Archiv für das Tag 'Badstuber'

Keine Gnade – Bayern kommt mit der besten Elf

2. Mai 2014

Der größere Wille schlägt am Ende fast immer das Talent – zumal, wenn das Talent zu wenig Willen hat. So gesagt von Franz Beckenbauer, der einzig gültigen Instanz im deutschen Profifußball – neben dem lieben (Fußball-)Gott. Was aber passiert, wenn eine Mannschaft zu wenig Talent und zu wenig Willen hat? Antwort: Sie steigt ab. Und deshalb wundert es eigentlich auch niemanden mehr, dass der HSV da unten steht. Zumindest unter den Experten und hier im Blog nicht mehr. Und es liegt eine Trainingswoche hinter uns, die von der Intensität her nichts darauf schließen lässt, dass sich auch nur das Geringste bessern wird…
Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.

Dennoch, es ist noch nichts verloren. Nicht einmal die (nur noch theoretische) Chance auf den direkten Klassenerhalt. Aber dafür benötigt der HSV ein Wunder, wie Trainer Mirko Slomka einen Sieg gegen dien schier übermächtigen Bayern bezeichnete. Allerdings ist dieses Wunder längst nicht so ein Wunder wie viele denken. Denn Augsburg konnte diese Bayern nach einer Rotationswelle schlagen, Dortmund ebenso. Und sogar die talenttechnisch meiner Meinung nach limitiertesten Bundesligakicker von Eintracht Braunschweig konnten zumindest 75 Minuten ein 0:0 halten – warum also sollte das für den HSV nicht möglich sein, über 90 Minuten natürlich… „Ist es doch“, sagt Rafael van der Vaart, der sich nach überstandener Verletzung zurückmeldete und gegen Bayern in der Startelf stehen soll. „Wir müssen aber kämpfen, als ginge es um unser Leben.“

Für Abendblatt-Blogs


Und die Einstimmung darauf sieht gar nicht danach aus. Nach weniger 45 Minuten war heute das Training vorbei. Eine kurze Warmmachphase, eine Passübung und ein Abschlussspiel sollen die Spieler in letzter Instanz auf den Kick gegen den Rekordmeister vorbereiten. Nicht mit dabei war Dennis Diekmeier, der am Donnerstag leichte Probleme hatte und dafür heute pausierte. Der Rechtsverteidiger absolvierte ein Laufprogramm und soll am Sonnabend fit sein. Verpasst hat er eh nichts.

„Für den HSV geht es um alles oder nichts“, hat Bayern-Trainer Pep Guardiola heute gesagt und dem HSV im selben Atemzug sämtliche Hoffnungen genommen, morgen mit einer vergleichbaren Mannschaft anzutreten wie gegen Augsburg. Guardiola nimmt alle Topstars mit nach Hamburg, ließ nur die Verletzten Badstuber und Thiago zu Hause. Offen erscheint eigentlich nur, ob Pizarro, der gegen Bremen vor einer Woche ein überragendes Spiel machte, von Beginn an aufläuft. „Wir wollen die letzten beiden Spiele nutzen, um wieder in den Rhythmus für das Pokalfinale zu kommen“, so Guardiola. Rücksicht auf den HSV ist dabei ausgeschlossen.

Leider. Denn der HSV hat es nach meiner Meinung trotz des faktischen Gegenteils nicht mehr selbst in der Hand, für sein Glück zu sorgen. Diese Mannschaft ist nicht in der Lage, sich selbst aus dem Schlamassel zu befreien. Dafür muss morgen auf schwächelnde Bayern und zeitgleich auf schwache Braunschweiger und Nürnberger gehofft werden. Aber auch das ist alles nicht ausgeschlossen, da alle drei so ihre Probleme haben. In Nürnberg beispielsweise hadern einige Spieler mit dem jüngst vorgenommenen Trainerwechsel. Daher: Ich glaube weiter an unsere Restchance. Und ich bete, dass Sergej Barbarez mit seiner Aussage Recht behält: „Der HSV steigt nicht ab. Ich kann zwar nicht begründen, warum sie es schaffen, aber sie schaffen es irgendwie.“

Hoffentlich.

Was noch offen ist, ist die Startelf. Im Abschlusstraining war nicht viel zu erkennen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass entweder Ilicevic in die Spitze rückt, oder Slomka doch eher auf Kopfballstärke im Zentrum setzt und dort überraschend Robert Tesche aufbietet. Daher auch folgende drei in meinen Augen denkbare Varianten als mögliche Startaufstellungen (in absteigender Wahrscheinlichkeit):

1. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Rincon, van der Vaart, Calhanoglu – Ilicevic
2. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Tesche.
3. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Ilicevic.

Oder spielt (sehr, sehr, sehr, sehr extrem) überraschend (und unverdient) Ola John auf rechts von Beginn an? Nominell wäre er für die rechte Außenbahn ein Eins-zu-Eins-Ersatz. Dass der Niederländer schlichtweg noch immer keinen Bezug zur Mannschaft, zum Verein und vor allem nicht zur Lage des Klubs gefunden hat – vielleicht es egal. Vielleicht könnte ein Kick gegen den noch amtierenden Champions-League-Sieger ja mal Anreiz genug sein, trotzdem Vollgas zu geben. Und wenn’s auch nur diese 90 Minuten sind. Wobei, wenn ich schon bei Außenseiterchancen bin, dann muss hier auch Kerem Demirbay erwähnt werden, der es im Vergleich zum eben Genannten vom Engagement im Training ehr absolut verdient hätte. Denn der Linksfuß ist einer der wenigen, der noch heiß ist wie am ersten Spieltag. Zumal er ewig verletzt war, sagt er: „Ich will alles geben, um dieser Mannschaft zu helfen. Ich habe so lange zuschauen müssen, jetzt kann ich’s kaum erwarten. Aber letztlich geht es hier jetzt ganz sicher nicht um mich – es geht um das große Ganze.“ Stimmt.

Und damit ist wirklich alles gesagt. Jetzt heißt es: Hoffen, hoffen und noch mal hoffen. Auf einen Punkt – oder gar auf eine Sensation. Drücken wir alle zusammen alle vorhandenen Daumen, dass die Mannschaft noch einmal über sich hinauswächst.

Scholle

Was wird das bitte für ein 13. Juni….?!?

12. Juni 2012

Das Gute vorweg: die neue Location für Matz-Ab-Live ist gefunden, der Dreh nach dem Deutschland(-sieg)spiel gegen die Niederlande ist gesichert! Und wie! Das „Montgomery Champs“, das Paradies für Sportfreunde, die beim Essengehen nicht auf ihre Dosis Live-Sport verzichten wollen, wird nach unseren „Tonproblemen“ zuletzt unsere neue Heimat. Von jedem Tisch aus hat man beste Sicht auf einen Flatscreen-TV. Ich habe es mit meiner Freundin und dem Lütten ausprobiert – sensationell! Als Gast wird Mediendirektor Jörn Wolf dabei sein. Und als zweiter Gast hat mir eben gerade (19.29 Uhr) Dennis Aogo zugesagt. Also mal wieder sehr interessante Gäste, auf die wir uns freuen dürfen.

Egal wie, der Laden wird zudem rappelvoll mit Fußballanhängern sein, die sich das Topspiel ansehen wollen. Und ganz ehrlich, auch mir fällt es schwer, mich auf den HSV zu konzentrieren, so sehr freue ich mich auf den morgigen Kick. Seit heute morgen, seit ich mir noch mal die besten Szenen Deutschland vs. Niederlande von 1990 angesehen habe, freue ich mich auf dieses Spiel. Nur eines stört: Ich stelle zumindest ganz ehrlich die Frage, warum diese dusselige Diskussion um Gomez/Klose – erweitert mit Scholl ja sogar – nicht endlich ein Ende findet. Gomez hat nicht besonders gut gespielt (wie der Rest der Mannschaft) und am Ende trotzdem den entscheidenden Treffer gemacht. Das ist für einen Stürmer nicht zwingend die schlechteste Bilanz.

Dass Klose spielerisch andere Qualitäten hat ist doch klar – aber doch auch absolut nicht neu. Wieso also jetzt diese Diskussion von außen anfeuern, obwohl sie intern gar nicht so geführt wird? Denn weder Gomez noch Klose stellen sich öffentlich als die absolute Nummer eins im Sturm hin. Im Gegenteil: beide schätzen und loben sich gegenseitig. Sie wollen beide spielen, werden beide enttäuscht sein, wenn sie nicht spielen. Aber sie respektieren sich, Löws Entscheidung und die Situation im Sturm. Ärger macht niemand.

Bei der Nationalmannschaft ist es eben genau so, wie es sein soll. Sie haben gewonnen, intern gesunden Konkurrenzdruck und alle wissen, dass sie sich steigern müssen, um auch gegen die starken Niederländer gut auszusehen. Und glücklicherweise zählen ausgerechnet die, die in dem Portugal-Spiel zufrieden mit sich sein durften, nicht die, die sich zu früh zufrieden geben. Im Gegenteil. Ein Badstuber, der für mich überragend spielte, wurde mir von einem guten Freund mal folgendermaßen beschrieben: „Der Typ ist wahnsinnig vor Ehrgeiz. Der wusste schon seit der Muttermilch, dass er irgendwann Profi wird. Und als die Trainer gemerkt haben, wie verbissen der ist, haben sie ihn zum Abwehrmann gemacht. Er ist ein super sympathischer Kerl im Privaten. Und er sieht so harmlos aus. Aber er ist im Training genauso hart wie im Spiel. Und er kann auch mal ne richtige Sau sein. Auf jeden Fall aber verzeiht er es niemandem, wenn er mal an ihm vorbeigekommen ist. Frag mal unsere Jungs…“

Ein Zitat, dass ich vor etwa einem Jahr zu hören bekam von einem absolut vertrauenswürdigem Mitspieler Badstubers. Und seitdem habe ich ihn, also Badstuber, irgendwie anders als vorher beobachtet. Genauer eben. Und mir sind etliche Dinge an ihm aufgefallen. Habt ihr mal darauf geachtet, wie hart der Kerl spielt, am Boden wie in der Luft? Wie der in die Kopfballduelle springt? Und vor allem: wie oft er Szenen hat, die im TV noch mal genauer beleuchtet werden, weil irgendwelche Nickeligkeiten vermutet werden? Beispielsweise die Szene gegen Portugals Nani in der ersten Halbzeit? Da wusste Badstuber, dass er den nicht so laufen lassen kann, ohne dass es massiv gefährlich würde. Daher mit letzter Kraft die Stollen in Richtung Waden.

Ein Badstuber macht es wie Hollerbach, er lässt niemanden freiwillig heil an sich vorbei. Und das ist für mich, so lange dieser Mann in Deiner Mannschaft spielt, immer beruhigend. Oder ist das bei Euch anders? Ich bin für die Zeit, in der die Nationalmannschaft spielt, Fan von der gesamten Truppe. Egal ob da einer beim FC Bayern, St. Pauli oder Werder Bremen spielt. Eben ganz im Sinne des Erfolges das persönliche Ego mal ganz weit nach hinten sortiert… Aber auf jeden Fall handhabe ich es so wie früher als Amateurfußballer: ich freue mich über die Spieler im eigenen Kader am meisten, die ich als Gegner am furchtbarsten fand. Sportlich betrachtet, natürlich! Dass es dabei auch Spieler im eigenen Team gibt, die beides sind – umso besser. Siehe Mats Hummels. Der Dortmunder ist in meinen Augen einer der sympathischsten Spieler seit langer, langer Zeit und dazu noch ne Maschine. Wie der sich gegen Portugal vom Wackelkandidaten zur unverzichtbaren Größe hinten hochgearbeitet hat – Chapeau!!

Thomas Helmer hat im Abendblatt-Interview mit meinem Chef Peter Wenig vor kurzem gesagt, 1996 hätten sie lange nicht die besten Fußballer im Kader gehabt, dafür aber die beste charakterliche Zusammensetzung. Und ich glaube, dass die Deutschen dieses Jahr mit Hummels jemanden dazubekommen haben, der als ordnende Hand intern ebenso wie sportlich auf dem Platz unverzichtbar werden kann. Hummels ist unaufgeregt, absolut geerdet und wirkt auf mich, als würde er alles dafür tun, dass aus der Zusammensetzung von 24 Top-Profis auch eine Top-Mannschaft wird. Dass er damit intern nicht anfängt, bevor er selbst Stammspieler ist – logisch. Aber genau deswegen hoffe ich, dass Hummels diese Rolle sportlich bald komplett einnimmt. Ich glaube, dass ein Hummels tatsächlich ein Spieler der Sorte ist, der „für jede Mannschaft der Welt interessant ist“, wie es oft von Sportchefs und Trainern zitiert wird.

Aber gut, zurück zum HSV. Auch dort gibt es gute Typen, die wichtig sind. Sportlich dazu zählt ganz sicher auch der gestern bereits benannte Paolo Guerrero. Für den sind beim HSV, so wurde es mir gesagt, bislang keine offiziellen Angebote eingegangen. Allerdings ist auch dem HSV bekannt, dass der Peruaner Interessenten hat. So auch den SSC Neapel, den wir hier im Blog vor einigen Wochen schon mal als Interessenten aufgeführt hatten. Allerdings, und dabei bleibe ich, so lange es keine offizielle Anfrage an den HSV gibt, verfolge ich den Gedanken eines Verkaufs von Guerrero nicht. Zumal ich ihn angesichts des Jahresgehalts des Peruaners (für das er nichts kann) lediglich aus wirtschaftlichen Gründen gut fände.

Ansonsten ist es beim HSV weiterhin ruhig. Arnesen ist bei der EM, Fink im Urlaub und die Mannschaft genießt ihre freie Zeit. Bis auf Kacar, der seit gestern täglich im Fitnessraum schuftet. Ich hatte ihn letzte Woche am Donnerstag vor seiner Operation, in der ihm die Schrauben seiner Knöchel-OP entfernt wurden, gesprochen. Und er machte auf mich einen guten Eindruck. Zumindest einen besseren, als ich erwartet hatte, nachdem er eine schwere Saison, eine üble Verletzung zum Saisonende hin und vor allem die Diskussionen um seine Person hinnehmen musste. „Ich bin nicht zufrieden mit dem, was im letzten Jahr los war“, sagt Kacar heute, „aber ich weiß, dass ich es besser machen kann. Ich weiß, dass wir es als Mannschaft besser machen können. Und ich weiß, dass meine Zukunft beim HSV liegt.“

Klare Worte des Serben, der oft als introvertiert und ruhig wahrgenommen wird – der aber durchaus über Humor verfügt. „Ich habe es ja versucht, mich beim FC Barcelona und Chelsea anzubieten. Aber die wollten mich nicht“, so Kacar, ehe er nach einer kurzen Pause die Pointe folgen ließ: „Weil ich verletzt bin.“

Nun denn, zum Glück für den HSV bleibt Kacar dem Klub erhalten. Vor September ist hier allerdings nicht mit dem Comeback zu rechen, in dem der defensive Mittelfeldspieler alles das nachholen will, was er bislang nicht zeigen konnte. „Ich war jetzt lange und oft genug verletzt – jetzt reicht das. Ich habe in Hamburg noch viel vor. Und vor allem gibt es noch viel, was ich zeigen und erreichen will.“

Zwar zuerst noch nur Worte – allerdings welche, die noch mit Leben gefüllt werden können.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit Dieter und dem Highlight am Abend: Deutschland – Niederlande – und natürlich mit dem nächsten „Matz ab live“, diesmal aus dem Montgomery Champs ab 22.45 Uhr mit Dennis Aogo und Jörn Wolf.

Ich freue mich – auf einen superinteressanten 13. Juni 2012!

Scholle

P.S.: Für die unter Euch, die sich über Ihre Tippbilanz ärgern: Nachdem ich Kroatien gegen Irland in letzter Sekunde noch auf 2:0 verändert hatte, habe ich heute mit dem 2:1 der Tschechen gegen Griechenland meinen ersten Dreier beim Tippen gelandet…

Petric: “Wir werden gegen Top-Teams punkten”

3. Februar 2012

Tymoshchuk, Gustavo oder Boateng? Wer spielt innen bei den Bayern, und wer auf der rechten Abwehrseite? Fragt man die Münchener Kollegen, erhält man unterschiedliche Antworten. Im Abschlusstraining agierten Holger Badstuber und Gustavo innen, Boateng auf der rechten Seite. Dennoch rechnen die dortigen Experten damit, dass Boateng neben Badstuber innen verteidigt und Tymoshchuk auf der rechten Außenverteidigerposition beginnt. „Ich sehe das ja eine Stunde vor Anpfiff“, sagt Mladen Petric, der allerdings betont, dass es durchaus einen Unterschied macht, gegen wen er spielen würde. „Ich nehme mir natürlich bei verschiedenen Gegenspielern auch verschiedene Aktionen vor. Bei Boateng beispielsweise weiß ich, dass er natürlich sehr kopfballstark ist.“ Entsprechend setzt der Kroate gegen seinen ehemaligen Teamkameraden weniger auf hohe Bälle sondern auf die vergleichsweise eingeschränkte Beweglichkeit Boatengs. Das wiederum ist eine Stärke bei Gustavo, der allerdings nicht besonders kopfballstark ist. Ergo: Wir müssen abwarten, wen Jupp Heynckes aufbietet. Wobei die Ansage eines meiner Kollegen auch irgendwie zutrifft: „Was interessiert denn die Innenverteidigung der Bayern bei der Offensivabteilung?“

Sehr viel, wie ich finde. Denn gerade defensiv haben die Münchener ihre größten Probleme. Wie Gladbach bewiesen hat. Und unter der Woche hatten Trainer Thorsten Fink und seine Spieler immer wieder betont, Mönchengladbach als Beispiel dafür zu nehmen, wie man die Bayern schlägt. Das wiederum dürfte schwierig werden angesichts des nicht zwingend als Sprinterduo zu bezeichnende Stürmer-Doppel Petric/Guerrero. Ebebso wenig überraschende Tempoläufe sind von Tomas Rincon und David Jarolim auf der Doppelsech sowie von Jacopo Sala auf der rechten Mittelfeldseite zu erwarten. Einzig Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier und mit Abstrichen Marcell Jansen können mit dem hohen Tempo der Gladbach-Youngster Reus und Herrmann mithalten. Zudem fehlt für das nahezu perfekte Konterspiel der Fohlen den Hamburger ein genialer Passgeber, wie es bei der Borussia derzeit Juan Arango ist.

Nein, der HSV täte besser daran, sich nicht mit Gladbach zu vergleichen. „Wir dürfen nie versuchen, jemanden kopieren“, sagte Marcell Jansen zuletzt und fügte hinzu: „Das würde schief gehen. Aber wir dürfen von anderen lernen.“ Zum Beispiel, wie man die Mitte zumacht. Denn das hat Gladbach gegen die Bayern mit Nordtveit und Neustädter perfekt gemacht. Die Bayern waren immer wieder gezwungen, auf die Flügel auszuweichen, wo die größtenteils unauffälligen Protagonisten der Bayern Robben und Kroos hießen. Letztgenannter wird morgen durch den in meinen Augen besten Spieler der Bundesliga ersetzt: Franck Ribery. „Ich werde s wahrscheinlich mit ihm zu tun bekommen“, sagt Diekmeier, der gegen Hertha durch effektive Flankenläufe auffiel und gegen Bayern vermehrt Defensivarbeit erwartet. Zehn Flankenläufe hatte Manfred Kaltz von dem HSV-Verteidiger gefordert – gegen Bayern wäre ich schon froh, wenn Diekmeier hinten dicht macht.

Dass der HSV noch immer akute Defensivprobleme hat, wurde heute im Training mal wieder offensichtlich. In bunt gemischten Mannschaften spielten auf der einen Seite für Grün die Viererkette (Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo) und für das rote Team Rincon und Jarolim auf der Doppelsechs. Ergebnis: kurz vor Schluss stand es 6:0 für Grün. Ein klares Ergebnis, das Fink auf die Palme brachte. Er stoppte das Spiel und stellte sich vor die rote Mannschaft und fragte sie, wie es angehen könnte. Mehr als Achselzucken gab es nicht – allerdings agierten Rincon und Jarolim anschließend aggressiver.

Zuvor war es ein wenig herzlich auf dem Platz. Die Mannschaft sang für Geburtstagskind Slobodan Rajkovic (seit heute 23 Jahre alt) ein Ständchen. Und der Serbe revanchierte sich, indem er sein bislang verweigertes Einstandslied sang.

Alles andere als herzlich wird es morgen auf dem Platz. „Ein Schweinespiel“ erwartet Paolo Guerrero. Und angesichts der erwarteten Minusgrade im zweistelligen Bereich dürfte es für alle ungemütlich werden. Heute kam selbst die Stadionrasenheizung nicht ausreichend gegen den Frost an. Ergebnis: Statt wie geplant im Stadion zu trainieren, ging es auf den normalen Trainingsplatz. „Selbst Handschuhe bringen da nichts“, sagt Petric, „die Finger werden trotzdem arschkalt.“ Deshalb werde er nichts Besonderes gegen die Kälte unternehmen, außer „einfach immer in Bewegung sein“. Klingt gut, besonders bei Mladen. Fast so gut, wie: „Ein Spiel gegen den Rekordmeister ist immer etwas besonderes. Wir haben uns gegen Hertha wieder zurück in die Spur gebracht. Der Sieg war wichtig für den Kopf. Wir haben das Dortmund-Spiel damit verarbeitet.“

Ob das stimmt, wird sich morgen zeigen. Zudem wird auf die Fortsetzung von zwei Serien gehofft. Zum ersten, dass nach vier Spielen ohne Niederlage im heimischen Stadion das fünfte gegen den Rekordmeister folgt. Und zum zweiten dürfen wir auf die Serie Guerreros (in den letzten fünf Heimspielen jeweils einmal getroffen) hoffen. Wobei es sowohl dem Peruaner (sagt er zumindest) egal ist, wer trifft. Sollte s Petric sein, wäre es übrigens der 50. Bundesligatreffer des Kroaten, der die beiden letzten Heimsiege jeweils durch seine Treffer für den HSV entschied. „Ich hoffe, dass die Bayern wie in den letzten beiden Spielen noch nicht ihr Topniveau finden“, sagt Petric und betont, dass der HSV von heute fast nichts mehr mit dem aus der Hinrunde (0:5) zu tun hat. „Wir sind besser“, sagt der Linksfuß, der von einem Trauma gegen die Top-Vier nichts wissen will. „Gegen Gladbach haben wir unglücklich 0:1 verloren, gegen Schalke waren wir 70 Minuten die bessere Mannschaft. Wir haben da kein Kopfproblem. Ich bin mir sogar sicher, dass wir in der Rückrunde gegen die Top-Teams punkten werden.“

Ein gutes Omen gibt es jedenfalls schon. Schiedsrichter der Partie am Sonnabend (18.30 Uhr, Imtech-Arena) ist Knut Kircher. Als der zuletzt 2008/2009 einen Nord-Süd-Schlager in Hamburg leitete, gewann der HSV 1:0 (Petric, 44.). Und ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mir würde das reichen. Dafür würde ich neben den Polartemperaturen auch ein unfassbar langweiliges Spiel in Kauf nehmen…

In diesem Sinne, im Abspann noch die voraussichtlichen Aufstellungen. Bis morgen,

Scholle

Hamburger SV: Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Rincon, Jarolim – Jansen, Sala – Guerrero, Petric
Im Kader: Mickel, Neuhaus, Mancienne, Sternberg, Tesche, Kacar, Ingreso, Ilicevic, Son, Arslan
Nicht dabei: Bruma (Reizung am Knie), Berg (Aufbautraining), Castelen (Reha), Töre (Meniskuseinriss), Bertram, Behrens, Besic, Nagy, Stepanek, Tavares.
Gelbsperre droht: Aogo, Mancienne, Rincon (alle 4)

FC Bayern München: Neuer – Tymoshchuk, Boateng, Badstuber, Lahm – Schweinsteiger, Kroos – Robben, T. Müller, Ribery – Gomez
Weitere Kaderspieler: Butt (Tor), Alaba, Pranjic, Luiz Gustavo, Usami, Olic, Petersen. Nicht dabei: Breno (Knieprobleme), Contento (Reha nach Zehenbruch), Rafinha (5. Gelbe Karte), van Buyten (Mittelfußbruch).

WM-Chancen für HSV-Profis

18. Juni 2010

Was für ein Tag. Kaum habe ich die Schiedsrichterleistungen bei dieser WM gelobt, passiert so etwas. Über den spanischen Unparteiischen beim Spiel der Deutschen gegen Serbien brauche ich mich wohl nicht auszulassen. Das hat ja nun jeder gesehen, dass dieser Schiedsrichter nie das richtige Maß gefunden hat. Ich habe mich schon nach den ersten Gelben Karten gefragt, wo das nur hinführen soll. Wenn einer in so einer verhältnismäßig fairen Partie Gelbe Kartons zieht wie am Laufband, was passiert dann erst, wenn der mal so ein wirkliches Kampfspiel mit harten Attacken und hinterhältigen Aktionen pfeift…?! Ohne Worte. Und was sich der Schiedsrichter beim eigentlichen 3:2-Siegtreffeer der USA gegen Slowenien gedacht hat, ist mir auch schleierhaft.

Trotzdem sollten wir als Sympathisanten des deutschen Teams nicht nur den Schiri für diese Pleite verantwortlich machen, denn dafür hatten wir auch in Unterzahl zu viele Ausgleichsmöglichkeiten. Vielleicht hat der DFB diesmal auch ein bisschen Lehrgeld für seine junge Mannschaft bezahlt. Denn nach Lukas Podolskis verzogenen Schussversuchen hätte ein wirklich alter, gestandener Führungsspieler dem Kölner vor dem Elfmeter vielleicht den Ball weggenommen. Ich habe sofort gedacht: Poldi, lass es sein. Lass einen schießen, dessen Füße heute besser justiert sind. Hat nichts gebracht.

Aus Hamburger Sicht könnte diese Niederlage nun neue Einsatzchancen für HSV-Profis ergeben. Was heißt „könnte“? Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich habe Marko Marins Einwechslung zwar verstanden, rein inhaltlich, aber was der vermeintliche Bremer Fußballzauberer dann auf den Rasen gebracht hat, war fauler Zauber. Bei allen 50:50-Situationen hat er sich falsch entschieden. Und seine Hereingaben waren wirklich nur eines: kläglich. Daher bin ich mir sicher, dass gegen Ghana sowohl Piotr Trochowski ganz gute Möglichkeiten haben dürften, um auf WM-Einsatzminuten zu kommen – wenn auch nur als Joker.

Jansen könnte aber auch noch für die Position links hinten in Frage kommen, genauso wie Dennis Aogo. Der bayrische Verteidiger Holger Badstuber hat heute links hinten eindeutige Grenzen aufgezeigt bekommen. Was mich besonders besorgt: Badstuber hatte gegen den 60 Minuten lang starken Krasic erhebliche Tempoprobleme. Schleicht sich da nun etwa doch ein bisschen Müdigkeit nach der langen Saison ein? Ich kann mir gut vorstellen, dass Joachim Löw auf dieser Position für das „Endspiel“ gegen Ghana Handlungsbedarf sieht.

Einmal lachen musste ich nach diesem 0:1 trotzdem. Über einen Spruch von Joachim Löw. Der sagte über Badstubers Probleme links hinten nämlich: „Holger musste meiner Meinung nach viel zu viele Eins-zu-eins-Duelle alleine bestreiten.“ Aha.

Heute gab es ja aber nicht nur Gespräche, Diskussionen und Kommentare zur WM und dem deutschen Team, sondern auch zum HSV. Die nächste „Kuh“, in diesem Fall eher ein Kälbchen, wurde durchs Dorf getrieben. Angeblich, so hieß es, soll der HSV seine Fühler nach dem Schalker Rechtsverteidiger Rafinha ausgestreckt haben. Der Brasilianer wäre, diese Auffassung teile ich eindeutig, eine fußballerische Steigerung im Vergleich zu Guy Demel. Allerdings haben sich bei mir zugleich ein paar Fragen aufgetürmt: 1. Wie will der HSV so einen Topverdiener bezahlen? 2. Warum sollte er nach Hamburg kommen, wo er doch zuletzt immer gemosert hatte, dass ihm bei Schalke die internationalen Auftritte fehlen, um auch für die brasilianische Nationalmannschaft in Betracht zu kommen? Und 3. Wo zieht Rafinha hin, falls er wirklich nach Hamburg kommen sollte? Hoffentlich nicht in meine Nachbarschaft…

Ich habe mich also auf die Recherche begeben und habe eindeutige Antworten bekommen, aus Gelsenkirchen. Dort weiß nämlich keiner der entscheidenden Verantwortlichen etwas von einem HSV-Interesse. Und die Königsblauen müssten es wissen, zumal Rafinha noch bis 2011 einen gültigen Vertrag hat, also aus seinem Kontrakt herausgekauft werden müsste. Im Gespräch ist eine Ablöse von vier bis sechs Millionen Euro.

Ansonsten heißt es beim HSV vorm zweiten WM-Wochenende: Still ruht der See. Nicht, dass Ihr mich missversteht. Bastian Reinhardt arbeitet quasi Tag und Nacht. Er tauscht sich mit Trainer Armin Veh aus, er spricht mit Scouts und Beratern und Spielern, um den Kader für die anstehende Saison bestmöglich zusammen- und aufzustellen. Das Gute (nicht für uns Journalisten, aber für den HSV) dabei ist: Die neue sportliche Leitung redet erst über Personalien, sobald sie entschieden sind. Ich bin daher guter Dinge, dass wir demnächst mit neuen Fakten konfrontiert werden. Rafinha wird nicht dazugehören.

21:46 Uhr

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