Archiv für das Tag 'Badelj'

Stadionverkauf wird diskutiert – hoffentlich nicht mehr lange…

15. Mai 2013

Und Ihr denkt, Ihr habt Probleme? Mitnichten. Das Spielhaus, das wir für unseren Lütten im Garten aufgebaut haben ist ein Problem. Zumindest für unseren Nachbarn, der sich schnellstmöglich bei unserer Verwaltung gemeldet hat – bevor er mich angesprochen hat. Jetzt sollen wir alles zurückbauen und das wiederum missfällt meiner Frau. Zurecht, denn es steckt sehr viel Arbeit drin und jetzt auch wieder sehr viel Arbeit vor uns. Und das mit einem hausgemachten Problem. Hätten wir vorher gefragt, wäre ja „alles gar kein Problem“ gewesen. Sagt der Nachbar. Meint er aber nicht. Und deshalb haben wir jetzt ein Problem. Auch mit ihm.

Warum ich das Ganze schreibe? Weil es mich sehr an den HSV erinnert, der sich immer wieder selbst vor Probleme stellt, weil die Kommunikation schief läuft. Eben so, wie bei den Finanzproblemen des HSV, die hier im Blog seit Jahren beschrieben wurden und bei denen sich bis heute noch Blogger hinstellen, die das leugnen. Aber okay, das Minus ist amtlich, die Not so groß, dass jetzt sogar der Verkauf des Stadions diskutiert wird. Ein Vorgehen, das mit Sicherheit einen tiefen Graben in die Mitgliedschaft ziehen würde, sollte an dem Gedanken festgehalten werden. Allerdings glaube ich nicht, dass der Verkauf jemals Wirklichkeit wird. Oder besser: ich hoffe es ganz stark. Denn der HSV hat für mich nur eine Heimat – und das ist die Imtech-Arena.

Vielmehr sollte der Vorstand in der Lage sein, das Minus anders einzudämmen. Gerade ein vereinsintern so umjubelter Vermarktungsprofi wie Joachim Hilke sollte in der Lage sein, dem HSV neue Geldquellen zu öffnen. Wobei ich die erneute Erhöhung der Dauerkarten damit nicht meine. Gestern schrieb mich ein Blogger an, er habe seine Dauerkarte erneut bestellt und müsse jetzt 13 Prozent mehr bezahlen. Er ärgerte sich fürchterlich, meinte dann aber, er sei halt HSVer und habe ja keine andere Wahl, wenn er seinen Verein nicht künftig ausschließlich vor dem TV verfolgen wolle.

Stimmt.

Aber Freunde macht sich der HSV damit keine neuen. Im Gegenteil. Die Grenze der Ticketpreise hat der HSV in meinen Augen längst erreicht. Der HSV ist im Bundesligavergleich im oberen Drittel angesiedelt, hat bei Top-Spielen sogar Spitzenpreise. Und schon jetzt gibt es dauerhafte Proteste der Fanvereinigungen, die sich ausweiten werden. Auch nach Hamburg. Da bin ich mir inzwischen sicher.

Und es ist auch verständlich. Immerhin hat der HSV seit Jahren einen Zuschauerschnitt jenseits der 50000-er-Marke. Dass der Verein wachsen will und dafür Geld braucht, ist auch völlig okay. Aber er muss intern wachsen können, mit neuen Sponsoren und nicht immer nur auf Kosten der Anhängerschaft. Der HSV ist das Bundesliga-Urgestein mit einem Jahresumsatz jenseits der 100-Millionen Euro. Da sollte es machbar sein, einen Kader zusammenzustellen und zu finanzieren, der international spielt. Denn das wiederum würde bedeuten, dass es mehr Pflichtspiele als aktuell gibt – und diese Mehreinnahmen sollten eine erneute Ticketpreis-Erhöhung vermeidbar machen.

Das Argument, dass der Stadionbesucher auch den höheren Preis bezahlt, zieht zwar noch – aber es kann sich schneller drehen, als es den Verantwortlichen hier recht ist. Zumal dann, wenn sich die sportliche Leistung nicht verbessert. Mit welchem Argument zahle ich aktuell mehr für den HSV als vor vier, fünf Jahren, als der HSV noch international spielte. Damals spielte der HSV zweifellos attraktiveren Fußball als heute – und der Fan musste dafür nicht so tief in die Tasche greifen wie jetzt. Und schon gar nicht so tief wie in der kommenden Saison.

Der HSV geht ein hohes Risiko und macht seine Marke exklusiv weil teuer – sogar mit Erfolg. Noch. Aber was passiert, wenn die Fans irgendwann wegbleiben und plötzlich man plötzlich wieder den Stand aus dem alten Volksparkstadion mit 25000 Zuschauern gegen Teams wie Mainz, Augsburg, Wolfsburg etc. hätte? Ich glaube nicht, dass das hier irgendwer will. Ebenso wenig wie ein verkauftes Stadion.

Deshalb muss der aktuelle HSV-Vorstand ein Konzept entwickeln, wie man den andauernden Verlusten entgegenwirkt. Das hat schon lange nichts mehr mit den Altlasten allein zu tun. Nein, dieser HSV macht weiter Minus – mit neuen Oberen, die sich dafür verantworten müssen. Heute sind es Scheel, Jarchow, Arnesen und Hilke, die einen Weg finden müssen, den HSV zu verbessern, ohne die Kosten dafür auf die eigenen Anhänger abzuwälzen.

Aber okay, noch besteht ja sogar die Chance auf einen internationalen Wettbewerb. Wenn auch klein, die Möglichkeit ist da. Allerdings mit einer hammerharten Aufgabe gegen den Dritten Bayer Leverkusen. Heute konnte Trainer Thorsten Fink zwar wieder alle Spieler (bis auf die Dauerverletzten Arslan und Berg) auf dem Platz begrüßen. Und er hatte auch gleich mal wieder eine Idee. Eine überraschende sogar. „Gegen einen so starken Gegner wie Leverkusen muss man vielleicht auch mal was Besonderes versuchen“, so Fink, der dafür ein 3-5-1-1-System einstudierte. Dabei agierten Bruma, Westermann und Rajkovic in der Dreierkette nebeneinander, leicht vorgezogen Diekmeier über rechts und Jansen über links. Badelj machte die einzige Sechs, Jiracek kam über die rechte Seite, Aogo über lins, während van der Vaart hinter der einzigen echten Spitze Son spielte. Musste die Mannschaft auf defensive umschalten, hatte Fink plötzlich ein 5-4-1-System, als mit Diekmeier und Jansen in der Abwehrkette. Vorteil hierbei: „Leverkusen ist nicht nur bei Kontern sondern auch mit ihren vielen Kopfballspielern gefährlich“, so Fink, der mit Bruma statt Rincon so einen Kopfballspezialisten mehr auf dem Platz hätte.

Allerdings wirkte diese Formation nicht so eingespielt, dass Fink sie sofort einsetzen könnte. Im Gegenteil: bei einem letzten Spiel, in dem es um viel geht, wäre das Risiko größer als die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert. Und mal angenommen, der Fink’sche Versuch ginge nach hinten los – das Echo darauf wäre gewaltig. Ich glaube nicht, dass Fink das riskiert.

Warum auch? Gegen Hoffenheim hat der HSV nach langer Zeit mal wieder richtig gut gespielt und verdient mit 4:1 gewonnen. Dabei entscheidend war sicher auch wieder Heung Min Son, dessen Zukunft nach Saisonende zügig geklärt werden soll. Auf die Nachfrage, wann das passiert, antwortete mir Jarchow heute: „Es gibt noch keinen Termin.“ Aber man werde es sicher nicht zu weit nach hinten hinauszögern. Die gleiche Frage beantwortete mir Sons Berater Thies Bliemeister: „Wir haben noch keinen Fahrplan. Aber wenn das letzte Spiel gespielt ist, haben wir Zeit, uns hinzusetzen und alles zu besprechen. Es ist auch möglich, dass Son bleibt.“

Klingt nach Abschied. Mal wieder. Aber bevor ich jetzt von Tag zu Tag hin und her wechsele, lasse ich es lieber ganz und warte ab, bis es ein Ergebnis gibt. Denn, das sagte Bliemeister auch, der BVB ist längst noch nicht aus dem Poker um Son ausgestiegen. Allerdings, wenn ich mir die Namen der anderen Kandidaten durchlese, dürfte Son nicht allererste Wahl sein.

Erste Wahl war Scharner bei Wigan. Die allerdings sind seit dem 1:4 gegen Arsenal am Dienstag zweitklassig, womit sich Scharners Zukunft auf der Insel trotz der ihm gewidmeten, imposant zahlreichen Lobeshymnen der Wigan-Fans geklärt hat. Der Österreicher hatte vor seinem Leihwechsel gesagt, auf keinen Fall zweitklassig spielen zu wollen und beteuerte den extra angereisten Fink und Arnesen, dass er zurückkommen wolle – und wird. Und das finde ich gar nicht so schlecht. Denn wer sich in der Premier League gut verkauft, dürfte auch das zeug haben, dem HSV zu helfen. Und gerade auf der Innenverteidigerposition hat der HSV Nachholbedarf, den Scharner vielleicht lösen kann. Und da auch noch vergleichsweise günstig…

Und jetzt Daumen drücken – für die U23, die gerade beim SC Victoria ein wegweisendes Spiel im Abstiegskampf bestreitet.

Bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Arnesen: “Slomka will Kacar unbedingt” – Fink überlegt, Beister spielen zu lassen

10. Mai 2013

So dick ist er wirklich nicht, Trainer Thorsten Fink. Im Gegenteil. Dennoch glaubt er, er habe gerade eine Menge Gefühl in seinem Bauch. Gefühl für die richtige Aufstellung, und vor allem: das richtige Gefühl für den ach so unumgänglich notwendigen Sieg in Hoffenheim, der den Traum von der Europa League ein wenig weiterköcheln lassen könnte. Sofern Freiburg und/oder Frankfurt patzen. Wie sich die Mannschaft über die Spielstände in den anderen Stadien informiert? „Gar nicht“, so Fin, „wir haben eh keine Wahl und müssen uns auf uns konzentrieren.“ Dennoch, sollte der eigene Spielstand einen gewissen Motivationsanschub benötigen, würde er im entsprechenden Fall über die Ergebnisse der anderen Spiele (Freiburg in Fürth und Frankfurt in Bremen) berichten. „Wenn’s helfen kann, klar. Ansonsten sind wir gut beraten, uns auf unser Spiel zu konzentrieren.“

Und das könnte Veränderungen erfahren. Nachdem Artjoms Rudnevs zuletzt Ladehemmung hatte, könnte er durch Maximilian Beister ersetzt werden, während Heung Min Son mit großer Wahrscheinlichkeit auf der rechten Außenbahn bleibt. Wetten würde ich allerdings nicht auf diesen Wechsel, auch wenn Beister im Abschlussspiel häufiger traf als Rudnevs – immerhin blieb der Lette bei null Treffern.

Die Aussagekraft von Trainingseinheiten ist zudem hinlänglich bekannt. Genau zweimal empfanden Trainer Thorsten Fink und/oder Spieler die Trainingswoche als zu schwach – ansonsten stimmte die Einstellung stets. Herausgekommen sind dabei 45 Punkte in 32 Spielen. Keine atemberaubende Ausbeute. „Es müssen sechs dazukommen, wenn wir uns die Chance erhalten wollen“, sagt Frank Arnesen. Der Sportchef war heute mal wieder Trainingsgast und nahm sich anschließend noch Zeit für ein Gespräch mit Matz ab. Ob sich seine Arbeit massiv verändert, wenn der HSV das Unmögliche noch erreicht und in der kommenden Saison international spielt? „Finanziell nicht so sehr“, sagt der Däne, „aber emotional ist es nicht unwichtig. Es gibt schon Spieler, bei denen ein internationaler Wettbewerb den Unterschied machen kann.“ Zumal dann, wenn andere Vereine selbigen zu bieten haben.

Im Gegensatz zu den Schilderungen meiner Kollegen aus den letzten Wochen war Arnesen heute richtig entspannt. Er antwortete auf fast alle Fragen. Einzig die nach Bojan Krkic wollte er nicht näher beantworten. Klar ist aber, dass er zusammen mit Fink in Mailand war und mit Krkic sowie dessen Berater gesprochen hat. Zudem kennt er den Spanier mit doppelter Staatsbürgerschaft – er ist auch Serbe – schon seit dessen früherer Jugend. „Das stimmt“, so Arnesen auf meine Frage, ob er Krkic tatsächlich seit dessen 15. Lebensjahr auf dem Wunschzettel hat. „Ich kennen ihn seitdem, werde aber jetzt nichts weiter zu ihm sagen, weil er nicht hier ist. Es macht auch keinen Sinn, jetzt über Namen zu spekulieren.“

Und obwohl ich das in den letzten Jahren immer genau so gesehen hätte – diesmal ist es anders. Denn ich glaube sehr wohl, dass es ein sehr gutes Zeichen sein könnte. Zuletzt war immer nur zu hören, dass der HSV finanziell nichts machen könne. Das ist vielleicht realistisch – aber die trüben Aussichten schrecken auch gute Spieler ab, die ambitioniert sind. Allein die Tatsache, dass der HSV bei der Suche nach Neuen sehr wohl in die oberen Regale greifen will, dürfte ein gutes Signal sein für andere Spieler, die der HSV gern hätte.

Aber okay, Fakt ist, da beißt die Maus keinen Faden ab, es müssen Spieler verkauft werden. Das wissen alle, das kann keiner mehr leugnen. Und der erste Spieler dürfte schon sehr bald verkauft werden: Gojko Kacar. Zumindest gibt es nach dem Winter auch jetzt wieder ernsthaftes Interesse der Niedersachsen an dem Defensivallrounder. Insbesondere Hannovers Trainer Mirko Slomka scheint sehr angetan von Kacar. „Slomka will ihn scheinbar unbedingt“, sagt Arnesen, der in Sachen Ablösesumme keine Kompromisse eingehen will. Rund zwei Millionen Euro ruft der HSV für den 26 Jahre alten Serben auf, der Spieler selbst will rund 1,5 Millionen Euro verdienen. „Letztes Mal war es weniger der Spieler als sein Umfeld, woran es gescheitert ist“, erzählt Arnesen – und ich lasse das so stehen.

Nicht minder wahrscheinlich ist inzwischen der Abgang von Heung Min Son. Das sagt mir mein Bauchgefühl. Ob er geht? „Es gibt Interessenten“, sagt Arnesen und nennt die zwei Hauptverdächtigen: Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund, wobei er bislang persönlich nur Kontakt zu Tottenhams Boss Daniel Levy hatte. „Es gibt noch keine offizielle Anfrage aus Dortmund“, so Arnesen, der allerdings von Sons Berater Thies Bliemeister über das Interesse des Champions-League-Finalisten informiert wurde. „Die beiden Klubs scheinen am hartnäckigsten zu sein“, so Arnesen, der damit zu rechnen scheint, Son zu verkaufen.

Es wäre aus meiner Sicht eh das Beste. Nicht, weil ich Son nicht schätze – im Gegenteil: der Südkoreaner hat riesiges Potenzial und kann dem HSV sicherlich weiterhelfen. So, wie er es in dieser Saison mit seinen elf Treffern bereits gemacht hat. Aber, und das ist für mich entscheidender, er stagniert in den Punkten, die ihm lange vorgeworfen werden: seinem Defensivverhalten. Da lässt er den Kopf inzwischen das eine oder andere Mal oben, okay. Aber Defensivzweikämpfe verliert er ebenso ohne Gegenwehr wie Offensivzweikämpfe, wenn sein Gegner an hm dran ist. Dann gibt’s ’nen kleinen Rempler und Son kommt aus dem Tritt. Aber vor allem geht es hierbei um Geld, und zwar um viel Geld. Rund zehn Millionen Euro stehen auf dem Plan und dürften am Ende zu rund 15 Millionen anwachsen, wenn sich Tottenham und der BVB tatsächlich weiter beide um Son bemühen. Und diese Millionen bracht der HSV, um nachzurüsten. Soll heißen: aus einem (Son) mach zwei, drei, vier Verstärkungen. Krkic inklusive, wobei ich ehrlicherweise an dessen Eignung zweifle. Wenn einer reichsten Klubs der Welt, der AC Mailand, nicht bereits ist, 13 Millionen zu zahlen, Barcelona seinen Angreifer trotz der jungen Jahre aber abgeben will und der sich im Profibereich nirgendwo richtig durchsetzen konnte, dann ist das ganz sicher kein Selbstgänger. Den wiederum sollte der HSV bei einer angedachten Investition um die zehn Millionen Euro holen. Flops in dem Ablösebereich kann sich der HSV – im Gegensatz zu Milan, Barca oder auch Bayern und Dortmund nicht erlauben. Da braucht der HSV die berühmten „besseren Augen“, die Fink bei der Auswahl Neuer angekündigt hatte. „Wir werden alles genau abstimmen und Risiken minimieren“, hatte Fink angekündigt – und Arnesen bestätigt: „Wir haben eine längere Liste interessanter Spieler, über die wir uns unterhalten werden. Dabei sind auch Namen, die man uns nicht sofort zutraut, wir greifen auch nach dem Unmöglichen. Das muss sein.“ Ansonsten hätte man nicht alles versucht…

Klingt gut,

Alles versucht hatten auch Dieter und ich, um Holger Hieronymus zu uns in die Matz-ab-Live-Sendung zu bekommen – und jetzt hat es geklappt. Morgen ist der ehemalige HSV-Abwehrchef, -Interimstrainer, -Sportchef und ehemalige DFL-Geschäftsführer im Block House Eidelstedt zu Gast. Und ich freue mich auf ein sehr interessantes, kurzweiliges Gespräch. Ebenso wie auf den ersten Sieg in Hoffenheim für den HSV.

In diesem Sinne, Daumen drücken, Augen zu – und durch. Wenn es am Ende die Europa League wird – umso schöner.

Bis morgen.

Scholle

Fink sagte heute, er würde auch noch überlegen, ob er zentral mit Aogo oder Rincon beginnt. Ich lege mich einfach mal fest, so könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Jansen – Rincon, Badelj – Son, van der Vaart, Jiracek – Rudnevs.

1:1 gegen die “Wölfe”, das ist zu wenig

5. Mai 2013

Europa ade. Das stand eigentlich schon vor dem Spiel fest, weil Freiburg gegen Augsburg 2:0 gewonnen hatte, aber der HSV schaffte gegen den VfL Wolfsburg wieder keinen Heimsieg, sondern nur ein 1:1. Vor 50 135 Zuschauern hatte der HSV das Spiel zwar in Halbzeit eins gut im Griff, ließ aber im zweiten Durchgang nach und hatte das Glück, dass die Niedersachsen mit den besten Möglichkeiten nichts anzufangen wussten. Einen Heimsieg hatte der HSV an diesem Sonntag auch leider nicht verdient. Gefeierter Mann war nach dem Schlusspfiff aber Jaroslav Drobny, der seine Team vor einer Niederlage bewahrt hatte. Sein Gang in die Nordkurve sah dabei ein wenig nach Abschiedsstimmung aus. Mal abwarten, wohin es den Ersatztorwart ziehen wird – oder ob er doch als Nummer zwei in Hamburg bleiben wird. Der HSV muss nun am nächsten Sonnabend versuchen, mal in Sinsheim gegen Hoffenheim zu gewinnen . . . An einem Mittelfeldplatz würde aber dieser Dreier dann auch nichts mehr ändern. So geht eine gute Saison doch relativ unspektakulär zu Ende. Aber ich sage eines – und ich meine das so: Abstiegsgefahr bestand nach der Hinrunde nicht einmal mehr, und das bewerte ich als absolut positiv.

Der frühere HSV-Spieler Roy Präger hatte von einem „packenden und spannenden Spiel“ geträumt, hatte sich bestimmt auch darauf gefreut – aber dann kam es irgendwie doch zunächst ganz anders. Gelegentlich war ich schon froh, wenn ein Einwurf an den eigenen Mann kam . . . Feuer war in diesem Spiel zunächst gar nicht drin, obwohl der HSV durchaus vielversprechend begann. In der vierten Minute flankte Milan Badelj von links, und in der Mitte nahm Rafael van der Vaart die Kugel aus zwölf Metern direkt – doch VfL-Keeper Benaglio hielt ohne größere Schwierigkeiten.

Danach verflachte das Spiel. Oder besser: Es kam gar nicht erst so richtig in Schwung. Einer der Höhepunkte: Slobodan Rajkovic wollte den Ball aus 30 Metern zu Torwart Jaroslav Drobny zurückpassen – und schoss den Ball ins Toraus – Eckstoß für den VfL- Ein Kunststück. Schiedsrichter Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) bewies danach Durchblick, denn er zeigte Heung Min Son die Gelbe Karte (20.). Weil sich der Südkoreaner des HSV vor Torwart Benaglio hatte fallen lassen. Diesen gelben Karton kann man geben, ab er ich denke, es war doch sehr mutig des Unparteiischen, der ansonsten gut pfiff und keinerlei Probleme mit diesem Spiel hatte.

Viel Glück dann in der 31. Minute, als Heiko Westermann zentral und als letzter Mann am Ball vorbeischlug. Plötzlich stand der ehemalige HSV-Publikumsliebling Ivica Olic völlig frei vor Drobny, doch der VfL-Stürmer konnte mit diesem Geschenk nichts anfangen. Er wollte besonders schlau sein und versuchte sich mit einem Heber aus der Drehung, schoss den Ball aber genau in die Arme des tschechischen HSV-Keepers, der keine Mühe hatte, die Kugel zu fangen. Hätte Olic Überblick bewiesen, hatte er geschnallt, dass er völlig frei und ganz allein vor dem HSV-Tor stand, dann hätte es wohl 0:1 gestanden, aber zum Glück hatte „Ivi“ diese Übersicht nicht.

Am Rande stand Thorsten Fink und gestikulierte. Wie wild, möchte ich fast schreiben. Kaum eine Szene, die der HSV-Trainer nicht in irgendeiner Form begleitete. Er fuchtelte mit dem linken Arm in der Luft herum, während die rechte Hand in der Hosentasche schmorte, und er fuchtelte mit rechts in der Luft herum, während die linke Hand in der Hosentasche ruhte. Aber Fink dirigierte, dirigierte, dirigierte. Er muss unheimlich unter Druck stehen, er muss Europa unbedingt wollen, denn er gibt 90 Minuten alles. Und da er (nicht nur an diesem Spieltag) der bestaussehendste und bestangezogendste Trainer der Liga ist, verdiente er sich so die Note eins. Obwohl ich glaube, dass nicht mal die hinter Fink sitzenden Ersatzleute verstehen, was er von den Jungs, die da auf dem Rasen kämpfen und spielen, will. Ist vielleicht auch eine Art Selbsttherapie.

Dass Fink teilweise recht heftige Kritik an Schiedsrichter Drees übte, das brachte ihm dann in der 33. Minute Ärger mit dem vierten Mann, Christian Fischer, ein. Der beschied dem HSV-Coach unmissverständlich: „Hinsetzen und Mund halten.“ Das klappte aber nur für ein, zwei Minuten . . .

Und dann ging der HSV-Coach doch noch völlig zufrieden in die Halbzeitpause. Weil Sekunden zuvor Rafael van der Vaart einen Freistoß aus 38 Metern in den VfL-Strafraum geschlagen hatte. Dort übersprang Westermann alle Gegenspieler und köpfte zum 1:0-Halbzeitstand ein – das erste Saisontor des ehemaligen Kapitäns. (drittes Saisontor, danke Ralf. Das hatten wir gestern bereits einmal korrigiert, ist aber durch die Live-Sendung wieder überschrieben worden). Glückwunsch. Sein Name wurde bei der Nennung des Torschützen gleich dreimal durch das Stadion gebrüllt . . .

Nach dem Wiederanpfiff hätte dann Dennis Diekmeier der neue Held werden können. Nach Pass von Zhi Gin Lam kreuzte der rechte Verteidiger im VfL-Strafraum auf und schoss aus fünf Metern – überweg (47.). Das wäre was gewesen. Wäre. Wahrscheinlich kommt bei Diekmeier, der noch nie ein Bundesliga-Tor erzielen konnte (auch für Nürnberg nicht), auch ein wenig Nervenflattern vor seinem ersten Treffer hinzu. Schade, schade, ich würde es ihm ja gönnen. Dann wäre der Knoten endlich mal geplatzt.

Der HSV hatte dann bis zum Schlusspfiff kaum noch große Möglichkeiten, Wolfsburg aber markierte doch noch das (verdiente) 1:1. In der 65. Minute flankte Vieirinha von links, und in diesen Ball hinein hechtete der Japaner Hasebe, der die Kugel einköpfte – unhaltbar für Drobny. Danach kam Wolfsburg, stürmte und drückte, vergab aber die besten Tormöglichkeiten, wobei sich besonders der eingewechselte Niederländer Dost „hervortat“. Zum Glück für den HSV.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny hielt, weil er ja genügend Spielpraxis hatte, souverän und teilweise auch spektakulär – und wurde bei der Ballberührung von den Fans gefeiert. In der 75 und 76. Minute stand der Wolfsburger Dost zweimal völlig allein vor dem HSV-Keeper, der die Ruhe behielt und hielt. Überragend. Note eins.

Dennis Diekmeier hatte seine rechte Seite gut im Griff, vom neuen „Star“ der Wolfsburg, Maximilian Arnold war nichts zu sehen. Note drei.

Heiko Westermann leistete sich einen ganz „dicken Bock“ (31. Min.), als Olic völlig frei vor dem HSV-Tor stad, aber zum Glück ging alles gut. Und dann köpfte sich der Innenverteidiger mit dem 1:0 in die Herzen aller HSV-Fans – auch die, die ihn nicht so sehr mögen, die aber das Tor natürlich sehr gerne „mitnehmen“. . .

Slobodan Rajkovic hatte auch ein „ganz dickes Ding“ auf seinem linken Schlappen, als er den Ball aus 30 Metern zur Ecke schlug, ansonsten aber machte er seine Sache gut – rettete einmal mit dem Kopf kurz vor der Torlinie (und in höchster Not), als nach einer Arnold-Flanke Vieirinho geköpft hatte. Und noch einmal war „Slobo“ Retter in höchster Not, als der dem einschussbereiten Dost den Ball noch vom Fuß grätschte. Note drei.

Zhi Gin Lam hatte ich, das gebe ich zu, vorher als Achillesferse des HSV ausgemacht, aber das hielt sich dann doch in Grenzen, Natürlich wurde er einige Male überlaufen, aber das war zu erwarten, insgesamt machte er seine Sache jedoch recht ordentlich.

Tomas Rincon sollte zerstören, sollte beißen, sollte kämpfen – und das tat er. Gelegentlich ein wenig unorthodox, aber meistens effektiv. Vordem 1:1 war er nicht in der Lage, die Flanke von Vieirinha zu verhindern. Note vier.

Milan Badelj begann flott und unternehmungslustig, aber nach einer Viertelstunde wechselten Licht und Schatten bei ihm munter hin und her. Seine Form aus der Hinrunde hat er noch nicht wieder erreicht. Note vier.

Petr Jiracek wurde auf der rechten Seite erwartet, spielte aber links. Und da spielte er unauffällig, meistens aber nicht sehr ansehnlich. Beim 1:1 von Hasebe war er zwar im Sturzflug dabei, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Auch er, das muss man schon konstatieren, ist noch nicht in jener Form, die er einst bei der EM als Nationalspieler der Tschechei hatte. Der HSV-Anhang muss noch weiter warten, ob da noch mehr kommt – ich warte und hoffe mit. Das ist noch lange nicht das Gelbe vom Ei. Note fünf.

Heung Min Son kam über rechts, war aber kaum einmal auffällig zu sehen. Kurios ist nur eins: Wenn er von den Kollegen rechts „übersehen“ wurde, dann reklamierte er wie wild. Er sollte sich aber mal daran erinnern, dass er auch dann immer wild drauflosballert, wenn er die Kugel am Fuß hat – und andere Kollegen deutlich besser stehen als er. So in der 80. Minute, als er mit dem Kopf durch die Wand wollte – und Rudnevs „übersah“. So auch in der Nachspielzeit, als er aus spitzem Winkel losballerte, aber in der Mitte drei Leute „übersah“. Bitter, bitter., bitter. Also, schnell mal an die eigene Nase fassen. Note fünf.

Rafael van der Vaart war der Mann, der Struktur und Linie in das HSV-Spiel brachte, bringen wollte. Das war eine durchaus gute Vorstellung des Kapitäns. Note zwei.

Artjoms Rudnevs versuchte viel, aber er allein war da oft genug chancenlos. Und auch ein wenig überfordert. Note vier.

Ivo Ilicevic (ab 78. Min. für Rincon) sollte die Offensive beleben – und irgendwie gelang es ihm auch. Selbst wenn er keine große Szene mehr hatte.

Maximilian Beister (ab 83. Min. für Jiracek) sollte auch noch in der Offensive tätig werden, aber die Zeit war wohl doch zu knapp.

Jeffrey Bruma (ab 88. Min. für Lam) sollte den Punkt retten – das gelang.

So, das war es zunächst, aber es geht ja gleich weiter. Dann sind wir, und zwar in Minuten, mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über das Wolfsburg-Spiel reden. Und zwar mit den Gästen Oliver Scheel (HSV-Vorstandsmitglied) und dem früheren HSV-Profi Tobias Homp. Wir freuen uns. Auch auf euch.

PS: Die A-Jugend-Bundesliga des HSV hat am Vormittag seinen „Siegeszug“ mit einem 2:0-Erfolg über Hannover 96 fortgesetzt. Seit Levin Öztunali wieder spielen darf, ist der HSV wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Am nächsten Sonntag geht es zu Tabellenvorletzten der Bundesliga Nord(Nordost, zum Chemnitzer FC.

PSPS: Die Regionalliga-Mannschaft hat das Auswärtsspiel in Goslar mit 2:1 gewonnen, die Rettung scheint nun wieder ganz nah zu sein. Janek Sternberg erzielte das wichtige 1:1, und dann traf Fabian Graudenz in der 90. Minute zum erlösenden Siegtreffer.

PSPSPA: Morgen, am Montag, ist der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Vorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff zu Gast in der TV-Sendung „Rasant“ bei „HH1“, ich werde an der Seite Rieckhoffs sitzen – Moderator ist Tim Niemeyer. Die Sendung beginnt um 20.15 Uhr und wird im Laufe des Abends noch (mehrfach) wiederholt.

19.31 Uhr

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