Archiv für das Tag 'Badelj'

Der Verein ist mehr als seine Verantwortlichen – siehe Augsburg…

22. April 2015

Ich sagte es ja, es ist mächtig einfach, jetzt draufzuhauen und alles und jeden, der für diese unfassbar schlechte Saison verantwortlich ist zu kritisieren. So, wie es Uli Stein jüngst machte. Dass der einstige Weltklassetorhüter des HSV aus seiner Meinung keine Mördergrube macht, ist hinlänglich bekannt. Unter den Journalisten gilt Stein als jemand, der immer und gern draufhaut. Er ist einer, der Schlagzeilen produziert. Diesmal hat er in vielen Punkten recht, keine Frage! Aber Uli Stein, den ich an sich sehr schätze, geht genau den einen Schritt zu weit, den ich vermeiden will. Er wird gleichgültig.

Dem HSV den Abstieg zu wünschen – was für ein Quatsch! Ich kann dieses dumme Gesabbel nicht mehr hören. Entweder ich bin HSV-Fan oder nicht. Auf keinen Fall aber werde ich die handelnden Personen über den Verein stellen. Soll heißen: Selbst wenn die Verantwortlichen für mich an Dilettantismus nicht mehr zu überbieten sein sollten, ich werde sie kritisieren – aber auch nur sie. Niemals aber werde ich dem Verein ob seiner Mitarbeiter schlechtes wünschen. Was kann der 1887 aus der Taufe gehobene Verein dafür, dass er schlecht bewirtschaftet wird? Nein, dieser HSV ist weit mehr als die paar Verantwortlichen.

 

 

Sachlich diskutieren kann man immer. Man kann sich auch trefflich darüber streiten, ob der HSV wirklich die schlechteste oder zumindest eine der zwei schlechtesten Mannschaften in dieser Saison ist und absteigen müsste. Bislang, da stimme ich Uli Stein vollkommen zu, ist das auch der Fall. Lediglich Paderborn spielt (inzwischen!) ähnlich schlecht. Die anderen da unten, also Freiburg, Stuttgart und selbst Hannover 96 spielen deutlich engagierter. In Freiburg ist eine echte Mannschaft zu erkennen, die sich ihrer Situation bewusst ist und kämpft. In Stuttgart ist wenigstens die Situation allen gegenwärtig und die Mannschaft kämpft mit zudem deutlich strukturierterem, besserem Fußball. Bei Hannover war zuletzt zu hören, dass sowohl Mannschaft als auch Vorstand mit dem inzwischen geschassten Trainer Korkut eine Einheit bildete – bis zum letzten Tag. Und allein darin liegt schon mehr Charakter, mehr Pathos für die Sache als in dieser HSV-Mannschaft. Insofern – damit niemand denkt, ich hätte die Vereinsbrille auf – kann man aus rein sportlicher Sicht einen Abstieg bislang als „verdient“ bezeichnen. Das würde ich auch.

 

Aber noch ist nicht Schluss. Am Ende der Saison werden wir ein berechtigtes, ausgewogenes Fazit ziehen können. Aber bis dahin gilt es für Mannschaft wie Verantwortliche und Fans, daran zu glauben und alles für den Klassenerhalt zu tun. Wie man geschlossen auftritt, bekommen wir am Sonnabend gezeigt, wenn mein Paradebeispiel eines gut geführten Klubs nach Hamburg kommt: der FC Augsburg. Dort demonstrieren fachlich beeindruckende Verantwortliche, wie man eine Mannschaft mit kleinen Mitteln zu großem Erfolg führt. Der FC Augsburg ist für mich letzte wie diese Saison tatsächlich genau das Gegenteil vom HSV.

Zwei Köpfe - ein gemeinsamer Gedanke: Stefan Reuter und Trainer Markus Weinzierl führen den FC Augsburg mit Konstanz und Geschlossenheit zum Erfolg

Zwei Köpfe – ein gemeinsamer Gedanke: Stefan Reuter (l.) und Trainer Markus Weinzierl führen den FC Augsburg mit Konstanz und Geschlossenheit zum Erfolg

Und das liegt zum einen an der Mannschaft, aber zu großen Stücken auch an Trainer Markus Weinzierl und vor allem an Sportdirektor Stefan Reuter. Der Ex-Weltmeister demonstrierte gleich mit Amtsantritt, worauf es ankommt: auf den Teamgeist. „Das erste Ziel ist immer die Einheit. Innerhalb der Mannschaft und natürlich innerhalb des Klubs“, so Reuter, der auch Ostrzolek beeindruckte: „Herr Reuter lebt alles vor. Und er hat am Anfang ganz genau hingesehen und dann ganz schön durchgewischt. Da wurden etliche Leute aussortiert – auch Leistungsträger.“

 

Warum ich das schreibe? Weil der HSV genau das nicht macht. Trotz anderslautender Ansage im Sommer 2014 wurden wieder große Namen verpflichtet, die nicht einschlagen. Aber vor allem wurde mannschaftsintern nie durchgewischt. Gut, Calhanoglu teuer zu verkaufen war unumgänglich. Der Junge ist schlichtweg ferngesteuert und daher kaum noch als Verstärkung zu werten gewesen. Aber Milan Badelj? Per Skjelbred? Dennis Aogo? Michael Mancienne, Tomas Rincon oder die ganzen verliehenen Talente? Nein, das Übel innerhalb der Mannschaft wurde nicht gefunden. Offensichtlich bis heute nicht. Denn trotz des so hoch gefeierten Valon Behramis, trotz des kampfstarken Lewis Holtbys, dem Teamspieler Stieber und dem letztjährigen Retter Pierre Michel Lasogga hat dieser HSV keine Einheit auf den Platz gezaubert. Und das ist nicht allein mein Gedanke, sondern genau das hat Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer unter anderem bei seinem Besuch bei den Supporters zuletzt gesagt. Und was als Vorwurf an die Mannschaft verstanden werden darf, ist am Ende auch ein Schuldeingeständnis, wie ich es Beiersdorfer durchaus zutraue.

Ich traue dem einstig erfolgreichen Sportchef tatsächlich noch immer zu, diesen Verein wieder in die Spur zu bekommen. Er weiß, was zur Bildung einer Einheit wichtig ist und hat mit Bruno Labbadia schon mal einen Trainer geholt, der mit ihm eine Einheit bilden kann wie es die zwischen Weinzierl und Reuter gibt. „Wir schätzen und vertrauen uns“, hatte Weinzierl zuletzt in einem Interview bei Sky auf die Frage nach ihrem Erfolgsgeheimnis geantwortet. Allerdings erst, nachdem Reuter lachend gesagt hatte, dass es beim FCA gar kein Erfolgs-„Geheimnis“ gibt.

Apropos geheimnis: Zuletzt hieß es immer, der HSV müsse für den Fall eines Abstiegs bei der DFL für die Lizenzierung noch Unterlagen nachreichen und nachweisen, dass und vor allem wie er wirtschaftlich tragfähig bliebe. Wie jetzt zu hören ist, hat der HSV diese Unterlagen fertig und verweist dabei darauf, im Abstiegsfall insgesamt 15 Millionen Euro durch Transfereinnahmen generieren zu können. Wo die herkommen sollen? Von den ablösefreien Ilicevic, van der Vaart, Kacar, jansen und Co sicher nicht. Vielmehr befürchte ich, dass sich der HSV dann von den Talenten Tah, Beister, Demirbay und Co. verabschieden würde, was den hiesigen Weg erneut konterkarieren würde…

Aber gut, Konstanz – anderswo selbstverständlich – ist in Hamburg ein noch immer (zu) großes Wort. „In Augsburg hatten wir einen super Teamgeist, weil der Verein es geschafft hat, etwas über einen längeren Zeitraum aufzubauen. Wenn man bedenkt, dass dort 14 Mitarbeiter auf er Geschäftsstelle den Verein machen, während woanders Hunderte arbeiten, dann zeigt das schon, dass dort mit viel Herz gearbeitet wird. Und der Trainer und der Manager haben dort ein System entwickelt“, erinnert sich Ostrzolek gut und gern an seinen Exklub und nächsten Gegner zurück, „zusammen ist dort über viele Wochen, Monate und Jahre eine tolle Gemeinschaft gereift. Und der Erfolg spricht für sich…“

 

Kann Fußball tatsächlich so einfach sein?

 

Ja, kann er! Und das sage nicht ich, das sagen eigentlich alle. Auch Labbadia betont, den Spielern die Einfachheit am Fußball zeigen zu wollen, damit sie den Kopf wieder freier bekommen. „Das hilft auch“, sagt Ostrzolek, „in Bremen hätten mit etwas Glück auch in Führung gehen können. Wir wissen auf jeden Fall wieder, dass wir es können.“ Im Training jedenfalls legt Labbadia vermehrt Wert auf Passspiel. Immer wieder übt er Pressingsituationen auf kleinem Feld. Zudem lässt er im Anschluss an die Einheit die Offensive noch Abschlussübungen machen – teilweise sogar als Flankengeber. Und auch wenn ich damit dem Blogvater leider mal widersprechen muss, würde ich jetzt schon behaupten, dass Labbadia das Beste ist, was der HSV in der Situation noch machen konnte. Schade nur, dass er die zwei Knäbel-Spiele nicht auch noch hatte. Denn dann hätten wir vielleicht schon in Bremen gesehen, was noch maximal aus dieser Mannschaft herauszuholen ist. So, wie wir es jetzt am Sonnabend sehen werden. Gegen den kleinen, aber dem HSV weit vorauseilenden FC Augsburg wird sich zeigen, ob die Ansammlung individueller Qualitäten irgendwann doch noch mal so etwas wie eine Mannschaft darstellen kann.

 

Wieder dabei sein könnte Marcelo Diaz. Der Chilene trainierte heute Vormittag voll mit und hatte dabei keine Probleme. „Es geht mir gut“, so Diaz, der am Nachmittag wie auch Behrami geschont wurde und vorsichtshalber individuell trainierte, „aber ich muss noch abwarten, ob ich für den Trauner eine Alternative sein kann.“ Dann vielleicht ja neben Gojko Kacar, über den mein Kollege Kai Schiller heute im Abendblatt einen starken Text geschrieben hat. Zumindest hätte der HSV mit den beiden im Zentrum eben jene Spielertypen, die zuletzt in Hamburg durch eine Anhäufung besserverdienender „Stars“ auszusterben drohten. Und eben jene Spielertypen, die aus einem kleinen Verein wie dem FC Augsburg einen Europa-League-Anwärter gemacht haben. Manchmal ist etwas weniger eben doch mehr. Auch beim HSV, vor dem Ostrzolek bis zuletzt noch großen Respekt hatte. „Ich weiß noch, wie es war, in dieses große Stadion mit den 57000 Zuschauern als Gastmannschaft einzulaufen. Alle hatten gehörig Respekt“, so der Linksverteidiger. Wissend, dass sich die Verhältnisse verkehrt haben…

 

In diesem Sinne, alle Mann an Bord. Zumindest all diejenigen, die auch jetzt zum HSV als Verein stehen und ihn unterstützen, wo er noch zu unterstützen ist.

 

Scholle

So könnte der neue HSV aussehen!

6. September 2014

Die HSV-Profis genießen ihr freies Wochenende, aber der HSV lässt trotz allem aufhorchen. Vor allem im Norden der Republik, denn die „Zweite“ setzte auch beim schweren Auswärtsspiel in Bremen ihre Erfolgsserie fort. Es ist beinahe unglaublich, aber es ist wahr: Die Zweite ist immer noch Tabellenführer der Regionalliga Nord, gegen Werder wurde mit 4:2 gewonnen – es war der siebte Sieg im siebten Spiel, 21 Punkte, mehr geht nicht. Dazu 22:5 Tore, die Leistungs-Explosion der Rothosen-Talente hält unvermindert an. Ganz sicher ein Verdienst von Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer, der die Mannschaft in eine hervorragende körperliche Verfassung gebracht hat. Der neue Nachwuchs-Coach ist schon jetzt im Hamburger Fußball in aller Munde, er ließ hart und härter trainieren, und er hat trotz allem für Spaß, Lust und für Schwung in der Truppe gesorgt. Hut ab!

 

Doch um ganz ehrlich zu sein, Zinnbauer ist nicht allein der Vater des Erfolgs – er ist einer von den Vätern. Die „neue“ Mannschaft wurde nämlich noch von Oliver Kreuzer und Michael Schröder zusammengestellt, und diese beiden Herren wurden mittlerweile ja auch schon aus ihren Ämtern entfernt. Bei der „Zweiten“, da führt kein Weg dran vorbei, haben sie ihre Sache trotz allem gut gemacht, dass sollte schon mal erwähnt werden. Und Kreuzer hat ja auch, anfänglich viel kritisiert (auch von mir, das will ich nicht verschweigen!), „Joe“ Zinnbauer aus Karlsruhe nach Hamburg geholt. Nebenbei ist Zinnbauer auch immer noch ein dicker Freund von Thorsten Fink.

 

In Bremen sorgte Ahmet Arslan mit seinen Treffern in der siebten und 43. Minute für eine 2:0-Führung. Der HSV hatte in diesem Spitzenspiel, wie schon kürzlich beim Gipfeltreffen mit dem Nachwuchs des VfL Wolfsburg, das Glück (wenn man das so sagen darf), dass mit Mainka bereits in der 16. Minute ein Bremer die Rote Karte gesehen hatte. Trotz allem kam Werder zunächst zum Anschlusstreffer, doch dann sorgten Tolcay Cigeri und der für Matti Steinmann (spielte nach einer Verletzungspause) eingewechselte Dominik Masek für die siegbringenden Hamburger Tore. Erst gegen Ende der Partie kamen Dominik Jordan und Christian Derflinger, die beide ja schon bei den Profis mittrainierten, zu ihren Kurzeinsätzen, vom Platz gingen Gideon Jung und Cigerci. Das spricht für den ausgeglichen und durchaus auch gut besetzen HSV-Kader. Und ich bin gespannt, wie sich der Nachwuchs in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin schlagen wird. Ob es beim Platz an der Sonne, sprich Tabellenführung (und dann Aufstieg) bleiben wird?

 

Was für den guten Geist und die hervorragende Stimmung in diesem Team spricht: Als wir nach dem Köln-Spiel im Restaurant „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel, Holsteiner Chaussee) mit „Matz ab live“ auf Sendung waren, saßen am Nebentisch die Spieler der „Zweiten“ – die Mannschaft hatte fast komplett das Spiel der Profis verfolgt und saß auch nach diesem damaligen 0:0 noch einige Zeit beisammen. Das ist mit Sicherheit auch ein sehr gutes Zeichen. Und da ich gerade bei „Matz ab live“ und „Joe“ Zinnbauer war: Der Trainer, über den im Hamburger Fußball nun so viel gesprochen wird, war ja nach dem Pokalspiel der Profis in Cottbus der Gast von „Scholle“ und mir, wer sich also ein Bild davon machen möchte, wie Zinnbauer „tickt“, der sollte mal kurz zurückschauen. Es lohnt sich, das kann ich versprechen, ich wurde nach seinem Auftritt von vielen HSV- und Fußball-Fans angesprochen, die Josef Zinnbauer sehr lobten. Auf seinen weiteren Weg bin ich dann auch mal sehr gespannt . . . Ich denke mal, dass der Trainer zwar viel von seiner Mannschaft verlangt (Motto: „Du machst es nicht für mich, sondern ganz allein für Deine Karriere“), aber trotz aller Disziplin und Konsequenz auch immer Mensch (und nicht nur Chef) ist, um nicht das Wort Freund zu benutzen.

 

Gespannt bin ich auch darauf, wer von diesen Regionalliga-Spielern des HSV demnächst einmal im Kader – oder gar in der Mannschaft – der Profis auftauchen wird. Ihr habt Euch ganz sicher in den letzten Tagen genug Gedanken gemacht, wie die Bundesliga-Elf des HSV wohl künftig aussehen wird – ich habe in dieser Hinsicht natürlich auch „schwer“ nachgedacht. Allein schon deshalb, weil ich glaube, dass die meisten „alten“ HSV-Profis genügend Chancen hatten, sich besser zu präsentieren, auch für bessere Ergebnisse des HSV zu sorgen. Das haben sie nicht geschafft, der HSV hat reagiert, hat richtig gute Leute geholt – und die werden es jetzt meiner Meinung nach auch richten. Trainer Mirko Slomka möchte ja den Tempo-Fußball nach Hamburg bringen, möchte ein schnelles Umschaltspiel installieren, doch bislang ist er damit gescheitert. Jetzt aber, mit den „Neuen“ scheint diese Art von Fußball doch möglich zu sein. Hoffentlich.

 

Doch wenn ich bei einer, bei der „neuen“ HSV-Mannschaft bin, so muss ich sagen, dass Slomka ja schon bei der Besetzung des Torhüters ein wenig zurückgerudert ist. Vor ein paar Tagen schien noch ein Keeper-Wechsel möglich, den halte ich nach den neuesten Aussagen des Trainers (nach dem Spiel am Donnerstag in Neumünster) nun nicht für möglich. Gegen Hannover wird (wohl) wieder Rene Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen. Und dazu, das muss ich zugeben, habe ich keine Meinung. Auf der einen Seite sehe ich, dass man einen Rene Adler nur noch mehr verunsichert, wenn man ihn nun auf die Bank setzen würde, auf der anderen Seite kann er doch nicht alles verlernt haben. Er war für mich einst Deutschlands Nummer eins. Und er hat in seiner ersten Saison beim HSV auch herausragend gehalten – er hat dazu ganz stark beigetragen, dass der HSV nicht in ganz arge Abstiegsnöte geraten war. Es stimmt, an diese Leistungen ist er danach nie wieder herangekommen, das belegen ja auch alle Statistiken und „Mannschaften des Jahres 2013/14). Aber die Hoffnung habe ich schon noch, dass ihm das demnächst schon noch gelingen wird.

 

Wobei ich keine Angst hätte, wenn Jaroslav Drobny an Adlers Stelle zum Einsatz kommen würde. Drobny ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass der HSV immer noch Erstigist ist, keine Frage, er hat gegen Fürth zweimal erstklassig gehalten – wer weiß, ob Adler das in seiner momentanen Verfassung geschafft hätte. Ich glaube nicht. Und deswegen hätte Drobny auch eine neue Chance durchaus verdient, keine Frage. Das sehen offenbar auch viele, viele HSV-Fans so, denn eines ist mir vor dem Paderborn-Spiel nicht entgangen: Als Droby kurz vor dem Spiel – allein – aus der Kabine kam und das Stadion betrat, brandete ein riesiger Beifall auf. Nur für ihn. Die Menschen feierten den Tschechen, auch weil sie nicht vergesse haben, was er in diesem Sommer für den HSV geleistet hat.

 

Was für mich überhaupt keine Rolle spielt ist die Tatsache, dass beide HSV-Torhüter keine großen Redner sind. Drobny spricht seit Jahren nicht mit der Presse, Adler seit Monaten. Beide machen ihr Ding, aber mit dem Umfeld haben sie keine großen Berührungspunkte. Das muss man akzeptieren, ich habe es längst akzeptiert, beide Herren sind eben so. Das gehört ja auch zur jahrzehntelangen Fußball-Geschichte, in der es schon immer heißt: „Torwart und Linksaußen . . .“ Ich kann damit leben, die Torhüter können damit leben, die Trainer des HSV haben damit bestens umgehen können, und der Verein letztlich ja auch. Also ist alles in bester Ordnung.

 

Meine gedachte neue HSV-Mannschaft sieht dann in der Viererkette wie folgt aus: Dennis Diekmeier, Cleber, Johan Djourou, Matthias Ostzrolek. Es wird viele überraschen, dass ich Heiko Westermann draußen lassen würde, aber ich habe mich deswegen dazu entschlossen, weil ich diese Entscheidung als längst gefällt ansehe – hinter den Kulissen. Sonst hätte der HSV keinen Cleber gekauft, sonst wäre Djourou nicht Vize-Kapitän geworden. Und dass links Ostzrolek statt Marcell Jansen spielt, das scheint mir ebenfalls nur logisch zu sein – warum sonst hätte man den Linksverteidiger sonst aus Augsburg geholt. Wobei ich sagen muss, das mir Ostrzolek bislang noch nicht so gut gefallen hat, wie ihn mir die Kollegen aus Augsburg offeriert hatten. Die hatten mit gesagt, dass Jansen in Zukunft hinten links abgemeldet ist, weil Ostrzolek von hinten nach vorne und wieder zurück 90 Minuten lang so richtig Dampf macht. Davon ist bislang, mehr oder wenig im Training, nichts zu sehen. Und ich bin schon sehr gespannt, wann das demnächst einmal der Fall sein wird.

Auf der Doppel-Sechs, wenn es sie denn weiterhin geben wird, sehe ich gleich zwei „Neue“: Valon Behrami ist schon jetzt, nach wenigen Wochen, absolut gesetzt, und offenbar wird es Mirko Slomka ja auf der zweiten Sechs mit Lewis Holtby wagen. Wagen schreibe ich deshalb, weil ich Holtby bislang mehr als Spieler mit großen Offensiv-Qualitäten angesehen habe. Das wird auch eine große Frage, wie sich das fügen wird, wie Holtby diese ihm zugedachte Rolle annehmen und spielen wird? Ganz sicher ist natürlich, dass der frühere Nationalspieler seinen Platz in dieser HSV-Mannschaft haben wird. Das ist überhaupt keine Frage, er ist gesetzt. Und auch meine ganz große Hoffnung, dass es mit diesem HSV endlich mal wieder bergauf gehen wird.

 

Dann komme ich nach vorne. Rechts spielt bei mir, so er denn fit ist, Zoltan Stieber. Weil er schnell ist, also genau in das Schema von Slomka passt. Das gilt links ebenso für Julian Green, der ebenfalls flott auf den Füßen ist, was ihn natürlich auch für ein schnelles und das gewünschte Umschaltspiel prädestiniert. In der zentralen Position sehe ich nach wie vor Rafael van der Vaart, der seinen Spaß wiederfinde wird, mit diesen neuen Leuten. Er wird endlich mal wieder Steilpässe spielen können, die ihn einst als Spielmacher auszeichneten. Ich bin überzeugt davon, dass sich der Niederländer von diesem neuen Schwung des HSV anstecken und mitreißen lassen wird, und dass er geradezu aufblüht. Und dazu hoffe ich natürlich, dass Pierre-Michel Lasogga seine „alte“ form wiederfinden wird, dass er sich in beste Fitness bringt, dass er alles dafür tun wird, um wieder bei 100 Prozent zu sein – dann müsste das alles schon viel, viel besser hinhauen, als in den vergangenen Monaten und Jahren.

 

Und eines muss man immer wieder mal ja sagen, dass sich die neue Führung wirklich super ins Zeug gelegt hat, um eine solche Mannschaft, eine fast neue Mannschaft, auf die Beine zu stellen. Der HSV ging ein hohes Risiko, nun bleibt nur zu hoffen, dass die neuen Kräfte dieses Risiko auch belohnen. Sonst könnte es ganz, ganz eng werden für den HSV mit seiner neuen AG.

 

Für alle, die jetzt schon nicht mehr wissen, wer bei der unsäglichen 0:3-Pleite gegen Paderborn auf dem Rasen des Volkspark gestanden hat, seien die Namen schnell noch einmal ins Gedächtnis gerufen. Es wird ein jeder feststellen, dass sich zwischen diesen beiden Teams ein gewaltiger Unterschied auftut:

Der HSV spielte vor einer Woche mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen (ab 71. Min. Ostrzolek); Badelj, Behrami; Arslan(ab 46. Min. Stieber), van der Vaart (ab 37. Min. Rudnevs), Ilicevic; Lasogga.

 

Ein ganz anderes Thema noch zum Schluss. Gestern schrieb ich ja über den zuletzt (passend zum Paderborn-Auftritt!) verkorksten Matz-ab-live-Auftritt, weil die ersten fünf Minuten tonlos geblieben waren und deswegen der Schere zum Opfer fielen. Ich stellte deswegen unsere beiden Gäste vor (die Hamburger Amateurtrainer Bert Ehm und Manfred Lorenz), und ich verteilte noch einmal ein Lob für die zuletzt von „Scholle“ geleistete Arbeit, weil er jeden Neuzugang „hatte“. Das war und ist immer noch großartig. Was auch der Fünf-Minuten-Schere zum Opfer fiel, was aber nicht verschwiegen werden soll: Es gab Proteste gegen mich, weil ich im Hamburger Abendblatt (Kommentar Seite zwei) geschrieben hatte, dass der frühere HSV-Nachwuchs-Trainer Dieter Kurz (kam in den 80-er-Jahren vom VfB Stuttgart) einst „mehr oder weniger kläglich gescheitert“ sei. Das rief gleich einige Wegbegleiter von Kurz auf den Plan.

 

Zum Beispiel Jürgen Stars. Der frühere HSV-Torwart war einst beim HSV der erste Torwart-Trainer – von Dieter Kurz dazu gemacht. Und „Starski“ protestierte vehement und nachhaltig: „Wenn Kurz damals gescheitert ist, dann nur an dem unbeweglichen Apparat beim HSV. Ansonsten hatte er brillante Ideen, hatte auch Erfolge und hat vielen Spielern den Weg in den Profi-Fußball geebnet.“ Ist angekommen! Ich meinte auch genau das, nämlich den eingefahrenen HSV, der schon damals nichts Neues zulassen wollte, „weil das schon immer so und nicht anders gemacht worden ist“. Dieter Kurz, zu dem ich immer ein gutes Verhältnis hatte, war zweifellos ein sehr guter Trainer, und das habe ich ihm auch in meinem Artikel am 1. September bestätigt, wie ich zuvor geschrieben hatte: „Er kam trotz bester Ansätze . . .“

 

Zu diesem Thema erhielt ich dieser Tage dann auch noch einen Leserbrief vom ehemaligen Hamburger Auswahltrainer Wolf Brake. Er brach ebenfalls eine Lanze für Kurz und schrieb mir (u. a.): „Letzten Endes gescheitert ist Dieter Kurz an den HSV-Strukturen, mangelndem standing (er musste nach kurzer Zeit sein Büro in der Sportschule Ochsenzoll räumen und in den Kellertrakt des Umkleidegebäudes ziehen) und fehlender Loyalität.“ Brake nannte auch Namen von denen, die von Dieter Kurz aus der Jugend in den Herrenbereich gebracht wurden – und zwar überaus erfolgreich: Holger Stanislawski, Otto Addo, Oliver Geier, Thorsten Zehlicke und Michael Koch. Bei Wolf Brake in der HH-Auswahl spielten zudem noch spätere Größen wie Andreas Brehme, Thomas Wolter und Uwe Bonik.
Das musste ich aus Gründen der Fairness schnell noch loswerden, sorry deshalb, weil viele nun wieder genervt sein dürften, dass ich so lang geworden bin . . .

 

Ja, und dann möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es beim Hamburger Abendblatt schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues gibt:

 

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Heute feiert unsere “Eiche” Geburtstag, von hier aus ganz herzliche Glückwünsche – und noch viele, viele HSV-Siege für Dich!

 

PSPS: Dann bis morgen. Nein, nicht beim HSV-Training (ist Frei-Tag am Sonntag), sondern beim Tag der Legenden. Ihr kommt doch, oder? Ein schönes Wochenende für Euch!

 
18.11 Uhr

Beiersdorfer forciert Druck auf Mirko Slomka – Tah nach Düsseldorf ***Aktualisiert: Badelj nach Florenz, Holtby zum HSV****

31. August 2014

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HSV bestätigt: HSV-Mittelfeldspieler Milan Badelj befindet sich auf dem Weg nach Florenz zum Medizincheck. Geht alles glatt, dann wechselt der Kroate für vier Millionen Euro nach Italien.
Dietmar Beiersdorfer im NDR-Sportclub: „Lewis Holtby kommt Montag zum Medizincheck nach Hamburg!”
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Alles zurück auf Start. Nichts scheint besser zu sein als in der Vorsaison. Zumindest was DIESE HSV-Mannschaft angeht. Das ist die Erkenntnis, die sicher viele Fans und auch die Verantwortlichen des HSV aus der desolaten 0:3-Pleite gegen den SC Paderborn gezogen haben. Genau ein Spiel lang hielt die Illusion, dass die erfolglose Mannschaft von 2013/2014 nun 2014/2015 vielleicht doch, ausgestattet mit besserer Physis und mit Rückhalt aus dem Verein, zu besseren Leistungen imstande ist. Die Partie gegen einen natürlich auch unbeschwerten Aufsteiger aus Paderborn zeigte das Gegenteil.

Dietmar Beiersdorfer, der Vereins-Vorsitzende, hat heute in – für seine Verhältnisse – deutlichen Worten gesagt, was aus seiner Sicht Sache ist: „Wir haben ja schon analysiert vor der Saison. Es war und ist klar, dass wir Akzente und Inputs setzen müssen. Wir hatten natürlich wenige neue Spieler auf dem Rasen. Aber man hat gesehen, dass die Konstellation der Mannschaft in Teilen verändert werden muss. Das wird unsere Aufgabe sein.“ Unsere Aufgabe, sagt Beiersdorfer, und meint vor allem die Aufgabe von Trainer Mirko Slomka.

Wie schon in Köln, als es funktioniert hat, baute der Coach auch gegen Paderborn – bis auf Valon Behrami – auf Spieler, die den Absturz der vergangenen Spielzeit mitgestaltet haben. Gestern klappte das Kartenhaus zusammen. „Natürlich sind wir überaus unerfolgreich“, so Dietmar Beiersdorfer. „Wir haben lange Zeit kein Spiel gewonnen. Wir haben uns gut vorbereitet und sind fit und körperlich deutlich besser in Form als vergangene Saison. Trotzdem müssen wir die Überlegungen der Sommerpause umsetzen -da ist auch der Trainer gefordert. Aber dennoch werden wir in Ruhe und mit dem richtigen Fokus versuchen, den Finger in die Wunde zu legen. Weil es einfach sein muss. So wie gestern dürfen wir uns nicht präsentieren.“

Klarer Auftrag also an Mirko Slomka: Neue Spieler in die Mannschaft.

Dass es ansonsten, und sowieso bei weiter fehlendem Erfolg, auch an den Stuhl des Trainers geht, liegt auf der Hand. Saison übergreifend saß Mirko Slomka 15 Spiele auf dem HSV-Trainerstuhl. Seine Bilanz: drei Siege, drei Unentschieden, neun Niederlagen. Beiersdorfer: „Wir sind gestern durch den Boden gegangen. Das haben wir uns so nicht vorgestellt. Als Verantwortlicher ist man da geschockt. Aber den Schwung, den ich auch gespürt habe, müssen wir trotzdem aufnehmen. Wir haben Akzente gesetzt – das muss einfließen in den Club. Man braucht aber auch Zeit, um einen Output zu sehen.“ Was lange schlecht war, ist nach Beiersdorfers Überzeugung nicht von einen Tag auf den anderen Tag ins Lot zu bringen: „Wir stecken nicht den Kopf in den Sand und auch nicht den Sand in den Kopf. Wir waren nicht davon ausgegangen, Paderborn aus dem Stadion zu fegen. Aber dennoch darf man nie und nimmer hier 0:3 gegen Paderborn verlieren. Das, was ich gesagt habe, dass wir wieder Stolz erarbeiten wollen und aufrecht gehen, ist somit unterminiert. Wir müssen Reaktionen zeigen, das weiß der Trainer, und er wird Reaktionen folgen lassen.“

Für Abendblatt-Blogs



 

Was den Zeitfaktor angeht, glaubt Beiersdorfer, dass der lange Weg des HSV nach unten auch einen langen Weg zurück nach oben nach sich zieht. Die Frage ist bei diesen Worten natürlich, ob dieser lange Weg nach oben dauerhaft mit oder ohne Mirko Slomka gegangen wird. Slomka hatte gestern nach dem Abpfiff eingeräumt, zu „Null komma null“ mit einer solch schwachen Leistung gerechnet zu haben. „Wir wollten uns gut präsentieren und haben die Fans brutal enttäuscht.“

Was nun die angesprochenen Veränderungen in der Startelf schon beim nächsten Spiel in Hannover am 14. September angeht, darüber kann ab jetzt kräftig spekuliert werden. Ostrzolek auf links, Müller im Mittelfeld, Cleber in der Deckung – diese drei Alternativen bieten sich heute schon an. Weiteres hängt davon ab, ob bis Montagmittag die gewünschten Verpflichtungen unter Dach und Fach sind. Während der Vater von Julian Green auf ESPN bereits das Leihgeschäft zwischen Bayern München und dem HSV bestätigte (ohne Kaufoption), gibt es in Sachen Lewis Holtby aktuell noch keinen Vollzug zu melden.

Gestern hatte ich zwischenzeitlich die Information erhalten, die Sache sei fix, der HSV könnte Holtby sogar kaufen. Das wird sich allerdings nicht realisieren lassen. Es geht weiter um ein Leihgeschäft. Aus HSV-Sicht am liebsten mit einer Kaufoption. Heute saß Lewis Holtby jedenfalls noch beim Heimspiel von Tottenham Hotspur gegen den FC Liverpool auf der Bank der Londoner und sah von dort aus eine 0:3-Heimniederlage.

Neue rein, „alte“ raus. Im Mittelfeld müssen sich wohl Milan Badelj und Tolgay Arslan Sorgen um ihre Position in der Startelf machen. Das war gestern gar nichts und ist für mich nahezu unverständlich, weil beide in Köln noch gut drauf waren. Wo ist innerhalb einer Woche die Spritzigkeit geblieben? Ist sie in den Treppenläufen am Mittwoch hängen geblieben? Schwer vorstellbar. Auch Marcell Jansen kam nicht richtig ins Tempo. Und was Rafael van der Vaart angeht: Bei seiner Verletzung handelt es sich um eine Waden-Zerrung, die sicher eine mehrwöchige Pause nach sich ziehen wird. Und Pierre Michel Lasogga ist immer noch nicht in Wettkampfverfassung. Kurzum: Zu viele Baustellen, um sich gegen Paderborn besser aus der Affäre zu ziehen.

Dietmar Beiersdorfer sieht in der Leistung gestern immer wieder eine Parallele zur Vorsaison. „Man hat den Eindruck, dass die Mannschaft bei Misserfolgserlebnissen zu alten Verhaltensmustern zurückkehrt. Das war schon im Test gegen Lazio Rom erkennbar. Und auch gestern wieder.“ Auch diese Beobachtung rechtfertigt den Wunsch nach „neuen Akzenten“ – auch um die Spieler der Vorsaison zu entlasten und ihnen den Druck zu nehmen. „Vielleicht war es ja dieser Druck, den das Team auch gestern gespürt hat“, mutmaßt Beiersdorfer.

Mehr, vielleicht schon neue Transfer-Entwicklungen, gibt es von Dietmar Beiersdorfer heute Abend ab 22.45 Uhr als Studiogast im NDR-Sportclub.

Zurück zu Holtby: Seine Verpflichtung, wenn sie denn über die Bühne geht, würde genau in die Transfer-Strategie passen, die Dietmar Beiersdorfer seit Anfang Juli in Hamburg verfolgt. Im „Bild“-Interview gestern hat er noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, wie ungewöhnlich die Situation im Sommer 2015 sein wird, wenn insgesamt elf Spielerverträge auslaufen. Zu diesem Zeitpunkt ist es vielleicht möglich, aber keineswegs sinnvoll, alle elf Positionen auf einmal auszutauschen. Also baut Beiersdorfer vor.

Cleber wurde schon jetzt verpflichtet, um ihm ein Jahr Eingewöhnungszeit zu bieten, damit der HSV auf der Innenverteidiger-Position nicht unter Druck gerät, wenn die Verträge von Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic auslaufen. Zu derart fürstlichen Beträgen wie aktuell (jeweils über zwei Millionen Euro Jahresgehalt) werden diese Verträge ganz sicher nicht verlängert. Ebenso ist die Verpflichtung von Matthias Ostrzolek zu betrachten. Vielleicht spielt er im Moment noch nicht so viel (hat auch im Training nicht immer den besten Eindruck hinterlassen, dafür ist er nach seiner Einwechslung gestern ordentlich marschiert), aber der Kauf vom FC Augsburg ist jetzt schon ein Signal an Marcell Jansen, dass mit dessen Vertragsende 2015 ein Nachfolger parat steht.

Nun also Holtby, der in ähnlicher Weise auf Rafael van der Vaart wirken soll. Ob alle neuen Leute die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen werden, ist natürlich noch nicht abzusehen. Aber zumindest baut der HSV vor. Freilich ändert das nichts daran, dass die wirtschaftliche Situation des Vereins – bzw. der AG – als höchst problematisch beschrieben werden muss. Der Gehaltsetat liegt schlappe zehn Millionen Euro über den Ursprungsplanungen. Im Grunde ist der Weg Beiersdorfers bislang nur durch Klaus-Michael Kühne möglich.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen häufig geäußerten Vorwurf gegen Kühne eingehen. Oft wird behauptet, Kühne habe eben nicht nur das Wohl des HSV, sondern vornehmlich sein eigenes im Auge. Vermeintlicher Beleg: Der hohe Zinssatz von vier Prozent, mit dem er sich sein jüngstes 17-Millionen-Euro-Darlehen absichern ließ. Die Zinsen, das lesen wir jeden Tag überall, seien schließlich günstiger im Moment.

Das gilt allerdings vielleicht für einen kleinen Privat-Kredit, der durch einen solventen Kunden gut abgesichert ist. Ein marodes Unternehmen, dass jahrelang in den Roten Zahlen gelandet ist, und dass zum Überleben auf eine Finanzspritze von außen angewiesen ist, das erhält eben nicht mal so eben 17 Millionen Euro mit 1,5 Prozent verzinst. Im Gegenteil: Der Zinssatz, dem Kühne dem HSV abnimmt, ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen in Ordnung.

Und er gibt dem HSV Handlungsspielraum, den er ansonsten kurzfristig nicht gehabt hätte. Mit dem Darlehen von Kühne hat der HSV die Chance, sich kurzfristig sportlich zu konsolidieren und damit langfristig auch die wirtschaftliche Seite in den Griff zu bekommen. Wie dringend nötig das ist, zeigt auch der Sechs-Millionen-Vorschuss von adidas zur Lizenz-Sicherung. Neben der inhaltlichen Notwendigkeit, die die HSV-Verantwortlichen veranlasst haben, das Konzept des „Campus“ zu überdenken, kommt als Mitnahmeeffekt der verzögerte Baubeginn samt hinausgezögerter Investition hinzu. Auch hier werden Kosten aufs kommende Geschäftsjahr verschoben. Auch dann wird nicht alles Gold sein beim HSV, aber doch wird die Zeit bis zum Ende der hohen Ratenzahlungen für den Stadionkredit geringer. Ab 2017 kann der Club hier mit deutlich weniger Ausgaben planen. Bis dahin könnten sich dann auch die ersten Maßnahmen im Nachwuchsbereich rechnen, die nun formuliert wurden.

Bei allen Prognosen gibt es viele Unbekannte, aber nach allem, was wir von anderen Vereinen in Deutschland oder im europäischen Ausland wissen, ist der HSV tatsächlich auf dem richtigen Weg. Der HSV hat den Vorteil eines wirtschaftlich potenten Umfelds, extrem treuer Anhängerschaft und großer Bedeutung in der Stadt. Hin und wieder wird ja darauf hingewiesen, dass der Zug nach oben abgefahren sei. Bayern, Dortmund, Leverkusen, Wolfsburg, evtl. Leipzig – da ginge von Haus aus mehr. Das ist aktuell ganz sicher so, aber die Pfunde, mit denen der HSV wuchern kann, sind auch nicht schlecht. Es braucht einiger richtiger strategischer Entscheidungen und ein wenig Glück.

Diese Eigenschaften sind der alten Führung abzusprechen. Zwar liegen noch keine Zahlen für das Geschäftsjahr 2013/14 vor. Und, wie ich höre, wird es auch keine abschließenden Zahlen geben, die einen einfachen Vergleich mit den Geschäftsergebnissen der Vorjahre zulassen. Der Grund ist ganz einfach der, dass die Ausgliederung des Fußball-Profi-Bereichs in eine AG rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres gelten wird. Insofern fließen in den Abrechnungen von e.V. und AG Zahlen zusammen, die andere Berechnungsgrundlagen haben werden als in der Vergangenheit. Klar ist allerdings, dass es nach alter Rechnung ein erneutes erhebliches Minus-Budget gegeben hätte. Interne HSV-Berechnungen sprechen von Zahlen um fünf Millionen Euro – Verlust, versteht sich.

Kurz vor dem Ende der Transferfrist hat sich Jonthan Tah übrigens noch auf die Socken nach Düsseldorf gemacht. Dort hat er am Sonntag allerdings noch keinen Medizin-Check absolviert. Dennoch: Verlaufen die Gespräche erfolgreich, so wird Tah für ein Jahr an die Fortuna verliehen.

Nach dem 0:3 gegen den SC Paderborn hat ein Besuch der HSV-U-23-Mannschaft heute jedem Fan gutgetan. Die Mannschaft von Trainer Joe Zinnbauer gewann gleich mit 3:1 gegen den Lüneburger SK. Trainer bei den Lüneburgern übrigens der ehemalige HSV-Profi Elard Ostermann, der auch in der Hamburger Amateur-Szene wohlbekannt ist. Der HSV schaffte jedenfalls den sechsten Sieg im sechsten Spiel – eine unfassliche Geschichte nach der zittrigen Vorsaison. Das Resultat täuschte ein wenig über das Chancen-Verhältnis hinweg, denn die Gäste hatten gute Möglichkeiten, scheiterten aber immer wieder am starken HSV-Keeper Alexander Brunst. Auffälligster Feldspieler war Tolcay Cigerci, der sich mit einem Tor und vielen guten Offensiv-Aktionen empfahl. Das wird auch dem neuen Sportdirektor Bernhard Peters nicht verborgen geblieben sein. Der neue sportliche Leiter des Nachwuchszentrums, Patrick Rahmen, war heute übrigens beim Spiel der HSV-B-Jugend in Cottbus.

So spielte der HSV II: Brunst – Götz, Jung, Kim, Marcos – Arslan (90. Derflinger), Masek, Mende (68. Jordan), Gouaida – Cigerci (86. Adomah), Brüning
Tore: 1:0 Cigerci (27.), 2:0 Arslan (40.), 3:0 Brüning (45.), 3:1 Alawie (72.)

Die Profis haben morgen trainingsfrei. Einige sind zu Länderspielen unterwegs – der Rest der Truppe bestreitet in dieser Woche Freundschaftsspiele in Neumünster (Donnerstag) und Danzig (Freitag).

Und dann, nach dem länderspielfreien Wochenende, geht’s in die Hannover-Woche. Allein schon deshalb wird Fußball-Deutschland auf Mirko Slomka blicken. Gelinde gesagt, wird es ein ganz wichtiges Spiel dort für den Trainer des HSV.

Lars
18.41 Uhr

0:3 – jetzt haben wir den Salat!

30. August 2014

Die Sonne schien, bestes Fußballwetter lud zum ersten Heimspiel der 52. Bundesliga-Saison ein – nur der HSV war leider noch nicht so richtig gut aufgelegt. Obwohl alles für einen Heimsieg gerichtet schien. Aber das schien nur so. Dieser HSV ist weiterhin jenseits von Gut und Böse, in dieser Mannschaft gibt es immer noch zu viele Versager, die sich dann schnell vom Acker machen, wenn es hart auf hart kommt. Es wird Zeit, dass in diesen Verein eine andere Philosophie Einzug hält, und zwar so schnell wie möglich. Das ist leider kein Erstliga-Niveau, was sich dieser HSV immer noch zurechtstümpert, das muss man so krass feststellen, sie haben aus ihren Fehler nichts, aber auch wirklich nichts gelernt. Aber nun gibt es ja doch noch einmal zwei weitere Transfers, die diesem verein vielleicht doch noch neues Leben einhauchen können. Aus London soll Lewis Holtby kommen, aus München, vom FC Bayern, wird Offensivspieler Michael Green für ein Jahr ausgeliehen – sie sind nun die neuen Hoffnungsträger. Ansonsten könnte das Fazit heißen: Der HSV geht wieder nur ganz, ganz schweren Bundesliga-Zeiten entgegen. Trotz aller Versuche der Verantwortlichen, den Rettungsanker zu werfen. Da muss noch viel passieren, bis dieser HSV wieder auf Kurs ist. Ohne Worte, das ist ein ganz blamabler Tag für den Erstliga-Fußball in Hamburg, schämt Euch, Ihr Versager! Mich macht ein solcher Auftritt total fassungslos!

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Das muss gleich einmal zu Beginn gesagt werden: Die Fans – vor allem im Norden – waren super, großartig, sensationell. In Köln waren die Anhänger aus Hamburg noch leise, diesmal machten sie vom Anstoß an so richtig schön Alarm. Weltklasse. Da wurde nichts mehr vermisst, das war eine ganz hervorragende Unterstützung für die HSV-Mannschaft. Die Fans von der Gruppe „Poptown“ haben den Norden übernommen und offenbar dafür gesorgt, dass es dort so richtig gut abgeht. Das konnte sich sehen und hören lassen – weiter so! Bravo!

 

Schon zur Pause gab es Pfiffe, von überall. Weil der HSV eben doch nur spielt wie der HSV. Der aus der Vorsaison. Okay, okay, es wird schneller gelaufen, bestimmt auch mehr, aber fußballerisch ist der Volkspark aus Hamburger Sicht weiterhin nur Niemandsland. Es wird Zeit, dass endlich der „neue HSV“ aufläuft, ein HSV mit Cleber Reis, Matthias Ostrzolek, Nicolai Müller, Zoltan Stieber, Lewis Holtby und Julian Green, um Valon Behrami die richtige Unterstützung zu geben. Das wäre eine neue Mannschaft, die dann auch zeigen kann, wie Fußball mit Herz, Leidenschaft, Engagement und Einsatz und Willen tatsächlich funktioniert. Die Herren, die sich in den letzten Wochen und Monaten versuchten, die können es offenbar trotz eines härteren Trainings nicht, sie habe genügend Chancen gehabt – jetzt dürfen sich eben andere, neue Spieler versuchen. An Gegner Paderborn, von den meisten Experten als Bundesliga-Absteiger als Absteiger Nummer eins getippt, konnte jeder sehen, was es bedeutet, wenn man Laufbereitschaft zeigt, wenn man eine Strategie gemeinsam umsetzen will – und es auch kann. Diese „No-name-Truppe“ aus dem Westen hat es vorgemacht, wie Fußball geht, ohne einen Star an Bord zu haben – man muss nur wollen. Und Paderborn wollte.

 

Torchancen für den HSV in Halbzeit eins? Gab es nicht wirklich. Torchancen hatten nur die Gäste, das Team von Andre Breitenreiter, dem ehemaligen HSV-Profi. Der sprach vorher von einem „David-gegen-Goliath-Duell“ und ich tippe mal darauf, dass er seine Mannschaft als den Underdog betrachtete. War aber auf dem Rasen dann nicht zu sehen. Obwohl der HSV durchaus gut und willig begann. Es fehlte aber der letzte Pass und die letzte Konsequenz im Spiel nach vorne. Das war oft viel zu durchsichtig und auch halbherzig. Und irgendwie schien nach den ersten Fehlpässen und misslungenen Aktionen schnell das Selbstvertrauen flöten gegangen zu sein. Und schon ging nichts mehr. Umschalten, das sollte das Thema des HSV sein, aber in diesem Stadion und an diesem Tag schaltete nur eine Mannschaft um, und das war der SC Paderborn. Zu dieser Leistung kann man dem guten Andre Breitenreiter nur gratulieren. Da werden sich wohl auch noch ganz andere Teams noch wundern, wie es sich gegen Paderborn so spielt.

Als Rafael van der Vaart in der 37. Minute verletzt raus musste, da war das Spiel des HSV schon auf Zweitliga-Niveau gesunken. Da hätte der gute Mirko Slomka schon die halbe Mannschaft austauschen können. Es wird nicht schnell genug gespielt, es wird nicht schnell genug nachgerückt, gelegentlich auch gar nicht nachgerückt, es wird nicht miteinander gespielt, es wird nichts kompakt zugestellt, es wird die Verantwortung immer nur dem Nebenmann in die Buffer geschoben und vieles nur dem Zufall überlassen. Viele lassen auch viel zu schnell die Köpfe hängen, da ist kein Leben untereinander – nichts, null. Da ist auch nichts von Lust oder Spaß erkennbar, da wird nur versucht, Fußball zu arbeiten. Jeder für sich, und der Fußballgott für alle – nur der hat in der vergangenen Spielzeit schon nur den Hamburgern geholfen, jetzt sind mal andere Clubs dran.

Der HSV allerdings hätte sich schon selbst helfen und belohnen können. Tormöglichkeiten gab es schon. Nach einem Eckstoß kam Johan Djourou an die Kugel, ein oder zwei Meter vor der Torlinie, aber der Ball ist nicht drin, fliegt abgefälscht irgendwie noch zur Ecke (56.). Unfassbar, aber wahr.

Oder: Valon Behrami schickte Marcell Jansen in den SCP-Strafraum, flache Eingabe von links, Pierre-Michel Lasogga kam aus vier Metern an die Kugel – und schiebt sie am langen Eck vorbei (61.).

Und dann noch die 63.Minute. Ivo Ilcevic schießt aus halblinker Position auf das SCP-Tor, Artjoms Rudnevs hätte abfälschen oder einschießen können, verfehlt aber den Ball – Abstoß statt HSV-Tor. Und danach wurde es dramatisch.

In der 69. Minute wollte Rudnevs den Ball 30 Meter vor dem HSV-Tor quer zu Lasogga passen, dazwischen sprintet Vrancic, umkurvte Rene Adler und schoss zum 0:2 ein – ein amateurhafter Fehler. Schon in der Jugend heißte s doch immer wieder: „Kein Querpass am eigenen Strafraum.“ Nun gut, man muss ja nicht alles für bare Münze nehmen, was im Fußballlehrbuch steht . . .

Es kam noch schlimmer. Stoppelkamp schoss in der 87. Minute noch das 0:3. Der Hammer, der Wahnsinn, ein Offenbarungseid des HSV. Schlechter geht es nicht, und man muss schon fragen, wann dieser HSV denn mal gewinnen will? Oder kann?

Der HSV rannte nach dem 0:2-Rückstand natürlich noch gegen das Paderborner Tor an, aber mit einem Heimsieg klappte es dann doch nicht mehr . . . Aber vielleicht wird es dann ja beim nächsten Heimspiel etwas mit einem HSV-Erfolg . . . Dann kommt der FC Bayern an die Elbe. Dabei hätte alles so toll beginnen können. Und auch so super beginnen sollen – gegen die beiden Aufsteiger!

 

Der HSV mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen (ab 71. Min. Ostrzolek); Badelj, Behrami; Arslan (ab 46. Min. Stieber), van der Vaart (ab 37. Min. Rudnevs), Ilicevic; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Rene Adler tat mir leid, er hatte kaum etwas zu tun und musste die Kugel dennoch einige Male zu viel aus dem Netz holen.

 

Dennis Diekmeier versuchte es immer wieder nach vorne, sprintete und rannte und kämpfte, aber so richtig viel gelang ihm nicht. Dennoch, er wollte.

 

Johan Djourou hatte einen schweren Tag, an dem ihm lange nicht alles gelang, vornehmlich in der ersten Halbzeit nicht. Note vier.

 

Heiko Westermann war lange nicht so souverän wie zuletzt in Köln, obwohl er kaum mal einen großen Klops in seinem Spiel hatte. Er passte sich dem Spiel seiner Kollegen an, und an diesem Tag schienen sie alle ein wenig überfordert zu sein, überfordert mit der Ersten Bundesliga.

 

Marcell Jansen spielte nur bis zur 71. Minute mit, fiel bis dahin kaum auf, spulte sein Pensum herunter und war bemüht, keinen Fehler zu machen – was nicht immer gelang. Kam dann sein „Nachfolger“ für ihn, nämlich Matthias Ostrzolek?

 

Milan Badelj mit durchaus guten Ideen, aber seine Pässe fanden leider nicht immer den eigenen Mann. Nach durchwachsenem Beginn tauchte er ab, das ist leider, leider nicht mehr der Milan Badelj, der hier einst so super begann, das ist leider, leider nur der Schatten.

 

Valon Behrami setzte sich ein, wollte auch motivieren und mitreißen, aber es blieb beim Ansatz. Hat noch einige Fehler zu viel in seinem Spiel, obwohl er an diesem desolaten HSV-Tag noch einer der Besseren war.

 

Tolgay Arslan mit keinem schlechten Start, aber schon nach zehn Minuten verlor er den Faden. Da war es wieder, dieses „Auf-und-ab-Syndrom“ bei ihm, es geht nach einem guten Spiel schnell wieder nach unten – leistungsmäßig. Er leitete mit einer viel zu durchsichtigen und grob fahrlässigen Aktion (alle im Vorwärtsgang!) den 0:1-Rückstand ein – tragisch. Nach der Pause kam er folgerichtig nicht wieder, für ihn spielte Zoltan Stieber.

 

Rafael van der Vaart machte nur bis zur 37. Minute mit, dann ging er verletzt vom Rasen. Bis dahin war ihm kaum etwas gelungen.

 

Ivo Ilicevic spielt phasenweise ganz elegant, mitunter glückt ihm auch ein Dribbling, aber letztlich kommt nach seinen Auftritten nichts, aber auch wirklich nichts herum. Das ist vor dem Strafraum und im Mittelfeld nur brotlose Kunst.

 

Pierre-Michel Lasogga spielte kaum mit und rennt seiner Form weiterhin meilenweit hinterher.

 

Artjoms Rudnevs (ab 37. Minute für van der Vaart) war dann die Doppelspitze mit Lasogga, zeigte Einsatz, zeigte Leben, war auch mehr zu sehen als sein Sturmpartner, doch er hatte das Glück in der Kabine vergessen.

 

Zoltan Stieber (ab 46. Minute für Arslan) wirkte oft wie ein Jugendspieler, der die HSV-Mannschaft nur mal so auffüllen sollte. Das war gar nichts.

 

Matthias Ostrzolek (ab 71. Minute für Jansen) sollte mal in diese Mannschaft hineinschnuppern, zeigte durchaus auch ein, zweit Ansätze, dass es noch etwas werden kann mit ihm, aber wo war er beim 0:3?

 

PS: Morgen, am Sonntag, soll im Volkspark um zehn Uhr trainiert werden.

 

PSPS: Wir sind jetzt gleich mit „Matz ab live“ auf Sendung, wir sprechen mit zwei Trainern aus der Hamburger Amateurszene, da wir kurzfristig zwei Absagen hinnehmen mussten. Erstens kommt es eben anders, zweitens . . . Das haben wir ja im heutigen Spiel auch erlebt, mehr als genug. „Scholle“ und ich begrüßen die Trainer-Legenden Bert Ehm (heute Manager beim FC Elmshorn) und Manfred Lorenz, der gerade die Saison als Coach der HSV-Fußballschule beendet hat.

 

PSPSPS:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

PSPSPS: Wer auch am nächsten Wochenende Klasse-Live-Fußball sehen will, obwohl die Bundesliga pausiert, der sollte ans Millerntor pilgern. Ja, ich weiß, das ist nicht gerade ein bei HSV-Fans beliebtes Stadion, diesmal aber ist es für einen guten Zweck, denn es steht der Tag der Legenden auf dem Programm. Zum zehnten Male wird zu Gunsten des Vereins „Nestwerk“ von Reinhold Beckmann, dem ARD-Moderator, gespielt, und wieder einmal sind viele, viele Stars dabei. Schirmherr ist Franz Beckenbauer, Uwe Seeler wird kommen (aber natürlich nicht stürmen), dafür die Herren Matthäus, Babbel, Butt, Barbarez, Elber, Bobic, von Heesen, Berthold, Körbel, Friedrich, Metzelder, Ballack, Kaltz, Jancker und viele mehr. Ein fußballerischer Leckerbissen. Gespielt wird – mit tollem Rahmenprogramm, am Sonntag, das Stadion wird um 12 Uhr geöffnet. Wie gesagt, es ist für einen guten Zweck.

Und trotz allem ein schönes Rest-Wochenende noch für Euch und Eure Lieben. Das Leben geht weiter!

17.36 Uhr

***Engländer vermelden Holtby-Wechsel zum HSV****Es geht endlich wieder los – ohne Demirbay und Skjelbred

29. August 2014

****Aktualisiert: Holtby-Wechsel fix? Englische Zeitungen vermelden den Wechsel von Holtby zum HSV als perfekt – der HSV dementiert. Noch….*****

Endlich Heimspieltag. Der SC Paderborn kommt. Und die HSV-Fans sind wieder heiß auf ihren HSV. Knapp 53000 Tickets sind nach Angaben des HSV bislang abgesetzt – und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie die Stimmung sein wird. Dass es genügend Gründe gibt, diese Mannschaft anzufeuern ist fraglos. Das stand bei den echten Fans nie infrage. Auch jetzt in AG-Form nicht. Auch deshalb appellierte Marcell Jansen an die Fans – was ich grundsätzlich okay finde. Zumal auch ich hoffe, dass sich letztlich die Qualität der Arbeitenden beim HSV über die Rechtsform hinwegsetzt und sich am Ende wieder eine große HSV-Gemeinde Sonnabend für Sonnabend für den HSV in Bewegung setzt.

Und es gibt neben den sportlichen Punkten auch im Umfeld schon viele erfreuliche Bewegungen. „HSV Schnack“ (www.HSVC-Schnack.de) hat die Supporters auch medial wieder als Abteilung aufleben lassen, Poptown hat seinen Rückzug vom Rückzug bekanntgegeben. Und im berühmt-berüchtigten Block 22c sind auch nicht viele Plätze frei geblieben. Allein, ob von dort oben weiter Stimmung gemacht wird, ist offen. Aber es gibt Anzeichen, die hoffen lassen. Weil dieser HSV ein endlich seriöses Gesamtbild abgibt.


Trainer und Mannschaft haben hart gearbeitet, der Vorstand hat seine Arbeit ebenso ruhig wie intensiv erledigt und der Aufsichtsrat – der taucht so gut wie gar nicht mehr auf. Ergo: Der HSV hat gelernt. Und die HSVerinnen und HSVer honorieren das. Es mag zwar nur ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung sein. Aber es ist eben auch der erste kleine richtige Schritt seit langer Zeit. Umso schöner wäre es, wenn die gesamte Vorbereitung letztlich mit dem Transfer von Lewis Holtby ob als Kauf oder (sehr wahrscheinlich) als Leihgeschäft – egal. Es würde eine Vorbereitung abrunden, die so lief, wie man es sich vom HSV wünschen darf. Eben komplett anders als in den letzten drei, vier Jahren.

Und so bin ich mir sicher, dass der HSV auf Sicht wieder Erfolg haben wird. Mehr als in der Vorsaison ist selbstredend. Weniger geht ja auch nicht. Aber ich glaube, dass der HSV sich im Nachwuchs ebenso gut aufstellt, wie er es oben mit den getätigten Transfers begonnen hat. Entsprechend gelassen sollte Marcell Jansen daher auf die erneute Nicht-Nominierung reagieren. Er hat jetzt genug Zeit, sich über Leistungen beim HSV wieder anzubieten. Und er hat einen verein, der zumindest wieder die Chance hat, sich nach oben zu entwickeln. „Und genau das habe ich vor“, sagt der Linksfuß, der gegen Paderborn voraussichtlich wieder in der Startelf stehen wird.

Im Abschlusstraining heute agierte er ebenso wie die ebenfalls erneut nicht für die Nationalelf nominierten Rene Adler und Heiko Westermann im A-Team. Übrigens in exakt jenem Team, das auch gegen Köln von Beginn an auf dem Platz stand. Soll heißen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Jansen – Behrami, Badelj – Arslan, van der Vaart, Ilicevic – Lasogga.

Ebenfalls dabei sein wird Cléber. Der Brasilianer feiert sein Debüt beim HSV. Als Reservist. „Ich habe in Brasilien schon gespielt und bin fot hergekommen“, so der Brasilianer, der Maori-Zeichen auf den Arm tätowiert hat. Zeichnungen, wie sie von Kriegern getragen werden. „Ich bin ein Kämpfer. Und ich bin auf alles vorbereitet. Ob Bank oder Startelf“, sagt Cléber, der noch nichts über Paderborn gehört hat, aber von Ex-Fußballer Edson Büttner nicht nur in Hamburg begleitet wird, sondern auch über die Gegner informiert wird. Die Spekulation, der FC Barcelona habe einmal Interesse an einer Verpflichtung gehabt, wies Cléber von sich: „Nein, da ist nichts dran.“ Was er von seiner ersten Saison in Hamburg erwartet? „Ich hoffe, dass ich mich schnell adaptieren kann und meine Spielweise dem HSV helfen wird.

Nicht mehr dabei waren Kerem Demirbay und Per Skjelbred. Obwohl sie beide noch pünktlich vor Trainingsbeginn an der Arena auftauchten. „Ich habe mich noch von der Mannschaft verabschieden wollen“, sagt Demirbay, der ab sofort für den 1. FC Kaiserslautern spielen wird. Für ein Jahr auf Leihbasis, am Sonntag geht es los. „Vorher besuche ich noch meine Familie“, so Demirbay, der dessen erster Frust über die fehlende Chance in Hamburg verflogen zu sein scheint. „Natürlich ist man erstmal enttäuscht, wenn man nach einer guten Vorbereitung keine Spielzeit bekommt. Aber mit der Entscheidung, zu Lautern zu wechseln bin ich sehr zufrieden. Der FCK ist ein Topklub, wo ich hoffentlich genug Spielzeit bekomme.“ Sollte er. Heute zwar noch nicht, dafür aber schon in einer Woche, wenn es wieder am Freitagabend dann gegen den FSV Frankfurt geht.


Zudem hat Demirbay nachträglich eine hohe Wertschätzung erhalten. Denn trotz des dringenden Wunsches des FCK, den Deutsch-Türken sofort zu kaufen, blieb der HSV hart. „Ich weiß, dass Herr Beiersdorfer recht viel von mir hält. Und das ist ein gutes, ein motivierendes Gefühl“, freut sich Demirbay, der letztlich im Guten wechselt und gern gestärkt zurückkommen will. Und selbst der Wunsch des FCKL nach einer Kaufoption blieb vom HSV unerfüllt. „Das zeigt mir, dass ich nicht alles falsch gemacht haben kann in Hamburg“, so Demirbay.

Ebenfalls nichts falsch gemacht hat zweifellos Per Skjelbred. Zumindest spielte er eine sehr ordentliche letzte Saison in Berlin, absolvierte eine gute Vorbereitung beim HSV und blieb auch in den letzten Tagen, in denen sich sein Wechsel zurück nach Berlin konkretisierte, nichts schuldig. „Ich freue mich, dass beide Vereine eine gute Lösung gefunden haben“, so Skjelbred, der in Berlin auch wieder auf seine Familie trifft, die dort wohnen geblieben war. Heute sammelte auch er seine Sachen zusammen und reiste ab. Für 1,3 Millionen Euro wechselt der Norweger in die Hauptstadt.

Daher: Alles Gute, Per! Alles Gute Kerem!

Richtig Gutes erfährt der HSV auch im Nachhinein von und für Vadis Odjidja-Ofoe. Der Mittelfeldspieler war im Januar 2008 für 400000 Euro aus Anderlecht zum HSV gewechselt, um im Januar 2009 nach Brügge zu wechseln. Und das für 900000 Euro – zuzüglich einer Vertragsklausel, die besagt, dass der HSV an einem möglichen Weiterverkauf beteiligt werden muss. Mein belgischer Kollege, der mich darüber informierte, sprach von einer 20-Prozent-Beteiligung des HSV. Und das wären noch mal 600000 Euro, sollte der Wechsel des 25-Jährigen zu Norwich für die jetzt bekannt gewordenen drei Millionen Euro Ablöse realisiert werden.

Geld, das der HSV für den Transfer seines absoluten Wunschspieler Lewis Holtby dringend braucht. Denn der Mittelfeldspieler, der in England bislang rund fünf Millionen Euro verdienen soll, wird egal wie nicht billig. Obwohl der 23-Jährige bereits sein soll, für einen Wechsel nach Hamburg auf einen Teil seines Gehaltes zu verzichten. Dafür leiht der HSV den Wunschspieler für ein Jahr aus – mit Kaufoption. Und ich bleibe dabei, dass dieser Wechsel stattfinden wird. Weil der HSV in Person Dietmar Beiersdorfers Holtby weiterhin unbedingt will. Ob zusätzlich noch ein Perspektivspieler für den Angriff geholt werden kann, hängt maßgeblich am Verhandlungsverlauf mit Tottenham.

Und obgleich für heute nicht mehr viel zu erwarten sein soll, ist das für morgen sicher anders zu sehen. Denn da sollte mit einer ähnlich disziplinierten Leistung wie in Köln ein Dreier drin sein. Auch ohne Holtby. In diesem Sinne, ich hoffe auf ein stimmungsvoll gefülltes Stadion und auf ein Spiel, das diese gute Stimmung nicht nur verdient, sie zudem fördert und am besten noch steigert.

Bis morgen,
Scholle

***AKTUALISIERT: HSV verhandelt mit Holtby*** Demirbay: “Ich hätte mir hier eine Chance gewünscht”

25. August 2014

***Der HSV verhandelte bereits vor Wochen vor Ort mit Lewis Holtby über einen Wechsel zum HSV. Sollte Rafael van der Vaart tatsächlich noch wechseln, soll der Ex-Schalker den HSV-Kapitän ersetzen. Der 23-Jährige gilt als Wunschspieler von Dietmar Beiersdorfer und Trainer Mirko Slomka, besitzt aber bei Tottenham noch einen Vertrag bis 2018 und laut transfermarkt.de einen Marktwert von 7,5 Millionen Euro***

Auch zwei Tage nach dem ersten Saisonspiel bin ich noch guter Dinge. Zum einen, weil noch immer Bewegung in der Kaderplanung des HSV ist, zum anderen, weil mich auch der aktuelle Kader glauben lässt, dass es in dieser Saison nicht erneut in die Abstiegszone geht. Und Leute, ganz ehrlich: DAS ist mein Anspruch. Zumindest bis jetzt. Denn die vergangene Saison hat zu deutlich gemacht, wie schnell alles den Bach runtergehen kann. Knapper als letztes Jahr ist noch keine Bundesligamannschaft erstklassig geblieben. Und das habe ich nicht vergessen. Sehe ich dann, dass zehn alte und ein neuer Spieler in Köln auflaufen und das Spiel über die gesamte Spielzeit zu größten Teilen im Griff haben – dann ist es ein erster guter Schritt. Das Glas ist zweifellos halbvoll – nicht halbleer.

Die Umstrukturierung hatte einige kleine Holperer – aber die (oder nur „der“?) neuen Besen kehren inzwischen gut. Allen voran Vorstandsboss und Sportchef in Personalunion, Dietmar Beiersdorfer. Der personifizierte Hoffnungsträger hat in der jetzigen AG mehr Verein geschaffen als der HSV e.V. vorher in den letzten fünf Jahren zusammen hatte. Er nimmt die Mitarbeiter aus dem Ticketing, dem Greenkeeping, der Geschäftsstelle und dem Marketing mit. Er ist mitunter verplant und mutet sich zu viele Termine zugleich zu. Aber er ist verbindlich, persönlich und integrativ. Vor der Saison hat er alle Mitarbeiter in der Mixed Zone versammelt, um von ihnen einen Auftrag mitzunehmen, den er an die Mannschaft herantragen kann. Soll heißen: Saisonziele werden nicht mehr großspurig nach außen getragen, sondern intern getroffen. Zusammen.

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Inzwischen arbeiten alle nicht mehr nur gern für den HSV, plötzlich scheint eine Interessengemeinschaft gefunden zu sein, in der die/der eine die/dem anderen hilft. Dieser HSV wird immer mehr zur Einheit. Auch auf dem Platz. Und die Basis für Letzteres hat Trainer Mirko Slomka gelegt. Er war es, der eine außergewöhnlich lange Vorbereitung angesetzt hat und seine Spieler in diesen acht Wochen gequält hat. Er konnte nie sicher mit neuen Hochkarätern planen und hat seine Arbeit auch nach harter Kritik von außen unbeeindruckt fortgesetzt. Mit sichtbarer Verbesserung.

Das allein macht noch keinen guten Trainer aus. Das ist mir klar. Aber Slomka hat diese für ihn nicht immer einfache Situation bislang nie angeprangert, obgleich er nach wie vor in Hamburg unter dem Druck steht, seine Klasse noch beweisen zu müssen. In der abgelaufenen Saison konnte er ob seines späten Wechsels nach Hamburg nicht auffällig viel verbessern, dafür aber das Minimalziel Klassenrehalt erreichen. Dieses Jahr soll und muss es besser werden. „Ich weiß, dass ich hier schnellen Erfolg haben muss“, wiederholt sich der Trainer seit Wochen. Er ist noch immer unter Druck, das spürt man in fast jedem Gespräch. Aber wer weiß, wozu das gut ist. Zumal das Verhältnis zwischen Slomka und Beiersdorfer gut zu sein scheint. Vertraut auf jeden Fall. Und auch das ist gut.

In Köln war tatsächlich ein Sieg drin. Meines Erachtens hätte der HSV auch mindestens einmal (Rudnevs rein) wechseln müssen, um noch mehr Druck auszuüben. Trotzdem darf man zufrieden sein. Und jetzt kommt Paderborn. Und alle sprechen vom ersten Dreier. Ich auch. Denn leistungsmäßig muss das der Anspruch sein. Zumal der HSV personell langsam wieder aus dem Vollen schöpfen kann. Zoltan Stieber trainierte heute wieder mit Ball und Nicolai Müller wurde in München noch einmal von Nationalelf-Doktor Müller-Wohlfahrt durchgecheckt. Sollte alles soweit in Ordnung sein, soll Müller schon am Dienstag wieder ins Training einsteigen. Und nachdem zuletzt Slobodan Rajkovic das Training auf dem Platz mit Rehatrainer Markus Günther wieder aufgenommen hatte, ist jetzt auch Gojko Kacar zurück. Der Serbe trainierte heute wieder auf dem Platz und absolvierte dosiertes Lauftraining. Einzig Maxi Beister fehlt weiterhin.

Was genau fehlt, um ihn spielen zu lassen, ist mir bei Kerem Demirbay ehrlich gesagt nicht bekannt. Arslan und Badelj scheinen bei Slomka noch weit vor ihm zu stehen, Valon Behrami allemal. Dabei war der Deutsch-Türke in der Vorbereitung einer der auffälligeren Spieler. In Österreich hatte er eine kurze Durststrecke, ansonsten war er stark. „Ich habe meines Erachtens nach eine echt gute Vorbereitung gespielt“, sagt Demirbay, dem anzumerken ist, dass er enttäuscht ist. Er hatte sich ausgerechnet, in dieser Saison beim HSV seine Chance zu bekommen. Aber irgendwas scheint Slomka zu fehlen. Oder zu stören. Ob er irgendwann einmal etwas zu forsch dem Trainer gegenüber war, habe ich Demirbay gefragt. Immerhin ist der Mittelfeldspieler auf ebenso wie außerhalb des Platzes ein äußerst selbstbewusster, ehrgeiziger Typ. „Nein“, so Demirbay, „ich hatte ein Gespräch mit dem Trainer und glaube nicht, dass irgendwas zwischen uns steht. Gerade deshalb bin ich so enttäuscht über meine Situation.“

Mit „die Situation“ meint Demirbay die Tatsache, dass er bei Slomka keine Chance erhält. Zuletzt wurde ihm mitgeteilt, dass sich der HSV gut vorstellen kann, ihn zu verleihen. „Meine Berater kümmern sich“, sagt Demirbay, der sich ein Jahr woanders inzwischen gut vorstellen kann: „Leider bekomme ich hier nicht die Chance, mich auf Bundesligaebene zu beweisen. Auch wenn ich das nicht wirklich verstehen kann. Aber ich brauche einfach Spiele. Und so gern ich in Hamburg bin und bleiben will – für meine Entwicklung sind die Spiele unumgänglich. Und wenn sich ein vernünftiger Verein findet, der mich braucht, dann ist das sicher interessant für mich.“ Ob auch ausländische Klubs interessiert sind? „Ich weiß ehrlich noch nicht, wer interessiert ist“, sagt Demirbay, „aber meine Berater, der HSV und ich werden das in den nächsten Tagen besprechen und eine Entscheidung fällen.“ Angeblich soll schon heute Abend eine Entscheidung fallen, in welche Richtung es Demirbay zieht.

Und während es für Jonathan Tah bislang keinerlei Anfragen beim HSV gibt, wäre der Abgang Demirbays der eines weiteren Talentes – allerdings nur auf Zeit. Zum Glück nur auf Zeit, denn Demirbay hat fußballerisch eigentlich alles, was nötig ist – außer Erfahrung. Und obwohl die Situation ein wenig an die Rudnevs-Verleihe (Kreuzer wollte ihn halten, Fink ihn aber partout nicht mehr einsetzen) erinnert, weiß ich aus einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden, dass auch er fußballerisch viel von Demirbay hält. Insofern bleibt Grund zur Annahme, dass ein Verleihgeschäft in diesem Fall tatsächlich gut durchdacht ist. So ein Jahr woanders kann auch gut sein, das hat nicht zuletzt Maxi Beister gezeigt. Zumindest hoffe ich es bei Kerem, so schade ich seinen Abgang auch fände…

Andererseits muss der HSV natürlich auch zusehen, seine Gehaltsetat zu kürzen. Demirbay ist hierbei natürlich nur ein kleiner Anfang, aber mit Per Skjelbred soll der nächste Abgang noch in dieser Woche folgen. Muss er sogar, denn heute in einer Woche ist die Transferperiode beendet. Hertha BSC jedenfalls steht weiter als erster Interessent auf der Liste für den Norweger, dessen Familie noch immer in Berlin wohnt. Ob Artjoms Rudnevs noch verliehen oder gar verkauft wird, ist ebenfalls offen. Dass es Interessenten für den Letten gibt, ist unbestritten. Aber konkret ist noch nichts. Wobei sich bei einem Abgang Rudnevs’ die Frage aufzwängt, wer dafür kommt. Denn nur abgeben funktioniert nicht. Das hat die Vorsaison gezeigt, da der HSV offensiv außer den Außen Nicolai Müller nichts dazubekommen hat. Quantitativ wie qualitativ würde dem HSV Ersatz für den Fall einer Lasogga-Verletzung fehlen. Auch das haben die ersten zwei Pflichtspiele gezeigt.

Im Grunde hat der HSV aktuell einen Stamm von vielleicht acht, neun Spielern, die tatsächlich unumstritten sind und nicht verkauft werden. Ansonsten ist der HSV für alles offen. Notgedrungen. Und das reichte bislang von der Innenverteidigung durchs zentrale Mittelfeld bis ganz nach vorn zu van der Vaart (soll jetzt bleiben), Zoua und Rudnevs. Und falls Ihr mich fragt, ich bin mir ganz sicher, dass Last-Minute-Didi seinem Namen in der letzten Transferwoche noch mal alle Ehre machen wird…

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 und um 15.30 Uhr trainiert. Allerdings ohne mich. Stattdessen meldet sich morgen Dieter bei Euch. Euch allen bis dahin erst einmal einen schönen Abend,

Scholle

„Bravourös“ in Köln – und vielleicht ein Wunder gegen die Bayern

24. August 2014

Vom „Knaller“, so nannte es der HSV-Kroate Ivo Ilicevic, erfuhr die Hamburger Mannschaft am Sonnabendabend auf der Rückfahrt vom Bundesligaspiel in Köln. Zweite Runde DFB-Pokal Ende Oktober – der FC Bayern kommt in den Volkspark. So etwas kann man ein Traumlos nennen, oder so wie Ilicevic sagte: „Umso früher man gegen Bayern spielt, desto besser ist es ja eigentlich. Aber es ist schon der schwerste Gegner – ganz klar.“

Zumal die Münchner eben nicht nur die stärkste Mannschaft sind in Deutschland, sondern auch ein echter Albtraum-Gegner der Hamburger im DFB-Pokal in den vergangenen Jahren. Da kannst du ja schon die Uhr nach stellen: Entweder es setzt das frühe Aus gegen einen unterklassigen Verein – oder die Bayern kommen. So (ähnlich….) war es, gefühlt zumindest, in der jüngeren Hamburger Pokal-Historie. Immerhin gab es das Duell schon drei Mal in diesem Jahrtausend. Ein Rückblick:

  • Viertelfinale Saison 2013/14, der HSV verliert zu Hause 0:5
    Achtelfinale 2005/2006, der HSV verliert 0:1 nach Verlängerung in München
    Achtelfinale 2003/2004, der HSV unterliegt mit 0:3 bei den Bayern.

Nun folgt also Spiel Nummer vier, und Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart musste einmal quer lächeln, als er auf die Auslosung angesprochen wurde. „Gegen Bayern haben wir die letzten Jahre natürlich nicht so viel Spaß gehabt“, so van der Vaart. „Es ist der schwerste Gegner, den man haben kann. Aber es ist eine Herausforderung. Vielleicht schaffen wir ja mal ein Wunder.“ Vielleicht ist ein Wunder nötig, aber in jedem Fall sind es noch gut zwei Monate bis zu diesem Spiel – vorher kommen die Bayern ja auch am 20. September noch einmal zur Bundesliga in den Volkspark.

In jedem Fall können die Hamburger auf ein Fernsehspiel hoffen – auch wenn die „Konkurrenz“ FC St. Pauli gegen Borussia Dortmund nicht schlecht ist. Ein Fernsehspiel zuzüglich der Zuschauereinnahmen (die im Pokal in der Regel zwischen den Mannschaften geteilt werden) würde dem HSV immerhin geschätzte 1,5 Millionen Euro bringen. Das Geld kann der HSV sicher gebrauchen, zumal im Etat nur das Erreichen der zweiten Runde eingeplant war – ohne TV-Spiel und Bayern-Einnahmen, versteht sich.

Die Laune beim Auslaufen heute am Volkspark war insgesamt gut. Nur wenige Fans hatten sich eingefunden, die Straßensperrungen wegen der Cyclassics in unserer Stadt waren dafür verantwortlich. Die Spieler konnten einigermaßen gelassen auf ihren ersten Bundesliga-Auftritt in dieser Saison zurückblicken. „Mit der Leistung können wir eigentlich ganz zufrieden sein“, sagte Ivo Ilicevic. „Wir waren die etwas bessere Mannschaft, aber hätten die eine oder andere Möglichkeit besser nutzen müssen. Dennoch können wir darauf aufbauen.“

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Ilicevic spielte vor allem auf seine beiden Chancen zu Beginn der zweiten Hälfte an. Es waren in der 48. und 49. Minute die besten Möglichkeiten der Partie für den HSV. Zunächst scheiterte er mit einem Kopfball an Timo Horn, dann war er freistehend nicht egoistisch genug und wollte Teamkollege van der Vaart anspielen, anstatt selbst abzuschließen. „Es wird Zeit, dass es knallt und ich ein Tor schieße“, sagt Ilicevic. „Ich fühle mich gut und ich hoffe, dass es in den nächsten Spielen klappen wird.“ Wobei es wohl kein Zufall ist, dass Ilicevic diese Möglichkeiten ausließ. Schon in der Vorbereitung war ihm trotz bester Chancen kein einziger Treffer gelungen, und auch bei den besagten Aktionen in Köln wirkte er vor dem Tor zu unentschlossen. Ärgerlich eigentlich, denn er bringt sich mit seinen Dribblings und seiner Schnelligkeit oft in aussichtsreiche Positionen, die er dann nicht abschließt.

Sollte sein neuer Konkurrent Nicolai Müller schnell fit werden (heute konnte Müller allerdings ebenso wenig mit dem Ball trainieren wie Zoltan Stieber), dann steht Ilicevic ernsthafte Konkurrenz ins Haus. Denn abgesehen davon, dass Müller ähnlich schnell ist wie der Kroate, sprechen Tore und Assists in der Vergangenheit für eine höhere Effektivität Müllers.

Aber das ist eigentlich gar nicht die Quintessenz aus dem 0:0 des HSV gestern in Köln. „Wir haben es besser verstanden, die Ruhe zu behalten und kompakt zu verteidigen“, analysierte Außenverteidiger Marcell Jansen. „Wir waren griffig und haben wenig zugelassen. Das war ein Pluspunkt.“ Ein Pluspunkt vor allen Dingen gegenüber der jüngeren Vergangenheit. In der Verfassung von gestern wird der HSV sicher nicht noch einmal die Schießbude der Liga werden, und allein schon dieser Umstand verspricht eine bessere Saison als die abgelaufene.

„Ich denke, dass es wichtig war, mal wieder zu Null zu spielen“, war Innenverteidiger Heiko Westermann froh. „Das ist gut fürs Selbstvertrauen, diese Gewissheit zu haben. Ich denke, wir haben es in Köln bravourös gemacht.“ So sah es auch Stürmer Pierre Michel Lasogga: „Wir haben kaum etwas zugelassen, standen kompakter. Mit dem Punkt können wir auf jeden Fall gut leben.“ So oder ähnlich hörte sich denn auch das Fazit bei allen Hamburger Spielern an.

Auffällig dabei, wie dominant Johann Djourou in der Innenverteidigung auftrat. Trotz eines kleinen Patzers zum Ende des Spiels hatte er die Deckung im Griff, und das gilt in fast demselben Maße auch für seinen Nebenmann Westermann. Natürlich war es ein Schlüssel zu besserer Verteidigungsarbeit, dass die Kölner Angriffswellen auch schon eine Reihe weiter vorn, nämlich im defensiven Mittelfeld des HSV, aufgefangen wurden.

Valon Behrami spielte hier wesentlich konzentrierter als noch ein paar Tage zuvor im Pokal bei Energie Cottbus. „Ich denke, das war okay“, sagte der Schweizer. „Das ist mein Part – präsent in der Defensive zu sein. Wir waren sicher und sehr souverän. Ich hoffe, wir sind auf einem guten Weg.“ Dazu kam, dass die etwas offensiveren Tolgay Arslan und Milan Badelj ebenfalls überzeugen konnten – diese Einschätzung trifft insbesondere auf die erste Halbzeit zu. Nachher wurde es etwas schwächer, aber insgesamt hat der kernigere Auftritt dieser beiden auch zum besseren Gesamtbild des HSV beigetragen.

Wobei es natürlich auffällig ist, dass nur ein Neuer im Team stand und zehn „Alte“ es vernünftig gerichtet haben. Ich spare mir jetzt hier den Querverweis auf die Vorsaison…. Mit Sicherheit ist der HSV in diesem Spieljahr fitter. Mit Rafael van der Vaart, Valon Behrami und Milan Badelj sind aktuell drei HSV-Profis in den Top ten der laufstärksten Spieler des ersten Bundesliga-Spieltages zu finden. Wann hat es das je gegeben? Mit knapp 12,8 Kilometern liegt Kapitän van der Vaart in dieser Statistik nur knapp hinter dem Bayern-Youngster Gianluca Gaudino an zweiter Stelle (Stand: vor den Sonntags-Spielen). Das macht Mut für die Zukunft. Es scheint tatsächlich mehr (körperliche) Substanz beim HSV vorhanden zu sein. Und wenn dann die Standards von van der Vaart künftig noch besser kommen, kann es was werden mit einer guten Saison des „kleinen Engel“ aus Amsterdam.

„Wir sind im Moment alle ganz gut drauf, das hat man in Köln gesehen“, so van der Vaart. „Man soll nicht übertreiben, aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“ Im Hinblick auf die kommende Aufgabe gegen den SC Paderborn sagte van der Vaart: „Das sind Spiele, die wir gewinnen müssen. Aber natürlich wird es nicht einfach, wobei wir mit einem Sieg natürlich auf vier Punkte kommen können. Das wäre dann schon ein guter Start.“ Positiv am Rande: Es gab keine Verletzungen in Köln zu beklagen. Die Muskelbeschwerden von van der Vaart sollen nicht so schlimm sein – eine Verhärtung, die ihm in der Pause bereits rausmassiert wurde. Wenn die Mannschaft nach dem trainingsfreien Montag sich wieder trifft am Dienstag, dann sollte van der Vaart fit sein, so die Prognose.

Am Dienstag müsste dann auch er Brasilianer Cleber alle Formalitäten hinter sich haben. Er trainierte heute fleißig mit seinen sechs Kollegen, die übrig geblieben sind. Die Stammelf lief im Volkspark aus, Kerem Demirbay und Jonathan Tah fuhren nach Wolfsburg, um ihre U 23 dort zu unterstützen. Das hat auch funktioniert. Das Team von Joe Zinnbauer feierte mit dem 3:1 den fünften Sieg im fünften Saisonspiel. Gideon Jung, Ahmet Arslan und Demirbay schossen die Tore für den HSV-Nachwuchs. Sehr beachtlich!

Zurück zu Cleber: Es war heute morgen keine Trainingseinheit, die große Rückschlüsse auf die Fertigkeiten des 23 Jahre alten brasilianischen Verteidigers erlaubte. Aber der erste Eindruck ist doch, dass Cleber eine schöne Kante ist. Vielleicht reicht es für ihn schon zum ersten Einsatz am kommenden Wochenende gegen den SC Paderborn.

Wie hat Trainer Mirko Slomka den Auftritt in Köln empfunden? „Es tut sehr gut, dass wir zu Null gespielt haben. Das gibt uns Souveränität und Sicherheit“, sagte Slomka, der seinen ersten Auswärtspunkt als HSV-Coach verbuchen konnte und vereinsübergreifend seinen ersten Zähler auf fremdem Platz nach 16 Niederlagen am Stück. Wobei Slomka eine andere Rechnung aufmachte: „Es war das dritte Auswärtsspiel in Folge, das wir nicht verloren haben. Relegation in Fürth, Pokal in Cottbus, jetzt Bundesliga in Köln. Das zeigt, dass wir auswärts bestehen können.“

Dabei mochte der Trainer jedoch nicht alles rosarot malen. Dass bei aller Stabilität im Spiel nach vorn Schwächen zu erkennen waren, blieb unbestritten. „Es war ein Spiel mit etwas mehr Reife, wie ich finde. Trotzdem ist es nur ein Teilerfolg. Natürlich war es wichtig, dagegen zu halten. Nach 75 Gegentoren in der Vorsaison ist ein 0:0 auswärts erstmals gut. Was uns aber gefehlt hat, ist das schnelle Umschalten nach vorne. Das war nicht ganz so unser Thema in Köln, weil uns mit Müller, Beister und Stieber diese Typen mehr oder weniger gefehlt haben. So hatten wir nur Ivo, und es war unserem Spiel anzumerken, dass wir diese Akzente nicht so wie gewünscht setzen konnten.“ Eine treffende, moderate Analyse des Trainers, wie ich denke.

Um es mal salopp zu sagen: Aus diesem lahmen Ackergaul HSV konntest du nicht gleich im ersten Bundesliga-Spiel ein Rennpferd machen – es war fürs Erste völlig okay.

Entsprechend auch die Selbsteinschätzung von Torjäger Pierre Michel Lasogga, der noch nicht an die Form der Vorsaison anknüpfen konnte. „Es ist gut für mich, dass ich im Pokal länger spielen konnte und jetzt 90 Minuten in Köln. Aber ich war länger raus und erst eine Woche im Training. Jedes Spiel gibt Körner für die nächsten Wochen. Nicht nur ich, auch die Mannschaft wird sich noch verbessern.“

Und es war natürlich das Premieren-Spiel in der Bundesliga für den neuen Vorstands-Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer. Er hat das Ganze aus einer VIP-Loge des Kölner Stadions verfolgt. „Da habe ich die ganze Zeit gestanden. Ich kann mich noch nicht richtig an Logen gewöhnen. Natürlich habe ich dort mitgefiebert. Man kann nicht nur halb dabei sein. Ich bin ganz dabei.“ Zum Auftritt des HSV sagte „Didi: „Wir haben das Spiel kontrolliert, aus einem stabilen Defensiv-Verbund gespielt und nicht viele Chancen zugelassen. Vor allem kurz nach der Pause hatten wir Möglichkeiten, in Führung zu gehen. Das ist nicht gelungen, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung. Jeder hat diszipliniert gespielt und ich habe auch gesehen, dass die Offensiv- und Mittelfeldspieler immer versucht haben, hinter den Ball zu kommen. Von daher war es eine gute Mannschaftsleistung.“ Der erste Schritt nach oben? Beiersdorfer: „So würde ich es nicht sagen wollen. Wir haben uns gestemmt gegen Köln, die mit dem frischen Wind des Aufstiegs gespielt haben. In den letzten 20 Metern vor dem Torabschluss hat es etwas gefehlt, aber da muss man eben dran arbeiten. Für den Auftakt war das okay.“

So sieht’s aus.

Morgen ist also trainingsfrei, Dienstag um 10 Uhr geht es weiter am Volkspark. Stieber und Cleber sollen dann zu sehen sein, Nicolai Müller wohl noch nicht. Er muss morgen zu einer weiteren Untersuchung an den Adduktoren bei Dr. Müller-Wohlfahrt in München antanzen. Wer Zeit hat, einen Blick ins HSV-Stadion zu werfen – heute ist die Ewige Bundesligauhr des HSV auf 51 Jahre Zugehörigkeit umgesprungen. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, alte Hütte! Wir hatten es zuletzt nicht leicht mit Dir. Schenk‘ uns im neuen Lebensjahr bitte etwas mehr Ruhe und Freude.

Lars
18.22 Uhr

Nullnummer in Köln, der HSV holt einen Punkt

23. August 2014

Das war doch mal ein Saisonauftakt, bei dem nicht groß gemeckert werden kann. Der HSV holt beim Aufsteiger 1. FC Köln mit einem 0:0 einen verdienten Punkt. Davon hatten viele Hamburger Fans vorher geträumt, sie hätten diesen Zähler auch vorher unterschrieben – ob sie es nach den 90 Minuten getan hätten, bleibt fraglich. Der HSV hatte die Kölner meistens unter Kontrolle, geriet selten einmal in Gefahr, hatte seinerseits aber einige gute Möglichkeiten, um auch drei Punkte mit an die Elbe zu bringen. Immerhin keine Niederlage, und wenn jetzt das Heimspiel gegen den zweiten Aufsteiger SC Paderborn gewonnen wird, dann kann doch von einem guten und gelungenen Saisonauftakt gesprochen werden. Wenn. Aber das müsste die HSV-Truppe schon hinbekommen, sie stellte sich am Rhein durchaus verbessert vor, vor allen Dingen in körperlicher Hinsicht. Darauf kann aufgebaut werden, darauf muss jetzt auch aufgebaut werden – endlich einmal wieder auswärts in der Bundesliga nicht verloren.

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Es ist ja aber irgendwie auch tragisch: Da holt der HSV fünf neue Spieler, und nur einer spielt im ersten Bundesliga-Spiel von Beginn an. So gesehen gab es, wie schon beim Pokalauftritt in Cottbus, wieder einmal (nur) den alten HSV zu sehen. Ohne Matthias Ostrzolek, Nicolai Müller, Zoltan Stieber und Cleber hielt der HSV aber den Aufsteiger Köln dennoch bestens in Schach, von Elan, Schwung oder gar Euphorie war bei den Westdeutschen nichts erkennbar. Weil der HSV auch sehr diszipliniert und konzentriert zur Sache ging, das letzte Risiko scheute und sein Spiel mit Bedacht vortrug. Torchancen blieben aber auf beiden Seiten rar. Im HSV-Strafraum gab es in Halbzeit eins nur einmal wirklich Gefahr, aber zum Glück konnte Heiko Westermann in der fünften Minute einen Ball noch soeben aus dem Fünfmeterraum kratzen. Ansonsten blieben die Kölner, bei denen der ehemalige Hamburger Miso Brecko inzwischen Mannschaftskapitän ist, harmlos.

 

Wobei der HSV auch nicht die Gefahr ausstrahlte, die sich Trainer Mirko Slomka wahrscheinlich erhofft hatte. Vorne versuchte sich Pierre-Michel Lasogga als Einzelkämpfer, hatte aber in dem Österreicher Wimmer einen unerbittlichen Gegenspieler, der meistens wie eine Klette an dem HSV-Torjäger hing.

 

Eine Schrecksekunde hatte der HSV in der Anfangsphase zu überstehen, denn in der zehnten Minute signalisierte Rafael van der Vaart zur Bank: „Probleme mit dem rechten Oberschenkel.“ Er schlug dennoch einen Eckstoß von der linken Seite, das war schon verwunderlich. Artjoms Rudnevs machte sich am Rande schon warm, setzte sich aber alsbald wieder auf die Bank, denn der Niederländer hatte sich seine muskulären Probleme offenbar noch aus dem Oberschenkel laufen können. Freistoß auf Freistoß schlug van der Vaart im Laufe des ersten Durchganges vor das Kölner Tor, doch nur einmal kam wirkliche Gefahr auf. Westermann stieg in der 23. Minute am Fünfmeterraum zum Kopfball in die Luft, verfehlte die Kugel aber um Millimeter – und Kölns Keeper Horn hatte das Glück, dass er den Ball noch im Nachfassen unter Kontrolle bringen konnte, fast wäre der Schuss von van der Vaart auf direktem Wege ins Tor geflogen.

 

Danach spielte der HSV deutlich überlegen, ließ die Kölner kaum zur Entfaltung kommen, kreierte aber für sich kaum Torchancen. Es dauerte bis zur 45. Minute, ehe es wieder einmal nach einem HSBV-Tor „roch“. Flanke von Dennis Diekmeier, auf Höhe Elfmeterpunkt legte van der Vaart den Ball per Kopf auf Lasogga ab, der sich direkt versuchte, aber die Kugel nicht richtig traf – sie flog weit am Tor vorbei – Halbzeit.

 

Ein Wort noch zum Unparteiischen Wolfgang Stark (Landshut), der ganz gewiss kein Heimschiedsrichter war und das Spiel aber bestens unter Kontrolle hatte. Nur einen (kleinen) Fehler leistete er sich in der 22. Minute, als der Kölner Lehmann den guten Tolgay Arslan böse foulte, aber die Gelbe Karte in der Tasche des 23. Mannes stecken blieb.

 

Im zweiten Durchgang stürmte der HSV munter weiter. Und hatte gleich zwei sehr gute Möglichkeiten. Ivo Ilicevic flog in eine Rechtsflanke von van der Vaart in den Ball, köpfte aus sieben Metern, aber Kölns Schlussmann Horn stand wieder einmal genau richtig (48.). Und noch einmal Ilicevic, der links in den Strafraum eindrang und den Ball zurück auf van der Vaart legen wollte. Es blieb beim Vorhaben, denn das Spielgerät wurde in letzter Sekunde von einem Kölner abgefangen – bitter (49.). Danach kamen die Aufsteiger zu ihrer ersten Möglichkeit im zweiten Durchgang, als sich Ujah unbemerkt von allen freilaufen konnte. Die Flanke von Halfar kam, aber der Kopfball von Ujah konnte Rene Adler nicht wirklich gefährden, der HSV-Tormann hielt mühelos (51.).

 

Nach 65 Minuten kamen die Kölner mehr und mehr, aber die HSV-Defensive stand eisern, auch wenn es den einen oder anderen Querschläger gab. Große Gefahr ging von den Kölnern aber auch in der Schlussphase nicht aus.

 

“In der zweiten Halbzeit hätten wir ein Tor machen können, wenn nicht sogar machen müssen. Insgesamt bin ich zufrieden, nach 75 Gegentoren in der Vorsaison diesmal zu Null, das war eine ordentliche Leistung und kann sich sehenlassen, wir haben konzentriert gespielt, und man hat gesehen, dass wir marschieren können”, sagte Trainer Mirko Slomka in seinem Resümee.

 

Der HSV mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen; Badelj, Behrami; Arslan, van der Vaart, Ilicevic; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Rene Adler verbrachte einen geruhsamen Nachmittag, die Kölner stellten ihn vor keine große oder gar riesige Probe.

 

Dennis Diekmeier stellte sich in Köln enorm unternehmungslustig vor, brachte sich immer wieder schwungvoll ein und flankte auch gut. Das war eine sehr ansehnliche Vorstellung.

 

Johan Djourou spielte 90 Minuten souverän, hatte alles im Griff und gefiel auch als Dirigent seiner Abwehr. Kopfballstark. Gegen Ende des Spiels begann er ein wenig zu wackeln.

 

Heiko Westermann spielte sehr konzentriert und überlegt, rettete zweimal in höchster Not – aber ein Ding hat er ha immer, bei dem gezittert werden muss: In der 64. Minute „bediente“ er im HSV-Strafraum den Kölner Halfar, doch dessen Schuss flog hoch und weit am Tor vorbei – zum Glück.

 

Marcell Jansen brachte sich besser als zuletzt in Cottbus ein, hatte nach hinten kaum schwache Szenen, könnte nach vorne aber sicherlich etwas mehr machen. Note drei.

 

Milan Badelj war offenbar bemüht, den schlechten Eindruck aus dem Cottbus-Spiel vergessen zu machen, und das gelang über weite Strecken auch. Dennoch kann er es besser.

 

Valon Behrami war die dominante Persönlichkeit im Mittelfeld, seine defensive Arbeit auf der Sechs ist klasse und zuverlässig. Eine große Stütze.

 

Tolgay Arslan begann stark und konnte diese Leistung auch gut konservieren. Wirkte spiel- und enorm einsatzfreudig, dazu auch trickreich und mitunter aggressiv. Eine gute Mischung, nur muss er die dann auch für 90 Minuten und in den nächsten Spielen an den Tag legen – und nicht gleich wieder übermütig werden.

 

Rafael van der Vaart war der Standard-König, sein linker Spann muss eigentlich geschwollen sein. Note zwei. Gab sich spielfreudig und übernahm auch Verantwortung, auch wenn er sicher noch um einiges besser werden kann. Sah Gelb wegen Meckerns.

 

Ivo Ilicevic begann einsatzfreudig, doch schon nach zehn Minuten tauchte er ab. Im zweiten Durchgang gab er wieder richtig gut Gas, diesmal hielt er länger durch. Insgesamt aber zu ungefährlich, wenn er mit Zug zum Tor unterwegs ist, da muss ganz einfach viel mehr kommen.

 

Pierre-Michel Lasogga mühte sich, brachte aber nichts, wirklich nichts zustande – er ist aber natürlich auch noch lange nicht bei 100 Prozent. Dennoch wichtig, weil er für jede Abwehr eine ständige Gefahr darstellt.

 

PS: Morgen, am Sonntag, soll im Volkspark um zehn Uhr trainiert werden.

 

PSPS: Wir sind jetzt gleich mit „Matz ab live“ auf Sendung, wir sprechen mit Stefan Schnoor und Andreas Fischer über das Köln-Spiel und generell über den HSV.

 

PSPSPS:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ startet am kommenden Montag (25. August). Jede Ausgabe kostet nur 0,89 Cent im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

17.27 Uhr

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