Archiv für das Tag 'Barbarez'

Bandow will „Beiersdorfers Handschrift“ +++Breaking: Behrami bis 2018 in Watford+++

11. Juli 2015

Schöne Grüße aus dem Flieger. Am Nachmittag ist die HSV-Mannschaft per Charterflugzeug aus der Schweiz, genauer gesagt vom Flughafen in St. Gallen, aufgebrochen Richtung Düsseldorf. Von unterwegs sendeten Lewis Holtby, Nicolai Müller, Pierre Michael Lasogga und Ivica Olic einen fröhlichen Twitter-Gruß. Der erste Teil der Vorbereitung ist vorbei – und morgen steht also der erste öffentliche Gradmesser an für den HSV beim Telekom-Cup. Im Anschluss daran, dies müsst Ihr Euch bitte schon einmal vormerken, läuft wieder ein „Matz ab live“ – diesmal mit Joachim Dipner vom Hamburger Fußball Verband, der auch mit dabei war im Schweizer Trainingslager, sowie Trainer-Legende Bert Ehm. Los geht es gegen 19.30 Uhr, also nach Ende des Vierer-Turniers.

Natürlich kann man in Mönchengladbach keine Standortbestimmung erwarten. Das hat Bruno Labbadia schon nach wenigen Tagen im Trainingslager deutlich gemacht, und diese Aussage gilt nach wie vor – und sie gilt für alle teilnehmenden Teams: „Bei uns sind einige Spieler erst seit wenigen Tagen im Training und kommen mit unterschiedlicher Fitness. Es ist ein schönes Forum, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, aber es ist noch lange hin bis zum Bundesligastart.“

Wie es auch kommen mag und welche Transfers sich noch ergeben – der ehemalige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow erwartet ein anderes Auftreten vom HSV als in der abgelaufenen Saison. „Der auch von mir mit großen Erwartungen wiedergewonnene Dietmar Beiersdorfer konnte kurzfristig nicht an die erfolgreichen Verpflich­tungen, die wir in unserer gemeinsamen Zeit seit 2002 hatten, anknüpfen“, sagt Bandow rückblickend. Der 83 Jahre alte Banker war vor 13 Jahren einer der großen Befürworter des Einstiegs von Dietmar Beiersdorfer, und er hat auch 2014 im Hintergrund Gespräche geführt, damit Beiersdorfer zurückkommen konnte.

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van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
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. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

Nur das Ergebnis zählt

14. Dezember 2014

HSV-Trainer Joe Zinnbauer brauchte gestern nach dem Spiel nicht lange für die richtige Einordnung. „Wenn man drei Punkte holen kann, dann will man auch drei Punkte holen. Aber wir hätten es nicht verdient gehabt, drei Punkte mitzunehmen. Es war kein gutes Spiel, das wissen wir selbst. Aber es läuft im Moment einfach nur ergebnisorientiert.“ So gesehen konnten die Hamburger also froh sein mit dem torlosen Remis im Schwarzwald-Stadion. Es war erst das dritte Auswärtsspiel der Saison, in dem der HSV etwas mitnehmen konnte.


Beim Mann des Tages bedankten sich nachher alle Mitspieler. Jaroslav Drobny war es natürlich, der bereits in der zweiten Minute den Foulelfmeter von Vladimir Darida halten konnte. „Wir wissen, dass ‚Drobo‘ ein guter Rückhalt und ein Super-Torwart ist“, meinte Dennis Diekmeier. „Das hat er letzte Saison schon bewiesen. Wir sind froh, dass wir ihn haben.“ Und Kollege Lewis Holtby ergänzte mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Mit seiner Erfahrung ist ‚Drobo‘ Gold wert. Dafür ist ein Torhüter auch da, dass er die Bälle hält.“ Dabei war der 35 Jahre alte Tscheche bislang gar nicht als Elfmeterkiller bekannt. Mehr als vier Jahre ist seine bislang letzte Elfer-Rettungstat her, damals noch im Trikot von Hertha BSC. Jetzt hielt Drobny seinen ersten Elfmeter als HSV-Keeper.


Dass der Verein auf Drobny zugehen wird mit dem Ziel, den Vertrag zu verlängern, ist bekannt. Drobny genießt in der Mannschaft allerhöchstes Ansehen. Da sollte einer Einigung und Weiterbeschäftigung also wenig im Weg stehen, wobei sich natürlich die Frage stellt, wie der HSV alternativ aufgestellt sein möchte. Hieße eine Verlängerung für Drobny, dass man mit Rene Adler nicht mehr plant? Immerhin besitzt der ehemalige Nationaltorwart, der sechs Jahre jünger ist als Drobny, einen Vertrag in Hamburg bis 2017. Oder ist das Potenzial von einem der jungen Nachwuchstorleute so groß, um ihn als Nummer zwei langsam heranzuführen? Schwierige Frage. Auf jeden Fall ist es wohl ein Luxus, den sich der HSV nicht unbedingt leisten kann, zwei Torhüter wie Drobny und Adler zu beschäftigen.


Meiner Ansicht hätte es gestern übrigens gar nicht der großen Rettungstat Drobnys beim Elfmeter bedurft – es hätte auch gereicht, wenn der insgesamt schwache Schiedsrichter Wolfgang Stark die Aktion von Ronny Marcos gar nicht gepfiffen hätte. Bitter, dass der Tiefflug von Freiburgs Felix Klaus mit einem (wenn auch verzögerten) Pfiff belohnt wurde. Ich frage mich, was da der Assistent an der Seite gesehen haben will? Wenn es ein Tritt war von Ronny Marcos, der zum Strafstoß führte, dann hatte Stark darauf den besseren Blick. Im Gegensatz zum Handspiel in der zweiten Halbzeit nach der Flanke von Dennis Diekmeier. Das hätte der Assistent anzeigen MÜSSEN. Für eine identische Szene hat der HSV in der Vorwoche gegen Mainz einen Elfmeter bekommen. Diesmal nicht. Komplett unverständlich.

Noch unverständlicher wird die Geschichte nach den Erklärungen von Dennis Diekmeier. Demnach sei den Profis in der Regel-Schulung vor Saisonbeginn verdeutlicht worden, dass eine durch Hand oder Arm eindeutig vergrößterte Körperfläche bei entsprechendem Kontakt eindeutig zum Elfmeter führen muss. Auf die Situation gestern bezogen bedeutet dies: der Unparteiische weiß von dieser Ansage nichts. Das ist auszuschließen. Oder: er und sein Assistent haben es wirklich nicht gesehen. Das aber kann auch nicht sein. Jeder der 24.000 Zuschauer im Stadion hat es nämlich gesehen. Aber sei’s drum.

In aller Munde war gestern und heute auch noch der Brasilianer Cleber. Was seine Verletzung angeht, gab es zumindest zarte Entwarnung. Nach dem Rettungsversuch gegen Dani Schahin war Cleber kurz vor dem Ende der Partie so unglücklich gefallen, dass er sich eine schmerzhafte Schulterprellung zugezogen hat. Das ergab heute die Kernspin-Untersuchung. Das bedeutet, dass sein Einsatz am Dienstag gegen den VfB Stuttgart in der Schwebe ist. Schade eigentlich, denn nach der holprigen Leistung im Anschluss an die Einwechslung in Augsburg hat sich Cleber gegen Mainz und auch in Freiburg stabilisiert gezeigt. Vor allem sein Nebenmann Johan Djourou äußerte sich sehr positiv über Cleber. „Wir hatten alle Angst, als sich Heiko verletzt hat. Aber Cleber hat das sehr gut gemacht. Das wäre schade und bitter, wenn er nicht spielen kann. Am Anfang habe ich schon gesagt, dass ein Spieler Zeit und Vertrauen braucht. Ich glaube, er hat zwei, drei gute Spiele gemacht.“ Sollte Cleber ausfallen, dann wird wohl die Zeit von Gojko Kacar schlagen. Djourou ist davor nicht bang, er wies darauf hin, dass sie beide bereits in der Vorbereitung zusammen gespielt haben. „Das ist alles kein großes Problem. Wir müssen nur reden und kommunizieren.“ Kacar stand schon in den letzten Augenblicken des Freiburg-Spiels als möglicher Einwechselspieler an der Seitenlinie. Nachdem Cleber aber signalisiert hatte, dass er die letzten Sekunden doch auf die Zähne beißen wollte, kam Zoltan Stieber anstelle Kacars in die Partie.

Erfreulich ist, dass Johan Djourou selbst in dieser Vorrunde ein absoluter Stabilisator war. Er war fast durchgängig fit und gesetzt, hat sicher auch den Schwung mitgenommen von der Weltmeisterschaft in der Schweiz und in den vergangenen Monaten mehr und mehr gerechtfertigt, warum ihn der HSV im Sommer 2013 geholt hat. In dieser Verfassung ist er sehr wichtig für die Mannschaft.

Das Lob beschränkt sich allerdings auf die Defensivspieler. Je weiter wir nach vorn kommen, desto schlechter werden die Kritiken. Das System Doppelsitze, das Joe Zinnbauer zum Mainz-Spiel aus dem Hut gezaubert hat, ist dabei grundsätzlich okay. Beide Stürmer, Pierre Michel Lasogga und Artjoms Rudnevs, haben mehr Räume. Sie beschäftigen die Deckung. Aber: Mal abgesehen von dem sehr stark forcierten Pressing, dass vielen Gegnern in den vergangenen Monaten gar nicht geschmeckt hat, kommt immer noch viel zu wenig raus. Kaum nennenswerte Torabschlüsse, Ungenauigkeiten in der Vorbereitung. Gestern kaum Offensiv-Impulse von Lewis Holtby und Nicolai Müller. Die Grundlage für die leicht verbesserte Lage beim HSV ist eindeutig die Abwehr-Arbeit – die Bilanz da vorne ist nach wie vor katastrophal. Es fehlt am Automatismen, an entschlossener Spielweise nach vorn, an eingespielten Laufwegen. Womöglich auch an der Qualität aus dem Mittelfeld heraus für den tödlichen Pass. Harte Arbeit in der Winterpause, das reinzukriegen. Eventuell gelingt es mit etwas mehr tabellarischer Sicherheit, so ähnlich wie gegen Mainz, wo es ansatzweise schönen Fußball zu sehen gab.

Etwas ungewöhnlich hat Trainer Joe Zinnbauer der Mannschaft heute frei gegeben. Regeneration vor der Stuttgart-Partie wurde diesmal etwas anders betrieben. Direkt nach der Rückkehr per Charter-Flieger aus dem Breisgau wurde noch gestern Abend trainiert – der Tag heute gehörte den Familien und dem Entspannen. Auch mal was anderes im fast immergleichen Trott der Profis.

Gestern war Marcell Jansen (zur Zeit verletzt, will Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen) Gast bei „Matz ab live“. Dort haben ihn Scholle und Dieter auch nach seinen Zukunftsplänen und einem möglichen Wechsel in der Winterpause gefragt. Viele haben das Video sicher gesehen, aber hier dennoch die entscheidende Passage zum Nachlesen in Schriftform, weil die Aussagen – wie ich finde – doch stark nach Abschied klingen.

Scholle: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Dich noch einmal für den HSV auflaufen sehen?
Jansen: Mein Berater hat es ja schon gesagt. Ich bin seit über sechs Jahren beim HSV und habe Vertrag bis Sommer. Ich kann die Frage eigentlich am wenigsten beantworten, weil ich mit niemandem direkte Gespräche geführt habe.
Scholle: Musst Du die Frage denn dem HSV stellen oder eher Deinem Berater?
Jansen: Der Ansprechpartner muss ja der HSV sein. Ich bin da schließlich Vertragsspieler. Ich habe in dem Sinne nicht konkret mit meinem Verein über irgendwas gesprochen bzw. ich persönlich mit einem anderen Verein. Deswegen werden wir jetzt hoffentlich die Hinrunde mit einem Heimsieg gegen Stuttgart beenden und mit einem guten Spiel in Schalke – das ist das Allerwichtigste neben den ganzen anderen Dingen. Ich werde dann im Winter sehen und gezielt mal fragen, was da wie jetzt wo ist.
Scholle: Gibt es schon einen Wink vom Verein?
Jansen: Es gab ein kurzes Gespräch mit dem Manager. Eine einfache Frage ist ja entscheidend: ich muss wissen, ob mein Verein mit mir plant und mich halten will und was an den anderen Sachen dran ist, die man da so gehört hat. Das weiß ich jetzt nicht, das werde ich erst in Erfahrung bringen, um mir ein Bild zu machen.
Scholle: Würde es Dir schwer fallen, dem HSV den Rücken zu kehren?
Jansen: Kommt drauf an. Sechseinhalb Jahre ist eine lange Zeit, das ist eine emotionale Sache. Natürlich würde es schwer fallen, weil man ja auch immer die Identifikation sucht. Aber wenn der eigene Verein nicht mit einem plant, dann fällt es relativ leicht, sich zu verabschieden. Auch wenn es wegen der Stadt und der Fans schwer ist.
Scholle: Oft kommt hier jetzt die Floskel: „So ist es dann im Profigeschäft“.
Jansen: Es ist dann so, ja.

Ex-HSV-Torjäger Sergej Barbarez muss in der Zwischenzeit noch länger auf seinen Traumjob als bosnischer Nationaltrainer warten. Hier die SID-Meldung:

SARAJEVO (SID) – Mehmed Bazdarevic soll die Fußball-Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas zur Endrunde der EM 2016 in Frankreich führen. Wie der Verband am Samstag mitteilte, wird der 54-Jährige Nachfolger von Safet Susic, der Mitte November nach dem 0:3 in Israel entlassen worden war. «Das ist der Höhepunkt meiner Karriere. Ich bin glücklich, es wartet aber viel Arbeit auf mich», sagte Bazdarevic, der den Vorzug vor weitaus prominenteren Trainern erhielt. Unter anderem galten der frühere Bundesliga-Meistercoach Felix Magath sowie der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Sergej Barbarez als Kandidaten. Bazdarevic arbeitete zuletzt beim katarischen Klub Al-Wakrah, zuvor war er beim FC Sochaux in Frankreich tätig. Susic hatte Bosnien zur erstmaligen WM-Teilnahme geführt, in Brasilien schied sein Team aber in der Vorrunde aus. In der EM-Quali sind die Bosnier nach vier Spielen noch ohne Sieg.

Mit dem HSV-Training geht es am morgigen Montag weiter, und zwar erneut ohne Öffentlichkeit. Dann steht das letzte Heimspiel dieses turbulenten Fußball-Jahres an. Ein Fußball-Jahr, das ja alle HSVer in der Freude eint, dass es gegen den VfB Stuttgart und nicht gegen Erzgebirge Aue dieses letzte Heimspiel 2014 gibt.

Zu „Matz ab live“ im Anschluss an das Spiel kann ich Euch einen weiteren hochkarätigen Gast ankündigen – es ist Thomas von Heesen, langjähriger HSV-Kapitän und heute im AG-Aufsichtsrat. Vielleicht erfahren wir von ihm neben den sportlichen Einschätzungen auch etwas mehr über die Arbeit im Hintergrund und die wirtschaftliche Lage rund um Kühne, Anteile usw.

Lars
17.58 Uhr

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Jaro ist das beste Beispiel

20. November 2014

Es ist noch gar nicht so lange her, da schrieb ich von Topspielern des HSV, die im Unfrieden und in meinen Augen auch unter unwürdigen Umständen den Verein wechselten. Bei Calhanoglu und einigen anderen geschah dies unter mehr als fragwürdigen Umständen und wurde zu Recht kritisiert. Allerdings wurden auch bei anderen plötzlich Geschichten lanciert, die den Spieler schlecht aussehen ließen. Ob es ein Vincent Kompany war, dem man nachsagte, er habe am Ende nicht mehr alles für den HSV gegeben oder ein Frank Rost, der angeblich immer wieder Politik gegen die Vereinsführung gemacht hatte. In dem Moment, wo klar war, dass sie nicht mehr für den HSV auflaufen würden, gab’s was hinterhergeschmissen. Vergessen waren die Leistungen für den Verein. Es gab einige (zu viele) Beispiele von verdienten Spielern, denen man den Abgang leicht hätte machen können – wenn nicht gar müssen. Wäre da nicht das Hamburger Problem mit den Eitelkeiten…

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Mit Dietmar Beiersdorfer hat der HSV seit diesem Sommer wieder einen Vereinsboss, der bekannt dafür ist, menschlich mit seinen Spielern umzugehen. Egal wer den Verein verließ – über Beiersdorfer gab es eigentlich nie etwas Negatives zu hören.

Von Chef und Angestelltem zu Freunden geworden: Dietmar Beiersdorfer (l.) und David Jarolim

Von Chef und Angestelltem zu Freunden geworden: Dietmar Beiersdorfer (l.) und David Jarolim

Und von ihm noch weniger. Genauso wenig wie von und über David Jarolim. Aber auf den komme ich am Ende des Artikels noch mal (inklusive Video), der hoffentlich der Anfang von einer ganzen Reihe vernünftiger Abschiede ist.

Aber bevor ich mich Jaro widme, möchte ich mich noch einmal der gestern überraschend verkündeten Personalie Otto Addo widmen. Wie ich jetzt erfahren habe, hatte Addo am Mittwoch vor der Meldung des HSV ein Gespräch samt Anwalt und der Personalleiterin des HSV, Daniela Schumacher. In diesem Gespräch verständigten sich alle darauf, so sagt es Addos Anwalt Tobias Andresen, „dass wir nach außen noch nichts kommunizieren, ehe grundsätzliche Fragen geklärt sind.“ Eine dieser Fragen – und die ist tatsächlich elementar – ist die nach dem Angestelltenverhältnis. Der HSV ging und geht noch immer davon aus, dass der bis Juni 2015 datierte Vertrag nicht verlängert wird und daher das Angestelltenverhältnis Addos mit seinem Vertragsende automatisch im kommenden Sommer endet. „Dem ist allerdings nach nunmehr sechs Jahren nicht so“, sagt Andresen. Das einst zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnis habe sich inzwischen in ein unbefristetes verändert.

Am Tag der erfolglosen Schlichtung zwischen dem HSV und Mirko Slomka und einen Tag vor dem Gerichtstermin mit Fitnesstrainer Nikolai Vidovic bahnt sich offenbar der nächste Rechtsstreit an. Denn die anwaltliche Vertretung Addos weist daraufhin, dass die Möglichkeit der Befristung über den so genannten “Verschleißtatbestand” hier nicht funktioniert. In Bundesligamannschaften gilt dieser, da der Trainer sich dort abnutzen kann. Im Wortgebrauch heißt es dann immer ‚Er erreichte die Mannschaft nicht mehr’. Bei Addo gestaltet sich das allerdings etwas schwieriger, da sich die Mannschaft des U19-Trainers spätestens alle zwei Jahre durchwechselt und Addo immer neue Spieler trainiert. „Daher sind wir uns sehr sicher, dass Otto Addos Vertrag nach den Jahren beim HSV als unbefristet einzustufen ist“, so Andresen.

Die Nachfrage beim HSV, weshalb die Pressemitteilung trotz anderslautender Absprache gestern schon veröffentlicht wurde, konnte mir niemand beantworten. Der Hinweis, Addo hätte vor der Veröffentlichung den Text erhalten, dementierte Akeem Adewunmi, Addos Berater, vehement. „Wenn dem so gewesen wäre, hätten wir gestern schon alles daran gelegt, dass dieser Text nicht erscheint. Schließlich wollen wir in Otto Addos Sinn, dass hier alles reibungslos abläuft. So gern er auch bei seinem HSV geblieben wäre.“

Warum sich der HSV diese eh ungewöhnlich früh verkündete Personalentscheidung nicht verkneifen konnte, bleibt mir bis heute schleierhaft. Gewinner hat diese Verkündung jedenfalls keinen. Zumal im Verein niemand zu finden ist, der nicht daran glaubt, dass Addo seinen Abgang ohne Streit hinter sich bringen will. „Otto war als Spieler in der Jugend angeblich nicht gut genug, hat dann eine beachtliche Karriere hingelegt und ist dennoch zurückgekommen – weil er ein HSVer ist“, sagt Adewunmi, „umso trauriger sind wir, dass Vereinbarungen hier so missachtet wurden. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ganz grundsätzliche Sachen noch zu klären sind. Otto ist der Letzte, der im Streit gehen will.“ Wobei Adewunmi und Andresen auch klar sein muss, dass sie in Sachen Entlassungen und folgenden Rechtsstreit auf einen HSV-Anwalt treffen, der sich gerade mächtig einspielen konnte…

Die Liste mit den Eingeladenen für Jarolims Abschiedsgala liest sich gut. Sehr gut sogar...

Die Liste mit den Eingeladenen für Jarolims Abschiedsgala liest sich gut. Sehr gut sogar…

Ausgespielt hat seit zweieinhalb Jahren beim HSV auch David Jarolim. Vor zweieinhalb Jahren zog es ihn vom HSV zurück nach Tschechien, wo er als Profi bis in den Sommer diesen Jahres spielte. Seither fungiert er als Sportchef des tschechischen Topklubs Boleslav – mit seinem Vater Karel als Trainer. „Wir sind Fünfter und haben zuletzt Punkte liegen lassen. Er weiß, dass er jetzt vier Punkte aus zwei Spielen holen muss, wenn er nicht entlassen werden will“, scherzt der Tscheche, der am 28. März mit einer tschechischen Auswahl gegen eine Auswahl seiner HSV-Weggefährten antreten wird.

Die Tickets, die ab Montag im Handel erhältlich sind, sollen nicht mehr als zehn Euro kosten. Die launige PK mit einem der Großen will ich hier nicht noch mal in Schriftform darstellen. Aber ich empfehle Euch das Video der launigen PK, das zeigt, wie sehr Jaro zum HSVer geworden ist. Dazu passt auch, dass er mir vor einigen Tagen erzählte, dass er ein Angebot des HSV abgelehnt habe, hier als Jugendtrainer anzufangen. „Ich mache meinen B-Schein und brauche noch Zeit. Ich will nicht einfach so und unvorbereitet ran. Ich brauche noch etwas zeit, eine Menge Lehrstunden und Erfahrung. Und wenn ich bereit bin, werde ich es wissen und mich melden. Das Gute an Didi (Beiersdorfer, Anm. d. Red.) ist, dass er mir gesagt hat, die Tür sei immer offen für mich. Das ist ein tolles Gefühl – und ich fühle die Verpflichtung, vorher das Bestmögliche gemacht zu haben, um für meinen HSV am Ende die erhoffte Verstärkung zu werden.“ Viel mehr geht einfach nicht, oder?

Hier die PK:

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Dennoch will und muss ich heute, keine 70 Stunden vor dem Anpfiff auf das bevorstehende Nordderby eingehen. Mit Jarolims Tochter als Glücksbringer (siehe Video) kann zwar eigentlich nichts mehr schiefgehen, zumal dazu eine Atmosphäre erwartet wird, die dem Leverkusen-Spiel entspricht. Allein ob das mit Forderungen wie heute von Dietmar Beiersdorfer und anderen dann auch so kommt, wage ich zu bezweifeln. Ebenso Pierre Michel Lasogga, der heiß darauf ist, endlich wieder zu treffen. Am liebsten zum Sieg im 101. Nordderby „Ich würde das gar nicht als Ladehemmung beschreiben“, sagte Lasogga. Immerhin hätte man in den letzten Wochen das Hauptaugenmerk auf die Defensive gelegt. „Jetzt hoffen wir, dass auch das Spiel nach vorne besser wird. Vielleicht ist solch ein Derby ein Dosenöffner für die ganze Saison.“

13 Treffer in der vergangenen Saison – auch Lasogga läuft seiner Form noch hinterher. Er weiß das – aber er ignoriert es, so gut es geht. „Die Diskussionen lassen mich kalt und interessieren mich gar nicht. Ich weiß, was ich kann und auch, was die Mannschaft kann“, sagte der 22 Jahre alte Stürmer, der nur noch das Derby im Kopf hat: „Werder ist im Aufwind durch die Siege zuletzt und wir hatten eine kleine Schwächephase. Trotzdem wollen wir zu Hause gewinnen. Wir wollen an die letzten guten Spiele zu Hause anknüpfen. Dass der Nord-Schlager gegen Werder laut Klub-Kampagne zum „lautesten Nordderby aller Zeiten“ werden soll, ist ihm egal: „Das wichtigste ist nicht, ob es das lauteste oder das leiseste wird“, so Lasogga, „sondern dass wir das Spiel gewinnen und es das erfolgreichste wird.“ Und obgleich das drei Euro für Wontorras Phrasenschwein wären – Lasogga hat Recht. Und so sehr ich mich über eine Atmosphäre wie gegen Leverkusen auch freuen würde, ich finde, diesmal sollten die Spieler in Vorkasse gehen und mit Leistung auf dem Platz die Zuschauer für sich gewinnen. Denn die sind das letzte Faustpfand. Die einzige Konstante der letzten Jahre. „Darauf freue ich mich mit am meisten“, so Jarolim. Und ich freue mich darüber bzw. hoffe, dass er das beste Beispiel dafür ist, dass der HSV es doch noch kann. Also das mit dem verdienten Abschied für verdiente Spieler. Weiter so!

Ein legendärer Tag mit den Legenden

7. September 2014

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„Die Hamburger haben dieses Spiel, das hat uns alle überrascht, sehr verbissen gesehen, zu verbissen gesehen, die sind schon enorm zur Sache gegangen.“ Eine Einschätzung, die man sich als Hanseat einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen kann. Gesagt hat es heute Michael Ballack, und er sprach natürlich nicht über den HSV, sondern über das „Spiel der Legenden“ vor einem Jahr. Von der Verbissenheit von damals ist alles geblieben, davon konnten sich 25 183 zahlende Zuschauer live überzeugen, und Hundertausende bei der TV-Übertragung von „Sport 1“, denn das Match Deutschland gegen Hamburg stand zur Pause noch 0:0. Dabei hatten sich alle prominenten Kicker vor dem Anpfiff noch ein torreiches Spiel gewünscht. Waren die Trainer der Mannschaften, Jupp Heynckes (für Deutschland) und Helmut Schulte zu genau – und zu gut in ihren Anweisungen? Oder waren die Abwehrspieler zu stark? Es lag wohl eher an den überragenden Torhütern, Für Hamburg hielt Richard Golz überragend, und für Deutschland riskierte Claus Reitmaier mehr als einmal wieder Kopf und Kragen. Schuld an dieser Tor-Armut hatten, ganz klar, die Keeper. Die waren vor ausverkauftem Haus am Millerntor super. Gewonnen hat letztlich die zehnte Auflage des Tages der Legenden das Team Deutschland, das einen 5:3-Sieg schaffte und damit die Bilanz etwas verbessern konnte – Hamburg führt nur noch mit 6:3 Erfolgen. Gewonnen hat auch der von ARD-Moderator Reinhold Beckmann gegründete Verein „Nestwerk e.V.“, denn durch dieses Fußballfest kam in etwa eine Viertelmillion Euro zusammen, die den benachteiligten und sozial ausgegrenzten Hamburger Jugendlichen zugute kommen wird. Es war ein wunderbarer Tag am Millerntor – und es folgt, darauf haben sich alle Beteiligten schon riesig gefreut, noch eine sensationelle Nacht auf dem Kiez und im Schmidts Tivoli.






 

Zum Spiel: Nach dem Seitenwechsel war es zunächst Ballack persönlich, der das erste Tor des Tages erzielte, ein strammer 20-Meter-Flachschuss, unhaltbar für Mathias Hain, der nun im Tor stand (48.). Und dann auch noch gleich das 2:0 hinterher – St. Paulis früherer Spieler Matthias Scherz überlistete Hain mit einem Eigentor (50.). Damit waren die Weichen für einen Sieg? Nein, Hamburg wehrte sich. Und die St.-Pauli-Männer trafen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten mit ihren Toren das Spiel – aber das war nicht das Ende. Carsten Jancker traf zum 3:3, Maurizio Gaudino zum 4:3 für Deutschland, und den Endstand zum 5:3 markierte Arne Friedrich. Zu erwähnen sei noch ein Fast-Kopfballtor von Thomas Doll beim Stande von 3:3, der Trainer von Ferencvaros Budapest scheiterte an Torwart Andreas Reinke und dem Torpfosten.

 

Am Rande machten es sich die Ganz-Alt-Internationalen bei Kaffee und Kuchen gemütlich: Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, dazu Uwe Seeler, Bernd Wehmeyer und Max Lorenz. Sowie der Schirmherr der Veranstaltung, Franz Beckenbauer, der vor 50 Jahren am Millerntor sein Debüt in der Profi-Mannschaft des FC Bayern feierte. Wenn ich es richtig erinnere, dann damals als Linksaußen! Beckenbauer: „Eine schöne Erinnerung, wir haben damals 4:0 gewonnen und ich habe dabei mein erstes Pflichtspieltor für die Bayern geschossen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was ich in meiner Zeit als Profi und auch danach durch diesen wunderbaren Sport alles erleben würde – ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Legende, Lichtgestalt und Kaiser eben. Dass er am Millerntor diesmal auf Schritt und Tritt von zwei Bodyguards bewacht wurde, ist die Kehrseite der Medaille. Anders geht es wohl heutzutage nicht. Schade, schade.

 

Franz Beckenbauer war ja auch einst HSV-Spieler, ich habe ihn damals sogar schon interviewen dürfen, einen Termin besorgte mir damals HSV-Busfahrer Willi Meyer, indem er mich an die Hand nahm und zu Beckenbauer schleifte. Hat aber großartig geklappt. Die weiteren HSV-Spieler, die an diesem Tag im Einsatz waren: Nico Hoogma, Manfred Kaltz, Christian Rahn, Bastian Reinhardt, Stefan Schnoor, Stefan Studer (in der Jugend beim HSV), Otto Addo, Stefan Beinlich, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Roy Präger, Thomas von Heesen (alle für Hamburg) sowie Markus Babbel, Patrick Owomoyela und Oliver Kreuzer (Sportchef) und Claus Reitmaier (Torwarttrainer).

 

Natürlich gab es mit einigen von ihnen ein freudiges Wiedersehen. Das begann schon bei Sergej Barbarez. Mit ihm sprach ich – natürlich – über seinen HSV und die derzeitig angespannte Lage. Und Barbarez sprach – wie man es von ihm gewohnt ist – Klartext: „Dieser Fehlstart des HSV überrascht mich nicht, denn der Heilsbringer sitzt oben auf der Tribüne, und unten auf dem Rasen spielen die alten Leute. Und die haben es lange genug bewiesen, dass sie es nicht können, ihnen fehlt die Qualität.“ Klingt hart, aber es trifft genau. Und mit Heilsbringer war natürlich Dietmar Beiersdorfer gemeint.

 

In der Zeit, in der ich nun geschrieben habe, hat mein Kollege Axel Leonhard (der große Regisseur – von Matz ab live) die Gespräche, die ich heute am Millerntor führte, schon im HA-Internet veröffentlich. Ich stelle diese Geschichte nun auch hier hinein, es gab ein Wiedersehen mit Nico Hoogma, Richard Golz, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Michael Ballack, Stefan Studer, Patrick Owomoyela, Bastian Reinhardt, Hamburg-Trainer Helmut Schulte, mit Initiator Reinhold Beckmann, it St.-Pauli-Trainer Thomas Meggle (ein langjähriger Freund), Schiedsrichter Walter Eschweiler und vielen, vielen mehr. Wenn Ihr die Zeit habt, dann schaut mal in dieses Video hinein.
Wobei ich eine kleine Einschränkung machen muss. Es sind nicht alle ehemaligen Stars zu sehen, die ich eben genannt habe, der Herr Leonhard wollte dieses Video wohl nicht zu doll überfrachten . . .

 

Dann gab es noch einen freundlichen Hinweis auf meine Geschichte von gestern – ich hatte meine HSV-Mannschaft nominiert:

Lieber Dieter.

ich bin bei der neuen Mannschaft schon etwas verwirrt. Wozu haben wir denn Nicolai Müller gekauft, der für das schnelle Umschaltspiel geholt wurde? Außerdem weiß niemand, ob Julian Green überhaupt Fußball spielen kann, nur weil er von Bayern München kommt. Also überlege Deine Mannschaft noch mal.
Mit freundlichen Grüßen, Arne P.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich mir diese HSV-Mannschaft, die ich ohne Nicolai Müller aufgestellt habe, schon für das nächste Spiel, als das in Hannover, gewünscht habe und hätte. Müller sehe ich noch nicht so fit, dass er es bis zur Begegnung gegen 96 schaffen wird und kann. Natürlich erwarte ich Müller im HSV-Team, ich habe ihn in Erfurt gesehen, und das war schon mal sehr gut, was dort zu sehen war. Der Mann geht ab wie Schmidts Katze – oder wie eine Rakete. Das macht Spaß, ihm zuzusehen. Und er wird ganz sicher eine Bereicherung für den HSV sein, leider (wohl) noch nicht für das kommende Wochenende. Wobei wir schon wissen, ob ein Julian Green Fußball spielen kann – er kann. Und wer das wirklich noch nicht weiß, der wird sich davon schon bald, hoffentlich am nächsten Sonntag, überzeugen können.

 

Ja, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache, denn das Hamburger Abendblatt hat schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, nur die Uhrzeit stand bis jetzt noch nicht fest.

 
18.11 Uhr

“Den HSV einfach wieder ins Licht führen”

5. September 2014

Erfreulich an diesem Wochenende ist ja nicht nur das schöne Wetter, das es hoffentlich geben wird, sondern auch die Tatsache, dass der HSV nicht verlieren kann. Aufatmen ist angesagt, tief durchatmen und dazu ein ehrliches und voll durchgezogenes Aufatmen. Und dass der HSV mit einem Sieg in dieses Wochenende gegangen ist, das ist ja auch keine alltägliche Geschichte, aber man könnte sich dran gewöhnen. Okay, das 3:0 in Neumünster ist nicht die Welt, aber immerhin. Und da sich beim Test gegen den Regionalliga-Club auch einige „Neue“ gezeigt haben, wird die Sache noch ein wenig runder. Lars Pegelow war für den NDR 90,3 dabei und hat Stimmen von dieser Auswärtspartie mitgebracht.

 

Für Abendblatt-Blogs


So befand Trainer Mirko Slomka später: „Spielerisch war noch viel Luft nach oben, aber wir haben ja auch mit einer Mannschaft gespielt, die so noch nie zusammengespeilt hat, und die so auch nie wieder spielen wird. Aber es gab ein paar wichtige Aspekte. Wir haben 90 Minuten Matthias Ostrzolek gesehen, wir haben 90 Minuten Cleber gesehen, der, wie ich finde, einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er war sehr dynamisch, sehr kopfballstark, und ich habe auch das Gefühl, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, obwohl er ja kaum ein Wort Deutsch spricht. Und wir haben auf der Sechser-Position einen Lewis Holtby gehabt, der in jeder Lage des Spiels Kontrolle hatte, anspielbereit war, unser Spiel auch schon ein bisschen geleitet und gelenkt hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Und was mir auch gefallen hat ist die Tatsache, dass er immer nachgedrückt hat. Lewis mit seinem Team auch immer versucht, die zweiten Bälle zu erkämpfen, das war zuletzt ein großes Problem von uns gegen Paderborn.“

 

Was schon auffällig war: Lewis Holtby hat in seinem ersten Einsatz gleich versucht, Verantwortung zu übernehmen, er hat dirigiert und die Nebenleute gestellt. Slomka: „Er ist auch ein Typ, der das gerne macht, der gerne Verantwortung übernimmt, das ist auch ein Aspekt, warum wir ihn so gerne wollten, einen solchen Spieler brauchen wir im Zentrum des Platzes. Wir brauchten einen Spieler wie er es ist, der eine Mannschaft führen kann, der mit seiner Präsenz und seiner Klasse eine Mannschaft auch sinnvoll führen kann – er ist ein akzeptierter Spieler. Er versucht das von Anfang an so umzusetzen, auch im Training, gerade diese Elemente des Nachschiebens, des Nachdrückens, des Gewinns des zweiten Balles, die haben wir gegen Paderborn nicht gehabt, deswegen hat mir sein Spiel schon sehr gut gefallen.“

 

Lars fragte den Coach dann auch noch nach dem Torwart, der in einer Woche gegen Hannover 96 im HSV-Tor stehen soll, stehen könnte. Jaroslav Drobny oder Rene Adler? Mirko Slomka: „Dass Drobny gegen Neumünster spielen wird, das war vorher schon geplant, ansonsten würde ich an Ihrer Stelle insgesamt nicht so viel in diese Geschichte hineininterpretieren. Auch in meine Aussagen nicht. Wenn man 0:3 gegen Paderborn verliert, und das am zweiten Spieltag der Bundesliga, dann glaube ich muss man als Trainer einfach alles hinterfragen und alles noch einmal alles aufrollen, denn alle Spieler gehören dazu, denn auch drei Gegentore haben wir kassiert. Und deswegen ist es auch richtig, dass man dann noch einmal genau hinschaut. Drobo hätte heute sowieso gespielt, das hatte nichts mit der Torwart-Position am nächsten Sonntag in Hannover zu tun.“

 

Es ist ja wahrscheinlich auch ein kleiner (oder großer? Oder letzter?) Aufruf an alle, sich jetzt, an diesem wichtigen Punkt der Saison, auf das Wesentliche zu konzentrieren, richtig Gas zu geben, und zwar mit 100 Prozent. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass es um seinen Stammplatz geht, der hat die Entwicklung der letzten Wochen irgendwie falsch wahrgenommen. Da lobe ich mir doch Marcell Jansen, der zuletzt das Motto vorgab: „Gas geben und die Fresse halten.“ So wäre es wohl richtig. Jetzt scheint die Stunde der Neuen zu schlagen, daran sollten sich jetzt alle im Team orientieren, denn so wie zuletzt darf es ganz einfach nicht weitergehen.

 

Zu den Neuen gehört ja auch Lewis Holtby, auf den nicht nur die Verantwortlichen größte Hoffnungen setzen. Ich glaube ja auch, dass ihm die Rückkehr in die Bundesliga sehr, sehr gut tun wird, das ist seine Liga, hier wird er es allen zeigen können (auch wollen), was er wirklich kann. Ich glaube, dass er es hier in Deutschland besser kann als irgendwo anders auf der Welt. Dass der (frühere?) Nationalspieler gleich so präsent war im HSV-Spiel, das fiel angenehm auf, denn in der Tat hat der HSV davon kaum Spieler in seinem Team gehabt, die so etwas können und wollen. Holtby zu seinem ersten Auftritt: „Ich habe gleich gesagt, dass ich diese Führungsrolle auf dem Platz gerne übernehmen möchte. Ich möchte mich nicht verstecken, und das weiß der Trainer. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team hat das bisher sehr gut geklappt, ich hoffe, dass wir daran an den nächsten Tagen noch schrauben werden, dass wir das auch in der Bundesliga dann zeigen können.“

 

Das sah zum Anfang nicht nur gut aus, das war auch in den Augen von Lewis Holtby schon gut: „Wir haben gewonnen, wir haben zu null gespielt, und die Sonne scheint – alles ist bestens. Darauf können wir aufbauen.“ Muss ja auch. Auf was sonst? Denn bislang hat der HSV null Tore geschossen und nur einen Punkt auf der Habenseite. Spürt Holtby eine gewisse Verunsicherung in seinem neuen Team? Er sagt: „Natürlich können wir alle damit nicht zufrieden sein, aber für uns gilt jetzt, diesen Länderspielabschnitt dazu zu nutzen, die Köpfe frei zu bekommen, das wir nach vorne schauen, dass wir auch wieder auf die Siegerstraße kommen. Von daher müssen wir uns alle richtig auf die Brust klopfen und uns sagen, dass wir gerade im Derby gegen Hannover einfach eine Reaktion zeigen, Geschlossenheit zeigen. Und so wie es Didi Beiersdorfer gesagt hat, eine Identifikation abgeben, auch mit den Fans zusammen, mit jedem, der im Club involviert ist – dass wir einfach Hamburg wieder stolz machen. Und dass wir den Club, der ja riesig ist in Deutschland, einfach wieder ins Licht führen.“

 

Hey, das klingt aber mal gut. Hoffentlich gelingt dieses Vorhaben auch.

 

Dazu passt natürlich die Meldung, dass sich Pierre-Michel Lasogga im Testspiel gegen den VfR Neumünster nicht schwerer verletzt hat. Der 22-Jährige musste am Donnerstagabend in der Partie kurz vor der Pause wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, es wurden schon schlimmste Vermutungen geäußert, aber am Freitag stand Lasogga dann doch schon wieder auf dem Platz. „Alles gut bei Lasogga. Er kämpft verbissen um jeden Ball“, twitterte der HSV und veröffentlichte zudem ein Video, das den Top-Torjäger gut gelaunt beim Fußball-Tennis zeigt. Also absolute Entwarnung. In diesem Fall.

Ansonsten haben Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan heute wieder individuell im Stadion trainiert. Und auf dem Rasen ließen sich heute Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar mit Reha-Trainer Markus Günther blicken, auch bei diesen beiden Spielern geht es so langsam wieder bergauf.

 

Dann möchte ich noch einmal auf eine gute und große und tolle Sache hinweisen, die es an diesem Sonntag in unserer Stadt zu sehen gibt. Alles für einen guten Zweck:

 

Das Fußballfest am Millerntor feiert Jubiläum mit Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990
Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Michael Ballack entern Hamburg

 

„Uns Uwe“ Seeler, „Kaiser“ Franz Beckenbauer und „Capitano“ Michael Ballack – nur drei der ganz großen Mannschaftskapitäne, die Fußballgeschichte geschrieben haben und beim zehnten „Tag der Legenden“ dabei sind. Unter dem Motto „Die Kapitäne entern Hamburg“ stürmen an diesem Sonntag legendäre Spielführer und insgesamt rund 70 Fußballhelden aus drei Generationen das Stadion am Millerntor.

 

Für das Benefiz-Fußballfest von Reinhold Beckmanns Jugendinitiative NestWerk e.V. kehrt Jupp Heynckes zum ersten Mal nach dem Triple-Gewinn mit Bayern München auf die Trainerbank zurück. Co-Trainer ist Rainer Bonhof, ebenfalls Weltmeister 1974. Anstoß ist um 14.45 Uhr. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein großes Familien-Unterhaltungsprogramm auf der „Actionmeile“ vor dem Stadion mit Showbühne, Mitmachangeboten sowie Imbiss- und Getränkeständen.

 

Zum zehnten Mal schnüren Dutzende frühere Bundesligaprofis ihre Fußballschuhe zugunsten von NestWerk e.V. Seit der Premiere im Jahr 2005 liefen 223 Legenden auf, darunter 23 Welt- und 36 Europameister. Vergangenes Jahr siegte „Team Hamburg“ gegen „Team Deutschland und den Rest der Welt“ mit 4-3 Toren.

 

Rund 1,75 Millionen Euro kamen bisher durch den „Tag der Legenden“ für die Jugendarbeit zusammen. Die vor 15 Jahren gegründete Initiative NestWerk e.V. fördert in benachteiligten Hamburger Stadtteilen Kinder und Jugendliche u.a. mit kostenfreien Sport- und Musikprojekten, die von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden und Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermitteln. Vergangene Schirmherren waren u.a. Altkanzler Gerhard Schröder, CDU-Politikerin Ursula von der Leyen und im Vorjahr Michael Schumacher. Die Schirmherrschaft zum Jubiläum des legendären Matches übernimmt Franz Beckenbauer.

 

Initiator Reinhold Beckmann: „2005 begann alles mit einer Idee und ein paar Wunschlegenden. Keiner ahnte, was daraus wird, und wer später alles ans Millerntor kommen würde: Beckenbauer, Seeler, Netzer, Breitner, Matthäus und, und, und. Ein besonderer Moment war die Teilnahme von Kevin Keegan 2011. Von der ersten Stunde an war das ein Ziel: Mighty Mouse am Millerntor.“

 

Ihr Debüt beim Match „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ geben u.a. Arne Friedrich (WM-Dritter 2006), Rekord-Bundesligaspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der Vize-Weltmeister von 2002, Carsten Jancker, Ex-HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer, Ghanas früherer Nationalspieler Hans Sarpei und der Holländer Frank Verlaat, früherer Werder-Bremen- und Stuttgart-Profi. Weiterhin stehen im „Team Deutschland“ u.a. die Weltmeister von 1990, Stefan Reuter, Thomas Berthold und Olaf Thon, sowie die Europameister von 1996, Jens Nowotny, Markus Babbel und Fredi Bobic.

 

Für „Team Hamburg“, betreut von Helmut Schulte, laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Erstmals dabei ist St.Pauli-Urgestein Fabian Boll, außerdem u.a. Rachid Azzouzi, Manfred Kaltz, Thomas von Heesen, Bernd Hollerbach, Thomas Meggle, Sergej Barbarez, Matthias Scherz, Thomas Doll, Otto Addo und André Trulsen.

 

Stadion-Moderatoren sind Lou Richter und Arnd Zeigler. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Am Abend feiern rund 600 Gäste wie Udo Lindenberg, Rafael van der Vaart und Partnerin Sabia, Monica Lierhaus oder Steffen Hallaschka die Benefiz-Gala “Nacht der Legenden”. Im Kiez-Theater “Schmidts Tivoli” treten dann Künstler wie Peter Maffay, die Rainbirds und Ina Müller zugunsten von NestWerk auf.

 

Um schnell noch einmal auf Reinhold Beckmann und Kevin Keegan zurück zu kommen. Die Mighty Mouse war 2011 begehrt wie sonst kaum einer. Schon im und vor dem Hotel herrschte ein Ausnahmezustand. Und ich brauchte unbedingt ein Interview, so war die Vorgabe der Chefs. Also machte ich mich an Vereins-Manager Bernd Wehmeyer ran, der ist der beste deutsche Freund von Keegan und hat immer mal wieder Kontakt mit ihm. Und Wehmeyer half in der Tat. Und wie. Total außergewöhnlich. Indem er Keegan von meinen Nöten erzählte – und der Brite machte ein besonderes Interview möglich. Eigentlich hatte er keine Minute mehr Spielraum dafür, aber er half trotzdem. Ich rief Bernd Wehmeyer während des Legenden-Spiels an, und er saß – was für ein Zufall (?) – genau dann auf der Spielerbank, als Keegan ausgewechselt wurde. Und Wehmeyer übergab sein Handy an Kevin Keegan, sodass ich mit ihm, der noch etwas außer Atem auf der Bank saß, doch noch sprechen konnte. Sensationell und unvergessen. So etwas wird es wohl nie wieder geben – jedenfalls mit Keegan nicht.

 

Ja, und dann möchte ich noch kurz auf den heutigen Matz-ab-Artikel im Hamburger Abendblatt (Seite zwei) zu schreiben kommen. Dazu habe ich mehrere Mails erhalten, eine davon war etwas Besonderes. Es schrieb mir dazu ein ehemaliger Tagesschau-Chefsprecher folgenden Beitrag (vielen, vielen Dank dafür!):

 

Sehr geehrter Dieter Matz,

mein Name ist Rumpelmerlin. Der deutet darauf hin, dass Vorfahren meinerseits in Zauberkreisen tätig waren. Eine von mir angestrebte Ahnenforschung hat nun ans Licht gebracht, was ich schon immer vermutete: Ein Vorfahre aus grauer Zeit war entweder der Zauberer von Oz oder Merlin oder dieser kleine griesgrämige Zwerg, den sie in germanischen Gefilden Rumpelstilzchen nennen. An letzteren glaube ich allerdings nicht, da meine Statur doch etwas wohlgeformter ist.
Wenn ich meine hellseherischen Fähigkeiten in Relation ziehe, scheinen meine Gene eher mit Merlin oder – noch weiter zurück in die Vergangenheit – mit der Pythia, also dem Orakel von Delphi, verwandt. So habe ich denn, um bei Ihrem Artikel zu bleiben, schon in der vergangenen Saison vorausgesagt, dass es der HSV schwer haben wird, die Liga zu halten. Dass er es letztendlich doch noch geschafft hat, lag an einem mir nicht bekannten Hexenmeister aus dem Osten, der an den Gehältern der Hamburger Kicker prozentual beteiligt ist. Sein bester und stärkster Öko-Zauberspruch wirkte gerade nochmal. Ob er das in der laufenden Saison ebenfalls erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Die bisherigen Ergebnisse beweisen, dass er als Magier der Schwarzen Kunst langsam seine Kräfte verliert.
Ich versuche nun aus Ihren lesenswerten Artikeln Kräfte zu sammeln, zu bündeln und zu deuten, die mir am Ende als Orakel von Lokstedt helfen sollen, diesen Club doch noch schwarzseherisch umzukrempeln und damit zu retten. Es liegt also auch an Ihnen, ob mir das schließlich gelingen kann.

Mit Abrakadabra-Grüßen
Ihre
Jopythia von Lokstedt

 

Wie gesagt, ein herzliches Dankeschön dafür. Und dann sei zum Schluss noch erwähnt, dass am Sonnabend und Sonntag beim HSV nicht trainiert wird. Aber dafür gibt es ja den „Tag der Legenden“ . . .

 

PS: Mit unserem letzten „Matz ab live“ nach dem Paderborn-Spiel hatten wir in den ersten fünf Minuten leichte (bis schwerere) Ton-Probleme. Deswegen sind die ersten fünf Minuten auch gekappt worden. Leider ist dabei auch die Vorstellung der beiden Gäste „verschütt“ gegangen. Da ich vielfach darauf angesprochen worden bin, wer diese Männer sind, möchte ich Manfred Lorenz und Bert Ehm kurz, ganz kurz vorstellen. Beide sind jenseits der 60, beide haben in Hamburg viele Amateur-Vereine trainiert, Lorenz war lange Zeit Co-Trainer von HSV-Trainer Ralf Schehr (Chef der Zweiten), und Bert Ehm ist der erfolgreichste Trainer der Nachkriegszeit in Hamburg, keiner hat mehr Meisterschaften und Aufstiege gefeiert, als er.

Leider auch über Bord gegangen ist mein Lob, mein spontanes Lob für „Scholle“, der hier (im Blog) vielfach hart angegriffen und attackiert worden ist, aber völlig zu Unrecht. „Scholle“ hat alle Neuzugänge des HSV gewusst und geschrieben, er lag in allen Fällen richtig, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, wahrscheinlich im Namen all jener, die ihn nicht attackiert, sondern die ihm geglaubt haben.
„Scholle“, das war eine Super-Arbeit! Gratulation, Du hast „Matz ab“ immer weit nach vorne gebracht.

18.07 Uhr

Slomka kommt, Aufsichtsräte gehen!

16. Februar 2014

„Wir sahen uns zum jetzigen Zeitpunkt gezwungen, diese Entscheidung zu treffen, obwohl wir sie gleichwohl bedauern“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer über die Entlassung von Trainer Bert van Marwijk. Eine Trennung im besten Einvernehmen, irgendwie sind sie nicht nur alles Freunde, sie gehen auch als Freunde. Das ist wie Friede, Freude, Eierkuchen – wenn es nicht alles so furchtbar schlimm wäre, wenn es nicht alles so furchtbar schlimm um den HSV bestellt wäre. Und damit ist nicht in erster Linie gemeint, dass sich der HSV seit Wochen und vor allem in der vergangenen Woche zum Gespött von Fußball-Deutschland gemacht hat. Es geht hier und heute und morgen nur darum, den Dino in der Ersten Bundesliga zu halten, nur das ist der einzige Aspekt, der jetzt noch zählt. Es ist mir wurscht und total egal, was aus diesem Aufsichtsrat wird, wie viele zurücktreten oder bleiben, es geht nur um die Rettung des HSV. Dafür muss jetzt jeder alles geben.


Inzwischen ist es so, dass der HSV Mirko Slomka als neuen Trainer unter Vertrag genommen hat. So berichten es einige Agenturen, aber der HSV hat es immer noch nicht bestätigt – jetzt um 18.45 Uhr. Ich gehe aber fest davon aus, dass es Slomka wird.

Um Euch den neuen Coach einmal in Zahlen aufzubröseln – das ist Mirko Slomka (46):

Geboren am 12. September 1967 in Hildesheim. – Verheiratet mit Gunda, zwei Kinder (Lilith und Luk). – Abgeschlossenes Lehramts-Studium in Sport und Mathematik. – Stationen als Trainer: Hannover 96 (A-Jugend, 1989-99), Tennis Borussia Berlin (A-Jugend, 1999-2000), Tennis Borussia Berlin (2000), Hannover 96 (Co-Trainer, 2001-2004), Schalke 04 (Co-Trainer, 2004-2006), Schalke 04 (2006-2008), Hannover 96 (19. Januar 2010 bis 27. Dezember 2013), Hamburger SV (ab 16. Februar 2014). – Erfolge als Trainer: UEFA-Cup-Halbfinale (2006), Platz zwei in der Bundesliga und Einzug in die Champions League 2007, Einzug ins Viertelfinale der Champions League 2008 (alles mit Schalke 04), zweimaliger Einzug in die Europa League mit Hannover 96.

Für Abendblatt-Blogs


Kurz noch einmal zurück zu Bert van Marwijk, dem Ritter des Ordens von Oranien-Nassau. Er wird noch in den Genuss einer satten Abfindung kommen, die sich auf cirka zwei Millionen Euro belaufen soll. Nicht mal fünf Monate des bis Sommer 2015 datierten Vertrages hat er erfüllt. Natürlich hat auch Slomka mit dem HSV über einen längerfristigen Vertrag verhandelt – das ist wohl so üblich. Und selbstverständlich nur, um hier in Hamburg langfristig etwas aufzubauen. Wer denkt denn da an eine Abfindung? Das können doch nur ganz böse Menschen machen . . . Zumal es der HSV ja nun wirklich hat. Das nötige Kleingeld.

Van Marwijk soll seinen Spielern laut „ Mopo“ zum Abschied noch gesagt haben: „Ich glaube auch weiterhin an euch, wie ich es die ganze Zeit gemacht habe. Ich gönne es euch und wünsche euch viel Glück.“

Bert van Marwijk ist nach 144 Tagen mit einer niederschmetternden Bilanz gegangen (worden): 15 Liga-Spiele, neun Niederlagen, drei Siege, drei Unentschieden sowie eine Serie von sieben Bundesliga-Schlappen nacheinander. 0,8 Punkte pro Spiel, das ist die zweitschlechteste Bilanz eines HSV-Cheftrainers nach Michael Oenning (0,64).

Alles neu macht der Mai . . . Im Moment liegt der gesamte HSV am Boden. Und irgendwie findet keiner der Dreh, sich dagegen zu wehren, um wieder aufzustehen. Ja, nun rappelt es mächtig im Karton. Um es mit Bert van Marwijk und der Frankfurter Rundschau und meinem Kollegen Jan-Christian Müller zu sagen: „Ein Verein zerstört sich selbst“. Und zwar nicht erst in diesen Tagen, sondern dieser Zerstörung-Prozess hat schon vor einigen Jahren begonnen und wurde dann systematisch verfeinert. Das, was sich jetzt im und um den Volkspark herum abspielt, ist nur die logische Konsequenz von dem, was schon vor langer Zeit eingeleitet wurde. Der I-Punkt sozusagen. Ich habe hier schon vor Wochen einige Male gefragt:
„Quo vadis, HSV?“

Als die Führungs-Crew um Carl-Edgar Jarchow den HSV am 16. März 2011 übernommen hatte, da sagten alle Herren unisono: „Wir müssen endlich mehr Kontinuität in diesen Verein bekommen.“ Insbesondere die vielen Trainer-Entlassungen hatten zu diesem hehren Satz inspiriert. Und heute? Nach Michael Oenning und Thorsten Fink ist Trainer Nummer drei gefeuert. Bert van Marwijk. Wobei ich eines gleich sagen möchte: ich, Dieter Matz, war gegen keine dieser Trennungen, ich habe sie sogar befürwortet, weil sie in meinen Augen unumgänglich waren, denn es ist unter der Regie dieser drei Herren – mehr oder weniger – spektakulär nach unten gegangen. Was ich damit nur sagen möchte ist das: Kontinuität ist ein besonders schönes Wort, doch wie schwer es ist, sich daran zu halten, das haben nun alle Führungskräfte des HSV wohl genügend erkannt. Es spricht sich leicht aus, dieses Wort Kontinuität, aber wie unendlich schwer dagegen ist es, einen geeigneten Trainer zu finden. Und wie schwer ist es erst, einen für diesen HSV geeigneten Trainer zu finden! Das ist das ganz große Dilemma. Dieser Verein hatte doch nicht nur schlechte Trainer in der Vergangenheit, aber sie alle sind gnadenlos gescheitert. Trotz der Tatsache, dass sie unter dem Stichwort „Kontinuität“ hatten arbeiten sollen.

Trainer-Suche, Trainer-Findung, Trainer-Verpflichtung, das ist das eine Ding. Aber es gehört eben sehr, sehr viel Fußball-Sachverstand und auch einiges an Fingerspitzengefühl dazu, den wirklich auch passenden Mann zu finden und zu verpflichten. Das Beispiel Bert van Marwijk: Hätten sie beim HSV doch nur einmal in Dortmund nachgefragt, nur einmal. Dann hätten sie alle gewusst, welcher Trainer-Typ van Marwijk ist. Wobei ich nicht weiß, ob sie nicht tatsächlich einmal in Dortmund nachgefragt haben. Wenn sie es tatsächlich gemacht haben sollten, dann waren sie taub – oder sie haben alle Vorbehalte, die es gegen den Niederländer gab und gibt, ganz einfach in den Wind geschlagen. Das wäre dann noch viel fahrlässiger, als sich gar nicht zu erkundigen.

Thomas Helmer, „Sport1“-Experte, hat es heute am Vormittag im „Doppelpass“ (in dem auch „Scholle“ saß und eine ganz starke Figur abgegeben hat!) wunderbar auf den Punkt gebracht. Helmer lebt in Hamburg, bekommt also durchaus einiges von dem mit, was hier unter dem Namen HSV läuft. Und der ehemalige Nationalspieler befand: „Bert van Marwijk hat nie so richtig Zugriff auf diese Mannschaft bekommen.“ Genau so ist es. Oder war es. Erst in den letzten Tagen, als schon nichts mehr (oder kaum noch etwas) zu retten war, hat sich van Marwijk ein wenig mehr Zugang zu seinem Team verschaffen wollen. Zu spät. Er ist ein introvertierter Typ, der ruhig, gelassen, ja, total cool bleibt, in allen Lebenslagen. Beide Hände in den Hosentaschen vergraben stand er am Spielfeldrand – und tat kaum etwas. Andere Trainer sorgen vom Rande aus für Feuer, falls ihre Mannschaft nicht so funktioniert wie abgesprochen, aber van Marwijk hielt seine Hände eisern in den Taschen. Nur ja nicht zu viel von sich preisgeben. So war er immer. Auch in Dortmund. Und er war auch immer schnell weg. Nach den Spielen, nach dem Training. Davon erzählen sie noch heute in Dortmund. Weil auch das einzigartig war. Hätte man aus Hamburg erfragen können, aber hier war man schnell sehr froh, einen erfahrenen Mann, endlich einen erfahrenen Mann (nach dem jungen Hüpfer Fink) mit einem international anerkannten Ruf unter Vertrag genommen zu haben. Man war auch schnell per Du, alles schien freundschaftlich-toll, harmonisch, nett – allerbest. Nur: Hat sich Bert van Marwijk jemals zu 100 Prozent mit dem HSV, mit „seinem“ HSV identifiziert? Wie es sich eigentlich für einen engagierten Trainer gehören würde! Ich hatte nie das Gefühl, dass der Coach, seine Mannschaft, der Verein und auch die Fans eine Einheit sein würden. Nie.

Auch so, wenn sich ein Trainer wirklich uneingeschränkt zu seiner Mannschaft „herablassen“ würde, könnte ein Klima entstehen, dass ein Wir-Gefühl nicht nur fördern, sondern auch längerfristig installieren würde.

Ich bin schon etwas neidisch geworden als ich gestern im ZDF-Sportstudio den Schalker Trainer Keller hörte. Seine Mannschaft hat nun von vier Spielen in diesem Jahr vier gewonnen, von einer Trainer-Entlassung ist in Gelsenkirchen nichts mehr zu hören (und zu lesen). Wolke sieben auf Schalke. Und Keller gab ein Geheimnis preis: „Die Mannschaft ist zusammengerückt, sie hat sich Ende des Jahres ausgesprochen, sie ist eine Einheit geworden, nachdem sie sich auch mal ein paar unbequeme Sätze gesagt hatte. Nun ist einer für den anderen da.“

Darauf hatte ich auch immer mal in Hamburg gehofft, aber wenn es den Spielern nicht vorgelebt wird, dann passiert so etwas eigentlich immer nur dann, wenn es (einige) Erfolge zu feiern gibt. Aber die gab es eben nicht beim HSV. Hier gab und gibt es einen Auflauf von Geschäftsleuten mit einem gemeinsamen Interesse am Fußball, aber in erster Linie denkt natürlich jeder nur an sich selbst. Oder er lässt, ganz einfach, von Beratern, die nur an die Kohle und dann nochmals nur an die Kohle denken, an sich selbst denken.
Auch in diesem Punkt ist der große FC Bayern schon längst ein Vorbild geworden, denn dort spielen nur Jung-Millionäre, und die halten auch noch fest zusammen. Egal, ob nun auf der Bank, auf der Tribüne oder auf dem rasen. Wie die das in München immer hinbekommen, weil Jung-Millionäre ja ganz besonders egoistisch und schwer zu führen sind, ist mir ein Rätsel, aber sie schaffen es. Immer besser sogar. Was natürlich, ist schon klar, auch an jenen Millionen liegen könnte, die dort selbst ein Bankdrücker noch kassiert . . .

Nein, beim HSV hat es schon lange keine Mannschaft mehr gegeben, die der Fan auch als Mannschaft bezeichnen könnte. Die letzte Truppe, die ich so bezeichnen würde, die gab es um das Jahr 2000 herum. Mit Jörg Butt, Tomas Ujfalusi, Nico Hoogma (an erster Stelle), Andrej Panadic, Martin Groth, Sergej Barbarez, Niko Kovac, Roy Präger, Mehdi Mahdavikia, Vahid Hashemian, Bernd Hollerbach, Rodolfo Cardoso, Ingo Hertzsch, Thomas Doll, Marinus Bester, Stig Töfting und, und, und. Dazu noch „Papa“ Frank Pagelsdorf als Trainer. Das war eine Einheit – wenn es auch nicht unbedingt die besten Fußballer waren (schlecht waren sie allerdings auch nicht!). Irgendwann, als die (damals) Verantwortlichen erkannt hatten, dass der Teamgeist beim HSV auf der Strecke bleibt, haben sie sich öffentlich (in den Medien) geschworen: „Wir kaufen jetzt nur noch Spieler mit Charakter ein . . .“ Es blieb, natürlich, das hat der Verein so an sich, bei diesem Vorhaben. Denn auch Spieler mit Charakter zu finden, das ist genauso schwer wie den passenden Trainer für den HSV zu verpflichten. Trotz der besten Vorsätze.

Kleine Unterbrechung, weil ich gerade Augsburg gegen Abstiegs-Mit-Konkurrent Nürnberg sehe (noch 0:0). Wie diese Spieler, und zwar die beider Teams (!) laufen, das ist sagenhaft. Daran kann dieser HSV nicht klingeln, keine Frage. Dagegen ist das HSV-Spiel dieser Wochen und Monate wie Zeitlupe. Wie da gesprintet wird, wie sich da eingesetzt wird, sie da auch nachgerückt wird – das ist vorbildlich, das ist wie aus dem Lehrbuch. Eine solche Art des Fußballs ist dem HSV schon lange, lange abhanden gekommen. Leider, leider.

Und wo ich gerade dabei bin: Laufspiel. Ein Fremdwort in dieser HSV-Mannschaft. Wie oft habe ich in diesem Jahr schon darauf geachtet: „Ballannahme, Ball abspielen, stehenbleiben.“ Letzteres ist natürlich falsch, denn es müsste „freilaufen“ heißen. Weiß man ja, wenn man Fußball spielt. Nur in Hamburg, da weiß man so etwas eben nicht. Da wird Stand-Fußball praktiziert. Immer schön wenig laufen und die Kräfte sinnvoll einteilen, das scheint die Devise vieler HSV-Spieler zu sein. Wenn sie sich diese Art des grauenvollen Fußballs nur mal selbst, im stillen Kämmerlein, jeder für sich, reinziehen würden – sie müssten doch endlich einmal lernen. Oder ist das zu viel verlangt?

Überhaupt laufen. Wer viel im Training läuft, der denkt während es Spiels gar nicht erst daran, dass es gegen Ende der 90 Minuten weniger werden könnte. Wer im Training viel läuft (und laufen muss!), dem geht ein solche Laufspiel in Fleisch und Blut über. Aber es wird ja nicht gelaufen im HSV-Training. Schon lange nicht mehr. Weil nur noch „wissenschaftlich“ trainiert wird. Und „wissenschaftlich“ bedeutet ganz offenbar ein Training ohne laufen. Beim HSV sah das so aus: Zum Aufwärmen ein wenig traben im Zuckeltrab, dann allerhöchstens fünf Minuten schnelleres Laufen, dann Passspiel, dann Kreisspiel, dann Abschlussspielchen. Da blieb keine Zeit mehr für ein intensives Lauftraining. Oh, doch, ich vergaß: Nach dem netten 1:2 gegen den FC Augsburg, da durfte die Mannschaft am Tag danach mal eine runde Dreiviertelstunde laufen. Weil der Trainer not amused war – über das Resultat gegen die No-name-Mannschaft aus Augsburg. Also, immerhin, einmal wurde dann doch schon mal etwas kräftiger gelaufen. Wenn das nichts ist.

Nein, nein, meine Damen und Herren, hier stinkt der Fisch nicht nur vom Kopf her, hier stinkt es überall. In erster Linie ist es natürlich auch so, dass von „oben“ nicht eingeschritten wird. Wenn von „oben“ eine klare Linie vorgegeben sein würde, dann könnte man jederzeit überprüfen, ob sich daran gehalten wird. Und wenn nicht, dann sagt man eben mal ein paar Takte. Werden aber keine klaren Linien vorgegeben, dann tut und lässt ein jeder was er will. Und genau das wird beim HSV schon seit Jahren so gehandhabt. Alle sehen zu und hoffen dabei im Stillen, das es gut geht. Aber es geht schon seit langer, langer Zeit nicht mehr gut – genau das Gegenteil ist der Fall. Was übrig geblieben ist, das ist ein einziger Trümmerhaufen. Diese Mannschaft erscheint – zurzeit jedenfalls – nicht (mehr) bundesligatauglich.

Ja, und in der Zwischenzeit ist der unglaubliche Höhenflug des FC Augsburg gestoppt worden: Nürnberg siegt im Auswärtsspiel 1:0 – ganz bitter für den HSV. Aber wie bereits geschrieben, da reißt sich eben auch ein jeder den Hintern auf: Fußball ist ein Laufspiel. Und ein Kampfspiel. Zeitlupe ist da denkbar ungeeignet.
Und, um das Maß an diesem Wochenende noch voller zu machen: Nun macht auch noch Per Ciljan Skjelbred das 1:0 für Hertha gegen Wolfsburg. Aber dieser Skjelbred, sagt mir gerade mein Kollege von gegenüber, der „hätte auch nicht in diesen HSV hineingepasst, denn der konnte ja laufen . . .“

Apropos: Tragisch war an diesem 2:4-Debakel von Braunschweig natürlich auch, welche Rolle Rene Adler gespielt hat. Seine „Dinger“ haben für diesen Niedergang gesorgt, das ist überhaupt keine Frage. Der HSV war 50 Minuten lang auf der Siegerstraße, dieses Spiel hätte niemals verlorengehen dürfen – wenn nicht der Torwart so grob gepatzt hätte. Diese Vorstellung des (ehemaligen) Nationaltorhüters war schon unglaublich, passt aber auch irgendwie zu diesem desolaten HSV. Alle passen sich an.

Ja, und jetzt soll Slomka den HSV-Niedergang stoppen. Aber kann er das? Und kann überhaupt noch jemand den Absturz des dienstältesten Fußball-Bundesliga-Clubs stoppen? Für mich ist klar: Slomka muss sich zu einem Über-Menschen entwickeln. Weil es in dieser Mannschaft hinten und vorne nicht stimmt, weil nichts, aber auch wirklich nichts intakt ist in dieser Truppe,, weil nicht mal mehr die einfachsten Dinge des Fußball-ABC’s funktionieren. Das ist mal Fakt. Und das ist keine Nestbeschmutzung, das ist die Wahrheit, daran kommt nun wirklich auch keiner mehr vorbei, nicht mal mehr der größte aller HSV-Fans.

Unterdessen sind die Rückzugs-Bemühungen im Aufsichtsrat immer noch nicht abgeschlossen. Mehrere Mitglieder, so wurde kolportiert, seien zum Rücktritt entschlossen. Fest soll stehen, dass Schauspieler Marek Erhardt schon vor einigen Tagen sein Amt niedergelegt hat. Andere sollen folgen, zwei sollen bereits feststehen, drei oder vier Räte überlegen sich diesen Schritt noch . . .

So lange vier der elf Mitglieder starken Gremiums verbleiben, ist der Rat allerdings beschlussfähig. Mindestens vier Mitglieder des elfköpfigen Aufsichtsrates wollen (wollten?) ihre Posten hinschmeißen. Auch der Vorsitzende Jens Meier stand vor einem Rücktritt. Das berichteten meine Kollegen vom Hamburger Abendblatt. So lange vier der elf Mitglieder starken Gremiums verbleiben, ist der Rat allerdings beschlussfähig.

Dazu steht in den HSV-Satzungen unter §17, Aufsichtsrat:

1. Der Aufsichtsrat besteht aus elf Mitgliedern, von denen acht von der Mitgliederversammlung gewählt werden und je ein Mitglied von der Abteilung Fördern- de Mitglieder, der Amateurversammlung und von der Gemeinschaft der Senioren entsandt wird. Die Wiederwahl bzw. erneute Entsendung ist zulässig.
Dann kommen verschiedene Punkte, bis zu jener Passage, die nun greift:

Scheidet ein gewähltes Aufsichtsratsmitglied vor Ablauf der Amtsperiode aus, so bleibt sein Sitz bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung vakant. Sinkt dadurch die Zahl der von der Mitgliederversammlung gewählten Mitglieder des Aufsichtsrates unter vier Personen, so hat der Vorstand unverzüglich eine Mitgliederversammlung zur Wahl der vakant gewordenen Plätze im Aufsichtsrat einzuberufen. Dies gilt nicht, sofern noch mindestens drei von der Mitgliederversammlung gewählte Aufsichtsratsmitglieder im Amt sind und bereits eine ordentliche oder außerordentliche Mitgliederversammlung geplant ist, deren Durchführung in den darauffolgenden drei Monaten erfolgen soll; in diesem Fall findet die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder zur Besetzung der vakanten Plätze in der geplanten Mitgliederversammlung statt.

So, dann habe ich noch eine Bitte in eigener Sache: Ich werde seit Tagen mit sms, Mails und Anrufen geradezu überschüttet, ich muss mein altes Handy dreimal am Tag aufladen. Nach dem „Ding von Braunschweig“ habe ich ABGESTELLT, weil ich mich vor Anfragen nicht retten konnte. Das war der bisherige Höhepunkt in meiner Journalisten-Zeit. Bitte, bitte habt Verständnis, wenn ich nicht alles beantworten kann, der Tag müsste sonst schon mindestens 36 Stunden haben – und mehr.

Eine Mail an mich möchte ich aber kurz noch veröffentlichen, weil sie in vielen Punkten meine Meinung trifft – und vielleicht auch Eure. Vielen Dank auf jeden Fall dem Absender- vielen Dank auch allen, die mir geschrieben haben, die mich angerufen haben. Ihr seid klasse, ich weiß, wie groß die Sorgen sind, die Ihr Euch um Euren HSV macht – es sind auch meine Sorgen, das sollt Ihr wissen:

Hallo Herr Matz,

wie es um Ihren Seelenzustand derzeit bestellt ist, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Unser HSV steht am Abgrund und unsere Herzen weinen. Sie bekommen bestimmt derzeit tonnenweise E – Mails, deshalb versuche ich – dies ist wahrlich nicht einfach 😉 – mich kurz zu halten.

Ich verfolgen Ihren Blog noch, habe mich aber nach der Entmachtung von Bernd Hoffmann ( ich war ganz klar ein Befürworter ) mit Kommentaren komplett zurückgezogen. Es haben zu wenige im Blog verstanden das es wichtig ist die kompletten Positionen im Vorstand / Aufsichtsrat mit Fachleuten zu besetzen. Was meine ich mit Fachleuten?? Leute, die vom Fach “Fußball” etwas verstehen.

Unser HSV hat es versäumt in einem Zeitraum von 10 Jahren den Aufsichtsrat zu verkleinern und vernünftig zu besetzen. Es wurde immer wieder auf die Satzung hingewiesen und das es nicht so einfach sei…..ganz klar ein Problem der völlig veralteten Struktur!

Unser HSV hat sich viel zu spät um das Strukturproblem gekümmert. Auch dies ist schon sehr lange bekannt. Der HSV wird geführt wie ein Angelverein und nicht wie eine professionelle Bundesliga – Mannschaft!

Die ” Hardliner ” vom SC wollen immer noch mit aller Macht eine Fernwahl verhindern. Bei über 70.000 Mitgliedern ( ich bin auch eines davon ) halte ich das für den Witz des Jahres. Wieder wird auf die Satzung hingewiesen ( Austragungsort Hamburg / Stimmberechtigung nur für Anwesende ) . Warum wird das so gemacht? Ganz einfach – weil jede Abstimmung dadurch manipulierbar ist. Bestes Beispiel die Aufsichtsratswahlen…..Chosen – Few geben kurz vor der Wahl ihre Favoriten über die MOPO bekannt. Der Rest ist nur noch ein Rechenbeispiel. Bei ca. 900 Anwesenden brauchen wir ca. 460 Stimmen…..alleine 200 – 300 kommen aus den eigenen Reihen. Dieses Verhalten hat dem HSV fast alles gekostet. Auch die Mitglieder haben diesen Verein an seine Grenzen gebracht!

Seit ca. 2 Jahren ist unser HSV nicht mehr auf dem Transfermarkt tätig – das kann keine Bundesliga – Mannschaft verkraften! Der Ausverkauf ist an Naivität kaum noch zu überbieten!

BvM hat gravierende Fehler gemacht. Er hat an einem System festgehalten das nicht funktioniert und hat Spieler auf falschen Positionen eingesetzt – die Entlassung kommt zu spät!

Einzig und allein Thomas Doll könnte unseren HSV noch retten! Wenn es Slomka wird dann handelt es sich um einen Perspektivtrainer. Er wird unseren HSV nicht da unten rausholen können, aber er kann eine Mannschaft aufbauen – auch in der 2. Liga. Das traue ich Thomas Doll aber auch zu hundert Prozent zu!

Einen Abstieg ( wenn es denn so kommt -auch ich hoffe immer noch ) wird und kann unser HSV nicht verkraften! Wirtschaftlich uns sportlich wird unser Verein in der Bedeutungslosigkeit verschwinden!

Ich habe versucht mich kurz zu halten, lieber Herr Matz. Eine genauere Ausführung wäre eine seitenlange E – Mail geworden. Eine kurze Zusammenfassung von mir würde sich so anhören:

Veraltete Strukturen gepaart mit unfähigem Personal auf allen Ebenen der Führung, eine Mannschaft die aus Kostengründen bis aufs Blut geschwächt wurde, arrogante Mitglieder die meinen den Verein führen zu können und eine viel zu spät begonnene Strukturreform – das sind die Zutaten für diesen hochgiftigen Abstiegscocktail.

Herr Matz, unsere Herzen bluten und unsere HSV – Seelen sind in einem sehr schlechten Zustand. Aber da müssen wir jetzt durch!

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Sonntag

und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Karsten G.

PS: Auch das noch: Rafael van der Vaart war am Nachmittag zur Kernspintomographie, und dort wurde eine doch schwerer Verletzung festgestellt: Bänderriss und Kapselriss im rechten Knöchel, der Niederländer fällt auf jeden Fall drei Wochen aus.

PSPS: Morgen soll um 15 Uhr im Volkspark trainiert werden. Mittags soll zuvor den Medien der neue Coach präsentiert werden.

18.56 Uhr

So, um 22 Uhr ergänze ich meinen Bericht noch mit einigen besonderen Aussagen von HSV-Legende Uli Stein, der am Abend bei “Sky” mächtig auf seinen ehemaligen Club eindrosch. Wobei ich sagen muss, dass ich mich mit einigen Aussagen sehr wohl identifizieren kann.

Hier die Stein-Aussagen bei Sky von diesem Sonntag:

Uli Stein (228 Bundesligaspiele im Tor des HSV) über…

…HSV Kapitän Rafael van der Vaart: „Der fehlende elfte Mann ist für mich der Kapitän. Was van der Vaart auf dem Platz abliefert, hat mit Fußball und mit Mannschaftssport nichts zu tun. Das ist ein Alibi-Fußballer. Er holt sich hinten den Ball und macht das Spiel langsam, indem er sich nicht vorne anbietet. Dann kann er seine 3,4 oder 10 Meter Pässe spielen, bleibt er aber hinten stehen und versteckt sich. Er ist der erste der abtaucht, wenn es nicht läuft. Er ist kein Leader. Er kann die Mannschaft nicht führen. Das hat er gezeigt in dieser Saison. Ich weiß auch nicht warum Westermann die Kapitänsbinde abgenommen und ihm gegeben wurde. Von der Präsenz neben dem Platz muss ich mehr erwarten von so einem Klassemann.“

…die Verhandlungen mit Felix Magath: „Er hat ja nicht am Tag der Absage mit Fulham verhandelt, sondern schon viel früher. So ein Vertrag, den er sofort 24 Stunden später in Fulham unterschreibt, ist ja langfristig aufgebaut worden. Mit der Gewissheit, er kann sofort in Fulham unterschreiben, hat er Forderungen gestellt, wo ich gesagt habe, er wollte die Diktatur wieder einführen. Du kannst doch nicht Sportchef, Trainer und Vorstandsvorsitzender werden. Das war auch der Grund wieso Felix Magath so aufgetreten ist: Ich probiere das mal, ich haue das so raus. Weil wenn es nicht klappt: Okay ich habe meine Verein, wo ich hingehe. Was ich nicht gut finde: Er hat gesagt, ich trage die Raute im Herzen, ich bin HSVer und hat im Nachhinein bewiesen, dass er es nicht ist. Er hat kein ehrliches Spiel gespielt. Er hat die Fans mit der Fahne im Garten belogen. Aber die mit der Raute im Herzen haben lange die Augen verschlossen vor der Wahrheit. Der Verein wird in den oberen Etagen geführt von Ahnungslosen, die vom Fußball keine Ahnung haben.“
…die Herausforderung für den neuen Trainer beim HSV: „Im Moment ist es eher die Frage: Kann überhaupt ein Trainer die Mannschaft noch retten? Ein großes Problem beim ist HSV ist, dass die Mannschaft in einem Zustand ist, wo ein Trainer eigentlich nur eine Chance hat, etwas zu machen, wenn er die Mannschaft in der Vorbereitung hat, indem er viele Dinge verändern kann. Hier kannst du nichts mehr verändern. Du musst mit dem Material leben, den Spielern leben.“

…den möglichen neuen Trainer Mirko Slomka: „Ich halte Mirko Slomka für den richtigen Trainer in der jetzigen Situation. Aber was kann er noch ausrichten? Er fängt wahrscheinlich mit einer Heimniederlage gegen Dortmund an und dann ist der neue Schwung und Elan auch schon verpufft. Er hat nicht die Zeit, die Jungs so fit zu machen dass sie diese 7 Kilometer aufholen, die sie zu wenig laufen.“

…die physischen Probleme der Hamburger: „Ein ganz großes Problem ist der körperliche Zustand der Mannschaft. Die laufen pro Spiel 7 oder 8 Kilometer weniger als der Gegner. Das ist keine Kopfsache, auch wenn ich im Kopf schlecht drauf bin, kann ich laufen. Der HSV hat dafür, dass er immer 10 gegen 11 spielt mit 16 Punkten eigentlich noch eine ganz gute Ausbeute.“

…die mentalen Probleme der Hamburger: „Da ist überhaupt keine Mannschaft auf dem Platz. Das hat man auch nach dem Spiel gegen Braunschweig gesehen, da geht jeder seine Wege. Du siehst ja gar nicht mehr, dass sich zwei in Arm nehmen und sich gegenseitig trösten. Man hat auch das Gefühl, dass es den Spielern vollkommen egal ist, weil die sagen: Dann spiele ich eben nächste Saison wo anders. Da habe ich nicht das Gefühl, dass ein Spieler auf dem Platz ist, der wirklich die Raute im Herzen trägt, der sagt, ich kämpfe für den Verein. Es gibt keinen, nicht nur in dieser Saison, das verfolge ich schon in den Jahren davor, der die Ärmel hochkrempelt und sich gegen eine Niederlage stemmt. Da fällt ein Gegentor: Kopf runter.“

…die Mentalität im Abstiegskampf: „Die ganze große Gefahr besteht, dass alle anderen unten drin wissen, dass sie gegen den Abstieg spielen. Der HSV, ich hoffe dass sie es inzwischen realisiert haben, aber ich glaube die wissen es immer noch nicht. Es ist ganz wichtig, den Spielern zu vermitteln, dass sie gegen den Abstieg spielen. Beim HSV habe ich immer das Gefühl, dass alle denken, das schaffen wir schon irgendwie.“

…das zu lange Festhalten an Bert van Marwijk: „Für mich war es schon bedrohlich nach erstem Spiel Rückrunde. Man verliert 0 zu 3 gegen Schalke und zur Belohnung kriegen die Spieler noch zweieinhalb Tage frei. Du weißt deine Mannschaft läuft 7,8 Kilometer weniger als der Gegner und dann gibst ihnen dann noch frei. Da habe ich doch als Trainer irgendwas falsch gemacht. Das war für mich schon ein Zeitpunkt wo ich schon angefangen habe darüber nachzudenken, ist das noch der richtige Trainer für einen Verein, der sportlich wie finanziell in so einer prekären Situation ist. Die Überlegung kommt viel zu spät.“

…eine möglichen Zäsur durch Abstieg: „Es gibt nie einen richtigen Zeitpunkt für einen Abstieg. Ganz große Gefahr sehe ich beim HSV bei den Verbindlichkeiten. Wenn die Zahlen stimmen, die in der Zeitung stehen, wäre ein Abstieg aus wirtschaftlicher Sicht verheerend für den Verein. Wie soll der Verein sich da in der zweiten Liga wieder konsolidieren? Das wird ganz schwierig.“

…die momentane Rangfolge der deutschen Torhüter: „Neuer, Weidenfeller, Ter Stegen. Adler ist für mich im Moment nicht unter den Top 3, auch bedingt durch die Situation beim HSV.“

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