Archiv für das Tag 'Beinlich'

Matz ab feiert dritten Geburtstag – danke!

6. August 2012

Vielen Dank für die zahlreichen Glückwünsche zum Dreijährigen! Es gab für mich viel Post und auch Anrufe, und zwar aus aller Welt! Danke dafür, danke auch für eure Treue. Drei Jahre „Matz ab“, wie die Zeit vergeht. Und es ist auch so, als würden es schon so viele Jahre mehr sein, die wir gemeinsam auf dem Buckel haben – gefühlt sind es für mich mindestens zehn Jahre “Matz ab“. So intensiv war das alles, verlief das alles. Ich habe viele, viele großartige Menschen kennen und schätzen gelernt, es gab hervorragende Begegnungen und Erfahrungen – das war schon traumhaft. Und dafür bedanke ich mich noch einmal ausdrücklich. Natürlich gab es auch gelegentlich Ärger, aber darüber möchte ich an einem solchen Tag gar nicht erst schreiben. Mir tut es nur um jene Leute Leid, das sage ich offen und ehrlich, die zuerst ganz „große Matz-abber“ waren, die dem Blog überaus positiv gegenüber standen, die dann aber mit der Zeit abgesprungen sind. Ich trauere in dieser Hinsicht vielen Menschen nach, die ich auch persönlich kennen lernen durfte, von denen ich auch menschlich total beeindruckt und begeistert war – die es dann aber vorzogen, nicht mehr zu unserem Kreis gehören zu wollen. Schade kann ich dazu nur sagen – ich vermisse euch. Und allen anderen „Matz-abbern“ möchte ich an diesem Tag zurufen: „Auf die nächsten drei Jahre!“

Um einmal einen Glückwunsch aus der Flut der vielen Glückwünsche herauszupicken:

Von „suedstern”:

„hallo herr matz und herr scholz,
herzlichen glückwunsch zum 3jährigen. ich halte mit meinen aufkleber am
auto und auf meinem pc in ganz wuerttemberg zur stange. viele hsv fans im
sueden sprechen mich auf grund meiner aufkleber an. diese grüße ich auch
hiermit. sie sind bei weitem nicht so negativ eingestellt, wie viele hier
im blog. das ist wahrscheinlich die gnade der weiten entfernung zu ihrem
lieblingsverein.
viele grüße w.w.“

So, zurück zum Wesentlichen:

„Internet ist das Schwerste was es gibt.“ Das sagten (und bestätigten) mir am Wochenende viele Kollegen, die es von „außerhalb“ in den Volkspark gezogen hatte, um den „Liga-total-Cup“ zu verfolgen und darüber zu berichten. Recht haben sie, aber auch darüber will ich nicht groß schreiben (und reden). Hier treffen sich eben verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen zum Fußball allgemein und zum HSV ganz speziell. Diese Leute alle unter einen Hut zu bekommen, ist nicht zu schaffen, dank des großartigen Moderatoren-Teams aber geht es „Matz ab“ heute wesentlich besser als noch vor eineinhalb Jahren. Deswegen bedanke ich mich auch an die drei Moderatoren – und zwar ganz ausdrücklich und von Herzen. Ihr macht einen tollen Job, quasi rund um die Uhr, das ist sensationell und hervorragend. Danke.

Es gab bei „Matz ab“ in diesen drei Jahren ein stets Auf und Ab. Es gab viele Höhepunkte, auch viele Tiefpunkte – aber der absolute Knüller in dieser Geschichte ist und bleibt der „Fall van Nistelrooy“, den die beiden „Matz-abber“ „Eiche Nogly und Jacek Dembinski „aufdeckten“. Das war einmalig, es wird wohl auch einmalig bleiben, aber vor allem werden wir (ich auf jeden Fall) noch in Jahrzehnten darüber sprechen. Das Zusammenspiel zwischen Fans und den HSV-Verantwortlichen war in dieser Geschichte nahezu perfekt – ich bin, das gebe ich gerne zu, noch heute davon begeistert, wie das damals alles (unter der Decke) lief. Auch dafür noch einmal vielen Dank – und (immer noch und immer wieder) meine Hochachtung, ihr Experten!

In dem Zusammenhang, und damit komme ich zum aktuellen Tagesgeschehen, gab es am Wochenende auch eine Mal, die wie folgt aussah:

„Moin Dieter,
haben wir nun unseren langersehnten Spielmacher? In Italien heißt es heute, dass Jorquera, der schon seit Wochen immer mal wieder mit uns in Verbindung gebracht wird, nun tatsächlich zu uns wechseln soll/wird. Vielleicht kannst Du/könnt Ihr Dich/Euch ja mal beim Liga-Total Cup danach umhören.

Gruß, NicNac“

Ein neuer „Fall van Nistelrooy“? Nicht ganz. Erstens wird dieser Name schon seit einiger Zeit in Hamburg gehandelt (das Abendblatt hatte ihn vor 14 Tagen gespielt), zweitens wissen auch die anderen Medien der Stadt von diesen Verhandlungen. Es soll „etwas dran sein“, aber mehr wohl auch noch nicht. Der HSV hat mit Jorquera gesprochen, aber perfekt ist noch nichts – wenn es klappen sollte, dann werden wohl auch noch einige Tage ins Land ziehen. Cristobal Andres Jorquera Torres ist vor zwei Tagen 24 Jahre alt geworden, er ist 1,74 Meter groß und aktueller Nationalspieler Chiles. Er spielt beim italienischen Erstliga-Klub FC Genua, er ist Rechtsfuß und hat laut „Transfermarkt“ einen aktuellen Marktwert von „nur“ 1,8 Millionen Euro.

Wie geschrieben, es ist „etwas dran“, aber „etwas dran“ war auch an anderen Spielern immer mal wieder etwas – deswegen abwarten. Es könnte aber immerhin sein, dass es mit dem Chilenen endlich etwas werden könnte. Ein kleiner Fortschritt.

Von noch einem Südamerikaner ist (und war?) ja auch im Zusammenhang mit dem HSV die Rede: St. Paulis Abräumer Carlos Zambrano. Soll aber nichts dran sein. Soll. Man weiß es ja aber nie so genau. Und dann taucht in den letzten Stunden immer wieder ein neuer Name auf: Der 32 Jahre alte Österreicher Paul Scharner, der sich eine Woche bei Eintracht Frankfurt auf- du fitgehalten hat. Die Hessen werden den 1, 93 Meter großen Innenverteidiger, der zuletzt in England spielte (West Bromwich Albion und Wigan), aber nicht verpflichten. Auch deshalb, weil sie Zambrano holen wollen . . . Scharner dürfte aber für den HSV so etwas wie (jetzt) erste Wahl sein, ich rechne eigentlich stündlich damit, dass er unter Vertrag genommen wird.

Dann kämen also Milan Badelj und Paul Scharner, aber wie steht es um einen Stürmer? Der HSV, das offenbarte doch der Liga-total-Cup ganz eindrucksvoll, braucht einen Angreifer. Dringend. Händeringend. Bitte, bitte. Uwe Seeler („Der HSV braucht noch einen Brecher“) hat es schon lange erkannt, der letzte HSV-Anhänger jetzt spätestens am Sonntag. Ein Stürmer muss her. So wird das nichts. Wobei ich doch gar nichts gegen Artjoms Rdnevs habe. Er soll ja bleiben und sich entwickeln. Es kann ja mit ihm noch was werden, aber der HSV benötigt trotz allem noch einen Stürmer. Wer das nicht sieht, der sollte sich später nicht wundern . . .

Ich sprach heute mit HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow. Ich wollte von ihm wissen, ob der HSV diese Baustelle überhaupt auf dem Plan hat. Jarchow antwortete gelassen: „Wir wissen, wo wir noch etwas tun müssen, davon können Sie ausgehen. Und wir müssen sicherlich auch – alles im Rahmen unserer Möglichkeiten – etwas tun . . .“ Ein Glück. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Oder? Denn ich sage mir ja auch: „Wenn Carl-Edgar Jarchow das weiß, hoffentlich weiß es auch der Sportchef. Denn zuletzt hieß es vom HSV ja immer nur: Wir brauchen einen Zehner und einen Innenverteidiger. Von einem Stürmer war weit und breit nichts zu hören . . .“

Und wo ich gerade mit dem Vorstandsvorsitzenden gesprochen habe, da habe ich auch nach Klaus-Michael Kühne gefragt. Herr Jarchow, gibt es eigentlich noch Kontakt zum großen HSV-Gönner, Mäzen und Sponsor? Jarchow: „Gibt es, das schläft auch nicht ein, denn der alte Vertrag mit Herrn Kühne läuft ja immer noch weiter.“ Okay. Aber bezüglich eines neuen Engagements des Milliardärs? Jarchow: „Da war das Interview, das Herr Kühne zuletzt gegeben hatte, ja nicht gerade hilfreich und förderlich.“ Das mag so sein, wäre ja auch nur normal. Nach den Aussagen. Carl-Edgar Jarchow sagte aber zur „Mitarbeit“ Kühne auch noch: „Das Engagement war ja mehr oder weniger auf einen Namen reduziert, nämlich Rafael van der Vaart, und wie alle wissen, hat das nicht geklappt.“ Stimmt. Deswegen glaube ich auch, dass der Herr Kühne seinen noch immer laufenden Vertrag erfüllen wird, aber ein neues Engagement wird es wohl (so schnell) nicht wieder geben.
Schade eigentlich.

Kühne war immer mein großer und auch mein letzter Strohhalm, an den ich mich geklammert habe. Auch im Hinblick auf einen neuen Stürmer. Und wenn ich so daran denke, dass es der Herr Kühne einst ja auch schon ganz gut mit „seinem“ HSV gemeint hat, so sollte er einmal daran denken, kurz über seinen eigenen Schatten zu springen: Dieser HSV braucht dringend Soforthilfe, Herr Kühne, Sie könnten helfen, weil Sie dazu in der Lage sind – und wenn Sie und auch Ihre Frau den Verein lieben, dann helfen Sie bitte noch einmal. Trotz aller unterschiedlicher Meinungen. Es geht doch nur um den Klub.

Dieser HSV braucht Ihre Hilfe, Herr Kühne, mehr denn je!

Und wenn ich dazu noch einmal auf Zugang Artjoms Rudnevs zurückkommen darf. Dazu gibt es immer wieder Mails, zwei davon möchte ich euch einmal zu Gemüte führen:

„Hallo Herr Matz,

warum sieht man den Spieler Rudnews schon jetzt so negativ? Es war einmal, so fangen viele Märchen, bei einem Heimspiel meines HSV wurde ein neuer Spieler eingesetzt, ich hatte einen Platz auf der alten Haupttribüne in der ersten Reihe, konnte also die Spieler beim warmmachen wunderbar beobachten. Es war ein neuer großer Spieler dabei, er kam von Rot Weiss Essen.
Der Mann war nach meinem ersten Eindruck ein Antifussballer, jeder Ball sprang ihm vom Fuss. Der Spieler hieß übrigens Hrubesch, also bitte etwas Geduld.
Mfg. Peter W.“

Und von unserer treuen Seele „Nordbert” kam zum Thema die folgende Mail:

„Moin Dieter, moin Leute,

ich erinnere mich noch an einen gewissen Bernardo Romeo, der schon ein ziemlicher Knipser war. Mit dem Ball alleine auf den Torwart durfte man ihn nicht loslassen, aber im Strafraum war er großartig und hatte enormen Unterhaltungswert (zumindest, wenn man HSV-Fan war). Wenn ich es richtig erinnere, hat Dein Kumpel Thomas Doll (bitte berichtigt mich, wenn ich hier falsch liege) ihn damals nicht mehr haben wollen, weil er nicht mehr in das Spielsystem paßte. Nun finde ich, daß Toreschießen schon in ein HSV-Spielsystem passen sollte, aber Thomas Doll war da in der Tat der weitsichtigere Mensch, denn seitdem haben ja alle HSV-Trainer am System ohne Toreschießen festgehalten und soviele Fachleute können sich ja nicht irren… :roll:

Ich sehe das Problem, das Rudnevs und Berg vermutlich bekommen, eher darin, daß sie nicht mit den Vorlagen gefüttert werden, die sie brauchen, um eine gute Torquote zu erzielen. Von Marcell Jansen, der in seiner HSV-Anfangszeit irre gefährliche, flache Hereingaben von der Grundlinie aus geschlagen hat, kommt so gut wie gar nichts mehr. Dennis Diekmeyer geht vorsichtshalber kaum noch zu Grundlinie. Ecken sind traditionell seit Jahren högscht ungefährlich (gegen Barca sah das besser aus, ich habe mich echt gewundert – wäre schön, wenn das konserviert werden könnte). Ein Problem übrigens, mit dem meiner Meinung nach auch Van the Man zu kämpfen hatte. Von Laufwunder Petric ganz zu schweigen. Ich mache mir von daher weniger Sorgen wegen unserer Stürmer, sondern sehe die Probleme vor allem beim Anspiel in die Spitze.“

Dazu habe ich ja auch schon etwas geschrieben (im Abendblatt). Es gab eine Saison, in der der HSV gleich vier hochbegabte „Daddelbrüder“ (Spielmacher) in seinen Reihen wusste, die alle einen Stürmer einsetzen konnten. Rafael van der Vaart, Stefan Beinlich, Sergej Barbarez und Piotr Trochowski. Das war in der Saison 2005/06. Der HSV belegte Platz drei in der Liga und schoss dabei die viertmeisten Tore (53). Das gelang mit vier Vorlagengebern. Jetzt aber sucht der HSV einen! Und ob der es dann reißen wird? Da braucht man schon eine gehörige Portion Optimismus. Aber ich will ja nicht meckern, ich harre aus. Und warte auf die Dinge, die da noch passieren sollen – und müssen.

Noch aber sieht es doch so aus: Rudnevs ist hinter Marcus Berg bislang Stürmer Nummer zwei. Weil er sich erst noch umstellen muss. Berg aber war zuletzt meistens Stürmer Nummer drei – hinter Paolo Guerrero und Mladen Petric. Wie soll das jetzt gehen? Wir alle haben es ansatzweise gegen Dortmund und Bayern gesehen – es geht nicht. Oder auf jeden Fall nicht viel. Ich kenne keinen auswärtigen Journalisten, der am Wochenende in der Arena saß, der sich nicht große Sorgen um den HSV macht – um den Dino. Sie alle wollen, dass der HSV drin bleibt, aber sie alle wissen auch, dass das noch sehr, sehr schwer werden wird. Sie alle haben Hamburg jedenfalls äußerst nachdenklich verlassen, wenn es in ihren Gedankengängen um die sportliche Zukunft des HSV ging.

Aber gut, es geht heute und morgen ja auch noch nicht los. Und die Verantwortlichen bleiben ja noch total ruhig. Trainer Thorsten Fink jedenfalls scheint im Moment die Ruhe selbst zu sein: „Wir werden am ersten Spieltag zu 100 Prozent da sein.“ Und: „Ich sage klipp und klar, dass der HSV nicht zu den Abstiegskandidaten gehören wird. Wir sind rund um Platz zehn anzusiedeln.“

Hoffentlich. Damit wäre ich sehr, sehr zufrieden. Sehr. Aber sagen kann man ja viel. Wie ich schreiben. Nur was dann hinten dabei rumkommt, das werden wir erst in einigen Wochen erleben. Kurios ist, dass mir auf meinem Schreibtisch heute – genau in diesem Zusammenhang – die „HSV live“ vom 17. März 2012 entgegenflatterte. Der HSV erwartete den SC Freiburg zum Punktspiel. Und da steht auf Seite 34: „Wir werden dieses Spiel gewinnen!“ Gesagt hatte es damals in einem vereinseigenen Interview Trainer Fink. Er sagte ganz zum Schluss: „Wichtig ist der Sieg, nur das zählt. Wir werden dieses Spiel gewinnen. Punkt.“
Der HSV verlor 1:3.

Denn etwas sagen oder eine Prophezeiung ist das eine, und die Realität etwas ganz anderes.

Einen schönen „Matz-ab“-Geburtstag wünsche ich euch allen.

PS: Training ist morgen (Dienstag) zweimal im Volkspark. Um 10 Uhr, und dann am Nachmittag eigentlich um 15.30 Uhr. Aber meine Kollegen sprechen in diesem Fall von 18.30 Uhr. Also könnte es durchaus spät werden.

17.57 Uhr

Feuer im Stadion – bitte nur auf dem Rasen!

12. Dezember 2011

Heute einmal, weil es ein Ruhetag beim HSV gibt, die etwas andere Eröffnung.
Der Sport-Informations-Dienst berichtet (auch) über einige Fußball-Fans, die es nicht lassen können:

Das Entzünden von Bengalos beim Ostderby gegen Energie Cottbus könnte Fußball-Drittligist Dynamo Dresden im Kampf gegen den Pokalausschluss um die letzte Chance bringen. Der DFB ermittelt. Dunkler Qualm stieg im Dresdner Block auf. Vermummte Anhänger wedelten freudig erregt mit brennenden Bengalos umher. Sicherheitskräfte versuchten vom Rasen aus, mit Wasserwerfern zu löschen – doch der Eklat war nicht mehr zu stoppen. Der Einsatz von Pyrotechnik einiger unverbesserlicher Rowdys kurz vor dem Ostderby gegen Energie Cottbus sorgte bei Dynamo Dresden trotz des 2:1-Sieges für Entsetzen. „Der DFB-Kontrollausschuss ist informiert“, bestätigte Sprecher Jens Grittner.

„Da haben uns wieder einige einen Bärendienst erwiesen“, sagte Dresdens Präsident Andreas Ritter und ergänzte ziemlich verbittert: „Jeder, der normalen Menschenverstand besitzt, weiß doch, wie sehr uns diese Vorfälle jetzt schaden. Sollten wir wegen dieser Vorfälle eine Geldstrafe erhalten, werden wir uns das Geld von den Verursachern zurückholen.“ Der Klub-Boss befürchtet – wohl zu Recht – einen negativen Einfluss auf das Berufungsverfahren, mit dem sich der Klub derzeit gegen den Pokalausschluss für die kommende Saison wehrt.

Warum ich das veröffentliche? In Mainz waren einige HSV-Fans auch mit viel Feuer bei der Sache. Wie immer. Aber, und das sollte sich jeder jetzt einmal vor Augen führen: Dresden ist hart bestraft worden. Und deswegen geht Dresden auf die Barrikaden. Ost und West wird ungleich behandelt – so das Motto der Dynamos. Und weil es dafür auch Unterstützung aus dem Osten gibt, wird es nicht lange dauern, bis der erste West-Klub nicht zur zur Kasse gebeten wird (das wird er ohnehin schon immer), sondern auch aus irgendeinem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Oder, wie jetzt Hansa Rostock, vor leeren Rängen ein Heimspiel austragen muss.
Alles kein Problem?
Okay, dann weiter so!
Der Verein, in diesem Fall der HSV, muss doch kaputt zu kriegen sein . . . Indem ihm ein klein wenig Feuer gemacht wird. Ich sage aber: Feuer im Stadion? Bitte nur auf dem Rasen!

Um noch einmal auf den morgigen Dienstag zu kommen. Fußballgrößen wie Zinedine Zidane, Ronaldo und Luis Figo sind die Topstars beim neunten „Spiel gegen die Armut“ im Volkspark. Bei dieser von den Vereinten Nationen unterstützten Partie soll Geld für hungernde Menschen am Horn von Afrika gesammelt werden. Das Spiel beginnt um 19.05 Uhr, wird live auf „Sport 1“ übertragen – aber sollte auch immer noch – einige Zuschauer in die Arena ziehen. Der HSV tritt gegen „Ronaldo, Zidane und Friends“ mit seinen Nationalspielern an – und dazu kommen einige Altstars zum Einsatz.

Das „Spiel gegen die Armut“ ist für Zidane, mittlerweile Sportdirektor bei Real Madrid und ehrenamtlich UNO-Goodwillbotschafter, eine echte Herzensangelegenheit. „Wir wollen nicht nur Geld sammeln, sondern auch sensibilisieren für die Not der Menschen in dieser Region. Die Botschaft muss heißen, dass wir uns um bedürftige Menschen kümmern müssen“, sagt der Franzose voller Engagement.

Nach UNO-Schätzungen leben rund 13 Millionen Menschen in Dschibuti, Somalia, Äthiopien und Kenia in bitterster Armut und sind vom Hungertod bedroht. Und so kommen auch noch aktive Fußballstars wie Didier Drogba in die Hansestadt, um zu helfen. Der Torjäger des FC Chelsea ist selbst in der Elfenbeinküste in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen: „Deshalb ist es mir eine Ehre, diese Menschen zu unterstützen.“

Das Publikum erwartet eine Fußballshow der Extraklasse, denn die „Freunde“ von Ronaldo und Zidane sind durchaus prominent. Jens Lehmann wird das Tor hüten, die Fußballschuhe schnüren werden weiterhin Fabio Cannavaro, Fernando Hierro und Gheorghe Hagi. Zum Team der HSV-Allstars gehören unter anderem die Ex-Rothosen Ze Roberto, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Stefan Beinlich und Jörg Albertz. Und selbst die „Pfeife“ ist ein Star: Pierluigi Collina, zwischen 1998 und 2003 sechsmal in Folge Welt-Schiedsrichter des Jahres, leitet die Partie. Als Trainer der Gäste fungieren Marcello Lippi und Bora Milutinovic. Und damit auch Deutschlands Tennisheld Boris Beck in offizieller Funktion irgendwie dazugehört, hat man den „Bobbele“ zum Team-Manager gemacht.

Und nicht vergessen: Es geht hier ums Helfen.

Noch nicht vergessen ist, jedenfalls bei mir, dass sich unmittelbar vor der Erstansetzung des Bundesliga-Spiels 1. FC Köln gegen Mainz 05 der angesetzte Unparteiische Babak Rafati in einem Kölner Hotel das Leben nehmen wollte (19. November). Der ehemalige Berliner Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), nimmt nun wegen exakt dieses Suizidversuchs den eigenen Verband in die Pflicht. „Ein kleines Trainer- und Coaching-Team, ergänzt um den Rat und die individuelle Unterstützung von Fachexperten, das ist wohl der richtige Weg auch für unsere Schiedsrichter. Da brauchen wir in der Schiedsrichterführung auch mehr Ruhe für den Blick und das Ohr für den Schiedsrichter als Menschen“, sagte Fröhlich.

Morgen wird das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 nachgeholt. Fröhlich untermauerte, dass auch die medizinische und sportliche Betreuung der Schiedsrichter besser werden müsse. „Wir müssen dranbleiben, können an internationalen Vorgaben nicht einfach vorbeigucken. Das Thema Support und Impulse zur Verbesserung der Fitness werden wir kurzfristig aufgreifen. Dazu gehören auch die Themen Regeneration und medizinische Betreuung“, sagte Fröhlich.

Zu abstrakt ist für Fröhlich auch die Forderung von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter angestoßene Diskussion über Profi-Schiedsrichter: „Das ist in dieser Form nur eine leere Hülle, die manchmal etwas zu populistisch auf den Markt geworfen wird. Inhalte sind wichtig, wie zum Beispiel: Welche Einstellungen haben die Schiedsrichter zu ihrer Tätigkeit? Wie arbeiten Schiedsrichter, und wie wird mit Schiedsrichtern gearbeitet? Und: Wie sind die Rahmenbedingungen ausgestaltet?“, sagte Fröhlich.

Bei der Gelegenheit ist mir am Wochenende eine Szene übel aufgestoßen. Es war beim Spiel Köln gegen Freiburg. Vor dem 1:0 wurde Lukas Podolski steil geschickt. In der Fernseh-Wiederholung, nur eine von unzähligen an diesem Tag, wurde der Fuß des Kölners farbig eingekreist – weil der Fuß im Abseits stand. Ich frage mich aber, ob es wirklich der Fuß war, oder nur der große Zeh? Oder nur der Fußnagel des großen Zehs? Nein, nein, das ist schon pervers. Wird in dieser Szene auf eine Abseitsstellung entschieden, wird im Fernsehen sicher gesagt: „Schade, ursprünglich sollte es ja so ausgelegt werden: Im Zweifel für den Stürmer.“ Und wenn nicht so entschieden wird, dann heißt es: „Abseits, dieser Treffer hätte eigentlich nicht zählen dürfen.“

Welche Chance haben da eigentlich noch die Schiedsrichter? Die können doch gar nicht gegen 30 Kameras und mehr (?) anpfeifen, die müssten doch Woche für Woche wahre Wunder vollbringen, wenn sie ohne große Fehlentscheidungen über die 90 Minuten kommen wollten. Und trotzdem, fast unglaublich, schaffen es immer viele – oder welche. So wie am Sonntag Manuel Gräfe aus Berlin, der Stuttgart gegen Bayern wieder einmal super geleitet hat. Auch wenn die Schwaben noch immer Gift und Galle spucken. Ich sage: Kompliment, Herr Gräfe!

So, ich möchte auch noch einmal explizit auf den HSV kommen. Ich denke mit einem leicht mulmigen Gefühl an das letzte Heimspiel des Jahres, am Sonnabend, tatsächlich noch einmal um 15.30 Uhr (womit hat der HSV das verdient?), gegen den zuletzt sehr aufmüpfigen Aufsteiger FC Augsburg. Dazu hat HSV-Nationalspieler Dennis Aogo nach dem 0:0 in Mainz einiges gesagt, und das möchte ich Euch nicht vorenthalten: „Es wäre sehr wichtig für uns, wenn wir mit einem Heimsieg in die Winterpause gehen könnten, es wäre der krönende Abschluss der letzten Wochen, wir wollen uns unbedingt belohnen für die gute Arbeit. Es wäre für jeden Spieler ideal, mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen, und es wäre zudem auch in der Tabelle ein entscheidender Schritt.“

Generell befand Aogo zum letzten halben Jahr: „Der Knackpunkt für uns war der Trainerwechsel, Thorsten Fink hat der Mannschaft Selbstvertrauen, Sicherheit und eine Spielidee gegeben, die wir umsetzen. Man hat in Mainz deutlich gesehen, dass sich die Mainzer in dieser Woche sehr viele Gedanken um uns gemacht haben. Sie waren auf der Suche nach Lösungen, um unser Konzept zu stören, das ist ihnen sicherlich auch ganz gut gelungen, aber es zeigt mir auch, dass wir uns den Respekt der Liga zurück erarbeitet haben.“

Um noch einmal auf das Feuer im Spiel zurück zu kommen. Dazu gab es zahlreiche Beiträge bei „Matz ab“, hier nur einige wenige Ausschnitte:

„UnsUwe“: „Ich bin einfach gegen Bengalos in Stadien und denke auch, dass man dies auch ohne „Schande” vertreten kann. Ich habe noch bei keinem Stadionbesuch erlebt, dass es Pyros die Stimmung verbessern, sondern eher negativ anheizen und wirklich gesund ist es auch nicht. Wenn wenigstens nur die „Zünder” von dem Rauch betroffen wären, ok, aber solche „intelligenten Pyros”, welche keine Kollateralschäden verursachen, wurden vermutlich noch nicht erfunden… Schwieriges Thema, aber wenn man sagt, dass man solche Dinge in “allen Stadien” nicht sehen möchte, dann kann man wohl kaum von einer heuchlerischen Debatte sprechen. Finde ich.
.
Noch etwas: Ich wundere mich etwas über den so plötzlich sachlichen und umgänglichen Ton hier im Blog, nein, eigentlich ich freue mich drüber. Weiter so.“

„Mladenhüter“: „Ich habe mich in über zwanzig Jahren bei keinem meiner zahlreichen Stadionbesuche durch Pyrotechnik belästigt gefühlt.“

„PeVo“: „Ich werde auf jeden Fall am 15.01.12 zur Mitgliederversammlung gehen. Und wenn Oliver Scheel sich nicht klar und deutlich gegen diesen Unsinn ausspricht, ist er für mich nicht wählbar.“

„Kollauer“: „Ich sehe immer noch alle Vereine in der Pflicht, diese objektiv potenzielle Gefahr für die Stadionbesucher nicht mehr zuzulassen.“

So, ich bin am Ende. Für heute. Und bitte an morgen denken: 19.05 Uhr in der Arena, der HSV gegen den Rest der Welt – für einen guten, guten Zweck.

16.59 Uhr

PS: Morgen (Dienstag) Training um 10 Uhr im Volkspark.

Und noch eine Ergänzung. Ich sprach eben mit Supporters-Chef Ralf Bednarek, der gestern in einem Beitrag bei “Matz ab” genannt wurde. Weil er die Bengalos legalisieren möchte. Bednarek sagte mir: “Ich setze mich für die Legalisierung ein, nicht dafür, wie damit im Moment umgegangen wird. So wie es jetzt gehändelt wird, so ist es natürlich sehr gefährlich. Ich möchte aber extra freie Zonen dafür, ungefährlichere Materialien, die sich nicht so sehr erhitzen, ich möchte, dass dann mindestens ein Feuerwehrmann dabei ist – und derjenige, der die Bengalos abbrennt, der müsste als Bühnen-Pyrotechniker ausgebildet sein. Ich kenne einige Fans, die sich dazu ausbilden lassen würden.” Ralf Bednarek weiter: “Mit Verboten werden wir, davon bin ich überzeugt, das Problem kaum lösen können. Zum Beispiel Mainz. Da waren die Kontrollen so scharf wie nie. Und trotzdem ist es gelungen, diese Sachen einzuschleusen. Wenn aber Bengalos genehmigt sind, dann wissen alle, DFB, Verein und die Behörden, wer damit am Werk ist.” Zum Schluss sagt der Supporters-Chef noch: “Ganz klar sage ich: Wir wollen keine Böller im Stadion, keine Rauchbomben, die auf die Augen gehen, die auch die Atemwege reizen. Leute, die damit erwischt werden, wenn sie so etwas abbrennen, die müssen mit Strafen rechnen. So wie schon in der Vergangenheit immer.”
Ergänzt um 17.41 Uhr

Die Zeugnisse – Teil drei

12. Mai 2010

Am Tag nach dem 1:1 bei Werder Bremen, es war der 9. Mai, ein Sonntag. Ich erinnere mich genau: Ze Roberto kam aus der Arena und ging zu seinem Auto, und alle umstehenden Medien-Vertreter gingen auf ihn zu. Der Brasilianer stieg in sein Auto, ließ die Seitenscheibe herunter und stellte sich den Fragen. Die vordringlichste Frage war die: „Wirst du auch in der nächsten Saison noch für den HSV spielen?“ Der „große Ze“ sackte in seinem Sitz zusammen und wurde zum „kleinen Ze“. Er suchte nach den passenden Worten. Motto: „Wie sage ich’s meinem Kinde – und sage ich am besten so viel, dass ich am Ende nichts gesagt habe?“ Ze Roberto druckste herum. Eindeutig wollte er nicht mit der Sprache heraus. Auf mehrfache Nachfrage hin versteifte er sich schließlich auf einen Schlusssatz: „Ich glaube wir werden uns wieder sehen.“ Dann brauste er davon. Und die umstehenden Kollegen waren sich alle einig: „Es gib kein Wiedersehen mit Ze.“ So sieht es nun wohl aus. In einer brasilianischen Zeitung „eiert“ er zwar auch wenig rum, aber das alles liest sich so, als gäbe es für ihn kein Zurück mehr an die Elbe. Erwartungsgemäß. Obwohl er noch einen Ein-Jahres-Vertrag mit dem HSV zu erfüllen hätte.

Es ist zu diesem Thema schon viel spekuliert worden, Und auch schon einiges geschrieben. Alles deutete darauf hin, dass Ze Roberto nur einen Sommer in Hamburg tanzte. Seit Monaten hielt sich auch ein Satz, den Ze Roberto im Kreise einiger Teamkollegen gesagt haben soll. Ich habe ihn für mich verinnerlicht, sprach er doch für die gesamte und verfahrene Situation. Wie gesagt, wir haben diesen Satz von HSV-Profis gehört. Demnach soll Ze Roberto gesagt haben: „Wenn dieser Trainer-Lehrling auch in der nächsten Saison noch HSV-Trainer ist, dann bin ich weg.“ Nun ist der Coach zwar nicht mehr da, aber ich glaube doch, dass Ze Roberto die Nase voll hat von Hamburg. Und auch dem HSV. Und, was ich noch glaube: Er wird nicht der letzte HSV-Profi sein, der zwar noch einen Vertrag besitzt, der aber trotzdem die Kurve kratzen wird.

Wobei ich, das muss ich mal deutlich sagen, nicht in Panik machen möchte. Ich möchte Euch nicht nach unten ziehen, ich möchte hier nicht als Schwarzseher auftreten, dem alle zu folgen haben. Ich habe mich in diesen Tagen und Wochen bemüht, die gewiss nicht rosige Situation realistisch zu betrachten. Und so bin ich für mich zu dem Schluss gekommen: Ich sorge mich um diesen HSV.

Ich sage auch, warum: Der HSV 2010 hat in der Bundesliga nicht besser gespielt, als die Absteiger oder die Abstiegskandidaten. Das ist für mich Fakt. Davon rücke ich auch nicht ab. Und die Situation wird ja nicht besser, indem es in der nächsten Saison keinen internationalen Fußball in Hamburg gibt – es wird Geld fehlen, das wurde hier an dieser Stelle schon sehr richtig erkannt. Und wenn dann noch einige Spieler gehen sollten, wenn dazu ein Trainer geholt wird, der es wieder nicht bringt, dann ist mir, das gebe ich zu, echt Bange um den HSV.

Aber es muss ja auch nicht so kommen. Obwohl, wie Frank Rost in Bremen zuletzt gesagt hat, „einiges an Zwischenmenschlichem in dieser Saison auf der Strecke geblieben ist“. Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gange, das weiß ich, hinter den Kulissen wird fleißig gearbeitet – obwohl ich gerade im Fernsehen gesehen habe, dass Urs Siegenthaler bei der Nationalmannschaft in Aachen (morgen Länderspiel gegen Malta) „herumturnt“. Muss ja an sich nichts Schlechtes zu bedeuten haben . . . Oder?

Ich glaube, dass die HSV-Führung aus den vielen Fehlern der völlig missratenen Saison schon ihre Lehren gezogen hat. Das gilt für den Vorstand, das gilt aber auch für den viel und herbe gescholtenen Aufsichtsrat. Die Herren Räte wollen sich offenbar etwas beeilen, so habe ich das Gefühl, beeilen mit dem leidigen Thema Sportchef-Suche. Nagelt mich bitte nicht darauf fest, aber ich vermute ganz stark, dass der neue Sportchef entweder Nico Hoogma oder Stefan Beinlich heißen wird. Die Räte machen nun Nägel mit Köpfen, sie nehmen jetzt den direkten Weg zum Tor – und wählen nicht einen Umweg von Monaten. Bravo, die Herren! Mann lernt eben doch nie aus. Wobei ich mir dennoch eine Sorge nicht ersparen kann: Dieser Aufsichtsrat gibt trotz der Tatsache, dass sich nun im Eile bemüht wird, ein ganz, ganz miserables Bild ab. Die zwölf Herren sind restlos zerstritten, was mir von drei Sitzen auch bestätigt wurde. Ein Schauplatz der persönlichen Eitelkeiten, denn jeder glaubt offenbar, dass er es besser gekonnt hätte als der Nebenmann.

Wenn durch diese AR-Krise endlich Bewegung und Tempo einstellen, hätten diese Streitigkeiten ja auch noch einen ganz positiven Nebeneffekt. Und, wo ich gerade bei Krise bin: Viele von Euch werden sich noch an jene Zeit erinnern, als Jürgen Hunke noch im Kreise der Räte arbeiten durfte. Damals wurde stets ihm unterstellt, die geheimen Dinge, die bei den Sitzungen besprochen wurden, an die Zeitungen weitergegeben zu haben. Hunke wurde verdächtigt – und sogar angeprangert. Und? Heute? Hunke ist weit weg, aber im Aufsichtsrat wird weiter fleißig geplappert. Sehr zur Freude der Zeitungen (oder der Zeitung?). Ein Rat schimpfte sogar still vor sich hin: „Wir bräuchten eigentlich keinen Protokollführer, denn was bei uns hinter verschlossenen Türen gesprochen wurde, steht schon am nächsten Tag brühwarm in den Zeitungen.“ Warum wohl? Jeder ist seines Glückes Schmied, und wer mit vorgehaltener Hand plappert, der hofft darauf, dass eine Hand die andere wäscht. So funktioniert das Geschäft. Schon immer. Und auch beim HSV.

Komme ich nun zur Zeugnis-Ausgabe Teil drei, diesmal sind es die Offensivkräfte, die rückblickend betrachtet werden:

Mladen Petric: Note drei.
Natürlich könnte er wesentlich mehr, selbstverständlich war das keine sehr gute Saison von ihm, aber er war immerhin meistens dann da, wenn er mit seinen Tore gebraucht wurde. Der Kroate hat einige spektakuläre Treffer erzielt, und einige ganz wichtig zudem. Das machte ihn in dieser Spielzeit so wichtig. Dass er nicht immer einer der Fleißigsten war, wird er wohl auch wissen, ich schiebe es der Tatsache zu, dass er des Öfteren verletzt oder angeschlagen war. Grundsätzlich denke ich, dass ein Stürmer seiner Qualität etwas mehr arbeiten müsste, um sich auch selbst Torchancen zu kreieren. Um dieses (kleine?) Manko aber beheben zu können, braucht es auch einen starken Trainer, der selbst einem „Star“ wie Petric sagt, wo es lang geht. Aber vielleicht kommt der ja in der nächsten Saison. Und noch ein Wort zu Petric: Er verstand sich nicht immer besonders gut mit Ruud van Nistelrooy. Oder, wenn man böswillig ist: Er lag nie mit seinem niederländischen Sturm-Kollegen auf einer Wellenlänge. Was ich nicht nur als sehr schade empfand, sondern auch als störend. Akzeptiert ein Star einen Weltstar, suchen sich die beiden Stars dann im Spiel und versuchen alles, damit die Mannschaft zu Toren kommt, das heißt, dass sich jeder in seinem Ego auch zurücknimmt, dann muss das im Erfolg enden. Petric und van Nistelrooy aber haben sich kaum einmal gesucht, haben auch kaum einmal vernünftig zusammengespielt – es blieb meistens nur Stückwerk. Auch daran muss gearbeitet werden, wenn die beiden Stars in der nächsten Saison noch für den HSV stürmen sollten. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht noch klappen sollte, denn die Vernunft haben beide Spieler. Fehlt nur noch der gute Wille, und den muss ein (neuer) Trainer wecken.

Marcus Berg: Note fünf.
Wenn mir ein Wendehals attestiert wurde, dann stimmt es bei dem jungen Schweden auf jeden Fall. Zuerst war ich sehr hoffnungsfroh und angetan von seinen Qualitäten, dann habe ich an nichts mehr Gutes geglaubt, bei einem (sehr kurzen) Zwischenhoch hatte ich doch wieder Hoffnung, doch von der ist nun, nach Saisonende, kaum noch etwas geblieben. Nein, ich lehne mich so weit aus dem Fenster dass ich sage: Ich habe die Hoffnung bei Marcus Berg aufgegeben. Für mich kann nur der neue Trainer noch eine Art Wunderheilung erzwingen – und das ist auch die einzige Hoffnung, die ich noch habe. Warum das so ist? Ich sehe bei Berg kein Entsetzen, wenn er eine „Hundertprozentige“ vergeben hat, ich sehe keinen Ärger, wenn ihm ein Ball versprungen ist – ich sehe eigentlich kaum mal eine Gefühlsregung. Weder im Spiel gibt es mal einen Gefühlsausbruch „Made in Sweden“, noch im Training. Null. Chance vergeben, umdrehen, zurücklaufen, neuen Anlauf nehmen. Ist das gesund? Ich habe früher als Amateur (bis zur Verbandsliga) für den Fall, dass ich etwas Gutes versemmelt hatte, Schlaftabletten neben dem Bett, damit ich vor lauter Grübeln doch noch in den Schlaf finde – so hatten mich die miesen Situationen noch lange beschäftigt. Natürlich, jeder Mensch ist anders, aber wenn ich wenigstens einmal sehen würde, dass es Marcus Berg wurmt, weil er ein dickes Ding ausgelassen hat – wie gesagt, nichts. Deswegen ist meine Hoffnung gestorben.

Tunay Torun: Note vier.
Der Türke, den es nun mit einem Kreuzbandriss ganz böse erwischt hat, war die Entdeckung der Saison. Torun absolvierte einige gute Spiele, zeigte Selbstbewusstsein, mischte auch im Training eindrucksvoll mit – schien so auf dem besten, auf dem allerbesten Wege. Dann dachte er, so sehe ich das, wohl zu oft zu lange darüber nach, was er schon geschafft hat, und das wirkte sich leistungshemmend aus. Stark sogar. Oftmals ging er auch harten Zweikämpfen (Kopfballduellen) aus dem Wege, so dass auf den Tribünen die Meinung vorherrschte, dass sich der Stürmer eher ein wenig zurück entwickelt hätte. Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber vielleicht wirkt auch in diesem Fall ein neuer Trainer Wunder. Zu wünschen wäre es Torun.

Ruud van Nistelrooy: Note drei.
Bei „Van the man“ schwanke ich, das gebe ich zu. Auf der einen Seite bin ich angetan davon, dass er noch sechs Bundesliga-Tore gebracht hat, auf der anderen Seite gebe ich aber auch zu, dass ich mir noch etwas mehr erhofft hatte. Obwohl ich, wenn ich das ganz realistisch betrachte, auch zugeben muss, dass ich gar nicht erwartet hatte, dass van Nistelrooy noch so viele Spiele für den HSV bestreiten würde. Erst für die nächste Saison hatte ich mit ihm so richtig (und mit „Schmackes“) gerechnet. Und ich hoffe auch immer noch darauf. Zudem hoffe ich auf einen Trainer, der mit den Vorzügen eines Welttorjägers umzugehen versteht, das soll heißen: Ruud van Nistelrooy in die Box, und dann tüchtig füttern lassen von allen Seiten. Abwarten, ob das noch ein Mann hinbekommt? Leichte Zweifel habe ich zudem, dass der im Juni 34 Jahre alt werdende Niederländer noch einmal so hundertprozentig fit wird, dass er uneingeschränkt spielen und trainieren kann. Ich glaube das nicht.

Paolo Guerrero: keine Note.
Der Peruaner war zu lange und zu böse verletzt. Was deshalb besonders schade war, weil er zu Saisonbeginn stets zu den besten oder gar zu den überragenden Hamburger gehört hatte. Das hätte Guerreros Saison werden können, doch der Kreuzbandriss machte alles zunichte. Nun können seine Fans nur hoffen, dass es doch noch zu einer Vertragsverlängerung kommen wird, ich würde diese auf jeden Fall sehr begrüßen – aber ich trage mich mit großen Zweifeln. Der Aufsichtsrat müsste schon wieder einmal über seinen Schatten springen . . . Von wegen charakterfeste Spieler.

Tolga Arslan: keine Note.
Kam als Mittelfeldspieler aus Dortmund zum HSV, wird auch im HSVlive-Stadionheft als Mittelfeldspieler geführt, doch der ehemalige Trainer hatte sich früh festgelegt: „Tolgay ist Stürmer.“ Das aber konnte es nicht unter Beweis stellen. Leider. Aber vielleicht zeigt er dem neuen Coach ja auf, wie es mit ihm als Mittelfeldspieler funktionieren könnte.

Maximilian Beister: keine Note.
Für mich nach wie vor DAS Talent des HSV. Ihn hätte ich gefordert und gefördert, ohne jede Einschränkung. Ich denke sogar heute noch: Hätte Beister die Chancen bekommen, die Berg zugestanden wurden, dann hätten wir schon einen guten Stürmer hinzugewonnen – und endlich einmal wieder einen aus dem eigenen Nachwuchs zudem. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

So, für heute bin ich wieder einmal bis ans Ende vorgedrungen. Heute findet ja im Volkspark noch ein etwas größeres Spiel statt, aber Ihr werdet an dieser Stelle keine Zeile davon lesen, ich weigere mich, darüber zu berichten. Weil es einfach immer noch
ZU WEHTUT.

Morgen, am Vatertag, sollten die männlichen HSV-Anhänger trotzdem ein (!) Bier auf den Klub, der ihre Herzensangelegenheit ist, trinken. Kein Frust-Saufen, sondern einfach nur ein kleines Bierchen – auf die Zukunft, auf eine rosige Zukunft natürlich. Es kann nur besser werden.

PS: Die Zeugnis-Ausgabe wird fortgesetzt, morgen stehen die Leute im Fokus, die die Verantwortung für das Gebilde tragen.

17.10 Uhr