Archiv für das Tag 'Bäron'

Mails von Euch – und ein offener Brief vom DFB

10. Juni 2015

Liebe Matz-abber!

Keine Angst, es wird heute auch noch einen „vernünftigen“ Blog-Beitrag geben. Weil der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach heute mit einem „offenen Brief“ an alle Fußball-Anhänger gegangen ist, und weil die Zeitungen einen solchen langen Beitrag sicherlich nicht zu 100 Prozent abdrucken werden, versuche ich es einmal, diese Gedankengänge des Präsidenten näher zu bringen. Und zwar zu 100 Prozent.
Den ganzen Beitrag lesen »

Eine Zugfahrt, die ist lustig . . .

16. Dezember 2012

Eine Zugfahrt, die ist lustig,
eine Zugfahrt die ist schön,
denn da kann man fremde Länder
und noch manches andre sehn.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die macht müde,
eine Zugfahrt die macht schlapp,
und dann liefert man im Westen
einen miesen Kick nur ab.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist lästig,
eine Zugfahrt ist kein Flug,
fragt der Schaffner nach der Karte
hat man ohnehin genug . . .
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist billig,
eine Zugfahrt die macht krank,
das erklärt dann eine Pleite,
und der Coach sagt: „Vielen Dank!“
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist bieder,
eine Zugfahrt die ist schlecht,
deshalb darf man mal verlieren,
dazu hat man dann das Recht.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die killt Kräfte,
eine Zugfahrt die macht mau,
und dann kickt man eben grottig,
ja so tickt der HSV.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Jetzt wissen wir es. Genau. Der HSV flog in Leverkusen auf die Nase, weil er nicht geflogen ist. Vorher. Er verlor mit 0:3, weil er mit dem Zug nach Leverkusen fahren musste. Und weil die Zugfahrt länger gedauert hat, als man vorher dem Fahrplan entnehmen konnte. Sechs Stunden hat die Fahrt gedauert, ganz sicher ein paar Stunden zu viel – oder? Und diese Stunden rauben dann nicht nur die Kräfte, sondern auch den Willen (zum Killen). Und diese sechs Stunden lähmen nicht nur die Beine, sondern auch die Herzen. Leidenschaft ist nach einer solchen Zugfahrt dann auch nicht mehr zu erwarten. Weil ein jeder, okay, fast jeder, doch nur an die Zugfahrt zurückdenken muss. Und da Männer ohnehin nur eines zur Zeit können, denken sie eben nur an Zug – und nicht an Spiel, Sieg und Leverkusen. Das erinnert mich alles an Jim Knopf, Lukas und an Lummerland, vor allem an die Lummerländer Bergwelt. Die Berg- und Talfahrt des HSV erfuhr mit diesem trostlosen Auftritt im Westen nur noch eine weitere Fortsetzung. Wahnsinn. Jedes Mal, wenn man denkt, es könnte nach ob . . . Ach, lassen wir das.

Zur Erklärung des Themas Bahnfahrt. Trainer Thorsten Fink sagte nach der 0:3-Pleite in Leverkusen in die Mikrofone und Kameras: „Meine Meinung ist, dass die Brasilien-Reise nichts ausgemacht hat. Wir hatten sicherlich am Freitag eine schlechte Anreise nach Leverkusen, dass wir da sechs Stunden im Zug gesessen sind – und dann noch mal die Fahrt zum Hotel . . . Das war vielleicht etwas unglücklich mit der Woche, die wir dann hatten – aber die Brasilien-Reise, so denke ich, hat nichts ausgemacht.“
Aber die sechs Stunden im Zug. Die langten dann.

Wobei, ich schreibe ja gerade diese Zeilen, neben mir läuft das Spiel Hoffenheim gegen Dortmund. Die TSG ist gegenüber dem blutleeren Auftritt in Hamburg nicht wieder zu erkennen, jeder Spieler gibt Gas, geht zur Sache, wehrt sich, tritt kräftig zu. Eine vorbildliche Einstellung, die man in dieser Form bei den Hoffenheimern schon lange, lange nicht mehr gesehen hat. Es geht doch. So spielt man gegen einen Favoriten. Sorry, kommt mir gerade mal so in den Sinn. Muss aber nichts bedeuten.

Zurück zum HSV in Leverkusen. Ein Mann tat mir bei diesem desolaten Hamburger Auftritt ganz besonders Leid: Rene Adler. Der Keeper hatte sich bestimmt in seiner „zweiten Heimat“ besonders viel vorgenommen – und dann lassen ihn seine Vorderleute so etwas von im Regen stehen. Bitter, ganz bitter. Dabei zeigte Adler noch eine sehr gute Partie, er verhinderte ein Debakel. Was allerdings kein Trost sein konnte – für ihn. „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, wir standen einfach viel zu weit weg von den Gegenspielern. Wir haben alle Tugenden des Fußballs vermissen lassen, da fehlt mir jedes Verständnis“, schimpfte Adler nach dem Spiel. An dem Brasilien-Trip aber wollte er das Versagen nicht festmachen: „Das war eine gute Reise, jeder hatte seinen Spaß.“ Genau. Und dann fügte Rene Adler noch an: „Bei einer solchen Reise stehen wir Spieler doch in der Pflicht. Da müssen wir mal die Arschbacken zusammenkneifen, da müssen wir runter fliegen, den Job machen und zurück. Und hier dann Bundesliga spielen – am nächsten Tag. Das aber haben wir nicht geschafft, und insofern haben wir hier versagt.“

Von einer Sechs-Stunden-Fahrt im Zug hat Rene Adler, ich weiß nicht, ob es aufgefallen ist – nichts gesagt. Er hat diesen stundenlangen Trip nicht mit einem Komma erwähnt. Und zum Thema Brasilien noch einmal der Trainer: Thorsten Fink hatte vorher gesagt: Man braucht nach so einer Reise acht Stunden, um sich wieder zu erholen – und fertig.“ Genau. Nur dürfen dann, zweieinhalb Tage nach den 48 Stunden, keine sechs Stunden Bahnfahrt mehr dazu kommen.

Aber es ist ja wie es ist. Und nun ist Winterpause. Wundenlecken ist angesagt. Und gesunden. Um dann mit neuem Schwung und neuem Mut gegen diese ominöse Berg-und-Talfahrt anzugehen. Immerhin, und das kann ein Trost für alle diejenigen sein, die vor dem Saisonstart Schlimmstes (mit dem HSV) befürchtet hatten, es stehen 24 Punkte zu Buche. Das bedeutet: Abstieg ist kein Thema. Egal wie schlecht es auch immer laufen wird, oder auch laufen könnte – absteigen wird der HSV nicht. Das ist für mich schon mal beruhigend. Das mit den Ansprüchen lasse ich mal bewusst außen vor. Das wird vielleicht dann auch wieder ein Thema, wenn Petr Jiracek, Marcell Jansen und vor allem Rafael van der Vaart wieder dabei sein werden. Vor allem die „ewige 23“ dürfte allein durch seine Präsenz dafür sorgen, dass sich alle Nebenleute viel mehr zusammenreißen werden – und es solche müden Auftritte wie in Leverkusen nicht allzu oft mehr geben wird.

So, dann gibt es noch ein Stückchen Erinnerungen an „alte“ HSV-Zeiten:

Dank eines Treffers des früheren HSV-Torjägers Paolo Guerrero haben die Corinthians Sao Paulo in Yokohama erstmals das Endspiel um die Klub-Weltmeisterschaft gewonnen. Das Tor des Peruaners in der 71. Minute besiegelte einen 1:0 (0:0)-Sieg der Brasilianer gegen den Champions-League-Gewinner FC Chelsea. Vor 56 301 Zuschauern war es bei der Vereins-WM im dritten Finale der dritte Triumph einer Mannschaft aus Brasilien gegen ein englisches Team. Zuletzt allerdings war die Trophäe fünfmal in Folge nach Europa gewandert.

Bereits in der Vorschlussrunde hatte Paolo Guerrero, der seinen Schädel bis auf Schläfenhöhe kahl geschoren hat, per Kopfball den 1:0-Erfolg seines Teams gegen Al Ahly Kairo unter Dach und Fach gebracht.

Und dann gab es heute ja noch die Entlassung auf Schalke, die niemanden mehr überraschen konnte. Huub Stevens, der ehemalige HSV-Coach, ist in Gelsenkirchen vor die Tür gesetzt worden. Nach der 1:3-Pleite gegen Freiburg irgendwie nur logisch – bei dem Vorgeplänkel. Und es bestätigt mich noch einmal in meiner Annahme, dass Schalke kürzlich in Hamburg schon seine Talfahrt abgetreten hatte. Ich habe damals schon geschrieben, dass mich die „Knappen“ beim 3:1-Erfolg des HSV maßlos enttäuscht haben. Und so haben sie dann auch in den folgenden Partien gespielt. Wobei ich zu Stevens sagen muss: Ein guter Trainer, von dem ich noch immer überzeugt bin. Aber menschlich stand er sich mit seiner knurrigen, unbequemen und gelegentlich auch giftigen Art zu oft selbst im Wege. Deswegen bin ich gespannt, welcher Bundesliga-Klub nun den nächsten Versuch mit ihm wagen wird.

Dann gibt es noch das Buch-Gewinnspiel aufzuklären. Wer sich erinnern kann: Es gab in dieser Woche zwei Exemplare des HSV-Foto-Buches „Mythos HSV“ (von Thomas Metelmann und Hans Vinke herausgegeben) zu gewinnen.

Es wurde eine Frage gestellt:

Welche HSV-Spieler wurden im letzten Bundesliga-Aufeinandertreffen mit dem VfB Leipzig ausgewechselt?

Die Antwort: Das waren Thomas von Heesen und Karsten Bäron.

Die Gewinner sind ermittelt, es gab (erstaunlich, erstaunlich!) viele, viele User, die dieses Buch gewinnen wollten.

Hier nun die Glücklichen HSV-Fans:

Jens Reimer Schinkel in 55124 Mainz

sowie

Eberhard Stamms in Dessau-Roßlau.

Herzlichen Glückwunsch. Mit dem Gewinnspiel geht es schon in den nächsten Tagen weiter, denn es geht bereits am 20. Januar weiter mit der Bundesliga. Dann gastiert der HSV in Nürnberg (sonntags). Eine Woche später folgt dann das erste Erstliga-Spiel 2013 im Volkspark, es kommt der Nachbar von der Weser. Und zu dieser Partie gibt es dann auch die beiden Fragen und die beiden Gewinne.

So, und nun zum Schluss noch einmal ein kräftiges Dankeschön an Carl-Edgar Jarchow. Herr Jarchow, nicht nur Ihr Auftritt bei „Matz ab live“ war klasse und sehenswert, auch dass Sie uns mit ihrem Besuch – so kurz vor dem Weihnachtsfest – im „Champs“ (Schnelsen) beehrt haben, ist eine Super-Sache gewesen. Dafür auch an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön – wir wissen das zu würdigen! Und weil ich mehrfach (auch heute noch!) gefragt worden bin, ob Carl-Edgar Jarchow wirklich nicht „sauer“ auf „Scholle“ und mich war, oder er überhaupt missgelaunt war, dann kann ich nur sagen: nein. Wenn überhaupt ein wenig zu „merken“ war, dann lag es sicher nur an dem saft- und kraftlosen 0:3-Auftritt des HSV in Leverkusen. Da darf dann – in meinen Augen – ein Klub-Boss sehr wohl schon mal ein wenig verärgert durch die Welt laufen – auch durch eine „Matz-ab-live“-Sendung natürlich. Alle diejenigen, die sich diese Sorgen aber um Jarchow und uns gemacht haben sei nochmals versichert, dass der Herr Jarchow unserem Blog („Matz ab“) sehr wohl gesonnen ist – der Chef liest nämlich mit.

Ich wünsche nun allen Matz-abbern und ihren Lieben noch einen schönen dritten Advent, auch wenn nicht mehr ganz so viel davon übrig geblieben ist.

PS: Dortmund führt zurzeit in Sinsheim gegen Hoffenheim mit 3:1. Trotz der großartigen Gegenwehr der TSG.

17.07 Uhr

Veh verzichtet auf Jarolim!

3. Dezember 2010

Kurz vor Jahresschluss wird es noch einmal turbulent. Der HSV muss bis 2011 auf Mladen Petric verzichten, der Stürmer hat sich am Donnerstag im Training einen Muskelfaserriss zugezogen. Und der HSV verzichtet morgen, Sonnabend, beim Auswärtsspiel freiwillig auf David Jarolim. Der ehemalige Kapitän wirkt, so Trainer Armin Veh, im Moment nicht „spritzig“ genug. Und da Dennis Aogo erstmalig von Beginn an in dieser Saison in der Stammformation stehen wird, rückt Ze Roberto vor auf die Sechs. Der HSV, so sich keiner mehr eine Erkrankung zuziehen wird, spielt mit folgender Elf: Frank Rost; Tomas Rincon, Guy Demel, Heiko Westermann, Dennis Aogo; Ze Roberto; Jonathan Pitroipa, Piotr Trochowski, Tunay Torun; Ruud van Nistelrooy, Heung Min So. Diese elf Namen klingen für mich schon viel versprechend. Und irgendwie denke ich auch bei mir: Es ist doch ein kleines Wunder, dass der HSV bei allen personellen Ausfällen, die er ja in schöner Regelmäßigkeit hat, immer noch eine so gute Mannschaft auf die Beine stellen kann. Das spricht doch für den Klub. Und für die Arbeit, die dort geleistet wurde – und wird. Übrigens: Schiedsrichter ist morgen in Freiburg Tobias Welz aus Wiesbaden. Sagt mir nicht viel, kann ich wahrscheinlich nach den 90 Minuten besser einschätzen.

Freiburg ist ja eine wunderschöne Stadt. Und ein gutes Pflaster für den HSV, denn: Von den bislang elf Spielen, die an der Dreisam ausgetragen wurden, hat der HSV vier gewonnen, es gab fünf Unentschieden – und der Rest war Niederlagen. Das waren, wie Ihr errechnen könnt, nicht viele. Allerdings gab es bei den letzten fünf Auftritten der Hamburg im Breisgau keinen Sieg: vier Unentschieden, eine Niederlage. Diese Statistik deutet schon darauf hin, dass es auch wohl diesmal eine enge Kiste werden wird, zumal der Sport-Club in dieser Saison so gut wie fast nie zuvor (okay, einmal gab es einen internationalen Startplatz) auftritt. Und das ist vom HSV in dieser Spielzeit ja kaum zu behaupten. Immerhin aber waren die letzten Auftritte so, dass die Veh-Trupe nicht unbedingt als Außenseiter nach Freiburg fliegt. Jawohl, fliegt. Gestern war der Flug noch gegen eine Bahnfahrt eingetauscht worden, heute wurde dieser Tausch rückgängig gemacht – es gibt einen Charterflug bis und von Basel.

Beim heutigen Abschlussspielchen ließ Armin Veh schon die gedachte Mannschaft gegen die Reservisten antreten, die Partie endete auf grünem Rasen (!) mit einem späten 3:2-Sieg des A-Teams. Die Tore schossen Robert Tesche und Paolo Guerrero (für die B-Vertretung) sowie Heung Min Son, Piotr Trochowski und Ruud van Nistelrooy. Auffällig bei diesem kurzen Kick: Frank Rost war wieder der Lautstärkste auf dem Platz, der Keeper setzte seine „kommentierende Linie“ also konsequent fort und „sprach“ nach jedem missglückten Defensiv-Manöver der Stamm-Formation Tacheles. Besonders nach den beiden Gegentoren. Und einmal ermahnte er den Koreaner in seinem Team mit mächtigen Worten: „Sonny, mach’ hinten kein Theater, schieß’ den Ball hier weg.“ Da hatte sich Son am Strafraum verdribbelt, so das es vor dem Rost-Tor richtig brenzlig wurde
Im Kader für das Freiburg-Spiel steht erstmalig auch wieder „Allrounder“ Collin Benjamin, es fehlen diesmal Muhamed Besic, Änis Ben-Hatira und Lennard Sowah.

Drei „junge Dachse“ also, die daheim bleiben müssen. Aber ein „junger Dachs“ konnte gegenüber der Vorwoche seinen Platz in der Mannschaft behaupten. Und das nicht nur deshalb, weil Mladen Petric ausfällt. Der 20-jährige Tunay Torun hat sich quasi von null auf 100 in die Mannschaft gekämpft, und zwar in jenen 79 Minuten, die er zuletzt gegen den VfB Stuttgart auf dem Rasen verbringen durfte. „Ich habe es gehofft, dass ich wieder dabei bin. Dafür gebe ich im Training alles, und ich gebe auch im Spiel immer alles“, sagt der Türke, der morgen über links kommen wird. „Das bedeutet für mich, dass man mitunter recht lange Laufwege gehen muss. Aber egal, ich spiele dort, wo der Trainer mich hinstellt“, sagt Torun, der zuletzt als Spitze aufgeboten worden war und praktisch ein Blitz-Comeback feiern durfte: „Ich hatte gerade mal zwei Spiele in der Regionalliga gemacht, und dann durfte ich schon von Beginn an bei den Profis ran – das ist sehr schön für mich. Dafür aber habe ich auch hart gearbeitet. Und ich danke dem Trainer natürlich, dass er mir sein Vertrauen schenkt. Ich hoffe, dass es so weitergehen wird.“

Die Kraft hat ihm noch für 90 Minuten gefehlt, logisch. Aber er verspürte auch keine Schmerzen; das nach dem Kreuzbandriss lädierte rechte Knie muckte auch nicht auf. Ein gutes Zeichen. 23 Bundesliga-Einsätze hat Tunay Torun nun schon hinter sich, er hat bei Martin Jol und Bruno Labbadia schon gespielt. Einen seiner bisherigen Trainer will er aber nicht explizit hervorheben: „Ich habe von allen etwas gelernt, ob nun von Jol, Labbadia oder auch Karsten Bäron, der mich bei den Amateuren gefördert hat, oder auch Herr Cardoso, der in der Jugend mein Trainer war. Sie alle haben dazu beigetragen, dass ich heute für den HSV in der Bundesliga spiele.“

Besonders seine Laufleistung gegen Stuttgart imponierte – fast alle. Torun attackierte jeden Schwaben, der sich gerade am Ball aufhielt. Ich schrieb es nach der Partie, diese Torun-Vorstellung erinnerte an Ivica Olic. Für den Türken aber war sein Spiel völlig normal: „Ich laufe immer viel, es gibt ja nach jeder Begegnung die Daten, ich laufe stets um die elf Kilometer in den 90 Minuten. Und für das Stuttgart-Spiel hatten wir uns vorgenommen, früh zu attackieren. Das habe ich gemacht. Wir haben alle Gas gegeben, das wurde gut umgesetzt, von der gesamten Mannschaft.“ Daran soll morgen natürlich angeknüpft werden. Und er sagt: „Ich bin noch ein junger Spieler, ich muss versuchen, Konstanz in mein Spiel zu bekommen, dass ich solche Leistungen auch über einen längeren Zeitraum abrufen kann.“ Vor einigen Tagen noch hatte er ein wenig Angst, in die Zweikämpfe zu gehen, doch das ist heute kein Thema mehr für ihn: „Ich bin jetzt überglücklich, dass ich hundertprozentig fit bin, ich habe auch keinerlei Angst mehr.“ Genau das ist ihm nun auch im Training anzumerken. Tunay Torun blüht im harten Hamburger Winter richtig auf. Und könnte sich 2011 selbst belohnen, denn der türkische Fußball-Verband hat ihm sein erstes A-Länderspiel in Aussicht gestellt.

Zunächst aber gilt es, die Leistung von Stuttgart in Freiburg zu bestätigen. Und da hofft Torun auch auf das gesamte Team, dass alle an einem Strang ziehen: „Wir sind eine der besten Mannschaften der Bundesliga, egal ob Dortmund da ist oder ein anderer Klub. Wenn wir unser Spiel durchziehen, dann haben wir gegen jeden Gegner eine Chance, das Spiel zu gewinnen. Mal sehen, was in Freiburg passiert.“

Da ist nicht nur er gespannt, da fiebern wir ja wohl alle voll mit. Auch Jonathan Pitroipa, der einst als 17-jähriges Talent zum SC Freiburg und damit nach Deutschland gekommen ist. „Pit“ kehrt also an seine erste Wirkungsstätte im deutschen Profi-Fußball zurück, und er freut sich riesig darauf: „Freiburg ist toll, ich hatte vier schöne Jahre dort, in Freiburg wohnen auch noch viele Freunde von mir, die aber nichts mit dem Fußball zu tun haben. Ich hoffe, dass wir dort ein sehr gutes Spiel abliefern werden und dass wir die drei Punkte mit nach Hamburg nehmen können.“ Dabei musste er heute kurzfristig um seinen morgigen Einsatz bangen. Auf dem glitschigen Rasen war er beim Spiel „fünf gegen zwei“ ausgerutscht, lag genau um 10.55 Uhr wie ein Maikäfer auf dem Rücken am Boden und musste sich an den linken Adduktoren behandeln lassen. Nach einigen Sekunden aber erhob er sich – und es ging weiter. „Jetzt ist es wieder okay, ich habe keine Probleme mehr“, sagte Pitroipa, der zuletzt beständigste und beste Hamburger Spieler, nach dem Trainingsspiel.

Er mag die Freiburger Fans, die ihn nie ausgepfiffen haben, auch als HSV-Spieler nicht, und er mag die Universitäts-Stadt sowie den Sport-Club. Mit dem er sich immer noch freuen kann: „Die spielen eine sehr gute Saison, die spielen einen großartigen Fußball. Wir müssen aufpassen, kompakt stehen, wir müssen auch mehr miteinander reden, obwohl das in den letzten Spielen schon besser geworden ist. Miteinander reden ist immer wichtig, man kann sich damit schon sehr helfen.“
Dieser „neue“ Weg muss nur weiter gegangen werden, dann wird der HSV auch Konstanz in sein Spiel bekommen, davon bin ich überzeugt Und „Pit“ der vom Mitläufer zum Leader geworden ist, geht an diesem Sonnabend sicher wieder mit bestem Beispiel voran..

PS: Das 16. Bundesliga-Derby zwischen dem HSV und St. Pauli steigt am 6. Februar 2011 (um 15.30 Uhr). Dies gab die Deutsche Fußball Liga bekannt. Zum Rückrundenauftakt tritt der HSV am 15. Januar (18.30 Uhr) bei Schalke 04 an. Das erste Heimspiel im neuen Jahr hat das Team von Trainer Armin Veh gegen Eintracht Frankfurt am 21. Januar (20.30 Uhr).

16.11 Uhr

Ergänzung um 20.50 Uhr:

Dass ich auf David Jarolim (Veh: “Er ist im Moment nicht spritzig genug”) nicht näher eingegangen bin, hat zweierlei Gründe. Erstens: Ich hatte auch die Print-Kolumne für die morgige Abendblatt-Ausgabe, da habe ich das, was ich hier hätte schreiben können, schon erwähnt – auch da tat ich mich schwer. Grund: Erst wollte ich hier voller Sarkasmus schreiben: Die Jarolim-“Freunde” werden nun vor Freude in die Luft springen. Und: Wenn ich dann wieder geschrieben hätte, dass ich Jarolim auf jeden Fall gebracht hätte, dann wäre das mit dem “Trochowski-Bonus” bedacht worden. So in der Art: “Na ist ja klar, dass Matz wieder zu seinem Liebling hält . . .”
Ja, und dann habe ich im Kampf mit mir selbst versagt, krass versagt sogar, weil ich gar nichts mehr geschrieben habe. Sorry, das war ein großer Fehler, ich hoffe sehr, dass Ihr mir verzeihen werdet. Wohl spätestens beim 5:0-Auswärtssieg. Oder bei einem 7:5-Auswärtssieg. Ich habe trotz der Tatsache, dass “Jaro” nicht spielt, nämlich ein gutes Gefühl. Das schreibe ich nicht wegen meines Fehlers (um ihn zu kaschieren), das habe ich vorhin schon geschrieben – und Jörn Wolf ist mein Zeuge. Kurz vor dem Abflug rief ich ihn an, teilte ihm dabei auch mein gutes Gefühl mit. Und: Ansonsten herrscht in mir doch oftmals eine eher pessimistische Grundhaltung, was Auswärtssiege betrifft, diesmal aber nicht.
In diesem Sinne: Nur der HSV!
Und nochmals sorry!!

Zwei neue Sommergeschichten

20. Juni 2010

Sommer? Was heißt hier Sommer? Am Montag ist es offiziell Sommer, aber darf man den Wetter-Propheten trauen, dass es auch dann ein wenig sommerlicher wird? Allmählich wird es Zeit . . . Obwohl, wir hier bei „Matz ab“ haben ja schon seit Wochen Sommer – und sommerliche Geschichten. Die erwärmen mich nun nicht unbedingt, aber sie erfreuen mich im hohen Maße. Es macht einfach Spaß, wie Ihr mitmacht, wie Ihr mit Herz und Leidenschaft dabei seid. Einfach sensationell. Vielen, vielen Dank dafür.

Heute warte ich mit einem Novum auf, denn die erste Sommergeschichte hat keinen „Absender“. Ich hätte zwar die Internet-Adresse nehmen können, aber da ich damit schon einmal daneben lag, lasse ich lieber die Finger davon. Ich hoffe sehr, dass sich der „Mister Unbekannt“ noch „outen“ wird. Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Viel Spaß beim Lesen, nun geht es los:

Moin Dieter,
zunächst ein Mal ein ganz dickes Lob für Dich und Deinen Blog. Selten so etwas Großartiges auf täglicher Basis gelesen; informativ, aktuell und mit einer Menge Hintergrundwissen und Charme. Ich teile wenn auch nicht jede, aber doch sehr viele (sportliche) Meinungen von Dir. Als eine Art stummer Konsument lese ich ihn täglich, habe aber bisher nichts zum Funktionieren des Blogs beigetragen. Genau das wollte ich nun aber ändern und Deinem Aufruf folgen, alte HSV-Geschichten kundzutun:

Mit Peter Lux ging mir ein Licht auf

Als gebürtiger Hesse und wohnhafter Berliner hört man die Frage oft: „HSV – wie kommt das denn?“ Nachdem man die Studiumsfrage verneint hat, komme ich nicht darum herum, die Story zu erzählen: 1982/1983 war die große Zeit unseres so heiß geliebten Vereins. Mein fußballverrückter, den „Eff-Zeh“ favorisierender Bruder gab sich nun alle Mühe, der damals 5-jährigen Nervensäge den Fußballsport näher zu bringen, was ihm auch meisterlich gelang (quasi so, wie unserem Mehdi ausnahmslos jede Flanke hinter das Tor zu schlagen, aber das nur am Rande). Dummerweise zeigte ich auf den zu diesem Zeitpunkt Führenden _ es war der Klub mit dieser wunderbaren Raute.

Eine Liebe war geboren, ab sofort wurde jede Woche gefragt, wie die Rothosen gespielt haben und wer die Tore gemacht hat – also die verbleibenden neben Hrubesch. „Rothosen“ mochte ich übrigens nie, jedes meiner knapp 15 Trikots enthält die Farben schwarz-weiß-blau.

Meinen Freund Tommi habe ich damals ziemlich schnell angesteckt mit der Liebe. Selbstverständlich sind wir dann damals, es war genau am 15. Juli 1986, zum Testspiel gegen den SV Langd gefahren. Bewaffnet mit selbst gebastelten Autogrammwänden machten wir uns auf die Suche nach den Schriftzügen unserer Lieblinge. Und dann habe ich HSV-Spieler Peter Lux gesehen. Er stand an einem Würstchenstand, wo ich ja auch gerade hinwollte, um mir eine Fanta zu holen. Ich muss ihn wohl etwas entgeistert angestarrt haben mit meinen sieben Jahren, aber er fragte mich damals tatsächlich, ob er mir auch eine Wurst bestellen sollte. Für mich als kleinen Steppke war es damals das Allergrößte, auch wenn ich sein Angebot ausschlug und mir „nur“ diverse Autogramme abholte. Ich war ganz baff, aber mein Freund Tommi war ja lieber am Spielfeldrand geblieben, um das Spiel weiter zu verfolgen. Sein Pech. Mir aber ging mit Peter Lux ein Licht auf.

Bis heute zieht uns beide die Faszination HSV in den Bann. Über das wunderbare 4:4 gegen Juventus, wo wir beide ob der monströsen taktischen Cleverness der Italiener bis zum 3:1 beeindruckt waren, über den krabbelnden Thomas Doll, auch heute noch mein Lieblingsspieler, beim 3:2 gegen Werder Bremen, über das 1:1 im letzten Jahr gegen den Nordrivalen, wo ich mich beim Olic-Tor in etwa vier Reihen tiefer wiederfand, oder auch die geplante Reise zum Europa-League-Finale, die ins Wasser gefallen ist.

Dieses stete Auf und Ab sollte das sein, was das „ Fan sein“ ausmacht. Derzeit ist das Gejammer in Hamburg groß, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Mittlerweile kommen Leute wie Ruud van Nistelrooy zum HSV, wo ich mich früher über den Jungspund Walter Laubinger gefreut habe. Ich bin auch sicher, dass es in der nächsten Saison nach einer Blutauffrischung wieder bergauf gehen wird.

Mich hat es mittlerweile beruflich nach Berlin verschlagen, Tommi ist auch weiterhin mein bester Freund, und wöchentlich tauschen wir uns über die aktuellen Entwicklungen aus. Sein mittlerweile achtjähriger Sohn bekam zu seiner Geburt vom Patenonkel gleich einen HSV-Schnuller und auch einen Strampler geschenkt. So muss es sein.

Und zu meinem 32. Geburtstag schenkte mir der Tommi dieses kolossale Werk von Axel F.: „Unser HSV!“ Ja, es ist auch wirklich UNSER HSV, und wir haben gleich auch gemeinsam nachgeschaut, ob unser Spiel von Langd auch enthalten ist. Und sieh da . . .

In diesem Sinne, lieber Dieter und liebe Matz-abber,
HUMMEL HUMMEL MORS MORS!
.
So, das war die erste Geschichte, aber die zweite folgt zugleich:

Hallo an die Matz-abber, das ist meine Sommergeschichte, die allerdings im kalten Winter 1996 stattfand. Auf Matz-ab habe ich gelegentlich unter dem Nickname BeeemIt Beiträge gepostet, lese aber die meiste Zeit nur mit. Mir bringt die Nähe und die emotionale Beschreibung meines HSV auf dem Blog sehr viel Spaß und ich hoffe, dass unser Verein noch lange in einer solch intensiven Art und Weise betreut wird.
Liebe Grüße, Daniel.

Mit dem „falschen“ Team auf den Rasen

Es war ein eiskalter Dezember-Tag, als meine Liebe zum HSV richtig heiß entflammte. Am 7. Dezember 1996 traf der Hamburger Sport-Verein im Betonkessel Volksparkstadion auf Fortuna Düsseldorf. Ich spielte damals in der F-Jugend eines Vereins im östlichen Speckgürtel der Stadt. Unsere Mannschaft sollte im Vorlauf des Spiels gegen die HSV-Jugend im Volksparkstadion antreten. Doch als wir am Stadion ankamen, die Ernüchterung: Die Footballer der Blue Devils hatten den Rasen in einen wahren Acker verwandelt. Der Platzwart hatte dem Rasen bis zum Bundesligaspiel Schonung verordnet. Wir traten also auf einem Nebenplatz an – noch nicht mal Rasen, nur festgefrorene Asche.

Im Laufe des Spiels, das leider ziemlich deutlich an die Buben des großen HSV ging, sammelten sich um den Platz immer mehr Fans. Die Hamburger Anhänger waren zwar zahlenmäßig überlegen, die Fans der Fortuna feuerten uns aber lautstark an. Ein geniales Gefühl, wenn mal als 12-Jähriger einmal in den Genuss einer solchen Stimmung kommt. Nach dem Spiel stand dann der eigentlich große Augenblick an: Einlaufen mit den Stars. Doch nicht die HSV-Spieler sollten mit uns das Stadion betreten, sondern die (undankbare) Auswärtsmannschaft.

Die für uns unbekannten Spieler aus Düsseldorf nahmen uns im knallig roten Tunnel an die Hand und warteten auf das Startsignal zum Einlaufen. Ich hatte die Hand von Thomas Seeliger erwischt, der mir erzählte, dass es ein besonderes Gefühl heute wäre. Er stamme aus Hamburg und freue sich, in der Heimat antreten zu dürfen. Später erfuhr ich, dass er sogar der einzige Hamburger war, der an dem Tag auf dem heiligen Rasen kicken durfte.

Die Enttäuschung über das „falsche“ Team beim Einlaufen war also schnell vergangen und das Spiel nahm einen kuriosen Verlauf: Nach 13 Minuten beförderte der eben noch so euphorische Thomas Seeliger den Ball über die Linie in das Hamburger Tor. Außer mir freuten sich nur wenige Zuschauer über das Tor des Exil-Hamburgers. Der HSV gewann nach einem kämpferischen Auftritt trotzdem noch mit 2:1 gegen die Rheinländer und befreite sich aus der Abstiegszone.

Für mich war der Nachmittag der Startschuss für eine Verbundenheit mit dem HSV, die bis heute anhält. Obwohl ich damals auch mit den spielstarken Dortmundern um Sammer, Möller und Chapuisat sympathisierte, hat dieser aufregende Nachmittag im Volksparkstadion doch jedes weitere Interesse an einem anderen Verein zerstört. Spieler wie Rodolfo Cardoso, Valdas Ivanauskas und Karsten Bäron waren ab sofort meine Idole.

Vielen Dank nochmals den beiden Autoren. Und allen „Matz-abbern“ sei auch schnelll noch einmal der „Doppel-Schlag“ vom Sonnabend ans Herz gelegt, als „Jonny“ und „Benno Hafas“ die Autoren waren. Ihre Beiträge wurden vielleicht etwas zu schnell vom nächsten Thema „abgelöst“

15.29 Uhr

Nordberts Sommergeschichte

10. Juni 2010

 Liebe Matz-abber,

das Wetter ist schlecht, sau-schlecht sogar, aber vielleicht erheitert diese neue Sommergeschichte ja Eure Gemüter. Viel Spaß beim Lesen:

Für mich gab es nur den HSV

Meine erste Berührung mit Fußball ist eigentlich eine Geschichte, die meiner Mutter passiert ist.
Ich bin mitten in die WM 1974 herein geboren worden. Seinerzeit gab es in dem Krankenhaus, in dem meine Mutter mich zur Welt gebracht hat, noch strikte Zeiten, zu denen die Mütter ihre Neugeborenen ans Bett bekamen – und zu denen die Babys wieder abgeholt wurden. Da nun aber WM war, kam es vor, daß die Kinder einfach bei den Müttern vergessen wurden, wenn ein spannendes Spiel lief. Den Müttern war es recht und mir hat es vielleicht schon früh gezeigt, wie viel Macht und Faszination der Fußball besitzt – na ja, vielleicht auch nicht, aber bei Muttern war es sicher auch schön. 😉

Die WM 1978 und die EM 1980 kamen zu früh, so dass für mich die WM 1982 die WM aller WMs war und bis heute noch ist. Sie war die erste, die ich bewusst miterlebt habe und sie hat immer noch ihren eigenen Zauber. Dabei ist mir natürlich besonders das Halbfinale gegen Frankreich in Erinnerung geblieben (was für ein Krimi: Schumacher – Stielike – Hrubesch). Wir haben das mit ungefähr zehn Leuten auf einer ca. 30 cm Röhre im Vorzelt meines Opas geguckt – ich weiß nicht einmal, ob das Bild überhaupt farbig war. Aber wen hätte das bei so einem Spiel gestört. Das Finale endete natürlich tragisch, aber ich liebe diese WM immer noch.

Meine eigene Karriere begann im Grunde dreigleisig. In den Sommerferien und -wochenenden auf dem Campingplatz auf dem wir jedes Jahr Urlaub machten, unter der Woche auf dem Rasen vor unserem Haus und ab und zu, wenn ich meine Großeltern besucht habe, in deren Garten. Dort konnte man vor allem bestens Volleyschüsse und Fallrückzieher üben. Sie hatten einen Schuppen mit Schrägdach, auf den man den Ball werfen und die so zurückkommende Flanke auf das aus einem Zaun und einem Baum bestehende Tor semmeln konnte. Das war das perfekte Training, hatte jedoch den Haken, dass ich nur lernte, Flanken von rechts zu verwerten. In die andere Richtung hätte ich binnen kürzester Zeit von meiner Frau Omama Platzverbot erhalten, wegen unsportlichen Glasbruchs. An der Kondition wurde übrigens automatisch mitgefeilt, so häufig, wie ich den Ball aus dem Nachbargarten, vom Feld hinter dem „Tor” oder hinter dem Schuppen, wenn ich zu doll warf, herholen musste.

Ich war eigentlich immer der Kleinste und mein Fußballspiel anfangs wohl ziemlich grausam, was besonders für meinen Vater hart gewesen sein dürfte, der von Jugend an ein begeisterter Sportler (Laufen, Boxen) und Anfang der 60er Jahre mit der Fußballmannschaft von TUS Celle ziemlich weit oben dabei war. Durch das regelmäßige Spielen mit meinem Vater, meinen Kumpels auf dem Campingplatz und meinem damals besten Freund zu Hause wurde es aber immer besser, so dass mein Vater mir irgendwann vorschlug, mich beim SV Lurup anzumelden. Also landete ich dort in der E-Jugend und hatte mit Rolf Schmielau einen großartigen Trainer, der leider viel zu früh verstorben ist. Wir waren recht erfolgreich und spielten eigentlich immer in der Sonderstaffel oder Leistungsklasse unseres Jahrgangs mit (wobei es bei Duellen gegen den HSV regelmäßig ’ne Klatsche setzte), mit dem AFC als ständigem Hauptkonkurrenten, zu dem wir aber ein ziemlich gutes Verhältnis hatten.

Als Rolf Schmielau uns dann abgab (aus gesundheitlichen Gründen, wie wir sehr viel später erfuhren), ging es mit uns langsam aber gewaltig bergab. Dazu kamen wir in ein Alter, in dem Fußball vielleicht nicht mehr die allererste Geige spielte, so dass der Laden langsam auseinander brach und die Mannschaft sich auflöste. Ich war inzwischen Spielführer geworden und hätte problemlos in die nächst höhere Mannschaft wechseln können (war ich doch mittlerweile auch nicht mehr der Kleinste), hatte dazu aber irgendwie keine Lust und trat irgendwann aus dem Verein aus. Damit war meine Vereinskarriere beendet. Der Rest war dann eine Kneipenmannschaft, die mehr oder weniger ernsthaft nach der “Franz Beckenbauer Fußballschule” trainierte, eine Schulsportmannschaft, eine Hobbytruppe im Stadtpark und ein bisschen „Rumgedaddel“ mit Kollegen, was aber auch irgendwie, irgendwann alles einschlief.

Als Zuschauer gab es für mich immer nur den HSV! St. Pauli existierte faktisch nicht (die gammelten sonstwo rum), an die Flurstraße hat es mich auch nie verschlagen. Und wie bei den meisten anderen auch, hat Vaddern mich mit in den Volkspark genommen. Ich glaube, mein erster Besuch im Stadion war am 25. Februar1984, beim 5:2 gegen Düsseldorf. Seitdem habe ich (wie wir alle) einiges mitgemacht, nur leider keine Meisterfeier auf dem Rathausmarkt. Aber es gibt trotzdem Dinge, die ich nie vergessen werde, wie z. B. das Gefühl, wenn man die ersten Male im alten Volkspark über den Wall zur Westkurve kam und sich plötzlich die Schüssel vor einem ausbreitete, das Vorglühen der Flutlichtmasten bei Einsetzen der Dämmerung, ja selbst das ohrenbetäubende „Sharp”-Gekreische aus den ollen Philips-Kalotten. Ab und zu habe ich die Stadionzeitung verteilt oder verkauft, was neben dem verdienten Geld den Vorteil hatte, dass man in alle Zuschauerbereiche gehen durfte. So u. a. auch bei der EM 1988 beim unsäglichen 1:2 der deutschen gegen die niederländische Nationalmannschaft, das ich zwischen Niederländern auf der Südtribüne erlitt.

Irgendwann war mit der alten Schüssel dann ja Schluss. Den Umbau habe ich nur teilweise mitbekommen, weil ich in der Saison 1998/99 für ein halbes Jahr nach England gegangen bin. Das war eine harte Zeit, so ohne den HSV. Internetzugang hatte ich eher nicht, dafür aber Glück im Unglück – der HSV spielte eine tolle Saison, also war zumindest immer unter den ersten fünf – und die wurden im BBC-Videotext unter den Ergebnissen angezeigt. Ich ärgere mich heute noch, dass ich es in England nie zu den Saints oder zu Pompey geschafft habe, obwohl beide quasi vor der Tür lagen. „The Dell” gibt es heute ja leider nicht mehr.

Tja, und als ich wieder zurückkam, stand unser neues Schmuckstück schon – zwar noch ohne Dach, aber äußerst beeindruckend, mit den steilen Rängen und der irren Atmosphäre (samt der irren Bestuhlungsfarbe). Hier sind bisher vor allem das Spiel gegen Juve (unvorstellbar: der Kuchenblock hat mit Sitzkissen geschmissen! ;-)), das Sturmspiel gegen Frankfurt(?) und das Eisplattenspiel nachhaltig hängen geblieben. Und natürlich Karsten Bärons Comeback – nach wie vor vielen Dank an den Duisburger, der damals den Ball ins Aus gespielt hat.

Seitdem hat sich eigentlich nicht viel verändert, außer dass ich vor ein paar Jahren endlich in den HSV eingetreten bin und dass im letzten Jahr Matz ab gestartet wurde, wodurch meine Bindung zum Verein noch viel stärker geworden ist.

Habt ’nen schönen Sommer!
Nun ist es doch einigermaßen lang geworden – na ja, wenn man erstmal ins Plaudern kommt . . .
Nordbert

11.14 Uhr

Niederländische Erlebnisse

25. Februar 2010

„Wünsch mir kein Glück, wünsch lieber Können.“ Das hat mir Felix Magath immer zur Antwort gegeben, wenn ich ihm – schon als Spieler – vor einem Spiel viel glück gewünscht habe. Daran habe ich mich sofort erinnert, als ich eben noch bei Jörn Wolf, dem Medien-Chef des HSV, in Eindhoven angerufen habe. Auch ihm habe ich viel Glück gewünscht, aber er hat es abgelehnt: „Können ist gefragt, unser Können.“ Und dann, nach einer kurzen Pause, fügte er hinzu: „ Es wird eine Schlacht, davon kann man wohl ausgehen, aber wir werden beißen und uns dann das nötige Glück erarbeiten.“ Denn Glück hat bekanntlich immer (oder vor allem) der Tüchtige. Beim HSV wird übrigens, falls nichts mehr daziwschen kommt, Dennis Aogo spielen können, er hat ganz normal mit der Mannschaft trainiert.

Ansonsten war in Eindhoven bisher alles ganz ruhig vor dem Spiel, es gab keine besonderen Vorkommnisse. Das war einst anders, als ich vor jahren noch Richtung Niederlande und in Sachen Fußball unterwegs war. Ich erinnere an ein Länderspiel in Rotterdam, zu dem ich von der Redaktion geschickt worden war. Da ging es Stunden vor dem Spiel schon hoch her. In der Stadt herrschte Ausnahmezustand. Ich Wahnsinniger wollte Straßenschlachten fotografieren – und war mit einem Male fast mittendrin. Nur ein vorbeifahrender Bus, hinter dem ich mich verstecken konnte, rettete mich damals, sonst wäre dieser Ausflug wohl ganz übel für mich ausgegangen. Ich düste mit höchsten Tempo zurück in unser Hotel, einige vermummte Gestalten hinter mir her.  Zum Glück war ich schneller. Das Hotel war vom DFB für die Prominenz und die Presse angemietet worden, ein reiner Glaskasten inmitten der City. Draußen tobte eine unglaubliche Schlacht, alle deutschen Autos rund um das Hotel wurden zertreten, zerschlagen, zerkratzt. Zudem flogen die Fäuste, gab es auch irre Tritte. Und unser Glaskasten, also unser Hotel, wurde mit Steinen unter Beschuss genommen – es war der reine Irrsinn. Ich sehe ihn noch heute vor mir, unseren ehemaligen Nationaltorwart Hans Tilkowski, der plötzlich abtauchte wie eine Flunder, als dicke Bocken gegen die Scheiben prallten und unheimlich laute Knallgeräusche zur Folge hatten. Zum Glück gab es da noch keine Verletzten.

Vom Spiel habe ich später nichts gesehen, denn vor dem Stadion in Rotterdam tobten die Fans beider Nationen mit unglaublicher Härte aufeinander los. Man konnte die Nasenbeine knacken hören. Überall Polizei, Blaulicht, Unfallwagen, Hubschrauber. Mein damaliger Chef befahl: “Du machst das Länderspiel nicht, sondern versuchst, in einen Einsatzwagen der Rotterdamer Polizei zu gelangen, um zu sehen, was vor dem Stadion passiert.” Das klappte sogar. Ich klopfte an einen solchen Wagen, ein älterer Polizist begrüßte mich – und bat mich, als ich ihm mein Anliegen schilderte, freundlich zu sich rein. Dort sah ich an cirka 15 Monitoren, was draußen los war. Die Hölle.

So hatte ich es vorher übrigens schon im inneren Stadionring erlebt. Wir gingen mit fünf deutschen Journalisten Richtung Treppenaufgang, um zu unseren Sitzplätzen zu gelangen (hatte also schon sämtliche Kontrollen passiert!), als plötzlich ein älterer Polizist (mit einem Rundschnitt in Augenbrauenhöhe) auf einem Pferd angeritten kam und unserem ältesten Kollegen, dem Frankfurter Hartmut Scherzer, zwei, drei Hiebe mit dem Gummiknüppel an Kopf und Schulter versetzte. Ohne den geringsten Anlass dafür zu haben, und auch die geringste Vorwarnung, einfach nur aus Jux und Dollerei. Wir alle waren total entsetzt. Ich habe von diesem Vorfall durch Zufall ein Foto geschossen – es wurde Jahre später in der „Sport Bild“ veröffentlich, als es darum ging, die „Feindschaft“ zwischen Niederländern und Deutschen aufzuarbeiten.

Es passte zu diesem Tag, dass wir auf der Rückfahrt auf der Autobahn in Holland noch stundenlang im Stau stehen mussten, denn – oh Wunder und oh Zufall – die Autobahn Richtung Deutschland musste just in dieser Nacht neu geteert werden. Es dauerte Stunden, ehe wir weiterfahren durften (oder konnten).

Seit diesen Vorkommnissen habe ich um den Fußball in den Niederlanden immer einen großen Bogen gemacht, das gebe ich zu. Das heißt, ich war nur noch dann dort, wenn es dienstlich nicht zu vermeiden war. Das war zum Beispiel 2000 bei der EM der Fall. Auch dort ging es in Rotterdam ganz böse zur Sache, als Deutschland dort gegen Portugal spielte und hoch verlor. Für die heutige Partie allerdings hoffe und wünsche ich, dass diese schlimmen Zeiten längst der Vergangenheit angehören, dass dieses Spiel in Eindhoven ohne größere Zwischenfälle über die Bühne geht.

Nun komme ich schnell noch zu zwei weiteren Meldungen: Der HSV und Karsten Bäron haben sich auf die einvernehmliche Beendigung ihrer Zusammenarbeit geeinigt. Damit konnte die nach der Beurlaubung Bärons vom Cheftrainerposten der Regionalliga-Mannschaft des HSV zwischen den Parteien zwischenzeitlich entstandene Uneinigkeit um die Laufzeit des miteinander vereinbarten Arbeitsvertrages zur vollen Zufriedenheit beider Seiten gelöst werden. „Leider sind Trennungen im Profifußball in bestimmten Situationen unvermeidlich. Gerade bei einem verdienten HSVer wie Karsten Bäron liegt uns jedoch viel daran, dies freundschaftlich und einvernehmlich zu tun, wie dies letztlich auch gelungen ist“, so HSV-Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann und sagt weiter: „Er geht als Freund und wird beim HSV immer ein gern gesehener Gast sein. Jetzt wünschen wir Karsten Bäron, dass es ihm gelingt, seine vielversprechende Karriere als Fußballtrainer bei einem neuen Klub erfolgreich fortzusetzen.“ Kommentar Karsten Bäron: „Ich hatte eine tolle Zeit beim HSV und werde auch immer ein HSVer bleiben und freue mich, dass wir nun in Freundschaft auseinander gehen. Jetzt freue ich mich auf eine neue Herausforderung.“ Bäron war nach dem vorzeitigen verletzungsbedingten Ende seiner Karriere als Bundesliga-Stürmer des HSV ab Juni 2002 zunächst Trainer im Nachwuchsbereich des HSV. Zum 1. Januar 2006 übernahm er die Leitung der zweiten Mannschaft des HSV.

Auch zum Thema Bäron noch schnell ein Griff in die Erinnerungskiste: Der frühere Star-Journalist Horst Frese (Bild), ein in der gesamten Republik anerkannter und geschätzter Fachmann, sagte mir einst im Vertrauen: „Der Bäron sollte besser Basketballer oder Volleyballer werden, Fußballer wird der ohnehin nie . . .“ Da irrte sich Frese aber ganz gewaltig, obwohl Bäron die ganz große Karriere ja versagt blieb – aufgrund seiner Knieprobleme.

Und die zweite Meldung: Der HSV wegen unsportlichen Verhaltens seiner Zuschauer vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt worden. Das Urteil ist rechtskräftig, wie der DFB am Donnerstag mitteilte. In der Partie zwischen dem FSV Mainz 05 und dem HSV am 28. November 2009 wurde nach DFB-Angaben im Hamburger Zuschauerblock eine Rauchbombe gezündet. Auch im Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem HSV am 13. Februar 2010 seien HSV-Anhänger unmittelbar vor dem Beginn mit dem Entzünden einer Rauchbombe aufgefallen. Die Begegnung konnte erst mit zweiminütiger Verzögerung angepfiffen werden.

10 000 Euro, die wahrscheinlich nie ins Gewicht fallen werden, wenn demnächst ein neuer Spieler unter Vertrag genommen werden soll . . . Man gönnt sich ja sonst nichts.

Auf ein erfolgreiches Spiel in Eindhoven  – nur der HSV!

16.32 Uhr

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.