Archiv für das Tag 'Berg'

van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
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0:0 gegen Astana – der HSV im Dubai-Tief

18. Januar 2015

Baulärm und Krangeräusche von nebenan, wo gerade eine neue Schwimmhalle entsteht. Überall Absperrzäune. Keine Tribüne, sondern nur zwei kleine, abgegrenzte Bereiche hinter einem Tor für etwa zwei Dutzend Zuschauer aus Deutschland und ein Dutzend aus Kasachstan. Sogar ein paar Wolken sind zu sehen und helles Flutlicht von den Masten. Ein paar Kilometer entfernt ragt der mehr als 800 Meter hohe Burj Khalifa in den Himmel. Unter diesen Bedingungen fand heute das zweite Testspiel des HSV in Dubai statt. Am Ende wurde es ein 0:0 gegen den FK Astana aus Kasachstan. „Immerhin zu Null gegen einen Euro-League-Verein“, so HSV-Trainer Joe Zinnbauer. „Das sind keine schlechten.“

Den Gegner als nicht schlecht zu bezeichnen und die eigene Leistung als gut – soweit würde aber wohl keiner der Hamburger Verantwortlichen und Profis gehen. Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr müder Kick bei passender äußerer Kulisse. Bis auf den dritten Torwart Alexander Brunst setzte Zinnbauer alle 22 gesunden Spieler ein, die er augenblicklich noch zur Verfügung hat. Das Ergebnis war irgendwo abzusehen, insbesondere weil sich die Kicker ganz augenscheinlich am körperlichen Tiefpunkt der Vorbereitung befinden.

„Ich bin generell niemand, der Testspiele überbewertet“, sagte Torwart Rene Adler. „Heute hat man gesehen, dass wir ziemlich platt sind. Man hat gesehen, dass wir in einem leichten Trainingsloch sind, was ja auch gewollt ist. Und jetzt müssen wir sehen, dass wir da wieder rauskommen.“ Joe Zinnbauer ergänzte die positiven Aspekte: „Wir wollten den Inhalt sehen und haben Wert auf eine gute Spieleröffnung gelegt. Unser Gegner sollte tief stehen. Dazu haben wir sie auch gezwungen. Von der Seite bin ich zufrieden.“


In der ersten Halbzeit wirkte der Auftritt des HSV noch einigermaßen frisch. Das Resultat waren drei hochkarätige Torchancen. Zunächst scheiterte Maximilian Beister mit einem Heber am kasachischen Keeper (4.). Etwas später landete ein abgefälschter Schuss von Ahmet Arslan am gegnerischen Pfosten (14.). Und schließlich war es erneut Ahmet Arslan, der freistehend am Astana-Torwart scheiterte.

So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Götz, Djourou, Kacar, Jansen – Mende, T. Arslan – A. Arslan, Green, Beister (32. Marcos) – Rudnevs

Keeper Jaroslav Drobny hatte nur eine Gelegenheit sich auszuzeichnen – und zwar gleich zu Beginn des Spiels, als er eine verunglückte Kopfballrückgabe von Gojko Kacar aus der rechten unteren Torecke kratzen musste. Ansonsten konnte sich kein HSV-Spieler wirklich abheben, mit Ausnahme vielleicht von Ahmet Arslan, der die auffälligsten Szenen hatte. Die ganz offensiven Julian Green und Artjoms Rudnevs blieben völlig blass. Aus der Zentrale versuchte Sven Mende Sicherheit auszustrahlen, was auch gelang – allerdings ging er mit seinen Pässen nicht ins Risiko. Tolgay Arslan an seiner Seite riskierte mehr, machte deswegen aber auch den einen oder anderen Fehler mehr.

In Durchgang zwei wurde komplett durchgewechselt. Insgesamt präsentierte sich diese Mannschaft nicht ausgeschlafen. Hier gab es nur eine echte Gelegenheit. Nach Vorarbeit von Philipp Müller scheiterten Mohamed Gouaida und Innocent Emeghara nacheinander aus aussichtsreicher Position (66.). Nicht ganz zufällig vielleicht, denn diese beiden gelang nicht viel. Das Urteil von Joe Zinnbauer über Testspieler Emeghara fiel denn auch alles andere als überschwänglich aus: „Es ist schwer, ihn zu bewerten. Wir haben schon im Training gemerkt, dass er langsam einbricht. Er war gegen Frankfurt dynamisch, aber das Potenzial konnte er heute nicht abrufen, weil er müde war.“ Wahrscheinlich erhält Emeghara am Mittwoch gegen Manchester City noch eine dritte Bewährungschance. Der ganz große Durchbruch für den HSV wäre seine Verpflichtung also nicht, aber das war ja schon vorher abzusehen.

So spielte der HSV in der 2. Halbzeit: Adler – Westermann, Cleber, Rajkovic, Marcos – Stieber, Jiracek – P. Müller, van der Vaart, Gouaida – Emeghara

Gegen Ende der zweiten Halbzeit zog Joe Zinnbauer Emeghara sogar auf die linke offensive Seite zurück und stellte Rafael van der Vaart in die Spitze. Der Schweizer Emeghara sollte also auf einer weiteren Position getestet werden. In dieser Formation gefiel mir übrigens Zoltan Stieber ganz gut, trotz des einen oder anderen ungenauen Abspiels. Er präsentiert sich allgemein ordentlich hier in Dubai, nachdem er – als Fehleinkauf aus oberen Vereinsgremien gebrandmarkt – denkbar schlechte Startbedingungen beim HSV hatte.

0:0 also gegen Astana – mit diesem Resultat kann man nicht angeben, aber wenn sechs potentielle Stammspieler fehlen, sind mildernde Umstände angemessen. Lewis Holtby ist heute aus dem Krankenhaus entlassen worden. Mit Armbinde erschien er nach seinem Schlüsselbeinbruch aus dem Frankfurt-Spiel wieder in Dubai und soll nun doch bis zum Ende des Trainingslagers hier bleiben. Devise: In Hamburg kann er auch nichts machen, da soll er sich lieber in der Nähe des Teams aufhalten und die Wärme genießen. Auch Holtbys Lebensgefährtin ist mittlerweile nach Dubai geflogen.

Mit welchen angeschlagenen Spielern Joe Zinnbauer morgen um 12 Uhr Ortszeit zum Training rechnen kann, ist noch etwas offen. Auf jeden Fall wünscht er sich relativ zügig den Wiedereinstieg von Dennis Diekmeier, Nicolas Müller und Pierre Michel Lasogga, die allesamt mit Muskelbeschwerden zu tun haben. Bei Nicolai Müller wurde heute eine Kernspin-Untersuchung vorgenommen, zur Sicherheit, aber nichts Gravierendes gefunden. Er hat nur eine Verhärtung im Oberschenkel.

Wie hier bereits gestern geschrieben, drosselt Joe Zinnbauer sein Programm nun auch ganz offen. „Es kommt jetzt die Phase der Verletzungen, deswegen werden wir den Plan kürzen“, so Zinnbauer. „Wir arbeiten weniger, aber trotzdem konzentrierter. Man merkt, dass die Spieler wollen, Gas geben und über den Punkt gehen. Wir nehmen Rücksicht auf ihre Müdigkeit und gestalten das Programm in den Einheiten entsprechend.“ So viel Zeit bleibt ja nun auch nicht. Die Partie gegen Man City ist sicher eine Nagelprobe.

Matthias Ostrzolek plagt sich mit den Folgen einer Bänderdehnung im Fuß herum – das sollte auch kein langfristiges Problem werden. Schon eher die Kniebeschwerden von Valon Behrami. Dem Beobachter ist der Schweizer hier noch gar nicht unter die Augen gekommen. Behrami kann nur im Kraftraum und im Gym arbeiten. Natürlich ist er gegen Köln am 31. Januar sowieso gesperrt, aber danach ist er ziemlich sicher wieder gesetzt, weshalb sein Ausfall aktuell alles andere als ein gutes Zeichen ist. Und vor allem eben auch für die Mannschaft ein großer Nachteil, die sich mit diesem zentralen Spieler nicht einspielen kann.

Die Personallage ist also kompliziert. Dazu Rene Adler: „Irgendwo ist das normal – wobei fünf oder sechs natürlich sehr viel sind. Wir hoffen, dass Nicolai oder Lasogga mit ihren Muskelbeschwerden schnell zurückkehren, weil es Spieler sind, die ums im Moment äußerst gut weiterhelfen würden.“ Siebter Verletzter im Bunde ist Gideon Jung (Knieprellung) – bei ihm ist es eine Frage der (kurzen) Zeit, wann er wieder trainieren kann.

HSV-Wunschstürmer Josip Drmic hat gestern noch einmal für seinen Verein Bayer Leverkusen gespielt. Getroffen hat er zwar nicht bei der 1:2-Niederlage seinen Teams gegen die Corinthians Sao Paulo, aber doch den Treffer vorgelegt. Übrigens gingen beide Treffer für die Brasilianer auf das Konto von Paolo Guerrero. Wäre er noch in Hamburg, hätte der HSV ein Stürmer-Problem weniger. Und wo wir gerade von Ex-Hamburgern sprechen – es ist manchmal einfach nur zum Kopfschütteln. Ich will es gar nicht groß kommentieren, aber Eljero Elia hat nach seiner Ausleihe zum FC Southampton kräftig zugeschlagen und beide Treffer beim 2:1-Auswärtserfolg in Newcastle erzielt. Und Marcus Berg, flüsterte mir heute eine Statistik, liegt bei Panathinaikos Athen mittlerweile bei 27 Treffern in 50 Liga-Spielen.

Abschließend möchte ich Euch auf die Montag-Ausgabe des Hamburger Abendblatts hinweisen. Kai Schiller hat hier in Dubai ein Interview mit Marketing-Vorstand Joachim Hilke geführt. In diesem Interview fordert Hilke einen neuen Verteilerschlüssel für den TV-Vertrag. „Der HSV wird sich für einen neuen Schlüssel einsetzen, weil wir das Gefühl haben, dass wir in Bezug auf unsere mediale Aufmerksamkeit nicht entsprechend honoriert werden. Wir sind immerhin eine der Haupt-Quotenbringer im Pay-TV.“ Bislang ist der Quotenschlüssel eng an den Tabellenplatz geknüpft – da schneidet der HSV logischerweise nicht gut ab. Außerdem spricht Hilke über die Gespräche mit Hauptsponsor Emirates, Klaus-Michael Kühne und den Campus-Bau. Sehr lesenswert.

Morgen wird hier also vor allem dosiert trainiert. Mittags geht es kurz auf den Platz, und dann geht der HSV seinen Sponsoren-Verpflichtungen nach im Rahmen einer großen Pressekonferenz, an der Trainer und Spieler des HSV teilnehmen werden. Damit beginnen also die letzten drei aktiven Tage hier in Dubai, ehe es zurück geht in die Kälte. „Wir wollen auf den Punkt gegen den 1. FC Köln fit sein“, sagte Rene Adler abschließend. „Es nützt uns nichts, wenn wir unsere Gegner hier wegknallen. Wenn man nach acht Tagen Trainingslager fit ist und man sich gut fühlt, dann hat man etwas falsch gemacht. Insofern ist alles im Rahmen.“

Und ganz abschließend schicke ich – auch im Namen von Dieter und Scholle – einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag an Benno Hafas. Alles Gute, lieber Benno, wir freuen uns alle weiter über Deine Beiträge und Fotos!

Lars
18.25 Uhr

Mitglieder wählen HSVPlus-Initiative

24. Mai 2014

+++++ Aktualisierung +++++
Dies soll nur als eine Art kleine Zusammenfassung und Aktualisierung des ereignisreichen, ja historischen, Tages beim HSV dienen. Die Mitglieder haben für die Ausgliederung, für die HSVPlus-Initiative gestimmt. 86,9 Prozent der 9702 anwesenden Mitglieder – nie kamen mehr zu einer HSV-Versammlung – stimmten am Sonntag um 16.33 Uhr für die entsprechenden Pläne der Reforminitiative HSVPlus.

Der Klub wird nun völlig umgekrempelt. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow steht vor dem Aus. Stattdessen soll der ehemalige Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer an der Spitze der neuen Fußball-AG stehen. Die neue HSV-Fußball-AG muss nun noch ins Handelsregister aufgenommen werden – dies soll bis Ende Juni passieren. Erst dann können die neuen Macher auch offiziell ihre Arbeit aufnehmen.

Alles Weitere Infos gibt es in den Videos, im Ticker und ab morgen, dann auch wieder hier. Bis dahin genießt den Rest des sonnigen Sonntages und erholt Euch so schnell wie möglich von dieser, nun vergangenen, Saison.
+++++ Aktualisierung +++++

Es kribbelt schon genau so, wie vor dem Relegations-Spiel in Fürth, das vor einer Woche mit 1:1 gewonnen wurde. Ähnlich knapp dürfte der „Sieg“ morgen bei der Mitgliederversammlung ausfallen, entweder für „HSVPlus“, oder für die Traditionalisten der „HSV-Allianz“. „Zerstört sich der HSV morgen selbst“, so stand es in großen Lettern auf der Seite eins der „Bild“, und im Sportteil des Abendblatts hieß die Zeile: „Die letzte Schlacht um den HSV“. Unter dem Aufmacher-Artikel des Kollegen Alexander Laux lautete die Überschrift des „Fußkastens“: Otto: „Es darf kein Triumphgeheul geben“.


HIER GEHT‘S ZUM TICKER FÜR SMARTPHONES

 

Da kamen sofort Erinnerungen auf, denn bei der letzten Mitgliederversammlung des HSV fiel eine ganz wichtige Entscheidung, als bereits viele, viele Mitglieder die Halle verlassen hatten – es war weit mehr als die Hälfte. Und es ging dann immerhin noch um den so wichtigen Punkt der Briefwahl. Damals siegte die Opposition, und diese Damen und Herren stimmten sehr wohl ein ganz besonders lautes Indianergeheul an. Weil vorher keiner auf die Bremse getreten war, wie jetzt der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Chef Alexander Otto?

 

Interessant an dem Interview, das HA-Sportchef Peter Wenig mit Otto führte, fand ich besonders eine Passage. Da sagt der Multi-Millionär unter anderem: „Frisches Geld hilft ohne Frage, aber es löst nicht alle Probleme.“ Und: „Viel wichtiger ist ein handlungsfähiger Vorstand, der schnelle, klare und transparente Entscheidungen trifft. Der FC Augsburg arbeitet mit einem viel kleineren Etat erfolgreicher als der HSV. Das zeigt, dass Geld eben nicht alles ist.“

 

Natürlich nicht. Besonders dann, wenn man es hat . . . Aber noch einmal zum Vorstand zurück. Otto fordert eine HSV-Führung, die „schnelle, klarere und transparente Entscheidungen trifft“. Toll. Aber, das ist nun eine der Kernfragen, die alle HSV-Mitglieder morgen beschäftigen sollte: „Wer hat diesen Vorstand denn ins Amt gehoben?“ Richtig. Und wer hat diesen Aufsichtsrat zu Leben erweckt? Richtig. Und rückblickend, das werden wahrscheinlich auch einige Damen und Herren der Opposition einsehen (müssen), gibt es da zu konstatieren: „Es ist wohl nicht immer alles ganz richtig gelaufen. Oder: Es sind wohl oft die falschen Leute dazu befähigt worden, diesen Verein zu führen.“ Zu was das letztlich geführt hat, das wissen inzwischen alle. Hoffentlich. Obwohl mir dabei einfällt, dass es bestimmt noch den einen oder anderen Menschen gibt, der glaubt, dass alles so richtig war, wie es gelaufen ist. Nur die Spieler haben versagt . . .

 

Wie dem auch sei, dem HSV steht die letzte Schlacht bevor, vielleicht auch nur die bislang größte der Vereinsgeschichte.

 

Hoch interessant in dem Abendblatt-Artikel von Alexander Laux war auch die Aussage von HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel, der aussagte: „Mit HSVPlus fährt man die Mitgliederbestimmung von 100 auf fünf Prozent zurück.“ Zum Wohle des Vereins? Oder: Zum Wohle des Vereins. Denn die Mitglieder hatten in jenen Jahren, in denen sie den Aufsichtsrat (und der dann den Vorstand) bestimmten und wählten, doch immer viel, sogar sehr viel zu meckern und zu kritisieren. Und, siehe oben, es ist doch, bei aller Liebe zum HSV, vieles, ja so vieles falsch gelaufen. So unendlich viel. Bis hin zur Relegation. Ob das nun ein letzter Warnschuss war? Man wird sehen.

 

Und es wird ganz sicher spannend, eventuell sogar dramatisch. Und es könnte auch ein langer Abend werden. Der Beginn dieser so brisanten Mitgliederversammlung, zu der sich bis heute knapp 9000 Mitglieder angesagt haben, ist auf elf Uhr taxiert, das Ende aber ist völlig offen. Wegen der großen Flut von Satzungsänderungs-Anträgen. Sollte abends über „HSVPlus“ abgestimmt werden, könnten sich schon wieder viele HSV-Mitglieder per Bahn oder Zug auf den weiten Heimweg gemacht haben. Und damit würden dann natürlich die Chancen steigen, dass die Dreiviertelmehrheit, die „HSVPlus“ erreichen muss, verfehlt wird – und dass die Opposition doch ein Indianergeheul anstimmen kann. Es sei denn, die Damen und Herren nehmen den Rat von Alexander Otto auf.

 

Der HSV steht vor seiner größten Zerreißprobe, keine Frage. Es wird nach diesem Sonntag Austritte geben, vielleicht sogar hageln – so oder so. Mal sehen, wie der Club damit wird umgehen können.

 

Die Frage, die sich am Ende des Tages aber stellen könnte, ist die: „Kann es denn überhaupt noch schlechter werden?“ Natürlich kann es das, nämlich mit dem direkten Abstieg in Liga zwei. Und das mit einer ähnlichen grottenschlechten Saison wie die gerade erlebte. Und im Moment sieht es eher danach aus, dass diejenigen Spieler, die es noch halbwegs konnten, Hamburg verlassen werden. Ich habe gestern schon geschrieben, dass ich fest mit der Vertragsauflösung von Rafael van der Vaart rechne. Jetzt hat der Niederländer im WM-Vorbereitungs-Quartier seiner Nationalmannschaft folgende nette Sätze über sein momentanes Befinden gesagt – und zwar: „Es fühlt sich wie eine Befreiung an, nach so einer Saison mit dem HSV. Wenn du zur Nationalmannschaft kommst, ist das Niveau höher und es sind Spieler da, die Titel gewonnen haben. Deshalb ist die Stimmung hier positiv, ich fühle mich richtig wohl.“
Na dann.
Es klingt doch eher nach Abschied, oder?

 

Und nachdem der zweitbeste HSV-Torschütze, nämlich Hakan Calhanoglu, seinen Abschied schon verkündet und auch mehrfach gefordert hat, geht – natürlich – auch der beste HSV-Torjäger. Hertha-Manager Michael Preetz sagte über den Hamburger Leihspieler: „Wir wollen ihn zurück, denn wir wollen nicht auch noch, nach dem Wechsel von Ramos nach Dortmund, unseren zweiten Top-Torjäger verlieren.“ Natürlich nicht. Es sei denn? Gibt es da noch ein Hintertürchen? Preetz: „Da müsste schon ein Angebot für Pierre-Michel kommen, das wir unmöglich ablehnen können, aber das gibt es nicht.“ Und wenn es ein solches Angebot tatsächlich doch geben sollte, dann – nach jetzigem Stand – ganz bestimmt nicht vom HSV.

 

Ja, ja, das liebe Geld. Das allerdings spielte in der gerade zurückliegenden Winterpause keine Rolle, als es darum ging, ob David Jarolim zum HSV – sofort – zurückkehren wird. „Jaro“ der zurzeit noch für den tschechischen Tabellendritten FK Mlada Boleslav spielt, wäre dazu bereit gewesen, er stand parat und saß zugleich auf gepackten Koffern. Der HSV, die sportliche Führung, wollte ihn nicht. Dabei wäre der Dauerläufer, der „kleine Emil Zatopek“, ganz sicher in besserer körperlicher Verfassung gewesen, als der Großteil der HSV-Spieler. Aber gut, es war ja auch nur ein Angebot . . . Quasim Bouy und Ola John waren da schon ganz andere Kaliber, kamen sie doch nicht aus Tschechien, sondern von Juventus Turin und Benfica Lissabon. Nee, liebe Leute, ich komme über diese beiden Herren einfach nicht hinweg. Der HSV hat sich in Sachen Verpflichtungen und Verstärkungen schon einige richtig dicke Klops erlaubt (Marcus Berg, David Rozehnal waren zuletzt wohl die größten Fehler), aber diese beiden Winter-Leihgaben, die bleiben die ungekrönte Krönung, sie sind der Knüller der Vereinsgeschichte. Aber Jarolim ablehnen . . .

 

Natürlich ist „Jaro“ auch heute noch topfit. Das war er immer – ein Vorbild-Profi eben. Deswegen muss er doch eigentlich über die letzten 30 Minuten in Fürth entsetzt gewesen sein, wie der HSV da über das Spielfeld taumelte, weil ihm die Kraft ausgegangen war. Die meisten Hamburger waren stehend k.o. Jarolim: „Deswegen hatte ich ja auch eine so große Angst um den HSV, aber ich habe mich gefragt, warum das so ist. Eindeutig war, dass Fürth in Hamburg spritziger und läuferisch stärker war, und dass dem HSV dann in der letzten halben Stunde in Fürth die Kraft ausging. Einige Spieler hingen mächtig durch, wobei es bei van der Vaart, Lasogga und Jansen schon klar war, denn sie hatten lange Verletzungspausen zu überstehen.“ Jarolim lobt aber auch: „Die erste Halbzeit war super vom HSV, da hat die Mannschaft genau so gespielt, wie man es in einer solchen Begegnung machen muss.“ Aber dann. . . Dann gab es den Einbruch. Und David Jarolim sagt dazu auch noch: „Das war schade, denn es gibt einer Mannschaft auch Selbstbewusstsein, wenn sie genau weiß, dass sie jedes Tempo des Gegners bis zur letzten Sekunde mitgehen kann.“ Natürlich. Aber davon konnte beim HSV in dieser Saison nie die Rede sein.

 

Der gute David Jarolim hatte sich am vergangenen Sonntag gemeinsam mit seiner Frau auf die 300 Kilometer von Prag nach Fürth gemacht, die Karten hatten ihnen Medien-Direktor Jörn Wolf und Teammanager Marinus Bester besorgt: „Diese beiden Spiele gegen Fürth waren schwer zu ertragen für mich, wenn man nur zuschauen und nicht helfen kann. Besonders das Rückspiel hatte es in sich, das war in der Schlussphase ganz, ganz schwierig, das zu erleben. Ich habe noch an den Klassenerhalt des HSV geglaubt, aber ich habe auch unheimlich gezittert. Nach dem 1:1 von Fürth spielte ja nur noch eine Mannschaft, die Spannung war unerträglich.“

 

300 Kilometer – das zeugt davon, dass Jarolim die Raute immer noch im Herzen trägt. Er sagt aber: „Leider war es nach zwei Jahren erst das erste Spiel des HSV, bei dem ich im Stadion war – das ist zu wenig, das enttäuscht mich selbst ein bisschen. Dafür haben wir uns aber auch schon eine Woche vorher gefreut, dass wir Karten für das Fürth-Spiel hatten. Mindestens eine Woche Vorfreude auf den HSV war das.“

 

Aber er ist natürlich auch noch selbst Spieler, deswegen fehlte ihm oft die Zeit, den HSV mal live zu sehen. Und morgen steht in Tschechien erst der vorletzte Spieltag auf dem Programm, Boleslav muss daheim gegen Meister Sparta Prag antreten, aber unabhängig vom Ausgang dieses Spiels, die Mannschaft von David Jarolim, die von seinem Vater Karel trainiert wird, hat sich bereits für die Europa League qualifiziert. Und für das morgige Spitzenspiel ist er total optimistisch: „Wir hätten es nun, nachdem wir in Europa dabei sind, leicht, locker und leger angehen lassen können, aber mein Vater und die gesamte Mannschaft ist so ehrgeizig, wir haben trainiert, als ging es um die Meisterschaft. Und das ist auch gut so, ich bin ja immer dafür gewesen, dass man hart arbeitet.“

 

Hart arbeiten soll – oder sollte – „Jaro“ ja auch nach seiner Profi-Karriere, und zwar beim HSV. Das ist noch immer nicht vom Tisch. Würde eine neue Vereinsführung denn die Chancen auf eine Rückkehr des Mittelfeldspielers verringern? Er sagt: „Nein, im Gegenteil. Ich habe von der jetzigen Vereinsführung lange nichts mehr gehört, wir haben keinen Kontakt mehr, da gab es früher, als Frank Arnesen noch da war, mehr Telefonate. Ich weiß zwar, dass der HSV natürlich ganz andere Sorgen gehabt hat und hat, aber trotz allem denke ich, dass wenn Interesse da gewesen wäre, dass man mich dann mal angerufen hätte.“

 

Jetzt hofft er auf die neue HSV-Führung. Und speziell auf einen Mann. Jarolim: „Ich hoffe darauf, dass Dietmar Beiersdorfer zum HSV zurückkommen wird, mit ihm lief es damals doch gut wir hatten ein gute und auch eine erfolgreiche Zeit.“ „Jaro“ weiter: „Ich habe auf jeden Fall noch Interesse, der HSV ist mein Club, und als meine Frau und ich die HSV-Fans nun live erlebt haben, da dachten wir schon an die Zeit zurück – und wie toll es doch wäre, wenn wir wieder in Hamburg wären. Zumal wir noch immer unsere Wohnung dort haben, wir würden also sofort wieder heimisch sein in Hamburg. Auf jeden Fall. Wir haben es vor.“ Wobei sich David Jarolim noch immer nicht entschlossen hat, ob er noch weiterhin als Profi spielen wird. Sein Vater versucht ihn zu überreden, aber „Jaro“ lässt es sich noch offen. Vielleicht auch wegen der Option Hamburg.

 

Schnell noch zu einem Mann, der Hamburg in diesem Sommer (wohl) verlassen wird. Co-Trainer Roger Stilz hat sich bekanntlich vom HSV verabschiedet, und ich denke nicht, dass er künftig im Hamburger Amateurfußball arbeiten wird. Vielleicht ist Wolfsburg seine nächste Station im Profi-Fußball – mal sehen. Ich, das muss ich an dieser Stelle mal sagen, bedauere seinen Abschied vom HSV, weil Stilz sehr wohl ein Mann ist, der viel, sogar sehr viel vom Fußball versteht, der auch seine klaren Vorstellungen von dem hat, wie es im Profi-Fußball zu laufen hat. Deswegen wäre er weiterhin ein guter Mann für den HSV gewesen – und für mich zugleich auch eine Art Hoffnungsträger, dass vieles gut gemacht wird, dass nicht allzu vieles schief läuft.
Schade, schade, aber es ist nicht mehr zu ändern.

 

So, hoffentlich wird das nun nicht das Motto für diejenigen HSVer, die morgen den Volkspark verlassen und sich eventuell zu einer solchen Aussage veranlasst sehen.

 

Ich wünsche allen eine gute Wahl, auf dass der HSV endlich wieder aufblühen wird. Alles Gute für Euch, für morgen und für alle Rothosen. Und dann noch einen wunderschönen Fußballabend mit zweimal Madrid in Lissabon.

16.03 Uhr

PS: Die Zweite hat ihr letztes Saisonspiel in der Regionalliga bei Meister VfL Wolfsburg mit 2:3 verloren, dabei aber zur Pause noch mit 2:0 geführt. Für die Tore hatten Nils Brüning und Ronny Marcos gesorgt, es war die Abschiedsvorstellung von Trainer Rodolfo Cardoso, dessen Mannschaft letztlich auf dem 14. Tabellenplatz einlief.

Zwei- oder gar Drei-Klassen-Gesellschaft?

7. September 2013

Bundesliga VfL Wolfsburg gegen Bayern München, live im Fernsehen. Und wer führt? Natürlich Bayern. 1:0 bei den Wölfen – vor 8942 Zuschauern. Genau genommen führt der FC Bayern bei den Wölfinnen, denn es ist der erste Spieltag der Frauen-Bundesliga – live auf Eurosport. Und München ist eigentlich Außenseiter gegen den Triple-Gewinner aus Norddeutschland, aber nicht immer gewinnt der Favorit. Auch wenn Deutschland, favorisiert gegen Österreich, ein sehr gutes Spiel abgeliefert hat und seiner Favoritenrolle mit einem klaren 3:0 gerecht geworden ist. Ich hatte ja auf einen Tag der offenen Tür getippt, und auch vorhergesagt, dass es keine Treterei geben wird – aber gegen Schluss des Spiels langten die Ösis dann doch einige Male kräftig zu. War wohl viel Frust im Spiel. Besonders bei Kavlak, der dreimal was auf die Nase bekam und sich dann spät mit einem ganz bösen Tritt gegen Kroos für einen Ellenbogenschlag kräftig revanchierte. Das war eigentlich glatt Rot, so wie es das Regel-Lehrwerk zwingend vorsieht, aber der Schiedsrichter dachte wohl an die über eine Stunde lang blutende Nase, hatte Mitleid und zeigte nur Gelb.

So, das war der Ausflug in die WM-Qualifikation, jetzt geht es zum HSV. Da war heute Abschlusstraining – für die Zweite. Rodolfo Cardosos Mannschaft spielt morgen bei Regionalliga-Aufsteiger Eintracht Norderstedt, Anpfiff ist um 14 Uhr. Und leider kollidiert diese Partie mit dem Tag der Legenden am Millerntor, wo ich mich schon am Vormittag einfinden werde. Ich bin gespannt, wie sich der HSV-Talente-Schuppen an der Ochsenzoller Straße aus der Affäre ziehen wird – im Edmund-Plambeck-Stadion hatte der HSV ja bis zuletzt Heimrecht genossen. Es ist also fast noch ein Heimspiel, aber zuletzt hatte die „Zweite“ ja nach zwei Siegen in Folge mit 1:3 daheim gegen Goslar den Kürzeren gezogen.

Beim HSV könnten zwei „Aussortierte“ mitmachen: Robert Tesche und Gojko Kacar. Zwei von vier, denn in diesen Kreis gehörten ja vor einigen Tagen ja auch noch Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic. Beide sollten, so war es einst angekündigt, am Ende der Transferperiode auch zur club-eigenen U 23 gehen, falls sie bis dahin keinen neuen Arbeitgeber gefunden haben. Und das haben sie bekanntlich nicht. Und nun gibt es im HSV sogar zwei verschiedene Sorten von „Aussortierten“. Eine Sorte trainiert mit dem Regionalliga-Team in Ochsenzoll, die andere mit den Profis im Volkspark. Das ist schon ein wenig kurios. Oder sogar reichlich.

Was, so wurde ich gestern während des Profi-Trainings gefragt, macht den Unterschied aus? Sind Mancienne und Rajkovic bessere Menschen als Kacar und Tesche, sind sie besser Profis – oder trainieren sie nur besser? Ich muss gestehen, dass ich diese Frage nicht beantworten konnte. Es ist vielleicht so, dass sich Kacar und Tesche zu oft schon gesträubt haben, den HSV zu verlassen, obwohl ihnen die Verantwortlichen schon seit Monaten klar gemacht haben, dass sie hier keine Rolle mehr spielen werden. Allerdings würde das in meinen Augen auch auf Rajkovic zutreffen, denn der Innenverteidiger machte auch relativ wenig bis gar keine Anstalten, den HSV verlassen zu wollen.

Lediglich Mancienne hätte Hamburg den Rücken gekehrt, doch um das in die Tat umzusetzen, hätte es mindestens einen Verein geben müssen, der ihn hätte haben wollen – das aber war nicht der Fall. Und auf jeden dieser vier Profis trifft dann auch zu, dass sie einfach zu gute Verträge mit dem HSV abgeschlossen haben. Wer würde schon freiwillig auf viel Geld verzichten wollen, wenn er dazu noch einen viel, viel schlechteren Club als neuen Arbeitgeber zu akzeptieren hätte?

Ich gestehe, dass ich eine gewisse Zeit schon mit Unverständnis auf die „Aussortierten“ reagiert habe. Weil ich es nicht verstehen konnte, dass sie – wenn schon dermaßen unerwünscht – sich keinen neuen Club gesucht haben. Oder von ihren Beratern haben suchen lassen. Allerdings denke ich nun auch ein wenig anders darüber, denn die Zeiten sind ja wirklich schlecht geworden. Nicht nur für Profi-Fußballer, aber auch. Wer als Profi bei seinem Verein „ausgespielt“ hat, der muss erst einmal etwas Besseres finden. Aber, und das halte ich mir immer vor Augen, was ist denn schon besser als der HSV? Bayern und Dortmund. Aber dann? Und wenn man dazu weiß, dass der HSV in den vergangenen Jahren (als es keinen Sportchef gab) Gehälter gezahlt hat, die zu Bayern und Dortmund passen würden, dann ist es für Außenstehende leicht zu sagen: „Weg mit ihnen.“

Nehmen wir mal Gojko Kacar. Super-Vertrag mit dem HSV. In diesem Jahr, das haben wir alle erfahren dürfen, erhöhte sich des jährliche Gehalt des 26-jährigen Mittelfeldspielers von 1,5 auf 1,8 Millionen Euro. Das war damals, bevor Frank Arnesen und später Oliver Kreuzer kamen, so vertraglich vereinbart. Kacars Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2015. Das sind so bummelige 3,5 Millionen, die der frühere Nationalspieler bis zu seinem Ausscheiden in Hamburg kassiert. Wer würde darauf schon freiwillig verzichten? Ich nicht, gebe ich zu. Und wenn ich dann zum punktlosen Tabellenletzten Russlands nach Sibirien wechseln sollte, dann natürlich auch nicht. Selbstverständlich nicht. Tom Tomsk als Absteiger in spe, oder Hamburg und die U 23 des HSV – da würde ich für 3,5 Millionen Euro auch Hamburg bevorzugen. Wenn der Vertrag von Kacar ausgelaufen ist, geht der Spieler auf die 28 Jahre zu. Dann ist er in einem Alter, in dem er in der Heimat sehr wohl noch einen Verein finden wird. Zwar für viel, viel weniger Geld als beim HSV, aber die Millionen, die Kacar bislang schon in Hamburg verdient hat (und die er noch verdienen wird – diese bummeligen 3,5), die haben ihn spätestens dann zu einem gemachten Mann gemacht.

Ähnlich verhält es sich doch mit Robert Tesche. Angebot vom FC St. Pauli – abgelehnt. Natürlich. Zweite Liga. Und dazu wissen alle Hamburger, dass der große Nachbar des HSV genau so flüssig ist (in Sachen Finanzen) wie der Erstliga-Club aus dem Volkspark. Tesche hätte spielen können, aber ganz bestimmt für viel, viel weniger Geld. Und er hat sich für das Geld entschieden, dass er noch bis zum 30. Juni 2014 immer schön aufs Konto überwiesen bekommt. Der HSV war damals eben so großzügig und warf mit dem Euro nur so um sich. Bei der Gelegenheit: Ich traf kürzlich einen Münchner, dessen Geschäft in der Bundesliga läuft. Der lachte sich in diesem Gespräch kaputt über den blauäugigen HSV, dass der solche Wahnsinnssummen zahlt.

Zahlte, muss man ja sagen, denn der HSV ist ja längst vernünftiger geworden. Und ihm wird es sicherlich auch dann wieder etwas besser gehen, wenn die „Aussortierten“ irgendwann keine Millionen mehr in Empfang nehmen werden. Der Vertrag von Rajkovic endet übrigens am 30. Juni 2015, der von Mancienne ebenfalls. Das sind doch mal Perspektiven . . .

Wobei ich, das ist schon klar, die eine Frage immer noch nicht beantwortet habe. Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den „Aussortierten“? Oder sogar eine „Drei-Klassen-Gesellschaft“? Denn eines ist doch auch klar: Auch ein Marcus Berg und ein Paul Scharner gehörten einst zu den „Aussortierten“, zu jenen Spielern, die beim HSV „über“ waren. Das „Millionenden“-Missverständnis Berg wurde nach Athen verschenkt, 49-Minuten-Mann Scharner mit einer Abfindung von einer halben Million vor die Tür gesetzt. Das sind natürlich auch Möglichkeiten, sich von Spielern auf die elegante Art zu trennen, allerdings gehen die auch ganz schön ins Geld . . .

Ich sehe, wenn ich eine Begründung dafür finden müsste, warum Mancienne und Rajkovic nun plötzlich doch „oben“ bleiben und trainieren dürfen, die Gewerkschaft der Profi-Fußballer dafür (mit-)verantwortlich. Sie wagte sich vor einer Woche mit der dieser pikanten These an die Öffentlichkeit: „Profi-Fußballer, geht nicht zum HSV und nicht nach Hoffenheim, da werdet ihr gemein behandelt, am Ende sogar aussortiert.“ Als diese Meldung kam, blieben Mancienne und Rajkovic plötzlich bei den Profis. Zufall? Daran mag ich nicht so recht glauben. Eher denke ich, dass es der HSV mit dem „Aussortieren“ nicht gänzlich auf die Spitze treiben wollte. Es würde dem Image des Clubs sehr abträglich sein . . .

Wobei ich eines sagen muss: Rajkovic und Mancienne trainieren zurzeit wirklich vorbildlich. Besonders der Engländer, er würde bei mir fast die Note eins bekommen. Aber, auch das muss ich sagen: Kacar machte zu Saisonbeginn, als er bei der U 23 mittrainieren musste, einen ganz schlimme Eindruck auf mich – nur körperlich. Da wirkte er rundlicher, untrainiert, überhaupt nicht spritzig, auch nicht ehrgeizig. Das aber hatte sich schnell erledigt. Wochen später sah ich Gojko Kacar wieder, er war rank und schlank, beweglich, ehrgeizig, temperamentvoll. Auch heute beim Abschlusstraining gab er sich so. Er will nicht verlieren, er kann nicht verlieren, er gibt alles, um als Gewinner vom Platz zu gehen. Er meckert, er schreit, er kritisiert die Kollegen, weil er den Erfolg will. Den Erfolg, den er zurzeit mit der Regionalliga-Mannschaft des HSV erleben muss.

Die Frage, die er – und die drei anderen Kollegen – stellen wird, ist die: „Wie lange noch?“ Im Winter, im Januar, beginnt die zweite Transferperiode dieser Saison, vielleicht klappt es ja dann. Wenn es denn gewollt und gewünscht wird.

So, aktuell ist heute beim HSV nichts passiert. Gestern allerdings bestritt Hakan Calhanoglu sein erstes A-Länderspiel für die Türkei, der Mittelfeldmann wurde beim WM-Qualifikationsspiel Türkei gegen Andorra (5:0) in den letzten acht Spielminuten eingesetzt – und darf demzufolge jetzt für kein anderes Land als die Türkei spielen. Schade. Aber Glückwunsch zur Premiere – der HSV hat einen Nationalspieler mehr.

Ganz zum Schluss, es hat niemand (!) darauf gewartet, aber ich muss es noch chronologisch abliefern: Wolfsburg gegen Bayern, die Frauen, endete 1:1. Aber nur deshalb, weil Bayerns Nationalspielerin Lena Lotzen, die kürzlich auch half, dass Deutschland Europameister wurde, beim Stande von 1:1 bereits die VfL-Torhüterin umkurvt und das leere Tor vor sich hatte, sie auch schoss – aber um Millimeter am leeren Tor vorbei (75.). Ein Kunststück, das, ganz klar, auch schon so mancher Mann in der Bundesliga vollbracht hat – aber beim Frauen-Fußball habe ich das noch nie gesehen, das geht ganz sicher in die Geschichte ein.

PS: Morgen, am Sonntag, wird im Volkspark nicht trainiert. Gespeilt wird um 14 Uhr in Norderstedt (Eintracht gegen HSV II), und gespielt wird schon früh am Millerntor, wenn sich die Elite des deutschen Fußballs zum Tag der Legenden trifft. Dabeisein ist alles – und es ist immer noch für einen sehr guten Zweck.

16.39 Uhr

Rudnevs und Zoua das neue Traumpaar?

6. August 2013

Alle „Matz-abber“ haben an diesem Dienstag Geburtstag. Herzliche Glückwünsche von mir, denn heute feiert „Matz ab“ sein vierjähriges Bestehen. Vier Jahre – es kommt mir schon wie mindestens 20 vor, Tatsache. Wo ist die Zeit geblieben? Vier Jahre jeden Tag „Matz ab“, was für eine Geschichte! Was vor allem für eine lehrreiche Zeit für mich?! Es gab Höhen und Tiefen, aber es gab vor allen Dingen mehr, viel mehr Erfreuliches als Unerfreuliches. Bruno Taut und der Frauenarzt aus der Ostalb wurden – wenn auch unter Schmerzen – „verarbeitet“, aber das sind im Grunde genommen Randstorys. Dass ich viele tolle, nette, hilfsbereite, charakterlich einwandfreie Menschen, die auch tatsächlich Menschen geblieben sind, kennenlernen durfte, war eine unglaublich tolle Geschichte, dafür bin ich dem Verlag auch dakbar. Demnächst werde ich bei „Matz ab“ ausscheiden, weil ich das Alter dazu erreicht habe, der Tag ist nicht mehr fern, aber ich werde ganz sicher mit vielen, vielen „Matz-abbern, nicht nur aus Hamburg und Umgebung, in Kontakt und damit verbunden bleiben.

Ihr seid einfach klasse, Weltklasse sogar, ich weiß seit spätestens vier Jahren „Matz ab“, dass der HSV viele, viele Super-Fans hat, die ihren Verein lieben, die alles für die drei großen Hamburger Buchstaben geben würden, die immer da sind, wenn sie gebraucht werden – dickes Kompliment! Und vielen Dank für die Glückwünsche, die mich heute erreicht haben – es waren, das sei erwähnt, weniger als in den Vorjahren, aber das ist auch ein gutes Zeichen (denke ich), denn „Matz ab“ gehört zum Alltag einfach dazu – Geburtstag nun hin, Geburtstag her. Alles Gute für Euch. Ich will hier keinen „Matz-abber“ besonders herausstellen, nur einen möchte ich an dieser Stelle (es sei mir gestattet) kurz erwähnen – den „el presidente“. Benno Hafas ist zurzeit „auf Kur, ihm wünsche ich beste Erholung und natürlich beste Gesundheit, damit er seinen geliebten HSV stets und ständig ertragen kann – in guten wie in schlechten Zeiten.

Das heutige „Geburtstags“-Training im Volkspark war hart und knackig, es ging in einem Kraftzirkel zur Sache. Thorsten Fink hatte seine „Assis“ machen lassen – und die machten. Obwohl nicht alle mitmachten. Paul Scharner lief am Rande, und Slobodan Rajkovic verließ den Parcours frühzeitig, weil er unter Migräne litt. Zudem fehlte Michael Mancienne, der sich am Freitag, als er umknickte, einen Kapselanriss (oder nur eine Dehnung?) zugezogen hat und eine Woche pausieren wird. Zhi Gin Lam hat auch heute noch nicht mit der Mannschaft trainiert, dazu sagte Thorsten Fink: „Reha-Trainer Markus Günther hat gemeint, dass ihm noch etwas an Muskulatur fehlt, daran wird in dieser Woche gearbeitet – und dann soll er eine Woche drauf wieder bei uns einsteigen.” Der an den Adduktoren operierte Johan Djourou hat die OP gut überstanden, leider aber verheilt die Wunde nicht so, wie erhofft, sodass der Abwehrmann weiter auf sein Comeback warten muss.

Paul Scharner soll übrigens der „Nachfolger“ von Marcus Berg werden, denn der Österreicher soll von der kommenden Woche an bei der U 23 (von Rodolfo Cardoso) trainieren und spielen. Mit anderen Worten, der ehemalige Nationalspieler wird auch, wie zuvor Berg und Gojko Kacar, aussortiert.

Dazu sagte er heute: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten für mich. Ich kann wechseln, bei der U 23 spielen, meine Karriere beenden oder auch Krieg führen.“ Mit oder gegen den HSV. Klingt nicht unbedingt nach Harmonie. Auf die Frage, ob auch Mancienne und Rajkovic zur U 23 müssen (dürfen oder sollen), antwortete Trainer Torsten Fink: „Das ist nicht meine Sache, da müsste Oliver Kreuzer gefragt werden – ich bereite die Mannschaft jetzt auf das Schalke-Spiel vor.“ Fink wollte sich zur Scharner-Geschichte nicht groß äußern, sagte nur: „Fest steht, dass er nicht unter den ersten vier Innenverteidigern ist, alles andere ist jetzt die Sache von Oliver Kreuzer.“ Scharner selbst sagte nach seinem Spezial-Training und beim Verlassen des Platzes vielsagend: „Vielleicht hat der Trainer ja Angst vor mir . . ?“

Im Hinblick auf Schalke hat Thorsten Fink heute rückblickend (auf das Jena-Spiel) gesagt: „Ich denke, dass wir noch viel zulegen müssen für das Spiel am Wochenende, das ist ganz klar.“ Über die vermeintliche Aufstellung einer Mannschaft, die in Gelsenkirchen den ersten Auswärtssieg der Saison holen soll, verriet der Coach diesmal noch nichts: „Die Jungs sollen Gas geben, sich anbieten, es soll sich keiner zu sicher fühlen.“ Angeblich soll und kann sich noch jeder in das „Schalke“-Team hineinspielen: „Es war ja nicht so, dass wir am Wochenende eine solche Leistung abgeliefert haben, dass jeder auch gegen Schalke spielen muss.“ Fink zur Problematik, wer denn in der Spitze auflaufen wird: „Ich lasse mir in dieser Frage Zeit, ob nun Artjoms Rudnevs oder Jacques Zoua. Vielleicht spielen auch beide, der eine spielt außen, der eine als Spitze – das überlege ich mir noch.“ Als Spitze dürfte aber wohl „Rudi“ Rudnevs leicht die Nase vorn haben.

Nun also wird es ernst. Nicht nur für den HSV, sondern für alle –aber eben auch für den HSV. Der hat die letzten Spiele, 0:4 in Dresden und 4:0 in Jena, nicht sonderlich berauschend gespielt, aber Thorsten Fink sagt auch: „Gegen Inter haben wir gut gespielt, gegen Dresden haben wir ganz schlecht gespielt, gegen Jena haben wir unsere Aufgabe erfüllt. Entscheidend aber ist immer der erste Spieltag. Man sollte der ganzen Vorbereitungszeit nicht zu viel beimessen, wer wie gut gespielt oder wie gut trainiert hat, wie die Ergebnisse waren. Für uns ist wichtig, dass wir die erste Pokalrunde überstanden haben, das gibt sicherlich ein positives Vertrauen – ich freue mich auf den ersten Spieltag. Schalke ist sicher eine starke Mannschaft, aber gerade zu Beginn einer Saison, wo keiner genau weiß wo er steht, hat man immer seine Chancen.“

Und, das sei einmal eingefügt, Schalke hat beim 2:0-Erfolg im Pokal gegen Nöttingen ja nicht unbedingt überzeugend gespielt. Im Gegenteil, die Amateure hatten einige Möglichkeiten, um in Führung zu gehen. 04-Trainer Keller befand danach: „Einige von uns haben sehr arrogant gespielt . . .“ Das dürften sie ja auch gegen den HSV – sehr gerne – wiederholen.

Und dann könnte es ja auch durchaus mit einem Sieg, vielleicht auch „nur“ mit einem Punktgewinn, über den ich schon glücklich wäre, auf Schalke klappen. Zumal Thorsten Fink von seiner Mannschaft überzeugt ist: „Ich finde unseren Kader nun ausgeglichener als zuletzt, wir haben im Sturm einen anderen Spielertypen hinzubekommen, der den Ball halten kann, der auf den Außenbahnen spielen kann, der ein anderer Spielertyp ist, als den, den wir hatten. In der vergangenen Saison hatten Heung Min Son und Artjoms Rudnevs fast nur alleine spielen können, wir haben mit Maxi Beister jemanden, von dem ich erwarte, dass er in Sons Fußstapfen tritt. Das soll nicht heißen, dass er zwölf Tore schießt, aber acht sollten es schon werden. Und dass er das schafft, davon bin ich fest überzeugt.“ Der Trainer weiter über seinen (neuen) Kader: „Wir haben zwei Abwehrspieler mehr, was ganz wichtig ist, denn die Abwehr muss stehen, dass wir häufiger zu null spielen, dass wir mehr Kopfball-Präsenz haben –mit Johan Djourou und Lasse Sobiech. Und wir haben junge Spieler gekauft, haben wir Rafael van der Vaart mit Hakan Calhanoglu jemanden, der dann einspringen kann, wenn Raffa mal verletzt sein sollte und ausfallen sollte. Und wir haben mit Kerem Demirbay einen hoffnungsvollen jungen und hungrigen Mann bekommen, der von seinen Leistungen hoffen lässt, dass er uns auch verstärkt.“

Speziell zu den Talenten im Kader befand Fink: „Ich glaube, dass sie schnell lernen werden, und sie haben keine Angst. Dass sind alles Spieler, die spielen wollen, und das ist das, was wir brauchen – dieses Sieger-Gen der jungen Leute. Sie bringen das mit.“ Und zu Lasse Sobiech sagte der Coach: „Er ist jemand, der stolz ist, hier zu sein. Genau solche Spieler brauchen wir, die stolz sind, beim HSV zu kommen, die stolz sind, beim HSV zu spielen, die sich freuen, bei diesem großen Club zu spielen. Das alles ist sehr positiv.“

Dass Jacques Zoua das 1:0 in Jena von außen vorbereitet hat, das hat den Kameruner wieder ein wenig näher an die Stamm-Formation gebracht, denn Fink hat festgestellt: „Es ist eine Option für mich, Zoua auf der Außenbahn zu bringen. Das hat er früher bei mir in Basel auch schon gespielt. Und in Jena hat er gleich gezeigt, dass er es kann. Er weiß, wohin er laufen muss. Er legt ein Tor auf, dann schießt er eins – vielleicht wird aus Zoua und Rudnevs ja das neue Traumpaar?“ Thorsten Fink weiter über den neuen Stürmer: „Er hatte das erste Trainingslager verpasst, in den letzten Spielen hat er ein wenig müde gewirkt, da fehlte ein bisschen, aber in Jena wirkte er schon frischer, da konnte er 90 Minuten gehen. Aber ich erwarte von ihm noch mehr, weil er das Potenzial hat, das weiß ich. Er wird besser spielen, als das was er bisher gemacht hat, aber die letzte halbe Stunde in Jena hat mich zuversichtlich gestimmt.“ Fink noch einmal zu Zoua: „Der Junge hat keine zehn Millionen gekostet, wie andere. Er war sehr günstig, es war für uns und meiner Meinung nach ein Schnapper, da hat Oliver Kreuzer sehr gut und schnell gearbeitet. Ich bin der Meinung, dass wir uns mit Zoua verstärkt haben. Auch bei Standardsituationen, denn wir haben einen Spieler mehr, der groß ist und mit seinem Kopfball Spiele entscheiden kann.“

Vielleicht ja schon auf Schalke.

Etwas Neues hat der HSV, und darüber hat er heute berichtet:

Mit Beginn der neuen Saison wird der Hamburger Sport-Verein noch familienfreundlicher und öffnet den
XXL-Familienblock mit besonders kostengünstigen Tickets. Zum ersten Mal wird der reguläre Familienblock 8 in der Imtech Arena beim ersten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am 17. August 2013 ausgeweitet. Der ermäßigte Kinderpreis (bis 14 Jahre) beträgt acht Euro inklusive kostenlosem HVV-Ticket und vielen Aktionen wie Kinderschminken.

„Fußball ist ein emotionales Erlebnis, das man gerne mit anderen teilen möchte. Deswegen freue ich mich, dass wir in der Zukunft noch mehr Familien einen schönen gemeinsamen Tag in der Imtech Arena ermöglichen können”, so Joachim Hilke, Vorstand Marketing/Kommunikation.

Aufgrund der hohen Ticketnachfrage für den Langnese-Familienblock, wird der XXL-Familienblock neben dem ersten Heimspiel auch bei den Hinrunden-Begegnungen mit dem FC Augsburg und dem FSV Mainz auf der gesamten Südtribüne (Blöcke 9-13 A, B, C) zu finden sein.

Tickets für die Partie gegen die TSG Hoffenheim sind in allen VVK-Stellen, den Fanshops, sowie unter www.hsv.de/tickets erhältlich.

Heute gibt es am Abend (Anstoß 19 Uhr) noch ein Testspiel, und zwar beim TSV Etelsen (wird hier an dieser Stelle nach Spielschluss ergänzend eingefügt!). Dort wird Rene Adler zwischen den Pfosten stehen, und wenn alles gut geht, dann wird das auch auf Schalke am Sonntag (Anstoß 17.30 Uhr) sein. Heute sind auch etliche Talente aus der „Zweiten“ dabei, so auch Dennis Bergmann. Der 20-jährige Abwehrspieler könnte künftig durchaus eine Rolle bei den Profis spielen, denn Fink sagt lobend: „Er war schon mal mit im Trainingslager und soll in Zukunft mal häufiger bei uns trainieren, er hat die Grundschnelligkeit, die man in der Bundesliga braucht. Aber er ist ja auch noch jung und sollte sich erst einmal in der Zweiten durchsetzen und gute Leistungen bringen, bevor ich sage, dass ich ihn nach oben holen werde.“

PS: Training am Mittwoch um 10 und 16 Uhr im Volkspark.

PSPS: Das Spiel gegen den “Welt-Verein” TSV Etelsen (sorry, nichts gegen den TSV Etelsen!) endete mit einem grandiosen 2:0-Erfolg für den HSV. Vor 4000 Zuschauern trafen gegen den Verein aus der sechsten Liga (!) Rudnevs (26.) und Dennis Aogo (80.). Aus der Profi-Abteilung waren dabei Rene Adler, Jonathan Tah, Aogo, Calhanoglu, Demirbay, Per Ciljan Skjelbred und Tomas Rincon. Der HSV bot eine erschütternde Vorstellung, sodass dieser kurze Beitrag voll und ganz genügt. Adler sagte nach dem Spiel: “Es war gut, dass ich dabei war, so bekomme ich ein Gefühl für den Raum und für lange Pässe. Wenn nichts mehr passiert, werde ich Sonntag gegen Schalke spielen.”

18.36 Uhr

Dies und das an einem freien Tag

29. Juli 2013

Eigentlich ganz schön, dass es diese trainingsfreien Montage gibt – habe ich so bei mir gedacht. Und deswegen habe ich in meinem Postfach gekramt, um nach noch unbeantworteten Mails zu suchen. Und bin – natürlich – fündig geworden Bei der Gelegenheit, ich muss es jetzt noch ein, zwei Mal sagen, bitte ich um Verzeihung, wenn ich nicht alles beantworte oder aufnehme, denn es wird mir täglich einfach zu viel zugeschickt. Diesmal will ich aber, wie eine Art Sprechstunde (von früher) einige Mails aufgreifen, denn erstens gibt es beim HSV aktuell nichts zu berichten, und zweitens sind einige Fragen oder Anregungen gekommen, die wirklich erwähnenswert sind. Das soll nun und jetzt und heute geschehen. Allen, die mir geschrieben haben – und auch schreiben – sage ich auf diesem Wege aber noch einmal ein herzliches Dankeschön für das Mitmachen, für die Anregungen, für die Emotionen rund um „Matz ab“ – das ist einfach nur klasse.

Ganz am Anfang aber möchte ich noch zum Thema „Verkäufe“ kommen. Gojko Kacar steht ja bei Rubin Kazan auf der Einkaufsliste, wird deshalb sogar in Ochsenzoll beim Training mit der U 23 beobachtet, aber beim Testspiel der Zweiten in Magdeburg konnte sich Kacar nicht in den Vordergrund spielen. Eher war das Gegenteil der Fall. Rubin Kazans Deutschland-Scout Alexander Asimow: „Mit dieser Leistung wird es schwer für Gojko, er muss fit werden, muss sich neu beweisen.“ Am 10. August spielt HSV II gegen Hannover 96, dann soll Kacar noch einmal unter die Lupe genommen werden, dann dürfte sich wohl entscheiden, ob es für den 26-jährigen Serben Richtung Russland geht.

So, nun zur „Sprechstunde“. Wobei der erste „Fall“ ein Doppel-Interview ist, das mir in Auszügen von der Fußball-Illustrierten „11FREUNDE“ (Ausgabe 141) zur Verfügung gestellt worden ist. Diese Aussagen, die HSV-Sportchef Oliver Kreuzer und HSV-Trainer Thorsten Fink gaben, lasse ich einmal unkommentiert. Es sind nur, wie geschrieben, Auszüge des Interviews, aber ich finde, dass das schon einige bemerkenswerte Sätze sind, die da gesagt wurden:

Über die Aussage von Uli Hoeneß, dass der HSV der einzige Verein ist, der von den infrastrukturellen Voraussetzungen her dem FC Bayern das Wasser reichen könnte, sagte Thorsten Fink:
„Es äußern sich oft Leute zu unserem Verein, ohne Interna zu kennen. Bei allem Respekt für Uli Hoeneß wäre es manchmal auch angebracht, ruhig zu sein. […] Momentan liegen Welten zwischen uns und dem FC Bayern. Und es wird noch Jahre dauern, bis wir uns wieder annähern.“

Zur These, dass es dem Bundesliga-Urgestein mal gut tun würde, abzusteigen, um sich zu erneuern, sagte Oliver Kreuzer:

„Auf keinen Fall. Das darf und wird nicht passieren. Die Erwartungshaltung der Leute ist, dass der HSV wieder am Dienstag oder Mittwoch live im Fernsehen läuft. Und ich verstehe es als unsere Aufgabe, den Klub auch wieder dahin zu bringen. Aber es gibt gegenwärtig zehn Klubs, die diese Möglichkeiten haben, und Stand heute sind bei vielen die wirtschaftlichen Voraussetzungen deutlich besser als hier.“

Zur Aussage »Der HSV muss wieder in die Champions League« befand Kreuzer:

„Natürlich muss das unser Ziel sein. Aber wir können nun mal nicht sagen: Diese Saison schaffen wir Platz sechs, nächstes Jahr Platz drei und ab da nur noch Königsklasse. Erst mal müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, überhaupt wieder international anzugreifen. Und ob es dann klappt, kann bei der großen Konkurrenz auch von einer Schiedsrichterentscheidung oder einem verschossenen Elfmeter abhängen.

Über Mitglieder des Aufsichtsrats, die Interna an die Presse geben, sagte Kreuzer:

„Der HSV ist ein diffiziles Konstrukt auf Führungsebene. […] Aber die Problematik, dass in Medienstädten bestimmte Funktionsträger auch enge Beziehungen zu Journalisten unterhalten, gibt es in Köln und München genauso – vielleicht sogar noch extremer. Damit müssen wir in unserer Position umgehen können. Die Leute, die Interna bewusst öffentlich machen, sollten sich darüber Gedanken machen, dass sie dem Verein großen Schaden zufügen. Was sollen Spieler denken, wenn sie beispielsweise Details aus ihren Verträgen in den Zeitungen lesen?“

Zu vorzeitigen Wechseln bei laufenden Verträgen äußerte Fink:

„Was soll ich da sagen? Ich wollte vom FC Basel weg, als der HSV mir ein Angebot machte. Aber habe ich deswegen schlechte Arbeit abgeliefert? Ich glaube nicht. Deswegen kann ich Heung Min Son verstehen, wenn er aus dem Vertrag raus will. Jeder, der gehen will, soll gehen.“

Kreuzer dazu:

„Fußball ist nicht berechenbar. Glauben Sie, ich hätte vor zehn Wochen daran gedacht, dass ich heute in Hamburg sitze und ein Interview zum HSV gebe? Da habe ich noch überlegt, ob wir mit dem Karlsruher SC den Aufstieg in die zweite Liga schaffen. Keiner weiß, was morgen ist. Dafür werden hohe Entschädigungen bezahlt, so dass am Ende alle zufrieden sein können. Eine moralische Bewertung bringt da nichts. Der Fußball ist heute anders als zu unserer aktiven Zeit. Profis wechseln einfach viel öfter.“

Dann schrieb uns „Reinhard 1954“

„Ich habe im Blog vergeblich auf ein Statement von Herrn Matz und von „Scholle“ zum Interview von Herrn Kühne im Kicker vom 22. 07. 2013 und zum Artikel im Managermagazin 8/2013 gewartet.
Die nachstehenden Aussagen von Herrn Kühne im Kicker müssten die Verantwortlichen des HSV eigentlich nachdenklich stimmen. U. a.:

Der HSV hat wieder einmal finanzielle Probleme. Haben Sie nicht mal Lust mal wieder einzugreifen, Herr Kühne?- Nein, unter den jetzigen Umständen nicht. Zunächst müssen die Strukturen im Klub verändert werden – es muss professioneller werden. Der Aufsichtsrat ist zu groß, es gibt zu viele Streitereien. Bei Transfers hatte der HSV in jüngster Vergangenheit ein nicht so glückliches Händchen. Herrn Kreuzer kenne ich nicht. Ich hätte mir Felix Magath als einflussreichen Vorstand und Sportdirektor gewünscht. Ein Investor bin ich nicht, sondern ein Sympathisant als gebürtiger Hamburger. Einer, der helfen will, den Verein in Form zu bringen. Und ein Sponsor bin ich auch nicht, weil ich keine Gegenleistung verlange. Unter anderen stellen die Werksmannschaften von Leverkusen und Wolfsburg eine Wettbewerbsverzerrung dar.

Wir haben uns dazu nicht geäußert, das stimmt, aber damit wollten wir keineswegs kneifen. Erstens war es eine Geschichte des Kickers, und diese steht schon für sich, hat klare und eindeutige Aussagen. Zweitens weiß ich ja, was hinter den Kulissen läuft – in Sachen Strukturen im HSV. Wartet ab, es wird schon noch genügend passieren – und ich glaub auch, dass darin Herr Kühne keine so ganz kleine Rolle spielen wird. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass von einigen Männern viel und emsig und akribisch daran gearbeitet wird, dass der HSV professioneller auf die Beine gestellt wird. Letztlich aber sind dann doch die Mitglieder entscheidend, ob sie diesen Weg mitgehen möchten. Weiter wurschteln (bis zum Abstieg), oder neue und professionelle Strukturen, das ist dann die Frage.

Eines muss ich aber mal klar betonen, weil das aus dem HSV heraus gefragt und gesagt worden ist: Ich bin nicht derjenige, der die Struktur-Änderungen vorantreibt, bei mir laufen – auch nicht inoffiziell – keine Fäden zusammen, ich bin auch nicht der „heimliche Chef“ für den neuen HSV – aber: Ich werde das tun, was ich tun kann, damit der HSV professioneller auf die Beine gestellt wird, damit er endlich wieder einmal voll konkurrenzfähig in der Ersten Bundesliga wird. Jeder, der das auch will, wird meine Unterstützung erhalten. Wobei ich in einigen Tagen ja nur noch die Privatperson Dieter Matz bin, der auch nur das kann, was jedes HSV-Mitglied tun könnte und kann.

Dann gab es diese Mail, die uns der „Kollauer“ zukommen ließ:

Moin Dieter,

ganz gegen meine sonstige Gewohnheit ein paar Anmerkungen zu Deinem Blog und zwar hinsichtlich der Trainerausbildung. Während meiner Tätigkeit als Jugendtrainer habe ich die Lehrgänge nur als Fortbildung für die Fähigkeit zur Vermittlung des „Wie“ nie des „Was“ verstanden. Damit will ich sagen, dass von Uwe Jahn nie erwartet habe, dass er mir perfekte Trainingspläne für meine Jungs mitgibt. Welche Trainingsinhalte ich meinen Burschen vermitteln wollte, war doch sehr von dem individuellen Talent und Leistungsvermögen und –willen meiner eher breitensportorientierten Knäblein anhängig. Und damit war ich in der Pflicht.

Nun ist das mit Profis sicher eine ganz andere Geschichte, obwohl: so sehr unterscheidet sie sich vielleicht doch nicht. Es kann mir doch keiner erzählen, dass unter Berücksichtigung der „modernsten“ Trainingsmethoden und Taktiken der Kader vom FC Pep dasselbe Training machen würde wie Wolfsburg, Schalke, Braunschweig und last but not least der HSV. Auch hier muss der jeweilige Trainer die körperlichen wie mentalen Voraussetzungen seines Kaders berücksichtigen. Es wäre doch außerordentlich betrüblich, wenn den z. T. gestandenen Ex-Profis, die beim DFB ihren Fußballlehrerschein machen, noch der Aufbau eines
leistungsorientierten Trainings vermittelt werden müsste. Dass dabei Themen wie Athletik, Taktik, Regeneration, Ansprache usw. theoretisch unterfüttert wird, halte ich für selbstverständlich. Nur ist doch wohl jeder Profi-Trainer in der Verpflichtung sich ständig weiter zu entwickeln!

Ich gehe einmal davon aus, dass das bei Thorsten Fink genauso ist. Ich mag nicht glauben, dass es sich bei ihm verhalten soll, wie bei dem alten und nicht mehr aktuellen Bild von den Lehrern: nach dem Examen einen Lehrplan erstellt und diesen bis zur Pension durchgezogen. Ich fühle mich nicht in der Lage, das Training von Thorsten Fink und seines Trainerstabes zu beurteilen. Dafür fehlen mir ganz einfach die fachlichen Voraussetzungen. Was ich allerdings sehr wohl beurteilen kann, sind die Ergebnisse, die mir die Mannschaft vor die Füße wirft. Jeder kann verlieren – keine Frage -, aber dann will ich wenigstens Kampf und Einsatzbereitschaft sehen. Und eben dieser Eindruck ist mir überwiegend in den vergangenen Spielzeiten abhandengekommen. Für mich steht zunächst einmal jeder einzelne Spieler und dann die gesamte Mannschaft als TEAM in der Verantwortung. Da kann ich dann auch nichts mit dem Wehklagen über das Chaos in den Führungsetagen des Clubs anfangen. Bisher haben die Männer wohl noch immer pünktlich ihr Geld bekommen, dann sollen sie gefälligst auch Leistung liefern.

Lieber „Kollauer“, vielen Dank für diesen Beitrag – sehr schön. Eines möchte ich aber dazu sagen: Ich habe nie unterstellen wollen, dass die Trainer-Ausbildung im Hamburger Fußball-Verband und unter Verbandssportlehrer Uwe Jahn schlecht sei. Ich meinte die Fußball-Lehrer-Ausbildung (in Köln). Weil mir in den letzten Jahrzehnten (!) aufgefallen ist, dass kaum einmal individuell trainiert wird. Das war einmal eine Ausnahme unter Martin Jol, als Ricardo Moniz mit vornehmlichen jungen Leuten am Rande übte, und auch Thorsten Fink ist eine Ausnahme (eine kleine), weil er „befahl“, dass seine Assis mit Artjoms Rudnevs allein übten.

Grundsätzlich aber fordere ich (ich kann ja fordern was ich will, es muss ja keiner auf mich hören – das ist schon klar), dass viel mehr individuell trainiert wird. Jeder Bundesliga-Club hat heute bis zu zehn Trainer unter Vertrag, die sollen sich gefälligst damit beschäftigen, die Spieler besser zu machen. Im Einzeltraining, in Sonderschichten. Bei manchem Amateurverein geht es auch, deshalb muss es erst recht in Profi-Clubs möglich sein. Alles andere ist (schon seit Jahrzehnten) ein Armutszeugnis, denn für diese Trainer wird ja viele, viel Geld gezahlt – oder aus dem Fenster hinausgeschmissen.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch auf eine Mail der „Ruhrpottraute“ eingehen:

Danke für den Beitrag, Dieter, aber ich würde mir so gerne mal wünschen, dass ein wenig mehr auf die Probleme der Mannschaft eingegangen wird und nicht so viel über das Umfeld, Finanzen und Zuschauer.
Woran liegt es zum Beispiel, dass bei uns kein Spieler mal BESSER wird als er vorher war. Im Gegenteil bei uns spielen die meisten schwächer als man sie schon gesehen hat und das hat bei keinem mit dem Alter zu tun. WARUM also???? Am Trainer kann es ja nicht immer wieder liegen oder?

Beispiele:
Westermann war auf Schalke sogar mal auf der 6 gut (keine Ahnung wie er das gemacht hat), Rincon (Spieler der COPA und hier auf der Bank), Beister (der Spieler bei Fortuna), Ilicevic ( bei Lautern überragend) , Jiracek (EM), Kacar (war doch mal ein herausragender Spieler bei Hertha). Von der Vergangenheit will ich gar nicht erst anfangen. Kompany etc… Gegenbeispiele fallen mir kaum ein. Vielleicht Son. Ansonsten Diekmeier, Jansen oder Aogo die solide bis gut spielen bei uns.

Hier wird doch immer wieder betont, dass das kein Fan-Blog ist, sondern journalistisch über den HSV berichtet wird. Dann hätte ich doch wirklich gerne mal Antworten auf die Frage, warum die Spieler beim HSV so selten ihr Potenzial ausschöpfen?

Ich sehe es nicht so, dass beim HSV keine Spieler besser werden, besser geworden sind. Heung Min Son wurde deutlich besser (auch weil er viel – gemeinsam mit Papa – nebenbei gearbeitet hat), Tolgay Arslan ebenfalls, Dennis Diekmeier hat einen Sprung gemacht, sogar Michael Mancienne war in der vergangenen Hinrunde sehr gut – bis er verletzt wurde, ausfiel und nie wieder seine Form fand. Artjoms Rudnevs ist unter Thorsten Fink deutlich verbessert worden, Marcell Jansen fand fast zu 100 Prozent zu seiner alten Stärke zurück, Per Ciljan Skjelbred wurde im Lauf der vergangenen Spielzeit besser und besser, sodass ich sagen kann, dass Thorsten Fink es in diesem Punkt schon auf eine recht gute oder beachtliche Quote bringt.

Generell aber gilt, dass erstens mehr – viel, viel mehr – individuell und in Sonderschichten trainiert werden sollte, und zweitens müssen auch die Spieler bereit sein, außer der Reihe etwas zu tun. Und daran scheitert es auch oft. Die Herren nehmen immer, aber es hapert doch gelegentlich daran, dass sie etwas geben müssten. Und auch in diesem Punkt verlange ich von den Vereinen, dass sie entschiedener fordern und dafür eintreten, dass da mehr und professioneller gearbeitet wird. Es gab mal einen HSV-Profi, der wurde trotz etlicher Defizite Nationalspieler. Weil beim HSV zwar über diese Defizite gesprochen (und geklagt) wurde, aber nichts dafür getan wurde, damit sich das ändert, empfahl ich dem guten Mann, einen Privattrainer zu nehmen. Leider passierte das nie: zu bequem! Heute spielt er in der Vierte Liga . . .

Das muss schon ein Geben und ein Nehmen sein, aber leider gibt es das zu selten. Und leider sind auch einige Trainer viel zu bequem, denn ansonsten würden sie auch dann noch auf dem Acker stehen, wenn es an einem Nachmittag mal kein Mannschaftstraining gibt. Und dabei geht es ja nicht nur um die Defizite eines Spielers, sondern zum Beispiel auch um Standardsituationen. Die ja oft (beim HSV) auch recht kümmerlich ausfallen. Weil zu wenig, viel zu wenig geübt.

Dann gab es noch diesen Beitrag:

Liebes Matz-ab Team,
vorab ein großes Lob für eure großartige Arbeit, und die tägliche HSV Dosis.
Mich würde im Zuge der Strukturdebatte mal interessieren, wie denn die äußerst erfolgreiche Handball Schwesterabteilung aufgestellt ist/ funktioniert.

Ferner würde mich interessieren, wie der Status der HSV-Fußball-Frauen ist. Nach den horrenden Summen, die in den vergangenen Jahren versenkt wurden, erscheint die letztjährige Abmeldung der Damen aus Liga eins wegen einer 100 000 € Finanzierungslücke grotesk.
Wäre schön, wenn ihr das beizeiten mal aufgreifen könntet.

Schöne Grüße, Björn D.

Dazu möchte sagen, dass ich mit dem Vorstandsmitglied Oliver Scheel über diese Punkte gesprochen habe. Zu den Handballern sagte mir Herr Scheel: „Das ist keine Schwester-Abteilung von uns, denn es gibt nur eine Lizenz-Vereinbarung zwischen dem HSV und dem HSV Hamburg Handball. Diese Bundesliga-Handballer sind völlig autark.“ Frank Rost und Co machen also ihr eigenes Ding, da wird kein HSVer mit- und reinreden wollen.

Zum Frauen-Fußball sei gesagt, dass eigentlich schon lange alles gesagt und geschrieben wurde. Oliver Scheel: „Da ist alles längst ganz ausführlich durchgekaut worden, irgendwann muss mal Ende sein.“ Denke ich auch. Nur so viel: Es ging da nicht um 100 000 Euro, sondern um Millionen, die innerhalb von einigen Jahren verpulvert wurden. Jedes Jahr wollte sich die Frauen-Bundesliga selbst tragen, für Sponsoren und Zuschauer sorgen, und, und, und – aber jedes Jahr ging es in die Hose. Und damit war der HSV absolut kein Einzelfall, viele Frauen-Vereine in der Fußball-Bundesliga klagten oder gingen baden. Selbstverständlich wurden in der Fußball-Bundesliga der Männer viele, viele Millionen versenkt (David Rozehnal und Marcus Berg sind die Top-Beispiele), aber das ist das Risiko, das jeder Club hat – selbst bei Bayern und Dortmund gibt (oder gab) es so etwas.

Dann möchte ich auf den Mittwoch hinweisen. Da pflegt der HSV die Städte-Partnerschaft zwischen Dresden und Hamburg, denn der HSV spielet bei Dynamo Dresden, um den Opfern der Hochwasser-Katastrophe zu helfen:

„Ich bin sehr stolz auf diese enge Freundschaft unserer Städte. Umso mehr freut es mich, dass nun ein Benefizspiel zwischen dem Bundesliga-Dino HSV und Dynamo diese enge Verbindung weiter untermauert”, sagt Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller erklärte: „Wir freuen uns außerordentlich, dass der HSV als Spitzenteam der Bundesliga, gespickt mit vielen Stars, seinen Saisonauftakt mit einer Generalprobe in unserem Stadion vorbereitet. Ich erkenne über die Städtepartnerschaft hinaus auch viele Gemeinsamkeiten in der Vereinsstruktur und -philosophie. Sportlich müssen wir uns noch ein wenig strecken, um auf Augenhöhe zu kommen. Am 31. Juli wollen wir durch günstige Eintrittspreise ein möglichst ausverkauftes Stadion bieten, um mit den Betroffenen der Flut und den unzähligen aufopferungsvollen Helfern einen unvergesslichen Abend zu erleben.“

Carl-Edgar Jarchow, Vorstandsvorsitzender des HSV: „Für uns als Hamburger Sport-Verein ist es eine Selbstverständlichkeit, den Opfern der Flutkatastrophe zu helfen. So können wir einen kleinen Teil zum Wiederaufbau der Heimat der Betroffenen beitragen und hoffentlich viele andere Menschen motivieren, dies ebenfalls zu tun.“

Das Benefizspiel beginnt am Mittwoch um 18:30 Uhr. Die Tickets im Stehplatzbereich kosten sechs Euro. Außerdem werden zwei Kategorien im Sitzplatzbereich zum Preis von zwölf und 18 Euro angeboten. Kinder bis 15 Jahre zahlen jeweils die Hälfte des Eintrittspreise (VIP-Tickets sind davon ausgeschlossen).

PS: Morgen, am Dienstag, wird zweimal im Volkspark trainiert. Um 10 Uhr und um 16 Uhr.

18.39 Uhr

Mein Gewinner heißt Oliver Kreuzer

11. Juli 2013

Pausenclown. Oder auch nur Lückenbüßer. So komme ich mir zwischen den beiden Trainingslagern nun vor. Jedenfalls ein wenig. Bevor aber jetzt der eine oder andere „Matz-abber“ die Idee hat, dass ich nun schon nicht mal mehr zu einem Trainingslager mitfahren darf – so ist es nicht. Ich hätte gedurft, aber ein solches Trainingslager ist ja für die Journalisten auch dazu da, Kontakte zu knüpfen oder Kontakte zu intensivieren. Und da ist „Scholle“ nun mal der Mann, der künftig gefragt ist, wird er doch vom 14 . September an hier der „Chef von Janze“. Er braucht die Kontakte deshalb nötiger als ich, und genau deshalb habe ich bewusst und gerne verzichtet. Damit der Laden läuft.

Ich habe mir das erste HSV-Trainingslager, das im Zillertal gelaufen ist, mal aus der Ferne betrachtet, und es gab auch da (natürlich) noch jene Achterbahnfahrt, die wir in den letzten Jahren schon beobachten konnten – sofern wir nicht sogar mit in dieser Bahn saßen. Was mir aber sehr, sehr gut gefallen hat, dass war das Auftreten des Herrn Kreuzer. Auch „Scholle“ hat das bereits gewürdigt und gelobt, ich muss es noch einmal aus meiner Sicht schildern. „Aber hallo“ – habe ich bei mir gedacht, als ich die Aussagen von Kreuzer nach der 0:2-Pleite gegen Wacker Innsbruck las. So etwas von einem HSV-Sportchef? Das gab es ja seit Jahrzehnten nicht. Zur Erinnerung für alle, die es schon vergessen oder verdrängt haben. Bei „Matz ab“ und von „Scholle“ hieß es:

„Wir dürfen uns nicht noch einmal so präsentieren, wie in Innsbruck“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer noch mal klar und redet sich ein wenig in Rage. „Das Spiel in Innsbruck kam sicher zu einem unpassenden Zeitpunkt. Aber so ein Auftreten kann und darf nicht das Resultat sein. Das war eine unterirdische Leistung. Sowas darf nicht noch ein zweites Mal passieren. Wir dürfen uns nicht so blamieren. Gerade jetzt, wo wir stimmungsmäßig auf einem guten Weg waren, wirft uns das meilenweit zurück. Jetzt heißt es doch gleich wieder: ‚Da geht dieselbe Scheiße von vorne los’. Dabei war vorher zuträgliche Ruhe im Stall.“

In ähnlich klaren Worten habe er es auch den Spielern gesagt, die das Spiel laut Kreuzer zu leicht genommen haben. Und dann sagt der Sportchef etwas, was mich hoffen lässt, dass endlich nötige Veränderungen im Anspruchsdenken und Handeln der Spieler herbeigeführt wird. „Der HSV muss immer gewinnen. Immer! Egal ob Champions-League-Finale, Innsbruck oder Zillertalauswahl – das muss unser Anspruch sein. Fürth und Augsburg darf sowas mal passieren. Aber Mannschaften wie Bayern Dortmund, Schalke und Hamburg nicht. Wir dürfen kein einziges Spiel mehr zu leicht nehmen. Denn genau da fängt es an …“

Sätze, mit denen Kreuzer offene Türen bei Thorsten Fink einrennt, denn der Trainer sagt. „Der Olli hat halt die Bayern-Mentalität noch drin, das Sieger-Gen. Ich finde es gut, wenn der Sportdirektor gleich Gas gibt.“

Also: Oliver Kreuzer bekommt dafür von mir eine glatte Eins. Großartig! Er ist mein Gewinner der ersten HSV-Wochen dieser Saison. Da wird – hoffentlich – nicht mehr schöngeredet, da wird schonungslos analysiert und angesprochen, was auch Sache ist. Das lässt mich für die Zukunft stark hoffen, dass dem HSV-Anhang (also uns) künftig kein 1:1 gegen einen Tabellenletzten als“ gutes Spiel“ verkauft wird, und dass aus einer 0:1-Heimniederlage gegen Augsburg Minuten nach dem Schlusspfiff nicht doch noch ein Sieg des HSV „gemacht“ wird. Macht Oliver Kreuzer so weiter, dann bleibt auch ein schlechtes Spiel des HSV auch tatsächlich schlecht – selbst am nächsten Tag noch. Bravo! Auf einen solchen Mann habe ich gewartet. Anspruch und Wirklichkeit werden so beim HSV eventuell wieder eine ganz besondere, nämlich die genau richtige, Bedeutung bekommen.

Was mich ein bisschen irritiert hat, das war allerdings die Aussage von Thorsten Fink: „Der Olli hat halt die Bayern-Mentalität noch drin, das Sieger-Gen.“ Noch drin. Das habe ich mir im Kopf hin und her gehen lassen. Noch drin. Soll das heißen, dass Fink es eben nicht mehr „noch drin“ hat? Dass der Coach vielleicht schon aufgegeben hat, diese Bayern-Mentalität? Weil die ja doch nicht nach Hamburg passt, weil dazwischen doch leider einige Welten liegen? Ist Fink inzwischen absolut desillusioniert? Wäre eigentlich schade. Immerhin aber, und das finde ich dann auch gut, hat Fink die Analyse, dieses Kreuzer-Donnerwetter, ja ganz offenbar sehr gut verkraftet – und verarbeitet.
Da kenne ich doch den einen oder anderen Trainer, der das nicht so gut weggesteckt hätte – und der sich den Sportchef gleich mal zu einem Vier-Augen-Gespräch in die Kabine bestellt (und zurechtgestellt) hätte . . . Ihr kennt bestimmt auch welche.

Zum zweiten Spiel in Hippach, dem 2:0 gegen Liefering, fand Kreuzer dann ja auch noch einmal klare Worte: „Das ist ein Zweitliga-Club, gegen den wir da spielten, aber dieser Zweitliga-Club war uns ebenbürtig, teilweise sind wir dem Ball hinterhergelaufen . . .“ Und das war, so berichteten mir einige Zuschauer, in der Tat schon beängstigend.

Ich gebe ja zu, dass ich meine Bedenken hatte, als Oliver Kreuzer verpflichtet wurde, aber bislang, und das hat jetzt nicht nur oder ausschließlich mit diesem Kreuzerischen „Aus-der-Haut-fahren“ zu tun, bislang macht er einen guten Job. Weiter so! Und er macht ja auch weiter so, denn heute ist die Verpflichtung von Lasse Sobiech (von Borussia Dortmund) endlich in trockenen Tüchern – egal, wie viele Aufsichtsräte auch immer dagegen gestimmt haben. Es bewegt sich etwas beim HSV. Trotz der schweren Zeiten. Und trotz der Tatsache, dass mit Marcus Berg bislang nur ein Spieler verschenkt werden konnte. Der Wechsel des Schweden zu Panathinaikos Athen wird von mir zwar begrüßt, aber unter welchen Umständen ein solcher Transfer zustande kommt, das ist schon zum Himmel schreiend. Nur schreit beim HSV ja keiner zum Himmel. Da wird sich schon – tapfer, tapfer – stramm gefreut, wenn man einen Profi, der einst zehn Millionen Euro (plus Handgeld) gekostet hat, und er dazu auch Millionen an Gehältern einkassieren konnte, so laufen lässt. Ohne nichts, ohne alles, einfach nur weg mit ihm – und man spart ja jetzt sein Gehalt! Kümmerlich. Als wären diese zehn Millionen gar nichts. Es ist ja so bitter, so grausam – aber im Grunde genommen ist es ja so: der HSV hat es ja.
Nämlich kommen sehen. Und zwar seit Jahren. Seit jenen Jahren, in denen Marcus Berg nicht in die Gänge kam. Da wussten doch alle (hoffentlich auch die, die für diesen Transfer verantwortlich waren!?), dass die Sache mit dem „alten Schweden“ ganz, ganz böse in die Hose gegangen ist. Es ist beschämend.

Und da fällt mir ein, dass ich vor vielen Jahrzehnten mal im Büro des HSV-Managers Günter Netzer saß. Ich stellte arglos meine Fragen, Netzer, der längst meine absolute Nummer eins im deutschen Fußball ist, antwortete. Bis ich mich erdreistete zu fragen: „Herr Netzer, was sagen Sie eigentlich zum Fehleinkauf Borisa Djordjevic? Da ist Ihr Plan doch kläglich gescheitert, oder?“ Oha, da hatte ich ja etwas gesagt. Es drohte eine Explosion – ich glaube, das Netzer-Büro war damals noch in der Hartungstraße. Der HSV-Sportchef total sauer: „Fehleinkauf? Fehleinkauf? Wieso sagen Sie Fehleinkauf? Wie kommen Sie darauf, das ist eine Frechheit. Noch so eine Frage, und das Interview ist beendet. Wieso Fehleinkauf? Ein Fehleinkauf ist erst ein Fehleinkauf, wenn man einen Spieler zum Beispiel für den Preis von einer Million Mark verpflichtet, und ihn dann für 500 000 Mark an den nächsten Verein abgeben muss. Aber so viel ich weiß, steht Boris Djordjevic immer noch beim HSV unter Vertrag, wir haben ihn noch nicht verkauft – also hüten Sie sich davor, von einem Fehleinkauf zu sprechen . . .“

Das saß. Das war (m)eine Lektion a la Netzer. Djordjevic war 1981 von Hajduk Split gekommen und verließ den HSV 1983 wieder, nachdem er neun Bundesliga-Spiele gemacht hatte, dazu zwei DFB-Pokalspiele und vier Einsätze im Europapokal hatte. Der gute „Bora“ lebt noch heute in Norderstedt, ich glaube mal, dass Günter Netzer nicht allzu viel Geld mehr beim „Weiterverkauf“ erhalten hat. Das Wort Fehleinkauf habe ich mir dennoch verkniffen . . . Ich konnte ja nicht wissen, wie viel Tennis Borussia Berlin für Djordjevic bezahlt hat . . .

So, zurück zum aktuellen Geschehen. Sobiech da, die endgültige und hundertprozentige Meldung wird der HSV jede Minute verschicken. Dazu war Johan Djourou heute zur Kernspintomografie, auch das Ergebnis ist noch geheim, es soll aber am Abend noch gelüftet werden – ich füge es dann ergänzend hinzu. Dann wurde heute das neue HSV-Auswärtstrikot vorgestellt, ich habe aber davon weder etwas gesehen noch habe ich ein Foto. Das wird wohl morgen in den Zeitungen zu sehen sein. Ich hoffe auf etwas Geschmackvolles . . . Erfreulich ist, dass Nationaltorwart Rene Adler am Montag zur HSV-Delegation gehören will, die sich aufmacht, um ins zweite österreichische Trainingslager, diesmal in Klagenfurt, zu kommen. Und dann hat heute Roque Santa Cruz, der „Fast-HSVer“, einen Vertrag in Malaga unterzeichnet. Das hatten ja bereits alle so kommen sehen.

Was mir in der Zeit des ersten Trainingslagers noch auffiel – war noch einmal das Spiel in Innsbruck. Das war erstens die vielversprechende Leistung von Kemer Demirbay, der für mich fast an die Stelle meines (früheren) Hoffnungsträgers Hakan Calhanoglu getreten ist. Und zweitens war es die gute Live-Übertragung, die HSV-TV kostenlos ermöglichte. Sehr gut. Ich habe mich sehr gefreut, war auch fast restlos zufrieden. Nur in Sachen Kommentator habe ich lange gezweifelt: ein Hamburger? Oder ein Österreicher? Es irritierte mich, wenn der Kommentator etwa so sprach: „Die Hamburger drücken jetzt . . .“ Oder: „Die Hamburger haben in den letzten Minuten nachgelassen . . .“ Oder ganz allgemein: „Die Hamburger . . .“ Wieso die Hamburger? Heißt das nur HSV-TV, um dem Kin mal einfach so einen Namen zu geben? Oder ist es wirklich und wahrhaftig und tatsächlich HSV-TV? Wenn es tatsächlich HSV-TV ist, dann darf man doch auch vom HSV sprechen, oder? Das hat mich tatsächlich sehr irritiert. Ich dachte während der ersten Halbzeit, es sei ein Österreicher, der das Spiel (rein zufällig) für HSV-TV kommentiert. Später, als Kurt Jara, der ehemalige HSV-Trainer, dann gefragt wurde, was er heute macht, da entnahm ich dann der Frage, dass es sich wohl doch um einen Hamburger Kommentator handelt. Handeln muss. Aber ganz sicher bin ich mir immer noch nicht . . .

Ansonsten habe ich mich im HSV umgehört – die Stimmung, so erfuhr ich von allen, ist gut. Innerhalb des Clubs, innerhalb der Mannschaft. Das ist auch beim HSV so zu lesen. Da gab Thorsten Fink ein Interview und sagt unter anderem: „Wir hatten tolle Bedingungen. Der Platz war super und das Hotel hervorragend. Dort wurden wir super aufgenommen und hatten unsere Ruhe. Bei den Einheiten haben alle mitgezogen und sich voll reingehängt. Dazu hat sich kein Spieler stark verletzt. Ich hoffe, wir können nächstes Jahr wieder hierher kommen, weil es richtig Spaß gebracht hat. Mein Eindruck ist absolut positiv. Wir sind auf einem guten Weg.

Auch das hat mich, gebe ich zu, ein wenig irritiert. „Ich hoffe, wir können nächstes Jahr wieder hierher kommen, weil es richtig Spaß gebracht hat.“ Wie bitte? Der HSV war in diesem Jahr fünf Tage im Zillertal, weil er vertraglich dazu verpflichtet war. Wenn der HSV gewollt hätte, dann wäre er jetzt immer noch im Zillertal, in dem es so ein tolles Hotel gibt und in dem es so viel Spaß gemacht hat. Da stimmt doch etwas nicht. Oder liegt es daran, dass der HSV so gerne verreist, so gerne wieder nach Hamburg zurückkehrt, wieder gerne verreist, wieder gerne zurückkehrt, wieder gerne verreist . . . Nein, ihr lieben HSV-Verantwortlichen, da wird meiner Meinung nach etwas zu dick aufgetragen, um die Leute im Zillertal ein wenig zu trösten – weil der Aufenthalt des HSV ja doch viel zu kurz (kürzer als erhofft und vielleicht auch mal vereinbart worden) war.

Standort-Wechsel. Der HSV soll ja am 4. August in Jena um DFB-Pokalehren spielen (Anstoß 16 Uhr). Nun aber gibt es große Probleme, weil die Stadt Jena das Ernst-Abbe-Sportfeld gesperrt hat. „Scholle“ hat mir dazu einen Text geschickt, den ich gern veröffentliche:

Offizielle Stellungnahme des FCC zur Sperrung des Stadions
Mit Fassungslosigkeit hat der FC Carl Zeiss Jena die vom Stadioneigentümer Kommunale Immobilien Jena (KIJ) vorgenommene, sofortige Komplettsperrung des Ernst-Abbe-Sportfeldes aufgenommen. Wie KIJ heute im Rahmen einer Pressekonferenz (16 Uhr) die Öffentlichkeit informierte, habe ein Gutachten ergeben, dass die Flutlichtmasten des Jenaer Stadions auf Grund starker Korrosion einsturzgefährdet seien.
Vereinspräsident Rainer Zipfel: „Wir sind wie vor den Kopf gestoßen. Diese Hiobsbotschaft trifft uns aus heiterem Himmel. Zudem mussten wir zunächst aus den Medien von dieser für uns weitreichenden und Existenz bedrohenden Entscheidung erfahren. Ein untragbarer Zustand.“
Voraussichtlich kann die für Samstag geplante Saisoneröffnung im Rahmen der 110-Jahrfeier des FC Carl Zeiss Jena, zu der ein Testsspiel gegen die walisischen Freunde von Newport County geplant ist, voraussichtlich nicht stattfinden kann. „Das wäre eine Katastrophe – für die Fans hier in Jena, für alle, die Monate lang an diesem tollen Projekt gearbeitet haben und ganz besonders für die Waliser, die bereits auf gepackten Koffern sitzen.“ Mehr als 250 Fans aus Newport wollen sich auf den Weg nach Jena machen.
Auf Drängen des FCC wird am morgigen Donnerstag ein zweites Gutachten erstellt. Inwieweit dies noch eine Durchführung des Spieles gegen Newport County ermöglicht, bleibt zur Stunde offen. Die Chancen jedoch sind schwindend gering.
Zwar hat der FCC intensiv darüber nachgedacht, das Spiel gegen Newport County an einem anderen Ort stattfinden zu lassen, musste letztlich jedoch davon Abstand nehmen. Rainer Zipfel: „Die Kurzfristigkeit der Entscheidung von KIJ, für die uns nach wie vor die Worte fehlen, lässt uns organisatorisch überhaupt keine Zeit und somit auch keine andere Möglichkeit. Wir müssen im Laufe des morgigen Donnerstages, noch bevor sich die Waliser auf den Weg nach Jena machen, eine Entscheidung treffen. Wir wollen am Wochenende Werbung für ein weltoffenes und internationales Jena machen, wie es geplant war. Nun kann es sein, dass sich die selbsternannte Lichtstadt bis auf die Knochen blamiert. Wir sind unsagbar traurig.“
Aber auch über die geplante Saisoneröffnung hinaus hat die Entscheidung von KIJ weitreichende Konsequenzen. So soll der FCC sowohl die Geschäftsstelle als auch die Kabinen räumen. Roy Stapelfeld, Geschäftsführer des FC Carl Zeiss Jena. „Wir sind quasi obdachlos und in keiner Weise arbeitsfähig. Das ist umso bitterer, als dass die Stadt Jena schon seit Jahren um den Sanierungsstau bei der Flutlichtanlage weiß. Das ist nun die Quittung. Es kann nicht sein, dass der FCC diese nun zahlen soll.“
Besonders traurig macht den FCC und viele seiner treuen Anhänger, dass Jena mit den Flutlichtmasten, im Volksmund liebevoll „Giraffen“ genannt, die letzten ihrer Art und damit ein Wahrzeichen des Jenaer Fußballs und der Stadt verlieren wird. „In einer reichen Kommune wie Jena, die sich selbst als „Lichtstadt“ apostrophiert – das ist einfach nicht zu begreifen“, verleiht Rainer Zipfel seiner Fassungslosigkeit Ausdruck.
Rainer Zipfel weiter. „Wir bitten um Verständnis, dass wir diese Entwicklungen nun erstmal sacken lassen müssen. Wir werden uns morgen intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Die sportliche wie wirtschaftliche Tragweite der Komplettsperrung des Ernst-Abbe-Sportfeldes ist für uns noch gar nicht abzusehen. Nach eine Unzahl von Spielsabsagen im Winter, dem Hochwasserschaden im Juni, nun vielleicht noch der Wegfall der Saisoneröffnung und ein gesperrtes Stadion. Die Summe der Ereignisse ist für unseren Verein Existenz bedrohend.”

Auch der SV Schott Jena spielt im Ernst-Abbe-Sportfeld, hatte auf jeden Fall vor, dort gegen den HSV zu spielen. Und das scheint nun sehr, sehr gefährdet. Jetzt ist schon im Gespräch, dass das Pokalspiel eventuell in Erfurt oder Gera stattfindet, stattfinden könnte.

Ansonsten freue ich mich schon auf den Sonnabend, wenn es im Volkspark um den Nord Cup geht. Das Rahmen-Programm beginnt bereits um elf Uhr, das erste Spiel startet um 14 Uhr, dann stehen sich der VfL Wolfsburg und der FC Kopenhagen gegenüber, um 16 Uhr trifft der HSV auf Erstliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig (wird auch im Dritten Programm vom NDR live übertragen). Und um 18 Uhr spielen Lotto und Pape auf. Am Sonntag dann um 15.30 Uhr das Spiel um Platz drei, um 17.30 Uhr dann das Finale. Die Spiele dauern jeweils zweimal 30 Minuten, bei einem Unentschieden findet sofort ein Elfmeterschießen statt.

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr und um 15 Uhr trainiert.

17.43 Uhr

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