Archiv für das Tag 'Ben-Hatira'

Fink ist glücklich – das verlorene Talent auch…

22. Oktober 2013

Oha, was habe ich da wieder Partei ergriffen. Ohne es zu merken auch noch. Mit der Behauptung, dass Sportchef Oliver Kreuzer Glücksgriffe gelungen sind, habe ich eine Opposition gegen mich aufgebracht. Daher möchte ich mich hier entschuldigen. Denn die von mir gemeinten Verpflichtungen von Pierre Michel Lasogga und dem neuen Trainer Bert van Marwijk sind natürlich keine Glücksgriffe – sondern Sofortverstärkungen. Und von Arnesen. Zumindest eingeleitet. Immerhin haben die bestimmt irgendwann mal miteinander telefoniert. Vor ein paar Jahren – was letztlich und logischerweise in der aktuellen Verpflichtung für den HSV münden MUSSTE.

Was für ein Quatsch. Was für eine unsinnige Diskussion…

Deshalb kürze ich selbige hier ab und starte einen neuen Versuch, den heutigen Blog zu starten, denn:

20 Grad, viel Sonnenschein – heute ist ein schöner Tag! Für die HSV-Profis zumindest, die heute allesamt frei haben. Mit ihnen selbstredend auch die jungen Talente, um die sich mein gestriger Blog größtenteils drehte. Und ich bleibe auch dabei, dass dieser HSV mit Tah, Calhanoglu, Arslan, Beister und Lasogga fünf richtig gute junge Leute hat, auf die man aufbauen sollte. Wer auch immer sie verpflichtet oder deren Verträge verlängert hat, der HSV hat diese Spieler unter Vertrag und entsprechend auch mal wieder eine echte Perspektive. Mit etwas Glück und Ruhe kann der HSV endlich seinen schlechten Ruf in Sachen Nachwuchsarbeit wieder etwas aufpolieren. Auch der höchst bedauerliche Abgang von Lewin Öztunali kann in Teilen positiv gewertet werden – immerhin wurde er beim HSV ausgebildet. Nur nicht gehalten. Ebenso wie einer, der mir in fast allen Auflistungen bei ehemaligen HSV-Internatsspielern fehlte: Shkodran Mustafi. „Ich habe mich schon daran gewöhnt, in den Auflistungen nicht mehr aufzutauchen“, sagt Shkodran, „und das ist auch nicht schlimm.“

Warum auch? Immerhin hat der defensive Mittelfeldspieler seinen Weg gemacht, spielt aktuell nicht nur in der U21-Nationalmannschaft unter Horst Hrubesch sondern auch in der Serie A bei Sampdoria Genua. Allen, die den jungen Mann nicht kennen, möchte ich ihn kurz vorstellen: Der Sohn albanischer Eltern wuchs in Bebra auf, spielte dort für den 1. FV Bebra und den SV Rotenburg. „Damals war ich noch Stürmer. Bis ich zum HSV kam. Dort wurde ich zum Defensivspieler umfunktioniert.“ Das wiederum war 2006. Bei einem Hallenturnier mit Rotenburg waren gleich mehrere Bundesligisten an ihm interessiert – und der HSV machte das Rennen. „Der Sportchef Dietmar Beiersdorfer und seine Scouts haben sich damals sehr bemüht“, erinnert sich Shkodran. So sehr, dass der damals gerade erst 14-Jährige allein aus Rotenburg nach Hamburg ins Internat zog. „Ich war immer sehr selbstständig, wurde dort aber gut betreut. Die Schule hat nicht mehr gelitten, als sie musste“, so Mustafi mit einem herzhaften Lachen. Dennoch reichte es beim HSV zwar zu allen U-Nationalmannschaften, nicht aber zum Sprung ins Profiteam, obgleich er unter Martin Jol ein paar Profi-Einheiten mittrainieren durfte.
Zur Saison 2009/10 wurde er vom FC Everton für drei Jahre verpflichtet, nachdem auch Newcastle United, Manchester City und Borussia Dortmund Interesse gezeigt. Wieder von den Eltern getrennt in Everton gab er am 17. Dezember 2009 als 17-Jähriger (!) sein Pflichtspieldebüt in der Profimannschaft, als er im letzten Gruppenspiel der Euro-League beim 0:1 gegen BATE Baryssau in der 75. Minute eingewechselt wurde. Everton war zu diesem Zeitpunkt bereits für die nächste Runde qualifiziert, und Trainer David Moyes hatte für das Spiel insgesamt acht Nachwuchsspieler der Jahrgänge 1990 bis 1993 in den Profikader berufen. Anfang 2012 wechselte Mustafi ablösefrei zum damaligen italienischen Serie B-Klub Sampdoria Genua, da er sich in England nicht durchsetzen konnte. Am letzten Spieltag der Saison 2011/12 kam Mustafi zu seinem ersten Einsatz für Genua, als er im Auswärtsspiel gegen AS Varese 1910 (1:3) in der Startelf stand. Zum Saisonende stieg er mit Sampdoria in die Serie A auf.

Klingt ehrlich gesagt nicht nach einem, der den Durchbruch hinter sich hat?

Stimmt auch. Allerdings ist Mustafi gerade fleißig dabei, sich zum Stammspieler in Genua zu entwickeln. „Es läuft für mich richtig gut“, so der 21-Jährige, der vor Genua Angebote aus Braunschweig, Nürnberg und von Hertha BSC hatte. Warum es beim HSV seinerzeit nicht geklappt hat? „Wir sind uns schlichtweg nicht einig geworden. Jens Todt war damals unter Sportchef Dietmar Beiersdorfer Nachwuchschef, Cardoso Trainer der U23. Und die haben mir gesagt, dass alle Spieler, die bleiben sollen, den gleichen Vertrag unterschreiben müssen. Und das wollte ich nicht. Aber meine Wünsche konnte der HSV nicht berücksichtigen, wie mir mitgeteilt worden war.“ Was er sich gewünscht hätte? „Es ging um vieles, auch um Perspektive. Vor allem ging es mir um Vertrauen, um Verhandlungsführung. Und das kam nicht rüber. Leider. Obwohl ich letztlich sagen muss, dass es das gute Recht des HSV war, mich nicht zu verlängern.“

Böse ist Mustafi in Hamburg niemandem, im Gegenteil. Aber er trauert der Zeit etwas nach. „Der HSV hatte immer eine ganze Reihe toller Nachwuchsspieler, die leider zu leicht den Verein verlassen haben. Wenn ich dann immer diese Diskussionen höre, der HSV hätte nie jemanden nach oben gebracht, finde ich das schade. Denn es sind ja viele Talente – Sam, Ben-Hatira, Arslan, Beister, Choupo-Moting und auch Torun – in der Bundesliga gelandet und spielen einen guten Ball. Ich glaube, dass allesamt dem HSV gut hätten helfen können.“ Er auch? „Das weiß ich nicht. Ich will ja nicht vermessen sein, das müssen andere beurteilen. Aber ich freue mich, dass der HSV mit Jonathan Tah einem so jungen Spieler das Vertrauen schenkt. Denn das bekommt der Verein doppelt und dreifach zurück. Von Tah – und weil es gut für den Ruf der Nachwuchsabteilung ist…“

Stimmt. Punkt. An einem Beispiel schnell erzählt, warum der HSV nicht den Ruf genießt, für große Talente das Sprungbrett zu sein. „Das kann sich doch schnell ändern, wenn der HSV so weitermacht“, sagt – Thorsten Fink. Den ehemaligen HSV-Trainer habe ich heute in München erreicht, wo er sich vermehrt um den Bau seines neuen Hauses und vor allem um die Familie kümmert. „Als Trainer ist man privilegiert, sein Hobby zum Beruf zu machen“, so Fink, „aber die Familie muss leiden. Aber jeder Trainer wird einmal entlassen und sollte diese Zeit dann zwingend für die Familie nutzen. Ich mache das auf jeden Fall.“

Fink klingt gut. Er hat das Aus beim HSV verkraftet. „Ich war zwar noch voller Elan, aber es war halt so. Ich habe meine Ziele beim HSV erreicht und einen tollen Klub trainiert. Diese Mannschaft ist mir ans Herz gewachsen. Das sage ich gern und laut. Alles andere diskutiere ich gar nicht.“

Fink ist tatsächlich nicht sauer. Er hat auch verkraftet, von vereinzelten Führungsspielern nicht mehr die Rückendeckung erfahren zu haben, die er in der schwierigen Endphase beim HSV benötigte. „Es hat am Ende mit dem einen oder anderen nicht mehr so gepasst – das ist manchmal so in großen Gruppen. Trotzdem freue ich mich, diese Mannschaft spielen zu sehen. Wie Arslan aufspielt, wie sich Tah entwickelt – das ist toll. Und bei beiden war ich mir sicher, dass sie es schaffen. Deshalb habe ich Tah ja hochgeholt und Tolgay immer wieder eingesetzt.“

Fink sieht in der aktuellen Entwicklung des HSV viel eigene Arbeit stecken – ohne dem neuen Trainer etwas absprechen zu wollen. „Warum auch? Bert van Marwijk ist ein guter Trainer. Er hat die Probleme erkannt und arbeitet daran. Wenn er die Abwehrarbeit stabilisieren kann, kann das richtig gut werden. Ich wünsche es dem Verein auf jeden Fall.“

Klingt doch versöhnlich. Fink verschließt sich jeglichem Nachtreten. Es wäre halt nicht seine Art. Und genau so möchte ich den heutigen Blog schließen. Friedlich.

Bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

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