7:3 in Meldorf – auch Drobny trifft! ##### Ergänzung zum Thema Sportchef
20. Mai 2013
Würstchen. Bier und Autogramme, dazu viele strahlende Gesichter. Das ganze Dorf war da . . . Nein, ich weiß gar nicht, ob Meldorf ein Dorf ist. 10 000 Einwohner – eine kleine Stadt. Auf jeden Fall war der schöne Sportplatz des abstiegsgefährdeten Schleswig-Holstein-Liga-Clubs mit 2700 Zuschauern bestens gefüllt. Der HSV war da, Sponsor Holsten hatte es möglich gemacht, TuRa Meldorf hatte den Bundesliga-Vertreter „gewonnen“. Da das Wetter auch mitspielte, denn es regnete ausnahmsweise einmal nicht, war diese Partie ein richtig schönes Fußballfest – und zudem noch eine Werbung für den HSV. Der gewann mit 7:3 gegen einen Gegner, der am morgigen Dienstag noch ein schweres Punktspiel im Abstiegskampf – und zwar beim SV Henstedt-Rhen – zu bestreiten hat. Erschwerte Bedingungen für die Amateure.
Der HSV trat in Meldorf ohne Rene Adler, Dennis Diekmeier, Heiko Westermann, Marcell Jansen, Dennis Aogo, Tomas Rincon und Heung Min Son an. Es spielten in Halbzeit eins: Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Michael Mancienne, Slobodan Rakjovic, Petr Jiracek; Milan Badelj, Per Ciljan Skjebred, Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart, Artjoms Rudnevs und Maximilian Beister. Und diese Formation hatte nach Sekunden eine haarige Situation zu verkraften: Ein weiter Schlag von Meldorf-Torwart Pycha setzte in der HSV-Hälfte auf, Mancienne verschätzte sich und sprang unter dem Ball durch, und plötzlich stand Plötz frei vor Keeper Drobny. Der TuRa-Stürmer köpfte über und an Drobny vorbei, verfehlte aber auch um Zentimeter das Tornetz. Noch lange hielt sich der Meldorfer beide Hände vor das Gesicht, er konnte es nicht fassen, eine solche „Hundertprozentige“ vergeben zu haben.
Trotz allem fiel das erste Tor gegen den HSV. Von Bruma und Mancienne war nichts zu sehen, als Meldorfs Jeremejev allein auf Drobny zulief – und eiskalt traf. War das ein Jubel in der neunten Minute! Der HSV rückte die Verhältnisse danach aber schnell wieder zurecht. Rudnevs traf nach Zuspiel von Badelj zum 1:1 (16.), Ilicevic vollendete nach überragender Vorarbeit von Rudnevs zum 2:1 (18.) und Beister „hämmerte“ mit rechts ein – 3:1 (28.). Zwischendurch ließen Ilicevic und Rudnevs noch jeweils eine hundertprozentige Chance aus, dann tanzte Ilicevic „ganz Meldorf“ aus und legte den Ball mustergültig zur Mitte, wo Beister aus zwei Metern nur noch eindrücken musste (34.). Halbzeit.
Zur Pause wechselte der HSV dann kräftig aus, es spielten dann: Drobny, Skjelbred, Bruma, Mancienne, Angelo Langer; Matti Steinmann, Ndriqim Halili, Domink Masek, Ilicevic, Beister und Rudnevs. In der 55. Minute kam Josef Shirdel für den angeschlagenen Ilicevic.
Und der HSV ging zwei Minuten nach Wiederbeginn mit 5:1 in Führung. Rudnevs wurde im Strafraum gefoult, den fälligen Elfmeter wollte Beister schießen, doch von hinten stürmte Drobny heran. Der Keeper schoss. Und wie. Meldorfs Torwart wurde getäuscht, er flog, flog und flog nach rechts, wunderschön, wunderbar hoch und weit, und Drobny kullerte die Kugel durch die Mitte ins Netz. Obwohl ich gar nicht weiß, ob der Ball das Netz erreicht hat, es war tatsächlich nur ein Kullerball . . .
Der eingewechselte Shirdel traf danach zum 6:1, Vorlage Masek (57.). Und dann war Meldorf mal wieder dran: Till Balzer verkürzte auf 2:6 und wurde begeistert gefeiert (69.). Der kleine Halili hätte dann ein Tor köpfen (!) können, doch nach Beister-Ecke traf der aus fünf Metern das Tor nicht – und hielt sich entsetzt die Hände vor das Gesicht. Für das letzte HSV-Tor sorgte dann noch einmal Beister, als er den Innenpfosten traf – Tor (79.). Den Schlusspunkt aber setzte nach einem Foul von Langer der Meldorfer Timo Braasch, der den Elfmeter zum 3:7-Endstand verwandelte. Ein Torfestival beim TuRa-Fußballfest, die Fans gingen zufrieden gen Heimat.
Auf eine Einzelkritik verzichte ich – natürlich. Für mich aber war Ivo Ilicevic diesmal recht auffällig. Der ehemalige Lauterer deutete mehrfach sein großes fußballerisches Können an, das, was er uns allen in der gesamten Saison vorenthalten hat. Der Junge kann was, das stand vorher schon fest, heute deutete er mehrfach seine Klasse an – wenn er jetzt noch etwas mehr Pfeffer in den Hintern bekommen würde, dann könnte er ein „Neuzugang“ für die kommende Spielzeit werden. Mir jedenfalls hat es gefallen, auch wenn ihm längst nicht alles gelang.
So, das war Meldorf, aber zwei habe ich noch. Einmal gab es eine Meldung vom NDR:
Hartwig und Schnoor kritisieren HSV-Führung
Die ehemaligen HSV-Profis Jimmy Hartwig und Stefan Schnoor haben die Vereinsführung des Hamburger Bundesligisten sowie Sportdirektor Frank Arnesen harsch kritisiert: „Ich ärgere mich über den Aufsichtsrat und den Präsidenten. Der (Arnesen, d. Red.) kommt aus Chelsea und bringt lauter Fallobst mit als Spieler. Ich sehe, wie es Woche für Woche schlechter wird“, monierte Hartwig am Sonntagabend im NDR Sportclub.
Auch Schnoor sieht in Arnesen den Hauptverantwortlichen für das erneute Verpassen der Europa League. „Er hat die falschen Spieler verpflichtet. Gerade wenn du kein Geld hast, zeigt sich doch, ob du ein Guter bist oder nicht. Wenn du Geld hast, dann ist es einfach. Aber wenn nicht, dann muss ich mir etwas einfallen lassen. Dann muss ich mein Netzwerk spielen lassen und einen Blick für Talente haben“, sagte der 42-Jährige. Der HSV sei nicht in der Lage, sich für Europa zu qualifizieren. „Du hast ein paar Spieler dabei, die versuchen voranzugehen und sich reinzuhauen. Aber ein Großteil der Mannschaft ist alleine aufgrund seines Charakters nicht in der Lage dazu.“
Auch Heung Min Son sei „nicht der große Spieler, zu dem er immer gemacht wird. Wenn man für ihn 14 Millionen kriegen kann, dann weg“, meinte Schnoor.
Das ging und geht mir alles ein wenig zu weit. Teilweise habe ich gedacht: Sitzt da Paul Breitner? Der glänzte auch immer mit einem Halbwissen – jedenfalls dann, wenn er nicht über den FC Bayern spricht. Und wenn er über den HSV spricht, dann wird aus diesem Halbwissen auch gelegentlich ein Viertelwissen . . .
Die „alten Herren“ des HSV, Hartwig und Schnoor, die hätte ich mal sehen wollen, wenn sie Sportchef beim HSV geworden wären. Motto: „Nun kauft mal ein – aber ohne Geld.“ Und ich hätte Schnoor und Hartwig auch gerne mal gesehen, wenn sie unter falschen Voraussetzungen zum HSV gelockt worden wären. Die hätten sofort die Kurve gekratzt, davon bin ich überzeugt. Nun gut, Frank Arnesen verdient beim HSV fürstlich, vielleicht hätten es Schnoor und Hartwig ja auch für diese Summe getan, ist ja eine gewisse Entschädigung dafür, dass dem Herrn (Arnesen) viel versprochen wurde, von dem der HSV später (nach dem Führungswechsel) nichts mehr halten konnte. Weil einfach kein Geld da war. Und dann hat Arnesen, den ich gar nicht groß verteidigen will, ja auch tatsächlich seine Netzwerke spielen lassen – und hat sich bei Chelsea bedient. Sein Netzwerk. Und dazu noch Ivo Ilicevic (den einst die Bayern haben wollten!) und Per Ciljan Skjelbred gekauft. Nein, nein, da machen es sich einige Herren viel zu leicht, denn damals, als Arnesen beim HSV begann, war hier wirklich finanziell das Chaos ausgebrochen – „Holland in Not“.
Und sollte Frank Arnesen jetzt beim HSV bleiben, was ich, da bin ich ehrlich, nicht so recht mehr glauben mag, denn es gibt Gerüchte, dass es hinter den Kulissen eifrig rumort (und schon nach einem Nachfolger gesucht wird! Sogar schon gesprochen wurde!), also wenn Arnesen bleibt, dann ist er jetzt und in diesem Sommer tatsächlich gefragt. Geld gibt es immer noch nicht, die Chelsea-Nummer funktioniert auch nicht mehr – jetzt kommt es darauf an, dass der Däne ein gewisses Improvisations-Talent besitzt, um tatsächlich aus Nichts Gold zu machen. Da wird man mal abwarten müssen. Und auch die Herren Schnoor und Hartwig werden es tun müssen: warten.
Und noch eines: Zum Thema Charakter (über das Stefan Schnoor sprach) hätte ich noch eine ganze Menge zu erzählen und zu schreiben, aber das werde ich zu einem späteren Zeitpunkt erledigen. Ganz sicher sogar. Als ich das beim NDR sah und hörte, hüpfte mein Herz vor Vergnügen. Oder war es doch eher der Zorn, der mein Herz hüpfen ließ?
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Beginn der Ergänzung, die kurz vor Mitternacht am Pfingsmontag vorgenommen wurde.
Das ist eine Ergänzung, die am späten Montag, kurz vor Mitternacht, zu dem Sportchef Thema vorgenommen wurde. Das Hamburger Abendblatt berichtet in seiner Dienstag-Ausgabe in einem groß angelegten Artikel über die Entwicklung in Sachen „HSV-Sportchef“. Autoren des Artikels sind Alexander Laux und Kai Schiller. Sie haben mir gestattet, Auszüge ihres Berichtes zu übernehmen.
Es beginnt mit:
. . . was Arnesen zu jenem Zeitpunkt noch nicht wusste: er selbst ist offenbar der prominentester Streichkandidat des HSV. Wie das Abendblatt erfuhr, wird hinter den Kulissen bereits seit Wochen über eine vorzeitige Trennung des Managers debattiert. Innerhalb des Aufsichtsrats, der formell für die Bestellung und Absetzung des Vorstands zuständig ist, hat es bereits mehrere inoffizielle Gesprächsrunden zu der wohl wichtigsten Personalentscheidung des Sommers gegeben.
Weiter heißt es:
Der Personalausschuss (Manfred Ertel, Jens Meier, Christian Strauß und Eckart Westphalen) hat bereits mehrere Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt.
Und:
. . . Dabei ist Arnesen auch innerhalb des Vorstands nicht unumstritten. Der Hauptvorwurf: Das Preis-Leistungs-Verhältnis beim teuersten Sportchef aller Zeiten habe nie gestimmt. So müsse man Arnesen zwar den Top-Transfer René Adlers hoch anrechnen. Gleichzeitig sei der Skandinavier, der 1,8 Millionen Euro verdient, aber für eine Reihe von Transferflops verantwortlich.
Gegen Ende des Artikels heißt es:
. . . Nun deutet alles darauf hin, dass Arnesen selbst einem Umbruch an der Spitze zum Opfer fällt. Aufsichtsratschef Ertel wollte die Vorgänge hinter den Kulissen zwar nicht kommentieren („Zu Gerüchten äußere ich mich nicht“), seine Gespräche mit mehreren Nachfolge-Kandidaten wollte er allerdings auch nicht dementieren. Wie das Abendblatt erfuhr gibt es derzeit drei Hauptkandidaten, von denen DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig der klare Favorit sein soll.
Was sagt der Sportchef dazu? Der Däne:
„Unser Mediendirektor Jörn Wolf hat mir morgens erstmals von all den Gerüchten berichtet“, sagte Arnesen am Montagabend dem Abendblatt, „vom Aufsichtrat hat dagegen niemand mit mir gesprochen.“
Wie gesagt, das sind lediglich einige Ausschnitte aus einem großen und umfangreichen Bericht. Ich danke den beiden Kollegen, dass sie mir gestattet haben, darüber schon vorab in „Matz ab“ zu informieren.
Bereits in meinem Bericht vom Meldorf-Spiel hatte ich ja schon kurz über den „Fall Arnesen“ geschrieben, dass es gewisse Gerüchte gibt. Die gibt es in der Tat schon eine geraume Zeit, ich habe davon schon vor mehr als 14 Tagen erfahren. Seit dieser Zeit habe ich gehört, dass auch der frühere HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer (jetzt Zenit St. Petersburg) erneut vom HSV angesprochen worden sein soll. Niemand allerdings wird das bestätigen.
Zur Personalie Andreas Rettig kann ich nur sagen: Sollte der DFL-Geschäftsführer (Nachfolger von Holger Hieronymus) tatsächlich die Nummer eins sein, so kann ich dem Aufsichtsrat und dem HSV nur gratulieren. Eine perfekte Wahl. Ich halte Rettig für einen erstklassigen Mann, er ist kein „Traumtänzer“, er stand stets mit beiden Beinen auf der Erde und hat in seinen bisherigen Bundesliga-Stationen gelernt, aus wenig viel zu machen. Ich jedenfalls würde Andreas Rettig mit offenen Armen beim HSV in Empfang nehmen.
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Ende der Ergänzung kurz vor Mitternacht am Montag.
So, dann gibt es noch die HSV-Tour nach Neuruppin. Wenige Tage nach dem Ende der Bundesliga-Saison 2012/2013 wird der HSV von morgen an (Dienstag) bis zum 24. Mai in das Resort Mark Brandenburg nach Neuruppin reisen. Dort wird der Bundesliga-Siebte um Trainer Thorsten Fink und Rafael van der Vaart herum an einer Teambuilding-Maßnahme des Resort Mark Brandenburg teilnehmen. Und am Donnerstag, den 23. Mai, findet dann auch um 19 Uhr ein Testspiel im Neuruppiner Volksparkstadion gegen den Sechstligisten und Lokalmatador MSV Neuruppin statt.
„Mit dem HSV hat nun erstmals auch ein Fußball-Erstligist das erstklassige Teambuilding-Angebot unseres Hauses für sich entdeckt“, freut sich Martina Jeschke, Hoteldirektorin des Resort Mark Brandenburg.
16.15 Uhr