Archiv für das Tag 'Bandow'

Bandow will „Beiersdorfers Handschrift“ +++Breaking: Behrami bis 2018 in Watford+++

11. Juli 2015

Schöne Grüße aus dem Flieger. Am Nachmittag ist die HSV-Mannschaft per Charterflugzeug aus der Schweiz, genauer gesagt vom Flughafen in St. Gallen, aufgebrochen Richtung Düsseldorf. Von unterwegs sendeten Lewis Holtby, Nicolai Müller, Pierre Michael Lasogga und Ivica Olic einen fröhlichen Twitter-Gruß. Der erste Teil der Vorbereitung ist vorbei – und morgen steht also der erste öffentliche Gradmesser an für den HSV beim Telekom-Cup. Im Anschluss daran, dies müsst Ihr Euch bitte schon einmal vormerken, läuft wieder ein „Matz ab live“ – diesmal mit Joachim Dipner vom Hamburger Fußball Verband, der auch mit dabei war im Schweizer Trainingslager, sowie Trainer-Legende Bert Ehm. Los geht es gegen 19.30 Uhr, also nach Ende des Vierer-Turniers.

Natürlich kann man in Mönchengladbach keine Standortbestimmung erwarten. Das hat Bruno Labbadia schon nach wenigen Tagen im Trainingslager deutlich gemacht, und diese Aussage gilt nach wie vor – und sie gilt für alle teilnehmenden Teams: „Bei uns sind einige Spieler erst seit wenigen Tagen im Training und kommen mit unterschiedlicher Fitness. Es ist ein schönes Forum, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, aber es ist noch lange hin bis zum Bundesligastart.“

Wie es auch kommen mag und welche Transfers sich noch ergeben – der ehemalige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow erwartet ein anderes Auftreten vom HSV als in der abgelaufenen Saison. „Der auch von mir mit großen Erwartungen wiedergewonnene Dietmar Beiersdorfer konnte kurzfristig nicht an die erfolgreichen Verpflich­tungen, die wir in unserer gemeinsamen Zeit seit 2002 hatten, anknüpfen“, sagt Bandow rückblickend. Der 83 Jahre alte Banker war vor 13 Jahren einer der großen Befürworter des Einstiegs von Dietmar Beiersdorfer, und er hat auch 2014 im Hintergrund Gespräche geführt, damit Beiersdorfer zurückkommen konnte.

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Noch drei Tage bis „Buffalo“…

13. Mai 2015

… Nun, ganz so weit ist es vielleicht nicht, denn das Gedicht von Theodor Fontane bezieht sich auf den letzten Teil einer Reise – eben nach Buffalo – und für den HSV ist Stuttgart ja vielleicht nur die vorletzte Station bis zum Klassenerhalt. Doch wenn’s besonders gut läuft, dann könnte Stuttgart für den HSV zum „Buffalo“ mit gutem Ausgang werden.

Aufatmen heute beim Training. Johan Djourou, der gestern mit dickem Knöchel das Training abbrechen musste, war offensichtlich ohne größere Probleme am Start. Er sei leicht umgeknickt, hatte der HSV schon vorher mitgeteilt. Nun spielte er im Trainingskick wieder mit, so dass die HSV-Defensive sich nicht verändern wird. Auch Dennis Diekmeier, genesener Rechtsverteidiger, muss sich gedulden und Heiko Westermann des Vortritt lassen.

Offen ist nur die Besetzung der offensiven Mittelfeldreihe. Ivo Ilicevic und Lewis Holtby streiten hier wohl um den letzten freien Platz. Ansonsten bleibt es im Wesentlichen bei der Mainz- und der Freiburg-Formation. Die beiden Spieler mussten sich heute immer wieder abwechseln, so dass Bruno Labbadia wohl nach den Trainingseindrücken aus dem Bauch heraus entscheiden wird. Dietmar Beiersdorfer und Sportdirektor Peter Knäbel haben sich weite Strecken des Trainings übrigens auch angesehen – zusammen mit Michael Schröder, der Allzweckwaffe des HSV im Scouting-, Nachwuchs-, Trainerbereich.

Gestern habe ich Euch hier lang und breit wieder gegeben, was Rene Adler an Einschätzungen vor dem Spiel genannt hat. Ich habe es nicht statistisch ausgewertet, aber in Euren Kommentaren bekam der Torwart dafür überwiegend auf die Glocke. Zum Beispiel ist es nicht gut angekommen, dass er dem Stuttgart-Spiel den Endspiel-Status abgesprochen hat. Was ist an dieser Aussage so schlimm? Ich finde Adlers Perspektive schlau. Es nützt doch nichts, dieses Stuttgart-Spiel zum Ultimativen Finale zu erklären. Was passiert, wenn danach immer noch alles unklar ist? Wenn der HSV gar in die Relegation muss? Was kommt nach dem Endspiel???

Ich fand einen Satz von Gojko Kacar nach dem 1:1 gegen Freiburg Besorgnis erregend. Er sei mental platt, hat Kacar gesagt. Deswegen ist jetzt alles erlaubt und richtig, was Spieler mental aufrichtet – denn darauf kommt es an. Und sei es das „sich-stark-reden“ und den Druck nehmen, in dem man dem anstehenden Spiel in der Bundesliga eine angemessene Bedeutung gibt. Glaubt jemand, Adler nehme Stuttgart leicht, nur weil es für ihn kein Endspiel ist?

Ob einem Golf nun Spaß macht oder nicht – ein freier Tag mit vom Fußball abgeschaltetem Kopf ist ebenso notwendig. Das ist doch eine Binsenweisheit. Ich bin noch nie ein Freund gewesen davon, der Mannschaft immer alle freien Tage zu streichen. Straftraining als PR-Gag – davon hat noch keine Mannschaft profitiert. Wenn der Akku immer auf Reserve ist, dann gibt’s keine Beschleunigung mehr. Entscheidend ist, was auf dem Trainingsplatz passiert. Hier muss die Mannschaft knallhart arbeiten, so wie Adler es auch betont. Zumindest die letzten drei Spiele in der Bundesliga haben gezeigt, dass der Fokus wieder sitzt. Nicht mehr auf Interviews, die einem das Blaue vom Himmel versprechen. Sprechblasen-Interviews gibt es zur Genüge. Wer Adlers Aussagen im TV gesehen hat, der wird gespürt haben, dass hier keine Sprechblasen kamen. Wie ich Euch gestern geschrieben habe, machte Adler einen sehr konzentrierten und klaren Eindruck bei seinen Aussagen – den er nach meinem Dafürhalten in den vergangenen Jahren beim HSV nicht immer hinterlassen hat. Diesmal aber hat er es getan, und alle Signale aus der Mannschaft sprechen dafür, dass jetzt anders geackert wird als vorher – zumindest so, wie es der Abstiegskampf erfordert. Über mehr und anderes sprechen wir hier nicht.

Ob das dann am Ende alles reicht in Stuttgart, oder der VfB, der mit Huub Stevens einen besonders guten Motivator hat, die Oberhand behält – wir werden es erleben. In jedem Fall wollte ich noch einmal eine Lanze für Adler brechen. Was er gesagt hat, war aus meiner Sicht völlig okay, und es passte zu seinen jüngsten Auftritten. Immerhin hat der HSV trotz spielerischer Schwächen mentale Härte demonstriert – eigentlich hat Adler nichts anderes gesagt.

Am Freitag endet offiziell die Amtszeit von Carl Jarchow als Vorstands-Mitglied des HSV. Ich habe eine Zeit überlegt, ob ich das hier noch einmal thematisieren soll. Über Jarchow wurde viel geschrieben, hier im Blog ist er sowieso bei den meisten untendurch. Seine Bilanz muss hier jedoch nicht noch einmal bis ins Kleinste aufgezeichnet werden. Der langjährige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow, der deutlich erfolgreichere Zeiten zu verantworten hatte, sagt von sich selbst oft bescheiden, er sei „a man of yesterday“. Auf Jarchow trifft das seit einem Jahr im Grunde auch zu, denn mit der AG war seine Zeit als Vorstands-Vorsitzender des HSV beendet.

Dass Jarchow insgesamt gut aus seiner HSV-Amtszeit heraus gekommen ist und nicht mit kübelweise Dreck überschüttet wurde, ist sicher seinem Gentleman-Auftreten geschuldet. Sein Vorgänger Bernd Hoffmann hatte es da schwerer. Hoffmann polarisierte allein schon durch sein Erscheinen, wenngleich seine Amtszeit von sportlichen Erfolgen gekennzeichnet war. Aber ich will nicht in alten Geschichten wühlen: Jarchow ist Geschichte, dem HSV ging es bei seinem Amtsantritt deutlich besser als heute. Doch er hat immer mit offenen Karten gespielt, und allein das verdient (bedauerlicherweise) schon Erwähnung beim HSV der vergangenen Jahre. Jarchow hat sich intern übrigens stets für eine Ausgliederung ausgesprochen, auch wenn er dies nicht polternd und plump tat, um Wohlgefallen zu erregen.

Auf der anderen Seite lag er mit sportlichen Einschätzungen und Entscheidungen – zusammen mit dem jeweiligen Sportchef – zu häufig daneben, um dem HSV eine ordentliche Gesundung zukommen zu lassen. So nachvollziehbar es vom damaligen Aufsichtsrat unter der Führung von Otto Rieckhoff war, Jarchow 2011 zu holen, um den HSV zu befrieden – so falsch war seine Vertragsverlängerung 2012. Schon damals zeigte die Entwicklung so deutlich nach unten, dass der Aufsichtsrat radikales Eingreifen hätten einfordern müssen. Solch ein Kurswechsel war mit Jarchow nicht durchzuziehen. Es war sozusagen das falsche Signal – ein „weiter so“ anstelle eines „sofort wenden“. Ich hatte manchmal persönlich den Eindruck, Jarchow war zu integer, um die Abzocker-Mentalität im HSV, auch unter einigen seiner Kollegen, durchbrechen zu können. Er war, um es plakativ zu sagen, Täter und Opfer zugleich.

Nun führt sein Weg in den Hamburger Fußball-Verband, wo er für das Amt des Vize-Präsidenten kandidiert. Und in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzt Jarchow auch noch, so dass er die öffentliche Bühne nicht verlassen wird.

Aus der großen weiten Welt der Social Media gibt’s am Ende noch diesen Hinweis. Gojko Kacar ist laut dem FC SELFIE (fcselfie.de) unter allen Profis der ersten und zweiten Bundesliga der „Aufsteiger der Woche“ bei Instagram. Er hat 38 Prozent mehr Follower dazu gewonnen. Auf der FC-Selfie-Homepage kann man sich übrigens eintragen für einen wöchentlichen Newsletter. Viel Spaß!

Zum Schmunzeln noch eine kurze Nachricht von „Khabar Online“: „Der ehemalige HSV-Profi Mehdi Mahdavikia hat den Kia FC in seinem Heimatland Iran gegründet. Der Klub aus dem Umkreis von Teheran soll der TSG 1899 Hoffenheim nachempfunden sein und überwiegend auf Talente setzen.“ Ohne Worte….

Nachdem ich diese wichtigen Hinweise noch losgeworden bin, wünsche ich einen schönen Feiertag. Es soll ja durchaus noch Menschen geben, die sich beim Vatertag nicht die Hucke vollsaufen, sondern für die dieser Tag Christi Himmelfahrt ist. Auf jeden Fall wird im Stadion oder am Stadion hinter Planen trainiert – genau wie am Freitag.

Lars
18.40 Uhr

Rajkovic ist wieder da – der Erfolg noch nicht

13. November 2014

Aus eigener Kraft, das wird seit Monaten immer wieder deutlich, schafft es der HSV nicht. Nicht diese Saison – und wahrscheinlich auch in der nächsten noch nicht. Und damit meine ich eine Verbesserung der finanziellen Situation. Denn die wird dem langjährigen HSV-AR-Vorsitzenden Udo Bandow zufolge erst dem sportlichen Erfolg folgen. Nicht andersrum. Womit er sicher Recht hat. Bleibt also die Frage nach dem Wie? Und auf diese Frage gibt es sicherlich keine Lösung – aber eine Antwort, einen Weg: Ruhe bewahren und den Trainer das Beste aus der Mannschaft holen lassen. Das ist zumindest das, was dieser HSV aktiv am stärksten beeinflussen kann. Dass es damit allein noch lange nicht getan sein wird, wissen sie beim HSV. Das wissen wir wahrscheinlich alle. Daher laufen auch weiterhin Gespräche mit möglichen Sponsoren – und vor allem mit potenziellen strategischen Partnern. Letztere allerdings sehr zäh.

Lars hat Euch gestern (wie auch Kai im Printbereich) wie immer äußerst detailliert den Status Quo in Sachen Finanzen aufgezeichnet. Darin kam auch das oben erwähnte Bandow-Zitat vor, dem ich komplett zustimmen mag. Denn so lange der HSV keinen außergewöhnlich großzügigen Sponsor oder Investor findet, der mit einem Schlag Schulden tilgt und zugleich Gelder für neue Spieler zur Verfügung stellt, wird personell nicht viel passieren können. Und damit bin ich wieder bei meinem Blog vom Dienstag, in welchem ich versucht hatte, aufzuzeigen, dass zum einen in der Mannschaft – aber eben noch deutlich mehr im Umfeld Steigerungspotenzial vorhanden ist. Und fassen wir die letzten beiden Blogs zusammen, kommt dabei eine logische Kette heraus:


Der HSV muss endlich zusehen, dass er dem Trainer und der Mannschaft die Rückendeckung bietet, die alle brauchen, um in Ruhe zu arbeiten. Denn bis sich in Hamburg wieder technisch und taktisch guter Fußball einstellt, wird es (normal und ohne große Investoren etc.) noch eine ganze Weile dauern. „Ich wusste ja, dass es hier in Hamburg schwierig würde, wenn man mich mal zurückholen würde“, hatte Beiersdorfer beim Amtsantritt nicht nur gescherzt. Er wusste damals, dass bei seinem HSV etliche Felder brach liegen und dass der Verein strukturell aus den Angeln gehoben war und er von seinen Vorgängern einen sportlich fruchtlosen Boden erbte.

Deshalb stellte er personell um. Erst mit Bernhard Peters im Jugendbereich, dann mit Peter Käbel im sportlichen Bereich. Beiersdorfer überlässt möglichst wenig dem Zufall und holt sich für jeden Bereich, den er selbst nicht zu 100 Prozent abdecken kann, den aus seiner Sicht bestmöglichen einen Spezialisten. Auch wenn es etwas mehr kostet, was auf unseren Ex-Blogschreiber Christian Pletz nicht zutrifft. Dennoch ist Pletz’ Aufgabe eine außerordentlich verantwortungsvolle. Der vielleicht schlechteste Innenverteidiger aller Hamburger Kreisligen soll sich nämlich um die interne Kommunikation kümmern. Was nicht weniger ist, als sämtliche Handlungsabläufe zu optimieren. Pletz streift einige Zeit durch alle Abteilungen und schaut sich an, wo es Verbesserungspotenzial gibt, wo Fehlerquellen liegen und wer welches Aufgabengebiet wie abdeckt. Und wenn man die letzten Jahre als Grundlage nimmt, wo sich wirklich jeder Amtsträger im Klub plötzlich zu jeder Thematik äußern wollte/musste oder einfach tat, steht der Buchautor vor einer Mammutaufgabe.

Denn nach der Demission Beiersdorfers 2009 ging es los. Aus dem bis dahin fantastisch erfolgreich arbeitenden Duo Hoffmann/Beiersdorfer blieb nach internen Machtkämpfen nur noch Erstgenannter übrig. Und der versuchte sich in sportlichen Aufgabengebieten, die er nicht ausreichend beherrschte. Als das seine Gegner mitbekamen wurde mächtig schnell und viel Politik gemacht und vom „Alleinherrscher Hoffmann“ als Angst einflößender Vorstandsboss gesprochen. Ein Vorwurf, den Hoffmann trotz aller Mühen nie gänzlich abzulegen vermochte und der ihm am Ende neben einigen sportlich und finanziell schlechten Entscheidungen seinen Job kostete. Dass dann aus diesen Gegnern nun genau das wurde, was man gerade dachte abgewählt zu haben, war die gnadenlose Fortsetzung einer schlechten Tendenz, die den HSV am Ende nur mit Glück die Klasse erhalten ließ.

Plötzlich haschten ausgerechnet Hoffmanns Kritiker nach Profil und Aufmerksamkeit. Der HSV hatte Aufsichtsräte, die sich letztlich über das Wohl des Vereines stellten, die schwache Leute an die Spitze stellten und sogar einen nur kurze Zeit später teuer geschassten Manager freikauften. Kurzum: Aus einem „profilneurotischen Alleinherrscher“ erwuchs ein ganzer Rat voller Profilneurotiker mit schlechten Ideen und noch schlechteren Umsetzungen. Das Beste daran war, dass die inzwischen zurückgetretenen Kontrolleure damit all den Befürwortern einer lange notwendigen Strukturreform täglich hektoliterweise Wasser auf die Mühlen spülten und damit den Weg für genau die Umstrukturierung freiräumten, den sie niemals gehen wollten. Übrigens, und damit schleißt sich dieser Kreis wieder, genau den Weg, den Hoffmann in seiner Amtszeit bereits durchsetzen wollte, bevor er scheiterte.

Pletz ist nun also derjenige, der sich intern darum kümmern soll, dass allen Amtsträgern klar wird und bleibt, was ihr Kernaufgabengebiet ist. Dafür trägt er alle Handlungsabläufe in einem Buch zusammen. Ein Wegweiser für Mitarbeiter sozusagen. Das hat er vorher ebenso für die weltweit agierende Fußballabteilung des Milliardenunternehmens „Red Bull“ gemacht wie für einen Bundesligisten. Und jetzt steht er beim HSV vor einer Mammutaufgabe, die ich Euch gern in Gänze vorstellen möchte, sobald Pletz dazu bereit ist.

Apropos: Wieder bereit und ein unmenschlich viel besserer Innenverteidiger als Pletz ist Slobodan Rajkovic. Der Serbe, der seit Monaten so hart an seinem Comeback arbeitet, dass er von Trainern wie Medizinern Bestnoten in Sachen Fleiß, Durchhaltevermögen und Willen erhielt, feierte gegen den SC Victoria am Mittwoch sein Comeback auf dem Platz, als er in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde und 45 Minuten spielte. „Das war ein richtig schöner Moment“, so Boban, der schon in der vergangenen Woche beim Testkick spielen sollte, aber vorsichtshalber und auf eigenen Wunsch doch noch mal aussetzte. „Zu spüren, dass man fit ist, dass der Körper wieder bereit ist, das ist super“, freut sich der bullige Linksfuß. Dennoch traue er sich selbst noch nicht ganz. „Beim letzten Mal hatte ich ein ähnliches Gefühl und habe es vielleicht um ein paar Wochen überstürzt. Diesen Fehler mache ich jetzt nicht mehr. Ich weiß, dass ich noch viel arbeiten muss, bis ich in der Bundesliga mein Comeback feiern kann. Aber ich habe die Geduld dafür.“

Es werde ihn noch einige Spiele kosten, das weiß Rajkovic. Dennoch hat er das Ziel, mit Einsätzen in Testspielen („möglichst viele gegen gute Gegner“) sowie bei Spielen der U23) Matchpraxis zu sammeln, ehe er auf die ganz große Bühne zurückkehrt. Wann das sein soll? „Am besten noch vor der Winterpause“, antwortet Rajkovic, der nach eigener Aussage nie Zweifel am Comeback und noch nicht über seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nachgedacht hatte. „Das ist kein Thema für mich. Ich habe andere, größere Aufgaben direkt vor mir. Der Rest ist Sache des Vereins.“

Und der weiß noch nicht, was er mit Rajkovic machen will. Noch weiß niemand, wie gut Rajkovic den Kreuzbandriss und die Reha überstanden hat. Obgleich er bislang einen sehr guten Eindruck hinterlässt, wie Zinnbauer sagt: „Boban wirkt frisch, heiß. Das sieht gut aus.“ Dennoch, der Vertrag des Innenverteidigers läuft am Saisonende ebenso aus wie die von den direkten Konkurrenten Heiko Westermann und Gojko Kacar, während Johan Djourou (bis 2016), Cléber (bis 2018) und der für diese Serie nach Düsseldorf verliehene Jonathan Tah (2018) noch langfristige Verträge haben. Starke Konkurrenz – aber (bis auf Tah) keine, die der kampf- und zweikampfstarke Innenverteidiger fürchten muss.

Und das macht Rajkovic auch nicht. „Ich muss einfach wieder frei im Kopf sein, alle gesundheitlichen Bedenken ablegen. Als ich letzte Woche die ersten Zweikämpfe im Mannschaftstraining absolvierte, war das ein echtes Glücksgefühl. Da denke ich über nichts anderes nach, als endlich gesund zu sein. Ich bin geduldig, aber habe immer noch ein ganz klares Ziel: Diese Saison für den HSV zu spielen. Der Rest kommt dann.“ Und dafür absolviert er jeden zweiten Tag mit Rehatrainer Markus Günther Sonderschichten für die Knie im Kraftraum. Weil er ein Kämpfer ist.

Und gerade ihm wünsche ich auf dem Weg zurück alles Gute. Wer so hart arbeitet und trotz etlicher Rückschläge immer so positiv bleibt, der hat sein Comeback verdient. Vor allem hat der HSV Spieler mit seiner Einstellung nötig. Heute wie morgen.

In diesem Sinne, morgen wird leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Ich melde mich im Anschluss daran bei Euch und weise jetzt noch kurz daraufhin, dass im Anhang noch eine Umfrage für alle HSV-Mitglieder aus diesem Blog angehängt ist. Viel Spaß damit!

Bis morgen!

Scholle

http://www.hsv-ev.de/scnachrichten/scnews/Details/2014-11-13-eure-meinung-ist-gefragt

Didis Plan – erst Erfolg, dann Kohle

12. November 2014

Blühende Landschaften – die sind beim HSV im November 2014 tatsächlich nicht zu erkennen. Sechs Monate nach der richtungsweisenden Entscheidung, den Profi-Fußball-Bereich aus dem e.V. aus- und in eine Fußball AG einzugliedern, steht es sportlich und finanziell noch immer schlecht um den HSV. Die Bundesliga-Mannschaft ist enttäuschender Siebzehnter, die wirtschaftlichen Zahlen des Vereins sind dunkelrot. Der Kollege Kai Schiller hat in der heutigen Abendblatt-Ausgabe eine Übersicht über den aktuellen Zustand der AG-Zahlen gegeben.

Wie geht es aber weiter? Zunächst wird in den kommenden Wochen der Geschäftsjahresabschluss der Saison 2013/14 erscheinen. Er wird erneut, zum vierten Mal in Folge, ein sattes Minus aufweisen. Wie die Zahl aber genau zu lesen sein wird, ist noch etwas unklar. Denn da die Eintragung der HSV Fußball AG am 7. Juli 2014 erfolgt ist, wird dessen wirtschaftlicher Beginn an den Anfang dieses Jahres – also auf den 1. Januar – gesetzt. So ist es vorgeschrieben, und das hat zur Folge, dass der erzielte Verlust in Teilen beim e.V., in anderen Teilen in der AG ausgewiesen wird. Klar ist nur, dass der e.V. zum 31. Dezember 2013 einen Jahresabschlussbericht vorlegen musste, der dann die Basis war für die Berechnungen bis zum Saisonende.

Aber egal ob das Minus nun mit fünf oder acht Millionen Euro ausgewiesen wird: es war erneut ein katastrophales Jahr für den HSV. Das Überleben, so wissen wir inzwischen, wurde insbesondere durch eine vorweggenommene Inanspruchnahme der Sponsoring-Gelder von adidas (sechs Millionen Euro) sowie durch den Verzicht von Klaus-Michael Kühne auf ihm zustehende Kreditrückzahlungen, resultierend aus dem van-der-Vaart-Transfer (zwei Millionen) erzielt. In beiden Bereichen lebt der HSV auf Pump – das adidas-Geld fehlt in späteren Jahren, und die Kühne-Millionen werden evtl. später fällig.

Mit eben jenem Klaus-Michael Kühne hat sich der HSV samt des neuen Vorstands-Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer dann im Sommer über Wasser gehalten durch ein weiteres Darlehen über 17 Millionen Euro. Dies, mit vier Prozent verzinst, wird allerdings in diesem Jahr noch nicht fällig. Stattdessen muss der HSV Kühnes van-der-Vaart-Millionen im kommenden Jahr bedienen.

Es sei denn, und hier beginnt eine große Unbekannte für die Betrachtung und die Berechnungen der kommenden Monate und Jahre, Unternehmer Kühne zieht seine Option fristgemäß zum 31. Dezember 2014 und wandelt den Gesamtbetrag seiner Kredite in Höhe von 25 Millionen Euro in AG-Anteile um. Ob er es tut, ist im Moment nicht abzusehen. Wasserstandsmeldungen in die eine oder andere Richtung wechseln sich ab. In Wahrheit wagt niemand beim HSV Kühne in dieser Frage zu 100 Prozent einzuschätzen. Wahr ist in jedem Fall, dass Kühne mit der aktuellen Bewertung des HSV nicht glücklich ist. Das Wertgutachten der KPMG hat bekanntermaßen einen Betrag von 330 Millionen Euro ergeben. Daraus leitet sich ein Kühne-Anteil von 7,6 Prozent am HSV ab, den der milliardenschwere Reeder also bis Silvester einsacken könnte.


Aber, wie gesagt, die 330 Millionen kommen Kühne doch arg hoch vor – und seine Bedenken in diesem Punkt sind aus wirtschaftlichen Blickwinkeln sicher nicht von der Hand zu weisen. Das Gutachten der KPMG arbeitet mit Werten, die es bei der „normalen“ Bewertung eines Wirtschaftsunternehmens außerhalb des Fußball-Geschäfts so nicht gibt. So wird in dem HSV-Gutachten überproportional der Markenwert berücksichtigt und auf mögliche Erlöse verwiesen. Die Tatsache, dass der HSV nun vier Mal in Folge Minus-Zahlen schreibt, wäre in der Wirtschaft schon fast ein Ausschluss-Kriterium für eine hohe Bewertung. Im Fußball, für den sicher auch andere Maßstäbe gelten, ist das etwas anders.

Schließlich hat ein strategischer Partner eines Bundesliga-Vereins, erfolgreich oder nicht, eine große mediale Verbreitung und damit eine Steigerung seiner Bekanntheit, die weit über Gewinn- und Verlustrechnungen hinausgeht. Ich habe hier in diesem Blog Ende 2013 mit Hilfe eines Wirtschaftsfachmanns eine mögliche HSV-Bewertung unter streng wirtschaftlichen Regeln durchgespielt. Am Ende waren wir bei einem Wert von etwa 125 Millionen Euro, also deutlich unter der ermittelten KPMG-Zahl. Sicher hat auch Kühne eher herkömmlich gedacht und nicht die spezielle Fußball-Dynamik einkalkuliert.

Der HSV-Wert mag auch deswegen durchaus marktüblich sein, wenn man sich vergleichsweise bei Hertha BSC umschaut. Der Vergleich hat Tücken, zugegeben, denn die Berliner haben mit ihrem Partner KKR vor allem eine große Umschuldung alter Verbindlichkeiten abgewickelt. Davon abgesehen deutet die reine Beteiligung der KKR auf einen Hertha-Wert von ca. 270 Millionen Euro hin. Und da scheinen die 330 Millionen des HSV doch schon einigermaßen realistisch. In Stuttgart, so wird gemunkelt, geht man von einem Wert des VfB in Höhe von ca. 300 Millionen Euro aus.

Wie auch immer – wir sind immer noch beim möglichen Kühne-Anteil von 7,6 Prozent. Zieht er also seine Option, dann hätte das Vor- und Nachteile für den HSV. Zum einen fielen dann kurzfristige Kredit-Rückzahlungen aus, was dem HSV Handlungsspielraum vielleicht schon für das Winter-Transferfenster schaffen würde. Dass der Direktor Profi-Fußball Peter Knäbel nach einer Alternative für den Sturm sucht (Josip Drmic, Bayer Leverkusen?), ist kein Geheimnis. Darüber hinaus wäre der HSV-Gürtel im Sommer ein kleines Stück weniger eng, zumal der erste Mega-Transfer mit den 6,5 Millionen Euro Ablöse für Lewis Holtby an Tottenham Hotspur ja schon abgeschlossen ist.

Sollte Kühne seine Option nicht ziehen, hätte der HSV im kommenden Sommer also hohe Zahlungsverpflichtungen. Andererseits wird gemunkelt, dass die Bereitschaft anderer Investoren an einer Beteiligung am HSV durchaus steigen könnte, wenn der nach außen unberechenbare und schwer einzufangene Kühne nicht mit an Bord wäre. Wie es kommt, wird jedenfalls die Zukunft zeigen.

Ein dicker wirtschaftlicher Brocken ist der „Campus“. Unterschrieben ist bekanntlich noch nichts, aber der HSV hofft natürlich ganz stark darauf, dass Alexander Otto mit acht Millionen Euro für den Bau einsteht. Geht alles gut, dann erfolgt die Einigung im Dezember. Dessen ungeachtet muss auch der HSV Kosten tragen. Zunächst für die Umplanung des ursprünglichen Modells, die im Moment vorgenommen wird, und außerdem soll zeitnah mit dem Bau neuer Trainingsplätze begonnen werden. Dies ist nicht im Otto-Paket, sondern HSV-Verpflichtung.

Alles in allem wird kräftig geflickt am HSV – und gleichzeitig versucht der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer mit seinem Team, ein neues Fundament einzuziehen. Dass in einigen Jahren auf jeden Fall alles besser wird, ist lange nicht gesagt. Zwar laufen die Stadionkredite, die der HSV immer voll beglichen hat, in den kommenden Jahren aus. Doch steigende Tilgung hat in den vergangenen Jahren nicht dazu geführt, dass sich die gesamten Verbindlichkeiten des HSV verringert hätten. Was auf der einen Seite gezahlt wurde (Stadion, Sportfive), das musste auf der anderen Seite wieder reingeholt werden (Fan-Anleihe, Kühne-Millionen), so dass sich an der wirklichen wirtschaftlichen Lage des Vereins kaum etwas verbessert hat.

Der ehemalige Vorsitzende des HSV-Aufsichtsrates, Udo Bandow, hat vor einigen Wochen in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ klipp und klar gesagt, wie der HSV aus dem Teufelskreis entfliehen kann.

„Der wirtschaftliche Bereich folgt dem sportlichen. Dietmar [Beiersdorfer] muss sich am Anfang auf den sportlichen konzentrieren, eine andere Chance gibt es nicht. Der sportliche Bereich muss in Gang kommen. Wenn das geschafft ist, folgt der wirtschaftliche Teil.“

Das sieht offenkundig auch Beiersdorfer so, und so sind auch seine Maßnahmen bisher zu verstehen, die ja eine deutliche Konzentration auf den sportlichen Bereich zeigen. Dass die Maßnahmen bislang noch nicht gefruchtet haben – das ist die Besorgnis erregende Bestandsanalyse im Moment.

Doch welche Wahl gibt es? Natürlich benötigt Beiersdorfer auch für den kommenden Sommer wieder Kapital, um die Mannschaft zu verstärken. Mit der Aussicht allein, dass zehn teure Spielerverträge auslaufen und entsprechend hohe Gehaltskosten eingespart werden können, ist es nicht getan. Es muss auch ein neues Team entstehen, das durch höhere Bundesliga-Platzierungen mehr TV-Gelder erspielt, auf Sicht internationale Perspektive besitzt und ganz allgemein einen höheren Marktwert besetzt. Hier ist eine hohe Trefferquote Beiersdorfers bei Verpflichtungen gefragt sowie erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Ganz ehrlich: Nach elf Spieltagen lässt sich sicher noch kein endgültiges Urteil über die meisten Neuen fällen. Sie kamen vom sicheren Land auf ein Schiff in unruhiger See und müssen mit allen Kräften ruhige Fahrwasser finden. Eine Alternative zu diesem Weg gibt es nicht. Dietmar Beiersdorfer hat den HSV im Sommer von seinen Vorgängern in einem denkbar schlechten Zustand vorgefunden.

Gedanken mache ich mir allerdings über einen neuen – Cleber. Der Brasilianer wird demnächst das erste Mal Schnee sehen. Land, um im Bild zu bleiben, hat er sportlich beim HSV noch nicht erspäht. In der „Bild“ hat er nun berichtet, dass er seinen Sohn nicht sehen kann. Clebers Helfer Edson Büttner ist gefragt, dem drei Millionen Euro teuren Innenverteidiger über schwere Tage hinwegzuhelfen – dass dies nicht bei allen Brasilianern in der Bundesliga-Geschichte, auch beim HSV, geklappt hat, ist bekannt.

Bei der Trainingseinheit der Profis heute Morgen waren viele U-23-Spieler mit dabei. Derflinger, Marcos, Gouaida, Philip Müller, Mende, Jung, Brüning mischten bei den Profis mit. Auffälligste Aktion war ein harter Pressschlag zwischen Matthias Ostrzolek und Lewis Holtby, nach dem Linksverteidiger Ostrzolek mit einem lauten Schrei zusammenbrach. Er wurde mit dem Golf-Car vom Platz gefahren, einen dicken Eisbeutel auf dem Schienbein. Es soll sich allerdings nur um eine Prellung handeln – nichts Schwerwiegendes. Holtby ist mit einer Schramme davon gekommen. „Das passiert im Fußball, es war aber keine Absicht“, so der Ex-Londoner.

Ansonsten musste Trainer Joe Zinnbauer auf die angeschlagenen Tolgay Arslan (Oberschenkel), Nicolai Müller (Hüfte) und Heiko Westermann (Adduktoren) verzichten. Letzterer will morgen wieder ins Training einsteigen, Müller vielleicht auch. Bei Arslan dauert es wohl noch ein paar Tage länger.

Viele von Euch haben sicher die Video-Interviews gesehen, die Dieter gestern im HSV-Museum anlässlich der Buch-Vorstellung von Uwe Seeler geführt hat. Eine Aussage von Dietmar Beiersdorfer, dem Vereins-Vorsitzenden, möchte ich hier noch einmal aufgreifen. Dieter hat ihn nach Joe Zinnbauer gefragt und der Vereins-Boss hat dem Trainer, der nach den schwankenden Leistungen der vergangenen Wochen samt Offensiv-Armut gestützt. „Ich glaube, dass Joe das gerade sehr gut macht“, so Beiersdorfer im Hinblick aufs Werder-Spiel. „Gerade wie er die Mannschaft motiviert und versucht in Stimmung zu bringen für solch ein Spiel. Das hat er beim HSV in den vergangenen Wochen auch schon nachgewiesen. Ich glaube, dass er es sehr gut hinbekommt. Und Peter Knäbel ist ja auch noch da. Wenn es dann noch den Funken braucht, der überspringt, bin ich auch noch bereit.“

Das Buch „Uns Uwe – ein Hamburger mit Herz“ von Abendblatt-Redakteur Jens Meyer-Odewald kostet übrigens € 16,95 und ist über das Hamburger Abendblatt zu beziehen. Das beste Lob über die 263 Seiten sprach vielleicht Uwes Frau Ilka aus. „Ich kenne mein Mäuschen ja nun schon sehr lange“, so Ilka Seeler gestern Abend in Richtung ihres „Dicken“, „und ich bin stolz, dass es jetzt solch ein Buch gibt mit so schönen Erinnerungen.“

Ich melde mich gegen 20.30 Uhr noch einmal mit einem sportlichen Nachtrag. Der HSV hat nämlich kurzfristig einen Testkick verabredet – Näheres dann also später am Abend.

Lars

17.25 Uhr

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Kurzfristig hat der HSV ein Trainingsspiel gegen den Tabellen-Sechsten der Oberliga Hamburg, den SC Victoria, vereinbart. Bei Nieselregen auf dem Trainingsplatz am Volkspark gewann die Elf von Trainer Joe Zinnbauer am Abend standesgemäß mit 8:0. Schon in der ersten Halbzeit war der HSV, ergänzt um einige U-23-Spieler, hoch überlegen und hätte höher als 2:0 führen können. Joe Zinnbauer war mit der recht schwungvollen Leistung recht zufrieden. “Das war ordentlich. Wir wollten viel Ballbesitz haben, das ist uns gelungen”, so Zinnbauer. Slobodan Rajkovic stand erstmals seit seinem Kreuzbandriss Anfang März in Bremen wieder bei einem Spiel auf dem Rasen.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Götz, Kacar, Cleber, Marcos – Mende, van der Vaart – A. Arslan, Holtby, Gouaida – Lasogga.
So spielte der HSV in der 2. Halbzeit: Brunst – Diekmeier, Cleber, Rajkovic, Jansen – Jung, Kacar (77. Derflinger) – P. Müller, Brüning, Ilicevic – Lasogga.
Tore: 1:0/2:0 Holtby (16./17.), 3:0 Brüning (52.), 4:0 Kacar (58.), 5:0 Ilicevic (65.), 6:0 P. Müller (69.), 7:0 Brüning (88.), 8:0 P. Müller (90.)
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Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Vier Wochen nach dem 25. Mai – jetzt ENDLICH nach vorn gucken!

22. Juni 2014

In den vergangenen Tagen, insbesondere bei der Debatte um die Äußerungen von Klaus-Michael Kühne, waren hier in den Kommentaren heiße Diskussionen entbrannt. Wer ist wofür verantwortlich? Fehlstart von HSV-Plus oder berechtigte Kritik der neuen Macher? Welche Rolle spielen Jarchow und Co. aktuell und behindern sie den Neustart?

 

In ganz großem Maße kommt darüber hinaus immer wieder der Wunsch auf nach Abrechnung mit dem aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Abrechnung wird hier stark eingefordert, um wirklich einmal Ross und Reiter zu nennen, um mit dem Grundübel aufzuräumen und reinen Tisch zu machen, so dass die Basis gelegt ist und die neuen Leute um Dietmar Beiersdorfer am 1. Juli dann auch offiziell anfangen können.

 

Offensichtlich gibt es ein paar unterschiedliche Wahrnehmungen was die Inhalte des Blogs in den vergangenen Monaten angeht. Man kann es wertfrei auf den vereinfachten Nenner bringen: Wir, die Blogschreiber, sind der Ansicht, die Missstände genannt zu haben und auch die dahinter stehenden Namen; kritische Blog-Kommentierer bestreiten dies und bemängeln zu weichen Umgang mit den Protagonisten. Soweit, mehr oder weniger, der Status Quo.


 

Gerade die momentane Übergangsphase sorgt für Nervosität. Mal abgesehen von den Äußerungen des designierten Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt sowie dem Interview von Klaus-Michael Kühne ist wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Dietmar Beiersdorfer beispielsweise hält sich komplett zurück. Ansprechpartner sind nur die alten Macher, in erster Linie der Vereins-Vorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer. Von ihnen hören wir, dass sie eng mit Beiersdorfer und Co. in Kontakt sind und alles abgesprochen wird. Aus dem Kühne-Interview ist eine andere Perspektive herauszulesen – demnach kleben die „Alten“ an ihren Sesseln und geben ihre Positionen nicht vorzeitig auf, obwohl sie seit dem 25. Mai faktisch einer aussterbenden Spezies angehören. Wo die Wahrheit genau liegt, enge Absprache oder Dissenz, ist im Moment nicht objektiv zu bewerten.

 

Zurück zum Thema „Abrechnung“. Am Ende haben Carl Jarchow und Oliver Kreuzer die Beinahe-Katastrophe der vergangenen Saison zu verantworten, daran führt kein Weg vorbei. Es ist einfach, sie an den Pranger zu stellen, denn sie haben dafür ja auch eine Menge Angriffsflächen geboten.

 

Aber: Die Probleme des HSV liegen viel tiefer und sind mit der Opferung zweier Verantwortlicher doch nicht behoben. Das wurde in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Positionen immer wieder punktuell versucht.

 

Der Aufsichtsrat war schuld. Also folgte auf Udo Bandow dessen Stellvertreter Horst Becker. Die Wirtschaftsweisen kamen in das Gremium, besser wurde es nicht. Irgendwann übernahm Otto Rieckhoff das Amt, dann Alexander Otto, Manfred Ertel, Jens Meier. Die „Supporters“ schienen in der Mehrheit zu sein. Und jeder war auf seine Weise erfolglos in dem Sinn, den Niedergang des Vereins in den vergangenen Jahren nicht verhindert zu haben.

 

Auch die Vorstands-Personalien, die vom Aufsichtsrat angegangen wurden, haben keine Besserung gebracht. Das Ende von Bernd Hoffmann unter großem Tohuwabohu, der regelmäßige Wechsel auf dem Sportchef-Posten. Nach zu langer Phase der Vakanz, die durch das Ende der Ära Beiersdorfer begann, sowie den Herren Siegenthaler, Reinhardt, Sammer, Arnesen und letztlich Oliver Kreuzer, die teilweise im Amt, teilweise nur Kandidaten waren, steht der HSV immer noch nicht besser da.

 

Im Bemühen, den Verfall zu stoppen, wurde immer nur ein Mann entlassen, an dessen Stelle ein anderer kam, der sich dann wie sein Vorgänger aufrieb und verbrauchte. Natürlich waren es auch immer wieder individuelle Entscheidungen und Fehler, die die Arbeit des einen oder anderen kennzeichneten. Als Quintessenz blieb doch immer nur eins: das Scheitern.

 

Ebenso auf der Trainerposition. Stevens, Jol, Labbadia, Moniz, Veh, Oenning, Fink, van Marwijk, Slomka. Das sind die Namen seit 2007. Der jeweilige Neue würde den Laden in den Griff bekommen – diese Hoffnung blieb bis heute ebenso unsterblich wie unerfüllt. Dazu passt die stete Abwärtsentwicklung im Nachwuchs-Bereich in Norderstedt. Die U-Mannschaften des HSV hinken der Konkurrenz hinterher. Viele gute Trainer haben den Verein in den vergangenen Jahren verlassen, weil die übergeordneten Sportchefs sich diesem Bereich entweder nicht richtig widmen wollten oder konnten.

 

Im Sommer 2014 ist der HSV an einem Punkt angelangt, an dem sich endlich eine Erkenntnis durchgesetzt hat, die sich durch die Ausgliederung in eine Fußball-AG dokumentiert. Es muss ein radikaler Kurswechsel des ganzen Schiffs her, nicht nur diese ständige punktuelle Verändern dieser oder jenen misslichen Personalie. Das alte Modell der Flickschusterei, des Übeltäter-Suchens, des Messias-Verpflichtens, ehe man erkennt, dass sich hinter jedem Messias doch wieder ein gescheiterter Fehlerteufel verbarg, sollte zu einem Ende kommen. Es ging und geht HSV-Plus und sicher auch den 86,9 Prozent, die sich für die Ausgliederung ausgesprochen haben, nicht mehr um den nächsten Trainerwechsel, der die Wende zum Guten nach sich ziehen müsste. Es ging ihnen nicht um die Fortsetzung des personellen Austauschs nach altem Muster, sondern um einen grundlegenden Wandel des HSV.

 

Der alte HSV war lahm und schwach geworden. Er hat sich in inneren Kämpfen aufgerieben und produzierte keine Führungskräfte, die die Kraft und Fähigkeit besaßen, alle Lecks zu schließen. Das lag in dem einen Fall an der Schwäche des Einzelnen, im anderen Fall an der Größe des Lecks, dessen Stopfung manch erfahrenen Kapitän vor eine unlösbare Aufgabe gestellt hätte. Gleichsam gaben schwache Vorstände und Aufsichtsräte gern das Alibi an, in DIESEM HSV nicht besser arbeiten zu können und sowieso vorwiegend an den Altlasten zu leiden. Auch diese Haltung wurde zu einem Teil der Abwärtsspirale.

 

Es gibt wohl keinen anderen Bundesliga-Verein, der in den vergangenen Jahren derart viele Angriffsflächen bot und der auch derart heftig angegriffen wurde. Die Schwäche der Handelnden hat gleichsam dafür gesorgt, dass kleinste Störfeuer aus dem Umfeld für einen Schlingerkurs des gesamten Gebildes sorgen konnten. Ich erinnere mich an eine Mitgliederversammlung Anfang 2010. Der Verein hatte gerade mal wieder Schlagseite und zu diesem Zeitpunkt keinen Sportdirektor. Vereins-Boss Bernd Hoffmann war schwer angeschlagen, als plötzlich Bruno Labbadia im CCH ans Rednerpult ging. Labbadia hat dort in einer Grundsatzrede versucht, den Vereins-Vorstand zu stärken. Ein einmaliger Vorgang, soweit ich weiß. Ein Angestellter versucht seinen Vorsitzenden und damit den ganzen HSV auf Kurs zu halten, weil er die Gefahr des Auseinanderdriftens erkennt. So löblich Labbadias Versuch war, so sehr zeigte er auch damals die Schwäche der Verantwortlichen im Vorstand und Aufsichtsrat, die zu einer solchen Rettungsaktion nicht in der Lage waren.

 

Im Frühjahr dieses Jahres hat Bert van Marwijk nach wenigen Monaten im Amt seine Beobachtung in Worte gefasst: „Dieser Verein ist dabei, sich selbst zu zerstören.“ Van Marwijk erhielt für diesen Satz viel Zustimmung – und es steht auf einem anderen Blatt, dass er in seiner eigentlichen Aufgabe, gelinde gesagt, nicht gerade überzeugen konnte. Die Beobachtung jedenfalls, die saß.

 

Die Idee von den Initiatoren von HSV-Plus, allen voran Otto Rieckhoff, aus dem HSV e.V. eine HSV AG zu machen, ist an sich nicht revolutionär. Ein Dutzend anderer Bundesligisten hat vor den Hamburgern seine Struktur geändert, und sich wahlweise als AG oder KG ins Handelsregister eintragen lassen. Dies ist gewissermaßen der äußere Rahmen, der womöglich klug und zeitgemäß ist, der aber vor allem die innere Neuordnung des HSV in die Wege leitet. Ein anderes Denken, keine Klüngelei mehr, Einigkeit in den Zielen – kurz gesagt alles, was der HSV in den vergangenen Jahren in seiner Gesamtheit hat vermissen lassen. Beim HSV hat all das eine ungeheure Öffentlichkeit nach sich gezogen – viel mehr als anderswo. Oder haben die „Tagesthemen“ von der Ausgliederung bei Werder Bremen berichtet? Hat „Die Zeit“ sich Eintracht Frankfurt gewidmet? Beim HSV, so die bundesweite Einschätzung, hat die gesamte Debatte eine ganz andere Dimension – es ging und geht um das Überleben des Dinos.

 

Dahinter verschwanden Bedenken in Detailfragen. Mitglieder-Rechte, die Nutzung der Raute als Marke, einzelne Paragrafen im Übernahme-Vertrag, über die vor kurzer Zeit noch ausgiebig in der Mitgliederversammlung gestritten worden wäre, wurden von der Minderheit zwar angesprochen. Doch das Bedürfnis, und auch die Notwendigkeit, nach einer Veränderung des großen Ganzen war übermächtig.

 

Jeder Einzelne der in der Vergangenheit handelnden Personen wird übrigens Professionalität, das beste Bemühen für den HSV, personelle Verbesserung für sich beanspruchen und als Ziel gesetzt haben wollen – in seiner Gänze hat sich der Verein allerdings immer mehr zerrissen. Fehlentscheidungen summierten sich und zogen sich wie in einer Todesspirale immer weiter abwärts. Somit war aus meiner Sicht fast jeder Verantwortliche des HSV in den vergangenen Jahren gleichfalls Täter, weil natürlich nicht jeder Fehler mit den Strukturen zu entschuldigen ist, und Opfer, weil dieser gesamte Verein einfach kaum steuerbar war.

 

Welche Rolle Ihr Carl Jarchow, Joachim Hilke, Oliver Kreuzer, Oliver Scheel, Jens Meier und all die anderen in diesem Zusammenhang gebt – bitte bildet Euer eigenes Urteil. Sie alle sind hier und anderswo häufig zu Wort gekommen, ebenso wie ihre Kritiker. Die Karten liegen auf dem Tisch. In diesem Sinne waren auch die Aussagen von Klaus-Michael Kühne aus meiner Sicht „too much“. Was soll diese Ungeduld? In zehn Tagen weht ein anderer Wind, und zwar auch nach Kühnes Vorstellungen. Was die Ungeduld angeht, wird Kühne übrigens ziemlich sicher noch die eine oder andere harte Probe bestehen müssen. Geduld ist nämlich mit Sicherheit gefragt, wenn es um den HSV der Zukunft geht. Rom ist nicht an einem Tag erschaffen worden, und die Aufwärtsentwicklung des HSV, die sich alle erhoffen, ganz sicher nicht. Es wird dauern, ehe tragfähige Ergebnisse zu sehen sein werden. Dietmar Beiersdorfers Eigenschaft, für Nachhaltigkeit sorgen zu können, kann dem HSV dabei helfen. Aber mal eben husch-husch im Vorbeigehen wird hier nix besser – es ist ein langer Weg zurück für den HSV.

 

Inzwischen ist eine andere Zeitrechnung angebrochen. Und zwar die von Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt. Natürlich ist es irritierend, wenn in den ersten Tagen nach der Entscheidung für die AG eine Reihe diskussionswürdiger Statements Gernandts zu lesen sind und sein Chef, Klaus-Michael Kühne, im Abendblatt vom Leder zieht. Beim Trainingsstart am Mittwoch, als die Berichte über die Krankschreibung Calhanoglus sowie das Kühne-Interview in aller Munde waren, habe ich mich mit einem langjährigen HSV-Mitarbeiter unterhalten. Wir waren uns einig, dass wir darauf keine Lust mehr haben. Dass sich die ständigen Störfeuer, die mit Fußball oder einem Aufbruch nichts zu tun haben, ohne Ende nerven. Gerade dies sollte mit dem 25. Mai beendet sein, umso größer die Verwunderung, dass durch genannte Äußerungen der neuen Macher scheinbar die alte Schablone wieder sichtbar wird.

 

Aber in den kommenden Wochen, beginnend mit dem 1. Juli, werden wir klarer sehen was die Intentionen der neuen starken Männer angeht. Die größten Hoffnungen ruhen dabei natürlich auf Beiersdorfer. Es besteht nach wie vor die große Chance, dass er mit den richtigen Weichenstellungen für den Umschwung sorgt. Und die Äußerungen von Gernandt und Kühne könnten, wenn sie auch nicht vergessen werden, in einem anderen Zusammenhang erscheinen und betrachtet werden.

 

Dass Karl Gernandt sich beispielsweise seit knapp zwei Wochen öffentlich aus dem Verkehr zieht, ist ja schon als erste Reaktion auf das Echo seiner Äußerungen zu werten. Doch halt: eine große Kritik bleibt. Trainer Mirko Slomka infrage zu stellen und dies nicht klarzustellen, ist ein Riesenfehler. Slomka geht angeschlagen in die Vorbereitung, und das ist schlecht. Dass der Coach selbst sich dann noch im ersten Interview vor den Kameras schützend hinter Kühne stellt, ähnelt vom Muster her dem Auftritt Bruno Labbadias. Und dieses Muster ist das falsche. Die HSV-Mannschaft ist nach wie vor instabil, sie hat sich ja auch gegenüber der Vorsaison bislang kaum verändert. Insofern benötigt sie dringend einen starken Trainer, der nicht von oben geschwächt werden darf. Es sei denn, man will ihn wirklich kurzfristig austauschen. Überspitzt formuliert ist Slomka bereits jetzt zum Abschuss freigegeben worden.

Zuletzt hat der ehemalige HSV-Präsident Wolfgang Klein heftige Kritik an Klaus-Michael Kühne geübt. Dessen Äußerungen seien Vereins schädigend, so Klein. Sicher gibt es nicht wenige, die Kühne deswegen am liebsten zum Mond schießen würden. Doch es ist heute wir vor dem 25. Mai: Der HSV befindet sich auch in wirtschaftlicher Abhängigkeit von seinem Gönner. So gesehen herrscht eine gewisse Hassliebe zwischen HSV und Kühne – und zwar von beiden Seiten. Auch diese Hassliebe in die richtige Richtung zu lenken, ist eine Aufgabe von Dietmar Beiersdorfer. Und es wird sicher nicht seine einfachste sein.

 

Heute Mittag ist die HSV-Mannschaft Richtung Schleswig-Holstein aufgebrochen. In Bredstedt hat um 17 Uhr ein erstes Testspiel begonnen – zur Halbzeit steht es 9:0. Nachher gibt es eine sportliche Aktualisierung dieses Fußball-Abends an der Küste.

 

Der HSV jedenfalls fährt später weiter nach Glücksburg, wo eine Woche Station gemacht wird.

 

So, und WM-technisch ruhen nachher alle deutschen Hoffnungen auf Klinsi und den USA.

Sportlicher Gruß von Lars
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Erster Test viele Tore. Das ist die Kurzfassung des HSV-Spiels in Bredstedt in Schleswig-Holstein vor 1.500 Zuschauern gegen eine Nordfriesland-Auswahl. Endergebnis: 16:0.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Kacar, Demirbay, Jiracek – Stieber, Rudnevs, Ilicevic
Und so in der 2. Halbzeit: Brunst – Westermann, Tah, Mancienne, Jiracek – Steinmann, Arslan – Zoua, Cigerci, Derflinger – Rudnevs
Tore: 1:0 Demirbay (4.), 2:0 Kacar (13.), 3:0 Demirbay (18.), 4:0 Demirbay (20.), 5:0 Demirbay (23.), 6:0 Stieber (29.), 7:0 Demirbay (30.), 8:0 Rudnevs (36.), 9:0 Rudnevs (37.), 10:0 Tah (47.), 11:0 Cigerci (66.), 12:0 Rudnevs (70.), 13:0 Zoua (80.), 14:0 Derflinger (84.), 15:0 Steinmann (88.), 16:0 Arslan (90.)
Trainer Mirko Slomka hat vor dem Spiel kurz sein Programm fürs Trainingslager in Glücksburg in der kommenden Woche erläutert. Zwei Einheiten pro Tag stehen an der Förde an, ehe es am kommenden Sonnabend auf der Rückreise zum zweiten Test kommt gegen den ETSV Weiche Flensburg. Was seine einschneidenden Personalien angeht, berichtete Slomka von vergeblichen Versuchen, Hakan Calhanoglu am Telefon zu erreichen. Mutmaßlich, so Slomka, habe Calhanoglu seine Handynummer gewechselt. Außerdem wusste Slomka davon zu berichten, dass Pierre Michel Lasogga einige Mal das Gespräch mit dem HSV-Trainer gesucht habe. Demnach wollte sich Lasogga erkundigen, was los sei mit seinem endgültigen Wechsel zum HSV. Eine Einigung ist bis dato noch nicht zu vermelden, aber einmal mehr dokumentiert die kleine Anekdote, dass es Lasogga offenbar kaum erwarten kann, zum HSV zurückzukehren.
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Am Sonntag geht es NUR um den HSV!

22. Mai 2014

Herrschaftszeiten, was wird wieder geklappert in diesen Tagen. HSV-Allianz am Montag, HSV-Plus am Dienstag. Dazu am Mittwoch noch reichlich Kommentare – und wahrscheinlich wird das bis Sonnabend so bleiben. Und Sonntag schließlich, da geht es dann wirklich ans Eingemachte.

 

Mindestens 7.000 HSV-Mitglieder werden also im Stadion erwartet, wenn ab 11 Uhr darüber diskutiert wird, ob der HSV e.V. seine Fußball-Profi-Abteilung in eine AG umwandeln möchte oder nicht. Argumente dafür und dagegen sind in den vergangenen Monaten bis zum Erbarmen ausgetauscht worden. Die Positionen sollten eigentlich jedem bekannt sein, und doch ist nicht davon auszugehen, dass wir auf dieser Basis eine sachliche HSV-Debatte erleben werden.

 

Aber genau das wäre erforderlich, um anschließend – wie das Ergebnis auch ausgehen mag – einen befriedeten, der Zukunft zugewandten HSV zu haben, der ja jedem so wichtig ist. Aber alle Vertreter verschiedener Positionen werden sich auch daran messen lassen müssen, wie sie mit dem jeweiligen Andersdenkenden umgehen. Mit Argusaugen werden alle darauf achten, ob diese oder jene Meinungsäußerung einen sachlichen Hintergrund oder nur persönliche Motive hat. Mich beschleicht immer wieder das Gefühl – und das war in dieser Woche nach dem Wunder von Fürth nicht anders als in Monaten zuvor -, dass immer noch reichlich offene Rechnungen zu begleichen sind und dass allzu viele um ihren persönlichen Vorteil streiten, anstatt den HSV in den Mittelpunkt zu stellen.


Aktuelle Anlässe für diese Einschätzungen sind die beiden großen Pressekonferenzen der sich gegenüber stehenden Gruppen. Aus der Ecke der „HSV-Allianz“ unter der Federführung von Jürgen Hunke waren am Montag überkritische Kommentare zu hören in Richtung HSV-Plus. Damit meine ich nicht die inhaltliche Auseinandersetzung, und ich meine explizit auch nicht Hunke selbst, der – so finde ich – sich der Thematik sehr sachlich genähert hat. Man muss seine Position nicht für richtig halten, und natürlich steht Hunke bei vielen sowieso auf dem Index – dieses Image hat er sich in den vergangenen Jahren jedenfalls erworben. Aber die polemischen, teilweise persönlichen Angriffe von Rainer Ferslev oder Eugen Block gegen einzelne Personen sind in dieser Zeit einfach unangemessen.

 

 

 

Jetzt gerade tut Demut in allen Lagen gut. Der Verein ist aus was für Gründen auch immer in eine desaströse Lage gerutscht. Und in einer solchen Phase mit extremer Schwarz-Weiß-Malerei daherzukommen, nochmal einen obendrauf zu setzen mit Besserwisserei und persönlichen Attacken, bringt meiner Ansicht nach gar nichts. Es feuert nur die aufgeheizte Stimmung am Sonntag an, und die kann am Ende nicht im Sinne des HSV sein!

 

Vielleicht nützt es, um die eine oder andere Stimme mehr zu erhalten, aber irgendwelche Bekenntnisse in Richtung „Nur der HSV!“ möchte ich dann nicht mehr hören. Ein Pyrrhus-Sieg ist in Wahrheit kein Sieg.

 

Karl Gernandt, der designierte Aufsichtsrats-Vorsitzende nach HSV-Plus-Modell, war am Dienstag bedauerlicherweise auch nicht frei von überflüssigen Seitenhieben. Dass seine Analysen und Einschätzungen gesessen haben wie Peitschenhiebe, war für mich ziemlich klar. Gnadenlos hat er die Schwächen des aktuellen HSV e.V. aufgezeichnet. Vieles spricht für sein Konzept, Vieles spricht für Dietmar Beiersdorfer, Vieles spricht somit dafür, dass die HSV AG am Sonntagabend Wirklichkeit wird.

 

Aber es ist nach wie vor nicht im Sinne von HSV-Plus oder irgendeines anderen Sympathisanten des Clubs, dass am Ende in Sieger und Verlierer unterteilt wird. Wir sind hier nicht bei der Europawahl und schon gar nicht in der Ukraine. Es geht nicht um Regierung und Opposition. Es geht zwar ums Gewinnen, jeder will sich mit seiner Idee am Ende durchsetzen. Aber es geht nicht um die Vernichtung des Gegners. HSVer sind alle – HSV-Plus oder nicht.

 

So gesehen war die Präsentation von Karl Gernandt zwar bestechend, und der Mann würde den Aufsichtsrat des HSV enorm beleben. Aber: Bescheidenheit und Demut – auch von ihm wäre das angebracht. Sarkasmus hat der Mann in dieser Thematik doch gar nicht nötig, die Fakten sprechen für sich. Sein favorisierter Mann Dietmar Beiersdorfer hat zuletzt bei Red Bull Salzburg und Zenit St. Petersburg gearbeitet. Natürlich ist „Didi“ ein Top-Mann mit hoher HSV-Verbundenheit, doch in Hamburg erwartet ihn ein ganz anderes Aufgabenfeld. Ich würde mich viel wohler fühlen, wenn die Erwartungshaltung nicht gleich von Beginn an wieder ins Unermessliche gesteigert werden würde.

 

Gernandt, ein moderner, kompetenter neuer Aufsichtsrats-Boss, der mindestens auf europäischer Bühne spielt – dazu Dietmar Beiersdorfer, mit Herzblut und vereinigender Kraft, dazu der Erfahrung aus vielen Jahren als Fußball-Manager in verschiedenen Ländern – unter diesen Bedingungen gilt es, einen Neuanfang zu starten. Erstmal einen Neuanfang. Wieviele Schritt gegangen werden müssen, bis der HSV wieder da steht, wo viele ihn chronisch sehen, dass bleibt abzuwarten.

 

Im Moment mag niemand absehen, was mit dem Supporters-Club geschieht, wenn am Sonntag HSV-Plus kommt. Dazu seht Ihr übrigens nachher auch einen Bericht meines Kollegen Thorsten Vorbau im „NDR Hamburg Journal“ (19.30 Uhr, NDR Fernsehen). Aktuell ist ja von massenhaften Austritten die Rede, von der Abkehr vom HSV. HSV-Plus ist nicht damit gedient, wenn es am Ende so kommt. Klar, alle Zuschauer im Stadion könnten bei den Bundesliga-Spielen getrost auf Aktionen verzichten, bei denen es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei oder Ähnlichem kommt. Aber die Fanszene ist auch ein Gut, mit dem sich eine Fußball AG offensiv auseinander setzen müsste. Die ausgestreckte Hand ist besser als das kategorische Stoppschild.

 

Gleiches gilt für den Verlauf der Versammlung. Ich mutmaße, dass ein Großteil der anwesenden Mitglieder keine Lust hat, sich in stundenlangen Debatten um dieses oder jene umstrittene Detail von HSV-Plus zu verlieren. Sie wollen das Konzept durchwinken, das war schon auf der Versammlung im Januar zu spüren. Klar, mancher HSV-Gegner wird dazu neigen, aus taktischen Gründen Kleinkram auszuschlachten, um dem Konzept möglicherweise juristisch beizukommen und auf Zeit zu spielen. Das ist nicht förderlich. Aber es gibt auch echte HSVer, für die – ohne Bosheit und Postenschacherei – eine Welt zusammen bricht, wenn aus dem e.V. eine AG wird. Zu sentimental? Vielleicht. Aber das wäre noch lange kein Grund, diese Stimmen zu unterdrücken.

 

Einen Freifahrtschein sollten die HSV-Plus-Gegner daraus aber nicht für sich ablesen. Ihr altes e.V.-Konzept ist gescheitert. Der Wunsch nach Veränderung riesengroß und berechtigt. Krittelei an unwichtigen Detailfragen, persönliche Attacken gegen ach so böse Manager – das kann es nicht sein. Viel wird in diesen Tagen auch über die Versammlungsleitung diskutiert. Jens Meier, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, übernimmt sie. Er hat sich öffentlich nie zu einer Seite bekannt, eine kritische Haltung zu HSV-Plus wird ihm jedoch zugeschrieben.

 

Ist er deswegen nicht geeignet als Versammlungsleiter? Laut Satzung steht ihm das Recht zu, diese Versammlung zu leiten. Manfred Ertel oder Udo Bandow haben das in der Vergangenheit auch schon gemacht. Ja, vielleicht wäre Meier besser beraten, wenn er keine Angriffsfläche bietet. Doch gerade dieses Bewusstsein könnte ja auch dafür sorgen, dass es erst recht ordentlich und ausgewogen abläuft. Meier ist gefordert, ganz klar, aber ihn im Vornherein schon zu verurteilen, ist unfair.

 

Was ist nun im Sinne des HSV? Eine sachliche, konstruktive Debatte ohne juristisches Nachspiel. Am Ende ein Erfolg von HSV-Plus, das ist inhaltlich notwendig, zumal ein Scheitern die ganz große Gefahr des totalen Stillstands mit sich bringt. Anschließend schnelle Bestellung der neuen Führungscrew, denn die Zeit drängt im Hinblick auf die kommende Saison.

 

Ich wünsche mir, dass der eine oder andere während der Veranstaltung zurück denkt an den vergangenen Sonntag in Fürth. Ich war dort im Stadion, konnte wie die meisten anderen die letzten Minuten kaum ertragen. Nachdem ich meine Arbeit dort erledigt hatte, bin ich in den Bereich des Mannschaftsbusses geraten. Dort standen Spieler, Betreuer, Funktionäre. Dort war eine solche Freude und Erleichterung zu spüren, dass der GAU verhindert wurde. Dort flossen Tränen, auch noch zwei Stunden nach dem Spiel. Dort tickte die Mini-Ewige-Uhr im Mannschaftsbus als Zeichen des Überlebens. Dort ging es nicht um HSV-Plus oder HSV-Allianz. Dort herrschte HSV-Gefühl.

 

Dieses Gefühl ist ein kraftvolles, und es steckt in diesem Verein, auch wenn der Verein bald AG heißen sollte. Jeder einzelne ist aufgerufen, die HSV-Seele – was auch immer das ist, da hat jeder eine andere Idee – mitzunehmen und zu behalten. Dietmar Beiersdorfer könnte, wenn er am Ende wirklich unterschreibt, ein erstklassiger Vertreter dieses HSV sein. Es geht am Sonntag nicht um den Verlust von irgendetwas. Es geht darum, den HSV wieder zu gewinnen, als Einheit, damit endlich Schluss ist mit den Grabenkriegen, die niemand mehr ertragen kann.

 

 

Das war jetzt mein Wort zum Sonntag.

Wir sehen uns im Stadion

Lars

 

Es geht los: Die Woche der Wahrheit

12. Januar 2014

Mann oh Mann, so ein schönes Wetter und dann doch wieder nicht besonders viel Gutes zu schreiben. Wie auch? Geht ja um den aktuellen HSV. Und der hat gerade den GAU im Angriff erlebt. Rudnevs verliehen und keine Kohle für einen Ersatz. Sagte zumindest der Vorstand der auf eine schwarze Null in der Bilanz aus ist. Zuletzt hatte man Transfers für den Winter ohne vorausgehende Verkäufe ausgeschlossen. Das bestätigte Kreuzer heute gegenüber „Sky News“ noch mal: „Eigentlich ist das so, dass wir normalerweise keine Transfers angestrebt haben in der Winterpause.“

Das dürfte sich aber spätestens durch die schlimme Verletzung von Maxi Beister (Maxi, auch auf diesem Wege noch mal Gute Besserung!!!) geändert haben. Denn nachdem auch Lasogga mit Knieproblemen ausgefallen war, stand Trainer Bert van Marwijk schon im Test gegen Vitesse Arnheim (0:0) plötzlich nur noch Jacques Zoua zur Verfügung. Das wiederum ist ein GAU – und es sind nur noch zwei Wochen bis zum Liga-Rückrundenauftakt gegen Schalke. „Wir tun gut daran, da in der Offensive noch mal zu handeln“, sagt Kreuzer und erhält moralisch Unterstützung von Hamburgs Sturmlegende Uwe Seeler: „Natürlich ist der erste Gedanke der, dass man einen Neuen holen muss“, so Seeler, „aber ich werde meinem verein nie dazu raten, jetzt einfach einen zu holen, um einen Neuen zu haben. Aktionismus bringt da nichts. Im Gegenteil. Sollte nichts gehen, muss der Verein auch mal das Vertrauen haben und in seinen Nachwuchs zu setzen. Wozu spielen denn unsere Regionalligaspieler bei uns? Die sind doch alle mal geholt worden, weil man ihnen den Schritt nach oben zutraut.“ Seeler weiß um die bedrohliche Lage und ist bemüht, sich nicht zu sehr in die Diskussion um Strukturen einzubringen. Dafür sagt er aber im Hinblick auf einen Neueinkauf klar: „Der Neue muss besser sein, als das, was hier ist.“

Nur wie soll das gehen? Ohne Geld? Der erste Impuls in so einem Moment ist (für mich auf jeden Fall) mal wieder: HSVPlus muss kommen. Und ich glaube, auch Oliver Kreuzer sieht das inzwischen so. Obgleich er es nicht so klar formulieren darf, deutet er es gegenüber „Sky Sport News HD“ an: „Die Mitgliederversammlung ist momentan das große Thema in Hamburg, die Strukturreform. Ich will mich hier gar nicht groß äußern eine Woche vor der Veranstaltung“, so Kreuzer, um dann doch preiszugeben, dass neben Hilke und Jarchow auch er zu den Befürwortern von HSVPlus gehört: „Natürlich, Kapital tut einem Verein immer gut und alle wissen, dass wir in einer schwierigen Situation sind. Warten wir mal ab, was nächste Woche herauskommt. Dann schauen wir weiter.“ Soll heißen, es geht nur mit neuem Geld weiter. Und mit dem Konzept, das bei diesem hochverschuldeten Traditionsklub ob finanziell hochpotenter Unterstützer schnell neues Geld einbringen kann. So viel, dass der HSV die nötigen Soforthilfen holen kann, wobei die Betonung auf „SOFORT“ liegt. Denn Zeit bleibt nicht mehr viel. Am 31. Januar muss alles über die Bühne gebracht sein. Und dem HSV fehlt es an Qualität. Hinten wie vorne.

Denn obwohl Lasogga am Montag wieder ins Training einsteigen soll, droht auch Arslan weiter auszufallen. Der Mittelfeldspieler leidet an Adduktoren- und Leistenproblemen, muss weiter kürzertreten. Trainer Bert van Marwijk hat die Situation erkannt (wie im Foto zu erkennen…) und schlägt Alarm: „Nun kann es auch noch sein, dass Arslans Verletzung länger dauert. Wenn man alles zusammen sieht, dann haben wir schon ganz große Probleme im Moment.“ Größere als fast alle Bundesligisten – Braunschweig mal ausgenommen. Denn die haben zwar die richtige Einstellung zur Liga gefunden – aber schlichtweg noch weniger Qualität im Kader.

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Mehr Qualität haben zweifellos Frankfurt und Schalke. Van Marwijk hatte sich am Sonnabend das Testspiel des nächsten Bundesligagegners gegen die Hessen angesehen – und er war erstaunt. „Ich habe gesehen, dass Frankfurt gleich zwei Bundesligamannschaften aufbieten könnte, wir dagegen nicht mal eine. Das ist die Realität.“ Bittere Worte. Zumal bei Frankfurt der ehemalige HSV-Trainer Armin Veh als Verantwortlicher selbst jetzt nicht müde wird, nach noch mehr Qualität zu rufen. Das zeigt nur, wie weit hinten dieser HSV im Moment zu sein scheint.

Abstiegskampf heißt das Zauberwort, mal wieder. Und van Marwijk sowie seine Führungsspieler van der Vaart und Adler zuletzt werden nicht müde, die Situation schonungslos anzusprechen. Beim Trainer hört man inzwischen schon eine Art Frust heraus. „Wenn es hier einer nicht begriffen haben sollte, dass es hier gegen den Abstieg geht, dann gehört der nicht in die Bundesliga. Aber ich gehe davon aus, dass es jeder begriffen hat.“

Kleine Brote backen statt unrealistische Träume pflegen. Es ist zumindest der erste kleine Schritt in die richtige Richtung. „Wir müssen jetzt so schnell wie möglich so viele Punkte holen, dass wir wieder ruhig atmen können“, sagt van Marwijk der allerdings erneut betonte, dass das mit dem aktuellen Kader schwer wird und er unbedingt einen neuen Angreifer braucht. „Ich habe in dieser Woche ja schon sehr deutlich gesagt, was ich will. Es ist eigentlich deutlich für jeden. Und selbst die, die es vorher noch nicht verstanden haben, für die ist es jetzt deutlich.“ Wen er damit meint, lasse ich jeden selbst interpretieren.

Klar ist dagegen, dass der MV am 19. Januar eine immer größere Bedeutung zuteil wird. Morgen und am Dienstag sitzen die drei Konzeptträger Rieckhoff, Ertel und Hunke jeweils auf großen Bühnen und diskutieren das Thema. Quasi als Warmup für die Woche der Wahrheit. Und Matz ab ist jeweils mittendrin. Zunächst bei „rasant“ auf HH1 am Montag (s. dazu auch Textende). Dort stellen ab 20.15 Uhr Blogvater Dieter Matz und Moderator Uli Pingel die Fragen, ehe am Dienstag ab 17 Uhr (ausgestrahlt wird um 20 Uhr auf NDR 90,3) im NDR-Funkhaus in der Rothenbaumchaussee unser Lars (als NDR-Reporter) und Abendblatt-Vizesportchef Alexander Laux den drei Protagonisten im Rahmen des 11. Sportforums (Kooperation von NDR 90,3 sowie dem Abendblatt und Matz ab) auf die Zähne fühlen und die finale Phase einläuten.

Es steht uns tatsächlich eine Woche bevor, die diesen Verein verändern wird. So oder so. Und ganz ehrlich – ich hoffe „so“. Ihr könnt mir glauben, ich bin grundsätzlich eher ein Spießer und mag Tradition, gerade im Fußball. Aber eben nur so lang, wie es nicht Existenz bedrohend wird. Und die Existenz des HSV ist in der jetzigen Form stark gefährdet, das weiß nun auch der letzte Träumer. Der Abstiegskampf ist eingeläutet. Und sollte am 19. Januar tatsächlich HSVPlus scheitern, wäre es das dann wohl auch mit den Helfern. So, wie einst mit Eugen Block, als die Mitglieder den honorigen Hamburger Geschäftsmann 1997 bei der Wahl für den Aufsichtsrat am Supporter und späteren Vorstand Christian Reichert scheitern ließen. „Das war damals eines der ersten Zeichen dafür, was auf den Verein zukommt“, hatte mir 2007 Udo Bandow in einem sehr netten, sehr ausführlichen Gespräch unmittelbar nach seinem freiwilligen Rücktritt gesagt. Der Aufsichtsratsvorsitzende aus besseren Zeiten machte sich damals schon Sorgen um die Struktur. Wie berechtigt die waren, bewahrheitet sich gerade. Umso ärgerlicher, dass er das Gremium nicht noch etwas länger angeführt hat. Zumal ich mir sicher bin, dass er mit seiner sachlichen, diplomatischen Art das Erfolgsduo Hoffmann/Beiersdorfer 2009 dazu bewogen hätte, zusammen weiter zu machen…

Aber okay, es ist ja noch alles drin.

Jeweils 20 Minuten Redezeit bekommen die Konzepte auf der Mitgliederversammlung am Sonntag, von der wir mit Live-Schalten hier im Blog berichten werden. Dieter und ich werden versuchen, Euch per Liveticker und eben jenen Video-Liveschalten immer so nah wie möglich am Geschehen zu halten – wenn Ihr nicht eh vor Ort seid, was ich natürlich noch viel mehr hoffe. Und, wie angekündigt noch ein Nachklapp zu „rasant“-Sendung am Montagabend: Wer im Publikum sitzen will, die/der sollte sich möglichst schnell bei Sport@Hamburg1.de bewerben. Einige wenige Plätze gibt es noch. Viel Erfolg!

In diesem Sinne, Euch und uns allen noch einen schönen Restsonntag. Bis morgen,
Scholle

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