Archiv für das Tag 'Barbarez'

Nur das Ergebnis zählt

14. Dezember 2014

HSV-Trainer Joe Zinnbauer brauchte gestern nach dem Spiel nicht lange für die richtige Einordnung. „Wenn man drei Punkte holen kann, dann will man auch drei Punkte holen. Aber wir hätten es nicht verdient gehabt, drei Punkte mitzunehmen. Es war kein gutes Spiel, das wissen wir selbst. Aber es läuft im Moment einfach nur ergebnisorientiert.“ So gesehen konnten die Hamburger also froh sein mit dem torlosen Remis im Schwarzwald-Stadion. Es war erst das dritte Auswärtsspiel der Saison, in dem der HSV etwas mitnehmen konnte.


Beim Mann des Tages bedankten sich nachher alle Mitspieler. Jaroslav Drobny war es natürlich, der bereits in der zweiten Minute den Foulelfmeter von Vladimir Darida halten konnte. „Wir wissen, dass ‚Drobo‘ ein guter Rückhalt und ein Super-Torwart ist“, meinte Dennis Diekmeier. „Das hat er letzte Saison schon bewiesen. Wir sind froh, dass wir ihn haben.“ Und Kollege Lewis Holtby ergänzte mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Mit seiner Erfahrung ist ‚Drobo‘ Gold wert. Dafür ist ein Torhüter auch da, dass er die Bälle hält.“ Dabei war der 35 Jahre alte Tscheche bislang gar nicht als Elfmeterkiller bekannt. Mehr als vier Jahre ist seine bislang letzte Elfer-Rettungstat her, damals noch im Trikot von Hertha BSC. Jetzt hielt Drobny seinen ersten Elfmeter als HSV-Keeper.


Dass der Verein auf Drobny zugehen wird mit dem Ziel, den Vertrag zu verlängern, ist bekannt. Drobny genießt in der Mannschaft allerhöchstes Ansehen. Da sollte einer Einigung und Weiterbeschäftigung also wenig im Weg stehen, wobei sich natürlich die Frage stellt, wie der HSV alternativ aufgestellt sein möchte. Hieße eine Verlängerung für Drobny, dass man mit Rene Adler nicht mehr plant? Immerhin besitzt der ehemalige Nationaltorwart, der sechs Jahre jünger ist als Drobny, einen Vertrag in Hamburg bis 2017. Oder ist das Potenzial von einem der jungen Nachwuchstorleute so groß, um ihn als Nummer zwei langsam heranzuführen? Schwierige Frage. Auf jeden Fall ist es wohl ein Luxus, den sich der HSV nicht unbedingt leisten kann, zwei Torhüter wie Drobny und Adler zu beschäftigen.


Meiner Ansicht hätte es gestern übrigens gar nicht der großen Rettungstat Drobnys beim Elfmeter bedurft – es hätte auch gereicht, wenn der insgesamt schwache Schiedsrichter Wolfgang Stark die Aktion von Ronny Marcos gar nicht gepfiffen hätte. Bitter, dass der Tiefflug von Freiburgs Felix Klaus mit einem (wenn auch verzögerten) Pfiff belohnt wurde. Ich frage mich, was da der Assistent an der Seite gesehen haben will? Wenn es ein Tritt war von Ronny Marcos, der zum Strafstoß führte, dann hatte Stark darauf den besseren Blick. Im Gegensatz zum Handspiel in der zweiten Halbzeit nach der Flanke von Dennis Diekmeier. Das hätte der Assistent anzeigen MÜSSEN. Für eine identische Szene hat der HSV in der Vorwoche gegen Mainz einen Elfmeter bekommen. Diesmal nicht. Komplett unverständlich.

Noch unverständlicher wird die Geschichte nach den Erklärungen von Dennis Diekmeier. Demnach sei den Profis in der Regel-Schulung vor Saisonbeginn verdeutlicht worden, dass eine durch Hand oder Arm eindeutig vergrößterte Körperfläche bei entsprechendem Kontakt eindeutig zum Elfmeter führen muss. Auf die Situation gestern bezogen bedeutet dies: der Unparteiische weiß von dieser Ansage nichts. Das ist auszuschließen. Oder: er und sein Assistent haben es wirklich nicht gesehen. Das aber kann auch nicht sein. Jeder der 24.000 Zuschauer im Stadion hat es nämlich gesehen. Aber sei’s drum.

In aller Munde war gestern und heute auch noch der Brasilianer Cleber. Was seine Verletzung angeht, gab es zumindest zarte Entwarnung. Nach dem Rettungsversuch gegen Dani Schahin war Cleber kurz vor dem Ende der Partie so unglücklich gefallen, dass er sich eine schmerzhafte Schulterprellung zugezogen hat. Das ergab heute die Kernspin-Untersuchung. Das bedeutet, dass sein Einsatz am Dienstag gegen den VfB Stuttgart in der Schwebe ist. Schade eigentlich, denn nach der holprigen Leistung im Anschluss an die Einwechslung in Augsburg hat sich Cleber gegen Mainz und auch in Freiburg stabilisiert gezeigt. Vor allem sein Nebenmann Johan Djourou äußerte sich sehr positiv über Cleber. „Wir hatten alle Angst, als sich Heiko verletzt hat. Aber Cleber hat das sehr gut gemacht. Das wäre schade und bitter, wenn er nicht spielen kann. Am Anfang habe ich schon gesagt, dass ein Spieler Zeit und Vertrauen braucht. Ich glaube, er hat zwei, drei gute Spiele gemacht.“ Sollte Cleber ausfallen, dann wird wohl die Zeit von Gojko Kacar schlagen. Djourou ist davor nicht bang, er wies darauf hin, dass sie beide bereits in der Vorbereitung zusammen gespielt haben. „Das ist alles kein großes Problem. Wir müssen nur reden und kommunizieren.“ Kacar stand schon in den letzten Augenblicken des Freiburg-Spiels als möglicher Einwechselspieler an der Seitenlinie. Nachdem Cleber aber signalisiert hatte, dass er die letzten Sekunden doch auf die Zähne beißen wollte, kam Zoltan Stieber anstelle Kacars in die Partie.

Erfreulich ist, dass Johan Djourou selbst in dieser Vorrunde ein absoluter Stabilisator war. Er war fast durchgängig fit und gesetzt, hat sicher auch den Schwung mitgenommen von der Weltmeisterschaft in der Schweiz und in den vergangenen Monaten mehr und mehr gerechtfertigt, warum ihn der HSV im Sommer 2013 geholt hat. In dieser Verfassung ist er sehr wichtig für die Mannschaft.

Das Lob beschränkt sich allerdings auf die Defensivspieler. Je weiter wir nach vorn kommen, desto schlechter werden die Kritiken. Das System Doppelsitze, das Joe Zinnbauer zum Mainz-Spiel aus dem Hut gezaubert hat, ist dabei grundsätzlich okay. Beide Stürmer, Pierre Michel Lasogga und Artjoms Rudnevs, haben mehr Räume. Sie beschäftigen die Deckung. Aber: Mal abgesehen von dem sehr stark forcierten Pressing, dass vielen Gegnern in den vergangenen Monaten gar nicht geschmeckt hat, kommt immer noch viel zu wenig raus. Kaum nennenswerte Torabschlüsse, Ungenauigkeiten in der Vorbereitung. Gestern kaum Offensiv-Impulse von Lewis Holtby und Nicolai Müller. Die Grundlage für die leicht verbesserte Lage beim HSV ist eindeutig die Abwehr-Arbeit – die Bilanz da vorne ist nach wie vor katastrophal. Es fehlt am Automatismen, an entschlossener Spielweise nach vorn, an eingespielten Laufwegen. Womöglich auch an der Qualität aus dem Mittelfeld heraus für den tödlichen Pass. Harte Arbeit in der Winterpause, das reinzukriegen. Eventuell gelingt es mit etwas mehr tabellarischer Sicherheit, so ähnlich wie gegen Mainz, wo es ansatzweise schönen Fußball zu sehen gab.

Etwas ungewöhnlich hat Trainer Joe Zinnbauer der Mannschaft heute frei gegeben. Regeneration vor der Stuttgart-Partie wurde diesmal etwas anders betrieben. Direkt nach der Rückkehr per Charter-Flieger aus dem Breisgau wurde noch gestern Abend trainiert – der Tag heute gehörte den Familien und dem Entspannen. Auch mal was anderes im fast immergleichen Trott der Profis.

Gestern war Marcell Jansen (zur Zeit verletzt, will Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen) Gast bei „Matz ab live“. Dort haben ihn Scholle und Dieter auch nach seinen Zukunftsplänen und einem möglichen Wechsel in der Winterpause gefragt. Viele haben das Video sicher gesehen, aber hier dennoch die entscheidende Passage zum Nachlesen in Schriftform, weil die Aussagen – wie ich finde – doch stark nach Abschied klingen.

Scholle: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Dich noch einmal für den HSV auflaufen sehen?
Jansen: Mein Berater hat es ja schon gesagt. Ich bin seit über sechs Jahren beim HSV und habe Vertrag bis Sommer. Ich kann die Frage eigentlich am wenigsten beantworten, weil ich mit niemandem direkte Gespräche geführt habe.
Scholle: Musst Du die Frage denn dem HSV stellen oder eher Deinem Berater?
Jansen: Der Ansprechpartner muss ja der HSV sein. Ich bin da schließlich Vertragsspieler. Ich habe in dem Sinne nicht konkret mit meinem Verein über irgendwas gesprochen bzw. ich persönlich mit einem anderen Verein. Deswegen werden wir jetzt hoffentlich die Hinrunde mit einem Heimsieg gegen Stuttgart beenden und mit einem guten Spiel in Schalke – das ist das Allerwichtigste neben den ganzen anderen Dingen. Ich werde dann im Winter sehen und gezielt mal fragen, was da wie jetzt wo ist.
Scholle: Gibt es schon einen Wink vom Verein?
Jansen: Es gab ein kurzes Gespräch mit dem Manager. Eine einfache Frage ist ja entscheidend: ich muss wissen, ob mein Verein mit mir plant und mich halten will und was an den anderen Sachen dran ist, die man da so gehört hat. Das weiß ich jetzt nicht, das werde ich erst in Erfahrung bringen, um mir ein Bild zu machen.
Scholle: Würde es Dir schwer fallen, dem HSV den Rücken zu kehren?
Jansen: Kommt drauf an. Sechseinhalb Jahre ist eine lange Zeit, das ist eine emotionale Sache. Natürlich würde es schwer fallen, weil man ja auch immer die Identifikation sucht. Aber wenn der eigene Verein nicht mit einem plant, dann fällt es relativ leicht, sich zu verabschieden. Auch wenn es wegen der Stadt und der Fans schwer ist.
Scholle: Oft kommt hier jetzt die Floskel: „So ist es dann im Profigeschäft“.
Jansen: Es ist dann so, ja.

Ex-HSV-Torjäger Sergej Barbarez muss in der Zwischenzeit noch länger auf seinen Traumjob als bosnischer Nationaltrainer warten. Hier die SID-Meldung:

SARAJEVO (SID) – Mehmed Bazdarevic soll die Fußball-Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas zur Endrunde der EM 2016 in Frankreich führen. Wie der Verband am Samstag mitteilte, wird der 54-Jährige Nachfolger von Safet Susic, der Mitte November nach dem 0:3 in Israel entlassen worden war. «Das ist der Höhepunkt meiner Karriere. Ich bin glücklich, es wartet aber viel Arbeit auf mich», sagte Bazdarevic, der den Vorzug vor weitaus prominenteren Trainern erhielt. Unter anderem galten der frühere Bundesliga-Meistercoach Felix Magath sowie der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Sergej Barbarez als Kandidaten. Bazdarevic arbeitete zuletzt beim katarischen Klub Al-Wakrah, zuvor war er beim FC Sochaux in Frankreich tätig. Susic hatte Bosnien zur erstmaligen WM-Teilnahme geführt, in Brasilien schied sein Team aber in der Vorrunde aus. In der EM-Quali sind die Bosnier nach vier Spielen noch ohne Sieg.

Mit dem HSV-Training geht es am morgigen Montag weiter, und zwar erneut ohne Öffentlichkeit. Dann steht das letzte Heimspiel dieses turbulenten Fußball-Jahres an. Ein Fußball-Jahr, das ja alle HSVer in der Freude eint, dass es gegen den VfB Stuttgart und nicht gegen Erzgebirge Aue dieses letzte Heimspiel 2014 gibt.

Zu „Matz ab live“ im Anschluss an das Spiel kann ich Euch einen weiteren hochkarätigen Gast ankündigen – es ist Thomas von Heesen, langjähriger HSV-Kapitän und heute im AG-Aufsichtsrat. Vielleicht erfahren wir von ihm neben den sportlichen Einschätzungen auch etwas mehr über die Arbeit im Hintergrund und die wirtschaftliche Lage rund um Kühne, Anteile usw.

Lars
17.58 Uhr

matz-teaser3

Nächste Einträge »