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Son wird wohl gehen – nur: wer ersetzt ihn?

5. Juni 2013

Oha, das werden einige anstrengende Tage in dieser Sommerpause. So wie heute, wenn beim HSV wirklich nicht viel passiert. Denn Oliver Kreuzer werkelt offenbar auch tatsächlich noch nicht am Kader und der Rest macht Urlaub. Bis Montag. Dann geht es wieder los und das Transferkarussell dreht sich wieder – auch mit dem HSV.

Zumindest ist für Montag ein erstes Treffen des neuen Sportchefs mit dem wohl entscheidenden Spieler vorgesehen: Heung Min Son. Obwohl, besser gesagt: nicht mit Son selbst, dafür aber mit dessen Berater Thies Bliemeister. Und dieses Treffen soll weniger den Inhalt haben, Son zum Bleiben zu überreden denn vielmehr wirtschaftlichen Nutzen und sportliche Bedeutung anhand der bis dahin eingegangenen Angebote abzuwägen. Bislang sind beim HSV keine offiziellen Anfragen eingegangen geschweige denn bearbeitet worden. Aber sie werden erwartet.

Es wird sogar einiges erwartet. Nachdem aus England zumindest Liverpool wohl kein Interesse mehr an Son zu haben scheint, ist von der Insel nur noch Tottenham in der Verlosung. Deren Angebot ist das finanziell für Son reizvollste. Allerdings belegt ein simpler Fakt, dass es weder Son noch Bliemeister in erster Linie ums Geld geht. Vom FC Liverpool bekam der Berater das Angebot, Son möge seinen Vertrag in Hamburg auslaufen lassen und dann in der kommenden Saison zum FC wechseln. Für den Fall wäre der Südkoreaner ablösefrei und würde die Engländer eine hohe Ablösesumme ersparen. Das Perfide – wenn auch allemal nicht unnormale in diesem Geschäft: Die Engländer sollen Bliemeister, der sich dazu nicht äußern will, ein Handgeld von fünf Millionen Euro geboten haben. Ebenso Son. Wobei Spieler und Berater an sich bei fast jedem Wechsel mit einer “finanziellen Zusatzmotivation“ rechnen können. Nur eben nicht in der Höhe.

Allerdings: Bliemeister, dessen Familie sehr eng mit der Familie Son befreundet ist, lehnte ab. Dem Berater, den Frank Arnesen mal als „einen super Jungen mit großem Verantwortungsbewusstsein“ lobpreiste, ist der nächste Schritt seines Schützlings wichtig. Dass der Wolfsburg heißen könnte, mochte Bliemeister heute weder bestätigen noch dementieren. Klar ist aber, dass die in meinen Augen glanzloseste Mannschaft der Bundesliga – neben Hoffenheim – durch Dieter Hecking als Trainer und Klaus Allofs als Manager eine gehörige Portion aufgewertet wurde. Und dass dort finanziell das Potenzial zur Spitzenmannschaft vorhanden ist, ist auch klar. Allerdings würde ich in diesem Zusammenhang nur schwer verstehen können, wenn sich Son für den VfL und somit gegen Bayer Leverkusen und die mit der Werkself verbundene Champions League entscheidet. Sollte die Wahl tatsächlich am Ende zwischen Bayer und VW fallen – ich wüsste, wohin ich wechseln würde.

Profitieren will davon der HSV mit einer saftigen Ablösesumme. Zwischen zehn und 15 Millionen Euro soll Son wert sein. Geld, das sofort in den Kader gesteckt werden sollte. Allerdings, nicht für eine Ablösesumme für Eren Derdiyok. Schon gar nicht für vier Millionen, wobei ich das eh ausschließen würde, wenn ich Kreuzers grundsätzliche Ausrichtung richtig verstanden habe. Der wollte auch einen Drobny halten – aber nicht für rund eine Million Euro. Weil das zu teuer wäre.

Ebenso Derdiyok. Das Interesse an dem Schweizer ist bereits seit Anfang Mai bekannt. Obwohl der zuletzt teilweise verletzungsbedingt, teilweise ob des Trainers Entscheidung bedingt nicht zum Zuge kam. Dem Vernehmen nach ist der Schweizer in Hoffenheim nicht glücklich und die Verantwortlichen mit ihm ebenso wenig. Da bietet sich ein HSV-Interesse an. Zum einen, weil der 24-Jährige mit 191 Zentimetern Länge und technisch besten Voraussetzungen dem Idealbild Finks ähnelt. „Der spricht zwar immer wieder von einem „Stoßstürmer“, den er suchen würde, meint damit aber einen Mittelstürmer, der groß, kräftig, kopfballstark und vor allem gut am Ball ist. Bis auf das Letzte findet er alle Attribute in Artjioms Rudnevs. Und noch einen Stürmer wie den Letten – wo sollte der spielen? Nein, der HSV braucht und sucht nach einem spielerisch guten Sturm-Hünen. Derdiyok wäre eine gute Idee, wie ich glaube. Nur nicht für vier Millionen Euro. Zumal nicht, weil man schon mit der Personalie des Sportchefs unnötig hohe Kosten hatte.

Einer, der in die Fußstapfen Sons treten soll, ist Maximilian Beister. Beister gilt intern als erste Alternative für Son – zumindest aus den eigenen Reihen. Fraglich ist nur, wie Beister mit dem dadurch entstehenden Druck auf seine Person umgehen kann. Schon vor der abgelaufenen Saison hatten hier viele Blogger, Dieter, ich und auch innerhalb des Vereines etliche davor gewarnt, den Hype um Beisters Rückkehr zu übertreiben. Letztlich aber, den Saisonverlauf als Grundlage nehmend, muss man eingestehen: Beister kam damit nicht klar. Er maulte im Training, überreagierte im Spiel und zeigte wenige gute Auftritte. Dennoch glaubt HSV-Idol und U18-DFB-Trainer Horst Hrubesch daran, dass Beister Son ersetzen kann. Vor allem, weil er den Südkoreaner nicht für den „Überspieler“ hält, der beim HSV unersetzbar wäre. „Hat Son denn eine überragende Saison gespielt? Ich habe ihn zumindest nicht oft wirklich stark in Erinnerung. Beister selbst mag ich gar nicht vorschnell beurteilen, dafür habe ich ihn viel zu selten spielen gesehen“, so Hrubesch, der bei angemessener Ablösesumme Verständnis für einen Verkauf des besten Hamburger Torschützen hätte.

Auch ich glaube daran. Allerdings setze ich voraus, dass sich bei Beister ein Umdenk- und Reifeprozess einsetzt.

Apropos, auch ich muss mich zügeln – in meiner Vorfreude auf Hakan Calhanoglu. Oliver Kreuzer hatte sich gestern ebenfalls euphorisch geäußert – für den einen oder anderen auch zu euphorisch. Für mich gestern nicht. Heute aber muss ich relativieren: Alles, was gesagt wurde, kann und soll eintreffen. Aber es darf nicht die grundsätzliche Erwartung sein. Ansonsten laufen wir Gefahr, uns ein Juwel durch verfrühten Erwartungsdruck unnötig kaputt zu machen.

Wobei mich Fink hoffen lässt. Der urlaubende Chefcoach hatte mir Mitte der Rückrunde in einem längeren Gespräch mal über Calhanoglus Verpflichtung erzählt: „Hakan ist ein Juwel, das Zeit braucht.“ Daher habe man sich auch entschieden, den Deutsch-Türken nicht sofort nach Hamburg zu holen und stattdessen mit Rafael van der Vaart die zentrale Position zu besetzen. „Und das werden wir auch in der kommenden Saison nicht anders machen. Hakan hat allemal das Zeug dazu, irgendwann Rafael zu beerben – aber wir brechen nichts über den Zaun.“ Gut so. Aber angesichts der finanziellen Situation dürfte es zur neuen Saison nicht mehr allzu viele Hochkaräter geben – und je weniger davon kommen bzw. da sind, desto mehr Hoffnung liegt auf Calhanoglu. Fink dazu: „Egal, was passiert, Hakan ist eine Investition in die Zukunft und wird reifen. Reifen dürfen.“ Und glaubt man Kreuzer, den Calhanoglu nach eigener Aussage sehr viel zu verdanken hat (Interview auf www.hsv.de). Calhanoglu über Kreuzers Engagement in Hamburg: “Für mich ist das klasse, weil ich mich gut mit ihm verstanden habe. Ich habe ihm viel zu verdanken. Er hat damals, als ich noch in der U19 gespielt habe, dafür gesorgt, dass ich mit ins Trainingslager der Profis durfte. Auch danach hat er sich häufig die Zeit genommen, mit mir über Spielsituationen zu sprechen. Er hat mir dann erklärt, wie ich etwas hätte besser lösen können und mir Tipps gegeben.“

Hoffen wir, dass Calhanoglu und Kreuzer ihre letzte erfolgreiche Phase mit nach Hamburg hochgebracht haben und fortführen. Aber vor allem hoffe ich, dass Calhanoglu sich seine Zeit nimmt, um zu wachsen. Denn dann, da wette ich drauf, wird Calhanoglu eine Vollgranate….

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit Dieter. Ich melde mich am Freitag wieder und werde versuchen, die Ausgliederungspläne etwas näher zu erläutern.

Scholle

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