitigen Gesichtslähmung ist nichts, oder fast nichts mehr zu sehen – es wird alles gut. Deswegen stehe ich auch ab sofort wieder „Matz ab“ zur Verfügung.

Bei der Gelegenheit möchte ich mich ausdrücklich noch einmal bei allen „Matz-abbern“ (darin eingeschlossen die Matz-abberinnen – klar!) bedanken, die mir in den vergangenen Wochen Genesungswünsche zukommen ließen. Nach der WM nahm es noch einmal wieder leicht zu – danke dafür, Ihr seid wirklich eine Wucht in Tüten, danke, danke, danke. Und ein zweifaches Dankeschön auch an „Scholle“ und Lars Pegelow, die den Blog während meiner Abwesenheit zu großartig betreut und hochgehalten haben. Danke.

Während der Zeit an Bord hatte ich meinen Computer bei mir, aber er hatte leider seinen Geist aufgegeben. Sonst hätte ich sicherlich etwas über diese Weltmeisterschaft geschrieben. Vor dem Turnier war ich restlos davon überzeugt, dass Deutschland am Ende nicht auf dem ersten Platz landen würde. Haus und Hof hätte ich verwettet, aber da kann man mal wieder sehen: keine Ahnung vom Fußball. Ich habe mich stets daran orientiert, dass der Bundestrainer bis auf den 36-jährigen Miroslav Klose, der zudem noch verletzt (oder angeschlagen) anreiste, keinen Stürmer mitgenommen hatte. Und ohne Stürmer? Wie sollte das klappen? Zudem fiel Marco Reus aus, den ich für den zurzeit besten deutschen Spieler halte. Nein, das mit Platz eins konnte in meinen Augen nichts werden.

Dass es dennoch geklappt hat, ist einmalig, sensationell, ein Traum. Und es ist auch absolut verdient. Deutschland hat von allen Teams die konstanteste Leistung gebracht. Ganz nahe dran waren die Niederländer, aber sie hatten sich in der Vorrunde wohl ein bisschen zu sehr verausgabt – allerdings fuhren sie ja ungeschlagen nach Hause! Das erste Halbfinale, Deutschland gegen Brasilien, bleibt natürlich ein absolutes Highlight – bis an mein Lebensende. Auf dem Traumschiff war im Kaisersaal der Teufel los, so etwas hatte dieses Schiff wohl noch nie erlebt. Und wir alle ja auch nicht. Mesut Özil stand in diesem Match vor dem 8:0, am Ende waren alle fassungslos ob des deutschen 7:1-Sieges in und über Brasilien. Dass das Finale dann eine so enge Nummer werden würde, das war mir schon klar. Aber das DFB-Team hat es dann trotzdem gepackt – herrlich! Mich hat die Viererkette begeistert, aus der Jerome Boateng an diesem Tag noch hervorstach. Der ehemalige Hamburger hat in diesem Endspiel wohl das Spiel seines Lebens gespielt – dickes Kompliment. Überragend aber war Bastian Schweinsteiger. Was dieser Mann einstecken musste, schon während dieser WM, dann aber auch im Finale, das war fast schon unmenschlich – aber er stand auch nach den härtesten Attacken immer wieder auf. Vorbildlich, einmalig! Eine solche Energie-Leistung habe ich überhaupt noch nie gesehen. Ich hoffe nur, dass der italienische Schiedsrichter sich diese 120 Minuten noch einige Male ansehen wird, um zu erkennen, wie falsch er in vielen Szenen lag. Ich hoffe es sehr.

Dass die Fifa bis zuletzt betonte, dass in Brasilien die besten Unparteiischen pfeifen, das ist schon krass. Während der WM sprach ich mit einem hohen deutschen Schiedsrichter-Funktionär, und der stellte fest: „In Brasilien pfeifen Leute, die bei uns nicht mal in der Dritten Liga zum Einsatz kommen würden . . .“ Sollte sich der allgewaltige Herr Blatter mal auf der Zunge zergehen lassen. Nein, das muss ich noch einmal loswerden, diese Unparteiischen waren das größte Übel dieses Turniers, da muss sich bis zur WM 2018 in Russland einiges ändern – hoffentlich setzen sich die Herren mal zusammen und ziehen ihre Lehren daraus. Dass ein Japaner das Eröffnungsspiel leiten darf, dort versagt und dann gleich in der Versenkung verschwindet, das muss nicht sein. Und genau deswegen müssen diese Fifa-Herren mal über sich selbst nachdenken. Es fehlt ja nur noch, dass dort Männer von den Malediven, Faröer, von den Fidschi-Inseln oder aus Liechtenstein pfeifen dürfen. Nur wegen der Vielfalt! So unprofessionell können doch selbst Schiedsrichter nicht denken, oder?

Was neu war an dieser WM? Ich würde es begrüßen, wenn die Spraydosen in der Bundesliga eingeführt werden würden. Es wird bei Freistößen viel zu viel geschummelt, so würde es besser gehen – wenn auch bestimmt immer noch nicht hundertprozentig. Oft schien es mir auch so, als würden die Schiedsrichter schon nach nur sieben Metern ihren Strich gezogen haben. Nun gut, das werden sie noch in den Griff bekommen. Und wer dagegen ist: Einige (deutsche) Unparteiische lehnten vor Jahren auch das Headset ab, heute haben es alle – und es funktioniert und hilft. Kurz zurück noch zum Spray. Einen Strich durch die Rechnung machten, ohne dass es bemerkt wurde, die beiden Elfenbeinküsten-Spieler Yaya Toure und Didier Drogba (im Spiel gegen Kolumbien?). Als der 23. Mann den Abstand abschritt, trampelten beide so lange auf dem Strich herum, bis er weg war – und dann wurde der Ball kurzerhand nach vorne gelegt. Es gibt also immer noch pfiffige Jungs, die sich zu helfen wissen . . . Wird natürlich auch in Zukunft (und der Bundesliga) so sein.

Ja, so richtig neu war das Flüstern der Trainer und der Spieler zwar nicht, während dieser WM, aber es war auffällig, wie sehr sich dieses Flüstern doch verbreitet hat. Wenn auf dem Rasen oder am Rande miteinander gesprochen wurde, dann meistens mit vorgehaltener Hand, damit keiner, der vor dem Fernseher sitzt und von den Lippen lesen kann, „mithören“ kann. Es könnte ja etwas von Bedeutung sein, und wenn das dann rauskäme, das wäre unter Umständen nicht im Sinne des Erfinders. Deswegen: immer Hand vor den Mund halten. Der Flüster-Erfinder ist für mich Jose Mourinho, und von dem Portugiesen haben es dann wohl die Spanier zuerst übernommen. Wird auch in der Bundesliga um sich greifen, davon bin ich überzeugt.

Wie auch die Torlinientechnik. Mitunter war es grotesk, dass sie zum Einsatz kam, weil jeder gesehen hatte, dass der Ball nicht „drin“ war, insgesamt aber war es schon eine gute Sache. Und sollte auch in der Bundesliga zum Einsatz kommen – dürfen.

Die Trinkpause, die es gelegentlich gab, waren angeblich per Gerichtsbeschluss durchgesetzt worden, aber dafür hätte – bei diesen Temperaturen – auch der klare Menschenverstand sorgen müssen. Darauf wird die Bundesliga allerdings verzichten können. Neu war auch, dass ein „Beißer“ unterwegs war, auch den wollen wir in Deutschland nicht sehen. Dass ausgerechnet der FC Barcelona einen solchen Mann aufnimmt und Millionen an Liverpool überweist, das kann ich nicht recht glauben, aber die Spanier werden ihre Gründe haben. Bei mir ist Luis Suarez aber untendurch, das muss ich gestehen – er ist ja Wiederholungstäter. Irgendwann und zwischendurch hätte er mal lernen dürfen, dass es so nicht geht . . .

Entsetzt war ich über die Spielweise der Brasilianer, da ist ja nichts Verspieltes oder Raffiniertes oder Geniales mehr erkennbar, im Gegenteil. Da wird richtig schön und brutal zugetreten. Wenn Fußball-Deutschland stets als „Panzer“ dargestellt worden ist – darin haben uns die Brasilianer nun aber mal ganz salopp überholt. Mehr Panzer-Fußball ging ja gar nicht. Und wer es noch einmal ansehen möchte, dieses legendäre 7:1, der wird feststellen, dass die „Brasis“ allesamt auch tolle Schauspieler sind – so viele Schwalben wie in diesem einem Spiel, das geht ja gar nicht. Apropos: Gespannt bin ich zudem, wie sich die Bundesliga-Schiedsrichter künftig mit Arjen Robben aus der Affäre ziehen werden. Der Niederländer war vielleicht der beste Spieler des Turniers, aber seine Flugeinlagen waren auch sehenswert und sind zudem dramatisch in die Höhe gestiegen. Er landet vor allen Dingen immer auf allen Vieren, als würde er ein Fallschirmspringer sein. Ich hoffe, dass er sich das wieder abgewöhnt, oder dass die deutschen Unparteiischen solche Flugmanöver sofort durchschauen. Lieber einmal weiterspielen lassen, als einen Elfer zu geben, der keiner war.

So, zum Abschluss dieser WM noch ein Wort von mir zu den „Gauchos“. Was für ein Theater wird darum gemacht. In meinen Augen total überflüssig, denn damit sollten die Argentinier keineswegs beleidigt werden. Dieser Gesang „So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so . . .“ ist so alt wie der Fußball. Den haben wir vor 40 Jahren gesungen, über einen Gegner, den wir in einem wichtigen Spiel bezwungen hatten. Wer sich darüber aufregt, der hatte bislang herzlich wenig mit dem Fußball zu tun – und sollte es am besten auch jetzt ganz schnell wieder lassen. Böse jedenfalls, böse ist da nichts mit gemeint worden, ganz sicher nicht.

Um noch einmal auf Jerome Boateng zurück zu kommen. Ich finde es toll, dass wir einen so großen Spieler mal in Hamburg hatten. Er hat sich in München gewaltig verbessert, ist auch von der Statur her ein großes Kaliber geworden – ich bin total begeistert von ihm. Er hat sich enorm gemausert, und ich frage mich, ob er diesen Weg auch als Hamburger eingeschlagen hätte? Ich habe da meine Zweifel. Und ich hoffe zudem, dass ihm Jonathan Tah nacheifern wird – und will. Tah ist ein so großes Talent, hoffentlich wird es beim HSV auch richtig geschätzt und erkannt, und hoffentlich macht auch Tah selbst etwas aus sich, ohne darauf zu warten, dass es andere mit ihm tun. Wenn ihm das gelingt, könnte er Boateng tatsächlich folgen. Ich drücke dafür die Daumen.

Das hatte ich vor dieser WM auch im Falle Klose getan. Ich freue mich für ihn, ich freue mich sogar riesig und immer noch, dass er den WM-Rekord geknackt hat. Das in seinem Alter, mit 36 Jahren! Unglaublich, aber wahr, das ist ein ganz tolles Ding. Und dass er nach dem Finale – wie so viele, er aber auch – feuchte Augen bekommen hatte, das spricht dafür, wie sehr auch er sich über seine beiden Tore zum Rekord gefreut hat. Und das in Brasilien! Hut ab, Herr Klose, Hut ab! Was selbstverständlich auch für das gesamte Team und den Trainern gilt. Eine tolle Leistung. Und dass auch der frühere HSV-Stürmer Oliver Bierhoff bei der Siegesfeier in Berlin so oft gelobt wurde, fand ich sehr bemerkenswert. Der Manager der Nationalmannschaft kommt in der Öffentlichkeit, so denke ich, immer ein bisschen schlechter weg, aber nun gab es viel Anerkennung für ihn. Wie er das alles rund um dieses Turnier „gemanagt“ hat, das war schon klasse. Kompliment, Oliver!

So, das soll es dann auch gewesen sein mit der WM. Deutschland ist die Nummer eins in der Welt, und der HSV Nummer 16 in der Bundesliga. Aber nicht mehr lange. Es geht aufwärts. Sagt mir mein Gefühl. Okay, ich gebe zu, dass ich nun schon seit geraumer Zeit ein wenig draußen war beim HSV, aber das, was sich getan hat und noch tun wird, das halte ich für vielversprechend. Heute gesellten sich nun noch die 40 bis 50 Millionen Euro von Adidas dazu. Der Vertrag mit dem Sportartikel-Hersteller wurde schon vor etwas mehr als einem Monat verlängert und bringt dem HSV viel Geld ein. Glückwunsch zu diesem Deal! Zwei Jahre lief der Vertrag mit Adidas eigentlich noch, er wurde jetzt um acht Jahre verlängert, sodass der HSV nun die nächsten zehn Jahre in und mit den drei Streifen auflaufen wird. HSV-Vorstandsmitglied Carl-Edgar Jarchow wies darauf hin, dass Adidas den Vertrag zu einem Zeitpunkt verlängerte, als noch nicht feststand, ob der HSV weiterhin in der Ersten Bundesliga spielen würde. Das ist schon ein fast einzigartiges Vertrauen, was die Damen und Herren aus Herzogenaurach da in den HSV gesetzt haben. Dass das Geld im Moment nicht dabei unbedingt dabei hilft, neue Spieler zu kaufen, ist klar, diese Euro müssen noch anderweitig und auch kurzfristig beschafft werden, aber natürlich helfen diese Adidas-Millionen langfristig schon sehr.

Und wo ich gerade mit Carl-Edgar Jarchow gesprochen habe, da habe ich ihn gleich nach seiner Situation befragt. Er antwortete: „Es sind neue Zeiten im HSV angebrochen, manches muss sich noch zurechtruckeln. Ich kenne Dietmar Beiersdorfer schon seit vielen Jahren, ich freue mich wirklich, dass er jetzt wieder da ist.“ Zur sportlichen Lage befindet Jarchow: „Wir brauchen noch zwei, drei neue Spieler.“ Das sollte sich doch machen lassen. Dass Oliver Kreuzer dabei nicht mehr mithelfen darf (und soll), bedauert Carl Jarchow noch immer: „Ich habe immer gesagt, dass ich Kreuzers Arbeit geschätzt habe, aber ich akzeptiere diese Entscheidung.“ Eine Entscheidung, die im sportlichen Bereich getroffen wurde, denn Kreuzer war im neuen HSV nicht mehr im Vorstand, sondern arbeitete im sportlichen Bereich – und diesem steht Dietmar Beiersdorfer vor. „Und Dietmar gibt die Richtung vor, in die sich der HSV nun bewegt“, so Carl Jarchow.

Und das ist auch gut so. Beiersdorfer wird hier, wenn er es noch nicht getan hat, für die nötige Aufbruchsstimmung sorgen. Er wird darüber wachen, dass hier in Zukunft auf allen Gebieten professioneller gearbeitet wird. Und er wird wissen, dass dem Club ein harter und beschwerlicher Weg bevorsteht, der nicht über Nacht zu einem glücklichen Ende führen wird. Es wird dauern, keine Frage, aber ich denke trotz allem, dass es schon im Sommer 2015 deutliche Tendenzen einer Aufwärtsentwicklung zu konstatieren geben wird.

Noch ein kleines Thema am Rande, über das sich zuletzt einige Fans Gedanken gemacht habe: Hat der Berater von Hakan Calhanoglu bei der Vertragsverlängerung im Februar (die ja jetzt null und nichtig ist) eventuell ein hohes Berater-Honorar abgegriffen – und darf er es eventuell behalten? Was einige schon vermuteten. Das ist aber nicht der Fall. Die Berater von heute erhalten ihr Honorar pro gespielter Saison, und da hatte sich ja im Februar nichts geändert, die Saison lief ja zu diesem Zeitpunkt noch einige Monate. Deswegen hat der HSV kein Geld an den Berater gezahlt, es stand und steht ihm nichts zu. Auch das ist ja ein gutes Zeichen.

Und davon gibt es meiner Meinung nach einige in diesen Tagen. Beim HSV haben wohl die meisten begriffen, dass mehr getan werden muss, als das in der Vergangenheit der Fall war. Vor allem hat es auch Trainer Mirko Slomka erkannt, dass jener HSV, den er im Frühjahr übernommen hatte, nicht konkurrenzfähig war – weil zu schlecht trainiert. Hinter vorgehaltener Hand gibt das inzwischen fast jeder HSV-Profi zu, deswegen werte ich das mal als Aufbruch zu besseren Tagen. Diese Mannschaft wäre, wenn sie „vernünftig“ und professionell trainiert wird, immer in der Lage, mindestens einen Mittelfeldplatz zu belegen. Wenn aber die Kraft (und Kondition) nur für 30 Minuten reichen, darf sich niemand beschweren, dass es nur gegen den Abstieg geht. Aber wie gesagt, das ist inzwischen jedem im HSV klar.

Ich hoffe auch, dass Rafael van der Vaart zu diesen Leuten gehört, die wissen, dass es nur mit harter Arbeit wieder nach oben geht. Van der Vaart ist 31 Jahre alt, er wäre fast mit der niederländischen Nationalmannschaft nach Brasilien gereist, er ist immer noch ein hervorragender Fußballer, er ist eigentlich immer noch der beste Mann im HSV, und er hat einen guten Namen, den er zuletzt ein wenig verspielt hat. Das wird er wissen. Und er wird wissen, dass er zulegen muss. Deutschlands Ehrenspielführer Uwe Seeler hat bei „Sky“ auf die Frage geantwortet, ob er Hoffnung habe, dass Rafael van der Vaart noch einmal beim HSV durchstarten wird: „Hoffnung habe ich immer, die stirbt zuletzt. Rafael van der Vaart weiß selbst, dass er noch ein bisschen zulegen muss, weil von ihm einigen verlangt wird.“ Und weiter: „Ich hoffe, dass er sich fit macht und die Saison in guter Verfassung angeht.“

Ein bisschen ist ein bisschen untertrieben, ansonsten bin ich ganz bei Uwe Seeler. Van der Vaart hat sein Privatleben im Griff, er kann sich auf die sportliche Seite seines Lebens konzentrieren, also muss er – so einfach ist das jetzt – Gas geben. Und Mirko Slomka muss und wird ihm dabei helfen. Und der Trainer wird hoffentlich nicht allzu viele Extrawürstchen auf diesem sicherlich steinigen Weg zulassen. So etwas darf es im Interesse des HSV einfach nicht mehr geben. Jetzt müssen alle, wirklich alle an einem Strang ziehen, jetzt müssen alle bereit sein, an die Schmerzgrenze zu gehen, denn noch einmal wird es nicht so viel Glück geben. Wie hatten es mir viele HSV-Fans nach der Relegation noch geschrieben? „Dieser Club hat nunmehr sein Glück für die nächsten fünf Spielzeiten bereits aufgebraucht.“ Stimmt.

Wobei ich zur jetzigen Führungsetage absolutes Vertrauen habe – die Herren werden es richten, es wird wieder bergauf gehen mit dem HSV. Das habe ich auch auf dem Traumschiff immer gesagt, wenn ich nach den drei großen Hamburger Buchstaben gefragt worden bin. Bei dieser Gelegenheit: herzliche Grüße an die Wolfs nach Pulheim. Und auch nach St. Peter-Ording. Und noch einmal Traumschiff (sorry): Es waren neben Sepp Maier auch zwei Herren dabei, die beim „Wunder von Bern“ mitgespielt haben – als fußballspielende Schauspieler: Berni Klodt und Fritz Walter. Deswegen habe ich mich vorher noch mit der Herberger-Zeit beschäftigt – und bin dabei auf Sätze gestoßen, die der große Sepp einst so von sich gegeben hat. Nicht „der Ball ist rund“, oder „der nächste Gegner ist immer der schwerste“, oder „ein Spiel dauert 90 Minuten“. Herberger hat auch Dinge gesagt, die sich der HSV in Sachen Fitness ab sofort in die Kabine hängen sollte:

„Männer, wenn die anderen in eurem Verein dienstags und donnerstags trainieren, dann nehmt ihr noch den Montag, den Mittwoch und den Freitag dazu. Wenn die anderen an ihr Vergnügen denken, denkt ihr an eure Kondition. Wenn ihr es im Sport zu was bringen wollt, muß sich eure ganze Lebensweise danach richten. Es versteht sich wohl von selbst, daß Rauchen, Trinken und unvernünftiges Essen für einen angehenden Nationalspieler nicht in Betracht kommen.“

Und Sepp Herberger sagte auch:

„Höchstleistung im Sport und vergnügliches Leben sind wie Feuer und Wasser. Man kann nicht zwei Herren gleichermaßen dienen. Entweder – oder! Entweder das eine oder das andere. Beide zusammen vertragen sich nicht!“

Das klingt doch super, oder? Der alte Mann und der Ball – er hat es immer gewusst, was zählt.

Zum Abschluss noch etwas ganz Wichtiges!

Es geht um den letzten Beitrag von Lars Pegelow. Er hatte im letzten Absatz über das HSV-Ehrenmitglied Klaus Meetz geschrieben. Das rief nun den Volleyballer auf den Plan, der sich falsch zitiert fand und um Korrektur bat (etwas energischer). Es handelt sich dabei um folgende Sätze, die so richtig sein sollen:

„(…) – die Staatsanwaltschaft hat Meetz am 14.07.2014 das Aktenzeichen mitgeteilt, unter dem gegen die drei Richter das Ermittlungsverfahren wegen Rechtsbeugung geführt wird.

– 2 –

Diese Tatsache hat Meetz der Justizsenatorin Jana Schiedeck sowie dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz mitgeteilt und deren unverzügliches Eingreifen beim Vereins- und Handelsregister gefordert, damit seine
dort gestellten Anträge rechtsmängelfrei erledigt werden.

Darüber hinaus hat Meetz in diesem Zusammenhang Justizsenatorin Schiedeck und den Ersten Bürgermeister Scholz auf die seit September 2013 beiden mit 24 (!) Schreiben nachgewiesenen, von diversen Richtern des Arbeits- und Landes- Arbeitsgericht begangenen strafrechtlich relevanten Handlungen (Rechtsbeugung) nochmals darauf hingewiesen, dass in Kürze nunmehr deswegen die entsprechenden Strafanzeigen insoweit gegen die
benannten Richter gestellt werden – und zwar in diesem Zusammenhang auch gegen die Justizsenatorin und den Ersten Bürgermeister wegen deren „Strafvereitelung im Amt“ und in der Folge deren „Begünstigung“. (…)“

In der Hoffnung, dass damit nun alle Unklarheiten beseitigt worden sind, verbleibe ich mit den freundlichsten Grüßen – und wünsche Euch einen wunderschönen und sommerlichen Feierabend. Bis morgen.

Dieter

1:4 – aber die Relegation ist drin!

3. Mai 2014

Der HSV verliert 1:4 gegen den FC Bayern – aber die Konkurrenz spielt wieder für den HSV! Unfassbar. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der HSV kann die Relegation schaffen. Was für ein Jubel, als in der Arena die Ergebnisse des 33. Spieltages vorgelesen wurden. Hannovers Ersatz-Mannschaft gewinnt 2:0 beim 1: FC Nürnberg, und der FC Augsburg schafft dank Bobadilla in der 94. Minute den 1:0-Sieg in Braunschweig. Das kann ja alles nicht wahr sein, das ist ja wie ein Märchen! Es bleibt somit alles beim Alten auf den letzten drei Plätzen – unglaublich, unfassbar, sensationell – herrlich!!! Der HSV darf noch von der Ersten Liga träumen, es riecht nach Relegation. So gab es nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern doch noch viele zufriedene Gesichter, die sich auf den Heimweg machten. Es ist noch nicht alles verloren – obwohl man mit nur 27 Punkten eigentlich nicht in der Ersten Bundesliga überlegen kann. Aber wenn es ein Wunder gibt, dann muss es ein Wunder für Hamburg und den HSV sein!
Nur, aber auch wirklich nur der HSV!


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Die Stimmung vor dem Anpfiff war schon super. Nein, großartig, sensationell. „Schreien bis der Kehlkopf kreist“, hatte Lotto King Karl im Abendblatt gefordert, und die Fans hielten sich dran. Vielleicht auch deshalb, weil sie von den Bayern gefordert wurden. Im Münchner Block wurde ein Plakat in HSV-blau präsentiert – in Anlehnung an die HSV-Uhr im Nord-Westen: „Noch in der ersten Bundesliga: 7 Tage, 1 Stunde.“ Der HSV-Konter ließ nicht lange auf sich warten – ein weißes Plakat: „In HH ticken die Uhren eh anders.“ Mag sein. In der Anfangsphase überraschte der HSV mit einer äußerst engagierten Leistung. Warum, diese Frage stellte ich mir schon, warum nicht immer so? Warum gegen die Bayern? Warum erst am vorletzten Spieltag?

Der HSV, der kurzfristig auf Marcell Jansen hatte verzichten müssen (die alte Knöchel-Geschichte hatte sich entzündet), rannte wie um sein Leben. Da war Leben zu sehen, da war Biss zu erkennen, da war auch endlich einmal so etwas wie Teamgeist zu sehen. Da lief einer für den anderen. Und ein gutes Zeichen war schon nach wenigen Minuten, dass sich Hakan Calhanoglu und Milan Badelj nach einer kleinen Unstimmigkeit angifteten. So kommt dann doch noch mehr Leben in die Bude . . . Und dazu setzte Rafael van der Vaart noch ein Zeichen: Der HSV-Kapitän trat Nationalspieler Kroos von hinten auf die Socken – Freistoß, aber kein Gelb. Und ein Achtungszeichen, dass der HSV nichts zu verschenken hat.

So oft hatte der HSV in jüngster Zeit ein frühes Gegentor gefangen, diesmal hieß es nach zehn Minuten noch 0:0. Und nach 13 Minuten hatte der HSV sogar die Chance zur Führung: Ivo Ilicevic nahm sich im Bayern-Strafraum rund eine „Viertelstunde“ Zeit, den Ball mit links auf das Gehäuse von Nationalkeeper Neuer zu dreschen – und dann ein so kümmerlicher Schuss. Wahnsinn! Mit links trümmerte die HSV-Spitze den Ball in Richtung Güterbahnhof Wandsbek. Da kann man auf der Tribüne nur zusammenbrechen. Eine runde „Viertelstunde“ Zeit, und dann ein solcher Abschluss, unbegreiflich. Aber wahr.

Auch nach 20 Minuten noch 0:0 – und Bayern schwach. Wenn ich so an das Pokal-Finale in 14 Tagen denke – oh, oh, das kann ein Dortmunder Feiertag werden . . . Und auch nach 30 Minuten hieß es 0:0. Aber nach 31 Minuten und 55 Sekunden nicht mehr. Doppelpass Robben und Götze, und der frühere Dortmunder schoss unter Rene Adler den Ball zum 0:1 in das Tornetz der Hamburger. Bitter. Ein Doppelpass am Fünfmeterraum des HSV, und das alles ungehindert, obwohl der Strafraum an sich voller Spieler war. Ja, so kann es gehen. Fast sogar noch das 2:0, als ein Kopfball von Schweinsteiger knapp am langen Eck des HSV-Tores vorbeisegelte (40.). Auf der Gegenseite die beste HSV-Tormöglichkeit: Robert Tesche spielte Rafael van der Vaart an, der schoss aus zwölf Metern aus der Drehung – aber auf Neuer. Der Torwart boxte den Ball über die Torlatte zur Ecke (42.). Und dann noch einmal Ilicevic. Diesmal versuchte er sich mit einem 15-Meter-Schlenzer aus halblinker Position, aber der Ball verfehlte deutlich sein Ziel (43.). Halbzeit. Und in die wurde der HSV mit viel, viel Beifall verabschiedet.

Während der Pause dann Jagdszenen im Volkspark. Polizei zog vor der Nordtribüne und im Nord-Westen auf. Angeblich sollen provokante Plakate die Ursache dafür gewesen sein. Es flogen Stöcke und Getränke auf die Uniformierten, zudem hatten sich die wie wild protestierenden HSV-Fans schnell ihre Fanschals ins Gesicht gezogen. Sicher ist sicher. Zum Glück beruhigte sich die bedrohliche Lage noch rechtzeitig – bis zum Wiederanpfiff jedenfalls. Was nach dem Schlusspfiff dann noch abgehen würde . . . Mal abwarten.

In der Halbzeitpause waren sich die Experten einig: Der HSV hatte ein Klasse-Spiel hingelegt, aber das Tempo war wohl zu hoch, um es bis zur 90. Minute zu halten. Der HSV wird wohl kräftemäßig noch einbrechen. Auch mal abwarten.

Aber das 0:2 fiel relativ früh. Eckstoß von Bayern, Robben von rechts. Der Niederländer entdeckt den völlig freistehenden Götze 13 Meter vor dem HSV-Tor. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eckstoß für Bayern, und ein Münchner steht im völlig übervölkerten HSV-Strafraum mutterseelenallein. Allein. Das kann doch nicht wahr sein! Wer hat da alles gepennt? Unfassbar, welche amateurhafte Fehler sich der HSV immer und immer wieder erlaubt. Da kann man nicht gegenanspielen. Nein, das geht nicht. Und Götze schießt. Keineswegs hart, aber an allen hinter ihm noch stehenden Hamburger, und das waren immerhin acht (!), in Worten ACHT, vorbei ins Tor. Beschämend. Und das spielte sich in der 55. Minute ab. Die Vorentscheidung. Natürlich. Denn der HSV spielte ja ohne Stürmer. Wer soll da ein Tor schießen? Bei Bayern saßen noch Pizarro und Mandzukic draußen. Ein Königreich für einen Stürmer . . .

Bewundernswert allerdings, wie sehr sich der HSV weiterhin wehrte, wie sehr auch die HSV-Fans mitgingen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Im (erweiterten) Bayern-Block im Süden hallte es: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei.“ Pfiffe der HSV-Fans und dazu der Hinweis vom Stadionsprecher: „Liebe Münchner Gäste, haben Sie bitte dafür Verständnis, dass Sie nach Spielschluss noch etwas länger in Ihrem Block bleiben müssen, wir bitten um Verständnis.“ Das bejubelten wiederum die Hamburger. Und dieser Jubel steigerte sich noch in der 72. Minute, denn da traf Hakan Calhanoglu, wer sonst, aus 20 Metern flach ins rechte Eck zum 1:3. Hoffnung? Nein. Der vor Sekunden eingewechselte Pizarro, der HSV-„Killer“ schlechthin, kreuzte allein vor Adler auf, schoss den HSV-Keeper an – Gefahr gebannt? Mitnichten. Der Ball stieg hoch in die Luft, Adler hätte hochsteigen müssen und fausten – aber er machte nichts. Pizarro machte etwas, nämlich einen wunderbaren Fallrückzieher – 1:4 (75.). So spielt man mit Studenten . . .

Es folgte ein Spiel auf ein Tor, auf das Hamburger. Mit teilweise sehenswerten Spielzügen und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei.

Ein Höhepunkt sollte aber noch folgen: Kerem Demirbay ging im Bayern-Strafraum zu Boden, es folgte ein Gerangel mit Boateng. Beide Streithähne standen Kopf an Kopf, Stirn an Stirn, zum Schluss gab es eine Ohrfeige des Ex-Hamburgers an den HSV-Spieler. Rote Karte für Boateng, Gelb für Demirbay (86.). Ein unrühmliches Ende.

Die Einzelkritik:

Rene Adler naja, das Gelbe vom Ei war es wieder einmal nicht. Irgendwie ist er von der Rolle, was sich besonders beim 1:4 von Pizarro zeigte – da muss er einfach nur mit hochgehen.

Dennis Diekmeier war der einzige, der im Tempo mit den Bayern mithalten konnte. Ansonsten aber fiel er nicht groß auf, wurde verletzt ausgewechselt

Michael Mancienne war am 0:1 nicht unschuldig, ansonsten aber noch der beste Hamburger – wenn man von einem „besten Mann“ überhaupt sprechen kann.

Heiko Westermann zeigte sich willig und engagiert – wie immer. Ging verletzt raus und erhielt viel Beifall – auch aus dem Norden.

Petr Jiracek ist nun einmal kein Linksverteidiger. Er wollte, aber er konnte nicht so recht.

Milan Badelj war schwach.

Tomas Rincon ist noch immer weit von einer Erstliga-Form entfernt.

Robert Tesche spielte mit, mehr nicht. Aber er spielte immerhin so mit, wie es andere zuvor in den Spielen nicht taten.

Rafael van der Vaart gab alles, hängte sich voll rein, grätschte, lief und lief, und fightete – bis er nicht mehr konnte. Aber er wollte seinen markigen Worten eben eine gute Einstellung folgen lassen, das ist gelungen – auch wenn es bei seiner Auswechslung vereinzelt Pfiffe gab.

Hakan Calhanoglu und sonst keiner. Er schießt, und er trifft, das kann keiner wie er. Leider, leider. Ihn werden wir wohl in der nächsten Saison nicht mehr im Volkspark aufdribbeln sehen, einen solchen Mann kann sich der HSV nicht mehr erlauben. Weil es auch fiel Geld für ihn geben wird.

Ivo Ilicevic istb kein Stürmer, kann auch nicht mehr schießen – er hat es einst gekonnt, aber in Hamburg alles verlernt. Grausam. Auch wenn er wollte und kämpfte und Leben zeigte. An Ende steht unter dem Strich eine glatte Null.

Ola John (ab 59. Min. für Diekmeier) sollte sich zeigen – mehr tat er auch nicht. Unterstrich einmal mehr, wie bitter und total überflüssig die beiden Winter-Transfers des HSV waren.

Kerem Demirbay (ab 67. Min. für van der Vaart) holte nur noch eine Rote Karte für Boateng heraus – mehr war da nicht.

Jonathan Tah (ab 76. Min. für Westermann) kam erstmalig seit Wochen wieder zum Zuge – für einige Minuten.

Um schnell noch auf den Vormittag zu kommen: In der Uni wurde der Delegierte der Supporters für den Aufsichtsrat gewählt. Es waren 172 Mitglieder gekommen, für den „Matz-abber“ Sven Kröger gab es 49 Stimmen, für Sven Winkelmann gab es 123 Stimmen. Und Ende. Obwohl Sven Kröger – frei nach Uli Hoeneß – sagte: „Der Weg ist hier noch nicht zu Ende.“

So, dann möchte ich noch auf unsere Sendung „Matz ab live“ hinweisen, die gleich beginnen wird. Unsere heutigen Gäste sind zwei Journalisten, die sich schon oft an Diskussionen beim Doppelpass und auf Sky beteiligt haben, es sind, von der Frankfurter Rundschau, Jan-Christian Müller, und dazu der freie Journalist Oliver Wurm. Wäre toll, wenn Ihr zusehen könntet, „Scholle“ und ich würden uns freuen.

17.35 Uhr

Van Marwijks Kampf gegen Windmühlen

13. Dezember 2013

Ganz schön viel Rauch heute, der abziehen musste über dem Volkspark. Es war zwar nur eine kleine „Wutrede“ gestern von Trainer Bert van Marwijk, aber doch immerhin viel größer als erwartet. Als generell von ihm erwartet, als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Gestern hat Dieter hier schon im Wortlaut alles wieder gegeben, was der niederländische Trainer loswerden musste. Auch die Zeitungen waren voll. Kritik an der Mannschaft, an der Mentalität, Disziplin soll Einzug halten, seine erste Abrechnung und so weiter.

Klar, dass van Marwijks Worte in erster Linie auf die Mannschaft treffen. Sie setzen ja auch um, bzw. setzen eben gerade nicht um, was vorgegeben ist. Auf dem Platz ist allwöchentlich sichtbar, in Toren messbar, wie gut und schlecht sie arbeiten. Schon seit Jahren, habe ich heute wiederholt gehört, stecke ja solch eine Sch…-Mentalität in der HSV-Mannschaft, die wir dann alle vergangenen Sonnabend beim 0:1 gegen Augsburg bewundern konnten. Wohlfühlgesellschaft, Gucci hier, Gucci da. Mag sein.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr
Ich habe jetzt aber nicht schon wieder Lust, mich mit dieser oder jener Schwäche eines Spieler oder einen Trainers zu beschäftigen. Wie viele Trainer will der HSV noch verschleißen, wie viele Spieler kaufen, weil gedacht wird, hier kommt der richtige für eine goldene Zukunft, um sie dann irgendwann wieder zu verscherbeln und einen nächsten Umbruch zu starten? Ich behaupte: die Trainer und Spieler, die der HSV in den vergangenen Jahren durchgeschleust hat, sind und waren im Schnitt nicht schlechter als bei vergleichbaren Bundesliga-Vereinen. Sportlich nicht, aber auch nicht von der Einstellung und Bereitschaft, sich für den Beruf und den Verein zu opfern.


Aber: das Ganze funktioniert nicht einseitig. Nie und nimmer. Es muss immer auch eine Instanz geben, die darüber steht und entsprechende Leistung einfordert. Diese Führung muss vorhanden sein, es muss eine Leitlinie geben, einen Gedanken, für den der Verein steht. Identifikation muss geschaffen werden. Es genügt nicht, nach desaströsen Leistungen auf die Gehaltsabrechnung zu verweisen und zu meinen, mit ihren Millionen-Gagen sei den Profis Motivation genug an die Hand gegeben. Das Problem ist: fehlt die Führung, dann treten die Schwächen in den Menschen, in diesem Fall den Profis, hervor. Dann werden aus Musterprofis beim FC XY bequeme Profis beim HSV. Automatisch.

Die großen Gagen gibt es nämlich anderswo auch. Es muss mehr dazu kommen. Zumindest ein bisschen von dem, was die Fans und Anhänger des Vereins mit ins Stadion tragen, wenn sie ein Spiel des HSV sehen. Eine HSV-Identität muss mit dabei sein, ein Ziel – jenseits vom schnöden Mammon – für das sich der Einsatz lohnt. Ein Bundesligaspieler ist nicht dann besser als sein Gegenspieler, wenn er statt 1,2 nun 1,3 Millionen Euro verdient. Begeisterung, Motivation, Identifikation – das muss da sein.

Die Erfolgsgeschichte eines jeden Clubs, der gerade obenauf ist, besitzt Puzzleteile dieses Phänomens. In Freiburg war es so (auf andere Art, weil der Verein kleiner ist), in Dortmund ist es so im großen Rahmen, bei Werder war es so jahrelang, und bei den Bayern klappt es in Blockbuster-Manier.

Es ist ein jahrelanges Missverständnis beim HSV, dass immer der jeweilige Trainer verantwortlich gemacht wird, wenn die Vermittlung dieser Werte nicht gelingt. In diesen Tagen habe ich von hohen Herren auch wieder gehört, van Marwijk habe keine große Zukunft beim HSV, wenn er sich abkanzelt und im Hotel wohnt. Wenn er die Mannschaft, den Verein kritisiert wie gestern, und dadurch Distanz zeigt. Dieser Gedanke, denke ich, greift zu kurz. Auch der Trainer muss als Teil begriffen werden, in den Begeisterung von oben, von Führungsseite, vom Verein eingepflanzt wird. Pathetisch gesagt ein Ideal, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das alle beim HSV haben müssen.

Wann hat der HSV in den letzten Jahren mal richtige Begeisterung entfacht? Mir fällt da die Zeit ein von 2004 bis 2005, als Thomas Doll das Traineramt übernommen hat. Hier war plötzlich eine Figur, die den HSV gelebt hat. Er hat den Club, die Stadt mitgerissen. Emotional war das die heißeste Phase des Clubs in den letzten 20 Jahren. Natürlich – es gab Herzkasper-Spiele zu anderen Zeiten. Es gab ein 4:4 gegen Juventus, es gab europäische Halbfinals. Aber die große Aufbruch-Stimmung, die Freude am HSV, die gab es durch begeisterte und dadurch begeisternde Figuren oben. Doll war als Trainer solch eine Figur (abgesehen davon auch noch ein sehr guter Coach), und hat damit im Prinzip eine Aufgabe übernommen, die eine Etage über ihm noch stärker hätte gelebt werden müssen. Aber: er ist auch von einer anderen HSV-Figur, Dietmar Beiersdorfer, eingesetzt worden. Mit anderen Worten: hier war die Vereins-Verbundenheit durchlässig und hat sich schließlich auf die Mannschaft übertragen.

Bert van Marwijk hat nun erkannt, dass dieser Verein eine bestimmte Krankheit hat. Er nannte es Zufriedenheit, man könnte es auch eine Schlafkrankheit nennen. Das „Erfolglos-Syndrom“. Es kommt nicht vom Trainer, und ich fürchte, auch van Marwijk könnte sich daran überheben – so wie sich Fink, Veh und andere überhoben haben. Ja aber, werden jetzt viele sagen, der Fink hat dies und das falsch gemacht. Der Veh hat doch gar kein Feuer gehabt. Der Labbadia sich nicht mit der Mannschaft verstanden.

Ich habe mit Armin Veh einmal, es war kurz vor seinem freiwilligen-unfreiwilligen Ende beim HSV, über die Situation des Clubs gesprochen. Wir sind alles durchgegangen, von oben bis unten. Vor allem oben natürlich, denn da setzen die Schwächen an. „Es ist ein Wahnsinn“, hat der Veh immer wieder gesagt, wenn es zum Aufsichtsrat kam. Unter diesen Bedingungen hat er Fehler gemacht, die Mannschaft ist ihm aus der Hand geglitten. So hat auch Thorsten Fink sein Feuer mitgebracht nach Hamburg – und als es erloschen war, sind ihm ebenfalls Fehler unterlaufen. Der HSV hat sie alle geschafft.

Zurück zu Veh. Als er dann entlassen wurde, habe ich damaligen Amtsinhabern empfohlen, einmal das Gespräch mit Veh zu suchen. Es bestand ja nun kein Anstellungsverhältnis mehr, vielleicht hätte ein unabhängiger Austausch ja mal geholfen, die Augen zu öffnen. Das Interesse von HSV-Seite war gering, denn Veh wurden immer nur und immer wieder seine Unzulänglichkeiten vorgeworfen.

Alle nicht gut genug für den HSV. Der Veh zu faul. Der Fink nur auf dem Weg zur Familie nach München. Der Jol hatte immer seine holländischen Freunde in der Kabine, und der Oenning war ja nur ein Nachwuchs-Trainer. Ich kann das alles nicht mehr hören und sehen.


Vor ein paar Monaten, es war ausgerechnet nach dem 2:9 bei den Bayern, habe ich einmal einen Kommentar zur Lage des HSV gemacht. Ein Vorschlag für eine bessere Spitze war: Beiersdorfer zum Präsident, Hoogma ins Management, Rost und Barbarez dazu, Uli Stein als Torwarttrainer – und guckt doch mal, was der Beinlich macht und wie man den Hrubesch doch noch mal endlich kriegen kann. Der Text wurde damals auch bei einer Veranstaltung der HSV-Senioren vorgelesen. Mir wurde von höhnischem Gelächter berichtet.

Klar, kann man drüber lachen – wie soll das auch gehen? Und überhaupt: dieses ewig-gestrige mit den 83ern, oder wie? Mir ging es und geht es jetzt um den Gedanken, der dahinter steckt. Um den HSV. Um Figuren, die diesen Verein verkörpern und nach außen tragen und die eine emotionale Bindung mitgeben, die – richtig vorgelebt – dann auch irgendwann mal auf dem Rasen ankommt.

Jeder kann sich selbst überlegen, ob im aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat diese Figuren sind, und ob sie kommen würden bei den aktuellen Strukturen. Oder ob von Heesen, Hieronymus, Jakobs und andere mit ihren Verbindungen mehr davon bieten. Oder Hunke. Oder ob Ertel, Liebnau und Co. für den richtigen Weg stehen. Die Frage, ob ein strategischer Partner am 20. Januar, am Tag nach der Mitgliederversammlung, unter „HSV-PLUS“-Voraussetzungen da steht und mit einem Scheck wedelt, ist da erstmal zweitrangig. Es braucht ein Modell, in dem Leistungsfußball mit HSV-Identität gefördert wird. Mit all seinen Gesichtern und Geschichten. Alles in eine Richtung. In eine Richtung!!!

Damit nämlich Calhanoglu, Beister und Tah ihre erfolgreiche Zukunft in Hamburg haben werden, und nicht anderswo. Auch und gerade diese Jungs brauchen etwas, woran sie sich halten können – das Verbindende des HSV. Wenn sie merken, dass der Trainer – im Moment van Marwijk – wie sie selbst in dem wackeligen Boot sitzt und nach Orientierung sucht, dann sind sie so schnell verschwunden wie einige andere vor ihnen.

Zum Training heute. Personell hat sich nicht viel getan. Der Kader ist wie erwartet, so dass van Marwijk morgen in München folgende Elf aufbieten könnte:
Drobny – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Zoua, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Jacques Zoua steht also mal wieder in der Startelf und vertritt den Gelb-gesperrten Maxi Beister. In der heutigen, kurzen Presserunde hat Zoua verraten, dass er schon zwei Mal gegen den FC Bayern gespielt hat. In der Champions-League-Saison 2011/2012 wurde er jeweils eingewechselt – beim Hinspiel in Basel (1:0) und beim Rückspiel in München (0:7). Heute sagte der Kameruner: „Ich versuche, das Spiel gegen die Bayern wie jedes andere Bundesliga-Spiel zu sehen. Natürlich wird es schwer, aber wir versuchen alles.“

Die Bayern müssen auf Boateng (fünfte Gelbe Karte) verzichten, und nach wie vor auf Robben und Schweinsteiger. Alaba, so heißt es aus München, könnte auf der linken Verteidiger-Position durch Contento ersetzt werden. Das wäre dann der Gegenspieler von Jacques Zoua.

Hoffnung für den HSV: Claudio Pizarro kommt wohl zunächst von der Ersatzbank. Im März schoss er vier Tore gegen den HSV. Insgesamt hat er in 21 Spielen gegen Hamburg 18 Tore erzielt. Eine unfassbare Quote.

Für den HSV geht es darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Das wäre völlig okay. An den Bayern haben sich dieses Jahr auch Barca und andere die Zähne ausgebissen. Dieser Fußball-Sonnabend, denke ich, bietet unabhängig vom Ausgang des Spiels keinen Anlass für Hohn und Spott.

Bei Oliver Scheel sind inzwischen die ersten Anträge eingegangen für die Mitgliederversammlung. „HSV-PLUS“ von Otto Rieckhoff, „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke, „Rautenherz“ liegen vor. Außerdem viele Einzelanträge, unter anderem die Idee, eine Stiftung zu gründen. Die Anträge der „HSV-Reform“ werden bis zum Fristende am Sonntagabend auf der Geschäftsstelle des HSV erwartet.

Dieter und Scholle erwarten Euch nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels zu „Matz ab live“. Ein Gast wird der Niendorfer Ex-HSV-Profi Alexander Laas sein.
Bis dahin
Lars

P.S.: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München steigt am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 20.30 Uhr und wird sowohl in der ARD als auch auf Sky gezeigt. Und: In der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft am 13. Mai in der imtech-Arena gegen Polen.

Van der Vaart und das Salz in der Cola

25. April 2013

Den Spruch hat inzwischen wohl jeder schon gehört: „Wenn der FC Bayern die beste Mannschaft der Welt mal eben mit 4:0 wegdonnert, dann relativiert sich das 2:9 des HSV aber ganz, ganz gewaltig.“ Stimmt. Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem 4:1 von Borussia Dortmund gegen Real Madrid? Hat nicht der HSV den BVB, der mal eben die „Königlichen“ „weggefiedelt“ hat, in dieser Saison gleich zweimal besiegt und dafür gesorgt, dass alle Schwarz-Gelben mit gesenkten Häuptern in der Kabine verschwanden? Und relativiert sich das denn auch? Einmal 3:2, einmal – in Dortmund – 4:1? Mal sehen. Mal sehen, wie sich das jetzt in Gelsenkirchen anlässt. Es sind nur noch vier Spiele, die der HSV in dieser Bundesliga-Saison bestreiten muss, das auf Schalke scheint im Moment das wichtigste zu sein. Es geht ja nicht nur um das „einfache Europa“, es geht um mehr. Und für Rafael van der Vaart ist sogar das Erreichen der Champions-League-Qualifikation kein völlig utopisches Ziel. „Wenn wir am Sonntag bei Schalke 04 gewinnen sollten, darf man ein bisschen daran denken“, sagte der HSV-Kapitän, fügte aber auch gleich warnend hinzu: „Dafür müssen wir natürlich deutlich besser spielen als zuletzt.“

Heute im Training war das schon mal gut. Vielleicht sogar sehr gut. Es ging im Abschlussspielchen mächtig zur Sache. Gerade so, als wisse nun jeder Spieler ganz genau, um was es jetzt geht. Das Spiel zwischen A und B war temporeich, aggressiv und rassig. Da hatte kein Spieler auch nur eine Sekunde Zeit, sich am Ball auszuruhen. Das sah wirklich gut aus. Wobei Thorsten Fink zwei Wechsel zur Halbzeit vornahm: Heung Min Son ging von A nach B, Artjoms Rudnevs ging von B nach A. Und dazu wechselte Dennis Aogo von A nach B, für ihn kam Tomas Rincon von B nach A. Das bedeutete, dass sich der Trainer auf jeden Fall noch etwas offen lassen möchte – bis Sonnabend.

Im Moment scheint es aber so (für mich) zu sein, dass vorne Son beginnen und Rudnevs auf der Bank sitzen wird, und auf der „Sechs“ werden Tolgay Arslan (für den – wohl – verletzt ausfallenden Milan Badelj) und Aogo zum Einsatz kommen – „Reserve“ ist Rincon. Wenn ich die Gedanken des Trainers denn richtig lesen kann . . . Hinten rechts wird dazu, daran ändert sich nichts, Jacopo Sala spielen (für den gesperrten Dennis Diekmeier). Wobei mich schon ein wenig wundert, dass Jeffrey Bruma dann doch so überhaupt keine Chance mehr hat – und auch bekommt. In der Not, so heißt es doch, frisst der Teufel Fliegen, aber Bruma scheint beim HSV nicht nur ein Auslaufmodell zu sein, er wird auch als ein solches behandelt. Knallhart. Die Zeiten ändern sich. Ich habe zudem das Gefühl, dass Thorsten Fink tatsächlich härter auftritt – auf jeden Fall, so behaupte ich, anders als noch vor ein paar Wochen. Aber, das fällt mir just beim Schreiben dieser Zeilen ein, genau das habe ich gemeint, als ich bei „Sky 90“ vor Wochen, einen Tag nach dem 2:9 von und in München, auf die Frage von Moderator Patrick Wasserziehr („Wird der HSV daraus seine Lehren ziehen?“) gesagt habe: „Vor allen Thorsten Fink wird aus diesem Debakel lernen und seine Schlüsse ziehen . . .“ Hat er – in meinen Augen jedenfalls.

Und in diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder das Wort „Penner“ ein. Gebrüllt vom Trainer am vergangenen Freitag, gemeint war die Mannschaft. So etwas gab es in dieser Woche (bislang) noch nicht. Fink: „Wenn ich aber merke, dass die Mannschaft nachlässt, dann werde ich sicherlich wieder etwas sagen, wenn sie nicht nachlässt, dann werde ich auch nichts erfinden. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist, wenn sie jedoch mal einen Impuls braucht, dann werde ich ihr diesen auch geben.“ Fink sagte auch: „Wir haben noch vier Spiele, da muss man schon noch vorsichtig sein und aufpassen, dass es jetzt nicht wieder anders herum geht, aber ich denke mit nun 44 Punkten und noch vier Spielen ist das schon gut gelaufen.“

Kurz noch einmal zum heutigen Training zurück. Einige gute, vielleicht auch sehr gute Szenen hatte Gojko Kacar, aber richtig beeindruckt war ich vor allen Dingen von Heung Min So. Der Junge, das stelle ich immer wieder fest, hat viel, nein, er hat sehr viel gelernt beim HSV. Er war heute auch im Spiel Mann gegen Mann, im Dribbling, richtig stark. Sodas ich mir während dieser „Vorstellung“ gedacht habe: „Es ist doch alles Quatsch, wenn da Hinz und Kunz immer wieder sagen, dass Son noch so jung sei, dass ihm noch einige Jahre beim HSV sehr gut tun würden, weil er so in der Bundesliga lernen und zu einem fertigen Spieler werden kann. Das ist, um es noch einmal zu sagen, Quatsch. Er hat jetzt schon viel gelernt, und ich bin davon überzeugt, dass er das auch bei einem Spitzen-Club – wie zum Beispiel Borussia Dortmund – zeigen würde.

Denkt doch bitte einmal kurz zurück, ich sprach mit einigen Kollegen heute vor der Pressekonferenz darüber, wie es damals mit Hasan Salihamidzic war. Als der 1998 vom FC Bayern gekauft wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt. Und was hat ihm hier jeder in Hamburg prophezeit? Genau: „Der wird dort niemals zum Einsatz kommen, geschweige denn Stammspieler. Der überschätzt sich maßlos – und wird auch maßlos überschätzt.“ Und? Wie kam es? Salihamidzic mischte erst München, dann die Bundesliga und später auch Europa auf. Wie oft hat er allein Real Madrid aufgemischt? Nun gut, das ist, wie Dortmund zeigt, ja auch keine große Kunst mehr . . . Nein, nein, ein Scherz. Das war ein Scherz.

Und noch einmal kurz zum heutigen HSV-Training zurück. Zum Schluss wurde „geballert“. Jeder der wollte, der durfte auch mal. Oder mehrfach. Im Tor standen sie alle, die das können – wobei ich einmal mehr von Sven Neuhaus begeistert war. Wie er fliegt, wie er sich reinhängt, obwohl er am Sonntag wieder nur daheim vor dem Fernseher sitzen wird – das ist schon erste Sahne. Toll. Und vorbildlich. Aber darüber wollte ich gar nicht groß berichten. Es gab da einen Zweikampf, der verbissen geführt wurde. Tolgay Arslan und Rafael van der Vaart zählten jeden Treffer, das war ein richtig hartes Duell. Und das endete dann auch noch mit einem Unentschieden. Deshalb musste ein Elfmeterschießen entscheiden. Jeder nur einen Schuss. Der „kleine Engel“ drosch den Ball weit und hoch über das Tor, die Kugel suchen sie morgen noch. Dann Arslan. Als er anlief (gegen Neuhaus), schoss – zum Zwecke der Störung – van der Vaart einen zweiten Ball quer. Wie unfair! Arslan beschwert sich, lief noch einmal an – und verwandelte. Daraufhin ging er in die Knie und hob laut jubelnd seine Arme in die Luft: Sieg.

Und dann sprachen sich die beiden Kontrahenten ab. Was genau, war nicht zu hören. Es ging aber darum: Der Verlierer musste dem Sieger eine Cola mit Zitrone und Eis auf den Umkleideplatz in der Kabine stellen. Und? Hat „Rafa“ das gemacht? Ja. Sagte er. Aber ohne Zitrone und Eis. Dafür war ein wenig Salz in diesem Frei-Getränk. Die Niederländer freute sich diebisch: „Ali hat getrunken und alles sofort wieder ausgespuckt . . .“ Es war dann doch wohl eher ein Pyrrhus-Sieg. Und, um das auch noch zu sagen: Das Schuss-Duell zwischen Arslan und van der Vaart wurde zwar verbissen geführt, aber trotz allem fair und stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Was davon zeugt, dass man sich im Moment (nach zwei Siegen) und mit einem neuen Kapitän bestens versteht.

Schnell noch zu einem ganz, ganz anderen Thema. Ich schreibe ja heute zum ersten Mal in dieser Woche, mir brannte in dieser Zeit immer noch die Seite 62 des HSV-live-Magazins unter den Nägeln. Da hatte sich der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow mit einem Leserbrief an den HSV zu Wort gemeldet. Ich fand diese Zeilen schon sehr bemerkenswert, doch irgendwie schienen sie mir doch ein wenig untergegangen zu sein. Und weil ich denke, dass dieser Brief eine größere Aufmerksamkeit verdient (gehabt hätte), möchte ich ihn hier noch einmal veröffentlichen – mit Genehmigung von Udo Bandow.

Liebe Sportfreunde, mit großem Interesse habe ich den Bericht des Aufsichtsrates über seine Arbeit gelesen. Ich stimme ihm voll zu, dass die wirtschaftliche Konsolidierung unseres Vereins höchste Priorität hat. In der Tat hat sich die wirtschaftliche Situation des HSVin den letzten drei bis vier Jahren dramatisch verschlechtert. Ich befürchte, dass der nicht durch Vermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.
Nicht nachvollziehen kann ich die Formulierung: „Oberste Prämisse sei dabei, eine sportliche Nachhaltigkeit zu garantieren und nicht die Substanz der Mannschaft entscheidend zu schwächen; es sollen nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht werden.“
Der Aufsichtsrat sollte sich hier keinen Illusionen hingeben. Wenn wir wieder einen Kader haben, der international Interesse erweckt, was zurzeit leider nicht der Fall ist, wird der Aufsichtsrat ähnlich entscheiden wie er es in anderer Zusammensetzung in der Vergangenheit getan hat. Wenn Spieler Offerten bekommen von Vereinen wie zum Beispiel Bayern München, Real Madrid oder Manchester-Vereinen, dann sind sie nicht zu halten, da sich nicht nur ihre Bezüge kräftig erhöhen, sondern sie auch die Garantie der permanenten Teilnahme in der Champions League haben, was ihre Position in den Nationalmannschaften nachhaltig stärkt.
Entscheidend ist dabei, die ausscheidenden Spieler durch qualitativ gleichwertige, jüngere und finanziell günstigere zu ersetzen. Dies ist bis zur Trennung von Dietmar Beiersdorfer recht gut gelungen.
Ich nenne als Beispiels für jüngere Spieler, die Abgänge ersetzt und später ebenfalls hohe Transfergewinne erbracht haben, nur einige Namen:
Tomas Ujfalusi, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Nigel de Jong, Jerome Boateng und Joris Mathijsen.
Ich hoffe, dass dies bei ähnlicher Konstellation auch in Zukunft gelingen möge.
Ihr Udo Bandow.

Ich habe mit Udo Bandow über diesen Brief gesprochen, er wollte aber nicht mehr ins Detail gehen – was ich verstehe. Er sagte nur noch: „Ich werde dazu keine weiteren Kommentare abgeben, es steht alles drin, es ist alles gesagt.“
Was natürlich auch stimmt, dennoch hätte ich gerne noch etwas „mehr“ gehört. Aber man kann ja auch zwischen den Zeilen lesen . . .

PS: Am Freitag wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.53 Uhr

Son will in die Champions League. Mit dem HSV?

24. April 2013

Milan Badelj ist verletzt. So eine Sch… Ausgerechnet jetzt, wo sich der in meinen Augen eminent wichtige Organisator im Mittelfeld wieder gefangen zu haben schien, musste er mit einer Adduktorenverletzung das Training abbrechen. „Wir haben eine Ultraschall-Untersuchung gemacht und es ist wohl nichts gerissen“, sagt Badelj, ohne Entwarnung geben zu können. Im Gegenteil: „Es fühlt sich aber wie eine Zerrung an. Sollte dem so sein, dürfte Badelj auf Schalke und möglicherweise auch am kommenden Wochenende gegen Wolfsburg ausfallen. Erneuter Nutznießer könnte Dennis Aogo werden. Der hatte gegen Düsseldorf den an Grippe erkrankten Tolgay Arslan ersetzt. Arslan ist inzwischen wieder gesund und gilt als gesetzt – neben Badelj. Sollte dieser ausfallen, rückt Aogo nach. Mal wieder.

Genaueres in Sachen Badelj soll es am morgigen Donnerstag geben. Da soll die verletzte Stelle erneut untersucht, geröntgt und anschließend eine exakte Diagnose gestellt werden. Ergo: Daumen drücken. Zumindest werde ich das machen.

Gleiche gilt für die Personalie der Woche: Heung Min Son. Der Südkoreaner ist heiß umworben – vom HSV und anderen Klubs. Unter anderem, nein: vor allem von Borussia Dortmund. Intern sorgt das für eine Menge Gesprächsstoff, wie Tolgay Arslan bestätigt. Der wieder genesene Mittelfeldspieler, der von Trainer Thorsten Fink bereits seinen Einsatz auf Schalke signalisiert bekommen hatte, sagt: „Ich habe Sonni schon gesagt, dass er ein echtes Problem hätte, wenn er mir plötzlich als Dortmunder gegenübersteht. Dann müste er aufpassen, dass ich ihn nicht mächtig erwische.“ Worte, die im Spaß gemeint aber durchaus einen ernsten Hintergrund haben. Immerhin rechnet man auch beim HSV auf kurze Sicht mit einem Angebot aus Dortmund. Der BVB hat gerade knapp 70 Millionen Euro für seine beiden Topspieler Robert Lewandowski und Mario Götze (dazu könnt Ihr auf unserer neuen Facebookseite https://www.facebook.com/groups/matzabauch ein Video mit Rene Adler sehen) eingenommen und ist auf der Suche nach Ersatz. „Sonni hat nicht gesagt, wie er sich entscheidet“, so Arslan, „aber ich hoffe, dass er sich für uns entscheidet und bleibt.“

Bleiben will auf jeden Fall Rene Adler. Das zumindest sagte der angeblich vom FC Arsenal umgarnte Keeper den Nachwuchsreportern vom Team „SportXperten“. Die Schüler hatten eine Ausschreibung des Hamburger Weg-Projektes gewonnen und befragten heute eine Stunde lang den HSV-Keeper und seinen Pendant vom HSV-Handball, Jogi Bitter. Adler: „Ich habe in Hamburg ein Haus gekauft, habe einen langen Vertrag – das wäre mir zu unentspannt. Ich habe keine Wechselgedanken.“ Eine Ansicht, die Adler in abgewandelter Form kurz zuvor auch Heung Min Son nahelegte – im persönlichen Gespräch. „Natürlich reden wir, Sonni ist sehr wissbegierig, fragt viel“, so Adler. Er habe dem begehrten Jungstar auch einen Tipp für die Zukunft mitgegeben. „Aber der bleibt geheim.“

Genauso wie das Ziel Heung Min Sons, dessen Vertrag 2014 ausläuft. Sollte der Südkoreaner nicht verlängern, wird er verkauft. Darauf legte sich Sportchef Frank Arnesen bereits fest. Stand Und Son ist weiterhin heiß umworben von englischen Klubs sowie der Bundesligakonkurrenz. Allen voran: Borussia Dortmund. Der noch amtierende Deutsche Meister hat durch den Verkauf seiner Top-Spieler Robert Lewandowski sowie Mario Götze gerade rund 70 Millionen Euro generiert – und ist heiß auf Son. „Mich interessiert das noch nicht“, sagt Son und man spürt die Unbehaglichkeit beim Angreifer. Immerhin ist er einer der Hoffnungsträger im Kampf um einen internationalen Startplatz für den HSV. „Ich lasse das meinen Vater und meinen Berater machen. Für mich ist es erst nach der Saison Thema. Bis dahin zählt nur der HSV.“

Worte, die so gesagt oft Abschiede nach sich zogen. Und angesichts des kolportierten Angebotes von rund zehn Millionen Euro seitens der Dortmunder rückt dieser wohl auch näher. Obgleich der HSV finanziell mit seinem Angreifer einig schien. Zuletzt, so hieß es, ging es nur noch um eine von Son geforderte Ausstiegsklausel. Allein es scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Für Son ist auch die sportliche Perspektive entscheidend. Und die ist in Hamburg tabellarisch ebenso offen wie in Sachen Kaderplanung, da noch keine Spieler verkauft werden konnten.
Das soll – zumindest im Fall Son – auch so bleiben. Deswegen wirken derzeit beim HSV fast alle auf das Sturmjuwel ein. Thorsten Fink hatte zuletzt deutlich gemacht, wie sehr er auf Son setzen wolle. Auch Adler und zuletzt Rafael van der Vaart, der öffentlich zum Verbleib in Hamburg riet, bemühen sich. Nur Son selbst weiß nach eigener Aussage noch überhaupt nicht, wie er sich entscheiden soll.

Er will es auch noch gar nicht. Es sei ein schönes Gefühl, umworben zu sein. Aber eben auch Stress. Und: „Es ist anstrengend, aber ich will Ruhe haben, mich konzentrieren“, sagt Son. „Es ist noch nichts entschieden. Wir haben vereinbart, uns nach der Saison zu besprechen und zu entscheiden.“ Ob der internationale Wettbewerb entscheidend sei? „Der HSV ist meine Familie, egal ob Europa League oder nicht. Champions League ist ein Traum, wäre geil, wenn ich das spielen könnte.“ Das wäre mit dem BVB gesichert. Aber auch der HSV hat noch die Chance. Sagt Son. „Wir müssen mindestens Europa League schaffen. Aber es sind auch nur zwei Punkte bis zur Champions League. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle auf den HSV konzentrieren. Auch ich.“

Bei allem, was Son heute von sich gab, war ihm anzumerken, dass ihm nicht wohl ist im Moment. So schön das Werben anderer Klubs, so verlockend die Aussicht auf das große Gehalt auch ist – Son belastet das Thema. Daher ist die Frage, ob es gut ist, so lange mit einer Entscheidung zu warten, aus meiner Sicht schnell beantwortet. Und auch der HSV hätte lieber gestern als morgen den Vertrag verlängert. Dass es sich letztlich nur noch um eine kleine Ausstiegsklausel handelt, in der sich beide Parteien noch nicht einig sind – Blödsinn. Das mag ein Punkt sein, aber der Kern liegt in den sich „androhenden“ Angeboten großer Klubs. Und auf dem Weg dahin zögern Son, sein Vater und der Berater alles möglichst weit nach hinten raus.

Ein legitimes Vorgehen, das aber zuletzt für eine lange Schwächephase bei Son gesorgt hatte. Es ist kontraproduktiv. Gerade jetzt in der finalen Phase, wo es verrückterweise noch um einen internationalen Startplatz geht, schwächt sich Son. Mit Ausnahmen, wie in Mainz. Und auch gegen Düsseldorf war Son nicht so schlecht, wie ihn viele machen wollten. Allerdings: er war auch nicht top. Was mich immer wieder die eine Frage stellen lässt: Ist Son ein Talent, das später den ganz großen Durchbruch schafft? Oder sollte der HSV selbst interessiert sein, den Spieler teuer abzugeben. Gerade jetzt, wo man finanziell Probleme hat, würde ein solcher Millionendeal helfen.

Denkt man. Sollte man auch denken.

Dennoch befürchte ich, dass ein Millionentransfer nur zu (zu kleinen) Teilen wieder in die Mannschaft investiert würde. Dafür ist man in der Chefetage – auch wieder nur zu Teilen, wohlgemerkt – zu sehr auf eine schwarze null aus.

Dabei sind Investitionen in die Mannschaft zwingend nötig. In der Innenverteidigung fehlen zwei gute Spieler. Wie wichtig die sein können, haben jüngst Dante und Boateng gegen Barca bewiesen. Beide spielten bärenstark und gaben den Bayern trotz gerade 35 Prozent Ballbesitzes die Sicherheit, das Spiel zu gewinnen. „Wenn die Achse funktioniert, verlierst du selten“, hatte Fink vor kurzem gesagt – und er hat Recht. Aber zu einer wirklich top funktionierenden Achse fehlt (neben Westermann) mindestens ein richtig guter Innenverteidiger und eine IV-Alternative, dazu muss ein Badelj deutlich konstanter sein zweifellos vorhandenes Potenzial abrufen – ebenso wie Rafael van der Vaart. Und sollte Son verkauft werden bliebe „nur“ noch Rudnevs. Ergo: eigentlich auf allen Positionen der so wichtigen „Achse“ fehlt es beim HSV noch an Personal. Teilweise sogar doppelt. Dazu kommt, dass Dennis Diekmeier auf rechts hinten quasi konkurrenzlos ist. Auch hier ist Nachbesserung nötig.

Wobei sich – so fair sollten wir sein – ein Jacopo Sala empfehlen dürfen muss. Zum Beispiel am Sonntag. Da dürfte der Italiener erste Wahl sein als Diekmeier-Ersatz. „Er ist eine Option“, so Fink, der lediglich Zhi Gin Lam als weitere Option sieht. Bruma spielt – wie am Dienstag geschrieben – keine Rolle mehr.

Eine ganz wichtige Rolle für meine Abendplanung spielt – natürlich nur neben meinen Kindern und meiner Frau – heute das Spiel des BVB gegen Real Madrid. Und so sehr ich mich gestern für den Auftritt der Bayern (insbesondere für den von Müller!) begeistern konnte, sollte der BVB aus der Götze-Transfer-Bekanntgabe tatsächlich sichtbare Schäden davontragen – ich würde die Bayern dafür verurteilen. Dass der Deal stattfindet und bekannt wurde ist das Eine. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe aber ist das Andere. Der wirkt nicht zufällig. Im Gegenteil, da scheint sich der aktuell von Hoeneß-Geißelungen geplagte FCB einen Deal mit der Berichterstattung erhofft zu haben. Ergo: Gebt ihnen Götze, dann schreiben sie weniger über Hoeneß’ Steuerhinterziehung. Und das wäre nicht nur hochgradig unsportlich sondern auch für den deutschen Fußball schädlich.

In diesem Sinne, ich hoffe, dass der BVB seinen Leistungen im bisherigen Wettbewerb ein weiteres Husarenstück folgen lässt und Real Madrid aus dem Westfalenstadion geschossen wird. So, wie Barca in München. Am besten mit jeweils zwei Treffern von Lewandowski und Götze.

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Dieter wird Euch davon sowie von der Presserunde mit unserem neuen Kapitän Rafael van der Vaart berichten.

Scholle

Adlers Appell für Neuer: “Er hat keine Häme verdient”

28. März 2013

Es war nicht viel drin. Der eine oder andere Nationalspieler war noch sichtlich müde, andere wurden geschont. Nicht so René Adler. Der Torhüter wirkte ausgeruht – wobei das ja fast logisch ist, immerhin musste er auch nicht spielen. Dennoch wirkte Adler verändert – im positiven Sinn. „Die Zeit bei der Nationalelf genieße ich jedes Mal“, so der Keeper, der sich binnen kürzester Zeit sensationell zur Nummer zwei hochgearbeitet hat – und von nicht wenigen schon für die eigentliche Nummer eins gehalten wird. Eine Diskussion, die Adler freut. Immerhin ehrt es ihn für seine hervorragenden Leistungen beim HSV. Dennoch ist der HSV-Keeper auch in dem Moment der Freude ein astreiner Sportsmann. Den verhängnisvollen Patzer von seinem direkten Konkurrenten in der Nationalelf jedenfalls hat ihn nicht gefreut. Im Gegenteil, insbesondere die unfairen Reaktionen des Nürnberger Publikums, das folgend fast jeden Ballkontakt Neuers hämisch bejubelte, missfiel Adler, der für seinen Konkurrenten in die Bresche spring: „Wir haben gegen Kasachstan ein gutes Spiel gemacht. Die haben verteidigt wie beim Handball. Da friert man als Torwart schon mal ein. Zumal so ein Fehler immer mal passieren kann. Ich empfinde absolut gar keine Schadenfreude, zumal ich weiß, wie schnell ich in einer solchen Situation sein kann. Aber entscheidend ist für mich: Wir spielen beide in einer Mannschaft. Und eigentlich zähle ich immer das heimische Publikum dazu.“

Dass er insgeheim hofft, bei der WM 2014 als Nummer eins im Tor zu stehen – selbstverständlich für Adler. „Ich bin aber auch realistisch und kenne meine Rolle. Manu und ich pushen uns im Training und haben als Sportler klare Ziele. Dadurch geben wir beide Vollgas und profitieren voneinander, weil uns jede Einheit weiterbringt.“ Wenn er sein Ziel also erreicht, in Brasilien als Nummer eins aufzulaufen, dann wolle er das ohne Schadenfreude und mit sportlich fairen Mitteln. Ausschließlich.

Und das ist gut so. Zumal ich glaube, dass Adler eine gute Chance hat. Ob es für ihn ein besonderes Duelle in München sei, weil er als Nummer zwei im DFB-Kasten gegen die amtierende Nummer eins spielt? „Ich freue mich, darauf, nach der Pause wieder zu spielen, daraus ziehe ich meine Motivation. Ob es nun Nummer eins gegen Nummer zwei ist oder peng – das interessiert mich nicht, das motiviert mich nicht zusätzlich.“ Er sei auch so heiß genug.

Dennoch, um noch mal kurz auf die Pfiffe gegen Neuer einzugehen: ich finde, das ist eine Unart. Wobei Adler einen wichtigen Satz hatte, der mich aufhorchen ließ: „Wenn man Neuer sieht und was er für Deutschlands Nationalmannschaft in den letzten Jahren für großartige Leistungen abgeliefert hat, dann kann kein normaler Fan so reagieren.“ Und das stimmt. Das Gleiche hatten wir in Hamburg mit Heiko Westermann, der trotz vorbildlichen Einsatzes eine Zeitlang bitter vom Publikum für jeden Fehler abgestraft wurde. Diese Häme haben im Stadion nichts zu suchen. Da kommt man sich ja fast so vor, als sei man eine Zirkusattraktion, und man müsse immer aufs Neue einfach nur abliefern. Und den Leuten gefällt’s mal mehr, mal weniger. “ Womit Adler nicht ganz Unrecht hat. „Wir haben die Messlatte selbst sehr hoch gehängt“, sagt der Keeper – und meint damit wieder nicht den HSV sondern die Nationalelf, „trotzdem spielen wir für Deutschland und geben alles. Da sollte man statt Häme Unterstützung erwarten dürfen.“ Recht hat er.

Und vor allem hat er es auch gar nicht nötig, auf Neuers Patzer zu hoffen oder sich gar darüber zu freuen. Adler hat allemal das Potenzial, sportlich unverzichtbar für Löw zu werden. Das erging Neuer einst andersrum, als er den verletzten Adler ersetzte, sich dessen Nummer eins sicherte und sich seither als einer der besten Torhüter der Welt präsentierte. Daher, so gern ich Adler wieder als Nummer eins im DFB-Tor sehen würde, ich fühle mich als Fan der Deutschen Nationalmannschaft von Neuer auf der Torwartposition hervorragend vertreten. Meine Unterstützung hat. Genauso wie Adler, der vielleicht einfach nur ein wenig warten muss.

Bedingungslose Unterstützung wird der HSV am Sonnabendabend auch von Seiten der Dortmunder Fans haben. Die müssen gegen Stuttgart vorlegen und punkten – ansonsten könnte der FC Bayern gegen den HSV den Meistertitel perfekt machen. Das war unter der Woche Thema – und ist es für Adler nicht. „Ich schaue doch nicht darauf, ob die Meister werden können oder nicht. Ich konzentriere mich in dem Moment, in dem ich auf den Platz gehe, nur auf das eine Spiel. Und das will ich gewinnen. Auch in München.“ Wie das gelingen kann? „Auf jeden fall nur, wenn alle Spieler von uns ihr Optimum abrufen können. Sollten die Bayern das im selben Moment auch können, hätten sie individuell ganz sicher immer noch mehr Qualität.“ Allerdings, was sich geschrieben wieder etwas kleinlaut liest, meint Adler anders. Adler will nicht die Münchner Übermacht hervorheben, sondern realistisch die Situation einschätzen – ohne den Glauben an einen Sieg oder einfachen Punktgewinn aufzugeben. „Es ist nicht unser Ziel, nur gut zu spielen oder ein Unentschieden mitzunehmen. Nein, wir wollen da gewinnen. Aber dafür muss allen klar sein, dass jedes Tausendstel Prozent weniger das Vorhaben scheitern lassen würde. Deshalb betone ich das.“

Und auch hier gilt für mich: Gut so.

Manchmal fragt man sich bei Adler, ob er eine Rolle spielt oder wirklich so ist. Immerhin habe ich in seiner Zeit beim HSV bislang noch keinen Kommentar gehört, der sein Ziel verfehlte oder unüberlegt war. Und das, obwohl Adler durchaus deutlich seine Meinung vertritt. Auch in Sachen Zielsetzung hatte er es Rafael van der Vaart gleichgetan und die Europa League als Ziel ausgerufen, obwohl Trainer Thorsten Fink das nicht allzu gern hört. „Es ist noch immer unser Ziel“, sagt Adler und fügt hinzu: „Aber die Leute, insbesondere die Presse, darf unsere Zielsetzung, unseren Willen nicht gleich mit einem versprechen gleichsetzen. Aber es ist für uns als Mannschaft einfach gut, ein Ziel zu haben.“ Und das haben sie. Zuerst in München punkten und in der Endabrechnung auf einem internationalen Startplatz landen. Wenn man ein Ziel hat, darf man nicht zu feige sein, es auszusprechen. So oder so ähnlich hat es ein berühmter Fußballer kürzlich sehr trefflich formuliert.

Treffend die Startelf vorhersagen kann ich noch nicht – ich kann nur spekulieren. Im Training heute, das fast eine Stunde im Kabinentrakt stattfand, war logischerweise noch nichts zu erkennen. Aber das soll sich morgen ändern. Bis dahin will sich Fink einen Überblick verschafft haben, wer wie fit ist und spielen kann. Und das Ergebnis wird es im nicht öffentlichen Training am Freitag geben. „Da wird man sehen können, wie wir spielen“, so Fink. Und davon wird Euch Dieter sicher morgen nach dem Abschlusstraining mehr berichten können.

Apropos Dieter: Der arme wird jetzt knapp zwei Wochen am Stück durcharbeiten müssen, weil ich kommende Woche für fünf Tage weg bin. Meine bis dahin letzte Amtshandlung wird die „Matz ab live“-Sendung am Sonnabend im Block House Eidelstedt sein. Dort werden sich hoffentlich wieder zahlreich Blogger einfinden und mit uns zusammen den Coup in Bayern verfolgen. Und dort wird – passend zum heutigen Torwart-Blog – Sven Neuhaus nebst Andreas Fischer zu Gast sein. Ich freue mich darauf.

In diesem Sine, bis Sonnabend!

Scholle

P.S.: Auf www.hsv.de steht ein nettes Interview mit dem Ex-HSVer Jerome Boateng. Nur so als Tipp…

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