Archiv für das Tag 'Berg'

Arslan: “Gegen Düsseldorf wird sich viel entscheiden”

18. April 2013

Die finale Einstimmung hat begonnen. „Kampf, Fleiß, Disziplin – das will ich sehen“, fordert Trainer Thorsten Fink heute, auf dem Podium im Presseraum sitzend. Die Mannschaft habe in Mainz die Messlatte gehängt, an der sie sich selbst messen müsse. „Wir müssen nichts anders machen als in Mainz. Wenn wir das alles wieder abrufen können, ist es für mich okay.“ Die Mannschaft solle nicht zu weit zurückblicken, sondern sich einfach „an die gezeigten Attribute erinnern“, das würde reichen, um gegen Düsseldorf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein gutes Spiel zu absolvieren. Zumal die Mannschaft in dieser Woche eine ebenso engagierte Leistung hingelegt habe wie vor dem Mainz-Spiel.

So viel zu den Hypothesen, zu denen ein Trainer in meinen Augen tatsächlich irgendwann gezwungen ist, wenn er zum gefühlt 1000. Mal innerhalb der letzten sieben, acht Monate zum selben Thema befragt wird. Es ist im Fußball ein ewiger Kreislauf, es sind Momente, die es ähnlich schon gab und die es in fast identischer Art irgendwann auch wieder geben wird. Es ist der stumpfe Mikrokosmos, den mir meine Frau immer vorwirft – und den ich so liebe. Und ohne den ich gar nicht mehr leben kann.

Deshalb, wie Thomas Doll zu sagen pflegte: „Jetzt aber rein in die Mühle“. Und die begann heute mit etwas Verspätung. Erst um 10.30 Uhr trabte die Mannschaft, angeführt von Torwart Rene Adler auf den Trainingsplatz. Was folgte, war eine intensive Einheit, in der zu Teilen erkennbar war, dass die Anspannung ungleich höher ist. Immerhin: „Das Spiel gegen Düsseldorf ist ein Big-Point-Spiel“, sagt Tolgay Arslan, der gegen die Fortuna erneut neben Milan Badelj im defensiven Mittelfeld auflaufen wird. Und der U-21-Nationalspieöler fügte hinzu: „Da wird sich viel entscheiden.“ Angesprochen auf diese Aussage reagierte Arslan mit einem Lächeln das mehr aussagte als der nachfolgende Satz: „Wir wollen uns im Mittelfeld festsetzen und einen einstelligen Tabellenplatz.“

Klar.

Aber auch hier gilt: was soll Arslan sagen? Soll er in seiner ersten echten Erstligasaison die Europa League einfordern und als Ziel ausgeben? Natürlich nicht. Allerdings ist es schön zu sehen, dass er es für sich offenbar macht – und dass er nicht daran kaputt geht. Immerhin gilt Arslan als sehr intelligent und konstruktiv selbstkritisch. „Ich weiß, wenn ich Mist baue und verinnerliche den Fehler, damit ich ihn nicht wieder mache. Aber ich gebe mir auch die nötige Zeit, um mich zu entwickeln, da ich weiß, dass ich kein Schnellstarter sondern ein sich eher langsam Entwickelnder bin.“ Eine Selbstreflektion, die man im Profifußball selten hat.

Vor allem nicht mit einem Happy End versehen. Und genau das scheint sich für Arslan so langsam einzustellen. Seit dem 20. Spieltag schien Arslan in einem kleinen Formtief festzustecken. Bis er gegen Freiburg eine sehr engagierte und in Mainz eine fußballerisch sehr gute Leistung zeigte. Auf der Doppelsechs. „Ich fühle mich auf der Position sehr, sehr wohl. Ich glaube ich habe meine neue Position gefunden.“ Auf dem Platz und innerhalb der Mannschaft – Arslan sprüht vor Energie im Saisonendspurt. „Ich bin körperlich top drauf – wir als Mannschaft sind richtig gut drauf.“ Das zeige schon das (tatsächlich!) aggressiv geführte Training.

Sich zeigen darf voraussichtlich auch wieder Petr Jiracek. „Ich tendiere dahin, die Mannschaft aus dem Mainz-Spiel beginnen zu lassen“, sagte Fink heute, obgleich er dem zuletzt auf die Bank versetzten Toptorjäger (wie Son hat der Tscheche auch elf Saisontore) Artjoms Rudnevs zumindest einen Spalt Hoffnung machte. „Ich überlege nur, ob ich Rudy wieder reinnehme. Dann müsste Son auf links und Jiracek raus.“ Dennoch, grundsätzliche Tendenz sei, nichts zu ändern, da die Mannschaft in Mainz genau den von ihm geforderten und auch jetzt erwünschten Teamgeist und Kampfeswillen gezeigt hätte.

Geändert hat sich tabellarisch dagegen einiges durch das glückliche 2:1 des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg. Denn, wären die Breisgauer ins Finale gegen die Bayern eingezogen und zeitgleich am Saisonende unter den ersten sechs, hätte dem HSV schon der siebte Rang gereicht, um in die Europa League einzuziehen. „Ich rechne zwar zwischendurch nicht, weil es nichts bringt. Aber natürlich wird es jetzt ungleich schwieriger, das Unmögliche möglich zu machen. Da schaue ich natürlich auch ein wenig traurig hinterher, da theoretisch ach der siebte Platz hätte reichen können.“

Noch nicht gereicht hat bislang die Klubkasse, um neue Einkäufe zu tätigen. Sportchef Frank Arnesen muss – das ist hinlänglich bekannt – zunächst verkaufen. Und auch das gestaltet sich schwierig, da Kandidaten wie Marcus Berg verletzt sind und andere wie Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic oder auch Jeffrey Bruma sich auf Bundesligaebene momentan nicht präsentieren und somit auch nicht besonders eindrucksvoll anbieten können. „Wir haben eine lange Liste von Spielern, die mit zunehmender Zeit kleiner wird, weil sich die Spieler entscheiden wollen, Klarheit brauchen. Das ist unser Los und damit gehen wir um.“ Ebenso schwierig gestaltet sich die Vertragsverlängerung von Heung Min Son, der sich erst entscheiden will, wenn er weiß, wohin der sportliche Weg des HSV führt. „Finanziell sind wir ganz nah beieinander“, sagt Arnesen und fügt hinzu: „Da bin ich insgesamt sehr positiv.“ Zumal der Südkoreaner auch Trainer Thorsten Fink bestätigt hatte, dass er bleiben wolle. „Er weiß, dass ich auf ihn zähle und sagt selbst, dass er bleiben will. Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch lange mit Son zusammenzuarbeiten. Er hat noch einiges an Entwicklungspotenzial.“

Stimmt. Und genau das haben andere auch erkannt. Zwar ist aktuell kein Verein offiziell an den HSV herangetreten, allerdings ist auch den Verantwortlichen bewusst, dass es gleich mehrere auch internationale Interessenten (Tottenham und Dortmund, um nur zwei zu nennen) um Son werben. „Sonni weiß, dass er sich bei uns bestens entwickeln kann und er ist genau der Typ Spieler, den wir nicht abgeben wollen“, sagt Arnesen und stellt klar: „Allerdings muss auch ihm klar sein, dass wir ihn im Sommer ohne eine Vertragsverlängerung verkaufen müssten.“ Dazu sei der HSV schon aus finanziellen Gründen schlichtweg gezwungen, da der Vertrag 2014 ausläuft und Son dann ablösefrei wäre.

Egal wie, am Sonnabend wird Son auflaufen, wenn nichts Unerwartetes (klopfe dreimal auf Holz) passiert. Und der HSV wird gewinnen – wenn nichts Unerwartetes passiert (ich klopfe gleich nochmal dreifach auf Holz). Mein Tipp in der Redaktion ist ein 3:1-Sieg. Und der steht.

Bis morgen! Da wird zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, aber dafür meldet sich Dieter bei Euch wieder mit dem Aktuellsten des Tages zu Wort, ehe wir uns am Abend ja sowieso (hoffentlich zahlreich) beim Matzab-Treffen in Norderstedt sehen. Beginn ist – für die, die es vergessen haben – um 19 Uhr. Was bislang noch keiner weiß: wir dürfen uns morgen auf Vorstand Oliver Scheel freuen, der von sich aus dazustoßen will und natürlich genauso herzlich willkommen ist wie alle anderen. Ich freue mich auf jeden Fall auf morgen. Und auf Sonnabend…

Scholle

P.S.: Am Sonnabend nach dem Spiel begrüßen wir übrigens den ehemaligen Torwarttrainer Claus Reitmeier und Ex-HSV-Stürmer Vahid Hashemian bei Matz ab live!

Sch… Montag: Fünf Spiele Sperre für Beister und Berg fällt bis Saisonende aus

18. März 2013

Pro Beister? Contra Beister? Die Diskussion, die nicht nur hier im Blog heiß und konträre geführt wird, ist das (leider) vorherrschende Thema der beginnenden Länderspielpause. Es gibt wenige Momente, das dürfte sich auch Beister denken, die ungeeigneter waren für so einen Vorfall. Jetzt hat er längere Zeit keine Chance, sich sportlich zu entschuldigen. Es gab aber auch nur wenige Vorfälle, die so vermeidbar waren – vor allem, weil es nicht allein von Beister hätte vermieden werden können. Nein, es hätte von anderer, erfahrener und übergeordneter Stelle vermieden werden müssen.

Denn, und da lege ich mich fest, in diesem Fall ist der größte Schadensträger Thorsten Fink. So viel ich auch weiterhin von Fink halte, insbesondere von seinen rhetorischen Fähigkeiten im Doppelpass mit der Mannschaft, in dem Fall Beister bin ich schon bei dessen Einwechslung auf der Tribüne zusammengezuckt. Was war das für ein Zeichen an seine Mannschaft? Die wussten doch auch, was Beister im Training (nicht) gemacht hat. Ich habe meine Kollegen enervierend mit einem Satz befeuert: „Wie kann ein Trainer in der Woche so deutlich ein Fehlverhalten anprangern und es dann unverbessert noch mit einer Einwechslung belohnen?“ Eine Frage, die ich noch immer nicht beantwortet bekommen habe. Im Gegenteil. Der Schuss von Fink vor Beisters lädierten Bug verstehe ich nur bedingt. Er hätte Beister gebracht, weil Berg nicht da war und er keine Alternative hatte? Wie bitte?? Was bedeutet das denn angesichts der heutigen Meldung, dass Marcus Berg wegen einer Hüft-OP für den Rest der Saison ausfällt (Gute Besserung an dieser Stelle, Marcus!!)? Heißt das, dass Beister nach Absitzen der bevorstehenden Fünf-Spiele-Sperre wieder erste Alternative ist, egal was er im Training zeigt?

Nein, in diesem Fall haben neben Beister auch andere Fehler gemacht. Denn Fink hätte Skjelbred bringen und mit Son und Rudnevs in der Spitze spielen können. Er hätte in dem Moment alles machen können, sogar eher den Platzwart aufstellen sollen als Beister. Um für mehr Torgefahr zu sorgen, bedarf es bei einem Bundesligisten mit 29-Mann-Kader!! keines Spielers, der sich zuvor derart demonstrativ hängengelassen hatte. Vielmehr hätte man sich mit dem maulenden Spieler hinsetzen müssen, ihm die Aussichtslosigkeit seines kindlichen Protestes vor Augen führen müssen und ihm einen gemeinsamen Lösungsweg aufzeigen müssen. Denn, und das Gefühl habe ich schon lange, Beister schien von Woche zu Woche mehr zurückzufallen. Er trainierte lustlos, bekam einen Rüffel und bockte nur noch mehr. Das Ergebnis: Er trainierte noch lustloser und schlechter. Den Höhepunkt stellte zunächst das Testspiel gegen Valerenga Oslo dar. Und es wurde von Trainer Fink, der für solche Situationen eigentlich ein außergewöhnlich gutes Gespür hat, sofort erkannt. „Maxi hat gespielt, als wolle er nicht spielen. Da muss mehr kommen“, so Fink eindeutig. Allerdings verhallten diese Worte beim Angesprochenen schnell, weil sie ihn nur noch mehr maulen ließen. Es war einfach eine Eitelkeit bei Beister gekränkt worden – und der konnte damit nicht umgehen.

Das Ergebnis des Ganzen ist verheerend – es darf aber jetzt nicht dazu führen, Beister mit seinen gerade 22 Jahren aufs Abstellgleis zu schimpfen. Dafür wurde Beister bei seiner Rückkehr schlichtweg zu sehr gefeiert. Auch vom Trainer, der ihm bis zuletzt trotz mieser Trainingsbeteiligung mit Komplimenten bei der Stange zu halten versuchte. Beister hat schlichtweg noch nicht erkannt, wo er wirklich steht. Er hat seinen Weg nicht gefunden. Beister weiß noch nicht, was ihm fehlt, um endlich Stammspieler in der ersten Bundesliga zu werden. Das könnte er sicherlich – aber mal ehrlich: es gab schon deutlich schlimmere Diven beim HSV, denen man immer und immer wieder zu helfen versucht hat. Warum also sollte man bei einem 22-Jährigen zweifellos hochtalentierten Fußballer in seinem ersten richtigen Erstligajahr anders vorgehen? Nur, weil es die breite Öffentlichkeit auf der Suche nach einem Sündenbock für das neuerliche Scheitern in einem wichtigen Spiel so will?

Nein! Das wäre zu kurz gedacht.

Beister gehört intern bestraft. Auch deutlich. Und eine hohe Geldstrafe wird es geben. Allerdings wird diese Geldstrafe ebenso sinnlos verhallen, wenn man sich parallel nicht endlich intensiv mit Beister auseinandersetzt und versucht, sein kindliches (Fehl-)Verhalten in eine reife Auffassung seines Berufes zu drehen. Man muss Beister klarmachen, dass man viel von ihm hält, das allein aber noch keine Qualifikation zum Stammspieler ist. Maxi muss verstehen, dass er selbst dafür verantwortlich ist, ob er spielt oder nicht und dass so ein Verhalten wie in der (in meinen Augen „den“) letzten Woche kontraproduktiv ist. Für den Verein – aber noch deutlicher für ihn. Eine Einwechslung gegen Augsburg – aus welchem Grund auch immer – war da sicher der falscheste Weg.

Als ich dann erfuhr, dass der DFB Beister für fünf Spiele sperrt und der HSV keinen Einspruch einlegen wird, war ich dennoch überrascht. So sehr Beister einen Denkzettel verdient hat, dieses Strafmaß wirkte auf mich auf den ersten Blick deutlich zu hoch. Allein ein Zusatz lässt mich hier aber noch nicht den DFB attackieren. Denn: In der Urteilsbegründung wird neben der Tätlichkeit auch eine „Schiedsrichterbeleidigung“ als zu bestrafender Tatbestand aufgeführt. Meint der DFB damit den „Vogel“, den Beister gezeigt hat, wäre es falsch. Aber: „Das war es nicht, er soll noch ein paar Worte gesagt haben“, sagt Mediendirektor Jörn Wolf. Zudem sollen sich der HSV und seine Anwälte nach der Urteilsbegründung und neuerlichen Sichtung der Fernsehbilder darauf verständigt haben, das ein Einspruch aussichtlos wäre – was ebenfalls für den DFB spricht. Insofern zieh ich meine Kritik hiermit zurück.

Und nur, um hier Missverständnissen vorzubeugen: Beister gehört bestraft – vom HSV wie vom DFB. Er muss allerdings jetzt im Moment des größten Schadens für ihn auch geschützt werden und vom HSV die nötige Hilfe bekommen, um sein Verhalten wiedergutzumachen. Dass dafür seine Bereitschaft Grundvoraussetzung ist, muss ich nicht sagen. Aber ebenso entscheidend ist für mich, dass sich der HSV seiner Pflicht bewusst ist, seine jungen Talente auch pädagogisch zu betreuen und parallel zur körperlichen Fitness auch mental zu schulen. Denn da ist in den letzten Wochen offenbar einiges zu kurz gekommen – oder vielleicht im Fall Beister zu früh und offensichtlich falsch vorausgesetzt worden.

Ein sehr sympathischer Lehrer meiner Schulzeit sagte einst zu mir: „Einmal ist kein Mal – zweimal ist immer….“ Nach diesem Motto verfahre ich seitdem – die wenigen Unentschuldbaren ausgenommen – zumeist. Und obgleich es nicht entscheidend ist, werde ich für meinen Teil diese Messlatte auch bei Beister anlegen.

Noch schlimmer als die Sperre für Beister ist allerdings die Nachricht für Marcus Berg, der wegen einer Verknöcherung im Hüftbereich, die operativ entfernt werden musste, in dieser Saison nicht mehr für den HSV auflaufen kann. Berg wurde am Wochenende in Schweden an der rechten Hüfte operiert. Der Stürmer war Ende letzter Woche auf Anraten der HSV-Ärzte nach Schweden gereist, um die neuerlichen Probleme an seiner vor eineinhalb Jahren operierten Hüfte untersuchen zu lassen.
Beim Mannschaftsarzt der schwedischen Nationalelf ließ Berg seine Hüfte arthroskopieren und dabei musste ein kleines Knochenstück entfernt werden. „Bei der Operation ist alles gut verlaufen. Wir gehen dennoch von einer Rekonvaleszenz von rund drei Monaten aus“, sagt HSV-Mannschaftsarzt Dr. Catala-Lehnen. Bitter.

Schöner ist die Aufsicht auf eine lange Trainingswoche ohne immerhin 15 Nationalspieler zwar auch kaum, aber zumindest ist die Hoffnung da, die nächsten Tage mit weniger unangenehmen Themen verbringen zu können. In diesem Sinne, drückt die Daumen!

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Am Dienstag und Mittwoch wird jeweils um zehn und um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Adler: „Wir haben noch Potenzial nach oben.“

13. März 2013

Liebe “Matz-abber”, aus trauigem Anlass ist es heute etwas später geworden – sorry, ich war bei der Trauerfeier von HSV-Ur-Gestein Horst Eberstein (darüber berichte ich zum Ende dieses Beitrags).

Zuletzt haben die HSV-Fans wieder jenen Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores hin und her fliegen sehen, wie zu Saisonbeginn. Der beste Neueinkauf des HSV seit Jahren rettete seiner Mannschaft in dieser Spielzeit schon viele Zähler, einige Experten haben acht Punkte errechnet – aber das war vor dem Sieg in Stuttgart. Gegen den VfB hatte Rene Adler wieder einmal eine Weltklasse-Partie gezeigt und dem HSV die Punkte gerettet. Nun also wären es zehn . . . Mindestens, sage ich. Von zurzeit 38. Heute sprach Rene Adler mit uns über sich, den HSV und diese Saison.

Rückblickend verriet er: „Gerade zu Beginn hatten wir uns noch nicht so gefunden, da waren noch einige Positionen vakant. Und dass man da als Torhüter zwangsläufig einige Aktionen mehr hat, das ist normal. Man hat viel mehr zu tun, bekommt zudem auch mehr Rückpässe und man steht mehr im Fokus, mehr im Brennpunkt. Im Lauf der Hinrunde haben wir uns dann aber stabilisiert, und trotzdem gab es natürlich Spiele, in denen du als Torhüter in den entscheidenden Situationen die Weichen stellen musst. Und da ist es immer schlecht, wenn man, wie gegen Fürth, durch eine Unachtsamkeit schnell mit 0:1 zurück liegt. So etwas prägt das ganze Spiel. Und da ist es wichtig, als Torhüter in den wichtigen Situationen präsent zu sein, damit die Mannschaft nicht in Rückstand gerät.“ In Stuttgart hat das ganz hervorragend geklappt – die Null stand hinten.

So gesehen ist die Saison ja fast perfekt für Rene Adler gelaufen. Er hatte immer gut zu tun – und konnte sich, bis auf das 1:5-Debakel in Hannover, immer auszeichnen. Adler: „Für mich ist es das Schönste, wenn wir gewinnen, und wenn wir dann zu null spielen, dann ist es sogar perfekt. Wenn man kein Gegentor kassiert hat, dann hat man einen guten Job gemacht, dann hat man nicht so viel verkehrt gemacht.“ Generell befindet er zu seiner Mannschaft: „Man erkennt eine Gesamt-Entwicklung. Wir machen das, was der Trainer verlangt. Unser Spiel ist sehr, sehr stark auf Ballbesitz ausgelegt, wir sind darauf bedacht, nicht die Ruhe zu verlieren, dass wir den Ball oft zirkulieren lassen und die Lücke zu suchen, um uns Möglichkeiten zu erspielen. In der Hinrunde sind wir manches Mal noch zu hektisch gewesen, da haben wir manches Mal einen Ball gespielt, wo wir besser noch einmal hinten herum gespielt hätten. Um einfach die perfektere Lücke zu finden. Das machen wir inzwischen schon sehr gut, in Stuttgart zum Beispiel hat das sehr gut geklappt, da haben wir das schon ganz gut gemacht.“

Rückblickend auf den 1:0-Sieg in Stuttgart befand der Nationaltorwart noch. „Ich bin kein Freund von Vergleichen zwischen den Spielen, aber wie wir auswärts in Dortmund aufgetreten sind, von der Bewegung her, von der Kompaktheit, vom Nachpressen her, wo wir sofort attackiert haben – da konnte sich kein Stürmer der Dortmunder drehen, ohne einen Gegenspieler von uns im Nacken zu spüren. Das sind die elementaren Dinge, die wir gegen jeden Gegner beherzigen müssen – und da denke ich, dass wir auf einem guten Weg sind. Die Aufs und Abs, die es bei uns noch gibt, die sind dadurch bedingt, dass wir eine junge Mannschaft haben. Und dass wir in einer Saison sind, von der keiner so genau wusste, wohin es mit uns geht. Und das muss man uns als Mannschaft und als Verein auch zugute halten, dass wir uns aus eigener Kraft stabilisiert haben – und jetzt auf Platz sechs stehen. Mit Blick nach vorne. Das ist eine Geschichte, zu der man sagen kann, dass bei uns jetzt und auch deswegen keiner abhebt, denn wir wissen, dass wir noch Potenzial nach oben.“

Um „sein“ Hannover-Spiel zu verdrängen, hat Rene Adler einige Dinge ganz bewusst gemacht. Er sagt: „Ich habe mir Zeit für mich genommen, mehr Raum für Erholung und Regeneration genommen. Einfach mal einen Spaziergang mit Frau und Hund zu machen, weniger Fußball im Fernsehen angucken – das habe ich mir gegönnt. Ich schaue mir Spiele der Champions League an, aber ich bin weit entfernt davon, mich zu Hause vom Fußball berieseln zu lassen. Da konzentriere ich mich dann doch komplett auf unser Spiel, und ich habe meinen Fokus auch komplett auf das Training gelegt.“ Und was da speziell? Adler: „Ich habe viele Sachen ganz bewusst gemacht. Hab die Bälle bewusst gefangen, habe Bewegungsabläufe ganz bewusst gemacht, habe Krafttraining ganz bewusst gemacht, habe mich bewusst ernährt. Das ist einfach eine Sache, dass man sich mal irgendwie überprüft – auch gerade jetzt im Erfolg.“

Dann ergänzt Rene Adler noch: „Es ist immer schade, dass man ein solches Spiel wie dieses 1:5 in Hannover braucht, auch als Mannschaft. Aber ich habe schon gesagt, dass ein solches Erlebnis für die Entwicklung einer Mannschaft oftmals reicher im langfristigen Ertrag, als mal ein 1:1, mal ein 2:1 oder wenn man zwei Spiele in Folge 1:2 verliert. Man kann das noch so oft betonen: Wenn wir nicht 100 Prozent spielen, der einzelne, dann haben wir Probleme gegen jeden Gegner. Wir sind nicht eine Mannschaft wie Bayern München, die mit 70 oder 80 Prozent die Spiele gewinnt. Aber das ist auch okay, nur muss das auch jeder von uns wissen, damit er am Wochenende auch 100 Prozent abruft.“

Ich bitte sehr darum. Schon an diesem Sonnabend. Alle bei 100 Prozent. Das wäre doch was. Dann hätte der FC Augsburg hier nicht viel zu lachen. Und erst recht nicht zu feiern . . .

Kurz noch einig positive Dinge der personellen Art:

Michael Mancienne hat heute erstmalig wieder mit der Mannschaft trainiert. Der Innenverteidiger sagte: „Ich fühle mich gut und möchte mich für das Bayern-Spiel in 14 Tagen nicht nur anbieten, sondern auch mit guten Trainingsleistungen anbieten.“
Marcus Berg soll am Donnerstag wieder ins Training einsteigen, Jaroslav Drobny war heute schon wieder dabei, laufend im Volkspark unterwegs waren Ivo Ilicevic und Zhi Gin Lam, der an diesem Donnerstag wieder mal auf dem Trainingsplatz zu sehen sein wird – allerdings nur mit Reha-Trainer Markus Günther. Gelaufen sind heute auch nur Heiko Westermann und Milan Badelj (Fußprellung), beide Spieler aber sollen auch an diesem Donnerstag wieder im Mannschaftstraining zu finden sein.

Nun ein Break.
Das Thema Regionalliga, HSV und Abstieg wurde in den letzten Tagen ja (von einigen) diskutiert, und dazu habe ich nun auch Thorsten Fink gefragt. Was denkt der Profi-Trainer über einen eventuellen Abstieg der Zweiten? Fink: „Es ist klar, dass mir ein Abstieg natürlich nicht gefallen würde, aber trotz der prekären Lage glaube ich, dass die Mannschaft da unten aus der Abstiegszone noch rauskommen wird. Die Zweite hat ein Trainerteam, das ruhig und sehr gut arbeitet – und natürlich bekommen sie in Zukunft von uns auch mal den einen oder anderen Spieler, denn es wäre schon wichtig, dass wir die Klasse halten.“ Warum ist es wichtig, dass die Regionalliga erhalten bleibt? Fink: „Weil sonst der Unterschied zwischen den Klassen zu groß wird. In der Regionalliga wird auf einem höheren Niveau als in der Oberliga gespielt, das ist doch klar, und da oben werden die Spieler natürlich mehr gefordert. Und das käme ihnen dann zugute, wenn sie bei uns integriert werden sollen.“ Wer das ist, konnte Fink nicht verraten: „Wir müssen mal schauen. Es dürfen ja auch nur drei ältere Spieler mitmachen, und dann müssen wir sehen, wer in der nächsten Woche hier ist, und wer bei seiner Nationalmannschaft.“ Michael Mancienne aber könnte dort demnächst Spielpraxis sammeln. Fink: „Das müssen die Profis nur annehmen. Das machen die Leute bei Bayern München zum Beispiel auch. Die gehen da nach Verletzungen auch hin, um sich wieder in Form zu bringen.“ Gojko Kacar aber könnte zum Beispiel auch bei Rodolfo Cardoso spielen.

Thorsten Fink: „Eines aber ist unerlässlich, die Spieler müssen es annehmen, dass sie da spielen wollen. Dass sie wissen, dass sie sich dadurch wieder in Form bringen können. Sonst bringt das nichts.“ Ganz genau. Da ist das Parade-Beispiel, wie man es nicht machen soll, immer noch Muhamed Besic, der eher lustlos seinen Stiefel bei der Zweiten herunterspielte. Fink: „Natürlich werden wir vorher mit den Spielern reden. Wir werden ihnen klar machen, dass es besser für den Verein ist, und dass es auch besser für sie ist. Es ist ja besser, dass sie dort ein Spiel haben – bevor sie keinen Einsatz haben.“ Dann fügt der Trainer noch hinzu: „Spiele in der Zweiten sind ja auch noch etwas anders, als unsere Testspiele, wie zuletzt gegen Oslo. In der Regionalliga geht es ja wenigstens noch um etwas.“

Nebenbei bemerkt: Obwohl (oder gerade?) die Regionalliga-Truppe abstiegsgefährdet ist, wurde in der vergangenen Woche Einigung darüber erzielt, den Trainervertrag mit Rodolfo Cardoso zu verlängern. Per Handschlag ist es besiegelt, demnächst wird es auch die Unterschriften geben.

Nun noch zu einem traurigen Thema:

Heute fand die Trauerfeier für Horst Eberstein in Ohlsdorf statt, der am 1. März im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Es waren über 250 Menschen gekommen, und drei davon möchte ich explizit einmal hervorheben: Aus St. Petersburg angereist war der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer (morgen spielt sein Club Zenit in der Europa League gegen den FC Basel!), der „Didi“ kam extra wegen dieser Feier. Aus Frankfurt war FSV-Trainer Benno Möhlmann, einer der besten Freunde des Verstorbenen, angereist, und auch Uwe Seeler war dabei.

Zudem habe ich gesehen: Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Klaus Neisner, Gerda und Horst Schnoor, Jochen Meinke, Richard und Natascha Golz, Rodolfo Cardoso und die gesamte Regionalliga-Mannschaft des HSV, Holger Hieronymus, Jürgen Stars, Stefan Schnoor, Horst Becker, Ronny Wulff, Rudi Kargus, Jürgen Hunke, Heini Deininger, Reinhard Rietzke, Michael Schröder und viele, viele mehr. Neben Bestatter Erwin Jürs sprach auch der frühere HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein, der einst als 19-jähriger Leichtathlet von Eberstein aus Hannover zum HSV gelockt worden ist – und in der kleinen Wohnung der Ebersteins (im Lattenkamp) ein Zimmer (das Zimmer von Eberstein-Tochter Heike!) bewohnte. Klein: „Wir trauern heute nicht über ein HSV-Ur-Gestein, sondern über das HSV-Ur-Gestein.“ Seit 1958 war der gebürtige Berliner Eberstein für den HSV, nein für seinen HSV, tätig – er kannte alle und wusste alles – und er half allen, stand immer mit Rat und Tat parat. Sein Motto: „Da wo andere Menschen ihr Herz haben, da schlägt bei mir die Raute in der Brust.“ Wenn es niemals zutreffend war – auf Horst Eberstein traf es zu. Er wird am Freitag auf dem HSV-Friedhof in Bahrenfeld, in Sichtweite zum Stadion, neben seiner Ehefrau Elfriede beigesetzt.

Mach es gut, Horst, Du warst ein unheimlich feiner Mensch, ein freundschaftlicher und auch oft kritischer Begleiter der journalistischen Szene, mit dem man trefflich streiten und diskutieren konnte – aber stets mit Niveau, immer fair. Dafür danke ich Dir nicht nur, sondern verspreche Dir, dass ich immer nur Positives denke, wenn ich mich an Dich erinnere. Weil es auch nichts Negatives von Dir gibt – da warst ein stets ehrlicher Mensch, der kerzengerade seinen Weg ging. Hut ab vor Deiner großen Lebensleistung – ich vermisse Dich schon jetzt. Du warst einfach nur großartig. Und der Vollblut-HSVer schlechthin – für alle ein Vorbild!

19.21 Uhr

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