Archiv für das Tag 'Bandow'

Van der Vaart und das Salz in der Cola

25. April 2013

Den Spruch hat inzwischen wohl jeder schon gehört: „Wenn der FC Bayern die beste Mannschaft der Welt mal eben mit 4:0 wegdonnert, dann relativiert sich das 2:9 des HSV aber ganz, ganz gewaltig.“ Stimmt. Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem 4:1 von Borussia Dortmund gegen Real Madrid? Hat nicht der HSV den BVB, der mal eben die „Königlichen“ „weggefiedelt“ hat, in dieser Saison gleich zweimal besiegt und dafür gesorgt, dass alle Schwarz-Gelben mit gesenkten Häuptern in der Kabine verschwanden? Und relativiert sich das denn auch? Einmal 3:2, einmal – in Dortmund – 4:1? Mal sehen. Mal sehen, wie sich das jetzt in Gelsenkirchen anlässt. Es sind nur noch vier Spiele, die der HSV in dieser Bundesliga-Saison bestreiten muss, das auf Schalke scheint im Moment das wichtigste zu sein. Es geht ja nicht nur um das „einfache Europa“, es geht um mehr. Und für Rafael van der Vaart ist sogar das Erreichen der Champions-League-Qualifikation kein völlig utopisches Ziel. „Wenn wir am Sonntag bei Schalke 04 gewinnen sollten, darf man ein bisschen daran denken“, sagte der HSV-Kapitän, fügte aber auch gleich warnend hinzu: „Dafür müssen wir natürlich deutlich besser spielen als zuletzt.“

Heute im Training war das schon mal gut. Vielleicht sogar sehr gut. Es ging im Abschlussspielchen mächtig zur Sache. Gerade so, als wisse nun jeder Spieler ganz genau, um was es jetzt geht. Das Spiel zwischen A und B war temporeich, aggressiv und rassig. Da hatte kein Spieler auch nur eine Sekunde Zeit, sich am Ball auszuruhen. Das sah wirklich gut aus. Wobei Thorsten Fink zwei Wechsel zur Halbzeit vornahm: Heung Min Son ging von A nach B, Artjoms Rudnevs ging von B nach A. Und dazu wechselte Dennis Aogo von A nach B, für ihn kam Tomas Rincon von B nach A. Das bedeutete, dass sich der Trainer auf jeden Fall noch etwas offen lassen möchte – bis Sonnabend.

Im Moment scheint es aber so (für mich) zu sein, dass vorne Son beginnen und Rudnevs auf der Bank sitzen wird, und auf der „Sechs“ werden Tolgay Arslan (für den – wohl – verletzt ausfallenden Milan Badelj) und Aogo zum Einsatz kommen – „Reserve“ ist Rincon. Wenn ich die Gedanken des Trainers denn richtig lesen kann . . . Hinten rechts wird dazu, daran ändert sich nichts, Jacopo Sala spielen (für den gesperrten Dennis Diekmeier). Wobei mich schon ein wenig wundert, dass Jeffrey Bruma dann doch so überhaupt keine Chance mehr hat – und auch bekommt. In der Not, so heißt es doch, frisst der Teufel Fliegen, aber Bruma scheint beim HSV nicht nur ein Auslaufmodell zu sein, er wird auch als ein solches behandelt. Knallhart. Die Zeiten ändern sich. Ich habe zudem das Gefühl, dass Thorsten Fink tatsächlich härter auftritt – auf jeden Fall, so behaupte ich, anders als noch vor ein paar Wochen. Aber, das fällt mir just beim Schreiben dieser Zeilen ein, genau das habe ich gemeint, als ich bei „Sky 90“ vor Wochen, einen Tag nach dem 2:9 von und in München, auf die Frage von Moderator Patrick Wasserziehr („Wird der HSV daraus seine Lehren ziehen?“) gesagt habe: „Vor allen Thorsten Fink wird aus diesem Debakel lernen und seine Schlüsse ziehen . . .“ Hat er – in meinen Augen jedenfalls.

Und in diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder das Wort „Penner“ ein. Gebrüllt vom Trainer am vergangenen Freitag, gemeint war die Mannschaft. So etwas gab es in dieser Woche (bislang) noch nicht. Fink: „Wenn ich aber merke, dass die Mannschaft nachlässt, dann werde ich sicherlich wieder etwas sagen, wenn sie nicht nachlässt, dann werde ich auch nichts erfinden. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist, wenn sie jedoch mal einen Impuls braucht, dann werde ich ihr diesen auch geben.“ Fink sagte auch: „Wir haben noch vier Spiele, da muss man schon noch vorsichtig sein und aufpassen, dass es jetzt nicht wieder anders herum geht, aber ich denke mit nun 44 Punkten und noch vier Spielen ist das schon gut gelaufen.“

Kurz noch einmal zum heutigen Training zurück. Einige gute, vielleicht auch sehr gute Szenen hatte Gojko Kacar, aber richtig beeindruckt war ich vor allen Dingen von Heung Min So. Der Junge, das stelle ich immer wieder fest, hat viel, nein, er hat sehr viel gelernt beim HSV. Er war heute auch im Spiel Mann gegen Mann, im Dribbling, richtig stark. Sodas ich mir während dieser „Vorstellung“ gedacht habe: „Es ist doch alles Quatsch, wenn da Hinz und Kunz immer wieder sagen, dass Son noch so jung sei, dass ihm noch einige Jahre beim HSV sehr gut tun würden, weil er so in der Bundesliga lernen und zu einem fertigen Spieler werden kann. Das ist, um es noch einmal zu sagen, Quatsch. Er hat jetzt schon viel gelernt, und ich bin davon überzeugt, dass er das auch bei einem Spitzen-Club – wie zum Beispiel Borussia Dortmund – zeigen würde.

Denkt doch bitte einmal kurz zurück, ich sprach mit einigen Kollegen heute vor der Pressekonferenz darüber, wie es damals mit Hasan Salihamidzic war. Als der 1998 vom FC Bayern gekauft wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt. Und was hat ihm hier jeder in Hamburg prophezeit? Genau: „Der wird dort niemals zum Einsatz kommen, geschweige denn Stammspieler. Der überschätzt sich maßlos – und wird auch maßlos überschätzt.“ Und? Wie kam es? Salihamidzic mischte erst München, dann die Bundesliga und später auch Europa auf. Wie oft hat er allein Real Madrid aufgemischt? Nun gut, das ist, wie Dortmund zeigt, ja auch keine große Kunst mehr . . . Nein, nein, ein Scherz. Das war ein Scherz.

Und noch einmal kurz zum heutigen HSV-Training zurück. Zum Schluss wurde „geballert“. Jeder der wollte, der durfte auch mal. Oder mehrfach. Im Tor standen sie alle, die das können – wobei ich einmal mehr von Sven Neuhaus begeistert war. Wie er fliegt, wie er sich reinhängt, obwohl er am Sonntag wieder nur daheim vor dem Fernseher sitzen wird – das ist schon erste Sahne. Toll. Und vorbildlich. Aber darüber wollte ich gar nicht groß berichten. Es gab da einen Zweikampf, der verbissen geführt wurde. Tolgay Arslan und Rafael van der Vaart zählten jeden Treffer, das war ein richtig hartes Duell. Und das endete dann auch noch mit einem Unentschieden. Deshalb musste ein Elfmeterschießen entscheiden. Jeder nur einen Schuss. Der „kleine Engel“ drosch den Ball weit und hoch über das Tor, die Kugel suchen sie morgen noch. Dann Arslan. Als er anlief (gegen Neuhaus), schoss – zum Zwecke der Störung – van der Vaart einen zweiten Ball quer. Wie unfair! Arslan beschwert sich, lief noch einmal an – und verwandelte. Daraufhin ging er in die Knie und hob laut jubelnd seine Arme in die Luft: Sieg.

Und dann sprachen sich die beiden Kontrahenten ab. Was genau, war nicht zu hören. Es ging aber darum: Der Verlierer musste dem Sieger eine Cola mit Zitrone und Eis auf den Umkleideplatz in der Kabine stellen. Und? Hat „Rafa“ das gemacht? Ja. Sagte er. Aber ohne Zitrone und Eis. Dafür war ein wenig Salz in diesem Frei-Getränk. Die Niederländer freute sich diebisch: „Ali hat getrunken und alles sofort wieder ausgespuckt . . .“ Es war dann doch wohl eher ein Pyrrhus-Sieg. Und, um das auch noch zu sagen: Das Schuss-Duell zwischen Arslan und van der Vaart wurde zwar verbissen geführt, aber trotz allem fair und stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Was davon zeugt, dass man sich im Moment (nach zwei Siegen) und mit einem neuen Kapitän bestens versteht.

Schnell noch zu einem ganz, ganz anderen Thema. Ich schreibe ja heute zum ersten Mal in dieser Woche, mir brannte in dieser Zeit immer noch die Seite 62 des HSV-live-Magazins unter den Nägeln. Da hatte sich der ehemalige Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow mit einem Leserbrief an den HSV zu Wort gemeldet. Ich fand diese Zeilen schon sehr bemerkenswert, doch irgendwie schienen sie mir doch ein wenig untergegangen zu sein. Und weil ich denke, dass dieser Brief eine größere Aufmerksamkeit verdient (gehabt hätte), möchte ich ihn hier noch einmal veröffentlichen – mit Genehmigung von Udo Bandow.

Liebe Sportfreunde, mit großem Interesse habe ich den Bericht des Aufsichtsrates über seine Arbeit gelesen. Ich stimme ihm voll zu, dass die wirtschaftliche Konsolidierung unseres Vereins höchste Priorität hat. In der Tat hat sich die wirtschaftliche Situation des HSVin den letzten drei bis vier Jahren dramatisch verschlechtert. Ich befürchte, dass der nicht durch Vermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.
Nicht nachvollziehen kann ich die Formulierung: „Oberste Prämisse sei dabei, eine sportliche Nachhaltigkeit zu garantieren und nicht die Substanz der Mannschaft entscheidend zu schwächen; es sollen nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht werden.“
Der Aufsichtsrat sollte sich hier keinen Illusionen hingeben. Wenn wir wieder einen Kader haben, der international Interesse erweckt, was zurzeit leider nicht der Fall ist, wird der Aufsichtsrat ähnlich entscheiden wie er es in anderer Zusammensetzung in der Vergangenheit getan hat. Wenn Spieler Offerten bekommen von Vereinen wie zum Beispiel Bayern München, Real Madrid oder Manchester-Vereinen, dann sind sie nicht zu halten, da sich nicht nur ihre Bezüge kräftig erhöhen, sondern sie auch die Garantie der permanenten Teilnahme in der Champions League haben, was ihre Position in den Nationalmannschaften nachhaltig stärkt.
Entscheidend ist dabei, die ausscheidenden Spieler durch qualitativ gleichwertige, jüngere und finanziell günstigere zu ersetzen. Dies ist bis zur Trennung von Dietmar Beiersdorfer recht gut gelungen.
Ich nenne als Beispiels für jüngere Spieler, die Abgänge ersetzt und später ebenfalls hohe Transfergewinne erbracht haben, nur einige Namen:
Tomas Ujfalusi, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Nigel de Jong, Jerome Boateng und Joris Mathijsen.
Ich hoffe, dass dies bei ähnlicher Konstellation auch in Zukunft gelingen möge.
Ihr Udo Bandow.

Ich habe mit Udo Bandow über diesen Brief gesprochen, er wollte aber nicht mehr ins Detail gehen – was ich verstehe. Er sagte nur noch: „Ich werde dazu keine weiteren Kommentare abgeben, es steht alles drin, es ist alles gesagt.“
Was natürlich auch stimmt, dennoch hätte ich gerne noch etwas „mehr“ gehört. Aber man kann ja auch zwischen den Zeilen lesen . . .

PS: Am Freitag wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.53 Uhr

Die Noten für die Klubführung

26. Dezember 2012

Das Weihnachtsfest 2012 ist in wenigen Stunden Geschichte, die Herren, über die nun zu lesen sein wird, sind ebenfalls Geschichte – oder sie werden es in nächster Zeit. Es geht um die Hinrunden-Bilanz, und da sind diesmal nicht die Jungs in den kurzen und roten Hosen dran, sondern jene Herren, die die Zügel in der Hand haben. Die fast frühlingshaften Temperaturen haben für eine gewisse Milde im Land gesorgt, vielleicht auch im Blog – bei mir ohnehin, denn ich werde, wenn es um die Belange des Vorstands geht, kein Wort mehr über die Vereinsführung von Februar 2003 bis ins Jahr 2011 verlieren. Das wird wahrscheinlich die meisten erfreuen, vielleicht aber wird der eine oder andere User enttäuscht abwinken, was ich über die jetzige Vereinsführung denke – und schreibe. Ich kann aber versichern, dass das, was nun folgt, meine Gedanken zu 100 Prozent sind, und dass das nichts mit dem Frühling und dessen Milde Ende Dezember 2012 zu tun hat.

Vorausschicken möchte ich schnell noch, dass ich seit der Ära von Dr. Wolfgang Klein, der HSV-Präsident von Dezember 1979 bis November 18987 war, über den Klub berichte (und schreibe). Klein ging in die Geschichte des HSV als erfolgreichster Klub-Boss ein, unter seiner Führung wurden schließlich nicht nur Meisterschaften geholt, sondern auch der Europapokal der Landesmeister gewonnen. Das ist zu 100 Prozent gut, keine Frage. Aber, und nun kommt das aber, in dieser Zeit, vor allen Dingen aus dieser Zeit konnte der HSV keinerlei Nutzen ziehen. Im Gegenteil, der HSV war erfolgreich, verkaufte aber mit diversen Häusern fast sein ganzes Klub-Vermögen. Horst Hrubesch hat es hier vor ein paar Tagen gesagt: „Während beim FC Bayern die Erfolge und das dadurch eingespielte Geld in die Mannschaft investiert wurde, profitierte beim HSV der Gesamtverein vom Geld der Europapokalsieger.“ Und weg waren die Dollars . . . Es gab also schon immer (oder schon früher) arge Finanzprobleme, das ist in diesen Zeiten nichts Neues.

Nach Wolfgang Klein waren Ernst Naumann, Horst Becker, Jürgen Hunke, Ronald Wulff, Uwe Seeler, Werner Hackmann (kommissarisch), Rolf Mares, Werner Hackmann und nochmals Ronald Wulff (kommissarisch) bis 2003 an der Spitze des Vereins. Ich schreibe das deswegen, weil ich somit etliche Präsidenten erlebt habe, mir also ein Bild machen kann, von dem, was damals so gelaufen ist – und was heute läuft.

Dass Carl-Edgar Jarchow vor eineinhalb Jahren ein schweres Amt übernommen hat, ist kein Geheimnis, dürfte jedem bekannt sein. Ich habe sie noch im Ohr, die Stimmen von jenen HSVern, die für dieses Amt infrage gekommen wären, die aber – schon bevor sie gefragt wurden – entsetzt das Weite gesucht haben, indem sie sagten: „Ohne mich, diese finanziellen Aufbauten des Klubs durchschaue ich nicht, wird niemand mehr durchschauen – das soll ein anderer machen . . .“ Jarchow wurde es, und ich habe nicht gedacht, dass er bis heute noch im Amt sein würde. Eher hatte ich befürchtet, dass er schon nach wenigen Monaten den Bettel hinwirft und ebenfalls das Weite suchen würde. Denkste. Der Mann hält durch. Tapfer, tapfer – ich sage: bewundernswert.

Wobei ich sehr wohl weiß, dass Carl Jarchow nicht jedermanns „Geschmack“ ist. In letzter Zeit aber, vornehmlich in den letzten Monaten, begegne ich immer mehr Leuten, die einst ganz anders über den heutigen HSV-Vorstandsvorsitzenden gedacht haben, als heute. Zuletzt war das in diesem Dezember der Fall, als Jarchow eine Ehrenamts-Veranstaltung des Hamburger Fußball-Verbandes besuchte. HFV-Sprecher Carsten Byernetzki und ich sprachen in einer Talkrunde etwa 30 Minuten mit Jarchow – über den HSV. Und als der Boss gegangen war, kamen drei Ehrenamtler (unabhängig vorneinander) zu mir und sagten das, was ich zuvor schon einige Male auch von „Matz-abbern „gehört hatte: „Der ist ja ganz anders, als ich gedacht habe, der ist ja sympathisch und wirkt auch kompetent auf mich.“ Ein Mann war dabei, der sogar ans „Eingemachte“ ging: „Mein Sohn schreibt im Internet in einem HSV-Forum mit, den höre ich immer nur über Jarchow schimpfen und meckern. Ich werde ihm mal sagen, was ich nun denke – Jarchow ist ein guter Mann.“

Der in meinen Augen auch so langsam wieder Grund in den HSV bekommt. Auch wenn die Zahlen etwas anderes belegen (wollen). Natürlich hat der HSV in Jarchows Ära weit über seine Verhältnisse gelebt, natürlich stehen am Ende dieses Jahres tiefrote Zahlen zu Buche, werden sie auch 2013 noch so stehen – oder vielleicht auch noch schlechter, aber: Dieser Vorstand hat es im Griff, und dieser Vorstand musste so handeln, andernfalls wäre die Gefahr riesig gewesen, dass der HSV sehenden Auges in die Zweite Liga marschiert. Ich werde Jarchow und Co auf jeden Fall stets dankbar dafür sein, dass quasi in letzter Sekunde die Reißleine gezogen wurde. Der HSV, so hat es auch (noch einmal) Horst Hrubesch gesagt, wird „nicht in dieser Saison absteigen, und auch nicht in der nächsten“. Weil im Vorstand Mut bewiesen wurde. Das war kein Harakiri-Einsatz, sondern ein dickes Muss. Denn kein Mensch konnte doch vorhersehen, dass mit Fürth und Augsburg zwei Absteiger (fast) schon feststehen. Da unten hätte auch der HSV herumkrebsen können (nach der Vorgeschichte 2011/12), und deswegen mussten Millionen, die der Klub nicht hatte, locker gemacht werden.

Nebenbei soll der „Campus“ im Volkspark gebaut werden, es wird also – quasi nebenbei – auch an der Zukunft des HSV gearbeitet, sodass man sagen kann: es tut sich was. 2015 ist, bis auf Pille-Palle-Kosten, die Arena abbezahlt, es ist also Land in Sicht. Und ich würde mich freuen, wenn Carl-Edgar Jarchow dann noch immer an der Spitze des HSV stehen würde. Wenn ich ihn mit allen Präsidenten, die vorher in diesem Amt waren, vergleiche, dann würde Jarchow von mir eine Schulnote 2,5 erhalten. Er hat ganz sicher schon viel Gutes bewirkt, auch wenn das viele HSVer wahrscheinlich nicht sehen, nicht sehen wollen.

Gleiches kann und werde ich nur über Joachim Hilke, den „Mann an seiner Seite“ sagen. Erstens wird in diesem vierköpfigen Vorstand vertrauensvoll zusammen gearbeitet, es ziehen alle Männer an einem Strang, es gibt keinen Alleinherrscher, es gibt ein faires Miteinander – und daran hat auch Hilke einen ganz entscheidenden Anteil. Ich kann wirklich sagen, dass wenn ich mich mit „Alt-Internationalen“ des HSV unterhalte, dass von zehn Leuten neun voller Lob über diese Klubführung sind, und dass alle, tatsächlich alle auch von Hilke überzeugt und begeistert sind. Mal abgesehen von dieser unsäglichen „Viagogo“-Nummer, aber das wissen längst alle – auch Joachim Hilke, dass das eine große (einmalige) Fehlleistung war. Aber die Herren, das kann man daran sehen, versuchen eben alles, um an Gelder für den HSV zu kommen, dabei wird eben auch mal über das Ziel hinausgeschossen. Abgesehen davon, dass dieser Deal im Sommer 2013 erledigt sein wird (der oder die Prozesse, die noch folgend werden, vielleicht noch nicht ganz!), hat Joachim Hilke in Sachen Finanzen bislang (seit Frühling 2011) ganze Arbeit geleistet. Und wird es auch weiterhin tun. Der Mann weiß genau, was er tut – und er ist in diesen (Finanz- und Marketing-)Kreisen ein anerkannter Fachmann. Auch er erhält von mir die Note 2,5.

Der „dritte Mann“ in diesem Vorstand ist Oliver Scheel. Der Herr für die Fans, für die Mitglieder-Belange. Kein einfacher Job, muss ich gestehen, denn die Fans erwarten viel von ihm (Rückdeckung zum Beispiel), und der Vorstand erwartet, dass er die Fans „gut im Griff“ hat, was, wie wir alle wissen, eher eine fast unlösbare Aufgabe ist. Und ich denke mal, dass diesbezüglich noch einige Dinge zu besprechen sein werden, wenn ich so an die Vorfälle in Sachen Pyrotechnik (in Düsseldorf und auch in Leverkusen) denke. Ich wünschte mir gelegentlich ein entschiedenes Wort von Scheel, wenn es um solche lebensgefährlichen Sachen geht, aber ganz offenbar will er es sich mit niemandem verscherzen. Ich sehe ein, dass das in vielen Fällen auch ein Tanz auf der Rasierklinge für ihn ist, aber dennoch darf ein HSV-Vorstandsmitglied seiner Entrüstung über ausartende Fan-Aktivitäten doch lautstärkeren Ausdruck verleihen, als das in den zurückliegenden Monaten der Fall gewesen ist. Irgendwann sollte dann auch mal Schluss mit lustig sein, so schwer es (Oliver Scheel) auch fällt. Deswegen gibt es auch nur die Note vier.

Und wer nun entsetzt war, dass ich den „Zweiten Mann“ bislang nicht erwähnt habe, dem muss ich sagen, dass ich das mit Bedacht gemacht habe. Weil Sportchef Frank Arnesen doch – auch wenn er der Zweite Vorsitzendes des HSV“ ist, irgendwie ein „Einzelkämpfer“ ist. Der Däne ist für den An – und Verkauf im Klub zuständig, und das macht er fast im Alleingang, eher aber noch mit Trainer Thorsten Fink zusammen, als mit den Vorstandskollegen. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass auch Jarchow und Hilke an „gewissen“ Verpflichtungen „mitgewirkt“ haben. Trotz allem steht Arnesen für die sportliche und personelle Seite der Klubführung, und da der ehemalige dänische Nationalspieler im Sommer verschiedentlich und teilweise auch recht rustikal „angeschossen“ worden war (auch von den Medien, keine Frage, aber nicht nur von ihnen!), muss man nun, nach einem halben Jahr, feststellen, dass Arnesen nicht schlecht gearbeitet hat.

Die meisten Einkäufe tragen das Prädikat „gut“, der Alleingang von Arnesen, der unter dem Namen „Adler“ läuft, wird sogar „Weltklasse“ genannt. Und da mit dem Karlsruher Hakan Calhanoglu bereits der nächste „Hammer“ feststeht, ist vieles von dem, was Frank Arnesen zu erledigen hatte, aufgegangen. Trotz aller Kommentatoren-Tätigkeit während der EM 2012, trotz der Tatsache, dass er nicht jeden Spieler, der zum HSV kommen sollte (weil Thorsten Fink ihn haben wollte), gekommen ist. Schlechter bewertet werden muss an der Tätigkeit von Arnesen, dass er den HSV mit einem viel zu großen Kader in die Saison starten ließ. Das kostet! Jetzt wird sich zeigen, ob der Däne auch das Handwerk des Verlaufens versteht, denn der HSV-Kader muss dringend, händeringend abgespeckt werden, um an den Finanzen positiv zu arbeiten. Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob es Frank Arnesen zufriedenstellend gelingen wird, die HSV-Spieler, die „über“ sind, auch tatsächlich an einen anderen Verein bringen kann und wird. Deswegen auch erst einmal nur eine vorsichtige Note 3,5.

Letzter in diesem Bunde ist der Trainer. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass Thorsten Fink sich damit schwertut, in Hamburg anzukommen. Diese Skepsis zog sich bis in diese Saison hin. Nach dem verkorksten Start allerdings, als es dann bergauf ging, da war für mich der Fink „voll“ da. Ich habe zuvor immer auch zu mir gesagt: „Okay, der Mann kommt vom großen FC Bayern, der ist ganz anderes gewöhnt, der schwebt immer noch in viel, viel höheren Sphären – und kann sich mit den Hamburger Verhältnissen immer noch nicht so recht anfreunden.“ Vielleicht hat dieser Umstellungsprozess ein wenig länger gedauert, als es der Coach wollte – vielleicht. Zumal die Bundesliga ja für ihn als Trainer ebenfalls Neuland war. Ich habe jetzt aber das Gefühl, dass Thorsten Fink Hamburger geworden ist, und dass er mit diesem HSV (seinem HSV?) noch einige wird bewegen können. Er war als Spieler, bereits in Wattenscheid, immer einer, der die Ärmel hochgekrempelt und zur Sache gegangen ist, das wird er nun auch hier im Volkspark zeigen.

Wenn man ihn denn machen lässt. Da aber der Klub in den nächsten Jahren absolut auf Kontinuität setzen will und wird (der „Fall Oenning“ schmerzt den Oberen immer noch sehr, das weiß ich!), dürfte sich an der Position des Trainers auf absehbarer Zeit nichts ändern – nicht einen Millimeter. Und das ist gut zu wissen, wir alle! Nicht nur für die Spieler, aber auch. Es sei denn, Fink begeht noch einige Fehler jener Art, sich über die zu lange Bahnfahrt in den Westen zu beschweren. Das, und das kann ich aus erster Hand sagen, das gefiel der Klubführung nicht wirklich gut, und ich kann nur hoffen, dass das auch der Coach inzwischen weiß.

Was ich Fink als Medienmann noch hoch anrechnen muss: Trotz aller schlechten Zeiten, die es während der Fast-Abstiegssaison durchaus gab (und nicht nur da!), ist der Trainer nicht ausgeflippt, nie laut geworden, hat sich nie lautstark (über eine eventuell zu harte Kritik) beschwert. Kompliment, Her Fink, das als ehemaliger Star des FC Bayern – das ist klasse. Und souverän. Das haben wir in Hamburg auch schon ganz anders erlebt, ich könnte da aus der Schule plaudern . . . In diesem Punkt darf Thorsten Fink durchaus so weitermachen, er bekommt von mir das Zwischen-Zeugnis 3,5.

Schnell noch ein kurzer Schwenk zum immer noch viel zu großen Aufsichtsrat. Es gab, das ist schon Tradition, so manche Turbulenzen, vor allen Dingen um den Rücktritt von Ernst-Otto Rieckhoff, doch auch das hat der Klub verdrängt und überstanden. Die große Bewährungsprobe wird im nächsten Jahr kommen, wenn dieser Rat eine neue Zusammensetzung erhält – eine Ansammlung von Fans. Ich denke, dass es dann ganz leicht wieder zu mehr Turbulenzen kommen wird, kommen könnte. Die Zeiten, als ein Udo Bandow den ganz Laden bestens im Griff hatte, sind vorbei, aber sie könnten dann – trotz des gelegentlichen Ärgers im Verrat – zum Vorbild genommen werden, wie man es dann doch besser machen sollte. Ich bin gespannt. Sehr gespannt sogar. Und gebe diesem HSV-Aufsichtsrat, bei dem ich den Verlust von Alexander Otto, sehr, sehr bedauere, die Note (gerade noch) vier.

Insgesamt, so denke ich, befindet sich der HSV aber doch wieder auf einem guten Weg der Besserung. Diese Prognose wage ich einmal. Und ich kann alle Skeptiker beruhigen, ob Joachim Hilke und Carl-Edgar Jarchow wirklich die richtigen Männer an der Spitze sind: Beide Herren waren in diesem Herbst zu Gast bei „Matz ab live“, und wer sie (einer sah die Düsseldorf-Pleite, der andere das Leverkusen-Debakel) dabei „abgehen“ sah, wie sie mitfieberten, wie sie gestikulierten, wie sie schrien, wie sie voller Entsetzen aufsprangen und ihre Hände vor das Gesicht schlugen, der weiß, dass da nicht irgendwelche „coole Geschäftsmänner“ (oder Politiker – wie Jarchow), die dem Klub rein zufällig über den Weg gelaufen sind, am Werke sind, sondern HSVer durch und durch. „Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans“, sagte Carl-Edgar Jarchow im Schnelsener „Champs“ (unserem Übertragungs-Restaurant) zu mir, als ich ihm erstaunt sagte, dass ich ein solches Mitgehen weder von ihm noch von Hilke erwartet hätte.

„Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans.“ Welch ein schöner Abschluss dieser Bilanz.

So, nun bin ich für den “Zweeiten” durch, ich möchte aber nicht vergessen, für die immer noch so zahlreich kommenden Weihnachtswünsche an Frau M. und mich zu bedanken. Ihr seid schon klasse. Extraklasse!
Ein kleines Gedicht aus dieser Reihe habe ich schnell noch, auch dafür ganz herzlichen Dank (heute angekommen):

Lieber guter “Matze-Mann”

Du schreibst hier an den Weihnachtsmann
er möge den HSV beglücken
und wieder an die Spitze rücken
er soll besorgen die Millionen
die sich dann wohl doch nicht lohnen….
in Säcken soll die Kohle liegen
denn die Profis möchten fliegen
denn das ist ein Hochgenuss
statt eine Fahrt mal mit dem Bus
Wie gerne denke ich an Zeiten
als die Spieler konnten Freude bereiten
da waren die Fans euphorisiert
weil auf dem Rasen was passiert
heute muss es ein goldener Teppich sein
und die Spieler treten doch drauf ein

Ach, so früher am Rothenbaum
das war schön anzuschauen
die Spieler kamen in bescheidenen Wagen
über Nichtigkeiten gab es keine Klagen
Im Volkspark gab es zumindest Fussball pur
heute höre ich über Geld und Skandale nur
Während heute schon die Pässe “kranken”
gab` s für Uwe von Charly präzise Flanken
Keegan dieser Wirbelwind
war der Liebling ganz geschwind
dann allmählich krankte es immer mehr
viele Trainer mussgen her
doch statt Europa und Pokal
spielte man Durchschnitt und banal
So mancher kam betrogen sich vor
wechselte beispielsweise ans Millerntor….

Während heute viele in Erinnerungen träumen
und vor Wut oft überschäumen
nimmt Gewalt und Überfluss seinen Lauf
keine Fairness, man haut nur auf die Gegner drauf
Ach Dieter, und Du lieber Weihnachtsmann
wie man das nur aushalten kann
Vielleicht hat der Weihnachtsmann statt Geld
Ideen, zur Hilfe dieser Fussball-Welt
z.B. mal im Umland schauen
und mehr auf Talente bauen
Gehälter nach oben begrenzen lassen
die Stars könnten`s wohl kaum fassen.

Kurzum, glauben wir wieder an das Gute
der Weihnachtsmann lässt stecken seine Rute
Wir sind mit Mittelmass nur dann zufrieden
wenn Fans sich nicht mehr so “bekriegen”
Fussball pur, Fairness ohne Ausschreitungen
keine Übertreibungen in den Zeitungen
Und für Dieter schöne HSV-Spoiele auf grünem Rasen
klappt es nicht, frag` nach Verstärkungen den Osterhasen….!

Ganz liebe Grüße aus Hasloh! Dein “Backhus”-Kollege Jörn K.

17.19 Uhr

Turbulenzen in der Luft – und im Volkspark

11. Dezember 2012

Hamburg hat sie wieder – die HSV-Profis. Um 7.23 Uhr am frühen Dienstag ist die HSV-Mannschaft in Fuhlsbüttel aufgeschlagen – mit leichter Verspätung. Weil es schon in Brasilien mit einer Stunde später losging. Eine Halbe Stunde wurde bis zur Zwischenlandung in Dakar aufgeholt, zum guten Schluss waren es dann noch 23 Minuten. Schwamm drüber. Der HSV hat mit diesem Kurz-Trip Geld gemacht, und er hat mit seiner B-Mannschaft auch gut gegen Gremio Porto Alegre ausgesehen – trotz der 1:2-Niederlage. Und nun geht es mit der A-Mannschaft am Sonnabend gegen und in Leverkusen weiter. Der Jahresabschluss. Ein ganz besonderer für Rene Adler, der seinen Ziehvater, Rüdiger Vollborn, den ehemaligen Bayer-Keeper, wieder sehen wird. Und nicht nur ihn, Und alle werden sie in der BayArena sehen, wie super sich der HSV-Schlussmann wieder entwickelt hat. Ich muss dabei immer noch an das Lob denken, dass der ehemalige Aufsichtsrat des HSV, Frank Mackerodt, bei „Matz ab live“ über Adler gesagt hat: „Er hat uns in dieser Hinserie mindestens schon acht Punkte geholt und gerettet.“ Stimmt. Mindestens acht. Und damit kann er in Leverkusen gerne weitermachen. Noch einmal drei – das wäre ein prächtiger Jahresabschluss.

Um noch einmal kurz auf die Rückreise von Porto Alegre zu kommen. Es gab nach der Zwischenlandung (und dem Auftanken) in Dakar das Startzeichen zum Schlafen (von Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen angeordnet), doch daraus wurde bei einigen Spielern nichts – denn es gab doch einige kleinere (gelegentlich auch größere) Turbulenzen.

Die gab es heute auch noch im Volkspark – aber dazu komme ich gleich noch. Erst einmal noch zu zwei nicht unwichtigen Personalien. Milan Badelj, der sich im Spiel gegen Hoffenheim eine leichte Muskelverhärtung eingefangen hatte, hat heute im Volkspark mit Reha-Trainer Markus Günther gearbeitet, und so wie es zurzeit aussieht (also Stand jetzt!), wird der „Ordnungsdienst“ im HSV-Mittelfeld am Sonnabend in Leverkusen aufdribbeln können. Was ja nicht ganz so unwichtig wäre. Und dann noch zu Maximilian Beister. Er ist heiß. Dafür haben wohl auch – oder vor allem – seine ersten beiden Bundesliga-Tore gesorgt. „Maxi“ will, aber bevor er darf, hat Trainer Thorsten Fink gesagt, wird es noch einen Vier-Augen-Unterhaltung zwischen dem Coach und dem Angreifer geben. Fink will wissen, ob es auch tatsächlich geht. Nicht dass Beister aus falschem Ehrgeiz zu viel riskiert und die Verletzung (ein leichter Muskelfaserriss) dann erst recht und viel schlimmer aufreißt.

Und nun zu den heutigen Turbulenzen beim HSV. Stichwort „Viagogo“. Für viele HSV-Fans ein rotes Tuch, das sich jetzt aber wohl erledigt hat. Man trennt sich. Nicht im beiderseitigen Einvernehmen, wie es sonst immer so schön (und in die falsche Richtung deutend) heißt, sondern im Streit. Es soll sogar noch Ärger folgen, es könnte noch ein gerichtliches Nachspiel haben – diese Vernunfts-Ehe. Der HSV erklärte die heutige Trennung mit den folgenden Sätzen:

Nach intensiven Gesprächen mit der Mitgliedschaft kündigt der HSV den Vertrag mit Viagogo zum 31. Juli 2013 und erhöht die Dauerkartenpreise zur Saison 2013/14.
Der Vorstand des Hamburger Sport-Vereins wird das in der Mitgliedschaft umstrittene Vertragsverhältnis mit der Ticketbörse Viagogo zum nächstmöglichen Zeitpunkt am 31. Juli 2013 beenden. „Es war wichtig, zu diesem Thema den Dialog mit Vertretern der Mitgliedschaft zu suchen”, sagt Marketing-Vorstand Joachim Hilke.

Um einen wirtschaftlichen Ausgleich zu schaffen, werden die Dauerkartenpreise zur Saison 2013/14 erstmals seit fünf Jahren angehoben. „Der Vorschlag zu dieser neuen Preisstruktur kam aus dem Fanlager”, so Oliver Scheel, Vorstand für die Belange der Mitglieder. Dabei werden auch die Mitgliederrabatte über alle Preiskategorien auf einheitlich 20 Euro angepasst. „Ich bin überzeugt, dass wir jetzt gemeinsam eine Lösung gefunden haben, die allen zu vermitteln ist”, sagt Supporters-Vorsitzender Ralf Bednarek.

Die „Gegenseite“ reklamierte allerdings für sich, die Trennung herbeigeführt zu haben. Welche von beiden Versionen ist wohl die richtige?

Der britische Ticketanbieter hat dem HSV gekündigt. „Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, weil sich unsere Ansprechpartner beim HSV von Beginn des Vertragsverhältnisses an nicht an die wesentlichen Punkte des Vertrages gehalten haben”, teilte Viagogo am Dienstag mit. „Wir bedauern diesen Schritt sehr, schließlich ist der HSV ein großer, traditionsreicher Verein mit einem großen Stadion und tollen Fans und wir waren stolz darauf, diese Partnerschaft einzugehen.

Der HSV hatte erst im September einen Zweijahresvertrag mit der Ticketplattform abgeschlossen. Der Verein erhielt dafür ein sogenanntes Signing Fee in sechsstelliger Höhe, die Summe beläuft sich auf 800 000 Euro. Der HSV sollte dem Online-Portal 1500 Karten pro Spiel zur Verfügung stellen. Nach der Vereinbarung hätte mit offizieller Zustimmung des Vereins jeder Kartenbesitzer, also auch Inhaber von Tickets auf der Nordtribüne, Karten mit einem Aufschlag bis zu 100 Prozent bei Viagogo verkaufen können.

Das rief den Zorn vieler HSV-Fans hervor, es wurde lautstark protestiert und gefordert, dass dieses Geschäft sofort wieder gekündigt werden sollte. Nun ist Viagogo dem HSV wohl zuvor gekommen. Die AG betont allerdings ausdrücklich, die Kündigung habe nichts mit der Kritik der HSV-Fans zu tun. „Im Gegenteil, das Geschäft mit den HSV-Tickets hat sich als eines der attraktivsten Angebote in der Bundesliga erwiesen, das von vielen Fans genutzt wurde. Die Gründe für die Kündigung liegen vielmehr einzig in der Nichteinhaltung des Vertrages”, teilte Viagogo mit.

„Es geht ja dabei nicht darum, welche Version die richtige ist, unsere oder die von Viagogo. Wir haben gesagt, dass wir so schnell wie möglich und zum frühest möglichen Zeitpunkt aus diesem Vertragsverhältnis wieder aussteigen wollen und werden, wir haben uns deshalb sofort auch um eine neue Eintrittskarten-Struktur bemüht. Viagogo hat das gewusst, deswegen nun diese Erklärung“, sagt HSV-Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow dazu.

Nun bin ich mal gespannt, ob diese Trennung noch eine „Schlammschlacht“ nach sich ziehen wird. Zu befürchten ist es. Aber gut, der HSV hat schon Schlimmeres überstanden. Und in diesem Fall sind die Fans wohl sicher auf der Seite des Vereins, denn sie konnten ja von Anfang an nichts mit diesem Via-Nogo-Deal anfangen. Hat sich nun erledigt, wenn auch erst im Sommer 2013.

So, und dann gab es heute noch über die DPA (Deutsche Presse-Agentur) einen interessanten Artikel über eine zurzeit ganz wichtige HSVer. Da ich nicht glaube, dass die hiesigen Zeitungen diesen Bericht abdrucken werden (weil zu lang), stelle ich ihn hier nun einmal rein. Es geht um ein brisantes Thema, das uns zuletzt alle beschäftigte. Nicht zuletzt bei den Spielen, die so richtig stimmungsvoll erst nach 12:12 Minuten begannen. Hier der DPA-Bericht über Philipp Markhardt, der zugleich einer der sieben Autoren des HSV-Buches “Kinder der Westkurve” ist:

Philipp Markhardt kann sich noch genau an sein erstes Mal erinnern. Anfang der 1990er Jahre nahm ihn sein Vater mit ins Hamburger Volksparkstadion. Der HSV unterlag Wattenscheid 09 mit 0:1. Trotz der Niederlage war dies der Startschuss für eine leidenschaftliche Karriere als Fußball-Fan. „Normalerweise bindet so ein Kick niemanden an einen Verein“, sagte Markhardt der Nachrichtenagentur dpa. An jenem Tag erregte ohnehin nicht so sehr das Spiel die Aufmerksamkeit des damals 11-Jährigen. „Ich habe fasziniert auf die Fankurve geschaut. Da wurden auch die einen oder anderen Bengalos gezündet“, erinnerte sich der bekannteste deutsche Ultra.

Als Sprecher der Organisation „ProFans“ und der Protestaktion „12:12“ ist Markhardt die zentrale Figur der Fans und ihrer Ablehnung des Sicherheitskonzeptes der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er ist das Sprachrohr von circa 50 deutsche Ultragruppen, die in der heftig geführten Sicherheitsdebatte eine Gefahr für ihre Fankultur sehen. Sie hoffen, dass die Vertreter der 36 Proficlubs am Mittwoch auf der Mitgliederversammlung in Frankfurt/Main das umstrittene Konzept nicht verabschieden oder zumindest die Entscheidung vertagen.

Obwohl das Konzept bereits überarbeitet wurde, lehnen Markhardt und die Fan-Organisationen das Papier ab. Auch von Vereinsseite des HSV bestünde noch Kritik: „Es hat sich nicht viel geändert, da ist es logisch, dass die Clubs das nicht einfach abnicken.“ Doch nicht nur die Hamburger Club-Verantwortlichen äußerten Zweifel. Eine Reihe von Vereins-Vertretern kritisierten vor allem den Zeitpunkt zur Abstimmung.

Das Thema Ganzkörperkontrollen erregt bei den Fans ganz besonderen Missmut. „Das neue Papier enthält zwar das Wort Vollkontrollen nicht mehr, dennoch findet man weiterhin Umschreibungen, die letzten Endes darauf hinauslaufen. Solche Kontrollen greifen zu sehr in die Persönlichkeitsrechte aller Fans ein, weswegen wir das Entkleiden weiter kategorisch ablehnen“, erklärte Markhardt.

Mit bundesweiten Demonstrationen und der beispiellosen Protestaktion „12:12“ an drei Spieltagen hintereinander haben die Ultras im Vorfeld des Termins medienwirksam auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht und ein noch nie dagewesenes Echo erzeugt. „Viele Ultras wollen eigentlich nicht mit den Medien sprechen“, betonte Markhardt, „doch ich erachte es als sinnvoll, die Medien für uns nutzen. Für mich war das ohnehin kein Problem, ich arbeite in einer PR-Firma.“ Dass Markhardt ständig in Sachen Fußball und HSV unterwegs ist, und Ultras in der öffentlichen Wahrnehmung ein „Böses-Buben-Image“ besitzen, stört seinen Chef nicht. „Der ist selbst HSV-Fan und zusammen mit mir im Europapokal auswärts mitgefahren“, offenbarte Markhardt.

Bevor sich der 32-Jährige in Fan-Organisationen engagierte, ging er als „normaler“ Fan ins Stadion. Die erste HSV-Dauerkarte kaufte er sich 1993. „Die war allerdings an schulische Leistungen geknüpft“, bemerkte er. Drei Jahre später schloss er sich dem HSV-„Supporters-Club“ an und reiste fortan auch auswärts mit. Dem Fanclub „Chosen Few“ trat er 1999 bei, stieg nur ein Jahr später zum führenden Mitglied auf und ist es noch heute. „Damals spielten Ultras noch überhaupt keine Rolle. Den Gruppen gehörten keine 100 Mann an“, erinnerte er sich.

Um die Jahrtausendwende verloren die Hooligans in Deutschland an Bedeutung, und der Fokus der Polizei richtete sich vermehrt auf die aufkommende Ultrabewegung. „Die Polizei beging damals den Fehler, das auf die Hooligans zugeschnittene Konzept ’Sport und Sicherheit’ auf die Ultras anzuwenden“, meinte Markhardt. Das habe zu Spannungen zwischen der Polizei und den Ultras geführt, die sich bis heute gehalten hätten. Er moniert das ruppige Verhalten vieler Beamter gegenüber den Ultras. Dazu fällt ihm der Satz ein: „Behandle Menschen wie Tiere und sie werden wie welche.“

Für die Zukunft hofft Markhardt, dass sich das Verhältnis zwischen den Ultras und den Verbänden samt Vereinen entspannt. „Ich hoffe die DFL hält Wort und lässt den Worten Taten folgen“, sagte er mit Blick auf eine weitere Zusammenarbeit, „wir setzen jedenfalls auf den Dialog.“

Und dann gibt es da noch einen Bericht von einem Hamburger, der sich mit der HSV-Anleihe befasst. Jens A. aus Berlin schreibt:

Fan- oder Subkultur?

Über den Umgang von Bundesligisten mit ihren Anleihekäufern!

Geboren und aufgewachsen in Hamburg verfolge ich aus Berlin immer mit Sympathie die Spiele der Hamburger Bundesligisten. Mit beiden Vereinen verbinde ich sehr gute Erinnerungen. In der Nähe des Volksparkstadions (das wird es wohl immer für mich bleiben, wie heißt die Arena derzeit noch?) habe ich die Jugend verbracht. Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Herr Bandow hat mir und den anderen Azubis bei der Vereins- und Westbank regelmäßig Mut gemacht, dass man auch mit einer Fünf in Mathe immer noch Vorstand einer Bank werden könne. Außerdem hat er meinen Respekt, da er auch im höheren Alter und hoher Position sich immer noch für die Fußball- Betriebsportmannschaft angeboten und zeitlich frei gemacht hat. Den Mythos St. Pauli hingegen konnte ich durch meine aktive Zeit in deren Jugendmannschaften hautnah erleben. Insbesondere durch Seppo Eichkorn und Helmut Schulte habe ich zu schätzen gelernt, dass Professionalität und Beibehaltung einer Vereinskultur keine gegensätzlichen Inhalte darstellen.

Keine Frage also, wenn einer dieser Vereine Fan-Anleihen herausgibt, dann gehören die Schmuckurkunden in unser Besprechungszimmer gehängt: Für uns als Vermögensverwalter die ideale Verbindung unseres sportlichen Interesses und der Geldanlage.

Die persönliche Abholung der Urkunden bleibt mittels der dankbaren Vor-Ort-Unterstützung meiner Mutter auch aus der Ferne organisierbar.
Überraschend ist aber dann doch, wie unterschiedlich die Ausgabe der Fan-Anleihen von den beiden Vereinen organisiert wird:

Am Millerntor ein gut organisiertes Fan-Fest mit unentgeltlicher Versorgung mit Kaltgetränken, Würstchen, Kaffee, Kuchen. Mittendrin Spieler des Kiez-Clubs im Gespräch mit den kleinsten Kreditgebern des Vereins und Zeit für gemeinsame Fotos (Mama ist immer noch stolz auf das Bild mit dem gefühlt vier Köpfe größeren Pauli-Keeper Tschauner) und Unterschriften auf den Schmuckurkunden. Insgesamt besitzt die ganze Veranstaltung die Atmosphäre eines großen Events, hier ist man willkommen. Die nächste Zeichnung wieder mit uns!

Da ist die Vorfreude auf die Urkundenübergabe beim HSV doch gleich viel größer! Zudem im Anschreiben für die Rautenfreunde eine professionelle Beschreibung des Ablaufes erfolgt, mit dem Hinweis, dass auch für das leibliche Wohl gesorgt wird und dass auch Spieler für Unterschriften und Fotos da sein werden.

Vor Ort dann aber Ernüchterung: Die Übergabe steril, über viele Räume verteilt und unübersichtlich. Ach ja, das leibliche Wohl ist gesichert: Der Cappuccino für EUR 3,00, drei kleine Pfannkuchen zu EUR 3,50. Stellt man sich das als Fan so vor? Insbesondere nach der Ankündigung? Die armen Servicekräfte verstehen die Rückfragen, warum dass bei St. Pauli so anders war. Aber auch sie haben für ihre Sechs-Stunden-Schicht nur ein Getränk und einen Snack frei.

Doch Rafael van der Vaart ist da und gibt Unterschriften. Wo denn? Da hinten im Nebenraum, wo die Wartenden anstehen. Einmal vorsichtig an der Schlange vorbeigegangen, um die Wartezeit einzuschätzen: Oh, da stehen aber viele an. Ein netter Mann, der die Hälfte des Wartens schon hinter sich hat, gibt Auskunft. Bislang wartet er 45 Minuten. Also eine und eine halbe Stunde Anstehen für eine Unterschrift? So viel Fan sind wir dann doch nicht. Das Fazit der Veranstaltung: Sicherlich eine verpasste Chance für die Blauen, etwas für die Verbindung zu ihren Anhängern und kleinen Geldgebern zu machen. Oder einfach nur eine professionellere Sichtweise? Schließlich kann man sich durch das entgeltliche Sorgen für das leibliche Wohl schon einen Teil der Zinsausgaben wieder hereinholen. Die nächste Anleihezeichnung? Eher ohne uns…

In meinem Studium habe ich gelernt, dass ein zufriedener Kunde ca. einem bis zwei Bekannten diese Dienstleistung oder dieses Produkt empfiehlt, ein unzufriedener Kunde aber ca. fünf bis sechs Bekannte über seine Verärgerung informiert. Ich stelle an mir fest, dass mein Bedürfnis über die Erfahrungen im Volkspark zu berichten tatsächlich deutlich höher ist, als über die Begeisterung am Millerntor. Komisch!

Dennoch werde ich auch zukünftig den Fußballvereinen meiner Heimat die Daumen drücken! Aber vielleicht kann das Prozedere beim bisher erfolgreicheren Verein im Umgang mit den Fans und Sympathisanten ja doch noch einmal überdacht werden…?

So, nun bleibt mir nur noch auf das Training am Mittwoch hinzuweisen. Es findet um 15 Uhr an der Arena statt.

Einen aber habe ich noch, versprochen ist versprochen. Es geht um zwei großartige und einzigartige HSV-Bücher, die noch vor Weihnachten an ihre neuen Besitzer übergehen werden. Der bekannte Hamburger Sporttograf Thomas Metelmann und der Kollege und Buchautor Hans Vinke haben nun das Buch “Mythos HSV” herausgebracht. Darin wird die Geschichte des HSV seit der Gründung im Jahre 1887 in Bildern (Fotos) gezeigt. Ein tolles Werk, das das Klubleben des Universalsportvereins HSV mit hervorragenden Fotos zeigt. Einmalig an diesem Buch ist, dass Fotograf Otto Metelmann und sein Sohn Thomas die Geschehnisse um den HSV seit über 65 Jahren aus nächster Nähe dokumentiert haben. Sie setzen mit ihren Fotos dem “Mytos HSV” ein einmaliges Denkmal.
Ich habe den großen Otto Metelmann selbst noch am Rothenbaum erlebt. Es ist heute noch ein kleines Wunder für mich, dass es alle Schiedsrichter geduldet haben, dass der Fotograf (mit dem langen, meines Wissens auch bunten Loden-Mantel) immer direkt neben dem Pfosten stand – gerade so, als wäre er ein zweiter Pfosten. Gelegentlich traf ihn dann auch ein Schuss des Gegners – was natürlich ein höhnisches Gelächter der Fans zur Folge hatte.

Wer sich nun um eines der beiden Bücher bemühen möchte, der sollte bis zur Nacht von Sonnabend auf Sonntag (Mitternacht) folgende Frage beanwtorten (entweder in der Gewinnspieladresse, oder bei Matz ab):

Welche HSV-Spieler wurden im letzten Bundesliga-Aufeinandertreffen mit dem VfB Leipzig ausgewechselt?

18.01 Uhr

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