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Kreuzband gerissen! Saison-Aus für Beister!

11. Januar 2014

Es war zu befürchten, nun ist es Wahrheit – und ein Schock für den Spieler und den Club: Maximilian Beister hat sich beim 0:0 gegen Vitesse Arnheim am Freitag schwer verletzt. Der offensive Mittelfeldspieler hat sich, so wie er es unmittelbar nach dem Zwischenfall auf dem Rasen schon vermutet, das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Das ergab das Ergebnis einer Kernspintomografie am heutigen Sonnabend in Hamburg. In der kommenden Woche wird Beister operiert. Die Saison ist damit für den 23-jährigen Mittelfeldspieler gelaufen. „Das ist natürlich sehr bitter. Besonders für Maxi tut es mir leid, weil er in der Hinrunde tolle Spiele gezeigt hat und wichtige Tore für uns geschossen hat“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer.

Der Riss passierte ohne Gegnereinwirkung, Beister hatte sich in der 55. Minute bei einem Sprintduell mit dem Niederländer van Aanholt das Knie verdreht und war danach unter großen Schmerzen erst minutenlang auf dem Platz behandelt, dann in die Kabine gebracht worden. Heute morgen war Beister aus Abu Dhabi von Teammanager Marinus Bester zum Flughafen nach Dubai gebracht worden, bereits um 13 Uhr war die Landung in Fuhlsbüttel, von dort ging es zur Kernspintomographie ins UKE Athleticum, wo dann scheibchenweise die schlimme Diagnose an den Tag kam. Für „Maxi“ Beister, dessen Meniskus ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen ist, ist damit die Saison gelaufen, er wird erst zur neuen Saison wieder angreifen können.

HSV, was nun? Jetzt könnte es nicht nur eng in der Offensive werden, jetzt wird es dramatisch. Und obwohl der Verein kein Geld auf der hohen Kante liegen hat, wird nun – und zwar ziemlich zügig – nach Ersatz gesucht werden müssen – denn Artjoms Rudnevs soll ja nun im nächsten halben Jahr Tore für Hannover 96 schießen. Nicht auszudenken, wenn nun auch noch Pierre-Michel Lasogga ausfallen sollte, wie er es im Moment ja tut. Dann herrscht in Hamburg wirklich schon Alarm im Hafen . . .

Beisters Ausfall ist ja auch deshalb so schlimm, weil die HSV-Offensive in dieser Saison ja bislang so außerordentlich auf zack war. Mit 33 Toren liegen die Rothosen nach 17 Spielen auf Platz fünf der erzielten Treffern, nur Hoffenheim (36), Dortmund (38), Mönchengladbach (35) und die Bayern (42) sind besser. Leider hat der HSV aber auch schon 38 „Dinger“ kassiert, und liegt damit gemeinsam mit Hoffenheim auf den letzten Rang der Gegentor-Tabelle.

Deshalb wäre es eigentlich dringend erforderlich gewesen, wenn dann noch Geld in die Hand genommen worden wäre, das in einen Abwehrspieler zu investieren. Nun aber kommt alles ganz anders, und schon nach dem Ausleihgeschäft von Rudnevs hatte Trainer Bert van Marwijk sofort gesagt, dass er Ersatz für den Letten haben möchte. Der ist nun wirklich dringend erforderlich, käme es zu keiner Verstärkung mehr im offensiven Bereich, würde der Anhang dem HSV wohl „grobe Fahrlässigkeit“ verwerfen, sollte es am Ende der Saison dann doch schief gegangen sein . . .

Es läuft also nicht gerade gut für den „Dino“, die Konstellation ist ähnlich jener, als sämtliche Experten dem HSV vor (!) Saisonbeginn den Abstieg prophezeit haben, als auch die HSV-Fans große Sorgen um ihren Club hatten und diese auch immer wieder lautstark zum Ausdruck gebracht hatten. Der Verein wurde daraufhin tätig, obwohl kein Geld mehr vorhanden war, es wurden Petr Jiracek und Rafael van der Vaart gekauft, eine absolut richtige – weil notwendige – Maßnahme, doch noch heute kreiden nicht wenige HSV-Anhänger diese beiden (Not-)Käufe dem Vorstand um Carl-Edgar Jarchow an. In meinen Augen völlig daneben, denn besonders die Verpflichtung von van der Vaart sorgte innerhalb der HSV-Mannschaft für eine Aufbruchstimmung, die unbedingt benötigt worden war, um nicht in den Abstiegskampf verwickelt zu werden . . .

Die Stimmung in Abu Dhabi ist trotz der Beister-Verletzung nicht schlecht, obwohl die Spieler natürlich ob dieses Kreuzbandrisse geschockt sind. Heute morgen stand das Auslaufen (nach einem Spiel) auf dem Programm, am Nachmittag hatte die Mannschaft dann frei. Lasse Sobiech, der als erster Teamkollege beim am Boden liegenden und schreienden Beister war, sagte heute: „Dieser Kreuzbandriss ist schon dramatisch, ich habe mir sofort gedacht, dass es etwas Schlimmeres ist, weil Maxi so große Schmerzen hatte und sich hin und her wälzte.“ Auf der einen Seite trauern die Spieler mit dem verletzten Beister, auf der anderen Seite sagen sich jetzt auch viele in einer trotzigen und kämpferischen Art: „Nun erst recht, wir werden dagegen ankämpfen.“ Vielleicht macht auch ein solcher Schock frische Kräfte frei – irgendetwas muss ja passieren, wenn der HSV die Klasse halten will.

Am Nachmittag sah sich das Trainer-Team um van Marwijk das Testspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Schalke 04 an, besonders HSV-„Gast“ Andreas Möller war mit „Feuer“ bei der Sache – sind es doch seine beiden Ex-Clubs. Schalke, erster Punktspiel-Gegner des HSV in diesem Jahr, gewann das Spiel übrigens mit 3:2, wobei Farfan der überragende Mann auf dem Rasen war. Da kommt Schwerstarbeit auf Marcell Jansen zu.

Von der Verletztenliste konnte heute noch kein HSV-Spieler gestrichen werden. Johan Djourou (Wade), Pierre-Michel Lasogga (Oberschenkel) und Jonathan Tah (Grippe) blieben auch heute noch einmal untätig. Wie das am Sonntag sein wird, ist noch nicht abzusehen. Am Dienstag findet dann im Zayed Sports City Stadium zu Abu Dhabi das letzte Testspiel des HSV im Rahmen des Trainingslagers statt, dann geht es (nach deutscher Zeit um 16.30 Uhr) gegen Quairat Almaty.

Um noch einmal auf das Spiel gegen Vitesse Arnheim zurückzukommen: Einige User fragten ja in die Runde, welches Spiel ich denn bitteschön gesehen hätte? Nun ja, ich gebe es zu, ich habe bei Sport1 Hallenfußball gesehen. Was soll ich denn mit dem HSV gegen Arnheim anfangen? Soll ja nur drüber schreiben . . . Nee, nee, es ist schon bitter, wenn ich solche Fragen lese, egal an wen sie gestellt wird. Ich sitze dabei im stillen Kämmerlein und mache das, was ich seit über 33 Jahren mache, ich beurteile ein Spiel des HSV. Ohne von links oder rechts, auch nicht von oben und unten, beeinflusst zu werden. Alles ganz allein. Das mache ich immer so. Und das Abendblatt hat mich dabei immer noch nicht rausgeschmissen . . .

Im Gegensatz zu einigen HSV-Fans, die noch immer vom internationalen HSV träumen, die auch immer noch glauben, dass der HSV, ihr HSV, jeden Gegner in Europa immer noch leicht, locker und lässig „wegfideln“ könnte (und würde), bin ich ja Realist. Wenn dieser HSV gegen den Tabellenzweiten aus den Niederlanden antritt, dann gehe ich von vornherein davon aus, dass der HSV nicht zweistellig gewinnt. Und wenn dieser HSV – mit seinen 38 Gegentreffern in der Bundesliga – dann ein 0:0 gegen einen Tabellenzweiten aus den Niederlanden „holt“ oder schafft, dann ist das in meinen Augen schon erfreulich. Damit fängt es doch an: Erst einmal hinten ordentlich stehen, und darauf dann aufbauen, nur so sollte und könnte es jetzt gehen. Und deshalb war dieses Spiel in meinen Augen ein guter Anfang. Und ganz nebenbei, das haben die hiesigen Zeitungen ja auch nicht ganz anders als ich beurteilt. Und ich war quasi mit dem Schlusspfiff fertig, konnte nicht mit Spielern und Trainern reden, um mich noch beeinflussen zu lassen („Man, war das wieder ein Grotten-Kick!“) – alles live und in Farbe, und blitzschnell.

Und nun hoffe ich, dass diese HSV-Mannschaft, die gestern eine ordentliche und disziplinierte Leistung gebracht hat, auch ihre Lehren aus diesem 0:0 gegen die Niederländer ziehen wird. Wobei ich ganz stark nicht (!) davon ausgehe, dass diese (dezimierte) HSV-Mannschaft das Feld in der Bundesliga noch von hinten aufrollen wird. Es geht in den kommenden Wochen und Monaten nur gegen den Abstieg – und da war dieses „Auswärts-Unentschieden“ schon mal ein Lichtblick (in meinen Augen). Europa League oder auch Champions League, das machen wir dann alle später . . .
Was hatte Sportchef Oliver Kreuzer nicht noch vor gar nicht allzu langer Zeit gesagt? Genau: „Wir sind nicht mehr der große HSV.“ Ganz genau. Aber das muss man auch erst einmal verinnerlichen – denn es tut schon weh. Manchem mehr, manchem weniger.

17.37 Uhr

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