Archiv für das Tag 'Berg'

“Beim HSV wird immer etwas gesucht . . .”

3. Juli 2013

Das war ja mal wieder ein Hammer. „Wamms gegen der Latte“, hat ein früherer Mitspieler von mir immer im feinsten Hochdeutsch gesagt, wenn es mal richtig schepperte – egal wo. Nun hat es mal wieder beim HSV gescheppert. Die Bild hat es in der heutigen Ausgabe ausführlich g- und beschrieben, und das hat schon für Aufregung gesorgt. In etwa eine solche Aufregung, wie vor Wochen, noch in der laufenden Bundesliga-Saison, als die „Mopo“ von dem berühmt-berüchtigten 24-Millionen-Loch im HSV berichtet hatte. Geht es nach den „Machern“ im HSV, ist das alles kein Grund zur Panik. Wie Vorstandsmitglied Joachim Hilke kürzlich in einem Interview mit „Matz ab“ gesagt hat. Ich glaube ihm. Dass der HSV jetzt nicht weiter einkaufen darf, stimmt wohl so nicht ganz, dass der HSV händeringend und ganz, ganz dringend verkaufen muss, ist ein alter Hut. Wie mir ein ranghohes Matz-ab-Mitglied heute am Telefon sagte: „Das schreibst du schon seit Monaten . . .“ Stimmt. Und das der HSV keine zehn Millionen für Heung Min Son bekommen hat, das habe ich zum Beispiel am 13. Juni geschrieben. Ist nachzulesen, das Internet lügt ja nicht.

Fest steht, und auch das steht schon seit Monaten fest, dass es dem HSV finanziell dreckig geht. Das hat jetzt, auch das schrieb ich schon vor Monaten und auch Wochen danach, das hat jetzt, so denke ich, ein jeder Träumer, der noch immer auf die Millionen von Nigel de Jong, Vincent Kompany und zum Beispiel auch Rafael van der Vaart gewartet hatte (und damit kalkuliert), begriffen. Bei manchem dauert es eben doch ein wenig länger, aber ich bin mir sicher: Nach der heutigen Bild-Geschichte weiß es nun auch der allerletzte HSV-Fan.

DER HSV HAT KEIN GELD UND GEHT FINANZIELL AM STOCK.

Deswegen, ja genau deswegen, muss verkauft werden. Zwar schon seit einem Jahr, aber es wird schon. Und ich würde dem Club in dieser prekären Situation schon raten, eventuell auf eine Ablöse zu verzichten, denn die mehr als üppigen Gehälter einzusparen, das ist doch auch schon mal was. Zumal aussortierte Spieler wohl kaum noch gewinnbringend verschachert werden können. Wie sagte mir Gojko Kacar noch gestern? „Spieler, die zur Zweiten Mannschaft abgeschoben werden, die können doch dem Club keine Ablöse mehr bringen. Das muss doch jedem klar denkenden Menschen bewusst sein . . .“
Bei dem letzteren Gedanken des Serben habe ich aber doch meine ganz starken Zweifel.

Bevor ich weiter schreibe, möchte ich schnell mal einen Bericht vom SID (Sport-Informations-Dienst) hier veröffentlichen. Der Kollege hat mit Carl-Edgar Jarchow über die Lage der Nation gesprochen:

. . . Ein Transfer-Stopp vom Vorstandschef, zwei Tage nach der Kampfansage des Superstars? Dazwischen lag zudem noch die Absage des Wunsch-Stürmers Roque Santa Cruz aus familiären Gründen. Nichts ist unmöglich – HSV. Im SID-Gespräch wollte Jarchow den Begriff „Transfer-Stopp“ so nicht stehen lassen, er bestätigte aber, dass es in diese Richtung geht. „Wir wollen den Kader verschlanken, uns punktuell verstärken und das Budget senken“, erklärte er, „das heißt auch, dass wir jetzt nicht erst mal fünf Spieler kaufen, ohne zu verkaufen. Das geht Hand in Hand.“

Anscheinend plagen den Fußball-Bundesligisten immer größere finanzielle Sorgen. Mal wieder droht ein Millionen-Minus, laut Bild darf Sportdirektor Oliver Kreuzer nicht mehr einkaufen, sondern muss zunächst mal mit dem Verkauf von Ladenhütern mindestens zehn Millionen Euro erlösen. Bei der Ausleihe des Innenverteidigers Johan Djourou (26) vom FC Arsenal aus London, es ging dabei um „nur“ 800 000 Euro, soll es im Aufsichtsrat erheblichen Widerstand gegeben haben. „Wir fahren voll gegen die Wand“, wird ein Gremiumsmitglied zitiert.

„Da hat ein Aufsichtsrat aus egoistischen Hintergründen den Weg an die Presse gesucht“, sagte Jarchow dem SID. Ein Maulwurf. Roque Santa Cruz (FC Malaga), dessen Ehefrau nicht mit nach Hamburg kommen will, wäre zwar ablösefrei gewesen, hätte aber ein stattliches Gehalt bekommen – und dafür war Geld da. Und jetzt ist es weg? Oder kehrt nun Vernunft ein beim HSV, der seit Jahren über seine Verhältnisse lebt? „Wir haben bisher noch keine entscheidende Reduzierung getätigt“, sagte Jarchow, „aber das Transferfenster hat ja gerade erst geöffnet.“

Für das aktuelle Geschäftsjahr zeichnet sich jedenfalls bei den Hanseaten mal wieder ein Minus ab – in zweistelliger Millionenhöhe. Schon in den vergangenen beiden Jahren hatte der Klub jeweils einen kräftigen Verlust verzeichnet. In der Saison 2010/11 lag das Defizit bei 4,9 Millionen Euro, in der Spielzeit 2011/12 bei 6,6 Millionen Euro. Der Gehaltsetat soll von 48 Millionen Euro auf unter 40 Millionen gesenkt werden. Dafür muss Kreuzer aber Spieler wie Marcus Berg, Gojko Kacar, Robert Tesche, Paul Scharner, Michael Mancienne oder Slobodan Rajkovic verkaufen. Allerdings gestaltet sich dies sehr schwierig – die Spieler besitzen teils hochdotierte Verträge und würden im Fall eines Wechsels deutlich weniger verdienen.

Deshalb ist zuletzt auch die geplante Verpflichtung von Abwehrspieler Lasse Sobiech (Borussia Dortmund) ins Stocken geraten. Zudem soll der HSV von der Zehn-Millionen-Ablöse für Angreifer Heung Min Son (wechselte zu Bayer Leverkusen) nur 7,5 Millionen kassieren. Der Rest geht an Sons Berater und den Südkoreaner selbst. „Das war im Vertrag so vereinbart“, sagte Jarchow. Santa Cruz hatte dem HSV am Dienstag einen Korb gegeben. „Sein Berater hat sich bei uns gemeldet und uns abgesagt“, sagte Kreuzer der Hamburger Morgenpost: „Roque wäre sehr gern gekommen, aber seine Frau wollte aus sehr speziellen privaten Gründen nicht nach Hamburg. Das ist sehr schade, weil Roque sehr gut zu uns gepasst hätte, aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren.“

Bisher stehen nur Verteidiger Johan Djourou und Stürmer Jacques Zoua (21/FC Basel) als Neuzugänge fest. Weitere sind von Trainer Thorsten Fink selbstverständlich gewünscht: Hohe Ziele, wenig Geld, das würde extrem anspruchsvoll.

Das war der SID-Bericht. Wichtig darin auch die Passage zum Son-Verkauf. Wer da alles so sein Händchen mit aufhält. Interessant, oder? Das sage (oder schreibe) ich deswegen, damit alle, die noch auf die Millionen von Nigel de Jong, Vincent Kompany oder auch Rafael van der Vaart gewartet und gehofft und gesetzt haben, damit diese Damen und Herren mal begreifen, dass im Profi-Fußball längst nicht eins und eins zwei sind. Da wird von zehn Millionen gesprochen, aber wenn diese zehn Millionen dann mal etwas durchgeschüttelt werden, bleiben vielleicht nur noch fünf . . . So geht Profi-Fußball heute. Das ist nicht mehr nur schwarz und weiß.

Deswegen möchte ich allen, die immer noch vom großen und reichen HSV träumen, zurufen:

Aufwachen! Wacht endlich auf! Es wird höchste, nein, es wird allerhöchste Zeit.

Ich kriege fast einen Herz-Kasper, wenn ich höre, dass einige Fans (und Funktionäre!) sagen: „Neue Strukturen schießen keine Tore.“ Ne, Strukturen nicht, aber Stürmer, die ein wenig Kleingeld kosten, die treffen dann doch hin und wieder. Nur was macht ein Verein, der kein Kleingeld hat? Und auch keines will? Weil wir ja zum Beispiel 1976 erfolgreich waren, weil wir doch 1977 den Europapokal gewonnen haben, weil wir ja 1983 an der Spitze Europas standen? Denen möchte ich zurufen:

Träumt schön weiter.

Andere Clubs holen sich Geldgeber wie zum Beispiel Adidas, Audi und die Telekom mit ins Boot und bekommen dafür Millionen, und hier in Hamburg träumen einige davon, dann doch lieber auf Grand an der Gustav-Falke-Straße zu spielen . . . Gute Morgen. Strukturen schießen in der Tat keine Tore, aber Geld schießt heutzutage sehr wohl Tore, das müssten inzwischen doch auch alle längst (Experten) begriffen und gelernt haben. In der Bild steht heute auch die Geldrangliste der Bundesliga – nach dem Wert des Kaders. Der HSV hat einen Wert von 92,5 Millionen und liegt damit auf Rang acht. Platz eins hat der FC Bayern erklommen, Wert der Münchner Mannschaft: satte 509,15 Millionen). Diese Angaben sind in Euro zu sehen. Logisch, dass 500 Millionen dann doch etwas mehr Tore schießen als 100 – oder? Das Verhältnis ist in etwa 9:2 zu betrachten . . .

Natürlich könnte man auch mit 100 Millionen (Euro) etwas auf die Beine stellen und erfolgreich(er) sein. Natürlich. Das bestreite ich nicht. Aber warum schafft der HSV das schon seit geraumer Zeit nicht (mehr)? Weil nicht nur die falschen Trainer am Ruder standen. Ganz sicher nicht. Aber sicher auch. Das gebe ich zu. Denn was wurden in allein den Jahren des neuen Jahrtausends an Spielern nach Hamburg geholt, die der HSV gar nicht benötig hätte. Da wurde gekauft, gekauft, gekauft, gerade so, als könne dieser HSV noch immer aus dem Vollen schöpfen. Hier ’ne Million, da ’ne Million, und vielleicht auch da noch ’ne Million? Motto: „Wir brauchen da noch – nur aus Gründen der Sicherheit – einen Spieler als Ersatz für den Ersatzspieler. Kein Problem, den holen wir relativ billig . . .“ Und dann gehen wieder Millionen über den Tisch. Wir ha’m es ja.

Nein, meine Damen und Herren, so lange dieser HSV so funktioniert, so lange wird er auf keinen grünen Zweig mehr kommen. Fachleute müssen hier ran, Fachleute in allen Ebenen. In allen! Dabei fällt mir Willi Schulz ein, der schon vor vielen Jahren laut und immer wieder gesagt hat: „Wir müssen uns den FC Bayern zum Vorbild nehmen. Geht man in München von oben nach unten durch den Club, trifft man überall auf Weltmeister . . .“ Das allerdings ist beim HSV ja auch so. Nein, nein, alles was recht ist, das ist in Hamburg auch schont so lange so. Sie sind beim HSV nämlich, egal auf welcher Ebene, alles Weltmeister. Im Schnacken. Zwar nur im Schnacken, aber immerhin. Das ist doch auch etwas. Und alle diese ober-wichtigen Schnacker arbeiten Hand in Hand mit ihrem Sponsor Pattex. Nur dadurch können sie weiterhin fest an ihren HSV-Stühlen kleben.

Noch kurz zu meiner (HA-)Geschichte von heute: Berg und Kacar. Beim HSV wurde die nicht so gerne gelesen – ist schon klar. Aber warum wohl? Wenn alles so professionell in diesem Club ablaufen würde, dann gäbe es solche Geschichten gar nicht erst. Ist es aber professionell, wenn ein Spieler aus der Zeitung erfahren muss, dass er aussortiert wurde? Ich denke nein. Das ist eher höchst unprofessionell. Professionell, lieber HSV, wäre es wie folgt gewesen: Man beschließt intern, dass Spieler XY aussortiert wird. Das teilt man dem Spieler dann umgehend oder zügig mit – irgendwie. Und wenn es per Brieftaube geschehen müsste. Oder eben auch über den Berater. Erst versucht man beim HSV einige Male den Spieler XY anzurufen, klappt das nicht, dann ruft man den Berater von Spieler XY an – und wenn man dem nichts sagen möchte, dann bittet man den Berater von Spieler XY darum, dass Spieler XY mal beim HSV – dem Sportchef oder dem Trainer – zurückrufen möge. Klappt das aber alles nicht, dann hält man beim HSV so lange die Klappe, bis Spieler XY – oder eben der Berater von Spieler XY – dann doch noch erreicht worden ist.
Verstanden? Das wäre professionell in einen Augen, aber ich bin ja auch nur ein kleiner Amateur. Und dann nämlich müsste kein Spieler, nicht nur der Spieler XY, aus der Zeitung erfahren, dass er aussortiert worden ist.

Ich bin mir aber ganz sicher, dass einige HSV-Herren aus dem jüngsten Fall gelernt haben.
Und: Ich habe Verständnis für einen Spieler (wie Marcus Berg), der aus der Zeitung erfährt, dass er weg vom Fenster ist, dass der dann nicht mehr mit dem Sportchef reden mag. Absolutes Verständnis. Aber auch ein klein wenig Verständnis habe ich für den HSV, denn wer bekommt schon gerne öffentlich gesagt, dass man als Profi-Club höchst unprofessionell gehandelt hat?

So, dann noch kurz zum heutigen Vormittagstraining. Ohne besondere Vorkommnisse. Rafael van der Vaart verließ den Trainingsplatz allerdings ein wenig früher, weil der Niederlande in die Heimat reisen wollte und musste. Der Kapitän nahm am Nachmittag an einem Benefizspiel teil – und bekam von Trainer Thorsten Fink die Erlaubnis, daran teilzunehmen. Zur finanziellen Sache des HSV wollte Fink keine Stellung beziehen, er sagte: „Das ist nicht mein Aufgabengebiet, ich konzentriere mich auf meine Mannschaft, das ist meine Sache. Ansonsten möchte ich mich nicht dazu äußern, was in der Zeitung steht – wir wissen doch um unsere Situation. Meine Aufgabe ist die Mannschaft, dazu äußere ich mich, zu anderen Dingen aber nicht, denn beim HSV wir immer etwas gesucht . . .“

Und wenn es Geld ist.

Zur personellen Situation seiner Mannschaft befand Thorsten Fink: „Im Moment bin ich mit der Entwicklung zufrieden, wir haben jetzt vier neue Spieler, von daher tut sich ja etwas. Und das andere werden Oliver Kreuzer und auch andere Leute schon machen, da mache ich mir keine Sorgen.“

Dann habe ich noch einmal Paul Scharner beobachtet. Der Österreicher blieb während der Einheit relativ ruhig, ich konnte an ihm keine Emotionen entdecken. Die zeigte er aber nach dem Training, denn mit wem auch immer er sich zu einem Foto aufstellte – der Paul lachte. Oder lächelte auf jeden Fall immer. Das, obwohl er ja beim HSV vor einer ungewissen Zukunft steht – stehen soll. „Paul, du hast gelacht – weißt du schon, wie es mit dir und dem HSV weitergehen wird?“ Scharner geht erst einmal auf sein Lachen ein: „Ich habe ja zuletzt den FA-Cup gewonnen, da kommt natürlich Freude auf. Und wenn ich daran zurückdenke, dann muss ich lachen.“ Und wie ist es sonst – sportlich? Die Zukunft? Scharner: „Ich habe ein Gespräch mit Thorsten Fink gehabt, und er hat mir versichert, dass jeder Spiele die gleichen Chancen hat. Davon gehe ich jetzt erst einmal aus.“ Und lacht.

Dann sagt er: „Ich habe in der Mopo gelesen, dass ich weg soll. Mehr kann ich auch nicht sagen. Mehr weiß ich nicht.“ Sportchef Oliver Kreuzer aber hatte zum Trainings-Auftakt gesagt, „dass es Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic und Paul Scharner schwer haben werden, in den Kader zu kommen, dass diese Spieler ansonsten aber so behandelt werden, wie alle anderen HSV-Spieler“ auch. „Das ist alles sehr lustig, wenn man hier keinen FA-Cup-Sieger gebraucht, das ist lustig und interessant“, sagt Scharner. Dann sagt der Innenverteidiger: „Ich würde schon gerne die Herausforderung annehmen und mich hier beim HSV dem Konkurrenzkampf stellen wollen. Ich glaube, dass meine Chance kommen wird, ich bin sogar fest davon überzeugt.“

Im Winter hatte sich Paul Scharner für ein Leihgeschäft mit dem englischen Erstliga-Club Wigan entschieden, er hatte das seinerzeit selbst vorangetrieben. Jetzt aber will er abwarten, auch sein Berater unternimmt nichts: „Das müsste schon vom HSV kommen. Wenn die mich weghaben wollen, dann müssen die es schon sagen. Ich bleibe hier, denn ich will mich durchsetzen.“ Obwohl Scharner auch sagt: „Ich habe genügende Angebote aus England, aber die sind nicht so interessant für mich.“ Dann sagt Scharner: „Ich bin ein direkter Mensch, deswegen würde ich es schon vertragen, wenn man mir hier sagen würde, dass ich gehen soll. Ich bin alt genug, um die Wahrheit zu ertragen. Wenn er HSV käme und sagen würde: ‚Paul, pass auf, es passt überhaupt nicht, geh weg.’ Dann wäre alles okay. Aber so ein Herumgemurkse, das mag ich nicht. Ich hätte wirklich kein Problem damit, wenn man mir die Wahrheit sagen würde – direkt zu mir.“

18 Spiele hat Paul Scharner auf der Insel bestritten, er rechnet vor: „ 18 Spiele a 90 Minuten, und das in dreieinhalb Monaten, das ist mir als eine halbe Saison. Ich weiß deshalb nicht, warum dann solche Geschichten, wie sie jetzt zu lesen und zu hören waren, aufkommen in der Öffentlichkeit.“ Am Freitag geht es mit dem HSV ins Trainingslager. Da stößt dann Scharners Vertrauensperson dazu, und dann soll es ein Vier-Männer-Gespräch mit Sportchef und Trainer geben. Und wohl auch die entscheidende Richtung, wohin der Hase in Sachen Paul Scharner künftig zu laufen hat.

Aus zweierlei Gründen möchte ich noch einmal zu meiner heutigen Eröffnung zurückkommen. In der Bild stand ja auch zu lesen, dass der Aufsichtsrat seinen Boss Manfred Ertel stürzen wollte. Da aber die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit fehlte, um diesen Punkt nachträglich (!) auf die Tagesordnung zu setzen, scheiterte das Vorhaben – kläglich.
So ist er, dieser Aufsichtsrat. Und warum dieser Punkt erst heute, Wochen und Monate nach Ertels peinlicher Entgleisung gegen Uli Hoeneß, auf die Tagesordnung gehievt werden sollte, ist mir auch nicht klar. Ist doch längst schon Gras drüber gewachsen. Das hätte gleich gemacht werden müssen – aber jetzt? Das ist schon sehr mysteriös. Aber vielleicht wollten die Räte doch noch einmal „eine“ Nacht drüber schlafen . . .

Und dann möchte ich noch einmal „mein Archiv“ bemühen:

Am 13. Juni 2013 stand bei „Matz ab“ auch zu lesen, was und wie Uwe Seeler derzeit über seinen Club denkt. „Uns Uwe“ hat gesagt: „Ich habe große Angst davor, dass der HSV vor die Wand knallt.“

Um es mit Roy Black zu sagen: „Du bist nicht allein . . .“

PS: Es ist wieder ein wenig zu lang geworden – sorry. Morgen ist dann wieder „Scholle“ am Start, er wird für „Matz ab“ – und damit für euch – auch in den Trainingslagern dabei sein.

PSPS: Training ist am Donnerstag um 10 Uhr am Volkspark, über den Nachmittag (eventuell kein Training) wird noch HSV-intern gesprochen.

17.31 Uhr

Außen vor: Kacar und Berg

2. Juli 2013

Wie versprochen noch ein kleiner Nachschlag kurz vor Mitternacht. Und dieser Nach(t)schlag beginnt mit einer für mich eher traurigen Nachricht, denn Roque Santa Cruz wird nicht zum HSV wechseln, er hat dem Club abgesagt. Schade, schade – sage ich, denn ich glaube, dass er dem HSV doch sehr gut getan hätte. Das aber ist jetzt leider nicht beweisbar, der HSV muss jetzt Plan B aus der Schublade ziehen und sich um einen anderen Stürmer bemühen. Dass so etwas in der heutigen Zeit nicht leicht ist, das dürfte jedem klar sein, zumal dann, wenn der Verein über nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten verfügt. Mal abwarten, wen Sportchef Oliver Kreuzer und Trainer Thorsten Fink nun aus dem Zylinder zaubern.

Ein anderes Thema. Es geht um die aussortierten Spieler Robert Tesche, Gojko Kacar und Marcus Berg. Über sie habe ich einen Artikel für die Mittwochs-Ausgabe des Hamburger Abendblattes verfasst, und den möchte ich jetzt auch den „Matz-abbern“ zur Verfügung stellen:

Hamburg – Die letzte offizielle Ballberührung des Trainings bringt ihm nach 90 Minuten das erste Lächeln ins Gesicht. Linksflanke, Gojko Kacar springt dem Ball entgegen und köpft diesen in den Torwinkel. Der Serbe, der während der gesamten Einheit seinen Kopf gesenkt gehalten hatte, hüpft kurz hoch, zeigt die Fäuste und freut sich für ein, zwei Sekunden. Dann lässt er den Kopf wieder hängen. Die Stimmung des Nationalspielers ist auf dem Tiefpunkt angekommen. Genau wie Marcus Berg soll sich auch der 26-jährige Mittelfeldspieler einen neuen Verein suchen, ist bei den HSV-Profis aussortiert worden und trainiert ab sofort nur noch bei der U23-Mannschaft des Vereins auf der Anlage in Ochsenzoll mit. Niedergeschlagen berichtet er über seine Lage: „Es gab sicherlich schon bessere Tage für mich, es ist schlimm.“

Der Dritte im Bunde, der zu den von Trainer Thorsten Fink und Sportchef Oliver Kreuzer Aussortierten gehört, ist Robert Tesche. Der Mittelfeldspieler befindet sich allerdings zurzeit noch auf Vereinssuche im Ausland. Auch Berg hofft auf ein Engagement im südlichen Ausland, Panathinaikos Athen ist im Gespräch. Nach Schweden könnte er jederzeit gehen, aber das ist für ihn keine Option: „Ich will noch nicht zurück, obwohl ich Göteborg liebe.“ Ganz offenbar will er es sich und allen anderen in der Fremde beweisen, dass er durchaus ein erfolgreicher Profi sein kann. In Hamburg hat er es nicht geschafft. „Ich glaube und weiß, dass ich auf hohem Niveau spielen kann, aber beim HSV habe ich das wohl nicht in jedem Spiel gezeigt“, sagt der 26-Jährige selbstkritisch.

Am 16. März hat Berg eine Hüft-Operation hinter sich bringen müssen, zurzeit arbeitet er an seinem Comeback. Seit einer Woche trainiert er separat mit HSV-Physiotherapeut Benjamin Ehrhorn. Der Schwede wirkt engagiert und willig, er ist bemüht, wieder in Form zu kommen. Nicht für den HSV, sondern für den neuen Arbeitgeber. In Hamburg hat er zwar noch ein Jahr Vertrag, aber auch keine Zukunft mehr: „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass ich nicht mit der ersten Mannschaft trainieren darf, und das macht mich unzufrieden. Das ist schon amateurhaft vom HSV, aber so ist die Fußball-Welt.“

Seine Zeit in Hamburg fasst Berg nüchtern zusammen: „Mein erstes Jahr hier war schwer, aber dann lief es gut. Obwohl wir in der Bundesliga im Abstiegskampf standen, habe ich viel gelernt. Und dann war ich oft verletzt.“ Deswegen versetzt er sich auch in die Lage des HSV: „Es ist dann wohl so, dass sich der Verein einen neuen Spieler suchen muss. So ist das Leben . . .“ Und er ergänzt: „Wenn du Tore schießt, dann ist es immer einfach, aber wenn du keine Tore machst, dann ist es schwer.“

Mit Fink und Kreuzer hat Berg zuletzt nicht mehr gesprochen. Nachdem er von seiner Degradierung in der Zeitung gelesen hatte, bat er Berater Steinar Dietz, ihm alle Gespräche abzunehmen. Berg: „Ich war ein bisschen sauer.“ Ähnlich erging und ergeht es Kacar. Der Mittelfeldspieler hat von seiner Versetzung zur U23 nach eigenen Angaben nur per E-Mail erfahren. „Ich bin aber mehr enttäuscht als sauer. Jetzt muss ich sehen, wie es weitergehen kann, mein Berater sieht sich nach einem neuen Club für mich um.“

Lange vor dieser besagten E-Mail hatte Kacar schon ein Gespräch mit Kreuzer, darin hätte ihm der Sportchef eine ungewisse Zukunft aufgezeigt, aber nicht die Degradierung zur U23 erwähnt. Die letzte Unterhaltung mit Trainer Fink liegt für Kacar sogar noch länger zurück: „Als ich verletzt war, hat Thorsten mir erklärt, dass es schwer wird für mich, weil der HSV auf meiner Position zwei neue Spieler gekauft hat – und weil auch Rafael van der Vaart gekommen sei.“ Über die Versetzung zum Training bei der U23 gab es aber auch mit dem Coach kein Gespräch mehr.
Sportchef Kreuzer ist sich trotzdem keiner Schuld bewusst. „Ich kann die Enttäuschung der Jungs verstehen, aber wir haben den Spielern frühzeitig postalisch, per E-Mail und über ihre Berater Bescheid gegeben“, sagt der Neu-Hamburger, der zudem mehrfach versucht habe, auch persönlich mit Kacar, Berg und Tesche zu sprechen. Erreicht habe er aber zunächst nur Tesche, der ab Donnerstag in Ochsenzoll mittrainieren muss, sofern er bis dahin keinen neuen Club gefunden hat.

Auch Kacar hofft nun auf einen „vernünftigen Verein“. Und obwohl sein Gehalt von 1,5 Millionen Euro auf 1,8 Millionen Euro vertraglich angehoben wird, sei Geld, so sagt er, nicht das Wichtigste. Dass sein angedachter Wechsel im Winter zu Hannover 96 nur wegen des Geldes scheiterte, stimme so nicht. Traurig ergänzt er zum Schluss: „Jetzt muss ich erst mal bei der U23 trainieren, um dann sofort für den Start bei einem neuen Verein bereit zu sein.“
Ein Zurück zum HSV, das ist Berg und Kacar klar, wird es nicht geben.

Das ist also der Bericht, der an diesem Mittwoch im Sportteil des Hamburger Abendblattes erscheint (Seite 25). Kurz noch ein Dankeschön an meinen Kollegen Kai Schiller, der die Stimme von Oliver Kreuzer beisteuerte.
Ich will, um das schnell noch zu erklären, den HSV mit diesem Bericht keinesfalls dazu bewegen, die „Aussortierten“ wieder bei den Profis mitmachen zu lassen, das ganz sicher nicht. Deswegen möchte ich an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, was ich nach der Saison für die Spieler Kacar und Berg für eine Einzelbewertung abgegeben habe. Nachstehend sind beide ausgeführt:

Gojko Kacar
war mit einem Male „über“. Im Winter sollte er zu Hannover 96, das zerschlug sich, seit dieser Zeit (spätestens) spielte er keine Rolle mehr. Erst als zum Schluss ein gewisser Mangel an Abwehrspielern bestand, da durfte der Serbe dann doch noch mal für Minuten ran. Was seine Situation beim HSV aber keinen Deut verbesserte – Kacar ist nach wie vor „über“ und soll gehen. Schon jetzt, wo kein Ball mehr rollt, wurde er quasi aussortiert. Note fünf.

Marcus Berg
fand in dieser Saison praktisch nie statt. Elf Einsätze. Und in denen knüpfte er nahtlos daran an, was er vorher schon immer gezeigt hatte. Nichts. Viele Trainer hatten Geduld mit dem Schweden, auch Thorsten Fink, aber es kam nie etwas zurück. Verletzungen und Krankheiten taten ein Übriges, Berg kann wieder einmal auf ein Jahr zurückblicken, das ihn nur zurückgeworfen hat. Es kann nur besser werden für ihn, denn schlechter geht es im Profi-Fußball nicht mehr. Note sechs.

Es wäre also ein echter Treppen-Witz, wenn ich nun fordern würde, dass Berg und Kacar beim HSV bleiben sollten. Dennoch, und mit diesem Gedanken bin ich am Dienstag zum HSV nach Ochsenzoll gefahren, wollte ich mit beiden Spielern einmal darüber sprechen, wie sie sich in einer solchen für sie unheimlich schweren Situation fühlen. Dass dann beide Profis, und zwar unabhängig voneinander, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen Klartext sprachen, hatte ich nicht erwartet, finde es aber gut. Keiner von ihnen hat sich verbiegen lassen. Wobei beide Spieler, so mein Eindruck, keineswegs mit dem HSV abrechnen wollten, sie wollten auch keine schmutzige Wäsche. Sie haben lediglich darüber gesprochen, was sie zurzeit bewegt.
Und eventuell wird ja auch der HSV seine Lehren daraus ziehen, die eine oder andere Nuance dieser Trennungs-Phase überdenken – und es künftig etwas anders, vielleicht auch nur einen Tick professioneller, händeln.
Man lernt ja nie aus.

Sportlich stehe ich, um das abschließend noch einmal zu schreiben, zu 100 Prozent hinter den HSV-Entscheidungen. Dass mir beide Spieler, die mir nie etwas Böses getan oder gewollt haben, trotz allem etwas Leid tun, das darf ich aber vielleicht doch noch anfügen. Natürlich weiß ich, dass ich Millionäre vor mir habe, es gibt ganz anderes Elend auf dieser Welt – dennoch hat man mit diesen Menschen eine Zeitlang zu tun gehabt, man hat sie kennengelernt und auch ein gewisses Vertrauensverhältnis aufgebaut – und deswegen wollte ich auch die menschliche Seite einer solchen Trennung beleuchten.

Wobei ich auch gerne zugebe, dass die fast freundschaftlichen Verhältnisse zu den Profis von heute erstens Raritäten sind, und zweitens oft auch nur von oberflächlicher Natur sind. Früher gab es noch wirkliche Freundschaften zu Profis, sogar zu deren Familien (ich weiß, wovon ich schreibe) – so etwas ist aber heute nur noch in ganz, ganz wenigen und seltenen Ausnahmen möglich. Dazu ist die Zeit im Profi-Fußball auch viel zu schnelllebig geworden, die Spieler bleiben ja in der Regel nur ein, zwei Jahre (beim HSV) – dann sind sie auch schon wieder weg. Trotz allem arbeitet man ja eine gewisse Zeit gemeinsam an derselben Sache (HSV und Profi-Fußball), und das geht mit dem einen oder anderen Spieler ein wenig besser, freundschaftlicher oder auch herzlicher, mit dem anderen eher cool und distanzierter. Was in anderen Berufen und Berufssparten ganz sicher genauso ist. Wobei ich eines auch sagen muss: Mit Robert Tesche hätte ich ein solches Gespräch wahrscheinlich nicht geführt. Das zwischen uns ging dann doch eher cool und distanzierter vor sich.

PS: Levin Öztunali, der ehemalige HSVer, hat an diesem Dienstag sein erstes Tor für Bayer Leverkusen erzielt. Beim 4:1-Sieg im Testspiel über Schwarz-Weiß Essen schoss der Enkel von Uwe Seeler das Tor zum zwischenzeitlichen 3:1 (zuvor hatten Rolfes und Castro für Bayer getroffen).

23.55 Uhr

Adler reist nicht mit ins Zillertal

28. Juni 2013

Spanien gegen Italien. Wie schön klingt das denn! Jedenfalls im Fußball – ein Spiel vom Feinsten. Denkt man. Und in dieser Hoffnung setzt man sich dann auch vor den Fernseher, die Erwartungen sind hoch und höher. Und dann fühlt man sich plötzlich nach wenigen Minuten schon wieder in den Volkspark versetzt. Hin und her und kreuz und quer – und zurück. Fußball? Was sich die Spanier bei diesem Auftritt gedacht haben – ich weiß es nicht. Die haben ja gespielt wie der HSV in seinen „besten“ Tagen. Das war ja gar nichts. So, als wollten die Spanier gar nicht. Nach dem Motto: „Wir wollen den Confed Cup gar nicht gewinnen, denn dann sind wir nur noch mehr der große WM-Favorit 2014.“ Und Italien war besser – in diesem Halbfinale. Wobei ich immer an die Japaner, di nun schon zu Hause sind, gedacht habe, denn die hatten die Italiener einst schwindelig gespielt. Ich kann nur hoffen, dass der Deutsche Fußball-Bund sich das Video des Confed-Cup-Spiels Italien – Japan (4:3) sorgfältig aufbewahrt – und vielleicht irgendwann mal die nötigen Lehren daraus zieht. Aber Spanien? Eine große Enttäuschung. Von der 55. Minute an habe ich umgeschaltet, sah mir im ZDF „Maybrit Illner“ an – das war Spannung pur. Ernsthaft. Ich habe erst wieder zum Elfmeterschießen umgeschaltet, und da war „Illner“ schon vorbei . . .

Zum HSV. Da gab es heute eine Meldung, die ein wenig aus der Rolle fällt. Torwart Rene Adler ist – so heißt es – leicht verletzt. Der Nationalkeeper hatte sich am 29. Mai 2013, beim Länderspiel in Amerika, Deutschland gegen Ecuador (4:2), einen Einriss der Kapsel im linken Knie zugezogen. Und bevor nun alle entsetzt aufschreien: Es ist das linke Knie, nicht das vorgeschädigte rechte. Also keine Panik. Adler wird noch die nächsten drei Wochen pausieren müssen, das heißt, er startet in dieser Woche sein Reha-Programm, das er im UKE durchziehen wird. Der Torhüter wird also nicht mit ins Trainingslager ins Zillertal reisen, aber zum Saisonauftakt wird Rene Adler rechtzeitig fit sein, sodass er beim Auftaktspiel gegen Schalke zwischen den HSV-Pfosten stehen wird.

Zum Thema Verpflichtungen: Roque Santa Cruz hat noch keine Entscheidung über einen Wechsel zum HSV getroffen. „Er braucht noch ein bisschen Bedenkzeit“, sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer der „Bild“. Zunächst möchte der ablösefreie Paraguayer ein Gespräch mit HSV-Trainer Thorsten Fink führen, heißt es. Santa Cruz war zuletzt an den FC Malaga ausgeliehen. Die Spanier würden ihn gern behalten, auch der englische Premier-League-Verein Stoke City buhlt um ihn.

Dagegen wird am Montag Abwehrspieler Johan Djourou in Hamburg erwartet. Der Schweizer mit ivorischen Wurzeln absolviert in der Hansestadt den Gesundheitscheck, bevor er seinen Vertrag unterschreibt. Djourou wird für rund 750 000 Euro für ein Jahr ausgeliehen. Danach hat der HSV eine Kaufoption. Die Forderung soll bei rund 2,8 Millionen Euro liegen.

Die Verhandlungen mit Borussia Dortmund über einen Wechsel von Abwehrspieler Lasse Sobiech dauern an. In Sachen Verkauf gibt es erste Bewegungen bei den Spielern Marcus Berg und Robert Tesche, aber diese Bewegungen müssen sich noch entwickeln.

Entwickelt hat sich dagegen die „Sache Stilz“. Der neue Cotrainer des HSV, Roger Stilz, der bislang für den Regionalliga-Club SC Victoria gespielt hat und dort auch Cotrainer war, hat nun (s)einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben.

Das war es zur aktuellen Situation beim HSV. Dann gab es bei der DPA heute einen sehr interessanten Artikel über einen Nachwuchsmann – den Nachwuchsmann beim HSV:

Jonathan Tah gilt als das größte Talent des HSV. Der 17 Jahre alte Abwehrspieler hat Anfang des Jahres einen Profivertrag bis 2016 unterschrieben und fiebert seinem ersten Trainingsstart mit der Bundesliga-Mannschaft am Montag entgegen. Langfristig soll er die Innenverteidigung, die große Schwachstelle des HSV, verstärken.

Sein ehemaliger A-Jugendtrainer Otto Addo schwärmt von dem 1,92 Meter großen Hünen. „Er ist wirklich ein besonderer Spieler und für sein Alter sehr weit“, sagt der frühere Profi begeistert und führt als Beleg an: „Bereits als B-Jugendlicher ist Tah ein Leistungsträger der A-Jugend gewesen. Er verfügt über ein gutes Aufbauspiel, ein gutes Zweikampfverhalten und ein gutes Kopfballspiel.“ Addo beteuert: „Tah hat alles, was ein Verteidiger braucht.“

In der Fußballwelt hat sich längst herumgesprochen, welch großes Talent der HSV in den eigenen Reihen hat – spätestens seitdem Tah im Februar die U-17-Nationalmannschaft als Kapitän zum Gewinn des Algarve Cups führte. Er hätte zu Clubs aus Deutschland, Spanien oder England wechseln können. „Ich komme aus Hamburg, meine Familie und Freunde sind hier. Es hätte keinen Sinn gemacht, woanders hinzugehen“, erklärt Tah. Zumal er, so erzählt das Nachwuchstalent, dem Verein einiges zu verdanken hat.

Das öffentliche Interesse an dem Nachwuchsspieler, den die Norddeutschen im Gegensatz zu dem nach Leverkusen abgewanderten Seeler-Enkel Levin Öztunali zum Bleiben bewegen konnten, ist groß. Als Abwehrjuwel und Super-Talent wird er beschrieben. Spätestens seit dem Abschied von Öztunali lag der gesamte Fokus auf dem Abwehrspieler. „Mir ist das egal“, gibt er sich gelassen. „So lange keine falschen Dinge über mich in der Zeitung stehen, können die ruhig über mich schreiben.“

Im Februar, bei seiner ersten Übungseinheit mit den Profis, hat Tah festgestellt, dass bei einer Erstliga-Mannschaft ein anderer Wind weht als in der Jugend. „Man muss viel schneller denken, viel schneller reagieren. Auch körperlich ist das eine völlig andere Welt“, erzählt er. Einmal die Woche trainierte er die letzten Monate vor der Pause bei Rafael van der Vaart, Rene Adler & Co mit. Laut Thorsten Fink erfüllt er alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Laufbahn: „Er ist körperlich sehr weit und technisch stark. Dennoch müssen wir auch bedenken, dass Jonathan erst 17 Jahre alt ist.“ Es sei wichtig, dass er in Ruhe aufgebaut werde und auf dem Boden bleibe.

2009, als er noch bei Altona 93 in der Jugend kickte, entdeckte ihn der Bundesligist. Ein Jahr später bezog er das Fußballinternat. „Erst seitdem ich beim HSV spiele, habe ich realisiert, dass ich es wirklich zum Profi schaffen könnte“, sagt Tah in seiner typisch ruhigen Art. „Es war immer mein Wunsch, Fußballprofi zu werden“, erzählt der deutsche U-17-Nationalspieler. „Ich habe jetzt den ersten Schritt gemacht. Erreicht habe ich noch nichts.“

17.31 Uhr

Die Dauerkarte – ja oder nein? Update 18:09 Uhr

26. Juni 2013

Vor Wochen gab es etliche HSV-Fans, die sich bezüglich der neuen Saison in etwa wie folgt äußerten: „Wir haben die Nase voll, wir kaufen uns keine Dauerkarte mehr, komme was da wolle.“ Ich habe damals gemeint: „Und am Ende der Sommerpause ist alles vergessen, dann wird doch wieder die Dauerkarte bestellt . . .“ Ob es so gekommen ist, kommen wird? Ich weiß es nicht. Die Verkaufszahlen sind gut. Einen aber habe ich getroffen, der hat dieses Vorhaben tatsächlich und richtig stur durchgezogen. Und mit diesem HSV-Fan habe ich mich unterhalten. Zu seinem Schutze verzichte ich auf seine Namensnennung, denn ansonsten müsste dieser HSV-Anhänger wahrscheinlich in den nächsten Wochen und Monaten den einen oder anderen Spießrutenlauf absolvieren.

Wann gab es den Gedanken, keine Dauerkarte mehr zu kaufen, das erste Mal?

HSV-Fan: Ich habe meine Dauerkarte seit Ende der 80-er-Jahre gehabt, schon in der vorletzten Saison war ich müde geworden, mir diese Art von Fußball alle 14 Tagen anzusehen – aber erst gegen Ende der vergangenen Saison habe ich mir dann fest geschworen: nie wieder!

Was waren die Gründe für den Verzicht?
HSV-Fan: Mir ist der Spaß am HSV vergangen, die Vorfreude, die ich seit Jahrzehnten vor allen Dingen sonnabends, am Spieltag, hatte, die war weg. Weil doch jedes Spiel genau wie das Spiel vor 14 Tagen aussah.

Der einzige Grund?
HSV-Fan: Nein. Ich war auch mit im Sommer-Trainingslager. Als ich da gesehen habe, wie die da herumhampelten, da hatte ich eigentlich schon keinen Bock mehr – hatte da aber schon meine Dauerkarte. Ich wusste aber nach diesem flauen Training genau, wie der Start in die Saison verlaufen würde – und genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte, kam es dann ja auch.

Wie waren dann die ersten Spiele der Saison zu ertragen?
HSV-Fan: Das war ätzend. Früher war ich das HB-Männchen, die Leute um mich herum kannten das, die mussten mich gelegentlich wieder einfangen. Nun saß ich aber richtig anteilnahmslos auf meinem Platz und konnte mich nicht mehr so richtig erregen. Das, was da gespielt wurde vom HSV, das war doch nicht mehr mit anzusehen. Das war für mich so sinnlos, da kam ja auch kaum mal Hoffnung auf Besserung auf. Ich war einfach nur bedient.

Was gab es denn an dem Fußball auszusetzen?
HSV-Fan: Das war nur noch Beamten-Fußball vom HSV, so nichts sagender Fußball, der Ball wurde verwaltend hin und her und hin und her gespielt, quer und zurück, das ist doch kein begeisternder Fußball. Und wenn dann der HSV doch mal gewonnen hatte, dann kam bei mir keine Freude über den Sieg auf. Weil doch Spiel für Spiel immer nach dem selben Muster vor sich hingeplätschert war. Es gab ja auch kaum mal einen hohen Sieg, ein begeisterndes Spiel, Fußball mit großen Emotionen – alles war gleich.

Fehlte da vielleicht auch zwischendurch mal ein Titel?
HSV-Fan: Die Hoffnung hatte ich schon lange aufgegeben, bei dieser Art des Fußball war kein Titel zu erwarten.

Obwohl der HSV doch noch fast international gespielt hätte . . .
HSV-Fan: Das wäre purer Zufall gewesen – und nicht verdient. Ich fühlte mich von dieser Art des Fußballs vom HSV verschaukelt. Beispiel Schalke, das Rückspiel. Der HSV führte schnell 1:0, aber zur Pause hätte Schalke schon mindestens 5:1 oder gar 6:1 führen müssen. Und das Halbzeit-Interview mit Cotrainer Frank Heinemann. Der sagte so etwas wie: „Es ist unglücklich für uns gelaufen. Wenn wir den einen Konter erfolgreich abschließen, dann führen wir 2:0, wer weiß, wie dann dieses Spiel gelaufen wäre . . .’ Und das hört man, schäumt innerlich über dieses fußballerische Debakel des HSV und fragt sich vor dem Fernseher: Welches Spiel haben die denn gesehen? Die ticken doch nicht richtig. Das war doch Fußball zum Abgewöhnen vom HSV.

Das hört sich richtig schön sauer an . . .
HSV-Fan: Dabei denke ich, dass ich nicht wirklich sauer bin. Ich fühle mich nur furchtbar gelangweilt vom HSV, wenn ich solchen Fußball sehen und ertragen muss. Sauer bin ich eigentlich nur darüber, dass diese Herren, die für einen solchen Fußball verantwortlich sind, mir die Liebe und die Leidenschaft am Fußball kaputt gemacht haben.

Und was ist noch an diesem HSV zu bemängeln?
HSV-Fan: Ich kritisiere alles, was mit der Führung zusammenhängt. Vorstand, Aufsichtsrat, Spieler und Trainer – die arbeiten alle nicht Hand in Hand. Jeder macht sein Ding. Einig waren die sich in der Vergangenheit nur in einem Punkt: Nach schlechten Spielen analysierte jeder für sich, um dann zu dem gemeinsamen Schluss zu kommen: So schlecht waren und sind wir doch nicht, wir brauchen nur etwas Geduld, weil wir ja doch mitten im Umbruch stecken. Ich kann das nicht mehr hören.

Das klingt alles doch ziemlich verbittert . . .
HSV-Fan: Mag sein. Was mich an allem stört: es wird allen ja von ganz oben vorgelebt. Ich möchte mal drei Beispiele geben: Herr Jarchow konnte zu Beginn seiner Zeit als Vorsitzender ausschließen, dass er diesen Posten dauerhaft bekleiden würde – wir erinnern uns alle, wie schnell sein Vertrag auf Jahre hinaus verlängert wurde. Herr Jarchow konnte vor Saisonbeginn 2012/13 ferner ausschließen, dass man in diese Spielzeit mit dem Torwart-Duo Adler/Drobny gehen würde. Wir alle wissen, dass beide Keeper beim HSV blieben. Und Herr Jarchow sagte nach dem 2:9-Debakel von München in alle Mikrofone, dass dieses Debakel genau analysiert wird, dass dieses Niederlage Konsequenzen haben würde, dass die Spieler dafür zur Verantwortung gezogen würden. Und was ist tatsächlich passiert? Tesche, Kacar und Berg wurden nun aussortiert. Die aber waren gar nicht dabei, Kacar wurde ganz spät eingewechselt. Warum erwischte es nicht diejenigen Spieler, die das verbockt hatten? Nur kluge Sprüche, die uns Fans vertrösten und hinhalten sollen, aber es passiert dann doch nichts. Diese drei Beispiele dienen mir dazu, festzustellen, wie man sich auf elegante Art unglaubwürdig machen kann. Und dann kann man nicht erwarten, dass die von unten es besser machen – die machen das genau so wie die Herren da oben.

Was war eigentlich das schlimmste Spiel im Volkspark?
HSV-Fan: Da gibt es nicht das eine schlimme Spiel, die waren fast alle schlimm. Diese Niederlagen, die Unentschieden gegen die grauen Mäuse der Liga – Wahnsinn. Endlos langes Ballgeschiebe, da schläft man doch bei ein, langweiliger geht es doch gar nicht mehr. Ohne Ideen, ohne Esprit, ohne Leidenschaft. Um danach zu jener Erkenntnis zu kommen: ‚Wir sind noch nicht soweit, wir müssen uns noch etwas festigen . . .’ Nein, das ist der größte Murks gewesen, fußballerischer Einheitsbrei, alles zum Abgewöhnen. Nur drei Spiele im Volkspark waren ansehnlich: Dortmund, Schalke und die Niederlage gegen die Bayern. Der rest war zum Vergessen und zum Davonlaufen.

Wer so redet, der muss doch jetzt auch kein Fan des HSV mehr sein, oder?
HSV-Fan: Doch, ich bleibe HSV-Fan. Ich gehe nicht zu St. Pauli, ich gucke mir auch nicht Bayern oder Werder an, sondern nur den HSV. Man hofft ja immer. Und wenn es dann beim HSV mal wieder nicht laufen sollte, dann schalte ich auf Konferenz um – und sehe mir Fußball an.

Und wie steht es um die HSV-Mitgliedschaft?
HSV-Fan: Ausgetreten bin ich tatsächlich. Weil ich mit der Vereinspolitik nicht mehr konform gehen konnte. Das war wie Komödienstadl oder Ohnsorg-Theater. Dieser verein ist keine Einheit, schon lange, lange nicht mehr. Es gibt immer wieder Grüppchen, die mehr zu sagen haben wollen, als andere. Die auch überall mitreden und mitmischen wollen. Da werden dann die schönsten Intrigen gesponnen, es wir munter hin und her geschossen, da gibt es kein klares Profil, das ist alles nur Halbgares.

Und die Dauerkarte ist nun auf Lebenszeit weg?
HSV-Fan: Abwarten. Ich will eine Entwicklung im Verein und in der Bundesliga-Mannschaft sehen. Wobei ich betonen möchte, dass ich bestimmt kein Schönwetter-Fan bin. Ich will nur, ganz einfach, Leidenschaft und Herz sehen, nicht diesen Dienst nach Vorschrift auf dem Rasen.

Was sagt denn die Familie dazu?
HSV-Fan: Meine Frau freut sich, meine Söhne aber meckern und verstehen mich nicht. Sie sagen nämlich, dass man das als HSV-Fan trotz allem durchziehen muss. Aber das machen ja auch genügend andere.

Und setzt das große Ärgern ein, wenn der HSV in der kommenden Spielzeit groß auftrumpft?
HSV-Fan: Nein, nein, ganz sicher nicht. Ich habe mich ja nicht nur aufgrund einer schlechten Saison entschieden, das ist ja über Jahre gereift. Ärgern würde ich mich erst, dann aber richtig, wenn der HSV Deutscher Meister wird – und ich für das entscheidende Spiel keine Karte mehr bekommen habe. Aber wann wird der HSV denn mal wieder Deutscher Meister?

Gute Frage, nächste Frage.

Ich hatte keine mehr. Ich habe heute nur noch HSV-Fans gesucht, die ihre Dauerkarte erst auch nicht kaufen wollten, dann aber doch wieder zugriffen. Solche HSV-Anhänger habe ich aber nicht gefunden. Einer sagte stellvertretend: „Wir haben vielleicht alle schon mal daran gedacht, keine Karte mehr zu kaufen, aber letztlich kam das weder für mich noch für meine Freunde infrage. Wir stehen zum HSV, egal was passiert – und letztlich hoffen wir doch alle, dass es irgendwann mal wieder besser wird. Auch wenn die Zeit des Hoffens schon viel zu lange andauert. Trotzdem, wir bleiben treu.“
Das ist wohl auch eindeutig die Mehrzahl.
Ich hoffe ja auch immer treu und brav mit . . .

Aber wer weiß, vielleicht wird ja diesmal tatsächlich alles besser – und gut? Obwohl ich gestern schon wieder ein kleines Aha-Erlebnis dagegen hatte. U-20-Weltmeisterschaft, Türkei gegen Kolumbien. Bei den Türken spielte Hakan Calhanoglu mit, der neue HSV-Mann – und meine ganz, ganz große Mittelfeld-Hoffnung für eine gute Hamburger Zukunft. Und dann dieses Spiel. Von Calhanoglu, der in Halbzeit eins oft ganz vorne stand (!), war nichts zu sehen. Erst in der 47. Minute ein Freistoß aus geschätzten 30 Metern – da war Wucht hinter, wurde aber mit Mühe gehalten. Danach war dann bald Ende der Vorstellung, Calhanoglu, der für mich nur ein Tempo lief, der auch kein Spielwitz und kein Durchsetzungsvermögen offenbarte, wurde in der 68. Minute ausgewechselt – als erster Türke. Und mein Fazit fiel denkbar schlecht aus. Für mich sogar eher niederschmetternd, denn insgeheim hatte ich ja gehofft, dass Calhanoglu kommt, sieht, Tore per Freistöße schießt – und gleich der neue HSV-Star wird. Ich werde diesen frommen Wunsch zunächst einmal auf ein Jahr nach hinten verschieben.

Obwohl mein Kollege Kai Schiller, als er das von mir hörte, sagte: „Nach nur einem schlechten Spiel kann man doch nicht gleich sämtliche Hoffnungen aufgeben . . .“ Stimmt ja irgendwie, aber dieses Spiel . . . Die Türken verloren 0:1. Und den Mann, der das Siegtor für Kolumbien schoss, den würde ich nun sofort verpflichten: Juan Quintero, der in der 52. Minute getroffen hatte (mit einem Hammer!) und der beim italienischen Erstliga-Absteiger Pescara Calcio spielt oder gespielt hat – das ist unklar. Aber leider kostet der gute Mann jetzt schon sieben Millionen. Euro natürlich.

Leider drei bis vier Nummern zu groß für den HSV.

Und genau das könnte auch für einen anderen „Fall“ Gültigkeit bekommen:
Sportdirektor Dirk Dufner von Hannover 96 ist zuversichtlich, das Tauziehen mit dem Ligakonkurrenten HSV um Verteidiger Johan Djourou zu gewinnen. „Wir sind in den Gesprächen mit Arsenal weitergekommen und würden für ihn an unsere finanziellen Grenzen gehen. Jetzt muss der Spieler sagen, was er will“, sagte Dufner: „Er weiß, was er an Hannover 96 hat.“ Djourou steht seit 2004 beim FC Arsenal unter Vertrag und war zuletzt nach Hannover ausgeliehen. Bei 96 kam der 40-malige Schweizer Nationalspieler in der vergangenen Rückserie in 13 Spielen zum Einsatz. Auch der HSV hatte in den vergangenen Tagen sein Interesse an dem Abwehrspieler bekundet.
Die Frage ist nur, ob er auch an seine finanziellen Grenzen gehen wird?

PS: In Sachen HSV-Neuverpflichtungen gab es heute nichts zu vermelden. Sollte sich das noch ändern, so werde ich es noch ergänzend hinzufügen.

17.21 Uhr

Update 18:09 Uhr:
Jetzt hat sich doch noch etwas getan. Der HSV hat sich mit Johan Djourou darauf geeinigt, dass er nach Hamburg wechselt. Jetzt muss noch eine Einigung mit Arsenal London erzielt werden, der HSV möchte den Abwehrmann gerne ausleihen. Sportchef Oliver Kreuzer: “Wir sind mit Arsenal auf einem guten Weg.” Sollten sich die Parteien einigen, käme Djourou am Montag zur sporttauglichen Untersuchung an die Elbe.

“Calli” Calmund und seine Liebe zum HSV

25. Juni 2013

Auf der Suche nach dem geeigneten Fernsehprogramm war ich noch nicht so recht weit gekommen, als gegen 20.25 Uhr das Handy klingelte. Den Anrufer verstand ich nicht sofort, das muss ich zugeben, bis mir dann einfiel: Calli. Das muss Reiner „Calli“ Calmund sein. Eine Art Reklamation. Hatte ich doch am Tag zuvor den Bericht mit der Überschrift: “Was ‘Calli’ Calmund vom neuen HSV hält” eröffnet. Als ich mein Handy nun ans Ohr hielt, lief in Sekundenschnelle dieser Artikel in meinen Gedanken rauf und runter – nein, angriffen oder attackiert hatte ich den guten „Calli“ gewiss nicht. Einfach nur bereichtet, dass der frühere Manager von Bayer Leverkusen dem HSV immerhin doch satte zwölf Punkte in der Bundesliga-Hinrunde zugetraut hat. Bei seinem Tipp in der Bild am Sonntag. „Calli“, so sagte ich, „ich habe dich ja nicht angegriffen, sondern lediglich berichtet, dass . . .“ Calmunds Antwort: „Alles okay, Matze, alles okay. Ich wollte aber eines klarstellen: ich habe nichts gegen den HSV. Im Gegenteil, ich liebe Hamburg, ich liebe dieses Stadion, es ist nicht nur eines der schönsten in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Und ich habe keine Ressentiments gegenüber dem HSV, das würde ich gerne noch anfügen wollen.“ Natürlich, sehr gerne.

Es ist natürlich auch fast schon eine Doktor-Arbeit, die soeben „gezogenen“ 153 Bundesliga-Spiele innerhalb von Minuten zu tippen – am Telefon. Da denkt man dann beim sechsten oder siebten Spieltag nicht mehr daran, was man beim HSV zum Auftakt getippt hat. Und so kamen die zwölf „Calli“-Punkte, die sich aus zwei Siegen und sechs Unentschieden ergaben, zustande. Reiner Calmund wirkte irgendwie ein wenig geknickt: „Was soll denn der Thorsten Fink, zu dem ich schon seit vielen Jahren ein Super-Verhältnis habe, von mir denken? Der könnte ja glatt glauben, dass ich ihm was Böses will – und genau das Gegenteil ist der Fall. Ich tippe zwar, dass der HSV am Ende der Spielzeit 2013/14 nicht unter die ersten fünf Vereine kommen wird – aber der HSV wird Platz sechs belegen, demnach also mal wieder international starten. Und das gönne ich gönne Thorsten Fink, dem HSV und den Hamburgern.“

Und auch dem neuen Sportchef. Reiner Calmund: „Ich schätze auch den Oliver Kreuzer sehr – der Jung muss ja bei meinem Tipp vom Glauben abgefallen sein . . .“ Wie wohl auch Rene Adler. Den „Calli“ Calmund ja auch schon seit dessen Zeit in Leverkusen kennt: „Ein hervorragender Torwart und ein wirklich feiner Mensch. Ich möchte nicht, dass der sauer auf mich ist.“

So, das hätten wir dann wohl geklärt. Alles wird gut. Und das freundschaftliche Verhältnis Calmund/HSV hat bestimmt keinen Schaden erlitten. Immerhin aber beachtlich, dass auch der gute „Calli“ „Matz ab“ liest . . .

Zum aktuellen HSV. Heute keine Verpflichtung. Bis jetzt wenigstens noch nicht. Es bahnt sich für die Abendstunden aber auch nicht unbedingt etwas an. Immerhin gibt es in Sachen Joan Djourou ein (kleines?) positives Zeichen, dass er sich wohl in den nächsten Tagen gerne in Richtung Hamburg bewegen würde. Sollte Arsenal dazu noch (finanziell) mitspielen, dann der Abwehrspieler schon am Freitag in einer Woche mit ins Trainingslager reisen. Und dann müsste der HSV dann doch noch ein wenig an die Verkäufe denken, denn es gibt ja noch die „anderen“ Innenverteidiger wie Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic und Paul Scharner – Heiko Westermann erwähne ich in diesem Fall natürlich nicht, er ist bei mir (und hoffentlich auch bei Thorsten Fink) gesetzt. Und sollte dann noch Lasse Sobiech kommen, bei dem es ebenfalls ganz positiv aussieht, dann müsste in der Tat noch aussortiert werden. Es gibt viel zu tun – Herr Kreuzer, packen Sie es (weiterhin mutig und offensiv) an!

Apropos offensiv. Auch wenn ihm hier viele (Fans und Experten) mit Skepsis begegnen – ich freue mich über die Verpflichtung von Jacques Zoua. Weil jeder Stürmer hilft. Und genau deswegen würde ich mich auch sehr über den Zugang Roque Santa Cruz freuen. Immer her mit neuen Stürmern, denn daran hat es in der Vergangenheit ja auch gehapert. Zumal es keinen „richtigen“ Unterbau gibt. Aus der Regionalliga-Mannschaft des HSV ist keine Alternative zu nennen, und nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Marcus Berg und der kurzzeitige Sperren von Maximilian Beister gab es da schon eine gewisse Angriffs-Not zu konstatieren.

Ich habe mir mal kurz die Mühe gemacht, auf die HSV-Auswechslungen des HSV in der vergangenen Saison zu blicken. In den 34 Spielen gab es in der Fink-Truppe genau 99 Aus- und Einwechslungen (31 Spiele mit drei, drei Spiele mit nur zwei Wechseln). In der Hinrunde wurden 15 Stürmer eingewechselt, in der Rückrunde einer weniger. Und wie oft hat nach seiner Einwechslung noch ein HSV-Stürmer ins gegnerische Tor getroffen? Weiß es jemand spontan?

Mein Kollege Kai Schiller wusste die Zahl: einmal. Aber er brachte den Torschützen nicht mehr auf die Reihe. Das war Artjoms Rudnevs. Und zwar erst im vorletzten Saison-Spiel, das gegen Hoffenheim (in Sinsheim), als der Lette zum 4:1-Endstand traf. Keine ganz so erfreuliche Bilanz, wie ich finde, von der Bank kam Richtung Offensive kaum einmal die erforderliche Hilfe. Der HSV könnte deshalb auch auf der Suche nach einem geeigneten Einwechsel-Stürmer sein. „Maxi“ Beister war unter den HSV-Angreifern übrigens mit 15 Einwechslungen der „König“. Auf neun Einwechslungen brachte es Marcus Berg, einmal weniger kam Rudnevs von der Bank – Heung Min Son war in dieser Statistik zweimal dabei.

Deswegen, um es noch einmal zu schreiben, deswegen hilft jeder Stürmer. Und wenn hier (von einigen) schon Zugang Jacques Zoua sehr skeptisch beurteilt wird, weil er ja für Basel in 24 Einsätzen nur ein Tor erzielt hat, so kann ich nur sagen: abwarten. Der junge Mann ist 21, und in einer neuen Umgebung blüht er vielleicht ganz anders auf. Zumal ihn Thorsten Fink ja wollte, er vom Trainer also einiges an Vertrauen genießen wird. Ich frage mich allerdings, sollte Santa Cruz noch kommen, ob darunter nicht „Maxi“ Beister leiden würde. Von ihm erwarten sich ja Experten und Fans gleichermaßen einen Durchbruch in der kommenden Spielzeit. Wenn er denn die Gelegenheit bekommt, tatsächlich zu spielen. Ich bin gespannt. Sehr sogar.

17.23 Uhr

Was “Calli” Calmund vom neuen HSV hält . . .

23. Juni 2013

Das kann ja heiter werden . . . Der dicke „Calli“, früher Manager von Bayer Leverkusen und auf den Namen Reiner Calmund hörend, hat in der Bild am Sonntag schon mal die Bundesliga 2013/14 durchgetippt. Und siehe da, bei „Calli“ steht der HSV ganz hoch im Kurs. Immerhin zwölf satte Punkte traut er den Hanseaten in der Hinrunde dann doch zu, davon sind zwei Spiele gewonnen und sechs Mal gibt es eine Punkteteilung. Das sieht dann wie folgt aus: Gegen Hoffenheim gibt es ein 1:1, gegen Werder 1:1, gegen Nürnberg 1:1, gegen Stuttgart 0:0, gegen Mönchengladbach 1:1 und gegen Mainz schießt der HSV dann sogar mal zwei Tore, Endstand 2:2. Die HSV-Siege fallen dazu auch ein wenig dürftig aus: 1:0 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den FC Augsburg. Mein Trost: Es muss ja nicht so kommen . . . Und wenn doch, dann gibt es wenigstens mal eine recht turbulente Mitgliederversammlung im Januar. Das hätte ja auch etwas.

Ansonsten: Bei Hertha BSC trainieren sie schon wieder, die Eintracht ist in Braunschweig schon wieder auf dem Rasen zugange, die Bayern werden am Mittwoch beginnen – und der HSV am Montag (am 1. Juli), also morgen in einer Woche. Gut Ding will Weile haben – fällt mir dazu ein. Aber bis zum Trainingsauftakt wird die Zeit sicherlich noch genutzt, um ein, zwei oder auch drei Neuzugänge unter Vertrag zu nehmen. An diesem Wochenende ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Was nicht heißen soll, dass sich beim HSV auf die faule Haut gelegt worden ist – von Freitag bis Sonntag. Das ist ganz gewiss nicht der Fall, aber es braucht eben alles seine Zeit. Und auch in Sachen „Struktur-Veränderungen“ kann ich versichern, dass da nichts eingeschlafen ist – im Gegenteil. Ernst-Otto Rieckhoff gibt richtig Gas und führt beinahe täglich Gespräche, um diese ganz entscheidende Sache professionell vorzubereiten und auf die Beine zu stellen. Er, Rieckhoff, bleibt am Ball, und ich werde auf Ballhöhe bleiben. Und bin davon weiterhin restlos überzeugt, dass alles gut wird.

So, und dann möchte ich hier heute ganz gerne mal über Fußball schreiben, weil mir zuletzt zu viele Dinge hier hinein gerutscht sind, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Mir geht, nachdem ich nun Spiele der U-20-Weltmeisterschaft gesehen habe und heute auch das A-Jugend-Finale zwischen Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg (1:3 n. Verl.) eine Passage des Golz-Interviews der Vorwoche nicht aus dem Sinn. Da wird Richard Golz auf den HSV-Nachwuchs angesprochen und er sagt: „Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.“ Mein Kollege Alexander Laux und ich entgegneten: „Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt . . .“ Golz antwortete: „Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.“

Dazu möchte ich zweierlei Dinge anmerken. Erstens ist es sicherlich richtig, dass auf diesem Gebiet noch „viel rauszuholen“ ist, dass dieses Thema aber von den meisten Trainern heute immer noch unterschätzt wird. Und weil das so ist, ist es zweitens so, dass die Vereine zwar gelegentlich einen Psychologen einstellen, aber die jeweiligen Trainer verzichten so gut wie immer auf eine erfüllende Zusammenarbeit. Weil sie sich, das habe ich so oft gehört, „nicht von einem Außenstehenden in die Mannschaft reinreden“ lassen wollen, und weil sie glauben, dass sie selbst Psychologe genug sind, um solche Fälle auf eigene Faust (und eigenem Muster) lösen zu können. Und irgendwie war es früher, als diese Trainer noch als Spieler „unterwegs“ waren, ja auch so, dass die „psychologische Arbeit“ von jedem Trainer „mitgemacht“ wurde.

Wobei ich festgestellt habe, dass die Trainer früher – egal in welcher Spielklasse auch immer – viel mehr mit „ihren Jungs“ gesprochen haben, dass sie sich viel mehr um die Sorgen, Nöte, Form und die Einstellung ihre Spieler gekümmert haben. Mein Eindruck ist der, dass damals (oder vor einiger Zeit) die Trainer viel häufiger auch „Hobby-Psychologen“ waren. Heute ist ein jeder, ob nun Spieler oder Trainer, in erster Linie erst einmal ein Profi, und dieser hat erstens ganz professionell zu tun (und zu lassen), was vom Verein (Trainer) vorgegeben wird. Und zweitens steht man als Profi ohnehin über den Dingen und weiß genau, wie der Hase zu laufen hat. Da gehört es längst nicht mehr zum Alltag, dass eigene Schwächen gebeichtet werden, dass über Schwächen oder Sorgen gesprochen wird. Schon gar nicht mit dem Vorgesetzten.

Dabei gab es auch beim HSV schon Profis, die psychologische Hilfe, die vom Verein angeboten wurde, in Anspruch genommen haben. Die Trainer wussten davon und billigten es (wenn auch die meisten höchst ungern), und dazu geschahen solche Gespräche immer auch absolut anonym. Dass es den Spielern etwas gebracht hätte, das wüsste ich allerdings nicht. Und deswegen denke ich auch, dass da noch sehr viel an der Einsicht vor allen Dingen der Trainer getan werden muss, dass da noch viele Barrieren (und auch Berührungsängste) abgebaut werden müssen, um eine wirklich professionelle psychologische Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die dann kein Alibi (mehr) ist, sondern auch tatsächlich eine Hilfe für den Spieler, die Mannschaft und somit auch für den Verein. Ich denke aber genau wie Richard Golz, dass auf diesem vom Profi-Fußball (in Hamburg?) bislang recht stiefmütterlich behandelten Gebiet noch viel mehr rauszuholen wäre. Man muss es nur wollen. Und wohl in erster Linie auch erkennen, dass da noch viele möglich ist.

So, und dann habe ich mir mal Gedanken um die Spieler gemacht, die jetzt (und demnächst) von Oliver Kreuzer verpflichtet werden – und somit als Soforthilfe für den HSV einzustufen sind. Wie jedes Jahr dominiert bei jedem (HSV-)Einkauf die Hoffnung. Und wie oft wurden wir alle enttäuscht, maßlos enttäuscht mitunter. Und ich habe mir mal eine Liste gebastelt, die ihr dann ja mal mit euren HSV-Enttäuschungen vergleichen könntet. Wo liegen wir auf einer Linie, wo setzt ihr andere Prioritäten – wen habt ihr noch zusätzlich auf dem Zettel. Wobei ich in drei Kategorien unterscheiden möchte:

Total-Flops, Enttäuschungen und Missverständnisse.

Letztere „Abteilung“ möchte ich gleich zu Beginn anführen, denn da habe ich im Grunde nur drei Namen anzubieten:

Marek Saganowski (kam 1996 von Feyenoord Rotterdam), brachte es nur auf drei Bundesliga-Spiele für den HSV und verschwand nach Polen. Später wurde er nicht nur Nationalspieler seines Landes, sondern auch Kapitän der Nationalmannschaft. Zweiter Name in dieser Kategorie ist Reto Ziegler, 2005 von Tottenham Hotspur gekommen, schaffte acht Bundesliga-Einsätze, ging zu Wigan Athletic und später zu Sampdoria Genua, Juventus Turin und spielt jetzt für Fenerbahce Istanbul. Für die Schweiz bring er es bislang auf 32 Länderspiele. Und noch ein Name fällt mir dazu ein: Vadis Odjidja-Ofoe, vom RSC Anderlecht gekommen, zwei Bundesliga-Einsätze – und weg. Der Mittelfeldspieler wurde in Belgien noch Nationalspieler und spielt heute beim FC Brügge.

Dann komme ich zu meinen Total-Flops. Der größte Flop steht an erster Stelle, der zweite auf zwei – usw. Meine Top-Ten:

1.) Ailton. Der „Kugelblitz“ kam 2006 von Besiktas Istanbul und führte sich auf wie eine Diva. Dabei war er nur (trainigs-)faul, dick und unantastbar, er war nur im Kassieren eine Eins. Deswegen eine glatte Sechs für den Klops, der dem HSV Millionen gekostet hat – auch wegen des Fehlschusses gegen Werder Bremen.

2.) Martin Dahlin. Der Schwede kam 1998 von den Blackburn Rovers und alle in Hamburg hatten sofort den Verdacht: „Das ist nur der untalentierte Zwillingsbruder des ehemaligen Mönchengladbachers Martin Dahlin.“ Er lief und trabte nur wie ein Freizeit-Fußballer über den Platz.

3.) Mladen Pralija. Ersetzte 1987 den geschassten Uli Stein – er sollte ihn ersetzen. Erwies sich als absolut untauglich für die Bundesliga, und die erste Amtshandlung des neuen HSV-Trainers Willi Reimann war die: Pralija wurde vor die Tür gesetzt. Und womit? Mit recht.

4.) Juan Pablo Sorin. Der Weltmeister aus Argentinien. Welch ein klangvoller Name, und welch eine jämmerliche Attrappe steckte dahinter! Kam als Dauerverletzter und blieb eigentlich immer ein Dauerverletzter. Ganz erbärmlich, dieser Transfer – gewiss keine Ruhmestat des HSV.

5.) Albert Streit. Der Rumäne kam 2009 auf Leihbasis vom FC Schalke 04 und brachte es für den HSV auf zehn Bundesliga und zwei Regionalliga-Einsätze. Der gute Mann hätte als Fußballer eigentlich alles gehabt – nur der Kopf machte nicht mit. Kam als Außenseiter und blieb ein absoluter Außenseiter, der gar nicht wollte.

6.) Niclas Kindvall. Der Schwede wurde 1994 per Video verpflichtet. Auf diesem Videoband waren alle Liga-Tore von Kinvall zu sehen und zu bewundern – und das taten die Herren des HSV dann auch: gekauft der Mann. Eher das „Männlein“. Brachte hier kein Bein auf den Boden und blieb ein bemitleidenswerter Mitläufer.

7.) Mark McGhee. Wurde 1984 von Günter Netzer verpflichtet, und als der HSV-Manager zum Flughafen fuhr (um McGhee in Empfang zu nehmen), soll er sich gewundert haben. Ein Gerücht besagte danach, dass Netzer eigentlich einen ganz anderen Schotten verpflichten wollte – und genau das wäre auch besser gewesen. McGhee tänzelte durch die Strafräume der Bundesliga, sorgte eher für Lacher denn für Schrecken beim Gegner.

8.) Vanja Grubac. Wurde 1998 von Frank Pagelsdorf als Torjäger zum HSV geholt – und entpuppte sich als Niete. Elf Spiele, zwei Tore in fast drei Jahren – das ist dann doch eher keine Bilanz.

9.) Alexander Curtianu. Wurde 1998 aus St. Petersburg geholt, nachdem er der deutschen Nationalmannschaft in Moldawien kurz zuvor Knoten in die Beine gespielt hatte. Nach diesem begeisternden Auftritt in Chisinau hätte, das muss ich zugeben, Curtiano auch verpflichtet, aber es muss das Spiel seines Lebens gewesen sein – nie wieder erreichte er auch nur annähernd eine solche Form.

10.) Martin Zafirov. Ein Bundesliga-Einsatz. Eingewechselt am 6. August 1997 beim Spiel in Wolfsburg, der Bulgare kam nach der Halbzeit für Markus Schopp und flog in der 87. Minute, nachdem er bis dahin nichts, aber auch wirklich nichts gezeigt hatte, mit Rot vom Platz. Kurios: Zafirov wurde von Trainer Pagelsdorf geholt, obwohl genau dieser Zafirov ein Jahr zuvor noch bei einem Probetraining der Zweiten Mannschaft des HSV (Trainer Gerd-Volker Schock) durchgefallen war! Es eben alles Ansichtssache. Nach dem Auftritt in Wolfsburg war für Zafirov Abpfiff, er spielte nie wieder für den HSV.

So, dass waren meine Voll-Flops, allerbeste Chancen auf Platz elf in dieser Liste hätten folgende Herren:

Andreas Mate (kam 1964), Elmar May (1966), Volker Danner (1973), Buca (1979), Wolfram Wuttke, Dieter Schatzschneider (beide 1983), Sergio Zarate (1994), Christian Claaßen (1995), Jakob Friis-Hansen (1996), Jens Dowe (1996), Pawel Wojtala (1996), Sascha Ilic (1997), Michael Molata (1997), Joe Simunic (1997), Rasoul Khatibi (1999), Jörg Albertz (kam 2001 aus Glasgow zurück), Kim Christensen (2001), Rene Schneider (2001), Michael Bauer (2002), Vyacheslav Hleb (2003), Almali da Silva Moreira, Jean Carlos Donde, Charles Takyi (alle 2004). Daniel Ziebig (2005), Danijel Ljuboja, Boubacar Sanogo (beide 2006), Khalid Sinouh, Alex Silva, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Macauley Chrisantus (alle 2008), Marcus Berg (2009), Lennard Sowah (2010) sowie Paul Scharner, der 2012 kam, verletzt war, vom Platz flog – und sich ausleihen ließ. Nun kommt er wohl wieder – jeder hat eine zweite Chance verdient.

Wie gesagt, das sind meine „Favoriten“, sicher habe ich den einen oder anderen „Kandidaten“ vergessen – und ihr werdet vielleicht (oder ganz sicher) andere haben. Vielleicht teilt ihr sie dann ja mal mit.

PS: Könnte gut sein, das Jacques Zoua vom FC Basel morgen nach Hamburg reisen wird. Was sich daraus entwickelt? Mal abwarten.

17.59 Uhr

Jetzt wird gebastelt und spekuliert

12. Juni 2013

Nun geht es wieder los. Namen, Namen, Namen. Mit denen der HSV in Verbindung steht, zu denen der HSV Verbindung aufnehmen möchte, die angeblich preiswert zu bekommen wären. Viel heiße Luft ist dabei – aber es ist Sommer, das passt. Und beim HSV ist es nach wie vor so, dass erst einmal verkauft werden muss, bevor eingekauft wird. Und in Sachen Heung Min Son zu Bayer Leverkusen ist auch heute, am Mittwoch, wieder nichts passiert. Es entwickelt sich, so wie es sich schon seit Monaten und täglich entwickelt. Und ich werde mir mal in den kommenden Wochen alle Namen, die hier durchs Dorf getrieben werden, notieren, um sie am Ende dieser aktuellen Transferperiode mal auf einen Schlag zu produzieren. Motto: Das wäre Ihr Preis gewesen. Beziehungsweise: Das wäre Ihre Mannschaft gewesen. Aber es ist ja wie jedes Jahr um diese Zeit: Es wird gebastelt und spekuliert. Und das kann ja auch Spaß machen.

Der erste Name, der gleich nach Saisonschluss in Hamburg fiel, war Bojan Krkic. Marktwert laut Transfermarkt: 13 Millionen Euro. Der Name hielt sich an der Elbe, bis HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow ein Machtwort sprach: „Krkic wird vom HSV nicht verpflichtet.“ Wie denn auch? Utopisch. An eine solche Gehaltsklasse können sich die Rothosen wohl erst wieder wagen, wenn der Verein mit neuen Strukturen ausstaffiert worden ist – und auch dann erst, wenn es mit Kontinuität zurück in die nationale Spitze geschafft worden ist. Bayerns Routinier Claudio Pizarro wurde ebenfalls in Hamburg gespielt, bis der Vertrag in München verlängert worden ist. Eren Derdiyok (ehemals Leverkusen) wurde gehandelt, aber da rief mich schon vor Tagen ein Kollege aus dem Westen an und beschwor mich: „Bitte, bitte nicht! Sage dem HSV unbedingt, dass er nicht zugreifen darf und soll, bitte. Ihr werdet sonst euer blaues Wunder mit ihm erleben . . .“ Dann hat der Kollege noch etwas mehr angefügt, aber das verschweige ich besser. Es ging darum, warum nicht Derdiyok . . . In Hoffenheim hat er ja auch nicht annähernd das gebracht, was sich die TSG vom Schweizer erhofft hatte.

Und seit heute kreisen nun die Spieler Douglas, Kaminski, Klose und Santa Cruz über dem Volkspark. Wobei ich mich schon freuen würde, wenn Santa Cruz käme. Aber bis dahin dürfte noch ein weiter Weg zu gehen sein. Marktwert drei Millionen. Das wäre wohl noch okay. Handgeld ja, keine Ablöse. Aber das Gehalt? Da fängt es schon an. Ich hatte sofort auch gedacht, der gute Mann war ja immer mal wieder (sehr) verletzungsanfällig, aber für Malaga hat er in der vergangenen Saison 46 Spiele bestritten, darunter zehn Einsätze in der Champions League. Das ist doch was. Ich habe immer sehr viel von Santa Cruz gehalten, und ich erinnere mit noch an die WM 2002 in Japan/Südkorea, bei der Deutschland auf Paraguay traf – und Santa Cruz, der sich eigentlich in sehr guter bis überragender Form befand, war zum Glück für die DFB-Auswahl leicht verletzt und somit nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Sonst hätte Deutschland damals im Achtelfinalspiel wohl nicht (ein wenig glücklich) mit 1:0 gewonnen. Roque Santa Cruz ist zwar bereits 31 Jahre alt, aber trotz allem glaube ich, dass er dem HSV durchaus noch zwei, drei Jahre helfen könnte. Könnte, das möchte ich betonen. Denn gerade heute habe ich gelesen, dass Manchester City seine Spieler am besten von allen Vereinen auf der Welt bezahlen soll. Und Santa Cruz gehörte bis zuletzt Manchester City. Und das kennen wir ja: Wer einmal so gut verdient hat, der kann – und will – sich nur höchst ungern an weniger gewöhnen. Das leben oder machen uns einige HSV-Spieler ja schon seit Jahren vor . . .

Hoch erfreut habe ich in Richtung Santa Cruz gelesen, was HSV-Sportchef Oliver Kreuzer (der Bild) gesagt hat: „Roque passt voll in unser Anforderungsprofil.“ Hoffentlich, denke ich so bei mir, hoffentlich gilt das nicht nur auf die sportliche Seite der Medaille bezogen. Hoffentlich.
Hoffentlich ist das auch finanziell gedacht. Sonst wäre das wohl auch echt fatal . . .

So, ansonsten aktuell nicht viel Neues. Claus Reitmaier ist neuer Torwarttrainer des Zweitliga-Clubs SC Paderborn, und HSV-Zugang Hakan Calhanoglu ist in der Dritten Liga zum Spieler des Jahres gewählt worden. Der Deutsche Fußball-Bund über den so geehrten Spieler:

Das Ausnahmetalent des Karlsruher SC steht in der Gunst der Fans von DFB.de und FUSSBALL.de klar vor Hansa Rostocks Ondrej Smetana sowie den Karlsruher Mannschaftskollegen Koen van der Biezen, Dirk Orlishausen und Rouwen Hennings. Calhanoglu tritt als Spieler des Jahres die Nachfolge von Arminia Bielefelds Fabian Klos an, der in der Vorsaison triumphiert hatte.
Calhanoglu, im Februar 19 Jahre alt geworden, hat schwindelerregende Monate hinter sich. Seine Saison lief wie im Zeitraffer: Abschluss eines Vier-Jahres-Vertrages beim Hamburger SV mit sofortiger Ausleihe zum KSC. 4:2-Überraschungscoup in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den neuen Klub. Siegesserie in der Liga nach Stolperstart. Schon mal nicht schlecht. Und weiter: Zweimal Spieler des Monats bei DFB.de und FUSSBALL.de, zum Auftakt der Saison und zum Abschluss. Aufstieg und Meisterschaft. 19 Tore und 17 Vorlagen, damit Topscorer seiner Mannschaft und die Nummer vier der Torjägerliste in der Dritten Liga – als Mittelfeldspieler.
„Toller Spieler, tolle Einstellung”, sagt Oliver Kreuzer, bis vor kurzem KSC-Manager und jetzt Sportchef des HSV, über Calhanoglu. Bei der Aufstiegsfeier verabschiedete sich Calhanoglu frühzeitig ins Bett, weil er tags darauf in Karlsruhes U 19 spielte. Auf eigenen Wunsch. Er half so mit, den Abstieg aus der A-Junioren-Bundesliga zu verhindern.

Ich sage es ja schon seit Wochen, sogar seit Monaten: Von Hakan Calhanoglu erhoffe ich mir in der nächsten Spielzeit eine ganze Menge – ohne ihn damit jetzt schon gewaltig unter Druck setzen zu wollen. Irgendwie aber habe ich die Hoffnung, dass er es gleich allen zeigen wird – weil er doch in der Tat ein Ausnahmetalent ist. Und dabei, das sollten wir dann nie vergessen, sollte sich jeder in Hamburg daran erinnern, dass dem HSV dieser Spieler von Frank Arnesen ins Haus gebracht wurde. Ich glaube in der Tat daran, dass sich der Däne damit ein „kleines Denkmal“ gesetzt hat. Und ich hoffe es auch für ihn.

So, dann möchte ich heute den sportlichen Rückblick auf die Saison 2012/13 abschließen – mit den HSV-Angreifern, die in dieser Spielzeit insgesamt 27 Tore von den 42 HSV-Treffern erzielt haben.

Heung Min Son
hat zwölf Tore erzielt und damit auch optisch einen großen Sprung nach vorn gemacht. Der Südkoreaner hat sich in den vergangenen zehn Monaten richtig, richtig gut entwickelt. So gut, wie ich es nicht, das gebe ich gerne zu, erwartet hatte. Für mich war Son lange Zeit ein ein wenig überschätzter Spieler. Das ist er aber nicht, das nehme ich im vollen Umfang zurück. „Sonny“ hat sich super entwickelt, hat körperlich zugelegt, er ist selbstbewusster geworden, mutiger und härter. Letzteres allerdings ist noch verbesserungsfähig. Und auch in Sachen Konstanz muss er noch deutlich zulegen, noch unterliegt er zu sehr größeren Schwankungen in seinen Leistungen. Dennoch denke ich, dass Son seinen Weg gehen wird – wenn er nun auf den richtige Trainer trifft. Und wenn nicht, dann wird wohl auch – wie immer – sein Vater, der stets überall mit dabei ist, schon darauf achten. Heung Min Son ist zudem ja ein enorm fleißiger Spieler, der auch immer, fast täglich, dann gearbeitet hat, wenn der HSV seinen Jungs frei gegeben hatte. Das ist vorbildlich. Und es sollte jedem jungen Mann, der glaubt, dass weniger mehr ist, zu denken geben. Von nichts kommt nichts, Son weiß das. Und sein Vater erst recht. Note zwei.

Artjoms Rudnevs
startete als Problemkind in die Saison. Im Training konnte er nicht überzeugen, und gespielt hat er am Anfang auch nicht – weil Berg den Vorzug erhalten hatte. Dann aber sorgten viele Sonderschichten (vorzugsweise mit Nikola Vidovic) dafür, dass Rudnevs besser wurde und dass sich sein Selbstbewusstsein vermehrte. „Rudi“ wurde – auch dank seiner zwölf Tore (!) – ein Publikumsliebling in Hamburg. Wer hätte das gedacht? Ich weiß, ich weiß, da will ich keine Wunden wieder aufreißen, ich hatte es nicht für möglich gehalten – aber die meisten User (von Matz ab) schon. Recht hattet ihr. Note drei.

Maximilian Beister
kam zu Saisonbeginn von Erstliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf zurück, aber so richtig Fuß gefasst hat er dann beim HSV eigentlich nicht. Verletzungen und zuletzt ein Platzverweis wirkten sich total störend aus, zudem hatte „Maxi“ das Pech, dass Rudnevs und Son plötzlich trafen, trafen und trafen. Kein Trainer der Welt hätte dieses erfolgreiche Pärchen auseinander genommen, um Beister zu bringen – Thorsten Fink tat es logischerweise auch nicht. Was dem „Ersatzmann“, dem vom Trainer stets eine „sehr gute Form“ attestiert wurde, zunehmend auf den Geist ging. Auch logisch. Du wirst immer wieder von höchster Stufe gelobt, aber du spielst nicht. Das geht irgendwann dem stärksten Mann auf den Geist. Beister auch. Er trainierte teilweise lässig und nachlässig, er ließ sich treiben. Da hätte eine härtere und damit korrigierende Hand eingreifen müssen, aber die gab es nicht. Weder Trainer noch Sportchef noch Cotrainer griffen ein. Auch deswegen sah Beister „Rot“ gegen Augsburg. Er wird hoffentlich daraus gelernt haben – und ich hoffe zu gleichen Teilen, dass auch die Verantwortlichen daraus gelernt haben. Jeder Klartext, der mit „Maxi“ Beister gesprochen worden wäre, hätte Früchte getragen, davon bin ich überzeugt. Und deswegen hoffe ich für das „freche“ Talent, dass ihm nicht allzu viele Konkurrenz-Stürmer vor die Nase gesetzt werden, damit er sich jetzt endlich einmal voll entfalten kann. Bis jetzt war das nur Note vier.

Marcus Berg
fand in dieser Saison praktisch nie statt. Elf Einsätze. Und in denen knüpfte er nahtlos daran an, was er vorher schon immer gezeigt hatte. Nichts. Viele Trainer hatten Geduld mit dem Schweden, auch Thorsten Fink, aber es kam nie etwas zurück. Verletzungen und Krankheiten taten ein Übriges, Berg kann wieder einmal auf ein Jahr zurückblicken, das ihn nur zurückgeworfen hat. Es kann nur besser werden für ihn, denn schlechter geht es im Profi-Fußball nicht mehr. Note sechs.

Schade, das muss ich an dieser Stelle noch einmal sagen (dürfen), schade, dass aus dem HSV-Nachwuchs kein Mann nachrückt, der Druck auf die arrivierten Angreifer machen kann. In der Regionalliga-Mannschaft werden sechs Spieler als Stürmer geführt: Valmir Nafiu, George Kelbel, Manuel Farrona Pulido, Josef Shirdel, Felix Brügmann und Mattia Maggio. Ich kann mir ein kleines Urteil erlauben, weil ich einige Viertliga-Spiele des HSV gesehen habe. Diese Stürmer sind alle talentiert, gewiss, aber sie können keinem Profi-Stürmer des HSV Angst und Schrecken einjagen. Da fehlt noch sehr viel, zu viel. Schade, schade. Körperlich gibt es noch so viel Nachholbedarf, und auch in Sachen Durchsetzungsvermögen. Zudem fehlt auch handwerklich einiges. Wobei ich nicht ausschließen kann und will, dass einem von ihnen doch noch einmal der Durchbruch in den Profi-Fußball gelingt. Es muss ja nicht unbedingt die Erste Bundesliga sein. Obwohl die ganz sicher auch immer an erster Stelle stehen sollte, so lange es noch Hoffnung gibt.

17.59 Uhr

Kreuzer da – und Victorias Stilz kommt

11. Juni 2013

Das war Tag eins von Oliver Kreuzer beim HSV. Er hat sich auf der Geschäftsstelle bekannt gemacht, bezog sein Büro, er sprach mit dem Vorstands-Vorsitzenden Carl-Edgar Jarchow, er versuchte per Telefon ein paar Spieler und einige Spielerberater zu erreichen – und Oliver Kreuzer sprach mit uns. Und verriet uns fast nebenbei einen „Hamburger Hammer“. Roger Stilz, 36-jähriger Mittelfeldspieler und zugleich Cotrainer des Regionalliga-Clubs SC Victoria, wird Nachfolger des bisherigen HSV-Cotrainers Frank Heinemann. Eine Sensation. Und spontan würde ich sagen, dass das nach vielen Jahrzehnten mal wieder ein Hamburger „Amateur“ in die Profi-Abteilung geschafft hat, ist eine absolute Rarität. Eine Blaue Mauritius – um es mal so zu nennen. Der letzte, der das geschafft hat, ist meines Wissens Dieter Roth. Der war in den 70er-Jahren „Manager“ des Wandsbeker FC und wurde vom damaligen HSV-General Dr. Peter Krohn als Präsidiumsassistent zum HSV geholt. Roth wurde quasi Krohns rechte Hand – und das war im Hamburger Fußball eine mittlere Sensation. So ähnlich ist jetzt auch die „Sache“ mit Stilz, der aus der Schweiz kommt und dort früher in der Zweiten Liga gespielt hat, einzuschätzen. Aber, um auch das noch mal los zu werden: Dass es ein Hamburger Amateur endlich einmal wieder zu den HSV-Profis geschafft hat, finde ich okay.

Wobei es natürlich etliche Spieler durchaus mal geschafft haben, zum HSV zu kommen. Aus der Erinnerung heraus – und ganz spontan – fallen mir Lothar Dittmer (Süderelbe), Christian Hofmeister (Lurup), Walter Laubinger (Bramfeld), Oliver Möller (Lurup), Detlef Spincke (Lurup), Klaus Fock (TuS Finkenwerder), Dieter Wöbcke (Holstein Quickborn?), Benjamin Kruse (1. SC Norderstedt), Bernd Bressem (Komet), Jens Duve (Hummelsbüttel), Matthias Reincke (Bergedorf 85?), und Elard Ostermann (auch vom SV Lurup) ein. Es gibt sicherlich noch mehr, aber diese Herren wüsste ich. Aber einen Cotrainer aus dem Hamburger Amateurfußball? Wüsste ich nicht. Roger Stilz geht in die Geschichte ein.

Und wo ich gerade bei Namen und Trainer bin: Thomas Stratos, von 1990 bis 1992 HSV-Profi, wurde neuer Coach des Zweitliga-Absteigers Jahn Regensburg. Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht, dass Stratos unter die Trainer gegangen ist, aber er war beim SC Wiedenbrück tätig. Kompliment, den Trainer-Job habe ich ihm gar nicht zugetraut – wie man sich doch irren kann . . .

Zurück zum HSV. Meinen Rückblick (diesmal auf den HSV-Angriff) verschiebe ich auf morgen, denn heute steht Kreuzer im Mittelpunkt. Der neue Sportchef wird nun eine kleine Nuss zu knacken haben, denn Leverkusen wird Andre Schürrle offenbar doch nicht los, Chelsea hat einen Rückzieher gemacht. Und nun? Was wird mit Son? Geht er trotz allem zur Werkself? Oder hat sich damit alles zerschlagen? Ich habe Kreuzer nach Son gefragt, vor allem, wie viele Angebote es noch gibt? Kreuzer: „Vor Wochen gab es noch einige, jetzt ist das stark reduziert.“ Wie stark? Damit wollte der Sportchef nicht rausrücken. Ein oder zwei Angebote, mehr ist da mit Sicherheit nicht mehr. Nun bleibt abzuwarten, was aus Heung Min Son wird. Denn bleibt Schürrle in Leverkusen, benötigen die Westdeutschen eigentlich keinen Südkoreaner mehr. Jedenfalls keinen Son. Man darf gespannt sein.

Vieles drehte sich am ersten Kreuzer-Tag um Gojko Kacar, Robert Tesche und Marcus Berg. Letztere soll ja vor einem Wechsel nach Athen stehen, aber Oliver Kreuzer weiß davon nichts. Weder hat sich Panathinaikos gemeldet, noch der Schwede selbst. Und das müsste ja wohl der Fall sein, wenn schon die medizinische Untersuchung kurz bevorstehen soll. Also, in der Personalie stimmt etwas nicht. Und auch Oliver Kreuzer sagt: „Ich glaube, dass da nichts dran ist, mit Berg und Athen.“

Findet Berg keinen neuen Arbeitgeber, dann müsste er in Hamburg da trainieren, wo nicht gerade die Profis trainieren. Gemeinsam mit Tesche und Kacar, so sie denn auch bleiben wollen – oder mangels Angebote bleiben müssen. Wo sie dann trainieren, ist noch unklar. Kreuzer will das alles mit den Spielern selbst und mit den Beratern in persönlichen Gesprächen klären: „Ich hoffe auf Einsicht der Spieler . . . Natürlich, sie haben alle gültige Verträge, und die werden wir auch respektieren, danach werden wir uns richten. Aber dennoch wünsche ich mir schon etwas Einsicht der Spieler . . .“ Und weiter: „Ich glaube, dass sind alles junge Spieler, es kann nicht in deren Sinne sein, nur ihren Vertrag hier auszusitzen. Es geht doch auch um die Karriere eines Spielers, und wenn einer mal ein Jahr oder länger nicht gespielt hat, dann kann es ganz schnell mal mit der Karriere zu Ende sein.“ Stimmt. Aber die Verlockung ist riesig, denn der HSV zahlt fast so gut wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund . . .

Klar ist auf jeden Fall, dass die „Aussortierten“ alle Anspruch auf Training haben, und das unter Anleitung eines Fußballlehrers. Das könnte noch gewisse Komplikationen geben. Wenn sie nicht woanders unterkommen. Aber bekommt der HSV eigentlich für Spieler, die nicht mehr gewünscht sind, noch Geld? Kreuzer: „Eines ist ja klar: zu verschenken haben wir nichts. Und die Spieler sind ja auch nicht schlecht. Es hat für sie eben einfach aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gepasst. So etwas gibt es ja.“

Es soll ja so vieles im Fußball geben. So zum Beispiel auch, dass der HSV mal ein Heimspiel mit 0:4 verliert. So geschehen am 26. August 1987. Da zog der Karlsruher SC ganz groß im Volkspark auf – mit Oliver Kreuzer. Sein positivstes Hamburger Erlebnis als Profi-Fußballer. „Das war ein schönes Spiel“, erinnert sich Kreuzer, der allerdings mit seinem damaligen Gegenspieler leicht daneben lag. Er tippte auf Jan Furtok, aber der Pole war nicht dabei. Es muss Bruno Labbadia gewesen sein.

Aber egal. Kreuzer sagt es: „Es ist auf jeden Fall schon sehr lange her.“ Und jetzt heißt es ja HSV. Ohne Ende HSV. Rund um die Uhr HSV. Und auf diese Aufgabe hat sich Oliver Kreuzer schon bei der Fahrt am Montag nach Hamburg gefreut. Er hat eine schwere Arbeit zu verrichten, denn der HSV leidet unter chronischem Geldmangel. Kreuzer aber sagt tapfer: „Wir sind schon handlungsfähig, so ist es nicht. Es ist aber so, dass ja bekannt ist, dass der Lizenzspieler-Kader nicht nur vom Umfang her, sondern auch vom Budget her verringert werden muss. Jetzt müssen wir schauen, dass Abgänge und Neuzugänge in etwa Hand in Hand geht.“ Kreuzer weiter: „Momentan können wir nicht vier Neuzugänge präsentieren können, die eventuell sogar noch irgendwelche Ablösesummen kosten, und auf der anderen Seite haben wir noch immer die Spieler, von denen wir uns trennen wollen. Beidseitiges Vorangehen ist gefragt. Die neuen Spieler müssen finanzierbar sein, auf der anderen Seite muss man schauen, dass man den einen oder anderen Spieler transferieren kann – ganz klar.“

Das hört sich so an, dass es dabei nicht nur um Tesche, Kacar und Berg geht. Es werden wohl mehr aus Hamburg scheiden müssen. Kreuzer: „Man muss schauen. Wir haben uns auf die drei Spieler festgelegt, weil wir ganz klar sagen, dass es keinen Wert mehr hat. Das gilt für beide Seiten. Und sollte der Transfer von Son klappen, dann sind es schon vier Spieler, die uns verlassen. Und dann muss man schauen, ob sich dazu noch der eine oder andere dazugesellt.“ Alles, so Kreuzer, „ganz klar in Absprache mit dem Thorsten“. Gemeint ist natürlich Trainer Fink.

Interessant dürfte es auch bei den Innenverteidigern werden. Heiko Westermann, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic und Paul Scharner – und dennoch soll ein neuer Abwehrmann verpflichtet werden. Oliver Kreuzer: „Da ist es ja auch logisch, dass sich die Spieler auch ihre Gedanken machen. Die kommen zu uns und sagen: ‚Jetzt habt ihr zwei Innenverteidiger geholt – wo bleibe ich denn, wo ist meine Rolle?’ Das sind Dinge, die sich dann in einer Transferperiode entwickeln.“ Wobei ich genau hingehört habe. Kreuzer hat von „zwei Innenverteidigern“ gesprochen, die geholt werden (könnten).

So, und dann gibt es da noch einen ganz wichtigen Punkt, auf den ich beinahe stündlich angesprochen werde. Und ich sage dazu:
Keine Panik, hinter den Kulissen tut sich etwas. Wer glaubt, dass die Vorhaben bezüglich einer Struktur-Änderung im HSV nur ein kleiner Sturm im Wasserglas gewesen ist, der irrt. Es tut sich etwas, es wird sich etwas tun – ganz sicher, Kompetente Leute und große HSVer arbeiten daran. Und wie nötig das ist, das zeigt mir heute mal wieder ein Bericht der Agentur SID (Sport-Informations-Dienst), den ich gerne veröffentliche, denn er wird dafür sorgen, dass immer mehr auf den Zug aufspringen werden. Wenn der HSV nichts tut, geht er hoffnungslos baden – denn bald gibt es auch keinen Heung Min Son mehr, der noch für eine zweistellige Millionensummer zu verkaufen wäre (weil er dann längst weg ist).
Den lesenswerten Artikel stelle ich auch deswegen hier hinein, weil ich denke, dass keine Tageszeitung einen so langen Bericht so ausführlich übernehmen wird.

Die Kluft zwischen Arm und Reich im deutschen Profi-Fußball wird größer – obwohl bei der Verteilung der Bundesliga-TV-Gelder Solidarität großgeschrieben wird. Die Branchen-Größen, Triple-Gewinner Bayern München und Champions-League-Finalist Borussia Dortmund, schöpften bei den nationalen Fernseheinnahmen natürlich den Rahm ab. Die Bayern verdienten laut fernsehgelder.de 25 834 556 Euro, Vizemeister Dortmund immerhin noch 25 074 716. Werden noch die rund 70 Millionen der beiden Klubs aus der Königsklasse dazu gezählt sowie die Einnahmen aus dem DFB-Pokal, ist der Dritte Bayer Leverkusen als Tabellenfünfter des Vorjahres mit den Einnahmen aus der Europa League und 24 314 876 Millionen Euro aus der Bundesliga schon fast ein armer Schlucker. Die Reichen werden reicher, die Armen bleiben arm – oder werden noch ärmer.

DFL-Chef Christian Seifert weiß genau, dass die Einflussnahme vonseiten der Deutschen Fußball Liga eher begrenzt ist: „Klar ist: Auf nationaler Ebene lassen sich die enormen Erlöse in der Champions League nicht ausgleichen“, sagte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung unlängst dem Kicker: „Natürlich muss sich die Uefa (Europäische Fußball-Union, d. Red.) Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Denn es ist offensichtlich, dass sie durch ihren derzeitigen Verteiler-Mechanismus massive Eingriffe vornimmt mit Blick auf die nationalen Wettbewerbe.“

Dass künftig die Top-Teams vielleicht nicht mehr die höchsten Zahlungen aus der Inlands-TV-Vermarktung erhalten und damit die Konkurreten quasi „subventioniert“ werden, ist für Liga-Präsident Reinhard Rauball keine Option. „Das höchste Gut, das wir haben, ist der freie Wettbewerb, nicht der gesteuerte“, sagte der 66-Jährige im SID-Interview und verweist auf die Entwicklung seiner Borussia nach der Fast-Insolvenz vor rund acht Jahren. „Wir waren nahezu insolvent und haben uns aus eigener Kraft wieder entwickelt zu einem Verein, der sich in Wembley weltweit den Zuschauern präsentieren konnte. Daran sieht man, dass mit Fantasie, mit Disziplin, aber auch mit einer nötigen Portion Glück ein solcher Weg beschritten werden kann“, betonte Rauball, der Präsident von Borussia Dortmund.

Das Leistungsprinzip soll bei der Verteilung der Gelder aus der Bundesliga-TV-Vermarktung nicht außer Kraft gesetzt werden. Andererseits: Selbst Absteiger SpVgg Greuther Fürth kassierte noch 12 917 218 Euro. Das ist exakt die Hälfte dessen, was die Bayern erhielten. Und wer ehrlich die Fernsehpräsenz der Bayern mit denen der Fürther vergleicht, muss zugeben, dass der Absteiger da noch ganz gut wegkommt. In der Liga funktioniert die Solidarität, wobei vier Saisons in die Abrechnung mit einfließen. Wobei die vergangene Spielzeit einen höheren Stellenwert besitzt als die erste Saison, die in der Berechnung berücksichtigt wird.

Die TV-Gelder werden nach einem komplexen Schlüssel verteilt, der mit der Einfachheit des Fußballs nichts mehr zu tun hat. Von den 438,7 Millionen Euro, die der Profifußball für die Saison 2012/13 erhalten hat, gehen 70,5 Prozent an die Bundesliga, lediglich 20,5 Prozent an die Zweite Liga. Das führt dazu, dass Aufsteiger Hertha BSC nur 7 721 120 Euro erhalten hat – also über fünf Millionen weniger als Absteiger Fürth. Der 1. FC Kaiserslautern jedenfalls – in der Relegation an 1899 Hoffenheim gescheitert – hat nur 6 668 240 Euro abgegriffen, Hoffenheim, der Tabellen-16. der Ersten Liga, aber 14 436 958 Euro.

Bemerkenswerte und auch nachdenkenswerte Zahlen. Hamburg und vor allem der HSV wird aufwachen müssen. Und zwar sehr schnell. Denn diese Entwicklung zeigt, dass man in Liga zwei, erst recht in Liga drei kaum noch einmal die Gelegenheit erhält, Anschluss zu halten. Es sei denn, es käme tatsächlich einmal ein „Herr Kühne“ und legt solche Summen hin . . . Obwohl das ja auch von etlichen HSV-Mitgliedern gar nicht gewünscht wäre.

PS: Das muss noch nachgereicht werden! Per Ciljan Skjelbred hat ein Tor erzielt. Super! Im Freundschafts-Länderspiel gegen Mazedonien traf der Norweger in der neunten Minuten zum 1:0 – Endstand 2:0. Na bitte, es geht doch. Nun ist der Knoten geplatzt – hoffentlich. Obwohl erst jetzt die Sommerpause beginnen wird – aber erst das Comeback, nun das Tor, das alles wird ihm nochmals Auftrieb geben. Besser kann man eine Saison ja kaum beenden. Glückwunsch!

18.19 Uhr

Nun aber – die Saisonbilanz, Teil eins

9. Juni 2013

Es tut sich was. Leider nur bei anderen Clubs. Beim HSV ruht, erwartungsgemäß, noch ganz still er See. Neuerwerbungen? Pustekuchen. Und Verkäufe? Fehlanzeige! Fast jedenfalls. Nur in Sachen Marcus Berg tut sich wohl etwas. Der Schwede soll, das berichtete der Kicker, nach übereinstimmenden schwedischen und griechischen Medienberichten bereits mit dem griechischen Klub Panathinaikos Athen einig sein. Der 26 Jahre alte Stürmer wird angeblich am Montag in der griechischen Hauptstadt zum Medizincheck erwartet und soll danach einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Na bitte. Das klingt doch gut.

Ansonsten aber ist ja auch noch so viel Zeit. Zudem kommt der HSV ja – zumindest in den letzten Jahren – immer sehr schwer aus den Puschen. Erst einmal verkaufen, damit Geld reinkommt. Und das mit dem Verkauf ist ja auch so eine Sache. Wer will schon Spieler, die der HSV aussortieren möchte, kaufen? Und das noch möglichst zu einem Spitzenpreis. Das hat Frank Arnesen nun ein Jahr lang nicht hinbekommen, und der neue Sportchef Oliver Kreuzer nimmt seine Arbeit ja auch erst am Dienstag auf. Ob er dann mit den von Trainer Fink aussortierten Robert Tesche und Gojko Kacar beginnen wird? Oder steht dann doch eher Heung Min Son ganz oben auf der Prioritätenliste? Bei Son hapert es ja schon lange. Während der Saison, in der sein Verbleiben (?) so oft in Aussicht gestellt worden ist, und jetzt zu Beginn der Sommerpause wieder. Eigentlich sollte mit Leverkusen doch schon alles klar sein – aber das scheitert wohl bislang an dem bevorstehenden Verkauf von Leverkusens Nationalstürmer Andre Schürrle zum FC Chelsea. Wenn dieser Transfer perfekt ist, dann wird wohl auch Son als Bayer-Neuzugang offiziell begrüßt werden können.

Also üben wir uns in Geduld. Mehr bleibt auch nicht. Per Ciljan Skjelbred hat es uns ja vorgemacht, dass man einen langen Atem braucht. Vier Jahre hat er nicht in der norwegischen Nationalmannschaft gespielt, nun feierte er sein Comeback. Ein kurzes, aber immerhin. Gegen (und in) Albanien wurde der HSV-Mittelfeldspieler in der 84. Minute eingewechselt, dann erzielte Norwegen (drei Minuten später) das Tor zum 1:1-Endstand. Immerhin nicht verloren. Wie auch Tomas Rincon, der mit Venezuela ebenfalls ein 1:1 schaffte, und zwar im Auswärtsspiel in Bolivien. Tschechien erreichte mit Petr Jiracek (und Jaroslav Drobny auf der Bank) im Team einen Achtungserfolg, denn es gab gegen Italien ein 0:0. Dagegen blamierte sich Kroatien mit den HSV-Profis Milan Badelj und Ivo Ilicevic mit einem 0:1 daheim gegen Schottland. Lettland traf es noch härter, denn es gab im Heimspiel gegen Bosnien-Herzegowina eine 0:5-Klatsche – die HSV-Torschützenkönig Artjoms Rudnevs von der Bank aus betrachten durfte.

Ich habe von all diesen WM-Qualifikationsspielen, das gebe ich zu, herzlich wenig gesehen, obwohl ich sonst alles sehe, was nach Fußball aussieht. Aber diesmal war ich viel auf Achse. Am Sonnabend traf ich bei einer Party eine „schöne Fee“, die mir ins Ohr flüsterte: „Hasan Salihamidzic ist ohne Verein und wäre ablösefrei zu bekommen. Er ist zwar mittlerweile 36 Jahre alt, aber er ist noch topfit. Und der HSV hat ja wenig Geld für neue teure Spieler – falls er den Brazzo nach Einsätzen bezahlen würde, wäre es doch einen Versuch wert. Oder?“ Naja. Ich bin kein Salihamidzic-Fan, muss ich zugeben. Und zuletzt in Wolfsburg hat er ja auch kaum noch gespielt- obwohl dafür nicht sein Alter ausschlaggebend gewesen sein soll. Wenn ich an den „Brazzo“ denke, er hat ja von 1996 bis 1998 für den HSV gespielt, dann habe ich immer Uli Hoeneß in den Ohren. Weil der FC Bayern ja dann der neue Arbeitgeber von Salihamidzic geworden war. Hoeneß sagte mir einmal: „Der Brazzo ist ein Phänomen für mich, so einen hatten wir hier noch nie. Der arbeitet jeden Tag wie ein Besessener, der gibt immer alles – und eines ist ganz besonders wichtig: er will sich jeden Tag verbessern.“ Was er in München ja auch wohl geschafft hat. Aber ich denke trotz allem, dass seine Zeit mit 36 wohl doch eher vorbei ist. Selbst für den klammen HSV. Oder hat da jemand eine andere Meinung?

Vielleicht ja auch erst dann, wenn man Hasan, den „Altmeister“, mit jenen Spielern vergleicht, die der HSV in der vergangenen Saison in der Abwehr hatte. Ich möchte heute, weil es doch einige „Matz-abber“ so gewünscht haben, mit der bislang ausgebliebenen Saison-Benotung der HSV-Spieler – und zum Schluss auch der Offiziellen – beginnen. Zuerst mit der Abwehr.

Rene Adler erhält von mir die Note eins – aber ich arbeite ja auch nicht bei einem Fachblatt. Der Nationaltorwart hat eine überragende Saison gespielt, in der er sich nur einen „Aussetzer“ erlaubte, nämlich den beim 1:5 in Hannover. Ansonsten hat Adler den HSV, davon waren und sind immer noch viele HSV-Altmeister restlos überzeugt, viele Punkte gerettet. Allein in der Hinrunde sollen es, so wurde mir oft genug vorgerechnet, acht bis zehn Punkte gewesen sein. Natürlich hat Adler 52 (von insgesamt 53) Gegentore geschluckt, und das ist schon eine gewaltige Zahl, aber ohne Adler hätte der HSV wahrscheinlich 75 oder mehr Treffer kassiert. Ich glaube, dass noch nie ein HSV-Torwart so viele „Unhaltbare“ gehalten hat, wie Adler – ihm ganz nahe kam, so denke ich, wohl Frank Rost. Note eins.

Jaroslav Drobny ersetzte Adler zweimal, und zwar beim 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach (16. Februar) und beim 1:1 gegen Wolfsburg (5. Mai.). Beide Male zeigte er, dass er nichts von seinem großen Können verlernt hat. Immerhin ist er ja auch noch in der Nationalmannschaft der Tschechen noch der Ersatzkeeper. Was Drobny ansonsten auszeichnet? Er ist ein absoluter Teamplayer und sorgt praktisch Tag für Tag für gute Stimmung. Allein deswegen musste er gehalten werden – und wurde er ja auch. Note drei.

Sven Neuhaus ist Torwart Nummer drei, kam aber nur zu Einsätzen in der Regionalliga-Mannschaft. Da war der Routinier aber in der schwierigen Phase, als der Abstieg drohte, eine Bank. Neuhaus wurde gelobt und gefeiert, weil er großartig hielt. Im Training zeigt er zudem eine hervorragende Einstellung, auch er ordnet sich ausgezeichnet ein und sorgt so für ein gutes Klima beim HSV. Auch seine Vertragsverlängerung ist nur zu begrüßen. Note drei.

Dennis Diekmeier hat in dieser Saison einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Schon in der Hinrunde zeigte er sich stabiler als in den Spielzeiten davor, in der Rückrunde, speziell gegen Ende der Saison, wurden seine Leistungen dann noch einmal deutlich besser. Auch wenn, das muss erwähnt werden, er noch Luft nach oben hat. Er kann sich besonders in der Defensivarbeit noch verbessern, da sollte er noch aggressiver, durchsetzungsfähiger und härter werden. Note drei.

Jeffrey Bruma brachte es in dieser Saison auf 18 Einsätze, wobei er acht Mal eingewechselt wurde. Der Niederländer gehört deswegen zu meinen ganz großen Enttäuschungen der Spielzeit 2012/13, weil er eigentlich die besten Voraussetzung hat, ein erstklassiger Abwehrspieler zu sein – aber das Phlegma . . . Ich habe höchst selten einmal bei ihm erkannt, dass er sich mit dem HSV zu 100 Prozent identifiziert. Deswegen ist sein Abschied aus Hamburg nur eine logische Konsequenz aus dieser Saison. Note fünf.

Heiko Westermann erhält meine Bestnote der Feldspieler. Weil er ein vorbildlicher Profi ist, der sich von der ersten bis zur letzten Sekunde für seine Mannschaft und seinen Club nicht nur einsetzt, sondern alles gibt. Das schreibt sich so leicht: alles gibt. Westermann aber hängt sich stets voll rein, er gibt nie auf, er versucht es auch in noch so aussichtlosen Situationen – hervorragend. Genau deswegen verzeihe ich ihm auch den einen oder anderen Fehlpass oder Stockfehler. Mit zehn Westermännern im Feld hätte der HSV in diesem Jahr ganz sicher international gespielt. Note eins.

Michael Mancienne begann großartig, war eine Stütze und gefiel im Zusammenspiel mit Westermann. Dann verletzte sich der Engländer und musste deshalb lange pausieren – und kam nicht mehr in jenen Schwung, den er noch in der Hinserie hatte. Mich haben seine unzähligen Quer- und Rückpässe genervt (und oft auf die Palme gebracht!), und ich kritisiere auch jetzt sein körperloses Spiel. Das ist zu wenig für einen Innenverteidiger in der Bundesliga. Note fünf.

Slobodan Rajkovic hatte sich über Monate selbst ins Abseits manövriert, feierte dann aber doch noch – etwas unerwartet – sein Comeback. Das sah mitunter nicht schlecht aus, gelegentlich sogar auch ganz gut – insgesamt aber ist auch das zu wenig gewesen. Dem Serben fehlt die Beweglichkeit, er hat eine zu lange Übersetzung. Er wird, so glaube ich, bei einem anderen verein versuchen müssen, seine Leistungen zu steigern, ich denke, dass er beim HSV keine Zukunft mehr haben wird. Note vier.

Marcell Jansen ist einer der Aufsteiger dieser 50. Bundesliga-Saison. Viele hatten den Nationalspieler schon lange aus der Nationalmannschaft verabschiedet, und plötzlich feierte der ehemalige Mönchengladbacher auch im DFB-Trikot ein Comeback. Hinten links. Vor allem dort hatte ich ihn schon verabschiedet – so geht es gelegentlich im Fußball. Jansen hat eine (fast) verletzungsfreie Saison gespielt, das allein ist schon ein bemerkenswerter Punkt in seiner Karriere, zudem hat er kämpfen gelernt. So oft, wie er in dieser Spielzeit grätschend am Boden lag, hat er es wohl noch nie geschafft. Ich ziehe vor dieser Steigerung meinen Hut und hoffe darauf, dass er nicht nur so weiter machen wird, sondern auch noch zulegen kann, Die nächste WM kommt bestimmt . . . Note zwei.

Zhi Gin Lam brachte es auf vier Einsätze hinten links, einmal schaffte er dabei volle 90 Minuten. Mit Sicherheit ist Lam ein Fußballer, der technisch einiges drauf hat, dennoch gehe ich immer noch nicht mit Trainer Thorsten Fink konform, dass dieser Zhi Gin Lam hinten links eine Zukunft hat. Da fehlt körperlich doch noch zu viel – auch wenn der Bayern-Kollege Lahm es Jahr für Jahr beweist, dass auch ein vergleichsweise kleiner Abwehrspieler seine (teilweise überragenden) Leistungen bringen kann. Da aber gibt es, wie gesagt, körperlich doch noch einigen Nachholbedarf. Note vier.

So, das war die Abwehr. Und irgendwie finde ich, das habe ich beim Schreiben dieser Zeilen für mich entdeckt, dass es durchaus noch Spaß bringt, sich noch einmal in dieser Form mit der abgelaufenen Saison zu beschäftigen. Ich war jedenfalls wieder mittendrin. Genau so, als stünde morgen schon das nächste Bundesliga-Spiel für den HSV auf dem Programm.

19.07 Uhr

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