Arslan: “Gegen Düsseldorf wird sich viel entscheiden”
18. April 2013
Die finale Einstimmung hat begonnen. „Kampf, Fleiß, Disziplin – das will ich sehen“, fordert Trainer Thorsten Fink heute, auf dem Podium im Presseraum sitzend. Die Mannschaft habe in Mainz die Messlatte gehängt, an der sie sich selbst messen müsse. „Wir müssen nichts anders machen als in Mainz. Wenn wir das alles wieder abrufen können, ist es für mich okay.“ Die Mannschaft solle nicht zu weit zurückblicken, sondern sich einfach „an die gezeigten Attribute erinnern“, das würde reichen, um gegen Düsseldorf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein gutes Spiel zu absolvieren. Zumal die Mannschaft in dieser Woche eine ebenso engagierte Leistung hingelegt habe wie vor dem Mainz-Spiel.
So viel zu den Hypothesen, zu denen ein Trainer in meinen Augen tatsächlich irgendwann gezwungen ist, wenn er zum gefühlt 1000. Mal innerhalb der letzten sieben, acht Monate zum selben Thema befragt wird. Es ist im Fußball ein ewiger Kreislauf, es sind Momente, die es ähnlich schon gab und die es in fast identischer Art irgendwann auch wieder geben wird. Es ist der stumpfe Mikrokosmos, den mir meine Frau immer vorwirft – und den ich so liebe. Und ohne den ich gar nicht mehr leben kann.
Deshalb, wie Thomas Doll zu sagen pflegte: „Jetzt aber rein in die Mühle“. Und die begann heute mit etwas Verspätung. Erst um 10.30 Uhr trabte die Mannschaft, angeführt von Torwart Rene Adler auf den Trainingsplatz. Was folgte, war eine intensive Einheit, in der zu Teilen erkennbar war, dass die Anspannung ungleich höher ist. Immerhin: „Das Spiel gegen Düsseldorf ist ein Big-Point-Spiel“, sagt Tolgay Arslan, der gegen die Fortuna erneut neben Milan Badelj im defensiven Mittelfeld auflaufen wird. Und der U-21-Nationalspieöler fügte hinzu: „Da wird sich viel entscheiden.“ Angesprochen auf diese Aussage reagierte Arslan mit einem Lächeln das mehr aussagte als der nachfolgende Satz: „Wir wollen uns im Mittelfeld festsetzen und einen einstelligen Tabellenplatz.“
Klar.
Aber auch hier gilt: was soll Arslan sagen? Soll er in seiner ersten echten Erstligasaison die Europa League einfordern und als Ziel ausgeben? Natürlich nicht. Allerdings ist es schön zu sehen, dass er es für sich offenbar macht – und dass er nicht daran kaputt geht. Immerhin gilt Arslan als sehr intelligent und konstruktiv selbstkritisch. „Ich weiß, wenn ich Mist baue und verinnerliche den Fehler, damit ich ihn nicht wieder mache. Aber ich gebe mir auch die nötige Zeit, um mich zu entwickeln, da ich weiß, dass ich kein Schnellstarter sondern ein sich eher langsam Entwickelnder bin.“ Eine Selbstreflektion, die man im Profifußball selten hat.
Vor allem nicht mit einem Happy End versehen. Und genau das scheint sich für Arslan so langsam einzustellen. Seit dem 20. Spieltag schien Arslan in einem kleinen Formtief festzustecken. Bis er gegen Freiburg eine sehr engagierte und in Mainz eine fußballerisch sehr gute Leistung zeigte. Auf der Doppelsechs. „Ich fühle mich auf der Position sehr, sehr wohl. Ich glaube ich habe meine neue Position gefunden.“ Auf dem Platz und innerhalb der Mannschaft – Arslan sprüht vor Energie im Saisonendspurt. „Ich bin körperlich top drauf – wir als Mannschaft sind richtig gut drauf.“ Das zeige schon das (tatsächlich!) aggressiv geführte Training.
Sich zeigen darf voraussichtlich auch wieder Petr Jiracek. „Ich tendiere dahin, die Mannschaft aus dem Mainz-Spiel beginnen zu lassen“, sagte Fink heute, obgleich er dem zuletzt auf die Bank versetzten Toptorjäger (wie Son hat der Tscheche auch elf Saisontore) Artjoms Rudnevs zumindest einen Spalt Hoffnung machte. „Ich überlege nur, ob ich Rudy wieder reinnehme. Dann müsste Son auf links und Jiracek raus.“ Dennoch, grundsätzliche Tendenz sei, nichts zu ändern, da die Mannschaft in Mainz genau den von ihm geforderten und auch jetzt erwünschten Teamgeist und Kampfeswillen gezeigt hätte.
Geändert hat sich tabellarisch dagegen einiges durch das glückliche 2:1 des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg. Denn, wären die Breisgauer ins Finale gegen die Bayern eingezogen und zeitgleich am Saisonende unter den ersten sechs, hätte dem HSV schon der siebte Rang gereicht, um in die Europa League einzuziehen. „Ich rechne zwar zwischendurch nicht, weil es nichts bringt. Aber natürlich wird es jetzt ungleich schwieriger, das Unmögliche möglich zu machen. Da schaue ich natürlich auch ein wenig traurig hinterher, da theoretisch ach der siebte Platz hätte reichen können.“
Noch nicht gereicht hat bislang die Klubkasse, um neue Einkäufe zu tätigen. Sportchef Frank Arnesen muss – das ist hinlänglich bekannt – zunächst verkaufen. Und auch das gestaltet sich schwierig, da Kandidaten wie Marcus Berg verletzt sind und andere wie Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic oder auch Jeffrey Bruma sich auf Bundesligaebene momentan nicht präsentieren und somit auch nicht besonders eindrucksvoll anbieten können. „Wir haben eine lange Liste von Spielern, die mit zunehmender Zeit kleiner wird, weil sich die Spieler entscheiden wollen, Klarheit brauchen. Das ist unser Los und damit gehen wir um.“ Ebenso schwierig gestaltet sich die Vertragsverlängerung von Heung Min Son, der sich erst entscheiden will, wenn er weiß, wohin der sportliche Weg des HSV führt. „Finanziell sind wir ganz nah beieinander“, sagt Arnesen und fügt hinzu: „Da bin ich insgesamt sehr positiv.“ Zumal der Südkoreaner auch Trainer Thorsten Fink bestätigt hatte, dass er bleiben wolle. „Er weiß, dass ich auf ihn zähle und sagt selbst, dass er bleiben will. Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch lange mit Son zusammenzuarbeiten. Er hat noch einiges an Entwicklungspotenzial.“
Stimmt. Und genau das haben andere auch erkannt. Zwar ist aktuell kein Verein offiziell an den HSV herangetreten, allerdings ist auch den Verantwortlichen bewusst, dass es gleich mehrere auch internationale Interessenten (Tottenham und Dortmund, um nur zwei zu nennen) um Son werben. „Sonni weiß, dass er sich bei uns bestens entwickeln kann und er ist genau der Typ Spieler, den wir nicht abgeben wollen“, sagt Arnesen und stellt klar: „Allerdings muss auch ihm klar sein, dass wir ihn im Sommer ohne eine Vertragsverlängerung verkaufen müssten.“ Dazu sei der HSV schon aus finanziellen Gründen schlichtweg gezwungen, da der Vertrag 2014 ausläuft und Son dann ablösefrei wäre.
Egal wie, am Sonnabend wird Son auflaufen, wenn nichts Unerwartetes (klopfe dreimal auf Holz) passiert. Und der HSV wird gewinnen – wenn nichts Unerwartetes passiert (ich klopfe gleich nochmal dreifach auf Holz). Mein Tipp in der Redaktion ist ein 3:1-Sieg. Und der steht.
Bis morgen! Da wird zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, aber dafür meldet sich Dieter bei Euch wieder mit dem Aktuellsten des Tages zu Wort, ehe wir uns am Abend ja sowieso (hoffentlich zahlreich) beim Matzab-Treffen in Norderstedt sehen. Beginn ist – für die, die es vergessen haben – um 19 Uhr. Was bislang noch keiner weiß: wir dürfen uns morgen auf Vorstand Oliver Scheel freuen, der von sich aus dazustoßen will und natürlich genauso herzlich willkommen ist wie alle anderen. Ich freue mich auf jeden Fall auf morgen. Und auf Sonnabend…
Scholle
P.S.: Am Sonnabend nach dem Spiel begrüßen wir übrigens den ehemaligen Torwarttrainer Claus Reitmeier und Ex-HSV-Stürmer Vahid Hashemian bei Matz ab live!