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Van der Vaart: “Ich habe das Gefühl, ich treffe in Hannover wieder…”

20. Februar 2013

Kennt Ihr das? Ihr wollt etwas fragen – traut Euch aber die Frage nicht, weil es Euch dem Gast gegenüber unangenehm ist. Noch schlimmer: Schon der Fakt, diese Frage überhaupt stellen zu wollen, ist Euch selbst unangenehm. So ähnlich ging es mir heute bei Rafael van der Vaart. Der Niederländer saß uns Fragenden gegenüber und sprach über die Wichtigkeit des Hannover-Spiels und seines Tores für ihn. Und ich wollte wissen, wie sehr ihn der Hype um seine Kurzzeittrennung von seiner Frau genervt und gestört hat. Allerdings bedürfte das einer Frage über sein Privatleben – und sowas ist so gar nicht mein Ding. Es interessiert mich auch tatsächlich nicht im Zusammenhang mit Fußball.

Aber egal wie, ich habe gefragt. Allerdings anders. So zurückhaltend, dass ich mir die Frage mir selbst gegenüber rechtfertigen konnte. Eben gut verpackt, wie ich finde. Zumindest konnte Rafael den privaten Anteil problemlos selbst dosieren. Ob er sich darüber freut, endlich nur sportliche Nachrichten zu produzieren bzw. über sich lesen zu können, war die eine Frage. Und ob er für seine Leistungsfähigkeit einen Unterscheid spürt im Gegensatz zur Trennungsphase Anfang Januar? Zwei Fragen, die Medienprofi van der Vaart mit seiner gewohnt charmanten Art abarbeitete. „Natürlich war es wichtig für mich, mal wieder gut zu spielen. Und zuletzt, auch dank des Tores gegen Gladbach, war es schon besser. Und solche Tore schießt man nur, wenn man auch privat Ruhe hat. Die private Ruhe ist sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt wieder frei.“ Hat man gesehen, wie ich finde. Schon beim Jubel – aber das hatten wir gestern ja schon…

Van der Vaart ist das Alphatier beim HSV in Sachen Selbstvertrauen. Als Fink gestern davon sprach, dass sich die Mannschaft eine andere Außenwirkung erarbeitet habe, dachte er mit Sicherheit auch an van der Vaart und dessen Wirkung auf die Mannschaft. Ein Rene Adler ist dabei sicherlich ähnlich einflussreich – aber van der Vaart ist derjenige auf dem Platz, an dem sich die meisten Spieler hochziehen. Er ist der Weltstar, der den Unterschied machen kann – wie mit seinem Traumtor gegen Gladbach. Und er ist auch der einzige, der öffentlich von Europa sprechen darf.

Aber genau das macht er nicht. Im Gegenteil, auch hundert Nachfragen verführen van der Vaart nicht zu leichtsinnigen Aussagen. Die Nummer 23 des HSV warnt stattdessen vor zu früher Zufriedenheit und appelliert an seine Mitspieler. „Hannover ist eine starke Mannschaft, das wird ganz schwer. Aber wir sind auch stark. Und das wissen die Gegner.“ Immerhin sei der HSV immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Und defensiv würde hervorragend gearbeitet. Eine gute Kombination. „Allein das verunsichert den Gegner nicht selten.“

Mit Folgen. Tabellarisch verbessert sich der HSV Woche für Woche. Und anstatt Häme werden Rudnevs, Son, Jansen und Co. Respekt entgegengebracht. Sagt van der Vaart. „Am Anfang haben die Gegner über uns gelacht, wenn wir angekommen sind. Das machen sie jetzt nicht mehr. Das merken wir.“ Schon anhand der gegnerischen Taktiken erkenne man das. Kein Gegner würde mehr auf Teufel komm raus den HSV unter Druck setzen wollen. Im Gegenteil, die Gegner sind vorsichtig geworden. Van der Vaart: „Alle versuchen erst mal, kompakt zu stehen. Weil wir immer gefährlich sind, weil wir Selbstvertrauen haben. Wir sind inzwischen einfach extrem schwer zu schlagen. Das wissen die.“ Ob Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 aktuell einen Entwicklungsschritt weiter ist? „Nein“, sagt van der Vaart, „das ist nur eine Momentaufnahme. Der HSV ist so groß, das dreht sich in wenigen Sekunden.“

Van der Vaart ist auch die Vormachtstellung im Norden egal. „Wenn wir Dritter und die Zweiter sind, wäre mir das egal“, so der Linksfuß, der dem Nordderby am Sonnabend deshalb auch keine besondere Wichtigkeit beimisst. „Für die Fans ist es sicher was Großes, und den einen oder anderen Spieler motiviert es zusätzlich. Aber am Ende ist es ein Punktspiel. Und wir brauchen einfach die Punkte.“

Und dafür wiederum braucht der HSV Tore. Von van der Vaart – oder eben von den anderen. Zuletzt hatte sich Artjoms Rudnevs diesbezüglich ebenso hervorgetan wie Heung Min Son. Allerdings entstand nur um den Südkoreaner ein ungeahnter Wirbel. Arsenal, Liverpool, Tottenham, Chelsea – eigentlich alle Premier-League-Klubs und überhaupt alle Vereine dieser Welt – wollen Son. Zehn, 15, sogar 20 Millionen Euro Ablösesummen werden gespielt. Und mittendrin versucht HSV-Sportchef Frank Arnesen, den Südkoreaner längerfristig an den finanziell klammen HSV zu binden. Allerdings mit guten Aussichten auf Erfolg, wie Trainerteam und Vorstand gleichermaßen betonen. Und auch van der Vaart – den Son zuletzt als „mein Vorbild“ bezeichnete – ist guter Dinge. „Sonni macht das ganze Theater nicht unruhig. Er ist für uns überragend. Und ich glaube, dass er sich bei uns auch sehr wohlfühlt.“

Van der Vaart selbst will sich in den nächsten Tagen auch mal mit dem Angreifer unterhalten. „Eigentlich halte ich mich da raus“, sagt van der Vaart, „aber ich werde ihm sagen, dass es besser ist, noch zu bleiben. Und das nicht für uns als HSV, sondern für ihn.“ Hier in Hamburg habe Son beste Entwicklungschancen, während der Schritt zu einem europäischen Topklub gleichbedeutend mit weniger Einsatzzeiten und mehr Bankzeiten sein könnte. „Sonni ist jetzt 20 Jahre alt und spielt seine erste sehr gute Saison“, sagt van der Vaart und rät seinem Angreifer, „da muss er nicht gleich nervös werden. Es wäre gut für ihn, wenn er noch ein paar Saisons hier spielt.“

Das wäre es auch für den HSV. Obgleich die durchgesickerte Zusage Lewandowskis mit den Bayern – für mich der logische Schritt eines überragenden Bundesligastürmers – den Stürmermarkt innerhalb der Bundesliga noch mal wachrüttelte. Der Dortmunder wechselt wohl an die Isar und der BVB muss sich Ersatz suchen. Ob Son das sein kann? Bislang ist darüber nichts bekannt, aber es würde zu Klopp passen, statt eines fertigen Superstars sich ein Talent der Kategorie Son zu holen. Insgesamt glaube ich, dass sich auch die Bundesliga immer weiter hin zum spanischen Modell ohne reinen Stürmer entwickeln wird. Technisch versierte Offensivspieler wie Götze, Lewandowski oder auch Son werden gesucht – und auch das macht Son für den HSV noch wertvoller. Ob Son sich bei van der Vaart mal erkundigt hat nach der Premier League oder im Speziellen Tottenham? „Nein“, so der Niederländer, „und ich glaube auch nicht, dass er das machen wird. Im Gegenteil: Ich habe nicht das Gefühl, dass Sonni gehen will.“

Und wer ist als Orakel besser geeignet als der Mann, der seine ersten Treffer nach einer langen Durststrecke richtig ankündigte? Richtig – niemand! Deshalb musste heute natürlich auch die Frage folgen, was der HSV-Star für das bevorstehende Nordderby orakelt. Und wir wurden nicht enttäuscht: „Mein Gefühl sagt mir“, so van der Vaart, „dass ich wieder treffen werde!“

Klingt super, oder?! Und sollte van der Vaart seine sportlichen Leistungen jetzt noch dem Klang seiner Vorhersagen anpassen – dem HSV wäre doppelt und dreifach geholfen…

In diesem Sinne, morgen wird wieder trainiert. Mit Rene Adler und Slobodan Rajkovic, die auch heute schon problemlos mitwirken konnten und gegen Hannover dabei sein werden. Auch das klingt gut…

Bis morgen,
Scholle

Dieser HSV KANN Nachwuchs – aber er muss jetzt aufpassen

10. Dezember 2012

Sie sind zumindest alle gesund geblieben. So viel sickerte inzwischen aus Brasilien durch. Am Dienstagmorgen um 7 Uhr werden Thorsten Fink und Co. am Hamburger Flughafen zurückerwartet. Anschließend geht es zum Auslaufen an die Imtech-Arena, ehe alle Spieler, Offizielle und Journalisten den Versuch starten sollen, das Jetlag schnellstmöglich auszukurieren. Apropos: Seine Verletzung hat Maximilian Beister nahezu auskuriert. Gut möglich, dass der Zweifach-Torschütze der letzten Wochen schon am Sonnabend in Leverkusen wieder zum Einsatz kommt. Und ich lege mich einfach mal fest: Sollte Beister wieder gesund sein, wird er auf jeden Fall neben Artjoms Rudnevs auflaufen, nachdem sich Heung Min Son in Wolfsburg und vor allem gegen Hoffenheim nicht gerade aufdrängte – mal ganz diplomatisch formuliert.

Denn das, was Son derzeit abliefert, ist bitter. Nach seinen sechs Toren hatten viele den Südkoreaner im Profifußball angekommen gesehen. Ich noch nicht. Im Gegenteil. Mir war und ist es ein Rätsel, dass Son bis hin zu Arsenal, Liverpool etc. gehypt wurde und dabei das Lernbare nicht umsetzt. Zumal er sogar teilweise über deutlich mehr Talent verfügt als ein Großteil gleichaltriger Bundesligaprofis. Ob er in Verhandlungen steckt und den Kopf gerade nicht frei hat? „Nein“, sagt sein Berater Thies Bliemeister, „wir haben uns darauf verständigt, im Januar oder Februar in Ruhe in die Gespräche zu gehen. Uns hetzt da nichts.“ Warum sein Schützling momentan auf dem Platz nicht zur Geltung kommt? „Schwer zu sagen. Ich glaube auch, dass wir darüber nicht diskutieren würden, wenn das erste Ding gegen Hoffenheim drin gewesen wäre. Dann würde die Frage andersrum gestellt werden. Dann würden alle wieder von den tollen sieben Toren sprechen und von Millionenangeboten gehört haben.“ Interessante Worte des rührigen Beraters. Ob denn nichts an den Millionenangeboten aus England dran sei? Bliemeister weicht aus: „Auf jeden Fall ist das jetzt nicht unser Thema. Sonni spielt eine insgesamt sehr gute Hinrunde und fühlt sich hier sehr wohl, weil der Trainer ihm vertraut und seine Sprache spricht. Natürlich gibt es immer Möglichkeiten – aber die erste ist der HSV.“ Denn hier könne sich Heung Min Son weiter bestens entwickeln.

Womit ich schon beim Thema bin. Denn heute, wo die Profis mal in der Luft sind und so weder erreichbar sind noch trainieren, möchte ich mich einer sehr netten Geschichte mit einem (hoffentlich schon baldigen) Happy End widmen, dem HSV-Nachwuchs. Im Speziellen: Jonathan Tah.

Der 17 Jahre junge Innenverteidiger des HSV, der schon bei den U-19-Junioren mitspielt ist ein Naturtalent. So zumindest hat es seine „Entdeckerin“, Christiane Harms einst gesehen. Zu recht, wie sich herausstellen sollte. Auf jeden Fall hat Christiane Harms vor 13 Jahren als Sozialpädagogin in einem Altonaer Kindergarten gearbeitet. Dort entdeckte sie den außergewöhnlich beweglichen und körperlich ausgebildeten Jonathan. Sofort fiel ihr ihr Bruder ein, Sebastian Harms, seines Zeichens damals wie heute Jugendtrainer beim HSV. „Sie sagte mir, dass sie einen Jungen habe, der mit Sicherheit irgendwann bei mir spielen würde und es vielleicht sogar zum Profi schafft“, erinnert sich der aktuelle U14-Trainer Sebastian Harms. Sie war total begeistert von Jona’s Bewegungen und war fassungslos, dass er schon in dem zarten Alter von drei, vier Jahren über ein Sixpack (sehr gut ausgebildete, sichtbare Bauchmuskulatur – quasi wie bei mir…, Anm. d. Red.) hatte. Damals dachte ich, die spinnt“, so Sebastian Harms, „aber keine zehn Jahre später holten wir Jonathan tatsächlich aus Altona zum HSV.“ Und heute gilt Jonathan Tah als das größte Talent Deutschlands. Auf einer heutzutage selten gewordenen Position, als Innenverteidiger jagt nicht nur die gesamte Bundesliga hinter dem 1,93-Meter-Hünen hinterher – auch das Ausland hat bereits ernst gemacht und erste Millionenangebote für das HSV-Juwel geboten.

„Er ist unser größtes Abwehrtalent“, sagt Arnesen, der sich augenblicklich in Vertragsverhandlungen mit Tah befindet. Dessen Vertrag würde 2014 auslaufen – allerdings nicht, wenn es nach Arnesen geht. „Wir werden alles daran setzen, ihn bei uns zu halten. Mehr noch, wir versuchen ihn jetzt schon für den Profibereich- und Herrenbereich freizuholen.“ Dafür läuft ein Antrag auf Sondergenehmigung bei der DFL und dem DFB.

Gleiches gilt für Levin Mete Öztunali, den Enkel von HSV-Idol Uwe Seeler. Auch für den 16-Jährigen hofft der HSV eine Freigabe für den Erwachsenenbereich zu bekommen. Ebenso wie die Unterschrift des Offensivallrounders, dessen Vertrag beim HSV im Sommer 2013 ausläuft. „Wir stehen in Gesprächen“, sagt Vater Mete Öztunali, der sich ansonsten sehr bedeckt hält, „weil es uns in erster Linie um die sportliche Perspektive geht.“

Und die sollte der HSV doch aktuell bieten können. Immerhin stehen derzeit mit Heung Min Son, Tolgay Arslan und Maximilian Beister mehr Spieler regelmäßig in der Startelf als je zuvor. Ein Umstand, der gern vergessen wird – der aber Fakt ist und dem Umstand geschuldet, dass der HSV den Umbruch fährt. Weitgehend weg von teuren Zugängen, hin zu Talenten. Aus dem eigenen Verein ebenso wie aus anderen Klubs. „Das macht es uns natürlich auch leichter, intern Zusammenhalt zu entwickeln, weil wir durch die gemeinsame Altersstruktur auch interessemäßig näher beieinander liegen. Zudem ist es in einem Kader ohne gleich 15 oder 20 große Namen leichter für uns, uns durchzusetzen“, sagt Tolgay Arslan, der hinzufügt: „Ich würde gern mal den Trainer sehen, der in einem entscheidenden Spiel plötzlich den gerade aus der Jugend hochgerückten Tolgay Arslan für beispielsweise Ruud van Nistelrooy bringt.“

Gib es selten. Zugegeben. Aber aus der Not heraus kommt das vor. Und so hat sich auch die Dortmunder Spitzenmannschaft gebildet und gilt noch immer als Vorbild wie auch als Hoffnungsschimmer für alle klammen Klubs. Dieter hat mich vorhin angerufen und mir auch den größten, erfolgreichsten deutschen Fußballklub als Beispiel genannt: den FC Bayern München. Der hat auch Ende der Sechziger, Anfang der 70iger etliche Talente aus den eigenen Reihen hochgezogen und sich so in der Bundesligaspitze festgesetzt.

Nun ist natürlich weiter offen, ob ein Beister, ein Arslan, Tah oder auch Öztunali am Ende derartige Weltklassespieler werden wie es ein Breitner oder ein Hoeneß zu ihrer Zeit waren – aber es ist den Versuch allemal wert. Mehr noch, der HSV täte sehr gut daran, seine Talente schnellstmöglich zu verlängern. Denn, und das ist im Jugendbereich bekannt, beide Talente wurden in den letzten Jahren immer wieder mal gesprochen – aber dass sich wirklich von oben jemand um sie kümmert, ist eher selten. Frank Arnesen muss sich jetzt die Zeit nehmen, die nach langer Zeit wieder vorhandenen Talente langfristig zu binden, den HSV mit dem Ruf zu verbinden, dass hier auf Talente gesetzt wird. Beste Argumente dafür hat er mit Arslan, Beister, Son, Lam allemal. Wobei ich gerade geneigt war, Matti Steinmann dazuzuschreiben. Der allerdings, so war von einem Jugendtrainer zu hören, wird im Moment auch nicht mehr beachtet. Allerdings, und da muss ich sehr vorsichtig sein, sind solche Aussagen absolut subjektiv und mit Vorsicht zu genießen. Insofern, so lange ich Matti nicht erreichen kann, lassen wir die Trainermeinung mal so im Raum stehen.

Wichtiger aber, und damit möchte ich den heutigen Blog beschließen, ist mir der Hinweis darauf, welch riesige Chance sich dem HSV aktuell bietet. Er muss im Profibereich kleinere Brötchen backen und hat damit jedes Alibi, um junge Talente zu verpflichten und auch einzusetzen. Der HSV hat die Lizenz zum Versuchen. Vor allem, wenn die Talente aus der eigenen Jugend kommen. Insofern heißt es jetzt für Arnesen, nicht mehr länger abzuwarten, sondern Vollgas zu gehen und die außergewöhnlichen Talente langfristig zu binden. Und um hier mal eine Lanze zu brechen: Dieser HSV KANN wieder Jugendarbeit – er muss sie nur jetzt in den Mittelpunkt stellen. Zumal – und davon habe ich mich selbst schon mehrfach überzeugen können -, im alles überragenden U-15-Bereich (C-Regionalliga) wartet gleich eine ganze Horde von unfassbar großen Talenten auf den HSV…

Schöne Aussichten. Zumindest, wenn sich der HSV jetzt kümmert und auch der Profibereich (Arnesen und Fink vor allem) seinen Nachwuchs in den Mittelpunkt rückt. Denn, und das ist im kleinen Fußball nicht anders als bei den „Großen“ – junge Spieler wollen einfach wahrgenommen werden. Persönliche Gespräche – wie sie beim HSV zwar bis zu Beiersdorfer und seit Michael Schröder wieder geführt werden, aber insgesamt einfach noch zu selten sind – sind da Gold wert.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit Dieter!

Scholle

Boateng trauert seinem Abgang nach – und erwartet einen starken HSV

1. Februar 2012

Viel wärmer ist es in München auch nicht. Sagt mir mein iPhone-App. Im Gegenteil, heute waren es tagsüber zwei Grad weniger. „Beim Training schon manchmal kritisch “, umschreibt mir ein alter Bekannter, der sich bei diesen eisigen Temperaturen auf dem Fußballplatz herumschlagen muss, die Witterung im Süden. Dort trainiert er seit dieser Saison zusammen mit dem wohl besten Kader der Bundesliga. Das glaubt zumindest Marcell Jansen: „Bayern hat gegenüber Dortmund das einheitlichere Konzept mit den bessern Individualisten in der Mannschaft“, so der Linke Mittelfeldspieler, der sich auf ein Wiedersehen mit meinem sowie noch mehr seinem alten Bekannten freut: auf Jerome Boateng.

Der ehemalige Rechtsverteidiger des HSV hat eine beachtliche Karriere für seine gerade mal 23 Jahre hingelegt. Hertha BSC, HSV, Manchester City und jetzt Bayern München – das sind große Namen, die noch beachtlicher werden, wenn man überlegt, dass sich der Defensivspieler überall durchgesetzt hat. Bis hin in die Nationalmannschaft, in der er auch gern den HSV weiterhin vertreten hätte. „Es tat schon weh, damals gehen zu müssen“, sagt Jerome heute und lässt mich ein wenig verwundert zurück. Warum „gehen müssen“? Er hatte sich doch selbst dazu entschlossen, gen Manchester City zu wechseln, oder nicht? „Das stimmt. Aber grundsätzlich wollte ich bleiben und hatte das auch so kommuniziert. Leider wurden damals einige Zeitpunkte für Vertragsverlängerungen versäumt, die alles leichter gemacht hätten.“

Das alte Thema: die fehlende Konstanz beim HSV. Die sieht auch Boateng. Mehr noch, der Vater von Zwillingen wirkt ehrlich traurig darüber, dass in Hamburg eine große Chance liegen gelassen wurde. „Ich war ja nicht der einzige, der ging. Damals ging vorher schon ein Vincent Kompany. Und auch ein Ivica Olic, der eine riesen Serie hingelegt hatte und enorm wichtig war. Ivica wollte eigentlich bleiben, aber dazu kam es aus verschiedenen Gründen nicht. Und wer sich die Namen der letzten Jahre und deren heutige Positionen in ihren Klubs ansieht, der kann erahnen, was für den HSV drin gewesen wäre.“

Konjunktive. Eine interessante Perspektive des sympathischen, ruhigen und fast introvertiert wirkenden Ex-HSVers – aber eben auch Vergangenheit. Denn ich glaube, dass der HSV in diesem Winter ein gutes Zeichen gesetzt hat, niemanden zu holen. Und wenngleich für gute Leute immer Platz sein sollte, blieben zumindest Panikkäufe der Marke Tavares, Ndjeng etc. aus. Dass das schon mangels finanzieller Mittel schwierig war, überhaupt jemanden zu holen – egal. Fakt ist, es wurde niemand geholt und Trainer Thorsten Fink hat seinen Worten („Der Kader ist gut genug, ich vertraue der Mannschaft“) Taten folgen lassen.

Und überhaupt, am meisten Respekt haben die HSV-Gegner derzeit vor dem Einfluss Finks. Der ehemalige Bayern-Profi hat selbst bei den Leuten einen ungemein guten Ruf, die ihn gar nicht persönlich kennen. Wie eben Jerome, der weder als Spieler noch als Trainer jemals irgendwas mit Fink zu tun hatte. Trotzdem sagt er: „Ganz klar, der HSV hat sich langsam eingespielt und hat vor allem einen Trainer, der super ist. Mit Thorsten Fink ist in Hamburg noch einiges möglich.“ Wie er sich davon überzeugt hat? „Nur durch das, was ich aus der Ferne sehe und was mir die Leute berichten. Aber das alles klingt sehr vielversprechend, alle sind begeistert.“ Der HSV hätte endlich wieder einen Trainer, der was erreichen will. Ob das nicht immer so war? Boateng vorsichtig: „Das müssen andere beurteilen. Ich bin dem HSV sehr dankbar für drei tolle Jahre. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Freunden wie beispielsweise Dennis Aogo, Marcell Jansen, Paolo und Tomas Rincon – auch wenn ich versprechen kann, dass das auf dem Platz sicher anders aussehen wird.“

Es war ein sehr nettes Gespräch mit Jerome (das Interview könnt Ihr morgen im Print-Teil lesen), für den ich mich freuen würde, wenn er von den HSV-Fans mit Respekt empfangen würde. Zumal er selbst daran glaubt. Obwohl er beim FC Bayern spielt, der in Hamburg für Bundesligaverhältnisse zusammen mit Werder (oder schon kurz dahinter) als Staatsfeind Nummer eins gilt (Pauli bleibt als Zweitligist hier unerwähnt). „Ich glaube aber trotzdem, dass es ein warmer Empfang für mich wird. Die Hamburger Fans haben mich in den Jahren beim HSV immer großartig unterstützt und mir auch einen tollen Abschied bereitet.“ Mal sehen wie der erste Empfang seit 2010 für ihn wird.

Sportlich erwartet Boateng Schwerstarbeit gegen seinen Freund Paolo („Der haut seinen Körper ordentlich rein“) und Mladen Petric („Ein Schlitzohr“). Und auch der HSV gibt sich optimistisch. Verhalten zwar – aber das ist nach dem 1:5 zum Auftakt gegen Dortmund mehr als logisch. „Wir brauchen uns nicht lange unterhalten, brauchen keine Konzepte erarbeiten – das einzige Konzept gegen Bayern muss sein, kompakt zu sein. Von der ersten bis zur 90. Minute “, sagt Marcell Jansen, der einst vom FCB nach Hamburg wechselte. „Wir hatten gegen Dortmund das Problem, dass der BVB gepresst hat und wir zu schnell Fehler gemacht haben. Das müssen wir gegen Bayern ändern, indem wir es uns durch Einsatz erarbeiten. Wie Gladbach, die haben nie ein eins gegen eins zugelassen, haben die entscheidenden Positionen gedoppelt und schnell gekontert. Das war taktisch das Beste, was man machen konnte.“

Gladbach ist das Vorbild für den HSV – zumindest am Sonnabend. Dass es allerdings nur defensiv auch nicht geht, das hat das Hinspiel (0:5) gezeigt. Da hatte der ehemalige Trainer Michael Oenning eine sehr defensive Taktik ausgerufen, wollte möglichst lang die Null halten. „Aber wir haben früh das 0:1 bekommen“, erinnert sich Dennis Diekmeier, „und damit war das schnell über den Haufen geworfen. Damals gingen schnell unsere Köpfe runter und es ging nix mehr. Da sind wir unangenehm vorgeführt worden.“ Wie das am Sonnabend zu vermeiden ist? „Indem wir selbstbewusst auftreten und uns an die Basics erinnern. Erst wenn wir in den Zweikämpfen aggressiv gegenhalten und uns gegenseitig unterstützen, haben wir eine Chance.“ Wobei ich das Konterspiel angesichts der nicht wirklich zur Sprinterkategorie zu zählenden Mladen Petric und Paolo Guerrero nicht als bestes Stilmittel erachte. Es sei denn, die Konter gehen über Diekmeier, den vielleicht schnellsten Außenverteidiger der Liga, der in Berlin seine ersten Torvorlagen bejubeln durfte.

Ich hätte nichts dagegen, wenn er am Wochenende eine weiter folgen lässt – und auf der anderen Seite dafür sorgt, dass der FC Bayern, den beim HSV fast alle als den Meisterschaftsfavoriten Nummer eins nennen, kein Tor in der Imtech-Arena schießt. Das kann ganz sicher hässlich werden – aber das wäre mir sch…egal…

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr trainiert.

Scholle

P.S.: Im heutigen Training fehlte neben den Langzeitverletzten nur Zhi Gin Lam (Muskelfaserriss). Während der eisigen 65-Minuten-Einheit ließ Fink nach dem Aufwärmprogramm zunächst ein Spiel ohne Tore absolvieren, danach den üblichen Kreis, bevor es zum Abschluss ein Dreier-Turnier gab, bei dem die jeweils aussetzende Mannschaft einen Kraftzirkel absolvierte, um nicht komplett zu erfrieren.

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