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Nach Westermann fällt auch Behrami aus!

6. Dezember 2014

Die Hiobsbotschaft musste gar nicht erst verkündet werden, sie war um 15.28 Uhr offensichtlich. Als die HSV-Spieler den Rasen betraten, um das Abschlusstraining zu absolvieren, fehlte Valon Behrami. Der Schweizer leidet unter muskulären Problemen im Oberschenkel und wird für das morgige Spiel gegen Mainz 05 ausfallen, er fuhr, wie auch der erkrankte Julian Green, nicht mit ins Mannschaftshotel. Mit Behrami muss nach Heiko Westermann noch ein wichtiger Spieler passen – und es ist noch eine große Defensiv-Stütze, die bislang in dieser Saison so eminent wertvoll war. Das ist schon echt Pech, was sich da jetzt im Volkspark versammelt. Im Abschluss-Spielchen vertrat dann – etwas überraschend – Petr Jiracek den verletzten Behrami, der Tscheche wird wohl den Vorzug gegenüber Tolgay Arslan erhalten, der ebenfalls auf der Sechs hätte spielen können – und der heute auch wieder gut trainiert hat. Wer weiß, was das Bauchgefühl des Trainers Joe Zinnbauer noch aus den Stunden bis zum Anpfiff um 15.30 Uhr macht, wer weiß?

 

Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.

 

Der HSV wird wohl, um das einmal vorweg zu nehmen, mit folgender Mannschaft antreten: Drobny; Diekmeier, Djourou, Cleber, Marcos; Jiracek, van der Vaart; Müller, Holtby: Lasogga, Rudnevs. Schiedsrichter der Partie ist Sascha Stegemann vom 1. FC Niederkassel.

Beim HSV auf der Bank sitzen Alexander Brunst, Ashton Götz, Gojko Kacar, Matthias Ostrzolek, Tolgay Arslan, Mohamed Gouaida und Zoltan Stieber. Nicht berücksichtigt wurden Slobodan Rajkovic und Ivo Ilicevic.

 

Die spannende Frage, ob Joe Zinnbauer erstmalig zwei Stürmer von Beginn an aufbieten wird, ist offensichtlich auch am heutigen Nachmittag geklärt worden. Sowohl Pierre-Michel Lasogga als auch Artjoms Rudnevs standen im Angriff – und nahmen sich, so hatte es den Anschein, gegenseitig nicht den Platz und den Raum weg. Und wenn so etwas in der Luft lag, dann erklärte Zinnbauer beiden Angreifern, wie die jeweilige Situation zu lösen wäre. Es mag vielleicht für den einen oder anderen von Euch mutig aussehen, dass der HSV mit zwei Spitzen spielen wird, aber wenn nicht jetzt, wann dann? Gegen Mainz 05 muss ein Sieg her, unbedingt, egal was es kostet, sonst dürfte die Zeit bis zur Winterpause noch äußerst hart werden.

 

Ja, Mainz. Die Mannschaft war zuletzt auch nicht unbedingt in Bestform, verlor auf Schalke mit 1:4. Aber offenbar haben sich die Schalker auch wieder gefunden, denn die Knappen fegten heute den VfB in Stuttgart mit 4:0 vom Acker. Da die Mainzer zuletzt aber über Defensiv-Probleme klagten, muss der HSV ganz einfach etwas (mehr) riskieren. Auch wenn diese obige Aufstellung der Hamburger natürlich sehr offensiv ausgerichtet erscheint. Mal sehen, was draus wird.

 

Gegen Mainz hat es in den bisherigen 16 Spielen immer knappe Ergebnisse gegeben. Sechs HSV-Siege, dazu fünf Unentschieden und fünf Niederlagen stehen dazu zu Buche, 20:19 Tore für den HSV. Zu Hause, im Volkspark, hat der HSV dreimal gewonnen, zweimal wurden die Punkte geteilt, dreimal wurde gegen den Karnevalsverein verloren. Bei 10:11 Toren. Es wird auch morgen wieder eng, da muss ich kein Prophet sein, denn der Sieben-Tore-HSV hat ja bislang nicht das Tore schießen erfunden. Den letzte Heimsieg des HSV gegen Mainz gab es am 17. November 2012, als es ein 1:0 gab. Genau dieses Resultat würde mir auch morgen wieder genügen, und ich denke mal, dass auch Joe Zinnbauer damit zufrieden wäre. Er hat in der Saison 1995/96 immerhin 16 Zweitliga-Spiele für 05 bestritten, er kann sich also gut aus mit den Mainzern. Vielleicht hilft es ja.

 

Und noch ein HSV-Profi trifft auf seinen Ex-Club: Nicolai Müller. Beim HSV war es in der Vergangenheit ja oft genug so, dass gerade ehemalige Hamburger mit Vorliebe gegen den HSV trafen – vielleicht ist es diesmal ja umgekehrt. Müller als Torschütze, das gab es in dieser Saison erst einmal – bei der 1:2-Heimniederlage gegen Frankfurt. Aber morgen hätte das natürlich etwas – bei einem Heimsieg.

 

Und wenn ich an Ehemalige und ihre Tore denke – gerade heute ist es schon ein großes Thema: Eric-Maxim Choupo-Moting schießt drei Treffer gegen Stuttgart und hat als Ex-HSVer nun acht Treffer auf dem Konto. Gemeinsam an der Spitze mit einem weiteren HSVer: Alexander Meier. Der Frankfurter hat ebenfalls acht Tore auf seinem Konto. Und der trifft ja auch vorzugsweise meistens gegen den HSV – „Choupo“ spielt erst am 20. Dezember gegen seinen früheren Arbeitgeber.

 

Und wenn ich mal an dieses Jahr denke, da haben schon einige Ehemaligen gegen den HSV getroffen: Der Augsburger Andre Hahn traf am 27. April beim 3:1 gegen den HSV, Ivica Olic traf für Wolfsburg am 19. April beim 3:1-Sieg in Hamburg, Max Kruse, den zähle ich als Ex-Hamburger mal dazu, schoss den 1:0-Sieg der Gladbacher am 24. September heraus, Änis Ben-Hatira, sonst eher der Vorbereiter als der Torschütze, erzielte zwei Treffer beim 3:0 gegen den HSV (25. Oktober), und noch einmal Olic traf für seinen VfL beim 2:0 gegen den HSV in Wolfsburg. Da würde sich der Name Nicolai Müller ja wunderschön einreihen – einmal umgekehrt. Ich bitte darum. Und Joe Zinnbauer wohl auch.

 

Beim Abschlusstraining heute aber trat Müller kaum einmal auffällig in Erscheinung. Die Stamm-Elf gewann das Spielchen gegen die Reservisten 2:0, in den ersten Minuten erzielten Lewis Holtby und Ronny Marcos, der den Vorzug gegenüber Matthias Ostrzolek erhalten wird, die Tore. Und besonders bei Marcos war Zinnbauer begeistert, der Coach lobte über den ganzen Platz: „Gut gemacht, Ronny, Junge!“ Dass Tolgay Arslan mit einer gehörigen Portion Wut (?) oder Trauer (?) trainierte, und zwar in der B-Elf, das war ihm anzumerken. Er gab sich erstens alle Mühe, gut zu spielen (das gelang!), und er trat gelegentlich auch kräftig zu. Besonders hart war das, als er Dennis Diekmeier recht böse umgrätschte, und auch später gegen Lewis Holtby ging es recht unbequem zur Sache. Holtby seinerseits hatte einmal gegen Ashton Götz die Sense herausgeholt. Ja, es ging schon recht hart zur Sache – und es wurde, das ist auf jeden Fall zu loben, mit einem sehr hohen Tempo gespielt. Hoffentlich auch morgen . . .

 

Nicht am Mannschaftstraining nahm Marcell Jansen teil, der Nationalspieler war vorher auf dem Platz und arbeitete mit Reha-Coach Markus Günther. Jansen sagte mir vor zwei Tagen, dass er hofft, in der kommenden Woche wieder einsteigen möchte – es sieht wohl ganz gut aus. Mehr Geduld muss Maximilian Beister aufbringen, das mit ihm dauert noch – obwohl er heute schon mit dem Ball trainierte. Sah gut aus, aber natürlich hat er noch viel aufzuholen. Nichts zu sehen war von Rene Adler, dafür betrat Heiko Westermann um 15.25 Uhr die Kabine, um sich pflegen zu lassen.

Bei der Gelegenheit: Die Zweite hat auch heute ihr Regionalliga-Spiel verloren, 1:2 gegen Weiche in Flensburg. Und im dritten Spiel in Folge gab es einen Platzverweis, in den Schlusssekunden sah Sven Mende die Gelb-Rote Karte. Die Mannschaft, das muss ich schon sagen, tut mir leid, denn auch heute haben mindestens acht Stammspieler gefehlt! Dagegen an kein Team anspielen, ganz sicher nicht. Aber es ist wohl nicht zu ändern – die Bundesliga geht vor. Natürlich, na klar, sicher.

Was mir noch beim heutigen Profi-Training gefiel: Die gute Verfassung von Johan Djourou. Wie sehr sich der Innenverteidiger, der zu Beginn seiner HSV-Zeit ja arge Form-Probleme hatte, gesteigert hat, ist schon anerkennend zu registrieren. Ich bin ehrlich, ich hätte es ihm in dieser Art und Weise nicht zugetraut. Vielleicht hat dem Schweizer ja die Rolle des Vize-Kapitäns besonders gut getan? Djourou, das ist ihm deutlich anzumerken, will Verantwortung nicht nur an sich reißen, sondern auch vorleben. Typisch für ihn: Nachdem Joe Zinnbauer etwas zu besprechen hatte und der Ball dann wieder freigegeben war, forderte Djourou seine Mitspieler wieder lautstark auf: „So, wieder Spannung!“
Bitte auch morgen – viel Spannung.

 

So, und dann komme ich noch einmal auf meine Geschichte von gestern im Abendblatt zurück, denn der hat eine Welle geschlagen. Es ging da, neben anderen Dingen, auch noch einmal um den Witz-Elfmeter, den der Schiedsrichter (ich lasse den Namen mal bewusst weg – weil ich immer noch einen Rochus auf ihn habe!) gegen den HSV gab. Ich habe danach „Matz ab live“ machen müssen, war also nicht mehr auf Sendung, als bei „Sky“ Dr. Markus Merk als „Ober-Schiedsrichter“ über den Elfmeter sprach. Von ungefähr zehn Seiten habe ich gehört, dass Merk gesagt haben soll: „Klarer Elfmeter.“ Und das war natürlich alles andere als klar – es war natürlich kein Elfmeter.

 

Am Freitag nahm dazu (zu meinem Artikel im HA, Seite zwei) der „Matz-abber“ (oder auch nur Leser?) „Ulli“ Kontakt mit Dr. Merk auf – und Merk schrieb ihm zurück – nun der Original-Text:

 

In Anlehnung des heutigen HA-Artikels habe ich Dr. Merk angemailt und um eine Stellungnahme gebeten. Prompt habe ich nachstehende Antwort erhalten:

…………
“Danke für den Hinweis. Nur ganz kurz. Ich bin ja “Der Verfechter” des Videobeweises. Dies ist aber eine Situation, die immer diskussionswürdig bleibt, grau eben!
Leider wurde ich von Herrn Matz, den ich journalistisch sehr schätze, total falsch zitiert, sollte nicht sein! Ich habe diesen Elfmeter aus SR-SICHT als “absolut vertretbar” bezeichnet und das bleibt er.
Vielleicht schreiben Sie da lieber auch Herrn Matz mit der Bitte nach journalistischer Korrektheit.
Auch ein Videobeweis würde hier wenig nützen. Ist eine SR-Entscheidung nicht klar widerlegbar, dann muss sie bleiben wie entschieden … oder … mehr möchte ich nicht verraten!
Beste, schnelle Grüße aus der Pfalz
Markus Merk”

 

Großartig, Herr Dr. Merk. Obwohl ich keinerlei Unterschied mache, ob nun „Klarer Elfmeter“ oder „vertretbarer Elfmeter“. Weil es eben keiner war. Und das, lieber Herr Dr. Merk, das hätten die Experten an der Seitenlinie, wenn es diese dann gegeben hätte (also der Video-Beweis), sehr wohl bemerkt. Denn der Augsburger Spieler (Djurdjic) kam mit gestrecktem Bein auf Götz zu, das war für jedermann und jederfau (natürlich) unübersehbar – nur der Schiedsrichter sah es nicht, oder wollte es nicht gesehen haben. Dieser Elfmeter, lieber Herr Doktor Merk, hätte niemals gegeben werden dürfen, und das sage ich nicht, weil ich die rote Hose trage. Das hätte ich auch gesagt, wenn Hoffenheim gegen Freiburg gespielt hätte, oder Paderborn gegen Köln. Das war eine fatale Fehlentscheidung, und das müsste eigentlich auch jeder „Ober-Schiedsrichter“ – spätestens nach einer Zeitlupe – erkennen müssen.
Aber, das möchte ich auf jeden Fall versuchen, ich werde mich in der nächsten Woche auch einmal mit Dr. Markus Merk unterhalten – denn wir haben uns eigentlich immer sehr gut verstanden. Mal sehen, ob es mir gelingen wird.

 

Das war es für heute in kurzen Zügen, morgen sind wir nach dem Spiel wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle – mit einem Überraschungsgast (oder sogar mehreren). Ich muss mich selbst überraschen lassen, was das wird. Auf jeden Fall wird es etwas geben . . .

 

Kommt gut in den zweiten Advent, habt noch einen schönen Abend – und dann bis bald, nach dem Heimsieg gegen Mainz.
Dieter

 

18.38 Uhr

0:3 – Ex-HSVer Ben-Hatira erschießt HSV!

25. Oktober 2014

So schnell schießen die Preußen eben doch nicht. Der HSV ist wieder auf dem Boden der harten Realität gelandet und wird in nächster Zukunft wieder nur, und absolut nur nach unten die Blicke richten. Nach der 0:3-Klatsche bei Hertha BSC müssen sich alle Spieler hinterfragen, ob sie mit der richtigen Einstellung dabei waren, denn die Niederlage wurde durch einen Konter der Berliner eingeleitet, als der HSV total aufgerückt war und auf das erste Tor drückte. Das war amateurhaft. Ausgerechnet der ehemalige HSV-Profi Änis Ben-Hatira schoss zwei Tore und leistete für das 2:0 die Vorarbeit. Nun müssen die Wunden geleckt werden, und zwar schnell, denn am Mittwoch kommen die Bayern zum Pokal in den Volkspark, und am Sonnabend wird es nicht leichter, denn dann geht es gegen Bayer Leverkusen. Da heißt es sich warm anziehen, das wird ein ganz, ganz harter Winter. Aber wir müssen da alle durch. Alle. Kopf hoch. Das Leben geht weiter, wenn auch im Moment nicht sonderlich schön.

 


 

Spielt Lewis Holtby? Ist Matthias Ostrzolek draußen? Kommt Marcell Jansen von Beginn an zum Zuge? Das waren die Fragen vor dem Anpfiff, die die Fans bewegten. Und Trainer Joe Zinnbauer hatte sich lange nicht in die Karten schauen lassen, erst kurz vor dem Anpfiff sickerte durch: Holtbay sitz nur auf der Bank. Das kam für uns schon etwas überraschend, muss ich zugeben, aber der Coach hat sich ganz sicher etwas dabei gedacht. Und wohl in erster Linie auf Erfahrung in diesem Auswärtsspiel gesetzt, denn auch Jansen war dabei – wie schon beim 1:0-Sieg in Dortmund.

 

Dass das Match im Olympiastadion kein leichtes werden würde, das war schon klar. Zu oft ist der HSV mit großen und größten Hoffnungen in Berlin zu Gast, und kam dann doch mit leeren Händen zurück in die Hansestadt. Es werden sich einige daran erinnern können . . . Diesmal begann der HSV, wie schon so oft in der jüngeren Vergangenheit, im Stile einer Heim-Mannschaft und bestimmte das Geschehen. Nur Torchancen gab es keine, spätestens am Hertha-Strafraum war Ende mit den offensiven Versuchen des HSV. Obwohl, das soll keine Kritik an Pierre-Michel Lasogga sein, der frühere Herthaner mühte sich, lief viel, hielt einige Male klug den Ball, verteilte ihn auch gut – das konnte sich sehenlassen; unter den Augen von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw. Ob der in erster Linie für Lasogga in die Hauptstadt gekommen war? Oder auch für Nicolai Müller, Jansen, Ostrzolek? Oder sogar für Heiko Westermann? Einen Berliner kann der Bundes-Jogi doch nicht im Sinn gehabt haben, oder? Nein, nein, es ging um einen Hamburger. Für die spielten ja immerhin drei Herthaner mal im Trikot mit der Raute: Änis Ben-Hatira, Peer-Ciljan Skjelbred und der zunächst auf der Bank kauernde Marcel Ndjeng.

 

So richtig aufregend wurde es erstmalig in diesem Spiel in der 17. Minute. Bei einem hohen Ball in den HSV-Strafraum hinein sprang der bullige Berliner Abwehrchef Heitinga HSV-Keeper Jaroslav Drobny ganz böse an. Das war in meinen Augen ein schlimmes Foul, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) aber zog nichts, nicht mal mit den Achseln. In meinen Augen eine klare Gelbe Karte. Und wie Drobny einen solchen Anschlag „überlebt“ und wegsteckt, dafür habe ich keine Erklärung. Der Mann muss aus Eisen sein. Kurze Pflege, einmal schnell geschüttelt – und dann ging es weiter. Und drei Minuten später foulte Skjelbred gegen Tolgay Arslan, indem er „drüber“ hielt. Kein Gelb!

 

Dann wurde es sportlich. Ben-Hatira bediente seinen Stürmer Kalou, der plötzlich halblinks frei vor Drobny aufkreuzte, der HSV-Schlussmann aber kam blitzschnell aus dem Tor, verkürzte den Winkel und hielt per Fußabwehr (22.). Fast im Gegenzug die erste HSV-Möglichkeit. Rechtsflanke von Arslan (seine beste Szene!), am langen Pfosten legte Jansen per Kopf zurück zu Ostrzolek, doch der Linksverteidiger schoss aus 13 Metern hoch und weit über das Berliner Tor. Das Tempo blieb danach hoch in diesem Spiel, es ging hin und her – in dieser Art und Weise hätte der HSV vor Wochen sicherlich nicht dagegenhalten können. Nun kann er es, und er steht auch in der Defensive viel sicherer, weil alle im Team jetzt auch defensiv denken – und mitmachen. Hinten rechts übrigens machte der junge Ashton Götz sein erstes Bundesliga-Spiel von Beginn an, und das machte er meistens auch gut. Er konnte die Gegenspieler (oft Ben-Hatira) zwar nie hundertprozentig neutralisieren, aber er „mischte“ trotz allem prächtig mit. Der Junge, der die Rückennummer 39 trug, kann etwas! Auch wenn in der zweiten Halbzeit ein wenig die Kräfte schwanden . . .

 

Zum zweiten Durchgang kam Lewis Holtby für Arslan, und der HSV kam auch. Jansen bringt den Ball flach zur Mitte, Müller kommt nicht ran – im Rückraum wäre Rafael van der Vaart vollkommen frei und sicher die bessere Option gewesen (55.). Danach stempelte der frühere HSV-Spieler Ndjeng mit einem Weitschuss die Querlatte (58.), bevor es turbulent wurde. Die 59. Minute bringt jeden HSV-Fan an den Rande des Wahnsinns: Erst steht Jansen halblinks frei vor dem Hertha-Gehäuse, doch er zögert einen Tick zu lange – Keeper Kraft stürzt raus und hält den Ball. Im Gegenzug dann machen es die Berliner besser: Die gesamte HSV-Defensive unsortiert, fast alle „turnten“ vorne herum – und der Konter läuft. Ben-Hatira ist die letzte Station, er umkurvt den „zurückfliegenden“ Valon Behrami und schlenzt den Ball klug und überlegt ins lange Eck – unhaltbar für Drobny. Der Anfang vom Ende.

 

Die Vorentscheidung dann in der 65. Minute. Eckstoß von Ben-Hatira, Kopfballduell, am langen Pfosten lauerte der Herthaner Hosogai und lenkt die Kugel an das Torgestänge, auf der Linie steht Heitinga und vollendet. Ganz, ganz bitter! Joe Zinnbauer bringt noch vor dem Wiederanstoß Julian Green für van der Vaart – aber es nützt nichts mehr. Der HSV ist bemüht, aber ohne die rechte Durchschlagskraft. Auch der überraschende Wechsel in der 74. Minute brachte daran keine Änderung – Zinnbauer brachte Valmir Nafiu (!) für Lasogga, der in der zweiten Halbzeit kaum noch in Erscheinung getreten war. Ein bemerkenswerter Wechsel aber in jedem Fall, doch Nafiu hatte im Abschlusstraining noch zwei Tore zum 3:0-Sieg der Reservisten gegen den Stamm erzielt.

 

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Götz, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Arslan (46. Holtby), Behrami; Müller, van der Vaart (65. Green), Jansen; Lasogga (74. Nafiu).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny hielt wie immer gut, an den Toren aber gab es nichts zu halten.

 

Ashton Götz begann abgeklärt, ruhig und sicher, aber mit zunehmender Spieldauer ließ er ein wenig nach – aber an ihm lag es gewiss nicht, dass der HSV verlor. Das müssen sich schon die „älteren Herrschaften“ ankreiden lassen. Legte in der 85. Minute den Ball vor, der zum 3:0 für die Hertha führte.

 

Johan Djourou stand lange Zeit sicher, dann stürmte er, fehlte hinten – und der Schuss ging in den Ofen. Leider, leider. Ein wenig zu viel riskiert, statt auf die Null zu setzen.

 

Heiko Westermann räumte lange Zeit gut auf, Mitte der zweiten Halbzeit schien er ein wenig zu resignieren (gibt es das bei ihm überhaupt?), auf jeden Fall aber war er leicht angeschlagen. Auch er fehlte hinten beim 0:1 – da fehlten nicht nur alle, da fehlte vor allem die Abstimmung in der Defensive.

 

Matthias Ostrzolek verlangt mehr von sich, wie er nach dem Spiel gegen Hoffenheim zugab, diesmal könnte er sich wiederholen. Da muss mehr kommen, ganz klar. Berlin wird er nicht in guter Erinnerung behalten, das war irgendwie ein gebrauchter Tag, der ihm da angedreht worden war.

 

Tolgay Arslan fand nie so richtig ins und zu seinem Spiel. Spielte einige Mal unsauber, lief auch oft hinter dem Ball und dem Gegenspieler hinterher.

 

Valon Behrami rieb sich in unzähligen Duellen auf, dirigierte, wollte mitreißen – es blieb beim Versuch, weil er diesmal auf zu wenig Gegenliebe (Qualität im Team?) stieß.

 

Nicolai Müller tauchte einige Male auf, aber die meiste Zeit eben auch ab.

 

Rafael van der Vaart war sicher sehr bemüht, lief unheimlich viel, aber diesem Spiel konnte er keine Klasse verleihen, er muss erst wieder noch in Form kommen.

 

Marcell Jansen spielte solide mit, aber mehr auch nicht. Note vier.

 

Pierre-Michel Lasogga war auf Besuch bei seiner „alten Dame Hertha“ und sollte, so hatte es der HSV-Anhang erwartet und erhofft, den HSV zum Sieg schießen. Es blieb bei dem Schuss Hoffnung, obwohl Lasogga mindestens eine sehr gute erste Halbzeit hinlegte – aber ohne Abschluss. Zweite Halbzeit war er dann nicht mehr zu sehen. Ob ihn die Pfiffe der Hertha-Frösche zermürbten?

 

Lewis Holtby (ab 46. Min. für Arslan) kam zur Pause rein, war bemüht, auch aktiver als sein berühmter Nebenmann (van der Vaart), aber er konnte nichts mehr inszenieren, da viele neben ihm schon abgetaucht waren.

 
Julian Green (ab 65. Min. für van der Vaart) wollte noch, konnte aber nicht mehr, da kaum noch einer so richtig wollte – oder konnte.

 

Valmir Nafiu (ab 74. Min. für Lasogga) kam zu spät, als dass er noch etwas hätte bewirken können. Immerhin aber kam er einmal.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ aus dem Restaurant „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel) auf Sendung, wir sprechen dann natürlich über das Spiel in Berlin. „Scholle“ und ich haben wieder zwei Gäste bei uns, es sind diesmal Maximilian Beister und HSV-Talent Gideon Jung. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich einschalten würdet wie zuletzt.

 

PSPS: Am kommenden Freitag (31. Oktober) findet im HSV-Restaurant „Anno 1887“ (Leistungszentrum Ochsenzoll, Ulzburger Straße, Norderstedt) unser Matz-ab-Treffen statt, Beginn 19 Uhr. Mitzubringen wären an diesem Abend (vor dem Leverkusen-Spiel) gute oder auch beste Laune, denn es soll ein Treffen unter Freunden werden. Und keine Mitgliederversammlung!

 

17.30 Uhr

Jetzt spricht auch Kreuzer Tacheles!

15. Dezember 2013

Was macht eine Mannschaft, die vor dem Anpfiff weiß, dass sie nach dem Schlusspfiff schnell duschen muss, um in den Flieger nach Marokko zu kommen, wo nun die Club-Weltmeisterschaft gespielt wird? Sie lässt es geruhsam angehen, denn niemand möchte sich jetzt noch verletzen, um dann vielleicht nur zu Hause bleiben zu müssen. Und so hat der FC Bayern gegen den HSV gespielt. Möglichst nicht viel Nachspielzeit, ab unter die Dusche, mit nassen Haaren zum Flughafen – und ab. Dass in den Minuten zuvor der HSV quasi im Schongang mit 3:1 besiegt wurde, war nur ein Randaspekt. Beim Verlierer sah das schon ganz anders aus. Platz 13. Da zählt dann jedes Pünktchen. Und deswegen war der Ärger bei Trainer Bert van Marwijk auch nicht gerade klein. „Ich ärgere mich, ganz klar, denn hier war mehr drin“, sagte der Niederländer. Und ich weiß nicht, ob er die Situation da nicht ein wenig verkennt. Es sah so aus, als sei mehr drin gewesen für den HSV, aber sah das nicht vor allem deswegen so aus, weil die Bayern wie im Training spielten? Wenn das schiefgegangen wäre, dann wären mit Sicherheit Ribery und Alaba schnellstens eingewechselt worden. Ich denke, dass wenn der HSV aufgedreht hätte, so richtig aufgedreht hätte, um einen Punkt zu ergattern, dann hätten auch die Bayern aufgedreht. So aber spulten sie ihr Pensum so herunter, dass es zum Dreier langte – ohne einen Verletzten. Und auf nach Marokko.


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Bayern-Trainer Pep Guardiola gab dann auch nach dem 3:1-Sieg über den HSV zu: „Nach der Champions League-Niederlage gegen Manchester City haben die Spieler diese Periode mit der Club-WM in Marokko und dem Urlaub vielleicht schon im Kopf gehabt. Aber wir hatten noch diesen Klassiker gegen den HSV zu spielen. Es war heute schwierig. Es ist immer schwierig nach Champions-League-Spielen.“ Auch Bayerns Sportchef Matthias Sammer nörgelte (ein wenig?), indem er sagte: „Ich glaube, dass wir uns zum Abschluss des Jahres noch einmal steigern müssen, sowohl im Kopf als auch in den Füßen. Es kann doch nicht sein, dass wir das 1:2 bekommen und dann noch um den Sieg zittern müssen . . .“

Ja, so gab es schon das eine oder andere lange Gesicht auf Bayern-Seite. Sie hätten wohl doch ganz gerne mehr Tore für sich gesehen. Dadurch aber kam es zur kuriosen Situation, dass beide Seiten mit leicht gesenkten Köpfen umher rannten. „Hier war mehr für uns möglich, aber uns hat die letzte Überzeugung gefehlt. Ich bin deshalb unzufrieden und ärgere mich. Es ist ein anderer Ärger, als der nach dem 0:1 gegen Augsburg, aber es ist Ärger. Diesmal bin ich böse über das Ergebnis“, sagte Bert van Marwijk. Torchancen hatte der HSV genug, so gesehen wäre „rechnerisch“ allemal ein Unentschieden drin gewesen. Das wusste auch HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga, der auch gegen die Bayern traf – bereits sein neuntes Saisontor: „Die Münchner haben ihre Chancen eiskalt genutzt, wir leider nicht.“ Treffer!

Noch verärgerter als der Trainer schien aber der Sportchef zu sein. Oliver Kreuzer gab nach der Niederlage ähnlich viel Gas, wie sein Trainer am vergangenen Wochenende, als er in der Pressekonferenz Tacheles sprach. Kreuzer sagte: „Unsere Mannschaft muss lernen, Woche für Woche ans Limit zu gehen, das muss in die Köpfe der Spieler rein. Mit angezogener Handbremse zu spielen und ein bisschen dominant zu sein, das geht nicht. Dazu reicht unsere Qualität einfach nicht aus.“

Das stimmt zwar, aber angezogene Handbremse? Damit war an diesem Sonnabend doch nur der FC Bayern unterwegs. Ich habe beim HSV keine angezogene Handbremse gesehen, im Gegenteil, die Spieler sind endlich einmal so richtig zur Sache gegangen – wenn es darum ging, das Tor zu verteidigen. Kreuzer hatte damit auch nicht den Auftritt des HSV-Teams in München gemeint. Er kritisierte nur allgemein. Und fügte erklärend an: „Das Spiel gegen die Bayern war besser, als das Spiel gegen Augsburg letzte Woche.“ Natürlich. Schlechter ging es ja auch nicht mehr. „Spiele bei den Bayern sind nicht die, die wir gewinnen müssen, wir müssen unsere Heimspiele gewinnen, da müssen wir unsere Hausaufgaben machen. Da müssen wir über die Leidenschaft und das Engagement kommen, das machen uns Vereine wie Augsburg, Freiburg oder Braunschweig vor.“ Auch das stimmt. Er hätte aber auch noch Mainz 05 in diesen Kreis mit aufnehmen können, und dieser „Karnevals-Verein“ kommt nun am Sonnabend in den Volkspark. Da ist dann wieder eine Partie wie die gegen Augsburg zu erwarten . . .

Oliver Kreuzer forderte vielleicht auch genau deshalb rechtzeitig die HSV-Profis dazu auf, „an ihre Grenzen zu gehen“. „Denn“, so der Sportchef weiter, „wir dürfen nicht glauben, dass wir der große HSV sind.“ Auch das ist natürlich Tatsache. Und ich freue mich, dass das nun auch nicht nur von den Club-Verantwortlichen erkannt worden ist, sondern endlich auch einmal schonungslos ausgesprochen wird. Vom „großen HSV“ ist doch seit Jahr und Tag nichts mehr zu sehen. Auch deswegen war dieses „magere“ 1:3 gegen die Bayern wie eine Art Hoffnungsschimmer. Ich nenne es ja die „neue Bescheidenheit des HSV“, dass man in Hamburg schon froh ist, nicht schon wieder eine Klatsche eingefahren zu haben. So ändern sich die Zeiten. Aber diese guten alten Zeiten sind ja nun auch schon so runde 30 Jahre her, fast ein halbes Leben . . .

Und daran wird sich auch so schnell nichts mehr ändern. Wer als HSV-Anhänger davon träumt, dass es in der in einer Woche beginnenden Winterpause den einen oder anderen neuen Spieler geben könnte, der irrt gewaltig. Oliver Kreuzer jedenfalls stellte diesbezüglich schon mal die Ampel auf Rot: „Wir können im Prinzip nichts machen, das weiß auch der Trainer. Dementsprechend haben wir auch keine Wintertransfers geplant.“ Wobei es natürlich noch immer einige Spieler gibt, die dringend verkauft werden sollen – aber auch das ist ja nichts Neues, daran hat man sich in Hamburg schon lange, lange gewöhnt. Etwas abgeschwächter war zu diesem Thema die Aussage des Trainers. Bert van Marwijk bekannte, dass man „in der kommenden Woche über die Rückrunde reden“ wolle, doch der Coach macht sich wohl nicht allzu große Illusionen: „Ich weiß, dass in Hamburg finanziell nicht viel möglich ist.“ Naja, die einen sagen so, die anderen sagen so . . . Es gibt ja immer noch kluge Leute, die nichts von einem „klammen HSV“ wissen wollen. Immer noch gibt es sie. Obwohl – das kann doch eigentlich gar nicht sein. Wo doch noch die Ablösesummen von einst, die von Rafael van der Vaart, Nigel de Jong, Vincent Kompany . . . Nee, lassen wir das.

Zur Kreuzer-Schelte, das fällt mir just ein, passt geradezu herrlich, was der frühere HSV-Profi Markus Babbel heute im Doppelpass von „Sport1“ gesagt hat – über seinen früheren Verein: „Der HSV ist ein sagenhaft toller Verein mit unglaublichen Fans, aber sie schießen sich immer wieder selbst ins Knie. Wenn man das Gefühl hat, es läuft, kommt wieder irgendeiner und erzählt etwas, um sich in den Vordergrund zu spielen. Es gibt für mich kein Miteinander im Verein, sondern nur ein Gegeneinander. Wenn es gut läuft, will jeder derjenige sein, der dafür verantwortlich ist; und wenn es schlecht läuft, sucht man immer einen Schuldigen, der es aushalten muss – das ist eigentlich schade.“

Naja, auch daran haben wir uns doch schon lange gewöhnt, würde ich sagen.

Einer, der sich nicht so richtig dran gewöhnen will, ist offenbar Marcell Jansen. Der Nationalverteidiger gibt nicht nur im Spiel mächtig Gas, sondern auch danach – verbal. „Wir hatten gegen die Bayern dreimal so viele Tormöglichkeiten wie zuletzt gegen den FC Augsburg, da müssen wir uns hinterfragen, wieso das so ist. Wir müssen uns nach diesem 1:3 auch ankreiden, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht frecher waren.“ Jansen weiter: „Bei uns ist diese Art von Zufriedenheit das Schlimmste. Nun müssen wir gegen Mainz gewinnen, sonst geht es noch einmal ein, zwei Plätze weiter nach hinten, und dann ist nicht mehr viel . . .“ Genau. Dann kommen schon bald Freiburg, Nürnberg und Braunschweig . . .

Aber immerhin, und das wäre mein Fazit von München, hat der HSV gezeigt, dass er die Zeichen der Zeit verstanden hat. Bert van Marwijk hat erkannt, von Tag zu Tag mehr, woran es beim HSV hapert, und er hat einiges davon nun öffentlich angeprangert. Das lässt hoffen, und es hat gezeigt, dass auch die Spieler verstanden haben. Ich hoffe es jedenfalls. In München aber haben sie sich gewehrt, da haben sie endlich gebissen und sind zur Sache gegangen. So, wie sagte es Oliver Kreuzer, so wie Freiburg, Augsburg und Braunschweig. Genau das wollen sie hier in Hamburg sehen. Schlecht spielen, das hat einst so mancher Trainer von sich gegeben, schlecht spielen kann man immer einmal (oder auch zwei- und dreimal), aber man kann in jedem Fall immer kämpfen. Ist das der Fall, dann wird (einer so jungen Mannschaft) auch das eine oder andere schlechte Spiel verziehen. Mit ihrem Auftritt in München hat der HSV bewiesen (allen voran Pierre-Michel Lasogga, Tomas Rincon, Jacques Zoua), dass es geht, dass man durchaus in der Lage ist, Kampfgeist zu entwickeln. Daran werden die Spieler nun auch im Heimspiel gegen Mainz gemessen. Und nicht nur in diesem Spiel . . .

So, ich habe fertig (für den dritten Advent). Morgen, am Montag, ist kein Training angesetzt, am Dienstag geht es um 15 Uhr an der Arena weiter.

Zwei kleine Randnotizen möchte ich dennoch schnell loswerden.

Wir erinnern uns wohl alle, das klare Abseitstor von Hannover 96 gegen den 1. FC Nürnberg, der sonst wohl seinen ersten Saisonsieg eingefahren hätte. Nach dem Spiel sagte 96-Sportchef Dirk Dufner: „Es war irregulär, aber das ist mir jetzt egal.“
Natürlich. In Nürnberg sind sie immer noch erbost und entsetzt. Und beim nächsten Mal, wenn Hannover 96 benachteiligt wird, dann wird Dufner ganz sicher anders argumentieren, als zu sagen: „Es war irregulär, aber das ist mir jetzt egal.“
So ist Fußball, das ist der Fußball.

Und dann noch dies: Der Augsburger Andre Hahn schoss gegen Braunschweig zwei Tore und bringt es nun, als bester FCA-Schütze, auf insgesamt sechs Saisontreffer. Ich schreibe es nur, weil wir nicht immer nur an Heung Min Son (der zurzeit mit Leverkusen spielt) denken sollten, oder an Erik-Maxim Choupo-Moting oder Änis Ben-Hatira. Hahn ist 23 Jahre jung und versuchte sich einst auch beim HSV. Er kam im Sommer 2010 vom FC Bremerhaven, spielte bei der „Zweiten“ und ging nach einem halben Jahr zum FC Oberneuland. Durchgefallen? Durchgefallen! Und nun schießt er in Liga eins seine Tore. Für die Augsburger, die immer besser werden. Mit ihrer No-name-Truppe.

Wer jetzt genug hat, sollte bitte abschalten, jetzt kommt etwas “Ein-” oder “Hausgemachtes”.
Ich habe noch einen Leserbrief, den ich gerne an die Leserschaft weitergeben möchte. Der Absender dieser Zeilen ist bekannt, ich möchte ihn dennoch vor etwaigen Anfeindungen schützen und verschweige den Namen vorsichtshalber. Die Zeilen aber sind lesenswert und regen (vielleicht) zum Nachdenken an:

Hallo,

als erstes möchte ich mich beim Hamburger Abendblatt und insbesondere bei den Verantwortlichen für den HSV-Blog bedanken!!!! Falls machbar leiten Sie bitte diese Zeilen an sie weiter. Was ich am Blog aber unsäglich finde, sind ein Großteil der Kommentare. Aber das lässt sich in der heutigen Zeit leider nicht vermeiden, es ist wahrscheinlich zu einfach (oder feige) anonym irgendwelchen Mist von sich zu geben. Bitte nehmen Sie diesen Mist nicht so persönlich, auch wenn sich das leicht sagen lässt, immerhin sind das ihre direkten „Kunden“ und das einfach nicht zu beachten, geht auch nicht. Ich gehe diesen Weg über eine Mail, da ich kein Interesse daran habe, mich an diesen social media Diensten – und dazu gehört auch der Blog – zu beteiligen. Ich lese den Blog seit über 2 Jahren jeden Abend, natürlich und erst recht auch im Urlaub.

Ich finde es absolut richtig, dass Sie in der „Strukturdiskussion“ alle Beteiligte zu Wort kommen lassen, nur so lässt sich ein umfassendes Urteil bilden. Denn die Struktur ist die absolut entscheidende Frage für die Zukunft des HSV. Was in der Diskussion übersehen wird, ist die Tatsache, dass erfolgreich handelnde Personen – für den Aufsichtsrat und davon abhängig auch für das Präsidium – nur bei professionellen Strukturen gefunden werden können. Bei den aktuellen Rahmenbedingungen – und dazu zählt insbesondere die aktuelle Wahl der Aufsichtsratsmitglieder durch die Mitgliederversammlung – treten doch erfolgreiche Personen gar nicht mehr an. Es zählt doch nicht mehr die soziale, wirtschaftliche oder sportliche Kompetenz, sondern nur noch die vermeintliche Fannähe und das möglichst seit der Kindheit. Keine bedeutende Persönlichkeit tut sich eine solche Mitgliederversammlung an! Die meisten Mitglieder des Aufsichtsrat haben noch nicht einmal eine der eben genannten Kompetenzen. Wenn man die Bayern mit dem HSV vergleichen will, reicht doch nur ein Vergleich des Aufsichtsratsvorsitzenden (obwohl der aus Bayern einen ganz großen Fehler gemacht hat). Hr. Ertei versteht noch nicht einmal, dass er nicht mehr als einfaches Mitglied agieren kann, das ist nur noch peinlich und sagt alles. Das ein Unternehmen vom Kopf anfängt zu stinken, ist auch nichts Neues und hat deshalb Einfluss auf den Gesamtverein, insbesondere auf das Präsidium (obwohl Hr. Kreuzer einen guten Job macht).

Das Ganze ist nur entstanden durch die machtbewussten Supporters, die sich maßlos überschätzen und deren persönlichen Interessen eindeutigen Vorrang gegenüber dem Wohl des HSV haben. Solange die nicht gebrochen wird (und dafür ist die Quote sehr hoch), wird der HSV auch in den nächsten 30 Jahren noch erfolglos bleiben.

Ich selbst habe Gott sei Dank die erfolgreiche Zeit des HSV in den 70- und 80-iger Jahren erlebt und hatte bis vor 2,5 Jahren eine Dauerkarte und war auch HSV-Mitglied. Als aber die Supporters Hr. Hoffmann gestürzt haben, war für mich Schluss und ich bin bei den Supporters ausgetreten. Nicht dass ich ein überzeugter Anhänger von Hr. Hoffmann bin, aber er hat schon eine ganze Menge richtig gemacht. Der HSV hat es nur zugelassen, über einen langen Zeitraum ohne sportliche Kompetenz zu agieren und das rächt sich noch immer. Schneller konnte man das Geld nicht verbrennen.

Nochmals vielen Dank für Ihre Arbeit, weiter so und bitte sich nicht so viele Dinge sich zu Herzen nehmen. Wobei man als Außenstehender das sehr leicht sagen kann. Mir war es mit der Mail nur wichtig einmal darauf hinzuweisen, dass die vermeintlich völlig unterschiedlichen Themen Struktur und personelle Kompetenz sehr wohl zusammenhängen und sich dies – wie von den Supporters behauptet wird – nicht trennen lässt.

Mit freundlichen Grüßen, M.

Dazu gab es wieder etliche Mails, die ich als „Irrläufer“ bezeichne, denn sie landen in jenem „Postfach“, das einst eingerichtet wurde, um das „Matz-ab“-Gewinnspiel abzuwickeln. Ich wiederholen diese Bitte immer und immer wieder: Bitte schreibt Eure Mails nicht an dieses (eigentlich) stillgelegte Postfach, sondern entweder ans Abendblatt (es wird mir weitergeleitet!) oder an die Moderatoren von „Matz ab“. Es ist in Eurem Interesse, denn sonst verkümmern viel vielleicht sehr gut gemeinte Mails im „dunklen Keller“, wo sie niemand ansieht und auch niemand findet.

17.32 Uhr

Fink ist glücklich – das verlorene Talent auch…

22. Oktober 2013

Oha, was habe ich da wieder Partei ergriffen. Ohne es zu merken auch noch. Mit der Behauptung, dass Sportchef Oliver Kreuzer Glücksgriffe gelungen sind, habe ich eine Opposition gegen mich aufgebracht. Daher möchte ich mich hier entschuldigen. Denn die von mir gemeinten Verpflichtungen von Pierre Michel Lasogga und dem neuen Trainer Bert van Marwijk sind natürlich keine Glücksgriffe – sondern Sofortverstärkungen. Und von Arnesen. Zumindest eingeleitet. Immerhin haben die bestimmt irgendwann mal miteinander telefoniert. Vor ein paar Jahren – was letztlich und logischerweise in der aktuellen Verpflichtung für den HSV münden MUSSTE.

Was für ein Quatsch. Was für eine unsinnige Diskussion…

Deshalb kürze ich selbige hier ab und starte einen neuen Versuch, den heutigen Blog zu starten, denn:

20 Grad, viel Sonnenschein – heute ist ein schöner Tag! Für die HSV-Profis zumindest, die heute allesamt frei haben. Mit ihnen selbstredend auch die jungen Talente, um die sich mein gestriger Blog größtenteils drehte. Und ich bleibe auch dabei, dass dieser HSV mit Tah, Calhanoglu, Arslan, Beister und Lasogga fünf richtig gute junge Leute hat, auf die man aufbauen sollte. Wer auch immer sie verpflichtet oder deren Verträge verlängert hat, der HSV hat diese Spieler unter Vertrag und entsprechend auch mal wieder eine echte Perspektive. Mit etwas Glück und Ruhe kann der HSV endlich seinen schlechten Ruf in Sachen Nachwuchsarbeit wieder etwas aufpolieren. Auch der höchst bedauerliche Abgang von Lewin Öztunali kann in Teilen positiv gewertet werden – immerhin wurde er beim HSV ausgebildet. Nur nicht gehalten. Ebenso wie einer, der mir in fast allen Auflistungen bei ehemaligen HSV-Internatsspielern fehlte: Shkodran Mustafi. „Ich habe mich schon daran gewöhnt, in den Auflistungen nicht mehr aufzutauchen“, sagt Shkodran, „und das ist auch nicht schlimm.“

Warum auch? Immerhin hat der defensive Mittelfeldspieler seinen Weg gemacht, spielt aktuell nicht nur in der U21-Nationalmannschaft unter Horst Hrubesch sondern auch in der Serie A bei Sampdoria Genua. Allen, die den jungen Mann nicht kennen, möchte ich ihn kurz vorstellen: Der Sohn albanischer Eltern wuchs in Bebra auf, spielte dort für den 1. FV Bebra und den SV Rotenburg. „Damals war ich noch Stürmer. Bis ich zum HSV kam. Dort wurde ich zum Defensivspieler umfunktioniert.“ Das wiederum war 2006. Bei einem Hallenturnier mit Rotenburg waren gleich mehrere Bundesligisten an ihm interessiert – und der HSV machte das Rennen. „Der Sportchef Dietmar Beiersdorfer und seine Scouts haben sich damals sehr bemüht“, erinnert sich Shkodran. So sehr, dass der damals gerade erst 14-Jährige allein aus Rotenburg nach Hamburg ins Internat zog. „Ich war immer sehr selbstständig, wurde dort aber gut betreut. Die Schule hat nicht mehr gelitten, als sie musste“, so Mustafi mit einem herzhaften Lachen. Dennoch reichte es beim HSV zwar zu allen U-Nationalmannschaften, nicht aber zum Sprung ins Profiteam, obgleich er unter Martin Jol ein paar Profi-Einheiten mittrainieren durfte.
Zur Saison 2009/10 wurde er vom FC Everton für drei Jahre verpflichtet, nachdem auch Newcastle United, Manchester City und Borussia Dortmund Interesse gezeigt. Wieder von den Eltern getrennt in Everton gab er am 17. Dezember 2009 als 17-Jähriger (!) sein Pflichtspieldebüt in der Profimannschaft, als er im letzten Gruppenspiel der Euro-League beim 0:1 gegen BATE Baryssau in der 75. Minute eingewechselt wurde. Everton war zu diesem Zeitpunkt bereits für die nächste Runde qualifiziert, und Trainer David Moyes hatte für das Spiel insgesamt acht Nachwuchsspieler der Jahrgänge 1990 bis 1993 in den Profikader berufen. Anfang 2012 wechselte Mustafi ablösefrei zum damaligen italienischen Serie B-Klub Sampdoria Genua, da er sich in England nicht durchsetzen konnte. Am letzten Spieltag der Saison 2011/12 kam Mustafi zu seinem ersten Einsatz für Genua, als er im Auswärtsspiel gegen AS Varese 1910 (1:3) in der Startelf stand. Zum Saisonende stieg er mit Sampdoria in die Serie A auf.

Klingt ehrlich gesagt nicht nach einem, der den Durchbruch hinter sich hat?

Stimmt auch. Allerdings ist Mustafi gerade fleißig dabei, sich zum Stammspieler in Genua zu entwickeln. „Es läuft für mich richtig gut“, so der 21-Jährige, der vor Genua Angebote aus Braunschweig, Nürnberg und von Hertha BSC hatte. Warum es beim HSV seinerzeit nicht geklappt hat? „Wir sind uns schlichtweg nicht einig geworden. Jens Todt war damals unter Sportchef Dietmar Beiersdorfer Nachwuchschef, Cardoso Trainer der U23. Und die haben mir gesagt, dass alle Spieler, die bleiben sollen, den gleichen Vertrag unterschreiben müssen. Und das wollte ich nicht. Aber meine Wünsche konnte der HSV nicht berücksichtigen, wie mir mitgeteilt worden war.“ Was er sich gewünscht hätte? „Es ging um vieles, auch um Perspektive. Vor allem ging es mir um Vertrauen, um Verhandlungsführung. Und das kam nicht rüber. Leider. Obwohl ich letztlich sagen muss, dass es das gute Recht des HSV war, mich nicht zu verlängern.“

Böse ist Mustafi in Hamburg niemandem, im Gegenteil. Aber er trauert der Zeit etwas nach. „Der HSV hatte immer eine ganze Reihe toller Nachwuchsspieler, die leider zu leicht den Verein verlassen haben. Wenn ich dann immer diese Diskussionen höre, der HSV hätte nie jemanden nach oben gebracht, finde ich das schade. Denn es sind ja viele Talente – Sam, Ben-Hatira, Arslan, Beister, Choupo-Moting und auch Torun – in der Bundesliga gelandet und spielen einen guten Ball. Ich glaube, dass allesamt dem HSV gut hätten helfen können.“ Er auch? „Das weiß ich nicht. Ich will ja nicht vermessen sein, das müssen andere beurteilen. Aber ich freue mich, dass der HSV mit Jonathan Tah einem so jungen Spieler das Vertrauen schenkt. Denn das bekommt der Verein doppelt und dreifach zurück. Von Tah – und weil es gut für den Ruf der Nachwuchsabteilung ist…“

Stimmt. Punkt. An einem Beispiel schnell erzählt, warum der HSV nicht den Ruf genießt, für große Talente das Sprungbrett zu sein. „Das kann sich doch schnell ändern, wenn der HSV so weitermacht“, sagt – Thorsten Fink. Den ehemaligen HSV-Trainer habe ich heute in München erreicht, wo er sich vermehrt um den Bau seines neuen Hauses und vor allem um die Familie kümmert. „Als Trainer ist man privilegiert, sein Hobby zum Beruf zu machen“, so Fink, „aber die Familie muss leiden. Aber jeder Trainer wird einmal entlassen und sollte diese Zeit dann zwingend für die Familie nutzen. Ich mache das auf jeden Fall.“

Fink klingt gut. Er hat das Aus beim HSV verkraftet. „Ich war zwar noch voller Elan, aber es war halt so. Ich habe meine Ziele beim HSV erreicht und einen tollen Klub trainiert. Diese Mannschaft ist mir ans Herz gewachsen. Das sage ich gern und laut. Alles andere diskutiere ich gar nicht.“

Fink ist tatsächlich nicht sauer. Er hat auch verkraftet, von vereinzelten Führungsspielern nicht mehr die Rückendeckung erfahren zu haben, die er in der schwierigen Endphase beim HSV benötigte. „Es hat am Ende mit dem einen oder anderen nicht mehr so gepasst – das ist manchmal so in großen Gruppen. Trotzdem freue ich mich, diese Mannschaft spielen zu sehen. Wie Arslan aufspielt, wie sich Tah entwickelt – das ist toll. Und bei beiden war ich mir sicher, dass sie es schaffen. Deshalb habe ich Tah ja hochgeholt und Tolgay immer wieder eingesetzt.“

Fink sieht in der aktuellen Entwicklung des HSV viel eigene Arbeit stecken – ohne dem neuen Trainer etwas absprechen zu wollen. „Warum auch? Bert van Marwijk ist ein guter Trainer. Er hat die Probleme erkannt und arbeitet daran. Wenn er die Abwehrarbeit stabilisieren kann, kann das richtig gut werden. Ich wünsche es dem Verein auf jeden Fall.“

Klingt doch versöhnlich. Fink verschließt sich jeglichem Nachtreten. Es wäre halt nicht seine Art. Und genau so möchte ich den heutigen Blog schließen. Friedlich.

Bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Kreuzer: „Unser Nachwuchs ist nicht so schlecht wie sein Image!“

13. Oktober 2013

Ein freies Wochenende für die Profis, diesmal zwei ganz legale und unumstrittene freie Tage – Erholung pur beim HSV, auch wenn neun Nationalspieler mit ihren Teams rund um den Erdball unterwegs sind. Richtig viele von ihnen haben am Freitag ja nicht gespielt. Nur Rafael van der Vaart (8:1 gegen Ungarn) für die Niederlande und Marcell Jansen standen 90 Minuten auf dem Rasen. Dazu kamen sechs Minuten für Petr Jiracek beim 4:1 der Tschechen auf Malta. Alle anderen, Westermann, Adler, Drobny, Djourou (mit der Schweiz für die WM qualifiziert) und Calhanoglu saßen draußen. Jacques Zoua spielt erst heute Abend mit Kamerun gegen Tunesien. Aber auch in Ordnung: so können sich nicht viele verletzen und geht am Dienstag bei der nächsten WM-Quali-Runde alles gut, kann Bert van Marwijk mit voller Mannschaft aufs Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart am kommenden Wochenende gucken.

Ich hatte mich eigentlich gefreut auf die U 23 des HSV und das Spiel gegen Oldenburg, das dann ja wegen des kurzen aber heftigen Regens ausgefallen ist (dadurch ist das Team auf einen Abstiegsplatz zurück gefallen). Schon vorher hatte ich mich telefonisch mit Oliver Kreuzer verabredet, um mit ihm einmal einen Bereich zu durchleuchten, für den er bislang noch keine Zeit hatte, seit er beim HSV unter Vertrag ist: den Nachwuchs.

„Ich habe wirklich noch keine Gelegenheit gefunden, mir ein Spiel der U 19 oder U 17 anzugucken“, sagte Kreuzer. „Es war einfach zu viel los in den ersten Monaten. Die Transferphase, dann der Trainerwechsel. Aber jetzt hoffe ich, mich mehr in diesen Bereich einzuarbeiten.“ Generell hat Oliver Kreuzer ganz klare Vorstellungen, wie er die Talentschmiede des Vereins gestalten möchte. Und auch seine Einschätzungen zum Status quo sind sehr interessant. „Der HSV-Nachwuchsbereich hat ein schlechtes Image. Das habe ich schon mitbekommen“, so Kreuzer. „Aber in den vergangenen Jahren wurde hier längst nicht so schlecht gearbeitet, wie es immer heißt. Es sind viele Spieler aus dem Nachwuchs des HSV hervor gegangen, die den Weg in den Profifußball gefunden haben. Wenn dies nicht in Hamburg geklappt hat, liegt es nicht an den Verantwortlichen beim Nachwuchs, sondern an den Verantwortlichen für den Profibereich. Die jungen Spieler, die gegangen sind, sind nicht aus Unzufriedenheit mit dem Nachwuchsbereich des HSV gegangen.“

Klare Ansage von Kreuzer, die den Fakten zunächst standhält. Beim Durchforsten der Bundesliga und der Zweiten Liga bin ich auf Anhieb auf 17 Spieler gestoßen, die einmal in Ochsenzoll die Raute getragen haben. Sidney Sam, Heung Min Son, Levin Öztunali (alle Bayer Leverkusen), Eric-Maxim Choupo-Moting, Dani Schahin (beide Mainz 05), Tunay Torun (VfB Stuttgart), Änis Ben-Hatira (Hertha BSC), Alexander Meier (Eintracht Frankfurt), Raphael Wolf (Werder Bremen), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Wofgang Hesl, Tom Mickel (beide SpVgg Greuther Fürth), Rouwen Hennings (Karlsruher SC). Dazu kommen die vier beim HSV, also Tolgay Arslan, Maximilian Beister, Zhi Gin Lam und Jonathan Tah. Darüber hinaus gibt es einige, die in der U 23 des HSV waren, als sie irgendwo anders dem Jugendbereich entstiegen sind. Karim Guede (SC Freiburg), Deniz Dogan (Braunschweig), Rene Klingbeil (Erzgebirge Aue) oder Charles Takyi (Energie Cottbus) gehören dazu. Im Einzelfall kann man sich unterhalten, wie groß der Einfluss der HSV-Coaches auf die Entwicklung dieses oder jenes Spieler war, ob nicht zum Beispiel ein Arslan sein Rüstzeug viel eher in Dortmund erhalten hat – am Ende bleibt doch aber eine beachtliche Liste.

„Es ist einfach, die HSV-Nachwuchsarbeit pauschal in einen Topf zu schmeißen und abzuqualifizieren. Einer sagt, hier herrscht Chaos, der nächste transportiert es weiter – so entsteht auch ein Bild, und zwar ein zu negatives“, meint Kreuzer. Man könnte auch sagen, dass aus dem Vereins-Nachwuchs angesichts ziemlich chaotischer Rahmenbedingungen noch eine überraschend hohe Anzahl von Spielern nach oben gekommen ist. Mit Stefan Böger, Stephan Hildebrandt, Jens Todt, Paul Meier, Bastian Reinhardt und zuletzt Michael Schröder waren eine Unzahl Nachwuchsleiter am Ruder, das ist das Kernproblem. „Hier muss Kontinuität rein“, weiß Oliver Kreuzer. „Jeder Chef setzt andere Prioritäten und hat unterschiedliche Ideen.“ Aktuell sieht er das Duo Schröder und Dieter Gudel jedenfalls auf einem guten Weg.

Beim Blick auf die jüngere Vergangenheit, die unter Sportchef Frank Arnesen, fällt Kreuzer ein zwar vorsichtiges, aber doch deutlich negatives Urteil, ohne nachkarten zu wollen. „Ich stecke da nicht zu einhundert Prozent im Detail, war ja auch nicht dabei in der letzten Saison. Aber es scheint mir zu viel Unruhe gewesen zu sein, weil viele Trainer mit ihren Verträgen lange in der Schwebe hingen. Das geht natürlich nicht.“ Ganz konkret ärgert sich Oliver Kreuzer, dass Levin Öztunali nicht in Hamburg gehalten wurde. „Ich glaube nicht, dass dem HSV viele Topspieler aus den eigenen Reihen durch die Lappen gegangen sind. Nach dem, was ich gehört habe, bildet Öztunali da eine Ausnahme. Ihn hätte man wohl halten können und auch müssen.“ Im Streit, auch mit dessen Großvater Uwe Seeler, ist Öztunali bekanntlich zu Bayer Leverkusen gegangen und hat dort im Alter von 17 Jahren auch schon einige Bundesliga-Einsätze hinter sich. Kreuzer: „Keine Ahnung, wer da genau welche Rolle gespielt hat. Aber wenn man verschiedene Leute nicht verärgert hätte, wäre es machbar gewesen, Öztunali zu halten.“

Das ist dem HSV und Frank Arnesen bei Jonathan Tah gelungen. „Er ist natürlich ein Glücksgriff“, freut sich Kreuzer. „Ein guter Junge, der zeigt, dass in unserer Nachwuchsarbeit auch eine Menge richtig läuft.“ Ohnehin, so der Sportchef, zeigten auch aktuelle Ergebnisse, dass einem für die Zukunft nicht bange sein müsse. „Unsere U 18, U 17 und U16 stehen in ihren Ligen top da. In der U 17 haben wir zum Beispiel sechs Nationalspieler. Aber darüber berichtet natürlich keiner…“ Stattdessen stehen die älteren Jahrgänge im Vordergrund. Die U 19 von Otto Addo und auch die U 23 von Rodolfo Cardoso krebsen am Tabellenende herum. „Im Mittelpunkt steht der Ausbildungsaspekt“, hält Kreuzer dagegen. „Es kann immer mal wieder Jahrgänge geben, in denen es nicht so gut aussieht. Außerdem sind in unserer U 19 viele jüngere Spieler, das erschwert gute Ergebnisse.“

Was die Zukunft von Rodolfo Cardoso angeht, sieht Kreuzer die Zeit der Entscheidung noch nicht gekommen. Im Moment ackert der Argentinier in Köln an seiner Fußball-Lehrer-Lizenz (bzw. gerade in Hamburg im Praktikum unter Bert van Marwijk), danach werde man weitersehen, so Oliver Kreuzer.

Auf dem ersten Treffen mit allen HSV-Scouts vor einigen Wochen hat Kreuzer seine Philosophie dargestellt. „Ich habe gesagt, dass wir versuchen müssen, die Jungs in den ‚goldenen Jahren’ zu uns zu bekommen. Also Spieler zwischen 12 und 14, ab diesem Alter können wir sie hervorragend ausbilden.“ Im Vordergrund, auch das hat Kreuzer den Scouts mitgeteilt, steht dabei der Hamburger und der norddeutsche Raum. „Es muss unser Anspruch sein, hier führend tätig zu werden.“ Außerdem sollen HSV-Trainingslager in Süddeutschland durchgeführt werden, um sich auch dort zu positionieren.

Eine zentrale Rolle soll in Zukunft der HSV Campus spielen. Das neue Nachwuchszentrum neben dem Stadion im Volkspark soll 2015 in Betrieb gehen. „Dann entsteht eine viel größere Nähe zwischen Profis und Nachwuchs. Der Sportchef oder auch der Trainer können viel einfacher mal bei der Jugend zugucken, die Wege sind kürzer. Davon verspreche ich mir sehr viel“, sagt Oliver Kreuzer. Kommen die Baugenehmigungen demnächst, dann soll im Februar 2014 der Spatenstich für dieses Projekt erfolgen.

Soweit also Oliver Kreuzer, dessen Aussagen durchaus als Gegenpunkt zu Thomas von Heesen verstanden werden können, den ich hier vorgestern zitiert habe. Ich bin gespannt, wie Ihr Kreuzers Einschätzungen und Vorstellungen beurteilt. Vieles ist noch Theorie, klar, kann es zu diesem Zeitpunkt aber auch nur sein. Da kann man ihm nur viel Glück bei der Umsetzung wünschen.

Vorgestern hat die HSV-Führung auf der eigenen Homepage eine Erklärung abgegeben. Vielleicht haben einige von Euch das schon gelesen – falls nicht, hier ist sie:

Gemeinsame Erklärung zur Strukturdebatte

Aufsichtsrat und Vorstand des HSV erklären gemeinsam, dass sie in ihrer Eigenschaft als Organe des Vereins keinerlei Stellungnahmen zu derzeit diskutierten Modellen für eine Strukturänderung des HSV abgeben werden. Beide Gremien sind sich einig darüber, dass die Entscheidung hierüber ausschließlich beim obersten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, liegt.
Der Vorstand wird sich im Rahmen seiner operativen Verantwortung grundsätzlich intern mit fachlichen Fragen aller angedachten Modelle zur Strukturänderung beschäftigen, um so bestmöglich auf Fragen der Mitglieder auf der Mitgliederversammlung im kommenden Januar vorbereitet zu sein.

Sollte in der Vergangenheit durch persönliche Äußerungen einzelner Vorstandsmitglieder der Eindruck entstanden sein, der Vorstand habe sich bereits für oder gegen ein Modell oder eine Struktur ausgesprochen, so ist dies falsch.

Als ich diese Sätze gelesen habe, habe ich mich doch stark gewundert. Manfred Ertel, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, hat lange Interviews zu diesem Thema gegeben. Sein Kollege Jürgen Hunke hat vor zehn Tagen ein eigenes, neues Strukturmodell zum Besten gegeben. Und auch Carl Jarchow, der Vereins-Boss, hat klar Stellung bezogen. Alle anderen dürfen das jetzt nicht mehr? Oder bedeutet der Einschub am Anfang („… in ihrer Eigenschaft als Organe…“), dass sich doch alle äußern dürfen, aber nur mit einer Privat-Meinung, nicht aber stellvertretend für Aufsichtsrat oder Vorstand? Hat irgendwer je bestritten, dass am Ende die Mitglieder entscheiden werden?

Ich denke, dass viele der Amtsinhaber durch ihre ganz spezielle Kenntnis und Sichtweise des Vereins die Debatte über eine mögliche Reform beleben könnten. Es geht doch bitteschön nicht um einzelne Personen, sondern um eine grundsätzliche Ausrichtung des Vereins. Da müssen die Experten von innen doch nicht zwingend den Experten von außen das Feld überlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ausreicht, alles erst am 19. Januar 2014 auf der Mitgliederversammlung zu besprechen. Dafür ist das Thema, sind die Modelle, doch zu vielschichtig. Und überhaupt: was soll das, das eigene Schweigen anzukündigen? Keiner wird gezwungen, sich zu äußern – das war bislang nicht so und wäre bis zum Januar nicht anders. Wie auch immer, bis dato – entschuldigung, dieser Seitenhieb muss sein – sind noch alle Ankündigungen des Aufsichtsrates, dass Ruhe einkehre und nicht mehr vielstimmig nach außen kommuniziert werde, gescheitert.

Morgen kommt wieder Leben auf den Trainingsplatz neben dem Stadion. Um 15 Uhr geht’s los, wahrscheinlich wieder mit Kerem Demirbay, der seinen Muskelfaserriss überstanden hat. Scholle ist auch dabei. Dann beginnt die Stuttgart-Woche. Zur sportlichen Situation des HSV nach dem 5:0 in Nürnberg hat sich Uwe Seeler auf der Frankfurter Buchmesse geäußert: „Siege geben ja Selbstvertrauen. Nur: Man darf das nicht überbewerten, man muss es so nehmen wie es ist und jetzt nachlegen gegen Stuttgart. Ich hoffe sehnlichst, dass da jetzt wieder ein bisschen mehr Ruhe einkehrt und der neue Trainer Bert van Marwijk den Verein wieder ins ruhige Wasser bringt. Der neue Trainer hat eine klare Vorstellung, die er durchsetzen muss. Er hat ja viel Erfahrung.“ Ein besonderes Lob von Uns Uwe erhielt Hattrick-Schütze Pierre Michel Lasogga. „Der ist ein Bombentyp“, sagte Seeler.

Einen schönen Restsonntag wünscht
Lars

Hrubesch und Jahn: In der HSV-Nachwuchsarbeit fehlt es an Ehrlichkeit und Kompetenz

22. März 2013

Nichts. Kein Spieler, kein Funktionär, kein Training – beim HSV passiert aktuell nichts. 15 Akteure schnüren ihre Fußballschuhe für ihr jeweiliges Land – der Rest macht frei. Michael Schröder nicht. Der muss arbeiten. Und das nicht zu knapp. Der neue Nachwuchsleiter tritt ein hartes Erbe an. Und dafür bedarf es eigentlich Tage, die 25 Stunden haben. Und er braucht Hilfe von außen, von Leuten, die in diesem Bereich lange arbeiten und die Hamburg kennen. So einer wäre Horst Hrubesch. Das HSV-Idol der Achtzigerjahre war am Montag zu Gast in Hamburg. Einige Blogger waren beim Oddset-Talk mit dem Hamburger Fußballverband und Dieter Matz auch dabei. Und die meisten haben sich immer wieder gefragt: Warum hat er HSV nie versucht, Horst Hrubesch zum HSV zu lotsen? Zumindest habe ich mir und den HSV-Verantwortlichen genau diese Frage schon des Öfteren gestellt.

Immerhin verfügt Hrubesch, der von 1978 bis 1983 beim HSV spielte und Torschützenkönig („Banane Manni – ich Kopf – Tor“) der Saison 1981/1982 wurde, arbeitet mit einer Unterbrechung seit 1998 für den Juniorenbereich des DFB. Die kurze Ära als Co-Trainer von Erich Ribbeck bei der EM 2000 lasse ich mal unerwähnt… Egal wie, auf jeden Fall aber ist Hrubesch seit nunmehr fast 15 Jahren als Angestellter des DFB für den bundesdeutschen Nachwuchs zuständig. Hrubesch war dabei, als der DFB zusammen mit der DFL 2000 das neue Jugendkonzept (Verpflichtung der Bundesligisten zur Errichtung von Leistungszentren sowie Gründung der bundesweiten DFB-Stützpunkte) verabschiedete. Und er ist beim HSV noch immer sehr nah. Obgleich es ihm nicht leicht gemacht wird.

Was im ersten Moment parteiisch aufgeschrieben wirkt, ist tatsächlich meine Überzeugung. Und die habe ich in nunmehr dutzenden Gesprächen mit den verschiedenen Verantwortlichen, von dem viel zu früh verstorbenen Werner Hackmann, Holger Hieronymus, über Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer bis zum heutigen Klubboss Carl Jarchow samt Frank Arnesen gewonnen. Alle wie sie da waren und noch immer sind, haben die Sinnhaftigkeit erkannt, mit ehemaligen Größen den Nachwuchsbereich qualitativ anzuheben. Nur erkennbar gemacht hat bislang keiner was. Oder besser: es wurde zu wenig gemacht. Horst Hrubesch beispielsweise wurde nur einmal um Rat gebeten. „Dietmar Beiersdorfer hat mich mal gefragt, ob ich dem HSV helfen würde. Ich habe natürlich ja gesagt und wir haben gesprochen.“ Allerdings genau einmal. Ansonsten gab es nur losen Kontakt. Ausgenommen diesen einen Anruf von Hoffmann vor den Halbfinals in der Europa League, über den Hrubesch heute lieber nicht mehr sprechen will…

Nein, als Übergangslösung ist Hrubesch nicht zu haben. Im Gegenteil. Das einstige Kopfballungeheuer setzt auf Konstanz, hofft genau darauf auch bei seinem HSV. „Es ist nicht wichtig, ob ich da bin oder jemand anders“, sagt Hrubesch, „es zählt nur, dass der Verein eine einheitliche Philosophie vertritt. So, wie es am Anfang der Saison 2011/2012 wirkte. Von Oenning bis hin zu Fink setzte der Verein auf junge Trainer und junge Spieler.“ Ein Umstand, der ebenso aus der Not heraus geboren war, wie er Hrubesch gefiel. „Es wirkte einheitlich und klar. Aber diesen Weg muss man klarer gehen, der muss deutlicher erkennbar werden.“ Rafael van der Vaart, Milan Badelj und Petr Jiracek passten da nicht sofort ins Bild, das sich weiter verziehen könnte. Hrubesch: „Jetzt muss der HSV zu Bayern und hat danach auch noch einige unangenehme Aufgaben vor sich. Welchen Weg geht der HSV, wenn er sich nicht international qualifiziert?“

Horst Hrubesch macht sich Sorgen. Das bundesweit kolportierte Bild vom HSV („Ich beurteile das natürlich nur als Außenstehender“) gefällt ihm nicht. Gerade das Thema Nachwuchsarbeit, sein Steckenpferd, bereitet ihm Kopfzerbrechen. „Ich frage mich oft: Was passt da überhaupt?“ Insbesondere der Fall Levin Öztunali habe ihn wieder aus allen Wolken gerissen. „Dass der Junge ein richtig Guter ist, war lange vorher bekannt. Trotzdem hat sich der HSV erst spät bemüht. Dass der Spieler dann aber, wo sein Vertrag am Saisonende ausläuft, für einen anderen Club entscheidet, halte ich für völlig legitim. Nicht aber, ihn fortan vom Spielbetrieb auszuschließen. Da verstehe ich Uwe, dass er sauer wird. Mit dieser Art habe ich auch ein Problem. Welches Elternteil vertraut diesem Verein – bei der heutzutage so großen Konkurrenz – denn seinen Jungen an, wenn so etwas passiert? Da herrscht einfach kein Vertrauen. Da fehlt mir Ehrlichkeit.“

Die Vertrauensbasis zerstört ist auch zwischen dem HSV und dem Hamburger Fußballverband. Vor knapp zwei Jahren hatte sich der HSV von der Abstellung seiner Spieler für das Verbandstraining losgesagt – und war damit auf Konfrontationskurs mit Verbandstrainer Uwe Jahn gegangen. „Ich habe viel unternommen, Gespräche gesucht und geführt – alles erfolglos. Jetzt führe ich keine Gespräche mehr, sofern der HSV kein Interesse daran annonciert.“ Einzig mit einigen Trainern aus dem HSV-Nachwuchsbereich habe sich das Verhältnis normalisiert, dort würden Spieler das Verbandstraining besuchen dürfen. „Aber ansonsten verhält sich der HSV äußerst ungeschickt“, so Jahn, der vor allem mangelnde Kompetenz beim HSV ausgemacht hat. „Mir fehlt bei den handelnden Personen die Kompetenz und vor allem die Kenntnis, bei den Jugendlichen Prognosen zu stellen.“ Umso bitterer sei es, dass sich der HSV durch sein Abkanzeln auch die Hilfe der Verbandstrainer nimmt. „Die Ausbildung ist lückenhaft. Mentale Ausbildung kaum gegeben“, kritisiert Jahn Dinge, die inzwischen allseits bekannt sind. Dabei sieht sich der HSV doch korrekterweise als Wirtschaftsunternehmen. Er handelt nur nicht danach. Denn in jedem größeren Unternehmen würde eine Analyse der Schwachstellen vorgenommen und dort investiert, wo die Prognose am besten ist.“ Insofern wundere es ihn nicht, dass der HSV seinen Nachwuchsetat weiter zusammenkürzt. „Und das in einer finanziell derart angespannten Phase, wo der HSV quasi verpflichtet ist, insbesondere diesen Bereich zu stärken.“

Von Außenstehenden ist tatsächlich nur sehr wenig Gutes zu hören über den HSV-Nachwuchs. Und auch ehemalige Mitarbeiter sprechen von eher wachsenden Problemen. Die Hoffnung, dass Michael Schröder diesen Problemberg beheben kann, ist bei vielen nur gering. Und das weniger, weil man es dem Ex-Profi nicht zutraut. Jahn: „Nein, beim HSV fehlt eine klare Philosophie, die vom Präsidenten oder in diesem Fall vom Vorstandsvorsitzenden mitgeteilt und ausgegeben wird. Und vor allem muss der Club zu dieser Philosophie stehen. Und das ist nicht der Fall. Wie sonst ist es zu erklären, dass seit Jahren aus Hamburg kaum mehr was kommt? Aktuell haben wir noch Jonathan Tah in der U17, der beim HSV spielt. Anschließend wird es in den Nationalmannschaften aber schon sehr dünn.“ Dass dies zu Zeiten Beiersdorfer/Hoffmann anders war, will Hrubesch nicht gelten lassen. „Damals hat man sich die Talente aus Berlin geholt, eingekauft. Aber ausgebildet wurden die nie in Hamburg. Der HSV hat es nicht geschafft, Spieler wie Sam, Beister, Ben-Hatira, Torun und Schahin auszubilden. Das mussten sich die Spieler alle woanders holen.“ Wenn er eine Frage frei hätte, was er die HSV-Verantwortlichen fragen würde: „Ganz einfach, ich würde fragen, was der HSV vorhat und wie er das erreichen will…“

Eigentlich wollte ich heute Michael Schröder zu all diesen Punkten befragen. Immerhin hat er eine faire Chance absolut verdient. Und wer weiß, vielleicht hat der sympathische Ex-HSV-Profi ja genau diese Baustellen auf dem Zettel und sucht nach Lösungen. Zuzutrauen ist es ihm allemal. Leider konnte ich ihn nicht erreichen. Aber das werde ich nachholen. Ganz klar. Zum einen, um die Berichterstattung zu einem derart wichtigen Thema wie der Nachwuchsarbeit nicht einseitig werden zu lassen. Zum anderen aber, weil ich die Hoffnung (so naiv das sein mag) einfach nicht aufgeben will, dass die seit etlichen Jahren bekannten Probleme irgendwann auch beim HSV angegangen werden. Ob mit oder ohne Hrubesch, das ist mir dabei fast egal. Es geht um die Sache. Ich habe es nur satt, dass alle immer alle Probleme erkennen – aber niemand etwas dagegen unternimmt. Der HSV muss endlich einen starken Mann in den Vorstand holen, der die Nachwuchsarbeit zur Chefsache erklärt und der die Nachwuchsphilosophie vorgibt und vorlebt. Einen, der den Weg konsequent durchsetzt und dabei die nötige Zeit und vor allem die nötige Rückendeckung im Vorstand hat. Es wäre ein Anfang – auch, wenn das nur der erste Schritt von vielen wäre…

So, damit schließe ich den ‚Dreiteiler Nachwuchsarbeit’ und übergebe an Dieter, der morgen wieder für Euch da ist. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und hoffe, dass wir in den Spielen der deutschen Nationalmannschaft gezeigt bekommen, wie schön es aussehen kann, wenn Talente optimal gefördert werden…

In diesem Sinne, schönes Wochenende,
Scholle

Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr

Messi ist wieder fit – Uwe Seeler sorgt sich

30. Juli 2012

Messi hat es wieder getan. Er hat gespielt. Tatsächlich. Das Hämatom ist überstanden, das Hämatom ist kein Thema mehr, das Hämatom war offenbar nur für Hamburg und den HSV ein kurzes Thema. Hier der Beweis einer „Wunderheilung“:

„Weltfußballer Lionel Messi hat sich nach einer verletzungsbedingten Pause eindrucksvoll zurückgemeldet. Der 25-Jährige steuerte ein Dreierpack (34./37./45.) zum 8:0-Kantersieg des FC Barcelona gegen den marokkanischen Klub Raja Casablanca bei. Wegen einer Wadenprellung hatte Barca-Coach Tito Vilanova am Dienstag gegen den Hamburger SV (2:1) auf Messi verzichtet.“

Was hat Casablanca, was Hamburg nicht hat? Auf jeden Fall viel Pech für den HSV und für die HSV-Fans. Kurios, dass nur Tage nach der HSV-Pleite auch Hertha BSC von Italienern vorgeführt wurde – denn Juventus Turin schickte zur Hertha-Feier ebenfalls nur sein B-Team in die deutsche Hauptstadt. Ich bin gespannt, wie lange sich die Vereine, die so an der Nase herumgeführt werden, sich das noch gefallen lassen.

Ja, ich gebe zu, der Stachel „FC Barcelona II“ sitzt bei mir immer noch tief. Weil ich auch einige Enttäuschte in meinem Bekannten- und Freundes-Kreis habe, die ebenfalls immer noch sauer sind. Und davon muss es ja in der Stadt ja noch so viele Fans geben, die nach wie vor enttäuscht sind. Ich sprach in diesen Tagen mit Dieter Roth, zweiter Vorsitzender des TSV Wandsetal. Von der Liga hatten sich gleich einige Spieler eine Karte für HSV gegen Barcelona gekauft – weil sie einmal in ihrem Leben Messi live sehen wollten. Einmal. Und dafür verzichteten sie dann auch alle auf ein Testspiel des TSV gegen Börnsen. Die Quittung kam prompt, beim Oddset-Pokalspiel griff TSV-Trainer Mike Breitmeier auf andere Spieler zurück, die „Messis“ blieben außen vor. So kann es dann auch mal gehen . . . Immerhin können alle behaupten: „Ich habe das Spiel gesehen, in dem Messi fast mitgespielt hätte.“

So, anderes Thema, der HSV ist im schwedischen Urwald, kämpft ums Überleben. Bis morgen geht das noch sah, am Abend kehrt die Truppe (hoffentlich vollzählig) zurück. Und weil die Mannschaft unerreichbar ist, habe ich heute mal in meiner Post „gewühlt“. Ich möchte euch heute eines jener Schreiben zugänglich machen, die mich jeden Tag privat erreichen:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Mein Name ist Ralf H., ich lebe in Essen und bin HSV-Mitglied!

Schreiben ist ihr Beruf, deshalb müssen sie jeden Tag etwas schreiben. In der nun langsam ablaufenden Sommerpause fällt mir auf, dass sie sich für eine Verpflichtung von R.v der Vaart erwärmen könnten.-Was soll der HSV mit einem Spieler, der den Verein schon mal stehen gelassen hat und der offensichtlich nicht will, oder nur, wenn sein Gehalt den Mangel seiner Begeisterung für den HSV ausgleichen würde! – ?

Im heutigen Blog ist eine hintergründige Stimmung gegen F. Arnesen zu spüren. Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen? Allein, dass er Guerrero losgeschlagen hat, ist eine Erlösung für den HSV. Ein Spieler, der dem Verein, speziell durch seine Tätlichkeit in der letzte Saison schwer geschadet hat, diesbezüglich veharmlosende Äusserungen von sich gegeben hat, der 4,5 Millionen p.A. verschlungen hat…

Ihre vorauseilende Kritik an Rudnevs? In ihrem Artikel steht mit anderen Worten: Der trifft das Tor nicht! Haben sie sich mal den Werdegang der Herren Blasykowsky, Pisczek und Lewandowsky beim BVB zu Gemüte geführt? Nein? Schade! An einem polnischen Torschützenkönig schon im Vorfeld herumzumäkeln…?

Ich lese ihre Blogs sehr gern, aber im Unproduktiven herumzuorakeln, fänd ich nur gut, wenn ich so ein bisschen Stimmung gegen den Verein machen wollte!

Herzliche Grüße aus Essen! Ralf H.“

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Ich bin auch HSV-Mitglied. Glauben Sie mir bitte, es gibt bei „Matz ab“ viele, viele User, die das genau andersherum sehen. Sie haben Ihre Meinung, und zwar hundertprozentig („So muss es sein, so ist es – ich weiß das ganz genau!“), andere User haben aber genau die gegenteilige Meinung davon. Und sind auch hundertprozentig davon überzeugt, dass sie richtig liegen – und zwar hundertprozentig. Das ist doch mein täglich Brot.

Wenn ich hier zum Beispiel schreibe:
„Der HSV ist der beste Klub der Welt, er hat in der vergangenen Saison nur ein bisschen Pech gehabt, sonst wäre er noch in die Europa League gekommen . . .“ Dann schreien 500 „Matz-abber“ vor Freude auf und feiern mich, und die anderen 500 wünschen mich zum Teufel und vernichten mich.

Nehmen Sie mal allein „Ihren Fall van der Vaart“. Tausende würden den „Raffa“ gerne wieder beim HSV sehen – als Spieler. Sie nicht – das ist Ihre Meinung. Andere wollen van der Vaart auch nicht, aber natürlich gibt es auch hier wieder Hälfte-Hälfte. Und wenn Sie mir unterstellen, dass ich ihn gerne hier haben wollte, so ist das auch nur eine Unterstellung von Ihnen. Wissen Sie ganz genau, was und wen ich will? Ich bin da nämlich völlig neutral. Käme van der Vaart, dann hätte der HSV auf jeden Fall einen „Zehner“ der es kann – es könnte. Kommt er nicht zurück, dann ist auch gut. Dann holt der HSV eben einen anderen „Zehner“, wo ist das Problem? Ich kann es doch ohnehin nicht beeinflussen. Oder glauben Sie, dass F. Arnesen mich erhören würde, wenn ich van der Vaart zurück haben wollte?

Und wenn Sie hier eine Stimmung gegen F. Arnesen spüren, dann kann ich nichts dafür. Sie spüren etwas, was ich nicht so spüren kann. Dass man als Journalist einige Dinge hinterfragt, ist doch logisch. Wo ist der HSV im Sommer 2012 noch gelandet? Wenn ich nicht irre, auf Rang 15. Die schlechteste Platzierung der HSV-Bundesliga-Geschichte. Wenn man da nicht gewisse Dinge durchleuchtet, wann denn dann? So darf es doch wohl nicht weitergehen.

Und zu Rudnevs habe ich zuletzt alles geschrieben. Wenn Sie lesen, dass dort mit anderen Worten „trifft das Tor nicht“, dann ist es wohl so. Wenn ich seine Chancen gegen Norderstedt aufzähle, kann ich die ja nicht nachträglich in Tore ummünzen. Schießt er daneben, dann ist der Ball im Aus. Dann war es offenbar kein Tor. Darf ich das nicht mal aufzählen? Zumal dann, wenn mir vorgehalten wird, ich würde ihn schon jetzt, ohne Bundesliga-Spiel, vernichten. Vorbei ist vorbei, so ist es nun einmal. Oder soll ich es das nächste Mal weglassen? Warten Sie es nun mal ab, wie sich Rudnevs entwickelt – und ich warte auch ab. Dann werden wir bei passender Gelegenheit ein Resümee ziehen. Okay?

Die Frage allerdings, was Sie bislang schon an fußballerischen Dingen von Rudnevs gesehen haben, was Sie kennen oder wissen – die hätte ich schon gerne mal gestellt. Aber gut, manchmal klappt das ja auch vom Sofa aus, auch das gibt es ja zigfach . . .

Und noch zu einem anderen interessanten Thema. Sie, Herr H., schreiben oben:

„Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen?“

Meine Antwort: Tausende. Die wollen alle diesen Job . . .

Und ganz ehrlich: Fragen Sie doch auch einmal, wie viele Vorstands-Vorsitzende den Job von Carl-Edgar Jarchow haben wollen?
Tausende! Wollten den mal haben . . . Jetzt aber, wo der HSV nicht mehr im Geld zu schwimmen scheint, nicht mehr ganz so viele.
Und? Was können Sie hier nicht jeden Tag an Meinungen der User lesen? Allgemeiner Tenor: „Raus mit Jarchow!“ Was für ein Blödsinn! Das ist meine Meinung zu diesem Thema.
Andere wissen es aber viel besser als ich. In der Anonymität des Internets weiß ohnehin jeder mehr und viel – und alle können es selbstverständlich noch viel besser. So ist das nun mal.

Sie können aber ganz sicher sein: Sollte F. Arnesen eines Tages den HSV verlassen (verlassen müssen, sollen, freiwillig gehen), so wird der HSV nicht untergehen, denn dieser Aufsichtsrat wird dann mit Sicherheit eines fernen Tages noch einen neuen Sportchef finden. Mir zum Beispiel würden da schon sofort einige Namen einfallen, will aber gar nicht, dass darüber spekuliert wird – denn F. Arnesen bleibt ja. Ende und aus die Maus.

Anderes Thema:
Von „we are family” kam ein interessanter Beitrag, auf den ich kurz einmal eingehen möchte:

„Schon gestern stand auf der Homepage von UD Las Palmas “….. a costa cero”. Auch auf transfermarkt.de steht “ablösefrei”. Wenn das stimmt, spart der HSV lediglich das Gehalt eines 21-jährigen, der seinen Profivertrag im
Sommer 2008 bekam. Da wird er wohl eher im unteren Viertel der gezahlten Spielergehälter liegen.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Chrisantus hatte noch Vertrag bis 2013. Man hätte ihn doch das erste Mal beim HSV eine komplette Vorbereitung machen lassen können. Die U23 soll möglichst aufsteigen und hat mit Bertul
Kocabas den Topscorer an einen türkischen Erstligisten abgegeben. Kelbel ist zur Zeit noch verletzt.

Warum lässt man ihn nicht wenigstens die Hinrunde in der U23 spielen und teilweise bei den Profis mitrainieren, um sich wirklich mal ein Bild vom ehemaligen “Jahrhunderttalent” zu machen?

Ablösefrei hätte man ihn auch im Winter oder im nächsten Sommer abgeben können. Beim KSC und beim FSV Frankfurt hat er immerhin jeweils 8 Tore in der Saison erzielt, obwohl er in 2 Saisons nur auf 25 Spiele über die volle Distanz kam und beide Teams gegen den Abstieg spielten – bei beiden Teams damit sicherlich auch die notwendige Qualität der Mitspieler fehlte. Der Kerl wird im August gerade mal 22 Jahre alt! Da wechselte ein Huntelaar gerade aus der 2. holländischen Liga in die Ehredivisie.

Wann bekommt beim HSV ein junger Spieler wirklich mal das Vertrauen und wird beim HSV weiterentwickelt und nicht in Mainz, Leverkusen, Rennes oder auf den Kanaren?“

Gute Frage. Auf dieses HSV-Talent (oder sogar Talente!) warte ich auch seit Jahrzehnten. Da läuft schon lange, lange ganz sicher sehr viel falsch. Beim FC Bayern spielen in einem Champions-League-Halbfinale (!) neun Spieler mit, die aus der eigenen FCB-Jugend kommen, und beim HSV kann man die Leute, die es gelegentlich mal bis zum Profi-Training bringen, an einer Hand abzählen. Ich bewundere die Geduld, die anscheinend keine Grenzen kennt, aller Beteiligten! Eigentlich kann es doch gar nicht angehen, dass da immer auf die falschen Pferde gesetzt wird, aber offenbar ist es doch so. Oder? Diejenigen Talente, die es beim HSV nicht geschafft haben, kommen doch auch bei anderen Vereinen nicht so zum Zuge, wie sie sich das erhofft haben. Die eine oder andere Ausnahme soll es geben, aber zum Beispiel Änis Ben-Hatira oder Tunay Torun. Haben sie die Rolle in Berlin gespielt, die sie für sich schon beim HSV sahen? Ich wünschte mir schon mal solche Talente wie die der Bayern mit beispielsweise Philipp Lahm, Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller. Talente solchen Kalibers gibt es beim HSV schon seit Jahr und Tag nicht. Leider, leider.

Allerdings denke ich ja auch, dass sich ein HSV-Coach sehr wohl damit schmücken würde, endlich mal wieder einen jungen Spieler ganz nach oben gebracht zu haben (wie Felix Magath mit Hasan Salihamidzic). Es gab etliche Trainer, die auf dem Wege waren, jemandem zu vertrauen, dann aber den Versuch doch noch abbrechen mussten, weil es eben doch nicht für ganz oben reichte. Zum Beispiel Muhamed Besic, Ben-Hatira, Eric-Maxim Choupo-Moting, Vadis Odjidja-Ofoe (heute belgischer Nationalspieler) , Benny Feilhaber, Andreas Laas. Oder früher auch Mustafa Kucukovic, Stephan Kling und Alex Meier (St. Pauli), heute schon lange Stammspieler bei Eintracht Frankfurt.

Und speziell zu Macauley Chrisantus. Der hat in meinen Augen Chancen genug erhalten. Und wenn er es tatsächlich könnte, dann hätte er es doch mal beim KSC oder beim FSV Frankfurt gezeigt – wie zum Beispiel Maximilian Beister in Düsseldorf. Deswegen ist es gut, dass Chrisantus nun gehen durfte – egal ob mit oder ohne Ablöse. In der jetzigen schwierigen finanziellen Phase des HSV zählt jeder Cent, der eingespart wird – auch der des Chrisantus-Gehalts. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass Chrisantus in diesem Sommer teilweise ganz beachtlich trainiert hat. Er wollte wohl noch einmal, aber er hatte eventuell vergessen, dass er dazu schon zu oft die Gelegenheit gehabt hatte. Irgendwann ist dann eben mal Schicht im Schacht.

Eine andere Frage aber ist in Sachen Stürmern: auf wen will der HSV denn vorne setzen? Das sehe ich im Moment mehr Quantität als Qualität. Und da hätte Chrisantus dann doch eventuell doch mitmischen können. Ich halte es ja immer noch für sehr, sehr gefährlich, dass der HSV nur noch über einen „Zehner“ und einen Innenverteidiger spricht. Mir kommt das Wort Stürmer da überhaupt noch nicht vor. Ob die Verantwortlichen tatsächlich wissen, dass sie da vorne kaum etwas haben? Ich habe meine Zweifel. Aber, und das sage ich gern noch einmal, ich bin ja auch nicht der Trainer und der Sportchef des HSV.

Auch Uwe Seeer ist weder Trainer noch Sportchef des HSV, dennoch hat er viel zu „seinem“ HSV zu sagen. „Uns Matz-ab-Scholle“ war heute am Millerntor, wo „uns Uwe“ einen neuen Werbe-Spot für die PSD-Bank drehte. Zusammen mit den St.-Pauli-Profis Fabian Boll und Florian Kringe. Seeler lobte den Zweitliga-Klub: „Der FC St. Pauli leistet gute Arbeit. Ich hoffe, dass sie ihrer letzten guten Saison eine noch bessere folgen lassen und aufsteigen.“

Um den HSV, um „seinen“ HSV, macht sich Uwe Seeler dagegen schon (und immer wieder) einige Sorgen. Der Ehrenspielführer, bekannt dafür, dass er früher stets den direkten Weg zum Tor suchte, und auch dafür, dass er stets geradlinige Antworten gibt, sagt: „Meine Frau hat letztes Jahr miterlebt, wie mich das Zittern um den HSV verändert hat. Ich hätte richtig abgebaut, sagt sie. Und ganz ehrlich: es wird nicht besser. Ich bin noch nicht zufrieden. Ich hatte gehofft, dass der HSV in der jetzigen Phase schon weiter wäre. Noch muss bei unserem HSV sehr viel passieren.“

Fast alles muss sich ändern – hatte Uwe Seeler unmittelbar nach der verkorksten letzten Saison gesagt. Jetzt spricht er aus, wo er noch Defizite sieht: „Wir brauchen noch mindestens zwei neue Spieler, das ist das Minimum. Im Mittelfeld und in der Abwehr, in der Innenverteidigung. Die brauchen wir, um wenigstens ein wenig Sicherheit zu haben und nicht gegen den Abstieg zu spielen. Hinten müssen wir besser werden. Wir dürfen nicht mehr so viele Tore kassieren. Und ich behaupte sogar, wir bräuchten auch für vorn noch einen richtigen Brecher.“

Ach, lieber Herr Seeler, sie laufen bei mir ja offene Tore ein. Wie sehr wir einen solchen Spieler brauchen, wie sehr! Einen Innenverteidiger hätten wir ja mit Heiko Westermann, aber einen richtigen Brecher? Seeler über den Stürmer-Zugang aus Lettland: „Rudnevs spielt nun in einer neuen, härteren Liga. Das wird hart für ihn und wir sollten ihm Zeit geben.“ Generell befindet Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten zur Lage des HSV: „Es reicht nicht, zu hoffen, dass wieder zwei, drei Mannschaften schlechter sind. Das Risiko ist zu groß. Jetzt müssen alle mal in die Socken kommen. Und auch wenn ich weiß, dass es unser Sportchef Frank Arnesen weiß: Je länger die Transferperiode schon andauert, desto schwieriger wird es, die Guten zu bekommen.“ Wobei Uwe Seeler auch noch mit Wehmut an einen Abgang des HSV zurückdenkt: „Ich hätte David Jarolim nicht gehen lassen, denn er war einer, der immer voranging. So einer fehlt uns jetzt noch.“

Als Druck von außen möchte Seeler seine Aussagen nicht verstanden wissen. Im Gegenteil, er sei stets ein Optimist. Dennoch hat er einen Wunsch an die HSV-Verantwortlichen: „Ich wünsche mir nur, dass alle die Situation ausreichend ernst nehmen. Und ich habe das Spiel gegen Barcelona gesehen. Bei allem was man entschuldigen kann, es gab doch noch viele Dinge, die letztes Jahr schon falsch gelaufen sind und die noch immer nicht behoben sind.“

Aber, damit ich auch das noch einmal schreiben kann: Der HSV arbeitet ja jetzt noch ganz intensiv daran, die Lage zu verbessern. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es soll ja noch alles gut werden, und ich glaube auch fest daran, dass alles noch gut wird, dass es noch jene Verstärkungen gibt, die den HSV wieder stärker werden lassen. Noch ist ja Zeit. Keine Panik.

Und das Überlebens-Camp in Schweden wird den HSV ja auch ganz sicher schon etwas stärker werden lassen – von wegen Teamgeist.

18.11 Uhr

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