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Von zerstörerischem Populismus und schlechter Jugendarbeit…

1. Juni 2012

Zwei Siege auf der Ziellinie – die HSV-Jugend holt auf. U19 und U15 gewinnen gegen ihre Konkurrenten vom FC St. Pauli – und trotzdem gilt die HSV-Jugendarbeit als schlecht. Oder besser: als zu ineffektiv. Zu wenige Talente kommen hoch. Wird gesagt. In meiner Jugend wurden immer wieder die Namen der damaligen Werder-Profis Frank Neubarth und Norbert Meier als warnende Beispiele genannt. Die wurden in Hamburg große – aber nie entdeckt. Ein wenig später war es dann ein gewisser Stefan Effenberg, der hier beim HSV verkannt worden sein sollte. Und zumindest bei Letzterem kann ich inzwischen und nach sehr, sehr vielen Gesprächen mit seinen Wegbegleitern sagen, dass seine Karriere so in Hamburg nicht absehbar war. Im Gegenteil. In den Hamburger Auswahlmannschaften war er solide. Einer, der mitmachte und konstant Leistung zeigte. Er passte sich jedem Niveau an, ohne dabei zu überragen. Bis auf ein Mal. Da nutzte er den richtigen Moment. Bei einem Länderkampf spielte und überragte er in der Hamburger Auswahl genau an dem Tag, an dem besonders viele Scouts verschiedener Bundesligisten auf der Tribüne saßen. „Meine wahrscheinlich beste Leistung für Hamburg“, gab Effenberg einst selbstkritisch zu Protokoll. Ergebnis: Borussia Mönchengladbach sicherte sich Ende der Achtziger die Dienste des späteren Champions-League-Siegers.

Allerdings musste sich Effe damals nicht weniger aufdrängen als die heutigen Talente. Und dennoch setzte er sich eben durch. Er bewies Tugenden, die heute selten sind: eisernen Willen und unermüdlichen Einsatz. Das reichte für Spielzeiten und führte zu einer großartigen Entwicklung bis hin zu einem der besten der deutschen Mittelfeldspieler.

Warum ich das schreibe? Weil ich ehrlich gesagt nicht verstehe, warum beim HSV unter den Teppich gekehrt wird, dass es genügend Talente gibt und gab. Nehmen wir mal Choupo-Moting und Änis Ben Hatira – gerade die beiden hatten in ihren letzten Jahren als Jugendspieler fußballerisch wahrscheinlich sogar deutlich mehr Talent als ein späterer Weltstar wie Effenberg. Aber im Gegensatz zu dem Hamburger hatten sie eben nicht das Herz, nicht die richtige Einstellung und längst nicht die Geduld sowie den Willen. Und das liegt nicht allein am HSV und dessen Jugendkonzept.

Zugegeben, die Gründe, weshalb beim HSV kaum ein Spieler aus der eigenen Jugend bis in die Bundesligamannschaft vorstößt, sind extrem vielschichtig. Das beginnt bei der guten Arbeit im Profibereich. Klingt komisch, ist aber so. Denn der sportliche Erfolg zieht oft nach sich, dass sich der Verein mit immer namhafteren, fertigen Spielern ausstatten kann. Das war zu Zeiten eines Dietmar Beiersdorfer und Bernd Hoffmann so. Da gab es Spieler, die heute zur Elite Europas gehören. Angefangen bei Nigel de Jong über Vincent Kompany, Rafael van der Vaart oder auch Daniel van Buyten, Ivica Olic oder Zé Roberto. Immer wieder kamen gute Spieler und machten die HSV-Mannschaft stärker. Und alle Außenstehenden haben damals dem neuen HSV zugejubelt. Dass dabei im Gegenzug die eigenen Talente einen größeren Sprung machen mussten als heute angesichts der jeweiligen Konkurrenz – es wurde damals mit keiner Silbe erwähnt!

Ein Huub Stevens, den ich als Trainer wirklich sehr schätze, galt ebenso wenig wie Armin Veh als Freund junger Spieler. Nicht einmal der immer nett lächelnde Martin Jol brachte den Mut auf, junge Leute in sein Starensemble einzubauen und so fertig auszubilden. Und das, obwohl es diese Talente mit Choupo-Moting, Ben-Hatira, Arslan und nicht zuletzt Maximilian Beister immer wieder gab. Daran konnten auch die Jugendleiter Paul Meier, Jens Todt, Stephan Hildebrandt und Markus Hirte nichts ändern. Der Trainer entschied sich gegen die Jugend und für den Weg des geringsten Widerstandes. Und in Erfolgszeiten wurde er dafür auch fleißig gelobt.

Dennoch, wenn sich nicht Sportchef Frank Arnesen klar zur Jugend bekennt und intern eine entsprechende Philosophie durchsetzt, wird es weiterhin schwer für die Heung Min Sons, Lams, Ingresos oder Steinmanns im HSV. Dass zudem mit den ständigen Wechseln der Verantwortlichen dem Jugendbereich des HSV jegliche Konstanz genommen wurde – es ist nur ein weiterer wesentlicher Punkt. Genauso wie der, dass entweder die interne Ausbildung der Spieler oder eben die Sichtung von Talenten beim HSV nicht so gut funktioniert wie beispielsweise in Stuttgart, Leverkusen, Bayern oder eben auch Dortmund.

Aber wir müssen aufhören so oberflächlich zu argumentieren. Ich gehe heute nicht in die Analyse der HSV-Nachwuchsarbeit und habe das auch vorher nicht gemacht, weil ich hier nicht den kompletten Überblick habe. Nicht haben kann, würde ich sagen. Denn der eine erzählt dies, der andere das. Das gilt im Profibereich, wo im Misserfolg die Schuld ebenso schnell verschoben wie im Erfolgsfall für sich beansprucht wird – und das ist in der Jugendarbeit sogar noch schlimmer.

Trotzdem möchte ich Euch ein Beispiel nennen und Euch anschließend etwas fragen. Was passiert denn, wenn in der kommenden Saison Maxi Beister beim HSV durchstartet und sich wieder bei den großen Klubs auf die Wunschzettel sprintet und dribbelt? Loben wir dann alle den HSV für die tolle Jugendarbeit im Fall Beister? Zumal mit Son ein weiteres großes Talent den Sprung zu den Profis geschafft hat? Und was wäre, wenn sich zu diesen beiden auch noch Sidney Sam gesellen würde, der nur gehen musste, weil sich ein Vorstandsmitglied mit seiner Vergangenheit nicht abfinden wollte?

Was ich sagen will, ist, dass der HSV immer wieder genügend Talente hervorbringt. Dem Klub fehlt es einfach nur an dem Talent, seine Talente in die Bundesliga zu führen, sie zu Stützen der eigenen Profimannschaft zu machen. Zum einen, weil der Mut der Trainer fehlt. Aber ganz sicher auch, weil der Verein diese Philosophie nicht ausreichend vertritt. Deshalb bleibt mir nur die Hoffnung, dass alle Verantwortlichen aus der finanziell schwierigen Situation die richtigen Schlüsse ziehen. Ich hoffe, dass der HSV einen Neuanfang wagt und die Entscheider nicht nur schön reden, sondern inhaltlich kreativ werden und ein ganzheitliches Jugendkonzept aufstellen. Soll heißen, dieses Konzept muss unabhängig von den handelnden Personen funktionieren, die Entscheider dürfen sich nicht wieder hinstellen und alles umwerfen, weil sie glauben, alles besser zu wissen. Ich bin überzeugt davon, dass es etliche Wege gibt, die in der Jugend zum richtigen Ziel führen. Aber es bringt nichts, wenn zehn Leute zehn verschiedene Wege gehen wollen – auch wen alle funktionieren könnten. Nein, ich hoffe, dass sich alle auf einen Weg einigen und diesen über Jahre durchziehen – denn nur so kann es was werden. Ich hoffe es, obwohl ich weiß, dass das wahrscheinlich die größte Entwicklung im Klub wäre. Denn sich selbst hintenanzustellen war bisher nie eine Stärke des HSV. Nicht im Aufsichtsrat, nicht im Vorstand, nicht im Trainerstab, nicht in der Mannschaft – und leider auch nicht in der Jugendarbeit. Irgendwie nirgendwo, wo das große Geld und der Ruhm im Spiel ist…

Aber okay. Ich lasse mich doch wieder zu sehr auf den Jugendbereich ein. Und um hier nicht als der zu gelten, der Euch anfüttert und dann stehen lässt, verspreche ich Euch, dass ich mit möglichst allen Entscheidungsträgern der jüngsten Vergangenheit sprechen und versuchen werde, mir so schnell es geht einen umfangreichen Überblick zu verschaffen. Und diesen werde ich dann aufschreiben. Allerdings auch wirklich erst dann. Denn populistisches „hier ist alles schlecht und alle sind besser“ kann ich nicht mehr lesen. Der FC St. Pauli schlägt den HSV im Jugendbereich mit 5:3 in den Derbys – was bitte soll das heißen? Nichts, wenn man es auf das Endergebnis kapriziert, das sich nur aus der Durchlässigkeit der Jugendlichen in den Profibereich ableiten lässt. Und da ist der HSV – egal, wie sehr es auch noch in der Jugendarbeit haken mag – weit überlegen. Oder könnt Ihr auf Anhieb zwei, drei Spieler der St.-Pauli-Jugend nennen, die es in den Profibereich geschafft haben?

Deshalb, Schluss mit dem populistischem Gequatsche. Hier im Blog, bei uns Journalisten – aber vor allem beim HSV. Der HSV muss sich endlich mit allen Konsequenzen für die eigene Jugend entscheiden. Das muss ganz oben beginnen und bis in die letzte Ecke der Jugend gelten. Es darf nicht sein, dass ein Bundesliga-Trainer die eigenen Talente links liegen lässt und lieber fertige Akteure einkauft. Warum gibt der HSV einen Sam, einen Choupo-Moting oder Beister ab, wenn im Gegenzug Spieler wie Tesche oder Skjelbred eingekauft werden? Der HSV-Vorstand muss die Nachwuchsarbeit in seinem Anforderungsprofil an neue Trainer und Sportchefs stärker als bisher – und ganz sicher mit dem nötigen Nachdruck – formulieren.

In diesem Sinne, regt Euch nicht so auf, wie ich es gerade mache. Im Gegenteil: Genießt das Wochenende – am besten mit Dieter, der morgen wieder übernimmt.

Bis Montag,
Scholle

P.S.: Im Fall David Abraham gibt’s nichts Neues. Außer das klare Bekenntnis von Klubboss Carl Jarchow, trotz der eindeutigen Rechtslage keine Ablösesumme an den FC Getafe zahlen zu wollen. Jetzt liegt es an Abrahams Berater und den Spaniern, sich zu einigen. Ansonsten scheitert der Wechsel des Fink-Wunschspielers.

Diesmal scheint es ernster zu sein . . .

1. September 2011

Endlich herrscht Ruhe. Endlich sind die Fronten geklärt, wer bleibt, wer geht, mit wem kann geplant werden. Die Transferzeit ist mir entschieden zu lang, aber das ist nur mein persönliches und total unwichtiges Empfinden. Für den HSV finde ich es gut, dass es jetzt die Länderspielpause gibt, denn die Herren im Volkspark können sich nun erholen, neu sammeln und vermehrt daran arbeiten, dass es wieder bergauf geht. Das ist die erste HSV-Pflicht. Nicht auszudenken, wenn die nächsten beiden Bundesliga-Spiele, das in Bremen und das gegen Mönchengladbach, nicht erfolgreich bestanden werden. Aber gut, ich will nicht groß unken, ich werde, wir Ihr auch, abwarten (müssen). Heute am Vormittag wurde beim Training Fußballtennis gespielt – und die Stimmung war ganz sicher nicht so, wie man es für einen Tabellenletzten annehmen würde. Das macht mir zum Beispiel Hoffnung, muss aber nicht von allen übernommen werden.

Ja, ich hatte nun drei Wochen und drei Tage Urlaub. Abschalten vom Thema HSV konnte ich nie. Durch „Matz ab“ schon nicht, durch Freunde, Bekannte und durch die Medien ebenfalls. Mir wird angst und bange hatte ich einst geschrieben, bevor ich weg war, für diesen Artikel habe ich viel um und auf die Ohren bekommen – vielleicht hat der eine oder andere User mal daran gedacht? Ich habe es immerhin vorher geschrieben.

Aber egal, dieses Thema möchte ich auch nicht wieder aufwärmen. Zum Schluss dieses Beitrags möchte ich nur einen Artikel veröffentlichen, den mir ein (bekannter) Kollege privat geschrieben hat – aus Sorge um seinen HSV. Ich habe den Verfasser dieser Zeilen gefragt (und gebeten), dass ich seine Zeilen veröffentlichen darf – und ich durfte. Eventuell spricht dieser Freund und „Matz abber“ ja dem einen oder anderen von Euch aus der Seele.

Wie gesagt, dem Thema HSV konnte ich auch während des Urlaubs nicht ausweichen, zumal der Urlaub hier verbracht wurde (also nicht im Ausland). Ich war während der drei Wochen in Hamburg, ich habe mich mit etlichen HSV-Persönlichkeiten getroffen und unterhalten, ich war auch auf der (großartigen) Fußball-Gala des Hamburger Fußball-Verbandes im Hotel Elysee. Auch dort traf ich viele große HSVer, die allesamt in großer Sorge um ihren Klub sind. Fast hätte ich geschrieben, dass NATÜRLICH niemand seinen Namen erwähnt haben möchte, wenn mit den drei großen Buchstaben das Thema Abstieg verbunden wurde, aber es gab mir schon zu denken, was der eine oder andere HSVer zur Situation zu sagen hatte . . .

Es gab schon oft sehr prekäre Situationen, mit denen sich der „Dino“ konfrontiert sah. Das war immer wieder zu hören. Doch diesmal scheint es noch ernster zu sein.1996/97 war die Rettung vor allem deshalb möglich, weil Borussia Dortmund vier Tage später das Endspiel der Champions League zu bestreiten hatte. 2000/01 retteten 22 Tore von Sergej Barbarez die Klasse, so rechnete mir ein Alt-HSVer vor, un 2006/07 hießen die Retter Huub Stevens, Frank Rost und Ivica Olic, die im Winter geholt worden waren, als der HSV nach 20 Spielen gerade einmal 15 Punkte hatte. Es war also schon einige Male ganz, ganz eng, aber – wie schon geschrieben – in dieser Spielzeit scheint es noch einmal eine Nuance enger zu werden.

Obwohl es auch HSVer gibt, die in der Verantwortung stehen und jetzt zu mir sagten: „Nur keine Panik. Wir haben erst vier von 34 Spielen absolviert. Wir jedenfalls sind ruhig.“

Was ich aber immer und überall gehört habe, ist jenes Argument: „Es sind viele erfahrene Profis abgegeben worden, und viele, viele unerfahrene Jünglinge geholt worden. Spieler, die zwar talentiert sind, die aber kaum Erstliga-Erfahrung haben. „Und die sollen nun den HSV retten? Die sollen den HSV nach vorne bringen?“ Das war immer zu hören, die Angst ist da.

Mein Argument dafür, dass der HSV ja durchaus noch Spieler mit Bundesliga-Erfahrung habe, wurde kaum gehört. Angst essen Glaube auf, möchte ich das beschreiben. Den Glauben an die Wende. Doch jetzt ist es ohnehin zu spät. Nun steht der HSV bis zur Winterpause, die erste Elf muss sich finden und gefunden werden – und dann Augen zu und durch. Im Januar könnte dann ja, wenn der Bedarf da sein sollte, noch nachgebessert werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn ich mir aber mal eine Elf vor Augen führe, dann sieht es doch gar nicht so schlecht aus. Der HSV mit Drobny (Mickel), Diekmeier, Rajkovic, Westermann, Aogo; Jarolim, Kacar; Ilicevic, Jansen; Guerrero, Petric zum Beispiel, dazu noch Leute wie Tesche, Skjelbred, Son und zum Beispiel Bruma muss doch die Bundesliga halten können. Und einen Namen trage ich in mir, dem ich eine großartige Zukunft prophezeihe: Gökhan Töre. Der junge Mann kann viel, der hat mehr als viele seiner (jungen) Kollegen, der zeigt mir auf dem Rasen Herz und Leidenschaft, der will – den sehe ich langfristig in der ersten Elf des HSV. Aber zum Glück habe ich das ja nicht zu entscheiden . . .

„Die Mannschaft ist intakt.“ So hat es, ich habe es mir genau gemerkt, Mladen Petric nach dem 3:4 gegen den 1. FC Köln in die Mikrofone gesagt. Schön wäre es ja, allein mir fehlt der Glaube. Von einer Einheit erwarte ich, dass sie sich selbst aus dem Sumpf zieht, wenn es schlecht läuft. Auch während der 90 Minuten. Und das passierte mir in den bisherigen fünf Spielen (inklusive Pokal beim VfB Oldenburg) bislang viel zu wenig – bis gar nicht. Und daran muss (auch jetzt) stetig gearbeitet werden. Nur zu sagen, dass diese Mannschaft intakt sei, das genügt nicht. Über eine intakte Mannschaft hat in den letzten zwei, drei, vier Jahren stets und ständig jeder HSV-Profi Auskunft gegeben, nur waren das immer nur Lippenbekenntnisse. Wir alle wissen es inzwischen doch viel besser – es war ja ohne Ende schlechter, es gab nie eine intakte Mannschaft.

Nun aber „steht“ der Kader, nun muss sich arrangiert werden. Und vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere HSV-Spieler auch daran, dass dieser HSV noch nie in der Geschichte abgestiegen ist. Und dass genau diese Tatsache Ansporn sein sollte, sein könnte, sich mit allen Kräften gegen den Misserfolg zu wehren – damit genau sein Name nicht mit einem ersten Desaster für immer verbunden ist. Aber vielleicht ist das auch nur ein wenig blauäugig von mir, so etwas zu glauben.

Ein Eljero Elia zum Beispiel, der nun für Juventus Turin kicken wird, dürfte sich mit dieser Art der HSV-Geschichte kaum oder nur unwesentlich auseinander gesetzt haben. Ich gebe zu, dass ich froh bin, dass der HSV diesen Spieler noch in letzter Sekunde los geworden ist. Früher wäre zwar besser gewesen, weil der Klub dann noch zwei statt nur einem Neuzugang (in aller Ruhe) hätte verpflichten können, aber auch so ist dieser Transfer in meinen Augen sehr gut gelaufen. Elia ist in Hamburg nie wieder zu jener Form gekommen, die ihn am Anfang seiner HSV-Zeit ausgezeichnet hatte. Viele machen dafür das böse Foul des Mainzers Noveski verantwortlich, ich aber glaube ganz einfach, dass Elia noch viel zu unreif war (ist). Er hat es nicht begriffen, um was es hier ging. Ob er es nun in Turin begreifen wird? Ich habe meine Zweifel.

Elias Scheitern beim HSV ist auch ein Scheitern des Beraters. Da gibt es ein Juwel, dem alle Experten ein riesiges Talent bescheinigen, doch konnte dieses Talent sein Potenzial nie abrufen. Erkenne ich das als Berater, dann miete ich mir für ein halbes Jahr ein Zimmer in Hamburg – und spiele wirklich mal den Berater in allen Lebenslagen, um diesen Jungen in die richtige Spur zu bringen. Zum Profi-Dasein gehören nicht nur Autogramme, Länderspiele und flotte Flitzer, da gehört auch jede Menge Verantwortung gegenüber seinem Arbeitgeber, der Mannschaft und den Fans. All das aber hatte Elia nicht begriffen.

Ähnlich verhält es sich mit Guy Demel. Er sollte weg, er wollte weg – das stand ja schon am Ende der vergangenen Saison fest. Für alle Seiten. Der gute „Giiiiiiee“ hatte es ja auch schon abgelehnt, mit einem Trainingsplan, der für die Sommerpause galt (erhielt ein jeder Spieler), in den Urlaub zu gehen. Weil für ihn das Thema HSV zu 100 Prozent beendet war. Dass er nun nicht zu einem großen Klub ging, dass er nun bei einem Erstliga-Absteiger anheuerte, das ist seiner Pokerei zu verdanken. Demel hatte bis zuletzt versucht, so billig wie möglich gehen zu können, möglichst ohne Ablöse – verpokert.

Dass Änis Ben-Hatira auch noch ging, das sehe ich auf der einen Seite als schade an, auf er anderen Seite aber begrüße ich es auch. Weil Änis zuletzt stagnierte. Der Bursche hat ohne Zweifel Talent, aber er rief es, ähnlich wie Elia, viel zu selten ab. Vielleicht sorgt eine neue Umgebung (und ein neuer Trainer) dafür, dass er es doch noch lernt. Er wird sich den Hintern aufreißen müssen, etwas, was er hier nicht mehr konnte. Leider nicht mehr konnte. Änis war zu sehr von sich und seinem Talent überzeugt, er sah die Kollegen neben ich und befand sich oftmals (im stillen Kämmerlein) als besser – das ist (noch) sein großer Fehler. Ich hoffe für ihn, dass Markus Babbel das in den Griff bekommen wird.

Zurück zum HSV. Marcus Berg schoss zwei Tore beim 8:0 gegen Bremerhaven. Endlich mal wieder Tore für den Schweden, endlich mal wieder Erfolgserlebnisse. Er sagt dazu: „Mein erstes Spiel in dieser Saison, das hat Spaß gemacht, auch wenn es nur 30 Minuten waren. Ich hätte gerne länger gespielt, aber es war auch so ein schönes Erlebnis.“ Berg ist ohne Schmerzen, aber 90 Minuten traut er sich noch nicht zu: „Ich habe nun vier Wochen mit der Mannschaft trainiert, alles lief gut, nun hoffe ich darauf, dass ich gegen Bremen im Kader bin – und dann über die Bank ins Spiel komme.“

Dass der HSV jetzt an letzter Stelle steht, das hätte er sich „natürlich niemals vorstellen können“, aber er sagt auch: „Es sind erst vier Spiele absolviert, wir bleiben nicht dort unten. Gegen Köln zuletzt haben wir gut gespielt, da hätten wir gewinnen müssen.“, meint Berg und mahnt auch zugleich: „Wir dürfen nicht in jedem Spiel drei, vier Gegentore bekommen, denn dann wird es schwer, zu siegen . . .“ Wohl wahr. Hoffentlich hat das schon bald jeder HSV-Profi für sich verinnerlicht.

Kurz noch einmal zurück zum heutigen HSV-Training. Reha-Coach Markus Günther war am Vormittag erst mit Muhamed Besic und Miroslav Stepanek auf dem Rasen, später noch mit Tolgay Arslan, der jetzt auch leicht mit dem Ball trainierte. Im Mannschafts-Training standen 16 Spieler: Neuhaus, Mickel, Mancienne, Westermann, Berg, Aogo, Jansen, Guerrero, Petric, Kacar, Castelen, Tesche, Jarolim, Skjelbred, Sternberg und Behrens.
Am Freitag wird um 10 und um 15 Uhr im Volkspark geübt.

Während des heutigen Trainings wurde ich auch zur „Sache“ Koo, Magath und Frank Arnesen gefragt. Der Wechsel, der nicht zustande kam, weil Felix Magath sich wohl „quer stellte“. Ich habe deswegen nicht mit dem Wolfsburger Trainer gesprochen, aber meine Gedanken sind die: Magath hat nun die „Altmeister“ Hitzlsperger, Chris, Salihamidzic und Kyrgiakos geholt, in meinen Augen ein Wagnis. Sollte dann ein junger Mann wie Koo zum HSV gewechselt sein und dort sogar Karriere gemacht haben, würde sich das wohl nicht ganz so gut machen. Deswegen, so könnte ich mir vorstellen, ist dieser Wechsel doch noch geplatzt. Schade für den HSV.

So, nun zu jenem Schreiben, das ich während meines Urlaub erhielt. Es gab einige Beiträge dieser Art, ich mache einen öffentlich, weil er eventuell vielen Fans aus dem Herzen spricht. Wie geschrieben, es ist ein Freund und Kollege (vom Fernsehen), der mir seine Gedanken zum HSV zukommen ließ:

Hallo Didi,
man macht sich ja so seine Gedanken über den HSV. Ich habe die mal kurz festgehalten.
Wie siehst Du das?

Zu viele Gegentore

Der HSV hat in vier Spielen 14 Tore kassiert. Macht 3,5 Tore pro Spiel. Jeder
weiß, dass das nicht bundesligatauglich ist.

Zu viele Gegentore pro Spiel, dieses Problem hatte Gladbach in der letzten
Saison. Trainer Lucien Favre sagt in der FAS vom 28. August: „Wir hatten
2,7 Gegentore pro Spiel bekommen. Das ist zu viel. So bist du in der Liga
ohne Chance.“ Gladbach verbesserte den Schnitt auf 1,9 Gegentreffer und
konnte sich grade eben noch retten.

Man kann aber auch mit weniger Gegentoren absteigen. So wie 2010 Hertha
BSC. 1,6 Gegentreffer pro Spiel. Vorletzter Bochum kassierte 1,8 Gegentore.
Der HSV liegt jetzt bei fast doppelt so vielen Gegentoren pro Spiel!

Einziger Trost, Hannover 96 kassierte in der vorletzten Saison mit 67 Toren
die meisten Gegentreffer aller Bundesligaklubs. Macht 1,97 Tore pro Spiel.
Hannover wurde 15. und blieb drin. Im Jahr darauf wurden sie Vierter und
spielen jetzt international.

Trainer- oder Torwartproblem?

Als Mirko Slomka in Hannover Trainer wurde, hat er die ersten sechs Spiele
verloren. Michael Oennings Bilanz ist noch verheerender: von 29 Spielen
als Cheftrainer konnte er nur vier gewinnen.

Die Frage ist aber nicht, wie lange bleibt Oenning noch Trainer beim HSV.
Die Frage ist, wie geht der Trainer mit Westermann, Diekmeier und Torwart
Drobny um? Vor allem der Torwart hat mit seinen Fehlern maßgeblich dazu
beigetragen, dass der HSV in den letzten Minuten gegen Hertha und jetzt
gegen Köln wichtige Punkte verloren hat.

Dzeko und Grafite

Soll Oenning also weiter zu seinem Torwart halten, oder soll er es machen,
wie einst Felix Magath in Wolfsburg? Der hat im Dezember 2007 Torhüter
Simon Jentzsch in der Halbzeit beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt
ausgewechselt und holte in der Rückrunde Diego Benaglio. Die Wolfsburger
wurden am Ende 5ter. Und das in einem Jahr des Umbruchs. 14 neue Spieler.
Darunter der noch völlig unbekannte Edin Dzeko und Grafite.

Und noch mal zu den Gegentoren. In jener Saison hießen die Absteiger
Nürnberg, Rostock und Duisburg. Mit 1,6 bzw. 1,5 Gegentoren pro Spiel.
Sollte Oenning sich also zu einem Torwartwechsel entscheiden, könnte das
die Rettung sein. Fragt sich nur – wer beim HSV ist Dzeko und wer Grafite?

Ich wünsche allen “Matz abbern” einen schönen Feierabend, eine gute Nacht und einen stressfreien Freitag.

18.29 Uhr

Drei Punkte in München – und Olic dazu?

18. August 2011

Safety first – die Sicherheit zuerst. Das war das von Trainer Michael Oenning vorgegebene Motto gegen Hertha BSC. Und das ist auch das Motto gegen den FC Bayern. Wie heute im Training unschwer zu erkennen war, sogar noch etwas defensiver als zuletzt. Da agierten David Jarolim und Heiko Westermann als Doppelsechs, während Marcell Jansen links und Tomas Rincon rechts im Mittelfeld spielten. Der Beste Spieler der Copa America (Fans hatten Rincon gewählt) soll den primär offensiv ausgelegten Gökhan Töre auf der rechten Seite beerben. „Lahm und Ribery auf der Seite sind ein Argument, für mehr Stabilität zu sorgen“, so Oenning, der insbesondere auf die Defensivstärke Rincons setzt.

Allerdings soll damit nicht einzig die Defensive gestärkt, sondern auch sichergestellt werden, dass der HSV in München kontern kann. Und dafür sind die schnellsten Spieler vonnöten. Auch Dennis Diekmeier. Der hatte zuletzt die Order bekommen, zuerst die Defensive abzusichern, um nicht wieder in einen Konter wie in Dortmund zu laufen. „Wir haben zu vielzugelassen“, so Westermann, „das müssen wir abstellen. Schnell.“ Und zwar mit Rincon, auch wenn der es selbst noch nicht wahrhaben will. „Ich hatte auch gegen Hertha schon damit gerechnet, dass ich spiele. Und am Ende war ich nur enttäuscht.“ Deshalb wertet er die Trainingsaufstellung beim Spiel elf gegen elf über den ganzen Platz, lieber nur vorsichtig, sagt aber auch: „Es sieht so aus, als würde ich spielen. Ich bereite mich auf jeden Fall gut vor.“

Dass er nicht auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld sondern rechts auflaufen soll, stört ihn nicht. „Ich habe auch gegen Gladbach und Leverkusen letzte Serie da gespielt – und wir haben uns jedes Mal eine Menge Chancen erarbeitet. Das zeigt doch, dass es geht.“ Selbst gegen Weltklassespieler wir Ribery und Lahm. „Lahm ist ein sehr guter Spieler“, sagt Rincon, „aber Angst habe ich nicht. Wer sich gut vorbereitet, kann auch gut spielen. Und ich muss dafür nur gut essen, gut trinken und gut schlafen. Dann klappt das schon.“ So einfach ist das …

Nicht ganz so leicht ist es indes, einen kapitalen Fehler abzuhaken und sich neu zu fokussieren. Diese üble Erfahrung musste zuletzt Jaroslav Drobny machen, nachdem er gegen Hertha BSC zunächst super gehalten, um dann drei Minuten vor Schluss daneben zu greifen und den Berlinern so doch noch einen Punkt zu bescheren. „Nach dem Spiel war ich natürlich richtig angepisst“, so Drobny in nicht zwingend feinem Deutsch, „es war nicht einfach, das alles zu verdrängen. Vor allem, weil wir nicht gewonnen haben. Da sind die ersten Tage danach immer hart für mich.“ Dennoch müsse er den Fehlgriff jetzt hinter sich lassen. „So ein Fehler ist hart, er ist im Nachhinein auch nicht zu löschen – aber er passiert leider. Wichtiger als darüber nachzudenken, ist, es beim nächsten Mal besser zu machen und aus dem Fehler zu lernen.“ Eine Entwicklung die Drobny mit dem Rest der sehr jungen Mannschaft gemein hat. „Wir haben in der Woche viele Dinge angesprochen und trainiert. Vor allem taktisch“, verrät Drobny und betont: „Gerade gegen Bayern müssen wir taktisch perfekt spielen. Denn wir wollen von dort einige Punkte mitnehmen.“ Einige also, dementsprechend rechnet Drobny mit einem Sieg beim Rekordmeister. Wie genau das funktionieren kann? „Das wirst Du am Sonnabend sehen…“

Sehr schön, das würden wir nur zu gern. Und noch etwas, worüber ich mich sehr freue: Es gibt endlich mutige Töne von der Mannschaft. Auch wenn Oenning selbst weiter die Ansprüche niedrig zu halten versucht („Ich habe den Eindruck, dass sich die Mannschaft so teuer wie möglich verkaufen wird“), wird die Mannschaft mutiger. Zunächst verbal – aber ich werte das einfach mal als guten Anfang.

Obwohl – 7:0 hatte ich ja vor Saisonbeginn getippt. Für den HSV natürlich. Ein Tipp, den ich im Video schon revidiert habe. Besser gesagt: ich musste einsehen, dass ein solches Ergebnis momentan nicht realistisch ist. Und wo ich gerade beim Video bin: So eine Sch…ande! Da wird aus dem Video doch tatsächlich meine Hellseherfähigkeit rausgeschnitten. Hintergrund: Das Video hatten wir am Mittwoch vor dem Training gedreht- entsprechend auch vor dem Bayern-Spiel. Und dazu hatte ich gesagt, dass die Doppelbelastung für den HSV ein großes Plus ist, weil so sichergestellt sei, dass Arjen Robben nicht gegen den HSV aufläuft. Schließlich hat der Niederländer es nicht so mit zwei Spielen in Folge. Wohl auch diesmal nicht. Heute plagt sich der torgefährliche Weltklassespieler mit Rückenproblemen herum – und sein Einsatz ist stark gefährdet. Gut für uns…

Und um noch mal beim Video zu bleiben: da hatte mich ein alter Bekannter angerufen: Jörg Butt. Unseren ehemaligen Elfer-Killer (als Keeper wie als Schütze) zähle ich zu den ganz wenigen Profis, mit dem mich über das branchenübliche „wir brauchen uns gegenseitig“ hinaus wirklich eine Freundschaft verbindet. Jörg ist ein tadelloser Sportsmann – und vor allem ein sehr ehrlicher, zuverlässiger und loyaler Mensch. Und obwohl ihm damals in Hamburg ein wahrlich unrühmlicher Abschied beschert wurde, verbindet er mit dem HSV und Hamburg ein Stück Heimat. Immer, wenn wir telefonieren, fragt er nach dem Befinden des HSV. Auch diesmal. Wobei sich offenbar bis München herumgesprochen hat, dass der HSV derzeit noch mehr Probleme hat, als dem Klubverantwortlichen lieb ist.

Aber wo ich ihn schon am Apparat hatte, habe ich mich natürlich auch nach dem internen Befinden der Bayern-Mannschaft erkundigt. „Wir haben gestern gegen Zürich sicher nicht unser bestes Spiel gemacht“, hat er geantwortet, „aber wir haben uns eben etwas aufbewahrt für den HSV.“ Was er vom HSV weiß? „Nur, dass die Mannschaft noch nicht so gut drauf ist und sich wohl noch in der Findungsphase befindet. Aber das hat nicht allzu viel zu bedeuten und macht die Aufgabe für uns nicht leichter.“

Was ich allerdings vergessen habe zu fragen, war: Was ist eigentlich mit Ivica Olic? Den habe ich gestern nur beim Jubeln mit Arjen Robben gesehen – als Reservist. Und auch in der Bundesliga ist er bis auf einen Fünf-Minuten-Einsatz bislang noch nicht zum Zug gekommen. Inklusive einer Testspielhalbzeit sind es gerade 50 Minuten. Viel zu wenig für den Kroaten, den ich nur zu gern wieder für den HSV spielen sehen würde. „Zu Fuß, Huckepack oder in der Schubkarre – ich würde ihn persönlich abholen“, steckte mir heute ein HSV-Mitarbeiter. Und den Worten schließe ich mich an. Der Kroate mit dem kaputten Knie – sein Knorpelschaden ist zwar irreparabel, aber für ein paar gute Jahre sollte es noch reichen – ist für mich genau der Typ Spieler, den diese Mannaschaft gebrauchen kann. Schnell, unermüdlich und mit einem unbändigen Willen ausgestattet. Und er ist gegangen, weil er sich mit dem alten Vorstand überworfen hatte. Der ist jetzt allerdings weg und neu besetzt – vielleicht sollte der HSV da mal den Versuch einer Rückholaktion starten. Dann nehmen wir am Sonnabend um etwa 17.15 Uhr nicht nur die ersten drei Punkte, sondern auch einen ehemaligen Publikumsliebling mit. Mehr ginge wirklich nicht…

In diesem Sinne, bevor ich hier zu sehr ins Träumen gerate: bis morgen! Da wird um 12 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Scholle (19.06 Uhr)

P.S.: Änis Ben-Hatira liegt weiter mit einem grippalen Infekt flach. Der wechselwillige Offensivspieler wird in München durch den wieder genesenen Gojko Kacar ersetzt.

1:3 beim BVB – da war nichts zu holen

5. August 2011

Ich hätte die Saison nur zu gern mit einer Sensation begonnen. Denn das wäre es gewesen, wenn diese HSV-mannschaft in Dortmund gewonnen hätte. Leider wurde daraus nichts, der BVB gewann nach einer mehr als überzeugenden Leistung verdient mit 3:1. „Das war schon mit das Beste, was man erwarten konnte“, zeigte sich Franz Beckenbauer begeistert von den Dortmundern. Und ich schließe mich da neidlos an: das war ganz großer Sport der Dortmunder.

Schon das, was vor dem Spiel abging, hatte was von großem Kino. Auf dem Platz tummelten sich in den verschiedenen TV-Shows Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer, Mehmet Scholl, Uli Hoeneß, Oliver Bierhoff, Matthias Sammer oder auch Steffen Freund. Der Hamburger Bass-Bariton Wilhelm Schwinghammer eröffnete wie schon 2008 (oder war es 2009?) die Saison mit der von 82000 Zuschauern im ausverkauften Westfalenstadion (ich bleibe dabei…) mitgesungenen Nationalhymne. Eine nette Stadionshow mit Hunderten weißen Männ- und Weiblein in weiß – dazu ein Blick auf die größte (und wahrscheinlich lauteste) Fan-Tribüne der Welt und den HSV im Stadion – mehr brauchst Du als Fußball-Fan nicht. Zumindest ich nicht – vor dem Spiel…

Und um 20.34 Uhr war es dann soweit. Reinhard Rauball eröffnete die 49. Bundesligasaison. Um Punkt 20.40 Uhr ertönte dann endlich der Anpfiff, um 20.41 gab Mladen Petric den ersten HSV-Torschuss ab in einer Saison, die aus HSV-Sicht noch so gar nicht abzuschätzen ist. Das von den Fans vorgegebene Motto „Leidenschaft und Kampf – statt Erfolg auf Krampf“ – es wurde umgesetzt. Zumindest anfänglich. Sehr anfänglich leider nur, denn der amtierende Deutsche Meister zeigte ab der 10. Minute, weshalb er in der vergangenen Saison die Schale geholt hat – und weshalb auch dieses Jahr wieder mit ihm gerechnet werden muss.

„Tempofußball in Perfektion“ (Marcel Reif über Dortmund) gegen „viel zu wenig Bewegung im Spiel“ (Franz Beckenbauer über den HSV – da war das 1:0 für Dortmund in der 17. Minute nur logisch. Mario Götze steckte einen Pass flach auf Großkreutz durch, der auf der rechten HSV-Seite völlig ungedeckt auf Drobny zulaufen und zum 1:0 vollenden konnte. Kagawa, der sowohl Tomas Rincon als auch dem seit Wochen formschwachen Gojko Kacar ihre Grenzen in fast jeder Szene aufzeigte, hätte in der 25. Minute fast das 2:0 erzielt – allein der Pfosten hielt den HSV im Spiel – wenn man das überhaupt so nennen darf. Und nachdem Kagawa in der 28. Minute erneut knapp scheiterte, sorgte Götze für das 2:0. Nach einem schönen Doppelpass mit Robert Lewandowski, der den Ball per Hacke zurückspielte, war die HSV-Verteidigung ausgespielt und der deutsche Nationalspieler hatte keine Probleme, zu vollenden.

Aber es kam noch schlimmer. In der 41. Minute humpelte mit Paolo der aktive(re) von zwei Stürmern vom Platz – mit Verdacht auf Muskelfaserriss. Der GAU. Nicht ganz. Die schlimmste Nachricht für die Mannschaft war sicher die, nach gerade mal 15 Minuten Ruhe noch mal auf den Platz zu müssen, der auch für die anderen 16 Bundesligamannschaften heute nicht einzunehmen gewesen wäre. Das, was der BVB hier ablieferte, sucht seinesgleichen.

Dass ausgerechnet der HSV diesen Spielrausch der Extraklasse ertragen musste – bitter. Dennoch, auch wenn hier nicht zu gewinnen war, das, was der HSV defensiv abliefert, ist nicht erst seit heute bedenklich. Am Donnerstag noch hatte Trainer Michael Oenning davon gesprochen, das Leistungsprinzip knallhart anwenden zu wollen. Wie er dann aber auf die Idee kam, Kacar aufzustellen, nachdem der ebenso sympathische und zweifellos gewillte wie derzeit formschwache Serbe in den letzten Wochen wirklich gar nichts zustande bringt – schwer nachvollziehbar. Dass der HSV gegen Extraklasse wie Kagawa, Götze, Großkreutz im Mittelfeld unterlegen ist – nachvollziehbar. Allerdings nicht SO. Denn während die Außen Töre und Elia bei jedem HSV-Angriff auf die Höhe der eigenen Stürmer vorrückten, verdingten sich Rincon und Kacar fast als Manndecker. Und nachdem sie ihre Zweikämpfe zu 80 Prozent (zumindest gefühlt) verloren und der BVB mit eben jenen bereits erwähnten Akteuren schnell aufrückte, war klar, dass das nicht gut gehen kann.

Und so kam es, dass der HSV gerade drei Minuten nach Wiederanpfiff erneut einen Gegentreffer kassierte. Götze hatte sich über außen durchgesetzt, Doppelpass mit Pisczek, Rückpass auf Großkreutz (und das alles per Kurzpassspiel im Sechzehner) – das 3:0. Und die endgültige Vorentscheidung in einem aus Hamburger Sicht leider einseitigen Spiel.

Um eines hier klarzustellen, ich breche hier nicht den Stab über der Mannschaft. Dafür war nicht nur der Gegner zu stark, sondern dafür ist es auch noch zu früh. „Nach zehn Spielen werden wir wissen, wozu wir in dieser Saison in der Lage sind“, hatte Kapitän Heiko Westermann vorher angekündigt und damit Geduld eingefordert, die nötig sein wird. Zumal es auch positive Aspekte gab. So brachte Marcell Jansen in der zweiten Hälfte etwas Schwung über die linke Seite und bot sich für weitere Einsätze an. Auch Michael Mancienne bot bis auf zwei, drei Stock- und einen Stellungsfehler eine zumindest solide erste Vorstellung auf Bundesliga-Ebene. Zudem gab die junge HSV-Mannschaft (in der Heung Min Son wegen Fiebers fehlte) nie auf und kam durch den eingewechselten Robert Tesche aus dem Gewühl nach einer Ecke noch zum Anschlusstreffer.

Und – das muss ebenso erwähnt werden – die 8000 mitgereisten HSV-Fans feierten ihre Mannschaft 90 Minuten ohne Unterbrechung. Kein Pfiff – nur Unterstützung. Respekt! Wenn die Mannschaft bis zum Hertha-Spiel am kommenden Sonnabend ebenso aus ihren Fehlern lernt, wird es gegen den Aufsteiger deutlich mehr zu holen geben als heute.

In diesem Sinne, analysieren, aufstehen, besser machen! Nicht jeder Gegner heißt Borussia Dortmund…

Scholle (22.32 Uhr)

Statistik: HSV: Drobny – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Aogo – Töre, Rincon, Kacar (73. Tesche), Elia (45. Jansen) – Guerrero (43. Ben-Hatira), Petric.
Tore: 1:0 Großkreutz (17.), 2:0 Götze (29.), 3:0 Großkreutz (48.), 3:1 Tesche (79.). – SR.: Felix Brych (München). – Zuschauer: 80720.

P.S.: Klar verneint wurde dagegen ein seit Donnerstag kursierender Wechsel von Eljero Elia gen Juventus Turin. „Tuttosport“ hatte vermeldet, der HSV habe bereits seine Bereitschaft erklärt, den Niederländer ziehen zu lassen. Zudem soll Eljeros Berater Frank Schouten gesagt haben, Spieler und Verein seien sich bereits einig. „Da ist absolut nichts dran“, so Schouten am heutigen Nachmittag, „es gab und gibt absolut keinen Kontakt zu Juventus. Das ist unglaublich…“ Zumindest, wenn man bedenkt, dass Tuttosport pro Wechselperiode gefühlt 100000 Spieler als Neuzugänge vermelden.

Skjelbred ist pünktlich zum Auftakt da – ebenso wie die Anspannung

4. August 2011

Schon in der Nacht hatte ich auf meinem Facebook-Account die Nachricht „Julia Papke… Ist sich jetzt ziemlich sicher, wer beim HSV in dieser Saison der Frauenschwarm ist“. Hintergrund: Julia Papke ist die Leiterin des neuen Online-TV-Magazins „HSV-Total“ und hatte am Dienstagabend den neuen HSV-Spieler Per Skjelbred in Empfang genommen. Und sie wohl hat nicht übertrieben. Denn als sich der norwegische Zugang heute offiziell in der Presserunde vorstellte, konnte es sich ein Kollege von mir nicht verkneifen: „Oha, der ist mal n Schuss für die Frauen.“

Stimmt. Aber viel wichtiger ist, dass er auch eine Verstärkung für den HSV ist oder zumindest noch wird. Menschlich macht der Rechtsfuß schon einen super Eindruck. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe und fühle mich schon jetzt sehr wohl“, so Skjelbred, der zum ersten Mal in seiner Karriere außerhalb Norwegens einen Spielervertrag unterschrieben hat. Zusammen mit seiner Freundin Christin und seinem Sohn Jonathan hat der Rechtsfuß in Hamburg die neue Wohnung bezogen. „Hamburg ist so schön grün, hat sehr viele Bäume und Parks. Das gefällt nicht nur mir, sondern ist auch toll für meine Familie.“

Skjelbred scheint „ein netter, ehrlicher, teamorientierter Fußballer“ zu sein, wie es Frank Arnesen angekündigt hat. Vor dem Abschlusstraining plauderte der 24-Jährige über seine Beweggründe, nach Hamburg zu gehen. Und über seinen nicht ganz gewöhnlichen Werdegang. „Ich habe sieben Jahre lang getanzt“, so der Norweger, „und zwar im Ballett.“ Er war sogar so gut, dass er Förderkurse nehmen sollte, sich dann allerdings für den Fußball entschied. Dass er auch dort über die Castingshow „Proffdrommen“ das erste Mal für richtig Aufmerksamkeit sorgte, es passt irgendwie. „Das war damals wirklich verrückt. Ich war noch sehr jung und spielte bei einem kleinen Verein. Dann klingelte das Telefon und ich wurde zu der Show eingeladen. Wir wurden von 20 Kameras rund um die Uhr gefilmt – beim Training, beim Schlafen, immer.“ Er gewann und der FC Liverpool wollte ihn verpflichten. Aber Skjelbred lehnte ab: „Das wäre viel zu früh gewesen.“

Skjelbred hat Prinzipien. Beigebracht hat ihm das sein erster Profiklub, Rosenborg Trondheim, für den er die letzten acht Jahre in der ersten Liga auflief. Mit 16 debütiert, zum norwegischen Nationalspieler berufen kamen schnell auch internationale Angebote. Doch Rosenborg lehnte ab. „Die wollten damals richtig viel Geld für mich. Teilweise bekam ich von den Angeboten gar nichts zu hören. Die hatten ihre Prinzipien.“ So geschehen übrigens bei einer Offerte Tottenhams, damals federführend überbracht vom heutigen HSV-Sportchef Frank Arnesen, an dem es auch letztlich war, Skjelbred endgültig von einem Wechsel ins Ausland zu überzeugen. Skjelbred unterschrieb bis 2015. „Als sich der HSV gemeldet hat, habe ich sofort zugesagt“, sagt Skjelbred, der am Freitag in Dortmund dabei sein wird – als Zuschauer. „Ich muss mich erst noch an alles gewöhnen. Das Tempo kennenlernen, meine Kollegen kennenlernen und mich einleben. Ich werde etwas Zeit brauchen, aber ich bin überzeugt davon, dass meine Entscheidung für den HSV richtig ist.“

Und nachdem er fußballerisch beim Abschlusstraining weder ab noch auffiel, blieb nur noch die Frage, wie er auf die Idee kam, Ballett zu tanzen? Eine Frage, die Skjelbred mit einem Lächeln und einer guten Begründung beantwortete: „Ganz ehrlich, allein unter 24 Mädchen – das war auch nicht schlecht…“

Aber zurück zum Tagesgeschäft. Immerhin sind es rund 24 Stunden, bis der HSV seine erste Prüfung in Punktspielform abliefern muss. Und das beim Deutschen Meister Borussia Dortmund, der bis auf Schmelzer wohl alle Stars an Bord haben dürfte. „Wir werden die Festung Dortmund sicher nicht mit Hurra stürmen können, kündigte Oenning bereits gestern eine stark defensiver orientierte Ausrichtung seiner Mannschaft an. Auch deshalb hat er Jeffrey Bruma trotz Trainingsrückstandes mitgenommen – aus Mangel an Alternativen. Hinten steht die Viererkette mit Diekmeier, Mancienne, Westermann und Aogo fest. Das größte Sorgenkind ist in Oennings Augen das defensive Mittelfeld. Für die Doppel-Sechs hat sich bisher lediglich Tomas Rincon in seinem 45-Minuten-Auftritt empfehlen könne. Alle andere, von Robert Tesche über Gojko Kacar bis hin zu David Jarolim wussten nicht zu überzeugen. „Dann muss er nach dem Ausschlussverfahren vorgehen“, hat mir heute ein weises Mitglied unseres herrlichen Blogs zugeflüstert – und ich finde er hat recht. Demnach würde das Los nicht auf den völlig neben der Kappe agierenden Gojko Kacar und noch weniger auf Tesche fallen, der in seinen Kurzeinsätzen fast schon Fußball verweigerte. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Oenning mit Rincon und Jarolim „zwei Kleine“ aufstellt. Das wiederum würde für Kacar sprechen. Allerdings spricht diese ganze Diskussion dafür, dass der HSV auf dieser Position noch Handlungsbedarf hat. Es sei denn, Skjelbred übernimmt…

Wer von Euch – und das waren einige – gestern und heute die Trainingseinheiten verfolgt hat, der wird gesehen haben, dass wir offensiv mit Paolo Guerrero mehr als eine echte Alternative haben. Der Peruaner ist noch immer in der Form, die ihn zum Torschützenkönig bei der Copa America machte. Er trifft aus allen Lagen, behauptet den Ball und legt auf. Allerdings ist fraglich, ob Oenning ihn auch von Beginn an spielen lässt, nachdem Heung Min Son in der Vorbereitung größtenteils (Oldenburg und Valencia mal ausgenommen) überzeugt hatte und Mladen Petric als gesetzt gilt. Aber was beschwere ich mich? Immerhin kann Oenning so explizit und qualitativ hochwertig reagieren, wenn es in der Offensive nötig sein sollte.
Auf den Außenbahnen ist Elia nach zuletzt ansprechenden Auftritten gesetzt. Und während ich persönlich die Kombination Marcell Jansen links und Elia rechts am besten fand, muss ich zugeben, dass Gökhan Töre im Gegensatz zu Änis Ben-Hatira mächtig Werbung für sich gemacht hat. Hier wird es Oennings Aufgabe sein, die richtige Entscheidung im richtigen Moment zu treffen. Und ich bin mir sicher, dass er das schafft.

199 Länder werden am Freitagabend via TV Zeuge sein, wenn der HSV in Dortmund beim Meister die Saison einläutet. Und Ihr, oder besser: wir. Denn jetzt beginnt das, worüber wir die letzten sechs bis acht Wochen mehr oder weniger gehaltvoll diskutiert haben. Jetzt zeigt sich, wie wettbewerbsfähig dieser HSV ist. Und jetzt wird sich auch zeigen, wie geduldig das Umfeld ist.

Denn: Wie man es nicht machen sollte, haben wir am Dienstag im Stadion erlebt. Auf den Rängen – und auf dem Platz.

In diesem Sinne: es kann nur noch besser werden.

Bis morgen. Da melde ich mich mit Schlusspfiff aus dem Westfalenstadion (klingt besser als Signal-Iduna-Park).

Scholle (18.39 Uhr)

Der Kader: Drobny, Mickel, Diekmeier, Westermann, Mancienne, Aogo, Bruma, Jarolim, Jansen, Eli, Tesche, Rincon, Kacar, Guerrero, Petric, Son, Töre, Ben-Hatira.

Petric (wohl) kein HSV-Kapitän

1. August 2011

Mladen Petric wird kein HSV-Kapitän. Das steht für mich fest. Denn, so meldete es die Deutsche Presse-Agentur heute: Mladen Petric hat die Vertragsgespräche mit dem HSV vertagt. Die während der Sommerpause aufgenommenen Verhandlungen über eine vorzeitige Vertragsverlängerung will der Stürmer vorerst nicht weiterführen. „Ich möchte diese so wichtige Entscheidung über den weiteren Verlauf meiner Karriere ganz in Ruhe und ohne jeglichen Druck treffen“, sagte Petric am Montag. Zum gegebenen Zeitpunkt werde man sich „sicher wieder zusammensetzen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die neue Saison“, erklärte der Kroate, der nach dieser Spielzeit ablösefrei wechseln kann.

Damit wird Petric – für mich jedenfalls – nicht Nachfolger von Heiko Westermann als Kapitän, denn das hatte ihm Trainer Michael Oenning nur bei einem längeren Verbleib an der Elbe in Aussicht gestellt. „Ich habe weiter die Hoffnung, dass er noch lange beim HSV bleibt. Wir alle wissen um seine Bedeutung für die Mannschaft“, sagt Oenning. HSV-Sportdirektor Frank Arnesen unterstrich ebenfalls die Wichtigkeit des Angreifers: „Wir hätten gern jetzt mit ihm verlängert, akzeptieren aber, dass er sich mit der Entscheidung Zeit lassen möchte. Mladen ist und bleibt ein wichtiger Spieler für uns.“

Der HSV hat ja schon einmal ein wenig Schiffbruch mit einem neuen Kapitän erlebt. Wer erinnert sich? Nein, nicht mit Heiko Westermann. Das war vor Beginn der Saison 2004/05. Da bestimmte HSV-Trainer Klaus Toppmöller (ja, der war auch mal Trainer hier!) vor Saisonbeginn Tomas Ujfalusi zum neuen Spielführer – und keine Woche später, nein, ein oder zwei Tage später war „Ujfi“ weg. Abgang zum AC Florenz. Und wer wurde dann der „Ersatz“-Kapitän? Es war Daniel van Buyten.
Namen sind ja so etwas von Schall und Rauch. Der heutige Bayern-Spieler war gerade erst zum HSV gekommen. Erinnert an die Situation vor einem Jahr. Da war Heiko Westermann gerade vom FC Schalke nach Hamburg gewechselt – ja, so wiederholt sich die Geschichte.

Auch auf anderer Ebene. Änis Ben-Hatira soll ja, so berichtet es die Mopo heute, die „Schnauze voll haben“. Vom HSV. Er soll weg wollen. Ein Jahr läuft der Vertrag des „pfiffigen Dribbelkünstlers“ noch, den wird er wohl auch noch erfüllen, aber dann: Abgang. Wahrscheinlich. Oder unwahrscheinlich? Ich würde es bedauern, wenn Änis ginge, denn ich halte ihn immer noch für ein großes Talent. Obwohl er mit seinen 23 Jahren so allmählich dem Talente-Alter entwachsen müsste . . .

Ich würde es begrüßen, wenn sich Änis durchbeißen würde. Beim HSV. Natürlich. Er hat sich doch, nachdem er beim MSV Duisburg gewesen ist, doch schon wieder in Hamburg nach oben „gedribbelt“. Und nun hat er vielleicht die Schnauze voll, weil er im Pokal in Oldenburg nicht zur Stammformation gehörte? Wenn dem so ist, dann wäre das eine Enttäuschung für mich. Ganz klar.

Im Trainingslager im wunderschönen Zillertal, sprachen Sportchef Frank Arnesen und Trainer Michael Oenning am ersten Abend mit der Mannschaft. Unter anderem auch über den folgenden Punkt: Zu dieser neuen HSV-Mannschaft gehören nicht nur elf Spieler, sondern alle. Und bei 24 oder 25 Spielern wird es immer mal ein Spiel geben, wo der eine oder andere Spieler auf der Tribüne sitzen muss. Weil des die Statuten der DFL nicht anders zulassen. Diesen Härtefall, der natürlich gar kein Härtefall ist, sprach Oenning explizit an. Er bereitete damit den einen oder andern Spieler darauf vor, dass es an Spieltagen auch gelegentlich nicht einmal für den Trainingsanzug reichen könne. Und er warb mit diesem Vortrag auch gleichzeitig um Verständnis, dass ein Spieler diese Situation bitte immer auch bedenken möge.

Das, muss ich zugeben, fand ich toll. Kein Trainer der Welt hat es nötig, eine solche Erklärung abzugeben, aber Oenning tat es. Und das war gut so. Wussten danach doch alle, was hier in Zukunft passiert. Es müsste zwar jedem (HSV-)Profi schon bei der Unterschrift unter dem Vertrag mit dem HSV einleuchten, dass nicht alle stets dabei sein können (Spiel oder Bank), aber wenn dafür dann noch extra der Blick geschärft wird, dann müssten es alle auch einsehen. Sie gehören ja weiterhin dazu, sie können sich auch weiterhin anbieten, sie werden wohl auch irgendwann einmal ihre Chance bekommen – aber im Moment geht es eben nicht anders. Da hat jeder Trainer ja seine Zwänge.

Wenn nun Änis Ben-Hatira, den ich versucht habe anzurufen (leider vergeblich), tatsächlich die Schnauze voll hat, dann hat er eventuell bei Oennings Vortrag nicht so ganz genau zugehört. Wie gesagt, ich würde es bedauern, aber jeder ist seines Glückes Schmied. Und wenn Änis die Erfahrungen mit Duisburg richtig wertet, dann wird er auch genau wissen, was zu tun ist. Ich vertraue ihm da voll und ganz.
Wie ich auch Mladen Petric vertraue. Er wird schon seine richtige Entscheidung treffen, da bin ich mir absolut sicher.

Ein Satz würde ich gerne noch zum Thema Heiko Westermann loswerden wollen. Ich denke mal, dass es auch bei Michael Oenning so ist, dass er immer nur die stärkste Mannschaft aufstellt – aufstellen will. Der Coach will ja auch nur gewinnen, denn er will, so denke ich, seinen Job in Hamburg noch möglichst lange behalten. Das gelingt ihm in erster Linie deshalb, wenn er gewinnt. Das heißt, wenn der HSV gewinnt. So oft wie möglich. Wenn nun Oenning aber immer die „Falschen“ aufstellen würde, würde der HSV wahrscheinlich weniger oft gewinnen. Und irgendwann wäre dann auch Oenning seinen Job los. Also: Oenning stellt immer nach bestem Wissen und Gewissen die beste Elf auf – und Heiko Westermann ist dabei. Logisch. Der Mann ist Nationalspieler. Will es auch wieder werden.

Obwohl, dieses Argument streiche ich am besten gleich wieder. Es hat hier ja schon beim „kleinen Dribbelkünstler“ nicht gezogen . . .

So, in der Kürze liegt die Würze. Heute mal. Gleich gibt es „Matz ab“ einmal live, nämlich bei „HH1“ – „bin ich jetzt in Fersehn?“ Jo. 20.15 Uhr. Und wer nicht auf Braunschweig gegen die Bayern verzichten will, für den gibt es die Wiederholung um 22.15 Uhr. Wenn der Kick in Braunschweig dann schon entschieden ist. Was ich leicht bezweifle, aber das ist eine andere Geschichte.
Also, wer Zeit hat, einmal bei „Rasant“ reinsehen – HH1 mit Uli Pingel. Und dem Gast Carl-Edgar Jarchow, der über sich und den HSV Auskunft geben wird.

Morgen ist um 10 Uhr noch ein Training angesetzt, dann folgt abends (19.15 Uhr) im Volkspark die Saisoneröffnung und das Spiel gegen Valencia – das auch live bei „Sport1“ übertragen wird.

18.13 Uhr

Arnesen: “. . . dann sind wir komplett”

28. Juli 2011

Hochbetrieb im Volkspark. Was war da wieder los! Unglaublich. Na gut, es sind Ferien, und dazu ist das Wetter gut (gewesen?), dann füllt es sich schon mal. Aber irgendwie schon beängstigend, wenn sich die Massen (an Fans) wie auf Kommando so durch dieses ganz, ganz kleine Tor zum Trainingsplatz pressen. Aber was tut man nicht alles für den HSV, da nimmt man wohl auch solche körperlichen Strapazen in Kauf. Ist ja für die Raute. Und man sieht ja auch allerhand. Heute zum Beispiel erst einmal nichts, denn die Mannschaft kam erst eine halbe Stunde nach zehn Uhr auf den Trainingsrasen. Dafür ging das Programm dann aber auch bis 12.20 Uhr – für nichts. Niemand muss auch nur einen Cent dazubezahlen, außer beim Eismann.

Zum Trainingsprogramm: Laufschule a la Günter Kern, dann ein Spiel ohne Tore (Direktspiel), auf einem Areal von 30 mal 30 Metern, dann wurden die Gruppe getrennt. Talente rechts, Stammspieler links. Die Jünglingen flankten, schossen und köpfte, die „Erwachsenen“ übten Standards, die vorzugsweise von Eljero Elia und Gökhan Töre in die Mitte gebracht wurden. Wobei ich mir dachte (ganz leise!): „Mensch, der gute Eljero, der wird heute, am Ende dieser Einheit, auch wissen, woran er noch zu üben hat.“ Wie gesagt, ganz, ganz leise gedacht, hat niemand gehört. Zum Abschluss gab es dann noch ein Spielchen (zwölf gegen zwölf!) über 20 Minuten. Sören Bertram schoss, nachdem zuvor Hanno Behrens aus einem Meter nur die Torlatte getroffen hatte, das 1:0 für die Talente (die mit Romeo Castelen spielten), aber die „Herren“ drehten das Spiel noch und gewann durch Tore von Marcell Jansen (wunderbarer Heber mit rechts!), Änis Ben-Hatira und Mladen Petric noch mit 3:1. Und Ende. Am Rande trainierte Jeffrey Bruma mit Reha-Coach Markus Günther (und auch schon wieder mit Ball!), und Marcus Berg, der zuerst mit der Mannschaft gelaufen war, drehte noch einige Runde für sich allein – bevor er früher in die Kabine ging.
Noch ein Satz zu Bruma, weil es viele nicht abwarten können, ihn wieder bei der Mannschaft zu sehen: Für das Spiel in Oldenburg wird der Niederländer, das steht fest, noch keine Rolle spielen, aber es ist geplant, dass er nächste Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigt.

Und noch einmal zurück an den Spielfeldrand: Dort gab heute Sportchef Frank Arnesen das wohl längste Fernsehinterview seines Lebens. Und wenn es nicht seines Lebens gewesen sein sollte (was ich mir nicht vorstellen kann), dann war es auf jeden Fall meines Lebens. Gefühlte 30 Minuten wurde der Däne befragt. Und er hielt eisern durch, behielt die Nerven und die Contenance. Kompliment. Zumal der Sportchef auch anschließend noch bei uns Halt machte – obwohl ein Mann mit Aktentasche unter dem Arm schon an der nächsten Ecke auf ihn wartete . . .

„Vor dreieinhalb Monaten bin ich beim HSV angefangen, nun geht es am Sonnabend mit dem Pokalspiel los. Ein sehr wichtiges Spiel für uns, und ich freue mich, dass es nun beginnt. Ich habe Vertrauen in die Mannschaft, es wurde gut trainiert, wir haben eine gute Atmosphäre – ich hoffe, dass wir das auch in diesem Spiel rüberbringen können“, sagt Frank Arnesen. Und wenn nicht? Hat er schon die eine oder andere Pokal-Überraschung der negativen Art erlebt? „Nein, ich nicht, aber das passiert. Man muss nur mal nach Frankreich blicken, das standen schon Klubs aus der fünften und vierten Liga im Pokalfinale. Im Fußball darf man niemanden unterschätzen, das ist die erste Pflicht.“

Es gibt auch heute nichts Neues von der Ein- und Verkaufs-Front. Guy Demel muss warten, der HSV muss warten. Und Mickael Tavares muss warten, der HSV ebenfalls. Bitter, bitter. Aber es gibt auch Erfreuliches: Am Dienstag werden Tomas Rincon und Paolo Guerrero wieder mit der HSV-Mannschaft trainieren, und am Donnerstag kommt dann Per Ciljan Skjelbred nach Hamburg. Arnesen: „Und dann sind wir komplett.“ Stand heute. Vielleicht gibt es ja aber doch noch Millionenden für Demel . . .

Apropos: Wenn jetzt Jonathan Pitroipa nach tritt, dann, so muss ich zugeben, kommt das für mich schon überraschend. Von jedem hatte ich es erwartet, aber nicht von dieser zarten Person. Und irgendwie hatte ich doch gehofft, dass er sich besser einschätzen kann, doch das ist wohl ein tragischer Irrglauben. Selbstkritik ist zwar schön und gut, Kritik an anderen ist besser. Dass der gute „Piet“ jetzt die Schuld für sein Scheitern in Hamburg und bei Michael Oenning sucht, ist fernab jeglicher Realität. Er selbst hat sich in diesem Jahr einen solchen Mist zusammengekickt, dass man beim HSV kaum noch um ihn kämpfen konnte.

Themenwechsel. Hier bei „Matz ab“ wurde nach dem Fan-Fest in Hippach (Video rechts) viel getuschelt – über Konditionstrainer Günter Kern. Der soll einigen „Matz-abbern“ gesagt haben, dass die „Engländer schlecht trainiert, nicht austrainiert sind“. Deshalb haben sich hier schon einige gefragt, wie er das gemeint haben könnte, denn Manchester United, Chelsea und Arsenal spielen doch ganz oben in Europa mit. Und dann schlecht trainiert? Nicht austrainiert? Wie kann Günter Kern das gemeint haben?

Ich habe ihn heute gefragt. Und er ist natürlich falsch verstanden worden. Er hatte nicht den englischen Fußball gemeint – natürlich nicht. Er hatte speziell Bruma und Töre gemeint, die in der letzten Saison einige Zeit verletzt waren, die deshalb um den Anschluss im konditionellen Bereich kämpfen müssen. Nur darum ging es. Ansonsten hat Kern eine ganz, ganz hohe Meinung vom englischen „Tempo-Fußball“ – und er sagte mir: „Wie die auf der Insel trainieren, das kann ich gar nicht beurteilen, weil ich dort noch kein Training gesehen habe. Aber die werden schon sehr gut trainieren, denn sonst könnten die nicht so einen Power-Fußball spielen.“ So ist es. Und ich hoffe: Thema erledigt. Oder nicht?

Und noch eines gibt es aufzuklären. Mich erreichte während des Trainings ein „Matz-abber“ (per Telefon), der sich besorgt darüber erkundigte, warum Fran Arnesen „so auf den Platz stürmte, um dann mit Michael Oenning wild gestikulierend zu sprechen“? Der Anrufer: „Da muss doch etwas im Busch sein. Wird Guerrero doch noch verkauft? Oder was ist da los?“

Ich habe den Trainer danach befragt, hier seine (gebührenfreie) Auskunft: „Alles ganz harmlos. Er hatte Sehnsucht und ist deshalb zu mir gekommen. Nein, im Ernst, es gab viele kleine Sachen zu besprechen, aber es war nichts Hektisches dabei, im Gegenteil, es war ein ganz positives Gespräch, und ich habe ihn, da er gestern frei hatten, schnell noch einmal auf den neuesten Stand gebracht.“ Also, alles ganz harmlos. Und auch das wurde jetzt nebenbei schnell aufgeklärt.

Zum Spiel am Sonnabend in Oldenburg. Heiko Westermann wird, das verriet Oenning schon einmal, die Mannschaft auf das Feld führen. Was nicht bedeutet, dass er auch in Dortmund der HSV-Kapitän sein wird. Die Entscheidung darüber fällt in der kommenden Woche – Mladen Petric hat also noch einige Tage Zeit, seinen Vertrag zu verlängern. Macht er es, hat der Kroate wohl beste Chancen auf die Binde . . .

Ich freue mich, das gebe ich zu, auf Tomas Rincon. Der soll ja eine ausgezeichnete Copa gespielt haben – vielleicht hat er sich ja mit diesem Turnier „freigeschwommen“. Was ich ihm wünschen würde. Und wenn hier zuletzt ein kleiner (großer?) Kampf um die Sechs oder Doppel-Sechs entstanden ist, so tauchte sein Name dabei eigentlich nie auf. Hat ihn Michael Oenning auf dem Zettel? Der Coach: „Warum sollte ich ihn nicht auf dem Zettel haben? Ich finde es ja toll, dass mit Peru und Venezuela zwei Mannschaften im Fokus standen, die vorher niemand auf der Rechnung hatte. Und dass die beiden HSV-Spieler so im Blickpunkt standen, ist doch höchst erfreulich. Und nun gucken wir mal, wie sie die ganzen Eindrücke verarbeitet haben, und dann bin ich von beiden überzeugt, dass sie sicherlich Ansprüche haben, in der ersten Formation zu stehen. Die Möglichkeiten sehe ich für beide durchaus gegeben, aber ob es dann auch so kommt, das werden wir sehen.“

Und wo ich gerade beim Kampf um die Sechs bin: Da mischt ja auch in diesen Tagen „Robert Tesche Fußballgott“ mit. Michael Oenning über den „Spätstarter“: „Robert ist ein junger deutscher Spieler, der sich hier durchgebissen hat, der jetzt in einem Alter ist, wo er sehr wertvoll werden kann. Ich erhoffe mir von ihm, dass er nun den Durchbruch schafft, dass er nun der Mannschaft weiterhelfen kann.“ Der Trainer weiter: Er hat jetzt einen großen Sprung nach vorne gemacht, seine größte Qualität ist sein Kopfballspiel. Er hat eine enorme Sprungkraft, da ist er von allen wohl der Beste, da kann er uns sehr helfen, sowohl offensiv als auch defensiv. Er ist zudem grundsolide ausgebildet, er ist beidfüßig, hat einen präzisen Schuss, er ist groß – er hat alles, was ein Fußballer braucht.“

Bislang aber hat sich Robert Tesche in meinen Augen ein wenig „versteckt“. Angst vor großen Namen? Oenning: „Er braucht Erfahrung und Selbstvertrauen, das ist etwas, was ihm vielleicht gefehlt hat, aber das kommt nun immer mehr zur Geltung. Er kann für uns ganz wichtig werden, es liegt nun an ihm, denn er steht in einem harten Konkurrenzkampf.“

Eines aber steht fest: Tesche ist einer der Gewinner der Vorbereitung. Er blüht in diesen Wochen auf, er mischt sich ein, er mischt mit, er zeigt seine fußballerischen Qualitäten. Und sagt über seine derzeitige Situation: „Der Trainerwechsel tat mir gut, der war wichtig. Und es sind viele alte Spieler gegangen, es wird auf die jungen Spieler gesetzt – das ist auch gut für mich.“ Er hat wohl unter dem einen oder anderen „Alten“ gelitten. Ich selbst habe es gesehen, wie Tesche im Training von einem „Arrivierten“ nicht gerade freundlich behandelt wurde, im Gegenteil, regelrecht „untergebuttert“ wurde. Joris Mathjsen trat ihn einige Mal um, und als Tesche endlich am Boden lag, da gab es für ihn auch noch die folgende Drohung zu hören: „Pass bloß auf, dich erwische ich auch noch mal . . .“ Obwohl er in schon schwer erwischt hatte.

Robert Tesche kann sich daran erinnern, sagt dazu rückblickend: „Ich weiß nicht, warum das damals geschah, aber es war so. Aber du hast Joris doch auch gekannt . . .“
Ja, habe ich.

Jetzt aber ist die Situation eine andere geworden. Tesche selbstbewusst: „Die Noch-Erfahreneren sind noch weniger geworden, ich habe jetzt ein bisschen mehr in dieser Mannschaft zu sagen. Die Stimmung in der Mannschaft ist besser geworden, und nun müssen wir eine neue Hierarchie finden. Wir müssen natürlich auch als Mannschaft besser arbeiten, als in der vergangenen Saison. Der HSV ist ein großer Klub, hat große Zeiten erlebt, ich will dazu beitragen, dass wir auf jeden Fall wieder bessere Zeiten erleben, als im letzten Jahr.“ Und er sagt weiter: „Wir haben jetzt weniger Individualisten, wir müssen mehr als Team arbeiten, und da bin ich ganz zuversichtlich, dass das auch klappen wird.“ Über das „jetzt“, über seine neue Situation sagt er nur: „Ich fühle mich wohl. Ich habe auch gemerkt, dass ich in der Vorbereitung gut gearbeitet habe, dass mir viel gelungen ist – es wäre schön, wenn es so weitergehen würde. Ich hoffe das natürlich, das muss auch so sein. Ich werde mich auf jeden Fall durchsetzen.“
Ja, so klingt er, der neue Tesche, der andere Tesche.
Ihr werdet es erleben, wie er in dieser Saison aufblühen wird.
Er will auch daran arbeiten, auf dem Platz lauter zu werden. Auch wenn er sagt: „Man kann das sicher lernen, aber das geht nicht von jetzt auf gleich. Das wird eine Umstellung für mich. Aber ich will das machen. Wenn man acht Spieler hat, die jünger sind als ich, dann muss man vorangehen. Dann muss ich sie auch führen. Das ist auch ein Ziel von mir.“

Kurz noch einmal zurück zum VfB Oldenburg. Die Niedersachsen waren früher auch mal ein unangenehmer Gegner für den HSV. Ganz früher. Und heute? Oenning: „Man kann in einem solchen Spiel nicht viel gewinnen, und dem musst du Sorge tragen. Aber ich glaube, dass da immer noch ein Bundesliga-Klub gegen einen Fünftliga-Vertreter spielt.“ Soll wohl heißen, dass nur der HSV diese Partie gewinnen kann. Oder auf jeden Fall sollte. Michael Oenning hat auf jeden Fall auch schon ein negatives Pokal-Erlebnis zu verkraften. Das war als Co-Trainer von Borussia Mönchengladbach: „Pokal-Halbfinale in Aachen. Wir stellten die Mauer falsch und kassierten so das entscheidende Tor. Aber zuvor hätte es zwei Handelfmeter für uns geben müssen, doch der Schiedsrichter pfiff sie nicht. Das werde ich nie vergessen, das war ganz bitter.“ Der Unparteiische war Edgar Steinborn, er pfiff dieses Spiel im März 2004 – es war das Ende (s)einer großen Karriere.

Am Freitag wird um 12 Uhr im Volkspark trainiert. Danach geht es per Bus nach (zuerst) Bad Zwischenahn.

19.02 Uhr

3:1 und 1:3 in den Niederlanden

23. Juli 2011

„Ein Abend, an dem sich alle Anwesenden einig sind, ist ein verlorener Abend.“

Sagte einst Albert Einstein.

Der HSV ist noch nicht abgestiegen, der HSV spielt immer noch in Ersten Bundesliga – und ich bin immer noch guter Hoffnung. Trotz des „Schlachtfestes“. Ich will mich auch nicht groß rechtfertigen, ich will erst recht nicht zurückrudern, ich will nur sagen: Dieser HSV ist meiner Meinung nach noch nicht in der Lage, Deutscher Meister zu werden. Richtig? Und dann möchte ich sagen, dass mir deswegen angst und bange wird, weil in der vergangenen Saison auch Klubs in Abstiegsgefahr waren, die damit niemals gerechnet hätten: Stuttgart, Wolfsburg, Schalke, und, und, und. Und das könnte immerhin auch dem HSV passieren. Und das hat nichts damit zu tun, dass im Trainingslager Zillertal sehr gut gearbeitet wurde. Bundesliga ist kein Kindergeburtstag – lasst uns doch alle mal abwarten.

So, alles andere überlasse ich jedem von Euch.

Zum Turnier in den Niederlanden. Der HSV trat am Abend gegen den Viertliga-Vertreter VV Berkum mit folgender Mannschaft an:
Hesl, Götz, Labus, Sternberg, Jansen; Jarolim, Besic; Castelen, Nagy, Behrens; Ben-Hatira.
Dieses Team spielte auch gegen Zwolle, es gab keinen Wechsel.

Die erste Mannschaft des HSV hatte zuvor 90 Minuten lang im Stadion trainiert, mit von der Partie Mladen Petric, der morgen wohl gegen den FC Groningen spielen wird, und auch Robert Tesche, der zuletzt wegen muskulärer Probleme gefehlt hatte.

Erfreulich: Romeo Castelen war erstmalig seit dem 20. September 2009 wieder einmal von Beginn an dabei, und der Niederländer war davon absolut begeistert. Vor dem Anpfiff schüttelte er jedem Bekannten lächelnd die Hand – es war vor nur 1200 Zuschauern (darunter 120 HSV-Fans) das Comeback des Jahres. Um es vorweg zu nehmen: Castelen spielte in den ersten 45 Minuten (so lange dauerte die Partie gegen Berkum) unauffällig.

Der HSV gewann diese Auftaktpartie, die teilweise einem Fehlpass-Festival glich, mit 3:1. Und führte dabei schon nach einer Minute und 39 Sekunden 1:0. Das Tor hatte Hanno Behrens erzielt, er nutzte die gute Vorarbeit von Marcell Jansen. Auch auf der Gegenseite klingelte es entsprechend schnell, denn nach zwei Minuten und 33 Sekunden hieß es schon 1:1. Der umjubelte Torschütze der niederländischen Amateur-Truppe war van der Meule. Er profitierte von einer Fehlerkette des HSV, an der Janek Sternberg, Robert Labus und Jansen beteiligt waren. Ohnehin machte die HSV-Defensive in diesem Kick eine denkbar schlechte Figur.

Und die Niederländer wirkten nicht nur übermotiviert, sie waren es auch. Sie gingen teilweise recht robust, überhart und auch unfair zur Sache. Höhepunkt dieser Treterei war ein böses Foul von van Egmond, der David Jarolim ganz übel von den Beinen holte. Der Tscheche musste einige Zeit behandelt werden.

Das zweite HSV-Tor erzielte Änis Ben-Hatira auf Vorarbeit von Daniel Nagy (13.), das 3:1 markierte Muhamed Besic (28.), der von Jarolim und Ben-Hatira in Co-Produktion bedient wurde.

Und nun noch das zweite Spiel:
Der irgendwie unmotiviert wirkende HSV hat gegen den FC Zwolle (Zweite Liga) mit 1:3 verloren. Das Ehrentor erzielte David Jarolim, der nach einem Foul (oder war es eine Schwalbe?) den Elfmeter zum 1:2 verwandelte (35.). Den 1:3-Endstand in diesem sehr mäßigen Spiel markierte der junge Ashton Götz (seit einer Woche 18) mit einem Eigentor.

Jarolim, so interpretiere ich das, spielte 90 Minuten in der „Reserve“, weil Sören Bertram, den eine Magen- und Darm-Grippe plagte, ausgefallen war.

Und noch etwas Erfreuliches:

Die Geburtstagskarte der „Matz-abber“ ist heute DOCH NOCH angekommen! Super. Frau M. hat sich sehr gefreut und bedankt sich ganz, ganz herzlich.

Gute Nacht!

20.18 Uhr

Erstes Spiel in Holland 3:1 gewonnen

23. Juli 2011

„Ein Abend, an dem sich alle Anwesenden einig sind, ist ein verlorener Abend.“

Sagte einst Albert Einstein.

Der HSV ist noch nicht abgestiegen, der HSV spielt immer noch in Ersten Bundesliga – und ich bin immer noch guter Hoffnung. Trotz des „Schlachtfestes“. Ich will mich auch nicht groß rechtfertigen, ich will erst recht nicht zurückrudern, ich will nur sagen: Dieser HSV ist meiner Meinung nach noch nicht in der Lage, Deutscher Meister zu werden. Richtig? Und dann möchte ich sagen, dass mir deswegen angst und bange wird, weil in der vergangenen Saison auch Klubs in Abstiegsgefahr waren, die damit niemals gerechnet hätten: Stuttgart, Wolfsburg, Schalke, und, und, und. Und das könnte immerhin auch dem HSV passieren. Und das hat nichts damit zu tun, dass im Trainingslager Zillertal sehr gut gearbeitet wurde. Bundesliga ist kein Kindergeburtstag – lasst uns doch alle mal abwarten.

So, alles andere überlasse ich jedem von Euch.

Zum Turnier in den Niederlanden. Der HSV trat am Abend gegen den Viertliga-Vertreter VV Berkum mit folgender Mannschaft an:
Hesl, Götz, Labus, Sternberg, Jansen; Jarolim, Besic; Castelen, Nagy, Behrens; Ben-Hatira.

Die erste Mannschaft des HSV hatte zuvor 90 Minuten lang im Stadion trainiert, mit von der Partie Mladen Petric, der morgen wohl gegen den FC Groningen spielen wird, und auch Robert Tesche, der zuletzt wegen muskulärer Probleme gefehlt hatte.

Erfreulich: Romeo Castelen war erstmalig seit dem 20. September 2009 wieder einmal von Beginn an dabei, und der Niederländer war davon absolut begeistert. Vor dem Anpfiff schüttelte er jedem Bekannten lächelnd die Hand – es war vor nur 1200 Zuschauern (darunter 120 HSV-Fans) das Comeback des Jahres. Um es vorweg zu nehmen: Castelen spielte in den ersten 45 Minuten (so lange dauerte die Partie gegen Berkum) unauffällig.

Der HSV gewann diese Auftaktpartie, die teilweise einem Fehlpass-Festival glich, mit 3:1. Und führte dabei schon nach einer Minute und 39 Sekunden 1:0. Das Tor hatte Hanno Behrens erzielt, er nutzte die gute Vorarbeit von Marcell Jansen. Auch auf der Gegenseite klingelte es entsprechend schnell, denn nach zwei Minuten und 33 Sekunden hieß es schon 1:1. Der umjubelte Torschütze der niederländischen Amateur-Truppe war van der Meule. Er profitierte von einer Fehlerkette des HSV, an der Janek Sternberg, Robert Labus und Jansen beteiligt waren. Ohnehin machte die HSV-Defensive in diesem Kick eine denkbar schlechte Figur.

Und die Niederländer wirkten nicht nur übermotiviert, sie waren es auch. Sie gingen teilweise recht robust, überhart und auch unfair zur Sache. Höhepunkt dieser Treterei war ein böses Foul von van Egmond, der David Jarolim ganz übel von den Beinen holte. Der Tscheche musste einige Zeit behandelt werden.

Das zweite HSV-Tor erzielte Änis Ben-Hatira auf Vorarbeit von Daniel Nagy (13.), das 3:1 markierte Muhamed Besic (28.), der von Jarolim und Ben-Hatira in Co-Produktion bedient wurde.

Zurzeit spielt der HSV gegen den Zweitliga-Klub FC Zwolle. Mit dem Resultat dieses Spiels melde ich mich nach dem Schlusspfiff.

19.39 Uhr

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