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0:2 gegen ManCity – der HSV hielt nur eine Hälfte dagegen

21. Januar 2015

Im dritten und letzten Testspiel des Trainingslagers in Dubai setzte es für den HSV die erste Niederlage. Das Zinnbauer-Team verlor gegen Manchester City mit 0:2. Eine Halbzeit gar nicht schlecht gespielt vor 5.000 Fans in Al Ain, danach ging aber nicht mehr viel – das ist das Fazit. Auf Twitter machte schnell die Runde: die Gegentore waren die ersten gegen einen Champions-League-Verein in dieser Saison nach den Bundesliga-Partien gegen die Bayern (0:0), in Dortmund (1:0), gegen Leverkusen (1:0) und in Schalke (0:0). Auf jeden Fall blieb dem HSV durch diese Partie im Hazza Bin Zayed Stadium, das einjähriges Bestehen feierte, am Ende ein Sümmchen übrig, das das Trainingslager finanziert.

Die ersten Aktionen waren recht nervös vom HSV. Die junge ersatzgeschwächte Truppe hatte doch ein wenig Ehrfurcht vor dem englischen Meister. Allen voran Sven Mende, der erst kurzfristig für Petr Jiracek (Wadenprobleme) reingerutscht war. In der 5. Minute der erste gute Angriff des HSV. Nach einem öffnenenden Pass von van der Vaart flankte Marcos von links, aber Gouaidas Schuss aus 16 Metern ging über das City-Gehäuse. Das erste Mal eng auf der anderen Seite wurde es in der 12. Minute, als Götz eine Milner-Vorlage beinahe ins eigene Netz lenkte.

Auffällig in der ersten Halbzeit: Beim HSV lief alles über van der Vaart. In der 16. Minute prüfte er Caballero im Manchester-Gehäuse mit einem 25-Meter-Fernschuss. Weniger Mühe hatte der Schlussmann mit einem van-der-Vaart-Freistoß einige Augenblicke später. In der 27. Minute segelte ein Ball von Artjoms Rudnevs, halb Schuss, halb Flanke, über das englische Tor. Immerhin war bis zu diesem Zeitpunkt schon erkennbar: Der HSV wollte und konnte auch nach vorn spielen. Vielleicht lag es ja daran, dass Frank Lampard Mitte der ersten Hälfte das Feld verließ. Einer der britischen Fußball-Stars des vergangenen Jahrzehnts war offenbar leicht angeschlagen. Glück für die Hamburger kurz vor dem Wechsel, als kurz nacheinander Sagana und Jovetic mit ihren Schüssen das Tor von Jaroslav Drobny verfehlten.

Einmal gab es Hamburger Torjubel, aber Stiebers Treffer in der 43. Minute zählte zurecht nicht, weil der im Abseits stehende Emeghara den Ball abfälschte (43.). Beinahe machte der Leih-Stürmer diese unglückliche Aktion wett, als er eine Minute später aus 22 Meter aufs lange Eck zog. Erneut war Caballero aber zur Stelle.

Die zweite Halbzeit begann mit dem 0:1. Nach einem Milner-Steilpass nahm Jovetic den Ball mit der Brust runter und überwand Adler direkt, obwohl der Hamburger Torwart noch mit der Hand am Ball war (50.). Beim HSV wurde nun viel gewechselt, der Spielfluss schwand zusehends. Mohamed Goauida hatte noch einen sehenswerten Fernschuss übers Tor (73.). Ex-Wolfsburger Edin Dzeko erhöhte in der 74. Minute auf 2:0 für Manchester. Der Treffer hätte wegen eines vorausgegangenen Handspiels auch abgepfiffen werden können. Die jungen Hamburger brachten die englischen Stars nur noch zweimal in Verlegenheit. Nach einer flachen Vorlage von Ashton Götz traf Philipp Müller aus acht Metern die Latte (77.), und ein Kopfball von Ahmet Arslan ging knapp drüber (89.)

Bei den Engländern fehlte übrigens der etatmäßige Kapitän Vincent Kompany. Der ehemalige HSV-Verteidiger wurde geschont und absolvierte vor der Partie im Stadion sein leichtes Trainingsprogramm. Auch Nationalkeeper Joe Hart stand nicht auf dem Rasen.

So spielte der HSV: Drobny (46. Adler) – Götz, Djourou (46. Cleber), Rajkovic (67. Westermann), Marcos (46. Jansen) – Mende – Stieber (67. Kacar), Gouaida (78. A. Arslan), van der Vaart (60. P. Müller), Emeghara (60. Beister) – Rudnevs (74. Green)

Nach diesem Test plant Zinnbauer für den Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln ohne zwei seiner Spieler: Valon Behrami und Lewis Holtby. Behrami ist ohnehin gesperrt wegen der fünften Gelben Karte und überdies noch am Knie verletzt. Holtbys Schlüsselbeinbruch war die schwerste Verletzung des Trainingslagers. Alle anderen sollen gegen Köln zur Verfügung stehen. Auch Pierre Michel Lasogga. „Davon gehe ich aus“, so Zinnbauer. „Auch wenn es vielleicht noch nicht für 90 Minuten reichen wird.“ Gleiches gilt für Nicolai Müller, der in Hamburg gleich wieder ins Training einsteigen und schon das Testspiel gegen Odense (hinter verschlossenen Türen) bestreiten soll.

Was die Verletzungen in Dubai angeht, weist Zinnbauer darauf hin, dass nur wenige muskuläre Probleme aufgrund von Überbeanspruchung dabei seien. „Holtby und Ostrzolek waren Unfälle. Lasogga und Behrami haben ihre Maleschen schon mitgebracht. Jung und Cleber haben einen Schlag bekommen, und nur Nicolai Müller hat eine Muskelverhärtung.“ Bei Dennis Diekmeier liegt eine Knochenhautreizung vor. Schmerzhafte Angelegenheit, die auch dauern kann. Zeitpunkt der Rückkehr offen.

Tolgay Arslan wird am Donnerstag – ziemlich sicher ein letztes Mal – den Flieger mit der HSV-Mannschaft besteigen. Der Verkauf zu Besiktas Istanbul ist noch nicht ganz unter Dach und Fach. Sein Vater und Berater hat bestätigt, dass zuvor ein Angebot von Trabzonspor abgelehnt worden war. „Wir sind in Verhandlungen und gehen davon aus, dass wir uns einigen werden“, sagte HSV-Manager Peter Knäbel in Dubai zu den Gesprächen mit Besiktas.

Noch längst nicht soweit ist Ivo Ilicevic. Der Kroate hält sich in Hamburg fit und hat keinen neuen Verein. Sein Vertrag beim HSV läuft bis Saisonende. „Ich kenne Ivo schon aus seiner Zeit in Kaiserslautern. Er ist ein guter Spieler“, sagte Joe Zinnbauer heute. „Aber wir haben die Entscheidung getroffen, ihn in Hamburg zu lassen. Die Begründung habe ich über Peter Knäbel ausrichten lassen.“ Stilistisch nicht ganz elegant, und darüber hat sich Ilicevic heute auch in der „Mopo“ beklagt. Aber guter Stil hin oder her – entscheidend im Profi-Geschäft ist die Leistung, und die hat der Kroate nach Einschätzung der Verantwortlichen in Hamburg viel zu selten abgerufen seit 2011.

In aller Stille hat der HSV mittlerweile den Vertrag mit Ashton Götz bis 2018 verlängert. Götz hat in der Hinrunde seine ersten Profi-Meriten gesammelt. Im Stadionheft des Manchester-Kicks wurde er sogar neben Rafael van der Vaart als zweiter HSV-Star mit großem Porträt vorgestellt – eine etwas voreilige Maßnahme. Joe Zinnbauer ist mit Götz‘ Entwicklung zufrieden und von seiner Perspektive überzeugt: „Ich finde ihn gut. Er kommt aus dem eigenen Stall und hat Qualität. Asthon ist schnell, gut in der Spieleröffnung und agiert sehr vorausschauend. Aber natürlich muss er auch noch besser werden.“

Auf der Tagesordnung zur Mitgliederversammlung am 25. Januar stehen wohl diese vier entscheidenden Punkte. Unter Punkt sechs der Bericht des HSV-Präsidiums, unter Punkt sieben der des AG-Vorstands, dann unter Nummer zwölf die Neuwahl des Präsidiums mit den Präsidentschafts-Kandidaten Jens Meier, und unter Punkt 17 schließlich die verschiedenen Anträge.

Bei sechs und sieben geht es insbesondere um die wirtschaftliche Situation des HSV. Der e.V. hat seinen Verlust des Geschäftsjahres bereits mit knapp vier Millionen Euro beziffert. Vereinbarungsgemäß wurde dieser Verlust je zur Hälfte auf e.V. und AG verteilt, woraus sich ein Gesamtminus von etwa 7,5 Millionen Euro ergibt, den der alte Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden Carl Jarchow zu beklagen und zu verantworten hat. Die konkreten AG-Zahlen fehlen allerdings noch, weswegen eine genaue Analyse der wirtschaftlichen Situation noch offen bleiben muss. Wie hoch sind die Gesamt-Verbindlichkeiten? Welchen Berg schiebt der HSV vor sich her? Wieviel Geld wurde für den Campus-Bau genau verplant bzw. für andere Projekte ausgegeben? Auch interessant zu hören in diesem Zusammenhang: Wie weit ist der HSV mit Alexander Otto, der den Campus finanzieren möchte?

Je nachdem, wie die Berichte ausfallen, geht es auch um die Entlastungen für alte Vorstände und Aufsichtsräte. Ob die Neuwahl des Präsidiums eine lange Angelegenheit wird, ist heute schwer zu beurteilen. Viel eher kann ich mir denken, dass die Debatte sich um das Wahlverfahren ranken wird. Ist es richtig, dass der Beirat für jedes Amt nur einen Kandidaten benennt? Zu dieser Frage sind dann einige Anträge zu entscheiden, die eine Änderung des aktuellen Verfahrens bei künftigen Sitzungen zur Folge haben sollen. Alternativ könnte der Antrag des Seniorenrates zum Tragen kommen, genau diese Frage zu verschieben und bei einer der nächsten Versammlungen zu besprechen, denn Zeitdruck besteht in dieser Frage nicht. Die nächste Präsidiumswahl steht für 2018 an.

Es gibt unsinnige Anträge (wie den nach der Entlassung von Karl Gernandt als Aufsichtsrats-Vorsitzendem, was die Mitgliederversammlung des e.V. gar nicht zu entscheiden hat) und es gibt natürlich noch den Antrag von Manfred Ertel. Der Ex-Aufsichtsrats-Boss hat im Wortlaut beantragt:

Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert alle erdenklichen Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.

In der Praxis würde das bedeuten, dass Jens Meier Karl Gernandt ablösen könnte. Aber: Gernandt selbst hat ja bereits erklärt, dass es eine derartige Klausel nach AG-Recht gar nicht greifen würde. Letzten Endes müsste sich mit der Thematik aber die Hauptversammlung beschäftigen – kurioserweise wäre das dann das e.V-Präsidium selbst als aktuell alleiniger Anteilseigner der AG. Überspitzt formuliert: Meier selbst und seine Mitstreiter könnten darauf drängen, dass Meier den AG-Vorsitz übernimmt. In diesem Szenario sind eine Menge Konjunktive, zumal Hafen-Chef Meier ja bereits angedeutet hat, dass er nicht mit dem Ziel antritt, den Job von Karl Gernandt zu übernehmen. Meier tritt an, um HSV-Präsident zu werden. Was aus der anderen Regelung wird, sollte sie denn durch entsprechende Zustimmung zum Ertel-Antrag angeschoben werden, bleibt abzuwarten. Wie vor ein paar Wochen schon mal geschrieben, taugt Bayern München hier vielleicht als Beispiel. Die Anteilseigner an der Bayern-AG sitzen im Aufsichtsrat und haben an ihre Spitze Karl Hopfner gewählt, ein FC Bayern-Urgestein. Und zwar ohne entsprechende Aufforderung durch die Bayern-Mitglieder, sondern aus eigener Entscheidung.

Der Antrag von Manfred Ertel spiegelt auch Unzufriedenheit mit dem aktuellen Amtsinhaber wieder. Karl Gernandt selbst hat zwar vor zwei Wochen einen Interessenkonflikt zwischen seiner HSV- und seiner Kühne-Tätigkeit zurückgewiesen. Doch fast im selben Atemzug hat er in die Mikrofone von TV und Radio auch gesagt, dass er sich aus allen Entscheidungen, die Klaus-Michael Kühne beim HSV betreffen, heraushalten würde. Das würde seine Unabhängigkeit beweisen.

Für mich ist das gerade ein Beleg des Gegenteils. Denn als HSV-Aufsichtsrat müsste er auch in Kühne-Fragen allein die Interessen des HSV vertreten können. Eine öffentliche Erklärung zu dieser Frage, noch ehe auf der Versammlung darüber die große Diskussion ausbricht, könnte Gernandt und seiner Glaubwürdigkeit im HSV sicher nicht schaden.

Und dann ist da angesprochene Antrag auf Einzelentlastung, der sich insbesondere gegen das „alte“ e.V.-Präsidium Jarchow/Hilke/Kreuzer/Scheel richtet. Ihnen soll die Entlastung verweigert werden wegen verschiedener schlechter wirtschaftlicher Prozesse und Entscheidungen des betreffenden Geschäftsjahres.

Morgen fliegt der HSV zurück nach Hamburg. Gegen 19 Uhr ist die Landung in Fuhlsbüttel, und mit im Gepäck hat die Mannschaft auf ihr selbstgestecktes Saisonziel. Auf einem Mannschaftsabend am Dienstag hat sich das Team (ohne Trainer) intern auf eine Marschroute für die folgenden 17 Spiele dieser Saison geeinigt. In der Vorrunde blieb sie mit 17 statt angestrebten 19 Zählern knapp hinter der selbstgesteckten Vorgabe zurück. In zehn Tagen startet der zweite Versuch – und er wird anders angegangen. Kein Punkteziel, sondern einzelne, individuelle Zielvorstellungen für die einzelnen Bundesliga-Spiele, die formuliert wurden und werden. Von Spiel zu Spiel. Na dann.

Bis morgen
Lars

18.25 Uhr

PS: Im Vorlauf zu diesem Beitrag hat es ein “Erinnerungsstück” zum Fall Hoyzer gegeben.

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