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Arnesen: “Slomka will Kacar unbedingt” – Fink überlegt, Beister spielen zu lassen

10. Mai 2013

So dick ist er wirklich nicht, Trainer Thorsten Fink. Im Gegenteil. Dennoch glaubt er, er habe gerade eine Menge Gefühl in seinem Bauch. Gefühl für die richtige Aufstellung, und vor allem: das richtige Gefühl für den ach so unumgänglich notwendigen Sieg in Hoffenheim, der den Traum von der Europa League ein wenig weiterköcheln lassen könnte. Sofern Freiburg und/oder Frankfurt patzen. Wie sich die Mannschaft über die Spielstände in den anderen Stadien informiert? „Gar nicht“, so Fin, „wir haben eh keine Wahl und müssen uns auf uns konzentrieren.“ Dennoch, sollte der eigene Spielstand einen gewissen Motivationsanschub benötigen, würde er im entsprechenden Fall über die Ergebnisse der anderen Spiele (Freiburg in Fürth und Frankfurt in Bremen) berichten. „Wenn’s helfen kann, klar. Ansonsten sind wir gut beraten, uns auf unser Spiel zu konzentrieren.“

Und das könnte Veränderungen erfahren. Nachdem Artjoms Rudnevs zuletzt Ladehemmung hatte, könnte er durch Maximilian Beister ersetzt werden, während Heung Min Son mit großer Wahrscheinlichkeit auf der rechten Außenbahn bleibt. Wetten würde ich allerdings nicht auf diesen Wechsel, auch wenn Beister im Abschlussspiel häufiger traf als Rudnevs – immerhin blieb der Lette bei null Treffern.

Die Aussagekraft von Trainingseinheiten ist zudem hinlänglich bekannt. Genau zweimal empfanden Trainer Thorsten Fink und/oder Spieler die Trainingswoche als zu schwach – ansonsten stimmte die Einstellung stets. Herausgekommen sind dabei 45 Punkte in 32 Spielen. Keine atemberaubende Ausbeute. „Es müssen sechs dazukommen, wenn wir uns die Chance erhalten wollen“, sagt Frank Arnesen. Der Sportchef war heute mal wieder Trainingsgast und nahm sich anschließend noch Zeit für ein Gespräch mit Matz ab. Ob sich seine Arbeit massiv verändert, wenn der HSV das Unmögliche noch erreicht und in der kommenden Saison international spielt? „Finanziell nicht so sehr“, sagt der Däne, „aber emotional ist es nicht unwichtig. Es gibt schon Spieler, bei denen ein internationaler Wettbewerb den Unterschied machen kann.“ Zumal dann, wenn andere Vereine selbigen zu bieten haben.

Im Gegensatz zu den Schilderungen meiner Kollegen aus den letzten Wochen war Arnesen heute richtig entspannt. Er antwortete auf fast alle Fragen. Einzig die nach Bojan Krkic wollte er nicht näher beantworten. Klar ist aber, dass er zusammen mit Fink in Mailand war und mit Krkic sowie dessen Berater gesprochen hat. Zudem kennt er den Spanier mit doppelter Staatsbürgerschaft – er ist auch Serbe – schon seit dessen früherer Jugend. „Das stimmt“, so Arnesen auf meine Frage, ob er Krkic tatsächlich seit dessen 15. Lebensjahr auf dem Wunschzettel hat. „Ich kennen ihn seitdem, werde aber jetzt nichts weiter zu ihm sagen, weil er nicht hier ist. Es macht auch keinen Sinn, jetzt über Namen zu spekulieren.“

Und obwohl ich das in den letzten Jahren immer genau so gesehen hätte – diesmal ist es anders. Denn ich glaube sehr wohl, dass es ein sehr gutes Zeichen sein könnte. Zuletzt war immer nur zu hören, dass der HSV finanziell nichts machen könne. Das ist vielleicht realistisch – aber die trüben Aussichten schrecken auch gute Spieler ab, die ambitioniert sind. Allein die Tatsache, dass der HSV bei der Suche nach Neuen sehr wohl in die oberen Regale greifen will, dürfte ein gutes Signal sein für andere Spieler, die der HSV gern hätte.

Aber okay, Fakt ist, da beißt die Maus keinen Faden ab, es müssen Spieler verkauft werden. Das wissen alle, das kann keiner mehr leugnen. Und der erste Spieler dürfte schon sehr bald verkauft werden: Gojko Kacar. Zumindest gibt es nach dem Winter auch jetzt wieder ernsthaftes Interesse der Niedersachsen an dem Defensivallrounder. Insbesondere Hannovers Trainer Mirko Slomka scheint sehr angetan von Kacar. „Slomka will ihn scheinbar unbedingt“, sagt Arnesen, der in Sachen Ablösesumme keine Kompromisse eingehen will. Rund zwei Millionen Euro ruft der HSV für den 26 Jahre alten Serben auf, der Spieler selbst will rund 1,5 Millionen Euro verdienen. „Letztes Mal war es weniger der Spieler als sein Umfeld, woran es gescheitert ist“, erzählt Arnesen – und ich lasse das so stehen.

Nicht minder wahrscheinlich ist inzwischen der Abgang von Heung Min Son. Das sagt mir mein Bauchgefühl. Ob er geht? „Es gibt Interessenten“, sagt Arnesen und nennt die zwei Hauptverdächtigen: Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund, wobei er bislang persönlich nur Kontakt zu Tottenhams Boss Daniel Levy hatte. „Es gibt noch keine offizielle Anfrage aus Dortmund“, so Arnesen, der allerdings von Sons Berater Thies Bliemeister über das Interesse des Champions-League-Finalisten informiert wurde. „Die beiden Klubs scheinen am hartnäckigsten zu sein“, so Arnesen, der damit zu rechnen scheint, Son zu verkaufen.

Es wäre aus meiner Sicht eh das Beste. Nicht, weil ich Son nicht schätze – im Gegenteil: der Südkoreaner hat riesiges Potenzial und kann dem HSV sicherlich weiterhelfen. So, wie er es in dieser Saison mit seinen elf Treffern bereits gemacht hat. Aber, und das ist für mich entscheidender, er stagniert in den Punkten, die ihm lange vorgeworfen werden: seinem Defensivverhalten. Da lässt er den Kopf inzwischen das eine oder andere Mal oben, okay. Aber Defensivzweikämpfe verliert er ebenso ohne Gegenwehr wie Offensivzweikämpfe, wenn sein Gegner an hm dran ist. Dann gibt’s ’nen kleinen Rempler und Son kommt aus dem Tritt. Aber vor allem geht es hierbei um Geld, und zwar um viel Geld. Rund zehn Millionen Euro stehen auf dem Plan und dürften am Ende zu rund 15 Millionen anwachsen, wenn sich Tottenham und der BVB tatsächlich weiter beide um Son bemühen. Und diese Millionen bracht der HSV, um nachzurüsten. Soll heißen: aus einem (Son) mach zwei, drei, vier Verstärkungen. Krkic inklusive, wobei ich ehrlicherweise an dessen Eignung zweifle. Wenn einer reichsten Klubs der Welt, der AC Mailand, nicht bereits ist, 13 Millionen zu zahlen, Barcelona seinen Angreifer trotz der jungen Jahre aber abgeben will und der sich im Profibereich nirgendwo richtig durchsetzen konnte, dann ist das ganz sicher kein Selbstgänger. Den wiederum sollte der HSV bei einer angedachten Investition um die zehn Millionen Euro holen. Flops in dem Ablösebereich kann sich der HSV – im Gegensatz zu Milan, Barca oder auch Bayern und Dortmund nicht erlauben. Da braucht der HSV die berühmten „besseren Augen“, die Fink bei der Auswahl Neuer angekündigt hatte. „Wir werden alles genau abstimmen und Risiken minimieren“, hatte Fink angekündigt – und Arnesen bestätigt: „Wir haben eine längere Liste interessanter Spieler, über die wir uns unterhalten werden. Dabei sind auch Namen, die man uns nicht sofort zutraut, wir greifen auch nach dem Unmöglichen. Das muss sein.“ Ansonsten hätte man nicht alles versucht…

Klingt gut,

Alles versucht hatten auch Dieter und ich, um Holger Hieronymus zu uns in die Matz-ab-Live-Sendung zu bekommen – und jetzt hat es geklappt. Morgen ist der ehemalige HSV-Abwehrchef, -Interimstrainer, -Sportchef und ehemalige DFL-Geschäftsführer im Block House Eidelstedt zu Gast. Und ich freue mich auf ein sehr interessantes, kurzweiliges Gespräch. Ebenso wie auf den ersten Sieg in Hoffenheim für den HSV.

In diesem Sinne, Daumen drücken, Augen zu – und durch. Wenn es am Ende die Europa League wird – umso schöner.

Bis morgen.

Scholle

Fink sagte heute, er würde auch noch überlegen, ob er zentral mit Aogo oder Rincon beginnt. Ich lege mich einfach mal fest, so könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Jansen – Rincon, Badelj – Son, van der Vaart, Jiracek – Rudnevs.

Rhythmuswechsel für das schier Unmögliche

8. Mai 2013

Was’n Tag! Sommerwetter, und dann noch eine XXL-Trainingseinheit. Sagt der Trainer. Und er hat Recht, denn mit gut 110 Minuten war es eine der längsten Einheiten der Rückrunde. Allerdings auch nur, weil morgen frei ist. Der Vatertag gehört den Spielern und den Trainern. Und diese Maßnahme sorgt für mächtig Verwirrung.

Wie kann man nur zwei Tage vor einem solch wichtigen Spiel frei machen?

Eine Frage, die Thorsten Fink mit einem von ihm gewünschten „Rhythmuswechsel“ beantwortet. Und wer auch immer sich hier jetzt echauffiert und schreit, dass das alles gar nicht mehr wahr sein kann, dem sei gesagt: es kann! Denn auf den letzten Metern der Saison holt und verliert ein Spieler durch einen Tag Pause keine Fitness. Ganz sicher nicht. Einzig der psychologische Faktor ist diskutabel. Und ob der gut ist oder nicht, das entscheidet sich mit dem Ergebnis in Hoffenheim. Ergo: abwarten.

Abzuwarten bleibt auch, wer aufläuft. Heute im Trainingsspiel mischte Fink bunt durcheinander. Wobei Gojko Kacar fehlte. Der Serbe hatte sich am Dienstag das Knie überstreckt und pausierte heute. „Er hatte in der Nacht eine Reaktion und ist vorsorglich zum Arzt“, so Fink. Eine endgültige Diagnose hatte ich bis jetzt noch nicht, liefere diese aber natürlich nach, sobald sie da ist.

Relativ klar scheint, dass Kacar an sich nicht mehr lange da ist. Nachdem Hannover 96 im Winter Interesse bekundet hatte und der Wechsel überraschend platzte, soll es jetzt etwas werden. Dem Vernehmen nach fordert der HSV knapp zwei Millionen Euro Ablösesumme – die Niedersachsen scheinen dennoch interessiert.

Kacar wäre damit der erste einer ganz langen Reihe von Spielern, die den verein verlassen (sollen). Am Dienstag hatte ich im Abendblatt die Liste veröffentlicht, und zu dieser gesellt sich mit immer größer werdender Wahrscheinlichkeit auch Heung Min Son. Der Südkoreaner hatte dem Verein mitgeteilt, bzw. mitteilen lassen, dass er die sportliche Entwicklung abwarten wollte und dass der internationale Wettbewerb eine gewichtige Rolle spielen würde. Und ob das etwas wird oder nicht, wissen alle in zehn Tagen. Bis dahin will sich der Torjäger mit Ladehemmung entschieden haben. Vieles deutet daraufhin, dass sich Ligakonkurrent Borussia Dortmund die Dienste Sons sichern kann. Der BVB hatte bereits vor einigen Monaten bei Son-Berater Thies Bliemeister angefragt und hat jetzt durch das Erreichen der Champions League das nötige Kleingeld in der Tasche. „Es gibt noch nichts Neues“, sagt Bliemeister, der Verhandlungen mit dem BVB aber dementiert. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass da Verhandlungen laufen.“ Und er sollte es wissen. Dennoch deutet der Berater sehr wohl an, dass es sehr bald eine Entscheidung geben dürfte. Und das ist gut so.

Angesichts der aktuellen Finanzlage hoffe ich, dass dem HSV noch ein Millionenangebot ins Haus flattert. NDR 90,3 hatte heute erneut von dem drohenden Rekordminus berichtet. In der Agenturmeldung heißt es:

„Die wirtschaftliche Lage des Hamburger SV ist möglicherweise noch deutlich prekärer als erwartet. Nach Informationen des Radiosenders NDR 90,3 aus Kreisen des Fußball-Clubs steuert der HSV im laufenden Geschäftsjahr auf den Rekordverlust von24 Millionen Euro zu. Bisher war ein Minus von rund 15 Millionen Euro erwartet worden. „Ich weiß nicht, wo das herkommt und werde irgendwelche Zahlen, die in die Welt gesetzt wurden, nicht weiter kommentieren“, sagte Clubchef Carl Edgar Jarchow….
….Allerdings geht auch der Vorstandsvorsitzende schon länger von einem „Minus im zweistelligen Millionenbereich“ aus. Fest steht, dass der HSV nach Defiziten von 4,9 (2010/11) und 6,6 Millionen Euro (2011/12) zum dritten Mal in Serie ein Geschäftsjahr tief in den Miesen beenden wird. Dass der Traditionsclub die Lizenz für die nächste Saison dennoch ohne Auflagen erhalten hat, ist seiner Liquidität zu verdanken. Denn zum Nachweis seiner Zahlungsfähigkeit stehen dem Club allein aus einer im Vorjahr erzielten Fan-Anleihe 17,5 Millionen Euro zur Verfügung.“

Umso wichtiger werden aktuell Spielerverkäufe. Entweder die acht, neun Streichkandidaten werden Geld bringend verkauft – oder die Son-Millionen müssen es richten. Denn dieser HSV braucht noch Verstärkungen. In allen Mannschaftsteilen – die Torwartposition mal ausgenommen. Und dafür wird Geld benötigt, auch wenn Fink sagt: „Es geht auch ohne viel Geld. Wir müssen nur einfach ein gutes Auge haben.“

Aber schon die Streichliste zeigt, dass der HSV damit seine Probleme hat. Wenn ich überlege, dass mit Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Jeffrey Bruma und Jacopo Sala gleich vier Chelsea-Transfers verkauft oder wieder abgegeben werden sollen – Frank Arnesen wird eine Menge zu erklären haben, nachdem der fünfte Mann vom FC Chelsea, Gökhan Töre (allerdings gewinnbringend) bereits verkauft ist. „Wir werden uns zeitnah nach Saisonende hinsetzen und die Saison analysieren“, kündigt Vorstandsboss Carl Jarchow an. Ginge es nach Fink, könnte dieses Treffen schon früher stattfinden. Und sein Kompagnon in Sachen Kaderplanung stimmt zu: „Wir sind ständig im Gespräch und wissen, dass wir immer bereit sein müssen. Der Transfermarkt bewegt sich dieses Mal schon deutlich früher als in den letzten Jahren.“ Verantwortlich dafür war unter anderen der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern – der ja auch unmittelbare Auswirkungen auf den HSV haben könnte. Stichwort: Son…

Dass es heute widersprüchliche Meinungen zum Thema Bojan Krkic gibt, wundert mich nicht. Aber es lässt mich befürchten, dass dem HSV ein altbekanntes Problem bevorsteht: Uneinigkeit. Schon bei der letztjährigen Kaderplanung hatten Fink und Arnesen bei der Spielerauswahl teilweise unvereinbar unterschiedliche Meinungen. Zudem hatten Arnesen und Jarchow unterschiedliche Vorstellung, die Investitionssumme betreffend. Erst die Intervention Kühnes in Sachen Rafael van der Vaart und der misslungene Saisonstart brachen den Damm und der HSV investierte. „Natürlich gibt es auch mal unterschiedliche Ansichten“, sagt Fink, „aber letztlich machen wir das zusammen. Immerhin muss ich mich an dem Erfolg der Mannschaft ja auch messen lassen.“ Ebenso wie Arnesen, dessen Vertrag im Herbst, also nach der Kaderzusammenstellung für die neue Saison, besprochen werden soll.

Momentan deutet vieles daraufhin, dass der mit 1,8 Millionen Euro teuerste Sportchef-Vertrag der HSV-Geschichte nicht verlängert wird. Dem Dänen werden nicht allein eine falsche Spielerauswahl vorgeworfen. Immerhin setzte er sich bei Adler gegen alle Widerstände durch. Arnesen wird auch vorgehalten, im Winter sein Ziel, Spieler zu verkaufen, verpasst zu haben. „Im Sommer hat er die Möglichkeit, seine Kritiker Lügen zu strafen“, sagt ein Aufsichtsrat – allein ihm fehle der Glaube daran.

Der fehlt mir noch nicht. Ich will ihn einfach haben und gehe die Sache aus Prinzip schon optimistisch an. Wie bei der Tipprunde, in der der HSV bei mir seit 2003 nicht einen Punkt abgegeben hat. Ich hoffe einfach, dass Arnesen im Sommer nicht nur viele Spieler absetzen sondern auch qualitativ hochwertige dazugewinnen kann. Für ihn, für die Mannschaft, für den Verein – und vor allem für die Fans. Die dürfen sich übrigens darüber freuen, dass Dennis Aogo seine Kapselbeschwerden ausgestanden hat und ebenso wie Marcell Jansen wieder voll zur Verfügung steht. Lediglich Ivo Ilicevic musste heute passen. „Er hat leichte muskuläre Probleme“, so Fink, der einen Einsatz des Kroaten nicht ausschließen will.

In diesem Sinne, bleibt gesund, genießt den Vatertag und drückt die Daumen, dass das nahezu Unmögliche doch noch möglich wird…

Scholle

P.S.: Großen Respekt habe ich vor Sir Alex Ferguson, der nach 27 Jahren als Trainer von Manchester United zurücktritt. Der 71-Jährige ist mit 13 englischen Meistertiteln, fünf Pokalerfolgen und zwei Champions-League-Titeln der erfolgreichste Fußballtrainer Großbritanniens.

Son und Dortmund – läuft da was?

21. Februar 2013

Oha, die Verbindung Son und Dortmund nimmt ja tatsächlich Fahrt auf. Und das, obwohl ich mir gerade heute noch einmal aus berufenem Munde beim HSV habe sagen lassen, dass eine Vertragsverlängerung in Hamburg schon sehr wahrscheinlich ist. Dennoch, ich bekam heute einen interessanten Anruf aus Westfalen. Ein Kollege war dran und bat mich um Hilfe, eine Rufnummer betreffend. Und während wir uns grundsätzlich über Fußball, den HSV (er ist HSV-Fan) unterhielten, kam er auf das Thema zu sprechen: Heung Min Son. Er habe gehört, dass auch in Hamburg die Konkurrenz aus Dortmund gefürchtet würde, nachdem Robert Lewandowski sich mit den Bayern geeinigt hatte. Zudem erzählte er mir, dass der Dortmunder Julian Schieber nach Lewandowski abgegeben werden soll und der BVB alle Initiative der Verpflichtung von Edin Dzeko stecken wollten.

So weit so bekannt.

Neu war mir allerdings, dass sich der BVB tatsächlich mit der Personalie Heung Min Son beschäftigt. Der Südkoreaner wäre flexibel einsetzbar und entspräche dem Anforderungsprofil von Trainer Jürgen Klopp, der durch den Verkauf Lewandowskis fast schon mehr Geld in der Kasse haben dürfte, als er ausgeben kann. Klar ist, dass ein Gehalt von zwei bis drei Millionen (so viel dürfte Son beim HSV geboten bekommen) per annum für den Meister kein Problem ist. Zumal nicht, weil Son mit Hanwha Solar und Kumho Tyres auch beim HSV Sponsoren mitgebracht hat, die Millionen in die Klubkassen spülen. „Mit Kagawa hat der Klub sportlich und wirtschaftlich beste Erfahrungen gemacht“, so mein Kollege, der sich zu diesem Thema länger auch mit BVB-Klubboss Hans Joachim Watzke unterhalten hat. „Watzke hat mir bestätigt, dass Son durchaus ein Thema für den BVB sei. Ich habe daraufhin bei Sons Berater Thies Bliemeister angerufen und ich habe ihn danach gefragt. Bliemeister sagte mir, dass es ihn nicht verwundere, dass es aber keinen persönlichen Kontakt diesbezügliche geben würde.“

Nun muss man dazu sagen, dass Bliemeister in Dortmund gut bekannt ist, weil er einst Ilkay Gündogan vertrat und für diesen sowohl beim HSV als auch beim BVB erste Verhandlungen führte, ehe sich Gündogan (so musste er weniger Provision zahlen) doch von seinem Vater vertreten ließ. Zudem ist festzustellen, dass sich Son in Hamburg sehr wohlfühlt und der HSV bereit ist, seinen Vertrag dramatisch anzuheben. Aber so ungern ich es sage – Son und Dortmund, das könnte passen… Insofern setze ich volles Vertrauen in Sportchef Frank Arnesen, den Vertrag mit dem Südkoreaner, der immer mehr Mängel abzustellen weiß, schnellstmöglich und langfristig zu verlängern.

Egal wie, am Sonnabend steht Son für den HSV auf dem Platz. Der umworbene Angreifer soll dabei helfen, dass der vierte Sieg im sechsten Rückrundenspiel eingefahren wird und mit Hannover ein weiterer Verfolger (nach Gladbach letzte Woche) auf Distanz gehalten wird. Immerhin will „Hannover auch….“, sagt Fink und unterbricht seinen zugegebenen Freud’schen Versprecher, „Hannover will in die Europa League. Sie wittern ihre Chance und haben eine starke Mannschaft.“ Ob noch mal so ein Spiel wie das in Dortmund erwartet werden kann? Fink schüttelt den Kopf. „Beim BVB war das ein riesiges Spiel, das kann man nicht so leicht wiederholen. Zumal 96 vorbereitet ist. Die wissen, dass wir auswärts keine Angst haben.“

Fürwahr. Van der Vaart gestern und Fink heute haben es richtig erkannt: dieser HSV hat sich den Respekt in der Liga erarbeitet. „Der HSV kommt gefestigt zu uns“, lobt Hannovers Trainer Mirko Slomka, der ansonsten noch mit dem heutigen Euro-League-Spiel gegen Anschi beschäftigt war. Ein Spiel, das sich Fink vor Ort ansehen wollte. „Es ist nicht weit weg und bietet sich an, live vor Ort die ein schönes Spiel anzuschauen, die Mannschaft zu beobachten und die Stimmung mitzuerleben“, so Fink, der zwar grundsätzlich keine Nachteile für die Niedersachsen ob des Spiels sieht. Allerdings sagte er heute auch: „Hannover ist offensiv stark, stark bei Kontern und spielt mittlerweile sehr gut Fußball. Sie können auch das Spiel machen. Hannover hat eine tolle Mannschaft, aber sie leiden auch unter der Doppelbelastung.“ Ernst gemeint oder nur ein kleines Psychospielchen? Ich glaube, es ist eher Letzteres…

Nicht immer ernst, weil gut aufgelegt, ist auch Per Skjelbred. Der Norweger ist frisch verheiratet, frisch zum Stammspieler aufgestiegen und nach langer Zeit beim HSV endlich richtig glücklich. „Es war schon eine schwierige Situation“, blickt der sympathische Mittelfeldmann kurz zurück, um gleich wieder den Blick nach vorn zu richten: „Im Moment ist alles gut. Aber das ist auch klar. Wenn du spielst, und das gut – dann kommt das Selbstvertrauen.“ Und davon hat der Kämpfertyp eine Menge gewinnen können. Zumal ihn Trainer Fink unter die ersten 14 Mann im Kader zählt. „Ich schaue nur von Woche zu Woche“, so Skjelbred, „aber klar ist, dass sich meine Familie in Hamburg sehr wohlfühlt. Meine Kinder und meine Frau sind sehr glücklich. Wie ich. Ich will in Hamburg bleiben.“

Und das will Fink auch – von Skjelbred. „Ich sehe das genauso“, sagt der Trainer auf den Wunsch des Norwegers angesprochen. Ob es überhaupt noch nötig sei, das vor einigen Monaten angekündigte Gespräch mit dem Norweger über dessen Zukunft in Hamburg zu führen? „Wir reden ja sowieso immer. Und wenn er was hat, kann er immer zu mir kommen. Aber ich muss ihn im Moment nicht ansprechen.“ Weil alles passt und nichts gegen einen Verbleib des Rechtsfußes spricht.

Arslan und Skjelbred – zwei Aufsteiger in einer Saison, die unpassenderweise auch noch um dieselbe Position konkurrieren. Zunächst hatte Arslan mit starken Leistungen die Nase vorn. Doch als er für einen Moment schwächelte, war Skjelbred da. Mehr noch: Schon bei Finks Umstellung vom 4-2-3-1-System auf Raute (4-4-2) erarbeitete sich Skjelbred seinen Platz im Team – damals mit Arslan im zentral-offensiven Mittelfeld. „Ich habe gegen Schalke meine Chance bekommen – und sie genutzt.“ Bis auf die Partie gegen Frankfurt, die 0:2 verloren ging, wirkte er seither immer mit. Und er weckte das Interesse in seiner Heimat. Ob der Nationaltrainer Norwegens ihn schon angerufen habe? „Nein“, sagt der Mittelfeldspieler, „aber ich habe gehört, dass er nach mir gefragt wurde. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal dabei sein darf.“ Verdient hätte er es.

Verdient haben wir uns alle den dritten großen Fußballabend in Folge. Heute natürlich mit einem besonderen Augenmerk auf Hannovers Rückspiel gegen Anschi. Ob ich mich freuen würde, wenn 96 viel Kraft lassen müsste, wurde ich gefragt. Und ich muss mich Finks Antwort auf dieselbe Frage anschließen: Ich freue mich am meisten, wenn Hannover gewinnt, in die nächste Runde einzieht und weitere Punkte für den DFB sammelt. Wer weiß, wann der HSV das nächste Mal auf den Uefa-Koeffizienten angewiesen ist…

In diesem Sinne, Euch allen viel Spaß heute Abend! Und bis morgen. Da wird leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

Kurz notiert:
Rene Adler, Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann trainierten heute problemfrei mit. Alle drei sind einsatzbereit für das Spiel in Hannover. Somit dürfte Adler Drobny ersetzen und ansonsten die Startelf aus dem Gladbach-Spiel beginnen.

Auf die Frage, ob der Nachname von Per Skjelbred als „Schellbrett“ oder wie geschrieben ausgesprochen wird, antwortete der Norweger völlig unberührt: „Eigentlich Schellbrett. Aber sche… drauf.“

Auf die Frage, was Fink von der Torkamera hält, antwortete der Coach diplomatisch: „Wenn man so noch besser sehen kann, dann ist das okay. Ich finde sie grundsätzlich gut. Ansonsten finde ich aber, sollte man nicht ständig alles hinterfragen. Es gehört doch dazu, dass die Leute nach den Spielen leidenschaftlich diskutieren können. Gerade diese Emotionen machen doch den Fußball aus.“ Recht hat er.

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