Archiv für das Tag 'Bertram'

Die Träume platzten auch woanders . . .

16. Juni 2013

Wer kommt, wer geht? Fragen, die die Fans bewegen. Jetzt und in jeder Sommer- oder Winter-Pause. So auch im vergangenen Jahr, als sich im Juni gleich zwölf HSV-Spieler aus Hamburg verabschiedeten. Die meisten von ihnen sicherlich mit dem Gedanken, dass sie vom HSV verkannt worden sind, und dass sie mit dem nächsten Verein das ganz große Los gezogen haben, um nun karrieremäßig durchzustarten. Träume, die allerdings nur bei den wenigsten Spielern, die es beim HSV versucht haben und letztlich für zu leicht befunden wurden, in Erfüllung gegangen sind. Wer erinnert sich noch an die Profis, an die Namen – zwölf an der Zahl?

Einer, der es geschafft hat, ist sicherlich Paolo Guerrero. Der Peruaner wechselte (viel zu billig und für weniger, als es mit den angeblich fünf Millionen angegeben wurde) zu Corinthians Sao Paulo und wurde Stammspieler. 27 Partien bestritt Guerrero für den brasilianischen Erstliga-Club und erzielte dabei zwölf Tore. Kleiner Wermutstropfen: Paolo wurde insgesamt in neun Spielen ausgewechselt.

Etwas mehr hatte sich wohl Mladen Petric versprochen, als er vom HSV zum FC Fulham wechselte. Der Kroate brachte es zwar auf 23 Erstliga-Partien in England, wurde dabei aber vom ehemaligen HSV-Trainer Marin Jol in 14 Partien ein – und in acht Begegnungen ausgewechselt. Insgesamt brachte es Petric dabei nur auf 883 Spielminuten, in denen er immerhin fünf Treffer erzielen konnte. Sein letztes Länderspiel bestritt Mladen Petric am 6. Februar gegen Südkorea, sein Vertrag lief am 30. Juni 2013 aus – und bislang gibt es noch keinen Anschlussvertrag und keinen neuen Arbeitgeber. Dass hatte sich der Torjäger ganz sicher auch etwas anders vorgestellt, als er vor einem Jahr seine Zelten in Hamburg abbrach.

Ebenfalls nicht ganz so gut ist es für David Jarolim gelaufen, der vom HSV keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte und den es dann nach Frankreich zog. Zum Erstliga-Club FC Evian Thonon Gallard. Dort schaffte der Tscheche dann aber nur fünf Einsätze, dreimal wurde er dabei ausgewechselt. Aus persönlichen Gründen löste „Jaro“ dann im Herbst seinen Vertrag auf und schloss sich in Januar dem tschechischen Erstliga-Verein Mlada Boleslav an. Der 34-jährige Jarolim machte bis zum Sommer noch elf Spiele und steht zurzeit ohne neuen Verein da. Das alles ist sicherlich nicht ideal und auch nicht im Sinne des ehemaligen HSV-Kapitäns gelaufen, aber er besitzt mit dem HSV ja noch immer eine vertragliche Anschlussvereinbarung, und die könnte schon in diesem Sommer in Kraft treten: Jugendtrainer, Spieler bei der Regionalliga-Mannschaft? Vieles ist vorstellbar.

Ganz schlecht ist es sogar für Gökhan Töre gelaufen, der Deutsch-Türke galt bei vielen Experten als ein Jahrhunderttalent. Auch ich habe den „bulligen“ Dribbelkünstler weitaus höher eingeschätzt, und zudem habe ich bei seinem Wechsel zu Rubin Kazan gedacht, dass Töre nun die Russen aufmischen würde. Hat er vielleicht sogar, aber auf keinen Fall fußballerisch. Nur fünf Erstliga-Einsätze hatte er, dreimal ein- und einmal ausgewechselt, aber meistens war er gar nicht im Rubin-Kader für die Spiele. Töres Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2016, jetzt aber wurde er von den Russen an den türkischen Erstliga-Club Besiktas Istanbul ausgeliehen. Vorerst für ein Jahr.

Und wer erinnert sich noch an Muhamed Besic? Der Bosnier hatte während seiner Hamburger Zeit immer leicht den Verdacht, dass ihn sein Arbeitgeber HSV unterschätzt. Im Sommer 2012 zog es den 20-jährigen Abwehrspieler dann nach Ungarn, um in der Ersten Liga für Ferencvaros Budapest zu spielen. Kein schlechter Plan, denn Besic machte 22 Spiele und schaffte dabei nur einmal nicht die volle Spielzeit. Das ist doch mal eine ordentliche Ausbeute . . .

Romeo Castelen war der dauer-Pechvogel des HSV, auch er erhielt keinen neuen Vertrag mehr – gab aber nie auf. Er verhandelte mit Birmingham City, schloss sich dann aber dem russischen Club Volga Nizhniy Novogrod an, für den er aber nur zwei Spiele machte – zwei Einwechslungen, einmal 15 und einmal 25 Minuten. Dreimal stand Castelen noch im Kader, brachte es aber nicht zu einem Einsatz – jetzt ist er wieder einmal vereinslos.

In die Dritte Liga hatte es Daniel Nagy gezogen, und zwar zum VfL Osnabrück. 33 Spiele bestritt der Mittelfeldmann für den VfL, wurde dabei aber in gleich 20 Partien von Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vorzeitig vom Platz geholt. Nagy brachte es auf lediglich drei Tore. Die Frage, die sich wohl nicht nur der Spieler stellt, ist die: Ist die Dritte Liga schon das Ende der Fahnenstange einer Karriere, die durchaus mal zu großen oder größeren Hoffnungen Anlass gab?

Ähnlich dürften die fußballerischen Träume von Sören Bertram gewesen sein, den es vom HSV zum VfL Bochum gezogen hat. Dann gab es ein böses Erwachen, denn der 22-jährige Bertram schaffte nur drei Zweitliga-Einsätze – und 13 Spiele in der Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum. Das kann doch eigentlich noch nicht alles gewesen sein, oder?

Eine immer noch im Raum stehende Frage ist für mich der bislang unerklärliche Winter-Wechsel von Tom Mickel zur Spielvereinigung Greuther Fürth. Warum? Von der Nummer drei (oder vier) des HSV zur Nummer drei beim Erstliga-Absteiger, das macht auch heute für mich nur relativ wenig Sinn. Mickel brachte es auf keinen Erstliga-Einsatz, stand aber in neun Regionalliga-Partie (in Bayern) zwischen den Pfosten der Kleeblätter. Die Frage, die sich daran anschließt: wie geht es weiter?

Dann gab es da noch den einst mit ganz großen Hoffnungen in Hamburg begrüßten Macauley Chrisantus, der einst als eines der größten Talente der Welt galt. Beim HSV konnte er diesen Ruf nie auch nur annähernd rechtfertigen, er wurde verschiedentlich ausgeliehen, spielte zuletzt für den FSV Frankfurt. Im Sommer 2012 zog es ihn in die Segunda Division nach Spanien, wo er für DU Las Palmas stürmt. 41 Spiele schaffte er, wurde dabei in zwölf Begegnungen ausgewechselt. Das sieht nicht mehr nach der ganz großen Karriere aus.

Zwei haben wir dann noch. Mikael Tavares schloss sich ebenfalls dem FC Fulham an, brachte es aber auf keinen einzigen Premier-League-Einsatz und ist nun schon seit dem Januar 2013 vereinslos. Und Miroslav Stepanek, ebenfalls ein Dauer-Pechvogel des HSV (Kreuzbandrisse), spielte in der abgelaufenen Saison für zwei Vereine. Erst für den FC Senica, dann mit Beginn des Jahres beim MSV Duisburg II. Der Traum von der großen Fußball-Karriere – geplatzt.

So, das waren die zwölf ehemaligen HSV-Spieler, die einst im Sommer 2012 auszogen, doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Nur ganz, ganz wenige haben es geschafft. Ob das vielleicht auch dem einen oder anderen Verantwortlichen im HSV zu denken gibt? Schließlich waren die Spieler einst zum HSV geholt worden, um den Rothosen auf die Sprünge zu helfen . . . Da wurde wohl mit wenig Auge und mit viel Geld eingekauft – besser wäre es natürlich umgekehrt.

Für die neue Spielzeit (2013/14) galt ja der Nürnberger Timm Klose als Wunschkandidat des HSV in der Abwehr – aber daraus scheint nichts zu werden. Klose hat beim 1. FC Nürnberg das Angebot einer Vertragsverlängerung abgelehnt und strebt jetzt einen Wechsel zum VfL Wolfsburg an. „Nach langer Überlegung habe ich mich entschieden, dass, wenn die Möglichkeit besteht, ich die neue Herausforderung annehmen werde und vorzeitig zum VfL Wolfsburg wechseln möchte“, sagt der Schweizer. Vom HSV hat er nichts gesagt.

Und dann noch einmal zum Pokal-Gegner in Thüringen. Der Oberliga-Aufsteiger SV Schott Jena darf sich bei seiner DFB-Pokalpremiere auf eine geballte Ladung Bundesliga-Tradition freuen. Anfang August empfängt der SV Schott im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld den HSV. „Auf 50 Jahre Erstliga-Erfahrung zu treffen, ist eine großartige Sache. Wir wollen das Stadion voll kriegen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Triller. Das Team von Trainer Steffen Geisendorf hatte Ende Mai im Landespokalfinale überraschend den deutlich favorisierten Drittliga-Vertreter Rot-Weiß Erfurt mit 1:0 bezwungen und sich so erstmals in der Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert. Am Sonnabend hatte der SV Schott das letzte Punktspiel dieser Saison mit 8:0 gegen Meuselwitz II gewonnen.

16.47 Uhr

„Wir haben weiter das Messer am Hals“

1. April 2012

Nun haben wir den Salat. Bayer Leverkusen hat Trainer Robin Dutt entlassen. Nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen in Folge zog der Werks-Klub die Reißleine, Dutts Nachfolger wird der frühere finnische Nationalspieler Sami Hyypiä als Teamchef, er wird unterstützt von U19-Trainer Sascha Lewandowski. Zum Heimspiel am Ostersonntag, Anstoß um 17.30 Uhr, kommt das nicht gerade gut, aber Bundesliga ist kein Wunschkonzert. Da muss der HSV jetzt auch noch durch – wenn er die Klasse halten will. Und er will ja. Und kann ja auch. Wie Trainer Thorsten Fink nach dem 1:0-Sieg in Kaiserslautern erfreut festgestellt hat: „Wir haben gezeigt, dass wir Abstiegskampf können.“ Jawoll! Allerdings, das sei als ganz kleine Einschränkung gestattet, gezeigt beim Schlusslicht. Und, auch das sei erlaubt, beim einem Absteiger in spe, der in 28 Bundesliga-Spielen ganze 17 Tore erzielen konnte. Natürlich spielt es überhaupt keine Rolle, wie der HSV diese drei Punkte eingetütet und nach Hamburg gebracht hat, im Abstiegskampf ist kein Schönheitspreis gefragt, aber: Als die Pfälzer in der zweiten Halbzeit stürmten und drückten, da hätte ich mir doch schon gewünscht, dass der HSV dies sich bietenden Konterchancen cooler und klüger ausgespielt hätte. Da fehlte mir dann doch die Qualität, von der so oft gesprochen wird.

Aber gut, die meisten Spieler verkrampfen eben auch ein wenig, denn die Nerven sind im Abstiegskampf noch mehr strapaziert. Das gilt auch für Hamburger Spieler. Wobei Sportchef Frank Arnesen aus diesem 1:0-Sieg eine besondere Hoffnung schöpft: „Selbstvertrauen bekommt man nicht durch gute Spiele, Selbstvertrauen bekommt man durch Punkte. Man kann gut spielen, man kann schlecht spielen – wenn du am Ende immer null Punkte hast, dann bekommst du natürlich kein Selbstvertrauen, und das braucht man für das nächste Spiel.“ Thorsten Fink befand in diesem Zusammenhang: „Wir haben diesmal nicht so gut gespielt, wie eine Woche zuvor in Wolfsburg, aber von dort haben wir keine Punkte mitgenommen. So wie heute ist es mir aber lieber. Diesmal haben wir viele Dinge richtig gemacht.“

Aber eben auch nicht alle. Was in dieser Situation jedoch auch ganz normal ist. Immerhin wissen die Spieler jetzt aber mal wieder, wie sich ein Sieg anfühlt. Wie Mladen Petric bestätigte: „Es ist eine riesige Erleichterung und ein geiles Gefühl, endlich mal wieder gewonnen zu haben. Es ist so wichtig, vor allem für den Kopf, aber es geht weiter, wir haben noch sechs Spiele. Aber hier, das war ganz wichtig. Wir haben keine Torchancen aus dem Spiel heraus zugelassen, wir haben endlich mal wieder zu null gespielt, das ist positiv. Ich hoffe, dass dieser Sieg ein Brustlöser war, und dass wir nun darauf aufbauen können. So konsequent wie heute in den Zweikämpfen, so müssen wir auch in Zukunft agieren.“

Ähnlich erleichtert wie Petric zeigte sich auch Dennis Aogo, der nach dem Spiel wie ein Mann aussah, der einen Tennisball verschluckt hat. Die Wange war aufgeblasen wie bei einem trompetenden Frosch – „dank“ eines der vielen Ellenbogenschläge, die es in diesem Spiel wieder einmal gegeben hatte. Aogo sagte aber nichts Böses (über den Gegner), sondern freute sich diebisch: „Ich bin unheimlich glücklich. Wir standen unter einem enormen Druck, wir wussten ganz genau, was auf dem Spiel steht, aber wir haben richtig hart gekämpft und können stolz darauf sein, dass wir hier gewonnen haben. Wir haben nicht gut gespielt, aber man konnte bei dieser Konstellation auch keinen fußballerischen Leckerbissen erwarten.“

Dennis Aogo ist in meinen Augen einer derjenigen Spieler, die schon seit Wochen genau wissen, was die Stunde für den „Dino“ hat. Er lebt es in jeder Minute vor, dass es für die raute um alles geht – auch nach diesem Sieg: „Wir müssen weiter konzentriert und kämpferisch spielen, alles andere interessiert in dieser Phase nicht. Dieser Sieg zwar sehr wichtig, aber es war nur ein kleiner Schritt für uns – wenn man sich die Ergebnisse der Konkurrenz ansieht. Immerhin aber haben wir die Bestätigung erhalten, dass wir es noch können.“

Nach dem Spiel jubelte die Mannschaft noch lange mit ihren (ganz treuen) Fans, da wurden Emotionen pur ausgelebt, getanzt, gesungen, geherzt und getobt. 6000 Hamburger waren mit in die Pfalz gekommen, sie hatten während der Partie wieder einmal richtig Alarm gemacht – auf diese Fans kann der ganze Klub stolz sein. Erst spät in der Nacht waren die meisten von ihnen wieder in Hamburg, aber umso erstaunlicher war, dass 500 von ihnen schon am Sonntagmorgen wieder beim Training waren, um ihre Lieblinge zu unterstützen: „Wir für Euch – Ihr für uns. Nur der HSV!“
Toll. Einfach nur toll. Kompliment an diese HSV-Fans, ein ganz dickes Kompliment sogar. Weiter so!

Das sieht auch Dennis Aogo so: „Die Feier danach war sehr emotional. Die Fans haben eine enorm weite Strecke bis nach Kaiserslautern zurückgelegt, wir sind sehr froh, dass wir sie mit einem Sieg wieder auf die Heimreise schicken konnten.“

Ende gut, alles gut. Auch Trainer Fink zog (fast nur) Positives aus dem fünften Auswärtserfolg der Saison: „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie mit der Situation umgehen kann, sie hat sehr konzentriert verteidigt und selbst zugeschlagen, als sich die Gelegenheit für das 1:0 bot. Das war Abstiegskampf pur, aber dabei zählen nur die Punkte, alles andere ist uninteressant. Jetzt können wir mal kurz durchatmen, aber dann geht es auch schon weiter.“ Der Coach sagte auch noch weiter: „Wir hatten sechs Spiele in Folge nicht gewonnen, da ist es klar, das man an sich zweifelt, aber wir müssen nicht an uns zweifeln, denn wir haben die nötige Qualität, um in dieser schwierigen Situation bestehen zu können. Wir haben zu null gespielt, ein Tor gemacht, 1:0 gewonnen und drei Punkte geholt – mehr kann sich ein Trainer nicht wünschen.“

Thorsten Fink zur angespannten Lage: „Die Situation bleibt prekär, das sage ich ganz deutlich – auch ich habe das kapiert. Auch wenn der eine oder andere da anderer Meinung ist. Es bleibt eng, ganz klar, aber wenn wir an unsere Leistung, die wir in Kaiserslautern gebracht haben, anknüpfen, dann werden wir die Punkte auch einfahren. Es ist normal, dass wir nicht frei und fröhlich aufspielen können in einer solchen Situation, das ist auch klar. Das geht mir an der Linie ja auch so. Zumal eine 1:0-Führung nicht gerade beruhigend ist. Dennoch sage ich, dass das die schönsten Siege sind, weil man sich so richtig und ganz besonders darüber freuen kann.“

Richtig freuen konnte sich auch Marcell Jansen, der sein fünftes Saison-Tor erzielen konnte – ein enorm, nein, ein ganz enorm wichtiger Treffer. Er sagte: „Völlig egal, dass ich dieses Tor geschossen habe, wichtig war, dass wir mal wieder in Führung gegangen sind, endlich einmal wieder. Und dass wir den Kampf angenommen haben. Wir haben uns gut bewegt, immer nachgesetzt, oft den zweiten Ball erobert. Das war bestimmt kein Zauberfußball von uns, aber wir haben Charakter gezeigt.“ Und: „Es tut richtig gut, dieses Spiel gewonnen zu haben, aber es gibt noch sechs Spiele, deswegen war dieser Sieg nur ein Anfang – mehr nicht. Da muss man nur auf die Tabelle schauen, denn die anderen Vereine, die unten stehen, gewinnen ja auch alle. Nur Erfolgserlebnisse bringen aber Stabilität und Selbstvertrauen, nun ist es an der Zeit, dass wir auch im eigenen Stadion ein Zeichen setzen. Es gibt keinen Grund, sich nun zurückzulehnen, es geht weiterhin um alles.“
Dann ergänzte Jansen auch noch: „Ich hoffe, dass uns dieses Spiel Mut machen wird, dass wir als Mannschaft noch enger zusammenwachsen. Wir haben das Messer weiter am Hals, und daran hat sich nichts geändert.“

Was mir an dieser HSV-Vorstellung in der Pfalz gefallen hat: Die überragenden Leistungen von Jaroslav Drobny, Heiko Westermann, David Jarolim – und die gute Leistung von Marcus Berg. Letzterer verblüfft mich besonders, denn – ich schrieb es bereits – eine solche Leistungsexplosion habe ich ihm nicht (mehr) zugetraut. Der Schwede nach dem Spiel: „Ich bin gleich zu Beginn mit meinem Gegenspieler zusammengeprallt und hatte eine blutende Kopfwunde, ich war drei- oder viermal draußen. Ich hatte aber keine Schmerzen, das war schon okay, ich habe mich gut gefühlt.“ Offenbar auch fußballerisch, denn Berg sagte auch: „Ich habe hart gekämpft, ich habe mich stark gefühlt, ich habe auch gemerkt, dass ich den Ball gut verteidigen konnte – dieses Spiel hat mir Spaß gemacht.“ Hervorragend war seine Vorarbeit beim 1:0. Berg hätte nach der Aogo-Flanke selbst schießen können, aber er tat es nicht: „Ich hatte Ivo Ilicevic schon rufen gehört, deshalb habe ich den Ball zu ihm abgelegt. Nachdem er geschossen und ein Lauterer Spieler den Ball mit der Hand abgewehrt hatte, zeigte der Schiedsrichter Vorteil an, sonst hätte er einen Elfmeter gegeben – das hat er uns später gesagt.“

Zu seiner augenblicklichen Form befand Marcus Berg: „Ich bin immer ruhig geblieben, ich weiß, dass es sich lohnt, wenn man hart arbeitet. Der Trainer vertraut mir, das spüre ich, und die Mitspieler vertrauen mir auch – das gibt mir insgesamt ein gutes Gefühl. Jetzt kommt meine Zeit.“
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Comeback!

Bei der Gelegenheit: Kürzlich schrieb ich über jene Spieler, die den HSV im Sommer 2011 verlassen hatten. Und ich behauptete, dass sich kaum einer von ihnen bei seinem neuen Arbeitgeber durchgesetzt hätte. Das nehme ich heute in einem Fall zurück. Eric-Maxim Choupo-Moting hat für Mainz nun bereits zehn Saisontreffer erzielt, das verdient Anerkennung, das ist eine großartige Leistung – auch dazu herzlichen Glückwunsch. Und (m)eine Entschuldigung, dass ich „Choupo“ viel zu früh abgeschrieben habe.
Zu diesem Thema passt: Beim Regionalliga-Spiel Berliner AK – Hertha BSC (1:1) schoss Tunay Torun das Tor der Profi-Reserve. Und wo ich gerade dabei bin: Die Zweite des HSV gewann gegen Hannover 96 2:0, die Tore erzielten George Kelbel und Sören Bertram. Auch dazu herzlichen Glückwunsch!

So, und nun wird es ernst – die Verletztenliste:

Der HSV muss im Abstiegskampf wahrscheinlich satte drei Wochen auf Dennis Diekmeier verzichten. Der Rechtsverteidiger, der in Kaiserslautern zur Halbzeitpause ausgewechselt werden musste, hat einen Bänderriss im Sprunggelenk erlitten. Auf der HSV-Verletztenliste steht auch weiterhin Tomas Rincon, der mit einer Entzündung am Schienbein vorerst ausfällt.

Ganz zum Schluss gibt es noch gemeinsam mit Frank Arnesen einen Blick in die Zukunft: „Es kommen noch sechs Endspiele für uns, mit Leverkusen beginnt nun eine Periode von drei Spielen innerhalb von sechs Tagen, da müssen wir wieder alles geben. Fußball ist aber in unserer Situation nicht das Wichtigste, sondern arbeiten, kämpfen, diszipliniert auftreten, und diese Einstellung erwarte ich in jedem Spiel. Das ist extrem notwendig, wir schauen nicht nach links und nicht nach rechts, sondern richten die Konzentration auf uns selbst.“ Der Sportchef zu den letzten (erfolglosen) Wochen: „Wenn du nach einer Niederlage am nächsten Tag aufwachst, dann tun die ersten Sekunden richtig weh. Jetzt sollten wir die ersten Stunden nach dem Sieg genießen, aber ab Dienstag, so habe ich das gelernt, gibt es nur noch das nächste Spiel – und nichts anderes.“

Das gilt für alle. Für die Spieler und die Fans

PS: Trainiert wird im Volkspark am Montag nicht, erst am Dienstag geht es weiter.

18.04 Uhr

Die große Aufregung um Fink

7. Oktober 2011

Fink, Fink, Fink. Und noch kein Ende. Vielen Dank für Euer Vertrauen, ich fühle mich geehrt. Weil ich doch gar nicht geschrieben habe, dass Thorsten Fink, der deutsche Trainer des FC Basel, HSV-Coach WIRD. Wer lesen kann, der ist klar im Vorteil. Ich habe lediglich geschrieben, dass er ein Kandidat ist. Und das ist er. Mehr nicht. Und auch nicht weniger. Und wer den nachfolgenden Text liest, den mein deutscher Kollege Christoph Kieslich, mit dem ich 1996 in England in der deutschen Mannschaft stand, die Europameister der Journalisten geworden ist, in der Basler Zeitung geschrieben hat, der wird die Wahrheit meiner Meldung erkennen.

Wie gesagt: Thorsten Fink war ein Kandidat, und er ist nach meinen Informationen immer noch ein Kandidat. Und jetzt solltet Ihr Euch selbst ein Bild machen. Und beißt Euch ruhig daran fest, dass Arnesen am Donnerstag nicht in Basel war – dann habt Íhr auf jheden Fall etwas zu kritisieren – oder zu zerreißen, egal.
Aber: War er überhaupt da? Könntet Ihr nun hier lesen. Bitteschön:

“Bernhard Heusler, Vizepräsident des FC Basel, hatte in den vergangenen
Tagen damit zu tun, das Werben des Hamburger SV um FCB-Trainer Fink
abzuwimmeln. Die Angelegenheit ist vom Tisch, dem HSV wurde eine Absage erteilt. Thorsten Fink sagte der Basler Zeitung und meinem Kollegen Christoph Kieslich : „Ich habe mich kurz mit dem Thema befasst, denn ich denke, allen im Fußball ist klar, dass Hamburg für einen deutschen Trainer eine sehr interessante Adresse ist. Aber damit ist auch schon alles gesagt und mein Thema wieder ganz klar der FCB.“

Mit seinen Titeln, die er mit dem FC Basel gewonnen hat, mit dem erfrischenden
Offensivfußball und mit der erfolgreichen Integration junger Spieler hat
sich Thorsten Fink längst einen Namen jenseits der Schweizer Landesgrenzen
gemacht. Ein Auftritt wie in Manchester (3:3 bei ManU) verleiht dem noch
Verstärkerfunktion. Für den FCB bedeutete das Anklopfen des HSV höchste
Alarmbereitschaft. „Wenn ein Club von der Größenordnung des HSV so ernsthaft
interessiert ist, dann ist das für uns Alarmstufe rot. In der jetzigen Phase
hätten wir es als äußerst unglücklich empfunden, den Trainer zu verlieren.
Deshalb mussten wir Gegensteuer geben“, sagte Heusler.

Verständlich scheint ihm, dass das Interesse eines Schwergewichts wie
dem HSV Thorsten Fink nicht kaltlassen kann: „Alles andere wäre naiv und
unrealistisch.“ Kontakt mit einem Trainer aufzunehmen, das ist im Gegensatz zu
Spielern auch nicht reglementarisch verboten. Über eine etwaige
Abstandssumme für die Vertragsauflösung zu verhandeln, so weit ließ es
Heusler in den Gesprächen mit Arnesen erst gar nicht kommen.

Mit Thorsten Fink verständigte sich Heusler, der sich im Januar zur Wahl zum
FCB-Präsidenten stellen wird, unmissverständlich: „Ich habe ihm klar
signalisiert, dass wir ihn nicht abgeben möchten. Es wäre der unpassendste
Zeitpunkt mitten in einer Champions-League-Kampagne. Wir haben wie immer
gemeinsam entschieden, uns die Hand gegeben und gesagt: So ist es jetzt.“

Thorsten Fink wollte sich „eigentlich gar nicht dazu äußern“. Sagte dann aber: „Ich befasse mich damit, dass ich hier arbeite. Ich habe eine Champions-League-Kampagne, ich bin im Super-League-Alltag und darauf möchte ich mich konzentrieren.“

So, das war der Text der Basler Zeitung (in Auszügen). Wer nach diesem Bericht weiß, dass sich Frank Arnesen sehr wohl um Fink bemüht hat, der weiß nun etwas mehr. Und wer aus diesem Bericht erkannt haben will, dass Thorsten Fink garantiert nicht zum HSV kommen wird, der weiß noch viel mehr. Der ist in meinen Augen ein echter Kenner der Fußball-Szene. Un dvon solchen Experten gibt es bei “Matz ab” tatsächlich sehr, sehr viele.
Willkommen im Klub.

Ich schließe trotz aller Dementis des Klubs und des Trainers nichts aus. Und werde abwarten. Sehr wohl weiß ich natürlich, dass der HSV noch andere Eisen im Feuer hat.

Die Verantwortlichen in Hamburg sollten aber auch eines bedenken: Je länger diese Diskussion um einen Oenning-Nachfolger anhält, umso größer wird hinterher das Geschrei, wenn es dann doch „nur“ ein Trainer wird, der einen nicht ganz so großen Namen hat. Von dem wissen dann aber alle, wirklich alle, dass er lediglich die 36. Wahl ist. Ob das so förderlich ist für einen Dienstantritt in Hamburg?

Zum Sportlichen. Heute gab es ein Novum im Volkspark. Eine Doppelschicht. Erst wurde von 10 bis 11.45 Uhr auf dem Rasen trainiert, dann ging es auf zum Waldlauf. Auf diese ungewöhnliche Art und Weise ersparten sich die Spieler die Nachmittagsschicht. Und jetzt ist erst einmal Freitag. Auch am Sonnabend und Sonntag. Erst am Montag wird im Volkspark wieder trainiert.

Um keine weiteren Halbwahrheiten zu schreiben: Bei der ersten Einheit war ich dabei, bei der zweiten nicht, die Spieler wollten nicht, dass ich mit ihnen durch den Wald laufe. Nein, ein Scherz, ich bin konditionell im Moment noch nicht so fit, als dass ich mithalten könnte. Deswegen konzentrierte ich mich auf das Gespräch mit Rodolfo Cardoso, der es ebenfalls vorzog, nicht mit seinen Spielern in den Wald zu gehen. Das durfte Günter Kern für ihn erledigen.

Mit dem Interimstrainer des HSV, Cardoso, sprach ich auch über das heutige (erste) Training. Ich kann es ja sagen, es steht ja kein Spiel an, nach dem es dann – nach der Niederlage – wieder heißen könnte: „Aber gut trainiert hatten sie vorher ja . . .“ Auch diesmal gefiel mir das Training sehr gut, denn alle Jungs sind mit Feuereifer bei der Sache. Das sieht richtig gut aus. Ich meine sogar, dass ein Unterschied zu vorher ganz deutlich sichtbar ist. Sieht das auch Rodolfo Cardoso so? Der Coach: „Ich kannn nicht beurteilen, wie es früher war, ich kann nur sagen, dass die Spieler von Beginn an super mitgezogen haben, sie haben alle sehr gut trainiert, sie trainieren gerne, der eine oder andere geht sogar über seine Grenzen – das ist ein gutes Zeichen für mich als Trainer. Das macht mich glücklich. Diese Mannschaft hat sich auch allein deswegen viel mehr Punkte verdient.“ Und dass die jungen Leute jetzt den Arrivierten ein wenig Feuer machen? Cardoso: „Das muss so sein. Die jungen Leute müssen dann Gas geben, wenn sie die Möglichkeit haben, sich zu zeigen.“

In meinen Augen haben heute besonders Daniel Nagy (Natsch gesprochen, aber die Kollegen rufen ihn nur Nagy) und Sören Bertram gute Leistungen gezeigt. Da wächst, um noch einmal auf gestern und vorgestern zu kommen, schon eine gute HSV-Generation nach. Die Junge müssten nur einen langen Atem beweisen, denn von heute auf morgen wird da nicht so viel gehen. Zhi Gin Lam ist da eher als Ausnahme zu betrachten, denn Cardoso sagt: „Ich kann ja nicht nur mit jungen Spielern antreten. Es ist gut, dass es diese Spieler gibt, denn wenn man sie einmal brauchen sollte, dann könnte man sich auf sie verlassen. Die sind jung und willig, sie kennen ihre Möglichkeiten und machen richtig gut mit, da sind einige ganz nah an der Profi-Mannschaft.“

Ein „Alter“ hat heute alle Trainingskiebitze überrascht: David Jarolim. Er hat wie immer alles gegeben, das war nicht das Überraschende, er hat aber unheimlich viele Tore geschossen. „Jaro“ traf wie er wollte, mit links und mit rechts. Bevor es an den Waldlauf ging, gratulierte ich dem Torjäger, der lässig erwiderte: „Das ist eben so, ich kann nicht gegen mein Naturell an. Ich bin nun mal der geborene Torjäger.“ Genau. Ein ganz tolles Tor schoss Dennis Diekmeier, der allein vor Tom Mickel stand und ein Ausdribbeln des Torhüters andeutete, der Keeper machte die Bewegung mit – und Diekmeier sandte die Kugel lässig mit einem kurzen Tritt mit der Stiefelspitze ins Netz. Herrlich gemacht. Und wer sich von den „ganz alten Hasen“ noch an 1966, die WM in England erinnert, der weiß noch, welch ein Zaubertor Lothar „Emma“ Emmerich im Spiel gegen Spanien schoss. Der Dortmunder traf hoch aus unmöglichem Winkel. Ein solches Tor schoss diesmal Robert Tesche – nur von rechts.

Wie gesagt, es sah alles sehr, sehr schön aus. Und ich hatte auch nie das Gefühl, dass hier ein Tabellenletzter der Bundesliga trainieren würde . . .

Nicht gesehen wurde heute einen neuer Hoffnungsträger: Ivo Ilicevic. Der Offensivspieler hielt sich in Berlin auf, um dort seine Adduktorenprobleme einmal ganz genau untersuchen zu lassen. Es sollte sich auch ein zweiter Arzt einmal ein Bild von dieser Verletzung machen. Cardoso: „Ivo hat noch ein paar kleinere Schmerzen, er möchte sicher sein, ob er auch schon wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann, ohne dass etwas passiert. Wenn der Arzt sagt, dass er trainieren kann, dann ist er Montag dabei.“ Ob das aber bis zum Freiburg-Spiel am Sonntag reicht? Für mich eher ausgeschlossen. Es dürfte wohl nur, wenn überhaupt, über die Bank gehen.

So, zum Abschluss noch zwei kleine TV-Hinweise, den NDR betreffend: Am Sonntag ist im „Sportclub live“ Christoph Daum zu Gast, und danach folgt ein Bericht von Hendrik Deichmann, der Frank Rost in New York besucht hat. Soll ein ganz spannender Film geworden sein . . .

Und ganz zum Schluss dann auch noch das: Der HSV oist Tabellenführer. Jawoll, Spitzenreiter. Folgende Meldung kam heute über den Ticker, ich wollte sie Euch nicht vorenthalten:

Hamburg (ots) – Verkehrte Welt: Das aktuelle Tabellenschlusslicht HSV ist der meistgenannte Vereinsname im Internet. Fast 36 000 Mal wurde der Hamburger SV im September in digitalen Nachrichtenangeboten, Blogs und Social Media erwähnt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Rekordmeister Bayern ist Fünfter. Auch ausschließlich bezogen auf Twitter liegt der HSV mit 5 600 Erwähnungen ganz vorn. Das ergab der erste „Bundesliga-Sonar” von news aktuell. Die dpa-Tochter ist Anbieter der Social Media Monitoring Software na-media sonar.

Medien und Fans haben im September überdurchschnittlich viel über das aktuelle Tabellenschlusslicht HSV geschrieben. Kein anderer Vereinsname ist in News-Portalen, Blogs und Social Media so oft erwähnt worden wie der so genannte Bundesliga-Dino. Verantwortlich dafür war sicher einerseits der beispiellose Fehlstart der Hamburger in der Liga, aber auch die anschließende Entlassung von Trainer Michael Oenning. Dagegen scheinen Schalke 04 und Borussia Dortmund auf den Plätzen zwei und drei auch ohne größere Skandale eine breite Resonanz hervorzurufen. Zu bedenken ist aber, dass im September Schalkes Trainer Ralf Rangnick aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat und der BVB als amtierender Meister grundsätzlich unter verstärkter Beobachtung steht. Auffällig ist jedenfalls, dass der derzeit überaus erfolgreich agierende FC Bayern es nur auf Platz Fünf geschafft hat. Dieses Ergebnis bestätigt die Beobachtung, dass Medien und Öffentlichkeit grundsätzlich aktiver kommunizieren, wenn Trainerwechsel, Krisen oder andere tiefgreifende negative Themen auf der Tagesordnung stehen.

Bundesliga-Sonar im September bezogen auf die Namens-Nennungen im gesamten Buzz (News-Portale, Blogs, Fan-Foren, Social Media):

1. HSV 35.987
2. Schalke 32.804
3. BVB 31.139
4. Werder 22.449
5. FC Bayern 19.858
6. Stuttgart 18.424
7. Bayer 04 15.761
8. Hertha 15.324
9. Hannover 14.237
10. Wolfsburg 14.150

Bezogen auf Twitter liegt ebenfalls der HSV ganz vorn. Fans und auch Medien scheinen eher einen Tweet abzusenden, wenn es einem Verein schlecht geht und sich ein Misserfolg an den nächsten reiht. Auffällig ist, dass sich die Fans von Werder Bremen auch ohne Krise überdurchschnittlich viel auf Twitter über ihren Verein äußern. Die Grün-Weißen von der Weser liegen beim Twitter-Ranking auf Platz zwei. Eventuell hat das Derby zwischen den beiden norddeutschen Erzrivalen, das im September stattfand, zu überdurchschnittlich vielen Meinungsäußerungen auf Twitter geführt. Platz drei belegt auch hier Meister Dortmund.

1. HSV 5.607
2. Werder 4.284
3. BVB 3.795
4. FC Bayern 3.245
5. Schalke 3.062
6. Hertha 1.689
7. Gladbach 1.523
8. Bayer 04 1.513
9. Stuttgart 1.361
10. Hannover 1.058

Allen „Matz-abbern“ und Ihren Lieben ein wunderschönes Wochenende. Und behaltet den Fink im Auge . . .

18.27 Uhr

Mit Medizinbällen rauf auf den Berg

5. Oktober 2011

Der Berg ruft. Haidiwitzka, Herr Kapitän, heute ging es aber mal so richtig rund im Volkspark. Erst Passspiel, dann Spielchen mit Aufgaben, dann ein Spielchen über den halben Platz, zehn gegen zehn – wenn ich richtig gezählt habe. Und als alle damit gerechnet hatten, dass die Einheit ihr Ende gefunden hätte, da ging es dann aber ab die Post. Eine halbe Stunde am Berg. Und, wie der neben mir stehende Benno Hafas richtig bemerkte, an der steilen Seite des Berges. Erst nur rauf laufen, dann aber die Steigerung a la Magath: Mit Medizinbällen. Erste jeder für sich mit dem blauen Bällchen, dann wurden sich die Bälle auch gegenseitig – im Lauf und Rückwärtslauf – zugeworfen. Das war richtig toll, so etwas habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen – bedauerlich nur, dass so viele Nationalspieler eine solche harte Einheit verpassen. Aber denen, die dabei waren, wird so etwas sehr gut getan haben, ganz sicher. Beim anschließenden Auslaufen, so unser Eindruck, waren einige schon kurz davor, den Reservehahn umzudrehen.

Das Spielchen Rot gegen Grün, zehn gegen zehn, gewannen die Grünen, bei denen vom Profi-Kader Per Ciljan Skjelbred, Dennis Diekmeier, Marcus Berg, Zhi Gin Lam und Robert Tesche mitspielten (der Rest aus der U 23), mit 4:1. Gegen Rot, bei denen Mladen Petric das 1:0 erzielen konnte, das dazu noch Heiko Westermann, Gojko Kacar (mit Maske), Marcell Jansen und Romeo Castelen an Bord hatte. Die Siegtore für Grün: Lam mit einem strammen Schuss gegen den Innenpfosten (dafür gab es viel Beifall – auch von Benno), dann zweimal Sören Bertram und dazu ein Kopfballtor (!) von Skjelbred.

Ein Blick auf den Nebenplatz zeigte mir heute, dass es dort sehr wohl einige gute Talente gibt. Das Training sah, das muss mal erwähnt werden, richtig gut aus, denn die jungen Leute zeigten viel Talent am Ball – und gingen richtig schön zur Sache. Robert Labus musste kurz vor Ende mit einem dick bandagierten rechten Knie in die Kabine gefahren werden . . .

Während die Spieler am steilen Eck des Konditionshügels mit den Medizinbällen kämpften, übten sich die Torhüter Tom Mickel und Sven Neuhaus in Sachen Abschläge. Torwarttrainer Ronny Teuber schoss, und dann mussten die Keeper in ein 30 bis 40 Meter entferntes Tor treffen. Es gab drei Durchgänge. 3:1 hieß es nach Treffern für Neuhaus nach dem ersten „Satz“, 4:0 hieß es für Neuhaus im zweiten „Satz“, den dritten sah ich dann nicht mehr, weil ich irgendwann ans Schreiben gehen musste. Diesmal als nur eine „Zwei-Drittel-Wahrheit“ von mir, aber es gibt ja Leute, die so etwas von Beginn gewöhnt sind . . . Die gratulieren dann aber auch zum Geburtstag. Das nur am Rande.

Am Rande hat heute auch wieder nur Ivo Ilicevic trainiert. Mit Reha-Coach Markus Günther, der erst mit Michael Mancienne begann (der Engländer ging um 14.50 Uhr in die Kabine), der sich dann um den ehemaligen Lauterer kümmerte. Adduktorenprobleme plagen den Flitzer, und zwar hat er sich diese in seinem letzten Einsatz für die „roten Teufel“ im Spiel gegen den FC Bayern eingefangen. Wie im Übrigen auch die Rote Karte, für die er vier Spiele Sperre erhielt. Jetzt ist er wieder frei, könnte also in Freiburg erstmalig in der Bundesliga für den HSV stürmen, aber das dürfte wohl kaum etwas werden. Ilicevic ist noch (lange) nicht bei 100 Prozent. Pech für ihn, dass ihn der 45-Minuten-Einsatz kürzlich gegen den SC Concordia doch erheblich zurückgeworfen hat. „Das war wohl zu früh, auf jeden Fall ist die Verletzung danach noch einmal aufgebrochen“, sagt Ivo Ilicevc, der in diesem (damaligen) Testspiel der beste Mann des HSV gewesen ist.

„Mir geht es gut, aber ein bisschen merke ich noch von der Verletzung. Deswegen werde ich in dieser Woche auch nur Einzeltraining mit Markus Günther machen“, sagt Ilicevic und fügte an: „Dann hoffe ich, dass ich nächste Woche dann ins Mannschaftstraining einsteigen kann.“ Der Kroate gibt zu: „Es liegen keine einfachen Wochen hinter mir, erst die Rot-Sperre, dann die gesundheitlichen Probleme – aber die Freude ist auf jeden Fall da, dass ich nun bald wieder einsteigen kann. Obwohl ich auch sagen muss, dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Dafür aber gibt es ja noch einige Tage, in denen ich hoffe, dass es dann bis Freiburg reicht.“

Er will der Mannschaft helfen, und beim HSV gilt er für viele auch zurzeit als großer, vielleicht als größter Strohhalm. „In erster Linie geht es für uns jetzt darum, da unten raus zu kommen. Jeder muss seine beste Leistung abrufen, und in den letzten beiden Spielen sah man, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir müssen kämpfen, fighten, alles geben, erst einmal über die kämpferische Linie kommen, dann kommt das Spielerische von allein. Wir haben doch genügend Qualität in der Mannschaft.“

Ivo Ilicevic vergleicht seinen letzten Arbeitgeber mit dem HSV und kommt zu dem Schluss, dass der HSV viel besser besetzt ist. Dennoch sagt er: „Wir haben das in Kaiserslautern super gemacht, weil wir als Mannschaft
funktionierten. Nicht die besseren Einzelspieler machen es aus, sondern wie man als Team zurechtkommt.“ Das hat der HSV bislang wohl noch nicht so (perfekt) gemacht, auf jeden Fall nicht in der Oenning-Ära. Ilicevic weiß, wie es geht: „Man muss Leidenschaft auf dem Platz zeigen, man muss kämpfen, man muss einen guten Willen haben – da kommen viele Sachen zusammen.“

Irgendwie, so denke ich, muss sich Ilicevic doch wie in einem falschen Film vorkommen. Wechselt von Lautern zum „großen HSV“ – und ist nun Mitglied einer Mannschaft, die auf dem letzten Tabellenplatz steht. Wahnsinn. Ich frage ihn: „Hast du den Wechsel schon mal bedauert?“ Er: „Nein, überhaupt nicht, ich fühle mich hier sehr wohl, habe auch vollstes Vertrauen in die Mannschaft. Gerade die letzten zwei Wochen haben doch gezeigt, dass wir eigentlich mit dieser Mannschaft da unten nichts zu tun haben dürften. Deswegen habe ich auch absolut keine Zweifel, dass wir da unten bleiben werden, wir kommen da raus.“

Das ist doch mal ein Wort. Einer, der dabei noch richtig mithelfen will, ist David Jarolim. Der Tscheche blieb heute, ohne dass es einen Verletzungsrund dafür gibt, im Stadion, arbeitete nur im Kraftraum.

Dann noch ein Wort zu Bernd Wehmeyer. Der Klub-Manager hat am Montag einen Herzinfarkt erlitten, nachdem er einen Lauf beendet hatte und nach Hause zurück gekommen war. Es geht im, nach Auskunft des Klubs, schon wieder gut, „Fummel“ möchte am liebsten schon wieder raus aus dem Krankenhaus und soll gesagt haben, dass er gar nicht so recht wüsste, weshalb er dort liege.

Ein Mann, der immer sportlich gelebt hat, nie geraucht und keinen Alkohol zu sich nahm, der erleidet einen Herzinfarkt. Es ist doch eine verkehrte Welt. Am Freitag standen wir noch lange beieinander, als wir beide beim „Walk of Fame“ als Laudatoren auftraten. Er für Kevin Keegan, Uli Stein und Ditmar Jakobs. Wir waren richtig schön aufgeregt, einer mehr als der andere, ich hoffe nur, dass Bernd Wehmeyer nicht deshalb einen Herzinfarkt bekommen hat.
Auf jeden Fall wünsche ich Dir, lieber Bernd, alles, alles Gute und schnelle Genesung. Das schreibe ich Dir auch im Namen aller „Matz-abber“.

Einen kleinen Hinweis habe ich noch auf einen großen Leckerbissen:

Am 13. Dezember 2011 (Anstoß 19.30 Uhr) wird zugunsten des United Nations Development Programms (UNDP) in der Imtech Arena ein Freundschaftsspiel der besonderen Art bestritten. Die Goodwill-Botschafter des Projekts Zinedine Zidane und Ronaldo treten mit weiteren Fußballgrößen gegen eine All-Star-Auswahl des HSV an. Die Mannschaften werden zu einem Großteil aus aktuellen Spielern bestehen, die von ehemaligen Top-Spielern unterstützt werden.
Die Eintrittskarten kosten zwischen acht und 20 EUR und sind ab sofort im Onlineshop auf www.hsv.de, in den HSV-Fanshops, im Service Center in der Imtech Arena, in allen HSV-Vorverkaufsstellen sowie über die Telefonhotline 01805 – 478 478 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 0,42EUR/Min.) erhältlich.
Die Einnahmen kommen der Bekämpfung der anhaltenden Hungerkatastrophe am Horn von Afrika zugute.

18.44 Uhr

Elia flüchtet – Lauterns Ilicevic im Anflug

30. August 2011

***Ergänzt mit Sperre Ilicevic***

Der eine geht, der andere kommt. Denn während Eljero Elia bereits seinen Medizincheck bei Juventus Turin absolviert und noch heute Nacht, spätestens aber morgen Vormittag als offizieller Zugang bis 2015 bei Juventus Turin vermeldet werden soll, sitzt Ivo Ilicevic in Kaiserslautern auf gepackten Koffern. Und sobald der Deal mit Elia und Juve abgewickelt ist, wird der Vertrag des Mittelfeldspielers in Hamburg unterschrieben. Kurios: Eigentlich wollte Elia (“Zu Juve zu wechseln würde keinen Sinn machen”) gar nicht zur Alten Dame nach Italien. Viel lieber wäre er auf die Insel nach England gewechselt, hätte dort beim FC Arsenal unterschrieben. Aber, und das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis des Elia-Transfers, am Ende war es ihm dem Vernehmen nach am wichtigsten, Hamburg zu verlassen. Egal wohin. Fast wie eine Flucht.

Aber egal wie, in Hamburg sagt man Tschüss.

Und das mache ich nett, ohne nachzutreten. Mit Elia verlässt uns einer der letzten und wenigen Spieler des HSV, denen man die Portion Genialität nachsagt, die ihn bis ihn die Fußball-Weltspitze führen kann. Eben jenes Potenzial, das Eljero in Hamburg zu selten abzurufen wusste. Es ist wie so oft: alle können die Abgabe des Spielers nachvollziehen, weil er sich in Hamburg nicht durchsetzen konnte. Und dennoch habe ich die Befürchtung, dass Elia plötzlich aufblüht. Ich habe sogar ein richtig ungutes Gefühl, dass wir ihn in ein, zwei Jahren auf großer Bühne als gefeierten Mann wiedersehen. Und sollte er das bei Juve schaffen, hätten die Italiener ein echtes Schnäppchen gemacht. Und ich würde mich ärgern.

Aber was blieb dem HSV übrig. In der Vorbereitung hatte Oenning den sensiblen Niederländer gestärkt und selbst nach schwachen Leistungen auch in der Bundesliga gebracht. Allein es half nichts. Elia der intern genauso umstritten ist wie hier im Blog, brachte wieder nicht das, was er selbst von sich behauptet zu sein: Weltklasse. Leider nicht. Ein paar Spiele unter Bruno Labbadia brillierte der Niederländer, bis ihn der Mainzer Noveski übel traf – eine Verletzung, von der sich Elia zumindest beim HSV nie mehr erholte. Aber vielleicht startet er ja jetzt bei der Alten Dame Juve noch mal durch.

Versüßt wird dem HSV dieser Abschied mit rund zehn Millionen Euro Ablösesumme zuzüglich einer Erfolgsprämie von maximal rund zwei Millionen Euro. Geld, das nach Möglichkeit gleich wieder investiert werden soll in einen kreativen Mittelfeldspieler. Schon heute soll diesbezüglich eine Entscheidung gefällt werden, wobei am Nachmittag sogar die Möglichkeit eingeräumt wurde, dass einer, zwei oder vielleicht sogar gar kein Neuer kommen könnte. Letzteres nahm ich mit Befremden auf. Und ich hoffe, dass dem auch nicht so sein wird. Denn klar ist doch, dass sich dieser HSV verstärken muss. Zumal, wenn man eine (zumindest potenzielle) Offensivkraft wie Elia weggibt.

Diego und Ballack sind es nicht, Rosicky ebenso wenig. Was diesen Blog heute umso schwerer macht, denn alles dreht sich nur um das, was eventuell und zu jeder Sekunde passieren könnte. Und niemand weiß, wann und wer kommt.

Ein potenzieller Neuzugang (und zwar der, er mich nicht vom Hocker hauen würde) soll der Koreaner Koo Ja-Cheol vom VfL Wolfsburg gewesen sein, den Trainer Felix Magath allerdings nicht ziehen lassen wollte. Womit die Suche nach dem oder den Neuen (alles andere würde ich nicht verstehen können!!) weitergeht. Aber schaut selbst. Unter: http://www.bundesliga.de/de/dfl/transfer/ könnt Ihr die aktuelle Transferliste einsehen. Jeder Spieler, der einen Bundesligisten verlässt oder zu einem wechselt. Muss vorher hier aufgeführt sein.

Das gilt auch für den Lauterer Ivo Ilicevic, dessen Berater Volker Struth heute zu Verhandlungen in der Imtech-Arena war. Der 24-Jährige Mittelfeld-Allrounder soll noch heute seinen Vertrag in Hamburg unterschreiben und rund vier Millionen Euro Ablöse kosten. Der FCK-Profi war in dieser Saison bislang in allen vier Partien von Anfang bis Ende auf dem Platz und erzielte einen Treffer. Letzte Serie brachte er es auf insgesamt fünf Bundesligatore und sieben Assists bei 21 Einsätzen. Und mehr als 26 Spiele wird er für den HSV auch nicht absolvieren können, da er gerade für vier Spiele gesperrt wurde. Ein bitterer Beigeschmack…

So viel vorerst zum Thema Transferaktivitäten des HSV. Sollte hier heute noch etwas passieren, oder ich noch Reaktionen auf den dann schon als perfekt vermeldeten Transfer des Kroaten haben, werde ich diesen Blog entsprechend ergänzen und das in der Überschrift auch kenntlich machen.

In diesem Sinne,

hoffentlich bis gleich,

Scholle (17.24 Uhr)

P.S.: Sören Bertram steht kurz vor dem Wechsel zu Alemannia Aachen. Das HSV-Talent soll für ein Jahr auf Leihbasis in die Zweite Liga wechseln, um dort Spielpraxis zu sammeln.

Arnesen: “. . . dann sind wir komplett”

28. Juli 2011

Hochbetrieb im Volkspark. Was war da wieder los! Unglaublich. Na gut, es sind Ferien, und dazu ist das Wetter gut (gewesen?), dann füllt es sich schon mal. Aber irgendwie schon beängstigend, wenn sich die Massen (an Fans) wie auf Kommando so durch dieses ganz, ganz kleine Tor zum Trainingsplatz pressen. Aber was tut man nicht alles für den HSV, da nimmt man wohl auch solche körperlichen Strapazen in Kauf. Ist ja für die Raute. Und man sieht ja auch allerhand. Heute zum Beispiel erst einmal nichts, denn die Mannschaft kam erst eine halbe Stunde nach zehn Uhr auf den Trainingsrasen. Dafür ging das Programm dann aber auch bis 12.20 Uhr – für nichts. Niemand muss auch nur einen Cent dazubezahlen, außer beim Eismann.

Zum Trainingsprogramm: Laufschule a la Günter Kern, dann ein Spiel ohne Tore (Direktspiel), auf einem Areal von 30 mal 30 Metern, dann wurden die Gruppe getrennt. Talente rechts, Stammspieler links. Die Jünglingen flankten, schossen und köpfte, die „Erwachsenen“ übten Standards, die vorzugsweise von Eljero Elia und Gökhan Töre in die Mitte gebracht wurden. Wobei ich mir dachte (ganz leise!): „Mensch, der gute Eljero, der wird heute, am Ende dieser Einheit, auch wissen, woran er noch zu üben hat.“ Wie gesagt, ganz, ganz leise gedacht, hat niemand gehört. Zum Abschluss gab es dann noch ein Spielchen (zwölf gegen zwölf!) über 20 Minuten. Sören Bertram schoss, nachdem zuvor Hanno Behrens aus einem Meter nur die Torlatte getroffen hatte, das 1:0 für die Talente (die mit Romeo Castelen spielten), aber die „Herren“ drehten das Spiel noch und gewann durch Tore von Marcell Jansen (wunderbarer Heber mit rechts!), Änis Ben-Hatira und Mladen Petric noch mit 3:1. Und Ende. Am Rande trainierte Jeffrey Bruma mit Reha-Coach Markus Günther (und auch schon wieder mit Ball!), und Marcus Berg, der zuerst mit der Mannschaft gelaufen war, drehte noch einige Runde für sich allein – bevor er früher in die Kabine ging.
Noch ein Satz zu Bruma, weil es viele nicht abwarten können, ihn wieder bei der Mannschaft zu sehen: Für das Spiel in Oldenburg wird der Niederländer, das steht fest, noch keine Rolle spielen, aber es ist geplant, dass er nächste Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigt.

Und noch einmal zurück an den Spielfeldrand: Dort gab heute Sportchef Frank Arnesen das wohl längste Fernsehinterview seines Lebens. Und wenn es nicht seines Lebens gewesen sein sollte (was ich mir nicht vorstellen kann), dann war es auf jeden Fall meines Lebens. Gefühlte 30 Minuten wurde der Däne befragt. Und er hielt eisern durch, behielt die Nerven und die Contenance. Kompliment. Zumal der Sportchef auch anschließend noch bei uns Halt machte – obwohl ein Mann mit Aktentasche unter dem Arm schon an der nächsten Ecke auf ihn wartete . . .

„Vor dreieinhalb Monaten bin ich beim HSV angefangen, nun geht es am Sonnabend mit dem Pokalspiel los. Ein sehr wichtiges Spiel für uns, und ich freue mich, dass es nun beginnt. Ich habe Vertrauen in die Mannschaft, es wurde gut trainiert, wir haben eine gute Atmosphäre – ich hoffe, dass wir das auch in diesem Spiel rüberbringen können“, sagt Frank Arnesen. Und wenn nicht? Hat er schon die eine oder andere Pokal-Überraschung der negativen Art erlebt? „Nein, ich nicht, aber das passiert. Man muss nur mal nach Frankreich blicken, das standen schon Klubs aus der fünften und vierten Liga im Pokalfinale. Im Fußball darf man niemanden unterschätzen, das ist die erste Pflicht.“

Es gibt auch heute nichts Neues von der Ein- und Verkaufs-Front. Guy Demel muss warten, der HSV muss warten. Und Mickael Tavares muss warten, der HSV ebenfalls. Bitter, bitter. Aber es gibt auch Erfreuliches: Am Dienstag werden Tomas Rincon und Paolo Guerrero wieder mit der HSV-Mannschaft trainieren, und am Donnerstag kommt dann Per Ciljan Skjelbred nach Hamburg. Arnesen: „Und dann sind wir komplett.“ Stand heute. Vielleicht gibt es ja aber doch noch Millionenden für Demel . . .

Apropos: Wenn jetzt Jonathan Pitroipa nach tritt, dann, so muss ich zugeben, kommt das für mich schon überraschend. Von jedem hatte ich es erwartet, aber nicht von dieser zarten Person. Und irgendwie hatte ich doch gehofft, dass er sich besser einschätzen kann, doch das ist wohl ein tragischer Irrglauben. Selbstkritik ist zwar schön und gut, Kritik an anderen ist besser. Dass der gute „Piet“ jetzt die Schuld für sein Scheitern in Hamburg und bei Michael Oenning sucht, ist fernab jeglicher Realität. Er selbst hat sich in diesem Jahr einen solchen Mist zusammengekickt, dass man beim HSV kaum noch um ihn kämpfen konnte.

Themenwechsel. Hier bei „Matz ab“ wurde nach dem Fan-Fest in Hippach (Video rechts) viel getuschelt – über Konditionstrainer Günter Kern. Der soll einigen „Matz-abbern“ gesagt haben, dass die „Engländer schlecht trainiert, nicht austrainiert sind“. Deshalb haben sich hier schon einige gefragt, wie er das gemeint haben könnte, denn Manchester United, Chelsea und Arsenal spielen doch ganz oben in Europa mit. Und dann schlecht trainiert? Nicht austrainiert? Wie kann Günter Kern das gemeint haben?

Ich habe ihn heute gefragt. Und er ist natürlich falsch verstanden worden. Er hatte nicht den englischen Fußball gemeint – natürlich nicht. Er hatte speziell Bruma und Töre gemeint, die in der letzten Saison einige Zeit verletzt waren, die deshalb um den Anschluss im konditionellen Bereich kämpfen müssen. Nur darum ging es. Ansonsten hat Kern eine ganz, ganz hohe Meinung vom englischen „Tempo-Fußball“ – und er sagte mir: „Wie die auf der Insel trainieren, das kann ich gar nicht beurteilen, weil ich dort noch kein Training gesehen habe. Aber die werden schon sehr gut trainieren, denn sonst könnten die nicht so einen Power-Fußball spielen.“ So ist es. Und ich hoffe: Thema erledigt. Oder nicht?

Und noch eines gibt es aufzuklären. Mich erreichte während des Trainings ein „Matz-abber“ (per Telefon), der sich besorgt darüber erkundigte, warum Fran Arnesen „so auf den Platz stürmte, um dann mit Michael Oenning wild gestikulierend zu sprechen“? Der Anrufer: „Da muss doch etwas im Busch sein. Wird Guerrero doch noch verkauft? Oder was ist da los?“

Ich habe den Trainer danach befragt, hier seine (gebührenfreie) Auskunft: „Alles ganz harmlos. Er hatte Sehnsucht und ist deshalb zu mir gekommen. Nein, im Ernst, es gab viele kleine Sachen zu besprechen, aber es war nichts Hektisches dabei, im Gegenteil, es war ein ganz positives Gespräch, und ich habe ihn, da er gestern frei hatten, schnell noch einmal auf den neuesten Stand gebracht.“ Also, alles ganz harmlos. Und auch das wurde jetzt nebenbei schnell aufgeklärt.

Zum Spiel am Sonnabend in Oldenburg. Heiko Westermann wird, das verriet Oenning schon einmal, die Mannschaft auf das Feld führen. Was nicht bedeutet, dass er auch in Dortmund der HSV-Kapitän sein wird. Die Entscheidung darüber fällt in der kommenden Woche – Mladen Petric hat also noch einige Tage Zeit, seinen Vertrag zu verlängern. Macht er es, hat der Kroate wohl beste Chancen auf die Binde . . .

Ich freue mich, das gebe ich zu, auf Tomas Rincon. Der soll ja eine ausgezeichnete Copa gespielt haben – vielleicht hat er sich ja mit diesem Turnier „freigeschwommen“. Was ich ihm wünschen würde. Und wenn hier zuletzt ein kleiner (großer?) Kampf um die Sechs oder Doppel-Sechs entstanden ist, so tauchte sein Name dabei eigentlich nie auf. Hat ihn Michael Oenning auf dem Zettel? Der Coach: „Warum sollte ich ihn nicht auf dem Zettel haben? Ich finde es ja toll, dass mit Peru und Venezuela zwei Mannschaften im Fokus standen, die vorher niemand auf der Rechnung hatte. Und dass die beiden HSV-Spieler so im Blickpunkt standen, ist doch höchst erfreulich. Und nun gucken wir mal, wie sie die ganzen Eindrücke verarbeitet haben, und dann bin ich von beiden überzeugt, dass sie sicherlich Ansprüche haben, in der ersten Formation zu stehen. Die Möglichkeiten sehe ich für beide durchaus gegeben, aber ob es dann auch so kommt, das werden wir sehen.“

Und wo ich gerade beim Kampf um die Sechs bin: Da mischt ja auch in diesen Tagen „Robert Tesche Fußballgott“ mit. Michael Oenning über den „Spätstarter“: „Robert ist ein junger deutscher Spieler, der sich hier durchgebissen hat, der jetzt in einem Alter ist, wo er sehr wertvoll werden kann. Ich erhoffe mir von ihm, dass er nun den Durchbruch schafft, dass er nun der Mannschaft weiterhelfen kann.“ Der Trainer weiter: Er hat jetzt einen großen Sprung nach vorne gemacht, seine größte Qualität ist sein Kopfballspiel. Er hat eine enorme Sprungkraft, da ist er von allen wohl der Beste, da kann er uns sehr helfen, sowohl offensiv als auch defensiv. Er ist zudem grundsolide ausgebildet, er ist beidfüßig, hat einen präzisen Schuss, er ist groß – er hat alles, was ein Fußballer braucht.“

Bislang aber hat sich Robert Tesche in meinen Augen ein wenig „versteckt“. Angst vor großen Namen? Oenning: „Er braucht Erfahrung und Selbstvertrauen, das ist etwas, was ihm vielleicht gefehlt hat, aber das kommt nun immer mehr zur Geltung. Er kann für uns ganz wichtig werden, es liegt nun an ihm, denn er steht in einem harten Konkurrenzkampf.“

Eines aber steht fest: Tesche ist einer der Gewinner der Vorbereitung. Er blüht in diesen Wochen auf, er mischt sich ein, er mischt mit, er zeigt seine fußballerischen Qualitäten. Und sagt über seine derzeitige Situation: „Der Trainerwechsel tat mir gut, der war wichtig. Und es sind viele alte Spieler gegangen, es wird auf die jungen Spieler gesetzt – das ist auch gut für mich.“ Er hat wohl unter dem einen oder anderen „Alten“ gelitten. Ich selbst habe es gesehen, wie Tesche im Training von einem „Arrivierten“ nicht gerade freundlich behandelt wurde, im Gegenteil, regelrecht „untergebuttert“ wurde. Joris Mathjsen trat ihn einige Mal um, und als Tesche endlich am Boden lag, da gab es für ihn auch noch die folgende Drohung zu hören: „Pass bloß auf, dich erwische ich auch noch mal . . .“ Obwohl er in schon schwer erwischt hatte.

Robert Tesche kann sich daran erinnern, sagt dazu rückblickend: „Ich weiß nicht, warum das damals geschah, aber es war so. Aber du hast Joris doch auch gekannt . . .“
Ja, habe ich.

Jetzt aber ist die Situation eine andere geworden. Tesche selbstbewusst: „Die Noch-Erfahreneren sind noch weniger geworden, ich habe jetzt ein bisschen mehr in dieser Mannschaft zu sagen. Die Stimmung in der Mannschaft ist besser geworden, und nun müssen wir eine neue Hierarchie finden. Wir müssen natürlich auch als Mannschaft besser arbeiten, als in der vergangenen Saison. Der HSV ist ein großer Klub, hat große Zeiten erlebt, ich will dazu beitragen, dass wir auf jeden Fall wieder bessere Zeiten erleben, als im letzten Jahr.“ Und er sagt weiter: „Wir haben jetzt weniger Individualisten, wir müssen mehr als Team arbeiten, und da bin ich ganz zuversichtlich, dass das auch klappen wird.“ Über das „jetzt“, über seine neue Situation sagt er nur: „Ich fühle mich wohl. Ich habe auch gemerkt, dass ich in der Vorbereitung gut gearbeitet habe, dass mir viel gelungen ist – es wäre schön, wenn es so weitergehen würde. Ich hoffe das natürlich, das muss auch so sein. Ich werde mich auf jeden Fall durchsetzen.“
Ja, so klingt er, der neue Tesche, der andere Tesche.
Ihr werdet es erleben, wie er in dieser Saison aufblühen wird.
Er will auch daran arbeiten, auf dem Platz lauter zu werden. Auch wenn er sagt: „Man kann das sicher lernen, aber das geht nicht von jetzt auf gleich. Das wird eine Umstellung für mich. Aber ich will das machen. Wenn man acht Spieler hat, die jünger sind als ich, dann muss man vorangehen. Dann muss ich sie auch führen. Das ist auch ein Ziel von mir.“

Kurz noch einmal zurück zum VfB Oldenburg. Die Niedersachsen waren früher auch mal ein unangenehmer Gegner für den HSV. Ganz früher. Und heute? Oenning: „Man kann in einem solchen Spiel nicht viel gewinnen, und dem musst du Sorge tragen. Aber ich glaube, dass da immer noch ein Bundesliga-Klub gegen einen Fünftliga-Vertreter spielt.“ Soll wohl heißen, dass nur der HSV diese Partie gewinnen kann. Oder auf jeden Fall sollte. Michael Oenning hat auf jeden Fall auch schon ein negatives Pokal-Erlebnis zu verkraften. Das war als Co-Trainer von Borussia Mönchengladbach: „Pokal-Halbfinale in Aachen. Wir stellten die Mauer falsch und kassierten so das entscheidende Tor. Aber zuvor hätte es zwei Handelfmeter für uns geben müssen, doch der Schiedsrichter pfiff sie nicht. Das werde ich nie vergessen, das war ganz bitter.“ Der Unparteiische war Edgar Steinborn, er pfiff dieses Spiel im März 2004 – es war das Ende (s)einer großen Karriere.

Am Freitag wird um 12 Uhr im Volkspark trainiert. Danach geht es per Bus nach (zuerst) Bad Zwischenahn.

19.02 Uhr

12:0 – Son-Gala nach der Pause

12. Juli 2011

12:0 gewonnen – ein Muster ohne Wert. Aber total ohne jeden Wert. Das war wie im Training, und das war nach dem Motto: „Leben und leben lassen“. Nur nicht verletzen. Der HSV erwies sich als netter Gast, er besiegte die Bezirksauswahl Zillertal und hielt sich dabei nur im ersten Durchgang höflich zurück. Da hieß es nur 3:0. Es war ein lockeres Spielchen, und in den zweiten 45 Minuten wurden die Gastgeber dann förmlich überrollt. Fünf Tore erzielte dabei Heun Min Son, der sich seinen großen Auftritt für die Zeit nach dem Seitenwechsel aufgespart hatte.

In Halbzeit eins spielten die „Alten“, jedenfalls die, die noch fit sind, und in der zweiten Halbzeit durften die Jungen ran. Eine Einzelkritik erspare ich mir, sie ist an einem solchen Tag völlig, aber so was von überflüssig, deswegen Null. Dennoch kann ich mir ein Lob nicht verkneifen: Die jungen Talente haben ihre Sache sehr, sehr gut gemacht. Kompliment, da wollte ein jeder!

Das Spiel begann mit einem absoluten Höhepunkt. Co-Trainer Frank Heinemann landete mit einem Tandem-Gleitschirm – und brachte den Ball mit. Mutig, mutig, der Herr Assistent. Michael Oenning, der Chef, war offenbar so beeindruckt, er fotografierte den Flug und die Landung.

Es blieb bis zur 19. Minute die einzig gute Aktion der Hamburger. Erst dann erzielten sie das 1:0 gegen die tapferen und beweglichen Amateure. Erst sollte es Eljero Elia gewesen sein, dann hieße es: Heung Min Son. Salomonisch entschied der neben mir sitzende Hermann Rieger: „Beide sind Torschütze, einer mit dem Kopf, einer mit dem Ohr.“ Son hatte diesen Treffer nötig, denn er vergab, wie schon in Norderstedt gegen die Polizei-Auswahl, einige „Hundertprozentige“.

Zwei Minuten später war dann Elia tatsächlich der Schütze des 2:0, und zum 3:0-Halbzeitstand schoss Dennis Aogo aus 16 Metern ein. Bemerkenswert an den ersten 45 Minuten: Son konnte seine Show von den Trainingseinheiten in Halbzeit eins nicht wiederholen, er sparte sich seine Gala für den zweiten Durchgang auf. Zudem muss erwähnt werden, dass Torwart Wolfgang Hesl mindestens drei oder vier sehr, sehr gute Möglichkeiten der Zillertaler glänzend vereitelte. Beim Halbzeitgang in die Kabine gab es dafür „Hesl, Hesl“- Rufe. Wie natürlich auch immer wieder „Hermann Rieger“.

Der HSV spielte im ersten Durchgang mit: Hesl, Diekmeier, Mancienne, Sternberg, Aogo; Tesche; Jarolim, Kacar; Töre (der Linksfuß kam über rechts), Elia; Son. In der zweiten Halbzeit war auf dem Rasen: Hesl, Götz, Mancienne, Kacar, Sternberg, Aogo; Nagy, Besic; Ben-Hatira, Jansen; Son.

Und ein „Alter“ wollte es dabei offenbar ganz besonders wissen: Marcell Jansen. Ein Traumtor mit rechts (halblinke Position) in den hinteren oberen Winkel (50.), dann glashart und humorlos aus 17 Metern mit links in die lange Ecke (54.). Zwei sehr, sehr schöne Tore zum 5:0.

Das 6:0, 7:0 und 8:0 erzielte Son. Zuerst nach schöner Vorarbeit von Sören Bertram und Hanno Behrens (64.), dann traf er aus dem Gewühl heraus, danach bediente ihn in der 73. Minute Änis Ben-Hatira. Und weil Son danach eine weitere „Hundertprozentige“ vergab, staubte Ben-Hatira ab (77.) – 9:0. Für das 10:0 war dann wieder Son nach einem schönen Alleingang zuständig (78.). Und weil der HSV die Abwechslung liebt: Ben-Hatira erzielte das 11:0 (86.) – nach schöner Vorarbeit von Son. Für den 12:0-Endstand sorgte dann Daniel Nagy in der 90. Minute.

Die weiteren Wechsel beim HSV: Labus, Bertram und Behrens kamen in der 62. Minute für Sternberg, Aogo und Kacar.

20.28 Uhr

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