Archiv für das Tag 'Badstuber'

Was wird das bitte für ein 13. Juni….?!?

12. Juni 2012

Das Gute vorweg: die neue Location für Matz-Ab-Live ist gefunden, der Dreh nach dem Deutschland(-sieg)spiel gegen die Niederlande ist gesichert! Und wie! Das „Montgomery Champs“, das Paradies für Sportfreunde, die beim Essengehen nicht auf ihre Dosis Live-Sport verzichten wollen, wird nach unseren „Tonproblemen“ zuletzt unsere neue Heimat. Von jedem Tisch aus hat man beste Sicht auf einen Flatscreen-TV. Ich habe es mit meiner Freundin und dem Lütten ausprobiert – sensationell! Als Gast wird Mediendirektor Jörn Wolf dabei sein. Und als zweiter Gast hat mir eben gerade (19.29 Uhr) Dennis Aogo zugesagt. Also mal wieder sehr interessante Gäste, auf die wir uns freuen dürfen.

Egal wie, der Laden wird zudem rappelvoll mit Fußballanhängern sein, die sich das Topspiel ansehen wollen. Und ganz ehrlich, auch mir fällt es schwer, mich auf den HSV zu konzentrieren, so sehr freue ich mich auf den morgigen Kick. Seit heute morgen, seit ich mir noch mal die besten Szenen Deutschland vs. Niederlande von 1990 angesehen habe, freue ich mich auf dieses Spiel. Nur eines stört: Ich stelle zumindest ganz ehrlich die Frage, warum diese dusselige Diskussion um Gomez/Klose – erweitert mit Scholl ja sogar – nicht endlich ein Ende findet. Gomez hat nicht besonders gut gespielt (wie der Rest der Mannschaft) und am Ende trotzdem den entscheidenden Treffer gemacht. Das ist für einen Stürmer nicht zwingend die schlechteste Bilanz.

Dass Klose spielerisch andere Qualitäten hat ist doch klar – aber doch auch absolut nicht neu. Wieso also jetzt diese Diskussion von außen anfeuern, obwohl sie intern gar nicht so geführt wird? Denn weder Gomez noch Klose stellen sich öffentlich als die absolute Nummer eins im Sturm hin. Im Gegenteil: beide schätzen und loben sich gegenseitig. Sie wollen beide spielen, werden beide enttäuscht sein, wenn sie nicht spielen. Aber sie respektieren sich, Löws Entscheidung und die Situation im Sturm. Ärger macht niemand.

Bei der Nationalmannschaft ist es eben genau so, wie es sein soll. Sie haben gewonnen, intern gesunden Konkurrenzdruck und alle wissen, dass sie sich steigern müssen, um auch gegen die starken Niederländer gut auszusehen. Und glücklicherweise zählen ausgerechnet die, die in dem Portugal-Spiel zufrieden mit sich sein durften, nicht die, die sich zu früh zufrieden geben. Im Gegenteil. Ein Badstuber, der für mich überragend spielte, wurde mir von einem guten Freund mal folgendermaßen beschrieben: „Der Typ ist wahnsinnig vor Ehrgeiz. Der wusste schon seit der Muttermilch, dass er irgendwann Profi wird. Und als die Trainer gemerkt haben, wie verbissen der ist, haben sie ihn zum Abwehrmann gemacht. Er ist ein super sympathischer Kerl im Privaten. Und er sieht so harmlos aus. Aber er ist im Training genauso hart wie im Spiel. Und er kann auch mal ne richtige Sau sein. Auf jeden Fall aber verzeiht er es niemandem, wenn er mal an ihm vorbeigekommen ist. Frag mal unsere Jungs…“

Ein Zitat, dass ich vor etwa einem Jahr zu hören bekam von einem absolut vertrauenswürdigem Mitspieler Badstubers. Und seitdem habe ich ihn, also Badstuber, irgendwie anders als vorher beobachtet. Genauer eben. Und mir sind etliche Dinge an ihm aufgefallen. Habt ihr mal darauf geachtet, wie hart der Kerl spielt, am Boden wie in der Luft? Wie der in die Kopfballduelle springt? Und vor allem: wie oft er Szenen hat, die im TV noch mal genauer beleuchtet werden, weil irgendwelche Nickeligkeiten vermutet werden? Beispielsweise die Szene gegen Portugals Nani in der ersten Halbzeit? Da wusste Badstuber, dass er den nicht so laufen lassen kann, ohne dass es massiv gefährlich würde. Daher mit letzter Kraft die Stollen in Richtung Waden.

Ein Badstuber macht es wie Hollerbach, er lässt niemanden freiwillig heil an sich vorbei. Und das ist für mich, so lange dieser Mann in Deiner Mannschaft spielt, immer beruhigend. Oder ist das bei Euch anders? Ich bin für die Zeit, in der die Nationalmannschaft spielt, Fan von der gesamten Truppe. Egal ob da einer beim FC Bayern, St. Pauli oder Werder Bremen spielt. Eben ganz im Sinne des Erfolges das persönliche Ego mal ganz weit nach hinten sortiert… Aber auf jeden Fall handhabe ich es so wie früher als Amateurfußballer: ich freue mich über die Spieler im eigenen Kader am meisten, die ich als Gegner am furchtbarsten fand. Sportlich betrachtet, natürlich! Dass es dabei auch Spieler im eigenen Team gibt, die beides sind – umso besser. Siehe Mats Hummels. Der Dortmunder ist in meinen Augen einer der sympathischsten Spieler seit langer, langer Zeit und dazu noch ne Maschine. Wie der sich gegen Portugal vom Wackelkandidaten zur unverzichtbaren Größe hinten hochgearbeitet hat – Chapeau!!

Thomas Helmer hat im Abendblatt-Interview mit meinem Chef Peter Wenig vor kurzem gesagt, 1996 hätten sie lange nicht die besten Fußballer im Kader gehabt, dafür aber die beste charakterliche Zusammensetzung. Und ich glaube, dass die Deutschen dieses Jahr mit Hummels jemanden dazubekommen haben, der als ordnende Hand intern ebenso wie sportlich auf dem Platz unverzichtbar werden kann. Hummels ist unaufgeregt, absolut geerdet und wirkt auf mich, als würde er alles dafür tun, dass aus der Zusammensetzung von 24 Top-Profis auch eine Top-Mannschaft wird. Dass er damit intern nicht anfängt, bevor er selbst Stammspieler ist – logisch. Aber genau deswegen hoffe ich, dass Hummels diese Rolle sportlich bald komplett einnimmt. Ich glaube, dass ein Hummels tatsächlich ein Spieler der Sorte ist, der „für jede Mannschaft der Welt interessant ist“, wie es oft von Sportchefs und Trainern zitiert wird.

Aber gut, zurück zum HSV. Auch dort gibt es gute Typen, die wichtig sind. Sportlich dazu zählt ganz sicher auch der gestern bereits benannte Paolo Guerrero. Für den sind beim HSV, so wurde es mir gesagt, bislang keine offiziellen Angebote eingegangen. Allerdings ist auch dem HSV bekannt, dass der Peruaner Interessenten hat. So auch den SSC Neapel, den wir hier im Blog vor einigen Wochen schon mal als Interessenten aufgeführt hatten. Allerdings, und dabei bleibe ich, so lange es keine offizielle Anfrage an den HSV gibt, verfolge ich den Gedanken eines Verkaufs von Guerrero nicht. Zumal ich ihn angesichts des Jahresgehalts des Peruaners (für das er nichts kann) lediglich aus wirtschaftlichen Gründen gut fände.

Ansonsten ist es beim HSV weiterhin ruhig. Arnesen ist bei der EM, Fink im Urlaub und die Mannschaft genießt ihre freie Zeit. Bis auf Kacar, der seit gestern täglich im Fitnessraum schuftet. Ich hatte ihn letzte Woche am Donnerstag vor seiner Operation, in der ihm die Schrauben seiner Knöchel-OP entfernt wurden, gesprochen. Und er machte auf mich einen guten Eindruck. Zumindest einen besseren, als ich erwartet hatte, nachdem er eine schwere Saison, eine üble Verletzung zum Saisonende hin und vor allem die Diskussionen um seine Person hinnehmen musste. „Ich bin nicht zufrieden mit dem, was im letzten Jahr los war“, sagt Kacar heute, „aber ich weiß, dass ich es besser machen kann. Ich weiß, dass wir es als Mannschaft besser machen können. Und ich weiß, dass meine Zukunft beim HSV liegt.“

Klare Worte des Serben, der oft als introvertiert und ruhig wahrgenommen wird – der aber durchaus über Humor verfügt. „Ich habe es ja versucht, mich beim FC Barcelona und Chelsea anzubieten. Aber die wollten mich nicht“, so Kacar, ehe er nach einer kurzen Pause die Pointe folgen ließ: „Weil ich verletzt bin.“

Nun denn, zum Glück für den HSV bleibt Kacar dem Klub erhalten. Vor September ist hier allerdings nicht mit dem Comeback zu rechen, in dem der defensive Mittelfeldspieler alles das nachholen will, was er bislang nicht zeigen konnte. „Ich war jetzt lange und oft genug verletzt – jetzt reicht das. Ich habe in Hamburg noch viel vor. Und vor allem gibt es noch viel, was ich zeigen und erreichen will.“

Zwar zuerst noch nur Worte – allerdings welche, die noch mit Leben gefüllt werden können.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit Dieter und dem Highlight am Abend: Deutschland – Niederlande – und natürlich mit dem nächsten „Matz ab live“, diesmal aus dem Montgomery Champs ab 22.45 Uhr mit Dennis Aogo und Jörn Wolf.

Ich freue mich – auf einen superinteressanten 13. Juni 2012!

Scholle

P.S.: Für die unter Euch, die sich über Ihre Tippbilanz ärgern: Nachdem ich Kroatien gegen Irland in letzter Sekunde noch auf 2:0 verändert hatte, habe ich heute mit dem 2:1 der Tschechen gegen Griechenland meinen ersten Dreier beim Tippen gelandet…

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