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Alle haben Fehler gemacht – jetzt gilt es: Wir alle müssen die Lehren daraus ziehen!

8. Juni 2014

Das Kapitel Bert van Marwijk ist geschlossen, und das ist auch gut so. Der Vize-Weltmeister-Trainer und der HSV haben sich auf Ablösemodalitäten geeinigt, die Trennung ist jetzt auch finanziell besiegelt. Zu welchen Konditionen ist offen, aber es dürfte dem Dino gekostet haben . . . Das waren teure und trostlose 143 Tage, an denen der Niederländer den HSV nur noch tiefer in den Sumpf geführt hat. Aber gut, dieser Teil der äußerst unrühmlichen Vergangenheit der Rothosen ist bekannt – und nicht zu ändern. Erst in der neuen Saison. Und der blicke ich durchaus optimistisch entgegen, denn irgendwann wird auch dieser bislang von vielen Amateuren geführte HSV aus seinen schwersten Fehlern lernen müssen. Genau das hatten in der Vergangenheit immer wieder viele Experten und HSV-Ehemalige an diesem Verein kritisiert.


 

Einer von ihnen ist der frühere HSV- und Nationaltorwart Uli Stein. Ich traf ihn beim ersten Relegationsspiel gegen Fürth, wir hatten einige Zeit, um über diesen HSV zu sprechen. Und genau ein Thema war dabei, dass der HSV nie gelernt hat, die Fehler, die zum stetigen Niedergang geführt haben, zu analysieren und daraus Nutzen zu ziehen. Stein hoffte deshalb vor allem auf neue Strukturen – und die sind dem Club nun gegeben. Die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft sind gestellt, es könnte “von oben” nun alles besser werden, wenn unten, an der Basis, mit offenen Augen die neue Saison geplant wird. Und das muss ganz klar heißen: Die Lehren aus dem Desaster 2013/14 ziehen.

Ich habe in den letzten Tagen jeden einzelnen Spieler unter die Lupe genommen und oft auch hart kritisiert. Dieses “Hart kritisiert” flog mir danach oft um die Ohren – weil es zu hart war? Schon vergessen, was der HSV für eine grottige Saison gespielt hat, mit seinen kümmerlichen sieben Siegen und 27 Pünktchen? Wahrscheinlich ist es so. Mir flogen aber auch unglaubliche viele Leserbriefe zu, und die habe ich sehr genau durchgelesen. Ein Punkt kam dabei immer wieder hervor, und ich zitiere aus einer Mail an mich:

Ich verstehe es, wenn Ihr Jarchow nicht wehtun wollt, indem Ihr die Wahrheit schreibt. Mir persönlich hätte es allerdings nach dieser Saison eine gewisse Befriedigung meiner geschundenen HSV-Seele gegeben, wenn Klartext geredet werden würde und die Dinge einmal komplett aufgearbeitet werden würden, um dann mit dem leidigen Thema abzuschließen und in eine hoffentlich bessere Zukunft zu schauen.

Carl-Edgar Jarchow ist für viele hier der Sündenbock Nummer eins. Für mich nicht. Gebe ich zu, dazu stehe ich auch. Obwohl er ganz klar auch gravierende Fehler begangen hat – aber wer hat das nicht in diesem HSV? Sie haben alle unheimlich viele und große Fehler gemacht. Jarchows vielleicht größter war, dass er nach einigen Monaten nicht das in die Tat umgesetzt hat, was er vorher angekündigt hat – nämlich dass er nur übergangsweise der HSV-Boss ist. Er hatte Gefallen daran gefunden, ein gefragter Mann in der Hamburger Öffentlichkeit zu sein, er fühlte sich vielleicht auch ein wenig geschmeichelt, dass er der große Mann des HSV geworden war – aber er übersah die vielen, vielen Probleme, die er geerbt hatte. Die hätten ihn, ganz eindeutig sogar, zur frühen, ich meine sogar zur sofortigen Aufgabe des Amtes zwingen müssen. Weil er, das kommt noch ganz entscheidend hinzu, ja auch in der Öffentlichkeit niemals darüber plauderte, was er eigentlich beim HSV vorgefunden hatte – als er der Boss wurde. Carl-Edgar Jarchow hat geglaubt, dass er es mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art richten würde, dass er es so packen würde mit dem HSV, aber das war sein größter Irrglaube.

Zumal er, und das ist Fehler Nummer zwei, nicht der Mann ist, der mal mit der Faust auf den Tisch haut und Tacheles spricht. Nicht dass er dazu nicht fähig wäre, nein, ganz gewiss nicht, er wird auch das können – aber er konnte es mit seinen “Untergebenen”, die für die Bundesliga-Mannschaft des HSV die Hauptverantwortung trugen, nicht. Er konnte zum Beispiel keinem Trainer mehr Fleiß injizieren, Jarchow sah mehr oder weniger tatenlos zu, wie die Herren Trainer nur das machten, was sie wollten, was sie für richtig und die Mehrheit der Experten für grundlegend falsch hielten. Die Trainer machten nicht das, was dieser Club und vor allem diese Mannschaft so dringend gebraucht hätte – und von “oben” sahen die Herren nur zu, auch und genau Carl-Edgar Jarchow.

Ihr werdet Euch noch – sehr unangenehm – an die 2:9-Pleite von München erinnern, vorletzte Saison. Danach stellte sich Carl-Edgar Jarchow vor alle Kameras dieser Welt und sagte mit zusammengekniffenen Lippen (wenn das überhaupt so geht, aber so habe ich es in Erinnerung) und mächtigem Grummeln in der Stimmen und mit ganz bösem, bösem Blick: “Dieses Debakel wird Konsequenzen haben, wir werden am Ende der Saison ganz genau analysieren – und dann dementsprechend reagieren.” Sollte heißen: Köpfe werden rollen, innerhalb der Mannschaft, die so krass versagt hatte. Was blieb aber am Ende (wieder einmal) übrig von diesen Ankündigungen? Nichts. Nur der Trainer wurde gewechselt. Die Spieler durften dem Verein weiter auf der Nase herumtanzen – und Millionen nach Hause abschleppen. Das, was Herr Jarchow angekündigt hatte, war ein Sturm im Wasserglas, dieser sollte die Masse beruhigen – und tat es ja auch im ersten Moment.

Nur: Wenn die Spieler, die ja in der Mehrheit auch große Schlitzohren sind, so etwas mitbekommen, dass große und harte Konsequenzen getätigt werden, aber nie etwas passiert, dann legen die Herren Profis erst recht ihre Füße hoch und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein – und Carl-Edgar Jarchow erst recht. Es ist ja nichts zu befürchten, nicht das Geringste, alles nur heiße, heiße Luft. Wenn überhaupt.

Das sind die Fehler, die ich dem Noch-Boss des HSV ankreide. Er hat es sicher auf seine hanseatische Art niemals böse gemeint, er hat besonders in seiner ersten Zeit wieder für Ruhe im Verein gesorgt, aber ganz sicher wäre es besser gewesen, wenn er auch seinen leitenden Angestellten gegenüber mal etwas energischer aufgetreten wäre. Als Mensch, das muss ich ganz klar sagen, hat mich Jarchow immer überzeugt, da würde ich niemals ein schlechtes Wort über ihn verlieren – deswegen würde ich mir auch wünschen, wenn er diesem und seinem HSV erhalten bliebe, und zwar als der Repräsentant. Und wenn es nicht anders ginge, dann eben nur als Präsident des e.V. Ob er sich diesen Job allerdings noch antun würde? Da habe ich dann doch meine leichten Zweifel.

Welche (glorreichen?) Zeiten nun auf den HSV zukommen könnten, das hat mir einmal mehr das Interview, das die Kollegen der Bild mit dem neuen Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in dieser Woche geführt haben, gezeigt. Gernandt, der es bis zur “rechten Hand” von Milliardär Klaus-Michael Kühne gebracht hat, hat nicht nur angedeutet, wie stramm er in der Führung des HSV mitarbeiten wird. Der Mann gibt eine klare Richtung vor, und ich denke mal nicht, dass er sich auch nur einmal ansatzweise auf der Nase herumtanzen lässt. Gernandt sagt etwas einmal, und dann muss es sitzen, ansonsten wird es Konsequenzen für den geben, der sich nicht nach den Worten des AR-Vorsitzenden richtet. Das ist für mich schon mal nicht nur sehr gut, es ist auch nicht anders durchführbar. Und genau deshalb hat es ja diesen Struktur-Wandel im HSV gegeben. Die Führung gibt die Linie vor, und von außen hat kein Sabbelfreier mehr die Chance, dummes Zeug zum Besten zu geben. Und wenn er es dennoch tut, bleibt es – natürlich – unerhört.

Hinzu kommen wird beim HSV ja auch noch der AG-Vorsitzende, und das wird Dietmar Beiersdorfer. Ich habe mit dem “Didi” gestern gesprochen, es ist im Fluss. Im Moment liegt es eher an Zenit St. Petersburg, wie und wie schnell es gehen kann, es wird demnächst ein Telefonat zwischen Beiersdorfer und seinem Noch-Club geben, eventuell wird der “Didi” auch noch erst nach Russland gebeten – aber ich denke mal, nachdem was alles hinter den Kulissen läuft und schon gelaufen ist, dass Dietmar Beiersdorfer der erste AG-Vorsitzende des HSV werden wird. Und das ist schon mal sehr beruhigend zu wissen, denn er kennt den HSV, kennt das Geschäft und er weiß genau, was Hamburg von ihm erwartet.

Wer dazu, den Posten gibt es ja auch, der Sportchef des HSV wird, ist noch offen. Obwohl ich mich auch da klar festlege: Es wird einen neuen Mann geben. Oliver Kreuzer, wir erinnern uns, hatte von Beginn an beim HSV dem Titel “Drittliga-Manager” zu leben, der ihm von Klaus-Michael Kühne verpasst worden war. Kaum anzunehmen, dass der große Mann im HSV-Hintergrund jetzt nicht seinem Mann, nämlich Karl Gernandt, die Anweisung geben wird, einen neuen Sportchef zu suchen und zu installieren.

Oliver Kreuzer hat ja auch bei einem Teil (ob nun ein großer oder kleiner Teil, das sei dahingestellt) des HSV-Anhanges fast schon jeglichen Kredit verspielt. Ganz sicher gab es auch einige Entscheidungen, die zu kritisieren waren und sind, ganz sicher gab es auch einige unglückliche Äußerungen von Kreuzer, und wie schwerwiegend die in der Summe dann sind, das müssen die “neuen Herren des HSV” nun bewerten. Wobei ich denke, dass sie es schon längst getan haben, es aber nur deswegen noch nicht verkünden, weil sie offiziell ja erst vom 1. Juli an in Amt und Würden sind. Und mit einem neuen Sportchef, der eventuell sogar technischer Direktor heißen wird, steigt weiter die Hoffnung, dass endlich wieder der Leistungs-Fußball in Hamburg Einzug hält.

Und genau das ist der Punkt, dem ich Oliver Kreuzer am meisten ankreide: Der Sportchef sah zu, wie diese Trainer, die Herren Thorsten Fink und Bert van Marwijk, diesen HSV ins untere Tabellendrittel trainierten. Das war unfassbar. Und ich möchte da mal eine Begebenheit zum Besten geben, die sich vor der Saison abgespielt hat. Und zwar am 21. Juli 2013. Telekom-Cup in Mönchengladbach, der HSV hatte gerade das “kleine Finale” gegen Borussia Dortmund mit 0:1 verloren. Da trafen sich zwei Nationalspieler, je einer von den beteiligten Clubs. Wer das war, verrate ich besser nicht, ich weiß es aber, möchte diese Herren nur schützen. Beide unterhielten sich auch über die Torturen der Vorbereitung. Sagte der Dortmunder: “Man, man, man, ich habe vielleicht dicke Beine, der Trainer scheucht uns gnadenlos, so etwas Hartes habe ich noch nie erlebt, das ist fast schon unmenschlich. Laufen laufen, laufen, das zweimal am Tag, mehr ist im Moment nicht, ich weiß nicht, wie lange das noch andauert – und wie lange ich das noch mitmachen kann. Irgendwann werde ich körperlich am Ende sein. Und was macht ihr?” Der HSV-Profi druckste rum, sah sich nach links und rechts und nach hinten um, suchte nach einer Erklärung und übte sich dann in Diplomatie: “Ja, gelegentlich trainieren wir auch zweimal pro Tag . . .”

Genau das war es doch. Genau, genau, genau. Hier wurden die Spieler im Training doch dicker. Was hier unter dem Thema “Vorbereitung” ablief, das war Kindergarten. Ich wiederhole mich da gerne: Kindergarten. Pille-palle. Lächerlich. Und grausam schlecht. Dafür hätte der HSV eigentlich einen Sportchef gebraucht, der ganz klar sagt was Sache ist. Gab es aber nicht. Oliver Kreuzer sah diesem schlimmen Treiben tatenlos zu, anstatt sich mit seinem “Kumpel” Fink zusammenzusetzen und mal Tacheles zu sprechen, dass es so nicht geht. Es musste erst die Entlassung des Trainers kommen, so geht es dann ja eben auch. Vielleicht wäre es auch gegangen, wenn der HSV eine Führung gehabt hätte, die sich einig darin gewesen wäre, dass sie ihrem Trainer mal den Marsch bläst. Nur dazu fehlte den Herren einheitlich der Schneid.

Und, das gebe ich zu, auch uns, den Hamburger Journalisten, die den HSV begleiteten, fehlte diese Courage. Auch mir, ganz klar, ich nehme mich da nicht aus, auch ich sah nur tatenlos und dämlich zu. Da wird in der Oberliga Hamburg ganz anders und viel härter trainiert, das weiß ich, weil ich einige Trainer kenne, die gelegentlich auch bei den HSV-Profis zusahen – und sich schlapplachten. Bei den Bundesliga-Herren wird das Training ja schon seit geraumer Zeit als “höchst wissenschaftlich” verkauft. Geh mir weg mit “wissenschaftlich”, geh mir weg. Ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass ich, so lange ich diesen Job noch machen werde, ich nie mehr wegsehen werde, wenn sich solche gravierenden Missstände wieder einmal auftun sollten. Und wenn ich von dem jeweiligen Trainer jeden Tag was an die Ohren bekomme – ich werde es anprangern. Weil ich von diesem in meinen Augen total unprofessionellen Verhalten die Schnauze gestrichen voll habe. Obwohl ich auch gestehen möchte (und festhalten will): Ich bin nur der kleine Matz, der hier nichts, aber auch absolut nichts zu sagen oder zu entscheiden hat. Also zählt mein Urteil natürlich nicht, ich möchte da nicht auch nur im Ansatz an Selbstüberschätzung leiden – aber bemerkbar werde ich mich trotz allem machen.

Dabei sei noch kurz angefügt, dass in Hamburg wirklich alle Fehler gemacht haben – auch die Fans. Das sollte keiner übersehen, und vielleicht sollte so mancher HSV-Anhänger (Anhängerinnen sind eingeschlossen) doch ganz heimlich und im stillen Kämmerlein Besserung geloben. Es kann doch nicht angehen, dass die eigenen Spieler permanent niedergemacht werden. Es begann, so glaube ich, bei Daniel van Buyten (nach Bekanntwerden seines Bayern-Wechsels), dann war Piotr Trochowski dran, es folgte David Jarolim, dann Dennis Aogo und zuletzt Heiko Westermann. Muss das wirklich sein? Ich denke nein. Bei aller Liebe zum HSV, die eigenen Spieler fertig zu machen, das passt nicht. Auch daran darf getrost zur neuen Saison gearbeitet werden.

Aber zurück zur Kraftlosigkeit der HSV-Mannschaft 2013/14. Alle haben sie es doch gesagt, alle, dass diese HSV-Mannschaft total untrainiert ist. Immer und immer wieder. Passiert ist nichts. Auch innerhalb der Führung nicht. Sie alle sahen zu und schwiegen. Das, jawohl, das ist der schlimmste Fehler, der hier passiert ist. Denn es ging doch um einen Profi-Fußball-Verein, da müssen doch die Angestellten, die hier die Punkte einfahren sollen, fit gemacht werden, sodass sie ihrem Auftrag auch gerecht werden können. Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an die erste Saison, in der es “Matz ab” gab – vor fünf Jahren. Da standen wir mal bei eisiger Kälte im Volkspark und sahen – mit sieben, acht “Matz-abbern” – dem Training zu. Bis “el presidente” mal ganz unaufgeregt in die Runde fragte: “Wann wird hier eigentlich mal Konditionstraining durchgeführt? Ich sehe hier seit Monaten nichts. Machen die das heimlich? Laufen die dann durch den Volkspark, wenn keine Fans da sind? Laufen die vielleicht nachts, in der Dunkelheit?” Gute Frage, aber Antworten hat der gute Benno Hafas darauf nie bekommen. Weil es diese Antwort nie gab – auch in den so genannten Trainingslagern nie. Nie!

Saft und kraftlos waren die Herren in den meisten Spielen. Wenn ich nur an die letzte Partie denke, das in Fürth. Nach dem 1:1 taumelten die HSV-Spieler nur so über den Platz, eine halbe Stunde lang. Schlecht konnte einem davon werden, so etwas zu sehen und erleben zu müssen. Ich hoffe nur, dass die Herren, die dafür verantwortlichen waren (nicht Mirko Slomka!) dass auch gesehen und sich mies dabei gefühlt haben. Hoffentlich, obwohl, mir fehlt der Glaube.

Allerdings bin ich überzeugt davon, dass mit der neuen Führung, dazu Beiersdorfer und der neue Sportchef, hier die Post abgehen wird. Sie müssen doch aus ihren Fehlern gelernt haben. Und wenn dann der jeweilige Trainer nicht so mitziehen will, wie die Führung es sich vorstellt, dann muss eben gehandelt werden. Kontinuität hin, Kontinuität her, es muss hier endlich ein richtiger und absoluter Profi-Verein installiert werden, endlich, endlich, endlich. Wenn ein Trainer wirklich gut ist, dann soll er von mir ein Herrgott sein, aber nur dann. Und hier war schon so lange keiner mehr gut, das ist auch klar.

Denn sonst wären die Spieler, auch die Talente, hier gelegentlich besser geworden, aber nichts da, Pustekuchen. Und wer da vielleicht Heung Min Son als Gegenbeispiel anführen möchte – lass mal stecken. Das war überwiegend der Papa. Der hat seinen Filius trainiert. Mit Ball und ohne. Jeden Tag. Jeden noch so langen Tag. Und auch wenn es da einen Vize-Weltmeister-Trainer gegeben hat beim HSV, der feststellte – und es auch der staunenden (?) Öffentlichkeit verkündete: “Es ist wissenschaftlich längst erwiesen, das einmal Training pro Tag reicht . . . Man kann die Spieler auch kaputttrainieren.” Oha.

Ich habe schon vor einiger Zeit gefragt, ob es wissenschaftlich vielleicht auch längst erwiesen ist, dass zweimaliges Training am Tag nicht schadet? Wenn ich da so an den Herren aus Dortmund erinnern darf, wo zweimal am Tag und tagtäglich gelaufen, gelaufen und gelaufen wurde – es hat dem BVB offenbar nicht sonderlich geschadet. Obwohl, natürlich, der Club von Klopp ist nur Vizemeister geworden. Da war vielleicht doch mehr drin, bei nur einmal Training am Tag.

Es ist beim HSV in diesem Punkt so viel geschludert. Meistens einmal am Tag Bewegung, dann wurde (vielleicht) noch im Kraftraum gearbeitet – das war es. Kaum Standards. Kein Einzeltraining, um gewisse Schwächen abzustellen, oder Stärken noch stärker zu machen. Und wenn ich das schreibe, denke ich sofort an Oliver Bierhoff. Einst bekanntlich HSV-Stürmer und hier gnadenlos gescheitert. Ich habe mich damals schwer getäuscht, weil ich bei seinem Abgang aus Hamburg fest davon überzeugt war: “Den siehst du im großen Fußball nie wieder.” Denkste. Torjäger in Italien ist er noch geworden. Unter anderem deswegen, weil Trainer Alberto Zacceroni bei Udinese Calcio mit ihm Sonderschichten fuhr. Zacceroni hatte bei Bierhoff, der mit 1,91 Meter ja ein großer Kerl ist, eine gravierende Kopfballschwäche festgestellt. Also wurde trainiert, trainiert, trainiert. Der Coach verlangte alles. Früher zog Bierhoff im Kopfballduell immer den Kopf ein, machte sich also kleiner als er ist – und zog meistens den Kürzeren. Unter Zacceroni blühte Bierhoff auf, er “marschierte” dann in den luftigen Duellen immer mächtig durch – und wechselte mit dem Erfolgstrainer dann auch zum AC Mailand.

So geht es eben auch, wenn man sich Mühe gibt, wenn man als Coach etwas erreichen will, wenn einem als Trainer der Verein und die Spieler am Herzen liegen. Hier waren sie zuletzt alle unheimlich bequem, mehr nicht. Und das hätte die Führung erkennen und abstrafen müssen, dann wäre es mit dem HSV nicht so weit gekommen, wie es gekommen ist.

Fehler über Fehler eben. Die vier “Aussortierten” – hat sich das über einen so langen Zeitraum irgendein “Bonbon-Club” erlaubt? Ich kenne keinen, der vier Spieler abschob, obwohl es nur bergab ging. Und dass diese Spieler nicht so schlecht waren, wie sie gemacht wurden, das haben wir in der Endphase der Saison gesehen. Dazu gab es auf dem Rasen keinen Leader, der das Heft mal in die Hand nehmen konnte, um noch etwas zu bewirken. Niemand. Alle gingen sie stets mit unter. Wobei ein Kapitän Rafael van der Vaart schon deswegen eine Fehlbesetzung war, weil er sich einfach zu viele private Eskapaden erlaubte. Zu früheren Zeiten hätte da die HSV-Führung, und wenn es nur der Trainer gewesen wäre, ganz hart durchgegriffen – hier passierte wieder nichts. Dann wurden in der Winterpause mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler geholt, die mindestens ein halbes Jahr keine Spielpraxis mehr hatten. Wahnsinn, wirklich der nackte Wahnsinn Und alle sahen zu! Per Cilian Skjelbred wurde auch abgeschoben, zu Hertha BSC, ketzerische HSVer sagen, weil er dem Trainer zu viel lief! Dass beim HSV eine Doppel-Zehn stets auf der Doppel-Sechs stand, das fiel hier vielen Usern auf, aber keinem Trainer. Ferner stand (oder steht) der HSV in Sachen Marketing an 18. Stelle in Europa. Es müsste also Geld genug da sein, ist es aber nicht. Weil hier seit Jahren das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen wurde. Immer raus damit, wir haben es ja. Und die Aufsichtsräte nickten eifrig und fleißig alles ab. Hauptsache wir bleiben im Amt und bekommen unsere Freikarten . . .

So ließe sich die Liste der groben Fehler sicher noch lange fortsetzen, aber ich lasse es damit jetzt mal bewenden. In der Hoffnung, dass diesmal wahre Experten am Ruder sind, die den HSV wieder aufrichten und zu gewissen Erfolgen führen werden. Darauf hoffe ich, aber ich bin, wie anfangs schon geschrieben, davon auch absolut überzeugt, dass es so kommen wird.

So, und allen jenen, denen ich nun wieder einmal etwas zu forsch auf die Füße getreten bin, bitte ich um Nachsicht. Es musste noch einmal sein. Das war meine General-Analyse von schlechtesten HSV aller Zeiten – ab jetzt nur noch positiv und nach vorne.

Dieter

Wie gern würd’ ich einfach mal abschalten…

21. April 2014

Trainingsfrei. Dier Mannschaft soll durchatmen. Und wir sollten das auch einmal versuchen. Ich für meinen teil kann das arbeitsbedingt nur teilweise, aber ich kann von mir behaupten, die Leidenschaft für den HSV noch nicht verloren zu haben. Das gilt für den Verein wohlgemerkt – weniger für die Mannschaft. Denn auch zwei tage nach dem Spiel gegen Wolfsburg kann ich mich nicht damit anfreunden, was diese Mannschaft auf dem Platz angeboten hat. Wäre es das erste Mal – okay. Aber nach einem katastrophalen Spiel wie dem in Hannover muss man von dieser Mannschaft gegen Wolfsburg einen komplett anderen Auftritt erwarten dürfen. Dass selbst der dann gegen starke Niedersachsen verloren gehen kann – klar. Aber in der jetzigen Situation ein Spiel so abzuschenken und nachher noch von guten 25 Minuten in der zweiten Halbzeit zu sprechen kriege ich nicht untergebracht. Mir wird immer bewusster, was ich vorher zu verdrängen versuchte: Diese Mannschaft hat weder die Qualität noch den Charakter, die Bundesliga von sich aus zu halten. In dieser Mannschaft sind diejenigen, die sich verantwortlich fühlen und für Wiedergutmachung stehen in der absoluten Minderheit. Und das k…. mich an.

Dass diese Art von außen vorgelebt wurde und wird macht das alles nicht leichter. Mein Doppelpass-Auftritt war letztlich wie ein Spießrutenlauf. Immer wieder musste ich den anderen Experten erläutern, was alles falsch läuft. Und diese Fragen endeten auch nach drei Stunden noch nicht – wie auch? Es gibt einfach zu viele berechtigte Ansätze bei einer kompletten Fehleranalyse.

Für Abendblatt-Blogs


Schlimmer noch. Selbst ein tatsächlich extrem höflicher Mensch wie Stefan Reuter sorgte für einen Steilpass zur Verarsche des HSV. Worauf sich Augsburg besonders einstellen müsse im anstehenden Spiel gegen den HSV wollte der FCA-Sportchef wissen. „Auf nichts“, so die Antwort von Mario Basler, der sich die Partie des HSV gegen Wolfsburg komplett angesehen hatte. „Ich hatte sicher auch mal Auftritte, die lustlos wirkten“, gab das enfant terrible früherer Tage zu, „aber da haben mich zehn andere aufgefangen. Beim HSV ist es andersrum: Da versuchen ein, zwei Leute, die Bocklosigkeit der anderen aufzufangen. Das kann nicht gutgehen“, so die Analyse des einstigen Europameisters.

Und auch wenn es hier kaum jemanden überrascht: Das fiel sogar einem auf, der sich ansonsten herzlich wenig Gedanken macht. Auch nicht über den HSV. Und das erschreckte mich zusätzlich.

Vor zwei Jahren war es Hertha BSC. Die Berliner schienen zehn Spieltag vor Saisonende gerettet und punkteten anschließend fast gar nicht mehr. Ebenso wie der HSV, der sich mit Flattersiegen gegen Kaiserslautern und Hannover letztlich doch den Klassenerhalt sicherte. Damals ergab die Fehleranalyse, man müsse einen Neustart wagen, auf junge Talente setzen, sich von arrivierten, teuren Spielern trennen. Dass nur wenige Monate und einen Saisonfehlstart später Rafael van der Vaart für 15 Millionen Euro verpflichtet wurde – es ist nur eines von gefühlt Millionen Indizien für die Unwissenheit der Entscheidungsträger. Und dieses Unwissen ist tatsächlich die einzige Konstante der letzten Jahre.

Wenn ich dann höre, dass ein Alexander Esswein im Winter für Null zum FC Augsburg wechselt, zu jenem Verein, der mit gerade einmal 18 Millionen Euro (HSV: mehr als 40 Mio) um den Einzug in die Europa League spielt, dann frage ich mich: Wo war unser Sportchef? Reuter sagte mir, dass er im Feilschen um Esswein keine Konkurrenz aus Hamburg hatte – dabei brauchten wir im Winter dringend einen Stürmer. Wenn dieser zudem jung und im Gehalt günstig ist, warum wurde da nicht zumindest angefragt? Gleiches gilt für Ivica Olic. Ich hatte Oliver Kreuzer vor unserem Interview in der vergangenen Woche gefragt, ob Ivica in Hamburg ein Thema war. Er sagte mir, dass dem nicht so war. Weil Olic im Gehalt zu teuer ist. Und das stimmt. Dem Vernehmen nach soll Olic sechs Millionen Euro beim VfL verdienen. Dass der Kroate seit seinem Wechsel zum FC Bayern nicht müde wird, seine Liebe zum HSV zu betonen, hat hier niemanden aufmerksam werden lassen.

„Ich wusste oft, dass wir keine Chance haben. Und trotzdem bin ich die großen Spieler angegangen. Denn nur wenn Du in oberen Etagen anfängst zu suchen, hast du die Chance, einen überraschenden Transfer zu schaffen“, hatte mir Dietmar Beiersdorfer einst im Interview gesagt, nachdem er den damaligen Weltklassespieler Rafael van der Vaart nach Hamburg gelotst hatte. Ein Vorgehen, dass in Hamburg der Vergangenheit angehört. Ebenso wie überraschend gute Transfers. Ivica Olic jedenfalls, der entscheidende Angreifer des VfL beim 3:1 in Hamburg, wurde nicht angesprochen. „Ich habe kein Mitleid“, so die herzlose Antwort des Linksfußes direkt nach dem Sieg in Hamburg. Der Hintergrund dürfte jedem hier jetzt bewusst werden. Ebenso wie der für die Verpflichtung der zwei uneigennützigen van-Marwijk-(Fehl-)Empfehlungen Bouy und John…

Es ist so bitter! Dieser HSV gibt sich in fast allen Bereichen der Lächerlichkeit preis. Wie gern würde ich einfach alles abschalten und diesen HSV so verfolgen, wie es diese Konstellation verdient hat. Einfach nichts an mich heranlassen und mir nicht lange, ansonsten schöne Ostertage von einer unfassbar leblosen Niederlage versauen lassen. Wie einfach wäre es für mich, Niederlagen wie die der Braunschweiger zu verarbeiten. Die geben immer alles – und können einfach nur zu wenig, weil ihre Mittel arg beschränkt waren und sind. Der HSV indes hat einen Gehaltsetat von noch immer über 40 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie die Niedersachsen.

Aber ich kann nicht anders, weil ich nicht will, dass dieser HSV absteigt. Obwohl dieser Verein, der Bundesliga-Dino, seit Jahren nur noch verwaltet wird. Entwickelt wird hier seit Jahren nichts mehr, stattdessen werden alle Neubauten eingerissen und teure Abfindungen bezahlt. Nur ein Rechenbeispiel: Olic’s Gehalt muss der HSV inzwischen an Abfindungen bezahlen. Für Trainer, die hier gescheitert sind und dafür viel Geld bekommen haben. Und ich behaupte, dass der HSV mit einem ablösefreien Esswein (Jahresgehalt 750000 Euro) statt Zoua (kostete 650000 und verdient 800000 im Jahr) sowie einem Olic in der Offensive neben Lasogga nicht um den Abstieg spielen würde.

Aber viel schlimmer als dieser theoretische Ansatz wiegt für mich die Tatsache, dass hier in Hamburg Campus-Gelder in Abfindungen, in die Bilanz und in Beleuchtungsanlagen für den Rasen gesteckt werden anstatt in Spieler. Weil der HSV keinen Plan hat. „Unser Erfolg rührt nicht aus den letzten Jahren“, hat mir Reuter gesagt, als ihn alle gerade für die aktuellen Erfolge feiern wollten. „Unser Erfolg fing im Jahr 2000 an, als unser Präsident Walther Seinsch den Plan fasste, in die Bundesliga aufzusteigen. Seitdem wird in Augsburg ein Konzept gelebt, an das ich mich halte. Zum einen, weil ich überzeugt davon bin, zum anderen, weil es Seinsch’s Bedingung war, als ich anfing.“

Merkt Ihr das? Selbst ein Bundesliga-Novize wie Augsburg ist dem HSV strukturell um Ewigkeiten voraus. Und diese Erkenntnis tut weh. In Augsburg ist es der 72-Jährige Seinsch, der ununterbrochen an der Klubspitze agiert. Der FCA hat einen starken Mann – der HSV nicht. Unser Klub ist in der Gänze nicht unwesentlich kleiner“, versucht Reuter den HSV noch zu verteidigen, „da lassen sich Entscheidungen schneller abstecken. Wenn wir einen Spieler halten, verkaufen oder verpflichten wollen, sitzen der Trainer, Seinsch und ich zusammen und entscheiden. Alle haben ein Vetorecht und wir versuchen uns zu überzeugen. Aber klar ist, dass wir nur dann etwas machen, wenn wir alle zusammen überzeugt sind.“ Ein Beispiel, das hier in Hamburg fast undenkbar ist. Dafür wechseln allein die Trainer schon viel zu oft…

Das wiederum liegt an der Führungslosigkeit dieses Vereines, weshalb ich seit Wochen versuche herauszufinden, wer bei HSVPlus letztlich diese unumstritten Persönlichkeit werden soll. Bernd Hoffmann wird hier im Blog immer wieder genannt, scheint aber bei den Strukturreformern keine Mehrheit zu bekommen. Zumal Dietmar Beiersdorfer für die sportlichen Geschicke weiterhin einer der Topkandidaten ist. Und dass es eine Reunion von Hoffmann und Beiersdorfer geben wird ist ausgeschlossen.

Als die HSVPlusser dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden ein Organigramm vorlegten und ihn fragten, wo er sich in Zukunft sehen würde, deutete Carl Jarchow dem Vernehmen nach ohne zu zögern auf den Posten des Vorstandsbosses der neuen AG und musste feststellen, dass die Initiatoren ihn da nicht sehen. Joachim Hilke, der sich bereits seit einigen Monaten intensiv mit den Initiatoren von HSVPlus austauscht, galt lange Zeit als einer der Kandidaten für den Vorstandsvorsitz. Auch, weil der bislang noch einzige potenzielle strategische Partner, Klaus-Michael Kühne, in Hilke seinen einzigen Gesprächspartner im aktuellen Vorstand hat. Inzwischen gilt diese Lösung maximal noch als Übergangslösung.

Wie bereits geschrieben, ist Oliver Bierhoff der Wunschkandidat von HSVPlus. Auch, weil Holger Hieronymus abgesagt hat. Allerdings ist die Lösung mit dem bis 2016 beim DFB angestellten Nationalmannschafts-Manager fast so unwahrscheinlich wie die Doppelspitze Beiersdorfer/Hoffmann.

Immer unwahrscheinlicher wird zudem, dass die komplette Veranstaltung am 25. Mai über die Bühne gehen kann. Neben drei Aufsichtsratskandidaten sind auch rund 50 (!!) Änderungsanträge eingegangen. Zudem steht die wichtigste Wahl der Vereinsgeschichte an. Eine Menge Holz für einen Tag. Und für den einen oder anderen HSVPlus-Gegner sicherlich nicht die schlimmsten Aussichten… Wobei: Hinzu kommt noch die Aussprache, die wahrscheinlich endlos geführt werden könnte, angesichts der Fehler der letzten Monate und Jahre. Naja, auf jeden Fall werde ich mir für den 25. Mai nichts anderes vornehmen…

In diesem Sinne, morgen geht’s wieder auf den Platz. Hoffentlich auch für Marcell Jansen, Rafael van der Vaart, und Milan Badelj.

Scholle

Auch Beiersdorfer und Bierhoff wurden kontaktiert

16. April 2014

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23 Uhr. Aktuelle Ergänzung Info-Veranstaltung siehe unten
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Die Kandidaten der Initiative HSVPlus sind raus – und sie rufen allgegenwärtig positive Reaktionen hervor. Auch bei mir. Denn die Zusammensetzung bietet alle Zutaten, die ein erfolgreicher Aufsichtsrat braucht. Sportliche Kompetenz ist mit Thomas von Heesen gegeben und wird von Peter Nogly zweifellos ergänzt. Mit Felix Goedhart und Dieter Becken stehen zwei erfolgreiche Geschäftsmänner für die Überwachung der Finanzen bereit, während mit Bernd Bönte einer der bekanntesten deutschen Sportmanager sein Wissen beim HSV einbringt. Zudem ist Karl Gernandt dabei, der als rechte Hand von Milliardär Klaus-Michael Kühne bekannt ist. Und das Argument, Gernandt sei als Ohr am Gleis für Kühne dabei lasse ich gern gelten – weil ich es nicht für schlimm halte. Im Gegenteil. Es ist üblich und vor allem: Es ist tatsächlich alternativlos. Denn bislang ist Kühne der einzige Kandidat für eine strategische Partnerschaft. Ihn zu verlieren, würde den HSV noch weiter zurückwerfen, als es die Vereinspolitik der letzten fünf Jahre geschafft hat.

Dass Kapital dringend nötig ist, ist ebenso unbestritten wie die finanzielle Potenz Kühnes (Geschätztes Vermögen 7,9 Milliarden Euro). Und Gernandt trifft im Aufsichtsrat auf Kollegen, die wissen, wie man mit solchen Geldgebern umgeht und wie man erfolgreich Unternehmen führt. Eine feindliche Übernahme erscheint mir in diesem Zusammenhang als sehr unwahrscheinlich. Zumal der Aufsichtsrat nicht das operative Geschäft leiten, sondern es kontrollieren soll.

Apropos: Für den operativen Bereich wird weiterhin nach DEN dominanten Figuren gesucht. Angesprochen wurde bereits der noch bis 2015 bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag stehende Dietmar Beiersdorfer. Für den sportlichen Bereich. Intern bereits seit längerer Zeit gemunkelt aber noch nicht geschrieben wurde indes, dass auch Oliver Bierhoff angesprochen wurde – als möglicher neuer Vorstandsboss. Der Teammanager der Deutschen Nationalmannschaft und ehemalige HSV-Profi lehnte mit Verweis auf seine Vertragslaufzeit beim DFB (bis 2016) bislang ab. Allerdings könnte sich das Thema bei einem (hoffentlich nicht!!!) enttäuschenden WM-Abschneiden schlagartig aktualisieren.

Allem ist natürlich vorausgesetzt, dass HSVPlus im Mai mit mindestens 75 Prozent der Mitgliederstimmen gewählt wird. Wobei ich das schon allein mangels Gegenvorschläge als ebenfalls absolut alternativlos sehe.

Egal wie, niemand kann garantieren, das sich dieser mögliche, neue Aufsichtsrat nicht auch zerstreitet und plötzlich alles ausartet. Klar! Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Aufsichtsrat deutlich besser funktioniert als der bisherige liegt in meinen Augen bei annähernd 100 Prozent. Relativ betrachtet ist das auch nicht schwer. Aber allein die Zusammenstellung wirkt auf den ersten Blick stimmig.


Mehr Probleme bei einer objektiv guten Zusammenstellung hat bislang noch Trainer Mirko Slomka, da ihm einige wichtige Spieler verletzungsbedingt fehlen. Und während Pierre Michel Lasogga wie von mir befürchtet für diese Saison nicht mehr infrage kommt, hoffen andere. Hakan Calhanoglu war schon heute wieder voll dabei und wirkte, als sei nie was los gewesen. Milan Badelj absolvierte ebenso wie Marcell Jansen ein individuelles Aufbauprogramm mit Rehatrainer Markus Günther, während Heiko Westermann hofft. „Ich werde auch am Donnerstag noch nicht mit der Mannschaft trainieren, dafür aber hoffentlich am Freitag“, so der Abwehrmann, der gegen Hannover bereits nach wenigen Minuten wegen einer alten, aufgebrochenen Verletzung ausgewechselt werden musste. „Ich werde am Ende in Absprache mit dem Trainer entscheiden, ob ich spielen kann oder nicht.“ Dass ihm ein zu früher Einsatz auch die letzte WM-Chance nehmen könnte, ist Westermann egal: „Wir wollen nicht absteigen. Ich auch nicht. Nur darum geht es im Moment.“

Und am Sonnabend kommt mit dem VfL Wolfsburg ein Gegner, der seine Klasse gegen Dortmund am Dienstag eindrucksvoll demonstrierte. Insbesondere offensiv boten die Niedersachsen gegen nicht minder gute Dortmunder ein hochklassiges Fußballspiel. „Das war schon beeindruckend“, sagt Westermann, „gerade vorn war Wolfsburg so stark, dass sie durchaus den einen oder anderen Treffer verdient gehabt hätten. Das wird nicht leicht für uns, ein ganz heißes Match.“ Das Gute daran: Unterschätzen ist diesmal wohl ausgeschlossen. Schnippisch formuliert.

Allerdings auch, weil der Trainer die Ansprache verändert hat, eine härtere Wortwahl nutzte. „Dass nach so einer Partie mal grober miteinander umgegangen wird ist völlig normal“, sagt Westermann, der die Wirkung der Traineransprache mit einem verschmitzten Lächeln wie folgt bewertet: „Das werden wir sehen am Sonnabend im Spiel. Reden allein bringt doch nichts. Wir sind alle heiß auf das nächste Spiel. Sagen wir so: Die Anspannung ist groß.“

Was Hoffnung macht ist die Tatsache, dass die Mannschaft zu Hause seit fünf Spielen ungeschlagen ist. Weshalb es auswärts einfach nicht funktioniert, weiß auch Westermann nicht. Mehr als ein Achselzucken kommt da nicht: „Es ist auch nicht zu erklären, weshalb. Aber für Sonnabend ist die Erkenntnis gut, dass wir zu Hause bislang eine andere Mannschaft sind als auswärts.“ Über alles weitere könne man sich ab Sonntagmorgen Gedanken machen.

Mehr im Blog lesen könnt Ihr heute Abend nach der Infoveranstaltung im Elysée, von der Euch Lars berichten wird. Ich melde mich dann morgen nach dem Nachmittagstraining wieder bei Euch. Bis dahin!

Scholle

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Ergänzung vom Abend, Info-Veranstaltung zum Ausgliederungskonzept. Etwa 250 Vereins-Mitglieder hatten sich im Spiegelsaal des Elysee-Hotels eingefunden, um ihre Fragen zu stellen. Der komplette Vereins-Vorstand, der Finanzchef und ein Jurist antworteten. Hier die Fragen und Antworten, zu denen es im Wesentlichen kam:

Was passiert mit der Raute im Fall der Insolvenz der AG?
Die Raute könnte vom e.V. wieder neu angemeldet werden, sie ist geschützt vor der Insolvenz der AG. Steuerrechtlich ist es allerdings nicht möglich, die Raute nach Ausgliederung im e.V. zu belassen.

Ist es möglich, in der AG eigenmächtig die Raute zu verändern?
Der e.V. bleibt die Muttergesellschaft der AG. Sollte es neue strategische Partner geben, entscheidet immer noch der e.V. als Mehrheitseigner der AG.

Dürfen Fanclubs die Raute weiter nutzen?
Ja, so wie bisher.

Ist die Marke im Insolvenzfall der AG dem Insolvenzverwalter ausgeliefert?
Einen absoluten Insolvenzschutz sieht das deutsche Insolvenzrecht nicht vor. Wir haben das Maximum an Schutz eingebaut. Im Übrigen könnte im Insolvenzfall der AG nur der e.V. wieder eine Bundesliga-Mannschaft anmelden. Im e.V.-Modell hätten wir das gleiche Problem, wenn nicht ein noch größeres.

Kann der e.V. nicht lieber die Marke behalten und per Lizenz an die AG abgeben – und kann nicht ebenso das Stadion beim e.V. bleiben?
Nein, so ist die Ausgliederung nicht tragfähig.

Wie sieht es aktuell mit dem Geld der Campus-Anleihe aus?
Wir haben es teilweise zur Liquiditätssicherung gebraucht, erste Baumaßnahmen eingeleitet, z.B. Bäume gefällt. Außerdem haben wir von dem Geld auch die Anlage zur Bestrahlung des Rasens angeschafft. Generell haben wir das Geld nach dem Projektverlauf eingeteilt und eingeplant. Morgen erhalten wir hoffentlich alle Baugenehmigungen, um weitere Schritte einzuleiten.

Wie ist der e.V. nach der Ausgliederung überlebensfähig?
Der e.V. trägt sich selbst. Im e.V. bleiben Erträge und Aufwendungen wie bisher. Das bleibt für den e.V. auskömmlich. Der e.V. entscheidet über die Ausschüttung von Gewinnen aus der AG auch an sich selbst.

Wie sieht es mit der Vermarktung durch Sportfive aus?
Der Vertrag mit Sportfive läuft bis 2020, es ist eine reine Vertriebspartnerschaft. Wenn wir etwas verkaufen, dann nur nach Zustimmung durch den HSV. Und das bleibt so bis 2020.

Ist ein Geschäft so wie bei Hertha möglich, wo ein Investor in großem Stil eingestiegen ist?
Das ist für den HSV keine erstrebenswerte Transaktion, diese Art Deal wie bei Hertha ist beim HSV nicht erwünscht. Dort ist es Rendite-orientiert – das wollen wir nicht.

Wie steht es künftig mit den Chancen der Amateure, sich zu vermarkten?
Es wird sich nicht so viel ändern. Die Bundesliga-Mannschaft ist der überragende Werte-Treiber des HSV. Sportfive ist unser exklusiver Partner. Es soll keine Kanibalisierungen geben, wenn z.B. Emirates auf der Brust der Bundesliga-Mannschaft ist, und eine andere Airline in einem anderen Bereich werben möchte.

Ist die Raute sicher nach der Ausgliederung?
Ja.

Was sagt imtech dazu, dass die AG sich den Namen „Volksparkstadion“ sichert?
Darüber haben wir nicht mit imtech gesprochen. Wir wollen das aber so machen wie geplant.

Wenn am 25. Mai HSV-Plus gewählt wird – ab wann ist die AG arbeitsfähig?
Wirksam werden die neuen Regelungen ab 1. Juli, das ist die Planung. Wir würden dann die Lizenz für die AG bekommen.

Wie sieht es überhaupt aus mit der Lizenz-Erteilung?
Die DFL tritt erst am Ende des Monats zu diesem Thema zusammen. Im Fall der Zweiten Liga rechnen wir mit einer Lizenz-Erteilung, die an Bedingungen geknüpft sein wird.

Steigt der HSV ab?
Wir gehen nicht davon aus. Wir bleiben in der ersten Liga, wenn wir so auftreten wie gegen Leverkusen – und nicht wie in Hannover.

Gibt es belastbare Zahlen, wie der e.V. finanziell nach einer Ausgliederung aussieht?
Es fließt mehr Geld von der AG in den e.V. als anders herum. Die Paul-Hauenschildt-Anlage bleibt auch im e.V. Für die Nutzung der Anlagen zahlt die AG dann Gebühren an den e.V. Konkret hat der e.V. nach unserer Rechnung Erträge in Höhe von ca.5,3 Millionen Euro, Aufwendungen von knapp 5 Millionen.

Was geschieht mit den Mitgliedsbeiträgen der Supporters?
Die bleiben komplett beim e.V.

Wenn der Campus kommt, nutzt die AG dann Ochsenzoll überhaupt noch?
Die AG wird weiter Ressourcen in Ochsenzoll nutzen. E.V. und AG verpflichten sich gemeinsam der Anlage Ochsenzoll.

Wenn viele Supporters austreten, was nach der Ausgliederung passieren könnte – gibt es Übergangs- oder Bestandsregelungen was finanziellen Ausgleich der Abteilung angeht?
Das ist nicht geplant. Warum sollte das auch geschehen mit den Austritten? Vergleichbare Vereine, die ausgegliedert haben, hatten keine massenweisen Austritte.

Welche Auswirkungen hätte eine e.V.-Pleite auf die AG?
Dieses Szenario ist kaum denkbar.

Wenn HSV-Plus am 25. Mai keine Dreiviertelmehrheit erhält – was passiert dann im Verein?
Der Vorstand ist darauf eingestellt, dass geht es weiter wie bisher.

Es wurden heute sechs Personen vorgestellt, die für den AG-Aufsichtsrat kandidieren– wer bleibt denn noch im Amt?
Nach dem Übergang bleibt der aktuelle Vorstand im Präsidium des e.V. In der AG bleiben Hilke und Jarchow. Was der neue Aufsichtsrat machen würde, ist jetzt nicht zu prognostizieren – alle aktuellen Vorstände haben jedenfalls laufende Verträge.

Aktualisiert: Tesche-Wechsel geplatzt! Und: Horst Heese: “Die verstecken sich alle!”

31. Januar 2014

******ACHTUNG, WICHTIG!*****
Manchmal muss man sich ehrlich schämen. Da erreicht mich heute Vormittag die Nachricht, dass Eva mit fiesen, beleidigenden Mails bombardiert wird. Von dem einen war das zu erwarten. Aber dass es da mehrere gibt, kann ich nicht fassen. HSV-Fans beleidigen sich untereinander? Weil Eva sich mit fremden Federn schmückt?

BITTE?!?! GEHTS DENN NOCH??

Es steht in diesem Blog für alle nachlesbar, dass Eva mich bat, den Brief, den sie ebenso wie ich für eine sehr gute Sache halten, zu veröffentlichen. Für diesen Tipp war ich Ihr dankbar, daher habe ich sie im Blog nur zu gern erwähnt. Mit keinem einzigen Wort aber haben weder Eva noch ich jemals behauptet, der Brief sei von ihr verfasst. Also, bitte: Erst lesen, kurz drüber nachdenken – und dann kommentieren. Danke. Und entschuldige bitte, Eva!

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Es war in dieser Saison 1989/90, als der HSV am 29. Spieltag auf dem vorletzten Platz der Bundesliga rangierte. Damals trugen Spieler wie Richard Golz, Carsten Kober, Hans-Werner Moser, Dietmar Beiersdorfer, Ditmar Jakobs (neun Spiele lang), Holger Ballwanz, Thomas von Heesen, Armin Eck, Harald Spörl, Michael Schröder, Detlev Dammeier, John Jensen, Jan Furtok, Andreas Merkle, Nando und Oliver Bierhoff die Raute auf ihrer (Trikot-)Brust. Trainer waren Willi Reimann, der nach 21 Spielen von Gerd-Volker Schock abgelöst wurde. Und es gab einen HSV-Spieler namens Sascha Jusufi. Der kam eines Tages nach dem Training in Ochsenzoll laut fluchend und schimpfend aus der Kabine. „Was ist los, Sascha?“ Der Mittelfeldspieler: „Das ist mir alles zu lasch hier, es krempeln nicht alle die Ärmel auf. Das habe ich mal etwas lauter gesagt, denn ich habe keine Lust, auf jener Spieler-Liste zu stehen, die den HSV erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte haben absteigen lassen. Ich erwarte von jedem, dass er nun einen Schlag mehr reinhaut, wir müssen endlich kämpfen, kämpfen, kämpfen. Wir müssen uns mit allen Mitteln gegen den Abstieg wehren. Mit allen Mitteln.“

Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Der HSV hielt bekanntlich doch noch die Klasse, lief noch auf Rang elf ein, fünf Punkte Vorsprung auf den vorletzten Tabellenplatz. Das war knapp. Und glücklich. So wie in der Saison 1972/73. Da taumelte der HSV monatelang auf dem letzten und vorletzten Platz herum, dann durfte doch noch gefeiert werden (den Nicht-Abstieg), denn dank „Retter“ Horst Heese lief der HSV noch auf Platz 14 ein. Drei Punkte vor einem Abstiegsplatz!

Mit Horst Heese sprach ich heute über den heutigen HSV, den er – in Ost-Belgien wohnend – immer noch sehr genau verfolgt. Drei Spiele seines Ex-Clubs hat er live im Stadion gesehen, die anderen im Bezahl-Fernsehen. Horst Heese (70) über seine derzeitige Stimmungslage: „Ich habe enorme Angst vor dem Abstieg des HSV, muss man doch. Weil keiner Verantwortung übernimmt, da schwimmen alle nur im seichten Gewässer mit, keiner geht nach vorne und reißt die anderen mit – Motto: ‚Jetzt geht es rund!’ So einen Mann sehe ich weit und breit nicht beim HSV – leider. Die verstecken sich alle. Alle.“

Können aber diese HSV-Profis, die nun den Karren aus dem Dreck ziehen sollen, noch das Kämpfen lernen? Heese: „Aber natürlich. Es geht doch innerhalb des Clubs um viele Arbeitsplätze dafür muss doch gekämpft und geackert werden. Obwohl die Spieler heutzutage ja gar keine Existenzängste haben müssen, die steigen ab und haben innerhalb von wenigen Tagen einen neuen Verein. Selbst die schlechtesten Spieler finden wieder einen neuen Arbeitgeber – das macht mich oft fassungslos.“

Woran aber liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV so abgestürzt ist? Horst Heese: „Das liegt einzig und allein an der Zusammenstellung des Kaders. Da ist arglos gehandelt worden, da wurden sich von irgendwelchen Spielervermittlern Leute aufs Auge gedrückt worden, die gar nicht zusammenpassen. Diese Jungs arbeiten doch nicht zusammen, da ist jeder froh, wenn der Ball, weg ist. Jeder verdrückt sich so schnell er nur kann – furchtbar.“ Heese weiter: „Es gibt in diesem Team ja auch keine Hierarchie. Wenn ich da an den Kapitän Rafael van der Vaart denke, der hat mehr mit seinen Frauen als mit Fußball zu tun. Dabei hat der die Marschrichtung vorzugeben. Passiert aber nicht.“

Heese ging damals als Zugang gleich voran. Mit Leistungen, und auch verbaler Natur. Er sagt: „Da musste erst einmal in der Mannschaft aufgeräumt werden. Wir hatten Klasse-Spieler, aber es gab keine Spannung. Da habe ich dann einigen Jungs mal die Köpfe gewaschen – und dann ging es. Da ging es auch im Training zur Sache, da haben dann einige gespürt, wie es ist, wenn man zur Sache kommt. Und so sprang der Funke dann über.“

Auch taktisch ist der HSV schlecht aufgestellt. Heese: „Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind viel zu groß, die Viererkette steht zu weit auseinander, der Abstand zwischen der Viererkette und den anderen Mannschaftsteilen ist zu groß – da kann jeder Gegner schön bequem aufspielen, da wird kaum einer gestört. Das sind elementare taktische Fehler, und ich kann mir auch gut vorstellen, dass daran gar nicht gearbeitet wird . . .“ Einmal Training am Tag. Wissenschaftlich erwiesen, dass das reicht – so der Trainer Bert van Marwijk. Und lieber mal nur einmal am Tag, dafür aber intensiver – so der Sportchef. Wobei „intensiver“ ja dehnbar ist. Horst Heese: „Ich habe gelesen, dass die Spieler einen zu großen Druck verspüren, jetzt muss man mir nur noch was vom Bio-Rhythmus erzählen, dann falle ich tot um. Die Spieler sollten sich mal andere Sportler ansehen, was die für einen Druck haben, dann wissen sie, woran sie noch zu arbeiten haben.“

Sportchef Kreuzer hatte zu Jahresbeginn darüber philosophiert, dass der Trainer seine Spieler künftig „härter anfassen“ wird. Aber denkste! Es wird weiter gepudert und mit Pampers gearbeitet. Heese: „Ich will gar nicht von früher sprechen, darüber lachen die Jungs ja heute nur, obwohl wir auch Fußball gespielt haben. Wir haben aber einst sieben Mal die Woche trainiert. Da ging dienstags die Post so etwas von ab, da waren die Zehnkämpfer Wanzen dagegen. Mensch, was will man in zwei, drei Einheiten trainieren? Da vergeht allein durch das Aufwärmen schon eine halbe Stunde. – Wahnsinn alles.“

Horst Heese über dieses Übel: „Diese Laschheit ist tödlich. Und das sieht man ja auch, diese HSV-Mannschaft hat ja nichts drauf. Die Spieler können gar kein Pressing spielen, die pumpen doch gleich . . . Man kann doch nicht immer nur die weiche Welle fahren. Die müssten Kilometer machen, die müssten rennen bis die Hacken brennen.“

Denkt Horst Heese an das morgige Spiel, dann wird ihm schlecht. Er glaubt an nichts Gutes mehr. „Wenn da morgen keine richtige Ansprache kommt, dann ist dieser Club zum Tode verurteilt. Da kann man den HSV lieben, da kann man HSV-Fans sein, da kann man dem HSV die Daumen drücken – wenn da keine vernünftige Absprache kommt, dann wird sich nichts ändern. Schluss, aus. Entweder ändert sich der Trainer, aber der verdrückt sich hinterher nach Holland und hat nichts mehr mit dem HSV zu tun. Dann ist das Thema für ihn erledigt. Er nimmt das Geld, und weg. Nach mir die Sintflut.“ Heese weiter: „Da hat auch die Führung des HSV versagt, denn da wurden und werden Trainer genommen, die einfach nicht passten. Wie zuletzt Thorsten Fink, der kommt zu einem Verein wie den HSV und hat keine Erfahrung. Schlimm.“

Zum Thema Umbruch hat Horst Heese auch noch seine persönliche Meinung: „Der HSV hat, durch den ganzen Chelsea-Mist, zwei Jahre an Aufbau-Arbeit verloren. Die Spieler aus London haben Plätze besetzt, die der HSV mit Amateuren hätte besetzen können. Das wäre besser gewesen. Zwei Jahre Aufbau-Arbeit sind verloren, dank Frank Arnesen. Dabei gibt es doch Spieler, die es könnten, die muss man nur suchen. Bei HSV aber wurde die bequeme Tour gefahren. Ein Toni Kroos oder ein Bastian Schweinsteiger sind doch auch nicht vom Himmel gefallen. Man muss aber schon suchen, in den Schoß fallen einem solche Talente nicht. Aber beim HSV denken sie schon seit Jahren so, das zieht sich durch den Club wie ein roter Faden. Da müsste meiner Meinung nach mal zusammengefegt werden – und dann müssten Köpfe rollen. Wobei ich nicht vom Vorstand spreche, da gibt es genügend andere Leute, die nichts machen oder nichts können.“

Wie wahr. Und genau deswegen zittern wir nun alle – wieder einmal um den HSV.

Ich gebe aber heute zu, dass ich seinerzeit, als es wieder einmal eine Minute vor Zwölf war, und zwar am 31. Januar 2007, so fest mit dem Abstieg des HSV gerechnet habe, wie vielleicht noch nie. Das erste Spiel des Jahres endete 1:1 in Bielefeld, dann gab es ebenfalls ein 1:1 zu Hause gegen Cottbus. Das war für mich das Ende – Abstieg. Thomas Doll wurde entlassen, es kam Huub Stevens. Der Retter. Der ließ die Null stehen – und gewann dann auch häufig. Ich habe es oft genug geschrieben: Stevens ist nicht mein Freund, wird es auch nie – aber für diese Leistung hätte man ihm eigentlich ein Denkmal setzen müssen. Neben dem Uwe-Seeler-Fuß. Und wer wird in diesem Jahr der Retter des HSV? Ich sehe noch keinen einzigen. Weit und breit nicht. Ich habe nur Angst. Und die ist längst so groß, wie im Januar 2007 – oder sogar noch größer. Ich gehe vom Schlimmsten aus, denn diese Mannschaft mag ja gute Fußballer in ihren Reihen haben, aber kämpfen kann sie nicht. Und da keiner von außen mit bestem Beispiel voran geht, wird sie es auch nicht mehr lernen.

Ich habe heute auch mit Bundesliga-Profi Nummer eins gesprochen. Harry Bähre, der war als Typ „Terrier“ ein echter und harter Kämpfer, will sich jedoch aus dem aktuellen Geschehen strikt heraushalten. Er sagte aber immerhin: „Ich mache mir, wie alle HSVer die ich kenne, ganz, ganz große Sorgen um den Club, denn so schlimm war es noch nie – obwohl es einige Male schon echt sehr schlecht um den HSV bestellt war.“ Ansonsten aber schweigt Harry Bähre. Es ist wohl die Angst, die ihn lähmt.

Was mich an der heutigen so prekären Lage des HSV stört: Wo gibt es denn noch einen Sascha Jusufi? Einen Profi, der sich wehren will, der dafür auch mal unbequem den eigenen Kollegen gegenüber wird? Der Tacheles spricht, der auf dem Rasen zur Sache geht, der Gras frisst? Solche Typen gibt es heutige nicht mehr. Auf jeden Fall nicht mehr beim HSV. Ich sehe ein solches Vorbild schon seit Jahren nicht mehr in diesem HSV. Und das ist das Gefährliche. Zumal sich der Club (wahrscheinlich wohl aus finanziellen Gründen? Ein Scherz!) nicht erlauben konnte, einen Typen wie Horst Heese zu verpflichten. Leider, Leider. Es wäre so schön gewesen, und es wäre gewiss auch ein kleiner Strohhalm gewesen. Wäre.

So wird sich der HSV an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen müssen. Ob ausgerechnet gegen Hoffenheim die Wende eingeläutet wird? Beim letzten Aufeinandertreffen in Sinsheim gab es einen 4:1-Erfolg des HSV. Das macht schon mal Mut. Am 11. Mai 2013 schossen Heung Min Son, Dennis Aogo, Petr Jiracek und Artjoms Rudnevs den Sieg heraus – drei Spieler davon spielen zurzeit nicht mehr für den HSV, einer (Jiracek) spielt, obwohl ihm eigentlich mal kämpferische Qualitäten nachgesagt wurden, nur eine Nebenrolle in Hamburg. In den bisherigen fünf Spielen zwischen Hoffenheim und dem HSV gab es drei Heimsiege und ein Unentschieden. Diesmal prallen die beiden Schießbuden der Liga aufeinander, denn die TSG hat bereits 42 Gegentreffer, der HSV bringt es „nur“ auf 41. Schlechtere Vereine gibt es in dieser Statistik nicht. Die Null muss stehen? Das wäre wohl ein kleines Fußball-Wunder, oder sogar ein größeres, wenn das morgen klappen sollte – oder überhaupt noch einmal in dieser Spielzeit.

Beim HSV gibt es personell noch einige Wackelkandidaten. Fest steht: Johan Djourou blieb in Hamburg zurück, wird also ein weiteres Mal fehlen. Beim heutigen Vormittags-Training war in Sachen Aufstellung nichts zu erkennen, im Abschlussspielchen standen sich zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber. Pech für den HSV, dass Marcell Jansen mit einer Knie-Prellung auszufallen droht. Für ihn gäbe es zwei Kandidaten, die einspringen könnten: Slobodan Rajkovic und Zhin Gin Lam. Letzterer hat heute erstmalig in dieser Woche mit der Mannschaft trainiert, Rajkovic wäre plötzlich und unerwartet mittendrin statt nur dabei.

Und das erinnert mich dann an die erste kostenlose Vorführung des HSV gegen Hoffenheim – und zwar am 26. Oktober 2008 in Mannheim. Trainer Martin Jol hatte – im Übermut (?) – Joris Mathijsen als Linksverteidiger aufgeboten, Innenverteidiger waren Alex Silva und Bastian Reinhardt. Alle drei Herren wurden schwindelig gespielt, und nicht nur die. Nach 35 Minuten hieß es bereits 3:0 – es war ein Desaster. Auch deshalb, weil Mathijsen von innen nach außen gedrückt worden war. Das konnte er nun ganz und gar nicht. Und Rajkovic? Ich habe nichts gegen „Slobo“, aber Linksverteidiger? Da habe ich aber meine ganz großen Zweifel.

Auf der Sechs wird es diesmal wohl das Duo Bouy/Badelj geben – Tolgay Arslan bleibt draußen. Ich bin gespannt, ob Quasim Bouy die Sechs kann, aber er soll es ja offenbar können. Grundsätzlich ist mir die HSV-Sechs aber stets zu offensiv besetzt, nur wer erkennt das, wer hat es in den letzten Jahren erkannt? Keiner! Ja, und dann gibt es noch die linke Offensiv-Position: Hakan Calhanoglu oder Ivo Ilicevic? Das Rennen ist völlig offen. Ich würde mich (anstelle des Trainers) für Calhanoglu entscheiden, aus dem Bauch heraus. Und vorne Jacques Zoua. Oder Zoua raus, „Calle“ vorne und Ilicevic links. Wobei rechts Ola John wirbeln soll. Hoffentlich tut er es, hoffentlich hat er sich vom HSV-Virus noch nicht packen lassen.

Übrigens hat ein „Matz-abber“ heute beim Training einen interessanten Vorschlag gemacht: „Rafael van der Vaart sollte eine Verletzung bekommen oder kriegen, damit er mal eine schöpferische Pause einlegen kann. Weil er zuletzt ohnehin nicht viel gebracht hat . . .“ Es darf diskutiert werden.

So, dann hat heute Patrick Owomoyela noch einen Vertrag beim HSV unterschrieben: für die Zweite. Der Kontrakt läuft bis zum Sommer 2014.

Dann gibt es noch in eigener Sache zu berichten:

Der „Matz-ab“-Schreiber Lars Pegelow sitzt am Sonntag beim Doppelpass auf „Sport1“, die Sendung beginnt elf Uhr Und der „Matz-ab“-Schreiber Dieter Matz ist am Sonntag zu Gast bei „0800 – Du bist dr@uf!“, von 21.30 Uhr bis 23 Uhr auf Sky Sport News HD. Die HSV Fans können bei der Sendung von Maik Nöcker live mitdiskutieren, via Telefon, kostenfrei unter 08000 366466. Oder Twitter mit #ssnhd oder direkt an @Sky_MaikN.

Und wer immer mehr HSV braucht und will: Sportchef Oliver Kreuzer sitzt am Sonntag von 18 Uhr an vor dem Mikrofon von NDR 90,3, die Sendung „Sportplatz Hamburg“ wird von Britta Kehrhahn moderiert.

Bereits am Sonnabend, nach dem Schlusspfiff in Sinsheim, werden wir mit „Matz ab live“ über das Spiel sprechen, unsere Gäste sind Lotto King Karl (der zurzeit allerdings ein wenig schwächelt – ich drücke ihm und uns die Daumen, dass er rechtzeitig gesund wird!) und der frühere Volleyball-Bundestrainer (und heutige „Matz-abber“) Olaf Kortmann. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet. Vielen Dank dafür.

Und dann noch ein Hinweis: „Scholle“ wird diesen Text noch ein wenig ergänzen – hat er gesagt. Das sollte zeitnah geschehen. Also immer noch einmal hier hineinschauen. Danke. Bis morgen.

***Ergänzung***
Robert Tesche steht – mal wieder – dem Vernehmen nach kurz vor einem Wechsel ins Ausland. Noch ist der Transfer aber nicht beschlossen. Sollte sich hier noch etwas tun, melde ich mich noch mal.

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Aktualisiert

Laut Tesches Berater Roland Kopp hat sich der Wechsel des HSV-Mittelfeldspielers zerschlagen. Die Engländer – es war von Wigan Athletic die Rede – hätten ihr Interesse zurückgezogen.

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Und dann bat mich Eva noch, einen offenen Brief hier reinzustellen. Oder besser gesagt, den Text und einen wichtigen Link dazu. Und das mache ich gern, weil es eine gute Sache ist. Und weil ich mir sicher bin, dass diese Mannschaft Hilfestellung von außen unbedingt braucht, da sie sich selbst momentan nicht helfen kann. Daher, hier der Text:

Verschwört Euch gegen die Umstände, die sich gegen Euch verschworen haben! Überwindet gemeinsam alle Widerstände!
Liebe Mannschaft!
Lieber Bert, Rafael, René, Jaroslav, Sven, Florian, Michael, Heiko, Johan, Lasse, Jonathan, Slobodan, Marcell, Dennis, Zhi Gin, Tomás, Milan, Matti, Gojko, Ouasim, Tolgay, Kerem, Robert, Petr, Hakan, Ivo, Ola, Pierre-Michel, Maxi, Jacques, Valmir
seit dem Wochenende wissen alle HSVer, was die Stunde geschlagen hat. Die Lage ist ernst, sehr ernst.
Gemeinsam können wir, Ihr Spieler und wir Fans, das Ruder herumreißen.
Ihr seid die Mannschaft des HSV. Wir sind die leidenschaftlichen Fans. Gemeinsam sind wir ein TEAM!!!
Lasst es uns gemeinsam anpacken.
Der Verein befindet sich im Umbruch.
Lasst uns daraus eine positive Aufbruchstimmung machen.
Teilt uns mit, wie wir Fans Euch unterstützen, Euch helfen können.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Kurz – aber präzise. Wer diesen Brief an die Mannschaft unterschreiben will, kann das hier tun:

wir-sind-ein-team@gmx.de

Und ich bin auf die Reaktion der Mannschaft gespannt. Schon in Hoffenheim werden wir sehen können, ob diese Mannschaft noch ein Team ist. Denn wenn stimmt, was mir heute in einem langen Telefonat erzählt wurde, steht diese Mannschaft ziemlich hilflos da. Aufgeteilt in Grüppchen. Mit einem Kapitän, der intern Gift und Galle spucken soll. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Frust ausschließlich dazu führt, dass Rafael van der Vaart vorwegmarschiert…

In diesem Sinne, auch von mir noch mal: Euch allen einen schönen Freitagabend und hoffentlich bis morgen, wo wir nach dem ersten, kleinen schritt in die richtige Richtung bei Matz ab live darüber diskutieren, wie gut van der Vaart doch noch sein kann.

Oder so ähnlich zumindest.

Scholle

Bierhoff sieht den HSV auf Platz zehn bis zwölf – und auf einem guten Weg

23. Januar 2014

„Der Mann hat Ahnung“, lobt HSV-Trainer Bert van Marwijk den Manager der Deutschen Nationalelf. Und das, obwohl van Marwijk mit dem von Oliver Bierhoff prognostizierten Tabellenplatz zehn bis zwölf nicht so recht einverstanden war. „Das glaube ich nicht – aber Oliver Bierhoff ist ein absoluter Fachmann.“ Und Dieter, der Bierhoff seit nunmehr 24 Jahren aktiv begleitet, hat mit ihm gesprochen. Mit dem „Fachmann“ wie van Marwijk zurecht lobt.

Hoffentlich. Denn ich würde der Prognose von Bierhoff gern glauben. Ein sicherer Mittelfeldplatz wäre nicht das Verkehrteste in der aktuell ja noch Sorgen bereitenden Tabellensituation. Ob sich auch Bierhoff um seinen Ex-Klub Sorgen macht? „Nein, Sorgen nicht“, so Bierhoff heute Vormittag auf einer Veranstaltung von Sportfive, „aber bei Unruhen im Verein und vielen Diskussionen ist es immer schwer, kühlen Kopf zu bewahren. Mit van Marwijk und Kreuzer hat der HSV aber ein gutes Gespann in der sportlichen Führung, sie werden dafür sorgen, dass Ruhe in den Verein kommt, aber das wird doch ein längerer Prozess werden.“ Einer mit viel Arbeit. Bierhoff weiter: „Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass der HSV wieder in die Spur kommt, ich denke, dass der Club am Ende zwischen Platz zehn und zwölf einlaufen wird.“ Van Marwijk sieht das anders, erwartet seine Mannschaft „die ich immer besser kennenlerne“, so der Trainer, weiter oben.


Dort, wo Bierhoff den HSV vor dieser Saison schon gesehen hatte. „Ich muss sagen, dass ich den HSV vorher schon etwas höher in der Tabelle erwartet habe, aber die Leistungen waren doch zu schwankend.“ Ein Patentrezept hat Bierhoff nicht. Dafür setzt auf den Faktor, den der HSV am wenigsten zu bieten hatte in den letzten Jahren: Kontinuität. „Man muss nun Oliver Kreuzer und dem Trainer Bert van Marwijk Zeit geben, eine Mannschaft aufzubauen. So etwas geht nicht von heute auf morgen. Nicht nur ich, sondern ganz Fußball-Deutschland wünscht sich, dass der HSV, dieser große Traditions-Verein, irgendwann mal wieder auf der europäischen Bühne spielt. Das wäre schön, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

Obgleich auch Bierhoff nach dem Votum der Mitglieder vom Sonntag optimistischer ist. Wie er den verlauf der Veranstaltung bewertet? „Es war eine sehr emotionale Versammlung, aber so ist der Fußball auch. Der Fußball hat sich natürlich gerade in den letzten zehn, 15 Jahren enorm entwickelt, auch die Voraussetzungen, die zu gewissen Dingen führen, haben sich geändert – und deshalb finde ich das Ergebnis, das der Sonntag gebracht hat, auch sehr gut. Das Votum ist relativ eindeutig, aber ich kann schwer einschätzen, ob das im Sommer dann ähnlich so sein wird.“

Bierhoff, der auf der Bühne in der „Hanse-Lounge“ Moderator Dirk Böge Rede und Antwort stand, ist ein ruhiger Typ. Sehr gut befreundet mit dem ehemaligen HSV-Aufsichtsratschef Udo Bandow – und emotional mit dem HSV noch immer verbunden. Bierhoff weiß aus der Nationalelf wie wichtig Kontinuität auf den entscheidenden Positionen ist. Und er weiß, wie wichtig das fachlich beste Personal ist. „Es hängt natürlich auch viel an Personen, aber wenn man bedenkt, wie die letzten Jahre gelaufen sind, dann lag das bestimmt auch an den Strukturen des HSV. Zumal dann, wenn man sich mal generell die Bundesliga-Landschaft so betrachtet, dann wäre ein Ausgliederung schon der richtige Schritt für den HSV.“

Den nächsten großen Schritt will der HSV am Sonntag gegen Schalke machen. Mit Dennis Diekmeier? „Er wird immer fitter, aber genau wie bei Heiko Westermann müssen wir da noch die nächsten Trainingseinheiten abwarten und dann eine Entscheidung treffen. Dann habe ich auch mehr Deutlichkeit.“ Ob die Mannschaft gut vorbereitet ist? „Ich muss da ganz vorsichtig sein. Aber ich habe das Gefühl, dass wir – die Spieler und ich – uns immer besser kennenlernen und verstehen. Dass sie immer besser verstehen, wie ich spielen will und wie ich trainiere. Sie setzen es um, sie haben sich immer besser daran gewöhnt und werden immer fitter.“ Selbst die Tatsache, dass der Indonesienabstecher hart war, war van Marwijk mit dem Trainingslager zufrieden. Bis auf die Ausfälle. Neben Westermann war auch Tolgay Arslan lange raus, konnte aber heute wieder einsteigen und ist für Sonntag noch nicht abgeschrieben. „Es war schade, dass die beiden nicht das ganze Trainingslager voll mittrainieren konnten. Es haben nicht alle Spieler alles mitmachen können – das ist leider so. Wir haben ein bisschen Pech gehabt. Aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass wir gut drauf sind.“

Und bereit für das erste Großkaliber der Bundesliga. So sieht es zumindest Rene Adler, der am Sonntag von Jaroslav Drobny im Kasten ersetzt wird. „Wir haben gerade mit dem gesamten Kader über den Start ins neue Fußball-Jahr gesprochen, und wir waren alle der Meinung, dass es für uns besser ist, dass es nun gegen Schalke 04 geht, statt gegen einen vermeintlich leichteren Gegner. Gegen die kleineren Klubs haben wir uns zuletzt ja doch schwerer getan. Schalke ist eine große Mannschaft, gespickt mit sehr, sehr guten Spielern, aber wir sind, so glaube ich, sehr gut gerüstet, sehr gut vorbereitet, da kann man dann auch mal ein kleines Ausrufezeichen setzen, wenn man Schalke zu Hause schlägt. Und mit einem Sieg könnten wir ja die Weichen für eine erfolgreiche Rückrunde stellen.“

Die Traineraussage. Dass sich Mannschaft und Trainerteam immer besser kennenlernen und sich aufeinander einstellen können, bestätigt Adler. Ohne dabei zu sehr auf die vorausgegangenen Fehler einzugehen. „Wir reden in diesen Tagen viel untereinander, auch mit Hilfe des Trainers, aber es hilft uns nicht viel, zurückzublicken auf die Hinrunde. Es bringt uns nichts, zu lamentieren und festzustellen, wie schlecht die Hinrunde war, das weiß inzwischen jeder. Wir haben es aufgearbeitet, unser Blick geht nur noch vorne, wir wollen eine bessere Rückrunde spielen und möglichst schnell viele Punkte sammeln, um in jene Gefilde zu kommen, wo wir einfach von der Qualität her hingehören.“ Platz zehn bis zwölf eben – zumindest ist das in meinen Augen sehr realistisch.

Fraglich ist jedoch, wie die Ränge am Sonntag reagieren. Nach der Wahlniederlage am Sonntag dürfte zumindest in der Nordkurve einiges an Protest bekundet werden. Ich habe gestern ein sehr nettes, längeres Gespräch gehabt, der natürlich alles andere als glücklich war mit dem Ausgang der Wahl am Sonntag. Jojo wirkte desillusioniert und demotiviert. Wobei ich mir sicher bin, dass er am Sonntag wieder alles geben wird, um die Mannschaft zu unterstützen. Ob es Proteste geben wird? „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht“, so Jojo, den ich dann auch nicht länger als nötig mit Fragen quälen wollte.

Ich jedenfalls bin gespannt – und eigentlich ganz guter Dinge, dass sich das Publikum des HSV am Sonntag wieder so präsentiert wie in den letzten Jahren: Als vorbildliches Heimpublikum. Zumal Politik nicht ins Stadion gehört. Die hat uns die letzten Monate und wird uns die nächsten Monate drum herum eh genug beschäftigen. Da sind diese 90 Minuten + X doch eigentlich mal eine gelungene Abwechslung und eine gute Gelegenheit, um abzuschalten und sich aufs eigentlich Wesentliche zu konzentrieren.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird – wie überraschenderweise heute auch – geheim trainiert. Dann soll auch Marcell Jansen, der heute nur leichtes Lauftraining absolvierte, wieder mittrainieren.

Scholle

Adler küsst die Schienbeinschoner

19. September 2012

Der große Harald Schmidt dribbelt sich auf Sky ins Abseits – immerhin in HD-Qualität, Profi Thomas „Tommy“ Gottschalk stürzt ab bis zu den Amateuren des Fernsehens – warum soll da der HSV eigentlich alles richtig machen? Auch ein „Dino“ hat verdammt noch einmal das gute Recht, einiges, vieles oder alles falsch zu machen. Und das hat seit einigen Jahren wahrlich bestens geklappt. Nun lasst ihn doch mal . . .

Nee, lasst ihn besser nicht. Gegen den Meister und Pokalsieger kann man zwar mal verlieren, aber da steht doch noch viel mehr auf dem Spiel – als nur noch ein weiterer Misserfolg mehr. Mit einem Sieg käme Dortmund dem HSV sehr nahe! Wie das? In Sachen Erfolgsserie. Der HSV ist immer noch die Nummer eins – bei den ungeschlagenen Bundesliga-Spielen. 36 Partien sind es, in denen der „Dino“ nicht verlor, das lief saisonübergreifend vom 30. Januar 1982 bis 22. Januar 1983. Der BVB ist nun aber dran am HSV. Mit einem weiteren Sieg (oder Unentschieden) könnte es eng werden für den HSV, denn dann müsste Dortmund nur noch vier Spiele ungeschlagen überstehen, um die Nummer eins zu werden. In dieser Statistik . . .

Deswegen wäre ein HSV-Sieg am Sonnabend schon elementar wichtig. Zumal damit dann eine lange Sieglos-Serie beendet werden könnte, denn den letzten „Dreier“ in der Bundesliga gab es für die „Finken“ am 14. April. In diesem Jahr, aber wer kann sich daran noch erinnern? Erschütternd, dieser Anti-Lauf. Zumal den Fans und Mitgliedern ja schon seit Wochen und Monaten stets versprochen wird, dass es ab nun nur noch bergauf gehen könne – nur noch bergauf gehen wird. Fromme Sprüche. Die dann ja immer noch kräftig garniert wurden: „Die Substanz der Mannschaft ist sehr gut.“ Oder: „Spielerisch sind wir besser als der kommende Gegner.“ Und, und, und. Wobei der HSV natürlich spielerisch nicht besser ist als der Meister, das ist wohl jedem ganz klar. Dafür würden dann aber nach einer weiteren Niederlage hören (und ertragen) müssen: „Trotz allem glaube ich an diese Mannschaft, wir sind stark genug, die Klasse zu halten, wir werden ganz sicher nicht absteigen.“
Stimmt.

Zum heutigen Training (am Nachmittag) hatten sich wiederum viele Kiebitze eingefunden, aber alle machten sie lange Nasen. Bis auf die Torhüter war auf dem Trainingsplatz niemand zu sehen. Der Trainer hatte sich wohl kurzfristig umentschlossen – es wurde in den Katakomben trainiert. Ob das so blieb, weiß ich allerdings nicht, denn ich fuhr nach Hause, um zu schreiben. Dieses Nach-Hause-Fahren allerdings ist bei Hamburg im Regen ungefähr so schön wie eine 0:1-Heimniederlage des HSV gegen Energie Cottbus . . . Da kommt Freude auf, wenn man stundenlang im Stau steht. So vor dem Krohnstiegtunnel, der halbseitig gesperrt ist. Wenn man es nach 20, 25 Minuten geschafft hat, darf man mit 30 durch den Tunnel „düsen“. Vor der Tunneleinfahrt steht dann auch noch extra ein besonders Verkehrsschild: „Radarkontrolle“. Da kommt dann zusätzlich Freude auf . . . Aber das eben nur am Rande.

Das ist aber schon etwas ganz Besonderes – Hamburg im Regen. Etwas ganz Ausgefallenes gab es dagegen bereits am Mittag in der Arena: Der Hamburger Weg und die Deutsche Telekom haben die Hamburger SportXperten gefunden. Die Schulklasse 5c der Gemeinschaftsschule Achter de Weiden (Schenefeld), die als Sieger der
Ausschreibung des Hamburger Wegs und der Telekom hervorgegangen ist, erlebte heute einen ganz besonderen Schultag beim HSV: Medientraining. Unterteilt in drei Gruppen bereitete die Siegerklasse Interviews vor, lernte Grundlagen der Kameraführung kennen und erhielt Einblicke in Moderationstechniken und Videoschnitt. Als Highlight führten eine Schülerin und ein Schüler vor der versammelten Klasse (und Medien-Vertretern) dann ein Interview mit René Adler durch. Dabei stellten die
Nachwuchsreporter nicht nur alltägliche Fragen zum sportlichen Geschehen, sondern fragten auch private Dinge aus der Jugend des HSV-Torhüters und testeten beispielsweise sein Schulwissen.

Adler sagte beispielsweise: „Fußball ist immer mein Traum-Beruf gewesen, darauf habe ich immer hingearbeitet. Ich wollte immer nur Fußball spielen, schon als Kind, alles andere habe ich ausgeblendet, habe nicht nach rechts und nicht nach links geschaut.“ Adler weiter: „Das hat sich zwar bezahlt gemacht, aber dennoch denke ich heute, dass es wichtig ist, dass man sich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Deswegen kann ich euch nur raten, sehr wohl nach links und rechts zu schauen, sucht euch andere Hobbys, beschäftigt euch mit anderen Dingen, um nicht nur auf eine Sache fixiert zu sein.“

Besser ist. Denn bis nach ganz oben, bis in die Nationalmannschaft, schafft es eben nicht jeder, im Gegenteil, der Prozentsatz ist erschreckend gering – die sich bis dahin durchboxen (können).

Was war Adlers Lieblingsfach? „Ich war immer gut in Mathematik, deshalb habe ich das auch als LK gewählt, aber das war im Nachhinein keine gute Idee, denn ich war mit dem Fußball sehr viel und oft unterwegs. Bei der Jugend-Nationalmannschaft erhielt ich zwar Schulunterricht, aber ich war zum Vergleich zu meinen Klassenkameraden immer zwei Schritte zurück.“ Deutsch hat Rene Adler übrigens auch sehr gerne gehabt.

„Meine Eltern haben mir damals immer gesagt: ‚Genieße die Schule, das ist die schönste Zeit deines Lebens.’ Das habe ich damals nicht geglaubt, aber im Rückblick muss ich sage, dass da viel Wahres dran ist – es war wirklich eine sehr schöne Zeit für mich.“

Und, wurde er gefragt, wie stand es um den schulischen Ehrgeiz? Rene Adler: „Ich war immer ein sehr und extrem ehrgeiziger Mensch. Meine schlimmste Note war die Drei, denn bei einer Drei wusste ich nicht, ob es gut oder schlecht war. Ich bin einer, der wissen muss, wo er steht. Bei einer Eins oder Zwei habe ich gewusst, dass ich gut bin, bei einer Vier oder einer Fünf wusste ich dann, dass ich mehr machen muss. Deswegen war die Drei immer eine schlechte Note für mich.“

Rene Adler will in Zukunft – nebenbei – studieren, und er will mit anderen Dingen als den Fußball beschäftigen. Ohne natürlich den HSV zu vernachlässigen, denn er will mit diesem Klub Erfolg haben: „Wir müssen langfristig denken, wir wollen zurück nach Europa, das lassen wir uns auch nicht ausreden, weil wir jetzt drei oder vier Spiele verloren haben. Wir denken darüber nach, was wir besser machen können, aber ich sehe uns schon auf einem guten Weg.“

Gegen Ende des „Verhörs“ wurde der Keeper gefragt, welchen „Tick“ er denn beim Fußball habe? Adler: „Ich küsse vor jedem Spiel meine Schienbeinschoner. Und immer den linken zuerst anziehen.“ Bei einem abschließenden Quiz blieb Rene Adler keine Antwort schuldig, er wusste nahezu alles. Das hat die Schüler total beeindruckt. Ohnehin legte der Nationaltorhüter großartiges Doppel-Interview hin – das war super, dickes Kompliment.

Ganz zum Schluss sprach Rene Adler auch noch über die aktuelle, wenig berauschende Lage des HSV: „Die Tore, die wir kassieren, die fallen ja meistens nicht aus dem Spiel heraus, sondern entstehen nach Standardsituationen. Oder es unterlaufen uns grobe Fehler. Da brauchen wir eine genaue und gute Aufarbeitung. Und wenn man bedenkt, wie wir die Gegentore fangen, dann ist das eigentlich positiv, denn diese Dinge kann man schnell abstellen. Man muss einfach konzentrierter sein, man muss sich auch an die Aufteilung halten, die ganz klar vorgegeben werden, das ist keine Frage der Qualität. Das ist eine Frage des Selbstvertrauens, und das bekommt man nur durch positive Erlebnisse – wir werden jetzt noch enger zusammenrücken und noch härter arbeiten.“ Dann sagte Adler abschließend: „Es bringt uns aber nichts, immer über einen Aufwärtstrend zu reden, wir müssen ihn auch leben, und diesen dann mit Siegen unterfüttern.“

Abschließend sei noch zu den SportXperten gesagt: Das ist ein Förderprojekt des Hamburger Wegs, für das René Adler Spielerpate ist. Christof Rupprecht, ehemaliger Liga-Spieler des TuS Holstein Quickborns (zu besten Zeiten!) ist der Projektleiter und stellt fest: „Für die Kinder ist das Projekt SportXperten ein unvergessliches Erlebnis, weil sie selbst daran teilhaben, Medien zu gestalten. Wir freuen uns sehr, jetzt Förderprojekt der Initiative ‚Der Hamburger Weg’ zu sein”. Die Förderziele des Projekts sind Medienkompetenz, Sprache, kulturelle und interkulturelle Bildung sowie Sport und Gesundheit.

So, die Schüler aus Schenefeld hatten heute ihren großen Tag, die Stars von gestern haben es an diesem Donnerstag. Dann werden nachmittags am „Uwe-Seeler-Fuß“ die Mitglieder Nr. 27 bis 32 in den „Maske Walk of Fame des HSV” aufgenommen. Im Jubiläumsjahr gibt es ein besonders großes Aufgebot an Geehrten und prominenten Laudatoren:

Willi Reimann (Laudator: Dr. Peter Krohn), Fritz Laband (Franz Klepacz), Branko Zebec (Holger Hieronymus), Thomas von Heesen (Wolfgang Rolff), Udo Bandow (Oliver Bierhoff) und Günter Netzer (Gerhard Delling).

Nach der Ansprachen von Stifter und Sponsor Andreas Maske und dem HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow folgen die Ehrungen und die traditionelle Übergabe der Schals „Für Menschen, die Spuren hinterlassen haben”.

Das ist einmal wieder ein großer Tag für den HSV – und der könnte bestens abgerundet werden, wenn dazu ein Heimsieg am Sonnabend eingefahren werden könnte. Aber, ich weiß, ich weiß, Fußball ist kein Wunschkonzert. Aber manchmal geschehen eben doch noch Zeichen und Wunder.

Einen ganz großen Tag hatten sieben Herren bereits am Dienstag. Abends hatten sie zur Vorstellung ihres Buches “Kinder der Westkurve” in die Raute eingeladen. Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Axel Formeseyn führte locker und gekonnt durch das Programm, Museums-Chef Dirk Mansen hielt die Eingangsrede – und dann stellten sich die Autoren Jörn von Ahn, Malte Laband, Thorsten Ewert, Jan Möller, Thorsten Eikmeier, Thomas Reifschläger und Philipp Markhardt launig und mit vielen Anekdoten vor. Es geht global um die Geschichte der HSV-Fans, das “Werk” wurde in vier Jahren erbracht (geschrieben) und es wiegt 3,1 Kilogramm. Es hat 660 Seiten (!), es kostet 39.90 Euro und ist erschienen im eigens dafür gegründeten Verlag “Hamburger Schriftmanufaktur”. Der Vorstellungsabend machte Lust auf mehr – also lesen dieses dicke Ding! Und für alle, die jemals in der Westkurve standen um den HSV anzufeuern, ist dieses Buch auf jeden Fall DIE Pflichtlektüre. Auch wenn es mitunter recht hart zu lesen und anzusehen ist – wie im richtigen Leben eines hammerharten HSV-Fans eben.

PS: Morgen wird im Volkspark (voraussichtlich) um 10 Uhr trainiert.

19.17 Uhr

Scharner – ein Spieler befragt den Trainer

7. August 2012

Ob es noch Minuten dauert, oder vielleicht noch einige Stunden – egal, es soll heute noch geschehen und verkündet werden: Der HSV hat einen neuen Innenverteidiger. Sofern Paul Scharner nicht ein „Hoeneß-Knie“ hat, an dem die spotmedizinische Untersuchung (Bundesliga-Tauglichkeits-Bescheinigung) doch noch scheitert. Ansonsten ist der nächste Neue da. Und Trainer Thorsten Fink wirkte total erleichtert. War der Coach in den letzten Wochen oft auch schon mal schlecht gelaunt, so wirkte er heute gelöst, gelockert, frei und sogar einige Male heiter. Es geht voran. Und um es gleich zu sagen: Paul Scharner kommt nicht zum HSV, weil ihn Eintracht Frankfurt nicht haben wollte. Wer so etwas behauptet, der liegt total daneben. Der 32-jährige Scharner war den Hessen zu teuer, deswegen ist (wohl) ein eventuelles Engagement des Österreichers gescheitert. Der HSV dagegen hatte offenbar das nötige Kleingeld, um sich mit dem Nationalspieler zu einigen.

„Es fehlt nur noch die Untersuchung und die Unterschrift, aber wir sind uns einig“, sagt Fink, der sich am Montag mit Scharner getroffen hatte „Wir hatten ein langes und sehr gutes Gespräch, ich habe dabei gemerkt, dass mir gegenüber ein heißer und erfahrener Spieler sitzt, der im positiven Sinne verrückt ist – er ist schon ein absoluter Profi. Manchmal vielleicht schon ein wenig zu übertrieben, aber ich finde das gut. Er bringt eine Menge Erfahrung mit, die wir gut gebrauchen können, nämlich dann, wenn es brenzlig wird. Ich glaube, wir haben den richtigen Mann gefunden, er wird unserer jungen Abwehr eine Stütze sein. Wobei ich sagen muss, dass alle die Chance haben, dort zu spielen. Ein gesunder Konkurrenzkampf ist gut, Scharner kommt nicht nur, um den Kader aufzufüllen.“

Thorsten Fink machte sich in diesem Gespräch ein erstes Bild von seinem Zugang, aber es war auch umgekehrt. Scharner, der vereinslos war, hatte eine Liste mitgebracht, auf denen Fragen an den HSV-Trainer standen. Viele Fragen. Der 1,93 Meter große Abwehrmann wollte nicht blauäugig in sein Engagement in Hamburg stolpern, er hatte sich vorher Gedanken gemacht und sich mächtig präpariert. Der Profi fragte den Trainer aus. Fink: „Er war top vorbereitet. Ungewöhnlich, so viele Fragen, aber das ist positiv, und es ist mir lieber so, als wenn einer zu mir kommt und sagt, nun frag mich mal. Paul dagegen war ganz heiß, das hat mir top gefallen. Und er macht einen top durchtrainierten Eindruck.“

Scharner, der auch im Mittelfeld spielen könnte, wird beim HSV nur als Innenverteidiger eingesetzt werden. Entweder für Michael Mancienne oder für Jeffrey Bruma. „Ich bin froh, dass wir nun eine Alternative haben, denn wenn Bruma oder Mancienne mal ausgefallen wären, dann hätten wir viel umbauen müssen“, sagt Fink. Nämlich Heiko Westermann zurückbeordern, das fällt nun flach. Die HSV-Abwehr wird mit Scharner kantiger, größer und kopfballstärker.

Paul Scharner ist ein „bunter Vogel“, er ist in Österreich nicht unumstritten, aber er ist auf jeden Fall einer, der seinen Job sehr ernst nimmt. Und er macht seinen Mund auf, soll heißen, der dirigiert seine Nebenleute lautstark und überaus engagiert, er ist ein großartiger Organisator, ein Mann auch, der kein Blatt vor den Mund nimmt – Klartext ist angesagt. Und das kann dieser HSV-Mannschaft nur gut tun, denn solche Leute braucht ein Team. Es davon nur zu wenige. Jetzt ist Scharner da, und da auch ein Rene Adler immer seinen Mund aufmacht, anspornt, dirigiert, lobt und die Vorderleute stellt, kommt schon mehr Leben in die Bude – auf jeden Fall schon mal in die Defensive.

Für das Testspiel am Mittwoch in Flensburg gegen den dänischen Meister Nordsjaelland (Anstoß 19 Uhr) spielt Scharner, dem nach eigener Aussage viele Angebote vorlagen, noch keine Rolle, eventuell aber ist er am Sonnabend dabei, wenn der HSV dann auf Mallorca gegen Mallorca spielt. Fink auf jeden Fall ist schwer begeistert vom neuesten „Fang“ des HSV. Nachdem der Coach ausgiebig von dem Spieler befragt wurde, stand Scharner auf (Thorsten Fink spielte es voller Begeisterung nach!) und sagte in Richtung Fink: „Trainer, ich mach’s.“

Das klingt alles so gut, ich glaube diese Kante tut dem HSV tatsächlich gut. Auch wenn er „schon“ 32 Jahre alt ist, aber jedem dürfte doch klar sein, dass eine „Bubi-Abwehr“ auf Dauer doch sehr anfällig werden könnte.

„Jetzt ist eine weitere Baustelle gelöst, nun gehen wir weiter“, sagt Thorsten Fink. Es ist klar, was jetzt noch kommen muss: ein Kreativspieler. Und ein Stürmer? Fink: „Wenn das mit Milan Badelj klar ist, wenn dann auch ein Spieler da ist, der unser Spiel lenken kann und wird, dann schauen wir mal, was noch übrig ist. Mal abwarten.“ Also doch ein Stürmer? Thorsten Finks Vorstellungen gehen in diese Richtung: „Vielleicht ein junger Mann, der kopfballstark ist. Mal ein ganz anderer Stürmer-Typ. Aber das muss ich erst noch mit Frank Arnesen absprechen. Persönlich, nicht am Telefon. Mal schauen, was noch möglich ist.“ Uwe Seeler hatte ja einen „Brecher“ gefordert – Fink zu jenem Stürmer, der ihm vorschwebt: „Mehr oder weniger ein Brecher . . .“

Dann brach der HSV-Trainer allerdings auch noch eine Lanze für die Angreifer, die er jetzt schon hat: Marcus Berg und Artjoms Rudnevs: „Wir wollen jetzt nicht alles schlechtreden, was bislang im Sturm war. Nur weil die beiden Spieler gegen Barcelona, Dortmund und Bayern nicht getroffen haben. Ein Torjäger, der dreimal in Folge in drei verschiedenen Ligen jeweils über 20 Tore macht, der wird nicht immer nur angeschossen worden sein, wenn er seine Tore gemacht hat. Artjoms Rudnevs braucht, wie Marcus Berg, ein Erfolgserlebnis, dann wird es schon klappen. Wir haben mit ihnen zwei gute Stürmer, davon bin ich überzeugt, und dazu können wir ja auch immer noch wieder Heung Min Son oder auch Maximlilian Beister in den Sturm nehmen.“

Dann stellt Thorsten Fink eine gewagte Prognose auf: „Wir werden in den nächsten fünf Spielen, also im Pokal in Karlsruhe, auch in den Testspielen, immer mehr Ballbesitz haben als der Gegner. Da können wir jetzt schon wetten. Und dann gilt es, da Chancen herauszuspielen. Das wird auch gegen Nürnberg so sein, das wird in Bremen gleich sein, das wird aber auch in Frankfurt der Fall sein, und da gilt es dann, die richtige Mischung zu finden, den Ball in die Tiefe zu spielen, von der zweiten Reihe auch zu schießen, was wir noch zu wenig machen – und dann die Chancen zu nutzen.“ Zudem gab es von Fink schon mal ein kleines Resümee: „Ich finde, wir stehen in der Abwehr schon besser als in der vergangenen Saison, wir stehen da schon viel organisierter als zuletzt.“
Dann muss jetzt eben noch etwas in Sachen „Angriff“ passieren – aber das wird ja auch. Fink: „Die Jungs da vorne müssen alle Gas geben. Wir werden in den Testspielen noch mal wechseln, es können sich alle noch einmal zeigen.“

Links ist bislang Marcell Jansen gesetzt, wie Fink es sagt: „Er spielt im Moment effektiv. Und Ivo Ilicevic ist noch nicht bei 100 Prozent. Er war lange verletzt, er hat bei uns noch nie eine richtige Vorbereitung mitgemacht, wenn er das schafft, dann wird er auch körperlich hundertprozentig fit sein. Und dann wird er auch effektiver. Obwohl er auch jetzt schon Super-Leistungen gezeigt hat; in Südkorea zum Beispiel, wo er ein großartiges Tor erzielt hat. Für ihn wird es auch leichter, wenn wir mehr in Ballbesitz sind.“

Eine erfreuliche Nachricht am Rande: Zhi Gin Lam, der „neue Lahm“ des HSV, der zuletzt verletzt pausieren musste, ist beim Nachmittags-Training schon wieder dabei.

Morgen wird, bevor es nach Flensburg geht, um 10 Uhr im Volkspark trainiert.

Dann möchte ich schnell noch einige Zeilen anderer Art veröffentlichen.

Zunächst geht es um die Sorge um den HSV:

„Lieber Dieter Matz, lieber Scholle,

Glückwunsch zum 3-jährigen. Hätte nicht gedacht, daß Sie noch so jung sind. Zum Thema HSV: Ich bin jetzt 61 Jahre alt und seit Kindesbeinen Ostfrieslands größter HSV – Fan, doch so gelitten wie im letzten Jahr habe ich noch nie. Nun habe ich mir die Vorbereitungsspiele des HSV im Fernsehen angesehen, soweit dies möglich war. Mein Eindruck nach dem Liga – Total-Cup ist erschreckend. In der derzeitigen Verfassung werden wir kein Spiel in der Bundesliga gewinnen, so dämlich können sich die anderen Mannschaften gar nicht anstellen!

Lieber Dieter, lieber Scholle,
können Sie irgendeinen Funken Hoffnung versprühen, daß es besser wird? Ich biete meine Hilfe gerne an, denn ich bin Fußballjugendobmann beim TV Bunde (einem 3800 – Seelenort). Obwohl wir ein kleiner Ort sind, konnten wir in den letzten 20 Jahren die erfolgreichste Jugendabteilung Ostfrieslands aufbauen, spielen mit den A – Junioren in der Landesliga und haben unsere 1. Herrenmannschaft, die in der Bezirksliga spielt, in den letzten Jahren so mit Jugendspielern “gefüttert”, daß sie inzwischen ein Durchschnittsalter von knapp 22 Jahren hat. Kein Spieler erhält auch nur einen Cent Geld, aber jeder, ob Jugend- oder Herrenspieler zeigt mehr Engagement für unseren Club, als jeder aktuelle HSV – Spieler (außer vielleicht Heiko Westermann). Bitte gebt mir irgendwie Hoffnung! Freundliche Grüße in meine Lieblingsstadt,

Gerold van H.”

Und dann gab es von der Deutschen Presse-Agentur folgende Meldung:

Jörg Butt hat seine Tätigkeit als Leiter des Jugendleistungszentrums von Bayern München beendet. 37 Tage nach seinem Wechsel vom Bundesliga-Kader in die Nachwuchsabteilung ist für den 38 Jahre alten ehemaligen Fußball-Torwart bereits wieder Schluss. „Ich habe dieses Tätigkeitsfeld, für das ich nun seit einigen Wochen verantwortlich bin, falsch eingeschätzt“, ließ Butt am Dienstag mitteilen. „Ich bin mit großer Begeisterung an meine neue Tätigkeit herangetreten, musste allerdings feststellen, dass mir diese Aufgabe nicht die gewünschte Zufriedenheit und Passion bringt.“

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge reagierte auf die Freistellungsbitte „völlig überrascht. Jörg Butt ist ein geradliniger und konsequenter Mann. Darum werden wir diese Entscheidung, auch wenn wir sie bedauern, akzeptieren.“ Butt hatte am 1. Juli den Job als Nachfolger des langjährigen Jugendchefs Werner Kern übernommen.

Ob sich da eine Bayern-Verpflichtung negativ auf die Arbeit von “Butti” Butt ausgewirkt hat? Matthias Sammer ist ja ein einnehmender Mensch . . .

Zuletzt folgt eine für mich etwas traurige Nachricht:

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) trennt sich von seinem Nationalmannschaftssprecher Harald Stenger. Da der auslaufende Vertrag mit dem 61-Jährigen nicht verlängert wird, wird der frühere Redakteur der „Frankfurter Rundschau“ in der kommenden Woche rund um das Länderspiel gegen Argentinien zum letzten Mal die Pressekonferenzen der Nationalelf leiten. Das bestätigte der DFB am Dienstag in einer Presseerklärung. Nachfolger wird der 41 Jahre alte Jens Grittner, der zuvor unter anderem Pressechef der Organisations-Komitees für die WM 2006 und die Frauen-WM 2011 war.

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff würdigte Stenger und den ebenfalls scheidenden Servicemann Manfred Drexler als „zwei tolle Persönlichkeiten, die sich um die Nationalmannschaft verdient gemacht haben. Beide stehen nicht nur für professionelles Arbeiten, sondern haben es auch verstanden, sich als wichtige Bezugspersonen für die Trainer und Spieler zu etablieren“.

Stenger selbst zeigte sich enttäuscht und überrascht von der Entscheidung. „Ich kann nur bestätigen, dass ich gerne weitergemacht hätte. Das wusste auch der DFB“, sagte er dem Radiosender „hr3“. „Ich habe nicht mitbekommen, dass man mit meiner Arbeit unzufrieden ist – zumindest hat mir Oliver Bierhoff, als er mir die Entscheidung mitgeteilt hat, gesagt, dass die sportliche Leitung der Nationalmannschaft, die ja vom Bundestrainer Joachim Löw angeführt wird, mit meiner Arbeit immer sehr zufrieden war und ich mich stets loyal und korrekt verhalten habe.“

Ja, der gemütliche „Dicke“ geht. Schade. Harald Steger ist sicherlich allen Fußball-Fans vom Fernsehen her bekannt, wenn er die Pressekonferenzen der Nati leitete. Stenger war einst Redakteur der „Frankfurter Rundschau“, wir waren jahrzehntelang mit dem DFB-Team auf Tour, wir waren und sind Freunde – deswegen tut mir diese Trennung auch mit weh. Denn ich weiß, dass dieser Job, den der gute Harald seit 2001 ausgeübt hat, sein Leben war. Er ist in diesem Beruf aufgegangen, er hat für den DFB fast rund um die Uhr alles gegeben. Alles. Zu Beginn seiner DFB-Tätigkeit hatte er etliche Skeptiker gegen sich, fast alle aber sind sie mit der Zeit umgekippt und haben ihm einen ausgezeichneten Job bestätigt. Nun ist es wohl wie fast überall in der deutschen Arbeitswelt, nun soll ein jüngerer Mann für frischen Wind sorgen.
Alles Gute, Jens Grittner, und vielen Dank, lieber Harald Stenger für Deine jahrelange Freundschaft, viel Erfolg für Deinen weiteren beruflichen Weg.

18.29 Uhr

Castelen wird in Salzburg getestet

18. Juni 2012

Der von uns angemietete Satellit stand uns kurzfristig doch nicht zur Verfügung. Immer dann, wenn unsere Techniker dachten, sie seinen „drin“ im Internet, schmiss man uns wieder raus. Ein Dilemma. Und wohl auch Sabotage. Entweder hat dann noch ein anderer Bieter mehr Geld auf den Tisch gelegt, sodass wir außen vor bleiben mussten, oder der Satellit war vergiftet worden. Ähnlich wie die Spieler der Ukraine, die kürzlich bei einem Deutschland-Aufenthalt, so ihr Trainer Oleg Blochin, mit Lebensmitteln vergiftet worden sind. Aber wir arbeiten dran, bis zum Viertelfinale am Freitag sollen und sollten alle Schwierigkeiten beseitigt sein. Auf jeden Fall war tatsächlich der Wurm bei uns drin – ich hätte es vorher wohl nicht beschreien dürfen. Wer die Sendung dann zeitverzögert trotz allem sah, der wird sich sein Bild davon gemacht haben. Ich war und bin von unseren Gästen noch immer schwer begeistert, denn wohl Carl-Edgar Jarchow als auch Oliver Wurm waren einfach nur klasse. Danke dafür. Jarchow ist in jeder Lage souverän, ist die Ruhe selbst und eine starke Nummer eins des HSV; Wurm ist ein großartiger, enorm kreativer und überragender Kollege, von dem ich denke, dass er eines Tages zum Beispiel auch Nachfolger von Doppelpass-Boss Jörg Wontorra werden könnte. Mir hat diese Sendung und haben diese Gäste trotz aller technischer Probleme auf alle Fälle viel Spaß gemacht.

Zum HSV. Es gibt sie ja doch noch, die (Agentur-)Meldung vom und über den HSV:

„Österreichs Fußball-Meister RB Salzburg testet den früheren HSV-Profi Romeo Castelen. Zum Ende der abgelaufenen Saison hatte der langzeitverletzte Mittelfeldspieler den HSV nach fünfjähriger Zugehörigkeit verlassen. „Romeo Castelen ist ein schneller, quirliger und sehr spielstarker Außenspieler. Wir werden ihn in den nächsten Tagen genau ansehen“, sagte Salzburgs Sportkoordinator Oliver Glasner.

Castelen musste viermal am Knie operiert werden. Für den HSV bestritt der 29-Jährige seit seiner Verpflichtung im Juli 2007 lediglich 28 Pflichtspiele. Einen weiteren Hamburger haben die Salzburger verloren. Der frühere HSV-Co-Trainer Ricardo Moniz trat vor einer Woche aus ‚professionellen Gründen’, wie er mitteilte, zurück.“

Ich würde es dem liebenswerten Romeo ja gönnen, wenn er es sich und allen anderen noch einmal beweisen könnte. Allein mir fehlt der Glaube.

Dann zur EM – und halb zum HSV:

Kroatiens Fußball-Nationaltrainer Slaven Bilic verfolgt den Hype um Trainer Jürgen Klopp vom deutschen Meister Borussia Dortmund amüsiert und mit Ironie. So hieß es heute in der Agentur. Und, nun der wichtigere Teil: Bilic, der nach der EM zu Lokomotive Moskau gehen wird, bestätigte, dass er sich schon lange mit dem Gedanken trug, den Posten als Nationaltrainer abzugeben. „2008 wäre es leicht für mich gewesen, zu gehen. Ein großer Verein wollte mich (der HSV, d. Red.), aber mein Weg war noch nicht zu Ende“, erklärte der 43-Jährige: „Und 2010, nachdem wir die WM-Qualifikation verpasst hatten, konnte ich einfach nicht gehen. Der Verband ist 2006 ein großes Risiko eingegangen, als er mich zum Nationaltrainer gemacht hat. Das habe ich nie vergessen, da hatte ich etwas zurückzuzahlen.“

Noch heute bekomme ich ja Kritik dafür, dass ich seinerzeit im Sport 1-Doppelpass gesagt habe, dass ich glaube (und sicher sei), dass Bilic der neue HSV-Trainer wird. Weil ich es aus „seiner Ecke“ als ziemlich sicher vernommen hatte. Bilic sah sich damals ja auch ein Heimspiel des HSV an, ich sprach ganz kurz mit ihm – und ich war mir schon sicher, dass er kommen würde. Als er dann doch nicht kam, hörte ich später (auch aus seiner Ecke), dass er sich daran gestört hätte, dass sich der HSV-Aufsichtsrat (einige Herren jedenfalls) daran gestört hätte, dass Bilic einen Brillanten im Ohr trug. Ob das tatsächlich der Grund gewesen ist, vermag ich nicht zu sagen, ich habe es mehrfach und tagelang versucht, mit ihm zu telefonieren, aber er ging nicht mehr an sein Handy – selbst dann nicht, als ihm ein Verwandter meine Bitte ausgerichtet hatte. Schicksal.

Zur Gruppe B dieser EM. Ich gebe zu, ich war vorher der größte EM-Pessimist, „uns Scholle“ hat mich mehrfach „zusammenpfeifen“ und zur Ordnung rufen müssen, denn ich sah Deutschland in dieser „Hammer-Gruppe“ nach der Vorrunde nach Hause fliegen. Weil die Vorbereitung ja nun wirklich nicht darauf schließen ließ, dass alle drei Gruppenspiele mit einem deutschen Sieg enden könnten. Und nun fahren die so hoch eingeschätzten Niederländer mit ihrer super Offensive heim – sieg- und punktlos, nur zwei Tore geschossen. Und das ist irgendwie eine kleine Genugtuung, denn wenn ich so an 2000, die EM in Belgien und in Holland, denke, wie früh ich damals meine Koffer packen musste . . . Das war schon deprimierend. Erst sah ich den großen Horst Hrubesch nach der 0:3-Klatsche in Rotterdam gegen Portugal weinen wie einen Schlosshund, dann kam ich hier mit hängenden Ohren in Hamburg an. So, als hätte ich selbst mitgespielt und versagt wie Matthäus, Kahn und Co . . . Zum Glück hat Fußball-Deutschland ja solche Szenarien nicht zu oft erlebt. Und auch jetzt, mit dem Erreichen des Viertelfinals, ist ja wieder ein guter Schritt gemacht worden, ist die Position in der Weltspitze doch schon wieder ein wenig untermauert worden. Gratulation.

Und es geht ja noch weiter. Gegen die Griechen. Ein „Freilos“? Otto Rehhagel warnt ja, und auch wenn ich es nicht glauben will – als Griechenland 2004 Europameister geworden ist, müssen wohl alle Gegner von damals gedacht haben, sie hätten ein „Freilos“ gezogen. Genau deshalb macht es dieses Spiel am Freitag so gefährlich.

Dennoch, das muss ich gestehen, glaube ich nicht daran, dass die Griechen diese gute deutsche Mannschaft stolpern lassen können. Es sei denn, die Löw-Bubis unterschätzen den Gegner – was ja im Fußball auch immer wieder passieren soll.

Und will man dem früheren HSV-Torwart Frank Rost Glauben schenken, so hat Deutschland ja auch noch gar nicht überzeugend gespielt. Sagt eine NDR-Meldung aus:

Der ehemalige Nationaltorhüter Frank Rost ist hart mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Gericht gegangen. Dem Radiosender NJoy, bei dem Rost derzeit als EM-Experte gefragt ist, sagte er nach dem 2:1 gegen Dänemark: „ Fußballerisch hat’s mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Es hat kein Kombinationsspiel stattgefunden, so wie wir es sonst von der deutschen Mannschaft gewohnt sind.“ Und Rost setzte trotz des dritten Sieges im dritten Spiel noch einen drauf: „ Du musst halt irgendwas machen und nicht nur hoffen, dass dein Nachbar was macht. Sondern Dich selbst auch mal anbieten. Das hat mir gefehlt.“ Laut Rost muss eine Leistungssteigerung her für die K.O.-Runde: „Überzeugt hat mich bis jetzt noch kein Spiel.“
Nachhören kann man das ganze Interview unter www.ndr.de/sport

Immerhin, und ich finde diese Zahlen erstaunlich, hat das Spiel gegen Dänemark für eine tolle TV-Quote gesorgt:

Das letzte Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark hat die bisher höchste Zuschauerquote der Fußball-EM gebracht. 27,65 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend im Ersten den Einzug der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ins Viertelfinale, das entspricht einem Marktanteil von 74,2 Prozent, wie die ARD mitteilte. Das zweite Gruppenspiel der Deutschen gegen die Niederlande hatten 27,22 Millionen gesehen.

Muss wohl doch etwas dran sein, an diesem DFB-Team.

Auf dem nächtlichen Rückflug aus Lwiw nach Danzig hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach eine Lobeshymne auf die deutschen Fußball-Nationalspieler und Bundestrainer Joachim Löw angestimmt. „Euer Zusammenhalt ist phänomenal. Ich kann euch nur aufrufen, in diesem Geist weiterzumachen. Ihr seid ein fantastisches Team, und ihr sollt wissen, dass ganz Deutschland hinter euch steht. Was ihr geleistet habt, ist außergewöhnlich und alles andere als selbstverständlich“, sagte Niersbach nach DFB-Angaben in seiner von Applaus begleiteten Ansprache über das Bord-Mikrofon.

Niersbach würdigte auch die Verdienste der Sportlichen Leitung um Bundestrainer Löw nach dem 2:1-Sieg gegen Dänemark und Platz eins in der schweren Gruppe B. „Jogi, du hast dich nicht beklagt über manche Schwierigkeiten bei der EM-Vorbereitung. Du hast es mit deiner Art, mit deinem Trainerteam, mit Oliver Bierhoff im Management, durchgezogen. Das ist allererste Klasse“, sagte der DFB-Chef, der anschließend Siegtorschütze Lars Bender („In der entscheidenden Sekunde warst du da“) und Jubilar Lukas Podolski persönlich ansprach. „In deinem Alter 100 Länderspiele erreicht zu haben und dabei 44 Tore erzielt zu haben, da sage ich nur: Das ist klasse. Wir alle sind froh, dass wir einen wie dich in unserer Mannschaft haben.“

Mit lautstarken „Rede, Rede“-Rufen wurde dann Podolski ans Mikrofon gerufen. „Ja, so ist es richtig, zückt alle die Handys und Kameras“, scherzte der Kölner, der seine 100 Spiele als „Wahnsinn“ bezeichnete und schloss: „Danke an alle – und ab ins Finale!“

Podolski rangiert nach seinem 44. Länderspieltor in der ewigen Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nun nur noch einen Treffer hinter Ex-Kapitän Karl-Heinz Rummenigge (45 Erfolge). Und, was uns Hamburger ja ein wenig trifft: Der 27-Jährige hat nun auch HSV-Legende und Ehrenspielführer Uwe Seeler (43) hinter sich gelassen, „uns Uwe“ bringt es (und brachte es) auf 43 Tore.

Unangefochten in Führung liegt weiterhin Gerd Müller mit 68 Toren in 62 Länderspielen. – Die ewige Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Überblick:

1. Gerd Müller 68 Tore/62 Länderspiele
2. Miroslav Klose 63/119
3. Joachim Streich 55/102 (DFV)
4. Jürgen Klinsmann 47/108
4. Rudi Völler 47/ 90
6. Karl-Heinz Rummenigge 45/ 95
7. Lukas Podolski 44/100
8. Uwe Seeler 43/ 72
9. Michael Ballack 42/ 98
10. Oliver Bierhoff 37/ 70
11. Ulf Kirsten 34/100 (14/49 DFV, 20/51 DFB)
12. Fritz Walter 33/ 61
13. Klaus Fischer 32/ 45
14. Ernst Lehner 31/ 65
15. Andreas Möller 29/ 85
16. Edmund Conen 27/ 28
17. Mario Gomez 25/ 55
18. Eberhard Vogel 25/ 74
19. Richard Hofmann 24/ 25
20. Lothar Matthäus 23/150
20. Bastian Schweinsteiger 23/ 93

PS: Am 2. Juli trainiert der HSV (schon) wieder. Es sind nur noch 14 Tage – Land in Sicht.

18.01 Uhr

“Fußball-Gott” Benjamin zurück zum HSV?

13. Juni 2012

Er könnte wohl spielen. Verraten aber, ob er am Abend auch tatsächlich dabei ist, das hat er nicht. Joris Mathijsen, der ehemalige Hamburger, hatte heute SMS-Kontakt mit seiner früheren Wahl-Heimat, dem Volkspark. HSV-Team-Manager Marinus Bester wollte ein wenig Spaß mit dem HSV-Abwehrspieler haben – vor dem Knüller Niederlande gegen Deutschland, am Abend um 21.45 Uhr. Es wurde heftigst geflachst. Bester schrieb Mathijsen: „Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du mitspielst – das wäre gut. Für Deutschland . . .“ Dem kann ich nichts hinzufügen. Außer, dass ich der Meinung von „Maschine“ Bester bin. Deswegen drücke ich Mathijsen ganz fest die Daumen. Er war ja nie der Schnellste einer, und wenn er nun über eine Woche nur eingeschränkt trainiert hat, dann kann er auf jeden Fall ja nicht viel schneller geworden sein . . . Und irgendwie möchte ich ja doch, dass die Truppe von „Clever & Smart“ gewinnt. Also die Truppe von Löw und Bierhoff.

Aber es wird ganz, ganz eng. Die Niederländer kämpfen schließlich schon um ihre letzte Chance. Doch wem sag ich das? Ihr seid ja ohnehin alle auf Ballhöhe. Es ist schon erstaunlich, wie das „gesamte Volk“ in diesen Tagen und Wochen mitfiebert – einfach toll, wie viele Fahnen ich an den Autos sehe, wie viele Damen und Herren in deutschen Trikots herumlaufen. Wahnsinn. Das war doch vor zehn, 20 Jahren nicht denkbar. Und obwohl die HSV-Fans ja für ihre unglaubliche Treue zu ihrem HSV gelobt wurden (völlig zu Recht!), bin ich trotz allem der Meinung, dass einige der HSV-Fans jetzt noch ein wenig lernen könnten. Nämlich ohne Wenn und Aber zu seinem Klub zu stehen (ohne dabei unkritisch zu sein). Ich denke dabei jetzt, während der EM, vor allem an die HSV-Nationalspieler (auch an die ehemaligen), zu denen einige HSV-Anhänger ja ihre ganz spezielle Meinung hatten und haben – und diese auch immer ganz exklusiv (oft auch anonym) mitteilten: „Der gehört da nicht rein, der ist viel zu schlecht – es ist geradezu lachhaft, dass der Nationalspieler ist . . .“ Usw, usw.
Die, die jetzt gerade in ganz Deutschland ganz emsig Flagge zeigen, die stehen fest zu ihrer Mannschaft. Und sie stören sich zum Beispiel ja auch nicht an der Frage, ob nun der lauffaule Mario Gomez Spitze spielen soll, oder doch besser sprunghafte Miroslav Klose? Wobei ich eher für den kleinen, wuseligen Marco Reus wäre . . . Aber das ist dann doch noch eine ganz andere Frage.

Um aber noch einmal auf Gomez zu kommen: Wie er die Kritik von Scholl verarbeitet hat, wie der Torjäger diese harte, überharte oder sogar auch unfaire Kritik in der Öffentlichkeit behandelt hat – das war Weltklasse. Ich stelle mir nur mal vor, wenn eine solche Kritik auf Mario Basler oder auf Lothar Matthäus hernieder geprasselt wäre – dann hätten wir auf Wochen in jeder Zeitung Schlagzeilen satt. Mario Gomez aber hielt den Ball wunderschön flach, ob nun auf Anraten des DFB oder auch des FC Bayern, oder aus eigenem Antrieb – egal, er hat sicher super verhalten. Und deswegen gönne ich ihm auch heute mindestes ein Tor – und ein gutes Spiel. Und Scholl war gestern, in der ARD (als Partner von Gerhard Delling), ja auch ein wenig zurückhaltender als sonst. „Scholl light“, sozusagen. Aber er wird auch während dieser EM noch wieder in seine alte Form zurückkommen . . . Aber, auch das muss mal gesagt werden, „Scholl light“ mit Delling oder Reinhold Beckmann ist immer noch dreimal so gut wie dien ZDF-EM-Sendung aus Usedom. „Olli, woher du das immer weißt . . .“, himmelte Frau Müller-Hohenstein ihren Partner Oliver Kahn an, und der sagte – dabei mit den Augen rollend: „Ja, ich habe ja auch mal ein bisschen Fußball gespielt.“ Ist nicht wahr! Das ist die ganz hohe Schule der Fußball-Moderation.

Themenwechsel. Mein Freund „Dicki“ steht mit den Super-Senioren des HSV am Sonntag im Endspiel-Turnier um die Hamburger Meisterschaft. Das findet am Sonntag am Grophuisring (Steilshoop) statt. Und was macht er, der über 60-jährige Fußball-Verrückte? Er fuhr am Dienstag schon mal zum Platz, um die Verhältnisse zu prüfen! Unfassbar. So klärt er schon mal die Stollenfrage, die Windverhältnis, ob der Platz abschüssig ist, wie die Sonne um 10.30 Uhr steht – und, und, und. Aber so ist er. Und es ist wohl auch nicht so ganz unnormal, denn, und darum habe ich das geschrieben, heute „turnte“ eine Delegation des FC Barcelona durch den Volkspark. Tatsächlich. Die Herren waren gekommen, um sich das Stadion anzusehen, um zu klären, was für jenen 24. Juli alles benötigt wird – wenn der große FC Messi gegen den HSV antritt. Ja, da wird selbst in einem Freundschafts-Kick nichts, aber auch nicht dem Zufall überlassen. Profihaft? Oder doch etwas übertrieben? Das überlasse ich euch. Aber wenn schon über 60-Jährige die Platzverhältnisse für den nächsten Sonntag überprüfen . . . Bislang sind übrigens schon 48 000 Eintrittskarten für dieses Spiel (HSV – Barca) verkauft worden – das lässt (demnächst) auf „ausverkauft“ schließen.

Noch ein Themenwechsel. Nächste Woche wird Collin Benjamin in Hamburg erwartet. Beim HSV. Der ehemalige HSV-Profi hat seine Profi-Karriere ja wohl an den Nagel gehängt, nachdem er zuletzt beim TSV 19860 München kaum noch regelmäßig gespielt hat – aus Verletzungsgründen. Kehrt „Collo“ nun in seine „Heimat“ Hamburg zurück, der kehrt er in seine „richtige“ Heimat zurück? Der HSV wäre eigentlich ja ideal für ihn, und Medien-Direktor Jörn Wolf sagte mir heute: „Er war hier Publikumsliebling, er ist ein verdienter HSV-Spieler mit vielerlei Talenten – vielleicht können wir ihn ja irgendwie an den HSV anbinden. Wir machen uns auf jeden fall Gedanken in diese Richtung.“ Toll. Würde ich riesig finden, wenn Collin Benjamin „Fußball-Gott“ hier in irgendeiner Form mitmischen würde. Und es klingt ja auf jeden Fall schon mal recht vielversprechend.

In aller Stille (fast schon klammheimlich) hat der HSV gestern (s)einen neuen Kunstrasenplatz an der Arena eingeweiht. Mit einem Spielchen zwischen Geschäftsstellen-Mitarbeitern. Sogar HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow, der frühere Linksaußen (?) von Komet Blankenese, trug sich in die Torschützenliste ein. Alter schützt vor Toren nicht . . . Aber zurück zum Platz: Was da alles in den letzten Jahren entstanden ist (muss ich auch mal den Vorstand vor Jarchow loben!), das ist schon klasse. Und hat nichts mehr mit dem Ochsenzoll früherer Jahre zu tun, das st schon enorm professionell, was sich da getan hat – und auch noch tun wird (dann dank Jarchow und Co).

In Sachen Neuzugängen allerdings hat sich auch heute nichts getan, wird sich auch so schnell nichts tun – denke ich jedenfalls. Zumal es ja auch dieses unwiderrufliche HSV-Motto gibt: „Erst verkaufen, dann einkaufen“. Die Spekulationen schossen nach Saisonschluss ja sofort wie Spargel aus dem Boden, aber nun herrscht auf diesem gebiet ja absolute Ebbe. Völlig normal. Und denjenigen, die nun schon Angst haben, dass gar nichts mehr passieren wird, sei versichert: es wird noch. Erst aber müssen die „Großen“, die Branchenführer in die Gänge kommen, bevor dann der HSV zuschlagen wird. Keine Panik also, wenn ihr weiterhin keine neuen Namen hört, es wird sich alles erst noch entwickeln. So mit Beginn des EM-Endspiels. Dann haben alle wieder mehr Zeit und Bereitschaft, an ihren Verein und an ihren Job zu denken.
Erst einmal aber ist EM.

So, einige Sachen noch am Rande.

Vielleicht kann jemand diesem „Matz-abber“ aus dem Hessenland helfen. Diese Mail erhielt ich zum Thema EM:

„Moin moin.
Habe ich das eben richtig gesehen, war da tatsächlich eine Raute im Stadion beim Spiel Ukraine gegen Schweden zu sehen – hinter dem rechten Tor?
Was könnte das für eine Bedeutung haben, es war doch in keinem der Teams ein HSVer dabei?
Besten Gruß, K.-G. Gutowski.“

Dann erhielt ich in diesen Tagen eine Mail, die mich sehr berührte. Ich habe mit mir gekämpft, ob sich sie öffentlich mache (was ich darf, ich habe mir die Genehmigung geholt!), habe mich dann dafür entschieden. Es soll ein kleiner Denkanstoß an alle „Matz-abber“ sein, dass uns doch alle vor allem der Fußball, der HSV und der Sport verbindet. Und dass hier Aggressionen, Arroganz und Häme fehl am Platze sind. Mensch sein muss der Mensch, so hieß mal ein Theaterstück, und das sollte vor allem das Motto sein. Vielleicht geben die folgenden Zeilen ja auch dem einen oder anderen User etwas, wenigstens etwas zu denken.

„Mein lieber Dieter,

ich hab mich ja unheimlich lange nicht mehr bei Dir gemeldet.
Und weißt Du was? Ich melde mich nicht wegen des Blogs, nicht wegen des HSV, sondern einfach nur so

Seit langem bin ich nicht mehr im Blog, wobei den lese ich schon noch, aber in die Kommentare schau ich seit letztem Jahr schon nicht mehr rein.
Ich kann und will mit den ganzen Kleinkrieg nicht mitmachen. Da muss ich mich echt fragen, ist es das wert, dass ich mehr Medikamente zur Beruhigung nehme, nur um mich über so etwas nicht mehr aufzuregen?

Nein.

Ich leb mit weniger Infos besser.
Außerdem hab ich hier auch genug zu tun – bin dabei, selbst wieder gesund zu werden.
Gefällt nicht allen Ärzten, die hatten mich ja mal als „untherapierbar” eingestuft (wegen einer schweren Knochenmarkserkrankung). Soll ich Dir mal was sagen? Die haben oft keine Ahnung.

Ich hab 25 Jahre gebraucht, um den fehlenden Baustein rauszukriegen, jetzt wird es zumindest krass besser, in 4 Monaten hab ich die Medikamentendosis auf 8% gesenkt!!!
Wenn ich könnte, würde ich die Medikamente schon ganz absetzen, denn ich brauch das nicht mehr, aber das geht nicht, weil man dann zu starke Entzugserscheinungen kriegt…
Aber wenn man überlegt, dass ich die letzten 2 Jahre kein Sport mehr machen konnte, nichts…
Und vor ein paar Wochen hab ich wieder angefangen, am ersten Tag gleich 1 Stunde Laufen… nach 4 Wochen dann 13 km . . .

Zu tun hab ich trotzdem genug . . .
(die nun folgende Passage – in der der „Matz-abber“ über seine ebenfalls erkrankte Ehefrau schreibt – habe ich gelöscht; Dieter Matz)

Mein lieber Dieter, Du hast zwar nie was dazu gesagt (soweit ich weiß), aber ich bin bei solchen Dingen recht feinfühlig… Ich hab oft gemerkt, dass es Dir nicht besonders gut geht. Darum denk daran, auch wenn z.B. ich (aber auch viele andere Menschen, die Dich gern haben) nicht immer schreiben, wir sind da und denken an Dich!

Und wenn man nicht bereit ist, klein bei zu geben… dann findet man auch einen Weg da raus. Du bist ein feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck!

Hihi, lustig, wie die Dinge manchmal so spielen, während ich Dir seit 1 Jahr zum ersten Mal schreibe, kriege ich eine Nachricht, dass ein Kracher zum HSV kommen soll . . .
Das nenne ich Timing. Du sollst ja Bescheid wissen . . .
Aber deshalb schreib ich nicht, Du brauchst mir auch keinen Namen sagen!
Klar bin ich gespannt, aber ich kann warten, bis es raus ist.
Nee, nee, ich schreib nur wegen Dir, nicht wegen irgendwelcher Infos. Zumindest wunderst Du Dich jetzt wohl nicht mehr, dass man von mir nichts mehr gehört hat.

So mein Bester, Kroatien hat das 2:1 gemacht… und ich mach Schluss.
Ich wünsch Dir einen schönen Abend!

So, das war es in aller Kürze. Ich wünsche euch und euren Lieben einen wunderschönen und erfolgreichen Fußball-EM-Abend. Gutes Gelingen.

„Scholle“ und ich werden heute nach dem Schlusspfiff wieder bei „Matz ab live“ (im „Champs“ Burgwedel/Schnelsen) zu sehen und (hoffentlich) auch zu hören sein – mit zwei Top-Gästen: HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf und HSV-Profi Dennis Aogo. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr wieder einschalten würdet.

Bei der Gelegenheit, weil ich verschiedentlich gefragt wurde (wegen des FIFA-Aufnähers am linken Arm): Während der letzten „Wolfgang-Petry-Matz-ab-live“-Gedächtnis-Sendung (als ich den etwas dickeren Hals hatte . . .) hatte ich das Trikot von Oliver Bierhoff angezogen, das er im Endspiel 2002 in Yokohama gegen Brasilien trug. Und auch heute werde ich, das kann ich schon mal verraten, ein Bierhoff-Trikot tragen. Zufall. Aber es passt mir am besten (er groß und breit, ich mit der Größe, die leider nur in die Breite gegangen ist . . .). Der frühere HSV-Stürmer und heutige Nationalmannschaftsmanager trug dieses Trikot am 4. September 1999 in einem EM-Qualifikationsspiel Spiel in Helsinki gegen Finnland. Ich hatte Bierhoff, der beide Tore zum 2:1-Sieg der Deutschen erzielt hatte, vor dem Spiel um sein Trikot gebeten – und er machte sich nach diesem Spiel keine neuen Freunde (und Freude), denn er war tatsächlich der einzige (!) DFB-Spieler, der sein Trikot nicht mit einem Gegenspieler tauschte.
Ich sehe diesen finnischen Glatzkopf, der sich gegen Bierhoff bei einem Kopfballduell eine stark blutende Platzwunde am Kopf geholt hatte, noch heute in den dunklen Katakomben des Stadions vor Ärger platzen; er stieß Fluch um Fluch Richtung Bierhoff aus, weil der das Trikot nicht getauscht hatte.
Und ehrlich gesagt, mir war diese Aktion spätestens dann doch ganz schön peinlich. Aber Oliver Bierhoff hielt Wort, obwohl er beschimpft und bepöbelt wurde – unfassbar. Doch so ist er, der Oliver Bierhoff, er ist ein feiner Mensch – das kann ich jedem versichern, der es hören will (oder auch nicht – oder der eventuell auch voreingenommen ganz anderer Meinung ist).

Nochmals einen tollen EM-Abend für euch.

17.22 Uhr

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