Archiv für das Tag 'Bayern München'

Endlich wieder Fußball. Und nix sonst.

6. Mai 2014

Endlich. Nur Fußball. Daher für alle, die es genauso satt haben wie ich, die Vereinspolitik selbst in kritischsten Phasen voranzustellen: Dieser Blog erhält erst im Anhang Vereinspolitik. Und ansonsten einen ganzen Tag lang mal wieder nur Fußball. Und dann auch noch mit der einen oder anderen guten Nachricht. Denn immerhin konnte Johan Djourou heute wieder voll mittrainieren und soll auch am Sonnabend in Mainz beim Abstiegsendspiel Nr. 34 dabei sein. Ebenso wie Dennis Diekmeier. „Dennis hatte sich schon vergangenen Donnerstag leicht gezerrt und wir haben ihn mit nur einem Tag hinbekommen. Daher werden wir das jetzt auch schaffen“, so Slomka, der sogar darauf hofft, seinen Rechtsverteidiger bereits am Mittwoch wieder im Mannschaftstraining begrüßen zu können.

Dann wird auch Pierre Michel Lasogga wieder dabei sein. Der wahrscheinlich größte Hoffnungsträger des HSV trainierte in den vergangenen Tagen individuell mit Rehatrainer Markus Günther und konnte dabei Fortschritte verzeichnen. Heute trainierte er nun mit der Mannschaft und absolvierte das Programm bis zur abschließenden Torschussübung komplett schmerzfrei mit. „Im Spiel war er der neutrale Mann, damit er noch weitgehend ohne Zweikämpfe mitmacht. Aber das werden wir steigern“, so Slomka, dem die Freude über das Comeback seines Toptorjägers ins Gesicht geschrieben steht. „Es lief alles problemlos und wir haben jetzt die Aufgabe, ihn langsam zu steigern, damit er am Sonnabend topfit ist.“ Soll heißen: Ebenso wie Djourou plant Slomka nach aktuellem Stand auch mit Lasogga in der Startelf. „Wir hoffen auf beide. Beide haben viele gute Spiele für uns gemacht, sind wichtig für die Mannschaft.“

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Allerdings betonte Slomka auch, dass er nichts riskieren werde. In weiser Voraussicht auf das (hoffentlich!!) bevorstehende Relegationsduell am 15 und am 18. Mai. Einen möglichen Gegner hat Slomka bereits gesehen: Greuther Fürth. Beim 6:0 der Fürther in Cottbus war Slomka (ebenso wie Braunschweigs Lieberknecht) Tribünengast – und begeistert: „Fürth war beeindruckend. Obgleich Cottbus es dem Gegner am Ende sicher leicht gemacht hat“, so Slomka, der auch Paderborns Qualitäten noch mal hervorhob. „Egal gegen wen wir am Ende spielen sollten, es wird sicher schwierig.“

Vor allem am Sonnabend in Mainz. „Wir sind gewarnt. Wir wissen um die Heimstärke der Mainzer“, sagt Slomka, der dennoch bemüht ist, die eigenen Stärken vorneanzustellen – ohne dabei die Niederlage gegen die Bayern schönreden zu wollen. „Es war eine große Erleichterung zu spüren ob der anderen Ergebnisse. Und die Fans haben erneut Gespür für die Lage bewiesen. Sie haben gemerkt, dass die Mannschaft alles versucht hat, alles gegeben hat und sich nur nicht selbst belohnt hat. Jetzt wird es für uns genau darum gehen. Und darum, die ersten 45 Minuten gegen die Bayern 90 Minuten lang in Mainz abzurufen.“

Stimmt. Nur wie?

Slomka setzt wie in der Vorwoche auf die Kraft aus der Ruhe. Konditionstraining und harte Läufe gibt es nicht mehr. „Wir üben gruppentaktisch, machen nicht mehr zu viel. Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Saison, da muss ich die Prioritäten nicht mehr auf den Ausdauerbereich setzen“, sagt Slomka, der selbst als Vorbild dienen will. „Ich kenne den Druck in allen beiden Richtungen. Einmal haben wir am 33. Spieltag mit Schalke beim 0:2 gegen Dortmund die Meisterschaft verspielt, und mussten danach am letzten Spieltag unbedingt gewinnen, um Werder nicht noch an uns vorbeiziehen zu lassen. Und mit Hannover habe ich am letzten Spieltag in Bochum um den Klassenerhalt gespielt – gegen einen direkten Konkurrenten. Das war auch hop oder top“, so Slomka, der ausführt: „Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich als Trainer Ruhe vorleben muss. Ich muss das den Spielern vermitteln. Weil wenn wir das nicht machen, wer dann…?“ Stimmt, denn aus der Mannschaft heraus wird es keine Vorgaben geben. Von wem auch?

Das Interview im Video:

Spannend dürfte der eh schon spannungsgeladene Sonnabend auch in Sachen Startelf werden. Spielen Lasogga und Djourou tatsächlich von Beginn an? Und wenn ja, wer muss für Djourou weichen? Denn klar ist, sollte Jansen (Slomka: „Ich glaube, er braucht noch ein, zwei Tage“) spielen können, hat Slomka Diekmeier für rechts sowie Mancienne, Djourou, Westermann für die zwei Innenverteidigerposition sowie die Auswahl zwischen Jiracek, Jansen und Westermann für die linke Abwehrseite.

Und er hat auf der Sechs Optionen. Auf der Doppelsechs besser gesagt. Milan Badelj ist bei Slomka gesetzt, daneben agierte zumeist Tolgay Arslan, der seine Gelbsperre abgesessen hat und mit seinem Einsatz rechnet. Das allerdings macht auch Robert Tesche, der gegen Bayern nicht nur Slomka überzeugen konnte. „Ich war sehr positiv überrascht“, lobt Slomka den unter Fink und van Marwijk noch aussortierten Mittelfeldspieler, „ich hatte nicht gedacht, dass Robert diese Konstanz auch über die gesamten 90 Minuten bringt. Aber das hat er sehr gut gemacht.“ Schon deshalb – und, weil Slomka Tesche für den torgefährlichsten Sechser hält – ist der „Begnadigte“ plötzlich eine ernsthafte Option auf die Startelf im alles entscheidenden Saisonspiel. „Ich kann und will mich noch nicht festlegen“, antwortet Slomka auf die Frage nach seinem Favoriten, „zumal ich nicht mal weiß, ob wir wieder mit einer Doppelsechs spielen.“

Klar aber scheint, dass Slomka in Mainz erneut auf die Bayern-Strategie setzt. Wie schon gesagt, soll die erste Halbzeit des Bayern-Spiels auf zwei Hälften ausgedehnt werden. Und dort hat man offensiv verteidigt. „Ich werde der Mannschaft noch mal zeigen, warum das so gut funktioniert hat“, sagt Slomka, der im selben Atemzug betont, auch die Fehler („Das Tor nach der Ecke ist unglaublich – sowas darf nicht vorkommen“) aufzeigen zu wollen. „Letztlich aber werden wir die gute, kämpferische Stimmung mitnehmen und die positiven Aspekte in den Vordergrund rücken.. Denn die Mannschaft hat einen starken Charakter gezeigt.“ Und das gebe ihm , der „unablässig“ an diese Mannschaft glaubt, ein gutes Gefühl.

Mir auch. Erst einmal. Denn bei allen Mängeln dieser Mannschaft kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendeinen Fußballer auf diesem Planeten gibt, der in dem Spiel am Sonnabend nicht schon von außen angesteckt und voller Adrenalin ist. Nicht einmal… Nein, das lasse ich. Es ist noch nicht die Zeit für die große Analyse. Ebenso wenig wie hier und heute, morgen, Donnerstag sowie am Freitag und sogar Sonnabend bis Spielende Platz sein darf für eine Strukturdebatte, werte Herren.

Daher belasse ich es auch dabei, das (noch) Nebensächliche ins P.S. zu stellen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Die Tatsache, dass sich Vereinsvertreter und/oder welche, die es werden wollen, wenige Tage vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte in den Vordergrund spielen ist schon schlimm genug. Für mich ist es sogar Grund genug, sie gar nicht zu beachten. Daher – das habe ich mir gerade jetzt und ganz kurzfristig anders überlegt – ignoriere ich sie an dieser Stelle dann doch… Euch allen einen Schönen Abend!!

Mit Pepp gegen Guardiola

19. Juli 2013

Wer so lange zusieht, gewöhnt sich irgendwann daran. Denkt der Laie. Aber jeder Fußballer weiß, dass es nichts Schlimmeres gibt, als nicht mitmachen zu können. Vor allem verletzungsbedingt. „Die Gedanken werden dabei mit der Zeit immer wirrer“, sagt Ivo Ilicevic, der es in der abgelaufenen Saison auf gerade acht Teileinsätze bringt. Über 90 Minuten durchgespielt hat der Kroate nicht. Immer wieder warfen ihn Verletzungspausen zurück. Auch jetzt in der Vorbereitung musste Ilicevic lange warten. Erst gegen Anderlecht konnte der dribbelstarke Rechtsfuß wieder ran Und das mit den erwarteten Starproblemen. „Ivo hat seine Sache ordentlich gemacht. Man sieht aber, dass er noch ein wenig Zeit braucht“, sagt Trainer Thorsten Fink, der sehr viel auf Ilicevic setzt: „Ivo ist der Typ Spieler, den wir so ansonsten nicht in der Mannschaft haben. Er ist einer, der über di Außen wunderbar ins Eins-gegen-Eins geht.“

Auch Ilicevic ist noch lange nicht zufrieden mit dem, was er zeigen konnte. Nicht über Anderlecht- aber noch weniger über das, was er insgesamt beim HSV zeigen konnte. Dabei haben sich neben den verpassten eigenen Ansprüchen vor allem auch die Kommentare einiger Fans bei ihm eingebrannt. „Was soll ich dagegen sagen, wenn gefragt wird: ‚Ilicevic? Wer ist das? Der ist doch eh immer nur verletzt:’ Im Grunde haben sie ja recht. Die letzten zwei Jahre waren diesbezüglich extrem, das Gerade deshalb will ich diese Saison zeigen, dass der HSV keinen Fehler gemacht hat, als er mich verpflichtet hat.“ Wobei es damals schon schlecht begann. Wegen einer Roten Karte war der Außenspieler lange gesperrt. „Irgendwie kam seitdem vieles zusammen, was nicht zusammenkommen darf. Es war eine Zeit, die ich gern schnell vergessen würde und die ich schnell aus den Köpfen aller streichen würde. Mit guten Leistungen, Siegen und viele Spielen.“

Am morgigen Sonnabend beim Telekom-Cup in Mönchengladbach soll es die nächste Gelegenheit dafür geben. Trainer Thorsten Fink erwägt, Ilicevic erneut vor Marcell Jansen zu bringen. „Links ist meine Lieblingsposition“, sagt Ilicevic, der hier mit dem noch immer angeschlagenen und im Reha-Training befindlichen Dennis Aogo (reiste bereits nach Hamburg) konkurriert. „Aber ganz ehrlich“, sagt Ilicevic, und zieht die Schultern hoch, „mir ist es inzwischen fast egal, wo ich spiele. Hauptsache ich spiele endlich wieder.“

Ilicevic, ein bekennender Freund teurer, schneller Autos, wirkt ruhig bei allem, was er sagt. Weil er gelernt hat, dass der Körper entscheidet. XXX Verletzungen warfen ihn in den letzten zwei Jahren zurück. Oft bedingte die eine Verletzung eine Folgeverletzung. Statt an der Imtech-Arena fand sich der Kroate immer wieder im Reha-Center des Uniklinikums Eppendorf wieder. Ein Ort, den er nicht wirklich ins Herz geschlossen hat, dafür ist er zu sehr Fußballer. Aber es war ein Ort, an dem ihm die Mediziner deutlich machten, wie wichtig der Körper für einen Fußballer ist. Bei der Suche nach den Ursachen für die wiederkehrenden Probleme wurde nichts ausgelassen – aber auch nichts abschließendes gefunden. „Es war unbefriedigend, immer wieder zu Ärzten zu gehen, ohne, dass etwas gefunden wurde. Aber keine genaue Diagnose ist immer noch besser, als eine eindeutig schlechte…“

Ilicevic hat gelernt. Einiges sogar. Er ist demütiger geworden, genießt seinen Beruf mehr als früher. Der Masterplan zum Karrierehöhepunkt enthält wieder mehr Karenzzeiten, „weil immer etwas Unerwartetes passieren kann“, wie der ehemalige Lauterer weiß. „Ich war bis zum Tag vor der EM im Kader der kroatischen Nationalelf und musste dann mit Muskelproblemen passen. Viel schlimmer geht es nicht. Das war mein bisheriger Tiefpunkt nach der langen Verletztenpause beim HSV.“

Die größte Schwierigkeit bei Ilicevics Comeback ist der eigene Übermut, die Übermotivation. „Es hat sich so lange aufgestaut, dass ich jetzt am liebsten komplett ohne Pause spielen würde.“ Das allerdings, so warnen die HSV-Mediziner, funktioniert noch nicht. „Auch wenn es mir sehr schwer fällt, jetzt muss ich auf den letzten Metern noch etwas Geduld haben“, sagt Ilicevic, der mit dem HSV in den internationalen Wettbewerb will. „Die Mannschaft ist stabil. Wenn alle gesund bleiben, sind wir stärker als letzte Saison. Dann können wir auch definitiv über mehr sprechen, als wir zuletzt erreicht haben. Und ich will da unbedingt dabei sein. Deshalb überstürze ich nichts. Mein Ziel ist der erste Spieltag auf Schalke. Und dafür muss ich jetzt den Weg der vielen, kleinen Schritte gehen.“

Einen großen Schritt will indes Trainer Thorsten Fink gehen. Mit dem Spiel am morgigen Sonnabend gegen den FC Bayern. Wie zuletzt in Klagenfurt ist der HSV-Coach noch immer davon überzeugt, dass das Spiel gewonnen werden kann. „Mit der bisherigen Vorbereitung war ich sehr zufrieden. Nun wollen wir auch noch beim Telekom-Cup ein Ausrufezeichen setzen“, sagt Fink, der sich während des Fluges von Klagenfurt nach Köln auf Platz 8a der Germanwings 285 neben Co-Trainer Patrick Rahmen gemütlich gemacht und schon mal eine Strategie für einen Sieg bei dem hochkarätig besetztem Turnier am Wochenende ausgearbeitet hatte. Gegen seinen Ex-Arbeitgeber, mit dem Fink einst die Champions League dramatisch gegen ManU vergeigte, um sie zwei Jahre später zu gewinnen. Gegen die Bayern, die inzwischen ihren Übertrainer Pep Guardiola feiern. „Ich freue mich auf ihn. Für die Bundesliga ist es ein gutes Zeichen, dass sich so ein Top-Trainer für einen Wechsel nach Deutschland entschieden hat“, sagt Fink. „Und: Natürlich ist der Rummel um Guardiola schon extrem. Aber Mitleid habe ich eigentlich nicht, in Hamburg ist ja auch immer viel los.“

Motivation genug bietet der einstige Nord-Süd-Schlager. Vor allem auch ob des 2:9 vor vier Monaten bei den Bayern. „Selbstverständlich werde ich in meiner Ansprache auch noch mal an dieses Spiel erinnern. Aber man kann unsere heutige Mannschaft eigentlich nicht mehr mit der damaligen vergleichen“, sagte Fink, der seine heutige Mannschaft als reifer und gewachsen bezeichnet. „Wir haben das Zeug, in einem Spiel auch mal die Bayern zu schlagen.“ Der HSV hat auch Pepp.

Nicht dabei sein können Johan Djourou (Adduktorenzerrung), Dennis Aogo, Paul Scharner (beide Wadenprobleme) René Adler (Reha nach Knie-OP) und Jonathan Tah (Fußprellung). Der gerade mal 19 Jahre alte Hakan Calhanoglu wird dagegen erstmals in einem Spiel für den HSV dabei sein, zunächst allerdings nur als Einwechselspieler. „Ich freue mich riesig auf die Partie. Es ist etwas Besonderes, gleich im ersten Spiel gegen diejenigen anzutreten, von denen ich als Kind immer geschwärmt habe“, sagt der Deutsch-Türke, der als Jugendlicher besonders Franck Ribéry nachgeeifert hat.

Viel Zeit, den Deutschen Rekordmeister zu bewundern, verschwendet Fink nicht. Im Gegenteil: „Wir wollen das Turnier gewinnen, auch wenn wir nur der Außenseiter sind“, sagte der Coach, und Sportchef Oliver fügt hinzu: „Als HSV-Trainer muss man den Anspruch haben, jedes Spiel zu gewinnen. Diese Mentalität gehört sich für einen großen Verein wie den HSV. Und diesen Gedanken müssen wir all unseren Spielern einpflanzen.“

Ein Sieg gegen die Bayern würde ganz sicher der Moral und dem Selbstvertrauen der Mannschaft einen großen Schub verleihen. Wenn das dann noch mit einem starken Calhanoglu und einem gesunden Ilicevic gelingt – der HSV wäre um zwei Bausteine zum Erfolg reicher.

Ich freue mich auf jeden Fall auf das Spiel gegen die Übermächtigen. Mit Pepp gegen Guardiola – das ist das HSV-Motto. Mal sehen, was dabei rumkommt. Ich bin gespannt.

Bis morgen! Dann meldet sich wieder unser Blogvater Dieter nach dem Spiel bei Euch!

Scholle

P.S.: Um hier mal mit ein paar Verdachtsfällen aufzuräumen: die matz-ab-seite auf facebook (www.facebook.com/groups/matzab) ist kein Muss und ebenso wenig nur für irgendeine Elite, sondern für alle zugänglich. Zudem wird es diese Seite nur parallel, also ergänzend zum Matzab-Mittelpunkt, dem Blog, geben. Facebook soll den Blog garantiert nicht ersetzen. Im Gegenteil: Der Blog wird mehr denn je frequentiert und soll mit ein paar technischen Kniffen auch im Videostream ausgebaut werden. Und falls Ihr was anderes denkt: ich lese durchaus die Kommentare. Schönen Abend!

Calhanoglu erstmals für den HSV am Ball

17. Juli 2013

Und plötzlich stand er da. In kurzen Hosen – okay, die hatte er auch sonst an. Aber mit Fußballschuhen und auf dem Trainingsplatz. Dabei hatte es bis dahin geheißen, dass Hakan Calhanoglu pausieren würde. Rückenprobleme bereiten dem Deutsch-Türken Probleme. Deshalb konnte der 19-Jährige auch nicht an der U19-EM teilnehmen. Wobei allein der Gedanke, dass Calhanoglu in der Sommerpause zwei Endturniere spielen soll unfassbar ist. Zumindest hierzulande.

Erstmals im HSV-Training: Hakan Calhanoglo

Erstmals im HSV-Training: Hakan Calhanoglo

Fotos mit dem iPhone sind auf längere Distanz schwierig. Aber den Versuch wert...

Fotos mit dem iPhone sind auf längere Distanz schwierig. Aber den Versuch wert…

Aber egal, Calhanoglu war dabei. Früher als geplant. „Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten, nur zuzuschauen“, sagt der Mittelfeldmann und grinst. Dass er nur ein dosiertes Programm absolvierte – klar. Calhanoglu soll langsam aufgebaut werden. In der Vorbereitung ebenso wie letztlich auch in der Saison. Am Sonnabend, beim Telekom-Cup spielt der Mittelfeldmann, von dem sich alle erhoffen, er könne mal die Van-der-Vaart-Nachfolge antreten, noch nicht. „Er wird am Wochenende natürlich nicht eingesetzt“, sagt HSV-Trainer Thorsten Fink, der such am Dienstag das erste Mal dazu hinreißen ließ, Calhanoglu neben van der Vaart eine Chance einzuräumen. Bisher hatte Fink immer wieder betont, Calhanoglu für die Fälle einzuplanen, dass van der Vaart verletzt oder gesperrt – oder ausgewechselt werden muss. Nach dem sehr ordentlichen Testspielsieg gegen Anderlecht weichte Fink diesen Entschluss auf. Endlich. „Rafael ist und bleibt mein Kapitän, er ist gesetzt. Aber natürlich wehre ich mich nicht dagegen, wenn es eine andere Möglichkeit gibt. Wenn Hakan gut drauf ist, werde ich schon eine Position für ihn finden.“

Genau so muss es auch sein.

Denn Calhanoglu hat die Portion Potenzial, die man fördern muss, wenn man sich selbst auferlegt hat, eine Verjüngungskur zu machen. Der von Frank Arnesen mit Michael Oenning einst gestartete Umbruch hat noch lange nicht die Dimension erreicht, mit der man sich zufrieden geben darf. Im Gegenteil. Ein Maximilian Beister ist noch weit entfernt von seinem Leistungspotenzial, ein Tolgay Arslan hat es in Ansätzen gezeigt, kann aber auch noch nicht als Stammkraft bezeichnet werden. Zu den beiden gesellen sich jetzt eben Kerem Demirbay Hakan Calhanoglu und Lasse Sobiech. Jonathan Tah lasse ich noch ein wenig außen vor, da der 17-Jährige sicher noch länger brauchen wird als die zuvor genannten – ohne dass ich dem bulligen Innenverteidiger damit etwas absprechen will. Im Gegenteil.

Klar wird aber, dass der HSV jetzt die junge Garde hat, mit der man zumindest perspektivisch größere Ziele anpeilen kann. Und der HSV hat einen Trainer, der vermittelt, worauf gesetzt wird: auf Perspektive. „Diese Stimmung transportiert der Trainer sehr gut“, sagt Lasse Sobiech, „es herrscht eine super Mischung aus jungen Spielern und einigen Erfahreneren. Hier passiert etwas.“ Und wenn nicht in der nächsten Saison, dann danach. „Die Voraussetzungen sind super“, führt Sobiech, mit dem ich heute ein sehr nettes Gespräch führen durfte, aus. Alle werden gleich behandelt, der Trainer macht keinen Unterschied. Und die Spieler nehmen es an. Hier nimmt sich kein Spieler zu wichtig.“

Der Eindruck, den Sobiech als Jugendlicher vom HSV hatte, hat sich zumindest nicht bestätigt. „Ich mochte den HSV immer. Aber für mich war der HSV durch seine Wucht, die Größe und den Stars immer ein Verein, der etwas weiter weg war, der manchmal etwas steril wirkte. Das habe ich jetzt revidiert. Der HSV ist für mich nur noch ein großer, wuchtiger Verein mit riesiger Tradition und großem Potenzial – aber persönlich. Hier nimmt sich keiner zu wichtig, die Fans sind nahe dran. Hier gibt es keine Allüren, wie man vielleicht denken könnte.“

Wobei ich glaube, dass es beim HSV auch wenige Spieler gibt, die weiter weg sind von Allüren als Sobiech selbst. Der junge Innenverteidiger wirkt extrem sympathisch, weil er klar ist. Er weiß, dass er einen großen Schritt machen kann, er will es auch – aber er nimmt nicht als selbstverständlich. „Ich habe den traditionellen Weg genommen, bin über die Jugend beim BVB in die Zweite der Dortmunder, habe dann bei den Profis mitgemacht. Und als ich merkte, dass ich nicht allzu viele Spiele dort bekommen würde, bin ich gewechselt, habe über den FC St. Pauli und Greuther Fürth Bundeligaerfahrungen sammeln können. Ich mache einen Schritt nach dem anderen.“

Fürwahr. Hektisch ist Sobiech sicher nicht. Der in Schwerte bei Dortmund geborene Rechtsfuß ist der eher bodenständigere, vernünftige Typ. Denn obwohl ihm Oliver Kreuzer schon vor Wochen garantieren wollte, dass der Wechsel zum HSV klappen würde, obgleich dafür noch Spieler verkauft und Gremien ihr Okay geben mussten, hielt sich Sobiech an das, was er hatte. „Ich bin keiner, der zu früh träumt, ich nehme das, was ich Schwarz auf Weiß habe. Und deshalb habe ich im Training bei Borussia Dortmund Gas gegeben, als würde ich dort spielen.“ Ob er gern weiter beim BVB spielen würde, jetzt wo erneut eine Champions-League-Saison ansteht? „Klar ist das ein toller Klub, und ich kenne die meisten Spieler schon lange. Ich weiß, dass da richtig gute Kicker sind. Aber ich bin zu realistisch. Für mich ist es wichtig, dass ich Spiele bekomme. Und das sehe ich beim HSV.“ Und obgleich bei Sobiech der Verstand die Oberhand hat, sagt er: „Vom Herzen her war ich schon in Hamburg. Der HSV ist mein Wunschverein, für mich ist dieser Wechsel ein Riesending.“

Bei 196 Zentimetern Körperlänge – ich bin 1,94 m und hatte eher das Gefühl, Sobiech sei an die zwei Meter – ist es auch für den HSV ein Riesentransfer. Bei der U21-EM hatte Kreuzer das Gespräch mit dem Innenverteidiger gesucht, und schnell dessen vertrauen gewonnen. „Ich bin eigentlich nicht leichtgläubig. Ich bin keiner, der zu schnell vertraut“, sagt Sobiech, „aber das, was Herr Kreuzer gemacht hat, hat mir imponiert. Er hat mir ein extrem gutes Gefühl vermittelt und – was noch viel wichtiger ist – er hat bei allem, was er gesagt hat, Wort gehalten. Das ist mir sehr wichtig.“

Ebenso wie die Familie und sein Berater – Jürgen Milewski, der ihm den Wechsel nach Hamburg mit eigener Erfahrung schmackhaft machen konnte. „Das sind die Leute, auf die ich höre, deren Urteil mir wichtig ist.“ Nebst dem des Trainers wohlgemerkt, wie Sobiech anfügt. Zeitungsmeldungen, also uns Journalisten, misst Sobiech eher wenig Gewicht bei. Und selbst das weiß der Liebling aller Schwiegermütter gut zu verkaufen. „Es wird nie so sein, dass alles gut ist. Irgendwer findet immer etwas, was ich verbessern kann oder besser hätte machen können. Aber das weiß ich selbst. Ich weiß, woran ich arbeiten muss und ich verlasse mich auf diejenigen, auf die ich auch in den letzten Jahren immer verlassen konnte.“

Gut so!

Wo denn seine Qualitäten und seine größten Baustellen sind? „Ich glaube, dass mein Kopfballspiel und mein Aufbauspiel recht gut sind“, sagt Sobiech, der sich allerdings noch an die neuen Mannschaftskameraden und deren Laufwege gewöhnen muss. „Noch halt es hier und da, aber das kommt mit der Zeit.“

Was mit seiner Torgefahr sei? Die wurde von Kreuzer wie von Fink immer genannt, wenn es darum ging, Sobiech zu beschreiben. „Ich dachte auch immer, ich sei einigermaßen torgefährlich“, sagt Sobiech und lacht dabei, „aber ich habe in Fürth leider nur zwei Tore in der Rückrunde gemacht. Das ist dann doch ausbaufähig.“

Stimmt. Und ich würde nur zu gern zusehen, wie das Double von Per Mertesacker beim HSV die Karriere hinlegt, die der Arsenal-Profi hingelegt hat. Zusammen mit Calhanoglu. Und Demirbay. Und Arslan. Und Beister. Einfach so, dass der vor zwei Jahren eingeläutete Umbruch Erfolge aufzuweisen hat. Doe Möglichkeit dazu ist sehr groß. Zumal jetzt, wo der HSV eine sehr schleppend begonnene Vorbereitung in eine sehr gute verwandelt. „Die Mannschaft macht mir Spaß“, sagt Fink, der seinen Kickern am Mittwochnachmittag frei gegeben hat. Weil sie gut gearbeitet haben. Auch am Mittwoch bei gefühlt 80 Grad im Schatten. Ein Kraftzirkel der Marke „Schmerzhaft“ wurde eingeschoben – und selbst Rafael van der Vaart gefiel es: „Gegen Anderlecht war es das erste Mal so, dass wir 90 Minuten gut waren. Da müssen wir weitermachen.“ Mit einer gelungenen Mischung aus Konditionsbolzen und Spaß. „Die Einheit war schon extrahart. Aber wir brauchen nicht nur Spaß, wir brauchen auch das.“ Vor allem, wenn man am Sonnabend dem Deutschen Meister und Champions-League-Sieger Bayern München etwas abtrotzen will. „Wenn wir so gut und diszipliniert wie gegen Anderlecht spielen, können wir was schaffen“, sagt van der Vaart und Fink ergänzt: „Bayern ist der Favorit – aber wir sind gut drauf. Wir fahren dahin und wollen versuchen, das Turnier zu gewinnen.“

Klingt gut. So gut, dass ich den Blog für heute damit abschließen will. Mit einem kleinen Zwischenfazit: Dieses Trainingslager ist zwar arm an großen Ereignissen, aber reich an hoffnungsvollen Erkenntnissen. Eine gute Mischung, wie ich finde…

Bis morgen.

Scholle

P.S.: Auf unserer Facebookseite (www.facebook.com/groups/matzab) gibt es weiterhin Fotos und hoffentlich auch bald Videos. Ich arbeite noch mit unserem Hotel daran, dass die gewünschte Datenmenge von meinem Handy via WLAN übertragen werden kann… Auf jeden Fall aber werde ich Euch über Facebook weiterhin mit schnellen Infos aus dem Trainingslager versorgen und abends hier den Blog reinstellen.

P.P.S.: Johan Djourou absolvierte heute leichtes Lauftraining, soll in den kommenden Tagen wieder einsteigen. Paul Scharner rechnet noch mit rund sieben Tagen Pause.

P.P.P.S.: Viele hätten jetzt erwartet, dass ich hier auf die neuerliche Posse des Aufsichtsrates eingehe. Allerdings ist die Tatsache, dass ein Brief des Vorstandes an den Aufsichtsrat öffentlich wird, nicht einwandfrei einem zuzuordnen. Und obwohl ich mich über diese unfassbaren Vorgänge stundenlang echauffieren könnte bis ich mein Mageninneres preisgebe – ich ignoriere den neuerlichen Tiefschlag. Weil derjenige, der dem Verein diesmal schaden wollte, einfach möglichst wenig – nein, am besten gar keine Beachtung verdient hat. Punkt.

Van der Vaart: “Ich habe das Gefühl, ich treffe in Hannover wieder…”

20. Februar 2013

Kennt Ihr das? Ihr wollt etwas fragen – traut Euch aber die Frage nicht, weil es Euch dem Gast gegenüber unangenehm ist. Noch schlimmer: Schon der Fakt, diese Frage überhaupt stellen zu wollen, ist Euch selbst unangenehm. So ähnlich ging es mir heute bei Rafael van der Vaart. Der Niederländer saß uns Fragenden gegenüber und sprach über die Wichtigkeit des Hannover-Spiels und seines Tores für ihn. Und ich wollte wissen, wie sehr ihn der Hype um seine Kurzzeittrennung von seiner Frau genervt und gestört hat. Allerdings bedürfte das einer Frage über sein Privatleben – und sowas ist so gar nicht mein Ding. Es interessiert mich auch tatsächlich nicht im Zusammenhang mit Fußball.

Aber egal wie, ich habe gefragt. Allerdings anders. So zurückhaltend, dass ich mir die Frage mir selbst gegenüber rechtfertigen konnte. Eben gut verpackt, wie ich finde. Zumindest konnte Rafael den privaten Anteil problemlos selbst dosieren. Ob er sich darüber freut, endlich nur sportliche Nachrichten zu produzieren bzw. über sich lesen zu können, war die eine Frage. Und ob er für seine Leistungsfähigkeit einen Unterscheid spürt im Gegensatz zur Trennungsphase Anfang Januar? Zwei Fragen, die Medienprofi van der Vaart mit seiner gewohnt charmanten Art abarbeitete. „Natürlich war es wichtig für mich, mal wieder gut zu spielen. Und zuletzt, auch dank des Tores gegen Gladbach, war es schon besser. Und solche Tore schießt man nur, wenn man auch privat Ruhe hat. Die private Ruhe ist sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt wieder frei.“ Hat man gesehen, wie ich finde. Schon beim Jubel – aber das hatten wir gestern ja schon…

Van der Vaart ist das Alphatier beim HSV in Sachen Selbstvertrauen. Als Fink gestern davon sprach, dass sich die Mannschaft eine andere Außenwirkung erarbeitet habe, dachte er mit Sicherheit auch an van der Vaart und dessen Wirkung auf die Mannschaft. Ein Rene Adler ist dabei sicherlich ähnlich einflussreich – aber van der Vaart ist derjenige auf dem Platz, an dem sich die meisten Spieler hochziehen. Er ist der Weltstar, der den Unterschied machen kann – wie mit seinem Traumtor gegen Gladbach. Und er ist auch der einzige, der öffentlich von Europa sprechen darf.

Aber genau das macht er nicht. Im Gegenteil, auch hundert Nachfragen verführen van der Vaart nicht zu leichtsinnigen Aussagen. Die Nummer 23 des HSV warnt stattdessen vor zu früher Zufriedenheit und appelliert an seine Mitspieler. „Hannover ist eine starke Mannschaft, das wird ganz schwer. Aber wir sind auch stark. Und das wissen die Gegner.“ Immerhin sei der HSV immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Und defensiv würde hervorragend gearbeitet. Eine gute Kombination. „Allein das verunsichert den Gegner nicht selten.“

Mit Folgen. Tabellarisch verbessert sich der HSV Woche für Woche. Und anstatt Häme werden Rudnevs, Son, Jansen und Co. Respekt entgegengebracht. Sagt van der Vaart. „Am Anfang haben die Gegner über uns gelacht, wenn wir angekommen sind. Das machen sie jetzt nicht mehr. Das merken wir.“ Schon anhand der gegnerischen Taktiken erkenne man das. Kein Gegner würde mehr auf Teufel komm raus den HSV unter Druck setzen wollen. Im Gegenteil, die Gegner sind vorsichtig geworden. Van der Vaart: „Alle versuchen erst mal, kompakt zu stehen. Weil wir immer gefährlich sind, weil wir Selbstvertrauen haben. Wir sind inzwischen einfach extrem schwer zu schlagen. Das wissen die.“ Ob Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 aktuell einen Entwicklungsschritt weiter ist? „Nein“, sagt van der Vaart, „das ist nur eine Momentaufnahme. Der HSV ist so groß, das dreht sich in wenigen Sekunden.“

Van der Vaart ist auch die Vormachtstellung im Norden egal. „Wenn wir Dritter und die Zweiter sind, wäre mir das egal“, so der Linksfuß, der dem Nordderby am Sonnabend deshalb auch keine besondere Wichtigkeit beimisst. „Für die Fans ist es sicher was Großes, und den einen oder anderen Spieler motiviert es zusätzlich. Aber am Ende ist es ein Punktspiel. Und wir brauchen einfach die Punkte.“

Und dafür wiederum braucht der HSV Tore. Von van der Vaart – oder eben von den anderen. Zuletzt hatte sich Artjoms Rudnevs diesbezüglich ebenso hervorgetan wie Heung Min Son. Allerdings entstand nur um den Südkoreaner ein ungeahnter Wirbel. Arsenal, Liverpool, Tottenham, Chelsea – eigentlich alle Premier-League-Klubs und überhaupt alle Vereine dieser Welt – wollen Son. Zehn, 15, sogar 20 Millionen Euro Ablösesummen werden gespielt. Und mittendrin versucht HSV-Sportchef Frank Arnesen, den Südkoreaner längerfristig an den finanziell klammen HSV zu binden. Allerdings mit guten Aussichten auf Erfolg, wie Trainerteam und Vorstand gleichermaßen betonen. Und auch van der Vaart – den Son zuletzt als „mein Vorbild“ bezeichnete – ist guter Dinge. „Sonni macht das ganze Theater nicht unruhig. Er ist für uns überragend. Und ich glaube, dass er sich bei uns auch sehr wohlfühlt.“

Van der Vaart selbst will sich in den nächsten Tagen auch mal mit dem Angreifer unterhalten. „Eigentlich halte ich mich da raus“, sagt van der Vaart, „aber ich werde ihm sagen, dass es besser ist, noch zu bleiben. Und das nicht für uns als HSV, sondern für ihn.“ Hier in Hamburg habe Son beste Entwicklungschancen, während der Schritt zu einem europäischen Topklub gleichbedeutend mit weniger Einsatzzeiten und mehr Bankzeiten sein könnte. „Sonni ist jetzt 20 Jahre alt und spielt seine erste sehr gute Saison“, sagt van der Vaart und rät seinem Angreifer, „da muss er nicht gleich nervös werden. Es wäre gut für ihn, wenn er noch ein paar Saisons hier spielt.“

Das wäre es auch für den HSV. Obgleich die durchgesickerte Zusage Lewandowskis mit den Bayern – für mich der logische Schritt eines überragenden Bundesligastürmers – den Stürmermarkt innerhalb der Bundesliga noch mal wachrüttelte. Der Dortmunder wechselt wohl an die Isar und der BVB muss sich Ersatz suchen. Ob Son das sein kann? Bislang ist darüber nichts bekannt, aber es würde zu Klopp passen, statt eines fertigen Superstars sich ein Talent der Kategorie Son zu holen. Insgesamt glaube ich, dass sich auch die Bundesliga immer weiter hin zum spanischen Modell ohne reinen Stürmer entwickeln wird. Technisch versierte Offensivspieler wie Götze, Lewandowski oder auch Son werden gesucht – und auch das macht Son für den HSV noch wertvoller. Ob Son sich bei van der Vaart mal erkundigt hat nach der Premier League oder im Speziellen Tottenham? „Nein“, so der Niederländer, „und ich glaube auch nicht, dass er das machen wird. Im Gegenteil: Ich habe nicht das Gefühl, dass Sonni gehen will.“

Und wer ist als Orakel besser geeignet als der Mann, der seine ersten Treffer nach einer langen Durststrecke richtig ankündigte? Richtig – niemand! Deshalb musste heute natürlich auch die Frage folgen, was der HSV-Star für das bevorstehende Nordderby orakelt. Und wir wurden nicht enttäuscht: „Mein Gefühl sagt mir“, so van der Vaart, „dass ich wieder treffen werde!“

Klingt super, oder?! Und sollte van der Vaart seine sportlichen Leistungen jetzt noch dem Klang seiner Vorhersagen anpassen – dem HSV wäre doppelt und dreifach geholfen…

In diesem Sinne, morgen wird wieder trainiert. Mit Rene Adler und Slobodan Rajkovic, die auch heute schon problemlos mitwirken konnten und gegen Hannover dabei sein werden. Auch das klingt gut…

Bis morgen,
Scholle

Dieser HSV KANN Nachwuchs – aber er muss jetzt aufpassen

10. Dezember 2012

Sie sind zumindest alle gesund geblieben. So viel sickerte inzwischen aus Brasilien durch. Am Dienstagmorgen um 7 Uhr werden Thorsten Fink und Co. am Hamburger Flughafen zurückerwartet. Anschließend geht es zum Auslaufen an die Imtech-Arena, ehe alle Spieler, Offizielle und Journalisten den Versuch starten sollen, das Jetlag schnellstmöglich auszukurieren. Apropos: Seine Verletzung hat Maximilian Beister nahezu auskuriert. Gut möglich, dass der Zweifach-Torschütze der letzten Wochen schon am Sonnabend in Leverkusen wieder zum Einsatz kommt. Und ich lege mich einfach mal fest: Sollte Beister wieder gesund sein, wird er auf jeden Fall neben Artjoms Rudnevs auflaufen, nachdem sich Heung Min Son in Wolfsburg und vor allem gegen Hoffenheim nicht gerade aufdrängte – mal ganz diplomatisch formuliert.

Denn das, was Son derzeit abliefert, ist bitter. Nach seinen sechs Toren hatten viele den Südkoreaner im Profifußball angekommen gesehen. Ich noch nicht. Im Gegenteil. Mir war und ist es ein Rätsel, dass Son bis hin zu Arsenal, Liverpool etc. gehypt wurde und dabei das Lernbare nicht umsetzt. Zumal er sogar teilweise über deutlich mehr Talent verfügt als ein Großteil gleichaltriger Bundesligaprofis. Ob er in Verhandlungen steckt und den Kopf gerade nicht frei hat? „Nein“, sagt sein Berater Thies Bliemeister, „wir haben uns darauf verständigt, im Januar oder Februar in Ruhe in die Gespräche zu gehen. Uns hetzt da nichts.“ Warum sein Schützling momentan auf dem Platz nicht zur Geltung kommt? „Schwer zu sagen. Ich glaube auch, dass wir darüber nicht diskutieren würden, wenn das erste Ding gegen Hoffenheim drin gewesen wäre. Dann würde die Frage andersrum gestellt werden. Dann würden alle wieder von den tollen sieben Toren sprechen und von Millionenangeboten gehört haben.“ Interessante Worte des rührigen Beraters. Ob denn nichts an den Millionenangeboten aus England dran sei? Bliemeister weicht aus: „Auf jeden Fall ist das jetzt nicht unser Thema. Sonni spielt eine insgesamt sehr gute Hinrunde und fühlt sich hier sehr wohl, weil der Trainer ihm vertraut und seine Sprache spricht. Natürlich gibt es immer Möglichkeiten – aber die erste ist der HSV.“ Denn hier könne sich Heung Min Son weiter bestens entwickeln.

Womit ich schon beim Thema bin. Denn heute, wo die Profis mal in der Luft sind und so weder erreichbar sind noch trainieren, möchte ich mich einer sehr netten Geschichte mit einem (hoffentlich schon baldigen) Happy End widmen, dem HSV-Nachwuchs. Im Speziellen: Jonathan Tah.

Der 17 Jahre junge Innenverteidiger des HSV, der schon bei den U-19-Junioren mitspielt ist ein Naturtalent. So zumindest hat es seine „Entdeckerin“, Christiane Harms einst gesehen. Zu recht, wie sich herausstellen sollte. Auf jeden Fall hat Christiane Harms vor 13 Jahren als Sozialpädagogin in einem Altonaer Kindergarten gearbeitet. Dort entdeckte sie den außergewöhnlich beweglichen und körperlich ausgebildeten Jonathan. Sofort fiel ihr ihr Bruder ein, Sebastian Harms, seines Zeichens damals wie heute Jugendtrainer beim HSV. „Sie sagte mir, dass sie einen Jungen habe, der mit Sicherheit irgendwann bei mir spielen würde und es vielleicht sogar zum Profi schafft“, erinnert sich der aktuelle U14-Trainer Sebastian Harms. Sie war total begeistert von Jona’s Bewegungen und war fassungslos, dass er schon in dem zarten Alter von drei, vier Jahren über ein Sixpack (sehr gut ausgebildete, sichtbare Bauchmuskulatur – quasi wie bei mir…, Anm. d. Red.) hatte. Damals dachte ich, die spinnt“, so Sebastian Harms, „aber keine zehn Jahre später holten wir Jonathan tatsächlich aus Altona zum HSV.“ Und heute gilt Jonathan Tah als das größte Talent Deutschlands. Auf einer heutzutage selten gewordenen Position, als Innenverteidiger jagt nicht nur die gesamte Bundesliga hinter dem 1,93-Meter-Hünen hinterher – auch das Ausland hat bereits ernst gemacht und erste Millionenangebote für das HSV-Juwel geboten.

„Er ist unser größtes Abwehrtalent“, sagt Arnesen, der sich augenblicklich in Vertragsverhandlungen mit Tah befindet. Dessen Vertrag würde 2014 auslaufen – allerdings nicht, wenn es nach Arnesen geht. „Wir werden alles daran setzen, ihn bei uns zu halten. Mehr noch, wir versuchen ihn jetzt schon für den Profibereich- und Herrenbereich freizuholen.“ Dafür läuft ein Antrag auf Sondergenehmigung bei der DFL und dem DFB.

Gleiches gilt für Levin Mete Öztunali, den Enkel von HSV-Idol Uwe Seeler. Auch für den 16-Jährigen hofft der HSV eine Freigabe für den Erwachsenenbereich zu bekommen. Ebenso wie die Unterschrift des Offensivallrounders, dessen Vertrag beim HSV im Sommer 2013 ausläuft. „Wir stehen in Gesprächen“, sagt Vater Mete Öztunali, der sich ansonsten sehr bedeckt hält, „weil es uns in erster Linie um die sportliche Perspektive geht.“

Und die sollte der HSV doch aktuell bieten können. Immerhin stehen derzeit mit Heung Min Son, Tolgay Arslan und Maximilian Beister mehr Spieler regelmäßig in der Startelf als je zuvor. Ein Umstand, der gern vergessen wird – der aber Fakt ist und dem Umstand geschuldet, dass der HSV den Umbruch fährt. Weitgehend weg von teuren Zugängen, hin zu Talenten. Aus dem eigenen Verein ebenso wie aus anderen Klubs. „Das macht es uns natürlich auch leichter, intern Zusammenhalt zu entwickeln, weil wir durch die gemeinsame Altersstruktur auch interessemäßig näher beieinander liegen. Zudem ist es in einem Kader ohne gleich 15 oder 20 große Namen leichter für uns, uns durchzusetzen“, sagt Tolgay Arslan, der hinzufügt: „Ich würde gern mal den Trainer sehen, der in einem entscheidenden Spiel plötzlich den gerade aus der Jugend hochgerückten Tolgay Arslan für beispielsweise Ruud van Nistelrooy bringt.“

Gib es selten. Zugegeben. Aber aus der Not heraus kommt das vor. Und so hat sich auch die Dortmunder Spitzenmannschaft gebildet und gilt noch immer als Vorbild wie auch als Hoffnungsschimmer für alle klammen Klubs. Dieter hat mich vorhin angerufen und mir auch den größten, erfolgreichsten deutschen Fußballklub als Beispiel genannt: den FC Bayern München. Der hat auch Ende der Sechziger, Anfang der 70iger etliche Talente aus den eigenen Reihen hochgezogen und sich so in der Bundesligaspitze festgesetzt.

Nun ist natürlich weiter offen, ob ein Beister, ein Arslan, Tah oder auch Öztunali am Ende derartige Weltklassespieler werden wie es ein Breitner oder ein Hoeneß zu ihrer Zeit waren – aber es ist den Versuch allemal wert. Mehr noch, der HSV täte sehr gut daran, seine Talente schnellstmöglich zu verlängern. Denn, und das ist im Jugendbereich bekannt, beide Talente wurden in den letzten Jahren immer wieder mal gesprochen – aber dass sich wirklich von oben jemand um sie kümmert, ist eher selten. Frank Arnesen muss sich jetzt die Zeit nehmen, die nach langer Zeit wieder vorhandenen Talente langfristig zu binden, den HSV mit dem Ruf zu verbinden, dass hier auf Talente gesetzt wird. Beste Argumente dafür hat er mit Arslan, Beister, Son, Lam allemal. Wobei ich gerade geneigt war, Matti Steinmann dazuzuschreiben. Der allerdings, so war von einem Jugendtrainer zu hören, wird im Moment auch nicht mehr beachtet. Allerdings, und da muss ich sehr vorsichtig sein, sind solche Aussagen absolut subjektiv und mit Vorsicht zu genießen. Insofern, so lange ich Matti nicht erreichen kann, lassen wir die Trainermeinung mal so im Raum stehen.

Wichtiger aber, und damit möchte ich den heutigen Blog beschließen, ist mir der Hinweis darauf, welch riesige Chance sich dem HSV aktuell bietet. Er muss im Profibereich kleinere Brötchen backen und hat damit jedes Alibi, um junge Talente zu verpflichten und auch einzusetzen. Der HSV hat die Lizenz zum Versuchen. Vor allem, wenn die Talente aus der eigenen Jugend kommen. Insofern heißt es jetzt für Arnesen, nicht mehr länger abzuwarten, sondern Vollgas zu gehen und die außergewöhnlichen Talente langfristig zu binden. Und um hier mal eine Lanze zu brechen: Dieser HSV KANN wieder Jugendarbeit – er muss sie nur jetzt in den Mittelpunkt stellen. Zumal – und davon habe ich mich selbst schon mehrfach überzeugen können -, im alles überragenden U-15-Bereich (C-Regionalliga) wartet gleich eine ganze Horde von unfassbar großen Talenten auf den HSV…

Schöne Aussichten. Zumindest, wenn sich der HSV jetzt kümmert und auch der Profibereich (Arnesen und Fink vor allem) seinen Nachwuchs in den Mittelpunkt rückt. Denn, und das ist im kleinen Fußball nicht anders als bei den „Großen“ – junge Spieler wollen einfach wahrgenommen werden. Persönliche Gespräche – wie sie beim HSV zwar bis zu Beiersdorfer und seit Michael Schröder wieder geführt werden, aber insgesamt einfach noch zu selten sind – sind da Gold wert.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit Dieter!

Scholle

Boateng trauert seinem Abgang nach – und erwartet einen starken HSV

1. Februar 2012

Viel wärmer ist es in München auch nicht. Sagt mir mein iPhone-App. Im Gegenteil, heute waren es tagsüber zwei Grad weniger. „Beim Training schon manchmal kritisch “, umschreibt mir ein alter Bekannter, der sich bei diesen eisigen Temperaturen auf dem Fußballplatz herumschlagen muss, die Witterung im Süden. Dort trainiert er seit dieser Saison zusammen mit dem wohl besten Kader der Bundesliga. Das glaubt zumindest Marcell Jansen: „Bayern hat gegenüber Dortmund das einheitlichere Konzept mit den bessern Individualisten in der Mannschaft“, so der Linke Mittelfeldspieler, der sich auf ein Wiedersehen mit meinem sowie noch mehr seinem alten Bekannten freut: auf Jerome Boateng.

Der ehemalige Rechtsverteidiger des HSV hat eine beachtliche Karriere für seine gerade mal 23 Jahre hingelegt. Hertha BSC, HSV, Manchester City und jetzt Bayern München – das sind große Namen, die noch beachtlicher werden, wenn man überlegt, dass sich der Defensivspieler überall durchgesetzt hat. Bis hin in die Nationalmannschaft, in der er auch gern den HSV weiterhin vertreten hätte. „Es tat schon weh, damals gehen zu müssen“, sagt Jerome heute und lässt mich ein wenig verwundert zurück. Warum „gehen müssen“? Er hatte sich doch selbst dazu entschlossen, gen Manchester City zu wechseln, oder nicht? „Das stimmt. Aber grundsätzlich wollte ich bleiben und hatte das auch so kommuniziert. Leider wurden damals einige Zeitpunkte für Vertragsverlängerungen versäumt, die alles leichter gemacht hätten.“

Das alte Thema: die fehlende Konstanz beim HSV. Die sieht auch Boateng. Mehr noch, der Vater von Zwillingen wirkt ehrlich traurig darüber, dass in Hamburg eine große Chance liegen gelassen wurde. „Ich war ja nicht der einzige, der ging. Damals ging vorher schon ein Vincent Kompany. Und auch ein Ivica Olic, der eine riesen Serie hingelegt hatte und enorm wichtig war. Ivica wollte eigentlich bleiben, aber dazu kam es aus verschiedenen Gründen nicht. Und wer sich die Namen der letzten Jahre und deren heutige Positionen in ihren Klubs ansieht, der kann erahnen, was für den HSV drin gewesen wäre.“

Konjunktive. Eine interessante Perspektive des sympathischen, ruhigen und fast introvertiert wirkenden Ex-HSVers – aber eben auch Vergangenheit. Denn ich glaube, dass der HSV in diesem Winter ein gutes Zeichen gesetzt hat, niemanden zu holen. Und wenngleich für gute Leute immer Platz sein sollte, blieben zumindest Panikkäufe der Marke Tavares, Ndjeng etc. aus. Dass das schon mangels finanzieller Mittel schwierig war, überhaupt jemanden zu holen – egal. Fakt ist, es wurde niemand geholt und Trainer Thorsten Fink hat seinen Worten („Der Kader ist gut genug, ich vertraue der Mannschaft“) Taten folgen lassen.

Und überhaupt, am meisten Respekt haben die HSV-Gegner derzeit vor dem Einfluss Finks. Der ehemalige Bayern-Profi hat selbst bei den Leuten einen ungemein guten Ruf, die ihn gar nicht persönlich kennen. Wie eben Jerome, der weder als Spieler noch als Trainer jemals irgendwas mit Fink zu tun hatte. Trotzdem sagt er: „Ganz klar, der HSV hat sich langsam eingespielt und hat vor allem einen Trainer, der super ist. Mit Thorsten Fink ist in Hamburg noch einiges möglich.“ Wie er sich davon überzeugt hat? „Nur durch das, was ich aus der Ferne sehe und was mir die Leute berichten. Aber das alles klingt sehr vielversprechend, alle sind begeistert.“ Der HSV hätte endlich wieder einen Trainer, der was erreichen will. Ob das nicht immer so war? Boateng vorsichtig: „Das müssen andere beurteilen. Ich bin dem HSV sehr dankbar für drei tolle Jahre. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Freunden wie beispielsweise Dennis Aogo, Marcell Jansen, Paolo und Tomas Rincon – auch wenn ich versprechen kann, dass das auf dem Platz sicher anders aussehen wird.“

Es war ein sehr nettes Gespräch mit Jerome (das Interview könnt Ihr morgen im Print-Teil lesen), für den ich mich freuen würde, wenn er von den HSV-Fans mit Respekt empfangen würde. Zumal er selbst daran glaubt. Obwohl er beim FC Bayern spielt, der in Hamburg für Bundesligaverhältnisse zusammen mit Werder (oder schon kurz dahinter) als Staatsfeind Nummer eins gilt (Pauli bleibt als Zweitligist hier unerwähnt). „Ich glaube aber trotzdem, dass es ein warmer Empfang für mich wird. Die Hamburger Fans haben mich in den Jahren beim HSV immer großartig unterstützt und mir auch einen tollen Abschied bereitet.“ Mal sehen wie der erste Empfang seit 2010 für ihn wird.

Sportlich erwartet Boateng Schwerstarbeit gegen seinen Freund Paolo („Der haut seinen Körper ordentlich rein“) und Mladen Petric („Ein Schlitzohr“). Und auch der HSV gibt sich optimistisch. Verhalten zwar – aber das ist nach dem 1:5 zum Auftakt gegen Dortmund mehr als logisch. „Wir brauchen uns nicht lange unterhalten, brauchen keine Konzepte erarbeiten – das einzige Konzept gegen Bayern muss sein, kompakt zu sein. Von der ersten bis zur 90. Minute “, sagt Marcell Jansen, der einst vom FCB nach Hamburg wechselte. „Wir hatten gegen Dortmund das Problem, dass der BVB gepresst hat und wir zu schnell Fehler gemacht haben. Das müssen wir gegen Bayern ändern, indem wir es uns durch Einsatz erarbeiten. Wie Gladbach, die haben nie ein eins gegen eins zugelassen, haben die entscheidenden Positionen gedoppelt und schnell gekontert. Das war taktisch das Beste, was man machen konnte.“

Gladbach ist das Vorbild für den HSV – zumindest am Sonnabend. Dass es allerdings nur defensiv auch nicht geht, das hat das Hinspiel (0:5) gezeigt. Da hatte der ehemalige Trainer Michael Oenning eine sehr defensive Taktik ausgerufen, wollte möglichst lang die Null halten. „Aber wir haben früh das 0:1 bekommen“, erinnert sich Dennis Diekmeier, „und damit war das schnell über den Haufen geworfen. Damals gingen schnell unsere Köpfe runter und es ging nix mehr. Da sind wir unangenehm vorgeführt worden.“ Wie das am Sonnabend zu vermeiden ist? „Indem wir selbstbewusst auftreten und uns an die Basics erinnern. Erst wenn wir in den Zweikämpfen aggressiv gegenhalten und uns gegenseitig unterstützen, haben wir eine Chance.“ Wobei ich das Konterspiel angesichts der nicht wirklich zur Sprinterkategorie zu zählenden Mladen Petric und Paolo Guerrero nicht als bestes Stilmittel erachte. Es sei denn, die Konter gehen über Diekmeier, den vielleicht schnellsten Außenverteidiger der Liga, der in Berlin seine ersten Torvorlagen bejubeln durfte.

Ich hätte nichts dagegen, wenn er am Wochenende eine weiter folgen lässt – und auf der anderen Seite dafür sorgt, dass der FC Bayern, den beim HSV fast alle als den Meisterschaftsfavoriten Nummer eins nennen, kein Tor in der Imtech-Arena schießt. Das kann ganz sicher hässlich werden – aber das wäre mir sch…egal…

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr trainiert.

Scholle

P.S.: Im heutigen Training fehlte neben den Langzeitverletzten nur Zhi Gin Lam (Muskelfaserriss). Während der eisigen 65-Minuten-Einheit ließ Fink nach dem Aufwärmprogramm zunächst ein Spiel ohne Tore absolvieren, danach den üblichen Kreis, bevor es zum Abschluss ein Dreier-Turnier gab, bei dem die jeweils aussetzende Mannschaft einen Kraftzirkel absolvierte, um nicht komplett zu erfrieren.

Drei Punkte in München – und Olic dazu?

18. August 2011

Safety first – die Sicherheit zuerst. Das war das von Trainer Michael Oenning vorgegebene Motto gegen Hertha BSC. Und das ist auch das Motto gegen den FC Bayern. Wie heute im Training unschwer zu erkennen war, sogar noch etwas defensiver als zuletzt. Da agierten David Jarolim und Heiko Westermann als Doppelsechs, während Marcell Jansen links und Tomas Rincon rechts im Mittelfeld spielten. Der Beste Spieler der Copa America (Fans hatten Rincon gewählt) soll den primär offensiv ausgelegten Gökhan Töre auf der rechten Seite beerben. „Lahm und Ribery auf der Seite sind ein Argument, für mehr Stabilität zu sorgen“, so Oenning, der insbesondere auf die Defensivstärke Rincons setzt.

Allerdings soll damit nicht einzig die Defensive gestärkt, sondern auch sichergestellt werden, dass der HSV in München kontern kann. Und dafür sind die schnellsten Spieler vonnöten. Auch Dennis Diekmeier. Der hatte zuletzt die Order bekommen, zuerst die Defensive abzusichern, um nicht wieder in einen Konter wie in Dortmund zu laufen. „Wir haben zu vielzugelassen“, so Westermann, „das müssen wir abstellen. Schnell.“ Und zwar mit Rincon, auch wenn der es selbst noch nicht wahrhaben will. „Ich hatte auch gegen Hertha schon damit gerechnet, dass ich spiele. Und am Ende war ich nur enttäuscht.“ Deshalb wertet er die Trainingsaufstellung beim Spiel elf gegen elf über den ganzen Platz, lieber nur vorsichtig, sagt aber auch: „Es sieht so aus, als würde ich spielen. Ich bereite mich auf jeden Fall gut vor.“

Dass er nicht auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld sondern rechts auflaufen soll, stört ihn nicht. „Ich habe auch gegen Gladbach und Leverkusen letzte Serie da gespielt – und wir haben uns jedes Mal eine Menge Chancen erarbeitet. Das zeigt doch, dass es geht.“ Selbst gegen Weltklassespieler wir Ribery und Lahm. „Lahm ist ein sehr guter Spieler“, sagt Rincon, „aber Angst habe ich nicht. Wer sich gut vorbereitet, kann auch gut spielen. Und ich muss dafür nur gut essen, gut trinken und gut schlafen. Dann klappt das schon.“ So einfach ist das …

Nicht ganz so leicht ist es indes, einen kapitalen Fehler abzuhaken und sich neu zu fokussieren. Diese üble Erfahrung musste zuletzt Jaroslav Drobny machen, nachdem er gegen Hertha BSC zunächst super gehalten, um dann drei Minuten vor Schluss daneben zu greifen und den Berlinern so doch noch einen Punkt zu bescheren. „Nach dem Spiel war ich natürlich richtig angepisst“, so Drobny in nicht zwingend feinem Deutsch, „es war nicht einfach, das alles zu verdrängen. Vor allem, weil wir nicht gewonnen haben. Da sind die ersten Tage danach immer hart für mich.“ Dennoch müsse er den Fehlgriff jetzt hinter sich lassen. „So ein Fehler ist hart, er ist im Nachhinein auch nicht zu löschen – aber er passiert leider. Wichtiger als darüber nachzudenken, ist, es beim nächsten Mal besser zu machen und aus dem Fehler zu lernen.“ Eine Entwicklung die Drobny mit dem Rest der sehr jungen Mannschaft gemein hat. „Wir haben in der Woche viele Dinge angesprochen und trainiert. Vor allem taktisch“, verrät Drobny und betont: „Gerade gegen Bayern müssen wir taktisch perfekt spielen. Denn wir wollen von dort einige Punkte mitnehmen.“ Einige also, dementsprechend rechnet Drobny mit einem Sieg beim Rekordmeister. Wie genau das funktionieren kann? „Das wirst Du am Sonnabend sehen…“

Sehr schön, das würden wir nur zu gern. Und noch etwas, worüber ich mich sehr freue: Es gibt endlich mutige Töne von der Mannschaft. Auch wenn Oenning selbst weiter die Ansprüche niedrig zu halten versucht („Ich habe den Eindruck, dass sich die Mannschaft so teuer wie möglich verkaufen wird“), wird die Mannschaft mutiger. Zunächst verbal – aber ich werte das einfach mal als guten Anfang.

Obwohl – 7:0 hatte ich ja vor Saisonbeginn getippt. Für den HSV natürlich. Ein Tipp, den ich im Video schon revidiert habe. Besser gesagt: ich musste einsehen, dass ein solches Ergebnis momentan nicht realistisch ist. Und wo ich gerade beim Video bin: So eine Sch…ande! Da wird aus dem Video doch tatsächlich meine Hellseherfähigkeit rausgeschnitten. Hintergrund: Das Video hatten wir am Mittwoch vor dem Training gedreht- entsprechend auch vor dem Bayern-Spiel. Und dazu hatte ich gesagt, dass die Doppelbelastung für den HSV ein großes Plus ist, weil so sichergestellt sei, dass Arjen Robben nicht gegen den HSV aufläuft. Schließlich hat der Niederländer es nicht so mit zwei Spielen in Folge. Wohl auch diesmal nicht. Heute plagt sich der torgefährliche Weltklassespieler mit Rückenproblemen herum – und sein Einsatz ist stark gefährdet. Gut für uns…

Und um noch mal beim Video zu bleiben: da hatte mich ein alter Bekannter angerufen: Jörg Butt. Unseren ehemaligen Elfer-Killer (als Keeper wie als Schütze) zähle ich zu den ganz wenigen Profis, mit dem mich über das branchenübliche „wir brauchen uns gegenseitig“ hinaus wirklich eine Freundschaft verbindet. Jörg ist ein tadelloser Sportsmann – und vor allem ein sehr ehrlicher, zuverlässiger und loyaler Mensch. Und obwohl ihm damals in Hamburg ein wahrlich unrühmlicher Abschied beschert wurde, verbindet er mit dem HSV und Hamburg ein Stück Heimat. Immer, wenn wir telefonieren, fragt er nach dem Befinden des HSV. Auch diesmal. Wobei sich offenbar bis München herumgesprochen hat, dass der HSV derzeit noch mehr Probleme hat, als dem Klubverantwortlichen lieb ist.

Aber wo ich ihn schon am Apparat hatte, habe ich mich natürlich auch nach dem internen Befinden der Bayern-Mannschaft erkundigt. „Wir haben gestern gegen Zürich sicher nicht unser bestes Spiel gemacht“, hat er geantwortet, „aber wir haben uns eben etwas aufbewahrt für den HSV.“ Was er vom HSV weiß? „Nur, dass die Mannschaft noch nicht so gut drauf ist und sich wohl noch in der Findungsphase befindet. Aber das hat nicht allzu viel zu bedeuten und macht die Aufgabe für uns nicht leichter.“

Was ich allerdings vergessen habe zu fragen, war: Was ist eigentlich mit Ivica Olic? Den habe ich gestern nur beim Jubeln mit Arjen Robben gesehen – als Reservist. Und auch in der Bundesliga ist er bis auf einen Fünf-Minuten-Einsatz bislang noch nicht zum Zug gekommen. Inklusive einer Testspielhalbzeit sind es gerade 50 Minuten. Viel zu wenig für den Kroaten, den ich nur zu gern wieder für den HSV spielen sehen würde. „Zu Fuß, Huckepack oder in der Schubkarre – ich würde ihn persönlich abholen“, steckte mir heute ein HSV-Mitarbeiter. Und den Worten schließe ich mich an. Der Kroate mit dem kaputten Knie – sein Knorpelschaden ist zwar irreparabel, aber für ein paar gute Jahre sollte es noch reichen – ist für mich genau der Typ Spieler, den diese Mannaschaft gebrauchen kann. Schnell, unermüdlich und mit einem unbändigen Willen ausgestattet. Und er ist gegangen, weil er sich mit dem alten Vorstand überworfen hatte. Der ist jetzt allerdings weg und neu besetzt – vielleicht sollte der HSV da mal den Versuch einer Rückholaktion starten. Dann nehmen wir am Sonnabend um etwa 17.15 Uhr nicht nur die ersten drei Punkte, sondern auch einen ehemaligen Publikumsliebling mit. Mehr ginge wirklich nicht…

In diesem Sinne, bevor ich hier zu sehr ins Träumen gerate: bis morgen! Da wird um 12 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Scholle (19.06 Uhr)

P.S.: Änis Ben-Hatira liegt weiter mit einem grippalen Infekt flach. Der wechselwillige Offensivspieler wird in München durch den wieder genesenen Gojko Kacar ersetzt.

Westermann macht Druck – und Berg will spielen

17. August 2011

Es ist schon fast beeindruckend, mit welcher Überzeugung Heiko Westermann agiert. Auf dem Platz ackert der Kapitän bis nichts mehr geht. Und drumherum gibt er sich unbeirrt optimistisch. Die Pfiffe gegen ihn, die Kritik, die Misserfolge gegen Dortmund und Hertha, zudem die letzte Nichtberücksichtigung für das Brasilien-Länderspiel – nichts kann den 28-Jährigen erschüttern, geschweige denn von seiner Meinung abbringen, dass mit diesem HSV noch einiges zu holen ist. „Wir haben sicher noch nicht die perfekte Abstimmung gefunden – aber wir denken nicht mehr zurück sondern freuen uns auf das Bayern-Spiel. Wir müssen einfach das besser machen, was wir in den ersten beiden Spielen nicht so gut gemacht haben.“

Logisch. Aber was genau war falsch? Und wie wird es besser? „Wir haben zu viele Räume zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Uns fehlt die Abstimmung. Der Wille ist zwar da, aber das sieht dann manchmal komisch aus, weil da noch zu wenig ineinander greift. Das hat uns die ersten zwei Spiele die Punkte gekostet.“ Insbesondere, weil das zentral-defensive Mittelfeld (gegen Dortmund mit Kacar/Rincon, gegen Hertha mit Westermann zunächst als einzige Sechs) nicht funktionierte. „Gegen Berlin hatten wir einfach zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen“, phrasiert Westermann, „dadurch habe wir keinen Druck auf den Ball gekriegt – und dann sieht man schon mal nicht so gut aus. Dann wird es schwer, überhaupt in den Zweikampf zu kommen.“ Doch anstatt wieder um Geduld und Zeit zu bitten, macht der Kapitän Druck: „Das müssen wir lernen, ganz schnell. Sonst wird es schwer.“ In München soll aller Voraussicht nach der zuletzt erst gegen Hertha eingewechselte David Jarolim wieder im Mittelfeld ab- und aufräumen. Eine Entscheidung, die Westermann nachdrücklich befürwortet. „Seine Erfahrung wird uns helfen, er wird das schnell umsetzen können.“

Eine gute Erfahrung hatte der HSV bereits beim 2:1-Sieg im Liga-Total-Cup gemacht. „Das war sicher nur Vorgeplänkel. Aber wir haben im Hinterkopf, wie es funktionieren kann.“ Und zwar aus einer kompakten defensive mit schnellen Kontern. „Wir haben es damals gut gemacht. Wir haben auf Konter gespielt und wenig bis nichts zugelassen.“ Eine Methode, die funktionieren könnte. Glaubt Westermann. „Nur so geht es. Denn die Bayern werden auch diesmal wieder 70 Prozent und mehr Ballbesitz haben.“ 70 Prozent? „Na ja“, sagt Westermann, „so viel haben die doch immer. Stimmt zwar nicht ganz. Aber sinngemäß ist es nicht falsch, da die Bayern natürlich in fast jedem Spiel dominant agieren.

Auch deshalb frage ich mich, ob der HSV mit dem sicher nicht sprintstärksten Mladen Petric hierbei am besten besetzt ist. Zumal der Kroate heute mit einem leichten grippalen Infekt nur im Trainingstrakt blieb und sich behandeln ließ. Nein, die Frage ist doch, sollte es tatsächlich – wie in Mainz – besser sein, mit den schnellsten Offensivkräften zu beginnen. Und: nur weil Jansen derzeit auf links die beste Figur macht, kann man dann ganz auf Eljero Elia, dem laut italienischen Online-Medien ein Angebot von Real Madrid vorliegen soll, komplett verzichten? Oder muss man sich von dem Gedanken lösen, dass er nur links spielen kann und den Niederländer auf der rechten Außenbahn oder gar hinter der Spitze aufbieten? Ich denke schon. Denn wenn Elia eines hat, dann Tempo…

Offensiv ebenfalls eine Option ist auch wieder Marcus Berg. Bislang zwar nur für Teileinsätze, aber er ist eben wieder da. „Ich bin fit, kann spielen“, sagt der introvertierte Schwede, den man am liebsten immer wieder in den Arm nehmen würde. Nicht, weil er heute Geburtstag hat – Herzlichen Glückwunsch zum 25. Geburtstag noch mal von dieser Stelle! – nein, auch, weil der teuerste Einkauf der 124 Jahre alten Vereinsgeschichte immer so zurückhaltend und scheinbar schüchtern antwortet.

Grund für großes Selbstvertrauen hat der Angreifer in Hamburg nicht sammeln können. Allerdings glaubt er selbst daran, dass es jetzt besser wird. „Als ich hergekommen bin, hatte wir hier viele große Namen und viele ältere Spieler. Da war es nicht so leicht für mich als jungen und neuen Spieler.“ Das sei jetzt anders. „Ich bin nicht nur plötzlich der sechst- oder siebtälteste Spieler, sondern wir haben auch eine bessere Gemeinschaft, agieren als Team. Das hat es leicht gemacht, wieder reinzufinden.“

Nun muss ich zugeben, mich damals beim Kauf Bergs geärgert zu haben. Für mich war es der panische Aktionismus von Bruno Labbadia und vor allem Bernd Hoffmann, der sich damals die Bürde des Sportchefs quasi mitauferlegt hatte und mit allen Mitteln Erfolg haben wollte (musste). Und obwohl es bislang nicht wirklich viel Anlass gibt, meine Meinung über Bergs fußballerische Qualitäten zu ändern, ist es zumindest nur fair, ihm die gleiche Anlaufzeit wie allen anderen innerhalb dieses Umbruchs zu gewähren. Zumal er im Training vor dem Tor eiskalt ist und selbst über sich sagt, in der Leihsaison beim PSV Eindhoven seinen bislang größten Schritt nach vorn gemacht zu haben. „Es war hart, aber lehrreich, weil ich dort das erste Mal als einzige Spitze gespielt habe, nachdem ich immer einer von zwei Angreifern war – was ich auch lieber spiele. Ich habe gelernt, mich auf andere Situationen einzustellen, mich auch mit dem Rücken zum Tor zu behaupten. Trotzdem war es für mich immer klar, nach dem Jahr in Eindhoven zurück nach Hamburg zu gehen. Hier habe ich drei Jahre Vertrag, hier will ich was erreichen.“

Allerdings nicht um jeden Preis. Noch hat Berg leichte Probleme, weil seine Rückenmuskulatur noch nicht wieder vollständig hergestellt ist nach rund einem Monat Pause. „Ich fühle mich grundsätzlich gut, auch wenn ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Es wird sicher noch etwas dauern, aber ich mache mir keinen Stress.“ Über Teileinsätze in der Bundesliga oder auch Spiel für die Regionalliga-Mannschaft will Berg seine Wettkampffitness erreichen. Was sein Eindruck von der Mannschaft ist? Auch im vergleich zu der Mannschaft vor einem Jahr? „Wir sind jünger, haben Erfahrung verloren aber noch immer sehr viel Qualität. Es wird alles noch ein wenig dauern, aber wir haben das Potenzial.“ Sätze, die ich echt nicht mehr hören mag – von denen ich aber hoffe, dass sie sich irgendwann bewahrheiten. Und zum Glück legte Berg noch nach: „Wir haben dieses Jahr große Ziele. Wir wollen besser abschneiden als in der vergangenen Saison. Das klingt nach dem viel kritisierten Start vielleicht etwas verrückt – aber dafür haben wir die Qualität. Und wir kommen als Team immer mehr zusammen. Schaffen wir eine Einheit, haben wir eine große Chance.“

Auch in München.

In diesem Sinne, lasst uns wachsen. Schnell.

Scholle (18.26 Uhr)

P.S.: Ein Wechsel von Änis Ben-Hatira zu Hertha BSC Berlin scheint immer wahrscheinlicher. Beim HSV aktuell nur Reservist, drängt der in Berlin aufgewachsene Offensivspieler jetzt offenbar selbst auf einen Wechsel in die Hauptstadt. Zumindest behauptet das Ex-HSV-Profi Tunay Torun: „Änis will zu uns, das hat er mir gesagt“, so Herthas Torschütze zum 1:1 am vergangenen Sonnabend. Rund zwei Millionen Euro beträgt der Marktwert Ben-Hatiras. Ein Betrag, den Hertha stemmen könnte, wenn sie ihren Angreifer Rob Friend loswerden. Und ich bin mir sicher, dass der HSV auf eine ebenso hohe Ablösesumme pochen wird, damit man selbst noch mal auf dem Transfermarkt reagieren kann.

P.P.S.: Das wiederum bringt mich zu einer häufiger gestellten Frage danach, warum der HSV für Wolfgang Hesl keine Ablösesumme verlangt hat. Ich glaube, dass dies aus zwei Gründen passiert ist. Zum einen, weil man dem 25-Jährigen Spielpraxis ermöglichen wollte, die er bei Oenning nicht bekommen hätte. Zudem, und das ist sicher deutlich entscheidender gewesen, soll es ein Missverständnis zwischen Arnesen und Oenning gegeben haben, das sie dem Spieler gegenüber auch eingeräumt haben. Demnach soll Arnesen bei seinen Überredungsversuchen, Hesl nach Hamburg zu locken, nicht gewusst haben, dass Oenning nicht wirklich mit dem damals an den SV Ried verliehenen Keeper plant. Sollte dem so gewesen sein, wäre es ein Gebot der Fairness, Hesl bei einem Wechsel keine Steine in den Weg zu legen. Und eine Ablösesumme von mehreren Hunderttausend bei einem Gesamtmarkwert von gerade 300000 Euro wäre in diesem Zusammenhang nicht nur ein Stein, sondern gleich ein ganzer Berg gewesen…

P.P.P.S.: Per Skjelbred ist wieder fit. Der Norweger, der gegen Hertha von beginn an auflief, obwohl Trainer Michael Oenning bei dem Norweger ein Formtief entdeckt hatte, trainierte heute voll mit und soll auch am Donnerstag, wenn um zehn Uhr an der Imtech-Arena Training ist, wieder dabei sein.

“Wir müssen endlich mutiger spielen”

16. August 2011

Den Satz musste er zumindest noch mal erklären. „Ich würde unseren Start nicht als misslungen bezeichnen“, hatte Trainer Michael Oenning in die Kameras gesprochen. Bei einem glücklichen Punkt aus zwei Spielen eine zumindest diskutable Aussage. „Ich will damit nur sagen, dass es niemandem etwas bringt, jetzt derartige Bewertungen abzugeben“, so der HSV-Trainer, der auch rückblickende Bewertungen ablehnt. „Saisonübergreifend zu bewerten halte ich für nicht sinnvoll“, so der Trainer, der es in seinen zehn Spielen als HSV-Trainer auf insgesamt neun Punkte bringt. Davon bislang einen in der neuen Saison. „Uns fehlten theoretisch nur drei Minuten für drei Punkte. Hätten wir die eingefahren, wären die Diskussionen nicht aufgekommen – und trotzdem hätten wir das Ergebnis intern sehr vorsichtig bewertet, weil wir das Zustandekommen als Maßstab nehmen. Nein, das alles kommt zu früh, weil wir wussten, dass wir Dinge erst noch entwickeln müssen. Und das kann bis tief in die Saison gehen.“

Okay, das war anzunehmen. Dennoch muss sich auch der HSV trotz seines zeitaufwendigen Umbruches dem Regelwerk stellen und Punkte einfahren. „Aus der Nummer kommen wir natürlich nicht raus. Wir wissen auch alle, dass wir Ergebnisse liefern müssen“, sagt Oenning. Vor dem Auswärtsspiel beim FC Bayern ein nicht gerade leichtes Vorhaben. Wie es dennoch funktionieren soll? „Die Partie in München wird wie in Dortmund. Wir müssen in erster Linie kompakt stehen.“ Zudem sieht Oenning das 2:1 aus dem „Liga-Total-Cup“ als Pluspunkt. „Es ist sicher ein Vorteil, dass wir schon gegen sie gespielt haben als sie fast komplett waren.“ Das gelte sowohl für die Vorbereitung auf den schier übermächtigen Gegner als auch fürs eigene Selbstvertrauen, so Oenning weiter.

Und genau da sollte der HSV(-Trainer) ansetzen. Wir hatten es hier schon in der vergangenen Woche breit diskutiert, dass sich der HSV nicht kleinreden sollte. Hinzufügen muss man sicherlich, dass das Gerede über viel Zeit, die für den Umbruch nötig ist, nicht nur förderlich ist. Es bietet der jungen Mannschaft ein Alibi, es verführt zudem zum Gedanken, dass man das aktuell Verpasste ja später nachholen könne, wenn es besser läuft. Die Gefahr dabei ist, dass der Moment aus den Augen verloren wird – und so unnötig viele Punkte liegengelassen werden. „Wir dürfen nicht denken, dass wir ewig Zeit bekommen“, warnt auch Marcell Jansen, der am Sonnabend in München Eljero Elia – und da nehme ich jede Wette an – auf links ersetzen wird. Und der redselige Linksfuß legte noch nach: „Wir müssen davon wegkommen, zu viel vom Umbruch zu sprechen und endlich Dinge umsetzen. Spiele wie gegen Hertha, das wir eigentlich nie hätten gewinnen dürfen, dürfen nicht mehr sein.“

Auch Jansen sieht die Bayern-Partie als große Chance. Zum einen, weil der HSV (das 0:6 unter Veh mal ausgenommen) in München immer recht gut aussah in den letzten Jahren. Und natürlich auch, weil es beim Rekordmeister kaum etwas zu verlieren gibt. „Gerade dann spielt man oft am besten“, so Jansen, „wir müssen da auch was mitnehmen. Wenn wir das Gefühl entwickeln, dass was geht und dass jeder dem anderen hilft, dann geht für uns was bei den Bayern.“

Zumindest theoretisch. Denn mehr ist das alles noch nicht. Auch wenn es praktisch heute im Training schon wieder gut aussah. „Richtig gut“ sogar, wie Oenning erkannt haben wollte. Allerdings, um eine hier bereits zitierte Aussage ein wenig zu korrigieren, dabei muss man stets auch bedenken, dass die HSV-Stürmer gegen die HSV-Abwehrspieler und andersrum gut aussehen. Als optimaler Maßstab dürfen Trainingsleistungen daher nicht genommen werden. Sehr wohl aber als Indiz für bessere Leistungen. So, wie es sich Oenning auch von Mladen Petric erhofft. Der Kroate hatte einen großen Teil der Vorbereitung verpasst und daher noch einen Trainingsrückstand, dem man ihm auf dem Platz ansah. „Er ist besser drauf, als wir erwarten konnten, hat sich gerade durch ein kleines Tal gekämpft“, bestätigt Oenning, „der kommt jetzt wieder und ist besser drauf als vorher.“

Muss er auch, denn ansonsten ist im Angriff nicht viel los. Son ist seit seinen 18 Vorbereitungstreffern in einem Formtief, Paolo Guerrero verletzt und Marcus Berg gerade erst wieder auf dem Weg, ins Team zu rutschen. „Marcus macht sich sehr gut“, hofft Oenning, „er trainiert gut, trifft und quält sich in jeder Einheit. Für Kurzeinsätze reicht das“, so der HSV-Trainer, der aber einen Einsatz von Beginn an bei dem Schweden ausschließt: „Er hat noch Rückstände in der Grundlagenausdauer.“ Die soll sich Berg via Spiele für die U23 in der Regionalliga holen, wo zuletzt auch Romeo Castelen mit Toren und straken Leistungen auf sich aufmerksam machen konnte. Ob der Niederländer für die rechte Mittelfeldseite schon eine Alternative sei? Oenning: „Romeo kommt. Aber wir müssen auch vorsichtig sein. Bei den Amateuren spielt er super, aber nach 60 Minuten hat er seine Probleme. Er hat jetzt so lange daraufhin gearbeitet, da werden wir jetzt nicht hektisch. Er kriegt seine Zeit und soll sich über Spielpraxis fitmachen.“ Ergo: noch geht es nur für die Regionalliga-Elf auf Torejagd.

Gestern hatte ich hier gefragt, wen Ihr Euch für den HSV als Verstärkung vorstellen könnt. Eine Frage, die wir heute auch Michael Oenning stellten. Der allerdings wich aus. Zwangsläufig. „Es ist nicht immer eine Frage des Willens, sondern, was können wir noch machen, was ist möglich“, so der HSV-Trainer. Und anstatt erneut darüber zu philosophieren, wer kommen und wer dafür gehen müsste, setzt Oenning auf das vorhandene Spielermaterial. „Wir haben uns personell ergänzt und kriegen die Wettbewerbsfähigkeit ganz sicher auf den Platz. Und auch wenn es sicher einfacher und wünschenswert wäre, wenn wir bereits jetzt eine funktionierende Achse hätten, müssen wir gerade da noch ein wenig suchen.“ In München sollen dafür Heiko Westermann und David Jarolim im zentralen Mittelfeld ab- und aufräumen.

Am wichtigsten aber ist für den HSV-Trainer, dass die Mannschaft Automatismen einstudiert. „Uns fehlt da einfach noch die Sicherheit. Wir müssen einmal mit einer Formation ein paar Spiele in Folge Dafür verzichtete der Sky-Experte auch auf eine Einladung für das Champions-League-Spiel der Bayern morgen gegen Zürich. Oenning: „Es gibt im Moment einfach wichtigere Aufgaben zu erledigen.“

Das stimmt sicherlich. Und während Schweizer Medien erneut davon berichten, dass der HSV in Person von Frank Arnesen um die Dienste des Toptalentes Xherdan Shaqiri wirbt, es dafür vom HSV allerdings keine Bestätigung gibt, wird Oenning die Woche nutzen, um gerade die fehlenden Automatismen einzustudieren. Wobei es mir vorerst schon reichen würde, wenn es bei Analysen nach Spielen nicht der erste Automatismus bei den Verantwortlichen ist, um Zeit und Geduld zu bitten. Das wissen inzwischen alle. Und das scheint inzwischen ja sogar schon den einen oder anderen Spieler zu nerven, wie das Beispiel Marcell Jansen zeigt…

Nein, auch wenn es vermessen wäre, gerade vor dem Spiel bei den Bayern den ersten Saisonsieg einzufordern, sollte eine Entwicklung der Mannschaft erkennbar werden. Die Mannschaft sollte eine eigene Wahrnehmung entwickeln, die nach sich zieht, Spiele wie gegen Hertha und demnächst auch Köln zuhause gewinnen zu müssen. Denn das darf beim vorhandenen Potenzial sehr wohl der Anspruch sein. Auch jetzt schon.

In diesem Sinne, ich halte es mal so, wie es Jansen sieht: „Auch wenn Geduld immer wichtig sein wird – langsam dürfen wir mutiger spielen.“

Scholle (18.15 Uhr)

P.S.: Heute tauchte an der Imtech-Arena tauchte ein Spieler auf, den nur die größten Experten auf den ersten Blick erkannten. Sven Neuhaus, ehemaliger Stammkeeper bei Greuther Fürth und dem FC Augsburg in der Zweiten Bundesliga und zuletzt bei Red Bull Leipzig in der Regionalliga aktiv, wird von den Verantwortlichen der Hamburger getestet. Neuhaus ist derzeit vereinslos, sein Vertrag in Leipzig wurde zur neuen Spielzeit nicht verlängert. „Wir testen ihn eine Woche und fällen anschließend gemeinsam eine Entscheidung“, so Oenning, der im gleichen Atemzug betont, dass der HSV unabhängig von Neuhaus weiter auf der Suche nach einem jungen, deutschen Torwarttalent sei.

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