Archiv für das Tag 'Beinlich'

Alle hoffen – und Gernandt spricht Klartext

29. März 2015

Das war doch mal wieder ein schöner Tag, den die über 32 000 Zuschauer da im Volkspark erlebt haben. Freude pur – und zwar überall. Und ich habe so viele Fans und Autogrammjäger nach dem Spiel gesehen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Die „alten Herren“ ziehen eben immer noch. Und die „guten, alten Zeiten“ waren an diesem Nachmittag allgegenwärtig. Auf den Tribünen und auch in den Kabinen. Gemeinsam mit meinen Kollegen haben wir festgestellt, dass es nicht nur schöne Zeiten waren, die wir mit diesen „Jungs“ erlebt haben, sondern dass diese Herren auch fast alle das Herz an der rechten Stellen haben, dass sie immer noch voll in diese Welt passen, dass fast ein jeder absolut in Ordnung ist, geblieben ist. Und dass die ehemaligen HSV-Profis nicht nur über ihre tollen Zeiten in Hamburg sprechen, sondern dass sich ein jeder auch große Sorgen um den Ex-Club macht. Dass der HSV mit 5:7 gegen die tschechische Auswahl verlor, war an diesem Tag total nebensächlich, es war rundherum ein gelungenes Fest, in deren Mittelpunkt David Jarolim stand, der zur Recht lautstark und lange gefeiert wurde – er hat es sich verdient.

 

Nach dem Abschiedsspiel befand „Jaro“ zur aktuellen Situation seines HSV: „Die Jungs werden, davon bin ich absolut überzeugt, alles geben. Das sind alles Profis, sie werden es schaffen – und ich werde in den letzten Spielen dabei sein und ihnen die Daumen drücken.“

 

Das sagt Jarolim. Ihn haben die Fans sofort wiedererkannt, natürlich. Bei einem ehemaligen Kollegen hatten sie aber allergrößte Schwierigkeiten – wie ich gestern bereits schrieb. Tomas Ujfalusi, einst schlank und mit langen Harren, trat absolut gegenteilig auf. Und er gab zu: „95 Prozent der Leute hier haben mich nicht wiedererkannt. Ich habe mir vor zwei Tagen eine Glatze schneiden lassen. Ich wollte das schon lange Zeit. Ich habe nun Jahrzehnte lange Haare gehabt, jetzt wollte ich mal etwas anderes machen. Aber ich werden mir nun wohl einen neuen Pass machen lassen müssen, sonst werde ich es schwer haben, in andere Länder zu reisen.“

 

Über die schwere Lage seines ehemaligen Vereins befand der Tscheche: „Die Jungs schaffen das. Ansonsten wäre es sehr schade. Auch für mich. Für alle. Der HSV ist doch als einziger Club von Anfang an dabei und noch nie abgestiegen. Die müssen etwas ändern, so darf es nicht weitergehen. Der HSV ist doch ein Club, der eigentlich immer unter den besten fünf Vereinen der Bundesliga stehen müsste. Aber das braucht jetzt sicher einige Zeit. Nur absteigen darf der HSV nicht. Obwohl der HSV heute auch verloren hat . . .“

 

Mit ihm. Er hatte doch eine Halbzeit für den HSV, eine Halbzeit für das Dream-Team ge-spielt: „Ich habe einen Punkt geholt, denn zur Pause stand es immerhin 3:3“, sagt Ujfa-lusi scherzend. Er war einst Kapitän des HSV, daran erinnert er sich. Trainer Klaus Toppmöller hatte ihn dazu gemacht. Und der frühere tschechische Nationalspieler erinnert sich: „Ich war 14 Tage Kapitän, das stimmt, aber ohne gespielt zu haben, weil ich verletzt war.“ Und als er wieder fit war, wechselte er nach Italien . . . Und Daniel van Buyten wurde sein Nachfolger als HSV-Spielführer.

 

Erstaunlich, wie gut Ujfalusi immer noch Deutsch spricht. Wie geht das? Er erklärt: „Ich lese viele deutsche Zeitungen und Illustrierten. Ich will diese Sprache weiter beherrschen, sonst waren die dreieinhalb Jahre in Hamburg doch umsonst.“

 

Er lebt jetzt in Prag und wird dem Fußball nun als Spielerberater erhalten bleiben: „Ich will meine Kontakte nutzen, die ich zu vielen Ligen habe.“ Das wird er sicherlich auch so großartig tun, wie er einst als Profi auf dem Platz gewirkt hat. Ihn wiederzutreffen, war ein echtes Erlebnis, absolutes ein Highlight.

 

Das galt auch für Mladen Petric. Der Schweizer zur Lage des HSV und wie die Spieler nun reagieren sollten: „Nicht verzweifeln, trotz allem selbstbewusst auftreten und an sich selbst glauben.“ Petric wurde hier ebenfalls lautstark gefeiert, und er sagte über sich und Hamburg: „Ich hatte hier eine überragende Zeit, die Zeit beim HSV gehört zu den schönsten in meiner Karriere. Dass die Fans mich gefeiert haben, war ein sehr schönes und emotionales Gefühl, ich habe das sehr genossen. Das war ganz einfach fantastisch. Unwahrscheinlich schön, so etwas zu erleben, dass zu spüren, dass die Fans mich so sehr ins Herz geschlossen haben. Und es freut mich auch, dass die Zuschauer heute ihren Spaß hatten.“

 

Dann fügte er noch hinzu: „Ich habe das letzte Spiel gegen Hertha gesehen, das war schwierig, da hätte der HSV wenigstens einen Punkt holen müssen. Das Gute aber an der jetzigen Situation ist, dass sie es noch selbst in der Hand haben.“ Woran liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV solche Schwierigkeiten hat? Petric: „Es liegt nicht daran, dass die Stürmer in jedem Spiel drei, vier Hundertprozentige versieben. So weit kommt der HSV ja meistens gar nicht.“

 

Dennoch ist er optimistisch: „Ich hoffe, dass der HSV, der ja schon die letzten beiden Jahre immer im Abstiegskampf war, so viel Erfahrung dabei gesammelt hat, dass er davon nun profitieren kann. Die Situation ist sicher nicht leicht, ich glaube noch an ein gutes Ende.“

 

Dass in seinem Herzen noch immer eine kleine Raute steckt, dass verriet er dann, als er sagte: „Ich verfolge den HSV aus der Ferne ausführlich, sehe mir fast alle Spiele an. Die Lage mit dem neuen Trainer kann ich nicht beurteilen, aber Didi Beiersdorfer wird schon das Richtige machen, davon bin ich überzeugt, obwohl es schwierig für ihn ist. Er hat ja aber schon so viele gute Dinge für den HSV gemacht – und ich hoffe, dass noch alles gut wird.“
 

Mladen Petric machte an diesem Sonnabend einen rundherum zufriedenen Eindruck. Ihm geht es in Athen sehr gut, er hat mit Panathinaikos viel Erfolg, steht mit dem Traditions-Club zurzeit an zweiter Stelle: „Ich fühle mich dort super, ich bin glücklich, es läuft wunderbar – es stimmt alles, wahrscheinlich werde ich noch ein Jahr verlängern.“ Er stürmt gemeinsam mit Marcus Berg, den der HSV einst für zwölf Millionen (und mehr) gekauft hatte, dann nach Athen verschenkte! Petric: „Ich spiele hinter Marcus Berg, ich setze ihn mit meinen Vorlagen ein – wir verstehen uns prächtig. Er hat mittlerweile neues Selbstvertrauen, schießt viele Tore, es funktioniert gut mit uns.“

 

Zu Mladen Petric sagte mir der frühere HSV-Torwart Horst Schnoor (Meister-Keeper von 1960) nach dem Spiel etwas ganz Interessantes: „So einen, wie den Mladen Petric, den haben wir heute nicht in der Mannschaft. Wenn ich könnte, würde ich den sofort zurückholen. Und dazu den langen Jan Koller, der hat ja auch unfassbar gut gespielt – mit seinen mittlerweile 42 Jahren. Unfassbar.“

 

In diese Kategorie fiel wohl auch der Einsatz von Martin Groth, der auf der Rückreise von Sylt nach Hannover (mit seiner Familie) nur mal vorbeigucken wollte, und dann mitspielen durfte, musste: „Ich hatte dann schon Vorfreude gehabt, und es war nett, alte Gesichter wieder zu sehen. Obwohl ich nur gegen David Jarolim gespielt habe damals, nie miteinander.“ Natürlich verfolgt Groth den HSV noch aus der Ferne, und er sagt: „Ich verfolge den Club natürlich noch mit dem größten Interesse, ich hatte ja eine tolle Zeit hier. Und ich hoffe, dass das nicht eintritt, dass jetzt schon viele Leute wieder befürchten . . .“
Wir hoffen mit.

 

Der Rostocker Stefan „Paule“ Beinlich befand nach dem Spiel: „Es war wie ein Klassentreffen, das ist wunderschön, macht einfach nur Spaß. Nicht nur miteinander zu spielen, sondern auch zu klönen – wir waren ja, logisch, die Besten, das ist doch klar.“

 

Das dachte wohl auch Thomas Doll, der von den Fans großartig aufgenommen und begrüßt worden war. Der Trainer von Ferencvaros Bu-dapest sagte: „Es ist immer wieder großartig, in dieses tolle Stadion einzulaufen, das ist schon beeindruckend, einfach nur großartig. Super, die Spieler von früher zu treffen – und man trifft sich natürlich immer wieder gerne.“ Und wie denkt er über den HSV 2015? Das wurde er von unserem Matz-ab-Kollegen Lars Pegelow, der heute einen sehr guten Eindruck im „Doppelpass“ von Sport1 hinterließ, gefragt. Und Doll tat sich zunächst schwer: „Jetzt gebe ich meinen Senf auch noch dazu, okay: Sie werden in der HSV-Führung schon wissen, was sie machen. Peter Knäbel war ja eng an der Mannschaft dran, bekommt mit Peter Hermann eine sehr guten, einen absoluten Top-Mann an seine Seite. Trotz allem wird es schwierig, in den letzten acht Spielen noch etwas zu bewegen – aber sie werden schon wissen was sie machen.“

 

Dass an diesem Wochenende vier Spieler, nämlich Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erfuhren, dass sie am Saisonende den HSV verlassen müssen, rückte Doll ins rechte Licht: „Für die Jungs ist es bitter, natürlich, aber sie werden alles geben, werden sich reinhauen, sie wollen auch nicht als die Spieler in die HSV-Geschichte eingehen, die als erste mit dem Club abgestiegen sind. Das ist der größte Ansporn für sie, ganz sicher.“

 

Zur Trennung von den vier „Altinternationalen“ äußerte sich auch Club-Chef Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben mit Rafael und Marcell gesprochen, die Situation ist bei beiden fast identisch, sie können sich vorstellen, noch einmal ins Ausland zu gehen. Und es gibt im Fußball ja immer mal einen Zyklus, wo es gut zusammenpasst . . . Wir haben hier nun aber viele neue Dinge angestoßen, da gehört es für uns dazu, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben. Das wird nun geschehen, und wir glauben, dass wir das richtig gemacht haben.“

 

Mit Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann sprachen Beiersdorfer und Peter Knäbel ebenfalls. Beiersdorfer: „Wir haben uns vertagt, weil es bei ihnen fehlende Planungssicherheit gibt. Erste Liga, zweite Liga? Das ist ja nicht geklärt. Deswegen können wir jetzt keine Entscheidungen treffen, das haben wir ihnen erklärt. Natürlich wir nehmen wir damit in Kauf, dass sie wechseln, sollten sie andere Angebote von anderen Vereinen haben. Dass sie dann auch wechseln, das ist dann ihre Sache, und ansonsten werden wir uns am Ende der Saison wieder zusammensetzen. Anders geht es für uns im Moment nicht.“

 

Dann gab „Didi“ Beiersdorfer auch noch zu: „Nach Hertha waren wir down, das ist doch klar, ist nicht einfach, einen Trainer freizustellen – bei dieser prekären Situation. Wir sind aber überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Peter Knäbel ist sehr klar in seiner Ansprache, er vereinfacht einige Situationen, denn am Schluss ist Fußball doch nicht so kompliziert, wie er oft dargestellt wird.“
Hoffen wir das Beste.

 

Zu diesem Thema hat sich an diesem Wochenende dann auch Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt geäußert. Im NDR-Sportclub live sagte die „rechte Hand“ von HSV-Investor Klaus-Michael Kühne einige Dinge, die in der Freizügigkeit doch etwas überraschten. Zum Beispiel dies: „Wir wussten, dass es ein schwieriger Weg wird. Aber dass wir jetzt in einer wirklichen Existenzfrage stecken, haben wir uns überhaupt nicht vorstellen können. Das ist worst case, was wir hier zurzeit erleben.” Mit dem Trainerwechsel von Joe Zinnbauer zu Peter Knäbel soll nun der Abstieg verhindert werden. Gelingt dies, hat der HSV bereits die große Lösung parat: Die Option mit Thomas Tuchel als neuer Coach sei „sehr, sehr intensiv und detailliert durchdekliniert”, sagte Gernandt.

 

Der frühere Mainzer Trainer Thomas Tuchel steht beim HSV also tatsächlich hoch im Kurs. Karl Gernandt spricht im exklusiven Sportclub-Interview über die aktuellen Sorgen und Wünsche beim Bundesliga-Drittletzte: „Wir versuchen einen Trainer zu finden, der für einen langfristigen und sehr soliden Aufschwung steht. Wir wollen den HSV da hinbringen, dass sich Menschen innerhalb des HSV weiterentwickeln und nicht von außen kommen.” Der HSV sei bereit, „ein Konzept mit Tuchel zu gehen” – und hat mit den angekündigten Trennungen von Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic uns Gojko Kacar bereits erste Weichen für die Zukunft gestellt. „Am Ende entscheidet Herr Tuchel, was er macht”, erklärte der 54-Jährige. Der Wunschcoach würde den HSV allerdings wohl nur in der Bundesliga betreuen. „Zweite Liga? Das ist schwer vorstellbar”, sagte Tuchel in der „Zeit”.
 

Dass Tuchel viel Geld kosten würde, ist der HSV-Führung klar. Doch die Mittel und die Bereitschaft, dieses Geld auch auszugeben, scheint beim HSV vorhanden zu sein. „Thomas Tuchel kostet viel Geld. Ob er teuer ist, muss man rausarbeiten. Wenn er es wert ist, ist er nicht teuer”, sagte Gernandt. Im Gegensatz zur sportlichen Misere fühlen sich die Verantwortlichen wirtschaftlich gut aufgestellt: „Die Sponsoren zeichne eine große Vereinstreue aus“, betonte Gernandt. Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Investor, der nicht genannt werden will, seien bereit, „ordentliche Beträge” auf den Tisch zu legen – und das, ohne Gegenleistungen dafür zu verlangen. „Von der finanziellen Seite her bin ich zufrieden mit dem, was wir in den vergangenen neun Monaten hinbekommen haben”, erklärte Gernandt: „Das passt alles. Das einzige, was nicht passt, ist unser Tabellenplatz.”
 

Acht Spiele hat Interimstrainer Knäbel nun noch Zeit, den ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern, darunter die schweren Partien in Leverkusen, gegen Wolfsburg und das Nordderby in Bremen. „Wenn Peter Knäbel derjenige ist, der die Uhr im Stadion abstellt, wird sein Gesicht mit einer solchen Niederlage zusammengebracht. Es wird dann schwer, wieder positive Strahlkraft rauszuholen”, weiß Gernandt um das Risiko: „Auf der anderen Seite weiß jeder, dass er den Job für acht Spiele hat und er jemand ist, der vom ersten Tag an funktioniert. Wir haben kein Problem, was das Trainingskonzept angeht, wir müssen die Mannschaft erreichen.” Der Aufsichtsratschef hofft inständig, dass alle Spieler mitziehen. „Es ist 30 Sekunden vor zwölf. Wir müssen mit Sicherheit noch mehr als sechs Punkte holen, ansonsten weiß ich nicht, wie wir uns retten sollen. Wir haben schwierige Spiele vor uns.” Und wenn der Tag X am Ende doch kommt? „Dann muss man in die Hände spucken und verdammt hart weiterarbeiten”, so Gernandt.
 

Bei NDR-Moderator Alexander Bommes ist am heutigen Sonntag auch noch Dietmar Beiersdorfer zu Gast, die Sendung im Dritten beginnt um 22.30 Uhr.

 

PS: Heute war trainingsfrei, morgen ist ebenfalls kein Training im Volkspark angesetzt.

 

PSPS: Ich danke Lars Pegelow für die tolle Zusammenarbeit, das hat ganz fein gepasst – trotz des Doppelpasses.

 

18.37 Uhr

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

Ein legendärer Tag mit den Legenden

7. September 2014

Für Abendblatt-Blogs


„Die Hamburger haben dieses Spiel, das hat uns alle überrascht, sehr verbissen gesehen, zu verbissen gesehen, die sind schon enorm zur Sache gegangen.“ Eine Einschätzung, die man sich als Hanseat einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen kann. Gesagt hat es heute Michael Ballack, und er sprach natürlich nicht über den HSV, sondern über das „Spiel der Legenden“ vor einem Jahr. Von der Verbissenheit von damals ist alles geblieben, davon konnten sich 25 183 zahlende Zuschauer live überzeugen, und Hundertausende bei der TV-Übertragung von „Sport 1“, denn das Match Deutschland gegen Hamburg stand zur Pause noch 0:0. Dabei hatten sich alle prominenten Kicker vor dem Anpfiff noch ein torreiches Spiel gewünscht. Waren die Trainer der Mannschaften, Jupp Heynckes (für Deutschland) und Helmut Schulte zu genau – und zu gut in ihren Anweisungen? Oder waren die Abwehrspieler zu stark? Es lag wohl eher an den überragenden Torhütern, Für Hamburg hielt Richard Golz überragend, und für Deutschland riskierte Claus Reitmaier mehr als einmal wieder Kopf und Kragen. Schuld an dieser Tor-Armut hatten, ganz klar, die Keeper. Die waren vor ausverkauftem Haus am Millerntor super. Gewonnen hat letztlich die zehnte Auflage des Tages der Legenden das Team Deutschland, das einen 5:3-Sieg schaffte und damit die Bilanz etwas verbessern konnte – Hamburg führt nur noch mit 6:3 Erfolgen. Gewonnen hat auch der von ARD-Moderator Reinhold Beckmann gegründete Verein „Nestwerk e.V.“, denn durch dieses Fußballfest kam in etwa eine Viertelmillion Euro zusammen, die den benachteiligten und sozial ausgegrenzten Hamburger Jugendlichen zugute kommen wird. Es war ein wunderbarer Tag am Millerntor – und es folgt, darauf haben sich alle Beteiligten schon riesig gefreut, noch eine sensationelle Nacht auf dem Kiez und im Schmidts Tivoli.






 

Zum Spiel: Nach dem Seitenwechsel war es zunächst Ballack persönlich, der das erste Tor des Tages erzielte, ein strammer 20-Meter-Flachschuss, unhaltbar für Mathias Hain, der nun im Tor stand (48.). Und dann auch noch gleich das 2:0 hinterher – St. Paulis früherer Spieler Matthias Scherz überlistete Hain mit einem Eigentor (50.). Damit waren die Weichen für einen Sieg? Nein, Hamburg wehrte sich. Und die St.-Pauli-Männer trafen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten mit ihren Toren das Spiel – aber das war nicht das Ende. Carsten Jancker traf zum 3:3, Maurizio Gaudino zum 4:3 für Deutschland, und den Endstand zum 5:3 markierte Arne Friedrich. Zu erwähnen sei noch ein Fast-Kopfballtor von Thomas Doll beim Stande von 3:3, der Trainer von Ferencvaros Budapest scheiterte an Torwart Andreas Reinke und dem Torpfosten.

 

Am Rande machten es sich die Ganz-Alt-Internationalen bei Kaffee und Kuchen gemütlich: Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, dazu Uwe Seeler, Bernd Wehmeyer und Max Lorenz. Sowie der Schirmherr der Veranstaltung, Franz Beckenbauer, der vor 50 Jahren am Millerntor sein Debüt in der Profi-Mannschaft des FC Bayern feierte. Wenn ich es richtig erinnere, dann damals als Linksaußen! Beckenbauer: „Eine schöne Erinnerung, wir haben damals 4:0 gewonnen und ich habe dabei mein erstes Pflichtspieltor für die Bayern geschossen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was ich in meiner Zeit als Profi und auch danach durch diesen wunderbaren Sport alles erleben würde – ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Legende, Lichtgestalt und Kaiser eben. Dass er am Millerntor diesmal auf Schritt und Tritt von zwei Bodyguards bewacht wurde, ist die Kehrseite der Medaille. Anders geht es wohl heutzutage nicht. Schade, schade.

 

Franz Beckenbauer war ja auch einst HSV-Spieler, ich habe ihn damals sogar schon interviewen dürfen, einen Termin besorgte mir damals HSV-Busfahrer Willi Meyer, indem er mich an die Hand nahm und zu Beckenbauer schleifte. Hat aber großartig geklappt. Die weiteren HSV-Spieler, die an diesem Tag im Einsatz waren: Nico Hoogma, Manfred Kaltz, Christian Rahn, Bastian Reinhardt, Stefan Schnoor, Stefan Studer (in der Jugend beim HSV), Otto Addo, Stefan Beinlich, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Roy Präger, Thomas von Heesen (alle für Hamburg) sowie Markus Babbel, Patrick Owomoyela und Oliver Kreuzer (Sportchef) und Claus Reitmaier (Torwarttrainer).

 

Natürlich gab es mit einigen von ihnen ein freudiges Wiedersehen. Das begann schon bei Sergej Barbarez. Mit ihm sprach ich – natürlich – über seinen HSV und die derzeitig angespannte Lage. Und Barbarez sprach – wie man es von ihm gewohnt ist – Klartext: „Dieser Fehlstart des HSV überrascht mich nicht, denn der Heilsbringer sitzt oben auf der Tribüne, und unten auf dem Rasen spielen die alten Leute. Und die haben es lange genug bewiesen, dass sie es nicht können, ihnen fehlt die Qualität.“ Klingt hart, aber es trifft genau. Und mit Heilsbringer war natürlich Dietmar Beiersdorfer gemeint.

 

In der Zeit, in der ich nun geschrieben habe, hat mein Kollege Axel Leonhard (der große Regisseur – von Matz ab live) die Gespräche, die ich heute am Millerntor führte, schon im HA-Internet veröffentlich. Ich stelle diese Geschichte nun auch hier hinein, es gab ein Wiedersehen mit Nico Hoogma, Richard Golz, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Michael Ballack, Stefan Studer, Patrick Owomoyela, Bastian Reinhardt, Hamburg-Trainer Helmut Schulte, mit Initiator Reinhold Beckmann, it St.-Pauli-Trainer Thomas Meggle (ein langjähriger Freund), Schiedsrichter Walter Eschweiler und vielen, vielen mehr. Wenn Ihr die Zeit habt, dann schaut mal in dieses Video hinein.
Wobei ich eine kleine Einschränkung machen muss. Es sind nicht alle ehemaligen Stars zu sehen, die ich eben genannt habe, der Herr Leonhard wollte dieses Video wohl nicht zu doll überfrachten . . .

 

Dann gab es noch einen freundlichen Hinweis auf meine Geschichte von gestern – ich hatte meine HSV-Mannschaft nominiert:

Lieber Dieter.

ich bin bei der neuen Mannschaft schon etwas verwirrt. Wozu haben wir denn Nicolai Müller gekauft, der für das schnelle Umschaltspiel geholt wurde? Außerdem weiß niemand, ob Julian Green überhaupt Fußball spielen kann, nur weil er von Bayern München kommt. Also überlege Deine Mannschaft noch mal.
Mit freundlichen Grüßen, Arne P.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich mir diese HSV-Mannschaft, die ich ohne Nicolai Müller aufgestellt habe, schon für das nächste Spiel, als das in Hannover, gewünscht habe und hätte. Müller sehe ich noch nicht so fit, dass er es bis zur Begegnung gegen 96 schaffen wird und kann. Natürlich erwarte ich Müller im HSV-Team, ich habe ihn in Erfurt gesehen, und das war schon mal sehr gut, was dort zu sehen war. Der Mann geht ab wie Schmidts Katze – oder wie eine Rakete. Das macht Spaß, ihm zuzusehen. Und er wird ganz sicher eine Bereicherung für den HSV sein, leider (wohl) noch nicht für das kommende Wochenende. Wobei wir schon wissen, ob ein Julian Green Fußball spielen kann – er kann. Und wer das wirklich noch nicht weiß, der wird sich davon schon bald, hoffentlich am nächsten Sonntag, überzeugen können.

 

Ja, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache, denn das Hamburger Abendblatt hat schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, nur die Uhrzeit stand bis jetzt noch nicht fest.

 
18.11 Uhr

Van Marwijks Kampf gegen Windmühlen

13. Dezember 2013

Ganz schön viel Rauch heute, der abziehen musste über dem Volkspark. Es war zwar nur eine kleine „Wutrede“ gestern von Trainer Bert van Marwijk, aber doch immerhin viel größer als erwartet. Als generell von ihm erwartet, als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Gestern hat Dieter hier schon im Wortlaut alles wieder gegeben, was der niederländische Trainer loswerden musste. Auch die Zeitungen waren voll. Kritik an der Mannschaft, an der Mentalität, Disziplin soll Einzug halten, seine erste Abrechnung und so weiter.

Klar, dass van Marwijks Worte in erster Linie auf die Mannschaft treffen. Sie setzen ja auch um, bzw. setzen eben gerade nicht um, was vorgegeben ist. Auf dem Platz ist allwöchentlich sichtbar, in Toren messbar, wie gut und schlecht sie arbeiten. Schon seit Jahren, habe ich heute wiederholt gehört, stecke ja solch eine Sch…-Mentalität in der HSV-Mannschaft, die wir dann alle vergangenen Sonnabend beim 0:1 gegen Augsburg bewundern konnten. Wohlfühlgesellschaft, Gucci hier, Gucci da. Mag sein.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr
Ich habe jetzt aber nicht schon wieder Lust, mich mit dieser oder jener Schwäche eines Spieler oder einen Trainers zu beschäftigen. Wie viele Trainer will der HSV noch verschleißen, wie viele Spieler kaufen, weil gedacht wird, hier kommt der richtige für eine goldene Zukunft, um sie dann irgendwann wieder zu verscherbeln und einen nächsten Umbruch zu starten? Ich behaupte: die Trainer und Spieler, die der HSV in den vergangenen Jahren durchgeschleust hat, sind und waren im Schnitt nicht schlechter als bei vergleichbaren Bundesliga-Vereinen. Sportlich nicht, aber auch nicht von der Einstellung und Bereitschaft, sich für den Beruf und den Verein zu opfern.


Aber: das Ganze funktioniert nicht einseitig. Nie und nimmer. Es muss immer auch eine Instanz geben, die darüber steht und entsprechende Leistung einfordert. Diese Führung muss vorhanden sein, es muss eine Leitlinie geben, einen Gedanken, für den der Verein steht. Identifikation muss geschaffen werden. Es genügt nicht, nach desaströsen Leistungen auf die Gehaltsabrechnung zu verweisen und zu meinen, mit ihren Millionen-Gagen sei den Profis Motivation genug an die Hand gegeben. Das Problem ist: fehlt die Führung, dann treten die Schwächen in den Menschen, in diesem Fall den Profis, hervor. Dann werden aus Musterprofis beim FC XY bequeme Profis beim HSV. Automatisch.

Die großen Gagen gibt es nämlich anderswo auch. Es muss mehr dazu kommen. Zumindest ein bisschen von dem, was die Fans und Anhänger des Vereins mit ins Stadion tragen, wenn sie ein Spiel des HSV sehen. Eine HSV-Identität muss mit dabei sein, ein Ziel – jenseits vom schnöden Mammon – für das sich der Einsatz lohnt. Ein Bundesligaspieler ist nicht dann besser als sein Gegenspieler, wenn er statt 1,2 nun 1,3 Millionen Euro verdient. Begeisterung, Motivation, Identifikation – das muss da sein.

Die Erfolgsgeschichte eines jeden Clubs, der gerade obenauf ist, besitzt Puzzleteile dieses Phänomens. In Freiburg war es so (auf andere Art, weil der Verein kleiner ist), in Dortmund ist es so im großen Rahmen, bei Werder war es so jahrelang, und bei den Bayern klappt es in Blockbuster-Manier.

Es ist ein jahrelanges Missverständnis beim HSV, dass immer der jeweilige Trainer verantwortlich gemacht wird, wenn die Vermittlung dieser Werte nicht gelingt. In diesen Tagen habe ich von hohen Herren auch wieder gehört, van Marwijk habe keine große Zukunft beim HSV, wenn er sich abkanzelt und im Hotel wohnt. Wenn er die Mannschaft, den Verein kritisiert wie gestern, und dadurch Distanz zeigt. Dieser Gedanke, denke ich, greift zu kurz. Auch der Trainer muss als Teil begriffen werden, in den Begeisterung von oben, von Führungsseite, vom Verein eingepflanzt wird. Pathetisch gesagt ein Ideal, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das alle beim HSV haben müssen.

Wann hat der HSV in den letzten Jahren mal richtige Begeisterung entfacht? Mir fällt da die Zeit ein von 2004 bis 2005, als Thomas Doll das Traineramt übernommen hat. Hier war plötzlich eine Figur, die den HSV gelebt hat. Er hat den Club, die Stadt mitgerissen. Emotional war das die heißeste Phase des Clubs in den letzten 20 Jahren. Natürlich – es gab Herzkasper-Spiele zu anderen Zeiten. Es gab ein 4:4 gegen Juventus, es gab europäische Halbfinals. Aber die große Aufbruch-Stimmung, die Freude am HSV, die gab es durch begeisterte und dadurch begeisternde Figuren oben. Doll war als Trainer solch eine Figur (abgesehen davon auch noch ein sehr guter Coach), und hat damit im Prinzip eine Aufgabe übernommen, die eine Etage über ihm noch stärker hätte gelebt werden müssen. Aber: er ist auch von einer anderen HSV-Figur, Dietmar Beiersdorfer, eingesetzt worden. Mit anderen Worten: hier war die Vereins-Verbundenheit durchlässig und hat sich schließlich auf die Mannschaft übertragen.

Bert van Marwijk hat nun erkannt, dass dieser Verein eine bestimmte Krankheit hat. Er nannte es Zufriedenheit, man könnte es auch eine Schlafkrankheit nennen. Das „Erfolglos-Syndrom“. Es kommt nicht vom Trainer, und ich fürchte, auch van Marwijk könnte sich daran überheben – so wie sich Fink, Veh und andere überhoben haben. Ja aber, werden jetzt viele sagen, der Fink hat dies und das falsch gemacht. Der Veh hat doch gar kein Feuer gehabt. Der Labbadia sich nicht mit der Mannschaft verstanden.

Ich habe mit Armin Veh einmal, es war kurz vor seinem freiwilligen-unfreiwilligen Ende beim HSV, über die Situation des Clubs gesprochen. Wir sind alles durchgegangen, von oben bis unten. Vor allem oben natürlich, denn da setzen die Schwächen an. „Es ist ein Wahnsinn“, hat der Veh immer wieder gesagt, wenn es zum Aufsichtsrat kam. Unter diesen Bedingungen hat er Fehler gemacht, die Mannschaft ist ihm aus der Hand geglitten. So hat auch Thorsten Fink sein Feuer mitgebracht nach Hamburg – und als es erloschen war, sind ihm ebenfalls Fehler unterlaufen. Der HSV hat sie alle geschafft.

Zurück zu Veh. Als er dann entlassen wurde, habe ich damaligen Amtsinhabern empfohlen, einmal das Gespräch mit Veh zu suchen. Es bestand ja nun kein Anstellungsverhältnis mehr, vielleicht hätte ein unabhängiger Austausch ja mal geholfen, die Augen zu öffnen. Das Interesse von HSV-Seite war gering, denn Veh wurden immer nur und immer wieder seine Unzulänglichkeiten vorgeworfen.

Alle nicht gut genug für den HSV. Der Veh zu faul. Der Fink nur auf dem Weg zur Familie nach München. Der Jol hatte immer seine holländischen Freunde in der Kabine, und der Oenning war ja nur ein Nachwuchs-Trainer. Ich kann das alles nicht mehr hören und sehen.


Vor ein paar Monaten, es war ausgerechnet nach dem 2:9 bei den Bayern, habe ich einmal einen Kommentar zur Lage des HSV gemacht. Ein Vorschlag für eine bessere Spitze war: Beiersdorfer zum Präsident, Hoogma ins Management, Rost und Barbarez dazu, Uli Stein als Torwarttrainer – und guckt doch mal, was der Beinlich macht und wie man den Hrubesch doch noch mal endlich kriegen kann. Der Text wurde damals auch bei einer Veranstaltung der HSV-Senioren vorgelesen. Mir wurde von höhnischem Gelächter berichtet.

Klar, kann man drüber lachen – wie soll das auch gehen? Und überhaupt: dieses ewig-gestrige mit den 83ern, oder wie? Mir ging es und geht es jetzt um den Gedanken, der dahinter steckt. Um den HSV. Um Figuren, die diesen Verein verkörpern und nach außen tragen und die eine emotionale Bindung mitgeben, die – richtig vorgelebt – dann auch irgendwann mal auf dem Rasen ankommt.

Jeder kann sich selbst überlegen, ob im aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat diese Figuren sind, und ob sie kommen würden bei den aktuellen Strukturen. Oder ob von Heesen, Hieronymus, Jakobs und andere mit ihren Verbindungen mehr davon bieten. Oder Hunke. Oder ob Ertel, Liebnau und Co. für den richtigen Weg stehen. Die Frage, ob ein strategischer Partner am 20. Januar, am Tag nach der Mitgliederversammlung, unter „HSV-PLUS“-Voraussetzungen da steht und mit einem Scheck wedelt, ist da erstmal zweitrangig. Es braucht ein Modell, in dem Leistungsfußball mit HSV-Identität gefördert wird. Mit all seinen Gesichtern und Geschichten. Alles in eine Richtung. In eine Richtung!!!

Damit nämlich Calhanoglu, Beister und Tah ihre erfolgreiche Zukunft in Hamburg haben werden, und nicht anderswo. Auch und gerade diese Jungs brauchen etwas, woran sie sich halten können – das Verbindende des HSV. Wenn sie merken, dass der Trainer – im Moment van Marwijk – wie sie selbst in dem wackeligen Boot sitzt und nach Orientierung sucht, dann sind sie so schnell verschwunden wie einige andere vor ihnen.

Zum Training heute. Personell hat sich nicht viel getan. Der Kader ist wie erwartet, so dass van Marwijk morgen in München folgende Elf aufbieten könnte:
Drobny – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Zoua, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Jacques Zoua steht also mal wieder in der Startelf und vertritt den Gelb-gesperrten Maxi Beister. In der heutigen, kurzen Presserunde hat Zoua verraten, dass er schon zwei Mal gegen den FC Bayern gespielt hat. In der Champions-League-Saison 2011/2012 wurde er jeweils eingewechselt – beim Hinspiel in Basel (1:0) und beim Rückspiel in München (0:7). Heute sagte der Kameruner: „Ich versuche, das Spiel gegen die Bayern wie jedes andere Bundesliga-Spiel zu sehen. Natürlich wird es schwer, aber wir versuchen alles.“

Die Bayern müssen auf Boateng (fünfte Gelbe Karte) verzichten, und nach wie vor auf Robben und Schweinsteiger. Alaba, so heißt es aus München, könnte auf der linken Verteidiger-Position durch Contento ersetzt werden. Das wäre dann der Gegenspieler von Jacques Zoua.

Hoffnung für den HSV: Claudio Pizarro kommt wohl zunächst von der Ersatzbank. Im März schoss er vier Tore gegen den HSV. Insgesamt hat er in 21 Spielen gegen Hamburg 18 Tore erzielt. Eine unfassbare Quote.

Für den HSV geht es darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Das wäre völlig okay. An den Bayern haben sich dieses Jahr auch Barca und andere die Zähne ausgebissen. Dieser Fußball-Sonnabend, denke ich, bietet unabhängig vom Ausgang des Spiels keinen Anlass für Hohn und Spott.

Bei Oliver Scheel sind inzwischen die ersten Anträge eingegangen für die Mitgliederversammlung. „HSV-PLUS“ von Otto Rieckhoff, „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke, „Rautenherz“ liegen vor. Außerdem viele Einzelanträge, unter anderem die Idee, eine Stiftung zu gründen. Die Anträge der „HSV-Reform“ werden bis zum Fristende am Sonntagabend auf der Geschäftsstelle des HSV erwartet.

Dieter und Scholle erwarten Euch nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels zu „Matz ab live“. Ein Gast wird der Niendorfer Ex-HSV-Profi Alexander Laas sein.
Bis dahin
Lars

P.S.: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München steigt am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 20.30 Uhr und wird sowohl in der ARD als auch auf Sky gezeigt. Und: In der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft am 13. Mai in der imtech-Arena gegen Polen.

Van der Vaart: “Es tut natürlich weh . . .”

21. August 2013

Ein Kollege von mir, eingefleischter und hundertprozentiger HSV-Fan (seit Jahrzehnten), er ist wirklich und absolut kein Schön-Wetter-HSV-Fan, hat mir folgende sms geschickt:

„Du weißt, wie es um diesen Verein steht, wenn dein sechsjähriger Sohn dich fragt: ‚Papa, hat der HSV eigentlich schon mal gewonnen . . ?’ Traurig.“

Lieber Kollege, Du kannst Deinem kleinen Knaben sagen, dass der HSV am Sonnabend gewinnen wird. Wahrscheinlich jedenfalls. Im HSV gehen sie davon mal aus. Da heißt es zurzeit: „Wenn wir gegen Hertha gewinnen, dann eine Woche später auch gegen Braunschweig, dann haben wir einen guten Saisonstart hingelegt.“ Wenn. So heißt dieses Zauberwort, und daran klammern sich im Moment fast alle. Wenn.

Und wenn nicht? Das wird nicht geklammert, das wird ausgeklammert. Lassen wir uns mal überraschen, denn so, wie es jetzt aussieht, werden die Spieler, die dieses 1:5 gegen Hoffenheim verbockt haben, wohl wieder eine Chance bekommen. Bis auf Marcell Jansen, denn der hat heute nicht trainiert – und wenn ich gefragt werde, so gehe ich davon aus, dass der Nationalspieler auch am Sonnabend nicht zum Einsatz kommen wird, kommen kann. Für ihn dürfte dann der junge Zhi Gin Lam auf links verteidigen, denn Dennis Aogo ist ja aus dem Verkehr gezogen worden. Wie übrigens auch Tomas Rincon, der ja auch kurz mal nach Mallorca gejettet war. Ich kann nur sagen: schade, schade. Ich hätte Aogo gerne mal wieder auf hinten links gesehen, und ich hätte auch Rincon gerne mal, als Defensivstabilisator, auf der Sechs gehabt. Diese beiden Wünsche muss ich dann wohl noch ein wenig hinten anstellen.

Gespannt bin ich ferner darauf, ob Heiko Westermann in der Stamm-Formation bleiben wird. Heute hat er im Trainingsspielchen für die A-Mannschaft verteidigt. Und während er das tat, hatte ich ein friedliches Streitgespräch mit einem „Matz-abber“, der so sehr wünscht, dass Westermann mal nicht . . . Auf dem Weg in die Redaktion schloss ich mich dann erstmalig diesem Wunsch an. Ich drücke die Daumen, dass Westermann am Sonnabend gegen die Hertha nicht spielen darf. Er wird wohl dennoch spielen, denn wenn Jansen fehlt, dann würde schon mal die halbe Viererkette fehlen, aber wünschen darf ich es mir doch mal – oder? Denn dann, und davon bin ich restlos überzeugt, würden alle die Fans, die Westermann gerne draußen sehen würden, mal erleben können, wie es ohne den großen Kämpfer geht. Natürlich, auch ich würde es erleben, aber ich bin davon restlos überzeugt, dass dieser Schuss nach hinten losgehen würde. Deswegen hoffe ich es – und wenn es nur diesen einzigen Versuch geben würde . . .

Wobei ich gerne zugebe, dass Heiko Westermann gegen Hoffenheim wirklich mal schwach gespielt hat. Nur – wer hat das nicht? Sie waren doch alle grottenschlecht, und zwar ohne Ausnahme (im Feld jedenfalls). Und das müssen die Spieler dann eben auch mal einsehen, sie müssen es auf jeden Fall auch mal verkraften, dass sie nicht von der Presse gepudert werden – nach einem solchen Desaster. Das kann aber nicht jeder. Aber eine solche 1:5-Klatsche ist eben nicht nur eine Niederlage, sondern eine totale Vernichtung. Und dann darf auch nichts beschönigt werden, dann muss die Wahrheit auf den Tisch, dann muss Tacheles gesprochen – und geschrieben werden. Es ist nur menschlich, wenn der eine oder andere Spieler dann „maulig“ ist, aber dennoch hoffe ich, dass er sich im stillen Kämmerlein einsichtig zeigt und dann befindet: „Der hat ja Recht, ich war wirklich schlecht wie die Suppe . . .“ Wie hat mit heute gerade der ehemalige HSV-Verteidiger Tobias Homp noch gesagt? „Selbstkritik ist der beste Weg, wieder zur Bestform zurückzufinden.“ Aber genau.

Aber, auch das ist mir natürlich bekannt, Selbstkritik ist erstens nicht jedermanns Geschmack, und ist darüber hinaus auch stark aus der Mode gekommen. Leider, leider.

Kurz, ganz kurz nur möchte ich noch einmal auf Mallorca und Aogo zurückkommen. Dieses Thema hat alles andere, was sich um dieses 1:5 rankt, verdrängt. Mir wäre es lieber, wenn statt Mallorca tatsächlich mal „knallhart“, so wie es der Sportchef Oliver Kreuzer angekündigt hatte, über dieses 1:5-Dilemma diskutiert werden würde. So dass dann tatsächlich mal die Fetzen fliegen und schonungslos die Wahrheit ans Tageslicht kommen würde. Aber beim HSV, so sagte es mir heute noch einmal ein Trainingskiebitz, „wird viel zu viel schöngeredet – und zwar seit Jahren schon“.

Und um das noch einmal zu sagen: Ich habe Sportchef Oliver Kreuzer für seine klaren Worte nun schon mehrfach gelobt, und ich finde es mutig, dass Kreuzer nun gesagt hat: „Solche Dinge werde bei mir sanktioniert, ganz klar.“ Der Trainer wusste nicht, dass der Sportchef Aogo schon für den Berlin-Ausflug gesperrt hatte – auch das bewerte ich positiv. Weil Kreuzer durchgreift, in Zukunft auch weiter durchgreifen wird. Speziell zu Dennis Aogo sei noch gesagt, dass er WM-Teilnehmer und Nationalspieler war, und dass er nun kein Stammspieler mehr ist – beim HSV! Das sollte ihm vielleicht auch ein wenig zu denken geben. Und wenn er dann zu dem Schluss kommt, dass es nicht am Trainer liegt (diese Frage muss er für sich beantworten), denn müsste er (Aogo) zu dem Ergebnis kommen, dass er mehr tun muss als andere, um wieder in Form zu kommen, dass er wieder erste Wahl für den HSV ist. Das allerdings muss dann wirklich jeder Spieler, nicht nur Dennis Aogo, für sich beantworten.

Um noch einmal das Thema zu wechseln: Wenn denn aber in Berlin gewonnen wird (vom HSV), und von mir aus auch eine Woche später gegen Braunschweig, dann ist ohnehin nicht mehr nötig, dass über dieses 1:5 auch nur noch ein Wort verloren wird. Wenn. Warten wir es mal ab.

Wenn aber nicht, dann werden sich auch danach wieder einige Ehemalige des HSV zu Wort melden. So wie es jetzt schon geschehen ist. Das ist ja immer so, schon seit Gründung der Bundesliga ist das so – und das ist auch gut so. Obwohl natürlich auch das von einige immer wieder scharf verurteilt wird. Aber zu 99 Prozent sind es doch die Spieler, die einst ganz Großes für den HSV geleistet haben, und die es auch heute noch immer nur gut meinen mit ihren Rothosen. Es äußert sich doch keiner deswegen negativ, weil er inzwischen Werder- oder St.-Pauli-Fan ist, sie äußern sich besorgt (und gelegentlich, stimmt auch, negativ), weil sie um ihren Dino zittern. Und sie wollen mit ihren (teilweise mahnenden) Worten auf- und wachrütteln. Nur das. Denn auch sie, die ja durchaus auch ein wenig (!) Ahnung von der Materie haben, sehen, was hier falsch läuft – seit Jahrzehnten. Und was das Gute ist: Niemand dieser Ehemaligen erhebt doch irgendwelche Ansprüche, um mitmischen zu wollen, um ein Pöstchen bekommen zu wollen.

Obwohl ich es, ich ganz persönlich, schon begrüßen würde, wenn der eine oder andere wirklich große HSV-Spieler von einst tatsächlich mitmischen würde, davon mal ganz abgesehen. Aber das ist zurzeit ja nicht möglich, denn jeder, wirklich jeder, lehnt es ja in dieser Konstellation ab, da irgendwie ein wenig Verantwortung tragen zu wollen. Aber gut, so ist es eben. Nur hoffe ich, dass sich die Zeiten schon bald und demnächst ändern werden. Zum Wohle des HSV.

Und für mich könnte auch Klaus-Michael Kühne durchaus eine solche Position beanspruchen und dann auch bekleiden. Ach wenn ich selbstverständlich weiß, dass es auch hier einige hartgesottene HSV-Fans gegenteiliger Meinung sind. Sie haben zwar zähneknirschend akzeptiert, dass der Herr Kühne hier einige Milliönchen in den Club gepumpt hat (nein, geschenkt hat er sie), aber das hat er ja auch freiwillig getan. Wo der HSV heute ohne die Kühne-Milliönchen stehen würde, ist natürlich eine ganz andere Frage. Und die wird auch gewiss nicht von jedem HSV-Fan beantwortet. Aber auch das ist gut so. Deswegen wird der HSV ja auch weltweit bewundert, von vielen, vielen anderen Clubs dieses Erdballs, und er wird natürlich auch beneidet – wegen der Mitbestimmung seiner Fans. So muss es sein.

Zum Glück will der Herr Kühne ja auch keine Milliönchen mehr geben. Wegen der unpassenden Strukturen des HSV, und wegen die Leute, die den Verein führen. Inklusive aller Räte, die sich um diesen Verein bemühen und verdient machen. Jeder ist enorm wichtig, jeder kann seinem HSV jederzeit sagen, was falsch läuft, wie es richtiger laufen könnte – mit ihm. Und ohne Kühne. Um an Geld zu kommen, das ist überhaupt die (!) Lösung, müsste der HSV doch einfach nur einige Spieler verkaufen. So wie früher, als Jungs wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten und zum Beispiel Jerome Boateng ge- und wieder verkauft worden sind. Alles ganz einfach. Heute müsste der HSV nur Spieler wie Gojko Kacar, Paul Scharner, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Robert Tesche und noch ein paar mehr verkaufen, und dann hätte er die Kasse wieder bestens gefüllt.

Oder liege ich da falsch? Wie, der HSV versucht schon seit Wochen, diese Spieler zu verkaufen? Und das gelingt nicht? Wieso das denn? Kann nicht angehen, kann ich nicht glauben. Das sind doch alles hochbezahlte HSV-Profis . . . Nun gut, das wird noch. Ganz sicher. Und wenn nicht? Dann hat der HSV ja auch schon Übung im Verschenken. Marcus Berg hat es uns allen und dem HSV ja vorgemacht. Zum Wohle des HSV.

Übrigens hat heute Rafael van der Vaart zu uns gesprochen. Um es einmal vorweg zu nehmen, der Niederländer tut mir leid. Er wurde, von Klaus-Michael Kühne, zum HSV zurückgeholt und hat bislang niemanden gefunden, mit dem er so richtig gut zusammenspielen kann. Früher konnte er das mit Sergej Barbarez, dem kleinen Dribbelkünstler (de jetzt in Spanien um Anschluss bemüht ist), mit Mehdi Mahdavikia, David Jarolim, Timothee Atouba, Guy Demel, Daniel van Buyten, Raphael Wicky, Stefan Beinlich und einigen mehr. Und heute? Auf diese Frage dürft ihr Euch gerne selbst die Antwort geben. ich glaube, dass sich die „ewige 23“ erstens mehr von seiner Rückkehr zum HSV versprochen hat, und dass er zweitens zurzeit nicht gerade glücklich in seiner Rolle als HSV-Spieler ist. Letzteres habe ich bewusst ein wenig untertrieben.

Rückblickend sagt van der Vaart (auf das 1:5 bezogen): „Es tut natürlich weh, wenn man so verliert, keine Frage. Es ist auch schwer zu verstehen, wenn man so gut auf Schalke spielt, und dann gegen Hoffenheim daheim so untergeht. Die Achterbahn-Fahrt geht weiter. Nach einem guten Spiel folgt ein schlechtes – also wäre in Berlin jetzt wieder ein gutes dran.“ Stimmt. Hoffen wir das Beste. „Rafa“ sagt weiter: „Im Moment ist es vielleicht einfacher für uns, wenn wir auswärts spielen, denn dann müssen wir nicht schön spielen, dann müssen wir das Spiel nicht machen. Dann haben wir auch etwas mehr Räume, zu spielen, und das könnte dann Selbstvertrauen geben.“

Zuletzt hatte es ja auch Kritik n den „Alten“ und „Erfahrenen“ gegeben, dass die die jungen Spieler nicht führen. Van der Vaart sagt: „Zuletzt haben wir alle schlecht gespielt, alte wie junge Spieler. Das ist auch eine Kopfsache. Wenn etwas schiefläuft, sind wir nicht in der Lage, das Spiel umzudrehen.“ So ist es – leider. VdV weiter: „Wir müssen jetzt das Hoffenheim-Spiel aus den Köpfen bekommen, wir wissen, dass wir uns blamiert haben – jetzt müssen wir unsere Ehre wieder zurückholen. Ich weiß, das haben wir schon oft gesagt, aber so ist es ja. Leider passiert das aber zu oft, das stimmt schon.“ Quintessenz? Platz sechs, der angepeilt wird, ist wohl doch nur Utopie, oder? „Rafa“, der auch von diesem Ziel gesprochen hat, sagt: „Es ist ja erst der zweite Spieltag vorbei, vor einem Jahr hatten wir nach drei Spieltagen nur null Punkte. So gesehen sind wir schon besser gestartet, mit diesem einen Punkt.“ Nur damals, das bleibt festzuhalten, kam Rafael van der Vaart erst nach diesen drei punktlosen Spielen zum HSV und bewirkte den Umschwung. Wer kommt diesmal? Keiner!

Zur „Aogo-Affäre“ (die auch eine „Rincon-Affäre“ ist) hat Rafael van der Vaart eine spezielle Meinung: „Ich nehme das ganz locker. Was er privat macht, das macht er privat. Dass es nicht schlau ist, das ist auch klar, das wissen wir – aber für mich ist das kein großes Problem.“ Für andere ist es das aber schon. Der Niederländer sagt jedoch: „Solche negativen Schlagzeilen gehören zum Fußball, das ist nach einem 1:5 doch normal. Dann kommen sie alle aus ihren Löchern raus und reden nur schlecht. Aber dann reden sie überall auf der Welt schlecht von dem Verein, der so verloren hat, das gehört wohl zum Fußball-Geschäft dazu.“

Der Trainer will in Zukunft etwas defensiver spielen lassen, mehr Wert auf die Defensive legen. Kann das der HSV überhaupt? Van der Vaart sagt: „Wir wollen gerne Druck machen und nach vorne spielen, aber wenn es dann nicht läuft, dann stehen wir oft auch zu weit auseinander. Das müssen wir versuchen abzustellen, wir müssen kompakter stehen. Lieber mal 1:2 verlieren, statt 1:5 oder 2:9. So etwa passiert uns zu oft, das ist ganz klar unsere Schuld. Wir wollen gerne Fußball spielen, gerne gewinnen, wir wollen nach vorne spielen, aber in dieser Situation sollten wir uns darauf besinnen, zunächst einmal die Null halten zu wollen. Wir bekommen zu viele Gegentore, da müssen wir gemeinsam rauskommen.“

Dass die Zuschauer am Sonnabend in Scharen frühzeitig das Stadion verließen, das hat van der Vaart mitbekommen – er meint: „Wenn man in einem Spiel innerhalb von zehn Minuten drei Gegentore kassiert, dann ist klar, dass das jedem HSVer weh tut. Jetzt ist es unsere Aufgabe, das wieder umzudrehen, dass die Leute uns wieder lieben.“ Dass er die Kapitänsbinde bei seiner Auswechslung nach hinten „fallen“ ließ, das beschreibt er heute so: „Ich habe sie zu Petr Jiracek geworfen . . . Aber ist doch klar, dass auch ich enttäuscht war. So etwas geht ja auch an mir nicht spurlos vorbei. Ich habe nach dem Spiel ganz schlecht geschlafen, das muss ich schon sagen.“

So, dann gab es noch ein SID-Interview, das bestimmt Eure Aufmerksamkeit erhalten wird:

Nach dem 1:5 gegen 1899 Hoffenheim lieferte der Hamburger SV weitere Negativ-Schlagzeilen. Der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow bezieht im SID-Interview Stellung.

SID: „Herr Jarchow, der HSV kommt nicht zur Ruhe. Jetzt lieferte sich laut Medienberichten Aufsichtsrat Hans-Ulrich Klüver eine Auseinandersetzung mit einem Ordner auf dem Arena-Parkplatz. Wie haben Sie reagiert, als sie am Mittwoch die Zeitung aufgeschlagen haben?“

Carl Jarchow: „Ich hatte es am Dienstag schon mitbekommen, es war keine Überraschung mehr für mich. Ich werde es nicht kommentieren. Klar ist, dass man sich über die aktuellen Schlagzeilen nicht freut.“

SID: „Der HSV steht derzeit stark im Fokus. Wie gehen Sie damit um, dass nach dem 1:5 gegen Hoffenheim schon nach dem zweiten Spieltag der Druck sehr hoch ist?“

Jarchow: „Ich finde es überraschend, dass der HSV immer sofort sehr kritisch beurteilt wird. Das war schon vor dem 3:3 gegen Schalke so, dann stimmte die Leistung. Sobald aber der nächste Rückschlag kommt, prallt es mit voller Wucht ein. Das frappierende an der Niederlage gegen Hoffenheim war, dass alles innerhalb von elf Minuten gekippt ist. Insofern liest sich das 1:5 schon als große Niederlage. Wir wissen aber, dass die Mannschaft es kann. Alle Beteiligten machen sich große Gedanken, aber wir werden nicht nach einer Niederlage alles in Schutt und Asche legen.“

SID: „Dennis Aogo und Tomas Rincon sind an den freien Tagen im Anschluss an das 1:5 nach Mallorca geflogen. Wie beurteilen Sie die Trips?“

Jarchow: „Ich finde es äußerst enttäuschend, weil sie jegliche Sensibilität für die Situation vermissen lassen und zeigen, dass sie nicht verstanden haben, was so eine Niederlage für den Verein bedeutet. Zwei freie Tage sind nicht dazu gedacht, Party zu machen, sondern dazu, sich Gedanken zu machen. Schlechter geht es nicht.“

SID: „Mit welchen Konsequenzen müssen die beiden Profis rechnen?“

Jarchow: „Arbeitsrechtlich können wir nichts unternehmen, weil wir ihnen nicht vorschreiben können, wo sie sich an freien Tagen aufhalten. Von Geldstrafen halten ich eher weniger, aber Folgen wird es sicher haben.“

SID: „Was halten Sie von der Entscheidung von Trainer Thorsten Fink, nach der klaren Niederlage zwei Tage frei zu geben?“

Jarchow: „Man kann diskutieren, ob zwei freie Tage richtig sind oder nicht. Aber es ist die Entscheidung des Trainers, die ich respektiere und nicht kommentieren werde. In der öffentlichen Beurteilung wird sich das nach unserem Spiel in Berlin zeigen. Wenn es schlecht ausgeht, werden die freien Tage sicher als Fehler gewertet, wenn wir gewinnen, hat Thorsten Fink alles richtig gemacht.“

PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 16 Uhr im Volkspark trainiert

17.31 Uhr

Matz ab feiert dritten Geburtstag – danke!

6. August 2012

Vielen Dank für die zahlreichen Glückwünsche zum Dreijährigen! Es gab für mich viel Post und auch Anrufe, und zwar aus aller Welt! Danke dafür, danke auch für eure Treue. Drei Jahre „Matz ab“, wie die Zeit vergeht. Und es ist auch so, als würden es schon so viele Jahre mehr sein, die wir gemeinsam auf dem Buckel haben – gefühlt sind es für mich mindestens zehn Jahre “Matz ab“. So intensiv war das alles, verlief das alles. Ich habe viele, viele großartige Menschen kennen und schätzen gelernt, es gab hervorragende Begegnungen und Erfahrungen – das war schon traumhaft. Und dafür bedanke ich mich noch einmal ausdrücklich. Natürlich gab es auch gelegentlich Ärger, aber darüber möchte ich an einem solchen Tag gar nicht erst schreiben. Mir tut es nur um jene Leute Leid, das sage ich offen und ehrlich, die zuerst ganz „große Matz-abber“ waren, die dem Blog überaus positiv gegenüber standen, die dann aber mit der Zeit abgesprungen sind. Ich trauere in dieser Hinsicht vielen Menschen nach, die ich auch persönlich kennen lernen durfte, von denen ich auch menschlich total beeindruckt und begeistert war – die es dann aber vorzogen, nicht mehr zu unserem Kreis gehören zu wollen. Schade kann ich dazu nur sagen – ich vermisse euch. Und allen anderen „Matz-abbern“ möchte ich an diesem Tag zurufen: „Auf die nächsten drei Jahre!“

Um einmal einen Glückwunsch aus der Flut der vielen Glückwünsche herauszupicken:

Von „suedstern”:

„hallo herr matz und herr scholz,
herzlichen glückwunsch zum 3jährigen. ich halte mit meinen aufkleber am
auto und auf meinem pc in ganz wuerttemberg zur stange. viele hsv fans im
sueden sprechen mich auf grund meiner aufkleber an. diese grüße ich auch
hiermit. sie sind bei weitem nicht so negativ eingestellt, wie viele hier
im blog. das ist wahrscheinlich die gnade der weiten entfernung zu ihrem
lieblingsverein.
viele grüße w.w.“

So, zurück zum Wesentlichen:

„Internet ist das Schwerste was es gibt.“ Das sagten (und bestätigten) mir am Wochenende viele Kollegen, die es von „außerhalb“ in den Volkspark gezogen hatte, um den „Liga-total-Cup“ zu verfolgen und darüber zu berichten. Recht haben sie, aber auch darüber will ich nicht groß schreiben (und reden). Hier treffen sich eben verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen zum Fußball allgemein und zum HSV ganz speziell. Diese Leute alle unter einen Hut zu bekommen, ist nicht zu schaffen, dank des großartigen Moderatoren-Teams aber geht es „Matz ab“ heute wesentlich besser als noch vor eineinhalb Jahren. Deswegen bedanke ich mich auch an die drei Moderatoren – und zwar ganz ausdrücklich und von Herzen. Ihr macht einen tollen Job, quasi rund um die Uhr, das ist sensationell und hervorragend. Danke.

Es gab bei „Matz ab“ in diesen drei Jahren ein stets Auf und Ab. Es gab viele Höhepunkte, auch viele Tiefpunkte – aber der absolute Knüller in dieser Geschichte ist und bleibt der „Fall van Nistelrooy“, den die beiden „Matz-abber“ „Eiche Nogly und Jacek Dembinski „aufdeckten“. Das war einmalig, es wird wohl auch einmalig bleiben, aber vor allem werden wir (ich auf jeden Fall) noch in Jahrzehnten darüber sprechen. Das Zusammenspiel zwischen Fans und den HSV-Verantwortlichen war in dieser Geschichte nahezu perfekt – ich bin, das gebe ich gerne zu, noch heute davon begeistert, wie das damals alles (unter der Decke) lief. Auch dafür noch einmal vielen Dank – und (immer noch und immer wieder) meine Hochachtung, ihr Experten!

In dem Zusammenhang, und damit komme ich zum aktuellen Tagesgeschehen, gab es am Wochenende auch eine Mal, die wie folgt aussah:

„Moin Dieter,
haben wir nun unseren langersehnten Spielmacher? In Italien heißt es heute, dass Jorquera, der schon seit Wochen immer mal wieder mit uns in Verbindung gebracht wird, nun tatsächlich zu uns wechseln soll/wird. Vielleicht kannst Du/könnt Ihr Dich/Euch ja mal beim Liga-Total Cup danach umhören.

Gruß, NicNac“

Ein neuer „Fall van Nistelrooy“? Nicht ganz. Erstens wird dieser Name schon seit einiger Zeit in Hamburg gehandelt (das Abendblatt hatte ihn vor 14 Tagen gespielt), zweitens wissen auch die anderen Medien der Stadt von diesen Verhandlungen. Es soll „etwas dran sein“, aber mehr wohl auch noch nicht. Der HSV hat mit Jorquera gesprochen, aber perfekt ist noch nichts – wenn es klappen sollte, dann werden wohl auch noch einige Tage ins Land ziehen. Cristobal Andres Jorquera Torres ist vor zwei Tagen 24 Jahre alt geworden, er ist 1,74 Meter groß und aktueller Nationalspieler Chiles. Er spielt beim italienischen Erstliga-Klub FC Genua, er ist Rechtsfuß und hat laut „Transfermarkt“ einen aktuellen Marktwert von „nur“ 1,8 Millionen Euro.

Wie geschrieben, es ist „etwas dran“, aber „etwas dran“ war auch an anderen Spielern immer mal wieder etwas – deswegen abwarten. Es könnte aber immerhin sein, dass es mit dem Chilenen endlich etwas werden könnte. Ein kleiner Fortschritt.

Von noch einem Südamerikaner ist (und war?) ja auch im Zusammenhang mit dem HSV die Rede: St. Paulis Abräumer Carlos Zambrano. Soll aber nichts dran sein. Soll. Man weiß es ja aber nie so genau. Und dann taucht in den letzten Stunden immer wieder ein neuer Name auf: Der 32 Jahre alte Österreicher Paul Scharner, der sich eine Woche bei Eintracht Frankfurt auf- du fitgehalten hat. Die Hessen werden den 1, 93 Meter großen Innenverteidiger, der zuletzt in England spielte (West Bromwich Albion und Wigan), aber nicht verpflichten. Auch deshalb, weil sie Zambrano holen wollen . . . Scharner dürfte aber für den HSV so etwas wie (jetzt) erste Wahl sein, ich rechne eigentlich stündlich damit, dass er unter Vertrag genommen wird.

Dann kämen also Milan Badelj und Paul Scharner, aber wie steht es um einen Stürmer? Der HSV, das offenbarte doch der Liga-total-Cup ganz eindrucksvoll, braucht einen Angreifer. Dringend. Händeringend. Bitte, bitte. Uwe Seeler („Der HSV braucht noch einen Brecher“) hat es schon lange erkannt, der letzte HSV-Anhänger jetzt spätestens am Sonntag. Ein Stürmer muss her. So wird das nichts. Wobei ich doch gar nichts gegen Artjoms Rdnevs habe. Er soll ja bleiben und sich entwickeln. Es kann ja mit ihm noch was werden, aber der HSV benötigt trotz allem noch einen Stürmer. Wer das nicht sieht, der sollte sich später nicht wundern . . .

Ich sprach heute mit HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow. Ich wollte von ihm wissen, ob der HSV diese Baustelle überhaupt auf dem Plan hat. Jarchow antwortete gelassen: „Wir wissen, wo wir noch etwas tun müssen, davon können Sie ausgehen. Und wir müssen sicherlich auch – alles im Rahmen unserer Möglichkeiten – etwas tun . . .“ Ein Glück. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Oder? Denn ich sage mir ja auch: „Wenn Carl-Edgar Jarchow das weiß, hoffentlich weiß es auch der Sportchef. Denn zuletzt hieß es vom HSV ja immer nur: Wir brauchen einen Zehner und einen Innenverteidiger. Von einem Stürmer war weit und breit nichts zu hören . . .“

Und wo ich gerade mit dem Vorstandsvorsitzenden gesprochen habe, da habe ich auch nach Klaus-Michael Kühne gefragt. Herr Jarchow, gibt es eigentlich noch Kontakt zum großen HSV-Gönner, Mäzen und Sponsor? Jarchow: „Gibt es, das schläft auch nicht ein, denn der alte Vertrag mit Herrn Kühne läuft ja immer noch weiter.“ Okay. Aber bezüglich eines neuen Engagements des Milliardärs? Jarchow: „Da war das Interview, das Herr Kühne zuletzt gegeben hatte, ja nicht gerade hilfreich und förderlich.“ Das mag so sein, wäre ja auch nur normal. Nach den Aussagen. Carl-Edgar Jarchow sagte aber zur „Mitarbeit“ Kühne auch noch: „Das Engagement war ja mehr oder weniger auf einen Namen reduziert, nämlich Rafael van der Vaart, und wie alle wissen, hat das nicht geklappt.“ Stimmt. Deswegen glaube ich auch, dass der Herr Kühne seinen noch immer laufenden Vertrag erfüllen wird, aber ein neues Engagement wird es wohl (so schnell) nicht wieder geben.
Schade eigentlich.

Kühne war immer mein großer und auch mein letzter Strohhalm, an den ich mich geklammert habe. Auch im Hinblick auf einen neuen Stürmer. Und wenn ich so daran denke, dass es der Herr Kühne einst ja auch schon ganz gut mit „seinem“ HSV gemeint hat, so sollte er einmal daran denken, kurz über seinen eigenen Schatten zu springen: Dieser HSV braucht dringend Soforthilfe, Herr Kühne, Sie könnten helfen, weil Sie dazu in der Lage sind – und wenn Sie und auch Ihre Frau den Verein lieben, dann helfen Sie bitte noch einmal. Trotz aller unterschiedlicher Meinungen. Es geht doch nur um den Klub.

Dieser HSV braucht Ihre Hilfe, Herr Kühne, mehr denn je!

Und wenn ich dazu noch einmal auf Zugang Artjoms Rudnevs zurückkommen darf. Dazu gibt es immer wieder Mails, zwei davon möchte ich euch einmal zu Gemüte führen:

„Hallo Herr Matz,

warum sieht man den Spieler Rudnews schon jetzt so negativ? Es war einmal, so fangen viele Märchen, bei einem Heimspiel meines HSV wurde ein neuer Spieler eingesetzt, ich hatte einen Platz auf der alten Haupttribüne in der ersten Reihe, konnte also die Spieler beim warmmachen wunderbar beobachten. Es war ein neuer großer Spieler dabei, er kam von Rot Weiss Essen.
Der Mann war nach meinem ersten Eindruck ein Antifussballer, jeder Ball sprang ihm vom Fuss. Der Spieler hieß übrigens Hrubesch, also bitte etwas Geduld.
Mfg. Peter W.“

Und von unserer treuen Seele „Nordbert” kam zum Thema die folgende Mail:

„Moin Dieter, moin Leute,

ich erinnere mich noch an einen gewissen Bernardo Romeo, der schon ein ziemlicher Knipser war. Mit dem Ball alleine auf den Torwart durfte man ihn nicht loslassen, aber im Strafraum war er großartig und hatte enormen Unterhaltungswert (zumindest, wenn man HSV-Fan war). Wenn ich es richtig erinnere, hat Dein Kumpel Thomas Doll (bitte berichtigt mich, wenn ich hier falsch liege) ihn damals nicht mehr haben wollen, weil er nicht mehr in das Spielsystem paßte. Nun finde ich, daß Toreschießen schon in ein HSV-Spielsystem passen sollte, aber Thomas Doll war da in der Tat der weitsichtigere Mensch, denn seitdem haben ja alle HSV-Trainer am System ohne Toreschießen festgehalten und soviele Fachleute können sich ja nicht irren… :roll:

Ich sehe das Problem, das Rudnevs und Berg vermutlich bekommen, eher darin, daß sie nicht mit den Vorlagen gefüttert werden, die sie brauchen, um eine gute Torquote zu erzielen. Von Marcell Jansen, der in seiner HSV-Anfangszeit irre gefährliche, flache Hereingaben von der Grundlinie aus geschlagen hat, kommt so gut wie gar nichts mehr. Dennis Diekmeyer geht vorsichtshalber kaum noch zu Grundlinie. Ecken sind traditionell seit Jahren högscht ungefährlich (gegen Barca sah das besser aus, ich habe mich echt gewundert – wäre schön, wenn das konserviert werden könnte). Ein Problem übrigens, mit dem meiner Meinung nach auch Van the Man zu kämpfen hatte. Von Laufwunder Petric ganz zu schweigen. Ich mache mir von daher weniger Sorgen wegen unserer Stürmer, sondern sehe die Probleme vor allem beim Anspiel in die Spitze.“

Dazu habe ich ja auch schon etwas geschrieben (im Abendblatt). Es gab eine Saison, in der der HSV gleich vier hochbegabte „Daddelbrüder“ (Spielmacher) in seinen Reihen wusste, die alle einen Stürmer einsetzen konnten. Rafael van der Vaart, Stefan Beinlich, Sergej Barbarez und Piotr Trochowski. Das war in der Saison 2005/06. Der HSV belegte Platz drei in der Liga und schoss dabei die viertmeisten Tore (53). Das gelang mit vier Vorlagengebern. Jetzt aber sucht der HSV einen! Und ob der es dann reißen wird? Da braucht man schon eine gehörige Portion Optimismus. Aber ich will ja nicht meckern, ich harre aus. Und warte auf die Dinge, die da noch passieren sollen – und müssen.

Noch aber sieht es doch so aus: Rudnevs ist hinter Marcus Berg bislang Stürmer Nummer zwei. Weil er sich erst noch umstellen muss. Berg aber war zuletzt meistens Stürmer Nummer drei – hinter Paolo Guerrero und Mladen Petric. Wie soll das jetzt gehen? Wir alle haben es ansatzweise gegen Dortmund und Bayern gesehen – es geht nicht. Oder auf jeden Fall nicht viel. Ich kenne keinen auswärtigen Journalisten, der am Wochenende in der Arena saß, der sich nicht große Sorgen um den HSV macht – um den Dino. Sie alle wollen, dass der HSV drin bleibt, aber sie alle wissen auch, dass das noch sehr, sehr schwer werden wird. Sie alle haben Hamburg jedenfalls äußerst nachdenklich verlassen, wenn es in ihren Gedankengängen um die sportliche Zukunft des HSV ging.

Aber gut, es geht heute und morgen ja auch noch nicht los. Und die Verantwortlichen bleiben ja noch total ruhig. Trainer Thorsten Fink jedenfalls scheint im Moment die Ruhe selbst zu sein: „Wir werden am ersten Spieltag zu 100 Prozent da sein.“ Und: „Ich sage klipp und klar, dass der HSV nicht zu den Abstiegskandidaten gehören wird. Wir sind rund um Platz zehn anzusiedeln.“

Hoffentlich. Damit wäre ich sehr, sehr zufrieden. Sehr. Aber sagen kann man ja viel. Wie ich schreiben. Nur was dann hinten dabei rumkommt, das werden wir erst in einigen Wochen erleben. Kurios ist, dass mir auf meinem Schreibtisch heute – genau in diesem Zusammenhang – die „HSV live“ vom 17. März 2012 entgegenflatterte. Der HSV erwartete den SC Freiburg zum Punktspiel. Und da steht auf Seite 34: „Wir werden dieses Spiel gewinnen!“ Gesagt hatte es damals in einem vereinseigenen Interview Trainer Fink. Er sagte ganz zum Schluss: „Wichtig ist der Sieg, nur das zählt. Wir werden dieses Spiel gewinnen. Punkt.“
Der HSV verlor 1:3.

Denn etwas sagen oder eine Prophezeiung ist das eine, und die Realität etwas ganz anderes.

Einen schönen „Matz-ab“-Geburtstag wünsche ich euch allen.

PS: Training ist morgen (Dienstag) zweimal im Volkspark. Um 10 Uhr, und dann am Nachmittag eigentlich um 15.30 Uhr. Aber meine Kollegen sprechen in diesem Fall von 18.30 Uhr. Also könnte es durchaus spät werden.

17.57 Uhr

Feuer im Stadion – bitte nur auf dem Rasen!

12. Dezember 2011

Heute einmal, weil es ein Ruhetag beim HSV gibt, die etwas andere Eröffnung.
Der Sport-Informations-Dienst berichtet (auch) über einige Fußball-Fans, die es nicht lassen können:

Das Entzünden von Bengalos beim Ostderby gegen Energie Cottbus könnte Fußball-Drittligist Dynamo Dresden im Kampf gegen den Pokalausschluss um die letzte Chance bringen. Der DFB ermittelt. Dunkler Qualm stieg im Dresdner Block auf. Vermummte Anhänger wedelten freudig erregt mit brennenden Bengalos umher. Sicherheitskräfte versuchten vom Rasen aus, mit Wasserwerfern zu löschen – doch der Eklat war nicht mehr zu stoppen. Der Einsatz von Pyrotechnik einiger unverbesserlicher Rowdys kurz vor dem Ostderby gegen Energie Cottbus sorgte bei Dynamo Dresden trotz des 2:1-Sieges für Entsetzen. „Der DFB-Kontrollausschuss ist informiert“, bestätigte Sprecher Jens Grittner.

„Da haben uns wieder einige einen Bärendienst erwiesen“, sagte Dresdens Präsident Andreas Ritter und ergänzte ziemlich verbittert: „Jeder, der normalen Menschenverstand besitzt, weiß doch, wie sehr uns diese Vorfälle jetzt schaden. Sollten wir wegen dieser Vorfälle eine Geldstrafe erhalten, werden wir uns das Geld von den Verursachern zurückholen.“ Der Klub-Boss befürchtet – wohl zu Recht – einen negativen Einfluss auf das Berufungsverfahren, mit dem sich der Klub derzeit gegen den Pokalausschluss für die kommende Saison wehrt.

Warum ich das veröffentliche? In Mainz waren einige HSV-Fans auch mit viel Feuer bei der Sache. Wie immer. Aber, und das sollte sich jeder jetzt einmal vor Augen führen: Dresden ist hart bestraft worden. Und deswegen geht Dresden auf die Barrikaden. Ost und West wird ungleich behandelt – so das Motto der Dynamos. Und weil es dafür auch Unterstützung aus dem Osten gibt, wird es nicht lange dauern, bis der erste West-Klub nicht zur zur Kasse gebeten wird (das wird er ohnehin schon immer), sondern auch aus irgendeinem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Oder, wie jetzt Hansa Rostock, vor leeren Rängen ein Heimspiel austragen muss.
Alles kein Problem?
Okay, dann weiter so!
Der Verein, in diesem Fall der HSV, muss doch kaputt zu kriegen sein . . . Indem ihm ein klein wenig Feuer gemacht wird. Ich sage aber: Feuer im Stadion? Bitte nur auf dem Rasen!

Um noch einmal auf den morgigen Dienstag zu kommen. Fußballgrößen wie Zinedine Zidane, Ronaldo und Luis Figo sind die Topstars beim neunten „Spiel gegen die Armut“ im Volkspark. Bei dieser von den Vereinten Nationen unterstützten Partie soll Geld für hungernde Menschen am Horn von Afrika gesammelt werden. Das Spiel beginnt um 19.05 Uhr, wird live auf „Sport 1“ übertragen – aber sollte auch immer noch – einige Zuschauer in die Arena ziehen. Der HSV tritt gegen „Ronaldo, Zidane und Friends“ mit seinen Nationalspielern an – und dazu kommen einige Altstars zum Einsatz.

Das „Spiel gegen die Armut“ ist für Zidane, mittlerweile Sportdirektor bei Real Madrid und ehrenamtlich UNO-Goodwillbotschafter, eine echte Herzensangelegenheit. „Wir wollen nicht nur Geld sammeln, sondern auch sensibilisieren für die Not der Menschen in dieser Region. Die Botschaft muss heißen, dass wir uns um bedürftige Menschen kümmern müssen“, sagt der Franzose voller Engagement.

Nach UNO-Schätzungen leben rund 13 Millionen Menschen in Dschibuti, Somalia, Äthiopien und Kenia in bitterster Armut und sind vom Hungertod bedroht. Und so kommen auch noch aktive Fußballstars wie Didier Drogba in die Hansestadt, um zu helfen. Der Torjäger des FC Chelsea ist selbst in der Elfenbeinküste in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen: „Deshalb ist es mir eine Ehre, diese Menschen zu unterstützen.“

Das Publikum erwartet eine Fußballshow der Extraklasse, denn die „Freunde“ von Ronaldo und Zidane sind durchaus prominent. Jens Lehmann wird das Tor hüten, die Fußballschuhe schnüren werden weiterhin Fabio Cannavaro, Fernando Hierro und Gheorghe Hagi. Zum Team der HSV-Allstars gehören unter anderem die Ex-Rothosen Ze Roberto, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Stefan Beinlich und Jörg Albertz. Und selbst die „Pfeife“ ist ein Star: Pierluigi Collina, zwischen 1998 und 2003 sechsmal in Folge Welt-Schiedsrichter des Jahres, leitet die Partie. Als Trainer der Gäste fungieren Marcello Lippi und Bora Milutinovic. Und damit auch Deutschlands Tennisheld Boris Beck in offizieller Funktion irgendwie dazugehört, hat man den „Bobbele“ zum Team-Manager gemacht.

Und nicht vergessen: Es geht hier ums Helfen.

Noch nicht vergessen ist, jedenfalls bei mir, dass sich unmittelbar vor der Erstansetzung des Bundesliga-Spiels 1. FC Köln gegen Mainz 05 der angesetzte Unparteiische Babak Rafati in einem Kölner Hotel das Leben nehmen wollte (19. November). Der ehemalige Berliner Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), nimmt nun wegen exakt dieses Suizidversuchs den eigenen Verband in die Pflicht. „Ein kleines Trainer- und Coaching-Team, ergänzt um den Rat und die individuelle Unterstützung von Fachexperten, das ist wohl der richtige Weg auch für unsere Schiedsrichter. Da brauchen wir in der Schiedsrichterführung auch mehr Ruhe für den Blick und das Ohr für den Schiedsrichter als Menschen“, sagte Fröhlich.

Morgen wird das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 nachgeholt. Fröhlich untermauerte, dass auch die medizinische und sportliche Betreuung der Schiedsrichter besser werden müsse. „Wir müssen dranbleiben, können an internationalen Vorgaben nicht einfach vorbeigucken. Das Thema Support und Impulse zur Verbesserung der Fitness werden wir kurzfristig aufgreifen. Dazu gehören auch die Themen Regeneration und medizinische Betreuung“, sagte Fröhlich.

Zu abstrakt ist für Fröhlich auch die Forderung von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter angestoßene Diskussion über Profi-Schiedsrichter: „Das ist in dieser Form nur eine leere Hülle, die manchmal etwas zu populistisch auf den Markt geworfen wird. Inhalte sind wichtig, wie zum Beispiel: Welche Einstellungen haben die Schiedsrichter zu ihrer Tätigkeit? Wie arbeiten Schiedsrichter, und wie wird mit Schiedsrichtern gearbeitet? Und: Wie sind die Rahmenbedingungen ausgestaltet?“, sagte Fröhlich.

Bei der Gelegenheit ist mir am Wochenende eine Szene übel aufgestoßen. Es war beim Spiel Köln gegen Freiburg. Vor dem 1:0 wurde Lukas Podolski steil geschickt. In der Fernseh-Wiederholung, nur eine von unzähligen an diesem Tag, wurde der Fuß des Kölners farbig eingekreist – weil der Fuß im Abseits stand. Ich frage mich aber, ob es wirklich der Fuß war, oder nur der große Zeh? Oder nur der Fußnagel des großen Zehs? Nein, nein, das ist schon pervers. Wird in dieser Szene auf eine Abseitsstellung entschieden, wird im Fernsehen sicher gesagt: „Schade, ursprünglich sollte es ja so ausgelegt werden: Im Zweifel für den Stürmer.“ Und wenn nicht so entschieden wird, dann heißt es: „Abseits, dieser Treffer hätte eigentlich nicht zählen dürfen.“

Welche Chance haben da eigentlich noch die Schiedsrichter? Die können doch gar nicht gegen 30 Kameras und mehr (?) anpfeifen, die müssten doch Woche für Woche wahre Wunder vollbringen, wenn sie ohne große Fehlentscheidungen über die 90 Minuten kommen wollten. Und trotzdem, fast unglaublich, schaffen es immer viele – oder welche. So wie am Sonntag Manuel Gräfe aus Berlin, der Stuttgart gegen Bayern wieder einmal super geleitet hat. Auch wenn die Schwaben noch immer Gift und Galle spucken. Ich sage: Kompliment, Herr Gräfe!

So, ich möchte auch noch einmal explizit auf den HSV kommen. Ich denke mit einem leicht mulmigen Gefühl an das letzte Heimspiel des Jahres, am Sonnabend, tatsächlich noch einmal um 15.30 Uhr (womit hat der HSV das verdient?), gegen den zuletzt sehr aufmüpfigen Aufsteiger FC Augsburg. Dazu hat HSV-Nationalspieler Dennis Aogo nach dem 0:0 in Mainz einiges gesagt, und das möchte ich Euch nicht vorenthalten: „Es wäre sehr wichtig für uns, wenn wir mit einem Heimsieg in die Winterpause gehen könnten, es wäre der krönende Abschluss der letzten Wochen, wir wollen uns unbedingt belohnen für die gute Arbeit. Es wäre für jeden Spieler ideal, mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen, und es wäre zudem auch in der Tabelle ein entscheidender Schritt.“

Generell befand Aogo zum letzten halben Jahr: „Der Knackpunkt für uns war der Trainerwechsel, Thorsten Fink hat der Mannschaft Selbstvertrauen, Sicherheit und eine Spielidee gegeben, die wir umsetzen. Man hat in Mainz deutlich gesehen, dass sich die Mainzer in dieser Woche sehr viele Gedanken um uns gemacht haben. Sie waren auf der Suche nach Lösungen, um unser Konzept zu stören, das ist ihnen sicherlich auch ganz gut gelungen, aber es zeigt mir auch, dass wir uns den Respekt der Liga zurück erarbeitet haben.“

Um noch einmal auf das Feuer im Spiel zurück zu kommen. Dazu gab es zahlreiche Beiträge bei „Matz ab“, hier nur einige wenige Ausschnitte:

„UnsUwe“: „Ich bin einfach gegen Bengalos in Stadien und denke auch, dass man dies auch ohne „Schande” vertreten kann. Ich habe noch bei keinem Stadionbesuch erlebt, dass es Pyros die Stimmung verbessern, sondern eher negativ anheizen und wirklich gesund ist es auch nicht. Wenn wenigstens nur die „Zünder” von dem Rauch betroffen wären, ok, aber solche „intelligenten Pyros”, welche keine Kollateralschäden verursachen, wurden vermutlich noch nicht erfunden… Schwieriges Thema, aber wenn man sagt, dass man solche Dinge in “allen Stadien” nicht sehen möchte, dann kann man wohl kaum von einer heuchlerischen Debatte sprechen. Finde ich.
.
Noch etwas: Ich wundere mich etwas über den so plötzlich sachlichen und umgänglichen Ton hier im Blog, nein, eigentlich ich freue mich drüber. Weiter so.“

„Mladenhüter“: „Ich habe mich in über zwanzig Jahren bei keinem meiner zahlreichen Stadionbesuche durch Pyrotechnik belästigt gefühlt.“

„PeVo“: „Ich werde auf jeden Fall am 15.01.12 zur Mitgliederversammlung gehen. Und wenn Oliver Scheel sich nicht klar und deutlich gegen diesen Unsinn ausspricht, ist er für mich nicht wählbar.“

„Kollauer“: „Ich sehe immer noch alle Vereine in der Pflicht, diese objektiv potenzielle Gefahr für die Stadionbesucher nicht mehr zuzulassen.“

So, ich bin am Ende. Für heute. Und bitte an morgen denken: 19.05 Uhr in der Arena, der HSV gegen den Rest der Welt – für einen guten, guten Zweck.

16.59 Uhr

PS: Morgen (Dienstag) Training um 10 Uhr im Volkspark.

Und noch eine Ergänzung. Ich sprach eben mit Supporters-Chef Ralf Bednarek, der gestern in einem Beitrag bei “Matz ab” genannt wurde. Weil er die Bengalos legalisieren möchte. Bednarek sagte mir: “Ich setze mich für die Legalisierung ein, nicht dafür, wie damit im Moment umgegangen wird. So wie es jetzt gehändelt wird, so ist es natürlich sehr gefährlich. Ich möchte aber extra freie Zonen dafür, ungefährlichere Materialien, die sich nicht so sehr erhitzen, ich möchte, dass dann mindestens ein Feuerwehrmann dabei ist – und derjenige, der die Bengalos abbrennt, der müsste als Bühnen-Pyrotechniker ausgebildet sein. Ich kenne einige Fans, die sich dazu ausbilden lassen würden.” Ralf Bednarek weiter: “Mit Verboten werden wir, davon bin ich überzeugt, das Problem kaum lösen können. Zum Beispiel Mainz. Da waren die Kontrollen so scharf wie nie. Und trotzdem ist es gelungen, diese Sachen einzuschleusen. Wenn aber Bengalos genehmigt sind, dann wissen alle, DFB, Verein und die Behörden, wer damit am Werk ist.” Zum Schluss sagt der Supporters-Chef noch: “Ganz klar sage ich: Wir wollen keine Böller im Stadion, keine Rauchbomben, die auf die Augen gehen, die auch die Atemwege reizen. Leute, die damit erwischt werden, wenn sie so etwas abbrennen, die müssen mit Strafen rechnen. So wie schon in der Vergangenheit immer.”
Ergänzt um 17.41 Uhr

Die Zeugnisse – Teil drei

12. Mai 2010

Am Tag nach dem 1:1 bei Werder Bremen, es war der 9. Mai, ein Sonntag. Ich erinnere mich genau: Ze Roberto kam aus der Arena und ging zu seinem Auto, und alle umstehenden Medien-Vertreter gingen auf ihn zu. Der Brasilianer stieg in sein Auto, ließ die Seitenscheibe herunter und stellte sich den Fragen. Die vordringlichste Frage war die: „Wirst du auch in der nächsten Saison noch für den HSV spielen?“ Der „große Ze“ sackte in seinem Sitz zusammen und wurde zum „kleinen Ze“. Er suchte nach den passenden Worten. Motto: „Wie sage ich’s meinem Kinde – und sage ich am besten so viel, dass ich am Ende nichts gesagt habe?“ Ze Roberto druckste herum. Eindeutig wollte er nicht mit der Sprache heraus. Auf mehrfache Nachfrage hin versteifte er sich schließlich auf einen Schlusssatz: „Ich glaube wir werden uns wieder sehen.“ Dann brauste er davon. Und die umstehenden Kollegen waren sich alle einig: „Es gib kein Wiedersehen mit Ze.“ So sieht es nun wohl aus. In einer brasilianischen Zeitung „eiert“ er zwar auch wenig rum, aber das alles liest sich so, als gäbe es für ihn kein Zurück mehr an die Elbe. Erwartungsgemäß. Obwohl er noch einen Ein-Jahres-Vertrag mit dem HSV zu erfüllen hätte.

Es ist zu diesem Thema schon viel spekuliert worden, Und auch schon einiges geschrieben. Alles deutete darauf hin, dass Ze Roberto nur einen Sommer in Hamburg tanzte. Seit Monaten hielt sich auch ein Satz, den Ze Roberto im Kreise einiger Teamkollegen gesagt haben soll. Ich habe ihn für mich verinnerlicht, sprach er doch für die gesamte und verfahrene Situation. Wie gesagt, wir haben diesen Satz von HSV-Profis gehört. Demnach soll Ze Roberto gesagt haben: „Wenn dieser Trainer-Lehrling auch in der nächsten Saison noch HSV-Trainer ist, dann bin ich weg.“ Nun ist der Coach zwar nicht mehr da, aber ich glaube doch, dass Ze Roberto die Nase voll hat von Hamburg. Und auch dem HSV. Und, was ich noch glaube: Er wird nicht der letzte HSV-Profi sein, der zwar noch einen Vertrag besitzt, der aber trotzdem die Kurve kratzen wird.

Wobei ich, das muss ich mal deutlich sagen, nicht in Panik machen möchte. Ich möchte Euch nicht nach unten ziehen, ich möchte hier nicht als Schwarzseher auftreten, dem alle zu folgen haben. Ich habe mich in diesen Tagen und Wochen bemüht, die gewiss nicht rosige Situation realistisch zu betrachten. Und so bin ich für mich zu dem Schluss gekommen: Ich sorge mich um diesen HSV.

Ich sage auch, warum: Der HSV 2010 hat in der Bundesliga nicht besser gespielt, als die Absteiger oder die Abstiegskandidaten. Das ist für mich Fakt. Davon rücke ich auch nicht ab. Und die Situation wird ja nicht besser, indem es in der nächsten Saison keinen internationalen Fußball in Hamburg gibt – es wird Geld fehlen, das wurde hier an dieser Stelle schon sehr richtig erkannt. Und wenn dann noch einige Spieler gehen sollten, wenn dazu ein Trainer geholt wird, der es wieder nicht bringt, dann ist mir, das gebe ich zu, echt Bange um den HSV.

Aber es muss ja auch nicht so kommen. Obwohl, wie Frank Rost in Bremen zuletzt gesagt hat, „einiges an Zwischenmenschlichem in dieser Saison auf der Strecke geblieben ist“. Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gange, das weiß ich, hinter den Kulissen wird fleißig gearbeitet – obwohl ich gerade im Fernsehen gesehen habe, dass Urs Siegenthaler bei der Nationalmannschaft in Aachen (morgen Länderspiel gegen Malta) „herumturnt“. Muss ja an sich nichts Schlechtes zu bedeuten haben . . . Oder?

Ich glaube, dass die HSV-Führung aus den vielen Fehlern der völlig missratenen Saison schon ihre Lehren gezogen hat. Das gilt für den Vorstand, das gilt aber auch für den viel und herbe gescholtenen Aufsichtsrat. Die Herren Räte wollen sich offenbar etwas beeilen, so habe ich das Gefühl, beeilen mit dem leidigen Thema Sportchef-Suche. Nagelt mich bitte nicht darauf fest, aber ich vermute ganz stark, dass der neue Sportchef entweder Nico Hoogma oder Stefan Beinlich heißen wird. Die Räte machen nun Nägel mit Köpfen, sie nehmen jetzt den direkten Weg zum Tor – und wählen nicht einen Umweg von Monaten. Bravo, die Herren! Mann lernt eben doch nie aus. Wobei ich mir dennoch eine Sorge nicht ersparen kann: Dieser Aufsichtsrat gibt trotz der Tatsache, dass sich nun im Eile bemüht wird, ein ganz, ganz miserables Bild ab. Die zwölf Herren sind restlos zerstritten, was mir von drei Sitzen auch bestätigt wurde. Ein Schauplatz der persönlichen Eitelkeiten, denn jeder glaubt offenbar, dass er es besser gekonnt hätte als der Nebenmann.

Wenn durch diese AR-Krise endlich Bewegung und Tempo einstellen, hätten diese Streitigkeiten ja auch noch einen ganz positiven Nebeneffekt. Und, wo ich gerade bei Krise bin: Viele von Euch werden sich noch an jene Zeit erinnern, als Jürgen Hunke noch im Kreise der Räte arbeiten durfte. Damals wurde stets ihm unterstellt, die geheimen Dinge, die bei den Sitzungen besprochen wurden, an die Zeitungen weitergegeben zu haben. Hunke wurde verdächtigt – und sogar angeprangert. Und? Heute? Hunke ist weit weg, aber im Aufsichtsrat wird weiter fleißig geplappert. Sehr zur Freude der Zeitungen (oder der Zeitung?). Ein Rat schimpfte sogar still vor sich hin: „Wir bräuchten eigentlich keinen Protokollführer, denn was bei uns hinter verschlossenen Türen gesprochen wurde, steht schon am nächsten Tag brühwarm in den Zeitungen.“ Warum wohl? Jeder ist seines Glückes Schmied, und wer mit vorgehaltener Hand plappert, der hofft darauf, dass eine Hand die andere wäscht. So funktioniert das Geschäft. Schon immer. Und auch beim HSV.

Komme ich nun zur Zeugnis-Ausgabe Teil drei, diesmal sind es die Offensivkräfte, die rückblickend betrachtet werden:

Mladen Petric: Note drei.
Natürlich könnte er wesentlich mehr, selbstverständlich war das keine sehr gute Saison von ihm, aber er war immerhin meistens dann da, wenn er mit seinen Tore gebraucht wurde. Der Kroate hat einige spektakuläre Treffer erzielt, und einige ganz wichtig zudem. Das machte ihn in dieser Spielzeit so wichtig. Dass er nicht immer einer der Fleißigsten war, wird er wohl auch wissen, ich schiebe es der Tatsache zu, dass er des Öfteren verletzt oder angeschlagen war. Grundsätzlich denke ich, dass ein Stürmer seiner Qualität etwas mehr arbeiten müsste, um sich auch selbst Torchancen zu kreieren. Um dieses (kleine?) Manko aber beheben zu können, braucht es auch einen starken Trainer, der selbst einem „Star“ wie Petric sagt, wo es lang geht. Aber vielleicht kommt der ja in der nächsten Saison. Und noch ein Wort zu Petric: Er verstand sich nicht immer besonders gut mit Ruud van Nistelrooy. Oder, wenn man böswillig ist: Er lag nie mit seinem niederländischen Sturm-Kollegen auf einer Wellenlänge. Was ich nicht nur als sehr schade empfand, sondern auch als störend. Akzeptiert ein Star einen Weltstar, suchen sich die beiden Stars dann im Spiel und versuchen alles, damit die Mannschaft zu Toren kommt, das heißt, dass sich jeder in seinem Ego auch zurücknimmt, dann muss das im Erfolg enden. Petric und van Nistelrooy aber haben sich kaum einmal gesucht, haben auch kaum einmal vernünftig zusammengespielt – es blieb meistens nur Stückwerk. Auch daran muss gearbeitet werden, wenn die beiden Stars in der nächsten Saison noch für den HSV stürmen sollten. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht noch klappen sollte, denn die Vernunft haben beide Spieler. Fehlt nur noch der gute Wille, und den muss ein (neuer) Trainer wecken.

Marcus Berg: Note fünf.
Wenn mir ein Wendehals attestiert wurde, dann stimmt es bei dem jungen Schweden auf jeden Fall. Zuerst war ich sehr hoffnungsfroh und angetan von seinen Qualitäten, dann habe ich an nichts mehr Gutes geglaubt, bei einem (sehr kurzen) Zwischenhoch hatte ich doch wieder Hoffnung, doch von der ist nun, nach Saisonende, kaum noch etwas geblieben. Nein, ich lehne mich so weit aus dem Fenster dass ich sage: Ich habe die Hoffnung bei Marcus Berg aufgegeben. Für mich kann nur der neue Trainer noch eine Art Wunderheilung erzwingen – und das ist auch die einzige Hoffnung, die ich noch habe. Warum das so ist? Ich sehe bei Berg kein Entsetzen, wenn er eine „Hundertprozentige“ vergeben hat, ich sehe keinen Ärger, wenn ihm ein Ball versprungen ist – ich sehe eigentlich kaum mal eine Gefühlsregung. Weder im Spiel gibt es mal einen Gefühlsausbruch „Made in Sweden“, noch im Training. Null. Chance vergeben, umdrehen, zurücklaufen, neuen Anlauf nehmen. Ist das gesund? Ich habe früher als Amateur (bis zur Verbandsliga) für den Fall, dass ich etwas Gutes versemmelt hatte, Schlaftabletten neben dem Bett, damit ich vor lauter Grübeln doch noch in den Schlaf finde – so hatten mich die miesen Situationen noch lange beschäftigt. Natürlich, jeder Mensch ist anders, aber wenn ich wenigstens einmal sehen würde, dass es Marcus Berg wurmt, weil er ein dickes Ding ausgelassen hat – wie gesagt, nichts. Deswegen ist meine Hoffnung gestorben.

Tunay Torun: Note vier.
Der Türke, den es nun mit einem Kreuzbandriss ganz böse erwischt hat, war die Entdeckung der Saison. Torun absolvierte einige gute Spiele, zeigte Selbstbewusstsein, mischte auch im Training eindrucksvoll mit – schien so auf dem besten, auf dem allerbesten Wege. Dann dachte er, so sehe ich das, wohl zu oft zu lange darüber nach, was er schon geschafft hat, und das wirkte sich leistungshemmend aus. Stark sogar. Oftmals ging er auch harten Zweikämpfen (Kopfballduellen) aus dem Wege, so dass auf den Tribünen die Meinung vorherrschte, dass sich der Stürmer eher ein wenig zurück entwickelt hätte. Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber vielleicht wirkt auch in diesem Fall ein neuer Trainer Wunder. Zu wünschen wäre es Torun.

Ruud van Nistelrooy: Note drei.
Bei „Van the man“ schwanke ich, das gebe ich zu. Auf der einen Seite bin ich angetan davon, dass er noch sechs Bundesliga-Tore gebracht hat, auf der anderen Seite gebe ich aber auch zu, dass ich mir noch etwas mehr erhofft hatte. Obwohl ich, wenn ich das ganz realistisch betrachte, auch zugeben muss, dass ich gar nicht erwartet hatte, dass van Nistelrooy noch so viele Spiele für den HSV bestreiten würde. Erst für die nächste Saison hatte ich mit ihm so richtig (und mit „Schmackes“) gerechnet. Und ich hoffe auch immer noch darauf. Zudem hoffe ich auf einen Trainer, der mit den Vorzügen eines Welttorjägers umzugehen versteht, das soll heißen: Ruud van Nistelrooy in die Box, und dann tüchtig füttern lassen von allen Seiten. Abwarten, ob das noch ein Mann hinbekommt? Leichte Zweifel habe ich zudem, dass der im Juni 34 Jahre alt werdende Niederländer noch einmal so hundertprozentig fit wird, dass er uneingeschränkt spielen und trainieren kann. Ich glaube das nicht.

Paolo Guerrero: keine Note.
Der Peruaner war zu lange und zu böse verletzt. Was deshalb besonders schade war, weil er zu Saisonbeginn stets zu den besten oder gar zu den überragenden Hamburger gehört hatte. Das hätte Guerreros Saison werden können, doch der Kreuzbandriss machte alles zunichte. Nun können seine Fans nur hoffen, dass es doch noch zu einer Vertragsverlängerung kommen wird, ich würde diese auf jeden Fall sehr begrüßen – aber ich trage mich mit großen Zweifeln. Der Aufsichtsrat müsste schon wieder einmal über seinen Schatten springen . . . Von wegen charakterfeste Spieler.

Tolga Arslan: keine Note.
Kam als Mittelfeldspieler aus Dortmund zum HSV, wird auch im HSVlive-Stadionheft als Mittelfeldspieler geführt, doch der ehemalige Trainer hatte sich früh festgelegt: „Tolgay ist Stürmer.“ Das aber konnte es nicht unter Beweis stellen. Leider. Aber vielleicht zeigt er dem neuen Coach ja auf, wie es mit ihm als Mittelfeldspieler funktionieren könnte.

Maximilian Beister: keine Note.
Für mich nach wie vor DAS Talent des HSV. Ihn hätte ich gefordert und gefördert, ohne jede Einschränkung. Ich denke sogar heute noch: Hätte Beister die Chancen bekommen, die Berg zugestanden wurden, dann hätten wir schon einen guten Stürmer hinzugewonnen – und endlich einmal wieder einen aus dem eigenen Nachwuchs zudem. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

So, für heute bin ich wieder einmal bis ans Ende vorgedrungen. Heute findet ja im Volkspark noch ein etwas größeres Spiel statt, aber Ihr werdet an dieser Stelle keine Zeile davon lesen, ich weigere mich, darüber zu berichten. Weil es einfach immer noch
ZU WEHTUT.

Morgen, am Vatertag, sollten die männlichen HSV-Anhänger trotzdem ein (!) Bier auf den Klub, der ihre Herzensangelegenheit ist, trinken. Kein Frust-Saufen, sondern einfach nur ein kleines Bierchen – auf die Zukunft, auf eine rosige Zukunft natürlich. Es kann nur besser werden.

PS: Die Zeugnis-Ausgabe wird fortgesetzt, morgen stehen die Leute im Fokus, die die Verantwortung für das Gebilde tragen.

17.10 Uhr