Archiv für das Tag 'Bayern'

0:5 – die Bayern machten es gnädig!

14. August 2015

Zwischen Scholle und Dieter sitzen links Fußball-Trainer Vahid Hashemian und Ex-HSV-Profi Andreas Fischer.

Zwischen Scholle und Dieter sitzen links Fußball-Trainer Vahid Hashemian und Ex-HSV-Profi Andreas Fischer.

Das kam nicht unerwartet, auch wenn es eine Halbzeit lang nicht nach einer solchen Pleite aussah. Der HSV holte sich in München wieder einmal eine richtige Pleite ab, diesmal aber gab es nur ein 0:5. Damit wird der „Dino“ wohl nach dem ersten Spieltag Tabellenletzter sein, aber es folgen ja noch 33 Spiele . . . Der HSV hielt eine Halbzeit lang gut mit, indem er mauerte, aber dann brach er doch wie von vielen vorher vermutet ein und ergab sich in sein Schicksal. Immerhin keine acht, auch keine neun, und auch nicht zweistellig, wie vorher auch vielfach vermutet worden war. Aber jetzt wissen eben alle Hamburger, nicht nur die, die auf dem Rasen von München standen, was noch zu tun ist, um eine vernünftige Erstliga-Mannschaft zu werden. Es fehlt ja noch sehr viel. Und hoffentlich haben es die Verantwortlichen gesehen, denn daraus müssten eigentlich noch bis zum 31. August die Lehren gezogen werden – es müssten noch neue Leute kommen. Sonst nur Abstiegszone . . .

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Westermanns Patzer entschied die Partie!

29. Oktober 2014

Der HSV ist raus aus dem Pokal – erwartungsgemäß. Die Bayern waren eine Nummer zu stark für den Tabellen-16. Aus Hamburg und gewannen verdient 3:1. Viele, viele Fans der Rothosen fragten sich aber nachher und auch schon zur Pause, wie es wohl gekommen wäre, wenn es länger 0:0 gestanden hätte? Ein schwerer Westermann-Patzer führte schon in der siebten Minuten zum 0:1, und damit waren die Weichen frühzeitig auf HSV-Niederlage gestellt. Vor 57 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena aber wehrte sich der HSV tapfer, obwohl es personell noch einige Rückschläge gab. Erst fehlten Valon Behrami und Dennis Diekmeier, dann mussten auch noch Petr Jiracek und Johan Djourou verletzt vom Platz. Die Hoffnung bleibt, dass alle am Sonnabend gegen Leverkusen (15.30 Uhr Volkspark) wieder fit sind. Die Werks-Elf hat sich heute mit einem Sieg im Elfmeterschießen in Magdeburg auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sodass es dann ein spannendes Spiel werden könnte – das am Sonnabend. Heute war es leider schnell mit der Spannung vorbei, die Bayern spielten es mehr oder weniger lässig herunter und siegte souverän. Beste Hamburger waren Torwart Jaroslav Drobny und Mittelfeldrenner Lewis Holtby. Dass die Bayern-Fans zum Schluss „Absteiger, Absteiger“ skandierten, schmeckte vielen HSV-Anhängern naturgemäß nicht, aber der HSV kann sich nun voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren, es ist auf allen anderen Ebenen nun ausgetanzt. Das hat doch auch etwas Gutes.

Für Abendblatt-Blogs


 

Das Spiel war schon entschieden, bevor alle Plätze in der Arena besetzt waren. Es gab viele freie Plätze, weil die Verkehrsleitung mal wieder eine Katastrophe war, aber das ist ein lediges Thema, darüber sollen sich andere Menschen die Köpfe zerbrechen. Das Spiel war entschieden, weil Heiko Westermann in der sieben Minute einen Katastrophe-Fehler machte. Eine viel zu kurze Rückgabe erlief sich Müller, der passte auf Lewandowski, der zunächst noch an dem auf der Linie stehenden Johan Djourou scheiterte, aber im zweiten versuch dann doch traf. Ich erhielt dann prompt eine sms, in der stand: „Lieber Dieter, ich habe zum ersten Mal seit langer Zeit ein HSV-Spiel nach sieben Minuten abgeschaltet. Ich bin kein Westermann, aber . . . Solange der HSV diese Spieler-Altlasten mit sich herumschleppt, wird das nichts mehr mit diesem Club, leider, leider . . .“

 

Ja, wer nach so kurzer Zeit gegen den FC Baeyrn zurückliegt, der darf eigentlich seine Sachen packen und gehen. Bestellen kann man da dann kaum noch etwas – und der HSV schon gar nicht. So sind die Verhältnisse nicht nur im Jahre 2014, aber so sind sie eben schon lange. Welten liegen dazwischen. Und wenn dann ein solches „Ding“ passiert, dann ist die Sache schnell, brutal und restlos erledigt. Da muss man nur eins und eins zusammenzählen.

 

Pech kam dann noch hinzu, denn bereits fürh musste Behrami-Ersatz Petr Jiracek verletzt vom Platz. Der Tscheche hatte seine Sache bis dahin richtig gut gemacht, aber die Knie-Schmerzen zwangen ihn zur Aufgabe. Hoffentlich ist es nichts Schlimmes . . . Das würde noch fehlen. Und hoffentlich kann Valon Behrami am Sonnabend wieder gegen Leverkusen auflaufen. Bei der Gelegenheit: Dennis Diekmeier will morgen (Donnerstag) zunächst mit Reha-Trainer Markus Günther ein Tänzchen wagen, und wenn das gut geht, dann trainiert er wieder mit den Kollegen.

 

Die Münchner erzielten dann früh das 2:0, aber da der HSV fast geschlossen protestierte, sprach Schiedsrichter Marco Fritz vorsichtshalber mal mit seinem Mann an der Seite (Arno Blos), und der hatte dann doch erkannt, dass Torschütze Müller im Abseits war, als Alaba den Ball noch (aus Versehen?) berührte (20. Min.). Es lohnt sich also doch gelegentlich, mal zu protestieren. Hätte der HSV darauf verzichtet, dann hätte es Tor und Anstoß gegeben – alles ganz normal.

 

Glück hatte Johan Djourou, der neuerdings Glatze trägt (!), als er im Mittelkreis Ribery ganz böse umgrätschte – und nur Gelb dafür sah. Das sah schon übel aus. Der HSV wehrte sich, lief viel, kämpfte, aber nach vorne passiert ja wirklich, wirklich nicht viel. Pierre-Michel Lasogga schoss bereits in der vierten Minute auf das Bayern-Tor (aus 22 Metern, Neuer hielt mühelos), und Lasogga köpfte nach Holtby-Flanke aus elf Metern auf das Tor, aber in etwa auch elf Meter drüber (35.). Das war die Herrlichkeit, die der HSV „vorne“ zu bieten hatte. Vorne soll, wie schon seit Wochen, der liebe Fußball-Gott helfen, aber der hatte, wie ja auch die Hamburger Verkehrspolizei, schon rechtzeitig Feierabend gemacht.

 

In der 44. Minute hielt dann Jaroslav Drobny einen von Lahm abgefälschten Schuss aus drei Metern – mit der „Zwölf“. Der Tscheche ging kurz zu Boden (wie auch Djourou), wurde behandelt, biss dann die Zähne zusammen und stand wieder zwischen den Pfosten. Zum Glück. Dennoch fiel das 2:0. Vielleicht war Drobny doch noch nicht ganz auf der Höhe. Alaba schoss aus 30 Metern, der Ball flatterte und Drobny war zwar noch dran, konnte aber nichts mehr verhindern. Bitter. Und Halbzeit.

 

Der erste Höhepunkt der zweiten Halbzeit war dann ein kleiner (Betriebs-)Ausflug von Nationaltorwart Neuer, der fast bis an die Mittellinie lief und den Ball dann abspielte – unter dem Jubel fast alelr Zuschauer! Das war mal etwas. Und das war auch mal eine Geste – eine Hamburger Verneigung vor dem besten Torwart der Welt. Bei der Gelegenheit frage ich mich spontan, was wohl jene Bayern-Fans inzwischen sagen, die Neuer damals zum Teufel wünschten und ihn nicht in München haben wollten? Das wäre doch mal spannend zu klären, ob die immer noch gegen Neuer sind? Immerhin, für ihn hat es mich gefreut, dass das Hamburger Publikum ihn nicht ausgepfiffen hat.

 

Drei Minuten nach dem Neuer-Ding“ dann das 3:0. Ribery schoss aus 20 Metern, Djourou fälschte ab – Drobny war auf dem Weg in die rechte Ecke – drin der Fisch! Und damit auch die endgültige Entscheidung in der 55. Minute. Beim HSV gingen danach Tolgay Arslan und der angeschlagene Djourou vom Platz, für den Ersatz-Kapitän kam der „richtige“ Kapitän, nämlich Rafael van der Vaart. Aber was sollte er noch ausrichten?

 

Die Bayern wechselten danach auch noch einige Male, am Sonnabend kommt Dortmund, danach auch der AS Rom, da muss man Kräfte schonen. Es kam nicht mehr so drauf an, und es war sicher nur ein Schönheitsfehler, dass noch das Ehrentor für den HSV fiel (85.). Der eingewechselte Rafael van der Vaart flankte von rechts auf den zweiten Pfosten, und Lasogga stieg hoch und köpfte zum umjubelten 1:3 ein. Endlich ein HSV-Tor, dazu auch ein versöhnlicher Abschluss dieses Abends.

 

Dass zum Schluss ein Verrückter auf den Rasen lief und auf Ríbvery losging, das war das Schlechteste an diesem Abend. Pfiffe gegen den Franzosen, das ist ja noch hinzunehmen, aber so etwas, das geht gar nicht. Aber sicherlich wird es auch dafür Leute geben, die das beschönigen . . . Für mich nur eine Aktion zum Fremdschämen.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Götz, Djourou (69. Min. van der Vaart), Westermann, Ostrzolek; Arslan (61. Min. Kacar), Jiracek (17. Min. Steinmann); Müller, Holtby, Stieber; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny sah beim 0:2 nicht gut aus, aber das ist bei diesen Bällen keine Kunst und immer mal drin. Ansonsten hielt der Tscheche wirklich bärenstark und zeigte einige fast unglaubliche Weltklasse-Paraden und verhinderte somit eine Klatsche. Note eins.

 

Ashton Götz verdarb sich eine bessere Note als die Vier durch unheimlich viele Abspielfehler. Defensiv war er gar nicht so schlecht, aber an seinem Aufbauspiel muss er noch arbeiten.

 

Johan Djourou spielte sein „Ding“ solide herunter, bis er verletzt raus musste. Hoffentlich nichts Schlimmes.

 

Heiko Westermann verdarb sich dieses Spiel in der siebten Minute, und allen HSV-Fans ebenfalls. Das war leider ganz erschütternd. Und er muss sich fragen lassen, warum ihm so etwas passiert? Es ist ja meistens er, das ist schon so. Bei aller Liebe. Und da zählt dann eben auch nicht mehr, dass er sich danach tüchtig reinhängte und etliche Male gekonnt klärte – Patzer ist Patzer. Richard Golz wurde deswegen eins als „Quartals-Patzer“ bezeichnet . . .

 

Matthias Ostrzolek fiel nicht auf und fiel nicht ab.

 

Tolgay Arslan spielte so lala. Er könnte sicherlich viel mehr, aber er schafft es nicht, über den Punkt zu gehen, wo es nur eines noch gibt: VOLLGAS. Schade.

 

Petr Jiracek begann gut, schade dass er sich so früh verletzte, schade, schade.

 

Nicolai Müller war kaum zu sehen. Spielte er mit?

 

Lewis Holtby war der beste Hamburger Feldspieler. Er lief, er kämpfte, er hielt dagegen – es war eine Pracht. Mit zehn Holtbys im Feld hätte der HSV sicherlich noch die Verlängerung erreicht. Note eins.

 

Zoltan Stieber wollte gewiss, aber man sah ihn viel, viel zu selten.

 

Pierre-Michel Lasogga war fast der einzige Hamburger, der mal einen Schuss riskierte. Der Einzelkämpfer wurde dann zum Schluss noch belohnt – mit dem Kopfballtor zum 1:3.

 

Matti Steinmann (ab 17. Min. für Jiracek) machte richtig gut mit, alle Achtung. Da wird ein junges Talent gegen die Bayern „reingeschmissen“ und mischt so mit, als wäre das Normalste von der Welt. Kompliment, selbst wenn nicht alles gelang.

 

Gojko Kacar (ab 61. Min. für Arslan) machte seine Sache gut, abgeklärt, solide, unaufgeregt – das war okay.

 

Rafael van der Vaart (ab 69. Min. für Djourou) wurde auf das Feld geschickt, weil ihm damit Trainer Joe Zinnbauer Respekt erweisen wollte – eine sehr gute Maßnahme.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle „Scholle“ und ich haben wieder zwei Gäste bei uns, es sind diesmal zwei „Matz-abber“, und zwar „Scorpion“ und „Lars 49“. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich einschalten würdet wie zuletzt – und auch wenn es spät werden wird.

 

PSPS: Bitte nicht vergessen: Am kommenden Freitag (31. Oktober) findet im HSV-Restaurant „Anno 1887“ (Leistungszentrum Ochsenzoll, Ulzburger Straße, Norderstedt) unser Matz-ab-Treffen statt, Beginn 19 Uhr. Mitzubringen wären an diesem Abend (vor dem Leverkusen-Spiel) gute oder auch beste Laune, denn es soll ein Treffen unter Freunden werden. Und keine Mitgliederversammlung!

 

22.44 Uhr

Das war riesig – HSV gegen Bayern 0:0!

20. September 2014

Der HSV ist wieder da! 0:0 gegen die Bayern, ein traumhafter Einstand für den neuen Trainer Joe Zinnbauer. Damit hätten wohl nur die kühnsten Optimisten gerechnet. Das war eine Hamburger Mannschaft, die sich wehrte die alles gab, die sich zerriss, die die Marschroute ihres neuen Chefs ganz genau verfolgte. Zum Schluss war jeder Hamburger Spieler zwar absolut kaputt, aber sie hatten bis zur letzten Sekunde tapfer gekämpft, sich immer wieder in die Angriffe der Bayern geschmissen – das war die Auferstehung schlechthin, so darf es weitergehen. Schon am Mittwoch in Mönchengladbach. Zum Schluss der heutigen Partie, als es die Zeit den Münchnern davon zu laufen schien, pöbelten die Bayern wieder was dass Zeug hält. Schlechte Verlierer! Das ist so bitter, aber es muss wohl so sein. Selbst mit der B-Mannschaft dürfen die Münchner eben nicht beim Abstiegskandidaten in Hamburg zwei Punkte lassen . . . Aber es kann ja nicht immer mit neun Stück enden. Dabei hätten die Münchner nur in Bestbesetzung antreten müssen, dann wäre das Ding geritzt gewesen. So aber wirkten einige Stars ein wenig lustlos, weil sie sich zumuten lassen mussten, in dieser B-Vertretung mitkicken zu müssen. Die Münchner hatten sich ja extra Videos von Zinnbauers Zweiter schicken lassen, um so ergründen, wie der neue HSV wohl spielt, aber sie haben wohl ein wenig zu hochnäsig auf ihre Stars verzichtet. Glückwunsch, Joe Zinnbauer, das war mal ein großartiger Einstand, gegen die beste Vereinsmannschaft der Welt. Und der HSV schießt dann eben am Mittwoch sein erstes Tor!

 

 

Bei den Bayern saßen Xabi Alonso, Benatia, Lewandowski, Rode, Götze und Robben auf der Bank. Noch Fragen? Dazu waren Ribery, Schweinsteiger, Badstuber, Thiago und Martinez gar nicht erst im Kader. Diese Namen alle zusammen wären eine großartige Mannschaft, die wohl in jedem Bundesliga-Stadion siegen würde. Und sicher nicht nur da.

 

Der HSV aber spielte mit wie Mann mehr. Das Publikum war sofort da und half großartig, und am Spielfeldrand „tigerte“ Joe Zinnbauer auf und ab, gestikulierte und kommentierte fast alles. Ab und an setzte er sich auch hin, aber überwiegend hatte er „Hummeln im Hintern“. Gut so! Und immer wieder trieb der neue HSV-Coach seine Mannen da hinten raus, sie sollten nicht zu tief stehen. Eine mutige Maßnahme, aber bestimmt auch die richtige.

 

Ebenfalls gut: Der HSV hielt die Null, auch nach einer halben Stunde stand es noch torlos. Und die Bayern hatten keine großen Möglichkeiten. Weil der HSV kompakt stand, die Räume zustellte, und weil sich die Spieler gegenseitig halfen. Natürlich hatte der Rekordmeister mehr Ballbesitz, aber das sah dann auch nur bis kurz vor dem HSV-Strafraum gut aus. Der HSV hatte das in der Defensive im Griff. Wobei aber nach vorne nicht so viel ging – auch klar. Pierre-Michel Lasogga war zu oft allein in der Spitze, zog sich mitunter auch zu weit aus der Mitte raus, dazu wirkt er zurzeit alles andere als spritzig, eher ist das Gegenteil der Fall, er wirkt langsam und behäbig – er hat eben noch viel aufzuholen. Von den Außenpositionen kam dazu auch wenig nach vorne, Nicolai Müller war viel mit der Defensive beschäftigt, Zoltan Stieber wirkte mitunter zu zaghaft und unentschlossen in den Zweikämpfen.

 

Beim Halbzeitpfiff hieß es dann 0:0, und dieses 0:0 wurde noch mehr gefeiert, als das 0:0 in Köln vor Wochen. Vor allem im Norden brandete tosender Beifall auf, anscheinend hatte das in dieser Form keiner so wirklich erwartet. Alle Achtung, HSV!

 
Mit Beginn der zweiten Halbzeit drückte der FCB mehr und mehr auf die Tube, Trainer Pep Guardiola hatte wohl eine deftige Kabinen-Ansprache gehalten, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Und dann kamen auch noch Götze und Lewandowski, die Bayern wollten hier nicht mit einer Nullnummer vom Platz. Hatten aber das Glück, dass Nicolai Müller das 1:0 für den HSV vergab. Neuer eilte ihm entgegen, Müller spitzelte den ball am Nationalkeeper vorbei – aber leider auch am leeren Bayern-Gehäuse. Das wäre es doch gewesen. Immerhin, die Fans im Norden fanden den Mut wieder: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus . . .“ Wann durften die Hamburger Anhänger zuletzt einmal so etwas skandieren, gegen diese übermächtigen Bayern?
 

Und noch einmal durfte der HSV vom 1:0 träumen. Heiko Westermann lief mit nach vorne, wollte sicherlich aus der halblinken Position zu Lasogga flanken, aber der Balls segelte in Richtung langes Eck. Neuer hatte große Mühe, die Kugel zu halten – und die Zuschauer tobten vor Begeisterung (67. Min.). Danach aber nur noch die Bayern . . .

 

Ein Satz noch zu Schiedsrichter Christian Dingert (Lebecksmühle). Er ermahnte – auf „Vorschlag“ von Nationaltorwart Neuer – Nicolai Müller, weil der sich vor den Münchner postiert hatte, um einen schnellen Abschlag zu verhindern (18. Min.). Die Frage, die „Scholle“ sich gestellt hat, ist die: „Ist das verboten?“ Müller hat da nur gestanden, hat Neuer ja nicht attackiert . . . Nun gut, es gab ja kein Gelb, dennoch ist „Scholles“ Frage ja nicht ganz so verkehrt. Und als Pizarro Valon Behrami an der Seitenlinie umschubste (beide kabbelten sich um einen Einwurf), gab es auch keine Karte. Im Gegenteil, der HSV-Profi schien dabei die schlechteren Karten beim Unparteiischen zu haben, er diskutierte länger mit ihm. Bayern-Bonus?

 
Es blieb – trotz vierminütiger Nachspielzeit – beim 0:0. Und Dingert gab Sekunden vor Schluss nach einem absichtlichen Handspiel von Neuer (an der Mittellinie) keine rote Karte . . . Da meckerte dann aber kein Bayern-Offizieller – so ist Fußball. Der Norden sang: „Ohne Schiri habt ihr keine Chance.“ Egal, es wurde gefeiert, dieser tolle und eigentlich unerwartete 0:0-Sieg!

 

Der HSV begann mit dieser Mannschaft: Drobny; Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Behrami, Arslan; Müller, Holtby, Stieber; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny glänzte auch als Kopfballspieler (17. Min.), hielt ansonsten das souverän, was da gelegentlich du zum Schluss auch mal reichlich auf seinen Kasten zuflog. Die größte Tat vollbrachte der Tscheche in der 53. Minute, als er einen Schuss von Lahm (aus acht Metern) super hielt! Er gewann nun auch beim neuen Trainer das interne Duell gegen Rene Adler und bleibt erst einmal in der HSV-Kiste.

 

Dennis Diekmeier ließ auf seiner Seite kaum (bis auf die 61. Minute, als er Bernat laufen ließ) etwas zu, wirkte bissiger als sonst in der Defensive.

 

Johan Djourou erledigte seine Abwehrarbeit souverän, allerdings schien er dann, wenn er im Ballbesitz war und attackiert wurde, mitunter leicht nervös.

 

Heiko Westermann wurde von mir in die Mannschaft geschrieben, vielen Dank, dass das hier einige User auf Anhieb erkannt hatten – ich hatte schon vermutet, dass das hier total untergehen würde. Wer in Zukunft noch Vorschläge zu machen hat, wen ich noch mal in die Mannschaft schreiben kann und sollte, der möge sich bitte mindestens zwei Tage vor dem nächsten Spiel bei mir melden. Ansonsten gab es für „HW4“ in der 14. Minute den ersten Beifall, für eine Rückgabe per Kopf. Machte ansonsten eine aufmerksame Partie, ohne große Fehler zu produzieren.
Eine Note für den Innenverteidiger dürfen alle HSV-Fans für sich ganz allein ausmachen, ich enthalte mich mal ganz dezent und verweise mal auf die Kollegen in den hiesigen Zeitungen. Ich halte es nämlich sonst nicht mehr aus, das ist alles nur noch lächerlich . . . Es geht um einen Spieler des HSV, unseres HSV! Aber weiter so!

 

Matthias Ostrzolek begann ein wenig (zu) zögerlich, steigerte sich aber mit zunehmender Spieldauer auf das Prädikat „solide“.

 

Valon Behrami aggressiv in der Balleroberung, konnte als Zerstörer durchaus gefallen, lieferte auch ein enormes Pensum ab (Fleißnote eins!), müsste nur noch seine Quote der angekommenen Pässe deutlich verbessern.

 

Tolgay Arslan lief viel, sein Pensum konnte sich sehenlassen, das war eine ordentliche Vorstellung.

 

Nicolai Müller kann sicher noch mehr, aber er war nach vorne noch der größte Aktivposten des HSV. Vergab aber die beste Hamburger Möglichkeit (48.).

 

Lewis Holtby hob zu Beginn die Welt aus den Angeln, wollte viel, wollte alles, musste diese Tempo dann aber doch nach einer halben Stunde ein wenig drosseln. Zeigte aber einige sehr schöne Ansätze – und mischte körperlich auch tüchtig mit.

 

Zoltan Stieber sollte jeden Tag in die „Muckibude“, damit er kräftiger wird, mitunter schien er in seinen Zweikämpfen von vorherein auf verlorenem Posten. Hatte, wie Müller auf rechts, auch viel mit Defensivarbeiten zu tun, deswegen konnte er sich nach vorne hin wohl nicht so groß entfalten, wie er wohl wollte – und wir es erhoffen.

 

Pierre-Michel Lasogga war kaum zu sehen.

 

Petr Jiracek (ab 67. Min. für Arslan) durfte sich jetzt mal auf der Sechs versuchen – warum nicht? Er hätte eigentlich immer die Qualität, hier einen Stammplatz für sich zu beanspruchen – explodiert er jetzt mal bei diesem neuen Trainer?

 
Julian Green (ab 76. Min. für Lasogga) machte die letzten Minuten noch mit, aber nach vorne ging nicht wirklich was.

 

Matti Steinmann (ab 87. Min. für Müller) kam und setzte mal eine Marke. Er eigentlich weniger, dafür der Trainer, der sich auch gegen die Bayern nicht scheut. Ein solches Talent zu bringen.

 

PS: Gleich sind wir natürlich wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung. „Scholle“ ist wieder mit von der Partie, und dazu zwei tolle Gäste, nämlich die ehemaligen HSV-Profis Tobias Homp und Vahid Hashemian. Wir würden uns freuen, wenn Ihr wieder zahlreich – wie zuletzt immer – zusehen würdet.

17.34 Uhr

Van der Vaart kritisiert Calhanoglus Berater **Kühne bürgt für HSV-Lizenz**

13. Mai 2014

**Ergänzt mit Kühne-Bürgschaft**

Er kennt es, wenn ein Wechsel forciert wird, aus eigener Efahrung. Und er hat sich inzwischen dafür entschuldigt. Rafael van der Vaart wollte einst seinen Wechsel nach Valencia mit aller Macht durchdrücken und avancierte vom Publikumsliebling zum Buhmann – und zurück. Ein Schicksal, dass jetzt auch Hakan Calhanoglu droht. Der 20-Jährige, elffache Torschütze in dieser Saison hat verschiedene, bekannte Angebote aus der Bundesliga – aber eben auch seinen Vertrag jüngst bis 2018 verlängert. Anschließend hatte der junge Deutsch-Türke immer wieder betont, dass er beim HSV bleiben will, sogar in der Zweiten Liga.

Bis Hakan Calhanoglus Berater Bektas Demirtas kam und einen raushaute. “Leverkusen wäre der nächste Schritt für Hakan”, sagt jetzt der Berater in “Bild” sowie “Morgenpost” und ergänzt sogar noch: “Aber der HSV entscheidet. Wenn Hamburg sagt, dass Hakan bleiben muss, dann ist das so.” Soll heißen: Calhanoglu würde gehen wollen…?

Der Spieler selbst schwieg heute ebenso wie HSV-Sportchef Oliver Kreuzer. Und das war auch das Beste, was die beiden unmittelbar vor dem Hinspiel in der relegation gegen Fürth am Donnerstag machen konnten. “Wenn mein Berater zwei Tage vor so einem wichtigen Spiel sowas rausgehauen hätte”, fasste van der Vaart zusammen, “dann hätte ich ganz sicher einen schlechten Berater.” Stimmt.

Mehr von Rafael van der Vaart im Video. Mehr über Calhanoglu nachher im Blog.

Kühne sichert dem HSV entscheidenden DSchritt im Lizenzierungsverfahren zu:

Die Pressemitteilung der Initiative HSVPlus:

Vor einigen Wochen wurde durch Medienberichte öffentlich bekannt, dass der Hamburger Sport-Verein die Lizenz für die kommende Bundesliga-Saison nur nach Erfüllung finanzieller Bedingungen erhalten wird.

Unabhängig vom Erfolg des HSV in den Relegationsspielen hat Klaus-Michael Kühne großes Engagement bewiesen und dem Vorstand des Hamburger Sport-Vereins zugesichert, eine Bürgschaft in Höhe von 10 Mio Euro zu übernehmen und darüber hinaus einen Zins- und Tilgungsaufschub für die Saison 2014/15 in Höhe von mehr als 2 Mio Euro zu gewähren. Dies in der Erwartung, dass die HSV Gläubiger – Banken und Sportfive – in der kommenden Saison ebenfalls einen Zahlungsaufschub gewährleisten.

Damit sollte einerseits die Lizenzierung durch die DFL, als auch der Neuanfang des HSV nach einer Mitgliederentscheidung für HSVPLUS sichergestellt sein. Karl Gernandt, der nach Vorstellung von HSVPLUS zukünftig dem Aufsichtsrat angehören soll und diese finanziellen Problemlösungen erst durch seine Verhandlungen ermöglicht hat, wurde von Klaus-Michael Kühne gebeten, die ihn betreffenden Verträge bei Vorliegen aller Voraussetzungen umzusetzen.

„Dieser Beitrag ist ein klares Signal, dass ich an den Neuanfang mit HSVPLUS glaube und meinem HSV gerade in schwierigen Zeiten die Tür für einen Neuanfang öffnen möchte, ohne, dass die Hoffnungsträger einer neuen Mannschaft jetzt verkauft werden müssen,“ erklärt Klaus – Michael Kühne.

1:4 – aber die Relegation ist drin!

3. Mai 2014

Der HSV verliert 1:4 gegen den FC Bayern – aber die Konkurrenz spielt wieder für den HSV! Unfassbar. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der HSV kann die Relegation schaffen. Was für ein Jubel, als in der Arena die Ergebnisse des 33. Spieltages vorgelesen wurden. Hannovers Ersatz-Mannschaft gewinnt 2:0 beim 1: FC Nürnberg, und der FC Augsburg schafft dank Bobadilla in der 94. Minute den 1:0-Sieg in Braunschweig. Das kann ja alles nicht wahr sein, das ist ja wie ein Märchen! Es bleibt somit alles beim Alten auf den letzten drei Plätzen – unglaublich, unfassbar, sensationell – herrlich!!! Der HSV darf noch von der Ersten Liga träumen, es riecht nach Relegation. So gab es nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern doch noch viele zufriedene Gesichter, die sich auf den Heimweg machten. Es ist noch nicht alles verloren – obwohl man mit nur 27 Punkten eigentlich nicht in der Ersten Bundesliga überlegen kann. Aber wenn es ein Wunder gibt, dann muss es ein Wunder für Hamburg und den HSV sein!
Nur, aber auch wirklich nur der HSV!


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Die Stimmung vor dem Anpfiff war schon super. Nein, großartig, sensationell. „Schreien bis der Kehlkopf kreist“, hatte Lotto King Karl im Abendblatt gefordert, und die Fans hielten sich dran. Vielleicht auch deshalb, weil sie von den Bayern gefordert wurden. Im Münchner Block wurde ein Plakat in HSV-blau präsentiert – in Anlehnung an die HSV-Uhr im Nord-Westen: „Noch in der ersten Bundesliga: 7 Tage, 1 Stunde.“ Der HSV-Konter ließ nicht lange auf sich warten – ein weißes Plakat: „In HH ticken die Uhren eh anders.“ Mag sein. In der Anfangsphase überraschte der HSV mit einer äußerst engagierten Leistung. Warum, diese Frage stellte ich mir schon, warum nicht immer so? Warum gegen die Bayern? Warum erst am vorletzten Spieltag?

Der HSV, der kurzfristig auf Marcell Jansen hatte verzichten müssen (die alte Knöchel-Geschichte hatte sich entzündet), rannte wie um sein Leben. Da war Leben zu sehen, da war Biss zu erkennen, da war auch endlich einmal so etwas wie Teamgeist zu sehen. Da lief einer für den anderen. Und ein gutes Zeichen war schon nach wenigen Minuten, dass sich Hakan Calhanoglu und Milan Badelj nach einer kleinen Unstimmigkeit angifteten. So kommt dann doch noch mehr Leben in die Bude . . . Und dazu setzte Rafael van der Vaart noch ein Zeichen: Der HSV-Kapitän trat Nationalspieler Kroos von hinten auf die Socken – Freistoß, aber kein Gelb. Und ein Achtungszeichen, dass der HSV nichts zu verschenken hat.

So oft hatte der HSV in jüngster Zeit ein frühes Gegentor gefangen, diesmal hieß es nach zehn Minuten noch 0:0. Und nach 13 Minuten hatte der HSV sogar die Chance zur Führung: Ivo Ilicevic nahm sich im Bayern-Strafraum rund eine „Viertelstunde“ Zeit, den Ball mit links auf das Gehäuse von Nationalkeeper Neuer zu dreschen – und dann ein so kümmerlicher Schuss. Wahnsinn! Mit links trümmerte die HSV-Spitze den Ball in Richtung Güterbahnhof Wandsbek. Da kann man auf der Tribüne nur zusammenbrechen. Eine runde „Viertelstunde“ Zeit, und dann ein solcher Abschluss, unbegreiflich. Aber wahr.

Auch nach 20 Minuten noch 0:0 – und Bayern schwach. Wenn ich so an das Pokal-Finale in 14 Tagen denke – oh, oh, das kann ein Dortmunder Feiertag werden . . . Und auch nach 30 Minuten hieß es 0:0. Aber nach 31 Minuten und 55 Sekunden nicht mehr. Doppelpass Robben und Götze, und der frühere Dortmunder schoss unter Rene Adler den Ball zum 0:1 in das Tornetz der Hamburger. Bitter. Ein Doppelpass am Fünfmeterraum des HSV, und das alles ungehindert, obwohl der Strafraum an sich voller Spieler war. Ja, so kann es gehen. Fast sogar noch das 2:0, als ein Kopfball von Schweinsteiger knapp am langen Eck des HSV-Tores vorbeisegelte (40.). Auf der Gegenseite die beste HSV-Tormöglichkeit: Robert Tesche spielte Rafael van der Vaart an, der schoss aus zwölf Metern aus der Drehung – aber auf Neuer. Der Torwart boxte den Ball über die Torlatte zur Ecke (42.). Und dann noch einmal Ilicevic. Diesmal versuchte er sich mit einem 15-Meter-Schlenzer aus halblinker Position, aber der Ball verfehlte deutlich sein Ziel (43.). Halbzeit. Und in die wurde der HSV mit viel, viel Beifall verabschiedet.

Während der Pause dann Jagdszenen im Volkspark. Polizei zog vor der Nordtribüne und im Nord-Westen auf. Angeblich sollen provokante Plakate die Ursache dafür gewesen sein. Es flogen Stöcke und Getränke auf die Uniformierten, zudem hatten sich die wie wild protestierenden HSV-Fans schnell ihre Fanschals ins Gesicht gezogen. Sicher ist sicher. Zum Glück beruhigte sich die bedrohliche Lage noch rechtzeitig – bis zum Wiederanpfiff jedenfalls. Was nach dem Schlusspfiff dann noch abgehen würde . . . Mal abwarten.

In der Halbzeitpause waren sich die Experten einig: Der HSV hatte ein Klasse-Spiel hingelegt, aber das Tempo war wohl zu hoch, um es bis zur 90. Minute zu halten. Der HSV wird wohl kräftemäßig noch einbrechen. Auch mal abwarten.

Aber das 0:2 fiel relativ früh. Eckstoß von Bayern, Robben von rechts. Der Niederländer entdeckt den völlig freistehenden Götze 13 Meter vor dem HSV-Tor. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eckstoß für Bayern, und ein Münchner steht im völlig übervölkerten HSV-Strafraum mutterseelenallein. Allein. Das kann doch nicht wahr sein! Wer hat da alles gepennt? Unfassbar, welche amateurhafte Fehler sich der HSV immer und immer wieder erlaubt. Da kann man nicht gegenanspielen. Nein, das geht nicht. Und Götze schießt. Keineswegs hart, aber an allen hinter ihm noch stehenden Hamburger, und das waren immerhin acht (!), in Worten ACHT, vorbei ins Tor. Beschämend. Und das spielte sich in der 55. Minute ab. Die Vorentscheidung. Natürlich. Denn der HSV spielte ja ohne Stürmer. Wer soll da ein Tor schießen? Bei Bayern saßen noch Pizarro und Mandzukic draußen. Ein Königreich für einen Stürmer . . .

Bewundernswert allerdings, wie sehr sich der HSV weiterhin wehrte, wie sehr auch die HSV-Fans mitgingen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Im (erweiterten) Bayern-Block im Süden hallte es: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei.“ Pfiffe der HSV-Fans und dazu der Hinweis vom Stadionsprecher: „Liebe Münchner Gäste, haben Sie bitte dafür Verständnis, dass Sie nach Spielschluss noch etwas länger in Ihrem Block bleiben müssen, wir bitten um Verständnis.“ Das bejubelten wiederum die Hamburger. Und dieser Jubel steigerte sich noch in der 72. Minute, denn da traf Hakan Calhanoglu, wer sonst, aus 20 Metern flach ins rechte Eck zum 1:3. Hoffnung? Nein. Der vor Sekunden eingewechselte Pizarro, der HSV-„Killer“ schlechthin, kreuzte allein vor Adler auf, schoss den HSV-Keeper an – Gefahr gebannt? Mitnichten. Der Ball stieg hoch in die Luft, Adler hätte hochsteigen müssen und fausten – aber er machte nichts. Pizarro machte etwas, nämlich einen wunderbaren Fallrückzieher – 1:4 (75.). So spielt man mit Studenten . . .

Es folgte ein Spiel auf ein Tor, auf das Hamburger. Mit teilweise sehenswerten Spielzügen und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei.

Ein Höhepunkt sollte aber noch folgen: Kerem Demirbay ging im Bayern-Strafraum zu Boden, es folgte ein Gerangel mit Boateng. Beide Streithähne standen Kopf an Kopf, Stirn an Stirn, zum Schluss gab es eine Ohrfeige des Ex-Hamburgers an den HSV-Spieler. Rote Karte für Boateng, Gelb für Demirbay (86.). Ein unrühmliches Ende.

Die Einzelkritik:

Rene Adler naja, das Gelbe vom Ei war es wieder einmal nicht. Irgendwie ist er von der Rolle, was sich besonders beim 1:4 von Pizarro zeigte – da muss er einfach nur mit hochgehen.

Dennis Diekmeier war der einzige, der im Tempo mit den Bayern mithalten konnte. Ansonsten aber fiel er nicht groß auf, wurde verletzt ausgewechselt

Michael Mancienne war am 0:1 nicht unschuldig, ansonsten aber noch der beste Hamburger – wenn man von einem „besten Mann“ überhaupt sprechen kann.

Heiko Westermann zeigte sich willig und engagiert – wie immer. Ging verletzt raus und erhielt viel Beifall – auch aus dem Norden.

Petr Jiracek ist nun einmal kein Linksverteidiger. Er wollte, aber er konnte nicht so recht.

Milan Badelj war schwach.

Tomas Rincon ist noch immer weit von einer Erstliga-Form entfernt.

Robert Tesche spielte mit, mehr nicht. Aber er spielte immerhin so mit, wie es andere zuvor in den Spielen nicht taten.

Rafael van der Vaart gab alles, hängte sich voll rein, grätschte, lief und lief, und fightete – bis er nicht mehr konnte. Aber er wollte seinen markigen Worten eben eine gute Einstellung folgen lassen, das ist gelungen – auch wenn es bei seiner Auswechslung vereinzelt Pfiffe gab.

Hakan Calhanoglu und sonst keiner. Er schießt, und er trifft, das kann keiner wie er. Leider, leider. Ihn werden wir wohl in der nächsten Saison nicht mehr im Volkspark aufdribbeln sehen, einen solchen Mann kann sich der HSV nicht mehr erlauben. Weil es auch fiel Geld für ihn geben wird.

Ivo Ilicevic istb kein Stürmer, kann auch nicht mehr schießen – er hat es einst gekonnt, aber in Hamburg alles verlernt. Grausam. Auch wenn er wollte und kämpfte und Leben zeigte. An Ende steht unter dem Strich eine glatte Null.

Ola John (ab 59. Min. für Diekmeier) sollte sich zeigen – mehr tat er auch nicht. Unterstrich einmal mehr, wie bitter und total überflüssig die beiden Winter-Transfers des HSV waren.

Kerem Demirbay (ab 67. Min. für van der Vaart) holte nur noch eine Rote Karte für Boateng heraus – mehr war da nicht.

Jonathan Tah (ab 76. Min. für Westermann) kam erstmalig seit Wochen wieder zum Zuge – für einige Minuten.

Um schnell noch auf den Vormittag zu kommen: In der Uni wurde der Delegierte der Supporters für den Aufsichtsrat gewählt. Es waren 172 Mitglieder gekommen, für den „Matz-abber“ Sven Kröger gab es 49 Stimmen, für Sven Winkelmann gab es 123 Stimmen. Und Ende. Obwohl Sven Kröger – frei nach Uli Hoeneß – sagte: „Der Weg ist hier noch nicht zu Ende.“

So, dann möchte ich noch auf unsere Sendung „Matz ab live“ hinweisen, die gleich beginnen wird. Unsere heutigen Gäste sind zwei Journalisten, die sich schon oft an Diskussionen beim Doppelpass und auf Sky beteiligt haben, es sind, von der Frankfurter Rundschau, Jan-Christian Müller, und dazu der freie Journalist Oliver Wurm. Wäre toll, wenn Ihr zusehen könntet, „Scholle“ und ich würden uns freuen.

17.35 Uhr

Eine Chance gegen Bayern? So niemals.

30. April 2014

Gesund ist er. „Mir geht es sehr gut“, sagte mir Rafael van der Vaart nach dem heutigen Training. Dass er sich während der Vormittagseinheit immer wieder an den Oberschenkel fasste – kein Thema. „Nein, es ist tatsächlich alles gut. Das war nur Kontrolle“, lachte der Hoffnungsträger von HSV-Trainer Mirko Slomka nach einer erstaunlich ruhigen Trainingseinheit. Kein Gemecker, keine lauten Ansagen von Slomka. Und keine harten Zweikämpfe im langen Abschlussspiel – leider. Einzig ein unglücklicher Pressschlag von Ivo Ilicevic, der bei Tomas Rincon „drüberhielt“ ließ erhöhte Verbissenheit vermuten – und war es letztlich dennoch nicht.

Für Abendblatt-Blogs


Nein, es war heute seltsam ruhig. Angestrengt ruhig. Trotz eines van der Vaarts, der bemüht war, alle Zweifel an seiner Person wegzuwischen. Wobei, dieser Abstecher sei mir erlaubt, ich muss eines klarstellen: Der Abendblatt-Artikel meines Kollegen Kai Schiller trägt auch meinen Namen, weil einige Fakten darin von mir beigesteuert wurden. Allerdings ist es wie so oft bei zwei verschiedenen Menschen auch bei mir und meinem geschätzten Kollegen so, dass wir uns nicht in allem gänzlich einig sind. Ich persönlich halte van der Vaart nicht für das teuerste Missverständnis der HSV-Geschichte. Auch wenn sich andere Leute darin einig sind.

Nein, EINEN Sündenbock hat diese HSV-Misere ganz sicher nicht. Und wenn es Hauptschuldige gibt, dann sind es erst ganz unten in der Kette diese Spieler.

Allerdings bin auch ich massiv von van der Vaarts Wirken in dieser Saison enttäuscht. Überrascht bin ich weniger, denn schon in der vergangenen Saison hatte der Niederländer mehr durch seinen Auftritt an sich denn durch sein fußballerisches Wirken helfen können. Auch, weil ihm von Trainer- und Sportchefseite zu viele Freiheiten eingeräumt wurden. Er kennen seinen Körper ja „selbst am besten“ war eine standardisierte Antwort der verantwortlichen, die wider besseres Wissen handelten. Denn van der Vaart konnte seine Freiheiten nicht annähernd so gut einschätzen, wie erhofft. Und die Folgen sieht man jetzt.

Dass sein End ein Hamburg beschlossen ist, dem widersprach van der Vaart heute. Auch sein Sohn sei noch lange nicht in der Schule abgemeldet. „Er wird weiter dort zur Schule gehen“, so van der Vaart, „und ich habe nichts anderes geplant, als hier in Hamburg zu spielen“

Allerding geht’s nicht immer so, wie man gern will. Das weiß van der Vaart nur zu gut. „Es ist natürlich schwer für uns. Jetzt wird’s eng. Aber die Chancen sind noch immer gut. Nur müssen uns jetzt voll auf den 16. Platz fokussieren.“ Was mit ihm passiert, wenn der HSV absteigt – es ist ein offenes Geheimnis. Obgleich van der Vaart versucht, eine Antwort zu umgehen: „Ich habe überhaupt noch nicht über die Zweite Liga nachgedacht. Aber ich weiß, keiner will da spielen. Schon deshalb müssen wir einfach drin bleiben.“

Mit einem Sieg gegen die Bayern. Die seien verunsichert ließ ausgerechnet der einzig Unfehlbare im deutschen Fußball, Franz Beckenbauer, nach dem 0:4 gegen Real Madrid wissen. „Wenn der HSV diese Chance nicht nutzt, gegen eine so angeschlagene Mannschaft wie den FC Bayern zu gewinnen, dann gehören sie in die zweite Liga”, sagte Beckenbauer nach dem Debakel gegen Real. Einer, der offenbar zugehört hat, ist Olver Kreuzer. Heute morgen war der Sportchef bei meinem Blog-Kollegen und NDR-Reporter Lars Pegelow zu Gast. Und er wirkte deutlich kampfeslustiger als noch zu Wochenbeginn: „Der Stachel sitzt tief beim FC Bayern nach der Pleite gegen Real. Die werden sicher keine große Lust haben, am Freitag in den Flieger nach Hamburg zu steigen. Wir können und wollen die Bayern ärgern“, sagte der frühere Bayern-Verteidiger im Radio-Interview mit NDR 90,3.

Und wisst Ihr was? Das MUSS der HSV. „Wir können nur hoffen, dass wir einen super Tag haben und die Bayern gerade nicht“, phrast van der Vaart – und ich nehme es ihm nicht einmal übel, weil auch mir nichts mehr einfällt. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo der Vorteil ist“, so van der Vaart eher skeptisch. „Die dürfen auch nicht zweimal in Folge verlieren. Daher: Wir können zwar hoffen, dass die angeschlagen sind, aber geschenkt bekommen wir nichts.“

Stimmt.

Und gerade deshalb wundere ich mich über derart lustloses Training wie heute. Denn am Nachmittag wurden eher unmotiviert Passübungen absolviert, während van der Vaart und Calhanoglu Freistöße übten. Bitter. Nein: Schlimm. Und damit schließe ich diesen Blog für heute. Fassungslos.

Scholle

Bruma spielt keine Rolle mehr – auch nicht gegen Schalke ****HSV gewinnt 9:0 in Winsen****

23. April 2013

Bei der Planung der Testspiele hatte der Verantwortliche ganz offenbar nicht mit dem Halbfinale Bayern gegen Barca für den heutigen Tag gerechnet. Und Thorsten Fink, als ehemaliger Bayern-Profi, dürfte sich heute besonders ärgern, da der Test in Winsen zwar um 18 Uhr beginnt, die Bustour zurück jedoch höchstwahrscheinlich dazu führen wird, dass er die ersten Minute dieses hochklassigen Halbfinales verpasst. Genau wie die (Journalisten und) Anhänger des HSV, die aus Hamburg oder von noch weiter weg anreisen, um ein Spiel zu sehen, in dem nur die zweite Reihe aufgeboten wird. „Wir wollen die spielen lassen, die zuletzt nicht zum Zuge gekommen sind.“ Wobei durchaus auch wichtige Erkenntnisse zu ziehen sein dürften. Immerhin geht es für Fink noch immer um die Umbesetzung der Rechtsverteidigerposition.

In der Auswahl nicht dabei: Jeffrey Bruma. Der hat zwar vor der Saison 2011/2012 seinen Geländewagen, einen knapp 400 PS starken schwarzen Range Rover, aus England mitgebracht. Allerdings hat es Jeffrey Bruma seither beim HSV nicht auf die Überholspur geschafft. Und das, obwohl der 21-jährige Innenverteidiger noch immer als eines der größten Abwehrtalente im holländischen Fußball gilt. Ein Umstand, dem sich Jeffrey Bruma bewusst ist. Zu bewusst, wie seine Kritiker sagen. „Es muss mentale Gründe haben, weshalb sich Jeff beim HSV nie durchgesetzt hat“, sagt beispielsweise Brumas Landsmann und Ex-HSV-Trainer Huub Stevens und geht noch weiter: „Es gibt beim HSV keinen Innenverteidiger, der von den Voraussetzungen her so gut ist wie Jeff. Aber wer weiß, vielleicht hat Jeffrey es nicht verstanden, sich zu zeigen, sich zu beweisen. Dazu gehört auch der Kopf. Ich bin mir sicher, dass HSV-Trainer Thorsten Fink ein Guter ist und den Bruma, den ich mir vorstelle, nur zu gern in die Startelf gestellt hätte.“

Worte, über die sich Bruma sehr freut („Aus dem Munde eines so guten Trainers ist das ein Riesenkompliment“), die aber bei Trainer Thorsten Fink keine Wirkung mehr haben dürften. Der setzt Bruma nicht ein, tat dies auch ansonsten nicht. Oder besser: nur selten. Nach 22 Startelfeinsätzen in der ersten Saison reichte es in der aktuellen zu gerade mal zehn Spielen von Beginn an. Und auch am Sonntag auf Schalke (17.30 Uhr, Veltins-Arena) kommt kein weiteres hinzu. Fink legte sich bereits fest, am Sonntag wahrscheinlich Jacopo Sala oder vielleicht Zhi Gin Lam als Ersatz für den gelbgesperrten Dennis Diekmeier vorzuziehen. Bruma indes spielt keine Rolle in den Planungen. „Jacopo und Zhi Gin haben gut trainiert und ich muss jetzt sehen, dass ich die spielen lasse, die auch nächste Saison noch bei uns unter Vertrag stehen.“ Und das trifft auf Bruma nicht zu.
Dem wurde vor 14 Tagen (das hatten wir im Blog relativ unbeachtet exklusiv) von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass die Kaufoption in dem am Saisonende auslaufenden Leihvertrag mit dem FC Chelsea nicht gezogen wird. Und während Frank Arnesen keinen Hehl daraus macht, dass er sich deutlich mehr von Bruma erhofft hatte, nannte er seiner Entdeckung andere Gründe: „Ich bin wohl zu teuer, der HSV will aber sparen“, sagt Bruma, der die Ehrlichkeit und den frühen Zeitpunkt der Entscheidung jedoch lobt. „Der HSV wäre eine tolle Option für mich, ich wäre sehr gern geblieben. Die Entscheidung ist hart. Aber so kann ich mich in Ruhe auf die letzten Spiele hier konzentrieren und mein Berater hat genug Zeit, mit mir für die neue Saison die beste Lösung zu finden.“
Angebote dafür gibt es bereits genug. Insbesondere aus der Heimat, wo sich fast alle großen Clubs wie Feyenoord Rotterdam, der PSV Eindhoven oder auch Ajax Amsterdam bereits beim niederländischen Staragenten Rodger Linse nach Bruma erkundigt haben. „Die Heimat ist sicher eine Option. Ich werde aber im Sommer erst mal nach London fliegen und mit Chelsea sprechen“, sagt Bruma. Voraussichtlich wird der 2014 auslaufende Vertrag um mindestens ein weiteres Jahr verliehen, um Bruma dann erneut auf Leihbasis abgeben zu dürfen.
Wirklich viel übrig hat Bruma für ein weiteres Leihgeschäft zwar nicht, aber er weiß, dass er seine anfänglich so vielversprechende Karriere langsam auf die nächste Stufe heben muss, wenn er den Anschluss nicht verpassen will. Und dafür muss er Abstriche machen. In der Bringschuld sieht er sich jedoch nur bedingt: „Ich kann mich nur in Spielen zeigen. Und genau das ist mein primäres Ziel für die kommende Saison. Wenn das der Fall ist, kann ich auch meine Leistung zeigen.“ Nicht so wie in Hamburg. Bruma: „Ich hatte mir natürlich deutlich mehr Spiele erhofft, weil ich mir sicher bin, dass ich über mehrere Spiele in Folge auch zu meiner Leistung gefunden hätte.“
Dabei wird schnell deutlich, weshalb das Engagement Brumas in Hamburg nicht weitergeführt wird. Zu unterschiedlich sind Spieler und Verantwortliche in der Beurteilung seiner Leistung. Denn während Arnesen bei Bruma stagnierende Leistungen im Training erkannt haben will und Fink immer wieder forderte, es müsse in den Trainingseinheiten „deutlich mehr von Jeff“ kommen, sieht sich dieser eher gut. „Ich trainiere sehr gern und immer mit 100 Prozent Einsatz. Ich glaube nicht, dass es an meinen Trainingsleistungen liegt.“
Konsequenz: Bruma, den der HSV im Winter noch verpflichten wollte, spielt beim HSV keine Rolle mehr. Zunächst wollte sich Fink am Dienstag gar nicht erst über Personalien äußern, die nichts mit dem Spiel auf Schalke am Sonntag zu tun haben. Dann aber sagte er: „Jeff könnte eine Rolle spielen – wenn sich in der Innenverteidigung zwei Leute verletzten.“ Soll heißen: Heiko Westermann und Michael Mancienne bleiben gesetzt, erster Ersatz ist Slobodan Rajkovic. Erst dann käme Bruma. Für den Mann, der als A-Nationalspieler kam und als U21-Nationalspieler geht, ein bitterer Abschied.
Zumal Bruma nicht mal mehr für die U23 auflaufen darf, nachdem er in mindestens 50 Prozent der Bundesligaspiele auf dem Platz stand (zehn Mal Startelf, sieben Mal eingewechselt) Wie er mit seinem Saisonende umgeht? „Gar nicht“, sagt Bruma und gibt sich kämpferisch: „Ich habe hier noch lange nicht Schluss. Ich gebe im Training weiter Vollgas und zeige allen, was ich kann.“
Worte, die den Versuch, trotz des Reservisten-Daseins vom niederländischen Nationaltrainer für die U21-EM in Israel im Sommer nominiert zu werden, als Ursache haben. Es ist aber vielleicht auch der Versuch, auf der Zielgerade noch einmal allen zu zeigen, dass er einen Kauf doch wert gewesen wäre. „Ich gehe hier nicht im Streit. Ich bin hier reifer geworden, physisch stärker.“ Und selbstbewusst wie am ersten Tag. „Es war schwierig, da ich Trainerentscheidungen akzeptiere. Aber ich hätte sicher mehr gezeigt, wenn man mir mehr vertraut hätte.“ Und obwohl sein Range Rover vielleicht das Letzte ist, was an bessere Zeiten erinnert, bleibt Bruma optimistisch: „Ich weiß trotzdem, dass ich ein guter Spieler bin. Noch immer. Und das werde ich zeigen.“ Worte, die mich zwar leise für ihn hoffen lassen, die mich aber zumindest daran zweifeln lassen, ob Bruma seine Lage inzwischen erkannt hat.

Denn Bruma droht zum zweiten Elia zu werden. Der kam auch in Hamburg als eines der größten Talente an, spielte in der Imtech-Arena beim T-Home-Cup erst mal Nationalspieler Philip Lahm Knote in die Beine und überragte bis zu seiner üblen Verletzung aus dem Spiel in Mainz. Aber heute ist der Niederländer abgetaucht. Aus seinen ausgiebigen Tattoo-Studio-Besuchen sind inzwischen Familienabende geworden, wie mir meine Bremer Kollegen berichten. Allerdings soll Elia zwar vernünftiger, aber keinesfalls engagierter dabei sein. Im Gegenteil, der pfeilschnelle Dribbelkünstler scheint sich mit Werder nicht so recht arrangieren zu können und fällt mehr durch seine Lethargie denn durch Trainingseifer auf. Was mir auffällt ist, dass beide Spieler mit 17 Jahren schon zu kommenden Superstars stilisiert wurden. Beide hatten – nachdem sie früh aus ihrer Familie geholt und Fußball-vereinen unterstellt worden waren – ein Umfeld, das ihnen nur eintrichterte, wie gut sie sind. Beide hatten Berater, die das große Geld witterten – und auf dem Weg dahin war ihnen kein Kompliment zu hoch gegriffen.

Was folgte ist ein Absturz, der programmiert ist und immer wieder vor-kommt. Beide Talente denken, dass ihr Talent allein schon den Anspruch rechtfertigt, bei großen Teams Stammspieler zu sein. Beide verloren zuerst die zweifellos notwendige Relation – und dann ihre Stammplätze in den Clubs sowie bei der Nationalmannschaft.

Und um eines klarzustellen: Für beide ist es noch lange nicht zu spät. Allerdings müssen beide langsam erkennen, dass der Zug ohne sie abzufahren droht. Und sollten sie dann später irgendwann erkennen, welche Chance sie hatten und was sie alles fahrlässig haben liegen lassen – ich will nicht mit ihnen tauschen. Egal wie viele Millionen bis dahin auf ihren Konten liegen, diese Erkenntnis wäre für mich das Schlimmste…

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass sowohl Jeffrey als auch Eljero die Kurve kriegen. Schließlich sind beide vielleicht ein wenig desorientiert – aber dafür gibt es Entschuldigungsgründe.

Bis nachher! Dann berichte ich Euch in aller Kürze – auch ich will Bayern gegen Barca sehen – vom Test in Winsen.

Scholle

P.S.: Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Wir sind jetzt auch auf Facebook aktiv. Unter: https://www.facebook.com/groups/matzab
könnt Ihr ab sofort aktuelle Fotos, Videos und kürzere, den Blog ergänzen-de Texte finden. Heute beispielsweise ist ein Kurzinterview mit dem Trainer zu sehen.

P.P.S.: Der HSV hat den Test in Winsen vor 1000 Zuschauern mit 9:0 gewonnen. Die Tore erzielten Rudnevs 0:1, 0:2, 0:9 (4., 10., 82.), 0:3 Bruma (13.), 0:4, 0:7 Arslan (15., 54.), 0:5 Rajkovic (39.), 0:6 Ilicevic (53., FE), 0:8 Maggio (75.). Arslan war der beste Mann auf dem Platz, wirkte nach überstandener Grippe topfit. Und so haben sie gespielt:
Drobny (46. Neuhaus) – Sala, Bruma, Rajkovic, Lam (64. Langer) – Rincon (68. Norgaard), Kacar (64. Tah)- Nafiu (46. Ingreso), Arslan (64. Maggio), Ilicevic (64. Brown) – Rudnevs.

Huub Stevens glaubt an den HSV in der Europa League – und an Jeffrey Bruma

22. April 2013

Er sitzt gerade im Garten seines Anwesens in Eindhoven, als ich ihn erreiche. Im Hintergrund zwitschern die Vögel, er selbst sagt, er habe gerade den Garten wieder auf Vordermann gebracht und um ihn herum spielen seine Enkelkinder. Es ist einer der Momente, in denen der ehemalige HSV-Trainer Huub Stevens voll aufgeht. Es zeige ihm, dass es ein Leben ohne Fußball gibt. Ihm, der das eigentlich ausgeschlossen hatte. „Ganz ohne würde ich gar nicht wollen“, hatte Stevens vor seinem Abschied aus Hamburg gesagt. Allerdings, und das macht Stevens im Interview klar, diese Woche zählt König Fußball noch mal mehr als sonst. Zunächst mit den Champions-League-Halbfinals Bayern gegen Barca und anschließend Dortmund gegen Real Madrid. Aber vor allem wegen des Duells seiner zwei Ex-Klubs am Sonntag. Denn da gastiert der HSV beim FC Schalke Das Interview:
Hamburger Abendblatt: Herr Stevens, geht es Ihnen ohne Fußball gut?
Huub Stevens: Blendend. Perfekt sogar. Ich spiele mit meinen Enkelkindern und kümmere mich um meinen Garten. Mehr geht nicht.
Außer einen Trainerjob.
Stevens: Nein, das kann – muss aber
nicht. Ich bin in der luxuriösen Situation, es mir aussuchen zu können. Ich nehme nicht mehr alles an, wie ganz am Anfang meiner Trainerzeit. Es muss alles passen. Das ist im Moment nicht so, deshalb sitze ich mit meinen Enkeln im Garten und bin glücklich. Vielleicht bleibt das ja auch so.
Am Sonntag werden Sie aber sicherlich Fußball sehen.
Stevens: Klar. Schalke gegen HSV – das hat noch Priorität.
Wer gewinnt?
Stevens: Es wird ein enges Spiel. Schalke ist zu Hause gut, der HSV auswärts. Und beide haben große Ziele.
Realistische?
Stevens: Na klar. Schalke steht gut da. Ich habe doch selbst noch an der Mannschaft mitgewirkt und weiß, was sie kann. Diese Mannschaft muss sich für die Champions League qualifizieren.
Muss?
Stevens: Ja, sportlich. Aber auch finanziell. Der Klub hat vor einigen Jahren sehr viel im Voraus finanziert und in den letzten Jahren keine großen Sprünge machen können. Die Schuldenlast ist groß. Und das ist heute nicht anders.
Beim HSV leider auch nicht.
Stevens: Stimmt. Aber in Hamburg konnte man zu Saisonbeginn noch mal ordentlich investieren. Und das völlig zu Recht. Ein Rafael van der Vaart war sehr teuer – aber das Risiko wert. Diese HSV-Mannschaft brauchte den Führungsspieler und hat ihn jetzt.
Auch, weil van der Vaart anstelle Heiko Westermanns zum Kapitän befördert wurde?
Stevens: Auch. Heiko war ein guter Kapitän, aber eben in allen Belangen ein ganz anderer Typ. Rafael ist schon sportlich ein Leitwolf, der junge Leute wie Heung Min Son führt. Son wird auch besonders durch Rafael besser. Durch einen van der Vaart in der Verantwortung trittst du innerhalb der Mannschaft einfach etwas los, weil alle auf ihn hören.
Wo landet der HSV am Ende?
Stevens: In der Europa League. Die Mannschaft scheint intakt. Es herrscht wieder positive Stimmung. Das passt.
Wieder?
Stevens: Ja, wie damals. Als ich ging dachte ich, der HSV würde sich so weiterentwickeln, auf internationalem Niveau. Dem war nicht so. Dieses Jahr hat man das mit viel Geld versucht zu korrigieren – und es scheint aufzugehen. Jetzt hoffen alle in Hamburg. Das ist wieder positiv. Zwischendurch in dieser Saison schienen aber sehr viele vergessen zu haben, woher der HSV gerade kommt. Die waren enttäuscht, wenn der HSV nicht unter den ersten Sechs war. Das ist jetzt nicht mehr so. Die Verantwortlichen arbeiten gut, sie bewahren die Ruhe. Und aus der Ferne geurteilt, scheint Thorsten Fink die Mannschaft gut zu erreichen. Das kann auf Sicht gut funktionieren.
Wenn personell nachgerüstet wird. Innenverteidiger Felipe Santana von Borussia Dortmund ist bei beiden Klubs Thema. Wer braucht ihn mehr?
Stevens (lacht): Felipe habe ich schon zu meiner Zeit bei Schalke da ins Gespräch gebracht, der Junge ist gut. Beide können ihn gut gebrauchen. Schalke als Ersatz für Metzelder. Wobei ich beim HSV mit Mancienne und vor allem Bruma zwei Verteidiger neben Westermann sehe, die das Potenzial haben. Sie müssen aber langsam wach werden und jetzt zeigen, dass sie es wirklich können.
Bruma wurde mitgeteilt, dass er im Sommer nicht verpflichtet wird.
Stevens: Ja, weil er sich nach zwei Jahren nicht durchgesetzt hat, was sehr erstaunlich ist. Das hätte er schaffen müssen. Das kann nur mentale Gründe haben. Jeffrey hat wirklich alles. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Hamburg einen Innenverteidiger gibt, der besser ist. Aber er muss das dem Trainer auch zeigen. Das hat er wohl nicht. Und das ist sehr schade. Für alle.
Dortmund und Bayern marschieren in der Bundesliga vorneweg. Sind die beiden aufzuhalten?
Stevens: Nein, in den nächsten Jahren nicht. Auch nicht von Schalke. Die können in den nächsten Jahren da oben nicht mitmischen und sollten versuchen, sich zwischen Rang drei und sechs einzuleben. Beim HSV ist das immer so eine Sache. Bleibt’s ruhig und die Leute dürfen konstant arbeiten, ist vieles drin. Allerdings erst mal ab Rang drei.
Wer gewinnt denn die Champions League? Bayern? Dortmund?
Stevens: Der Gewinner der Partie Bayern gegen Barcelona. Das ist das vorweggenommene Endspiel, wobei ich jetzt eine große Chance für ein deutsch-deutsches Finale sehe, Dortmund gegen Real Madrid sehr gute Chancen hat. Es wird ein spannendes Duell Deutschland gegen Spanien. Besonders für die Leute, die sich für Spielsysteme interessieren. In den Duellen wird alles zu sehen sein.

Klingt wirklich so, als würde sich Huub Stevens noch immer sehr mit seinem HSV beschäftigen. Und gerade was Bruma betrifft, war Stevens tatsächlich extrem enttäuscht von seinem Landsmann. Er sei eines der größten Talente in den Niederlanden, so Stevens weiter, das sei landesweit in den Niederlanden bekannt. Am größten war seine Enttäuschung, glaube ich, auch, weil die Niederlande nicht zwingend mit großartigen Innenverteidigern in der Nationalelf ausgestattet sind.

Wobei ich Stevens auch sagte, dass es gut sein kann, dass Bruma am Sonntag in Gelsenkirchen spielen muss. Immerhin fällt Dennis Diekmeier gelbgesperrt aus. Und ich kann mir nach den zuletzt gezeigten Schwächen bei Standards nur schwer vorstellen, dass Fink sich für den kleinen Zhi Gin Lam und gegen den kopfballstarken Bruma entscheidet.

Aber egal wie, eine Zukunft – das stand hier im Blog exklusiv vor Wochen – hat Bruma in Hamburg offenbar nicht mehr. Ihm wurde bereits von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass der HSV keine Mühen unternimmt, ihn beim FC Chelsea herauszukaufen. „Der HSV hat kein Geld dafür“, hatte mir Bruma gesagt. „Der Sportchef hat es mir gesagt, mein Berater weiß auch Bescheid – jetzt schauen wir, wie es weitergeht. Ich wäre gern geblieben, aber ich muss jetzt zusehen, dass ich die Saison ordentlich bis zum Ende spiele und mich dann anders orientiere.“

In diesem Sinne, ich orientiere mich gen Feierabend. Bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Arena trainiert, ehe es am Abend um 18 Uhr zum Landesligisten TSV Winsen geht.

Scholle

P.S.: Solltet Ihr noch ein paar Foto- und Videobeweise vom Matz-ab-Treffen am vergangenen Freitag wünschen, kopiert einfach den unten stehenden Link. Der leitet Euch weiter auf unsere noch relativ frische Facebook-Seite. Da sind ein Video (Scheel sieht den HSV in der Europa League) und einige Fotos drauf. Schade, dass sich mein Akku so früh verabschiedet hatte, ich hätte noch viel mehr Bilder und Videos machen können/wollen. Aber okay, nächstes Mal! Hier erst mal der Link: https://www.facebook.com/groups/matzab

0:3 – Bayern zwei Nummern zu groß

3. November 2012

Wunder gibt es immer wieder – aber dann doch nicht so oft, wie man es sich als HSV-Fan erhofft. Gegen Rekordmeister Bayern München ging der HSV nach guten Anfangsminute mit 0:3 unter und konnte mit diesem Resultat noch ganz zufrieden sein. Die Münchner waren für den HSV vor 57 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena mindestens zwei Nummern zu groß, was wahrlich keine Schande ist. Der HSV wird seine Punkte woanders holen müssen, nicht gegen diesen bärenstarken FC Bayern – und der HSV wird auch seine Punkte wieder holen. Vielleicht schon am nächsten Sonnabend in Freiburg? Diesmal hat es einfach nicht gepasst, diesmal waren die Bayern die deutlich bessere und reifere Mannschaft. Die Münchner gewannen 57 Prozent aller Zweikämpfe, hatten zum Beispiel eine Passgenauigkeit von 87 Prozent! Hervorragend. Und beim HSV hatten dann doch wohl zu viele junge Spieler zu großen Respekt vor diesem Klasse-Team. Was blieb dem HSV-Fan nach Spielschluss? Trotz allem zu feiern! Und Stadionsprecher Dirk Dröge brachte es vor dem Nach-hause-Weg auf den Punkt: „Hamburg hatte an diesem Abend die besseren Fans.“ Wenigstens ein Treffer!

Es regnete, es goss, es war kalt und ungemütlich – aber die Stimmung in der Arena war trotz allem prächtig. Was heißt prächtig, sie war Weltklasse. Und ich habe zu mir immer wieder gesagt: „Bitte, bitte, lieber Fußball-Gott, lass das 1:0 für Bayern nicht zu früh fallen, damit diese Stimmung noch ein wenig anhält.“ In diesem Punkt war der liebe Fußball-Gott dann ja auch auf meiner Seite . . .

Ganz Hamburg schien aufgeregt, voller Vorfreude, unwahrscheinlich optimistisch und auch unglaublich nervös. Schon Stunden vor dem Anpfiff sagten mir viele Fans: „Man, jetzt müsste es aber auch bald mal losgehen . . .“ Und trotz allem musste bis 18.30 Uhr gewartet werden – begleitet mit einigen überraschenden Resultaten in der Ersten Bundesliga. Was ist da nur los? Außer Bayern scheint jede Mannschaft anfällig zu sein. Schalke in Hoffenheim – ohne Worte.

Aber das nur am Rande. Der HSV begann voller Selbstbewusstsein, legte in den ersten Minuten los wie die Feuerwehr. In den ersten Minuten, wohlgemerkt. Trainer Thorsten Fink hatte viel gewagt und viel riskiert. Rafael van der Vaart begann zentral in vorderster Reihe, links sollten ihm Maximilian Beister assistieren, rechts Heung Min Son. Hinter van der Vaart standen Milan Badelj und Tolgay Arslan, dahinter als dauerrennende „Sechs“ Tomas Rincon. Das schien zunächst aufzugehen, die beiden ersten Offensivaktionen des Spieles gehörten dem HSV. Aber mit zunehmender Spielzeit kamen die Bayern, sie fanden stetig immer besser ins und zu ihrem Spiel – und beim HSV funktionierte die neue Formation immer weniger . . .

An van der Vaart lief das Spiel vorbei, von den Außen kamen keine Offensivaktionen, weil dort das Zauberwort „doppeln“ hieß. Gegen Ribery und Müller mussten in der Defensive immer zwei Mann zur Stelle sein, das erfordert jede Menge Laufarbeit, Aufmerksamkeit – und Kraft. Und deswegen lief alsbald nicht mehr so viel nach vorne beim HSV. Alles das, was von Fink mit einem Hauch Offensive angedacht worden war, blieb weit hinter den Erwartungen des Trainers – und aller Fans.

Und – ganz nebenbei – dann zeigten die Bayern natürlich auch immer mehr, warum sie und keine andere Mannschaft in dieser Saison den Meistertitel holen wird. Dieses FCB-Team ist einfach nur saustark. Daran kann kein Dortmund und kein Schalke mehr klingeln. Und der HSV muss seine Punkte gegen andere Klubs holen. Dass diese Bayern aber nicht nur hervorragenden Fußball spielen können, sondern auch noch die eine oder andere nicht so astreine Sache auf Lager haben, das zeigte sich in zwei Szene vor dem Halbzeitpfiff. Erst trat Mandzukic gegen den flankenden Dennis Diekmeier ganz böse zu, der HSV-Spieler musste behandelt werden. Bevor er das konnte, spielte Torwart Neuer den Abstoß blitzschnell aus dem Strafraum (ohne auf den am Boden liegenden Diekmeier zu achten) – und Übeltäter Mandzukic schlich sich ohne Entschuldigung still und heimlich nach vorne. Die zweite Szene dieser Art: Ribery stürmte auf den HSV-Strafraum zu, spielte den Ball mit der Hand gegen die Hand von Rincon – und forderte wild gestikulierend Freistoß oder gar Elfmeter. Geht es noch?

Spätestens nach einer halben Stunde wusste jeder im Stadion, wohin der Hase laufen wird. Bayern waren am Drücker, erspielten sich viele Chancen. Und schossen folgerichtig auch das Führungstor. Nach einem Eckstoß des HSV wurde ganz Hamburg ausgekontert. Bitter. So etwas sollte eigentlich nicht passieren, passiert aber leider immer wieder. Ribery mit einem Befreiungsschlag, Michael Mancienne und „Maxi“ Beister sind sich nicht einig, wer zum Kopfball gehen soll – Bayerns Müller macht es und bedient so Kross, der auf und davon zieht. Der Nationalspieler umkurvt Rene Adler, kann danach aber nur noch flanken – und tut dieses erstklassig. Schweinsteiger, der bei dieser Kälte (?) mit einer schwarzen Strumpfhose spielte, hechtet in diesen Ball – 0:1 (40.).

Mit Beginn des zweiten Durchgangs hatte Thorsten Fink seine erste (und sicherlich auch gut gemeinte) Aufstellung korrigiert. Zurück zur Stamm-Elf: Artjoms Rudnevs kam wieder rein, und alle anderen Spieler gingen zurück auf ihre Positionen, die sie in den vergangenen Wochen bekleidet hatten; Rincon blieb in der Kabine. Und es begann verheißungsvoll, denn nach Sekunden schoss Beister aus halblinker Position auf das Bayern-Tor – aber Neuer hielt ohne Mühe.

Das nächste Tor fiel auf der Gegenseite. Zunächst hielt Rene Adler noch riesig gegen Mandzukic (das musste schon das 0:2 sein), doch dann folgte ein ganz „freches“ Ding. Ribery bediente Müller, der Jansen kurzerhand stehen ließ und frei vor Adler aufkreuzte. Der HSV-Keeper verkürzte den Winkel, Müller schien links auf der Torauslinie ohne Chance, ein Tor zu machen – aber Müller schoss. Rotzfrech. Und drin das Ding! Damit hatte Adler ganz offensichtlich nicht gerechnet – ich muss gestehen, auch ich habe nie damit kalkuliert, dass Müller von dort noch schießen würde. Aber Frechheit siegt (49.). Mit diesem Tor war das Spiel gelaufen.

Adler verhinderte später gegen Ribery noch das 0:3 (51.), aber dieser Treffer ließ trotz allem nicht lange auf sich warten. Ribery, Ribery, Ribery. Wieder war es Ribery, der Kroos in den HSV-Strafraum schickte. Offenbar rechneten alle Hamburger damit, dass der Nationalspieler den Ball zur Mitte passen würde, aber das ist ja nichts für Kroos. Der „Dr. Hammer“ der Bundesliga aktivierte kurz seinen linken Schlappen und drosch die Kugel brutal und absolut humorlos in die kurze Ecke – 0:3 (53.). Das Ende aller Hamburger Träume.

Danach plätscherte das Spiel dann in aller Ruhe in Richtung Champions League. Für die Bayern. Und der HSV? Die Stimmung blieb prächtig: „Steht auf für den HSV.“ Und: „Hey, hey, hier kommt Hamburg.“ Ganz bestimmt. Auch noch in dieser Saison. Aber diese Bayern waren dann doch noch einmal zwei Nummern zu groß. Schade, aber Realität. Und die ist eben oftmals auch ganz grausam.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt das, was er halten konnte, und das war eine ganze Menge. Aber alles kann er, der Supermann, natürlich dann doch nicht abwehren. Und wenn ihm nun einige schon wieder die Schuld am 0:2 geben (oder eine Beteiligung sehen), dann muss ich sagen, dass ich ihn daran schuldlos sehe. Das war Pech. Und Müllers Können.

Dennis Diekmeier gab alles, versuchte alles, aber gegen einen Ribery haben schon sooooo viele ganz alt ausgesehen. Das ist keine Schande. Trotzdem noch Note vier.

Michael Mancienne begann sehr gut, stoppte zu Beginn einige Bayern-Angriffe, um dann mit ins Trudeln zu geraten. Trotz allem nicht so schlecht, wie man es bei einem 0:3 vermuten könnte.

Heiko Westermann war der beste Hamburger. Note zwei. Was er lief, ackerte, kämpfte, köpfte – großartig und vorbildlich.

Marcell Jansen hielt seine linke Seite eigentlich ganz gut sauber, aber nach vorne konnte er kaum etwas ausrichten. Später, als Dennis Aogo kam, rückte Jansen eine Position vor – ob das dem ehemaligen Bayern-Spieler schmecken wird? Er hat doch dort eine Chance auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft gehofft . . . Mal sehen, wie es da weitergehen wird.

Tomas Rincon lief von Bayer zu Bayer zu Bayer. Unglaublich. Aber so richtig in den Griff bekam er weder einen Gegenspieler noch sein Spiel. Schade. Aber er wird es wohl demnächst noch einmal versuchen dürfen. Hoffentlich.

Tolgay Arslan ging unter, und zwar von Anfang an. Da war wohl doch eine Schippe zuviel Respekt mit im Spiel.

Milan Badelj begann schwach und konnte nie zu seinem Spiel finden er blieb schwach und endete schwach. Note fünf.

Heung Min Son blieb blass. Auch wohl deshalb, weil er kaum Unterstützung hatte.

Maximilian Beister fand nie in dieses Spiel und blieb ohne jede Szene. Note fünf.

Rafael van der Vaart versuchte viel, aber irgendwann sah er wohl ein, dass er allein gegen ein solches Starensemble keine Chance hat. Auf „seiner“ Position in Durchgang zwei trat er auch kaum noch in Erscheinung.

Artjoms Rudnevs kam in er 46. Minute für Rincon und blieb chancenlos und blass.
Dennis Aogo kam in der 58. Minute für Beister und ließ nichts mehr anbrennen – gegen Bayern, die auch nicht mehr so recht wollten, keine Frage.

Mund abputzen, aufstehen und weiter – HSV!

20.34 Uhr

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