Archiv für das Tag 'Benjamin'

Wenn der Teufel los ist . . .

27. Januar 2010

Bei „Matz ab“ ist der Teufel los. So die Begrüßung beim Training an der Nordbank-Arena. Oh wie schön, der Teufel ist los. Ja aber. So wurde auch gesagt, es ist eher negativ, denn es gibt um die Ohren. Einer dem anderen. Und mittenmang auch einige Frauen. Also habe ich während des Schneetreibens für mich beschlossen: heute wird nichts gelesen. Das wird nachgeholt, weil ich es immer lese, aber so richtig negativ muss ich es jetzt nicht mehr haben. Es war stürmisch, es war eisig, es war ungemütlich im Volkspark, da muss ich mich jetzt nicht noch ein weiteres Mal ärgern. Wobei ich auch klar festhalten muss, dass ich mich trotz der widrigen Witterungsbedingungen sehr, wirklich sehr gefreut habe über das, was am Nachmittag beim Training passiert ist. Es gab nämlich ein kleines „Familientreffen“ von „Matz-abbern“. Benno Hafas war da, Eiche Nogly, Trainerglück, Devildino, HSVNils_reloaded, OlliWL, Peacock und Andre. So viel Besuch hatte ich noch nie, vielen Dank dafür. Auch dafür, dass mich alle gewarnt haben, dass der Teufel los sei. Fast hätte ich gestöhnt vor Glück . . .

Die Matz-Abber trainerglueck, andré, Eiche, Peacock, Blogfather, Benno, HSVNils_reloaded, Olli-WL, devildino

Was aber auch daran lag, dass am Vormittag, aus heiterem Himmel, Ruud van Nistelrooy erstmalig auf dem Acker war und mit Ball trainiert hat. Und kaum einer hat es gesehen. Der HSV ist eben voller Überraschungen. Um es gleich zu sagen: Macht Euch bitte keine Hoffnungen darauf, dass „Van the man“ schon am Freitag gegen Wolfsburg in irgendeiner Form eingreifen wird, das ist ausgeschlossen. Auch wenn er jetzt schon früher auf dem Rasen war, als am Tag vorher noch von den Verantwortlichen angekündigt. Co-Trainer Eddy Sözer: „Umso früher er auf den Platz gehen kann, umso früher er etwas mit dem Ball machen kann, umso positiver ist es für ihn und für uns. Das war heute ein erster Schritt, ein erster Einstieg.“ Es hat nichts gezwickt, es gab auch hinterher keine Beschwerden – es war einfach nur positiv.

Natürlich hatte es sich unter den Trainings-Kiebitzen herumgesprochen, dass van Nistelrooy schon einmal draußen war. Deswegen auch bestand bei vielen die Hoffnung, dass er auch am Nachmittag noch einmal auf dem Rasen auflaufen würde, aber diese Hoffnung zerschlug sich leider schnell. Der Torjäger absolvierte im Kraftraum seine zweite Einheit. Trotz allem, so sieht mein Fazit aus: Es geht eventueller doch schneller mit ihm, es gibt die Hoffnung, dass er tatsächlich im Köln-Spiel schon das erste Mal dabei sein könnte.

Eventuell auch Ze Roberto? Von den „Matz-abbern“, die beim Training waren, gab es schon das eine oder andere Wort der Skepsis bezüglich des Brasilianers zu hören. Es dauert ihnen, es dauert wohl auch Euch allen (den meisten jedenfalls), zu lange. Und nicht wenige vermuten, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugeht. „Eiche Nogly“ sprach es offen aus: „Ein Bänderanriss dauert doch nicht so lange, wie das jetzt schon gedauert hat. Da muss doch mehr sein . . .“ Aber da gibt es nichts. Sözer sagt: „Wir wünschen uns, dass er am Donnerstag vielleicht schon mit dem Ball arbeiten kann, mal raus gehen kann, individuell balltechnisch und fußballspezifisch arbeiten kann. Und dann müssen wir abwarten, ob er noch Schmerzen hat, um dann die nächsten Schritte zu machen. Ze arbeitet aber sehr gut, da gibt es keine Probleme.“ Und einen zweiten Test, ob die Wadenmuskulatur inzwischen wieder vollständig aufgearbeitet ist, den wird es in den kommenden Tagen auch noch geben.

Ob dann Paolo Guerrero schon wieder in Hamburg sein wird? Großes Fragezeichen sogar. Diesmal wollte er fliegen, aber sein Cousin, der ihn nach Deutschland begleiten sollte, hatte kein Visum. Also alles zurück, und morgen noch einmal ein Versuch. Eddy Sözer zu diesem Thema: „Wir sind bemüht darum, Hilfestellungen für Paolo zu finden.“ Das heißt, dass ihm ein Psychiater in Peru die Flugangst nehmen soll.

Ein etwas anderes Flugproblem hatte Guy Demel, der nach dem Aus der Elfenbeinküste beim Afrika-Cup in Afrika „hängen geblieben“ ist. „Da gab es mit dem Flieger Probleme. Das ist schade, denn wir hätten ihn schon gerne im Hinblick auf das Wolfsburg-Spiel am Mittwoch im Training gehabt“, sagt Labbadias Assistent. In der Nacht zum Donnerstag wird Demel in Paris landen, dann am frühen Morgen weiter nach Hamburg fliegen. Am Vormittag wird, so ist es jetzt vorgesehen, er eine individuelle Trainingseinheit absolvieren. Ob es noch für einen Einsatz gegen Wolfsburg reicht, bleibt aber abzuwarten. Ein Gerücht besagte schon, dass sich Guy Demel nicht ganz so gut bei Kräften fühle. Sözer aber hatte davon aber nichts gehört, räumte nur ein: „Klar ist ein Ausscheiden aus dem Afrika-Cup immer mit einer Enttäuschung verbunden . . .“

Erfreuliche Nachrichten gibt es bei Collin Benjamin zu vermelden. Ein Krafttest hat ergeben, dass der Allrounder erstaunliche Fortschritte (nach seinem Kreuzbandriss) gemacht hat. „Er hat gut gearbeitet, hat sich sehr gut weiter entwickelt, er kann jetzt beginnen, mit dem Ball zu arbeiten. Er ist voll im Soll, es ist auch ein positives Signal für ihn“, berichtete Sözer. Mitte bis Ende März ist damit zu rechnen, dass Benjamin wieder ins Mannschaftstraining einsteigen könnte.

Beim HSV aber scheint es personell wieder (leicht) bergauf zu gehen. Nun darf sich Hamburg überraschen lassen, wie sich der Gegner VfL Wolfsburg präsentieren wird. Nach dem Trainerwechsel wird der Meister sicherlich anders spielen, als zuletzt bei der 2:3-Heimpleite gegen den 1. FC Köln. Eddy Sözer sah diese 90 Minuten live und berichtet: „Natürlich hat Wolfsburg Stärken, aber es gibt zurzeit auch Schwächen beim VfL, und die haben die Kölner ausgenutzt. Aber bei uns wird die Wolfsburger Mannschaft ganz sicher anders auftreten, sie wird mit Sicherheit noch kompakter spielen, das war das Hauptproblem gegen Köln. Und wer den neuen Trainer Köstner kennt, der weiß, dass er auf Kompaktheit, auf Defensive und auch auf Festigkeit großen Wert legt. Wir erwarten eine andere VfL-Mannschaft in Hamburg.“

Dazu wäre es dann passend, wenn auch die Hamburger eine andere HSV-Mannschaft als noch zuletzt in Dortmund sehen würden. Ich wiederhole es gerne noch einmal, auch wenn es wehtut: Die Dortmunder liefen wie die Hasen, die HSV-Spieler hoppelten wie die Angsthasen über den Rasen. Wenn es gegen Wolfsburg nicht von Anfang an mit Herz, Leidenschaft und Engagement gehen sollte, dann ist die nächste Pleite programmiert. Denn der VfL wird sich nach dem Veh-Rausschmiss ganz sicher zerreißen. Da ist dann nichts mit spielerisch dagegen halten, da ist auch kein Abwarten, kein Abtasten und keine Pomadigkeit gefragt, da ist ganz klar Herz gefordert. Sonst kann auch diese Saison schon wieder abgehakt werden.

„Wir haben das Dortmund-Spiel sehr gut und sehr kritisch analysiert. Wir haben dort einige Fehler gemacht, aber darüber haben wir uns mit der Mannschaft beraten, es wurden ganz klar alle diese Themen besprochen. Wir müssen gegen Wolfsburg ganz anders auftreten, das wissen wir, wir müssen ganz anders dagegen halten, wir müssen unser Heimspiel gewinnen, das ist ein ganz wichtiges Spiel für uns“, sagt Eddy Sözer.

Im Training am Mittwoch war schon Feuer drin, auch wenn die Temperaturen die Freude am Fußball immer noch ein wenig hemmen. Ganz böse sah es um 15.16 Uhr aus, als bei einem Spielchen ohne Tore Tomas Rincon und Mladen Petric zusammengeprallt waren. Beide Spieler blieben einige Sekunden lang am Boden liegen, am Rande wurde schon das Schlimmste befürchtet, aber dann berappelten sie sich doch wieder. Erst stand Petric, dann Rincon, aber beide hielten sich noch einige Zeit die schmerzenden Hüften. Ein, zwei Minuten danach ging Rincon noch einmal mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden, doch dann ging es auch für den Spieler mit dem vielleicht größten Kämpferherz aller HSV-Profis weiter. Bleibt abzuwarten, wie sich die Verletzung in der Nacht, wenn alles zur Ruhe gekommen ist, „entwickelt“.

Die zusehenden „Matz-abber“ verfolgten nicht nur diese Szenen ganz gespannt. Und sie sahen auch diesem Bericht schon mit Spannung entgegen. Natürlich wurde – ganz nebenbei – auch über das bevorstehende Treffen (in der Raute) am 19. Februar gesprochen – und über die Unruhe des heutigen Tages. Was ich dazu gesagt habe, möchte ich Euch nicht vorenthalten: „Matz ab gibt es nun seit dem 7. August 2009. Alles hat sich bestens entwickelt, besser, als viele vorher – auch ich – gedacht haben. Dennoch kommt hier keine Ruhe rein, weil es immer wieder Zeitgenossen gibt, die hier ihre ganz eigenen Erziehungsmaßnahmen durchführen wollen. Allen denen möchte ich sagen, dass ich von der Front genügend Rückmeldungen bekomme. Positive. Die meisten, wirklich die meisten User lieben Matz ab so, wie es jetzt ist. Es gibt hier Fußball, es gibt den HSV, es gibt auch Witze und, das gebe ich zu, so manche Sache, die hart an der Grenze ist, dazu gibt es Ironie und es gibt Biss, es gibt auch den einen oder anderen Gasmann, der hier sein Unwesen treibt, aber selbst diese Gasmänner werden toleriert. Das wurde nicht zuletzt auch an diesem Mittwoch deutlich (angesprochen). Nun sollten aber diese Gasmänner – oder auch Gasfrauen – ebenfalls so tolerant sein, Matz ab so zu nehmen, wie ist es ist. Oder sie sollten doch besser einen eigenen Blog aufmachen.“

Vielen Dank allen, die sich hier mit Freude engagieren. Ich bin begeistert von Euch, ich stöhne gelegentlich voller Freude – und ich freue mich schon sehr auf den 19. Februar.

19.24 Uhr (ich weiß, es hat zu lange gedauert!)

Benjamin, der Strahlemann

20. November 2009

Dass Collin Benjamin seinen Vertrag verlängert hat, darüber wurd an dieser Stelle ja schon geschrieben. Von mir und von Euch. Die Freude war auf beiden Seiten gleich. Und dennoch komme ich noch einmal darauf zurück, Nicht, weil ich nichts zu schreiben wüsste, nein, nein, das ist es nicht. Diesmal möchte ich darüber berichten, dass Collin nach seiner Unterschrift nun in der Pressekonferenz saß – und sich auch freute. Ich sage ja immer: „Die vom HSV sitzen da oben auf dem Balken.“ Und wir da unten. So auch diesmal. Und wir alle konnten von dort aus einen Strahlemann sehen, denn: Dass der Vertrag bis Sommer 2011 verlängert worden ist, das freute einen natürlich ganz besonders: Collin Benjamin.

So richtig viel zu lachen hatte der 31-jährige Profi zuletzt ja nicht, aber jetzt war die Freude ganz auf seiner Seite. „Ist doch klar, dass man sich freut, einen solchen Partner wie den HSV zu haben. Gerade in der heutigen Zeit, in der es heißt, dass es im Profi-Fußball wenig Herz und wenig Menschlichkeit gibt. Dann ist es ein Traum, dass es so gekommen ist, die Vertragsverlängerung ist eine Super-Sache“, sagte Collin Benjamin, und dabei wir ihm die Freude auch zu 100 Prozent anzusehen

Er arbeitet an seinem Comeback. Er arbeitet sogar hart daran, wie er sagt: „Ich freue mich schon darauf, dass ich im Januar wohl wieder anfangen kann, mit der Mannschaft zu trainieren, mit ins Trainingslager zu fahren.“ Collin Benjamin ist der dienstälteste HSV-Profi. Als ihn Medien-Chef Jörn Wolf bat, über diese seit Jahren gewachsene Verbindung Auskunft zu geben, sagte Benjamin spontan: „Hey, das ist eine so lange Geschichte, das würde viel zu lange dauern.“ Dann begann er aber doch – in kurzen Zügen: „Dass wir jetzt in einer Phase sind, in der alle denken: Mensch, der HSV ist super, die spielen vorne mit. So war es früher ja nicht. Wir haben früher ja nicht ganz oben mitspielen können, aber jetzt. Das ist schon toll.“ Dann fügte der Allrounder – immer noch strahlend – an: „Wenn ich in meiner Heimat Namibia bin, und die Leute sagen: Oh, Collin Benjamin spielt für Hamburg. Das ist eine Sache, die mich schon stolz macht. Dass ich mit dem HSV in einem Atemzug genannt werde, das ist schon super – da fehlen mir die Worte, ehrlich.“

Einfach nur sympathisch, dieser Profi. Und er wird, da könne sich alle sicher sein, alles geben, um 2010 sein 140. Bundesliga-Spiel für den HSV absolvieren zu können. Und das 141., das 142., das 143., und so weiter, und so weiter. Benjamins Kommentar: „Ich will einfach nur wieder fit werden, um richtig Gas geben zu können, um den Jungs wieder helfen zu können. Ich versichere jedem dass es schon brennt bei mir.“ Und wobei will er helfen? Benjamin: „Bei der Jagd nach einem Titel.“ Dann holt er tief Luft: „Das geht jedem hier so im Verein, wir wollen einen Titel. Das kann ich gar nicht in Worte fassen, das ist so ein Hunger danach – und wir sind auf dem richtigen Weg. Und diesen Weg gehen wir weiter, und wenn wir weiter hart arbeiten, dann führt der Weg auch zum Ziel.“ Hoffentlich wird er es als Spieler noch erleben, denn die Zeit der Hamburger Titelentbehrungen hält ja schon viel zu lange an. Glaubt Collin Benjamin daran, dass er noch eines Tages als HSV-Profi einen Pott in seinen Händen hält? „Sonst würde ich hier nicht sitzen, sonst würde ich mich nicht so quälen, um noch einmal zurück zu kommen“, sagt er entschlossen.
Und gibt auch sofort einen Einblick in die jetzige Mannschaft: „Früher, die alten Säcke in der Mannschaft, die haben immer gesagt: Wir wollen, wir wollen, wir wollen einen Titel. Heute haben wir aber eine ganz junge Mannschaft, und diese jungen Kerle, die haben alle einen unheimlichen Hunger, brennen alle. Und jetzt diese 18-Jährigen, die sind heiß, wirklich heiß.“ Er macht das dann auch an einem Talent fest: „Der Tunay Torun, der brennt, dem sieht man den Hunger nach Erfolg in seinen Augen an. Ich glaube wirklich, dass ein Titel nur noch eine Frage der Zeit ist.“

Wie schön wäre es. Und schön war es, mal mit Collin Benjamin darüber gesprochen zu haben. Er gab offen und ehrlich seine Antworten, genau das zeichnet ihn aus, das macht ihn in Hamburg so beliebt.

Das weiß auch natürlich der Trainer. Bruno Labbadia über diese Vertragsverlängerung: „Auch wir freuen uns natürlich sehr darüber. Weil Collin ein Mann ist, den jeder Trainer braucht, denn er ist ein Allrounder, kann auf vielen Positionen eingesetzt werden. Das ist oft ein Fluch für diesen Spieler-Typen, aber ich sehe das nicht so, ich sehe das als Segen.“ Weil „Collo“ in der Tat fast überall auf dem Rasen seinen Mann stehen kann. Darüber hinaus passt er natürlich bestens zu diesem HSV, weil er das Herz auf dem rechten Fleck hat. Egal wen man fragt, ob Mitspieler, Betreuer oder Funktionsträger, sie alle loben den Menschen Collin Benjamin. Und die Fans natürlich auch. Sie sogar ganz besonders.

Schon deswegen hat der HSV genau das Richtige getan, denn alle freuen sich, dass der Pechvogel, der nach dem Kreuzbandriss noch einige Wochen ausfallen wird, noch ein weiteres Jahr dran hängen wird. Labbadia reihte sich in die Benjamin-Fans mit ein, als er sagte: „Ich habe ihn in den vier Monaten, in denen ich hier beim HSV bin, als sehr angenehmen Menschen kennen gelernt. Und als sehr guten Profi. Wir sind froh, dass wir ihm als HSV nun ein Stück weit zurück geben konnten, für das, wie er sich in den letzten Jahren verhalten hat, für das, was er in den letzten Jahren für den HSV getan hat.“

Wobei Collin Benjamin kein „Gnadenbrot“ erhält. Bruno Labbadia stellte klar: „Er erhielt den neuen Vertrag nicht nur aufgrund seiner Verdienste, sondern weil wir ihm alle zutrauen, dass er noch viel für den HSV bewegen kann.“ Darüber hinaus gab Labbadia aber auch zu: „Wir haben uns beraten, wir haben diese Entscheidung getroffen, und letztlich ist es so, dass wir mehr als nur ein Verein sein wollen – wir wollen eine Verbundenheit zu unseren Spielern zeigen. Ich freue mich sehr.“

Ein Schwenk noch kurz auf einen anderen HSV-Profi, derzeit auch ein großer Pechvogel, aber ebenfalls einer aus der Kategorie „Mensch“, so wie Collin Benjamin: Bastian Reinhardt. Er hatte am Donnerstag Geburtstag, wurde 34 Jahre jung. Er wirkt auf mich schon absolut fit, aber es dauert nach seinem zweiten Mittelfußbruch wohl noch bis zum Jahreswechsel, bevor er wieder auf dem Rasen stehen kann. Aber auch er ist heiß, brennt. Als ich ihm, dem neuen „HSV-Praktikanten“, an seinem neuen (vorübergehenden) Arbeitsplatz gratulierte und ihm wünschte, dass er 2010 wieder in die Nordbank-Arena einlaufen könne, da entgegnete er optimistisch: „Das wird in jedem Fall klappen, dafür kämpfe ich.“ Ganz nebenbei hat „Basti“ Reinhardt sein Trikot, das ja an diesem Freitag einen neuen Inhaber (den Gewinner beim Matz-ab-Gewinnspiel) erhalten wird, mit seiner Unterschrift verschönt. Ihr könnt Euch drauf freuen, bei der nächsten Einblendung wird die oder der Gewinner verraten. Viel Glück – und kommt gut in dieses Wochenende.
Und noch einmal meine Bitte: Vertragt Euch. Es ist doch wirklich schade, wenn sich hier immer mal wieder einige Herren in die Wolle kriegen, wo es doch wirklich nur um die schönste Nebensache der Welt gehen sollte: HSV. Ihr würdet mir echt einen großen Gefallen tun, wenn sich hier jeder einmal darauf, und wirklich nur darauf, besinnen würde. Und: Was der gute „Peacock“ (mein neues Vorbild!), mit dem ich gemeinsam das Donnerstags-Training im wahrsten Sinne des Wortes durchgestanden habe, ja, was er kann, das müssten doch auch eigentlich alle anderen Vollblut-HSV-Fans können. Bitte geht in Euch, ich mag in diesem Blog keine Streitigkeiten und Boshaftigkeiten, die sind absolut überflüssig. Danke für Euer Verständnis.

Nur der HSV!

0.01 Uhr

Eine Lanze für Rincon

16. September 2009

Er ist ganz sicher noch nicht die ganz große Nummer beim HSV, im Gegenteil, er hat bislang erst einen Einsatz in der Bundesliga auf seinem Konto: Tomas Rincon. Dennoch darf ruhig einmal das eine oder andere Wort über den Nationalspieler Venezuelas (16 Länderspiele) verloren werden, denn sein Vertrag läuft am Ende des Jahres aus. Und dann? Muss der Profi mit dem großen Kämpferherzen dann gehen? Das wäre in meinen Augen sehr schade, denn Rincon steht für mich erst am Anfang seiner Kariere in Deutschland. Und wie gut der erst 21-Jährige Fußball spielen kann, ist oft genug im Training zu sehen. Rincon trainiert stets überaus ehrgeizig, ist immer voll konzentriert bei der Sache, und er hat ganz offenbar immer noch nicht die Lust an seinem Job, in dem er ja kaum einmal Spielpraxis sammeln kann, verloren. Tomas Rincon gibt im Training immer alles, ist in diesem Punkt so vorbildlich zu nennen wie der nun lange verletzt ausfallende Collin Benjamin (Kreuzbandriss), der ja trotz seines oftmaligen Ersatzspieler-Daseins immer hervorragend trainiert hat.

Die guten Trainingsleistungen Rincons sind auch den Kollegen anderer Hamburger Zeitungen nicht verborgen geblieben. Einer von der Kollegen sagte in dieser Woche: „Ich bin überzeugt davon, dass Rincon dem HSV in den Spielen gegen Werder Bremen sehr geholfen hätte – wenn er denn zum Einsatz gekommen wäre. Hätte er die Aufgabe erhalten, Diego auszuschalten, dann hätte er das meiner Meinung nach auch gemacht – und der HSV hätte die Pokalsfinals erreicht.“ Wobei daraufhin ein anderer Kollege, das will ich nicht verheimlichen, gemeint hat: „Vielleicht aber wäre Rincon auch gleich im ersten Spiel vom Platz gestellt worden, denn der gute Diego konnte in der Bundesliga ja auch stets sehr spektakulär fallen. . .“

Womit er auch bemerkt haben wollte, dass Tomas Rincon doch schnell mal zum Foulspiel neigt, Oftmals allerdings auch ungewollt, denn er lässt sich nicht selten von seinem Temperament leiten, geht dann zu rustikal und ohne jede Hemmungen recht ungestüm zur Sache, schont in den Zweikämpfen weder sich noch den Gegenspieler. Dennoch sei festgehalten: Wird Tomas Rincon besonnener (und dabei kann ihm natürlich auch in erster Linie Trainer Bruno Labbadia helfen), lernt Rincon zudem seine taktische Vorgabe einzuhalten, dazu eine gewisse Übermotivation abzulegen, dann kann er durchaus noch ein wertvoller Spieler für den HSV werden. Zumal im Training zu sehen ist, auch das ist auffällig, dass er über eine großartige Technik verfügt. Der junge Mann kann durchaus gekonnt mit der Kugel umgehen, und solche Spielertypen, die kämpfen und auch Fußball spielen können, sind relativ rar gesät.

Dann doch schnell noch einen Abstecher zur Drohung der Uefa, künftig Finanzkontrollsystem einführen zu wollen (erst im Jahre 2012). Es wäre zwar sehr schön, allein mir fehlt der Glaube. Es gibt doch heute schon so viele Tricks, Gelder verdeckt zu zahlen; es hat sie immer gegeben, und es wird sie auch immer geben. Ich glaube nicht, dass sich die ganz großen (Schulden-)Klubs von einem solchen Vorhaben schocken lassen, die werden Mittel und Wege finden, jedes noch so gut gemeintes Kontrollsystem zu umgehen. Entweder erhält die Frau des gekauften Spielers ein Millionen-Gehalt als Putzfrau, oder die Oma wird als Dolmetscherin eingestellt und fürstlich bezahlt, oder der Vater wird Chef-Scout, oder ein Klub in einem anderen Land wird kurzerhand als Park-Station zwischengeschaltet. Da war doch mal was. . .

Und glaubt mir bitte, ich bin da sicher noch ein Mensch, der zu diesem Thema die Möglichkeiten nur zu einem Mini-Prozentsatz kennt. Die Herren aber, die es wissen müssen, weil sie weiterhin ihre Millionen an den Mann bringen wollen, die werden sicher wesentlich erfindungsreicher sein. Und was ist erst mit den Herren Abramowitsch und Co? Die, die die Millionen in der Portokasse oder in einer Kajüte ihrer Yacht liegen haben. Glaubt Ihr tatsächlich, dass die sich von der Uefa einschüchtern lassen in ihrem Treiben? Die geben das Geld bar, ohne dass es durch irgendwelche Kassen läuft. Und wir alle reiben uns verwundert die Augen, dass ein Ronaldo plötzlich für weniger Gehalt spielt, als beispielsweise ein Piotr Trochowski in Hamburg.

Es mag sicher den einen oder anderen Fan geben, der so etwas glaubt, vielleicht auch einige Herren der Uefa – aber ich halte mich in diesem Punkt, der sicherlich gut gemeinten Finanzkontrolle auf den Leim zu kriechen, mal lieber zurück. Weil es für mich (als Finanz-Laien) doch noch zu viele offensichtliche Schlupflöcher gibt, durch die klammheimlich die Millionen gesteckt werden können. Ich glaube auch nicht, dass sich gerade die Riesen im Geldausgeben, zum Beispiel Real Madrid oder auch der FC Barcelona, durch die älteren Uefa-Herren beeindrucken und in ihrem Tun stoppen lassen werden. Aber: Mal abwarten, wie sich das in drei Jahren tatsächlich gestaltet.

Nur: Wenn das Finanzkontrollsystem dann doch etwas bewirken sollte, dann könnte es, auch wenn es komisch klingt, den traditionellen Vereins-Fußball retten. Wenn aber nicht, dann wird es in einem Jahrzehnt mehr oder weniger nur noch solche Klubs geben, die von Firmen gekauft und gelenkt werden, oder die einem privaten Investor gehören. In einem solchen Feld wäre der HSV dann Exot – so er sich überhaupt noch in einem solchen Haifischbecken behaupten kann.

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