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Zoff? Aufsichtsrat verlangt Antworten auf heikle Fragen vom Vorstand – und van der Vaart fällt aus

24. April 2014

Während am Rand der ehemalige Publikumsliebling Collin Benjamin mit seinem – wie immer – fröhlichen Auftreten (“Der HSV ist mein Herzensverein, der muss in der Ersten Liga bleiben”)  für gute Laune sorgte, musste Michael Mancienne einen herben Schlag hinnehmen – im wahrsten Sinne: Beim Klärungsversuch rasselte der Engländer mit seinem Nebenmann Heiko Westermann derart hart zusammen, dass er zu Boden ging. Zunächst dachten alle, der Aufprall habe seine Schulter in Mitleidenschaft gezogen. Und als der Innenverteidiger blutend abtransportiert wurde, dachten wir, es sei die Nase. Aufklärung erfolgte dann über Trainer Mirko Slomka, nachdem Mancienne selbst via Instagram Fotos von der klaffenden Wunde am Kinn online gestellt hatte. „Die Wunde musste mit sechs Stichen genäht werden“, so Slomka, „aber ich gehe fest davon aus, dass das seine Einsetzbarkeit am Sonntag nicht beeinflussen wird.“

 


Am Sonntag werden zunächst einmal alle Spieler dabei sein, die gesund sind. Weil Slomka ein Kurztrainingslager angesetzt hat. Zum einen, um den stressigen Anfahrtsweg etwas zu entspannen. Zum anderen, um seine Mannschaft noch einmal auf die finale Phase einzuschwören. Die Mannschaft soll wissen, dass es beim Kampf um den Klassenerhalt auch um Existenzen geht. Um Arbeitsplätze – auch um die den der Spieler. „Wir müssen in den Spielen noch mal an unsere Grenzen gehen, mehr als 100 Prozent geben. Hier geht es um das große Ganze, um einen Verein – um das Überleben dieses Vereines. Darüber müssen sich alle Spieler bewusst sein“, so Sportchef Oliver Kreuzer. Das sei sein Wunsch und seine Forderung an die Mannschaft, so der Sportchef heute an der Seite von Slomka bei der Pressekonferenz. Letztgenannter setzte dann direkt bei Kreuzers Appell an. Mal wieder versuchte Slomka, an die Ehre seiner Spieler zu appellieren. Mal wieder. Deshalb erspare ich uns das jetzt. Vielleicht ist das erstmalige Aussparen der wohl überlegten, richtigen Worte Slomkas hier im Blog ja letztlich auch ein gutes Omen. Zuletzt hatte das selten zu Siegen geführt. Und letztlich sind es eh nur Worte, die mir zuletzt den Eindruck vermittelt haben, dass der Trainer sich der Situation bewusster ist als die Spieler.

Daher belasse ich es im heutigen Blog beim sportlich Neuen. Angefangen mit den verletzten Spielern. Während Ouasim Bouy und Ola John am Freitag wieder zur Mannschaft stoßen, wird Rafael van der Vaart definitiv nicht spielen können. „Seine Verletzung ist noch nicht komplett ausgeheilt“, so Slomka über seinen Mannschaftskapitän, der zwar Lauftraining absolvierte, aber wohl erst am kommenden Mittwoch ins Training einsteigen soll. Ebenfalls nicht dabei ist Johan Djourou (Muskelfaserriss). Dafür ist Pierre-Michel Lasogga in Augsburg wieder mit an Bord. Allerdings nur als Zuschauer. Nachdem er heute in München zu Untersuchungen bei Dr. Müller-Wohlfahrt weilte, reist er am Freitagabend zur Mannschaft ins Teamhotel. „Er wollte unbedingt bei der Mannschaft sein“, so Slomka – und ich finde das richtig gut. Lasogga, bei dem die Untersuchungen in München keine neuen Erkenntnisse brachten, macht das, was ich auch vom Mannschaftskapitän und allen anderen erwartet hätte, die nicht zwangsläufig in Hamburg bleiben müssen. Auf jeden Fall aber setzt Lasogga so mal wieder ein Zeichen, trotz Verletzung.

Insgesamt, das betonte Slomka heute, sei die Stimmung in der Mannschaft besser geworden. Für die Situation zuträglich – sagt Slomka und ich hoffe, dass das nicht nur Zweckoptimismus ist. Trotz der Rückschläge gegen Hannover und Wolfsburg sei die Mannschaft wieder auf einem guten Weg. Im Kraftraum, beim Nachmittagstraining am Mittwoch sei das Miteinander richtig gut gewesen, richtig verschworen. „Der Zusammenhalt des Teams ist außergewöhnlich gut.“ Slomka verspüre eine Art Aufbruchsstimmung, wie er sie zuletzt offenbar nicht vernommen hatte. Zudem lasse ihn die Phase nach dem 0:3 gegen Wolfsburg hoffen.

Slomkas Hoffnung indes, dass Lasogga schon in der kommenden Woche sein Trainingspensum steigern und eventuell wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann, wird sich voraussichtlich noch nicht bewahrheiten. Leider. Umso wichtiger ist daher, dass Milan Badelj und Marcell Jansen zurückkehren. Beide zuletzt Verletzten absolvierten heute den Großteil des Mannschaftstrainings und sollen am Freitag voll einsteigen und wurden heute von Kreuzer zu Hoffnungsträger erklärt.

So, wie zuletzt Ilicevic für mich. Wobei, eigentlich ist Ilicevic für mich immer noch ein Hoffnungsträger dafür, dass nicht alle Offensivlast auf den schmalen Schultern Hakan Calhanoglus lasten. Der Deutsch-Türke will zwar Verantwortung und betonte zuletzt, sich darüber sogar zu freuen. Allerdings glaube ich, dass der gute Wille des gerade 20-Jährigen auch Gefahren birgt. Eigentlich sollte er sich an der Seite des einen oder anderen erfahrenen Spielers entwickeln. Leider fehlen diese Spieler.

Dafür entwickelt sich aktuell nach ewigen Verletzungspausen ein weiterer Youngster sehr positiv: Kerem Demirbay. Ich hatte es vergangene  Woche schon geschrieben und kann auch nach der bisherigen Trainingswoche wiederholen: Der Junge ist richtig gut drauf. Letzte Woche sagte Slomka, der defensive Mittelfeldspieler sei noch keine Option für die Startelf. Heute wollte er dieselbe Frage nicht mehr beantworten – was durchaus für Demirbay spricht. Zumal Slomka lobte: „Kerem hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen.“ Ergo: Die Doppelsechs könnte gegenüber den letzten Wochen komplett neu besetzt werden, sollte Slomka Badelj und Demirbay aufstellen. Auf der einen Seite wäre es nach den letzten Leistungen Rincons und Arslans fast logisch, auf der anderen Seite kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Slomka das Zentrum komplett umstellt.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle den Blog beenden mit dem Hinweis, dass morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert wird. Allerdings muss ich mich dann doch noch einmal kurz der Vereinspolitik widmen. Denn da kündigt sich ein Paukenschlag an, den ich nicht verschweigen kann. Meinen Informationen zufolge untersucht der aktuelle Aufsichtsrat, ob er vom Vorstand immer ausreichend und korrekt informiert worden ist oder ob es hier Verfehlungen gegeben hat. „Ich wüsste tatsächlich nicht, was das sein sollte“, war Klubboss Carl Jarchow überrascht, als ich ihn heute Abend anrief. Immerhin seien alle Entscheidungen mit dem Aufsichtsrat besprochen und genehmigungspflichtige Vorgehen vom Aufsichtsrat abgesegnet worden. Ob es was mit der Umwandlung der Campus-Millionen zu tun haben könnte? „Die Verwendung des Geldes aus der Campus-Anleihe, das wir für die Liquidität genutzt haben, ist gutachtlich abgesichert und mit dem Aufsichtsrat besprochen. Die Kontrolleure sind immer vollumfänglich von uns über alles informiert worden.“ Heute noch hatte Jarchow ein Gespräch mit Chefkontrolleur Jens Meier. „Von einer Untersuchung oder gar einer drohenden Klage ist mir aber nichts bekannt. Und es beunruhigt mich auch nicht“, so Jarchow, der sich für den morgigen Freitag mit Aufsichtsratsboss Jens Meier verabredet hat.

Fakt ist, dass Meier am Freitag vom Vorstand Antworten auf Fragen erhalten will, die er zuvor schon schriftlich eingereicht hatte. Und ich kann nur hoffen, dass der Vorstand die Fragen vollumfänglich und zufriedenstellend beantworten kann, damit aus diesem drohenden Fass nur ein kleines Fässchen wird. Denn eines ist schon mal klar: einen dümmeren Moment für Ärger zwischen Aufsichtsrat und Vorstand kann es gar nicht geben…

In diesem Sinne, drücken wir alle die Daumen, dass das Thema morgen beendet ist. Ohne Aufreger.

Scholle

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