Archiv für das Tag 'Beister'

Adler: “Unsere Gegner müssen wissen, dass es bei uns weh tut”

16. Mai 2013

Was sind schon 27 Jahre Ferguson bei ManU oder 14 Jahre Schaaf in Bremen – gegen 75 Jahre Holsten beim HSV? Der Brauereiriese verlängerte heute seine Partnerschaft mit dem Bundesliga-Dino. Als hätte Marketingvorstand Joachim Hilke die Aufforderung im Blog gelesen, legte der findige 44-Jährige heute gleich mal zwei gute Geschäftsmodelle/Einnahmequellen vor. Zunächst einen Dreijahresvertrag mit der Carlsberg-Brauerei und im Speziellen Holsten. Zum anderen wurde heute eine so noch nie gesehene HSV-Bundesliga-Chronik vorgestellt, die nicht in jedem Auto ausreichend Stauraum vorfindet und die eine oder andere Ein-Zimmerwohnung komplett dicht machen würde. „70 mal 50 Zentimeter“, sei die mit 2500 Fotos bespickte Chronik der HSV-Bundesligageschichte vom ersten Tor Charly Dörfels bis heute. Erhältlich ist das gefühlt zwei Zentner schwere Schmuckstück ab August. Wobei der exklusive Kreis von 999 neuen Besitzern nicht auf den Cent angewiesen sein darf – das Buch kostet immerhin sage und schreibe 2999 Euro.

Schön, spektakulär, exklusiv, teuer – aber mir soll es egal sein. Es wird sicher ausreichend Abnehmer für das teuerste Buch der Vereinsgeschichte geben und der HSV wird ein wenig daran verdienen können. Und so soll es ja sein. Der HSV soll sich gute Geschäftsideen einfallen lassen und von mir aus Milliardenumsätze einfahren. Solange dafür nicht jedes Mal die Ticketpreise angezogen werden. Und daher kann ich dem HSV und Herrn Hilke diesbezüglich nur gratulieren und wünschen: Weiter so. Nur so.

Noch lange nicht aufhören will René Adler. Zum einen nicht mit der laufenden Saison – „Wir haben noch ein echtes Finale vor uns und brauchen dafür das Maximalmaß Konzentration“ – zum anderen nicht mit der Nationalelf, mit der er im Anschluss an die Saison am 29. Mai in Boca Raton gegen Ecuador und am 2. Juni in Washington gegen die USA antritt. Zusammen mit Dennis Aogo, Marcell Jansen und Heiko Westermann bildet Adler einen richtigen DFB-Block. Und wenn man ganz ehrlich ist, hätte es sogar sechs HSVer sein müssen, da man Sidney Sam niemals hätte ziehen lassen (er ging letztlich aufgrund eines Streits mit einem Vorstand) und Max Kruse nicht verpassen dürfen. Letztgenannter war beim HSV auf dem Beobachtungszettel und wurde letztlich als „ungeeignet“ eingestuft. Angeblich sei der Linksfuß zu faul im Spiel… Aber egal, vier sind dabei und das sind so viele wie lange nicht mehr im A-Team der Nationalelf. „Natürlich wissen wir, dass viele Stammspieler verhindert sind und wir deshalb so viele HSVer dabei haben“, sagt Adler, „aber trotzdem zeigt das doch, dass man wieder auf Hamburg schaut.“

Traurige Nachrichten gab es dafür aus dem U21-Bereich. Tolgay Arslan wurde zwar vorläufig nominiert, hat aber noch immer mit seiner Kreuzbandzerrung zu kämpfen. „Es wird schwierig für ihn“, sagt Sportchef Frank Arnesen, „wir müssen bei der schweren Verletzung sehr vorsichtig sein und es sind nur noch zehn Tage.“ Arnesen hat bereits mit Arslan gesprochen und den noch immer um seine Teilnahme kämpfenden Mittelfeldspieler auf eine wahrscheinliche Absage vorbereitet: „Es ist sehr schade für ihn, allerdings soll er das positiv nehmen. Es gibt noch einen Tag nach morgen und das weiß Tolgay. So kann er sich komplett auskurieren und fit in der Vorbereitung zur neuen Saison angreifen.“

Das gilt auch für Maxi Beister. Der Offensivmann erhielt am Mittwoch von U21-Trainer Rainer Adrion die Mitteilung, dass er nicht zum Kader gehören wird. Und das, nachdem der Linksfuß zwei Jahre lang unumstrittener Stammspieler mit vielen wichtigen Toren war. „Es ist sehr enttäuschend“, sagte uns Maxi heute, ohne näher darauf eingehen zu wollen. Es war dem Youngster anzumerken, wie tief ihn die Absage getroffen hatte. Zumal Beister teamintern bei der U21 als Führungsspieler gilt. „Ich kann und will dazu nicht viel sagen“, sagte ein sichtbar enttäuschter HSV-Trainer Thorsten Fink, „aber ich kann mir vorstellen, dass Maxi Beister der Mannschaft fehlen wird.“

So groß die Verärgerung über Adrion, Beister hat sie mit seiner Roten Karte selbst provoziert. „Der wird jetzt bis Saisonende kaum noch spielen und kaum Praxis haben“, hatte mir Horst Hrubesch damals unmittelbar nach Beisters Platzverweis gesagt, „dann wird es auch eng mit der EM. Zumindest hätte ich als Trainer so meine Bedenken.“ Und so kam es letztlich. Obgleich ich mich frage, warum Adrion sich nicht bei Fink nach Beisters Leistungsstand erkundigt hat. So etwas ist normalerweise üblich, wenn es um Stammspieler geht. Und das war Beister. Der Junge hatte wochenlang geschwiegen, um nichts Dummes zu sagen und sich voll auf den Fußball zu konzentrieren. Es war Beister deutlich anzumerken, dass er seinen Fehler erkannt hatte und dass er gewillt ist, ihn wiedergutzumachen. Zudem hat er bislang 24 Einsätze in seiner ersten Bundesligasaison gehabt – das ist allemal eine Bewerbung für eine Nachwuchs-EM.

Egal wie, Beister hat auch Zuspruch. Nicht nur von mir. Ich bin da ganz sicher nicht wichtig. Dafür aber von Sportchef Frank Arnesen. Der Däne versuchte Beister geradewegs wieder aufzubauen und fand sogar etwas Positives: „Maxi hat ein paar aufregende Tage und Wochen hinter sich. Ich habe ihm gesagt, dass er enttäuscht sein darf und vielleicht sogar muss. Aber er soll versuchen, nach ein paar Tagen auch das Positive zu sehen: So kann er nach der Saison länger Urlaub machen und mal so richtig ausspannen, um frisch in seine zweite Bundesligasaison zu gehen. So überrascht wir alle sind, auch ich – ich bin mir sicher, Maxi verdaut das Ganze.“

Am Sonnabend allemal. Da geht es auch für den Youngster noch mal um alles. Und die Aussicht auf internationale Spiele dürfte auch Beister zufriedenstellen. Obgleich die Chance darauf weiter gering ist, ist die Motivation bei Adler, Beister und Co. riesig. Egal, ob wir abhängig sind von Frankfurt – am letzten Spieltag noch um einen internationalen Platz zu kämpfen ist pure Freude und ein Höchstmaß an Motivation für jeden Spieler. Wir haben nichts zu verlieren gegen eine starke Mannschaft und wollen uns einen schönen Saisonausklang verschaffen.“ Der sei schon jetzt als Erfolg zu werten – sagt Fink. Adler scheint da höhere Ansprüche zu haben. „Wir können mit einer Europa-League-Teilnahme eine gute Saison aus der bisherigen machen.“

Gut so. Ich mag es, wenn gute Leute hohe Ansprüche haben. Vor allem, wenn sie beim HSV spielen und dafür nichts unversucht lassen. So, wie Fink es andeutet. Zwar seien alle Spieler fit und es gebe keinen Grund für eine personelle Umstellung, allerdings ließ der Trainer auch heute wieder ein 3-5-1-1-System spielen. Seine Erklärung: „Die Mannschaft muss auf Situationen reagieren können und das müssen wir üben. Auch kurze Systemumstellungen.“ Mit den Worten: „Stellt euch vor, es sind noch fünf Minuten und Leverkusen führt 1:0“, gab Fink im Abschlussspiel die Anweisung, offensiver zu agieren und die vermeintliche A-Elf gab Gas, presste und rückte hoch auf. Allerdings vergab Westermann eine Riesenchance per Kopf – erhielt aber Lob von Fink: „So soll’s sein. Ihr müsst euch die Chancen erarbeiten.“ Gewillt scheinen sie allemal. Von Adler über Beister bis hin zu Jacopo Sala und allen anderen, die wohl nur auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen werden. Adler kündigt seinen ehemaligen Mannschaftskameraden, für die es tabellarisch um nichts mehr geht, einen harten Gang in Hamburg an. Ob er glaubt, seine Ex-Kollegen könnten unterbewusst schon auf Urlaubsmodus geschaltet haben, sagt er: „Das liegt nur an uns. Wir wissen, wo der Schlüssel liegt. Wir müssen denen von Beginn an zeigen, dass wir gewinnen wollen, dafür alles tun. Danach ist Urlaub, danach können alle ihre Blessuren auskurieren. Nur nicht im Spiel. Es ist auch nicht verkehrt, wenn man als Gegner weiß, dass es in Hamburg durchaus mal weh tun kann.“

Das sind doch mal markige Ansagen. Genau die Art, wie ich sie gern höre und noch lieber umgesetzt sehen würde. Auch von Adler, der heute auf die Frage nach einem möglichen Wechsel in der Sommerpause etwas ausweichend antwortete: „Von Interessenten hört man immer gern, das sind Bestätigungen für einen selbst. Das motiviert mich auch. Aber ich habe in Hamburg einen langfristigen Vertrag und Ambitionen. Es gibt im Moment keinen Anlass, was anderes zu denken.“ Stimmt, zumal Klubboss Carl Jarchow auf den immer wieder kolportierten ersten Interessenten, den Premier-League-Klub Arsenal London, antwortete: „Ich kann ihnen versprechen, dass René Adler kommende Saison nicht für Arsenal spielt.“ Gut so. Zumindest für den HSV, der vor Adler erst einmal acht, neun andere Spieler abgeben sollte. „Bislang gibt es noch kein Angebot“, sagt Arnesen, darauf angesprochen. Und der Sportchef bezieht Heung Min Son mit ein. „Stand jetzt bleibt er bei uns. Ich bin da auch ganz positiv“, so Arnesen, der sich nach Saisonende mit Son und dessen Berater zusammensetzen will. Ob es auch eine ewig andauernde Verhandlung werden könne, die sich erst mit dem Schlusspfiff der Transferperiode Ende August entscheidet? Arnesen: „Nein, eigentlich nicht. Auch wir wollen planen.“

Solltet Ihr schon Euren morgigen Tag planen, macht das ohne den HSV. Der trainiert morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber Dieter wird Euch auf dem Laufenden halten. Ganz sicher.

Apropos sicher –in Sachen Oberneuland ist da nichts sicher. Der Norddeutsche Fußballverband teilte inzwischen mit, dass er bis morgen die rechtlichen und sportlichen Folgen des Insolvenzantrages prüfen werde. Zuletzt hieß es, durch die Insolvenz stünde zwar der Abstieg Oberneulands fest, allerdings würden bei einem so späten Antrag (bis vier Spiele vor Saisonende) nicht nachträglich alle Ergebnisse aus der Wertung genommen. Als diese Meldung beim SC Victoria, der mit am meisten davon profitieren würde, die Runde machte, hieß es sofort: Dann reichen wir Protest ein. Klar aber ist nach dem 3:1 des HSV II beim SCV, dass die Mannen von Rodolfo Cardoso gerettet sind. Dazu gratuliere ich ganz herzlich und hoffe, dass der Argentinier in der neuerlichen Kaderzusammenstellung klarer interveniert, wenn er Bedenken hat. „Wir setzen uns zusammen und besprechen alles“, kündigte Arnesen heute an und fügte hinzu: „Wir wissen, dass und was wir verbessern müssen.“

Klingt doch zunächst einmal sehr gut.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

P.S.: Tomás Rincón und Heung Min Son wurden für ihre Nationalmannschaften nominiert. Son muss nach Südkorea reisen, um gegen den Libanon (4. Juni), Usbekistan (11. Juni) und den Iran (18. Juni) anzutreten. Rincón trifft in seiner Heimat Venezuela Bolivien (07. Juni) und Uruguay (12. Juni).

P.P.S.: Ein kurzes Video mit Adler, der über die Nartionalelf spricht, findet Ihr auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/groups/Matzab

Son geht, Son bleibt, Son geht – oder bleibt er jetzt doch?

14. Mai 2013

Er hatte es eilig. Immerhin musste er noch den Flieger nach London erreichen, der ihn zum Spiel Wigans bei Arsenal London befördern sollte. Paul Scharner tritt heute Abend für Wigan an – und Fink will zusammen mit Sportchef Frank Arnesen vor Ort überprüfen, inwieweit der Österreicher für den HSV in der kommenden Saison wichtig ist. „Ich muss Paul auch mal live sehen, und heute ergibt sich die Gelegenheit“, sagt Fink. Ob er sich auch andere Spieler ansieht oder sonstige Termine hat? „Keine Termine“, so Fink, „ich fliege tatsächlich nur wegen Paul hin.“ Okay, aber sollte noch jemand auffallen – Stift und Zettel haben Arnesen und Fink dabei, wie der Trainer versichert…

Der hatte zuvor auf einige Stammspieler im Training verzichten müssen. Dennis Aogo kuriert noch die Reste seiner Sprunggelenksverletzung aus, Petr Jiracek hat in Hoffenheim einen Schlag aufs Knie bekommen und Rafael van der Vaart leichte Wadenprobleme. „Alle drei wollen aber schon am Mittwoch wieder mittrainieren“, so Fink, der bei seiner Mannschaft ob des Saisonendspurts „einen gewissen Substanzverlust“ erkannt hat. Allerdings liege der noch im Erträglichen – und die Aussicht auf das Finale am Sonnabend im eigenen Stadion sei Schmerzmittel genug für alle Wunden. „Es ist deutlich, dass hier alle richtig heiß darauf sind, am Sonnabend das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Mannschaft die Überraschung erzwingt.“ Und sollte dies nicht gelingen, weil Frankfurt parallel punktet: „Dann ziehe ich den Hut vor der Eintracht“, so Fink, „dann haben sie es verdient.“

Stimmt. Egal wer am Ende auf welchem Platz steht, er hat es verdient. Wobei ich mir ebenso wie Fink sicher bin, dass sich Ex-HSVer Ivica Olic mit dem VfL Wolfsburg in der Partie bei Eintracht Frankfurt nicht hängenlassen wird, nachdem sie nunmehr neun Spiele in Folge nicht verloren haben und noch die Chance auf einen einstelligen Tabellenplatz haben. Zudem liegt der psychologische Druck bei den Hessen. „Frankfurt hat den Vorteil, nur einen Punkt zu brauchen und ein Heimspiel zu haben. Aber auf der anderen Seite haben wir den psychologischen Vorteil, nur gewinnen zu können, während Frankfurt eine ganze Menge zu verlieren hat.“

Stimmt. Aber ob’s was nützt?

Egal wie, der HSV muss zuerst einmal gegen Bayer Leverkusen gewinnen. Und die Werkself ist nicht nur tabellarisch nach Bayern und Dortmund der drittschwerste Gegner, den man haben kann. „Taktisch, technisch und physisch ist Bayer top“, lobt auch HSV-Trainer Fink. Zurecht. Denn die Leverkusener sind spielstark, können hervorragend kontern und sind bei Standards gefährlich. Es fehlt an nicht vielem. Außer vielleicht an der Motivation im letzten Saisonspiel, da es für Bayer um nichts mehr geht. Der dritte Rang ist gesichert – weder nach oben noch nach unten geht etwas. „Ich glaube nicht, dass die sich hängenlassen“, sagt Fink, der ein heißes Spiel erwartet: „Alle, ob Spieler, Trainer oder Zuschauer, können sich auf ein geiles Finale freuen.“

Wobei so kurz vor Saisonende auch schon die ersten Andeutungen von Analysen durchsickern. Heute bei Fink. „Wir hatten 48 Punkte mehr oder weniger als Ziel ausgegeben und die jetzt erreicht. Die haben wir auch nicht von irgendwelchen Elfen geschenkt bekommen sondern uns erarbeitet. Wir dürfen uns ganz sicher nicht belügen, da gibt es einiges, was wir verbessern müssen. Aber wie wir nach den großen Rückschlägen in München, Hannover oder hier gegen Schalke zurückgekommen sind zeigt, dass der Kern der Mannschaft da ist. Und der will jetzt die 51 Punkte, was top wäre.“ Immerhin sei man in der Vorsaison 15. Gewesen und jetzt achter. Fink: „Das ist eine absolut positive Entwicklung.“

Allerdings eine, die noch deutlich besser hätte ausfallen müssen. Die Ansprüche, die der HSV hat, können nicht jenseits irgendwelcher Europapokalplätze liegen“, bilanzierte auf der 20. Hamburg-Soirée am Montag Günther Netzer die wechselhafte Saison schon vor dem letzten Spieltag. „Man kann nicht zufrieden sein. Die Mannschaft hat kein Vertrauen geschaffen. Man muss sich nur mal vorstellen, welche Punkte der HSV in dieser Saison liegen gelassen hat“, sagt der vielleicht geeignetste Kandidat für einen HSV-Vorstandsposten, der allerdings und leider weiterhin jegliche Mitarbeit bei seinem Ex-Klub ausschließt.

Ausgeschlossen ist zudem ein letztes Mitwirken von Tolgay Arslan, dessen Kreuzbandzerrung noch immer nicht auskuriert ist und die den jungen Mittelfeldmann vor echte Probleme stellen könnte. „Es sieht nicht gut aus bei ihm“, sagt Fink, bezogen auf einen Einsatz Arslans und ergänzt: „Das wird eng für seine EM-Teilnahme.“ Hintergrund: Arslan zählt noch immer zum Kader der U21-Nationalelf, die vom 5. bis 18. Juni in Israel um den EM-Titel kämpft. Bitter für Tolgay, dem ich von hier gute Besserung wünsche und für den ich beide Daumen gedrückt halte. Er hätte sich so einen krönenden Abschluss absolut verdient.

Verdienen ist ein gutes Stichwort. Das will der HSV mit Spielerverkäufen. Unter anderem stand und steht auch ein Verkauf von Heung Min Son noch auf dem Zettel. Und während in den letzten Tagen immer wieder Champions-League-Finalist Borussia Dortmund als Hauptinteressent genannt wurde, scheint sich dieser Wechsel plötzlich zu zerschlagen. Denn trotz des Dementis von Werders Kevin de Bruyne soll der Transfer des Belgiers zum BVB bereits eingetütet sein. Einzig die Einigung zwischen BVB und Chelsea, von denen de Bruyne an die Weser verliehen ist, steht noch aus. Zudem sollen BVB-Boss Watzke samt Trainer Jürgen Klopp und Manager Michael Zorc in Brasilien bezüglich eines offensiven Mittelfeldspielers und in Porto in Sachen Stürmer fündig geworden sein: Jackson Martinez gilt inzwischen als heißester Kandidat für die wahrscheinliche Nachfolge Robert Lewandowskis.

Zudem gilt intern als hochwahrscheinlich, dass Son ein Engagement in England nicht dem HSV vorziehen werde. Im Gegenteil, heute habe ich das erste Mal seit Wochen wieder einen Offiziellen sagen hören, dass er eher mit einem Verbleib Sons rechnet. Nun denn. – eine Fortsetzung der Arie ist sicher. Geplant ist, dass sich Son im Laufe der kommenden Woche erklärt. Aber dazu werde ich Euch im Laufe dieser Woche hoffentlich noch ein wenig mehr berichten können.

Und wo wir gerade beim Thema Angreifer sind: Während ich vor zwei Wochen an eine taktische Aussage Finks glaubte, als er Maxi Beister hoch lobte, hat sich dieser die Komplimente inzwischen wieder ehrlich verdient. Im Training gibt der reumütige Youngster Vollgas und scheint vieles wiedergutmachen zu wollen. Und das sieht gut aus. Deutlich besser sogar als noch vor der überflüssigen Roten Karte. Weiter so, Maxi!

Klar ist, dass am Sonnabend nur Jeffrey Bruma verabschiedet wird. Für die restlichen Verkaufsposten hat sich bislang noch kein Abnehmer gefunden. Kacar scheint sich mit Hannover einig werden zu können und Slobodan Rajkovic soll Interessenten aus Russland haben, dort aber nicht hingehen wollen. Aber ansonsten ist noch alles ruhig. „Der Markt bewegt sich schon“, hatte Frank Arnesen vor 14 Tagen gesagt. Allerdings bewegt sich selbiger bislang am HSV vorbei. Aktuell marschiert auch ein Stürmerkandidat am HSV vorbei: Daniel Ginczek wechselt vom FC St. Pauli voraussichtlich nach Nürnberg. Der HSV, der einen groß gewachsenen Stürmer wie Ginczek (22 Jahre alt, 17 Tore, 191 Zentimeter hoch und 80 Kilogramm schwer) sucht, ist nicht in der Verlosung, worüber sich heute einige aufgeregt haben. Und ehrlich gesagt, zählte auch ich zu denen, die in Ginczek einen richtig Guten erkannt haben wollten. Dennoch bin ich aktuell nicht der Meinung, dass der HSV Ginczek holen muss. Im Gegenteil, der Pauli-Recke ist mir einem Rudnevs zu ähnlich. Und obwohl sich Fink zitieren lässt, Ginczek wäre interessant und würde ins Anforderungsprofil passen, glaube ich, dass der HSV besser beraten wäre, einen langen Stürmer zu nehmen, der über etwas mehr technische Fähigkeiten verfügt. Denn davon gibt’s beim HSV keinen und genau den will Fink. Insofern bin ich diesbezüglich ganz entspannt. Noch hat der HSV ja Zeit.

Nicht vorbei sein wird es mit HSV-Spielen nach der Partie gegen Leverkusen, da die Mannschaft ab kommenden Dienstag für drei Tage (21. Bis 24. Mai) eine Abschlussreise mit Teambuilding-Caharakter nach Neuruppin unternimmt. Die Tour wird durch ein Testspiel gegen Neuruppin abgerundet. Und das alles ja vielleicht doch noch als Europa-League-Teilnehmer.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

4:1-Sieg – die Hoffnung stirbt zuletzt!

11. Mai 2013

Der HSV lebt noch. Am 33. Spieltag gab es den ersten Sieg in Sinsheim, oder besser gesagt, bei der TSG 1899 Hoffenheim, der mit 4:1 noch recht üppig ausfiel. Der HSV zeigte diesmal eine seiner besten Leistungen dieser Saison und darf noch bis zuletzt vom Weg nach Europa träumen. Weil es Eintracht Frankfurt mit dem 1:1 in Bremen noch spannend gemacht hat. Freiburg ist vom HSV aber nicht mehr einholbar, weil es in Fürth mit viel, viel Glück einen 2:1-Sieg gab. Der HSV wird seinen Chancen nachtrauern, denn den europäischen Start hat die Mannschaft von Thorsten Fink in den Heimspielen gegen Fürth, Augsburg und Freiburg vergeben. Aber, es gibt sie ja noch, die Minimal-Chance für den HSV – dank Frankfurt oder auch dank Bremen. Es lebe die Hoffnung.

Sie haben sich noch nicht aufgegeben. Das habe ich Mitte der Woche geschrieben. Und habe so bei mir gedacht: „Naja, was sollen die Spieler, was soll der Trainer und was sollen die Verantwortlichen schon sagen? Lieber eine Woche noch an einen Strohhalm klammern, an einen ganz, ganz kleinen und dünnen Strohhalm, als schon eine Woche lang erklären müssen, warum es nicht mit Europa geklappt hat. Aber die Mannschaft und ihr Chef Thorsten Fink, sie haben alle Ernst gemacht. Von Beginn an wurde im letzten Auswärtsspiel der Saison auf das Gaspedal gedrückt. Der HSV war heiß, war bissig, war aggressiv. Und hätte fast schon nach wenigen Sekunden in Führung gelegen: Eckstoß Rafael van der Vaart von rechts, Kopfball in der Mitte von Marcell Jansen – der Ball streicht am langen Eck vorbei. Fast wäre Heung Min Son noch herangekommen, aber das war schon mal ein verheißungsvoller Auftakt.

Thorsten Fink hatte seine Mannschaft doch noch einmal umgekrempelt. Dennis Aogo kam links zum Einsatz, weil Son in die Sturmmitte rückte – denn Artjoms Rudnevs blieb auf der Bank. Und im rechten Mittelfeld spielte Petr Jiracek, auf jener Position, die ihm vor dem letzten Heimspiel gegen Wolfsburg auch schon zugedacht war. Und, um es einmal, vorweg zu nehmen: Thorsten Fink hat mit dieser Aufstellung alles richtig gemacht.

Das zeigte sich schon beim ersten HSV-Tor an diesem Nachmittag. Dennis Diekmeier sprintete mit Ball von der Mittellinie recht los, rannte und rannte, zog dann von der Rechtsaußen-Position (auf Höhe Elfmeterpunkt) eine traumhafte Flanke zur Mitte, in die Son am Elfmeterpunkt stieg – und die Kugel super in die lange Ecke köpfte. Hoffenheim-Keeper Casteels rutschte zwar bei seinem Abwehrversuch aus, aber die Experten, die um mich herumsitzen, waren sich einig: „Den hätte der Torwart auch ohne auszurutschen nicht bekommen . . .“ Ich will ihnen mal glauben. Auf jeden Fall ein Tor aus dem Bilderbuch, und ein ganz wichtiges für den HSV (18.).

Zehn Minuten später hätte es schon 2:0 stehen müssen. Son bediente den mitgelaufenen Jiracek, der kreuzte völlig frei vor dem TSG-Tor auf und konnte sich die Ecke aussuchen. Der Tscheche entschied sich – völlig richtig – für die lange, für die linke Ecke, schlenzte den Ball mustergültig am Keeper vorbei – aber auch um Zentimeter am Pfosten vorbei. Das war Pech. Viel Pech sogar.

Das 2:0 fiel aber trotzdem. Rafael van der Vaart sah Son in die halbrechte Gasse starten, der Pass kam zuckermäßig, der Südkoreaner nahm den Ball mit der Brust mit, umkurvte Torwart Casteels und schoss. Und nun rätseln die Experten: War es ein Torschuss, oder war es doch eher ein kluger und sehenswerter Rückpass? Wir entschieden uns hier, im Block House Eidelstedt, mit 4:0 für Rückpass. Egal wie, es war großartig gemacht, Borussia Dortmund wird es wahrscheinlich sehr gerne sehen (warum wohl?) – und Aogo hat es auch sehr, sehr gerne gesehen, denn der Nationalspieler musste den Ball nur über die Torlinie drücken. Sein zweites Saisontor. Und natürlich lief er sofort zu Son, um sich für diesen Treffer zu bedanken (35.). Das sah schon ganz verdächtig nach großartigem Fußball aus. Der HSV war in dieser Phase eindeutig der Chef im Ring. Hoffenheim kam lediglich einmal recht gefährlich vor das HSV-Tor, als Rene Adler nach einem Freistoß etwas unfair attackiert wurde (Volland) und am Ball vorbeisprang. Die anschließende Flanke köpfte Volland dann auf das Tor, doch zum Glück war Marcell Jansen auf die Torlinie zurückgeeilt und drosch die Kugel wieder Richtung Mittellinie (43.). Gut gemacht, „Cello“! Halbzeit. Und auf dem Gang in die Kabine beschwerte sich Adler noch bei Schiedsrichter Dingert (der ansonsten sehr gut pfiff).

Mit dem Anpfiff zum zweiten Durchgang begann der Sturmlauf der Hoffenheimer. Der HSV konnte sich selten aus dieser Umklammerung lösen, aber einmal gelang es ganz entschieden: Nach einem abgewehrten Ball schoss Diekmeier aus der halblinken Position – eigentlich weit vorbei – Heiko Westermann bekam die Kugel im zweiten Versuch unter Kontrolle, überließ sie Jansen, der den Ball flach zu Mitte beförderte. Dort stand mutterseelenallein Jiracek, der ohne große Mühe zum 3:0 einschoss. Die Vorentscheidung (60.).

Einziger Schönheitsfehler an diesem Treffer – im Gegenzug schoss Volland zum 1:3 ein, unhaltbar für Adler. Noch einmal durfte dann der HSV dagegen von einem Tor träumen, als Milan Badelj seine Spitze Son schickte. Wie einst in Mainz lief der Torjäger auf das TSG-Tor zu, legte sich die Kugel dann aber etwas zu weit vor – Casteels hielt (69.). Der Rest war Abwehrkampf – und ein Konter. Badelj schickte den eingewechselten Rudnevs, und der traf mit links zum 4:1. Das zwölfte Saisontor für den Letten (88.).

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt großartig, auf ihn war stets Verlass – einmal sah er unglücklich aus, als er von Volland unfair attackiert wurde, aber das blieb ohne Folgen.

Dennis Diekmeier bot eine sehr engagierte Partie ab, er lief rauf und runter und machte seine rechte Seite ziemlich dicht. Nur in der 66. Minute sah er einmal schlecht aus – Schwamm drüber. Note drei.

Heiko Westermann war wieder einmal unheimlich wertvoll, denn er hatte so oft noch seinen Kopf oder auch nur die Stiefelspitze zwischen einem gut gemeinten TSG-Pass. Der Bundestrainer sah bei dieser Partie zu, er wird es mit Freude registriert haben, wie gut Westermann in Form ist. Note zwei.

Slobodan Rajkovic räumte hart, gelegentlich etwas rustikal ab, aber das zeigte Wirkung. „Slobo“ bot eine solide Partie, Note drei.

Marcell Jansen hatte wieder eine sehr gute erste Halbzeit, dann ließ er ein wenig nach. Ohne abzustürzen. Beim 1:3 aber sah er nicht sehr glücklich aus, als er nur mit der Hacke einen Pass abblocken wollte – das war eine falsche Idee, weil einfach zu simpel.

Tomas Rincon wurde oft hart und auch überhart attackiert, aber er, der sonst so austeilt, steckte alles super weg. Das war eine gute Partie, er spielte zuverlässig und konzentriert – Note drei.

Milan Badelj war ein wichtiger Mann in dieser HSV-Mannschaft, spielte viele gute Bälle, eroberte auch einige – das sah teilweise schon wie in der Hinrunde aus, als er überragend spielte.

Petr Jiracek war auch rechts ein Gewinn, er arbeitete enorm viel und vor allen Dingen ohne Pause für die Mannschaft, das war besonders wertvoll. Und er krönte diese Partie mit seinem ersten Saisontor. Note drei.

Dennis Aogo durfte – etwas überraschend – auf link ran und bedankte sich mit einer engagierten Fließleistung – und mit seinem zweiten Saisontor.

Rafael van der Vaart war der Chef in dieser HSV-Mannschaft, auch wenn die ganz großen Szenen wieder fehlten. Dennoch, und das hat in dieser Woche Trainer Fink schon gesagt: „Wenn es gefährlich nach vorne geht, dann hängt meistens van der Vaarts linker Fuß damit zusammen.“ So ist es. Note drei.

Heung Min Son schoss sein zwölftes Saisontor und legte das 2:0 vor, wirkte unternehmungslustig und wirbelte viel – das war eine gute Bewerbung für eine Mannschaft aus der Champions League. Note zwei. Ging in der 77. Minute mit einem Wadenkrampf raus.

Per Ciljan Skjelbred (ab 65. Min. für Aogo) stopfte fleißig – so wie er von Natur aus ist – noch etliche Löcher. Was gut an diesem wuseligen Norweger ist: Er braucht selten eine längere Anlaufzeit.

Artjoms Rudnevs (ab 77. Min. für Son) konnte eigentlich nur noch verteidigen, denn der HSV stand zu diesem Zeitpunkt unter Dauerdruck.

Maximilian Beister (ab 90. Min. für Jiracek) durfte die Siegprämie noch einheimsen. Mehr war nicht drin.

So, das war es mit dem letzten Auswärtsspiel des HSV in der Saison 2012/13. Gleich aber geht es noch ein wenig weiter, denn wir sind, und zwar in einigen Minuten, mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über das Hoffenheim-Spiel reden. Und zwar mit unserem Gast Holger Hieronymus, dem ehemaligen Nationalspieler, HSV-Profi, HSV-Trainer und HSV-Sportchef sowie DFL-Geschäftsführer. Und dazu ist „HH“ natürlich – und für mich sogar in erster Linie – einer der HSV-Helden von 1983, vom Europapokal-Sieg über Juventus Turin. Wir freuen uns. Auch auf euch.

17.29 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »