Archiv für das Tag 'Badelj'

Ilicevic oder Badelj? Oder am Ende doch Rudy?

22. August 2014

Gegen Mittag sollte er vorgestellt werden. Um 13.30 Uhr war er für das Abschlusstraining eingeplant. Und aus beidem wurde – nichts. Somit wird der neue Innenverteidiger des HSV auch nicht am Sonnabend in Köln mit dabei sein. Und das, obwohl sich der HSV mit dem abgebenden Klub Corinthians Sao Paulo einig ist und Cléber Janderson Pereira Reis den Medizincheck in Hamburg am Donnerstag bestanden hatte. Am Ende aber scheiterte die schnelle Integration in den Tagesablauf an einem Schriftstück der Brasilianer.

In Köln werden an seiner Stelle erneut Johan Djourou und Heiko Westermann in der Innenverteidigung beginnen. Letztgenannter hat nach einer für ihn schwierigen Vorbereitung inzwischen schon Bastian Reinhardts Spitznamen „Der Überleber“ übernommen. Ebenso wie der heutige Niendorfer, wurde auch Westermann Jahr für Jahr aus der Startelf verdrängt – um letztlich dann doch wieder zu spielen. „Ich mache mir darüber keine Gedanken mehr“, sagt Westermann, „weil ich es nur bedingt ändern kann. Meine Aufgabe ist auf dem Platz und darauf konzentriere ich mich.“ Dass mit Cléber ein neuer Mann geholt wurde störe ihn ebenso wenig. Es würde eh nichts bringen.

 

Nichts bringen – das ist heute ein gutes Stichwort. Denn als ich heute beim Trainingsplatz stand, erzählte mir eine junge Frau, dass vor einiger Zeit (im Juni) irgendwelche Idioten das Grab ihres viel zu früh verstorbenen Bruders geschändet hätten. Das allein ist schon dramatisch. Allerdings setzt die Tatsache, dass hier irgendwelche Idioten St.-Pauli-Aufkleber (St.Pauli-Fans gegen Rechts) auf den Grabstein auf dem HSV-Friedhof geklebt haben, dem Ganzen die Krone der Geschmacklosigkeit auf.

Ohne Worte.

Nachdem das Gröbste bereits abgekratzt war. Für diese Kriminellen fehlen mir die Worte…

Natürlich müssen das keine St.-Pauli-Fans gewesen sein. Aber egal wer das auch immer war, als erklärter Pazifist wäre ich geneigt, in diesem Fall eine Ausnahme zu machen. Was muss in den Hirnen solcher Leute los sein? Wie viel Hohlraum würde Gunther von Hagens bei diesen Kreaturen in den Köpfen wohl vorfinden? Wissen diese Idioten überhaupt, wie man selbständig atmet? Das und noch viele andere Fragen hätte ich, die alle in die eine selbe Richtung gingen. Aber lassen wir das. Es ist sinnlos.



Etwas gedacht hat sich dagegen heute Mirko Slomka bei seinem Abschlusstraining. 20 Akteure waren auf dem Platz – und Valmir Nafiu absolvierte ein Einzeltraining mit Markus Günther. Ergo: es wurde zehn gegen zehn gespielt. Eine Position in der vermeintlichen A-Elf blieb also offen. Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Arslan, Behrami, van der Vaart, Jansen – Lasogga – das war die vermeintliche A-Elf, die das Abschlussspiel auch gewann und die Frage offen ließ, wer aus der B-Elf noch dazukommen wird, wenn es morgen darum geht, nach 2010 (damals 2:1 gegen schalke, 2x van Nistelrooy) mal wieder ein Auftaktspiel zu gewinnen.

Kandidaten gibt es für mich tatsächlich drei, wobei ich zwei in die engere Wahl nehmen will: Milan Badelj und Ivo Ilicevic. „Ich bin gesund, ich fühle mich gut“, sagte Ilicevic nach dem Training, „ich könnte spielen.“ Gleiches gilt für Milan Badelj, über dem noch immer der Schatten schwebt, letztlich doch noch verkauft zu werden. Gleiches gilt für meinen dritten Kandidaten: Artjoms Rudnevs, an dem Danzig bislang jedoch nur an einem Leihgeschäft Interesse bekundet hat.

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Sollte Badelj ins Team rücken, würde Slomka Tolgay Arslan erneut auf der rechten Bahn spielen lassen. So, wie heute im Abschlusstraining. „Ich kann es nicht sagen“, so Arslan auf die Frage, ob er mit der rechten Außenbahn in Köln rechnen würde, „ich lasse mich überraschen und freue mich darüber, wenn ich beginnen kann.“ Verdient hätte er es sich nach seinem belebenden Kurzauftritt in Cottbus. Im Gegensatz zu Badelj, der in Cottbus ebenso wie Behrami fast nie ins Spiel fand. Möglich wäre aber auch, dass Slomka auf das Tempo von Rudnevs setzt und den Letten auf der rechten Bahn beginnen lässt. Wie zuletzt ab der zweiten Halbzeit in Cottbus.

Vorn beginnt auf jeden Fall Pierre Michel Lasogga, dem ich in Cottbus noch (erwartungsgemäß) Anpassungsprobleme attestiert hatte, der aber unter der Woche sehr gut trainiert hat. Lasogga ist unverzichtbar und hat im Laufe der Trainingswoche das gerechtfertigt, was Slomka über ihn sagt: „Seine Körperlichkeit, seine Präsenz und seine Torgefahr brauchen wir. Er ist für mich einer, der keinen langen Anlauf braucht – ihn werfe ich einfach rein.“ Ergo, im zweiten Pflichtspiel nach seiner Verletzungspause dürfte der Angreifer allemal akklimatisiert sein.

Und das muss er auch, denn mit dem 1. FC Köln trifft der HSV auf einen Gegner, der defensiv zuletzt sehr stabil stand. In den letzten 34 Zweitligaspielen kassierte die Mannschaft von Trainer gerade einmal 20 Gegentore kassiert. Und davon zehn Prozent im letzten Spiele gegen den FSV Frankfurt, als man bereits eine Woche zuvor mit der ganzen Stadt den Titel und den Aufstieg gefeiert hatte. „Defensiv ist Köln gewohnt stark“, mutmaßt Slomka, während Stöger die Offensive seiner Mannschaft anpreist. „Wenn es möglich ist, wollen wir aktiv sein. Wir haben die Spieler dafür, die eher die Qualität mit dem Ball haben. Wir werden versuchen, offensiver aufzutreten. Eckbälle und Standards werden wir vermeiden müssen. Das ist eine große Stärke der Hamburger.“ Wer beim 1. FC Köln anfängt, ließ Stöger, der im Pokalspiel am vergangenen Wochenende wild durchgewechselt hatte, offen. „Der Gegner muss ja nicht alles wissen.“

Doch, sollte er. Und der HSV versucht das auch. Wie ich die HSV-Spielanalysten (Matze, alles Gute…!) kenne, wissen sie auch nahezu alles und stellen die Mannschaft detailliert auf den euphorisierten Aufsteiger ein. Dabei bekommen die Spieler einzeln CDs von ihrem potenziellen Gegenspieler und etwaigen Stärken wie Schwächen. Insbesondere vor Angreifer Ujah warnte Slomka, womit ich wieder bei den Innenverteidigern bin, auf die es morgen maßgeblich ankommen wird. Denn in Köln wird es eine erste Tendenz geben, ob der HSV sein Defensivproblem (75 Gegentreffer in der abgelaufenen Saison) in Teilen oder gänzlich wegtrainieren konnte. Und das noch ohne Cléber. Und ohne Tah. Und ohne Kacar, den bis zu seiner Verletzung großen Gewinner der Vorbereitung.

In diesem Sinne, Daumen drücken! Es wird ein schwieriger Auftakt. Zum einen trifft man auf euphorisierte Aufsteiger, zum anderen weiß man noch nicht genau, wo man steht. Ob das anschließend besser zu benennen ist, weiß ich nicht. Aber wie immer wird es im Anschluss an das Spiel unser Matz ab live geben. Diesmal sind die beiden Ex-HSV-Profis und Fußballexperten Andreas Fischer und Stefan Schnoor zu Gast. Sendebeginn ist wie immer 15 Minuten nach Schlusspfiff. Ach ja, und dann noch im Abspann eine Ankündigung für alle, die vom HSV nicht genug kriegen können! Aber lest selbst…

Bis morgen!
Scholle

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ startet am kommenden Montag (25. August). Jede Ausgabe kostet nur 0,89 Cent im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

***AKTUALISIERT: Kommt Innenverteidiger Cléber?*** Elfmeterschießen! HSV zittert sich weiter!

18. August 2014

***Aktualisiert: Laut brasilianischen Medien wechselt Innenverteidiger Cleber Janderson Pereira Reis (23, Corinthians) zum HSV. Den Medizincheck soll er bereits am heutigen Dienstag absolvieren.***

Auch einige andere Erstliga-Vertreter mussten an diesem Pokal-Wochenende mächtig zittern, benötigten dann sogar noch das Elfmeterschießen. Alles ganz normal. Und überall war zu hören: „Es ging doch nur ums Weiterkommen.“ Da wollte der HSV nicht ganz ohne in die Runde zwei, er machte es beim 1:1-2:2-6:3-Sieg nach Verlängerung und Elfmeterschießen ebenfalls spannend. Und wie! Souverän und gut ist etwas anderes, aber hier ging es tatsächlich nur ums Überleben. HSV-Trainer Mirko Slomka hatte sein Team ohne Matthias Ostrzolek und Pierre-Michel Lasogga aufgestellt, die beiden saßen zunächst auf der Bank, zudem fehlten Zoltan Stieber und Nicolai Müller, die beide in Hamburg saßen. So sahen die 15 000 Zuschauer in der Lausitz zunächst nur den „alten HSV“. Und so „alt“ spielte er dann auch, eben immer noch wie der HSV 2013/14. Aber wie war das dann noch? Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige, und das war eben der HSV.

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Das wird kein Spaziergang für den Erstliga-Vertreter, das war mit dem Anstoß sonnenklar. Cottbus biss, Cottbus ging zur Sache, Cottbus verschenkte nicht einen Zentimeter. Von Beginn an war klar, dass zwischen diesem Drittliga-Club, nämlich der FC Energie, und dem Testspiel beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt Welten liegen. Die Erfurter spielten dagegen fast körperlos. Und ehe der HSV ins Spiel gefunden hatte, lag er schon zurück.

Heiko Westermann wollte den Ball zurück in die Arme von Rene Adler köpfen, traf die Kugel aber nicht voll. Der HSV-Keeper musste raus aus dem Kasten, Petr Jiracek wollte seinem Schlussmann den Vortritt lassen, doch Adler kam etwas zu spät. Er prallte mit Energie-Spieler Perdedaj zusammen, kam nicht an den Ball – Schiedrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) entschied auf Elfmeter, und das war richtig (9.). Den Strafstoß verwandelte Zeitz ganz souverän, Adler lag in der falschen Ecke, der Drittligist führte (10.).

Damit wurde die Aufgabe noch einen Tick schwieriger. Cottbus erhöhte den Einsatz, es ging verstärkt zur Sache, und das Publikum war natürlich ganz auf der Seite des Energie-Teams. Bei HSV-Fouls brannte schnell die Luft, auch das war vorher klar – von wegen Stadion der Freundschaft. Den ersten Schuss der Hamburger, der Richtung Energie-Tor flog, den gab Milan Badelj in der 13. Minute ab, der Mittelfeldspieler schoss aus 20 Metern – und schoss auch 20 Meter hoch und weit am Tor vorbei. Kurios: Die erste Gelbe Karte erhielt Sekunden danach Ivo Ilicevic, der Michel umrannte. Gar nicht seine Art, aber der Pokal hat wohl doch andere Gesetze . . .

Nach einer Viertelstunde taute der HSV etwas auf. Artjoms Rudnevs tankte sich links großartig durch und passte zur Mitte, wo Rafael van der Vaart aus zwölf Metern schoss – doch Keeper Kevin Müller hielt großartig. Und er war auch auf der Höhe, als Ilicevic von rechts flach auf das Tor schoss, Fußabwehr, Eckstoß, aber kein Ausgleich. Dann dauerte es bis zur 37. Minute, ehe der HSV wieder einmal von einem Tor träumen durfte. Van der Vaart schoss aus halblinker Position und aus zwölf Metern am langen Eck vorbei. Mehr war leider nicht. Cottbus hatte zwar auch nichts, beschränkte sich mehr oder weniger auf die Defensiv-Arbeit – und die wurde fast hundertprozentig, konzentriert und diszipliniert erledigt. Am Rande war Trainer Krämer der zwölfte Mann, er schien immer auf Ballhöhe.

Kuriosum am Rande. Weil Cottbus-Ersatzspieler Holz den Ball auf das Spielfeld schoss, obwohl der HSV gerade mit einem anderen Ball einwerfen wollte, zeigte Kinhöfer die Gelbe Karte. Völlig berechtigt. Aber das brachte dem HSV auch nichts Zählbares, es ging mit einem 0:1-Rückstand in die Halbzeit-Kabine.

Zum zweiten Durchgang kam ein veränderter HSV auf den Rasen: Pierre-Michel Lasogga kam für Petr Jiracek, Rudnevs ging nach rechts, Ilicevic nach links, Jansen rückte links in die Viererkette zurück. Wenn es denn hilft . . .

Es half. Der HSV wurde besser, spielte mehr und mehr Richtung Cottbus-Tor. Und in der 70. Minute stand es dann zum Glück auch 1:1. Van der Vaart schlug aus der halblinken Position einen Freistoß in den Energie-Strafraum, dort steigen viele Spieler hoch, doch Heiko Westermann stieg gegen Möhrle am höchsten und köpfte den Ball zum Ausgleich ein. Endlich. Wenigstens diese Etappe war geschafft.

Und fast wäre der HSV in der 73. Minute sogar in Führung gegangen. Dennis Diekmeier flankte von rechts, Pierre-Michel Lasogga schoss direkt aus acht Metern, doch der Schuss wurde abgeblockt – Chance vorbei.

Dann kam die 88. Minute. Lasogga tauchte vor Torwart Müller aus, wollte ihn umspielen, vielleicht auch nur überlupfen, aber es gelang nicht. Und den Nachschuss setze Ivo Ilicevic weit über das Energie-Gehäuse. Und noch einmal Aufregung in den Schlusssekunden. Erst lenkte Adler einen Mimbala-Freistoß über die Latte, und in der 92. Minute köpfte Rudnevs aus 16 Metern (nach schwacher Faustabwehr von Müller) knapp am rechten Torwinkel vorbei – vorbei ist vorbei, auch wenn es knapp war.

Verlängerung.

Und in der hatte zunächst Rafael van der Vaart seinen großen Auftritt. Er schoss einen 22-Meter-Freistoß aus der halbrechten Position in den oberen rechten Winkel, zum Glück stand die Energie-Mauer so weit weg vom Ball, sodass dieser Schuss auch ganz genau „passte“ (96.), ein herrliches „Tor des Monats“.

Und die Entscheidung? Es wäre so schön gewesen. Sekunden vor dem zweiten Halbzeitpfiff aber hieß es 2:2. Johan Djourou ließ sich ohne Gegenwehr überlaufen, Michel traf flach aus halblinker Position – die Zitterei begann von vorne. Bis zum Schlusspfiff in der 120. Minute spielte dann mehr oder weniger Cottbus, der HSV war da in die Fürth-Form abgetaucht. Die harte Vorbereitung? Oder war die harte Vorbereitung noch nicht hart genug? Immerhin, in der 120. Minute gab es noch ein Lebenszeichen aus Hamburg, doch Lasoggas Hechtkopfball war zu harmlos – gehalten. Und ab ins Elfmeterschießen.

1:0 van der Vaart, dann hält Adler den Schuss von Pawela, 2:0 Djourou, 2:1 Holz, 3:1 Jansen, dann hält Adler den Schuss von Michel, 4:1 Rudnevs. Ende gut, alles gut.

Der HSV mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jiracek (ab 46. Lasogga); Badelj (ab 61. Arslan), Behrami; Ilicevic (ab 115. Zoua), van der Vaart, Jansen; Rudnevs.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hatte nicht viel zu tun, wurde aber kalt erwischt, als er in der neunten Minute den Elfmeter verursachte. Ansonsten wach, wenn er es sein musste, ohne dass er Großtaten verrichten musste. Und souverän sieht sein Spiel dann auch immer noch nicht wieder aus. In der Verlängerung wurde er stärker gefordert – und ich weiß nicht, ob er das 2:2 (105.) früher und in Bestform nicht vereitelt hätte? Super dann allerdings, dass der HSV-Keeper im Elfmeterschießen zwei Schüsse abwehrte – er ließ den HSV dann doch in Runde zwei rutschen.

Dennis Diekmeier hatte in der Defensive kaum einmal Probleme, nach vorne waren zunächst die Räume eng, dadurch kam er kaum einmal erfolgsversprechend zum Zuge, aber zweite Halbzeit kam „DD“ auf Touren und schlug einige sehr schöne Flanken. Ein guter Auftritt.

Johan Djourou spielte seinen Job sehr routiniert herunter, er ist wesentlich besser geworden, als in seiner Anfangszeit beim HSV – eine große Stütze.

Heiko Westermann war sichtlich bemüht, keinen Fehler zu machen – beim Elfmetertor gelang das nicht völlig. Ansonsten beschränkte er sich auf Sicherheitspässe über sieben, acht Meter, mehr Risiko ging er nicht, sollte er wohl auch nicht. Bis auf die Standardsituationen, denn da ist seine Kopfballstärke gefragt – wie in der 70. Minute, als er das wichtige und erlösende 1:1 köpfte.

Petr Jiracek liebt hinten links nicht, dennoch wird er dort aufgestellt (und Marcell Jansen ist mit im Team!). „Jira“ konnte nicht an seine ansonsten guten Leistungen in der Vorbereitungen anknüpften, hatte hinten Schwierigkeiten und brachte nichts nach vorne, da war es klar, dass er zur Pause geopfert werden würde. Er wurde. Ein schwacher Auftritt des Tschechen.

Milan Badelj zeigte Licht und Schatten, aber immer dann, wenn es den Anschein hatte, dass er jetzt sein Spiel gefunden hat, machte er es mit einer schlechten Aktion wieder zunichte. Schade. Dass er in der 61. Minute raus musste, war folgerichtig.

Valon Behrami will mehr Verantwortung übernehmen, macht es auch, aber es passt noch lange nicht alles. Immerhin: In der siebten Minute rüffelte er lautstark eine Fehlleistung seines Mitspielers Jiracek, das ist schon mal ein gutes Zeichen, dass da endlich einmal Leben in die Bude kommt.

Ivo Ilicevic spielte mit, hatte auch nette Szene, aber bei ihm vermisse ich den unbändigen Einsatz, dass er sich reinhängt bis zur völligen Erschöpfung. Das gibt es leider nicht. Es ist mitunter schön anzusehen, was er macht, aber es kommt so richtig nichts dabei herum. Und mit zunehmender Spieldauer tauchte er immer mehr ab. Leider, leider.

Rafael van der Vaart war zwar nicht von Anfang an im Spiel, aber er steigerte sich, wollte auch, bot sich immer wieder an und hatte auch in Halbzeit eins die besten Chancen. Er kommt noch, ganz sicher, vielleicht sogar noch einmal in Bestform – heute waren bereits gute Ansätze zu sehen. Und sein Tor wird ihm weiter auf diesem Weg helfen.

Marcell Jansen suchte in Halbzeit eins seine Rolle im linken Mittelfeld, gefunden hat er sie nicht richtig. Zweite Halbzeit ganz hinten war er wertvoller, keine Frage.

Artjoms Rudnevs war bemüht, hatte auch durchaus gute Szenen, war aber dann auch zu oft allein auf sich gestellt. Nach der Pause, mit Lasogga an der Seite, noch etwas aktiver, wenn auch nicht glücklicher (im Abschluss). Dennoch nicht schlecht.

Pierre-Michel Lasogga (ab 46. Min. für Jiracek) spielte zunächst sehr unauffällig, erst nach dem 1:1 machte er so richtig gut Alarm. Sein Einsatz war enorm wichtig, weil er jede Abwehr verunsichert.

Tolgay Arslan (ab 61. Min. für Badelj) brachte sofort mit einem Alleingang Schwung, das war ein guter und gelungener Kurz-Auftritt. Er zeigte Leben, er biss, er riss sogar mit, auch wenn das eventuell einige „Matz-abber“, die das Spiel nicht gesehen haben, nicht glauben werden.

Jacques Zoua (ab 115. Min. für Ilicevic) kam und lief noch ein wenig mit. Und schoss sogar noch einmal auf das Tor, doch Müller hielt ohne Mühe.

PS: Morgen, am Dienstag, wird um 10 Uhr im Volkspark trainiert.

21.13 Uhr

Lasogga ist plötzlich der Hoffnungsträger

17. August 2014

Schade, schade, schade. Zwei neue Flitzer hätte der HSV in der Offensive gehabt, doch nun ist es amtlich: Weder Nicolai Müller noch Zoltan Stieber können morgen, am Montag, im DFB-Pokalspiel in Cottbus gegen den Drittliga-Vertreter FC Energie zum Einsatz kommen. Der ehemalige Mainzer Müller leidet unter einer Adduktoren-Verletzung, der früherem Augsburger Stieber leidet an einer Fußprellung. Beide traten die Dienstreise in die Lausitz gar nicht erst mit an, und das ist nicht nur schade, sondern jammerschade. Sowohl Müller als auch Stieber hätten im Stadion der Freundschaft wahrscheinlich nach allen Regeln der Kunst herumgewirbelt, doch darauf müssen die HSV-Fans, 2000 sollen bei diesem Erstrunden-Spiel im Stadion sein, nun noch mindestens eine Woche verzichten. Leider. Müller und Stieber hätten für frischen Wind im HSV-Sturm gesorgt.

Aber vielleicht fällt diese Rolle ja nun doch Pierre-Michel Lasogga zu. Lange war er verletzt und nahm nicht am Mannschaftstraining teil, doch nun geht es mit ihm (steil) bergauf. Trainer Mirko Slomka benannte nach dem 45-minütigen Training am Sonntag folgenden HSV-Kader: Adler, Drobny, Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen, Tah, Jiracek, Ostrzolek, Skjelbred, van der Vaart, Behrami, Badelj, Arslan, Rudnevs, Zoua, Ilicevic und Lasogga.

Im Prinzip ist es ja so, dass Lasogga von Beginn an spielen muss. Dafür sprechen zweierlei Gründe: Erstens war ohne ihn zuletzt (und auch in der vergangenen Saison) herzlich wenig los im HSV-Angriff, und zweitens bringt ihn jede Minute weiter voran. Vergleichbar mit der Maßnahme, die an diesem Wochenende Dortmunds Trainer Jürgen Klopp mit Marco Reus vornahm. Der Nationalspieler, für mich der beste deutsche Feldspieler zurzeit, war zehn Wochen lang verletzt, sein Comeback war erst in einigen Wochen erwartet worden – und dann lief er im Spiel gegen die Stuttgarter Kickers als Kapitän der Borussia auf – und kickte so lange, wie die Kräfte reichten. Nach einer Stunde ging Reus zum Duschen. Das könnte Lasogga dann doch auch machen, mit einer 3:0-Führung im Rücken, von ihm selbst herausgeschossen . . .

Dann wäre Lasogga der Hans im Glück des HSV. Viel Pech dagegen entwickelt in diesen Tagen Maximilian Beister. Nach seinem Kreizbandriss zu Beginn des Jahres wäre er jetzt normalerweise „dran“ gewesen, wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen, aber das Gegenteil ist der Fall. „Scholle“ sprach heute mit „Maxi“, und der war total niedergeschlagen, denn er hat einen riesigen Rückschlag erlitten. Beister wird morgen, an diesem Montag, in Augsburg am Meniskus operiert. Das bedeutet, dass er weitere drei bis vier Wochen warten muss, bevor es wieder mit den Kollegen „auf dem Acker“ zur Sache gehen kann. Und ein Einsatz in einem Bundesliga-Spiel wird wohl noch bis Mitte oder Ende Oktober auf sich warten lassen. Bitter für den Pechvogel des HSV, aber auch diese Zeit wird er überstehen – um dann mit noch mehr Energie zurückzukommen.

Apropos Energie. So die ganz dicken Überraschungen sind im Pokal bislang ja ausgeblieben, von Mainz und Stuttgart mal abgesehen, aber auch das kam nicht gerade unerwartet. Hoffentlich ist die dickste Überraschung nicht noch am Montag „im Pott“. Der FC Energie ist für mich nach dem Zweitliga-Abstieg relativ unbekannt, aber irgendwie denke ich immer wieder an den vergangenen Dienstag, als der HSV in Erfurt gegen den Drittliga-Club Rot-Weiß testete. Ich schrieb es seinerzeit, dass wir mit der Rot-Weiß-Mannschaft in die Katakomben des Stadions gingen, und als wir (Medien-Vertreter aus Hamburg) nach der Stärke von Cottbus fragten, antwortete ein RWE-Spieler doch: „Die sind schwach. Wir haben dort zwar nur 0:0 gespielt, aber wir hätten klar gewinnen müssen, weil wir viele große Chancen hatten . . .“

Das stimmt mich nach wie vor optimistisch, das muss ich sagen, aber ein kleiner Zweifel bleibt doch. Zumal ich nach dem Spiel in Erfurt mit zwei einheimischen Kollegen sprach, denn irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Rot-Weißen doch ein wenig mit „gebremsten Schaum“, soll heißen fast körperlos, gegen den HSV gespielt hatten. Und siehe da, auch diese Kollegen, unabhängig voneinander, hatten dasselbe Gefühl. Und dass Cottbus gegen den HSV ebenfalls fast körperlos spielen wird, das glaube ich nun doch nicht so ganz, im Stadion der Freundschaft ging es, wenn Hamburg zu gast war, immer hoch her. Das wird wohl auch diesmal nicht anders sein.

Die Deutsche Presse-Agentur hat dazu folgenden Bericht veröffentlicht:

Endlich wieder großer Fußball in Cottbus – Erinnerung an 1997
Für den in die Dritte Liga abgerutschten FC Energie Cottbus ist das DFB-Pokalspiel gegen Bundesligist Hamburger SV eine Chance, sich endlich wieder einmal auf der großen Fußball-Bühne zu präsentieren. „Wir probieren, dieses Spiel zu gewinnen“, erklärte Trainer Stefan Krämer vor der Partie am Montag (18.30 Uhr) im Stadion der Freundschaft. Der seit Saisonbeginn in der Lausitz arbeitende Chefcoach schloss aber auch an: „Wir sind keine Träumer und wissen, dass wir ans Limit gehen müssen, um vielleicht eine Überraschung zu schaffen.“

Mittelfeld-Neuzugang Rok Elsner steht vor seinem Debüt. Das Abschlusstraining am Sonntag fand ohne Medien und Fans statt – ein Novum bei Energie. Marco Holz will trotz Knieproblemen spielen, sofern die Schmerzen nicht zu groß sind. „Dass er sich für die Mannschaft quält, spricht für den Geist, der in diesem Team herrscht“, betonte Krämer. Ob der Trainer Mittelfeldspieler Holz von Beginn an bringt oder als Joker, ist noch offen. Sven Michel, der seine Blessur auskuriert hat, ist gegen den HSV einsatzbereit. Anton Makarenko fällt wegen einer Muskelverletzung aus. Rene Renno, Leonhardt Kaufmann und Thomas Hübener fehlen ohnehin langfristig.

Als Regionalligist, damals dritte Liga, hatte Energie 1996/97 die erfolgreichste Saison im DFB-Pokal gespielt. Die Cottbuser waren bis ins Endspiel vorgestoßen, unterlagen dort dem VfB Stuttgart mit Trainer Joachim Löw 0:2. Mit ihrem Coach Eduard Geyer stieg der FC Energie drei Jahre später erstmals in die Erste Liga auf.

Mit einem Erstliga-Aufstieg muss sich der HSV zum Glück nicht beschäftigen, aber eventuell ja mit einem Pokalsieg. Und diese Mannschaft soll dafür sorgen, dass die Hoffnungen auch am späteren Montagabend noch Bestand haben: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Ostrzolek; Badelj, Behrami; Ilicevic, van der Vaart, Jansen; Lasogga. Schiedsrichter der Partie ist Thorsten Kinhöfer aus Herne.

Erfreuliches hat an diesem Wochenende schon mal (wieder) die Zweite geleistet. Sie gewann das Heimspiel gegen Weiche Flensburg mit 3:1, wobei dass das erste Gegentor im vierten Spiel war. Ein Schönheitsfehler. Ansonsten aber ist und läuft alles super bei den Rothosen-Talenten. Was, ich kann es immer wieder nur wiederholen, an Trainer Josef (genannt Joe) Zinnbauer liegen soll. Der Mann gibt mächtig Gas. Und setzt sich auch voll für den Erfolg ein. Gestern war er beim Spiel seiner Mannschaft (natürlich), heute sah er am Vormittag die A-Jugend spielen (0:2-Heimniederlage gegen Carl-Zeiss Jena), und nachmittags war er in Neumünster und sah den VfR gegen den kommenden HSV-Gegner Wolfsburg II (nächstes Wochenende) mit 0:1 verlieren.

PS: Dann gab es noch diese Meldung:

Der frühere Bondscoach und ehemalige Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, Bert van Marwijk, wird doch nicht neuer Nationaltrainer Südkoreas. Laut der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf sollen die Gespräche zwischen dem 62-Jährigen und dem südkoreanischen Fußball-Verband (KFA) gescheitert sein. Der Niederländer wollte angeblich mehr Zeit zu Hause als in Südkorea verbringen. Anfang August war bekannt geworden, dass van Marwijk, der Oranje 2010 bis ins Finale der WM in Südafrika geführt hatte, mit dem südkoreanischen Verband über einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2018 in Russland verhandelt. Damit bleibt die Nachfolge von Hong-Myung Bo in Südkorea weiter ungeklärt. Der südkoreanische Ex-Nationalspieler war im Juli nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zurückgetreten. (SID)

Zu diesem Thema fällt mir ein HSV-Fan ein, der mir kürzlich beim Training sagte, dass er nicht glaube, dass van Marwijk Trainer in Südkorea wird: „Der soll die Bedingung gestellt haben, dass er erst am Spieltag anreisen muss, weil er bis dahin seinen Hund und seine Enkel betreut . . . Aber das macht nicht mal Südkorea mit.“

PSPS: “Scholle” und ich werden morgen (an diesem Montag) nach dem Schlusspfiff in Cottbus, der gegen 20.20 Uhr erfolgen sollte oder könnte, erstmalig in dieser neuen Saison wieder mit “Matz ab live” auf Sendung sein. Wäre wunderbar, wenn Ihr wieder so zehlreich wie zuletzt “einschalten” würdet.

18.16 Uhr

Ostrzolek da, Müller trifft – 3:1 in Erfurt!

12. August 2014

Generalprobe gelungen. So spielt „man“ gegen einen Drittliga-Vertreter. Der HSV gewann das Testspiel gegen Rot-Weiß Erfurt mit 3:1 und ist für den Pokalfight am Montag in Cottbus gut gerüstet. Vor 5447 Zuschauern geriet dieser Erfolg zu keiner Phase des Spiels in Gefahr, der HSV diktierte gegen den Tabellensiebten der Dritten Liga von Beginn an das Geschehen und spielte fast in jeder Szene souverän. So müsste es eigentlich auch mit dem Sprung in die zweite Hauptrunde des DFB-Pokals klappen. Erfreulich aus Hamburger Sicht: Neuzugang Nicolai Müller war erstmalig von Beginn an dabei, spielte 59 Minuten mit und gefiel mit einigen Sprints und schoss zum Einstand gleich ein schönes Tor. Gut ebenfalls für den HSV: Heute wurde der Augsburger Matthias Ostrzolek unter Vertrag genommen.


Vor dem Anpfiff sah es wie bei einem Spiel im Volkspark aus. So viele Fans mit HSV-Trikots, das war und ist schon sensationell. Ja, aus Thüringen und aus dem Osten überhaupt kommen eben viele, viele HSV-Anhänger – aber es war schon wunderbar zu sehen. Und eine kleine Sensation war es auch, was Wilfried Mohren, der Pressechef der Rot-Weißen, vorher per Mikrofon aus dem Innenraum des Steigerwaldstadions verkündete: „Das verdient mal einen Sonder-Applaus, der HSV spielt hier heute in Erfurt ohne jede Antrittsgage.“ Es gab Applaus, aber auch einige erstaunte Gesichter. Der HSV verzichtet auf Geld? Er flog doch aus Hamburg nach Erfurt und dann am Abend noch zurück. Das kostet doch auch. Aber der Hintergedanke bei diesem Spiel war (wohl), dass Erfurt Drittliga-Vertreter ist, und erst kürzlich gegen den HSV-Pokal-Gegner Energie Cottbus um Punkte gespielt hat – in der Lausitz. 0:0. Das war für Trainer Mirko Slomka offenbar ein Wink mit dem Zaunpfahl. Drittligist, dazu gerade gegen Cottbus gespielt – einen besseren Test gibt es ja gar nicht.

Wir Hamburger Medien-Vertreter hatten das Glück, mit der Erfurter Mannschaft in den Innenraum gehen zu können. Bei der Gelegenheit, es bot sich an, kam die Frage: „Wie stark ist Cottbus?“ Da sprach ein Stammspieler der Rot-Weißen, ich möchte den Namen hier nicht nennen, um ihn nicht zu demaskieren: „Die können gar nichts, die sind so schwach – wir hatten etliche Chancen und hätten eigentlich klar gewinnen müssen.“ Na dann. Dann weiß der HSV ja, und ich schreibe diese Zeilen nun genau elf Minuten vor dem Anpfiff, nach diesem Test genau, was in Cottbus erforderlich ist, um die zweiten Pokalrunde zu erreichen.

So, um diesen Zwischenstand zu geben – das Spiel läuft. Der HSV spielt bei herrlichstem Sonnenschein in den Auswärtstrikots. Und der HSV spielt von Beginn an mit Neuzugang Nicolai Müller. Zweiter Neuling ist Valon Behrami. Und ein anderer „Neuer“ war dabei, obwohl er gar nicht mitspielte. In der Anfangsphase wurde bekannt, dass der HSV den Augsburger Linksverteidiger Matthias Ostrzolek unter Vertrag genommen hat. Ein guter, nein, ein sehr guter Mann, wie mir Kollegen aus Augsburg bescheinigt haben – ich freue mich schon auf ihn. Und gefreut haben sich sicherlich auch die Erfurter, auf den HSV. Aber eine so seltsame Stimmung habe ich selten mal in einem Stadion erlebt – wie hier. 20 Minuten gespielt, aber laut ist hier niemand. Ich komme mir vor wie in einem Opernhaus oder einem Theater. Es hat geklingelt, alle haben ihre Plätze eingenommen, gleich hebt sich der Vorhang. Es ist ein leises Gemurmel zu hören – mehr nicht. Seit 20 Minuten. Und indem ich fertig damit bin, skandieren die „stehenden“ HSV-Fans: „Auf geht’s Hamburg schießt ein Tor, schießt ein Tor . . .“ Aber danach sah es nun noch gar nicht aus. Keine Mannschaft hatte bislang eine Chance.

Ja, man muss eben nur davon schreiben. Nun führt der HSV 1:0. Dennis Diekmeier geht rechts durch, wird von Erfurts Czichos am rechten Strafraum gefoult, Schiedsrichter Schwermer erkennt – zum Glück – auf Vorteil, denn Nicolai Müller „übernimmt“ die Kugel und flankt. Nicht mal optimal, der Ball kommt halbhoch zur Mitte, und dort hechtet Jacques Zoua – 50 Zentimeter über der Grasnarbe – in die Flanke und köpft aus drei Metern ein (26.). Na bitte, es geht doch!

Und gleich noch einmal Müller. Diekmeier schickt ihn rechts steil, und dann geht der ehemalige Mainzer ab wie Schmidts Katze. Hey, da kommt Freude auf. Müller zieht los, wie ich es von einem Hamburger schon seit langer, langer Zeit nicht mehr gesehen habe. Die „Bild“ würde schreiben: „Raketenantrieb“. Da ist selbst Diekmeier, der hinter dem HSV-Neuling spielt, nicht so schnell. So kann Nicolai Müller aber eine hervorragende „Waffe“ des HSV werden. Ganz großartig.

Dieses Prädikat bekommt auch das 2:0 von mir. Ein kurioses Tor. Erst gab es Gelächter von den Rängen, als Jaroslav Drobny den Ball nach einen Rückpass ins Toraus spielt: Eckstoß. Der aber wird zum Konter für den HSV, Diekmeier zieht über rechts los, sprintet 40 Meter im Höchsttempo, lässt dabei drei Erfurter stehen, dann der mustergültige Pass zur Mitte, und dort stehen gleich drei Hamburger völlig frei und wirklich total allein vor Torwart Klewin. Rafael van der Vaart erhält das Zuspiel, und der Niederländer versucht sich mit einem tollen Heber – drin (45.). Ein Super-Tor, das viel Beifall erhielt – Halbzeit.

Im zweiten Durchgang zeigte Nicolai Müller dann auch gleich seinen Torriecher. Der eingewechselte Zoltan Stieber passte den Ball von links zur Mitte, wo Freund und Feind an der Kugel vorbeiliefen, doch am langen Pfosten lauerte Müller und drosch die Kugel hoch und hart unter die Latte – ein schönes Ding, ein traumhafter Einstand.

Doch auch Erfurt hatte noch etwas Schönes zu bieten. Weis hämmerte den Ball in der 63. Minute aus 18 Metern genau in den rechten oberen Torwinkel, da blieb dem guten Drobny nur das Nachsehen. „Erfurt eins, Hamburg null – danke“, sagte der Stadionsprecher, der an diesem 12. August morgens geheiratet hatte. Das ist mal Einsatz zu nennen. Und auch beim HSV gab es etwas zu feiern, nämlich den 35. Geburtstag von Co-Trainer Zlatan Bajramovic.

Gut beim HSV: Wieder einmal Valon Behrami, der im Mittelfeld sehr aufmerksam und konzentriert spielt, diesmal auch kaum einen Fehler (kurz nach dem Seitenwechsel aber legte er Erfurt „einen“ auf!) beging. Das, was der Schweizer spielt, hat Hand und Fuß, er ist mit Sicherheit eine große Bereicherung für den HSV und schon jetzt eine zentrale Figur im Mittelfeld – sowohl nach vorne als auch nach hinten (mit gutem Auge und Spielwitz). Was auffällig ist: Behrami sucht mehr als seine Kollegen das Zusammenspiel mit Rafael van der Vaart. Das heißt, der Schweizer füttert van der Vaart mehr als der das bislang von den Mitspielern gewöhnt war. Das stimmt mich sehr zuversichtlich. Da haben sich zwei gefunden – oder finden sich, die spielbestimmend werden könnten für den HSV. Könnten, oder dann doch auch sollten.

Gut, trotz seines kleinen Fehlers vor dem 2:0, auch Jaroslav Drobny. Der Tscheche spielte sehr gut mit, war bei Steil-Angriffen des Gegners schnell, blitzschnell, aus seinem Gehäuse und ließ so erst gar keine Gefahr aufkommen. Das sah wirklich schon wieder wie „Fürth“ aus, als Drobny den HSV vor dem Absturz bewahrte. Wobei er diesmal deutlich weniger zu tun bekam, das ist natürlich auch klar. Aber dann, wenn er gefordert war, dann war er auch zur Stelle.

Stabiler wird auch Johan Djourou, der längst nicht mehr so viele Stockfehler in seinem Spiel hat wie noch vor einigen Monaten. Nebenmann Heiko Westermann hatte zwar keinen großen Bock drauf, aber zwei, drei Sachen waren ganz sicher nicht souverän, doch sie wurden von diesem eher harmlosen Gegner nicht genutzt. Hinten links findet Petr Jiracek immer mehr zu Form, er speilt dort hinten (wo er ja gar nicht spielen möchte) durchaus souverän. Wobei ich gerne mal sehen würde, wenn er es mit einem schnellen und dribbelstarken Rechtsaußen zu tun bekommt – wie „Jira“ sich dann wehrt?

Vorne gefiel – zur Überraschung vieler – diesmal auch Jacques Zoua, und zwar nicht nur wegen seines Treffers zum 1:0. Er bewegte sich gut, und er spielte auch gut, brachte die Bälle an den eigenen Mann, bot sich dazu auch immer wieder fleißig an. Geht da doch noch was? Er ist ja noch sehr jung. Und irgendetwas muss doch Thorsten Fink damals, als er ihn holte, gesehen haben. Gut natürlich auch Nicolai Müller, auch wenn er im zweiten Durchgang abbaute, aber das war – nach seiner Verletzungspause – auch nicht anders zu erwarten. Sehr schön, dass er schon so lange wieder dabei war – jede Minute bringt ihn voran.

Alle anderen Hamburger enttäuschten zwar nicht, können aber noch zulegen. Das gilt für Dennis Diekmeier, dem seine Vorarbeit zum 2:0 sichtlich gut tat (er legte danach mächtig zu!), das gilt auch für Rafael van der Vaart, dem aber, ganz erfreulich, deutlich seine Spielfreude, die er nun wieder hat, anzumerken ist. Über die linke Seite, die lange nicht so auffällig war wie die rechte (mit dem Duo Diekmeier und Müller), gefiel Zoltan Stieber (kam zur 46. Min für Ilicevic) besser als sein Vorgänger, er war giftiger und spielfreudiger, nahm deutlich mehr teil am Spiel.

Der HSV begann in Erfurt mit: Drobny; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jiracek; Badelj, Behrami; Müller, van der Vaart, Ilicevic; Zoua. Also ohne Pierre-Michel Lasogga, der immer noch nicht so fit ist, dass er mit der Mannschaft trainieren könnte. Zudem fehlte Marcell Jansen wegen einer Grippe – wie auch Per Ciljan Skjelbred.

In der zweiten Halbzeit kamen Arslan für Badelj und Stieber für Ilicevic (beide 46.). In der 59. Minute kamen Tah für Westermann, Demirbay für van der Vaart und Rudnevs für Müller. In der 75. Minute kamen für Diekmeier und Djourou noch Gideon Jung und Matti Steinmann.

PS: An diesem Mittwoch wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

20.44. Uhr

Valon Behrami ist der Hoffnungsträger

10. August 2014

Manuel Neuer ist Fußballer des Jahres geworden. Er hat es ganz sicher verdient. Obwohl für mich Marco Reus bislang in diesem Jahr der beste deutsche Fußballer war, aber das ist ja auch Geschmackssache. Vom HSV ist es jedenfalls keiner geworden. Wie schon so lange nicht
mehr. Weiß eigentlich jemand von Euch, welche HSV-Spieler zuletzt Deutschlands Fußballer des Jahres war? Natürlich werden es die meisten wissen: Uwe Seeler. Na klar. Er war es sogar dreimal. 1960 der erste Fußballer des Jahres, dann 1964 und 1970. Eine großartige Leistung, wobei ich das nur noch mal erwähne, weil die Jugend von heute ja oftmals gar nichts mehr mit Uwe Seeler anfangen kann. Was ich so sehr bedaure, denn dieser Mann hat Großes für den HSV, für Hamburg und für Fußball-Deutschland geschafft. Und dass es nach ihm keinen anderen Hamburger mehr gegeben hat, das spricht für sich selbst – und selbstverständlich für „uns Uwe“. Deswegen ist es eigentlich so schade, dass sich HSV-Fans so erregen, wenn sich Uwe Seeler zu seinem HSV äußert. Wenn nämlich einer so etwas sagen und machen darf, dann ist es Uwe Seeler, der steht über allen Dingen – aber ich weiß sehr wohl, dass das lange nicht mehr von allen so gesehen wird. Schade, schade, wie ich finde, aber das ist wahrscheinlich der Lauf der (Fußball-)Welt. Irgendwann wird es auch Franz Beckenbauer so ergehen, die Anzeichen dafür gibt es schon heute . . .

 

So, zum HSV. Das heißt, noch nicht so ganz. Heute war Ruhetag im Volkspark. Da es aber so ganz ohne Fußball irgendwie ein schrecklicher (Sonn-)Tag für mich ist, sah ich mir am Vormittag USC Paloma gegen Curslack-Neuengamme an, Oberliga Hamburg. Wer es wissen möchte: 3:2 für die Täubchen. Die neuerdings auf Kunstrasen spielen dürfen, es war der erste Heimsieg in einem Pflichtspiel auf dem neuen Untergrund. Komisch zu sehen, den Platz an der Brucknerstraße, der ganz früher schwarz und dann rot war – Grand natürlich. Einiges davon habe ich heute noch im Oberschenkel . . . Warum ich dieses Spiel überhaupt erwähne? Ich stand da so in der Nähe der Eckfahne und dachte bei mir: „Das müssten die HSVer mal sehen. Die Spieler, der Trainer, die Verantwortlichen.“ Wieso? Weil sich alle Spieler, die da auf dem Platz standen, die Lunge aus dem Leib liefen. Und Paloma, in Halbzeit eins lange Zeit klar unterlegen, ging im zweiten Durchgang auf alles und jeden, was sich mit dem Ball bewegte. Und zwar egal wo. Heißa, da wurde attackiert – und alle Spieler, ganz wichtig (!), machten auch mit. Bis zur 95. Minute. Da wurden die Curslacker schon am eigenen Strafraum attackiert. Dafür muss man erstens laufen können, und zweitens muss man den Willen dazu haben, man muss drittens die Unterstützung des ganzen Teams haben und man muss viertens dazu körperlich in der Lage sein, ein solches Spiel bis zum Ende durchzuziehen. Paloma hatte alles. Kompliment. Und wenn ein Gegner so früh gestört und attackiert und am Aufbau gehindert wird, dann hat der es natürlich schwer oder schwerer, sein Spiel aufzuziehen.

 

Auf der einen Seite kann man aber auch natürlich abwarten, wie der Gegner sich entwickelt, zusehen, wie er sein Spiel aufbaut. Das ist natürlich alles reine Ansichts- oder Geschmackssache des jeweiligen Trainers. Wenn der auf die spielerischen Fähigkeiten seiner Mannschaft vertraut, dann ist es eben besser, auf diese Art sein Spiel zu entwickeln und es dann bis zum Ende auch so durchzuziehen.

 

So, sorry, musste ich mal loswerden. Nun aber wirklich HSV. Noch immer ist ja in der Schwebe, ob der Augsburger Linksverteidiger Matthias Ostrzolek zum HSV kommen wird. Obwohl ich, nach all dem, was ich so vernommen habe, davon überzeugt bin, dass das nun klappen wird, ich denke sogar, recht schnell. Und nach der Verletzung von Gojko Kacar ist auch immer noch – oder wieder – von einem neuen Innenverteidiger die Rede. Philipp Wollscheid von Bayer Leverkusen ist der heißeste Kandidat. Der notorisch klamme HSV würde ein Leihgeschäft favorisieren, Wollscheid möchte das aber nicht ganz so gerne. „Ein Ausleih-Geschäft wäre eine komische Situation, die ich so noch nicht kenne. Es ist auch keine Situation, die ich anstrebe“, hat der frühere Nürnberger den Kollegen der „Rheinischen Post“ verraten. Und weiter gesagt: „Ob es besser ist, in der Champions League auf der Bank zu sitzen oder woanders zu spielen, muss jeder individuell beurteilen. Ich weiß nur, dass die Bank mir nicht gefällt.“

 

Ist schon klar. Wem gefällt sie schon, diese Bank? Es sei denn, man ist 18 Jahre und sitzt dort als hoffnungsvolles Talent, um so irgendwann und in naher Zukunft in die Mannschaft zu kommen. So oder so ähnlich muss ja auch Jonathan Tah ergangen sein – und demnächst wohl auch wieder. Wobei ich hoffe, dass dieses Talent nicht allzu lange auf der Bank wird schmoren müssen. Tah steigt an diesem Montag wieder ins Mannschaftstraining ein, und dann drücke ich ihm die Daumen, dass er schnell wieder den Anschluss an die Kollegen schafft – und dass er bald oder zügig den Trainer davon überzeugen kann, dass er eines der größten deutschen Talente ist. Wäre doch schade, wenn einer wie Tah auf der Bank schmoren müsste, um danach ganz in der Versenkung zu verschwinden. Obwohl, es würde auch irgendwie nach Hamburg passen . . . Es wäre auf jeden Fall kein Einzelfall.

 

Im Moment hat der HSV ohnehin nur zwei Innenverteidiger, die fit und einsatzbereit wären: Johan Djourou, jetzt Vize-Kapitän, und Heiko Westermann. Letzterer, das muss ich noch mal erwähnen, wurde in Lübeck freudig von den HSV-Fans begrüßt (und ich denke, dass das auch tatsächlich ernst gemeint war), und er erhielt mehrfach Sonderbeifall für gelungene Aktionen und für seinen Kampfgeist. Diejenigen, die in Lübeck beim Lazio-Spiel dabei waren, werden wissen, wovon ich schreibe. Es ist nicht übertrieben. Dass Westermann beim Trainer so ins Abseits geraten ist, kann ich mir nur mit der einen Szene erklären, die, zugegeben, immer noch nachhaltige Wirkung zeigt (auch bei mir): 18. Mai in Fürth, Relegationsspiel zwischen Greuther Fürth und dem HSV. Es steht 1:1, der HSV wäre gerettet. Und dann kommt die 88. Minute und damit die Szene von Heiko Westermann. Er legte, warum auch immer, es muss ein totaler Blackout gewesen sein, die Kugel in die Mitte des Strafraums. Das 2:1 für den Zweitliga-Club schien unvermeidbar, doch dann das Wunder. Der Fürther Azemi nutzte dieses Geschenk nicht, er schoss sich, weil er ob dieser „Vorlage“ von Westermann wohl völlig perplex war, mit dem rechten Fuß an das linke Bein – Chance vertan. Es war eigentlich eine Hundertprozentige. Und diesen Fauxpas, eigentlich war es mehr als das, hat dem guten Heiko Westermann, HW4, der Herr Slomka offenbar bis heute nicht so richtig verziehen. Nur so kann ich mir erklären, dass der ehemalige Schalker Slomka den ehemaligen Schalker Westermann – fast wollte ich schreiben eiskalt – auf das Abstellgleis geschoben hat. Und wenn Westermann nun doch zum Einsatz kommen sollte, dann liegt es nur an ihm, seinen Trainer wieder zu überzeugen, damit neues Vertrauen aufgebaut wird. Ob das gelingen wird? Das steht in den Sternen. Aber im Moment herrscht eben Ebbe in der Innenverteidigung, deswegen ist HW4 zurzeit wieder erste Wahl.

 

Anderes Thema. Mitten hinein in die Spekulationen um einen eventuellen Verkauf von Rafael van der Vaart platzte Trainer Slomka mit seiner Kapitänsentscheidung: Der Niederländer soll wieder der Chef auf dem Platz sein. „Diese Entscheidung wird ihn stärken“, sagt HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer und meinte damit, dass Rafael van der Vaart damit gestärkt wird. „Ich habe den Eindruck, dass Rafael wieder richtig attackieren und dabei helfen möchte, den HSV in einem besseren Licht dastehen zu lassen“, sagte Slomka der „Bild am Sonntag“. Folglich müsste ein Transfer zu seinem Heimatverein Ajax Amsterdam, der ihn liebend gern zurück hätte, oder zu Queens Park Rangers in die englische Premier League, vom Tisch sein.

 

Ich habe, das muss ich gestehen, nichts gegen van der Vaart, im Gegenteil, ich sehe, dass er eine gute Vorbereitung macht, und ich sehe in ihm immer noch den besten Fußballer des HSV. Ganz klar. Und wenn er fit ist, danach scheint es nun auszusehen, dann wird er auch seine Leistungen wieder bringen. Als Kapitän aber, das muss ich schon noch loswerden, ist er mir zu leise. Er gibt kaum Anweisungen, er reißt viel zu selten mit (wenn überhaupt einmal), er muntert nicht auf, der rüffelt niemanden nach Fehler a la Westermann. Van der Vaart spielt sein Spiel, aber verbalen Einfluss auf die Kollegen nimmt er so gut wie nicht. Übrigens geschieht das auch von den Mitspielern nicht. Beim HSV ist es viel zu leise auf dem Platz – immer noch, immer wieder. Das ist ein ganz großes Manko. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, dabei wäre es sehr wohl angebracht, dass mal einer auf dem Platz für Ordnung sorgt. Macht aber keiner. Nicht mal der Kapitän.

 

Mit dieser Thematik habe ich Dietmar Beiersdorfer konfrontiert. Und der Boss sagte zurückhaltend: „Das will ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich beurteilen. Ich habe immer gesagt, dass ich erst ein paar Tage – mit Busfahrt, wie Thomas Doll immer gesagt hat – da bin. Ich denke, man muss jetzt das Gespür aufnehmen und sehen, wie sich der Organismus in der Mannschaft entwickelt. Es ist ja kein Status, sondern ein Prozess, und den Prozess wollen wir natürlich versuchen fortzusetzen, und zwar in die richtige Richtung. Da wird mit der Mannschaft gearbeitet, und da wird der eine oder andere Input auch von außen gesetzt. Es ist relativ offensichtlich, dass man immer wieder bemüht ist, frisches Blut in die Mannschaft zu bringen. Man muss sich natürlich auf einem Weg versammeln, das versuchen wir, indem wir unseren Spielern Vertrauen geben, und auf der anderen Seite sagen wir auch, was geht oder was nicht geht. Das ist ja unsere Verantwortung.“

 

Es wird, so mein Empfinden, also auch intern angesprochen werden, dieses Thema. Früher oder später jedenfalls. Im Moment gibt es ja auch einige Baustellen, die dringender bearbeitet werden müssen.

 

Zum Glück, das kann man jetzt schon behaupten, hat sich die Verpflichtung von Valon Behrami schon positiv auf den HSV ausgewirkt, denn der Schweizer ist nach seinem guten Spiel gegen Lazio, nach seiner starken Vorstellung an der Lohmühle, sofort ein großer Hoffnungsträger des HSV geworden. Eine Art Strohhalm, an den sich nun einige klammern könnten – oder sollten. Behrami spielt einen Super-Sechser, legt eine großartige Mentalität an den Tag – und spielt – ganz nebenbei – auch noch einen guten Ball. Da kommt schon Freude auf. Um es mal so zu formulieren: Zehn Behramis (und dazu Rene Adler im Tor) gegen Lazio Rom, und der HSV wäre als Gewinner vom Rasen gegangen. Hoffentlich nehmen sich die Kollegen daran ein Beispiel, wie man eben auch Fußball spielen kann.

 

Wobei ich bei Milan Badelj bin. Der kommt, so hat es den Anschein, noch nicht so richtig in Fahrt. Insider vermuten, dass die bisherige Vorbereitung zu hart für ihn war. Ich vermag das nicht zu beurteilen, zumal ich nicht mit im österreichischen Trainingslager war, aber es könnte etwas dran sein. Erst der Abstecher zu WM, dann die für den HSV restlos ungewohnte harte oder härteste Vorbereitung, das schlägt nicht nur auf die Waden, sondern auch ein wenig auf das Gemüt. Hoffen wir mal, dass sich Badelj daran gewöhnen wird, und dass er letztlich sogar davon profitieren wird. Wäre ja bestimmt auch für den HSV von Vorteil.

 

Und noch ein kurzes Wort zu Petr Jiracek. Der Tscheche macht mir – nach seinen 45 Minuten gegen Lazio – durchaus wieder Hoffnung. „Jira“ beißt, er will, er ist irgendwie spritziger, einsatzfreudiger, „giftiger“ und unternehmungslustiger geworden. Auch wenn er bislang nur auf der von ihn wenig geliebten Links-Verteidiger-Position zum Einsatz kommt. Ich hoffe in dieserSaison auf seinen Durchbruch, bei der EM 2012 in Polen hat er doch bewiesen, dass er es könnte. Und wie schön wäre es, wenn bei ihm jetzt endlich der Knoten platzen würde – es wäre für den HSV ja nur ein weiterer „Neuzugang“. Vielleicht sollte man sich mal beim HSV mit Petr Jiracek etwas intensiver beschäftigen, ihm Mut zusprechen, ihm Vertrauen schenken – es könnte zum Vorteil des Clubs werden.

 

So, dann gibt es noch ein paar interessante Ergebnisse von Testspielen – immerhin eine Woche vor der DFB-Pokalrunde. Und dann ja auch eine Woche später der Bundesliga-Start. Es dauert nicht mehr so lange:

 

Der 1. FC Köln verliert gegen den FC Granada 0:1 (0:0), der SC Paderborn, sieh an, sieh an, gewinnt gegen den FC Everton 3:1 (1:1), Hannover 96 bezwingt Lazio Rom 3:1, und der FC Liverpool fertigt Borussia Dortmund mit 4:0 (2:0) ab. Letztere Partie ist für mich ein Hammer, und ich frage mich, warum ich bei diesem Resultat immer und immer wieder an Jose Mourinho denken muss? Hatte sich der Portugiese nicht gerade in den letzten Tagen nicht unbedingt nett über die Bundesliga geäußert – im Vergleich zu England? Und irgendwie scheint er ja auch gar nicht so falsch zu liegen . . .

 

Und noch ein besonderes Resultat: Die Zweite des HSV setzte ihre Erfolgsserie in der Regionalliga Nord fort, denn auch in Oldenburg wurde gewonnen. 2:0 hieß es am Ende, der HSV ist mit neun Punkten nach drei Spielen ungeschlagener Tabellenführer, hat 9:0 Tore auf dem Konto. Die harte und intensive Arbeit von Trainer Josef Zinnbauer, der von allen nur gelobt wird, scheint sich schon jetzt auszuzahlen.

Zudem erfreulich: Die A-Jugend des HSV gewann zum Auftakt der Bundesliga Nord 2:0 bei Dynamo Dresden. Glückwunsch!

Am Montag wird um 16 Uhr an der Arena trainiert.

 

17.03 Uhr

0:2 gegen Lazio – da passte nicht viel

8. August 2014

Die Meinungen gingen nach dem Spiel auseinander. Der HSV war nicht so schlecht – oder: der HSV war so, wie der HSV zuletzt immer war. Also schlecht. Bis grottig. Für mich war er schlecht, und als ich das schreibe, geht ein HSV-Fan mit seinem Kind an mir vorbei und sagt: „Das war ernüchternd!“ Stimmt. Und es trifft genau. Mit 0:2 verlor der HSV den Test gegen Lazio Rom, und er blieb dabei vieles schuldig. Von einem Aufwärtstrend war nicht so wirklich viel zu erkennen. Vor über 11 000 Zuschauern auf der Lohmühle waren die Italiener die deutlich bessere Mannschaft und kamen völlig verdient zu diesem Erfolg. Beim HSV gab es – bis auf wenige Ausnahmen – kaum einmal Torgefahr, ohne Pierer-Michel Lasogga läuft da nicht viel. Leider, leider. Aber wer weiß, wofür diese HSV-Niederlage gut war – jetzt wissen alle, dass noch viel Arbeit wartet, um tatsächliche eine Trendwende in Sachen Leistung und Fußball schaffen zu können. Wer jetzt nicht aufwacht, hat den Job verfehlt!

Etwas enttäuschend für fast jeden Zuschauer: Miroslav Klose war weder zu sehen noch zu hören – dabei waren doch viele Fans extra wegen des Weltmeisters gekommen. Aber es stand wohl nicht in dem Vertrag, dass er seine Fans doch noch einmal schnell begrüßt – schade, schade . . .

Der HSV wurde in Lübeck richtig herzlich, fast euphorisch empfangen. An der Trave sind die Fußball-Fans hungrig auf den großen Fußball, diese Partie war endlich einmal wieder ein Leckerbissen. Schon beim Einlaufen der Mannschaften gab es donnernden Applaus von den stehenden Zuschauern, und während des Spiels wurden gute Szenen auf offener Szene beklatscht. Besonders die Aktionen von Rafael van der Vaart hatten es den Fans angetan. Zu Beginn jedenfalls. Schnell war dann klar, wer die bessere Mannschaft ist: Lazio. Die Italiener waren sofort im Bilde, waren enorm bissig, sie waren offenbar nicht gekommen, um ein Freundschaftsspiel zu absolvieren – das war ein internationaler Vergleich, und sie diktierten das Geschehen. Erst nach 20 Minuten fand der HSV (etwas) besser ins Spiel. Artjoms Rudnevs hatte nach Pass von Ivo Ilicevic das erste Hamburger Tor auf dem Fuß, kam aber um wenige Zentimeter zu spät, die Kugel rutschte an seinem Fuß vorbei (18.).

Zu diesem Zeitpunkt führten die Römer, die ohne Miroslav Klose angetreten waren (der Weltmeister trainierte vor dem Spiel gemeinsam mit vier Kollegen auf dem Nebenplatz in Lübeck!), bereits 1:0. Gojko Kacar, der sich kurz zuvor schon einen schlimmen Fehlpass vor dem eigenen Strafraum erlaubt hatte, schlug in der fünften Minute nach einer hohen Eingabe der Italiener am Ball vorbei, Djordjevic schoss ohne Mühe aus fünf Metern ein, Rene Adler war chancenlos.

Mitte der ersten Halbzeit entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, allerdings blieb der HSV in der Offensive harmlos. Lazio, in der vergangenen Saison auf Platz neun eingelaufen, traf einmal noch den Pfosten, Adler stand dabei in der ganz anderen Ecke und blieb nur Zuschauer, der HSV hatte zwei Szenen vor dem Tor der Römer. In der 31. Minute schoss Ivo Ilicevic aus 20 Metern zwei Meter über das Gehäuse der Italiener, und in der 42. Minute köpfte Artjoms Rudnevs nach einer Rechtsflanke (!) von Marcell Jansen den Ball als Bogenlampe auf das Lazio-Gehäuse, die Kugel verfehlte dann aber doch klar das Ziel, es gab Abstoß. Ansonsten spielte Lazio das Ding hier clever und ohne große Anstrengungen, so sah das jedenfalls aus, bis zur Pause (es gab viel Beifall beim Halbzeitpfiff) herunter. Indem ich das schreibe muss ich gestehen, dass ich mir nur schlecht vorstellen kann, dass dieser HSV auch nur ein Tor schießt. Aber mal abwarten. Man hat ja auch oft schon die Pferde vor der Apotheke . . .

Der HSV hatte diese Partie in folgender Aufstellung begonnen: Adler; Diekmeier, Djourou, Kacar, Jansen; Behrami, Arslan; Ilicevic, van der Vaart, Stieber; Rudnevs. Mit Valon Behrami und Zoltan Stieber waren zwei „Neulinge“ dabei, dazu ja auch Gojko Kacar und Artjoms Rudnevs – halbe „Neulinge“. Behmrami (der sich vor dem Anstoß ganz herzlich mit Lazio-Profi Keita umarmte), ja aus Italien zum HSV gekommen (Neapel), machte auf mich einen sehr engagierten Eindruck, allerdings leistete er sich einige Flüchtigkeitsfehler, er war im Abspiel nicht immer treffsicher. Aber er war dennoch einer der besseren oder sogar der Beste beim HSV, legte auch in Halbzeit zwei noch bis zu seiner Auswechslung (71. Min.) zu – er war schnell und ging auch aggressiv zur Sache; wie von seinem Nationalcoach Ottmar Hitzfeld („Valon ist einer wie Mark van Bommel“) schon angekündigt. Der Schweizer Nationalspieler wurde nach dem Schlusspfiff auch zum besten Spieler der Partie gewählt (oder auch nur gekürt) – verdient. Sicherlich aber muss er sich, Behrami, noch an seine neue Umgebung gewöhnen. Das gilt wohl auch für Zoltan Stieber. Er macht auf mich stets (auch im Training) einen quirligen Eindruck, diesmal allerdings blieb er ohne Durchsetzungsvermögen. Weil die Unterstützung fehlte? Oft schien es so, als sei er rechts allein auf sich gestellt, Dennis Diekmeier, zuletzt auch offensiv stark, blieb ohne Szene nach vorne. In Halbzeit eins.

Der zweite Durchgang sah eine etwas veränderte HSV-Mannschaft: Adler; Westermann, Djourou, Kacar, Jiracek; Badelj, Behrami (71. Min. Skjelbred); Stieber (62. Min. Zoua), van der Vaart (62. Demirbay), Ilicevic; Rudnevs.

Auffällig bei dieser Formation: Heiko Westermann scheint nun tatsächlich auf dem Weg zu einem Abstellgleis. Was ich persönlich sehr bedauere, allerdings weiß ich sehr wohl, dass sich Trainer Mirko Slomka mit dieser Entscheidung sehr, sehr viele neue Freunde machen wird. Aber mal abwarten. Es ist für mich, das muss ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen, ist nur eine Momentaufnahme. Ich bin mir ganz sicher, dass, wenn Westermann nicht vorher aufgibt, er schon sehr, sehr bald seinen Stammplatz wieder einnehmen wird. Das ist für mich überhaupt keine Frage.

Das Spiel änderte sich trotz der neuen Leute nicht. Lazio blieb Chef im Ring, wirkte einfach routinierter, abgeklärter, aber auch schneller, gedanklich immer eine Schritt voraus. Der HSV fiel zu oft ein sein Phlegma, das er vor allen in der vergangenen Saison zu oft an den Tag gelegt hatte. Das war auch in vielen Fällen zu brav, einfach zu bieder und ohne große Ideen. Bei aller Liebe, und bei aller Hoffnung darauf, dass es schon bald bergauf gehen könnte (und ja auch soll) – da muss noch hart gerabietet werden. Ganz hart. Und jeder Tag zählt dabei. Sonst könnte es schon am 18. August eine unliebsame und damit auch recht böse Überraschung geben, beim Pokalspiel in Cottbus. Nach dieser Vorstellung von heute mache ich mir doch einige (um nicht zu sagen, ganz große) Gedanken, wie der HSV dort bestehen will.

Immerhin gab es in Lübeck im zweiten Durchgang eine Großchance. Rudnevs legte den Ball am Lazio-Strafraum in den Lauf von Ilicevic, der lief noch einige Schritte und ließ dann einen Hammer los. Aber was für einen! Den Ball suchen sie morgen noch. Das ist ganz einfach zu wenig. In einem so engen Spiel (vom Spielstand her – 1:0), muss eine solche gute Möglichkeit genutzt werden, auf jeden Fall aber muss dieser Ball auf das Tor, und nicht in die Wolken. Das weiß Ilicevic zwar auch, aber das ist dann auch zu wenig – es nur zu wissen. Und, um den Bock noch fett zu machen, nach erneutem Querpass von Rudnevs (und Vorarbeit von Kerem Demirbay) stand Ilicevic noch einmal frei vor dem Lazio-Gehäuse, diesmal schoss er aber aus elf Metern am langen Eck vorbei (79.).

Die Quittung kam prompt, statt des Ausgleichs fiel das 0:2. Mamadou brauchte den Ball nur noch ins leere Tor zu befördern, als Rene Adler zuvor noch gut abgewehrt hatte (81.). Dieses 2:0 machte auch den Unterschied zwischen beiden Mannschaften deutlich, trotz der beiden Ilicevic-Möglichkeiten.

Gut beim HSV: Rafael van der Vaart setzte seinen Aufwärtstrend fort, allerdings fehlt ihm oft die nötige Unterstützung. Nicht dass seine Kollegen nicht wollen, aber oft scheinen sie gedanklich noch einen Schritt zu spät zu sein. Gut ferner Behrami und Johan Djourou sowie Adler. Von den eingewechselten Spielern gefiel mir Petr Jiracek. Aber grundsätzlich gilt: Ale müssen noch mächtig zulegen, aber ganz, ganz kräftig.

Ein Wort noch zu Schiedsrichter Patrick Ittrich. Es ist immer undankbar, wenn ein deutscher Unparteiischer ein solches internationales Spiel pfeifen muss, und hier potenziertes sich das noch, denn Ittrich kommt aus Hamburg. Er pfiff das Ding dennoch gut, auch wenn einige HSV-Spieler (van der Vaart zum Beispiel) nicht immer einverstanden waren mit den Entscheidungen des 23. Mannes. Er machte seine Sache dennoch gut, Kompliment.

Kleine Randnotiz am Rande: Sieh an, sieh an. Klaus-Dieter Fischer, Werder-Ur-Gestein, ist auf der Suche nach Geldgebern. Er, der den HSV wg. der Kühne-Millionen öffentlich kritisiert hat („Wer vernünftig wirtschaftet, der braucht keine Kühne-Millionen“). Da erübrigt sich jeder Kommentar. Fassungslos macht es mich trotz allem, das muss ich gestehen. Und irgendwie, ich muss es doch schreiben, hat Werder auch nicht so arg richtig und gut gewirtschaftet. Das allerdings weiß Fußball-Deutschland ja schon seit einigen Jahren. Deshalb: Wer im Glashaus sitzt . . .

Und dann hat mir ein HSV-Fan eben noch etwas Witziges erzählt: „Bert van Marwijk liebäugelt mit dem Amt des Nationaltrainers in Südkorea. Er würde das unter einer Bedingung machen. Wenn er erst am
Spieltag anreisen kann . . .“

PS: Morgen, am Sonnabend, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt, am Sonntag ist dann ein Frei-Tag.

20.50 Uhr

Der Beiersdorfer-Effekt greift

31. Juli 2014

Hat allen Grund, sich zu freuen. Mit Behrami ist Dietmar Beiersdorfer ein erster richtig guter Deal gelungen.

Hat allen Grund, sich zu freuen. Mit Behrami ist Dietmar Beiersdorfer ein erster richtig guter Deal gelungen.

 

Dietmar Beiersdorfer ist die personifizierte Hoffnung – und er wird seiner Rolle von Beginn an gerecht. Mit dem Schweizer Valon Behrami hat der 50-Jährige seinen ersten richtig großen Coup gelandet. Den Mittelfeldspieler (zwölf Millionen Euro Marktwert laut Tranfermarkt.de) verpflichtete er für gerade einmal 3,5 Millionen Euro vom SSC Neapel. Und das, obwohl neben dem HSV angeblich Inter Mailand sieben Millionen Euro und Atletico Madrid selbst dieses Angebot noch überboten haben sollen. Beiersdorfer ist geldwert – im wahrsten Sinne. Denn Behrami hatte sich dem Vernehmen nach schon lange mit einem Wechsel zum HSV beschäftigt. Bevor er beim SSC Neapel aussortiert worden war. Und bevor er andere Angebote bekommen hatte. Schon während der WM hatte sich der Schweizer Nationalspieler intensiv mit einem Wechsel nach Hamburg auseinandergesetzt, wie sein Freund und HSV-Profi Johan Djourou heute bestätigte. „Ich weiß seit ein paar Tagen, dass er zu uns kommt. Er hatte mir schon vor einigen Monaten erzählt, dass er sich mit der Bundesliga beschäftigt. Und, dass er sehr guten Kontakt zu Didi Beiersdorfer hat.“

Da ist es wieder, das „Prinzip Beiersdorfer“, das schon Spieler wie de Jong, van der Vaart und Co. nach Hamburg brachte: Groß reden können alle – ich mache. Und dabei erlaubt sich Beiersdorfer keine Fehler. So, wie er zu Amtsantritt jedem einzelnen Mitarbeiter des HSV die Hand gab und einen kurzen Plausch hielt, so sehr kümmert er sich auf persönlicher Ebene um „seine“ Spieler. Auch um die, die noch nicht da sind, aber irgendwann kommen sollen. Das kommt an. Und das spart dem HSV hier und da ein paar Euro – mal ganz stark untertrieben formuliert.

Dass dabei auch mal ein Transfer schiefgeht, oder besser: nicht erfolgreich ist – sch….egal. Bei Stefan de Vrij, dessen Geschichte ich hier wie versprochen in voller Länge erzählen und beweisen werde, wenn er fix irgendwo unterschrieben hat, hat’s offenbar nicht geklappt. Mit ManU und letztlich vor allem Lazio Rom hatte Beiersdorfer zwei zu große Konkurrenten im Boot. Da nützte auch alles Persönliche und der gute Leumund des HSV in den Niederlanden nichts, der Innenverteidiger wechselt dem Vernehmen nach nach Italien. Aber: Solange die Quote für eine starke Kaderzusammensetzung beim HSV ausreicht soll und muss es allen recht sein. Mehr ist für den Moment nicht zu erwarten.

„Dukaten-Didi“, wie Beiersdorfer in Anlehnung an sein glückliches Händchen bei An- und Verkäufen von Spielern in seiner Amtszeit als HSV-Sportchef (2002 – 2009) beim HSV genannt wurde, macht seinem Namen gleich zu Beginn seiner Transferaktivitäten alle Ehre. Und das leise. Sehr leise. Bis zum Transfervollzug, der für Freitagmorgen erwartet wird, kam: genau gar nichts. Für uns Journalisten macht es das Arbeiten nicht leichter und die Fans freut es. Ich befinde mich in solchen Momenten immer in einer Zwitterphase – letztlich aber ist das gut, was dem Verein hilft. Wenn es nachhaltig ist. Auch ich sehe das komplett so. Und das ist es bei Dietmar Beiersdorfer. Es ist förderlich für den Verein, der „dank“ seiner inzwischen fast vollzählig abgetretenen Protagonisten in Vorstand und Aufsichtsrat in den letzten Jahren als der neue „FC Hollywood“ verhöhnt wurde. Mehr noch: Es macht den HSV wieder seriös. Didi macht den HSV wieder seriös. Und nichts hat der HSV, die neue Fußball AG, nötiger, als glaubhaft zu sein. Für Fans, Spieler und Berater.

Allerdings, und das muss man festhalten, geht das alles nur, weil Beiersdorfer endlich Planungssicherheit hat. Nach etlichen Verhandlungen hat sich Klaus Michael Kühne jetzt bereit erklärt, dem mit 100 Millionen Euro verschuldeten HSV knapp 20 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen – für Neue. Und es ist bislang allein die Zusage Kühnes, die beim HSV das Personalkarussell ordentlich in Schwung bringt. Neben dem Mainzer Müller sollen noch Linksverteidiger Matthias Otsrzolek aus Augsburg sowie ein gestandener Innenverteidiger kommen. Anfang kommender Woche soll das Options-Modell (Kühne soll seine Einlage zu einem späteren Zeitpunkt in Vereinsanteile umwandeln können) unterschrieben werden. Bis dahin will Beiersdorfer neben Behrami auch gern den Mainzer Offensiven Nicolai Müller verpflichtet haben.

Ebenfalls in aller Ruhe. Zitate von Beiersdorfer dahingehend? Null. Er redet nicht – er macht einfach. Und das, was ihm viele in anderen Fällen negativ auszulegen versuchten, ist gut so. Immerhin hat es dem HSV einen Typen beschert, den ich mir und viele von Euch sich ewig zum HSV gewünscht hatten: einen so genannten harten Hund, um nicht übler klingend Begriffe zu benutzen. „Er ist verrückt auf dem Platz“, weiß Johan Djourou, der Behrami als seinen besten Freund im Schweizer Nationalteam sieht. Der HSV-Verteidiger kennt den neuen HSV-Star: „Er hat immer das Visier oben und gibt nicht auf. Ein toller Charakter. Behrami kann und will Niederlagen nicht hinnehmen. Der fightet bis zum Umfallen, ist sehr, sehr aggressiv. Egal ob im Spiel oder im Training. Das braucht eine gute Mannschaft. Und er hat viel Erfahrung.“ Ausreichend, um trotz der harten Gangart Roten Karten aus dem Weg zu gehen? „Er ist immer nur einen Millimeter vor den Verwarnungen“, sagt Djourou und führt Daumen und Zeigefinger symbolisch nah zusammen und lacht dabei: „Aber er kommt meistens heil durch. Auch, wenn man ihn manchmal beruhigen muss.“ Eine Rote und eine Gelbrote in 255 Profispielen untermauern das sicher…

Sportlich kommt noch eine Menge Qualität dazu. „ Er ist sehr, sehr gut am Ball, macht fast nie Fehler. Er spielt einfache, klare Bälle und ist extrem wichtig für unser Mittelfeld bei der WM gewesen“, lobt Djourou. „Ich glaube, er ist ein Spieler, der jede Mannschaft besser macht.“

Den HSV auf jeden Fall.

Am allermeisten freuen wird das sicherlich Trainer Mirko Slomka. Der ackert im Trainingslager in Österreich mit der Mannschaft so intensiv, wie ich es seit Jahren nicht mehr miterleben durfte. Mängel werden akribisch angegangen, körperliche Defizite aufgearbeitet. Und alle ziehen voll mit. Die Stimmung ist trotz grenzwertiger körperlicher Belastungen rundum gut. Selbst bei den Spielern, deren Zukunft noch offen ist. Denn klar ist auch, wo Neue kommen, müssen alte gehen. Auch das gehört zu dem Personalkarussell, das sich beim HSV jetzt erst richtig in Gang setzt.

Im zentral-defensiven Mittelfeld könnte das theoretisch leicht sein. Per Skjelbred würde gern bei Hertha BSC spielen, die Berliner wollen ihn – und der HSV hat auf der Position des Norwegers einen personellen Überhang. Allerdings würde ich Skjelbred nicht abgeben, wenn alles so kommt, wie der HSV es erwartet. Denn dann würde Hertha erst am letzten Tag der Transferperiode kommen und „Kleines“ anbieten. Doch dafür ist Skjelbred, der bislang einen sehr guten Eindruck macht, schlichtweg zu schade.

Ebenfalls möglich ist ein Verkauf von Milan Badelj, der sicherlich etwas mehr Geld bringen würde als Skjelbred – wenn es denn Interessenten gibt. Bislang hat sich diesbezüglich niemand beim HSV gemeldet. Allerdings läuft der Vertrag des Kroaten nur noch ein Jahr und er wäre 2015 ablösefrei. Die letzte Chance, Geld für ihn zu bekommen wäre dann im Winter. Oder eben jetzt. Und das sage ich als bekennender Fan der technischen Fähigkeiten Badeljs. Ich glaube, dass Badelj neben einem echten Abräumer für den HSV noch deutlich wertvoller als zuletzt würde. Aber der HSV muss wirtschaftlich denken. Und da kann er einen Verkauf schlichtweg nicht mehr ausschließen. Zumal Badelj, Arslan und auch der in der Vorbereitung auffällige Kerem Demirbay zu ähnliche Spielertypen sind.

In der Innenverteidigung ist das ähnlich. Auch wenn es hier jemanden noch härter treffen könnte. Denn Heiko Westermann, der bislang fast jedes Spiel für den HSV auf dem Platz stand, steht wie viele andere auch zur Disposition. „Aber genau das wollen wir doch“, lobt selbiger, „wir wollen Konkurrenzkampf auf hohem Niveau. Das ist für die Mannschaft gut – und es macht jeden einzelnen Spieler stärker.“

Harmonie trotz Leistungsdruck – das gab es lange nicht. Wie auch, es fehlte die Leistung…

Aber es muss auch klar sein, dass es nicht immer so weitergehen wird. Im Gegenteil, es wird sicherlich auch noch kleinere Unruhen geben, wie zuletzt bei Rafael van der Vaart, dem Interesse aus England nachgesagt wird. Sein ehemaliger Tottenham-Coach Redknapp soll den Linksfuß zu den Queens Park Rangers (Aufsteiger in die Premier League) lotsen wollen und lässt dafür kein öffentliches Statement aus. Ganz im Gegensatz zu van der Vaart, der noch ruhig ist. Der Niederländer würde gern in Hamburg bleiben, hat aber von Beiersdorfer und Co. noch keine klare Ansage. Aber auch hier zieht die Trumpfkarte Beiersdorfer. „Ich kenne ihn, er ist ehrlich, er ist gut. Hier wird einiges passieren. Und da wäre ich gern dabei.“ Weil der HSV wieder Spaß macht. Spielern, Offiziellen – und endlich auch wieder den Fans. Es wird dauern – aber der allseits erhoffte Beiersdorfer-Effekt zeigt seine (positive) Wirkung.

Am Freitagmorgen soll Behrami nach bestandenem Test unterschreiben. Anschließend geht’s per Flieger zusammen mit Beiersdorfer und dem neuen Nachwuchschef Bernhard Peters nach Österreich ins Trainingslager. Ich hoffe, dass wir morgen Gelegenheit haben werden, uns mit den Dreien zu unterhalten. Und noch mehr hoffe ich, dass es schon sehr bald weitere Neue gibt. Wobei ich zugeben muss, dass ich Geduld habe. Weil auch ich auf Beiersdorfers Fähigkeiten vertraue. Der Behrami-Deal hat’s nur noch einmal bewiesen…

 

Und dann noch ein paar gute News: Maxi Beister ist zurück auf dem Platz. der Rechtsfuß absolvierte  seine erste Einheit mit Ball und war anschließend extrem gut drauf: “Der nächste Meilenstein ist erreicht. Es geht voran.”

Fussball Fussball

Wieder am Ball: Maxi Beister

Wieder am Ball: Maxi Beister

 

 

Selbiges gilt für Pierre-Michel Lasogga, der zusammen mit der Fitnessabteilung des HSV arbeitete und zum Abschluss ein Fußball-Tennis-Spiel gegen Fitnesscoach Vidovic spielte. Das Ergebnis lasse ich hier aus…

Endlich wieder auf dem Platz: Pierre-Michel Lasogga

Endlich wieder auf dem Platz: Pierre-Michel Lasogga

 

In diesem Sinne, falls heute noch etwas passiert, ergänze ich den Blog selbstredend. Ansonsten wünsche ich Euch einen schönen Abend und mir eine etwas ruhigere, längere Nacht als gestern. So erfreulich die Unterbrechung der Nachtruhe auch war… 😉

 

Scholle

http://www.sky.de/web/cms/de/videos-bundesliga.jsp?bctid=3706166334001

 

P.S.: Er hat nur Gutes verdient: Tomas Rincon. Umso schöner, dass der Venezolaner einen neuen Klub gefunden und für vier Jahre beim CFC Genua unterschrieben hat. Alles Gute, Tomas!

P.P.S.: In kürzester Zeit hat der HSV alle 5000 Auswärtstickets für das Köln-Spiel abgesetzt. Und wo wir uns schon über positive Veränderungen freuen, noch eine aus meiner Sicht sehr erfreulich Nachricht. Der Supporters Club will sich nicht in Gänze gegen die AG aussprechen und sucht den Dialog. Und das unterstütze ich an dieser Stelle nur zu gern. Aber lest selbst, was „HSVSCHNICKSCHNACK“ schreibt:

Wie geht es im Supporters Club weiter?“ ist das Kernthema unserer ersten Ausgabe – und hierzu hat uns ein Aufruf von Dirk Mansen, Timo Horn, Joachim Eybe, Axel Formeseyn und Nils Kühlwein erreicht, die sich um eine Neuordnung und Neuausrichtung des Supporters Clubs bemühen.

Nachdem am Sonntag ein erstes Treffen mit ca. 20 Fans aller Couleur (Fanclubvertreter, Regionalbetreuer, Allesfahrer, Reformer, Plusser – auch ohne Interesse an Vereinspolitik) stattgefunden hatte, sollen alle Mitglieder die Möglichkeit haben, den aktuellen Stand der Bemühungen und die Überlegungen zum Neuaufbau zu erfahren, mit zu diskutieren, ihre Bedenken oder Anregungen zu äußern oder sich einfach nur von der positiven Stimmung anstecken zu lassen.

Dazu findet am 06.08. um 19.00 Uhr ein weiteres Treffen statt, dieses Mal im Fanhaus an der Stresemannstrasse. Die Initiatoren würden sich über regen Zuspruch freuen. Lasst das Lagerdenken zu Hause und kommt aufgeschlossen und interessiert auf ein Bier (oder ein stilles Wasser) vorbei!

 

 

 

Drei Tore, 3:1-Sieg – Platz drei!

27. Juli 2014

Na bitte, es geht doch! Der HSV schaffte im Spiel um Platz drei des Telekom-Cups gegen Borussia Mönchengladbach einen verdienten 3:1-Erfolg und belegte damit zum Schluss einen versöhnlichen dritten Platz. Alles wird gut? Alles wird gut. Ein besonderes Lob erhielt nach dem Spiel der Kapitän. Trainer Mirko Slomka sagte über Rafael van der Vaart: “Er ist serh agil und schon enorm spritzig, er hat auch eine gute Ansprache innerhalb des Teams – er kommt immer besser in Fahrt.” Sehr, sehr schön. So wünschen sich die Fans dann in ein paar Tagen den ganzen HSV- Den Cup gewonnen hat übrigens der FC Bayern, der gegen den VfL Wolfsburg in den ersten 30 Minuten ein 3:0 schaffte, darunter zweimal Lewandowski – und bei diesem Spielstand blieb es dann auch nach 60 Minuten.

Nach dem 0:0 des Vortags gegen den noch ersatzgeschwächten VfL Wolfsburg startete der HSV am Sonntag mit einem Blitztor gegen Borussia Mönchengladbach. Ecke Rafael van der Vaart, in der Mitte stieg Jacques Zoua in die zweite Etage (!) und köpfte den Ball an die Unterkante der Latte. Von dort prallte der Ball nach unten, an den Rücken von Borussen-Keeper Heimeroth – Tor. Das Nachstochern von Gojko Kacar war unerheblich, die Kugel war schon vorher drin. Und irgendwie gut, dass Zoua als Torschütze gefeiert und angesagt wurde, er hatte diesen Treffer schon verdient . . . Dieses 1:0 geschah in der dritten Minute, aber nur Sekunden später hieß es schon 1:1. Raffael zog an Marcell Jansen und Zoltan Stieber am rechten Strafraumeck vorbei und schoss in die lange Ecke – da wirkte die HSV-Defensive noch ein wenig unsortiert nach dem Torjubel zuvor. Diese beiden Treffer passten aber super zu diesem flotten Spielchen, es war mehr drin, als noch am Tag zuvor bei HSV gegen Wolfsburg.

Wobei das erneute Führungstor des HSV ein wenig kurios fiel. Der eingewechselte Tolgay Arslan setzte den Gladbacher Brandenburger kurz vor dem Borussen-Strafraum energisch unter Druck, der ball kam zu Rafael van der Vaart, der den Ball aus 20 Metern (halbrechte Position) am noch an der Strafraumgrenze stehenden Heimeroth vorbei ins Tor beförderte. Schiedsrichter Bastian Dankert ließ sich auch von nur zaghaft aufkommenden MG-Protesten nicht beeindrucken, er gab den Treffer (21.). War auch in Ordnung so! Dieser Vorsprung wurde auch in die Pause gerettet, obwohl Raffael kurz vor dem Seitenwechsel noch die Querlatte des HSV-Tores traf.

Im zweiten Durchgang kam von den Gladachern kaum noch etwas nach vorne, und wenn, dann stand Heiko Westermann wie ein Fels in der Brandung. Gute Frühform des Abwehrmannes. In der 53. Minute war das Spiel dann entschieden. Brouwers vertändelte den Ball vor dem Strafraum, Milan Badelj lief mit der Kugel bis an den Fünfmeterraum und passte dann quer au den mitgelaufenen Kerem Demirbay, der ohne Mühe aus einem Meter vollenden konnte. Platz drei in diesem Turnier für den HSV.

Der spielte mit folgender Mannschaft: Adler; Diekmeier, Westermann, Kacar, Jansen; Skjelbred (15. Arslan), Badelj; Zoua, van der Vaart, Stieber; Rundnevs. In der Pause kamen Ilicevic, Demirbay und Jiracek für van der Vaart, Jansen und Stieber. Später kamen noch Steinmann für Rudnevs (46.) und Tah für Diekmeier (53.).

Für mich auffällig beim und an diesem HSV: Rene Adler ist schon jetzt in einer sehr guten Verfassung und wieder eine Bank dort hinten. Und Neuzugang Zoltan Stieber macht schon mal gut Alarm auf der linken Seite, der Mann aus Fürth ist eine Bereicherung. Weiterhin stellte Dennis Diekmeier seine schon gute Form erneut unter Beweis. Gut auch, wie schon erwähnt, Westermann und Milan Badelj, der gegen die Gladbacher einige sehr schöne Szenen hatte und insgesamt beweglicher wirkte als noch in der vergangenen Saison. Was ich mich frage an diesem neuen HSV: Was hat Trainer Mirko Slomka mit Gojko Kacar vor? Der spielte erneut Innenverteidiger – eine neue Rolle, oder ist das nur ein Ins-Schaufenster-stellen? Kacar spielte an beiden Tagen hinten durch, machte seine Sache ordentlich. Mir fehlt noch ein wenig die Spritzigkeit, wobeoi ich mich frage, ob die noch kommen wird – oder eben nicht? Und wenn ich an die Innenverteidigung denke, dann frage ich mich natürlich auch, was der Coach mit Jonathan Tah vorhat? Weiter Bank? Oder doch langsam aufbauen und dann rein mit ihm ins kalte Wasser? Letztere Version wäre mir schon lieber.

Drei Dinge noch: Ivo Ilicevic traf nach glänzender Vorarbeit von petr Jiracek noch aus 15 Metern den Pfosten des Borussen-Gehäuses. Pierre-Michel Lasogga fehlte, weil er im Wolfsburg-Spiel einen Schlag auf den Knöchel bekommen hatte, er soll aber morgen (dann in Österreich) schon wieder mittrainieren können. Und Johan Djourou hat Rücken. Wie sich das entwickelt, das muss noch mal abgewartet werden.

Und dann las ich schon einen der ersten Beiträge – zu Zoua. Er hatte “sein Tor” es deswegen verdient, weil er bei diesem Treffer enorm hoch gesprungen ist und auch gut köpfte. Ansonsten bringt es ja nicht so sehr viel, ihn immer wieder zu verdammen, der Mann ist jung – und vielleicht, ja vielleicht lernt er aus seinen Auftritten ja so schnell, dass er doch noch ein vollwertiger Bundesliga-.Spieler wird. Im Moment ist er es nicht, aber die Hoffnung stirbt auch bei Jacques Zoua zuletzt.

Kurz noch zum Finale, das jetzt erst beginnt (Stand nach vier Minuten 1:0 für den FCB). Das Spiel wird gepfiffen von Peter Gagelmann aus Bremen. Das ist der Schiedsrichter, der sich am Vortag erdreistet, zwei (!) Elfmeter gegen den großen FC Bayern zu pfeifen. Darf der das? Nein, natürlich nicht, Das ist der FC Bayern, und der darf auch in einem solchen Pille-Palle-Club nicht benachteiligt werden. Wie sehr die Herren Sammer und Guardiola hinterher auf der Palme waren, das sollte jedem zu denken geben. Jedem. Das war auf jeden Fall, aus Sicht des Fernseh-Zuschauers, eine ganz, ganz schlechte Eigenwerbung für die Münchner, die sich so immer mehr ins Abseits befördern. SAT.1-Reporter Hansi Küpper hatte es am erstemn Tag ganz richtig gesagt: “Wenn die im Angriff befindlichen bayxern diese beiden Elfmeter nicht bekommen hätten, hätten sie noch mehr Theater gemacht.” Und gaenau so ist es. Der DFB und die DFL sollten dem FC Bayern endlich eine eigene Liga geben, damit sie endlich restlos glücklich und unantastbar werden . . . Und ein Wort noch zu Gagelmann, der für mich in den letzten Jahren stets zu den besten Bundesliga-Schiedsrichtern gehörte – und am Ende dieser Saison leider (aus Altersgründen) aufhören muss.

So, das war aus Hamburger Sicht der Telekom-Cup 2014. Der HSV reist morgen früh ins österreichische Trainingslager, genau nach Stegersbach ins Burgenland. Dort bleibt das Team etwas mehr als eine Woche – und kehrt am Vormittag des 5. Augusts zurück nach Hamburg. „Scholle“ wird aus Österreich für „Matz ab“ berichten.

Erfreulich, nein überaus erfreulich verlief der Saison-Auftakt der Regionalliga-Mannschaft des HSV. In der vergangenen Spielzeit ist das Team in Goslar noch böse unter die Räder gekommen, diesmal gab es am ersten Spieltag einen glatten und überragenden 4:0-Erfolg. Ganz stark, meine Herren! Nico Carrier, der zweimal traf, Mohamed Gouaida und Matti Steinmann trafen, bester Vorlagengeber war Tolcay Cigerci. Und dieser Sieg unterstreicht den Optimismus, den einigen rund um die Zweite schon vorher hatte. Der neue Trainer Josef Zinnbauer, noch von Oliver Kreuzer (aus Karlsruhe) geholt, leistet, so ist zu hören, sehr gute Arbeit und hat den Laden offensichtlich super im Griff. Weiter so!

HSV II: Brunst – Götz, Tah, Marcos, Jung, Steinmann, Cigerci (66. Masek), Mende (76. Brüning), Arslan (64. Derflinger), Gouaida, Charrier

Tore: 0:1 Charrier (27.), 0:2 Gouaida (41.), 0:3 Charrier (57.), 0:4 Steinmann (72.) – Zuschauer: 650.

Dann noch ein kurzes Wort zu gestern. Da hatte „Scholle“ etwas zu „Didi“ Beiersdorfer, nämlich dass der gleich zu Beginn, als noch alles oder vieles unklar war, ans Aufhören gedacht hatte. Das wurde hier von einigen Usern kritisiert, aber ich möchte dazu grundsätzlich mal sagen, dass wir uns hier nichts aus den Fingern saugen, um mal groß aufzutrumpfen. Es sei denn, wir kündigen es vorher an. In diesem Falle ist es so, dass „Scholle“ die Wahrheit geschrieben hat, es ist nun einmal so. Allerdings wird sich Beiersdorfer nun nicht hinstellen und sagen: „Es war so.“ „Scholle“ weiß es nun einmal, er hat es mir erzählt – und ich habe keinerlei Grund, daran zu zweifeln. Den gab es in all den Jahren, in denen wir nun schon zusammen arbeiten, nie. Nicht ein einziges Mal. Deswegen weiß ich auch jetzt, dass es so stimmt, wie er es geschrieben hat.

Ich war einst in einer ähnlichen Situation. Muss im Frühjahr 1987 gewesen sein, Felix Magath war gerade HSV-Manager geworden. Trainingslager auf Teneriffa, es hatte tagelang vorher geregnet, alle Plätze im Norden der Insel unter Wasser – fit für Wasserball. Der HSV sollte und musste sich einen einzigen Platz mit Bayer Leverkusen teilen (!), ein Novum. So kam es, dass Trainer Willi Reimann nur drei Stunden nach der Ankunft mit Abreise drohte. Intern, unter sechs, acht Augen. Magath erzählte es einem mitgereisten Stammtischbruder, und weil dieser Stammtischbruder auch zugleich meiner war, erzählte er es mir weiter. Um es zu verdeutlichen: Magath, meine Wenigkeit und der dritte Mann, wir waren drei Brüder eines Norderstedter Stammtisches. Als ich das im Abendblatt geschrieben hatte, hat es Felix Magath am nächsten tag auf Nachfrage der anderen Zeitungen nicht bestätigt. Reimann auch nicht. Und ich stand dumm da. So dumm, dass die anderen Kollegen nicht mehr mit mir sprachen, weil ich in ihren Augen die Unwahrheit geschrieben hatte. Dabei stimmte alles haargenau. Wir haben Jahre später noch herzhaft über diese Situation gelacht, was mir dann nicht mehr half – natürlich nicht. Und so in etwa ist diese Situation jetzt auch für „Scholle“.

Und noch eines möchte ich für mich klarstellen. Ich schrieb kürzlich ein böses Wort mit S, ich möchte es nicht wiederholen. Es hat mir einigen Ärger eingebracht. Ich wurde in eine Ecke gestellt mit einem besonderen Mann der deutschen Geschichte – und mit einem Mann der türkischen Geschichte. Wer mich kennt, der wüsste, dass ich mit beiden Herren nichts am Hut habe, ganz im Gegenteil. Es tut mir leid, dass ich dieses S-Wort benutzt habe, ich kann aber auch allen Fußball-Fans versichern, dass ich nicht an diese beiden Herren denke, wenn ich über den Ball und ganz speziell über den HSV schreibe. Dann denke ich eben nur an Fußball und den HSV. Ich hoffe, das reicht als Entschuldigung – und als Erklärung. Ich selbst wurde in diesem Blog schon als einer dieser beiden Un-Herren beschimpft, sodass ich die Springer-Rechtsabteilung einschaltete, ich wurde schon ganz anders beschimpft, und das kam auch aus dieser einen bewussten Ecke, mit der ich nun absolut nichts zu tun habe und niemals zu tun haben möchte. Und dieses S-Wort werdet Ihr in diesem Blog nie wieder lesen. Ganz klar. Sorry und Entschuldigung.

18.02 Uhr

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