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Wird Tah jüngster HSV-Profi und van Marwijk neuer Trainer?

20. September 2013

Die Trainersuche wird vertagt. Statt neue Namen in den Ring zu werfen hat sich der HSV intern auf „fünf bis sechs“ (O-Ton Sportchef Oliver Kreuzer) Kandidaten verständigt, denen der HSV nahegelegt wurde und die sich jetzt ihrerseits Gedanken machen. „Wir würden uns freuen, wenn wir Mitte nächster Woche einen neuen Trainer gefunden haben“, sagt Kreuzer und deutet an, dass in den nächsten Stunden und Tagen eher nichts passiert. „Das Spiel steht jetzt im Vordergrund, nichts sonst“, so der Sportchef, der unter der Woche einen kleinen Disput mit Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart hatte und löste. „Wir sind ein bisschen lauter geworden“, sagt van der Vaart, „aber jetzt ist alles wieder gut.“ Ich glaube, wenn ich meinen Chef anschreien würde, hätte ich mehr Probleme…

Aber egal, von Nebensächlichkeiten wie solche und der Trainersuche will sich beim HSV niemand ablenken lassen. Auch nicht Rafael van der Vaart. Und das, obwohl er selbst einen Kandidaten ausgemacht hat, den er sehr gern zum Trainer haben würde: Bert van Marwijk. Eben jenen Trainer, der in den Niederlanden jüngst für Aufsehen soergte: „Ik ben met een nieuwe club bezig ja. En nee, ik zeg niet welke. Maar het kan zijn dat ik daarom dinsdag niet aanwezig kan zijn op het benefietduel“, sagte van Marwijk. Übersetzt heißt das so viel wie: „Ich verhandele mit einem neuen Klub und es kann sein, dass ich deshalb am Dienstag nicht beim Benefizspiel dabei sein kann.“ Lege ich die beiden Aussagen (Kreuzer und van Marwijks) übereinander, gibt es erstaunliche Deckungsgleichheiten…

Und van Marwijk wäre sicher vom Profil her geeignet. Der WM-Finaltrainer 2010 spricht perfekt deutsch, hat Erfahrungen gesammelt und gilt als erfahrener Trainer. Er war auch beim HSV zu Zeiten von Beiersdorfer und Hoffmann bereits beim HSV im Gespräch – und er ist ablösefrei. Das wären Babbel, Gross (Kreuzer: „Ein interessanter Mann“) und Schaaf, die ebenso wie Fred Rutten (wird es ebenso wie Rangnick, Stanislawski, Bilic, Stevens, Matthäus und Jol sicher nicht) auf der Liste stehen, auch. Aber dem Vernehmen nach hat nicht nur van der Vaart ein Faible für den einstigen BVB- und Oranje-Coach. „Er ist ein interessanter Mann. Er kennt Deutschland, hat in Dortmund einen guten Job gemacht und auch bei der holländischen Nationalmannschaft.“ Und van der Vaart ergänzt: „Er ist erfahren, gut“, lobt der Kapitän den – in meinen Augen – inzwischen zum Top-Kandidaten aufgestiegenen Niederländer. „Er hat uns ins WM-Finale gebracht, er hat Qualitäten, die uns helfen könnten. Er wäre gut für uns.“

Helfen kann er jedoch noch nicht. Das soll/muss bis einschließlich Dienstag das neue Chef-Duo Cardoso/Addo richten. Darauf hat sich der Vorstand festgelegt. Und Cardoso, der zunächst eine Extraeinheit anberaumt hatte, glich den Mehraufwand heute wieder aus. Nach knapp 45 Minuten lockeren Trainings mit Abschlussspiel war Schluss. „Die Jungs haben gut gearbeitet“, sagt Cardoso, der sich für das Nordderby großes Kino seiner Mannschaft erhofft.

Eine große Überraschung bahnt sich dabei auch an. Wie ich im Donnerstagsblog bereits erwähnte hatte, scheint Cardoso mit der Premiere von Jonathan Tah zu liebäugeln. Am Donnerstag wechselte er Lasse Sobiech in der zweiten Halbzeit des Abschlussspiels gegen den Youngster, der am Ende noch ein Tor machte und dafür heute vom Trainer (Kurze Videos mit van der Vaart und Cardoso findet ihr auf www.facebook.com/groups/matzab) ein Lob bekam. „Jonathan hat sehr gut trainiert, ist eine echte Alternative“, so der Argentinier. Auf die Frage, ob er sich den gerade mal 17-Jährigen von Beginn an im Nordderby vorstellen könnte, antwortete er mit einem Lächeln: „Klar! Warum auch nicht?“

Großer Tusch: Tatatatatata!! Tah wäre damit der mit Abstand jüngste Bundesligaspieler aller Zeiten in der Startelf. Und er hofft selbst darauf: „Das wäre wirklich super. In einem Nordderby zu debütieren – ich bin bereit.“

Und ganz ehrlich: warum auch nicht? Bei der bisherigen Defensive kann man nur auf Änderungen setzen. Und Cardoso macht gegenüber dem BVB-Debakel recht viel neu: Neben Tah rückt Lam auf rechts vor Westermann, der als Rechtsverteidiger in dieser Serie debütiert. Dazu Rincon neben Rückkehrer Badelj auf die Sechs, Jiracek auf links vor Jansen und Beister vor van der Vaart als einzige echte Spitze. So hat Cardoso heute und am Donnerstag trainieren lassen. Komplett hieße das: Adler – Westermann, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Rincon – Lam, van der Vaart, Jiracek – Beister. „Spielen mit Herz“, hat Cardoso gefordert und setzt dabei auf die seiner Meinung nach motiviertesten Spieler. Kreuzer: „Die Mannschaft muss brennen. Derbys sind immer etwas spezielles, ich habe es in meiner Münchner Zeit und auch in Karlsruhe erlebt. Bei mir herrscht große Vorfreude. Wir haben ein Heimspiel – und das soll man von der ersten Minute an sehen. Mit einem Sieg können wir uns viel Selbstvertrauen holen und bei den Fans einiges gutmachen. Das kann für uns ein Befreiungsschlag werde. Da muss man nur auf die Tabelle gucken…“

Gut so.

Weniger gut ist dagegen die Nachricht von Ivo Ilicevic, der mal wieder mit muskulären Problemen ausfällt und sich so langsam Gedanken machen muss über die Zeit nach der Fußballerkarriere. Immerhin haben es die HSV-Ärzte und sonstigen Spezialisten in den letzten zweieinhalb Jahren nicht geschafft, die Ursache zu finden. „Ja, er fällt aus. Muskuläre Probleme“, sagt Cardoso. Und ich lege mich hier fest: Der dribbelstarke Rechtsfuß ist der nächste Kandidat, den der HSV unbedingt loswerden will und der (wobei ich ihm wirklich von Herzen eine schnelle Genesung wünsche!!) voraussichtlich mit einem Minus verkauft wird. Wobei ich hoffe, dass ich mich irre…

Hoffentlich richtig liege ich – zumindest tendenziell – diesmal mit meinem Tipp auf einen HSV-Sieg. Immerhin wäre es der erste Punktgewinn für Cardoso als Bundesligatrainer in der Imtech-Arena. Westermann sieht die Begebenheiten als gutes Omen: „Ich habe damals unter Cardoso auch plötzlich wieder rechts gespielt – und wir haben gewonnen.“

In diesem Sinne, im Abspann noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache. Ansonsten wünsche ich Euch einen schönen Restfreitag und: Bis morgen!

Scholle

In eigener Sache:
Immer mal wieder darf ich lesen, ich sei dem Klubbos Carl Jarchow gegenüber zu unkritisch. Die besonders Schlauen behaupten sogar, wir hätten eine Arbeitsvorgabe seitens des Verlages. Und ich wollte Euch nur beruhigen: die gab es nie. Die gibt es nicht. Und einer selbigen würde und werde ich mich nie beugen. Ebenso wenig werde ich gegen meine Überzeugung schreiben. Aber, als Kompromiss für alle die, die mich jetzt wieder beschimpfen wollen, kann ich sagen, dass ich mich in sehr um einen Termin in sehr naher Zukunft beim Klubboss bemühen werde, um mit ihm über die aktuelle Situation und seine Rolle darin zu sprechen. So, wie ich es für richtig empfinde. Danke!

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