Archiv für das Tag 'Bednarek'

Van der Vaart in Nürnberg dabei – Jiracek trainiert wieder

15. Januar 2013

Man merkt Thorsten Fink an, dass er zu lange theoretisch sein musste. Seit einigen Tagen wird der HSV-Trainer immer wieder auf die bisherige Vorbereitung angesprochen und wie weit seine Mannschaft ist. Eine Endlosschleife Fragen mit immer den Gleichen Antworten. So auch heute. Wie weit die Mannschaft denn ist, wollte ein Kollege wissen. Fink dazu: „Wir haben einige Spiele gehabt, die ganz gut waren und die wir gewonnen haben“, sagt Fink, „aber wir wissen auch, dass der Bundesligaalltag noch einmal ein ganz anderer Schnack sein wird.“

Dennoch ist es natürlich nicht von Nachteil, wenn die Mannschaft mit einigen Erfolgserlebnissen in die Rückserie startet. Eben ganz anders als in der Vorbereitung der Hinrunde, wo die letzten Tests im Gleichschritt mit dem Selbstvertrauen der Spieler verloren gingen. „Das waren ganz andere Voraussetzungen als heute“, freut sich Fink, der heute wieder auf Rafael van der Vaart zurückgreifen konnte. Der Niederländer absolvierte die komplette Trainingseinheit voll mit und wirkte so fit, als hätte er gar nicht gefehlt. „Wenn er gesund bleibt, wird er natürlich auch gegen Nürnberg auflaufen“, sagt Fink, der im Gegenzug Per Skjelbred aus dem Team nehmen müsste. Und das, obwohl Fink mit dem Norweger nach einer starken Phase am Hinrundenende sowie der Fortsetzung seines Positivtrends in der aktuellen Vorbereitung hochzufrieden ist. Fink: „Dass so ein Spieler wie Per auf die Bank müsste zeigt nur, dass wir wieder mit richtig Qualität arbeiten können.“

Qualität, die in der nächsten Zeit um einen weiteren Hochkaräter gesteigert werden kann: Petr Jiracek. Der Tscheche war die Überraschung im heutigen Training. Den obwohl Fink bei dem Tschechen zuvor noch ein dosiertes Trainingspensum angekündigt hatte, absolvierte der Linksfuß die komplette Einheit mit. Und das sehr gefällig. Wann der Tscheche, der seinen letzten Einsatz beim unsäglichen 0:1 am 21. Oktober gegen Stuttgart hatte, wieder zum Kader stoßen kann, ist allerdings weiter offen. „In Nürnberg ist er natürlich noch nicht dabei“, sagt Fink, der Jiracek auch eine Woche später, am 27. Januar beim Nordderby gegen Werder Bremen in der Imtech-Arena, noch nicht im Kader sieht. „Ich will nichts ausschließen, es können sich ja noch Spieler verletzen und Petrs Einsatz notwendig machen“, sagt Fink, der aber zugleich anmahnt, dass Jiracek lange raus war. Zudem ist die trotz aller Forschungen und Studien noch immer schwer zu behandelnde Schambeinentzündug bei Jiracek noch nicht gänzlich auskuriert. Oder besser gesagt, niemand weiß etwas Genaues. „Wir müssen abwarten, ob es eine Reaktion gibt oder alles hält“, warnt Fink vor zu früher Freude über die Rückkehr des späten Zugangs. „Allerdings ist klar, dass Petr unsere spielerische Qualität noch mal anheben würde.“

Und das, obwohl Fink gerade im Spielerischen den größten Fortschritt seiner Mannschaft sieht. „Wir lassen den Ball momentan sehr gut laufen, habe ich das Gefühl“, so der HSV-Coach, dem ich so uneingeschränkt zustimmen würde. Was genau das wiederum für die aktuelle Zielsetzung bedeutet, wollte Fink nicht sagen. „Wir sind gut beraten, nicht wieder zu früh zu hochgegriffene Ziele auszurufen. Wir sollten erst Taten vollbringen, ehe wir den Mund aufmachen.“ Wobei Fink sich dann doch zu einem Rechenspiel hinreißen lässt. „Wir haben 24 Punkte mit dem Kader geholt, den wir jetzt haben. Und das in 14 Spielen.“ Zur Erklärung: Bei den ersten drei Ligaspielen waren noch nicht alle Neuen dabei. Fink weiter: „Wenn wir diesen Punkteschnitte beibehalten, wäre ich sehr zufrieden.“

Und das könnte er auch. Immerhin wären das am Ende rund 53 Punkte (24 Punkte geteilt durch die 14 Spiele, in denen der Kader komplett war – das multipliziert mit 17 Rückrundenspielen plus die bisherigen 24 Punkte) – und mit hoher Wahrscheinlichkeit ein internationaler Startplatz. „Wir können in der Rückrunde sicherlich auch noch mehr Punkte holen als in der Hinrunde, in der wir sicherlich noch nicht am Limit gespielt haben“, sagt Fink, der in der Wintervorbereitung ein besonders großes Augenmerk auf die bisherige Schwäche gelegt hatte: die Offensive. Wer dort neben dem gesetzten Artjoms Rudnevs beginnen wird? Fink weiß es schon, will es aber noch nicht sagen. „Die Jungs sind einfach zu gut drauf, als dass ich jetzt etwas Definitives dazu sagen sollte“, sagt Fink, der sich dadurch auch in der letzten Trainingswoche vor dem Rückrundenauftakt hohen Konkurrenzkampf erhofft. „Zumindest kann so keiner nachlassen.“

Loslassen kann offensichtlich auch Robert Tesche, der sich bislang trotz des dringenden Rates der HSV-Offiziellen noch nicht zu einem Vereinswechsel überreden konnte. Das allerdings könnte sich jetzt ganz schnell ändern. Denn Tesche fehlte beim Training, „weil er in der Kabine bleiben musste, um wichtige Gespräche zu führen“, wie Fink mit einem Lächeln verriet. Dabei besprach sich Tesche mit seinem Berater. Gut möglich also, dass der aussortierte Mittelfeldspieler in den nächsten Tagen einen neuen Verein präsentiert und Frank Arnesen somit (nach den wenigen Euros durch Tom Mickels Abgang) die ersten echten Einsparungen beschert.

Einige Telefonate sparen wird sich indes Fink, der privat sehr gut mit dem aktuellen Nürnberg-Trainer Michael Wiesinger befreundet ist und regelmäßig Kontakt zu seinem ehemaligen Mannschaftskollegen hat. „Wir haben zusammen bei Bayern eine sehr erfolgreiche Zeit gehabt. Unsere Frauen haben sich zudem sehr gut verstanden – und daraus ist eine Freundschaft entstanden. Diese wird aber am Sonntag für 90 Minuten ruhen. Bei mir gleichermaßen wie bei ihm“, verspricht Fink, der nach dem Spiel nicht mit der Mannschaft nach Hamburg sondern mit Wiesinger zusammen direkt zur DFB-Trainertagung nach Düsseldorf fliegt. Fink: „Da werden Michael und ich genug Zeit haben zu reden.“

Weniger Zeit hat in Zukunft Katrin Sattelmair, die es in ihrem dritten Versuch erstmals in den Aufsichtsrat schaffte. Die beruflich erfolgreiche Anwältin und Notarin wurde im zweiten Wahlgang gewählt. Ob sie nach der überraschenden Wahl im eigenen Zuhause mit Problemen rechnen muss? „Nein, da habe ich großes Glück. Mein Mann hat mir aber unmittelbar nach der Wahl gesagt, dass er mich zu 100 Prozent unterstützt. Seine genauen Worte waren: ‚Du hast einen völlig freien Rücken’. Mein Glück dabei: Er ist selbst ein großer HSV-Fan“, so Sattelmair, die selbst nicht mit ihrer Wahl gerechnet hatte. „Ich hatte Jens Meier und Ralf Bednarek auf eins und zwei, Herrn Wöhlke auf dem dritten Platz. Ich hatte zwar gehofft, dass ich mit den anderen Kandidaten um die Vergabe von Platz vier mitmachen könnte, aber diese Hoffnung war nach dem Vortrag von Ali Eghbal und dessen Wahl auch schon dahin. Zu meinem Mann habe ich nach Herrn Eghbals Vortrag nur gesagt: Schatz, da hat uns einer wie Frank Baumann einst auf der Zielgeraden rechts überholt.’ Zum Glück hatte ich nur bedingt Recht.“ Denn wie bereits bekannt, wurde Eghbal zwar noch vor Sattelmair gewählt, allerdings mussten Wöhlke und Topfavorit Bednarek die Segel streichen und Katrin Sattelmair durfte sich freuen.

Auch, weil sie bereits zum dritten Mal kandidierte. „Eigentlich wollte ich kein drittes Mal kandidieren, weil eine dritte Nicht-Wahl schon heftig gewesen wäre. Andererseits hat meine Beharrlichkeit den Mitgliedern vielleicht gezeigt, wie ernst es mir ist. Sie kannten durch die letzten Wahlen und die vielen Veranstaltungen, die ich besucht habe, auch mein Gesicht“, so Sattelmair, die auf mich einen sehr strukturierten, sympathischen Eindruck macht Was sie als erstes machen wolle? „Ganz klar“, so Sattelmair, „ich werde so viele Infos über die Vorgänge innerhalb des Vereines sammeln, dass ich sachliche Entscheidungen treffen kann in einem Gremium, das in Zukunft hoffentlich hoffentlich nicht mehr als ‚Club der Ahnungslosen’ bezeichnet wird. Es sollte das gemeinsame Ziel sein, gut nach innen zu arbeiten und mit einer Stimme nach außen zu sprechen. Ähnlich, wie es der Ehrenrat macht, der seit Jahren sehr viel Positives erarbeitet und dennoch nur sehr wenig öffentlich in Erscheinung tritt.“

Wäre doch mal was Neues. Neu war für mich auch, dass Frau Sattelmair nicht annähernd so eng mit Bernd Hoffmann befreundet ist, wie es erzählt wird. „Auch wenn das anders dargestellt wurde, er war auf jeden Fall nicht meinetwegen bei der ersten Kandidatenvorstellung in der Imtech-Arena. Ich habe ihn und Frau Kraus über ihre Arbeit beim HSV kennengelernt und stehe dazu, dass ich sie dafür sehr schätze. Es ist aber falsch, dass mich Herr Hoffmann auf die Aufsichtsratswahl vorbereitet hat.“ Zudem würde sie sich darüber freuen, von Hoffmanns Erfahrungsschatz profitieren zu können. „Es macht immer Sinn, wenn man Leute hat, bei denen man sich Rat einholen kann. Es wäre doch schön doof, wenn ich das Wissen anderer nicht annehmen würde. Aber das gilt in meinem Fall nicht nur für Herrn Hoffmann sondern für sehr viele andere in unserem Verein auch, die mir helfen können und würden.“

Macht Sinn. Dennoch dürfte auch Sattelmair wissen, dass allein die Nähe Hoffmanns bei dessen Kritikern erste Verschwörungstheorien sprießen lässt. Allerdings werde ich mich diesen hier nicht anschließen.

Dafür schließe ich diesen Blog ab mit den Worten von Paul Scharner (pausierte heute wegen starker Kopfschmerzen nach dem Lauftraining) am Sonnabend im Anschluss an das Austria-Wien-Spiel: „Dieser Verein hat so viel Potenzial wie wenige andere. Es müssen nur alle merken.“

Stimmt.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Imtech-Arena trainiert. Mit van der Vart, Jiracek und hoffentlich auch allen anderen. Damit der Rückrundenstart mit dem machbaren Auswärtsspiel in Nürnberg sowie zwei darauf folgenden Heimspielen (Werder, Frankfurt) zum Gegenteil des Saisonauftaktes wird.

Bis morgen,
Scholle

Favorit Bednarek hat es nicht geschafft!

13. Januar 2013

Die Mannschaft war da, sogar vollzählig, und auch die beiden Geburtstagskinder waren mit von der Partie: Tomas Rincon und Artjoms Rudnevs. Es gibt sicherlich besser Anlässe, solche Feiertage zu verbringen, aber watt mutt, datt mutt. Dann geht es eben auch mal – für ein, zwei Stunden – zur HSV-Mitgliederversammlung ins CCH. Der HSV ist ja ein ganz besonderer Verein. Und für einen solche Klub geht Mann eben auch mal besondere Wege. „Ich gebe zu, dass ich noch nie bei einer Mitgliederversammlung bei den Vereinen gewesen bin, für die ich gespielt habe“, sagte Paul Scharner, aber er dürfte jetzt einen noch feineren Blick in das Innere des HSV haben, als er es vorher hatte. Und das gilt sicher nicht nur für Scharner, bei dem ich mich auch an dieser Stelle noch einmal bedanke, dass er am Tag zuvor – und unmittelbar nach Spielschluss – Gast bei „Matz ab live“ war. Dank auch deshalb an die Gäste Harry Bähre und Manfred Kaltz – um es mit Paul Scharner zu sagen: „Es war mir eine Ehre . . .“

Zurück zur Mitgliederversammlung. Zwischendurch waren 940 stimmberechtigte Mitglieder (unter ihnen auch Bernd Hoffmann!) anwesend. In seinem Bericht für den Aufsichtsrat schilderte der scheidende Boss Alexander Otto seine Sicht der Dinge. Er lobte den Einkauf und die Verpflichtung von Rafael van der Vaart („Er war psychologisch enorm wichtig für die Mannschaft“) – und dazu explizit auch den neuen HSV-Torwart Rene Adler. Dafür gab es viel Applaus. Es wurde dann ohnehin eine Rede, die viel Beifall erhielt. „Die Mannschaft hat uns im Jahre 2012 allen viel Nerven und Leidensfähigkeit abverlangt“, sagte Otto, der auch den HSV-Gönner und –Sponsor Klaus-Michael Kühne für den Van-der-Vaart-Transfer dankte – und lobte. Nach seiner Rede gab es standing ovations für Alexander Otto, es erhoben sich fast alle Mitglieder im Saal.

Anschließend folgten viele kritische Sätze einiger sprachgewandter HSVer, es wurde polemisiert wie eh und je, eine bekannte HSV-Führungsperson dazu: „Wir kennen unsere Pappenheimer, wir ertragen sie ja nun schon Jahr für Jahr und kennen ihre Meinungen schon zur Genüge. Das erträgt man schon mit einer gewissen Gelassenheit.“ So ist es. Dass Dr. Peter Krohn in seinem Beitrag die Strukturen des HSV verteidigte, das ist ebenfalls seit Jahren bekannt und hat nun wirklich niemanden mehr vom Hocker gehauen. Das fast alle anderen Sprecher, die an diesem Sonntag auf der Bühne auf aufkreuzten, auch für die bestehenden Strukturen plädierten – okay, es ist so wie es ist. Sie alle werden wohl doch den besseren Überblick haben, als sämtliche Fußball-Experten, die sich seit Jahr und Tag dafür einsetzen, dass der HSV seine Strukturen ganz dringend ändern sollte.

„Strukturen schießen keine Tore.“ Das war zu diesem Punkt und an diesem Sonntag im CCH immer wieder zu hören.

Meine Gegenfrage wäre: Verhindern Strukturen denn Gegentore? Auch nicht? Na dann! Tomaten schießen auch keine Tore, Wagenheber auch nicht. Nur zwei Beispiele. Aber Strukturen schießen selbst beim FC Bayern oder auch bei Borussia Dortmund keine Tore. Das machen in den Vereinen Leute wie Müller, Ribery, Lewandowski oder auch gelegentlich Götze. Mitunter auch andere Spieler. In Basel traf nun für die Bayern der Spieler „Schweinsgruber“. Was viel wichtiger ist in dieser Frage: Wie kommt ein Verein (in diesem Falle wäre der HSV nun einzufügen!) in die Lage, Spieler wie Müller, Ribery, Lewandowski oder auch Götze in seinen eigenen Reihen zu haben? Und dabei helfen dann sehr wohl die Vereins-Strukturen. Wohl gemerkt: Ich weiß auch sehr wohl, dass Strukturen keine Tore schießen, denn ich habe in meinen bislang 64 Jahren genügend Spiele des HSV gesehen, nie schoss dabei ein Spieler namens Struktur oder Strukturen ein Tore.
Grundsätzlich meine ich: Wer aber immer noch so weitermachen will wie bislang, der soll. Einfach die Stimmen, die sich ja stetig mehren und die dem HSV andere Strukturen empfehlen, ignorieren. Und sich davon einlullen lassen, dass Strukturen ja keine Tore schießen. Es lebe der E. V. – es lebe die Mitbestimmung der Mitglieder, die den Profis schon den rechten Weg weisen werden. Und dass der HSV nur die Strukturen eines „Kaninchen-Züchter-Vereins“ hätte, das wies AR-Kandidat Christian Strauß energisch zurück: „Eine Frechheit.“ Jawoll!

1002 stimmberechtigte Mitglieder waren dann bei der Wahl der vier neuen Aufsichtsratsmitglieder zugelassen. Im ersten Durchgang schafften es zwei Männer, gewählt zu werden: “Ausziehkünstler” Ali Eghbal, der unter seinem Anzug und dem weißen Hemd ein rotes HSV-Trikot trug und es auf der Bühne auch präsentierte, erhielt 535 Stimmen, der vielleicht beste Redner des Tages, Jens Meier, erhielt 749 Stimmen. Im zweiten Wahldurchgang ging es für fünf Leute um die letzten beiden Plätze: Ralf Bednarek, Cord Wöhlke, Christian Strauß. Kathrin Sattelmair und Stephan F. Rebbe. Um 15.56 Uhr brandete dann riesiger Jubel im Saal auf, denn Kathrin Sattelmair (496 Stimmen) und Strauß (447) waren gewählt. Der große Favorit, Ralf Bednarek, scheiterte knapp, er erhielt nur 433 Stimmen. Das war die große Überraschung des Tages. Fast eine Sensation. 15 Stimmen haben Bednarek gefehlt . . .

Die Mitgliederversammlung wird fortgesetzt, ich melde mich noch einmal vom Ort des Geschehens – das war nun Teil eins.

16.07 Uhr

Badelj träumt von der Champions League – mit dem HSV!

14. Dezember 2012

Die Vorfreude ist allen anzumerken. Vor dem, bei dem und nach dem Training wirkten die HSV-Profis heute ziemlich locker und gelöst. Immerhin sind es nur noch wenige Stunden bis zum wohlverdienten – das kann man angesichts von 24 Punkten wirklich so sagen – Urlaub. Direkt nach Schlusspfiff löst sich die Mannschaft für rund zwei Wochen in alle Himmelsrichtungen – von den Bergen Norwegen bis Venezuela – auf die unterschiedlichsten Kontinente auf. „Einmal noch voll reinhauen“, sagt Tomas Rincon in sauberem Deutsch und ergänzt, „dann Holiday!“

Und genau so ist es.

Einmal noch Schwerstarbeit verrichten, immerhin geht es in Leverkusen gegen den Tabellenzweiten. „Aber die haben zuletzt auch drei Dinger bekommen“, weiß Trainer Thorsten Fink, „während wir zu null gespielt haben.“ Dass das auch in Leverkusen bleibt, davon ist Michael Mancienne überzeugt. Der Engländer wird wie gewohnt neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung auflaufen und es bei der Werkself mit Rene Adlers gutem Freund Stefan Kießling zu tun bekommen. Ob er sich schon bei Adler Tipps geholt hat? „Nein“, sagt Mancienne, „aber das werde ich noch.“ Zudem wird der sympathische Innenverteidiger wie gewohnt eine DVD mit den wichtigsten Infos zu der Leverkusener Offensive als Bettlektüre mitbekommen. „Wie immer“, sagt Mancienne, „aber am Ende spielen wir eh unser Spiel. Das machen wir gegen Augsburg genau so wie gegen Bayern oder eben jetzt Leverkusen.“

Klingt gut – weil selbstbewusst. Ebenso wie die Worte des so ruhig wirkenden Mittelfeldchefs Milan Badelj. Der Kroate ist wieder voll fit und mächtig heiß auf die Punkte 25, 26 und 27. „Ich fühle mich topfit, und wir sind in einer sehr guten Form. Wir werden in Leverkusen unser Spiel machen und gewinnen, wenn wir 100 Prozent bringen.“ Klar, 100 % beinhaltet: keine Fehler. Deshalb bereitet Fink seine Mannen im letzten saisonspiel auf einen Gegner vor, der für seine Offensivstärke bekannt ist und dennoch nicht zwingen das Spiel macht. Nicht einmal im eigenen Stadion. „Bayer ist eine sehr spielstarke Mannschaft, die überragend kontern kann“, sagt Fink, der schon deshalb nicht ins offene Messer laufen will. „Im Gegenteil, wir werden vorbereitet sein und trotzdem unser Spiel durchziehen.“ Mit der Rehhagel’schen „Kontrollierten Offensive“? „So ungefähr “, sagt Fink und lacht.

Soll heißen: das Mittelfeld ist auch defensiv eingerichtet. Zumindest rückt bleibt es beim Alten: Badelj auf der Sechs, Skjelbred auf der rechten und Aogo auf der linken Seite. Drei Mittelfeldspieler, die wie auch der erneute van-der-Vaart-Ersatz Tolgay Arslan ihre Stärken sowohl offensiv wie defensiv haben. „Wir sind im Mittelfeld sehr variabel“, weiß Badelj, „je nach Situation können wir reagieren. Das macht uns stark.“

Geht es nach Badelj sogar so stark, dass in Hamburg bald vom ganz großen Fußball gesprochen werden darf. „Die Europa League ist ein ganz realistisches Ziel“, formuliert der Champions League gewohnte Mittelfeldmann mutig. Und er setzt noch einen drauf: „Wenn man sich die Tabelle anguckt, sind es bis zur Champions League auch nur noch drei Punkte. Warum sollten wir uns diesen Tabellenplatz nicht als Ziel setzen?“

Weil es unnötig Druck aufbaut auf eine Mannschaft, die noch nicht ausreichend gefestigt ist? „Nein“, sagt Badelj, man brauche Ziele. Und die müssen immer etwas höher hängen als das, was man gerade erreicht hat. „Und in dieser verrückten Saison ist nur Bayern weg. Ansonsten ist doch für fast alle noch alles drin. Auch für uns. Wir dürfen uns nur nicht zu sicher sein. Wir müssen weiter jeden tag hart arbeiten“, relativiert Badelj und ich mag ihm zustimmen. „Das beginnt in Leverkusen. Dort sind drei Punkte zu holen.“ Sollte dem so sein, wäre zumindest Platz fünf als Winterquartier drin. Mit Tuchfühlung nach oben.

Wieder rankommen will auch Heung Min Son an seine gute Frühform in dieser Saison. Zuletzt schien der Südkoreaner etwas zu schwächeln und offenbarte neben wenig Torgefahr auch seine noch immer vorhandenen Mängel in der Defensivarbeit. Dennoch ist er gesetzt. „Sonni wird spielen“, sagt Fink, der mit Son und Rudnevs im Angriff beginnen will. Dass beide bislang sechs Saisontore haben freut Son. „Mir ist eigentlich egal, wer die Tore macht, Hauptsache wir gewinnen.“ Dass er dennoch gern noch ein paar Tore drauflegen will und auch nichts gegen die (interne) Torjägerkanone hat – klar. „Natürlich wäre das cool“, so Son, „aber ich mache mir da keinen Druck. Wenn Rudi trifft, ist das auch super.“ Kluge Worte, die auch ehrlich rüberkommen.
Nicht mithelfen werden in Leverkusen Robert Tesche, Marcus Berg und Slobodan Rajkovic, die allesamt nicht zum Kader gehören und dies als deutlichen Fingerzeig für die Winterpause verstehen dürfen.

Ob dem so ist und wer ansonsten noch zum Verkauf steht werden wir am Sonnabend nach dem Spiel Carl Jarchow fragen können. Mit dem Vorstandsboss werden wir das Leverkusen-Spiel, die Hinrunde, die bevorstehende Winterpause sowie die Rückrunde besprechen. Zudem werden wir sicherlich auch auf die Bilanz zu sprechen kommen, die ein erneutes Minus von 6,6 Millionen Euro ausweist. Ein Minus, für das sich der aktuelle Vorstand verantworten muss. Wofür noch, wird dabei auch geklärt werden können.
Zumal gerade das Thema „wer hat Schuld am Minus?“ hier im Blog noch immer die wildesten Blüten treibt. Weshalb noch immer einige behaupten, der aktuelle Vorstand habe kein Minus übernommen –unfassbar! Das ist so an der Realität vorbei wie nur irgendwas. Und vor allem: Nicht ein einziger Beteiligter leugnet diesen Umstand. Nicht einmal der alte Vorstandsboss höchstselbst. Oder wie ist es zu erklären, dass der HSV trotz des Umbruchs und vergleichsweise günstigen Zugängen wie Skjelbred, Mancienne, Bruma, Sala, Rajkovic etc. einen Transferaufwand von 27,6 Millionen Euro in 2011/12 hatte? Das würde alle bekannt gewordenen Zahlen ad absurdum führen und geht meines Erachtens nur, wenn noch Raten aus den vorangegangenen Transfers in das Geschäftsjahr 2011/’12 gerechnet werden müssen.

Womit ich doch noch einen kurzen Abstecher zur Präsentation der Kandidaten machen möchte, bei der Bernd Hoffmann als Unterstützung von Kathrin E. Sattelmair anwesend war. Sie und die anderen anwesenden 12 (Jan Harder fehlte entschuldigt) machten einen durchweg guten Eindruck. Mit einigen Ausschlägen nach oben. Und während diese Ausschläge bei renommierten Leuten wie Jens Meier, Ralf Bednarek und Cord Wöhlke erwartet und vollauf bestätigt wurden, konnte meines Erachtens Dr. Ralph Hartmann mit seiner Präsentation am meisten überraschen. Aber dazu werden wir uns hier noch deutlicher positionieren, wenn Ihr alle die Möglichkeit hattet, Euch von den Kandidaten selbst zu überzeigen. Das werden wir Euch ermöglichen. Nach jetzigem Stand wird es morgen Abend oder spätestens am Sonntag hier im Blog möglich sein, dass Ihr Euch die Reden der Kandidaten in voller Länge ansehen könnt. Vorher macht es meines Erachtens nach keinen Sinn.

In diesem Sinne, erst einmal wollen wir sehen, was den mutigen Worten der Spieler morgen in Leverkusen folgt. Wobei ich absolut davon überzeugt bin, dass in Leverkusen was drin ist. Wenn es gut läuft, sogar ein Dreier. Mein Tipp: 2:1, Torschützen: Badelj und Son – Gegentor: Kießling.

Bis morgen.
Scholle

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam – Skjelbred, Badelj, Arslan, Aogo – Son, Rudnevs.

Turbulenzen in der Luft – und im Volkspark

11. Dezember 2012

Hamburg hat sie wieder – die HSV-Profis. Um 7.23 Uhr am frühen Dienstag ist die HSV-Mannschaft in Fuhlsbüttel aufgeschlagen – mit leichter Verspätung. Weil es schon in Brasilien mit einer Stunde später losging. Eine Halbe Stunde wurde bis zur Zwischenlandung in Dakar aufgeholt, zum guten Schluss waren es dann noch 23 Minuten. Schwamm drüber. Der HSV hat mit diesem Kurz-Trip Geld gemacht, und er hat mit seiner B-Mannschaft auch gut gegen Gremio Porto Alegre ausgesehen – trotz der 1:2-Niederlage. Und nun geht es mit der A-Mannschaft am Sonnabend gegen und in Leverkusen weiter. Der Jahresabschluss. Ein ganz besonderer für Rene Adler, der seinen Ziehvater, Rüdiger Vollborn, den ehemaligen Bayer-Keeper, wieder sehen wird. Und nicht nur ihn, Und alle werden sie in der BayArena sehen, wie super sich der HSV-Schlussmann wieder entwickelt hat. Ich muss dabei immer noch an das Lob denken, dass der ehemalige Aufsichtsrat des HSV, Frank Mackerodt, bei „Matz ab live“ über Adler gesagt hat: „Er hat uns in dieser Hinserie mindestens schon acht Punkte geholt und gerettet.“ Stimmt. Mindestens acht. Und damit kann er in Leverkusen gerne weitermachen. Noch einmal drei – das wäre ein prächtiger Jahresabschluss.

Um noch einmal kurz auf die Rückreise von Porto Alegre zu kommen. Es gab nach der Zwischenlandung (und dem Auftanken) in Dakar das Startzeichen zum Schlafen (von Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen angeordnet), doch daraus wurde bei einigen Spielern nichts – denn es gab doch einige kleinere (gelegentlich auch größere) Turbulenzen.

Die gab es heute auch noch im Volkspark – aber dazu komme ich gleich noch. Erst einmal noch zu zwei nicht unwichtigen Personalien. Milan Badelj, der sich im Spiel gegen Hoffenheim eine leichte Muskelverhärtung eingefangen hatte, hat heute im Volkspark mit Reha-Trainer Markus Günther gearbeitet, und so wie es zurzeit aussieht (also Stand jetzt!), wird der „Ordnungsdienst“ im HSV-Mittelfeld am Sonnabend in Leverkusen aufdribbeln können. Was ja nicht ganz so unwichtig wäre. Und dann noch zu Maximilian Beister. Er ist heiß. Dafür haben wohl auch – oder vor allem – seine ersten beiden Bundesliga-Tore gesorgt. „Maxi“ will, aber bevor er darf, hat Trainer Thorsten Fink gesagt, wird es noch einen Vier-Augen-Unterhaltung zwischen dem Coach und dem Angreifer geben. Fink will wissen, ob es auch tatsächlich geht. Nicht dass Beister aus falschem Ehrgeiz zu viel riskiert und die Verletzung (ein leichter Muskelfaserriss) dann erst recht und viel schlimmer aufreißt.

Und nun zu den heutigen Turbulenzen beim HSV. Stichwort „Viagogo“. Für viele HSV-Fans ein rotes Tuch, das sich jetzt aber wohl erledigt hat. Man trennt sich. Nicht im beiderseitigen Einvernehmen, wie es sonst immer so schön (und in die falsche Richtung deutend) heißt, sondern im Streit. Es soll sogar noch Ärger folgen, es könnte noch ein gerichtliches Nachspiel haben – diese Vernunfts-Ehe. Der HSV erklärte die heutige Trennung mit den folgenden Sätzen:

Nach intensiven Gesprächen mit der Mitgliedschaft kündigt der HSV den Vertrag mit Viagogo zum 31. Juli 2013 und erhöht die Dauerkartenpreise zur Saison 2013/14.
Der Vorstand des Hamburger Sport-Vereins wird das in der Mitgliedschaft umstrittene Vertragsverhältnis mit der Ticketbörse Viagogo zum nächstmöglichen Zeitpunkt am 31. Juli 2013 beenden. „Es war wichtig, zu diesem Thema den Dialog mit Vertretern der Mitgliedschaft zu suchen”, sagt Marketing-Vorstand Joachim Hilke.

Um einen wirtschaftlichen Ausgleich zu schaffen, werden die Dauerkartenpreise zur Saison 2013/14 erstmals seit fünf Jahren angehoben. „Der Vorschlag zu dieser neuen Preisstruktur kam aus dem Fanlager”, so Oliver Scheel, Vorstand für die Belange der Mitglieder. Dabei werden auch die Mitgliederrabatte über alle Preiskategorien auf einheitlich 20 Euro angepasst. „Ich bin überzeugt, dass wir jetzt gemeinsam eine Lösung gefunden haben, die allen zu vermitteln ist”, sagt Supporters-Vorsitzender Ralf Bednarek.

Die „Gegenseite“ reklamierte allerdings für sich, die Trennung herbeigeführt zu haben. Welche von beiden Versionen ist wohl die richtige?

Der britische Ticketanbieter hat dem HSV gekündigt. „Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, weil sich unsere Ansprechpartner beim HSV von Beginn des Vertragsverhältnisses an nicht an die wesentlichen Punkte des Vertrages gehalten haben”, teilte Viagogo am Dienstag mit. „Wir bedauern diesen Schritt sehr, schließlich ist der HSV ein großer, traditionsreicher Verein mit einem großen Stadion und tollen Fans und wir waren stolz darauf, diese Partnerschaft einzugehen.

Der HSV hatte erst im September einen Zweijahresvertrag mit der Ticketplattform abgeschlossen. Der Verein erhielt dafür ein sogenanntes Signing Fee in sechsstelliger Höhe, die Summe beläuft sich auf 800 000 Euro. Der HSV sollte dem Online-Portal 1500 Karten pro Spiel zur Verfügung stellen. Nach der Vereinbarung hätte mit offizieller Zustimmung des Vereins jeder Kartenbesitzer, also auch Inhaber von Tickets auf der Nordtribüne, Karten mit einem Aufschlag bis zu 100 Prozent bei Viagogo verkaufen können.

Das rief den Zorn vieler HSV-Fans hervor, es wurde lautstark protestiert und gefordert, dass dieses Geschäft sofort wieder gekündigt werden sollte. Nun ist Viagogo dem HSV wohl zuvor gekommen. Die AG betont allerdings ausdrücklich, die Kündigung habe nichts mit der Kritik der HSV-Fans zu tun. „Im Gegenteil, das Geschäft mit den HSV-Tickets hat sich als eines der attraktivsten Angebote in der Bundesliga erwiesen, das von vielen Fans genutzt wurde. Die Gründe für die Kündigung liegen vielmehr einzig in der Nichteinhaltung des Vertrages”, teilte Viagogo mit.

„Es geht ja dabei nicht darum, welche Version die richtige ist, unsere oder die von Viagogo. Wir haben gesagt, dass wir so schnell wie möglich und zum frühest möglichen Zeitpunkt aus diesem Vertragsverhältnis wieder aussteigen wollen und werden, wir haben uns deshalb sofort auch um eine neue Eintrittskarten-Struktur bemüht. Viagogo hat das gewusst, deswegen nun diese Erklärung“, sagt HSV-Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow dazu.

Nun bin ich mal gespannt, ob diese Trennung noch eine „Schlammschlacht“ nach sich ziehen wird. Zu befürchten ist es. Aber gut, der HSV hat schon Schlimmeres überstanden. Und in diesem Fall sind die Fans wohl sicher auf der Seite des Vereins, denn sie konnten ja von Anfang an nichts mit diesem Via-Nogo-Deal anfangen. Hat sich nun erledigt, wenn auch erst im Sommer 2013.

So, und dann gab es heute noch über die DPA (Deutsche Presse-Agentur) einen interessanten Artikel über eine zurzeit ganz wichtige HSVer. Da ich nicht glaube, dass die hiesigen Zeitungen diesen Bericht abdrucken werden (weil zu lang), stelle ich ihn hier nun einmal rein. Es geht um ein brisantes Thema, das uns zuletzt alle beschäftigte. Nicht zuletzt bei den Spielen, die so richtig stimmungsvoll erst nach 12:12 Minuten begannen. Hier der DPA-Bericht über Philipp Markhardt, der zugleich einer der sieben Autoren des HSV-Buches “Kinder der Westkurve” ist:

Philipp Markhardt kann sich noch genau an sein erstes Mal erinnern. Anfang der 1990er Jahre nahm ihn sein Vater mit ins Hamburger Volksparkstadion. Der HSV unterlag Wattenscheid 09 mit 0:1. Trotz der Niederlage war dies der Startschuss für eine leidenschaftliche Karriere als Fußball-Fan. „Normalerweise bindet so ein Kick niemanden an einen Verein“, sagte Markhardt der Nachrichtenagentur dpa. An jenem Tag erregte ohnehin nicht so sehr das Spiel die Aufmerksamkeit des damals 11-Jährigen. „Ich habe fasziniert auf die Fankurve geschaut. Da wurden auch die einen oder anderen Bengalos gezündet“, erinnerte sich der bekannteste deutsche Ultra.

Als Sprecher der Organisation „ProFans“ und der Protestaktion „12:12“ ist Markhardt die zentrale Figur der Fans und ihrer Ablehnung des Sicherheitskonzeptes der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er ist das Sprachrohr von circa 50 deutsche Ultragruppen, die in der heftig geführten Sicherheitsdebatte eine Gefahr für ihre Fankultur sehen. Sie hoffen, dass die Vertreter der 36 Proficlubs am Mittwoch auf der Mitgliederversammlung in Frankfurt/Main das umstrittene Konzept nicht verabschieden oder zumindest die Entscheidung vertagen.

Obwohl das Konzept bereits überarbeitet wurde, lehnen Markhardt und die Fan-Organisationen das Papier ab. Auch von Vereinsseite des HSV bestünde noch Kritik: „Es hat sich nicht viel geändert, da ist es logisch, dass die Clubs das nicht einfach abnicken.“ Doch nicht nur die Hamburger Club-Verantwortlichen äußerten Zweifel. Eine Reihe von Vereins-Vertretern kritisierten vor allem den Zeitpunkt zur Abstimmung.

Das Thema Ganzkörperkontrollen erregt bei den Fans ganz besonderen Missmut. „Das neue Papier enthält zwar das Wort Vollkontrollen nicht mehr, dennoch findet man weiterhin Umschreibungen, die letzten Endes darauf hinauslaufen. Solche Kontrollen greifen zu sehr in die Persönlichkeitsrechte aller Fans ein, weswegen wir das Entkleiden weiter kategorisch ablehnen“, erklärte Markhardt.

Mit bundesweiten Demonstrationen und der beispiellosen Protestaktion „12:12“ an drei Spieltagen hintereinander haben die Ultras im Vorfeld des Termins medienwirksam auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht und ein noch nie dagewesenes Echo erzeugt. „Viele Ultras wollen eigentlich nicht mit den Medien sprechen“, betonte Markhardt, „doch ich erachte es als sinnvoll, die Medien für uns nutzen. Für mich war das ohnehin kein Problem, ich arbeite in einer PR-Firma.“ Dass Markhardt ständig in Sachen Fußball und HSV unterwegs ist, und Ultras in der öffentlichen Wahrnehmung ein „Böses-Buben-Image“ besitzen, stört seinen Chef nicht. „Der ist selbst HSV-Fan und zusammen mit mir im Europapokal auswärts mitgefahren“, offenbarte Markhardt.

Bevor sich der 32-Jährige in Fan-Organisationen engagierte, ging er als „normaler“ Fan ins Stadion. Die erste HSV-Dauerkarte kaufte er sich 1993. „Die war allerdings an schulische Leistungen geknüpft“, bemerkte er. Drei Jahre später schloss er sich dem HSV-„Supporters-Club“ an und reiste fortan auch auswärts mit. Dem Fanclub „Chosen Few“ trat er 1999 bei, stieg nur ein Jahr später zum führenden Mitglied auf und ist es noch heute. „Damals spielten Ultras noch überhaupt keine Rolle. Den Gruppen gehörten keine 100 Mann an“, erinnerte er sich.

Um die Jahrtausendwende verloren die Hooligans in Deutschland an Bedeutung, und der Fokus der Polizei richtete sich vermehrt auf die aufkommende Ultrabewegung. „Die Polizei beging damals den Fehler, das auf die Hooligans zugeschnittene Konzept ’Sport und Sicherheit’ auf die Ultras anzuwenden“, meinte Markhardt. Das habe zu Spannungen zwischen der Polizei und den Ultras geführt, die sich bis heute gehalten hätten. Er moniert das ruppige Verhalten vieler Beamter gegenüber den Ultras. Dazu fällt ihm der Satz ein: „Behandle Menschen wie Tiere und sie werden wie welche.“

Für die Zukunft hofft Markhardt, dass sich das Verhältnis zwischen den Ultras und den Verbänden samt Vereinen entspannt. „Ich hoffe die DFL hält Wort und lässt den Worten Taten folgen“, sagte er mit Blick auf eine weitere Zusammenarbeit, „wir setzen jedenfalls auf den Dialog.“

Und dann gibt es da noch einen Bericht von einem Hamburger, der sich mit der HSV-Anleihe befasst. Jens A. aus Berlin schreibt:

Fan- oder Subkultur?

Über den Umgang von Bundesligisten mit ihren Anleihekäufern!

Geboren und aufgewachsen in Hamburg verfolge ich aus Berlin immer mit Sympathie die Spiele der Hamburger Bundesligisten. Mit beiden Vereinen verbinde ich sehr gute Erinnerungen. In der Nähe des Volksparkstadions (das wird es wohl immer für mich bleiben, wie heißt die Arena derzeit noch?) habe ich die Jugend verbracht. Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Herr Bandow hat mir und den anderen Azubis bei der Vereins- und Westbank regelmäßig Mut gemacht, dass man auch mit einer Fünf in Mathe immer noch Vorstand einer Bank werden könne. Außerdem hat er meinen Respekt, da er auch im höheren Alter und hoher Position sich immer noch für die Fußball- Betriebsportmannschaft angeboten und zeitlich frei gemacht hat. Den Mythos St. Pauli hingegen konnte ich durch meine aktive Zeit in deren Jugendmannschaften hautnah erleben. Insbesondere durch Seppo Eichkorn und Helmut Schulte habe ich zu schätzen gelernt, dass Professionalität und Beibehaltung einer Vereinskultur keine gegensätzlichen Inhalte darstellen.

Keine Frage also, wenn einer dieser Vereine Fan-Anleihen herausgibt, dann gehören die Schmuckurkunden in unser Besprechungszimmer gehängt: Für uns als Vermögensverwalter die ideale Verbindung unseres sportlichen Interesses und der Geldanlage.

Die persönliche Abholung der Urkunden bleibt mittels der dankbaren Vor-Ort-Unterstützung meiner Mutter auch aus der Ferne organisierbar.
Überraschend ist aber dann doch, wie unterschiedlich die Ausgabe der Fan-Anleihen von den beiden Vereinen organisiert wird:

Am Millerntor ein gut organisiertes Fan-Fest mit unentgeltlicher Versorgung mit Kaltgetränken, Würstchen, Kaffee, Kuchen. Mittendrin Spieler des Kiez-Clubs im Gespräch mit den kleinsten Kreditgebern des Vereins und Zeit für gemeinsame Fotos (Mama ist immer noch stolz auf das Bild mit dem gefühlt vier Köpfe größeren Pauli-Keeper Tschauner) und Unterschriften auf den Schmuckurkunden. Insgesamt besitzt die ganze Veranstaltung die Atmosphäre eines großen Events, hier ist man willkommen. Die nächste Zeichnung wieder mit uns!

Da ist die Vorfreude auf die Urkundenübergabe beim HSV doch gleich viel größer! Zudem im Anschreiben für die Rautenfreunde eine professionelle Beschreibung des Ablaufes erfolgt, mit dem Hinweis, dass auch für das leibliche Wohl gesorgt wird und dass auch Spieler für Unterschriften und Fotos da sein werden.

Vor Ort dann aber Ernüchterung: Die Übergabe steril, über viele Räume verteilt und unübersichtlich. Ach ja, das leibliche Wohl ist gesichert: Der Cappuccino für EUR 3,00, drei kleine Pfannkuchen zu EUR 3,50. Stellt man sich das als Fan so vor? Insbesondere nach der Ankündigung? Die armen Servicekräfte verstehen die Rückfragen, warum dass bei St. Pauli so anders war. Aber auch sie haben für ihre Sechs-Stunden-Schicht nur ein Getränk und einen Snack frei.

Doch Rafael van der Vaart ist da und gibt Unterschriften. Wo denn? Da hinten im Nebenraum, wo die Wartenden anstehen. Einmal vorsichtig an der Schlange vorbeigegangen, um die Wartezeit einzuschätzen: Oh, da stehen aber viele an. Ein netter Mann, der die Hälfte des Wartens schon hinter sich hat, gibt Auskunft. Bislang wartet er 45 Minuten. Also eine und eine halbe Stunde Anstehen für eine Unterschrift? So viel Fan sind wir dann doch nicht. Das Fazit der Veranstaltung: Sicherlich eine verpasste Chance für die Blauen, etwas für die Verbindung zu ihren Anhängern und kleinen Geldgebern zu machen. Oder einfach nur eine professionellere Sichtweise? Schließlich kann man sich durch das entgeltliche Sorgen für das leibliche Wohl schon einen Teil der Zinsausgaben wieder hereinholen. Die nächste Anleihezeichnung? Eher ohne uns…

In meinem Studium habe ich gelernt, dass ein zufriedener Kunde ca. einem bis zwei Bekannten diese Dienstleistung oder dieses Produkt empfiehlt, ein unzufriedener Kunde aber ca. fünf bis sechs Bekannte über seine Verärgerung informiert. Ich stelle an mir fest, dass mein Bedürfnis über die Erfahrungen im Volkspark zu berichten tatsächlich deutlich höher ist, als über die Begeisterung am Millerntor. Komisch!

Dennoch werde ich auch zukünftig den Fußballvereinen meiner Heimat die Daumen drücken! Aber vielleicht kann das Prozedere beim bisher erfolgreicheren Verein im Umgang mit den Fans und Sympathisanten ja doch noch einmal überdacht werden…?

So, nun bleibt mir nur noch auf das Training am Mittwoch hinzuweisen. Es findet um 15 Uhr an der Arena statt.

Einen aber habe ich noch, versprochen ist versprochen. Es geht um zwei großartige und einzigartige HSV-Bücher, die noch vor Weihnachten an ihre neuen Besitzer übergehen werden. Der bekannte Hamburger Sporttograf Thomas Metelmann und der Kollege und Buchautor Hans Vinke haben nun das Buch “Mythos HSV” herausgebracht. Darin wird die Geschichte des HSV seit der Gründung im Jahre 1887 in Bildern (Fotos) gezeigt. Ein tolles Werk, das das Klubleben des Universalsportvereins HSV mit hervorragenden Fotos zeigt. Einmalig an diesem Buch ist, dass Fotograf Otto Metelmann und sein Sohn Thomas die Geschehnisse um den HSV seit über 65 Jahren aus nächster Nähe dokumentiert haben. Sie setzen mit ihren Fotos dem “Mytos HSV” ein einmaliges Denkmal.
Ich habe den großen Otto Metelmann selbst noch am Rothenbaum erlebt. Es ist heute noch ein kleines Wunder für mich, dass es alle Schiedsrichter geduldet haben, dass der Fotograf (mit dem langen, meines Wissens auch bunten Loden-Mantel) immer direkt neben dem Pfosten stand – gerade so, als wäre er ein zweiter Pfosten. Gelegentlich traf ihn dann auch ein Schuss des Gegners – was natürlich ein höhnisches Gelächter der Fans zur Folge hatte.

Wer sich nun um eines der beiden Bücher bemühen möchte, der sollte bis zur Nacht von Sonnabend auf Sonntag (Mitternacht) folgende Frage beanwtorten (entweder in der Gewinnspieladresse, oder bei Matz ab):

Welche HSV-Spieler wurden im letzten Bundesliga-Aufeinandertreffen mit dem VfB Leipzig ausgewechselt?

18.01 Uhr

Da wächst ein echtes Team zusammen! Jarolim kann sich U23 vorstellen

4. Dezember 2012

***Korrektur: Summe Arslan ist nicht fünf- sondern vierstellig****

Es gibt keinen Tag Pause mehr – bis zur Winterpause, die am 16. Dezember beginnt und am 29. Dezember schon wieder für die HSV-Profis endet. Zunächst steht am Freitag Hoffenheim auf dem Plan. Lange Zeit bleibt anschließend nicht, immerhin fliegt die Mannschaft um 23 Uhr zum Testkick nach Brasilien. Ein Termin, der finanziell ebenso notwendig ist wie anstrengend. Dennoch gibt es beim HSV niemanden, den das ärgert. Zumindest nicht offiziell. Auch Heiko Westermann sagt: „Der Verein hat diesen Termin gemacht und braucht die Einnahmen. Das ist normal. Ich glaube auch, dass Brasilien eine lustige Reise wird, wenn wir das Spiel vorher gewinnen“, so der Kapitän, der zwar das erste Mal nach Brasilien reist – aber wenn es nach ihm geht, eben nicht das letzte Mal. Ob das vielleicht schon ein kleiner Test zum Kennenlernen für die WM 2014 mit ihm wird? Westermann lacht und nickt vorsichtig. Er hätte sicher nichts dagegen.

Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Und auch Westermann ist sich der Chance bewusst, die sich dem HSV aktuell und mal wieder bietet. Mit einem weiteren Heimsieg, dem dann dann bereits dritten in Folge, kann der HSV mal wieder zu den internationalen Plätzen aufschließen. Und anschließend in Leverkusen ist für den HSV auch etwas drin, wie Westermann sagt. „Da haben wir eigentlich immer gut ausgesehen, was zwar nichts zu sagen hat. Was mich aber optimistisch stimmt. Wir müssen unsere Hausaufgaben gegen Hoffenheim machen – und dann auf Zusatzpunkte in Leverkusen hoffen.“

Und das wird nicht leichter, nachdem in Hoffenheim Frank Kramer, der ehemalige U-23-Trainer der TSG, übernimmt. Ein dort gefeierter Jungtrainer, der mit Sicherheit Feuer hat und wie alle anderen neuen Trainer erst einmal „eine ganz andere und viel bessere Ansprache an die Mannschaft“ finden wird, wie alle ach so ehrlichen Profis der TSG formulieren werden. „Die werden jetzt alle richtig Gas geben und sich versuchen, zu empfehlen“, weiß Maxi Beister, der zu gern dabei wäre. „Vom Schmerz her würde ich sagen, es geht. Aber aus medizinischer Sicht scheint das unvernünftig.“

Wohl wahr. Nutznießer ist dafür voraussichtlich Heung Min Son, über den wir im letzten Blog ausreichend berichtet haben. Der Südkoreaner soll helfen, „genau da anzuknüpfen, wo wir gegen Schalke aufgehört haben“, wie Westermann sagt. Soll heißen: Auch gegen Hoffenheim will der HSV Pressing spielen. „Dieses Spielsystem liegt uns am besten“, sagt Westermann. „Vorne attackieren liegt uns.“ Warum dieses kraftaufwändige Spiel nicht für 90 Minuten reicht? „Keine Ahnung“, so der HSV-Kapitän, der die Frage auch nach dem Spiel in Wolfsburg stellte. „Wir sind die letzten 30 Minuten überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen und haben fast logischerweise den Ausgleich kassiert.“ Ob irgendwer eine Antwort hatte? Westermann verneint. „Ich habe viele gefragt, und von allen kam nur, dass sie topfit sind. Und das sind wir auch alle. Ich kann es mir nur so erklären, dass wir einfach mehr gelaufen sind.“ Und das stimmt tatsächlich. Zumindest im Spiel gegen Wolfsburg waren es 119,2 Kilometer Mannschaftslaufleistung. Und das ist ein wahrlich beachtlicher Wert. Zum Vergleich: die laufstarken Wolfsburger brachten es auf ebenfalls beachtliche 116 Kilometer (Bundesligaschnitt sind ca. 115 Kilometer/Spiel).

Insofern wird sich die Mannschaft ihre Kräfte einfach etwas besser einteilen müssen. „Vielleicht müssen wir das wirklich“, sagt Westermann, der ansonsten auch keine endgültige Lösung parat hat. Klar sei allerdings, dass der HSV weiter den hohen Aufwand betreiben wolle, um auf eine etwaige Verunsicherung des Gegners zu setzen. Das gepaart mit der Sicherheit im Defensivverbund sind die zwei Schlüssel zum Erfolg, wie Westermann sagt. „Wir stehen immer sicherer, stimmen uns immer besser ab“, sagt der Abwehrchef und lobt dabei neben den Außenverteidigern insbesondere seinen Nebenmann Michael Mancienne. „Michael wird immer sicherer. Er bekommt immer mehr Vertrauen in sich selbst. Wir sind eingespielt und der eine hält dem anderen den Rücken frei. Das ist sehr gut.“

Und fürwahr, Mancienne ist ein Spieler, für den man sich vielleicht den einen Tick mehr über dessen gute Leistungen freut. Denn der Brite zählt zu den technisch etwas limitierteren Spielern, die aber auf der Gegenseite das fehlende Talent mit unbändigem Einsatz ausgleichen. „Er ist ein absoluter Teamplayer“, schwärmt Trainer Thorsten Fink, „einer, auf den ich mich verlassen kann.“ Auch deshalb erhält Mancienne weiter den Vorzug vor dem sicher talentierteren Jeffrey Bruma, der sich in der Vergangenheit schon in Sphären wähnte, die er de facto sportlich nicht bestätigen konnte. Bruma hatte sich meines Erachtens zu oft zu sehr auf sein Talent verlassen, während sich Mancienne ob seines Einsatzes und Teamgeistes bei Fink zum Stammspieler mauserte. Wie wichtig Teamgeist aktuell ist, zeigt Westermanns Aussage: „Wir wachsen als Mannschaft immer enger zusammen. Das habe ich hier so noch nie erlebt – aber immer gehofft.“

Bestes Beispiel dafür war der gestrige Montagabend. Da lud Tolgay Arslan (für seine unnötige fünfte Gelbe im Schalke-Spiel) die Mannschaft bei „Mr. Kebap“ zum Essen ein. Und es kamen – 25 Mann. „Es war eine sehr nette Runde“, so Arslan, der am Ende einen vierstelligen Betrag zahlen musste, aber nicht verraten wollte, wie viel es letztlich genau war. „Darum geht es auch nicht“, so der Rechtsfuß, der gegen Hoffenheim wieder zur Startelf gehören wird. „Es war ein schöner Abend für uns als Mannschaft. Ich habe selten so gern eine Strafe beglichen…“

Von 18 bis 23 Uhr saß die Mannschaft in geschlossener Gesellschaft zusammen, speiste und trank. Sogar ein Discjockey wurde gestellt. Zum Vergleich: In der Saison 2010/2011 gab es einmal ein Babypinkeln in der „Bullerei“. Der Termin war lange angekündigt. Doch am Ende kamen gerade mal acht Leute, um mit ihrem Mannschaftskollegen dessen Kinderglück zu feiern. Noch schlimmer kam es, als die Mannschaft sich in derselben Saison zum Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt treffen wollte. Da kamen am Ende gerade drei Leute…

Ich habe es damals häufiger geschrieben und meine es auch heute noch ernst: Solche Abende sind enorm wichtig. Solche Abende geben der Mannschaft oft mehr als Trainingseinheiten. Das ist im kleinen Fußballbereich nicht anders als bei den Profis. Denn genau bei solchen Gelegenheiten formt sich der Zusammenhalt, der am Ende in knappen Spielen über Sieg und Niederlage entscheidet. Insofern: Chapeau, HSV! Zumal es noch deutlich mehr Teilnehmer gewesen wären, wenn die Presseabteilung nicht schon lange vorher für denselben Zeitpunkt die Weihnachtsfeier mit uns Journalisten angesetzt hätte. Dort kamen wie immer auch die Trainer, „die aber allesamt persönlich und begründet bei uns abgesagt hatten“, so Arslan über einen Abend, der mich in den von Westermann formulierten Optimismus einstimmen lässt: Da formt sich eine Mannschaft!

Form nimmt langsam auch die Liste der Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat an. Und was lange vermutet wurde, ist jetzt amtlich: Ralf Bednarek, aktuell noch Abteilungsleiter der Supporters, tritt am 13. Januar bei der Jahreshauptversammlung zur Wahl an. Insgesamt werden vier neue Räte zu wählen sein, für die bislang acht Kandidaten feststehen. Neben Bednarek sind das Klaus Krägel, Jens Meier, Stephan F. Rebbe, Otto Rieckhoff, Christian Strauß, Peter von le Fort und Cord Wöhlke. „Ich werde zum 12. Januar meinen Vorsitz bei den Supporters abgeben und mich anschließend zur Wahl stellen“, so Rechtsanwalt Bednarek.

Womit ich das Thema Aufsichtsräte auch schnell wieder beenden will. Das wird früh genug wieder für alle wichtig, hat aber mit der sportlichen Entwicklung aktuell nichts zu tun. Im Gegenteil: denn die macht Spaß…

Spaß am Gespräch hatte heute Abend auch David Jarolim. Der traf sich mit Sportchef Frank Arnesen und sprach über seine nähere Zukunft. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, so Jarolim, dem Arnesen nahelegte, die in den Abstiegsstrudel geratene U23 zu retten. „Ich bin froh, dass ich diesen Termin hatte“, so Jarolim, der in den nächsten Wochen abwarten will, ob sich für ihn noch etwas auf dem Transfermarkt für die Bundesliga ergibt. „Wir haben vereinbart, dass wir die nächsten Wochen noch abwarten und uns dann entscheiden“, sagt Jarolim, während Arnesen Verständnis für dessen Haltung hat: „Jaro ist ein vorbildlicher Profi mit toller Reputation – und er ist topfit. Ich kann ihn voll verstehen, dass er noch weiter als Profi spielen will.“ Sollte es sich dennoch nicht ergeben, kann sich Jarolim auch eine Rückkehr zum HSV vorstellen. Als erfahrener Dachs im jungen U23-Team. „Es ist alles vorstellbar“, so Jarolim, der heute Abend noch zurück zur Familie nach Prag fliegt. „Es ist ja auch nicht so, dass ich jedes Angebot annehmen würde. Im Gegenteil: es muss schon sehr gut passen. Ansonsten helfe ich meinem HSV.“

So, bei so viel Harmonie im sportlichen Bereich und weihnachtlicher Musik im Rücken – bevor mir die Tränen kommen verabschiede ich mich lieber für heute mit er klaren Ansage, dass der ehemalige Bremer Marko Marin beim HSV kein Thema ist. Im Anhang findet Ihr zudem noch ein nettes Gewinnspiel für eine sehr nette Veranstaltung. In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Gewinnspiel und Ankündigung:

Am Donnerstag den 06. Dezember 2012 präsentiert das HSV-Museum den erfolgreichsten Fußballkomiker Deutschlands: Am Nikolausabend wird Ben Redelings gemeinsam mit dem bekannten HSV-Autor Axel Formeseyn auf der Bühne stehen. Ben Redelings („Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten“, „Der Ball ist eine Kugel. Das große Buch der Fußballbücher“, „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige“ u.v.m.) und HSV-Autor Axel Formeseyn („Voll die Latte“, „Unser HSV“) werden zusammen mit Gästen und Zuhörern eine unterhaltsame Reise durch die letzten 50 Jahre Bundesliga bestreiten. Gäste sind die ehemaligen HSV-Profis Rudi Kargus und Stefan Schnoor. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro inklusive eines Begrüßungsgetränks. Die Karten gibt es im HSV-Museum oder über den Merchandising-Shop der Supporters.

Oder eben hier. Denn wir verlosen zwei Tickets sowie je ein Buch „Voll die Latte“ und „50 Jahre Bundesliga“, das neue Buch von Redelings. Beantwortet einfach folgende Frage per Email bis zum 5. Dezember 2012 bis 18 Uhr an: preisfrage@abendblatt.de.

Gewinnfrage: Wer bestritt in 50 Jahren Bundesliga die meisten Bundesligaspiele für den HSV und wie viele waren es?

Die Gewinner/innen veröffentlichen wir an dieser Stelle im morgigen Blog, der um voraussichtlich 19 Uhr veröffentlicht wird. Alle Angaben sind ohne Gewähr, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

Der 20. Mai 2012 – ein legendärer Tag!

20. Mai 2012

Ohnsorg-Theater. Das war Ohnsorg-Theater – aber volle Delle. Kennt ihr „Tratsch im Treppenhaus“? Ich glaube es war bei „Tratsch im Treppenhaus“, als Henry „Opa“ Vahl angetrunken nach Hause kommt und immer wieder sagt: „Nigge-nigge-nigge-ding.“ Und dabei fasst er immer in einen Schuhkarton, in dem ein Kaninchen sitzt. „Opa“ kommt vom „Karnickel-Züchter-Verein“. Daran habe ich heute den ganzen Tag denken müssen. Der „Karnickel-Züchter-Verein“ muss HSV heißen. Ganz klar. Man, war das wieder eine Horror-Veranstaltung. Zum Davonlaufen. Was war das denn bloß? Das hat doch mit Profi-Fußball und Erster Liga nichts mehr zu tun. Es ist einfach nur noch traurig. Selbstdarsteller ohne Ende, Wichtigtuer, Aufschneider – und viele, viele selbstverliebte Leute. Unfassbar. Ich habe schon viele verzweifelte Leute bei HSV-Mitgliederversammlungen gesehen, aber so viele wie heute? Noch nie. Kopfschüttelnd sind viele schon früh davon gelaufen, auf und davon. Der frühere Schatzmeister Gerhard Flomm sprach vielen aus dem Herzen: „Wahnsinn, der pure Wahnsinn, ein große Katastrophe.“

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen. Wirklich nichts. Dieser Tag, dieser 20. Mai 2012, der wird dem HSV schwer geschadet haben. Ganz schwer. Der ohnehin schon zerstrittene Aufsichtsrat ist nun noch mehr auseinander gebracht worden, als ohnehin schon. Ich rechne in den nächsten Stunden ganz schwer mit dem Rücktritt des AR-Bosses Ernst-Otto Rieckhoff, aber dazu komme ich noch. Es ist unheimlich viel Porzellan zerschlagen worden, ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob sich Sportchef Frank Arnesen gefragt hat, in was er hier hineingeraten ist. Okay, okay, er verdient ‚ne Mark Fünfzig beim HSV, das ist auch Schmerzensgeld dafür, mal einen solchen schlimmen Tag zu überstehen, aber es muss für den Dänen trotzdem die Härte, nein, die Oberhärte gewesen sein. Jeder normale Mittel-Europäer muss sich nach diesem Tag fragen: „Womit habe ich das verdient?“

Und: Wenn das so weitergeht, dann lieber HSV, ja, dann gute Nacht, dann steht dem Klub aber eine absolut „ruhmreiche Zukunft“ bevor – aber hallo! Dann könnte der Klub tatsächlich irgendwann mal wieder auf Grand Punktspiele austragen . . . Es war an diesem legendären Tag bei so vielen Redner von der „großen HSV-Familie“ die Rede – wie infam. Wenn das eine Familie sein soll, dann bitte, dann möchte ich bitte nichts mit Vater, Mutter, Oma, Opa und meinen Geschwistern mehr zu tun haben. Das ist doch alles nur noch scheinheilig – erbärmlich.

Eigentlich würde ich jetzt mit diesem Beitrag aufhören, weil ich zu aufgebracht bin nach dieser Un-Veranstaltung, aber ich war dienstlich vor Ort, ich muss darüber berichten, also komme ich meiner Chronisten-Pflicht nach. Schweren Herzens, das gebe ich zu.

Es begann gleich – gegen 11.20 Uhr – mit einem großen Eklat. Einer der ersten Redner, wie könnte es anders sein, war vor 586 HSV-Mitgliedern der frühere HSV-General Dr. Peter Krohn. Er wollte gleich loslegen wie zu seinen besten Zeiten, wurde aber von Aufsichtsrats-Boss Ernst-Otto Rieckhoff aus allen Träumen gerissen: „Lieber Peter, du hältst hier eine Grundsatzrede, dabei sind wir aber noch nicht, ich bitte dich, zum Schluss zu kommen.“ Krohn erwiderte: „Du kannst ja deine Ordner die Anweisung geben, dass sie mich hier vom Pult wegschleppen sollen . . .“ Es klang sehr lustig, aber es war bitterer Ernst! Ja, es ging gleich in die Vollen. Weil Krohn dann aber seine Rede fortsetzen wollte, wurde er von einigen HSV-Mitgliedern ausgebuht. „Wollen Sie, dass ich aufhöre?“, fragte der Doktor, und diejenigen, die gebuht hatten, sagten laut: „Ja.“ Krohn ging. Und verließ die Mitgliederversammlung. Natürlich „allerbester Laune“. Es könnte, so vermute ich mal, sein letzter Auftritt beim HSV und damit auch für den Klub gewesen sein.

Ja, soweit ist es jetzt schon gekommen, dass ein Dr. Peter Krohn vertrieben wird. Aber das blieb nicht der einzige Höhepunkt, wenn auch (vielleicht) der unrühmlichste.

Interessant war auch Punkt sechs der Tagesordnung: Antrag auf Änderung der Satzung durch Ingo Thiel. Die Mitgliederversammlung möge beschließen, die Satzung um den Buchstaben „j“ zu ergänzen, der da lautet: „Beschlussfassung über Verträge, die darauf abzielen, Investorenmodelle umzusetzen.“

Hinter den Kulissen gab es vorab schon einige Gespräche zwischen Vorstand und Thiel, man hatte sich schon geeinigt – Thiel zog seinen Antrag zurück, hielt aber zuvor trotz allem eine – sehr gute – Rede. Ich horchte besonders an jenem Punkt auf, als er von schweren Beschimpfungen gegen sich im Internet sprach – natürlich anonym. Ja, lieber Herr Thiel, so geht es da jeden Tag zu, nicht nur wegen einer Satzungsänderung. Wobei Thiel nicht auf die Einzelheiten, die es zu diesem Punkt unterhalb der Gürtellinie gab, einging. Er sagte lediglich – und das ist noch milde: „Alle haben sie keine Ahnung, aber ich als wahrer HSV-Fan, ich habe Ahnung.“ Und: „Ein HSV-Anhänger weiß grundsätzlich alles besser.“

Natürlich. Immerhin sagte Thiel auch, und das hatte er bei seinen Gesprächen mit dem Vorstand erfahren: „Sportchef Frank Arnesen war noch vom alten Vorstand eingestellt worden, und dieser Vorstand hatte ihm damals 15 bis 20 Millionen Euro mehr für neue Einkäufe versprochen . . .“ Diese 15 bis 20 Millionen waren aber weit und breit nicht mehr zu sehen. Aber man sich kann sich ja auch mal versprechen, keine Frage. Ingo Thiel beendete seinen Vortrag mit: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich diesem Vorstand und dem weitaus überwiegenden Teil des Aufsichtsrat mehr traue, als dem alten Vorstand.“ Dafür gab es viel Beifall.

Vorstands-Boss Carl-Edgar Jarchow zu dem Vortrag Thiels: „Ich habe schon bei der letzten Mitgliederversammlung am 15. Januar gesagt, dass ich das Kühne-Modell damals nicht unterstützt habe, und ich werde es auch künftig nicht unterstützen. Nur eines ist dieses Modell ganz und gar nicht, es ist kein Investoren-Modell. Es ist ein Modell, mit dem Herr Kühne der größte private Sponsor des HSV geworden ist. Er hat als Sicherheit Anteile von Spielern erhalten, die bereits beim HSV unter Vertrag standen, so etwas lehnt dieser Vorstand ab, so etwas wird es in Zukunft nicht geben.“

Hoch interessant wurde es auch beim Punkt der Fernwahl (Briefwahl). Auch da ging es, wie nicht anders zu erwarten, hoch her. Der ehemalige Präsident Jürgen Hunke war dagegen und sagte: „Wir haben keine müde Mark mehr in der Kasse, wollen aber 100 000 Euro für diesen Versuch ausgeben. Als wenn wir keine anderen Sorgen haben.“ Und: „Ein Bundesliga-Verein besteht aus sportlicher Qualität und aus finanzieller Qualität, aber an beiden Punkten stimmt es bei uns nicht, und daran sollten wir vor allen Dingen arbeiten.“

Alexander Otto, der stellvertretende Aufsichtsrats-Vorsitzende, ist für die Briefwahl und befand: „Ich habe hier nur gehört, dass so etwas nicht geht, aber ich glaube, dass wir im HSV auch mal überlegen sollte, dass etwas geht. Und was geht. Wir müssen auch bereit sein, Mut zu haben. Mut zur Entscheidung, Mut etwas zu verändern.“

Aber geht es wirklich noch um die Briefwahl? Oder um die anderen Tagespunkte? Jürgen Hunke brachte es auf den Punkt: „Es geht um Macht.“ Genau. Ganz genau! Die eine Partei im HSV will mehr Macht als die andere. Nur darum geht es noch, nur darum. Der Verein an sich ist in sich total zerstritten. Und ich frage mich, wie lange sich einige hohe Hamburger Persönlichkeiten diesen Klub noch antun wollen – und werden?

Um Macht ging es wohl auch – und vor allem – beim Punkt: Verkleinerung des Aufsichtsrates. Ein Antrag von AR-Mitglied Horst Becker (der nach für Rede viel Beifall und Bravo-Rufe erntete). Genau zu diesem Punkt platzte eine Bombe – die Rede von Ernst-Otto Rieckhoff. Der u.a. sagte: „Der ganze Aufsichtsrat muss komplett aus der Öffentlichkeit heraus. In anderen Vereinen wissen die Fans gar nicht, wer das was im Aufsichtsrat macht, bei unserem Aufsichtsrat wissen sie alles. Leider nicht immer nur das Positive, und das möchte ich gerne ändern, aber in der derzeitigen Konstellation halte ich das nicht für machbar. Und wenn ich das so sehe, dann geschieht das in höchster Glaubwürdigkeit, denn ich stehe ja nicht in dem Verdacht, persönliche Interessen zu verfolgen, denn ich säge ja gerade an meinem eigenen Stuhl. Auch bei einer neuen Entscheidung in Sachen Aufsichtsrat zählt für mich nur das Wohl des HSV.“

Rieckhoff weiter: „Der HSV steht derzeit auf dem Prüfstand und wird Veränderungen erleben. Der HSV muss seine nähere Vergangenheit dringend korrigieren, gerade nach dem Verlauf der letzten Saison und der für mich unrühmlichen Vereinspolitik der letzten drei Jahre. Und in diesem Zuge müssen wir den Aufsichtsrat verkleinern, und ihn klein machen für einen neuen HSV. Und hierbei sollten dann auch die Mitglieder entscheiden, welche Mitglieder in den Aufsichtsrat sollen. Dafür müssten eleganterweise alle Aufsichtsrats-Mitglieder im Januar zurücktreten und sich möglicherweise neu zur Wahl stellen.“ Rieckhoffs Rede wurde mehrfach von Beifall und Bravo-Rufen unterbrochen. Aber er sprach weiter: „Ein neuer Start für den Aufsichtsrat wäre somit gesichert. Ja, folgen Sie mir, und nehmen Sie die Chance für einen effektiveren HSV wahr, indem Sie dem Antrag von Horst Becker zustimmen.“

Darauf erwiderte Manfred Ertel, der stellvertretende Aufsichtsrats-Chef: „Wenn ich Otto Riekchoff nun widerspreche, dann weil es immer einzelne Punkte gibt, in denen man unterschiedlicher Meinung sein kann. Aber ich muss jetzt schon zugeben, dass ich von dem Beitrag meines Kollegen, den ich sonst sehr schätze, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite, einigermaßen perplex bin. Denn die Wirklichkeit, von der Otto Rieckhoff hier geredet hat, hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, die man diesem aktuellen Aufsichtsrat anhängen kann. Und schon gar nicht den Personen, die erst seit einem Jahr in diesem Aufsichtsrat sind.“ Und: „Über unsere Tätigkeit, lieber Otto, hast du bislang hier an dieser Stelle ganz andere Beiträge gehalten.“ Dazu sagte Manfred Ertel auch: „Den Vorschlag, den du, Otto, hier gemacht hast, wir sollten alle zurücktreten, den, so hätte ich mir gewünscht, den hättest du wenigstens ein einziges Mal im Aufsichtsrat vortragen sollen, bevor er hier über 500 Vereinsmitglieder damit konfrontiert werden.“

Professor Dr. Jörg F. Debatin stellte sich (für mich überraschend) auf die Seite von Rieckhoff („Einen besseren Aufsichtsrats-Vorsitzenden als Otto Rieckhoff hätten wir in der Phase nie bekommen, er hat hier segensreich gewirkt“), der Supporters-Chef Ralf Bednarek aber sagte frei heraus: „Lieber Otto, ich bin, ehrlich gesagt, entsetzt über deine Rede.“ Und weiter: „Faktisch willst du ignorieren, was die Mitgliederversammlung bei den letzten Wahlen entschieden hat. Das ist so ein bisschen das Thema der heutigen Versammlung. Ich habe das Gefühl, es soll etwas geändert werden an der Satzung, weil einigen Leuten die Zusammenstellung in diesem Aufsichtsrat nicht passt.“

Und dann wurde es DEUTLICH. Bednarek sagte das, was schon viele Leute seit Monaten wissen: „Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben doch nicht das Problem dass wir zwölf oder elf Aufsichtsräte haben, wir haben das Problem im Verein, dass keiner dem anderen glaubt. Hier haben doch alle Seiten immer nur geguckt, welche Fehler machen die andere Seite.“

Endlich hat es mal einer ausgesprochen. Hinter der vorgehaltenen Hand war schon lange die Rede davon, dass der Aufsichtsrat heillos zerstritten ist, nur wurden alle Mitglieder immer nur für dumm verkauft: „Alles in Ordnung, wir verstehen uns bestens, wir arbeiten auch besser zusammen als vorher.“ Toll. Danke, Ralf Bednarek für diese Aufklärung.

Aufsichtsrats-Mitglied Björn Floberg sagte: „Otto Rieckhoff wurde hier für seine Ehrlichkeit gelobt, aber er hatte nicht den Schneid, uns von seinem Vorschlag des Rücktritts etwas im Aufsichtsrat zu sagen . . .“

Ja, dieser Abend war schon legendär. Übrigens, die Abstimmungsergebnisse sahen wie folgt aus:
Für die Fernwahl waren 256, dagegen 324, es gab fünf Enthaltungen. Und für die Verkleinerung des Aufsichtsrates waren 262, dagegen 244 (bei vier Enthaltungen). Damit war auch dieser Antrag abgelehnt, denn er hätte eine Dreiviertel-Mehrheit bekommen müssen.

So, nun muss ich enden, denn sonst bin ich am Ende. Und ihr hättet diesen Beitrag erst gegen Mitternacht. Um 19.15 Uhr ging dieser Tag heute im Volkspark zu Ende – zum Glück. Mögen die Klugen in diesem Verein dafür sorgen, dass es künftig nur noch viel, viel bessere Mitgliederversammlungen gibt. Sonst könnten diejenigen, die heute dabei waren, ihren Enkeln in Jahren berichten, dass sie dabei waren, als dieser Klub den ersten richtigen Schub nach unten bekommen hat.
Mich stimmt diese Vorstellung total traurig, denn ich habe einen in sich zerstrittenen Verein namens HSV erlebt, erleben müssen.
Leute, wacht auf! Tut etwas dagegen. Gemeinsam. Es geht nur gemeinsam, sonst geht es immer so weiter. Ein Lager, zwei Lager, drei Lager? Mensch, wir sind ein HSV. Und so zerstritten richtet ihr ihn, weil ihr nur euch und eure Interessen seht (egal welches Lager!), zu Grunde. Und das darf doch nicht geschehen. Kehrt um auf diesem falschen Weg, kehrt endlich um, bevor es zu spät ist.

21.08 Uhr

Fink plant die “Dank-Aufstellung” – und der HSV neue Investorenmodelle

2. Mai 2012

Ich schicke es gleich vorweg: mir ist in diesem speziellen Fall wirklich egal, was gestern war. Jeder kann sich mal irren. Schlimm ist nur, wer seinen Fehler wider besseres Wissen nicht einsieht. Deshalb halte ich auch nichts davon, mich hier und heute über die große Bedenkenlage der Supporters zu unterhalten, auch wenn es gerade sie sind, die beim Einstieg von Speditions-Milliardär Klaus Michael Kühne auf die Barrikaden gingen und dadurch einen Verkauf des Klubs befürchteten. Wichtiger ist, dass sich auch die größte Abteilung des Klubs darauf verständigt hat, über alternative Geldquellen nachzudenken. Mehr noch: es sollen Gelder aus der eigenen Mitte akquiriert werden.

So zumindest ist der Plan von Supporters-Boss Ralf Bednarek. Kurz vor dem 125. Vereinsjubiläum – welch außerordentlich passender Zeitpunkt übrigens! – werden Fan-Anleihen ins Spiel gebracht. Nicht, dass die Idee revolutionär wäre, vielmehr werden ähnliche Projekte schon seit mehreren Jahren im HSV-Vorstand (das begann schon in der Ära Hoffmann/Beiersdorfer) diskutiert. Nein, es passt einfach alles zusammen. Denn wenn das abgelaufene Spieljahr etwas Positives hatte, dann den Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft. Und dieser Zusammenhalt könnte sich noch mal verfestigen, wenn letztlich Spieler kommen, die unter anderem mit Geldern der Leute auf den Rängen finanziert wurden. Das allein dürfte eine noch engere Identifikation schaffen.

Aber hauptsächlich freut es mich, weil ich die Hoffnung habe, dass der HSV dadurch mit der Zeit geht und seine zweifellos hohe Attraktivität für Werbepartner auch auf Investoren ausbauen kann. Kühne ist ein gutes Beispiel dafür, dass Leute Geld geben, die mit der nötigen Portion Idealismus und Fantum an den HSV herantreten. Er weiß, dass er aus den 12,5 Millionen, die er dem HSV zur Verfügung gestellt hat, höchstwahrscheinlich kaum ein bis keine Rendite erwarten kann. Dennoch ist er weiterhin daran interessiert, seinem Lieblingsklub Geld zur Verfügung zu stellen. Immerhin steht der HSV weiterhin in ganz engem, Kontakt zum Fan von Rafael van der Vaart. Und Kühne hat bereits signalisiert, dass er dem HSV bei der Suche nach dem bestmöglichen Kreativspieler im Mittelfeld helfen würde. Einziges Hindernis wäre ein erneuter Protest der Fans gegen seine Form der Unterstützung, der ihn schon bei den 12,5 Millionen Euro massiv geärgert hatte. Denn Mitspracherecht hatte Kühne nie gefordert.

Aber okay, bislang ist es nur der nächste Schritt bei der Umsetzung einer guten Idee – wie ich finde. Aber es könnte ein wichtiger sein, denn Bednarek steht der größten Abteilung des Klubs vor, sein Wort hat dort Gewicht. Und dass der HSV sich deutlich verstärken muss, um auch nur ansatzweise wieder dort hinzukommen, wo wir vor wenigen Jahren mal dachten, angekommen zu sein, ist klar. Auch wenn Arnesen seine jungen Talente lobte und Fink heute nachlegte. Der HSV-Trainer lobte heute großzügig die Spieler, die vor der Saison neu dazugekommen sind. „Jacopo Sala und Tolgay Arslan haben ich sehr gut entwickelt. Auch Michael Mancienne hat nach anfänglichen Schwierigkeiten einen ganz wichtigen Schritt gemacht.“ Der Engländer habe bei ihm lange keine Rolle gespielt, gab Fink zu. „Ich habe ihm auch persönlich gesagt, dass ich ihm auf dem Platz noch nicht wirklichen vertrauen würde. Daraufhin hat er im Training noch mehr Gas gegeben und auch in den Testspielen überzeugt. Er kam daraufhin zu mir und sagte, er sei jetzt soweit. Und er hat diese Chance genutzt.“

Davon weiter entfernt ist Zhi Gin Lam, bei dem es zunächst hieß, er solle ausgeliehen werden. Dem widersprach Fink heute. „Zhi Gin muss nicht verliehen werden. Er hatte ein Tief, aus dem er langsam raus ist. Hier müssen wir die nächsten Wochen noch mal abwarten.“ Gleiches gilt auch für Jeffrey Bruma, dessen Verbleib in Hamburg von der hiesigen Klubführung erwünscht aber eben noch nicht gesichert ist. „Mein Infos sind die, dass es gut für uns aussieht, dass er bleiben wird.“ Und das würde er persönlich befürworten, nachdem der Niederländer im Laufe dieser Saison „sehr viel gelernt“ habe. Dass sich der Mannschaftsrat vor einigen Wochen gegen Bruma (damals angeblich gegen ihn und Gökhan Töre) ausgesprochen haben soll, dem widersprach Fink heute. „Ich habe damals um das Gespräch mit dem Mannschaftsrat gebeten, weil ich die Mannschaft in die Pflicht genommen habe. Ich habe sie auf Missstände aufmerksam gemacht und von den älteren Führungsspielern erwartet, dass sie Verantwortung übernehmen. Hätte mir einer von denen gesagt, ich solle Töre oder Jeff rausnehmen, hätte ich die beiden definitiv spielen lassen.“

Dass Töre nicht gespielt habe, sei eher der sportlichen und taktischen Notwendigkeit geschuldet, defensivorientierter spielen zu müssen. „Wir waren im Abstiegskampf. Es macht Spaß, Gökhan zuzusehen, wie er den Ball streichelt. Er hat in der Hinrunde voll überzeugt. Aber er hat eben auch Schwächen in der Defensive. Und das konnten wir uns nicht erlauben. Gökhan hätte aber ganz sicher gespielt, wenn wir gesichert gewesen wären.“

So wie jetzt am Sonnabend beim letzten Spiel in Augsburg. Beim Spiel gegen den Tabellennachbarn (Fink: „Wir wollen die Saison zwingend vor Augsburg beenden“) will der HSV-Trainer eine „Dank-Aufstellung“ vornehmen. Dabei sollen insbesondere die Spieler zum Einsatz kommen, die zuletzt oft auf der Bank saßen und sich dennoch mannschaftsdienlich eingebracht haben. „Vorne spielen Marcus Berg und Paolo Guerrero“, so Fink, der im Mittelfeld Robert Tesche „noch eine Chance“ geben will. Zumindest formulierte es Fink so. Tesche soll ebenso zum Einsatz kommen wie Per Skjelbred. Der Norweger zählte zu den wenigen Spielern, die Fink nicht ausdrücklich lobte. Stattdessen attestierte Fink Skjelbred tadellose Trainingsleistungen.

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass sich Fink und Sportchef Frank Arnesen intern darauf verständigt haben, zu Petric, Jarolim und voraussichtlich Drobny weitere Spieler abzugeben. Dazu zählen weiter Leihgeschäfte (Besic, Lam) aber eben auch Verkäufe wie bei Tesche und Skjelbred, sofern sich passende Abnehmer finden lassen.

Zudem wird Dennis Diekmeier wieder auf der Rechtsverteidigerposition beginnen, während sein letztwöchiger Vertreter Jeffrey Bruma wieder auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung rückt. Unklar ist dabei, ob Bruma neben Abwehrchef Heiko Westermann oder Michael Mancienne („Er hat sein Sache in den letzten Wochen sehr gut gemacht“) aufläuft, während Dennis Aogo links wieder versuchen darf, sich für eine EM-Nominierung zu empfehlen. Wobei: Geht es nach den Klebebildherstellern (Duplo, Panini), ist Aogo dabei. Und die hatten in der Regel immer ein gute Näschen, oder besser: sehr gute Informanten.

Aber zurück zum „Danke-Spie“ in Augsburg. Dort wird Ivo Ilicevic ausnahmsweise mal verletzt passen müssen. Den Offensivmann plagen weiter muskuläre Probleme. Zudem wird Drobny (Muskelbündelriss) weiter ausfallen und von Sven Neuhaus, der entgegen aller Trainingseindrücke zuvor in den letzten beiden Spielen in meinen Augen tadellos agiert hat. Und auch Mladen Petric sowie David Jarolim werden zunächst nur von der Bank aus zusehen. Dennoch glaubt Fink nicht daran, dass die Partie beim ebenfalls geretteten FC Augsburg zum Freundschaftsspiel verkommt. „Nein, dafür haben beide Mannschaften noch Ziele. Wir zum Beispiel wollen unbedingt vor dem FCA stehen.“

Ziele hat der HSV auch für die kommende Saison. Nicht mehr gegen den Abstieg, dafür aber am besten Richtung Europa soll es gehen. Und dafür wiederum werden Fink und Arnesen in diesem Sommer ihre Urlaube verkürzen müssen. „Ein paar Tage mit der Familie müssen sein“, sagt Fink, „aber natürlich haben Frank und ich eine Menge Arbeit vor uns.“ Zu viel sei liegen geblieben in den vergangenen Wochen, in denen der HSV noch zwischen den Ligen schwankte.

Klar ist indes, dass Adler kommen soll. Und auch die Tatsache, dass sich zwei Kontrolleure gegen den Transfer ausgesprochen haben, widerspricht dem nicht. Im Gegenteil, da die anderen zehn dafür votierten hat Arnesen grünes Licht. Und der Däne ließ zuletzt keine Zweifel daran, dass der ehemalige Nationalkeeper zur neuen Saison in Hamburg aufschlägt. Dafür erscheint es immer unklarer, dass Drobny zum FC Bayern wechselt. Zumindest sind aus München weitere Namen zu hören. Aber was soll’s – wenn der HSV es sich finanziell leisten kann, mit Adler und Drobny – ich hätte nichts dagegen. Mickel als Nummer drei, dann hätten wir einen ganz jungen, einen jungen erfahrenen und einen älteren erfahrenen Torhüter im Kader. Klingt rund, oder?

In diesem Sinne, morgen wird weiter trainiert. Um 15.30 Uhr bittet Fink die Spieler zum lockeren – mehr war das heutige Training wirklich nicht – Aufgallopp an der Imtech-Arena.

Scholle

Arnesen ist da – und er bleibt

22. März 2011

Frank Arnesen ist da – und er bleibt. Diese Zeile musste ich machen. Hatte ich schon mal – aber diesmal stimmt sie definitiv, denn der Däne ist in Hamburg, sieht sich hier nach einer neuen Unterkunft um und führt Sondierungsgespräche mit allen Verantwortlichen beim HSV bezüglich der aktuellen Kaderplanung. Bis Donnerstag bleibt der designierte Sportchef in Hamburg. Mit im Gepäck des Dänen sind sein Assistent Lee Congerton sowie vier Scouts, die schon beim FC Chelsea mit ihm zusammengearbeitet, die sich mit den hiesigen Talentspähern (Michael Schröder und Co.) treffen und abstimmen.

Und beide Seiten werden ausreichend zu besprechen haben. Zusammen mit Bastian Reinhardt und Trainer Michael Oenning wird Arnesen die Planungen für die kommende Saison besprechen.
Auch das Trainingszentrum und die Bedingungen an der Arena und im Nachwuchsleistungszentrum wird sich Arnesen genauestens ansehen, um einen noch besseren Einblick in alle Abläufe zu erhalten. Hauptthema aber ist die Kaderplanung. Und abgesehen von den auslaufenden Verträgen, von den neu zu verpflichtenden Spielern und den generellen, vor allem finanziellen Voraussetzungen stehen auch schwierige Entscheidungen bei Spielern an, deren Verträge noch ein Jahr laufen. Denn bei denen heißt es wie immer: entweder Vertrag verlängern oder doch noch verkaufen, bevor der Abgang ein Jahr später ablösefrei wäre. Einer dieser Fälle könnte im Sommer ein ganz heikler werden: Mladen Petric. Denn wie ich gehört habe, ist der Kroate dringend darauf aus, noch einen langfristigen und entsprechend hochdotierten Vertrag zu unterschreiben. „Drei, vier Jahre will ich noch auf höchstem Niveau spielen“, so Petric, der im vergangenen Sommer einen Vierjahresvertrag vom VfB Stuttgart vorliegen hatte, vom HSV aber keine Freigabe erhielt.

Jetzt ist es Petric, der die besten Argumenten auf seiner Seite hat. Nicht erst bei seinen drei Treffern am Sonnabend gegen Köln hat Mladen bewiesen, wie wichtig er mit seinen Toren für den HSV ist. Elf Treffer und sechs Vorlagen in 18 Bundesliga-Spielen – besser geht es kaum. Umso schlimmer war es, als ich von einem in der Regel immer sehr, sehr gut informierten Insider hörte, der 30-Jährige sei schon so gut wie weg. Damals wollte ich es nicht glauben. Und heute ist der damals tatsächlich erfolgreich eingesetzte Verdrängungsprozess neuen Informationen gewichen, nach denen Mladen sich eine Zukunft beim HSV sehr wohl und vor allem auch sehr gut vorstellen kann. „Hier ist eine Menge passiert“, hatte er am Wochenende gesagt und das durchweg positiv gemeint: „Der HSV sortiert sich und es kommt Bewegung in die Sache.“ Sollte bis Sommer ein Konzept vorliegen, wollen sich Petric und sein Berater Volker Struth mit dem HSV über eine Vertragsverlängerung unterhalten. Allerdings auch nicht vorher.

Ergo: herzlich Willkommen Frank Arnesen! Bitte übernehmen Sie!

Übernommen hat sich vielleicht Eintracht Frankfurt. Besser gesagt, sie haben ihren alten Trainer Michael Skibbe gefeuert und mit Christoph Daum den vielleicht streitbarsten deutschen Cheftrainer verpflichtet. Und ich bin mir sicher, so wie ich Eintrachts Manager und Vorstandsboss Heribert Bruchhagen kenne, ist er sich der bevorstehenden Diskussion durchaus bewusst.

Darf man einen Trainer verpflichten, der öffentlich gelogen und Drogen konsumiert hat? Immerhin hat ein Fußballtrainer eine nicht geringfügig prägende Vorbildfunktion für unseren Nachwuchs…

Und auch wenn ich weiß, dass mich dafür wahrscheinlich wieder etliche unter uns kritisieren werden, ich finde Bruchhagens Entscheidung pro Daum ebenso mutig wie gut. Ich gehöre zu der Kategorie Mensch die fast jedem eine zweite Chance geben (Kinderschänder, Vergewaltiger und Mörder ausgeschlossen) will. Ich glaube daran, dass Christoph Daum aus seinen Fehlern gelernt hat. Und ich bin mir sicher, dass er ein guter Trainer ist. Zumindest einer, der eingefahrene Pfade aufbrechen kann und polarisiert. Daum ist einer, der einen Neuanfang begleiten kann. Er ist ein Motivator. Ich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass Daum auch dem HSV hätte helfen können. Aber gut, was kümmert uns die Konkurrenz? Wir haben einen Trainer mit Michael Oenning. Dem ersten Ergebnis zufolge auch einen guten. Einen sehr guten sogar.

Und einen, der mächtig Gas gibt. Denn die drei Tage seit Sonntag, die der Münsterländer seinen Spielern frei gegeben hatte, sind nur deshalb frei gewesen, weil es in den kommenden Tagen hart wird. „Richtig harte Einheiten sollen das werden“, hat mir Änis Ben-Hatira verraten, der zur Vorbeuge eines Muskelkaters die freien Tage über fleißig war. Ben-Hatira: „Der Trainer hat uns vorgewarnt.“

Denn, das hat schon die Kadernominierung gegen Köln gezeigt, Michael Oenning hat keine Angst vor schwierigen Entscheidungen. So ließ er gegen Köln Jonathan Pitroipa und Marcell Jansen unberücksichtigt. Und insbesondere Letztgenannter darf das als klare Ansage auffassen. Immerhin gilt Jansen als einer, der an sich selbst den Anspruch hat, Nationalspieler zu sein. Da passt eine Nichtberücksichtigung für ein Bundesligaspiel überhaupt nicht. „Ich bin ja auch nicht nominiert worden“, klagt Jansen. Gemeint ist die Nationalmannschaft, die am Wochenende gegen Kasachstan in die EM-Qualifikation eingreift. Verantwortlich dafür, dass Joachim Löw ihn nicht berücksichtigte, ist für Jansen seine fehlende Spielzeit. Zweimal ein- und dreimal ausgewechselt sowie einmal über 90 Minuten gespielt und einmal überhaupt nicht im Kader – eine bittere Bilanz. „Schlimm ist für mich nur, dass ich mich so nicht für die Nationalmannschaft empfehlen konnte. Da hat der Verein mir Steine in den Weg gelegt. Das ist ganz bitter. Denn meine Leistungen waren immer okay.“

Zwei Tore habe er vor dem Spiel bei Bayern München erzielt, insgesamt ordentliche Leistungen geboten, sagte er mir. Und ich konnte zumindest teilweise zustimmen. Allerdings schien neben seiner sportlichen Situation auch noch etwas anderes zwischen ihm und dem inzwischen durch Oenning ersetzten Cheftrainer Armin Veh gewesen zu sein. „Es kann sein, dass es da ein Problem gab. Aber mich immer zu rechtfertigen, dass ich verletzt war, geht mir auf den Sack“, sagt Jansen, der nicht näher darauf eingehen will, beziehungsweise, der sich über Vergangenes keine Gedanken mehr machen will. Im Gegenteil. „Im Moment passiert so viel im Verein, da will ich mich als einzelnen nicht so in den Vordergrund spielen. Ich bin froh beim HSV zu sein und will jetzt nicht auch noch draufhauen. Der Verein muss jetzt sehr wichtige Entscheidungen treffen, die den Sommer stark beeinflussen. Noch weiß doch niemand, was im Sommer passiert. Auch ich nicht.“

Klingt irgendwie nach einer gehörigen Portion Unzufriedenheit. Fast nach Abschied. Zumal mit Michael Oenning aktuell ein Trainer am Ruder steht, der sich mit Veh sehr intensiv ausgetauscht hat, viele Entscheidungen gemeinsam getroffen hat. Und dies auch immer noch tut, wie Dieter uns gestern berichtet hatte. Jansen weiß um die Situation: „Ein wirklicher Neuanfang ist das sicher nicht. Michael Oenning hat ja auch vorher schon zu 70 Prozent alles gemacht.“ Das wiederum kann zu alten Problemen führen. Zumindest im Fall Jansen.

Aber ich will hier nichts schwarzer malen, als es ist. Im Gegenteil. Noch ist alles offen und Jansen stehen alle Türen offen. So, wie ich ihn kenne, wird er richtig Gas geben, um seine Situation zu ändern. Er hat das Herz am rechten Fleck. „Ich bin sehr froh, beim HSV zu spielen. Und ich würde es gern noch sehr lange. Deshalb bin ich auch noch geduldig“, versicherte mir Jansen. Wie lange er noch geduldig sein wird? Seine Antwort: „Auf jeden Fall bis zum Sommer. Dann wird es wichtig sein, dass gewisse Dinge greifen. Bis dahin werde ich alles genau beobachten, auch. Ich merke mir, wie man mit mir umgeht.“ Ich bin mir sicher, Sympathikus Marcell weiß, dass er selbst den Anfang machen muss. Schon in dieser Woche. In der Trainingswoche, die nicht nur beim Gedanken an die Nichtnominierung für den DFB für ihn besonders hart werden wird.

In diesem Sinne: auf Oenning, Arnesen, auf Marcell, auf Petric und auf dass alle wieder zusammen im Sinne der Sache arbeiten. Dann werden wir sowas wie am Sonnabend gegen Köln noch häufiger erleben…

Scholle

16.55 Uhr

P.S.: Auch ich wollte mich bei Euch noch mal ganz herzlich für den schönen Abend am Freitag in der raute bedanken. Ich fand die Veranstaltung ganz sicher auch wegen unserer tollen Gäste so interessant. Aber auch so hochinteressante Persönlichkeiten wie Ernst Otto Rieckhoff, ein Oliver Scheel oder ein Ralf Bednarek allein hätten den Abend nicht so interessant werden lassen, ohne Eure Fragen, Eure Anregungen (Briefwahl!), Euer Lob und natürlich Eure Kritik. Der Abend hat gezeigt, dass beim HSV auch verschiedenste Interessen nicht immer zu Zwietracht führen müssen, sondern durchaus konstruktive Ergebnisse fördern können. Dafür noch mal ein großes Kompliment von mir! Ihr habt den Blog von seiner stärksten Seite präsentiert. Vielen Dank dafür! Auch für die leckeren Bifis, liebe Eva, lieber Ed!! Ich werde sie bei der nächsten Aufsichtsratssitzung dabei haben, um nicht wieder hungern zu müssen 😉

Horst Becker als großer Verlierer

14. Juli 2010

Willkommen in der Saison 2010/2011, willkommen beim gespaltenen Verein. Nein, entschuldigt, ich übertreibe natürlich ein wenig, aber das, was mir meine Kollegen von der heutigen außerordentlichen Mitgliederversammlung berichtet haben (entschuldigt bitte, dass ich aufgrund eines kleinen Geburtstagstrips für und mit Frau M nicht anwesend sein konnte, ab morgen bin ich es wieder!), klang für mich eher nach Schalke 04 in den 90er-Jahren als nach unserem HSV. Aber so richtig überraschend, das müssen wir wohl alle zugeben, kommt diese Konfrontation zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und mehreren Mitgliedern, Ex-Präsidenten und –Aufsichtsräten dann ja doch nicht. Es gärt eben im HSV. Und wenn ich mich jetzt mal positiv versuchen darf: Man kann das auch positiv bewerten, denn es unterstreicht, dass der HSV lebt und nach wie vor sehr interessierte und differenzierte und engagierte Mitglieder gibt. Für den einen oder anderen Funktionär könnten es mit Sicherheit gerne weniger sein.

Für all diejenigen, die nicht vor Ort waren und bereits gespannt auf Erlebnisberichte sind (ich bin es auch und weiß ja, dass viele von Euch da waren), möchte ich die Versammlung kurz im Zeit- und Schwerpunktraffer zusammenfassen. Mehr als 700 Mitglieder saßen um 18.35 Uhr auf der Westtribüne der Imtech-Arena (die noch immer keine Buchstaben auf dem Dach hat) und lauschten zunächst der 53-minütigen Rede von Vorstandsboss Bernd Hoffmann. Er erklärte das Anstoß-hoch-drei-Projekt in all seinen Facetten, beschrieb die mögliche Verwendung der Kühne-Millionen und präsentierte sich dabei sehr gut vorbereitet. Hoffmann, so schilderte mir Abendblatt-Redakteur Kai Schiller, erntete Beifall.

Die von vielen mit Spannung erwartete Frontalkonfrontation mit dem auch von vielen Matz-abbern heftig kritisierten Supporters-Chef Ralf Bednarek blieb aus. Bednarek gab ebenfalls einen Kommentar ab. Wesentlich kürzer, kritisch, er äußerte die Bedenken vieler Mitglieder und bekam dafür hörbar noch etwas lauteren Applaus. Den von Hoffmann „als Sechser im Lotto mit Zusatzzahl“ beschriebenen Kühne-Deal halten offenbar noch immer viele für eine riskante Nummer. Stichwort: Seelenverkauf. Vor allem die fehlende Transparenz in der Mitgliedschaft prangerte Bednarek an. Ex-Klubboss und –Kontrolleur Jürgen Hunke sowie Dr. Peter Krohn legten in ihrer berühmt-berüchtigten Art nach. Hunke, seit jeher Hoffmanns schärfster Kritiker, sagte wortwörtlich zur Rede des Vorstandsvorsitzenden: „Rhetorisch war das eine Eins, inhaltlich eine glatte Sechs!“

Und da wir gerade im Schuljargon sind, passt auch die kommende Beschreibung. Denn wer mit einer raschen Abhandlung der Themen und einer schnellen Kommentarphase in der offenen Diskussion gerechnet hatte, der wurde mit „Nachsitzen“ konfrontiert. Vorstandsmitglied Oliver Scheel outete sich als Gegner des Investorenprojekts, er hatte auch intern dagegen gestimmt: aufgrund des „hohen Maßes an darlehensrechtlicher Politik“. In den Wortbeiträgen ging es immer mehr um die grundsätzliche Ausrichtung des HSV. Die Frage des Sich-Verkaufens spaltet den Verein. Ganz platt formuliert könnte man es so sagen: Bernd Hoffmann und seine Mitstreiter sind auf der Suche nach neuen Erlösquellen an ihre Grenzen gestoßen und haben nun einen kreativen Weg gefunden, mit einer Art strategischen Partnerschaft neue Mittel zu generieren. Traditionalisten und Hoffmann-Crew-Skeptiker fürchten, dass es um das wirtschaftliche Wohl ihres Vereins ganz und gar nicht gut bestellt ist, dass Finanzmittel der Zukunft genutzt werden, um Löcher zu stopfen und langfristig die Existenz des HSV gefährden könnten.

Ich hoffe, ich habe das jetzt einigermaßen verständlich beschrieben. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt soll die Sitzung dann doch eher sachlich gewesen sein. Wie gesagt: bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Dann folgte aber noch eine Emotionalisierung der besonderen Art. Aufsichtsrat Ronny Wulff wurde gefragt, wann er denn von dem konkreten Kühne-Deal informiert worden sei. Seine Antwort – „einen Tag vor der Abstimmung“ – löste eine hitzige Diskussion aus. Bednarek empfand dieses Zeitfenster als nicht satzungskonform, Aufsichtsratschef Horst Becker erwiderte, dass das in Ausnahmefällen durchaus möglich sei. Den Becker-raus-Rufen aus dem Plenum folgte ein kurzer verbaler Eingriff Bernd Hoffmanns: „So geht’s nicht. Jetzt ist aber Schluss hier!“ Schluss war aber keineswegs. Es folgten 60 Minuten Pfiffe, Rufe, verbale Scharmützelchen vieler Anwesender. Kollege Schiller sprach vorhin von „einer extremen Minute“. Inhaltlich war sie aber auch ein Sinnbild für die aktuelle Atmosphäre im HSV.

Um 23.21 Uhr endete die Versammlung. Und jetzt, nachdem ich nicht nur mit meinen Kollegen, sondern auch mit ein paar anderen Anwesenden telefoniert habe, kann ich sagen, dass fast alle Horst Becker als den großen Verlierer dieses Abends ausgemacht haben. Er habe sich mal wieder extrem schlecht dargestellt, habe sich zu einseitig positioniert und das zweithöchste Gremium des HSV eher kläglich als souverän repräsentiert. Insgesamt waren bei der AOMV mehr Kritiker des Investorenmodells als Befürworter anwesend. Und ganz am Ende gingen die meisten Besucher der Veranstaltung erneut unbefriedigt heim.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich selbst nicht genau weiß, ob dieser HSV noch einmal als „echte Einheit“ auftreten wird. Dieser große Klub ist zu zerrissen. Nicht nur thematisch, inhaltlich, sondern auch, was die Charaktere in einigen Gremien und auch in der einfachen Mitgliedschaft betrifft. Dieser unmögliche Spagat zwischen Tradition, Vereinsdenken auf der einen und Anteilsverkäufen sowie innovativen Ideen der Geldbeschaffung auf der anderen Seite avanciert immer mehr zum Lagerbildungsprogramm innerhalb der Mitgliedschaft.

Was daraus wird oder wie sich dieser Zwist mittel- und langfristig auswirkt, ist schwer vorhersehbar. Der Aufsichtsrat kann in seiner aktuellen Besetzung aber schon jetzt eine heikle Jahreshauptversammlung erwarten, bei der es für einige Kontrolleure mehr als Denkzettel geben wird – eher One-Way-Tickets. Und der Vorstand, vor allem Bernd Hoffmann, hängt immer mehr vom sportlichen Wohl ab. Sollte die Variante Armin Veh/Urs Siegenthaler/Bastian Reinhardt auch noch in die Hose gehen, könnte es ganz eng für Bernd Hoffmann werden.

Übrigens: Horst Becker widersprach ganz eindeutig der Vermutung, dass Bernd Hoffmann durch die Verschiebung eines Teils der Kühne-Gelder ins abgelaufene Geschäftsjahr eine persönliche Prämie erhält. Demnach bekommt der Vorstandsvorsitzende keinerlei Prämie für einen wirtschaftlichen Erfolg, sondern ausschließlich für den sportlichen. Da der ja auch eher bescheiden war, dürfte der HSV einiges an Geld gespart haben.

So, das war es erst einmal von mir. Ich erwarte rege Diskussionen, Erlebnisberichte und Anekdoten, wie unsere Matz-abber die AOMV erlebt haben. Und zum Thema „Maulwürfe“, die „Thomas Toll“ ja gestern völlig zu Recht erwähnt hat, werde ich mich demnächst auch noch einmal ausgiebiger äußern.

Gute Nacht.

0:42 Uhr

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