Archiv für das Tag 'Bednarek'

Favorit Bednarek hat es nicht geschafft!

13. Januar 2013

Die Mannschaft war da, sogar vollzählig, und auch die beiden Geburtstagskinder waren mit von der Partie: Tomas Rincon und Artjoms Rudnevs. Es gibt sicherlich besser Anlässe, solche Feiertage zu verbringen, aber watt mutt, datt mutt. Dann geht es eben auch mal – für ein, zwei Stunden – zur HSV-Mitgliederversammlung ins CCH. Der HSV ist ja ein ganz besonderer Verein. Und für einen solche Klub geht Mann eben auch mal besondere Wege. „Ich gebe zu, dass ich noch nie bei einer Mitgliederversammlung bei den Vereinen gewesen bin, für die ich gespielt habe“, sagte Paul Scharner, aber er dürfte jetzt einen noch feineren Blick in das Innere des HSV haben, als er es vorher hatte. Und das gilt sicher nicht nur für Scharner, bei dem ich mich auch an dieser Stelle noch einmal bedanke, dass er am Tag zuvor – und unmittelbar nach Spielschluss – Gast bei „Matz ab live“ war. Dank auch deshalb an die Gäste Harry Bähre und Manfred Kaltz – um es mit Paul Scharner zu sagen: „Es war mir eine Ehre . . .“

Zurück zur Mitgliederversammlung. Zwischendurch waren 940 stimmberechtigte Mitglieder (unter ihnen auch Bernd Hoffmann!) anwesend. In seinem Bericht für den Aufsichtsrat schilderte der scheidende Boss Alexander Otto seine Sicht der Dinge. Er lobte den Einkauf und die Verpflichtung von Rafael van der Vaart („Er war psychologisch enorm wichtig für die Mannschaft“) – und dazu explizit auch den neuen HSV-Torwart Rene Adler. Dafür gab es viel Applaus. Es wurde dann ohnehin eine Rede, die viel Beifall erhielt. „Die Mannschaft hat uns im Jahre 2012 allen viel Nerven und Leidensfähigkeit abverlangt“, sagte Otto, der auch den HSV-Gönner und –Sponsor Klaus-Michael Kühne für den Van-der-Vaart-Transfer dankte – und lobte. Nach seiner Rede gab es standing ovations für Alexander Otto, es erhoben sich fast alle Mitglieder im Saal.

Anschließend folgten viele kritische Sätze einiger sprachgewandter HSVer, es wurde polemisiert wie eh und je, eine bekannte HSV-Führungsperson dazu: „Wir kennen unsere Pappenheimer, wir ertragen sie ja nun schon Jahr für Jahr und kennen ihre Meinungen schon zur Genüge. Das erträgt man schon mit einer gewissen Gelassenheit.“ So ist es. Dass Dr. Peter Krohn in seinem Beitrag die Strukturen des HSV verteidigte, das ist ebenfalls seit Jahren bekannt und hat nun wirklich niemanden mehr vom Hocker gehauen. Das fast alle anderen Sprecher, die an diesem Sonntag auf der Bühne auf aufkreuzten, auch für die bestehenden Strukturen plädierten – okay, es ist so wie es ist. Sie alle werden wohl doch den besseren Überblick haben, als sämtliche Fußball-Experten, die sich seit Jahr und Tag dafür einsetzen, dass der HSV seine Strukturen ganz dringend ändern sollte.

„Strukturen schießen keine Tore.“ Das war zu diesem Punkt und an diesem Sonntag im CCH immer wieder zu hören.

Meine Gegenfrage wäre: Verhindern Strukturen denn Gegentore? Auch nicht? Na dann! Tomaten schießen auch keine Tore, Wagenheber auch nicht. Nur zwei Beispiele. Aber Strukturen schießen selbst beim FC Bayern oder auch bei Borussia Dortmund keine Tore. Das machen in den Vereinen Leute wie Müller, Ribery, Lewandowski oder auch gelegentlich Götze. Mitunter auch andere Spieler. In Basel traf nun für die Bayern der Spieler „Schweinsgruber“. Was viel wichtiger ist in dieser Frage: Wie kommt ein Verein (in diesem Falle wäre der HSV nun einzufügen!) in die Lage, Spieler wie Müller, Ribery, Lewandowski oder auch Götze in seinen eigenen Reihen zu haben? Und dabei helfen dann sehr wohl die Vereins-Strukturen. Wohl gemerkt: Ich weiß auch sehr wohl, dass Strukturen keine Tore schießen, denn ich habe in meinen bislang 64 Jahren genügend Spiele des HSV gesehen, nie schoss dabei ein Spieler namens Struktur oder Strukturen ein Tore.
Grundsätzlich meine ich: Wer aber immer noch so weitermachen will wie bislang, der soll. Einfach die Stimmen, die sich ja stetig mehren und die dem HSV andere Strukturen empfehlen, ignorieren. Und sich davon einlullen lassen, dass Strukturen ja keine Tore schießen. Es lebe der E. V. – es lebe die Mitbestimmung der Mitglieder, die den Profis schon den rechten Weg weisen werden. Und dass der HSV nur die Strukturen eines „Kaninchen-Züchter-Vereins“ hätte, das wies AR-Kandidat Christian Strauß energisch zurück: „Eine Frechheit.“ Jawoll!

1002 stimmberechtigte Mitglieder waren dann bei der Wahl der vier neuen Aufsichtsratsmitglieder zugelassen. Im ersten Durchgang schafften es zwei Männer, gewählt zu werden: “Ausziehkünstler” Ali Eghbal, der unter seinem Anzug und dem weißen Hemd ein rotes HSV-Trikot trug und es auf der Bühne auch präsentierte, erhielt 535 Stimmen, der vielleicht beste Redner des Tages, Jens Meier, erhielt 749 Stimmen. Im zweiten Wahldurchgang ging es für fünf Leute um die letzten beiden Plätze: Ralf Bednarek, Cord Wöhlke, Christian Strauß. Kathrin Sattelmair und Stephan F. Rebbe. Um 15.56 Uhr brandete dann riesiger Jubel im Saal auf, denn Kathrin Sattelmair (496 Stimmen) und Strauß (447) waren gewählt. Der große Favorit, Ralf Bednarek, scheiterte knapp, er erhielt nur 433 Stimmen. Das war die große Überraschung des Tages. Fast eine Sensation. 15 Stimmen haben Bednarek gefehlt . . .

Die Mitgliederversammlung wird fortgesetzt, ich melde mich noch einmal vom Ort des Geschehens – das war nun Teil eins.

16.07 Uhr

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