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0:2 – der HSV schon auf dem vorletzten Platz!

11. April 2015

Gewollt haben sie gewiss, aber gekonnt haben sie leider immer noch nicht so viel. Deswegen hat der HSV auch das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg mit 0:2 verloren. Wieder kein Tor, wieder kein Punkt, inzwischen schon auf Platz 17 abgerutscht, und wenn es ganz schlecht läuft, dann ist der HSV morgen, sollte der VfB Stuttgart gegen Werder Bremen gewinnen, sogar Tabellenschlusslicht der Bundesliga. Es läuft alles gegen Hamburg, nicht nur der heutige Spieltag. Vor 57 000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion hatte der HSV nicht seinen schlechtesten Tag zufassen, doch es reicht gegen eine so gute Mannschaft wie die aus der Autostadt eben nicht, nur nicht ganz so schlecht zu sein. Da müsste schon mehr kommen – aber woher? Wenn du einen solchen Anti-Lauf hast, dann muss schon etwas ganz Besonderes passieren, um noch eine Wende herbeizuführen, aber auch dieses Besondere gelingt dem in seinen fußballerischen Mitteln zu beschränkten HSV eben nicht. „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, skandierten die VfL-Fans, während die HSV-Anhänger im Norden lauthals sangen: „Wir ha’m die Schnauze voll . . !“ Am nächsten Sonntag geht es nach Bremen, es darf dennoch weiter gehofft werden. Auch wenn dieser Torlos-HSV wirklich immer mehr wie ein Absteiger spielt.

Alles aufgeboten, was Fußball spielen kann. Das muss man mal sagen und feststellen. Vom Namen her eine Top-Mannschaft. Auch das darf gesagt und festgehalten werden. Da spielte der Tabellenvorletzte gegen den Tabellenzweiten der Bundesliga. Und die Stimmung in der Arena war trotz des Regens prächtig –„alle Mann an Bord“. Und „nur der HSV“! Es war richtig schön laut. Im Norden jedenfalls.

 

Das Spiel begann mit einer Groß-Chance der Wolfsburger – bereits in der dritten Minute. Nach einem Freistoß von De Bruyne kam Naldo an den Ball, bedrängt von seinem Landsmann Cleber köpfte der Brasilianer aus fünf Metern auf das HSV-Tor, doch Rene Adler konnte den Ball, der zum Glück auf Mann flog, abwehren. Es regnete, und der Himmel verfinsterte sich zunehmend . . .

 

Das lag nicht nur am Wetter, denn in der zehnten Minute verdaddelte Cleber an der Mittellinie den Ball gegen De Bruyne – der bediente Dost, der direkt zu Guilavogui, und der schoss, als er allein vor Adler auftauchte, prompt das erste Tor des Abends. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft! Es ist ein Jammer, dass dieser HSV immer wieder solche anfängerhaften Fehler macht. Und ich glaube, dass das auch mit einer gehörigen Portion Übermut zu erklären ist, denn: Die ersten Aktionen von Cleber waren gelungen, sehr gelungen sogar, er erhielt dafür auch Beifall auf offener Szene. Und dann verfällt man als HSV-Profi offenbar in eine Art Größenwahn. Anders sind solche haarsträubenden Aktionen nicht zu erklären. Wie schon zuletzt in Leverkusen nicht nur ein frühes Gegentor, sondern ein solcher kapitaler Bock. Da kannst du nicht gegenanspielen, nein, das kann man nicht!
Das Tolle an diesem Tor: die Fans. Die HSV-Anhänger im Norden. Die kannten kein Verzagen, die machten weiter Musik. Großartig! Grandios! Vorbildlich! So muss es sein.

 

Dann der erste Torschuss des HSV in der 22. Minute. Und es war der erste Torschuss von Ivica Olic seit vier Spielen (in denen er nicht einen hatte!). Er schoss aus 23 Metern, aber daneben. Immerhin ging VfL-Keeper Benaglio vorsichtshalber zu Boden . . . Und von Pierre-Michel Lasogga gab es sogar (aufbauenden) Beifall für den Teamkollegen. Mehr davon. Man ist ja schon bescheiden geworden in Hamburg.

 

Wolfsburg aber hatte das Spiel im Griff. Obwohl der HSV sehr wohl etwas wollte, auch mehr nach vorne spielte als in den letzten Spielen. Aber oft war es zu durchschaubar, dann auch zu fehlerhaft, weil der Ball zu ungenau gespielt wurde. Bezeichnend für die Misere des HSV: In der 35. Minute schlug Cleber einen Ball von hinten links nach vorne rechts. Unbedrängt. Der Ball flog und flog und flog, über 40 Meter – ins Toraus. Es war kein Hamburger in der Nähe. Ballbesitz für Wolfsburg, der HSV wieder im Rückwärtsgang. Und Valon Behrami starrte sekundenlang ins Leere, weil er einen solchen Pass einfach nicht glauben konnte. Kann man ja auch nicht. Aber so ist es eben – wenn man unten steht.

 

Wolfsburg hatte die wesentlich besseren offensiven Aktionen. Perisic flankte in der 39. Minute von links in den Strafraum, Dost stiegt hoch – und köpfte die Kugel hoch und weit vorbei. Das kann der Niederländer sicher besser, und der HSV hatte Glück. Zwei Minuten später konnte der HSV dann seinen zweiten Torschuss in dieser Partie bewundern. Olic tankte sich bis an den VfL-Strafraum durch, schoss aus 20 Metern mit rechts – hoch und weit vorbei. Immerhin aber ein Torschuss. Besser machte es auf der Gegenseite Vieirinha, der einen Linksschuss aus 20 Metern riskierte, den Adler aber sehr gut hielt – nur Eckstoß für den VfL statt 0:2 (42.).
Und trotz des Rückstandes gab es zum Pausenpfiff von Schiedsrichter Zwayer (Berlin) verhaltenen Beifall von den HSV-Fans. Die Hoffnung stirbt ja auch zuletzt. Immer noch. Und hier erst recht.

 

Der HSV kämpfte im zweiten Durchgang, das ist der Mannschaft nicht abzusprechen – wieder einmal nicht. Und als der Norden lautstark „Maxi Beister“ rief und forderte, dann freuten sich alle, dass Peter Knäbel diesem Wunsche auch Folge leistete. In der 72. Minute kam Beister für den darüber wenig begeisterten Lasogga – und in der 73. Minute fiel die Entscheidung in diesem Spiel. Heiko Westermann köpfte den Ball hinten rechts nach vorne, ein Wolfsburger dazwischen, der Ball kam zu Caligiuri, der zu Dost, Doppelpass – Caligiuri schob den Ball mühelos ins leere Tor. Ende aller Hamburger Träume und Bemühungen.

 

Dass zum schlechten Schluss auch noch Johan Djourou vom Platz gestellt wurde, rundete diese Partie nur noch mies ab. Es ist ein Bild des Jammers, was dieser HSV da unter Erstliga-Fußball versteht – und abliefert. Immerhin stellten sich die Spieler dem Norden, auch wenn sie dabei kräftig attackiert und ausgepfiffen wurden. „Wir ha’m die Schnauze voll . . !“

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Djourou, Cleber, Ostrzolek; Behrami, Diaz (ab 46. Jiracek); Holtby, van der Vaart (ab 62. Müller), Olic; Lasogga (ab 72. Beister).

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war ein sicherer Rückhalt seiner Mannschaft, an ihm lag diese erneute Niederlage gewiss nicht.

 

Heiko Westermann schien einige Male in der Rückwärtsbewegung etwas orientierungslos zu sein (vor allem wenn Caligiuri kam), konnte auch nicht alles, was von Wolfsburg über links nach vorne kam, unterbinden, weil er am Boden gleich etliche Schwächen offenbarte – aber in Sachen Kopfball war das ganz okay. Und er half, das muss noch einmal gesagt werden, auf der von ihm ungeliebten Position hinten rechts aus.

 

Johan Djourou stand sicher, spielte gut, hatte kaum einen Fehler in seinem Auftritt. Das war nach seinem dicken Schnitzer in Leverkusen ganz okay. Allerdings nur bis zur 88. Minute, da sah der Schweizer wegen Meckerns die Gelb-Rote Karte. Auch das noch. Und das ist dann einfach nur noch unprofessionell. Aber es scheint auch egal zu sein, man meckert und geht dann eben vom Platz – und fehlt im nächsten Spiel. So ist das eben.

 

Cleber begann gut bis zur zehnten Minute, als er den Bock schoss und das 1:0 begünstigte. Danach verhaltener, ohne groß abzufallen – obwohl souverän etwas ganz anderes ist. Er könnte es doch . . . Auch beim 0:2 nicht besonders glücklich gegen Dost, der das Tor vorlegte.

 

Matthias Ostrzolek gab sein Bestes, aber das sieht leider immer noch nicht gut aus. Nach vorne sind die meisten Aktionen von ihm zu durchschaubar. Aber bei ihm habe ich die Hoffnung, dass es nur am mangelnden Selbstvertrauen liegt – ein gutes, ein richtig gutes Spiel (nicht nur von ihm) könnte durchaus befreiende Wirkung haben. Er hat es doch in Augsburg oft genug bewiesen, wozu er eigentlich fähig wäre.

 

Valon Behrami wollte vorangehen, motivierte, stellte seine Kollegen, aber nach vorne kommt von ihm keine entscheidende Idee. Und manchmal scheint er auch ein wenig zu resignieren, dann wirkt er nachdenklich, dann grübelt er wohl darüber nach, in welche HSV-Truppe er hier hineingeraten ist. Aber, ganz klar, auch er hat in den letzten Spielen deutlich unter seinen Möglichkeiten gespielt.

 

Marcelo Diaz tanzte nur eine Halbzeit, dann musste er (wahrscheinlich verletzt) wieder raus. Bis dahin solide, ohne besonders zu glänzen – aber das war nach der langen Pause auch nicht anders zu erwarten. Immerhin, er hatte nicht allzu viele Fehlpässe wie sonst die Jungs, die sich auf der Sechs versuchen durften.

 

Lewis Holtby mit Licht und Schatten, wobei der Schatten überwog. Fußballerisch könnte er sicher viel mehr, und natürlich ist im rechten Mittelfeld auch nicht seine „Lieblingsposition“, aber er könnte dennoch mehr machen. Was wohl auch bei ihm das fehlende Selbstvertrauen verhindert.

 

Rafael van der Vaart hatte ein, zwei gute Ideen im Spiel nach vorne, aber insgesamt war das natürlich auch viel zu wenig. Dennoch muss festgehalten werden: Die Kollegen, die sonst für ihn gespielt haben, die machen es doch nicht besser – im Gegenteil. Und wer geht denn in dieser HSV-Mannschaft nicht mit unter? Sie spielen doch alle weit unter ihren Möglichkeiten. So gesehen ist der Name van der Vaart doch immerhin einer, der beim Gegner noch einen gewissen Wert genießt – und vielleicht auch noch etwas Respekt einflößend ist. Vielleicht.

 

Ivica Olic war gegen seinen ehemaligen Club sehr unternehmungslustig, er versuchte viel, wenn es beim HSV nach vorne ging, dann war er meistens dabei – das war eine gute Vorstellung, eventuell seine bislang beste in seiner zweiten HSV-Zeit. Wenn auch nicht von (Tor-)Erfolg gekrönt.

 

Pierre-Michel Lasogga blieb da vorne natürlich ein Einzelkämpfer, obwohl die Reihe hinter ihm eigentlich Offensivqualitäten hat. Er versuchte es immer wieder, den rechten Durchbruch aber schaffte er nie, und zum Torabschluss kam er auch nicht.

 

Petr Jiracek (ab 46. Min. für Diaz) mischte auf Anhieb gut mit, kämpfte, ging zur Sache – aber wir müssen uns nichts vormachen, er wird nie eine spielbestimmende Figur in diesem HSV. Wenn es läuft, läuft es auch bei ihm, wenn nicht, läuft bei ihm fast nichts.

 

Nicolai Müller (ab 62. Min. für van der Vaart) bewegte nicht mehr viel.

 

Maximilian Beister (ab 72.Min. für Lasogga) durfte mal wieder, aber als er kam, hieß es schnell 0:2 – und wieder war schon alles gelaufen. Er kämpfte, er biss, er wollte, aber das allein langt in dieser glücklosen und auch schwachen HSV-Mannschaft schon lange nicht mehr.

 

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über diese Partie zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Profi Tobias Homp (Linksverteidiger in der Happel-Ära) sowie HH1-Sportmoderator (und Sport1-Mitarbeiter) Uli Pingel. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet – die Sendung nach dem Leverkusen-Drama ist zuletzt ja kräftig durch die Decke geschossen . . . Weiter so! Aber dann vielleicht auch mal wieder mit einem HSV-Erfolgserlebnis.

 

20.26 Uhr

 

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