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7:3 in Meldorf – auch Drobny trifft! ##### Ergänzung zum Thema Sportchef

20. Mai 2013

Würstchen. Bier und Autogramme, dazu viele strahlende Gesichter. Das ganze Dorf war da . . . Nein, ich weiß gar nicht, ob Meldorf ein Dorf ist. 10 000 Einwohner – eine kleine Stadt. Auf jeden Fall war der schöne Sportplatz des abstiegsgefährdeten Schleswig-Holstein-Liga-Clubs mit 2700 Zuschauern bestens gefüllt. Der HSV war da, Sponsor Holsten hatte es möglich gemacht, TuRa Meldorf hatte den Bundesliga-Vertreter „gewonnen“. Da das Wetter auch mitspielte, denn es regnete ausnahmsweise einmal nicht, war diese Partie ein richtig schönes Fußballfest – und zudem noch eine Werbung für den HSV. Der gewann mit 7:3 gegen einen Gegner, der am morgigen Dienstag noch ein schweres Punktspiel im Abstiegskampf – und zwar beim SV Henstedt-Rhen – zu bestreiten hat. Erschwerte Bedingungen für die Amateure.

Der HSV trat in Meldorf ohne Rene Adler, Dennis Diekmeier, Heiko Westermann, Marcell Jansen, Dennis Aogo, Tomas Rincon und Heung Min Son an. Es spielten in Halbzeit eins: Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Michael Mancienne, Slobodan Rakjovic, Petr Jiracek; Milan Badelj, Per Ciljan Skjebred, Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart, Artjoms Rudnevs und Maximilian Beister. Und diese Formation hatte nach Sekunden eine haarige Situation zu verkraften: Ein weiter Schlag von Meldorf-Torwart Pycha setzte in der HSV-Hälfte auf, Mancienne verschätzte sich und sprang unter dem Ball durch, und plötzlich stand Plötz frei vor Keeper Drobny. Der TuRa-Stürmer köpfte über und an Drobny vorbei, verfehlte aber auch um Zentimeter das Tornetz. Noch lange hielt sich der Meldorfer beide Hände vor das Gesicht, er konnte es nicht fassen, eine solche „Hundertprozentige“ vergeben zu haben.

Trotz allem fiel das erste Tor gegen den HSV. Von Bruma und Mancienne war nichts zu sehen, als Meldorfs Jeremejev allein auf Drobny zulief – und eiskalt traf. War das ein Jubel in der neunten Minute! Der HSV rückte die Verhältnisse danach aber schnell wieder zurecht. Rudnevs traf nach Zuspiel von Badelj zum 1:1 (16.), Ilicevic vollendete nach überragender Vorarbeit von Rudnevs zum 2:1 (18.) und Beister „hämmerte“ mit rechts ein – 3:1 (28.). Zwischendurch ließen Ilicevic und Rudnevs noch jeweils eine hundertprozentige Chance aus, dann tanzte Ilicevic „ganz Meldorf“ aus und legte den Ball mustergültig zur Mitte, wo Beister aus zwei Metern nur noch eindrücken musste (34.). Halbzeit.

Zur Pause wechselte der HSV dann kräftig aus, es spielten dann: Drobny, Skjelbred, Bruma, Mancienne, Angelo Langer; Matti Steinmann, Ndriqim Halili, Domink Masek, Ilicevic, Beister und Rudnevs. In der 55. Minute kam Josef Shirdel für den angeschlagenen Ilicevic.

Und der HSV ging zwei Minuten nach Wiederbeginn mit 5:1 in Führung. Rudnevs wurde im Strafraum gefoult, den fälligen Elfmeter wollte Beister schießen, doch von hinten stürmte Drobny heran. Der Keeper schoss. Und wie. Meldorfs Torwart wurde getäuscht, er flog, flog und flog nach rechts, wunderschön, wunderbar hoch und weit, und Drobny kullerte die Kugel durch die Mitte ins Netz. Obwohl ich gar nicht weiß, ob der Ball das Netz erreicht hat, es war tatsächlich nur ein Kullerball . . .

Der eingewechselte Shirdel traf danach zum 6:1, Vorlage Masek (57.). Und dann war Meldorf mal wieder dran: Till Balzer verkürzte auf 2:6 und wurde begeistert gefeiert (69.). Der kleine Halili hätte dann ein Tor köpfen (!) können, doch nach Beister-Ecke traf der aus fünf Metern das Tor nicht – und hielt sich entsetzt die Hände vor das Gesicht. Für das letzte HSV-Tor sorgte dann noch einmal Beister, als er den Innenpfosten traf – Tor (79.). Den Schlusspunkt aber setzte nach einem Foul von Langer der Meldorfer Timo Braasch, der den Elfmeter zum 3:7-Endstand verwandelte. Ein Torfestival beim TuRa-Fußballfest, die Fans gingen zufrieden gen Heimat.

Auf eine Einzelkritik verzichte ich – natürlich. Für mich aber war Ivo Ilicevic diesmal recht auffällig. Der ehemalige Lauterer deutete mehrfach sein großes fußballerisches Können an, das, was er uns allen in der gesamten Saison vorenthalten hat. Der Junge kann was, das stand vorher schon fest, heute deutete er mehrfach seine Klasse an – wenn er jetzt noch etwas mehr Pfeffer in den Hintern bekommen würde, dann könnte er ein „Neuzugang“ für die kommende Spielzeit werden. Mir jedenfalls hat es gefallen, auch wenn ihm längst nicht alles gelang.

So, das war Meldorf, aber zwei habe ich noch. Einmal gab es eine Meldung vom NDR:

Hartwig und Schnoor kritisieren HSV-Führung

Die ehemaligen HSV-Profis Jimmy Hartwig und Stefan Schnoor haben die Vereinsführung des Hamburger Bundesligisten sowie Sportdirektor Frank Arnesen harsch kritisiert: „Ich ärgere mich über den Aufsichtsrat und den Präsidenten. Der (Arnesen, d. Red.) kommt aus Chelsea und bringt lauter Fallobst mit als Spieler. Ich sehe, wie es Woche für Woche schlechter wird“, monierte Hartwig am Sonntagabend im NDR Sportclub.

Auch Schnoor sieht in Arnesen den Hauptverantwortlichen für das erneute Verpassen der Europa League. „Er hat die falschen Spieler verpflichtet. Gerade wenn du kein Geld hast, zeigt sich doch, ob du ein Guter bist oder nicht. Wenn du Geld hast, dann ist es einfach. Aber wenn nicht, dann muss ich mir etwas einfallen lassen. Dann muss ich mein Netzwerk spielen lassen und einen Blick für Talente haben“, sagte der 42-Jährige. Der HSV sei nicht in der Lage, sich für Europa zu qualifizieren. „Du hast ein paar Spieler dabei, die versuchen voranzugehen und sich reinzuhauen. Aber ein Großteil der Mannschaft ist alleine aufgrund seines Charakters nicht in der Lage dazu.“

Auch Heung Min Son sei „nicht der große Spieler, zu dem er immer gemacht wird. Wenn man für ihn 14 Millionen kriegen kann, dann weg“, meinte Schnoor.

Das ging und geht mir alles ein wenig zu weit. Teilweise habe ich gedacht: Sitzt da Paul Breitner? Der glänzte auch immer mit einem Halbwissen – jedenfalls dann, wenn er nicht über den FC Bayern spricht. Und wenn er über den HSV spricht, dann wird aus diesem Halbwissen auch gelegentlich ein Viertelwissen . . .

Die „alten Herren“ des HSV, Hartwig und Schnoor, die hätte ich mal sehen wollen, wenn sie Sportchef beim HSV geworden wären. Motto: „Nun kauft mal ein – aber ohne Geld.“ Und ich hätte Schnoor und Hartwig auch gerne mal gesehen, wenn sie unter falschen Voraussetzungen zum HSV gelockt worden wären. Die hätten sofort die Kurve gekratzt, davon bin ich überzeugt. Nun gut, Frank Arnesen verdient beim HSV fürstlich, vielleicht hätten es Schnoor und Hartwig ja auch für diese Summe getan, ist ja eine gewisse Entschädigung dafür, dass dem Herrn (Arnesen) viel versprochen wurde, von dem der HSV später (nach dem Führungswechsel) nichts mehr halten konnte. Weil einfach kein Geld da war. Und dann hat Arnesen, den ich gar nicht groß verteidigen will, ja auch tatsächlich seine Netzwerke spielen lassen – und hat sich bei Chelsea bedient. Sein Netzwerk. Und dazu noch Ivo Ilicevic (den einst die Bayern haben wollten!) und Per Ciljan Skjelbred gekauft. Nein, nein, da machen es sich einige Herren viel zu leicht, denn damals, als Arnesen beim HSV begann, war hier wirklich finanziell das Chaos ausgebrochen – „Holland in Not“.

Und sollte Frank Arnesen jetzt beim HSV bleiben, was ich, da bin ich ehrlich, nicht so recht mehr glauben mag, denn es gibt Gerüchte, dass es hinter den Kulissen eifrig rumort (und schon nach einem Nachfolger gesucht wird! Sogar schon gesprochen wurde!), also wenn Arnesen bleibt, dann ist er jetzt und in diesem Sommer tatsächlich gefragt. Geld gibt es immer noch nicht, die Chelsea-Nummer funktioniert auch nicht mehr – jetzt kommt es darauf an, dass der Däne ein gewisses Improvisations-Talent besitzt, um tatsächlich aus Nichts Gold zu machen. Da wird man mal abwarten müssen. Und auch die Herren Schnoor und Hartwig werden es tun müssen: warten.
Und noch eines: Zum Thema Charakter (über das Stefan Schnoor sprach) hätte ich noch eine ganze Menge zu erzählen und zu schreiben, aber das werde ich zu einem späteren Zeitpunkt erledigen. Ganz sicher sogar. Als ich das beim NDR sah und hörte, hüpfte mein Herz vor Vergnügen. Oder war es doch eher der Zorn, der mein Herz hüpfen ließ?

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Beginn der Ergänzung, die kurz vor Mitternacht am Pfingsmontag vorgenommen wurde.

Das ist eine Ergänzung, die am späten Montag, kurz vor Mitternacht, zu dem Sportchef Thema vorgenommen wurde. Das Hamburger Abendblatt berichtet in seiner Dienstag-Ausgabe in einem groß angelegten Artikel über die Entwicklung in Sachen „HSV-Sportchef“. Autoren des Artikels sind Alexander Laux und Kai Schiller. Sie haben mir gestattet, Auszüge ihres Berichtes zu übernehmen.

Es beginnt mit:

. . . was Arnesen zu jenem Zeitpunkt noch nicht wusste: er selbst ist offenbar der prominentester Streichkandidat des HSV. Wie das Abendblatt erfuhr, wird hinter den Kulissen bereits seit Wochen über eine vorzeitige Trennung des Managers debattiert. Innerhalb des Aufsichtsrats, der formell für die Bestellung und Absetzung des Vorstands zuständig ist, hat es bereits mehrere inoffizielle Gesprächsrunden zu der wohl wichtigsten Personalentscheidung des Sommers gegeben.

Weiter heißt es:

Der Personalausschuss (Manfred Ertel, Jens Meier, Christian Strauß und Eckart Westphalen) hat bereits mehrere Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt.

Und:

. . . Dabei ist Arnesen auch innerhalb des Vorstands nicht unumstritten. Der Hauptvorwurf: Das Preis-Leistungs-Verhältnis beim teuersten Sportchef aller Zeiten habe nie gestimmt. So müsse man Arnesen zwar den Top-Transfer René Adlers hoch anrechnen. Gleichzeitig sei der Skandinavier, der 1,8 Millionen Euro verdient, aber für eine Reihe von Transferflops verantwortlich.

Gegen Ende des Artikels heißt es:

. . . Nun deutet alles darauf hin, dass Arnesen selbst einem Umbruch an der Spitze zum Opfer fällt. Aufsichtsratschef Ertel wollte die Vorgänge hinter den Kulissen zwar nicht kommentieren („Zu Gerüchten äußere ich mich nicht“), seine Gespräche mit mehreren Nachfolge-Kandidaten wollte er allerdings auch nicht dementieren. Wie das Abendblatt erfuhr gibt es derzeit drei Hauptkandidaten, von denen DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig der klare Favorit sein soll.

Was sagt der Sportchef dazu? Der Däne:

„Unser Mediendirektor Jörn Wolf hat mir morgens erstmals von all den Gerüchten berichtet“, sagte Arnesen am Montagabend dem Abendblatt, „vom Aufsichtrat hat dagegen niemand mit mir gesprochen.“

Wie gesagt, das sind lediglich einige Ausschnitte aus einem großen und umfangreichen Bericht. Ich danke den beiden Kollegen, dass sie mir gestattet haben, darüber schon vorab in „Matz ab“ zu informieren.
Bereits in meinem Bericht vom Meldorf-Spiel hatte ich ja schon kurz über den „Fall Arnesen“ geschrieben, dass es gewisse Gerüchte gibt. Die gibt es in der Tat schon eine geraume Zeit, ich habe davon schon vor mehr als 14 Tagen erfahren. Seit dieser Zeit habe ich gehört, dass auch der frühere HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer (jetzt Zenit St. Petersburg) erneut vom HSV angesprochen worden sein soll. Niemand allerdings wird das bestätigen.
Zur Personalie Andreas Rettig kann ich nur sagen: Sollte der DFL-Geschäftsführer (Nachfolger von Holger Hieronymus) tatsächlich die Nummer eins sein, so kann ich dem Aufsichtsrat und dem HSV nur gratulieren. Eine perfekte Wahl. Ich halte Rettig für einen erstklassigen Mann, er ist kein „Traumtänzer“, er stand stets mit beiden Beinen auf der Erde und hat in seinen bisherigen Bundesliga-Stationen gelernt, aus wenig viel zu machen. Ich jedenfalls würde Andreas Rettig mit offenen Armen beim HSV in Empfang nehmen.

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Ende der Ergänzung kurz vor Mitternacht am Montag.

So, dann gibt es noch die HSV-Tour nach Neuruppin. Wenige Tage nach dem Ende der Bundesliga-Saison 2012/2013 wird der HSV von morgen an (Dienstag) bis zum 24. Mai in das Resort Mark Brandenburg nach Neuruppin reisen. Dort wird der Bundesliga-Siebte um Trainer Thorsten Fink und Rafael van der Vaart herum an einer Teambuilding-Maßnahme des Resort Mark Brandenburg teilnehmen. Und am Donnerstag, den 23. Mai, findet dann auch um 19 Uhr ein Testspiel im Neuruppiner Volksparkstadion gegen den Sechstligisten und Lokalmatador MSV Neuruppin statt.
„Mit dem HSV hat nun erstmals auch ein Fußball-Erstligist das erstklassige Teambuilding-Angebot unseres Hauses für sich entdeckt“, freut sich Martina Jeschke, Hoteldirektorin des Resort Mark Brandenburg.

16.15 Uhr

0:1 nach großem Kampf – schade!

18. Mai 2013

Schade, schade, HSV! Trotz einer guten und teilweise starken Vorstellung vor 57 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena gab es gegen den Tabellendritten Bayer Leverkusen eine 0:1-Heimniederlage. Aus Europa ist nichts mehr geworden, diese Chance aber hatte der HSV schon Wochen vorher gegen Fürth, Augsburg oder Freiburg liegen lassen, aber an diesem 18. Mai 2013 hat die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink trotz allem und ganz sicher viele Freunde zurückerobert. Diesmal hat die Mannschaft beherzt gespielt, alles gegeben, alles versucht – und war leider in der Offensive etwas zu schwach besetzt. Natürlich kam dieser Endspurt etwas zu spät, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie willig ist, dass sie lebt, dass sie sich doch nicht aufgegeben hat. Trotz der erneuten Heimniederlage – die Fans feierten ihren HSV, und das hatte die Mannschaft diesmal auch verdient. Das haben die HSV-Anhänger ganz, ganz toll gemacht, ein riesiges Kompliment an die Zuschauer – an den 12. Mann. Großartig. Und ein toller, trotz allem gelungener Saisonabschluss. Und bitte an alle, die nun enttäuscht sind: Seid nicht zu traurig, geht nicht zu sehr und zu hart mit euren Lieblingen ins Gericht, heute haben sie alles versucht. Stadionsprecher „Lotto King Karl“ sagte es richtig: „Das war ein Mega-Spiel.“ Das war es.

Als um 15.41 Uhr auf der Anzeigentafel das 1:0 der Wolfsburger in Frankfurt erschien, lief im Spiel gegen Leverkusen gerade die elfte Minute. Genau genommen zehn Minuten und 41 Sekunden. Und das Stadion glich einem Tollhaus. Wird doch noch alles gut? Nach 19 Spielminuten und 51 Sekunden stand es dann in Hamburg immer noch 0:0, aber in Frankfurt sogar schon 0:2. „Hey, hey, hier kommt Hamburg“, skandierte der Norden lautstark. „Scholle“, der neben mir saß, zeigte mir seine Gänsehaut auf beiden Armen. Wahnsinn. Mir ging es ebenso. Welch eine Dramaturgie! Was für ein Krimi auf diesem seifigen, schmierigen Rasen, auf den fast alle Spieler mehrfach ausrutschten! Es muss unheimlich schwer gewesen sei, da stets das Gleichgewicht zu behaupten. Zudem musste ich während des Spiels immer an Thorsten Fink denken, der am Tag zuvor ja über die Qualität der Werkself gesagt hatte. Leverkusen hat da schon eine sehr, sehr feine Mannschaft beisammen, vor allem die Offensive ist ja wirklich erstklassig besetzt. Damit lässt sich schon prächtig Fußball spielen . . .

Die Stimmung in der Arena war hervorragend, alles bereit für das „Finale Furioso“. Nur fußballerisch war das noch nicht ganz das Gelbe vom Ei – aus Sicht des HSV. Leverkusen hatte in Person von Hegeler, als Slobodan Rajkovic zu spät zur Grätsche ansetzte – doch Rene Adler hielt den Schuss des Bayer-Stürmers bravourös. Statt 0:1 nur Eckstoß (9.) – zum Glück für den HSV. Torchancen blieben in diesem ersten Durchgang ohnehin Mangelware. Der HSV hatte zwei gute Möglichkeiten, etwas aufzubauen, als einmal Heung Min Son links auf der Torauslinie durchmarschierte, in der Mitte aber keinen Mitspieler fand, und als noch einmal Son links durch war, auf Dennis Aogo ablegte, doch der Schuss des Nationalspielers flog über das Bayer-Tor (39.)

Halbzeit. In der Pause sprach ich mit „Pipo“, der HSV-Neuerwerbung (aus dem ARD-„Frühstücksfernsehen), die ihre Beine noch immer in Gips trägt: Olli Dittrich. Natürlich. Der Comedian und HSV-Fan war angetan von den ersten 45 Minuten: „Das ist ganz sicher eines der besseren Heimspiele des HSV, da ist viel Tempo drin, man sieht, dass die Spieler wollen. Und bislang hat Wolfsburg ja super mitgemacht. Aber egal wie die Jagd nach Europa auch ausgehen wird, der HSV sollte sich auf jeden Fall mit einer guten, auf jeden Fall soliden Leistung aus dieser Saison verabschieden, das haben die großartigen Fans verdient. Und wenn es dann nicht für einen internationalen Startplatz gelangt hat, dann lag es nicht an dem heutigen Spiel, sondern zum Beispiel an den Auftritten gegen Fürth und Augsburg. Da hätte mehr kommen müssen.“ Eine großartige Bilanz, die „Dittsche“ da schon mal zur Pause gezogen hat.

Die ersten Möglichkeiten des zweiten Durchgangs hatte Leverkusen, vor allem der starke Hegeler. Und als Schürrle vor Adler aufkreuzte, faustete der HSV-Keeper den Ball in höchster Not in Feld zurück (57.). Der HSV drückte, der HSV kam, er das erlösende 1:0 wollte und wollte nicht fallen. Als Dennis Diekmeier von rechts flankte stieg in der Mitte Heiko Westermann der Kugel entgegen – und Lars Bender sprang dem HSV-Abwehrchef nur in den Rücken. Kein Elfmeter, Schiedsrichter Wolfgang Stark breitete beide Arme aus: „Nichts.“

Das traf auch für die HSV-Torstatistik zu: nichts. Leider. Und weil Leverkusen in der 90. Minuten traf, als Kießling allein auf Adler zugelaufen war (ein Bilderbuch-Konter), kam die heutige große Schlacht, die der HSV abgeliefert hatte, leider etwas zu spät. Trotz allem: Dieser HSV hat sich heute sehr gut verkauft – und er hat insgesamt eine gute Saison gespielt. Eine Saison, die Hoffnung auf bessere Zeiten macht. Ganz sicher. Auch wenn heute einige traurige HSV-Fans wieder meckern und zetern werden – das war insgesamt schon okay. Und, das ist vielleicht ein ganz kleiner Trost: Wolfsburg schaffte in Frankfurt letztlich doch nur ein 2:2, selbst ein HSV-Sieg hätte heute also nicht mehr gelangt . . .

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt wieder einmal sehr gut, war bärenstark, nur mit dem Fuß hatte er so seine (kleineren) Schwierigkeiten, den Ball sinnvoll nach vorne zu befördern, das wirkte mitunter doch wackelig. Aber das vergessen wir an diesem Tag mal schnell, denn er hielt ansonsten hervorragend. Note zwei.

Dennis Diekmeier war hinten und vorne zu finden, das machte Spaß, ihm zuzusehen – in dieser Verfassung wäre er tatsächlich ein Kandidat für den „amerikanische“ „Jogi“ Löw gewesen . . .

Heiko Westermann war bester Mann. Unfassbar, wo er überall den Ball eroberte, erahnte, wo er Löcher stopfte, wo er abblockte, wo er mit dem Kopf zur Stelle war, wo er grätschte, sich ganz lang machte – das ist einfach nur großartig. Und vorbildlich. Und dazu dann dieses Wahnsinns-Pensum! Klärte in der 66. Minute überragend vor dem leeren Tor und vor Hegeler. Note eins.

Slobodan Rajkovic begann fahrig, vielleicht auch nervös, aber nach 30 Minuten hatte er sich im Griff. Dann war das ganz solide, was er ablieferte – obwohl es sicher noch besser und souveräner ginge.

Marcell Jansen ging weite Wege, leitete einige gefährliche (oder im Ansatz gefährlich wirkende) Dinger ein, aber irgendwie wirkte er auch nicht bei 100 Prozent, als wenn er leicht angeschlagen war. Aber er biss sich durch.

Tomas Rincon ackerte wie ein Gaul, rauf und runter, quer und zurück, er gab alles und das machte ihn so wertvoll. Ganz, ganz großartig, der kleine „Popeye“!

Milan Badelj spielte nicht so auffällig, schloss seine Aktionen aber auch nicht immer besonders glücklich ab – er kann es besser. Obwohl er nicht groß abfiel. In der 67. Minute ausgewechselt.

Petr Jiracek zeigte sein großes Kämpferherz, rieb sich in heißen Zweikämpfen (in denen er und es tüchtig zur Sache ging) auf, zerstörte und trieb voran – sehr engagiert, gelegentlich übertrieb er die Härte – und er lag nicht immer richtig in Sachen Abspiel.

Dennis Aogo war von der ersten Sekunde an griffig und bissig, er ging mächtig zur Sache – eine Stütze der Mannschaft.

Rafael van der Vaart lief wie gewohnt sehr viel, aber es lief auch einiges an ihm vorbei. Ganz sicher wollte er, aber so richtig viele und vor allem gute Sachen gelangen ihm an diesem wichtigen Tag nicht.

Heung Min Son war der gefährlichste Mann in der HSV-Offensive, er hat, auch wenn er hin und wieder leichtere Fehler begeht, in dieser Saison unglaublich viel dazugelernt. Note drei.

Artjoms Rudnevs (ab 67. Min. für Badelj) hatte leichte bis größere Schwierigkeiten, in diese Partie zu finden. Ein Einwechselspieler wird er wohl nicht mehr werden. Oder?

Maximilian Beister (ab 78. Min. für Aogo) wurde als Zusatz-Offensive ins Spiel geworfen und er machte auch richtig Dampf, aber er konnte es nicht mehr herbeiführen – das eine so sehr erhoffte Tor.

Ivo Ilicevic (ab 81. Min. für Aogo) sollte noch den entscheidenden Pass geben, die entscheidende Flanke – aber er schaffte es nicht mehr.

PS: Ein kleiner Hinweis für alle HSV-Fans: Morgen, Pfingstsonntag, zeigt der NDR nach dem Sportclub live (23 Uhr) die HSV-Nacht von Athen 1983, der Europapokal-Gewinn des HSV vom 25. Mai 1983 wird rauf und runter und kreuz und quer beleuchtet. Ein Muss für HSV-Anhänger.

So, jetzt geht sie gleich los, die Block-House-Talkrunde, „Matz-ab-live“. Zwei Gäste warten auf uns und natürlich auf euch. Einer davon ist Harry Bähre, der Bundesliga-Profi Nummer 001, und der zweite ist ebenfalls ein Hamburger Jung, nämlich Klaus Fock. Der frühere Stürmer kam einst, welch ein großes Kunststück, vom kleinen TuS Finkenwerder zum großen HSV, brachte es dann aber leider nur auf 25 Bundesliga-Spiele und fünf Tore. Wir werden natürlich über das Leverkusen-Spiel sprechen, über die Saison allgemein und über den HSV ganz speziell. Wäre super, wenn ihr uns eure Zeit schenken würdet, um dabei zu sein.

17.32 Uhr

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

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