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Ein “Spion” und Julian Green sorgen für Unruhe

13. Februar 2015

Wenn man einen Weg umsonst macht – dann war es dieser. Während des heutigen Geheimtrainings stand neben einigen (hier) bekannten Journalisten auch ein junger Mann, den es schon gestern zum Training gezogen hatte. „Mit Kamera hat er das Training gefilmt“, so Zinnbauer über den vermeintlichen Spion, der am Donnerstag auffällig unauffällig mit der Kamera das Training aufgenommen haben soll. So, wie einst ein Kölner Spion im Trainingslager in Dubai. Wobei sich dieser noch dreister verhalten hatte und sogar an den Presserunden teilgenommen hatte…

 

Und dieser Spion? Er war zumindest schon mal das spannendste Thema dieses Geheimtrainings, das eigentlich gar nicht geheim war, da es auf dem gut einsehbaren vorderen Trainingsplatz stattfand. Und vor allem gab es tatsächlich nichts zu sehen, was in irgendeiner Form Aufschluss auf Sonnabend geben könnte. Außer der Tatsache, dass Ivo Ilicevic und Maxi Beister nicht dabei waren, weil sie bei der U23 eingesetzt werden. Ilicevic dauerhaft, Beister vorübergehend. „Ich habe mit Maxi gesprochen und er hat darum gebeten, in der U23 Spielpraxis zu sammeln.“ Deshalb trainierte der Rechtsfuß heute individuell und steht morgen um 13.30 Uhr in der Startelf gegen den VfL Wolfsburg II.

Beister spielt. Weil er sich entwickeln will. Ein anderer weigert sich, noch zumindest: Julian Green. Der Youngster hatte sich zuletzt darüber beschwert, erst aus der Presse davon erfahren zu haben, dass er in der U23 spielen soll. Peter Knäbel kündigte daraufhin Gespräche für die kommende Woche an. Und diese dürften für den Leihspieler nicht sonderlich angenehm werden.

 

Morgen hat Green auf jeden Fall spielfrei. Stattdessen muss die US-Leihgabe vom FC Bayern trainieren, weil er sich weigert, für die Regionalligamannschaft aufzulaufen. Mediendirektor Jörn Wolf: „Julian hat bislang nicht die Bereitschaft, im Nachwuchs zu spielen.“ Dabei hat der Rechtsfuß aktuell nicht einmal die Form, dort einen Platz in der Startelf einzufordern.

 

Green wird zum Missverständnis – wenn er es nicht schon längst ist. Der US-Nationalspieler sollte beim HSV die Spielpraxis sammeln, die er beim mit Weltklassespielern bestückten FC Bayern nicht bekommen würde. Beim HSV schien das wahrscheinlicher – allerdings rechnete niemand damit, dass 1.) nach drei Spieltagen der Trainer gewechselt würde, und 2.) Green sich in keiner Phase der Saison aufzudrängen wusste. Green, der es bevorzugt, über die Außen zu kommen, ist in Hamburg bis heute nicht angekommen. Das Verhältnis zu Trainer Joe Zinnbauer sei grundsätzlich intakt, sagen beide. Allerdings steht Green bei Zinnbauer nicht weiter oben auf der Liste, seit er sich weigert, für die U23 aufzulaufen. Im Gegenteil: der zweite Arslan droht. Mit dem feinen Unterschied, dass Green nicht mehr wechseln kann. Er dürfte es nach dieser Auseinandersetzung schwer haben, beim HSV überhaupt noch einmal Spielpraxis zu sammeln. Und obwohl ich gestern geschrieben habe, was ich von Profis halte, die die eigene U23 geringschätzend ablehnen – was auch für Green gilt – will ich für ein abschließendes Urteil fairerweise abwarten, wie Green die Situation darstellt.

Eine glasklare Situation findet der HSV bei seinem Gastauftritt in München vor. In keinem Spiel ist der HSV auf dem Papier deutlicher Außenseiter als in der Allianz-Arena. Im Jubiläumsspiel, dem 100. Nord-Süd-Schlager, setzt der HSV auf den Überraschungseffekt. Besser gesagt, Zinnbauer macht das intern so. Der HSV-Trainer wechselte im Laufe der Woche immer wieder seine vermeintliche A-Elf durch – und ließ das Abschlussspiel heute gänzlich aus. Noch immer ist unklar, ob Slobodan Rajkovic oder Heiko Westermann neben Johan Djourou spielt. Noch ist unklar, ob Rafael van der Vaart wirklich eine Pause bekommt und an seiner Stelle Petr Jiracek neben Marcelo Diaz aufläuft. Ebenso vakant ist die Startelfbesetzung des Linksverteidigers, wo sich Ronny Marcos und der im Training zuletzt stärker werdende Matthias Ostrzolek Konkurrenz liefern.

 

Zinnbauer selbst wollte sich heute nicht dazu äußern. Und im Training ließ er ausschließlich ein leichtes Aufwärmtraining sowie eine intensive Torabschlussübung absolvieren. Genau so, wie er vor dem Hannover-Sieg trainieren ließ. Aberglaube? Mit Sicherheit. Zinnbauer ist ein Freund der Rituale. So wird er die Startelfaufstellung tatsächlich erst unmittelbar vor der Mannschaftsbesprechung am Sonnabend in München festlegen. Zusammen mit seinem Trainerteam – genau so, wie vor Hannover…

 

„Wir werden wieder so intensiv spielen müssen wie gegen Hannover“, sagt Ivica Olic, der mit dem HSV in München noch ungeschlagen ist. Nimmt man die jüngste Statistik, ist Böses zu erahnen. 3:23 Tore in den letzten vier Spielen, zwölfmal in Folge blieb man gegen den Rekordmeister ohne Sieg und kassierte dabei den rekordverdächtigen Schnitt von 3,3 Gegentoren.

 

Aber: Bangemachen gilt nicht. Denn auch die Bayern sind noch nicht in der Verfassung der Hinrunde. Sagte Olic am Donnerstag. Und der ist ganz froh darüber, dass mit Boateng (gesperrt) der beste Verteidiger der Münchner ausfällt. Dafür soll Franck Ribéry sein Comeback feiern. Über die linke Seite des FCB würde er es – so schien es im Training – mit Ashton Götz zu tun bekommen. Ein Duell, in dem der Jungprofi eine Menge lernen und gewinnen kann. Auf der anderen Außenverteidigerseite bekommt es offenbar Matthias Ostrzolek mit dem wohl besten Spieler der Liga zu tun: Arjen Robben. Und im Zentrum? Da bekommt es der HSV mit Thomas Müller, Mario Götze oder Robert Lewandowski zu tun. Und egal wer es am Ende wird, sollte der zuletzt von Zinnbauer gelobte Rajkovic für Westermann weichen müssen – es wäre ein bitterer Nackenschlag für den Serben. Einzige Möglichkeit, dass beide spielen wäre, wenn Westermann trotz der letzten beiden Partien noch mal als Rechtsverteidiger auflaufen. Und irgendwie glaube ich, dass es so kommt…

 

Wirklich zu gefallen weiß derzeit Marcelo Diaz. Der Chilene spielt abgezockt, unaufgeregt und nahezu fehlerfrei. Er schlägt hervorragende Standards und auch heute beim Torabschluss hatte er (zusammen mit Jansen) die wahrscheinlichste höchste Erfolgsquote. Und ich hoffe, dass er mit seinen Pässen in München vielleicht den einen oder anderen Konter über Olic, Jansen oder Müller einleitet. Und wenn das nicht funktioniert – vielleicht entscheidet am Ende ja ein Standard das Spiel.

 

Ihr seht, ich bin wirklich nie hoffnungslos vor Spielen. Nicht einmal bei diesem HSV gegen diesen FC Bayern München. Aber ich gebe zu, dass ich eine relativ überschaubare Erwartungshaltung habe. Aber was heißt das schon…?!

 

In diesem Sinne, warten wir ab, wie der HSV in München auftritt. Personell wie leistungstechnisch. Ich bin gespannt. Denn so offen wie diesmal war es lange nicht. Das weiß übrigens auch der Spion, der so gar nicht Spion sein wollte. Ich habe ihn nach dem Training einfach mal angesprochen und gefragt, ob er für den FC Bayern arbeitet. Er antwortete mir, dass er ein Student aus Münster sei, der mit seiner Freundin eine Woche lang in Hamburg zu Besuch ist. Er brachte es zugegebenermaßen nicht besonders glaubhaft rüber. Aber selbst wenn, auch er hat heute nichts sehen können, womit er bei Guardiola glänzen könnte. Dafür gab es gestern viel zu sehen – zumindest viele unterschiedliche Formationen.

 

In diesem Sinne, es bleibt spannend. Bis morgen! Dann übrigens wieder mit einem Matz ab live unmittelbar nach Schlusspfiff um 17.30 Uhr aus dem Champs. Unsere Gäste sind Dennis Diekmeier und Carsten Byernetzki, der ehemalige Schiedsrichter und aktuelle Pressesprecher des Hamburger Fußball-Verbandes.

 

Scholle

So könnten sie spielen: Drobny – Westermann, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek – Jiracek, Diaz – Müller, Stieber, Jansen – Olic.

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