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Rajkovic ist wieder da – der Erfolg noch nicht

13. November 2014

Aus eigener Kraft, das wird seit Monaten immer wieder deutlich, schafft es der HSV nicht. Nicht diese Saison – und wahrscheinlich auch in der nächsten noch nicht. Und damit meine ich eine Verbesserung der finanziellen Situation. Denn die wird dem langjährigen HSV-AR-Vorsitzenden Udo Bandow zufolge erst dem sportlichen Erfolg folgen. Nicht andersrum. Womit er sicher Recht hat. Bleibt also die Frage nach dem Wie? Und auf diese Frage gibt es sicherlich keine Lösung – aber eine Antwort, einen Weg: Ruhe bewahren und den Trainer das Beste aus der Mannschaft holen lassen. Das ist zumindest das, was dieser HSV aktiv am stärksten beeinflussen kann. Dass es damit allein noch lange nicht getan sein wird, wissen sie beim HSV. Das wissen wir wahrscheinlich alle. Daher laufen auch weiterhin Gespräche mit möglichen Sponsoren – und vor allem mit potenziellen strategischen Partnern. Letztere allerdings sehr zäh.

Lars hat Euch gestern (wie auch Kai im Printbereich) wie immer äußerst detailliert den Status Quo in Sachen Finanzen aufgezeichnet. Darin kam auch das oben erwähnte Bandow-Zitat vor, dem ich komplett zustimmen mag. Denn so lange der HSV keinen außergewöhnlich großzügigen Sponsor oder Investor findet, der mit einem Schlag Schulden tilgt und zugleich Gelder für neue Spieler zur Verfügung stellt, wird personell nicht viel passieren können. Und damit bin ich wieder bei meinem Blog vom Dienstag, in welchem ich versucht hatte, aufzuzeigen, dass zum einen in der Mannschaft – aber eben noch deutlich mehr im Umfeld Steigerungspotenzial vorhanden ist. Und fassen wir die letzten beiden Blogs zusammen, kommt dabei eine logische Kette heraus:


Der HSV muss endlich zusehen, dass er dem Trainer und der Mannschaft die Rückendeckung bietet, die alle brauchen, um in Ruhe zu arbeiten. Denn bis sich in Hamburg wieder technisch und taktisch guter Fußball einstellt, wird es (normal und ohne große Investoren etc.) noch eine ganze Weile dauern. „Ich wusste ja, dass es hier in Hamburg schwierig würde, wenn man mich mal zurückholen würde“, hatte Beiersdorfer beim Amtsantritt nicht nur gescherzt. Er wusste damals, dass bei seinem HSV etliche Felder brach liegen und dass der Verein strukturell aus den Angeln gehoben war und er von seinen Vorgängern einen sportlich fruchtlosen Boden erbte.

Deshalb stellte er personell um. Erst mit Bernhard Peters im Jugendbereich, dann mit Peter Käbel im sportlichen Bereich. Beiersdorfer überlässt möglichst wenig dem Zufall und holt sich für jeden Bereich, den er selbst nicht zu 100 Prozent abdecken kann, den aus seiner Sicht bestmöglichen einen Spezialisten. Auch wenn es etwas mehr kostet, was auf unseren Ex-Blogschreiber Christian Pletz nicht zutrifft. Dennoch ist Pletz’ Aufgabe eine außerordentlich verantwortungsvolle. Der vielleicht schlechteste Innenverteidiger aller Hamburger Kreisligen soll sich nämlich um die interne Kommunikation kümmern. Was nicht weniger ist, als sämtliche Handlungsabläufe zu optimieren. Pletz streift einige Zeit durch alle Abteilungen und schaut sich an, wo es Verbesserungspotenzial gibt, wo Fehlerquellen liegen und wer welches Aufgabengebiet wie abdeckt. Und wenn man die letzten Jahre als Grundlage nimmt, wo sich wirklich jeder Amtsträger im Klub plötzlich zu jeder Thematik äußern wollte/musste oder einfach tat, steht der Buchautor vor einer Mammutaufgabe.

Denn nach der Demission Beiersdorfers 2009 ging es los. Aus dem bis dahin fantastisch erfolgreich arbeitenden Duo Hoffmann/Beiersdorfer blieb nach internen Machtkämpfen nur noch Erstgenannter übrig. Und der versuchte sich in sportlichen Aufgabengebieten, die er nicht ausreichend beherrschte. Als das seine Gegner mitbekamen wurde mächtig schnell und viel Politik gemacht und vom „Alleinherrscher Hoffmann“ als Angst einflößender Vorstandsboss gesprochen. Ein Vorwurf, den Hoffmann trotz aller Mühen nie gänzlich abzulegen vermochte und der ihm am Ende neben einigen sportlich und finanziell schlechten Entscheidungen seinen Job kostete. Dass dann aus diesen Gegnern nun genau das wurde, was man gerade dachte abgewählt zu haben, war die gnadenlose Fortsetzung einer schlechten Tendenz, die den HSV am Ende nur mit Glück die Klasse erhalten ließ.

Plötzlich haschten ausgerechnet Hoffmanns Kritiker nach Profil und Aufmerksamkeit. Der HSV hatte Aufsichtsräte, die sich letztlich über das Wohl des Vereines stellten, die schwache Leute an die Spitze stellten und sogar einen nur kurze Zeit später teuer geschassten Manager freikauften. Kurzum: Aus einem „profilneurotischen Alleinherrscher“ erwuchs ein ganzer Rat voller Profilneurotiker mit schlechten Ideen und noch schlechteren Umsetzungen. Das Beste daran war, dass die inzwischen zurückgetretenen Kontrolleure damit all den Befürwortern einer lange notwendigen Strukturreform täglich hektoliterweise Wasser auf die Mühlen spülten und damit den Weg für genau die Umstrukturierung freiräumten, den sie niemals gehen wollten. Übrigens, und damit schleißt sich dieser Kreis wieder, genau den Weg, den Hoffmann in seiner Amtszeit bereits durchsetzen wollte, bevor er scheiterte.

Pletz ist nun also derjenige, der sich intern darum kümmern soll, dass allen Amtsträgern klar wird und bleibt, was ihr Kernaufgabengebiet ist. Dafür trägt er alle Handlungsabläufe in einem Buch zusammen. Ein Wegweiser für Mitarbeiter sozusagen. Das hat er vorher ebenso für die weltweit agierende Fußballabteilung des Milliardenunternehmens „Red Bull“ gemacht wie für einen Bundesligisten. Und jetzt steht er beim HSV vor einer Mammutaufgabe, die ich Euch gern in Gänze vorstellen möchte, sobald Pletz dazu bereit ist.

Apropos: Wieder bereit und ein unmenschlich viel besserer Innenverteidiger als Pletz ist Slobodan Rajkovic. Der Serbe, der seit Monaten so hart an seinem Comeback arbeitet, dass er von Trainern wie Medizinern Bestnoten in Sachen Fleiß, Durchhaltevermögen und Willen erhielt, feierte gegen den SC Victoria am Mittwoch sein Comeback auf dem Platz, als er in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde und 45 Minuten spielte. „Das war ein richtig schöner Moment“, so Boban, der schon in der vergangenen Woche beim Testkick spielen sollte, aber vorsichtshalber und auf eigenen Wunsch doch noch mal aussetzte. „Zu spüren, dass man fit ist, dass der Körper wieder bereit ist, das ist super“, freut sich der bullige Linksfuß. Dennoch traue er sich selbst noch nicht ganz. „Beim letzten Mal hatte ich ein ähnliches Gefühl und habe es vielleicht um ein paar Wochen überstürzt. Diesen Fehler mache ich jetzt nicht mehr. Ich weiß, dass ich noch viel arbeiten muss, bis ich in der Bundesliga mein Comeback feiern kann. Aber ich habe die Geduld dafür.“

Es werde ihn noch einige Spiele kosten, das weiß Rajkovic. Dennoch hat er das Ziel, mit Einsätzen in Testspielen („möglichst viele gegen gute Gegner“) sowie bei Spielen der U23) Matchpraxis zu sammeln, ehe er auf die ganz große Bühne zurückkehrt. Wann das sein soll? „Am besten noch vor der Winterpause“, antwortet Rajkovic, der nach eigener Aussage nie Zweifel am Comeback und noch nicht über seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nachgedacht hatte. „Das ist kein Thema für mich. Ich habe andere, größere Aufgaben direkt vor mir. Der Rest ist Sache des Vereins.“

Und der weiß noch nicht, was er mit Rajkovic machen will. Noch weiß niemand, wie gut Rajkovic den Kreuzbandriss und die Reha überstanden hat. Obgleich er bislang einen sehr guten Eindruck hinterlässt, wie Zinnbauer sagt: „Boban wirkt frisch, heiß. Das sieht gut aus.“ Dennoch, der Vertrag des Innenverteidigers läuft am Saisonende ebenso aus wie die von den direkten Konkurrenten Heiko Westermann und Gojko Kacar, während Johan Djourou (bis 2016), Cléber (bis 2018) und der für diese Serie nach Düsseldorf verliehene Jonathan Tah (2018) noch langfristige Verträge haben. Starke Konkurrenz – aber (bis auf Tah) keine, die der kampf- und zweikampfstarke Innenverteidiger fürchten muss.

Und das macht Rajkovic auch nicht. „Ich muss einfach wieder frei im Kopf sein, alle gesundheitlichen Bedenken ablegen. Als ich letzte Woche die ersten Zweikämpfe im Mannschaftstraining absolvierte, war das ein echtes Glücksgefühl. Da denke ich über nichts anderes nach, als endlich gesund zu sein. Ich bin geduldig, aber habe immer noch ein ganz klares Ziel: Diese Saison für den HSV zu spielen. Der Rest kommt dann.“ Und dafür absolviert er jeden zweiten Tag mit Rehatrainer Markus Günther Sonderschichten für die Knie im Kraftraum. Weil er ein Kämpfer ist.

Und gerade ihm wünsche ich auf dem Weg zurück alles Gute. Wer so hart arbeitet und trotz etlicher Rückschläge immer so positiv bleibt, der hat sein Comeback verdient. Vor allem hat der HSV Spieler mit seiner Einstellung nötig. Heute wie morgen.

In diesem Sinne, morgen wird leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Ich melde mich im Anschluss daran bei Euch und weise jetzt noch kurz daraufhin, dass im Anhang noch eine Umfrage für alle HSV-Mitglieder aus diesem Blog angehängt ist. Viel Spaß damit!

Bis morgen!

Scholle

http://www.hsv-ev.de/scnachrichten/scnews/Details/2014-11-13-eure-meinung-ist-gefragt

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