Archiv für das Tag 'Bester'

Auch in der Kabine gab’s zu viel Misstrauen

4. Juni 2014

Ist er nun schon in St. Petersburg? Wie laufen die Verhandlungen mit Zenit? Wollen die Russen eine Millionen-Ablöse für ihn? Wann kommt also Dietmar Beiersdorfer wirklich zum HSV?

Gestern Vormittag, so hatte es den Anschein, herrschte keine Eile beim ehemaligen HSV-Sportchef. Besucher eines Cafes am Mittelweg konnten sich freuen über diesen ungewöhnlichen, vielleicht überraschenden Anblick: „Didi“ mit seinem früheren kongenialen, verhassten, umstrittenen, ein traumhaftes Pärchen bildenden Vorstands-Kollegen Bernd Hoffmann an der Seite. Es wurde gescherzt und gelacht – die ehemaligen Macher des HSV vereint – zumindest beim Latte macchiato.

Dass es eine berufliche Wiedervereinigung beim HSV geben wird, ist sehr unwahrscheinlich. Das liegt vor allem daran, dass der Vorstands-Posten neben Beiersdorfer für Joachim Hilke reserviert ist. Über Pfingsten, so heißt es, werden wir schlauer sein.

Was Joachim Hilke angeht, hat er vor etwa zweieinhalb Jahren ein vielbeachtetes Projekt angeschoben, nämlich eine weitreichende medizinische Zusammenarbeit mit dem UKE. Beide Seiten sollten davon profitieren. Der HSV wirtschaftlich und inhaltlich. Einerseits durch einen Pauschal-Vertrag, der die Kosten für die medizinische Betreuung der Profis verlässlich regelt, andererseits durch das Know-How der Klinik. Und auch das UKE hat sich von der Zusammenarbeit Einiges versprochen, das neue „Athleticum“ auf dem Klinik-Gelände wurde im Sommer 2012 eingeweiht – der HSV schien da als Werbe-Zugpferd gerade recht zu kommen.

Als Zwischenbilanz seither muss konstatiert werden, dass es zweieinhalb Jahre im Gebälk geknirscht hat, es immer wieder zu personellen Problemen und inhaltlichen Turbulenzen gekommen ist. Zuletzt hat der langjährige und anerkannte Physiotherapeut Stefan Kliche beim HSV gekündigt. Er ist nach der Neu-Orientierung des Vereins der letzte Mohikaner aus dem alten medizinischen Stab, der nun nicht mehr dabei ist. Neue Leute, neue Qualität? Die HSV-Profis, das ist die Beobachtung, lassen sich keinesfalls ausschließlich im UKE behandeln geschweige denn dort operieren.

„Es stimmt, dass es in diesem Bereich einige Diskussionen gegeben hat“, bestätigte Vereinschef Carl Jarchow. „Vielleicht ist das normal, wenn in ein bestehendes Team neue Elemente hineinkommen. Wir denken trotzdem, dass es ein gutes Konstrukt sein kann.“

Die ärztliche Betreuung ist ein ungeheuer sensibles Thema innerhalb eines Profi-Teams. Mit Gerold Schwartz, Oliver Dierk und Nikolaj Linewitsch hatte der HSV diesen Bereich vor dem UKE-Deal mit eigenen, direkt beim HSV angestellten Ärzten geregelt. Allesamt Fachkräfte, die teils hauptamtlich, teils neben ihrem Praxis-Betrieb in Hamburg als Mannschafts-Ärzte arbeiteten. Eine Reihe von Physios waren beschäftigt. Uwe Eplinius beispielsweise, mit dessen „Epi-Zentrum“ in Eimsbüttel zusammen gearbeitet wurde (die Zusammenarbeit mit Eplinius endete allerdings schon vor dem Deal mit dem UKE). Thomas Marquardt war über ein Jahrzehnt lang der Osteopath im Team, ein bundesweit bekannter Fachmann.

Übrig geblieben ist davon wenig bis nichts. Das UKE schickte seinen Facharzt Philip Catala-Lehnen zum HSV. Gleichzeitig wurden die Physios rund um die Profi-Fußballer nach und nach ausgetauscht. Dies führte zu erheblichen Verwerfungen innerhalb des bewährten Systems, die viel Unruhe nach sich zogen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen „neuen“ und „alten“ Kräften stand auf tönernen Füßen. Dass die „alten“ extrem unzufrieden waren, ist ein offenes Geheimnis – insbesondere ging es um die fachliche Qualität des neuen Inputs aus dem UKE. Osteopath Marquardt hat vergangenes Jahr gekündigt, Physio Kliche vor einigen Wochen – beide nicht im Einvernehmen mit dem Vereins-Vorstand. In jedem Fall ist der Vorstand immer wieder umfänglich über die aufgetretenen Spannungen informiert worden. Kompliziert wird es, weil alle Mitarbeiter des „Medical Staff“ allerdings keine Verträge mehr mit dem HSV haben, sondern eben mit dem UKE. Insofern stießen Beschwerden beim Vereins-Vorstand gleichsam ins Leere.

„Ich muss allerdings betonen“, hält Carl Jarchow entgegen, „dass das UKE auch immer auf unsere Anmerkungen eingegangen ist.“ Nur eben nicht in Übereinstimmung mit den alten Kräften unten in der Kabine beim HSV.

Auch unter den Trainern war dies ein Thema. Thorsten Fink und Bert van Marwijk waren die Coaches, die davon in erster Linie betroffen waren. Mittlerweile hat ja auch das UKE reagiert. Catala-Lehnen ist nicht mehr beim HSV. Auf der Suche nach einem Mannschaftsarzt geht der Verein offenbar wieder auf den alten Weg zurück. Mit Michael Joneleit aus Offenbach wurde zwischenzeitlich ein Top-Mann, so heißt es aus Ärzte-Kreisen, gefunden. Nach einer kurzen Probezeit hat Joneleit nun aber abgesagt, weil er seine neueröffnete Praxis in Offenbach nicht allein lassen konnte. Joneleit steht zwar noch auf der HSV-Homepage, aber er wird den Posten nicht fortführen. Bleibt Michael Schillings, aber der Verein sucht für ihn noch Unterstützung. Übrigens auch als UKE-Angestellte.

Alles in allem, und deswegen schreibe ich diese flüchtigen Eindrücke aus dem Kabinen-Innenleben hier auf, spiegelt sich in der Entwicklung in der medizinischen Abteilung wieder, was wir in den vergangenen Jahren häufig bei Personal-Entscheidungen im Profi-Kader beobachtet haben. Trennungen verlaufen im Unguten, verdiente Kräfte fühlen sich mehr oder weniger verjagt. Auch dies, und das ist meine Quintessenz aus der Geschichte, trägt am Ende dazu bei, dass die Kicker auf dem Rasen keine optimale Leistung zeigen können.

Es soll hier nicht an der Leistungsbereitschaft dieses Teams um das Team gezweifelt werden – im Gegenteil. Jeder einzelne hat mit Sicherheit sein bestmögliches getan. Die beschriebenen Schwierigkeiten gehen von oben aus, indem eine Konstruktion installiert wurde, ohne das Ausmaß der Folgen zu übersehen. Jetzt wird repariert, Stück für Stück, damit in der neuen Saison auf diesem Gebiet mal Ruhe einkehrt. An der generellen Zusammenarbeit mit dem UKE, so viel scheint jedenfalls sicher, möchte der Verein nicht rütteln.

In den vergangenen Tagen war zu hören und zu lesen, dass auch im Bereich der direkten Team-Betreuung Veränderungen vorgenommen werden. Marinus Bester rückt wieder in die Geschäftsstelle, dafür hat Mirko Slomka einen Vertrauten mit in die Kabine geholt. Bleibt zu hoffen, dass im Herbst oder im nächsten Frühjahr nicht wieder eine Masse an Abfindungen gezahlt werden müssen…..

Gute Nachrichten gab es heute aber auch. So hat der Verein mitgeteilt, dass mittlerweile 20.000 Dauerkarten-Kunden ihr Saisonticket auch für die nächste Serie gebucht haben. Es bleibt also dabei: egal was mit dem HSV ist, die Treue auf der Tribüne bleibt bestehen. Bis zum 7. Juni haben die alten Dauerkartenkunden noch ihr Vorkaufsrecht, anschließend startet der Mitglieder- und dann der freie Verkauf.

Die Kollegen der „Bild“ haben heute noch einmal getwittert, dass der HSV das Rennen um Pierre Michel Lasogga noch nicht verloren gibt. Demnach will sich Sportchef Oliver Kreuzer noch einmal aufmachen, um dem Torjäger ein gutes Angebot zu unterbreiten. Aber ist Kreuzer überhaupt noch der richtige Ansprechpartner für Familie Lasogga? Wenn es stimmt, was Dieter hier gestern angedeutet hat – und es gibt wenig Grund daran zu zweifeln – dann könnte die Personalie Stieber zuletzt das endgültige Ende für Kreuzer einleiten.

Es wird ja darüber gemunkelt, dass der neue AG-Aufsichtsrat nicht unbedingt in Jubelschreie ausgebrochen ist, als er von der Verpflichtung Zoltan Stiebers erfahren hat. Ein 25 Jahre alter Zweitliga-Spieler, schon einmal in der Bundesliga (Mainz) gescheitert, für satte 1,2 Millionen Euro zum HSV – naja…. Aus Kreuzers Antrieb, Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit im Sinne des Vereins zu zeigen, könnte ein persönlicher Rohrkrepierer werden, wenn die Personalie von den neuen Leuten – inklusive Dietmar Beiersdorfer – kritisiert wird.

Genau um solche Situationen zu umgehen und nicht beim möglichen nächsten Transfer erneut in die Zuständigkeits-Falle zu tappen, muss die Entscheidung über Beiersdorfer und sein Team schnell fallen.

Ein Thema möchte ich abschließend noch kommentieren. Bei den Beurteilungen über Dietmar Beiersdorfer fällt immer wieder das alte Klischee, er sei so zögerlich, könne sich nicht entscheiden, schiebe Entschlüsse vor sich her, sei nicht geeignet für ein klares, wenn nötig auch konfrontatives Wort. Allen, die dies so sehen, glaube ich versichern zu können, dass sie sich irren. Ich habe in den vergangenen Tagen viel mit Vertrauten von Beiersdorfer gesprochen, mich erkundigt unter Verhandlungspartnern, die er in den vergangenen Monaten hatte.

Beiersdorfer hat sich entwickelt. Das ist der einhellige Tenor. Wer sich behauptet in Salzburg unter einem Alleinherrscher wie Mateschitz ebenso wie in einer anderen Fußball-Kultur wie in St. Petersburg – soll bitte keiner behaupten, dort gebe es keinen Druck -, der ist von seiner Persönlichkeit auch für das Amt beim HSV gewappnet. Dort wo Oliver Kreuzers Schwächen einsetzen, wird Dietmar Beiersdorfer ganz sicher nicht weitermachen.

Für heute ein sportlicher Gruß von Lars

PS: Morgen, am Donnerstag, wird es ein “Matz-ab-live” geben. Kurz nach 18 Uhr werden einige Matz-abber mit Dieter über die vergangene Saison, über die Mitgliederversammlung vom 25. Mai und über die Aussichten bezüglich der neuen Saison diskutieren. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet.

Mitglieder wählen HSVPlus-Initiative

24. Mai 2014

+++++ Aktualisierung +++++
Dies soll nur als eine Art kleine Zusammenfassung und Aktualisierung des ereignisreichen, ja historischen, Tages beim HSV dienen. Die Mitglieder haben für die Ausgliederung, für die HSVPlus-Initiative gestimmt. 86,9 Prozent der 9702 anwesenden Mitglieder – nie kamen mehr zu einer HSV-Versammlung – stimmten am Sonntag um 16.33 Uhr für die entsprechenden Pläne der Reforminitiative HSVPlus.

Der Klub wird nun völlig umgekrempelt. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow steht vor dem Aus. Stattdessen soll der ehemalige Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer an der Spitze der neuen Fußball-AG stehen. Die neue HSV-Fußball-AG muss nun noch ins Handelsregister aufgenommen werden – dies soll bis Ende Juni passieren. Erst dann können die neuen Macher auch offiziell ihre Arbeit aufnehmen.

Alles Weitere Infos gibt es in den Videos, im Ticker und ab morgen, dann auch wieder hier. Bis dahin genießt den Rest des sonnigen Sonntages und erholt Euch so schnell wie möglich von dieser, nun vergangenen, Saison.
+++++ Aktualisierung +++++

Es kribbelt schon genau so, wie vor dem Relegations-Spiel in Fürth, das vor einer Woche mit 1:1 gewonnen wurde. Ähnlich knapp dürfte der „Sieg“ morgen bei der Mitgliederversammlung ausfallen, entweder für „HSVPlus“, oder für die Traditionalisten der „HSV-Allianz“. „Zerstört sich der HSV morgen selbst“, so stand es in großen Lettern auf der Seite eins der „Bild“, und im Sportteil des Abendblatts hieß die Zeile: „Die letzte Schlacht um den HSV“. Unter dem Aufmacher-Artikel des Kollegen Alexander Laux lautete die Überschrift des „Fußkastens“: Otto: „Es darf kein Triumphgeheul geben“.


HIER GEHT‘S ZUM TICKER FÜR SMARTPHONES

 

Da kamen sofort Erinnerungen auf, denn bei der letzten Mitgliederversammlung des HSV fiel eine ganz wichtige Entscheidung, als bereits viele, viele Mitglieder die Halle verlassen hatten – es war weit mehr als die Hälfte. Und es ging dann immerhin noch um den so wichtigen Punkt der Briefwahl. Damals siegte die Opposition, und diese Damen und Herren stimmten sehr wohl ein ganz besonders lautes Indianergeheul an. Weil vorher keiner auf die Bremse getreten war, wie jetzt der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Chef Alexander Otto?

 

Interessant an dem Interview, das HA-Sportchef Peter Wenig mit Otto führte, fand ich besonders eine Passage. Da sagt der Multi-Millionär unter anderem: „Frisches Geld hilft ohne Frage, aber es löst nicht alle Probleme.“ Und: „Viel wichtiger ist ein handlungsfähiger Vorstand, der schnelle, klare und transparente Entscheidungen trifft. Der FC Augsburg arbeitet mit einem viel kleineren Etat erfolgreicher als der HSV. Das zeigt, dass Geld eben nicht alles ist.“

 

Natürlich nicht. Besonders dann, wenn man es hat . . . Aber noch einmal zum Vorstand zurück. Otto fordert eine HSV-Führung, die „schnelle, klarere und transparente Entscheidungen trifft“. Toll. Aber, das ist nun eine der Kernfragen, die alle HSV-Mitglieder morgen beschäftigen sollte: „Wer hat diesen Vorstand denn ins Amt gehoben?“ Richtig. Und wer hat diesen Aufsichtsrat zu Leben erweckt? Richtig. Und rückblickend, das werden wahrscheinlich auch einige Damen und Herren der Opposition einsehen (müssen), gibt es da zu konstatieren: „Es ist wohl nicht immer alles ganz richtig gelaufen. Oder: Es sind wohl oft die falschen Leute dazu befähigt worden, diesen Verein zu führen.“ Zu was das letztlich geführt hat, das wissen inzwischen alle. Hoffentlich. Obwohl mir dabei einfällt, dass es bestimmt noch den einen oder anderen Menschen gibt, der glaubt, dass alles so richtig war, wie es gelaufen ist. Nur die Spieler haben versagt . . .

 

Wie dem auch sei, dem HSV steht die letzte Schlacht bevor, vielleicht auch nur die bislang größte der Vereinsgeschichte.

 

Hoch interessant in dem Abendblatt-Artikel von Alexander Laux war auch die Aussage von HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel, der aussagte: „Mit HSVPlus fährt man die Mitgliederbestimmung von 100 auf fünf Prozent zurück.“ Zum Wohle des Vereins? Oder: Zum Wohle des Vereins. Denn die Mitglieder hatten in jenen Jahren, in denen sie den Aufsichtsrat (und der dann den Vorstand) bestimmten und wählten, doch immer viel, sogar sehr viel zu meckern und zu kritisieren. Und, siehe oben, es ist doch, bei aller Liebe zum HSV, vieles, ja so vieles falsch gelaufen. So unendlich viel. Bis hin zur Relegation. Ob das nun ein letzter Warnschuss war? Man wird sehen.

 

Und es wird ganz sicher spannend, eventuell sogar dramatisch. Und es könnte auch ein langer Abend werden. Der Beginn dieser so brisanten Mitgliederversammlung, zu der sich bis heute knapp 9000 Mitglieder angesagt haben, ist auf elf Uhr taxiert, das Ende aber ist völlig offen. Wegen der großen Flut von Satzungsänderungs-Anträgen. Sollte abends über „HSVPlus“ abgestimmt werden, könnten sich schon wieder viele HSV-Mitglieder per Bahn oder Zug auf den weiten Heimweg gemacht haben. Und damit würden dann natürlich die Chancen steigen, dass die Dreiviertelmehrheit, die „HSVPlus“ erreichen muss, verfehlt wird – und dass die Opposition doch ein Indianergeheul anstimmen kann. Es sei denn, die Damen und Herren nehmen den Rat von Alexander Otto auf.

 

Der HSV steht vor seiner größten Zerreißprobe, keine Frage. Es wird nach diesem Sonntag Austritte geben, vielleicht sogar hageln – so oder so. Mal sehen, wie der Club damit wird umgehen können.

 

Die Frage, die sich am Ende des Tages aber stellen könnte, ist die: „Kann es denn überhaupt noch schlechter werden?“ Natürlich kann es das, nämlich mit dem direkten Abstieg in Liga zwei. Und das mit einer ähnlichen grottenschlechten Saison wie die gerade erlebte. Und im Moment sieht es eher danach aus, dass diejenigen Spieler, die es noch halbwegs konnten, Hamburg verlassen werden. Ich habe gestern schon geschrieben, dass ich fest mit der Vertragsauflösung von Rafael van der Vaart rechne. Jetzt hat der Niederländer im WM-Vorbereitungs-Quartier seiner Nationalmannschaft folgende nette Sätze über sein momentanes Befinden gesagt – und zwar: „Es fühlt sich wie eine Befreiung an, nach so einer Saison mit dem HSV. Wenn du zur Nationalmannschaft kommst, ist das Niveau höher und es sind Spieler da, die Titel gewonnen haben. Deshalb ist die Stimmung hier positiv, ich fühle mich richtig wohl.“
Na dann.
Es klingt doch eher nach Abschied, oder?

 

Und nachdem der zweitbeste HSV-Torschütze, nämlich Hakan Calhanoglu, seinen Abschied schon verkündet und auch mehrfach gefordert hat, geht – natürlich – auch der beste HSV-Torjäger. Hertha-Manager Michael Preetz sagte über den Hamburger Leihspieler: „Wir wollen ihn zurück, denn wir wollen nicht auch noch, nach dem Wechsel von Ramos nach Dortmund, unseren zweiten Top-Torjäger verlieren.“ Natürlich nicht. Es sei denn? Gibt es da noch ein Hintertürchen? Preetz: „Da müsste schon ein Angebot für Pierre-Michel kommen, das wir unmöglich ablehnen können, aber das gibt es nicht.“ Und wenn es ein solches Angebot tatsächlich doch geben sollte, dann – nach jetzigem Stand – ganz bestimmt nicht vom HSV.

 

Ja, ja, das liebe Geld. Das allerdings spielte in der gerade zurückliegenden Winterpause keine Rolle, als es darum ging, ob David Jarolim zum HSV – sofort – zurückkehren wird. „Jaro“ der zurzeit noch für den tschechischen Tabellendritten FK Mlada Boleslav spielt, wäre dazu bereit gewesen, er stand parat und saß zugleich auf gepackten Koffern. Der HSV, die sportliche Führung, wollte ihn nicht. Dabei wäre der Dauerläufer, der „kleine Emil Zatopek“, ganz sicher in besserer körperlicher Verfassung gewesen, als der Großteil der HSV-Spieler. Aber gut, es war ja auch nur ein Angebot . . . Quasim Bouy und Ola John waren da schon ganz andere Kaliber, kamen sie doch nicht aus Tschechien, sondern von Juventus Turin und Benfica Lissabon. Nee, liebe Leute, ich komme über diese beiden Herren einfach nicht hinweg. Der HSV hat sich in Sachen Verpflichtungen und Verstärkungen schon einige richtig dicke Klops erlaubt (Marcus Berg, David Rozehnal waren zuletzt wohl die größten Fehler), aber diese beiden Winter-Leihgaben, die bleiben die ungekrönte Krönung, sie sind der Knüller der Vereinsgeschichte. Aber Jarolim ablehnen . . .

 

Natürlich ist „Jaro“ auch heute noch topfit. Das war er immer – ein Vorbild-Profi eben. Deswegen muss er doch eigentlich über die letzten 30 Minuten in Fürth entsetzt gewesen sein, wie der HSV da über das Spielfeld taumelte, weil ihm die Kraft ausgegangen war. Die meisten Hamburger waren stehend k.o. Jarolim: „Deswegen hatte ich ja auch eine so große Angst um den HSV, aber ich habe mich gefragt, warum das so ist. Eindeutig war, dass Fürth in Hamburg spritziger und läuferisch stärker war, und dass dem HSV dann in der letzten halben Stunde in Fürth die Kraft ausging. Einige Spieler hingen mächtig durch, wobei es bei van der Vaart, Lasogga und Jansen schon klar war, denn sie hatten lange Verletzungspausen zu überstehen.“ Jarolim lobt aber auch: „Die erste Halbzeit war super vom HSV, da hat die Mannschaft genau so gespielt, wie man es in einer solchen Begegnung machen muss.“ Aber dann. . . Dann gab es den Einbruch. Und David Jarolim sagt dazu auch noch: „Das war schade, denn es gibt einer Mannschaft auch Selbstbewusstsein, wenn sie genau weiß, dass sie jedes Tempo des Gegners bis zur letzten Sekunde mitgehen kann.“ Natürlich. Aber davon konnte beim HSV in dieser Saison nie die Rede sein.

 

Der gute David Jarolim hatte sich am vergangenen Sonntag gemeinsam mit seiner Frau auf die 300 Kilometer von Prag nach Fürth gemacht, die Karten hatten ihnen Medien-Direktor Jörn Wolf und Teammanager Marinus Bester besorgt: „Diese beiden Spiele gegen Fürth waren schwer zu ertragen für mich, wenn man nur zuschauen und nicht helfen kann. Besonders das Rückspiel hatte es in sich, das war in der Schlussphase ganz, ganz schwierig, das zu erleben. Ich habe noch an den Klassenerhalt des HSV geglaubt, aber ich habe auch unheimlich gezittert. Nach dem 1:1 von Fürth spielte ja nur noch eine Mannschaft, die Spannung war unerträglich.“

 

300 Kilometer – das zeugt davon, dass Jarolim die Raute immer noch im Herzen trägt. Er sagt aber: „Leider war es nach zwei Jahren erst das erste Spiel des HSV, bei dem ich im Stadion war – das ist zu wenig, das enttäuscht mich selbst ein bisschen. Dafür haben wir uns aber auch schon eine Woche vorher gefreut, dass wir Karten für das Fürth-Spiel hatten. Mindestens eine Woche Vorfreude auf den HSV war das.“

 

Aber er ist natürlich auch noch selbst Spieler, deswegen fehlte ihm oft die Zeit, den HSV mal live zu sehen. Und morgen steht in Tschechien erst der vorletzte Spieltag auf dem Programm, Boleslav muss daheim gegen Meister Sparta Prag antreten, aber unabhängig vom Ausgang dieses Spiels, die Mannschaft von David Jarolim, die von seinem Vater Karel trainiert wird, hat sich bereits für die Europa League qualifiziert. Und für das morgige Spitzenspiel ist er total optimistisch: „Wir hätten es nun, nachdem wir in Europa dabei sind, leicht, locker und leger angehen lassen können, aber mein Vater und die gesamte Mannschaft ist so ehrgeizig, wir haben trainiert, als ging es um die Meisterschaft. Und das ist auch gut so, ich bin ja immer dafür gewesen, dass man hart arbeitet.“

 

Hart arbeiten soll – oder sollte – „Jaro“ ja auch nach seiner Profi-Karriere, und zwar beim HSV. Das ist noch immer nicht vom Tisch. Würde eine neue Vereinsführung denn die Chancen auf eine Rückkehr des Mittelfeldspielers verringern? Er sagt: „Nein, im Gegenteil. Ich habe von der jetzigen Vereinsführung lange nichts mehr gehört, wir haben keinen Kontakt mehr, da gab es früher, als Frank Arnesen noch da war, mehr Telefonate. Ich weiß zwar, dass der HSV natürlich ganz andere Sorgen gehabt hat und hat, aber trotz allem denke ich, dass wenn Interesse da gewesen wäre, dass man mich dann mal angerufen hätte.“

 

Jetzt hofft er auf die neue HSV-Führung. Und speziell auf einen Mann. Jarolim: „Ich hoffe darauf, dass Dietmar Beiersdorfer zum HSV zurückkommen wird, mit ihm lief es damals doch gut wir hatten ein gute und auch eine erfolgreiche Zeit.“ „Jaro“ weiter: „Ich habe auf jeden Fall noch Interesse, der HSV ist mein Club, und als meine Frau und ich die HSV-Fans nun live erlebt haben, da dachten wir schon an die Zeit zurück – und wie toll es doch wäre, wenn wir wieder in Hamburg wären. Zumal wir noch immer unsere Wohnung dort haben, wir würden also sofort wieder heimisch sein in Hamburg. Auf jeden Fall. Wir haben es vor.“ Wobei sich David Jarolim noch immer nicht entschlossen hat, ob er noch weiterhin als Profi spielen wird. Sein Vater versucht ihn zu überreden, aber „Jaro“ lässt es sich noch offen. Vielleicht auch wegen der Option Hamburg.

 

Schnell noch zu einem Mann, der Hamburg in diesem Sommer (wohl) verlassen wird. Co-Trainer Roger Stilz hat sich bekanntlich vom HSV verabschiedet, und ich denke nicht, dass er künftig im Hamburger Amateurfußball arbeiten wird. Vielleicht ist Wolfsburg seine nächste Station im Profi-Fußball – mal sehen. Ich, das muss ich an dieser Stelle mal sagen, bedauere seinen Abschied vom HSV, weil Stilz sehr wohl ein Mann ist, der viel, sogar sehr viel vom Fußball versteht, der auch seine klaren Vorstellungen von dem hat, wie es im Profi-Fußball zu laufen hat. Deswegen wäre er weiterhin ein guter Mann für den HSV gewesen – und für mich zugleich auch eine Art Hoffnungsträger, dass vieles gut gemacht wird, dass nicht allzu vieles schief läuft.
Schade, schade, aber es ist nicht mehr zu ändern.

 

So, hoffentlich wird das nun nicht das Motto für diejenigen HSVer, die morgen den Volkspark verlassen und sich eventuell zu einer solchen Aussage veranlasst sehen.

 

Ich wünsche allen eine gute Wahl, auf dass der HSV endlich wieder aufblühen wird. Alles Gute für Euch, für morgen und für alle Rothosen. Und dann noch einen wunderschönen Fußballabend mit zweimal Madrid in Lissabon.

16.03 Uhr

PS: Die Zweite hat ihr letztes Saisonspiel in der Regionalliga bei Meister VfL Wolfsburg mit 2:3 verloren, dabei aber zur Pause noch mit 2:0 geführt. Für die Tore hatten Nils Brüning und Ronny Marcos gesorgt, es war die Abschiedsvorstellung von Trainer Rodolfo Cardoso, dessen Mannschaft letztlich auf dem 14. Tabellenplatz einlief.

Kreuzband gerissen! Saison-Aus für Beister!

11. Januar 2014

Es war zu befürchten, nun ist es Wahrheit – und ein Schock für den Spieler und den Club: Maximilian Beister hat sich beim 0:0 gegen Vitesse Arnheim am Freitag schwer verletzt. Der offensive Mittelfeldspieler hat sich, so wie er es unmittelbar nach dem Zwischenfall auf dem Rasen schon vermutet, das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Das ergab das Ergebnis einer Kernspintomografie am heutigen Sonnabend in Hamburg. In der kommenden Woche wird Beister operiert. Die Saison ist damit für den 23-jährigen Mittelfeldspieler gelaufen. „Das ist natürlich sehr bitter. Besonders für Maxi tut es mir leid, weil er in der Hinrunde tolle Spiele gezeigt hat und wichtige Tore für uns geschossen hat“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer.

Der Riss passierte ohne Gegnereinwirkung, Beister hatte sich in der 55. Minute bei einem Sprintduell mit dem Niederländer van Aanholt das Knie verdreht und war danach unter großen Schmerzen erst minutenlang auf dem Platz behandelt, dann in die Kabine gebracht worden. Heute morgen war Beister aus Abu Dhabi von Teammanager Marinus Bester zum Flughafen nach Dubai gebracht worden, bereits um 13 Uhr war die Landung in Fuhlsbüttel, von dort ging es zur Kernspintomographie ins UKE Athleticum, wo dann scheibchenweise die schlimme Diagnose an den Tag kam. Für „Maxi“ Beister, dessen Meniskus ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen ist, ist damit die Saison gelaufen, er wird erst zur neuen Saison wieder angreifen können.

HSV, was nun? Jetzt könnte es nicht nur eng in der Offensive werden, jetzt wird es dramatisch. Und obwohl der Verein kein Geld auf der hohen Kante liegen hat, wird nun – und zwar ziemlich zügig – nach Ersatz gesucht werden müssen – denn Artjoms Rudnevs soll ja nun im nächsten halben Jahr Tore für Hannover 96 schießen. Nicht auszudenken, wenn nun auch noch Pierre-Michel Lasogga ausfallen sollte, wie er es im Moment ja tut. Dann herrscht in Hamburg wirklich schon Alarm im Hafen . . .

Beisters Ausfall ist ja auch deshalb so schlimm, weil die HSV-Offensive in dieser Saison ja bislang so außerordentlich auf zack war. Mit 33 Toren liegen die Rothosen nach 17 Spielen auf Platz fünf der erzielten Treffern, nur Hoffenheim (36), Dortmund (38), Mönchengladbach (35) und die Bayern (42) sind besser. Leider hat der HSV aber auch schon 38 „Dinger“ kassiert, und liegt damit gemeinsam mit Hoffenheim auf den letzten Rang der Gegentor-Tabelle.

Deshalb wäre es eigentlich dringend erforderlich gewesen, wenn dann noch Geld in die Hand genommen worden wäre, das in einen Abwehrspieler zu investieren. Nun aber kommt alles ganz anders, und schon nach dem Ausleihgeschäft von Rudnevs hatte Trainer Bert van Marwijk sofort gesagt, dass er Ersatz für den Letten haben möchte. Der ist nun wirklich dringend erforderlich, käme es zu keiner Verstärkung mehr im offensiven Bereich, würde der Anhang dem HSV wohl „grobe Fahrlässigkeit“ verwerfen, sollte es am Ende der Saison dann doch schief gegangen sein . . .

Es läuft also nicht gerade gut für den „Dino“, die Konstellation ist ähnlich jener, als sämtliche Experten dem HSV vor (!) Saisonbeginn den Abstieg prophezeit haben, als auch die HSV-Fans große Sorgen um ihren Club hatten und diese auch immer wieder lautstark zum Ausdruck gebracht hatten. Der Verein wurde daraufhin tätig, obwohl kein Geld mehr vorhanden war, es wurden Petr Jiracek und Rafael van der Vaart gekauft, eine absolut richtige – weil notwendige – Maßnahme, doch noch heute kreiden nicht wenige HSV-Anhänger diese beiden (Not-)Käufe dem Vorstand um Carl-Edgar Jarchow an. In meinen Augen völlig daneben, denn besonders die Verpflichtung von van der Vaart sorgte innerhalb der HSV-Mannschaft für eine Aufbruchstimmung, die unbedingt benötigt worden war, um nicht in den Abstiegskampf verwickelt zu werden . . .

Die Stimmung in Abu Dhabi ist trotz der Beister-Verletzung nicht schlecht, obwohl die Spieler natürlich ob dieses Kreuzbandrisse geschockt sind. Heute morgen stand das Auslaufen (nach einem Spiel) auf dem Programm, am Nachmittag hatte die Mannschaft dann frei. Lasse Sobiech, der als erster Teamkollege beim am Boden liegenden und schreienden Beister war, sagte heute: „Dieser Kreuzbandriss ist schon dramatisch, ich habe mir sofort gedacht, dass es etwas Schlimmeres ist, weil Maxi so große Schmerzen hatte und sich hin und her wälzte.“ Auf der einen Seite trauern die Spieler mit dem verletzten Beister, auf der anderen Seite sagen sich jetzt auch viele in einer trotzigen und kämpferischen Art: „Nun erst recht, wir werden dagegen ankämpfen.“ Vielleicht macht auch ein solcher Schock frische Kräfte frei – irgendetwas muss ja passieren, wenn der HSV die Klasse halten will.

Am Nachmittag sah sich das Trainer-Team um van Marwijk das Testspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Schalke 04 an, besonders HSV-„Gast“ Andreas Möller war mit „Feuer“ bei der Sache – sind es doch seine beiden Ex-Clubs. Schalke, erster Punktspiel-Gegner des HSV in diesem Jahr, gewann das Spiel übrigens mit 3:2, wobei Farfan der überragende Mann auf dem Rasen war. Da kommt Schwerstarbeit auf Marcell Jansen zu.

Von der Verletztenliste konnte heute noch kein HSV-Spieler gestrichen werden. Johan Djourou (Wade), Pierre-Michel Lasogga (Oberschenkel) und Jonathan Tah (Grippe) blieben auch heute noch einmal untätig. Wie das am Sonntag sein wird, ist noch nicht abzusehen. Am Dienstag findet dann im Zayed Sports City Stadium zu Abu Dhabi das letzte Testspiel des HSV im Rahmen des Trainingslagers statt, dann geht es (nach deutscher Zeit um 16.30 Uhr) gegen Quairat Almaty.

Um noch einmal auf das Spiel gegen Vitesse Arnheim zurückzukommen: Einige User fragten ja in die Runde, welches Spiel ich denn bitteschön gesehen hätte? Nun ja, ich gebe es zu, ich habe bei Sport1 Hallenfußball gesehen. Was soll ich denn mit dem HSV gegen Arnheim anfangen? Soll ja nur drüber schreiben . . . Nee, nee, es ist schon bitter, wenn ich solche Fragen lese, egal an wen sie gestellt wird. Ich sitze dabei im stillen Kämmerlein und mache das, was ich seit über 33 Jahren mache, ich beurteile ein Spiel des HSV. Ohne von links oder rechts, auch nicht von oben und unten, beeinflusst zu werden. Alles ganz allein. Das mache ich immer so. Und das Abendblatt hat mich dabei immer noch nicht rausgeschmissen . . .

Im Gegensatz zu einigen HSV-Fans, die noch immer vom internationalen HSV träumen, die auch immer noch glauben, dass der HSV, ihr HSV, jeden Gegner in Europa immer noch leicht, locker und lässig „wegfideln“ könnte (und würde), bin ich ja Realist. Wenn dieser HSV gegen den Tabellenzweiten aus den Niederlanden antritt, dann gehe ich von vornherein davon aus, dass der HSV nicht zweistellig gewinnt. Und wenn dieser HSV – mit seinen 38 Gegentreffern in der Bundesliga – dann ein 0:0 gegen einen Tabellenzweiten aus den Niederlanden „holt“ oder schafft, dann ist das in meinen Augen schon erfreulich. Damit fängt es doch an: Erst einmal hinten ordentlich stehen, und darauf dann aufbauen, nur so sollte und könnte es jetzt gehen. Und deshalb war dieses Spiel in meinen Augen ein guter Anfang. Und ganz nebenbei, das haben die hiesigen Zeitungen ja auch nicht ganz anders als ich beurteilt. Und ich war quasi mit dem Schlusspfiff fertig, konnte nicht mit Spielern und Trainern reden, um mich noch beeinflussen zu lassen („Man, war das wieder ein Grotten-Kick!“) – alles live und in Farbe, und blitzschnell.

Und nun hoffe ich, dass diese HSV-Mannschaft, die gestern eine ordentliche und disziplinierte Leistung gebracht hat, auch ihre Lehren aus diesem 0:0 gegen die Niederländer ziehen wird. Wobei ich ganz stark nicht (!) davon ausgehe, dass diese (dezimierte) HSV-Mannschaft das Feld in der Bundesliga noch von hinten aufrollen wird. Es geht in den kommenden Wochen und Monaten nur gegen den Abstieg – und da war dieses „Auswärts-Unentschieden“ schon mal ein Lichtblick (in meinen Augen). Europa League oder auch Champions League, das machen wir dann alle später . . .
Was hatte Sportchef Oliver Kreuzer nicht noch vor gar nicht allzu langer Zeit gesagt? Genau: „Wir sind nicht mehr der große HSV.“ Ganz genau. Aber das muss man auch erst einmal verinnerlichen – denn es tut schon weh. Manchem mehr, manchem weniger.

17.37 Uhr

Ab nach Asien – Kreuzer sieht Annäherung in Gesprächen mit Calhanoglu

4. Januar 2014

Auf Wiedersehen, HSV! Heute am frühen Nachmittag sind 26 Profis plus Betreuer aufgebrochen Richtung Dubai, Indonesien und Abu Dhabi. Schon gestern war eine Delegation mit viel Gepäck vorgeflogen. Insgesamt 1,2 Tonnen Gepäck hat der Tross mit dabei. Ein Trainingslager als Großprojekt.

Aber es lohnt sich ja auch. Vielleicht nicht gerade vom Erholungswert, denn gerade die ersten Tagen sind Gift für den Körper. 20 Stunden nach Jakarta, der größten Stadt in Südostasien. 28 Millionen Menschen leben dort im Großraum dieser Metropole. Am Montag bestreitet der HSV um 20 Uhr Ortszeit (14 Uhr deutscher Zeit) ein Freundschaftsspiel gegen Arema Cronus. Diese Partie findet in Malang statt, etwa 900 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Die Hamburger sind dorthin mit einer Charter-Maschine unterwegs. Vielleicht gibt es im Internet Bilder zu fischen. Für findige Surfer: das Spiel wird in Indonesien auf dem Kanal MNCTV übertragen.

Etwa 450.000 Euro erhält der Verein für die Reise. Eine Viertelmillion von der DFL, den Rest vom Veranstalter in Indonesien. Viel Geld, und wir haben hier schon oft und ausführlich beschrieben, dass der HSV auf jeden Cent angewiesen ist. Mehr zu diesem Thema dann am Ende dieses Blogs.

Sportchef Oliver Kreuzer hat sich vor dem Abflug noch geäußert zu den beiden wichtigsten Personalien derzeit: Pierre Michel Lasogga und Hakan Calhanoglu. Was Lasogga angeht, haben sich Kreuzer und Hertha-Manager Michael Preetz in den vergangenen Tagen über diverse Zeitungen die Bälle zugespielt. Heute sagte Kreuzer: „Ich habe über die Jahreswende mit Michael Preetz telefoniert. Er kennt ja das Geschäft. Es ist normal und nicht verwerflich, wenn wir uns mit dem Spieler und seiner Mutter, die ihn berät, unterhalten. Dabei lassen wir es im Moment auch. Zum gegebenen Zeitpunkt werden wir sehen, was Sache ist.“

Der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen ist demnach jetzt noch nicht gegeben. Das sieht auch Lasogga so. „Mich interessiert das gerade gar nicht. Wir fahren jetzt ins Trainingslager. Die Spekulationen gehören zum Fußball und behindern mich nicht. Der Rest wird im Sommer entschieden, wahrscheinlich“, so Lasogga. Im Sommer? Das ist dann wohl doch etwas zu spät. Der Stürmer weiter: „Wieso? Ich bin hier ausgeliehen bis 30. Juni und habe Vertrag in Berlin bis 2015. Es herrscht keine Panik.“ Das wollen wir doch mal hoffen und auch, dass Lasogga die Debatten in den kommenden Wochen nicht am Toreschießen hindern werden.

Etwas weiter mit den Gesprächen ist Oliver Kreuzer offenbar mit Stürmer Hakan Calhanoglu und dessen Berater. Hier geht es ja um eine vorzeitige Verlängerung über 2016 hinaus – vermutlich bis 2018. „Wir sind auf einem guten Weg und haben uns angenähert“, gab Oliver Kreuzer heute preis. Das hört sich doch gut an, zumal Calhanoglu „zwischen den Jahren“ mit einem Interview im türkischen Fernsehen eher Gegenteiliges sagte. Er sei schon immer ein Fan von Galatasaray Istanbul gewesen, so Calhanoglu in seiner Heimat, als er auf das Interesse der Gelb-Orangen angesprochen wurde.

Heute relativierte Calhanoglu: „Man ist als Kind immer ein Fan von einem Verein, bei mir ist es Galatasaray. Das habe ich nur so gesagt, und es ist falsch rübergekommen. Ich wollte es nicht so sagen. Ich bin jetzt in Deutschland. Ich will hier bleiben und zeigen, dass ich in der Rückrunde besser starten kann als in der Hinrunde.“ Was immer wieder auffällt: Calahanoglu geht es offenbar nicht nur um Geld und die Perspektive des Vereins, sondern auch um seine ganz persönliche Wertschätzung, die er genießt.

„Natürlich! Mein Ziel ist, weiterzuspielen. Ich habe auch noch andere Wünsche an den HSV. Vielleicht bekomme ich meine Rückennummer 10, das ist meine Lieblingsnummer. Ich fühle mich hier sehr wohl will dem Verein etwas bedeuten.“ Wenn das so ist, kann es ja wohl nur eine Lösung geben: Kreuzer schreibt dem jungen Türken die Rückennummer 10 auf Lebenszeit in den Vertrag – und dann her mit der Unterschrift!

Manchmal wundert man sich in diesem ach so harten Profi-Geschäft – wobei Calhanoglu heute eine weitere Schwäche einräumte. Er mag nämlich gar nicht gern lange fliegen. „Eine Stunde oder zwei sind kein Problem. Aber jetzt habe ich Angst. 20 Stunden im Flugzeug, das macht mir Angst!“ Das sagte Calhanoglu vor dem Abflug. Jetzt, bei der Veröffentlichung dieses Blogs, ist die Emirates-Maschine mit dem HSV an Bord vielleicht gerade im türkischen Luftraum – hoffentlich gibt ihm das Sicherheit für den Weiterflug.

Natürlich wurde vor dem Abflug heute auch noch einmal über die Bedeutung der Vorbereitungsphase gesprochen. Dass der Trip nach Indonesien alles andere als optimal ist, hat Trainer Bert van Marwijk mit seinen kritischen Worten bereits gestern verdeutlicht. Oliver Kreuzer erklärt aus Vereinssicht: „Wir wissen, es ist eine sehr anspruchsvolle Reise von der Belastung her. Aber das gehört nun mal dazu. Viele andere Mannschaften pflegen das auch, Bayern München beispielsweise. Für uns war nur wichtig, dass wir Indonesien an den Beginn des Trainingslagers legen, nicht ans Ende. Von daher ist das kein großes Problem.“

Zur Trainingsarbeit vor Ort in Abu Dhabi schaut Kreuzer voraus: „Ich glaube, es ist wichtig, dass van Marwijk fast den gesamten Kader zur Verfügung hat und noch intensiver arbeiten kann. Dann gehen wir im Prinzip top-vorbereitet in die Rückrunde.“ Stürmer Lasogga: „Wir bereiten uns jetzt ganz klar aufs erste Pflichtspiel gegen Schalke vor. Darauf sind jetzt schon alle fokussiert und da wollen wir im Trainingslager den Grundstein legen.“

Dazu gehören auch zwei weitere Testspiele gegen Vitesse Arnheim und Quairat Almaty aus Kasachstan. Diese beiden Spiele finden im riesigen Fußballstadion von Abu Dhabi statt. Vergangenes Jahr hatte das fast groteske Züge vor Ort, als der HSV dort auch schon kickte. Knapp 50.000 Zuschauer passen in die Arena, in der 2009 die Klub-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde. Als der HSV nun da war, sperrten ein Dutzend Ordner das Stadion hermetisch ab. Touristen aus Deutschland, auch wir als Reporter, durften zunächst nicht rein. Angst vor Überfüllung? Keine Ahnung. In den Emiraten nahm niemand von diesem Testspiel Notiz. Die HSV-Reise-Delegation um Bernd Wehmeyer und Marinus Bester hat vor Jahresfrist jedenfalls für den Einlass gesorgt, so dass in dem großen, grauen Kessel dann wenigstens 50 Zuschauer waren – alle aus Hamburg….

Mit Ronald Wulff und Ali Eghbal sind heute übrigens zwei Aufsichtsräte mit der Mannschaft ins Trainingslager geflogen.

Themenwechsel. Wie angekündigt geht es jetzt noch einmal um die vereinspolitische und wirtschaftliche Seite des HSV und um die Versammlung am 19. Januar. Dort werden ja insgesamt fünf Anträge besprochen, wie der HSV neu strukturiert werden soll. Drei von ihnen, „HSV-PLUS“, „Tradition mit Zukunft“ und „HSV-Reform“ haben wir hier immer wieder beleuchtet. Neben der Stiftungsidee gibt es dann auch noch „Rautenherz“, eine Initiative einiger begeisterter HSV-Anhänger, die – wie „HSV-PLUS“, aber doch mit entscheidenden Abweichungen – eine Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung wollen.

Einer der Initiatoren ist Rainer Ferslev, 60 Jahre alt, Anwalt. Sein Spezialgebiet: Insolvenzrecht. Da liegt die Verbindung zum HSV bedauerlicherweise auf der Hand. Ferslev sagt: „Die wirtschaftliche Situation, in der der HSV steckt, ist die klassische Konstellation von Unternehmen, die in die Pleite rutschen. Die Kosten sind hoch und gehen nicht runter, irgendwann hat man eine Innnovation verpasst. Die aktuellen Zahlen sprechen für sich.“ Gemeinsam mit Martin Rüssel, 26 Jahre alt und Vertriebsmitarbeiter, hat Ferslev sein Modell entwickelt, das eine Ausgliederung in eine KG auf Aktien vorsieht.

Dem Wirtschaftslaien, und das werden die meisten der HSV-Mitglieder sein, die am 19. Januar ihre Stimme abgeben, ist der Unterschied zwischen AG, wie sie “HSV-PLUS“ möchte, und KG sicher nicht sofort klar. Ferslev: „Die meisten anderen Bundesligisten haben in eine KG ausgegliedert, nicht in eine AG. Wir legen Wert darauf, dass die Mitglieder weiter in Entscheidungen einbezogen werden. Der HSV hat 71.000 Mitglieder, das sind doch nicht alles Idioten, über deren Köpfe hinweg die wichtigsten HSV-Entscheidungen getroffen werden dürfen.“

Mit anderen Worten: Was die Veräußerung von Anteilen des HSV an Partner oder Investoren angeht, soll nach „Rautenherz“-Vorstellungen die Mitgliedschaft die entscheidende Mitsprache haben und behalten. „Das Mitspracherecht der Mitglieder bleibt ein zentrales Element“, verdeutlicht Martin Rüssel. Seinem Mitstreiter Ferslev geht „HSV-PLUS“ mit Beirat und Wahlausschuss, die entscheidenden Einfluss beim HSV haben sollen, zu weit. „Wir sind mutiger. Nach „HSV-PLUS“-Idee soll ein nicht kontrollierbares Gremium Kandidaten für den Beirat voraus wählen. Das wollen wir nicht.“

Und das ist wohl der Knackpunkt. Denn laut kritischen Stimmen gab es in den vergangenen Jahren ja gerade ein „zuviel“ an Mitglieder- bzw. Supporters-Einfluss, die wesentliche Fehlentscheidungen mit begünstigt und die aktuelle Zusammenstellung des umstrittenen Aufsichtsrates gefördert haben. So heißt es zumindest oft bei Befürwortern einer Ausgliederung.

Das genaue Organigramm von „Rautenherz“ könnt Ihr unter www.rautenherz.com oder im HSV-Vereinsheft nachschlagen. Deutlich ist für die Initiatoren aber ohne Diskussionsspielraum, dass generell ausgegliedert werden muss. Aus diesem Grund haben sie – neben ihrem eigenen Modell-Antrag – einen weiteren Antrag gestellt. Demnach soll der Vorstand, selbst wenn beide Ausgliederungskonzepte scheitern, mit irgendeiner Ausgliederungs-Umsetzung beauftragt werden. Anders sei der HSV wirtschaftlich nicht in den Griff zu bekommen.

„Bleiben wir in den alten Strukturen, müssen wir uns weiter mit Darlehen über Wasser halten“, sagt Martin Rüssel. „Und das wird auf Dauer sehr, sehr schwierig. Wir sind der Überzeugung, dass die Ausgliederung kommen muss. Es gibt keine Alternative.“ Andere Einnahmen, etwa aus internationalem Fußball, einzukalkulieren, sei im Moment nicht realistisch.

Noch ein paar konkrete Fakten, die „Rautenherz“ nennt: „Klaus-Michael Kühne“, so Rüssel, „hat sich seine acht Millionen Darlehen für Rafael van der Vaart mit acht Prozent verzinsen lassen. Dafür hat der Verein an Kühne sogar eine Grundschuld fürs Stadion eintragen lassen.“ Rainer Ferslev fährt fort: „Wir haben mit drei Unternehmern gesprochen, die Geld geben würden. Aber sie sagen, dass der HSV zunächst seine Hausaufgaben, sprich seine Ausgliederung, machen müsse.“

Insgesamt betonen Ferslev und Rüssel die Bedeutung neuer Strukturen für den HSV, sie zollen aber auch den aktuellen Verantwortungsträgern Respekt. „Wir wollen keine Spaltung vorantreiben oder Schuldzuweisungen von uns geben. Wir wollen zusammenstehen und erkennen die Arbeit von Carl Jarchow und Manfred Ertel hoch an. Wir haben auch Respekt vor Otto Rieckhoff und seinem Modell. Am Ende geht es um den HSV, schließlich ist es eher fünf nach zwölf als fünf vor“, so Rainer Ferslev.

In den vergangenen Wochen war „Rautenherz“ auch verstärkt auf Info-Veranstaltungen von Fanclubs, zum Beispiel am heutigen Sonnabend-Abend gemeinsam mit „HSV-PLUS“ in Obernkirchen. Freilich können die Rautenherzler personell nicht so auftrumpfen wie Otto Rieckhoff mit seinen Mitstreitern Hieronymus, von Heesen, Jakobs, Dr. Klein und anderen – das könnte sich nach heutigem Stand als negativ für ihre Chancen am 19. Januar herausstellen. Denn natürlich ist am Ende nicht nur eine Idee entscheidend, sondern auch die Personen, die eine Idee umsetzen.

Dritter Antrag von „Rautenherz“ ist der nach er Einführung einer Brief-und Fernwahl. Martin Rüssel: „Wir wollen die Mitbestimmung erleichtern. Das Anliegen, seine Stimme beim HSV abzugeben, ist bei allen Vereins-Mitgliedern im Bundesgebiet sehr hoch. Aber anzureisen zu einer Versammlung wie am 19. Januar ist oft ein unüberbrückbarer Organisations- und Kostenaufwand.“ Daher soll nun noch einmal über die Briefwahl und ein sogenanntes „Televoting“ abgestimmt werden. Das bedeutet, dass in bestimmten Orten in Deutschland Treffpunkte von HSV-Mitgliedern geschaffen werden sollen, damit die Leute dann von dort aus ihre Stimme ins CCH schicken können.

Für heute schließe ich mit einer Gratulation an Jonathan Tah. Er ist beim HSV vor Pierre Michel Lasogga und Marcell Jansen zum Spieler der Hinrunde gewählt worden.

Für heute einen schönen Abend
Lars

18.14 Uhr

Auffälligkeiten meines Fußball-Jahres 2012

1. Januar 2013

Willkommen in 2013. Hoffentlich seid ihr alle gut und bestens in das neue Jahr gekommen – bei mir war das der Fall, auch bei „Scholle“ ganz offenbar, denn wer in der Neujahrsnacht um 3.53 Uhr noch persönliche Grüße – und dann fast fehlerfrei (!) – in den Blog stellt, der muss ganz einfach super gelaunt in den Januar gekommen sein. Für „Scholle“ hat dieser Monat dann ja auch gleich einen großartigen Höhepunkt, denn gegen Ende des Januars wird er ja Papa. „Gobi“ fragte mich beim Training, hoffentlich gebe ich das nun richtig wider: „Wird Scholle eigentlich Mutter oder Vater?“ Meine Antwort: „Mutter.“ Dann wissen hoffentlich alle Bescheid. Ansonsten möchte ich an diesem Tag nicht mit einer zu schwer verdaulichen Fußball-Kost aufwarten, es hat sich ja, bis auf die Tesche-Kacar-Sache auch nicht viel getan zu diesem Dienstag. Ich möchte noch einmal einen kurzen Rückblick auf das Fußball-Jahr 2012 aus meiner Sicht wagen, was mir positiv, was mir negativ aufgefallen ist. Aus HSV-Sicht.
Und wer vielleicht noch schnell einmal seinen HSV trainieren sehen will, bevor es an diesem Mittwoch mittags ins Trainingslager nach Abu Dhabi geht, der sollte um 9.30 Uhr im Volkspark sein, da soll die Mannschaft noch einmal trainieren, bevor es dann in den Flieger geht.

Bevor ich loslege muss ich vielleicht noch eine Sache klarstellen – in eigener Sache. In meiner Neujahrsansprache habe ich ja davon gesprochen, dass ich am Ende des Jahres 2013 kein Festangestellter mehr des Hamburger Abendblatts sein werde. Das ist auch richtig, denn ich werde am 24. September 2013 65 Jahre alt, am 24. November 2013 habe ich deswegen, so wurde mir von der Rentenstelle Stralsund mitgeteilt, meinen letzten Arbeitstag. Nun haben sich darüber einige Matz-abber ein wenig erregt, weil sie es gerne sehen würden, dass ich noch ein wenig weiter arbeiten solle – um „Matz ab“ am Leben zu erhalten.

Aus diesem Grunde schickte mir der User Dr. M. (der Name ist mir bekannt) eine Mail, die er von einem besorgten Freund erhielt, weiter an mich. Hier ein kurzer Auszug:

„Erstmal wuensch ich dir einen schoenen jahreswechsel. Ihr gebt dem dieter matz keinen festen vertrag mehr wie ich hoere. Per neujahresbotschaft. Verlaesst euch euer gescheaftssinn? Fussball boomt seit ewigkeiten. Der mann ist eine feste groesse beim hsv. Und bei euch sollte er es sein. Jeder liest seinen blog . Das wir noch ganz GROSS. Das faellt sogar mir auf. Der mann und das medium ist eigentlich pflicht. Plus. Versteh ich nicht. Du bist doch der macher dort vor ort. Mach es. Lieben gruss, Andreas.

Das war nur eine Mail (es gab aber auch Anrufe) von einigen in dieser Angelegenheit. Ich kann aber alle diejenigen, die sich da Gedanken machen, zunächst einmal beruhigen, denn es gab diesbezüglich schon Gespräche mit dem Chefredakteur Lars Haider, und es wird noch weitere geben – so denke ich. Nach den in der Neujahrsansprache genannten Zahlen hat das Abendblatt natürlich auch ein Interesse daran, dass „Matz ab“ den Lesern erhalten bleibt. Also, es ist alles im Fluss, niemand muss sich groß aufregen.

So, dann komme ich mal zu den Dingen, die mir im Fußball-Jahr 2012 gefallen haben.
Top war, dass:

. . . sich der HSV im Sommer noch so eben vor dem Abstieg gerettet hat.

. . . sich mit Heiko Westermann und Dennis Aogo zwei Spieler, denen es beim HSV nicht immer nur unbedingt gut ging, stets darum bemühten, einen gewissen Teamgeist in die selten einmal richtig gut funktionierende Mannschaft zu bekommen.

. . . sich Jaroslav Drobny zwischen den Pfosten so großartig gesteigert hatte, nachdem er in der Startphase der Saison gleich mehrfach gepatzt hatte. Später war Drobny die Nummer eins dafür, dass der HSV die Klasse letztlich doch noch gehalten hatte.

. . . sich Romeo Castelen, der HSV-Pechvogel des Jahrhunderts, immer wieder an das Team herangekämpft hatte, dann aber gehen musste. Das ist zwar traurig und auch nicht top zu nennen, aber dass der frühere niederländische Nationalspieler immer noch nicht aufgab, sondern von einer Karriere im italienischen Fußball träumte, das ist einfach nur grenzenlos top zu nennen. Das ist, trotz des großen Pechs, hundertprozentiger Optimismus. Und verdient Anerkennung. Der Fußball-Gott hat es trotz allem nie so richtig gut gemeint mit Romeo. Leider. Und schade.

. . . sich Lotto King Karl bei jedem seiner Auftritte im Volkspark von seiner besten Seite zeigte. Voller Leidenschaft und Enthusiasmus – bei „Hamburg, meine Perle“. Immer und immer wieder, und immer wieder ein Hit. Wenn alle Spieler stets jene 100 Prozent, die Lotto (und Carsten Pape) am Spieltag bringt, ebenfalls bringen würden, dann stünde der HSV in der Bundesliga-Spitze.

. . . sich im engeren Umfeld der Profi-Mannschaft inzwischen (oder immer noch?) viele großartige Mitarbeiter „tummeln“, die dem gesamten Team ein sehr menschliches Gesicht verleihen. Stellvertretend seinen da genannt: Physiotherapeut Stefan Kliche, Busfahrer Miroslav Zadach, Zeugwart Mario Mosa und Teammanager Marinus Bester.

. . . im vierköpfigen Vorstand seit dem Frühjahr 2011 wieder Hand in Hand in voller Vertrauen gemeinsam und zum Wohle für den HSV gearbeitet wird.

. . . auch 2012 wieder verdienstvolle HSVer auf dem „Walk oft Fame“ verewigt wurden, diesmal waren das Udo Bandow, Thomas von Heesen, Willi Reimann, Branko Zebec, Fritz Laband und der großartige Günter Netzer. Der Dank gilt dem Initiator Andreas Maske und seiner Frau Carmen Pippig, die diese tolle Veranstaltung jedes Mal großartig organisiert.

. . . dass sich viele HSV-Spieler in dieser jetzt laufenden Spielzeit in ihren Leistungen gesteigert haben. Zu nennen wären da Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Marcell Jansen, Heung Min Son und (aber) vor allen Dingen Tolgay Arslan, der alle Skeptiker (auch oder vor allem mich), dass er die „Sechs“ nicht spielen kann, vom Gegenteil überzeugt hat.

. . . dass sich Rene Adler so schnell und so eindrucksvoll wieder in die alte Top-Form, die ihn einst zur Nummer eins in Deutschland werden ließ, gespielt hat. Der Mann ist längst wieder in Weltklasse-Format und hat dem HSV schon viele, viele Punkte gerettet. Der Top-Einkauf seit Jahren. Gratulation, Herr Arnesen, zu diesem geglückten Alleingang!

. . . dass sich Klaus-Michael Kühne nicht beirren ließ und daran festhielt, Rafael van der Vaart zurückzuholen. Der Milliardär und sein Niederländer sind ein nicht zu schlagendes Gespann – und „Raffa“ ein Garant dafür, dass nun alle HSV-Spieler mit höchster Konzentration ihrem Job nachgehen. Weil sich niemand eine Blöße – ihm gegenüber – geben möchte. Schon deshalb ist diese Van-der-Vaart-Rückhol-Aktion ein großartiger Coup gewesen.

. . . dass sich die Neuverpflichtung Milan Badelj von Beginn an so prächtig entwickelt hat.

. . . sich die HSV-Fans, vor allen die „harten“ im Nord-Westen, am 29. September von ihrer besten Seite zeigten. Wie sie in Sachen Flaggen und Fahnen und Plakaten auf die Beine stellten, um zum 125. Geburtstag des HSV zu gratulieren (mit großartiger Choreographie!), das war sensationell gut und kann gar nicht genug gewürdigt werden.

Ein Flop war im Jahr 2012, dass . . .

. . . David Jarolim den HSV verlassen musste. Ich schreibe das ganz bewusst an erster Stelle, denn ich weiß, dass ich mit diesem Gedanken nicht allein bin – im Gegenteil. Der größte Befürworter des Tschechen war zum Beispiel Uwe Seeler, der sagte: „Ich hätte Jaro niemals gehen lassen, denn er hatte als einer der wenigen HSV-Profis die Raute im Herzen.“ Stimmt, damit ist alles gesagt.

. . . der anfangs so großartige Gökhan Töre völlig die Einstellung zu seinem Beruf verloren hatte. Der junge Mann hat viel an den Füßen, aber der Kopf spielt ihm leider zu oft einen Streich. Wer nicht erkennt, welch ein großes Talent man eigentlich ist, und nichts dafür tut, um eine große Karriere zu starten, der im Gegenteil sich treiben lässt und nur die schönen Seiten am Fußball inhaliert, der wird früher oder später Schiffbruch erleiden. Töre war der Shootingstar der Hinrunde 2010/11, aber dann begriff er nicht, worauf es im Profi-Fußball tatsächlich und in erster Linie drauf ankommt. Thema verfehlt. Leider.

. . . sich Muhamed Besic, der heute gerade einmal 20 Jahre alt ist, zu schade war, um in der Regionalliga-Mannschaft des HSV zu spielen. Der (viel zu) schnelle Aufstieg zum A-Nationalspieler (Bosnien-Herzegowina) hatte ganz offenbar für zu viele Flausen im Kopf des jungen Mannes gesorgt – null Selbstkritik. So tritt man sein Glück mit Füßen.

. . . sich der HSV im letzten Saisonspiel, als der Klassenerhalt gerade mal perfekt war, eine solche blamable Partie wie die 0:1-Niederlage in Augsburg erlaubte. Das war krass. Das war auch katastrophal. Alle hätten frei und unbeschwert aufspielen können, um zu zeigen, wie gut sie wirklich sind – und dann dieser furchtbare Rohrkrepierer. Das war Leistungsverweigerung pur. Ein solcher Auftritt kann nicht gleich abgehakt werden, der muss im Gedächtnis jener bleiben, die daran beteiligt waren und ist ganz sicher auch (negativ-)geschichtsträchtig. Und wird so schnell nicht vergessen sein. Trotz vieler Gurkenspiele, die es auch in der Saison 2012/13 schon wieder gab.

. . . zum Beispiel die Partie in Düsseldorf eigentlich noch viel grottiger war. Dieser Auftritt war eine Frechheit, lag aber in der Negativ-Statistik nur knapp vor dem Kick in Leverkusen, als der HSV am Vortag sechs Stunden bei der Anreise per Zug verbracht hatte. Was Trainer Thorsten Fink zum Anlass nahm, nach der 0:3-Niederlage noch schnell und kurz einmal darauf hinzuweisen. Ein Eigentor, klassisch wie überflüssig.

. . . sich ein stellvertretender Aufsichtsrats-Chef wie Manfred Ertel während der Mitglieder-Versammlung im CCH mehrfach zu Beifall hinreißen lässt, als Reden gegen den neben ihm auf der Bühne sitzenden Vorstand Joachim Hilke gehalten wurden. Das mag ja die ausgelegte Meinungsfreiheit in diesem Lande dokumentieren, zu einem guten und vorbildlichen Vereinsleben passt es aber nicht – eher ist das Gegenteil der Fall. Ein Mitglied des Aufsichtsrates hat andere Möglichkeiten, einem Vorstandsmitglied des HSV die Meinung zu geigen, als diesen negativen Beifall. Auch wenn es in diesem Falle um die unsägliche Viagogo-Geschichte ging. So geht es trotzdem nicht.

. . . dass sich Aufsichtsrats-Boss Alexander Otto dazu entschloss, nicht wieder zu kandidieren. Weil die Arbeit ruft. Die rief aber auch vorher immer wieder – sogar laut. Und in diesen schwierigen Zeiten auch mit viel Vehemenz – aber ein Herr Otto ist doch längst eine Institution und dürfte auch über allem stehen. Schade, schade, der HSV verliert mit ihm einen wichtigen und großartigen Mann. Der nur schwer, ich glaube sogar, der nicht zu ersetzen sein wird. Jedenfalls nicht so schnell.

. . . sich Robert Tesche trotz seiner völlig überraschenden (und auch überflüssigen) Vertragsverlängerung nicht weiterentwickelt hat, im Gegenteil, er schien zuletzt nur noch seinen Vertrag „absitzen“ zu wollen.

. . . sich Neuerwerbung Paul Scharner nicht so entwickelt hat, wie vor allem ich erhofft hatte (ich habe sehr viel von ihm erwartet – auch als Führungsspieler). Es ist in seinem ersten HSV-Halbjahr nichts gekommen.

. . . die Dummen einfach nicht aussterben wollen. Und zwar diesmal die, die sich in Sachen Pyro-Technik im Stadion immer wieder versuchen. Eine verbrannte und „heißgeliebte“ Flagge müsste eigentlich jedem (wirklich jedem!) zu denken geben, denn ein solches Heiligtum durfte doch ganz einfach nicht „sterben“, aber einige merken offenbar wirklich nichts.

So, es ließe sich bestimmt noch der eine oder andere Flop finden, auch sicher noch so manche Top-Leistung, aber ich lasse es damit mal bewenden.

Ungläubig habe ich zur Kenntnis genommen (wieder einmal!), was hier einige bestens informierte User immer wissen – und wissen wollen. Und mit welch unqualifizierten Sätzen sie dann gleich lospoltern und gnadenlos nur ihre Meinung durchprügeln wollen. Thema Gojko Kacar. Wer da bessere Informationen hatte, der hätte schon ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Trainer führen müssen. Ich kann jedem, der diesen Mist lesen musste, versichern, dass es so, wie ich es geschrieben habe, richtig war. Ich kann es sogar noch ergänzen: Es wurde intern beim HSV nicht erst am Montag entschieden, Kacar zu Hause zu lassen (und nicht mit nach Abu Dhabi zu nehmen), sondern sogar schon am späten Sonntag.
Aber vielleicht gibt es ja sogar mal eine Entschuldigung für die gequirlte . . . Obwohl, diese Hoffnung habe ich eigentlich schon lange, lange verloren.

PS: Ich werde, weil ich nun wieder auf diese unqualifizierten Zwischenrufe eingegangen bin, sicherlich in aller Form vom Moderatoren-Team abgestraft, aber ich kann nur sagen: Tut mir Leid, dass es wieder mal passiert ist, aber das musste einfach mal raus. Denn ich hasse jede Form von Ungerechtigkeit.

In diesem Zusammenhang möchte ich einen Begriff schnell noch einwerfen, der mir bei der Neujahrsansprache noch durch die Lappen gegangen ist:
Toleranz.

Wenn in diesem Punkt alle in diesem Jahr mehr an sich arbeiten würden, dann hätten ganz sicher viel mehr Leute Spaß – auch an diesem Matz-ab-Blog. Toleranz – gepaart mit einem kleinen Hauch von Demut, das hätte schon was. Nicht immer gleich explodieren, nicht sofort alles in Schutt und Asche reden und schreiben, sondern erst einmal durchatmen und denn überlegen, in welcher Form sich dazu äußert (wenn überhaupt). Es ist bei uns („Matz ab“) ja wie im richtigen Leben. Erst denken, dann machen. Das gilt, und das liegt mir nach 2012 auch auf dem Herzen, auch für den Fußball, ganz speziell für den Bereich der Schiedsrichter. Kein Mensch ist fehlerfrei. Keiner. Von den Fußball-Profis wissen wir das alle. Nur die Schiedsrichter, so habe ich das Gefühl, sind die einzigen Menschen, die niemals einen Fehler machen sollen, machen dürfen – Schiedsrichter gelten für alle, die es nicht sind, als die seltene Gattung der fehlerfreien Menschen. Und sollte einer dieser fehlerfreien Menschen dann doch einmal daneben liegen, dann sollte bei uns allen in Sekundenschnelle mal an das kleine Wörtchen Toleranz gedacht werden. Das wäre jedenfalls mein allgemeiner Fußball-Wunsch für das Jahr 2013. Und ich bin mir absolut sicher, dass es uns allen danach etwas, vielleicht nur etwas, vielleicht aber auch etwas mehr, besser gehen würde.

So, das war mein Jahr zum neuen Jahr. In diesem Blog hat es auch einen „offenen Brief“ gegeben, der viele beschäftigt hat. Ich veröffentliche ihn hier noch einmal, weil ich weiß, dass nur ein Bruchteil der „Matz-aber“ noch die Kommentare lesen.

Offener Brief an den Vorstand des
HSV
21.12.2012

An den Vorstand
Hamburger Sportverein e .V.
Sylvesterallee 7
22525 Hamburg

Sehr geehrter Herr Jarchow,
Sehr geehrter Herr Arnesen,
Sehr geehrter Herr Hilke,
Sehr geehrter Herr Scheel,

wir Mitglieder und Fans des HSV sind in tiefer Sorge um die weitere Entwicklung unseres Vereins. Wir finden es befremdlich dass Aufrufe von CFHH und PT 98 auf der SC Plattform veröffentlicht werden.
Wir selber haben Stellung bezogen gegen die politische Hysterie der Innenminister und deren Intention, DFL u. DFB unter Druck zu setzen. Die große Plattform Fußball wird von der Politik missbraucht um vom eigenen Versagen in der Frage über Gewalt und Verrohung in unserer Gesellschaft abzulenken.
Trotzdem können wir nicht die Augen davor verschließen, dass einige Gruppierungen den Protest gegen das Sicherheitspapier zu ihren eigenen Zwecken missbrauchen, und versuchen, andere Fans und Fußballfreunde ihre Aktionen aufzuzwingen.
Jeder gezündete Bengalo, Rauch und bewegliche Feuerwerkskörper sind ein Schlag ins Gesicht unseres HSV und kosten unserem Verein viel Geld. Auch die vulgären und antidemokratischen Schmährufe gegen DFB und DFL verunglimpfen unseren Verein und sein Ansehen. Das Verhalten dieser Leute ist, soweit sie HSV Mitglieder sind, absolut vereinsschädigend. Wir müssen uns nicht hinter Pseudonymen, Masken und Kappen verstecken um unsere Meinung sachlich und fair zu äußern.
Wir finden es auch sehr fragwürdig, dass einigen Ultra Gruppierungen im HSV so viel Spielraum gelassen wird- trotz der Tatsache, dass Sie offen für eine „legitimierte Fankultur“ eintreten, die Recht und Gesetz der Bundesrepublik mit Füßen tritt.
Wir sind für das was wir im Sport Fairplay nennen. Sport soll verbinden und nicht spalten.
Wir möchten hiermit zum Ausdruck bringen, dass wir jeglichen weiteren Stimmungsboykott und einen angedrohten Spieltagsboykott ablehnen, wie von den Fanvereinigungen CFHH und PT 98 gefordert. (http://www.hsv-sc.de/nc/de/news-anzeige/article/1212-geht-weiter.html?tx_ttnews[backPid]=6)
Des Weiteren distanzieren wir uns mit Nachdruck von Leuten die zur Gewalt und Pyroaktionen Aufrufen, die derzeit in diversen Internetforen und Netzwerken verbreitet werden. (Hier nur ein Beispiel dazu: https://www.facebook.com/events/510157715685852/)
Wir finden es super, dass sich jetzt erst Recht Mitglieder engagieren und äußern!
Wir fordern unseren Vorstand auf engagiert und entschlossen die Interessen des HSV und des Fußballsports zu vertreten.
Wir akzeptieren geschlossen sowohl unsere Stadionordnung als auch den Verhaltenskodex des HSV Supportes Club.

In diesem Sinne: NUR DER HSV!

Mit b-w-s Gruessen

Peter F. ( u. 25 Unterstützer)

18.47 Uhr

HSV als Tabellenvorletzter in Frankfurt

15. September 2012

Die Szene war symptomathisch für ihn. Nach dem Trainingsende schlenderte Rafael van der Vaart vom Platz, wenige Meter neben der Tür saßen drei Personen: Teammanager Marinus Bester, Uwe Eplinius, der frühere Physiotherapeut des HSV, und dessen kleiner Sohn. Jeder Star wäre an dem Knaben vorbeigegangen und hätte „Epi“ und den „Herrn Besten“ per Hand begrüßt. Das wäre für einen Star normal gewesen, aber nicht für „Raffa“ van der Vaart. Der gab dem Jungen zuerst die Hand, dann dem Vater. Mit dem lag er sich Sekunden danach sogar gefährlich in den Armen, denn sie „knuddelten“ sich so innig, bis der Niederländer von einer Stufe abrutschte. Zum Glück knickte er nicht mit dem Fuß um, was durchaus möglich gewesen wäre, aber das wäre dann wirklich noch der Höhepunkt gewesen.

In den 82 Trainings-Minuten zuvor hatte van der Vaart seine Klasse gezeigt. Der Mann hat es einfach, kann es einfach, zeigt es, als wäre es ganz einfach wäre. Ich hatte heute das Gefühl, als wäre er nicht nur reifer, abgeklärter und besonnener geworden, sondern dass er auch fußballerisch noch zugelegt hat. Er produziert Ideen fast am laufenden Band, er hat ein Auge für Raum und Mitspieler, er macht das Spiel manchmal genial schnell, dann wieder hält er klug den Ball, um das Spiel zu ordnen. Wenn ihm das morgen von 17.30 Uhr auch in Frankfurt gelingen sollte, fast in Perfektion, dann ist mir um diesen HSV nicht bange. Dann wird im Hessischen auch was geholt. Zumal ja nicht nur van der Vaart dabei sind, sondern auch Milan Badelj und Petr Jiracek. Diese drei Spieler geben dem HSV ein total neues Gesicht. Da kommt schon so etwas wie Vorfreude auf. Auch bei Trainer Thorsten Fink, der heute nach dem Training kurz mit den Pressevertretern sprach und dabei bis über die beiden Ohren strahlte. So sieht ein absolut optimistischer Coach aus, keine Frage.

Weil der HSV drei Mittelfeldspieler nun mehr an Bord hat, blieben auch zwei „alte“ Mittelfeldspieler zu Hause: Robert Tesche und Per Ciljan Skjelbred traten den Flug nach Frankfurt nicht mit an. Obwohl sie von Thorsten Fink gelobt wurden: „Beide haben in letzter Zeit sehr gut trainiert, aber das gilt auch für alle anderen Spieler.“ Tesche und auch Skjelbred können sich dennoch nicht beschweren, dass sie daheim bleiben müssen, denn beide hatten doch immer wieder ihre Chancen bekommen – und sie nur nicht nutzen können. Jetzt sind andere Kollegen eben mal an der Reihe.

Kurz Blick von den Profis zu den Amateuren. Die Regionalliga-Mannschaft des HSV trainierte unter der Regie von Rodolfo Cardoso parallel, und dabei war auch die Nummer vier des HSV, Sven Neuhaus. Als der Keeper – gemeinsam mit „Altmeister“ Richard Golz – vom Rasen ging, strahlte er dennoch über alle (Zwei? Vier?) Backen. Kein Frust, weil er „strafversetzt“ wurde, Neuhaus nimmt die Sache ganz professionell. Toll. Sportlich fair. Vorbildlich. Neben ihm trainierte übrigens Slobodan Rajkovic. Schon ein komisches Gefühl, den verbannten Innenverteidiger so abseits zu sehen, ohne jeden Kontakt zu den früheren Mitspielern. Und so wird es ja auch jeden Fall noch bis zur Winterpause sein, keine ganz angenehme Sache, aber in den Ostblock wollte er ja auch nicht wechseln . . .

Zurück zur Profi-Abteilung. Die Stimmung ist, wie schon in der Woche von Kapitän Heiko Westermann geschildert, wirklich prächtig. Festzumachen auch an der heutigen Aufwärmphase. Da mussten die Spieler kleine Trippelschritte durch eine am Boden liegende (bewegliche) Leiter machen, um danach den Ball zu spielen. Jeffrey Bruma brachte es fertig, die Leiter mit seinen Stiefeln „einzusammeln“, was den spontanen Beifall aller Kollegen und ein wildes Indianergeheul nach sich zog. Selbst Bruma beklatschte sein „Werk“. Und als es dann zur nächsten Übung auf den Nebenplatz ging, da gingen Artjoms Rudnevs und Skjelbred Arm in Arm – wie ein Liebespaar. Das zeugt doch von einer gewissen Harmonie im Team. Und als später Michael Mancienne bei der Torschuss-Übung ein (Traum-)Tor nach dem anderen schoss, da gab es wieder Applaus von den Mitspielern und dazu lautstarke Anfeuerungsrufe. Für morgen? Vielleicht trifft der Engländer ja in Frankfurt einmal so, wie er es heute gleich mehrfach tat. Hätte schon was – mit einem HSV-Sieg im Rücken natürlich nur.

An diesem Sonnabend stand auch wieder das so beliebte „Fünf gegen zwei“-Spiel auf dem Programm. Diesmal drei Stationen mit „sechs gegen zwei“. Wer dabei den Ball gegen die „zwei“ in der Mitte „verdaddelt“, der muss dann selbst in die Mitte. Als einmal Heung Min Son den Ball etwas zu schwach zu Tolgay Arslan kickte, der Ball nach dem Verlegenheitsabspiel von Arslan dann weggeschnappt wurde, da wurde die „Strafe“ geteilt: Arslan wollte zwar, aber Son ging freiwillig und zuerst in die Mitte; und als der Ball dort „einkassiert“ wurde, ging Son nach draußen (er hätte eigentlich erst beim nächsten Mal raus dürfen) – und für ihn kam dann Arslan (auch nur für dieses eine Mal). So geht es ja auch, geteiltes Leid ist halbes Leid.

Für alle diejenigen, die die Aufstellung tippen oder erfahren wollen. Der HSV wird so spielen, wie erwartet: Adler; Bruma, Mancienne, Westermann, Lam; Badelj, Jiracek; Son, van der Vaart, Jansen; Rudnevs.

Ein kleines Wagnis ist dabei für mich ja immer noch Zhin Gin Lam hinten links, aber Thorsten Fink hat sich so entschieden. Und wenn ich ehrlich bin, so hat der frühere Mittelfeldspieler heute im kleinen Trainingsspielchen einen ganz guten Eindruck hinterlassen, er war „giftig“ und hing meistens wie eine Klette an seinem Gegenüber. Okay, den kennt er natürlich auch bestens, mit welchem Frankfurter er es morgen zu tun bekommen wird, ist wohl noch offen. Und eventuell auch ein wenig unangenehmer. Aber drücken wir mal die Daumen, das es besser klappt als vor Wochen noch im Pokal in Karlsruhe. Und wenn nicht, dass Thorsten Fink spätestens zur Pause ein Einsehen hat und wechselt (Dennis Diekmeier rein). Abwarten.

Ab und an regnete es im Volkspark, was der guten Laune aber keinen Abbruch tat. Auch die Trainingskiebitze waren bestens drauf und auch – alle – optimistisch. Wobei ein Thema aber durchaus kritisch angesehen wurde:
Kühne. Der Geldgeber, Mäzen, Sponsor, Gönner und Investor hatte ja in der „Welt“ noch einmal ordentlich gegen die Führung „abgeledert“. Und keiner wusste so recht, warum? „So kurz vorm einem so wichtigen Spiel? Was soll das? Damit tut er dem HSV doch keinen gefallen. Er sorgt doch nur für neue Unruhe.“ So hieß es am Rande des Volksparks. Was ich allerdings nicht so sehe. Den Spielern ist es doch egal, was da in der Führung läuft. Erstens lesen die meisten Profis ohnehin keine Zeitungen (weil es auch meistens gar nicht können!), zweitens geht es für sie doch, sich ins Team zu spielen – und dann auch erfolgreich zu sein. Für den HSV und für den eigenen Geldbeutel – mit der Siegprämie.

Ich glaube ja, dass es Klaus-Michael Kühne egal ist, wann und wie er etwas sagt. Er steht ganz einfach über allen Dingen, er sagt es dann, wenn es für ihn raus muss – so einfach ist das. Was hat er zu verlieren? Nichts. Er wird ja dringender denn je in Hamburg benötigt. Und in seiner Situation muss er kein Diplomat sein, er haut es raus und damit ist gut. Für ihn. Er hat sich Luft verschafft. Ob er sich damit auf Dauer einen Gefallen tut, weiß ich nicht (ihm wird es ebenso egal sein), aber er will sicher auch kein Amt beim HSV übernehmen. Wenn er für seinen Lieblingsklub Geld gibt, dann reicht ihm das – vielleicht nicht ganz. So verstehe ich jedenfalls seine Aussage, dass aus dem „ersten Mal“, als er dem HSV erstmalig finanziell unter die Arme griff, „nichts gemacht worden ist“. Damit meinte er sicher nicht, dass das Geld zum Fenster hinaus geworfen wurde, sondern die Tatsache, dass der HSV mit diesem Geld so gut wie keine Aufbauhilfe geleistet hat. Andernfalls hätte er jetzt wohl nicht erneut und schon wieder „eingreifen“ müssen. Was er ja zum Glück für den HSV noch einmal tat – ich jedenfalls bin noch immer total happy, dass es Kühne noch einmal wagte. Egal, was er danach und auch in Zukunft alles über den HSV und dessen Führung so alles „ablässt“. Wer für die Musik sorgt, der darf auch seinen Mund aufmachen – oder? So heißt es doch.

Ein Thema beim heutigen HSV-Training war auch die „Bomben-Partie“ zwischen Augsburg und Wolfsburg (0:0). Fußball zum Abgewöhnen. Haben alle unisono gesagt. Schlechter geht es offenbar nicht mehr, und so gesehen ist der HSV, egal wie es morgen läuft, schon mal aus dem Schneider, wie er den „schwarzen Peter“ schon mal los ist: Den grausamsten Fußball des Wochenende gab es diesmal bereits am Freitag zu sehen.

Allerdings: Ich bewundere die Augsburger trotz allem ein ganz klein wenig. Weil sie in ihren fußballerischen (und wohl auch finanziellen) Mitteln sehr limitiert sind, aber dennoch 90 Minuten rennen, kloppen, grätschen, fighten, laufen – alles geben. Die Einstellung dieser „No-name-Truppe“ ist vorbildlich, kämpferisch ist dem Abstiegskandidat Nummer eins nichts vorzuwerfen. Eine solche Einstellung wünschte ich mir auch gelegentlich von anderen Erstliga-Mannschaften . . .

So, wie die Partie in Frankfurt ausgeht, das wissen wir alle noch nicht, aber wir werden kurz nach dem Abpfiff auf jeden Fall wieder drüber reden. Wie immer im „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), und wie immer „uns Scholle“ und ich. Dazu mit zwei Gästen aus unserem „Matz-ab“-Kreis: Unser aller „Eiche“ wird wohl dabei sein (er ist gesundheitlich noch stark angeschlagen, will sich aber durchbeißen), dazu der „Master of Grätsche“, der ehemalige HSV-Abwehrspieler Carsten Kober. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr wieder zahlreich dabei sein würdet.

Kurz noch zum heutigen Spieltag – ein toller Spieltag! Der Mann des Tages ist für mich ja der Japaner Kiyotake, der Nürnberg zum 3:2-Sieg in Mönchengladbach schoss. Der kleine Mann gefiel mir schon beim 1:0-Sieg des Clubs gegen – ist mir entfallen. War am ersten Spieltag, zu lange her. Aber einen solchen kleinen Japaner, den könnte sich der HSV doch auch einmal einfangen . . . Oder?
Super war das Spiel Hannover – Bremen, und dann mit diesem Abschluss: Huszti mit Fallrückzieher zum 3:2-Sieg (drei Minuten waren da nachgespielt!), dann ab in die Kurve: Gelb. Dann noch Trikot ausgezogen: Gelb-Rot. Warum der ausgewechselte Schlaudraff auf den vierten Mann, Sascha Thielert von Buchholz 08, losgeht und ihn würgen will, ist mir nicht klar, aber die meisten Spieler kennen ohnehin nicht die Regel. Das war alles regelkonform. Selbst Hannovers Trainer Mirko Slomka hat „super“ in Richtung Schiedsrichter Aytekin gesagt – es wahrscheinlich (oder ganz sicher) aber anders gemeint. Nur so sind die Regeln. Die Vereine hätten alle längst mal „super“ sagen sollen – vorher.

PS: Der HSV ist jetzt die einzige Erstliga-Mannschaft Deutschlands ohne ein eigenes Tor. Und: Der HSV steht zurzeit auf dem vorletzten Tabellenplatz. Nur Hoffenheim ist schlechter. Aber das kann sich an diesem Sonntag ja noch alles ändern. Was heißt kann, es muss. Und damit meine ich nicht Hoffenheim!

Schönen Abend noch!

17.41 Uhr

“Fußball-Gott” Benjamin zurück zum HSV?

13. Juni 2012

Er könnte wohl spielen. Verraten aber, ob er am Abend auch tatsächlich dabei ist, das hat er nicht. Joris Mathijsen, der ehemalige Hamburger, hatte heute SMS-Kontakt mit seiner früheren Wahl-Heimat, dem Volkspark. HSV-Team-Manager Marinus Bester wollte ein wenig Spaß mit dem HSV-Abwehrspieler haben – vor dem Knüller Niederlande gegen Deutschland, am Abend um 21.45 Uhr. Es wurde heftigst geflachst. Bester schrieb Mathijsen: „Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du mitspielst – das wäre gut. Für Deutschland . . .“ Dem kann ich nichts hinzufügen. Außer, dass ich der Meinung von „Maschine“ Bester bin. Deswegen drücke ich Mathijsen ganz fest die Daumen. Er war ja nie der Schnellste einer, und wenn er nun über eine Woche nur eingeschränkt trainiert hat, dann kann er auf jeden Fall ja nicht viel schneller geworden sein . . . Und irgendwie möchte ich ja doch, dass die Truppe von „Clever & Smart“ gewinnt. Also die Truppe von Löw und Bierhoff.

Aber es wird ganz, ganz eng. Die Niederländer kämpfen schließlich schon um ihre letzte Chance. Doch wem sag ich das? Ihr seid ja ohnehin alle auf Ballhöhe. Es ist schon erstaunlich, wie das „gesamte Volk“ in diesen Tagen und Wochen mitfiebert – einfach toll, wie viele Fahnen ich an den Autos sehe, wie viele Damen und Herren in deutschen Trikots herumlaufen. Wahnsinn. Das war doch vor zehn, 20 Jahren nicht denkbar. Und obwohl die HSV-Fans ja für ihre unglaubliche Treue zu ihrem HSV gelobt wurden (völlig zu Recht!), bin ich trotz allem der Meinung, dass einige der HSV-Fans jetzt noch ein wenig lernen könnten. Nämlich ohne Wenn und Aber zu seinem Klub zu stehen (ohne dabei unkritisch zu sein). Ich denke dabei jetzt, während der EM, vor allem an die HSV-Nationalspieler (auch an die ehemaligen), zu denen einige HSV-Anhänger ja ihre ganz spezielle Meinung hatten und haben – und diese auch immer ganz exklusiv (oft auch anonym) mitteilten: „Der gehört da nicht rein, der ist viel zu schlecht – es ist geradezu lachhaft, dass der Nationalspieler ist . . .“ Usw, usw.
Die, die jetzt gerade in ganz Deutschland ganz emsig Flagge zeigen, die stehen fest zu ihrer Mannschaft. Und sie stören sich zum Beispiel ja auch nicht an der Frage, ob nun der lauffaule Mario Gomez Spitze spielen soll, oder doch besser sprunghafte Miroslav Klose? Wobei ich eher für den kleinen, wuseligen Marco Reus wäre . . . Aber das ist dann doch noch eine ganz andere Frage.

Um aber noch einmal auf Gomez zu kommen: Wie er die Kritik von Scholl verarbeitet hat, wie der Torjäger diese harte, überharte oder sogar auch unfaire Kritik in der Öffentlichkeit behandelt hat – das war Weltklasse. Ich stelle mir nur mal vor, wenn eine solche Kritik auf Mario Basler oder auf Lothar Matthäus hernieder geprasselt wäre – dann hätten wir auf Wochen in jeder Zeitung Schlagzeilen satt. Mario Gomez aber hielt den Ball wunderschön flach, ob nun auf Anraten des DFB oder auch des FC Bayern, oder aus eigenem Antrieb – egal, er hat sicher super verhalten. Und deswegen gönne ich ihm auch heute mindestes ein Tor – und ein gutes Spiel. Und Scholl war gestern, in der ARD (als Partner von Gerhard Delling), ja auch ein wenig zurückhaltender als sonst. „Scholl light“, sozusagen. Aber er wird auch während dieser EM noch wieder in seine alte Form zurückkommen . . . Aber, auch das muss mal gesagt werden, „Scholl light“ mit Delling oder Reinhold Beckmann ist immer noch dreimal so gut wie dien ZDF-EM-Sendung aus Usedom. „Olli, woher du das immer weißt . . .“, himmelte Frau Müller-Hohenstein ihren Partner Oliver Kahn an, und der sagte – dabei mit den Augen rollend: „Ja, ich habe ja auch mal ein bisschen Fußball gespielt.“ Ist nicht wahr! Das ist die ganz hohe Schule der Fußball-Moderation.

Themenwechsel. Mein Freund „Dicki“ steht mit den Super-Senioren des HSV am Sonntag im Endspiel-Turnier um die Hamburger Meisterschaft. Das findet am Sonntag am Grophuisring (Steilshoop) statt. Und was macht er, der über 60-jährige Fußball-Verrückte? Er fuhr am Dienstag schon mal zum Platz, um die Verhältnisse zu prüfen! Unfassbar. So klärt er schon mal die Stollenfrage, die Windverhältnis, ob der Platz abschüssig ist, wie die Sonne um 10.30 Uhr steht – und, und, und. Aber so ist er. Und es ist wohl auch nicht so ganz unnormal, denn, und darum habe ich das geschrieben, heute „turnte“ eine Delegation des FC Barcelona durch den Volkspark. Tatsächlich. Die Herren waren gekommen, um sich das Stadion anzusehen, um zu klären, was für jenen 24. Juli alles benötigt wird – wenn der große FC Messi gegen den HSV antritt. Ja, da wird selbst in einem Freundschafts-Kick nichts, aber auch nicht dem Zufall überlassen. Profihaft? Oder doch etwas übertrieben? Das überlasse ich euch. Aber wenn schon über 60-Jährige die Platzverhältnisse für den nächsten Sonntag überprüfen . . . Bislang sind übrigens schon 48 000 Eintrittskarten für dieses Spiel (HSV – Barca) verkauft worden – das lässt (demnächst) auf „ausverkauft“ schließen.

Noch ein Themenwechsel. Nächste Woche wird Collin Benjamin in Hamburg erwartet. Beim HSV. Der ehemalige HSV-Profi hat seine Profi-Karriere ja wohl an den Nagel gehängt, nachdem er zuletzt beim TSV 19860 München kaum noch regelmäßig gespielt hat – aus Verletzungsgründen. Kehrt „Collo“ nun in seine „Heimat“ Hamburg zurück, der kehrt er in seine „richtige“ Heimat zurück? Der HSV wäre eigentlich ja ideal für ihn, und Medien-Direktor Jörn Wolf sagte mir heute: „Er war hier Publikumsliebling, er ist ein verdienter HSV-Spieler mit vielerlei Talenten – vielleicht können wir ihn ja irgendwie an den HSV anbinden. Wir machen uns auf jeden fall Gedanken in diese Richtung.“ Toll. Würde ich riesig finden, wenn Collin Benjamin „Fußball-Gott“ hier in irgendeiner Form mitmischen würde. Und es klingt ja auf jeden Fall schon mal recht vielversprechend.

In aller Stille (fast schon klammheimlich) hat der HSV gestern (s)einen neuen Kunstrasenplatz an der Arena eingeweiht. Mit einem Spielchen zwischen Geschäftsstellen-Mitarbeitern. Sogar HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow, der frühere Linksaußen (?) von Komet Blankenese, trug sich in die Torschützenliste ein. Alter schützt vor Toren nicht . . . Aber zurück zum Platz: Was da alles in den letzten Jahren entstanden ist (muss ich auch mal den Vorstand vor Jarchow loben!), das ist schon klasse. Und hat nichts mehr mit dem Ochsenzoll früherer Jahre zu tun, das st schon enorm professionell, was sich da getan hat – und auch noch tun wird (dann dank Jarchow und Co).

In Sachen Neuzugängen allerdings hat sich auch heute nichts getan, wird sich auch so schnell nichts tun – denke ich jedenfalls. Zumal es ja auch dieses unwiderrufliche HSV-Motto gibt: „Erst verkaufen, dann einkaufen“. Die Spekulationen schossen nach Saisonschluss ja sofort wie Spargel aus dem Boden, aber nun herrscht auf diesem gebiet ja absolute Ebbe. Völlig normal. Und denjenigen, die nun schon Angst haben, dass gar nichts mehr passieren wird, sei versichert: es wird noch. Erst aber müssen die „Großen“, die Branchenführer in die Gänge kommen, bevor dann der HSV zuschlagen wird. Keine Panik also, wenn ihr weiterhin keine neuen Namen hört, es wird sich alles erst noch entwickeln. So mit Beginn des EM-Endspiels. Dann haben alle wieder mehr Zeit und Bereitschaft, an ihren Verein und an ihren Job zu denken.
Erst einmal aber ist EM.

So, einige Sachen noch am Rande.

Vielleicht kann jemand diesem „Matz-abber“ aus dem Hessenland helfen. Diese Mail erhielt ich zum Thema EM:

„Moin moin.
Habe ich das eben richtig gesehen, war da tatsächlich eine Raute im Stadion beim Spiel Ukraine gegen Schweden zu sehen – hinter dem rechten Tor?
Was könnte das für eine Bedeutung haben, es war doch in keinem der Teams ein HSVer dabei?
Besten Gruß, K.-G. Gutowski.“

Dann erhielt ich in diesen Tagen eine Mail, die mich sehr berührte. Ich habe mit mir gekämpft, ob sich sie öffentlich mache (was ich darf, ich habe mir die Genehmigung geholt!), habe mich dann dafür entschieden. Es soll ein kleiner Denkanstoß an alle „Matz-abber“ sein, dass uns doch alle vor allem der Fußball, der HSV und der Sport verbindet. Und dass hier Aggressionen, Arroganz und Häme fehl am Platze sind. Mensch sein muss der Mensch, so hieß mal ein Theaterstück, und das sollte vor allem das Motto sein. Vielleicht geben die folgenden Zeilen ja auch dem einen oder anderen User etwas, wenigstens etwas zu denken.

„Mein lieber Dieter,

ich hab mich ja unheimlich lange nicht mehr bei Dir gemeldet.
Und weißt Du was? Ich melde mich nicht wegen des Blogs, nicht wegen des HSV, sondern einfach nur so

Seit langem bin ich nicht mehr im Blog, wobei den lese ich schon noch, aber in die Kommentare schau ich seit letztem Jahr schon nicht mehr rein.
Ich kann und will mit den ganzen Kleinkrieg nicht mitmachen. Da muss ich mich echt fragen, ist es das wert, dass ich mehr Medikamente zur Beruhigung nehme, nur um mich über so etwas nicht mehr aufzuregen?

Nein.

Ich leb mit weniger Infos besser.
Außerdem hab ich hier auch genug zu tun – bin dabei, selbst wieder gesund zu werden.
Gefällt nicht allen Ärzten, die hatten mich ja mal als „untherapierbar” eingestuft (wegen einer schweren Knochenmarkserkrankung). Soll ich Dir mal was sagen? Die haben oft keine Ahnung.

Ich hab 25 Jahre gebraucht, um den fehlenden Baustein rauszukriegen, jetzt wird es zumindest krass besser, in 4 Monaten hab ich die Medikamentendosis auf 8% gesenkt!!!
Wenn ich könnte, würde ich die Medikamente schon ganz absetzen, denn ich brauch das nicht mehr, aber das geht nicht, weil man dann zu starke Entzugserscheinungen kriegt…
Aber wenn man überlegt, dass ich die letzten 2 Jahre kein Sport mehr machen konnte, nichts…
Und vor ein paar Wochen hab ich wieder angefangen, am ersten Tag gleich 1 Stunde Laufen… nach 4 Wochen dann 13 km . . .

Zu tun hab ich trotzdem genug . . .
(die nun folgende Passage – in der der „Matz-abber“ über seine ebenfalls erkrankte Ehefrau schreibt – habe ich gelöscht; Dieter Matz)

Mein lieber Dieter, Du hast zwar nie was dazu gesagt (soweit ich weiß), aber ich bin bei solchen Dingen recht feinfühlig… Ich hab oft gemerkt, dass es Dir nicht besonders gut geht. Darum denk daran, auch wenn z.B. ich (aber auch viele andere Menschen, die Dich gern haben) nicht immer schreiben, wir sind da und denken an Dich!

Und wenn man nicht bereit ist, klein bei zu geben… dann findet man auch einen Weg da raus. Du bist ein feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck!

Hihi, lustig, wie die Dinge manchmal so spielen, während ich Dir seit 1 Jahr zum ersten Mal schreibe, kriege ich eine Nachricht, dass ein Kracher zum HSV kommen soll . . .
Das nenne ich Timing. Du sollst ja Bescheid wissen . . .
Aber deshalb schreib ich nicht, Du brauchst mir auch keinen Namen sagen!
Klar bin ich gespannt, aber ich kann warten, bis es raus ist.
Nee, nee, ich schreib nur wegen Dir, nicht wegen irgendwelcher Infos. Zumindest wunderst Du Dich jetzt wohl nicht mehr, dass man von mir nichts mehr gehört hat.

So mein Bester, Kroatien hat das 2:1 gemacht… und ich mach Schluss.
Ich wünsch Dir einen schönen Abend!

So, das war es in aller Kürze. Ich wünsche euch und euren Lieben einen wunderschönen und erfolgreichen Fußball-EM-Abend. Gutes Gelingen.

„Scholle“ und ich werden heute nach dem Schlusspfiff wieder bei „Matz ab live“ (im „Champs“ Burgwedel/Schnelsen) zu sehen und (hoffentlich) auch zu hören sein – mit zwei Top-Gästen: HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf und HSV-Profi Dennis Aogo. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr wieder einschalten würdet.

Bei der Gelegenheit, weil ich verschiedentlich gefragt wurde (wegen des FIFA-Aufnähers am linken Arm): Während der letzten „Wolfgang-Petry-Matz-ab-live“-Gedächtnis-Sendung (als ich den etwas dickeren Hals hatte . . .) hatte ich das Trikot von Oliver Bierhoff angezogen, das er im Endspiel 2002 in Yokohama gegen Brasilien trug. Und auch heute werde ich, das kann ich schon mal verraten, ein Bierhoff-Trikot tragen. Zufall. Aber es passt mir am besten (er groß und breit, ich mit der Größe, die leider nur in die Breite gegangen ist . . .). Der frühere HSV-Stürmer und heutige Nationalmannschaftsmanager trug dieses Trikot am 4. September 1999 in einem EM-Qualifikationsspiel Spiel in Helsinki gegen Finnland. Ich hatte Bierhoff, der beide Tore zum 2:1-Sieg der Deutschen erzielt hatte, vor dem Spiel um sein Trikot gebeten – und er machte sich nach diesem Spiel keine neuen Freunde (und Freude), denn er war tatsächlich der einzige (!) DFB-Spieler, der sein Trikot nicht mit einem Gegenspieler tauschte.
Ich sehe diesen finnischen Glatzkopf, der sich gegen Bierhoff bei einem Kopfballduell eine stark blutende Platzwunde am Kopf geholt hatte, noch heute in den dunklen Katakomben des Stadions vor Ärger platzen; er stieß Fluch um Fluch Richtung Bierhoff aus, weil der das Trikot nicht getauscht hatte.
Und ehrlich gesagt, mir war diese Aktion spätestens dann doch ganz schön peinlich. Aber Oliver Bierhoff hielt Wort, obwohl er beschimpft und bepöbelt wurde – unfassbar. Doch so ist er, der Oliver Bierhoff, er ist ein feiner Mensch – das kann ich jedem versichern, der es hören will (oder auch nicht – oder der eventuell auch voreingenommen ganz anderer Meinung ist).

Nochmals einen tollen EM-Abend für euch.

17.22 Uhr

Jarolim – Entscheidung am Kunden vorbei!

29. April 2012

„So etwas will ich nie wieder erleben!“ Sagte HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow nach dem 0:0 gegen Mainz 05 und der damit verbundenen Rettung, dem Erstliga-Klassenerhalt. Wer hat es sich in diesen Stunden nicht auch schon gesagt? So etwas möchte ich auch nie wieder erleben. Wer möchte das schon? Man ist ja schließlich nicht jahrelang als Fußball-Masochist unterwegs. Eine solche unterirdische Saison sollte eigentlich erst einmal für viele Spielzeiten reichen. „Das war ein Grottenkick“, befand HSV-Kapitän Heiko Westermann nach dem Mainz-Spiel, und doch wusste jeder, wie unerheblich dieser Rückblick auf die 90 niveauarmen Minuten war. Der Punkt war wichtig, nur darauf kam es an; aber dieses Spiel steht und stand auch irgendwie für ein ganzes Spieljahr voller Enttäuschungen und Rückschlägen. Jetzt kann es und soll es nur noch besser werden, Sportchef Frank Arnesen blickte am Sonnabend einmal mehr schon optimistisch in die Zukunft: „Ich denke, dass wir mit den Erfahrungen der letzten Wochen bald einen oder auch zwei Schritte nach vorne machen.“ Wobei der Däne mit dieser Aussage schon einen Schritt zurück machte, denn zuletzt hatte Arnesen immer auch betont, dass die jungen HSV-Spieler durch diese harte und lehrreiche Saison „nicht nur einen, sondern gleich drei Schritte nach vorne machen“ werden. Vielleicht aber auch nur zwei. Oder eventuell auch nur einen? Wäre ja immerhin auch noch nach vorn . . .

Wir alle werden es in der nächsten Spielzeit, die 50. Erstliga-Saison für den HSV, erleben. Ich habe am Sonnabend nach dem Kick solche und solche Stimmen gehört. Viele glauben, dass der HSV auf jeden Fall gefestigt sein wird, dass es zu einem ungefährdeten Mittelfeldplatz reichen wird, nicht wenige aber blicken auch unverändert skeptisch in die Zukunft – weil sie dem Frieden (noch) nicht so ganz trauen. Der HSV mag zwar nach großen Namen wie Rene Adler und Dirk Kuyt greifen, aber erneut ohne internationalen Startplatz und damit auch ohne zusätzliche Einnahmen aus der Europa League dürfte es für den finanziell angeschlagenen Klub schwer werden, mit einem leeren Beutel noch so große und hohe Sprünge zu machen. Wobei die Personalie Adler vielleicht noch zu einem kleinen Politikum innerhalb des HSV wird, denn es gibt hinter der vorgehaltenen Hand Stimmen, die davon sprechen, dass einige Aufsichtsräte weit davon entfernt sind, diesen Super-Transfer mal eben so locker vom Hocker durchzuwinken. Man darf gespannt sein.

Schön aber auf jeden Fall, dass der 125. Geburtstag der Rothosen jetzt doch in Liga eins gefeiert werden kann.

„Ich wollte nicht der erste Trainer sein, der mit dem HSV den Gang in die Zweite Liga antreten muss. Mir fällt natürlich ein Stein vom Herzen, denn es war ja schon damals klar, als ich zum HSV kam, dass es eine sehr schwierige Saison für uns werden würde. Dass wir in Zukunft besser spielen müssen, das wissen wir“, sagte Thorsten Fink nach dem Schlusspfiff erleichtert. Alle konnten dem Coach ansehen, dass er unter dieser Spielzeit enorm gelitten hat – und es war in Finks Gesicht nicht nur die Nachwirkungen einer Magen- und Darm-Grippe erkennbar. Der frühere Bayern-Profi dürfte einige graue Haare mehr in diesem Jahr bekommen haben. Und auch er ist ganz sicher um einige Erfahrungen reicher geworden. Von der – auch und vor allem von ihm – so oft hervorgehobenen und beschworenen „guten Qualität“ des HSV-Kaders war in dieser Saison jedenfalls nicht oft etwas zu sehen. Nur drei Heimsiege in 17 Spielen – das ist, um es noch einmal beim deutlich Namen zu nennen, einfach nur erbärmlich und spricht eine viel klarere Sprache, wie es wirklich um den HSV 2011/12 bestellt war.

Thorsten Fink sagte auch: „Es kann natürlich nicht unser Anspruch sein, immer gegen den Abstieg zu spielen, aber in dieser Saison war es nach diesem Beginn nicht anders möglich. Die Last des Fehlstarts haben wir durch das ganze Jahr tragen müssen. Nächste Saison kann man zusammen einiges erreichen, ohne gleich wieder große Ziele zu setzen, aber der Abstiegskampf sollte es nicht wieder sein . . .“ Da war auch der Sportchef ganz bei ihm. Frank Arnesens Blick in die nähere Zukunft des HSV: „Europäischen Fußball können wir auch in der nächsten Saison noch nicht bieten, aber hoffentlich in zwei Jahren.“
Dieser Hoffnung schließe ich mich gerne an, allein mir fehlt noch etwas der Glaube. Noch.

Das kann sich ja aber auch schon in den nächsten Tagen und Wochen schon ändern. Wenn die ersten Neuzugänge beim HSV „eintrudeln“. Arnesen hat ja wohl schon ganz klare Vorstellungen vom HSV 2012/13, ansonsten hätte es einige Personalien wohl in dieser Form nicht gegeben. Dass Mladen Petric würde gehen müssen, das stand spätestens um den Jahreswechsel fest – und damit hatte sich der HSV-Anhang auch schnell, unspektakulär und mehr oder weniger schweigend abgefunden. Dass aber auch David Jarolim, im Herbst schon still und heimlich auf das Abstellgleis geschoben, gehen muss, obwohl er (gemeinsam mit seinem Landsmann Jaroslav Drobny) den HSV fast im Alleingang gerettet hat, das fand (und findet immer noch nicht) keine Zustimmung in und um Hamburg herum. Die „David-Jarolim“-Sprechchöre am Sonnabend sollten den HSV-Verantwortlichen noch immer in den Ohren klingeln und auch ein weiteres Mal zu denken geben.

Ich habe es in 32 Jahren als HSV-Reporter höchst selten einmal erlebt (eigentlich kann ich mich nicht an einen einzigen Fall erinnern), dass die Klub-Oberen so am Kunden vorbei entscheiden. Und dass einmal eine Entscheidung so hart, unerbittlich und konsequent verfolgt und durchgezogen wird, obwohl es viele, viele Widerstände gibt. Zumal ja ein Plan besteht, David Jarolim später in irgendeiner Form beim HSV anstellen zu wollen (wenn er denn jetzt noch besteht!). Da hätte es ein „kleinerer Anschlussvertrag“ vielleicht noch einmal getan, um einen Vollblut-HSVer zu halten – und um später noch einmal von ihm zu profitieren. Und nicht wenige Fans haben sich beim Verlassen des Volksparks am Sonnabend auch die Frage gestellt: „Was ist, wenn der HSV wieder in eine solche Abstiegsgefahr geraten sollte? Wer spielt dann den David Jarolim beim HSV? So richtig viele und adäquate Kandidaten scheint es da – meiner unmaßgeblichen Meinung nach – beim HSV noch nicht zu geben. Aber: gut Ding will Weile haben. Arnesen hat einen Plan im Kopf, lassen wir uns mal überraschen. Allerdings geht er in meinen Augen ein sehr hohes Risiko, denn sollte es so schiefgehen wie in dieser Saison, dann dürfte schnell ein Sündenbock ausgemacht sein. Hoffen wir (und ich hoffe es wirklich!), dass es nicht so kommen mag. Hoffentlich.

Zurück noch einmal zu diesem 0:0. Der Punkt war das sportliche Highlight (weil die Rettung), die Abschiedsfeier für David Jarolim, Mladen Petric und auch für Romeo Castelen aber durch nichts, wirklich durch nichts zu toppen. Ich gebe es zu (und ich bin erstaunt, wie viele Kollegen es später auch zugaben), auch mir kullerten ein paar Tränen bei dieser Zeremonie zu Boden. Selten einmal so etwas Emotionales erlebt. Wobei ich auch Thorsten Fink danke, dass er sich trotz des engen Spielstandes in der Lage sah, sowohl Petric als auch Jarolim vorzeitig vom Platz zu nehmen, damit sie schon ein erstes Mal gebührend gefeiert werden konnten. Das war großes Kino, danke Herr Fink!

„Es war ein so emotionaler und sensationeller Moment, der mir sehr nahe gegangen ist“, gab Petric später, als seine Tränen getrocknet waren, zu. Seine sportliche Zukunft ist geklärt, aber noch hat er nicht verraten, wohin es ihn ziehen wird. Ob er sich, so denke ich schon seit einigen Tagen, auf seine alten Tage noch einmal den englischen Fußball antun wird? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, ich habe auch nichts läuten gehört, aber irgendwie habe ich im Hinterkopf, als ob sich Fulhams Trainer Martin Jol noch an Petric erinnern könnte . . . Mal abwarten. Aber ich denke auch: Wenn Heung-Min Son mit Newcastle in Verbindung gebracht wird, wenn Markus Marin für sieben Millionen zum FC Chelsea geht (ob er dort auch so oft und so schön und so leicht fällt?), dann könnte auch Mladen Petric . . .

Noch nichts ist bei Jarolim bekannt. Ich fand es ja super, dass der Tscheche zuletzt zugegeben hat (er hatte bis dahin ja nie öffentlich etwas dazu gesagt), dass er bis zuletzt doch noch auf eine kleine Hintertür gehofft hatte, um noch beim HSV bleiben zu können. Das macht ihn nur noch menschlicher. „Jaro“ sagte nach seinem letzten Spiel auf „heiligem Boden“ und nach neun Jahren HSV: „Ich bin sehr glücklich, dass wir uns gerettet haben, und nun wünsche ich dem HSV, dass man Konstanz hier reinbringen wird, und dass es ein wenig ruhiger wird, was die Klubführung angeht.“ Aber diesen Ball nahm Carl-Edgar Jarchow auf und sagte zusammenfassend: „Es kann nur besser werden, und es wird besser werden.“ Jarchows Wort in des Fußballgottes Gehörgang . . .

Wie Trainer Fink sich den weiteren Weg mit dem HSV vorstellt, das verriet er auch schon einmal (ganz kurz) am Sonnabend: „Wir wollen nicht tausend neue Leute holen, sondern uns gezielt verstärken. Den Großteil der Mannschaft wollen wir schon behalten, ich glaube, dass die jungen Spieler gelernt haben – wir haben, so denke ich, den drittjüngsten Kader der Bundesliga, von daher gehe ich aus, dass wir einiges gelernt haben in diesem Jahr.“ Lernen. Das dürfte wohl aber auch auf die älteren Herrschaften (in Mannschaft und Klub-Führung) zutreffen. Wäre schön, wenn sich diesbezüglich einige den Schuh anziehen würden, nämlich die entsprechenden Lehren aus 2011/12 zu ziehen. Thorsten Fink lobte aber immerhin den Zusammenhalt im Klub: „Wir haben uns nicht nervös machen lassen, wir haben unser Ding durchgezogen, ich habe im Verein große Unterstützung gehabt. Das ist ja immer wichtig, dass man merkt, dass sportlicher Leiter, der Präsident, alle möglichen Leute im Aufsichtsrat, dass einem alle das Vertrauen schenken und aussprechen – und die Fans auch. Das alles zusammen hat uns sicher den Klassenerhalt gesichert, und daran sieht man, dass Teamwork im Fußball sehr viel bewirkt. Es gab einige Klubs, bei denen das nicht so gelaufen ist . . .“

Apropos andere Klubs. Ein schneller und kurzer Abstecher zu Thomas Tuchel sei mir noch gestattet. Der Mainzer Trainer war oft genug (auch) für mich ein „rotes Tuch“, aber diesmal hat er bei mir Boden gut gemacht. Er hat mir sogar imponiert. Während des Spiels kaum eine Regung (oder gar ein Wutausbruch) gegen den guten Schiedsrichter Florian Meyer, und auch nach dem Spiel immer den direkten Weg zum Tor . . . Tuchel „zerlegte“ seine Mannschaft ohne Rücksicht auf Verluste: „Wir geben mit einer Fahrlässigkeit Punkte und Tabellenplätze her, da fällt es mir schwer, mich zu freuen oder auch zufrieden zu sein. Wir haben heute schlechten Fußball gespielt, diese Art und Weise passt mir gar nicht. Sehr fehlerhaft und mangelhaft bei eigenem Ballbesitz, beim Umschalten gab es wahnsinnig viele Fehler, unsere wenigen Torchancen haben wir schlampig vergeben, noch viel schlampiger sind wir mit jenen Chancen umgegangen, die erst gar keine Torchancen wurden – weil wir sie mit schlechtem Passspiel und ungenauem Freilaufverhalten verhindert haben. Das hat von hinten bis vorne gar nicht gepasst, und das ist ein Abziehbild dieser gesamten Saison.“
Das war mal Klartext. Alle Achtung, Herr Tuchel, auch so kann man es mal machen. Kompliment! Dickes Kompliment sogar. Das war die ungeschminkte, schonungslose Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

So, das war mein Wort zum Sonntag. Nach einer ziemlich harten und feucht-fröhlichen Nacht, das sei einmal zugegeben, denn wir Hamburger Journalisten haben (auf eigene Kosten) den Saisonausklang in Hamburg gefeiert – und ein wenig natürlich auch auf den Klassenerhalt angestoßen. Eine nette Feier, von drei Kollegen organisiert – ich glaube, das gibt es in dieser Form nicht oft in anderen deutschen Städten. NDR, Bild, Mopo, Welt, Abendblatt, Kicker, Stern, Sky und, und, und – alle an einem Tisch, das ist eine schöne und runde Sache. Bei allem Konkurrenzdenken gibt es auch in unserem Job noch so etwas wie Menschlichkeit und Freundschaft. Danke dafür – ich freue mich schon auf die neue Saison; ich fühle mich sehr wohl in diesem (euren) Kreis.

Bei der Gelegenheit, weil wir alle so nett unter uns beisammen saßen: NDR-90,3-Moderatorin Britta Kehrhahn verriet eine kleine Besonderheit. Am Sonnabend waren rund um die Bundesliga-Spiele „nur“ Frauen in die Nachmittags-Sendung involviert. Sie sehen ja auf Monitoren auch das Spiel. Eigentlich wird ein laufendes Musikstück nur bei einem Tor unterbrochen, diesmal entschied Britta Kehrhahn aber einmal ganz anders: Als David Jarolim in der 88. Minute vom Platz ging, überließ sie Reporter Lars Pegelow die Szenerie. Abends gab Britta Kehrhahn zu: „Wir Frauen wären auch gar nicht in der Lage gewesen, etwas zu sagen – wir haben alle vor Rührung geheult . . .“

Toll, diese entwaffnende Ehrlichkeit. Passte aber zu diesem grandiosen Jarolim-Abgang – und zu diesem gelungenen Saison-Abschieds-Abend in der Schanze. Ganz nebenbei: Auch der HSV war mit seiner Presseabteilung (Jörn Wolf an erster Stelle) vertreten, Thorsten Fink wollte dabei sein, aber die Magen- und Darm-Grippe . . . Aber selbst Teammanager Marinus Besten war mit von der Partie. Ich weiß, ich weiß, er heißt Marinus Bester, aber ich nenne ihn schon seit Jahren nur „Herr Besten“. Der Grund für diese Namesänderung? Der sei denn noch schnell verraten: Als der Österreicher Kurt Jara hier Trainer war, da merkten wir alle schnell, dass er sich nicht so richtig die Namen seiner „Untergebenen“ und der Randfiguren merken konnte. Nico Hoogma hieß bei Jara noch lange „Hoogmann“, Co-Trainer Armin Reutershahn hieß bei Jara schon mal „Reutershagen“, und ich hieß beim Trainer nur „Herr Matzen“. Obwohl Marinus „Besten“ ihm so oft – auch schon vor den Gesprächen – zugeflüstert hatte: „Kurt, der Matzen heißt nur Matz!“ Es blieb aber bei Matzen. Also hieß „Herr Besten“ auch nur „Herr Besten“ – und das ist bis heute so geblieben.
Ende.

PS: Am Montag wird nicht trainiert.

18.49 Uhr

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