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So könnte der neue HSV aussehen!

6. September 2014

Die HSV-Profis genießen ihr freies Wochenende, aber der HSV lässt trotz allem aufhorchen. Vor allem im Norden der Republik, denn die „Zweite“ setzte auch beim schweren Auswärtsspiel in Bremen ihre Erfolgsserie fort. Es ist beinahe unglaublich, aber es ist wahr: Die Zweite ist immer noch Tabellenführer der Regionalliga Nord, gegen Werder wurde mit 4:2 gewonnen – es war der siebte Sieg im siebten Spiel, 21 Punkte, mehr geht nicht. Dazu 22:5 Tore, die Leistungs-Explosion der Rothosen-Talente hält unvermindert an. Ganz sicher ein Verdienst von Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer, der die Mannschaft in eine hervorragende körperliche Verfassung gebracht hat. Der neue Nachwuchs-Coach ist schon jetzt im Hamburger Fußball in aller Munde, er ließ hart und härter trainieren, und er hat trotz allem für Spaß, Lust und für Schwung in der Truppe gesorgt. Hut ab!

 

Doch um ganz ehrlich zu sein, Zinnbauer ist nicht allein der Vater des Erfolgs – er ist einer von den Vätern. Die „neue“ Mannschaft wurde nämlich noch von Oliver Kreuzer und Michael Schröder zusammengestellt, und diese beiden Herren wurden mittlerweile ja auch schon aus ihren Ämtern entfernt. Bei der „Zweiten“, da führt kein Weg dran vorbei, haben sie ihre Sache trotz allem gut gemacht, dass sollte schon mal erwähnt werden. Und Kreuzer hat ja auch, anfänglich viel kritisiert (auch von mir, das will ich nicht verschweigen!), „Joe“ Zinnbauer aus Karlsruhe nach Hamburg geholt. Nebenbei ist Zinnbauer auch immer noch ein dicker Freund von Thorsten Fink.

 

In Bremen sorgte Ahmet Arslan mit seinen Treffern in der siebten und 43. Minute für eine 2:0-Führung. Der HSV hatte in diesem Spitzenspiel, wie schon kürzlich beim Gipfeltreffen mit dem Nachwuchs des VfL Wolfsburg, das Glück (wenn man das so sagen darf), dass mit Mainka bereits in der 16. Minute ein Bremer die Rote Karte gesehen hatte. Trotz allem kam Werder zunächst zum Anschlusstreffer, doch dann sorgten Tolcay Cigeri und der für Matti Steinmann (spielte nach einer Verletzungspause) eingewechselte Dominik Masek für die siegbringenden Hamburger Tore. Erst gegen Ende der Partie kamen Dominik Jordan und Christian Derflinger, die beide ja schon bei den Profis mittrainierten, zu ihren Kurzeinsätzen, vom Platz gingen Gideon Jung und Cigerci. Das spricht für den ausgeglichen und durchaus auch gut besetzen HSV-Kader. Und ich bin gespannt, wie sich der Nachwuchs in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin schlagen wird. Ob es beim Platz an der Sonne, sprich Tabellenführung (und dann Aufstieg) bleiben wird?

 

Was für den guten Geist und die hervorragende Stimmung in diesem Team spricht: Als wir nach dem Köln-Spiel im Restaurant „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel, Holsteiner Chaussee) mit „Matz ab live“ auf Sendung waren, saßen am Nebentisch die Spieler der „Zweiten“ – die Mannschaft hatte fast komplett das Spiel der Profis verfolgt und saß auch nach diesem damaligen 0:0 noch einige Zeit beisammen. Das ist mit Sicherheit auch ein sehr gutes Zeichen. Und da ich gerade bei „Matz ab live“ und „Joe“ Zinnbauer war: Der Trainer, über den im Hamburger Fußball nun so viel gesprochen wird, war ja nach dem Pokalspiel der Profis in Cottbus der Gast von „Scholle“ und mir, wer sich also ein Bild davon machen möchte, wie Zinnbauer „tickt“, der sollte mal kurz zurückschauen. Es lohnt sich, das kann ich versprechen, ich wurde nach seinem Auftritt von vielen HSV- und Fußball-Fans angesprochen, die Josef Zinnbauer sehr lobten. Auf seinen weiteren Weg bin ich dann auch mal sehr gespannt . . . Ich denke mal, dass der Trainer zwar viel von seiner Mannschaft verlangt (Motto: „Du machst es nicht für mich, sondern ganz allein für Deine Karriere“), aber trotz aller Disziplin und Konsequenz auch immer Mensch (und nicht nur Chef) ist, um nicht das Wort Freund zu benutzen.

 

Gespannt bin ich auch darauf, wer von diesen Regionalliga-Spielern des HSV demnächst einmal im Kader – oder gar in der Mannschaft – der Profis auftauchen wird. Ihr habt Euch ganz sicher in den letzten Tagen genug Gedanken gemacht, wie die Bundesliga-Elf des HSV wohl künftig aussehen wird – ich habe in dieser Hinsicht natürlich auch „schwer“ nachgedacht. Allein schon deshalb, weil ich glaube, dass die meisten „alten“ HSV-Profis genügend Chancen hatten, sich besser zu präsentieren, auch für bessere Ergebnisse des HSV zu sorgen. Das haben sie nicht geschafft, der HSV hat reagiert, hat richtig gute Leute geholt – und die werden es jetzt meiner Meinung nach auch richten. Trainer Mirko Slomka möchte ja den Tempo-Fußball nach Hamburg bringen, möchte ein schnelles Umschaltspiel installieren, doch bislang ist er damit gescheitert. Jetzt aber, mit den „Neuen“ scheint diese Art von Fußball doch möglich zu sein. Hoffentlich.

 

Doch wenn ich bei einer, bei der „neuen“ HSV-Mannschaft bin, so muss ich sagen, dass Slomka ja schon bei der Besetzung des Torhüters ein wenig zurückgerudert ist. Vor ein paar Tagen schien noch ein Keeper-Wechsel möglich, den halte ich nach den neuesten Aussagen des Trainers (nach dem Spiel am Donnerstag in Neumünster) nun nicht für möglich. Gegen Hannover wird (wohl) wieder Rene Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen. Und dazu, das muss ich zugeben, habe ich keine Meinung. Auf der einen Seite sehe ich, dass man einen Rene Adler nur noch mehr verunsichert, wenn man ihn nun auf die Bank setzen würde, auf der anderen Seite kann er doch nicht alles verlernt haben. Er war für mich einst Deutschlands Nummer eins. Und er hat in seiner ersten Saison beim HSV auch herausragend gehalten – er hat dazu ganz stark beigetragen, dass der HSV nicht in ganz arge Abstiegsnöte geraten war. Es stimmt, an diese Leistungen ist er danach nie wieder herangekommen, das belegen ja auch alle Statistiken und „Mannschaften des Jahres 2013/14). Aber die Hoffnung habe ich schon noch, dass ihm das demnächst schon noch gelingen wird.

 

Wobei ich keine Angst hätte, wenn Jaroslav Drobny an Adlers Stelle zum Einsatz kommen würde. Drobny ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass der HSV immer noch Erstigist ist, keine Frage, er hat gegen Fürth zweimal erstklassig gehalten – wer weiß, ob Adler das in seiner momentanen Verfassung geschafft hätte. Ich glaube nicht. Und deswegen hätte Drobny auch eine neue Chance durchaus verdient, keine Frage. Das sehen offenbar auch viele, viele HSV-Fans so, denn eines ist mir vor dem Paderborn-Spiel nicht entgangen: Als Droby kurz vor dem Spiel – allein – aus der Kabine kam und das Stadion betrat, brandete ein riesiger Beifall auf. Nur für ihn. Die Menschen feierten den Tschechen, auch weil sie nicht vergesse haben, was er in diesem Sommer für den HSV geleistet hat.

 

Was für mich überhaupt keine Rolle spielt ist die Tatsache, dass beide HSV-Torhüter keine großen Redner sind. Drobny spricht seit Jahren nicht mit der Presse, Adler seit Monaten. Beide machen ihr Ding, aber mit dem Umfeld haben sie keine großen Berührungspunkte. Das muss man akzeptieren, ich habe es längst akzeptiert, beide Herren sind eben so. Das gehört ja auch zur jahrzehntelangen Fußball-Geschichte, in der es schon immer heißt: „Torwart und Linksaußen . . .“ Ich kann damit leben, die Torhüter können damit leben, die Trainer des HSV haben damit bestens umgehen können, und der Verein letztlich ja auch. Also ist alles in bester Ordnung.

 

Meine gedachte neue HSV-Mannschaft sieht dann in der Viererkette wie folgt aus: Dennis Diekmeier, Cleber, Johan Djourou, Matthias Ostzrolek. Es wird viele überraschen, dass ich Heiko Westermann draußen lassen würde, aber ich habe mich deswegen dazu entschlossen, weil ich diese Entscheidung als längst gefällt ansehe – hinter den Kulissen. Sonst hätte der HSV keinen Cleber gekauft, sonst wäre Djourou nicht Vize-Kapitän geworden. Und dass links Ostzrolek statt Marcell Jansen spielt, das scheint mir ebenfalls nur logisch zu sein – warum sonst hätte man den Linksverteidiger sonst aus Augsburg geholt. Wobei ich sagen muss, das mir Ostrzolek bislang noch nicht so gut gefallen hat, wie ihn mir die Kollegen aus Augsburg offeriert hatten. Die hatten mit gesagt, dass Jansen in Zukunft hinten links abgemeldet ist, weil Ostrzolek von hinten nach vorne und wieder zurück 90 Minuten lang so richtig Dampf macht. Davon ist bislang, mehr oder wenig im Training, nichts zu sehen. Und ich bin schon sehr gespannt, wann das demnächst einmal der Fall sein wird.

Auf der Doppel-Sechs, wenn es sie denn weiterhin geben wird, sehe ich gleich zwei „Neue“: Valon Behrami ist schon jetzt, nach wenigen Wochen, absolut gesetzt, und offenbar wird es Mirko Slomka ja auf der zweiten Sechs mit Lewis Holtby wagen. Wagen schreibe ich deshalb, weil ich Holtby bislang mehr als Spieler mit großen Offensiv-Qualitäten angesehen habe. Das wird auch eine große Frage, wie sich das fügen wird, wie Holtby diese ihm zugedachte Rolle annehmen und spielen wird? Ganz sicher ist natürlich, dass der frühere Nationalspieler seinen Platz in dieser HSV-Mannschaft haben wird. Das ist überhaupt keine Frage, er ist gesetzt. Und auch meine ganz große Hoffnung, dass es mit diesem HSV endlich mal wieder bergauf gehen wird.

 

Dann komme ich nach vorne. Rechts spielt bei mir, so er denn fit ist, Zoltan Stieber. Weil er schnell ist, also genau in das Schema von Slomka passt. Das gilt links ebenso für Julian Green, der ebenfalls flott auf den Füßen ist, was ihn natürlich auch für ein schnelles und das gewünschte Umschaltspiel prädestiniert. In der zentralen Position sehe ich nach wie vor Rafael van der Vaart, der seinen Spaß wiederfinde wird, mit diesen neuen Leuten. Er wird endlich mal wieder Steilpässe spielen können, die ihn einst als Spielmacher auszeichneten. Ich bin überzeugt davon, dass sich der Niederländer von diesem neuen Schwung des HSV anstecken und mitreißen lassen wird, und dass er geradezu aufblüht. Und dazu hoffe ich natürlich, dass Pierre-Michel Lasogga seine „alte“ form wiederfinden wird, dass er sich in beste Fitness bringt, dass er alles dafür tun wird, um wieder bei 100 Prozent zu sein – dann müsste das alles schon viel, viel besser hinhauen, als in den vergangenen Monaten und Jahren.

 

Und eines muss man immer wieder mal ja sagen, dass sich die neue Führung wirklich super ins Zeug gelegt hat, um eine solche Mannschaft, eine fast neue Mannschaft, auf die Beine zu stellen. Der HSV ging ein hohes Risiko, nun bleibt nur zu hoffen, dass die neuen Kräfte dieses Risiko auch belohnen. Sonst könnte es ganz, ganz eng werden für den HSV mit seiner neuen AG.

 

Für alle, die jetzt schon nicht mehr wissen, wer bei der unsäglichen 0:3-Pleite gegen Paderborn auf dem Rasen des Volkspark gestanden hat, seien die Namen schnell noch einmal ins Gedächtnis gerufen. Es wird ein jeder feststellen, dass sich zwischen diesen beiden Teams ein gewaltiger Unterschied auftut:

Der HSV spielte vor einer Woche mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen (ab 71. Min. Ostrzolek); Badelj, Behrami; Arslan(ab 46. Min. Stieber), van der Vaart (ab 37. Min. Rudnevs), Ilicevic; Lasogga.

 

Ein ganz anderes Thema noch zum Schluss. Gestern schrieb ich ja über den zuletzt (passend zum Paderborn-Auftritt!) verkorksten Matz-ab-live-Auftritt, weil die ersten fünf Minuten tonlos geblieben waren und deswegen der Schere zum Opfer fielen. Ich stellte deswegen unsere beiden Gäste vor (die Hamburger Amateurtrainer Bert Ehm und Manfred Lorenz), und ich verteilte noch einmal ein Lob für die zuletzt von „Scholle“ geleistete Arbeit, weil er jeden Neuzugang „hatte“. Das war und ist immer noch großartig. Was auch der Fünf-Minuten-Schere zum Opfer fiel, was aber nicht verschwiegen werden soll: Es gab Proteste gegen mich, weil ich im Hamburger Abendblatt (Kommentar Seite zwei) geschrieben hatte, dass der frühere HSV-Nachwuchs-Trainer Dieter Kurz (kam in den 80-er-Jahren vom VfB Stuttgart) einst „mehr oder weniger kläglich gescheitert“ sei. Das rief gleich einige Wegbegleiter von Kurz auf den Plan.

 

Zum Beispiel Jürgen Stars. Der frühere HSV-Torwart war einst beim HSV der erste Torwart-Trainer – von Dieter Kurz dazu gemacht. Und „Starski“ protestierte vehement und nachhaltig: „Wenn Kurz damals gescheitert ist, dann nur an dem unbeweglichen Apparat beim HSV. Ansonsten hatte er brillante Ideen, hatte auch Erfolge und hat vielen Spielern den Weg in den Profi-Fußball geebnet.“ Ist angekommen! Ich meinte auch genau das, nämlich den eingefahrenen HSV, der schon damals nichts Neues zulassen wollte, „weil das schon immer so und nicht anders gemacht worden ist“. Dieter Kurz, zu dem ich immer ein gutes Verhältnis hatte, war zweifellos ein sehr guter Trainer, und das habe ich ihm auch in meinem Artikel am 1. September bestätigt, wie ich zuvor geschrieben hatte: „Er kam trotz bester Ansätze . . .“

 

Zu diesem Thema erhielt ich dieser Tage dann auch noch einen Leserbrief vom ehemaligen Hamburger Auswahltrainer Wolf Brake. Er brach ebenfalls eine Lanze für Kurz und schrieb mir (u. a.): „Letzten Endes gescheitert ist Dieter Kurz an den HSV-Strukturen, mangelndem standing (er musste nach kurzer Zeit sein Büro in der Sportschule Ochsenzoll räumen und in den Kellertrakt des Umkleidegebäudes ziehen) und fehlender Loyalität.“ Brake nannte auch Namen von denen, die von Dieter Kurz aus der Jugend in den Herrenbereich gebracht wurden – und zwar überaus erfolgreich: Holger Stanislawski, Otto Addo, Oliver Geier, Thorsten Zehlicke und Michael Koch. Bei Wolf Brake in der HH-Auswahl spielten zudem noch spätere Größen wie Andreas Brehme, Thomas Wolter und Uwe Bonik.
Das musste ich aus Gründen der Fairness schnell noch loswerden, sorry deshalb, weil viele nun wieder genervt sein dürften, dass ich so lang geworden bin . . .

 

Ja, und dann möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es beim Hamburger Abendblatt schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues gibt:

 

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Heute feiert unsere “Eiche” Geburtstag, von hier aus ganz herzliche Glückwünsche – und noch viele, viele HSV-Siege für Dich!

 

PSPS: Dann bis morgen. Nein, nicht beim HSV-Training (ist Frei-Tag am Sonntag), sondern beim Tag der Legenden. Ihr kommt doch, oder? Ein schönes Wochenende für Euch!

 
18.11 Uhr

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