Archiv für das Tag 'Babbel'

“Den HSV einfach wieder ins Licht führen”

5. September 2014

Erfreulich an diesem Wochenende ist ja nicht nur das schöne Wetter, das es hoffentlich geben wird, sondern auch die Tatsache, dass der HSV nicht verlieren kann. Aufatmen ist angesagt, tief durchatmen und dazu ein ehrliches und voll durchgezogenes Aufatmen. Und dass der HSV mit einem Sieg in dieses Wochenende gegangen ist, das ist ja auch keine alltägliche Geschichte, aber man könnte sich dran gewöhnen. Okay, das 3:0 in Neumünster ist nicht die Welt, aber immerhin. Und da sich beim Test gegen den Regionalliga-Club auch einige „Neue“ gezeigt haben, wird die Sache noch ein wenig runder. Lars Pegelow war für den NDR 90,3 dabei und hat Stimmen von dieser Auswärtspartie mitgebracht.

 

Für Abendblatt-Blogs


So befand Trainer Mirko Slomka später: „Spielerisch war noch viel Luft nach oben, aber wir haben ja auch mit einer Mannschaft gespielt, die so noch nie zusammengespeilt hat, und die so auch nie wieder spielen wird. Aber es gab ein paar wichtige Aspekte. Wir haben 90 Minuten Matthias Ostrzolek gesehen, wir haben 90 Minuten Cleber gesehen, der, wie ich finde, einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er war sehr dynamisch, sehr kopfballstark, und ich habe auch das Gefühl, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, obwohl er ja kaum ein Wort Deutsch spricht. Und wir haben auf der Sechser-Position einen Lewis Holtby gehabt, der in jeder Lage des Spiels Kontrolle hatte, anspielbereit war, unser Spiel auch schon ein bisschen geleitet und gelenkt hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Und was mir auch gefallen hat ist die Tatsache, dass er immer nachgedrückt hat. Lewis mit seinem Team auch immer versucht, die zweiten Bälle zu erkämpfen, das war zuletzt ein großes Problem von uns gegen Paderborn.“

 

Was schon auffällig war: Lewis Holtby hat in seinem ersten Einsatz gleich versucht, Verantwortung zu übernehmen, er hat dirigiert und die Nebenleute gestellt. Slomka: „Er ist auch ein Typ, der das gerne macht, der gerne Verantwortung übernimmt, das ist auch ein Aspekt, warum wir ihn so gerne wollten, einen solchen Spieler brauchen wir im Zentrum des Platzes. Wir brauchten einen Spieler wie er es ist, der eine Mannschaft führen kann, der mit seiner Präsenz und seiner Klasse eine Mannschaft auch sinnvoll führen kann – er ist ein akzeptierter Spieler. Er versucht das von Anfang an so umzusetzen, auch im Training, gerade diese Elemente des Nachschiebens, des Nachdrückens, des Gewinns des zweiten Balles, die haben wir gegen Paderborn nicht gehabt, deswegen hat mir sein Spiel schon sehr gut gefallen.“

 

Lars fragte den Coach dann auch noch nach dem Torwart, der in einer Woche gegen Hannover 96 im HSV-Tor stehen soll, stehen könnte. Jaroslav Drobny oder Rene Adler? Mirko Slomka: „Dass Drobny gegen Neumünster spielen wird, das war vorher schon geplant, ansonsten würde ich an Ihrer Stelle insgesamt nicht so viel in diese Geschichte hineininterpretieren. Auch in meine Aussagen nicht. Wenn man 0:3 gegen Paderborn verliert, und das am zweiten Spieltag der Bundesliga, dann glaube ich muss man als Trainer einfach alles hinterfragen und alles noch einmal alles aufrollen, denn alle Spieler gehören dazu, denn auch drei Gegentore haben wir kassiert. Und deswegen ist es auch richtig, dass man dann noch einmal genau hinschaut. Drobo hätte heute sowieso gespielt, das hatte nichts mit der Torwart-Position am nächsten Sonntag in Hannover zu tun.“

 

Es ist ja wahrscheinlich auch ein kleiner (oder großer? Oder letzter?) Aufruf an alle, sich jetzt, an diesem wichtigen Punkt der Saison, auf das Wesentliche zu konzentrieren, richtig Gas zu geben, und zwar mit 100 Prozent. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass es um seinen Stammplatz geht, der hat die Entwicklung der letzten Wochen irgendwie falsch wahrgenommen. Da lobe ich mir doch Marcell Jansen, der zuletzt das Motto vorgab: „Gas geben und die Fresse halten.“ So wäre es wohl richtig. Jetzt scheint die Stunde der Neuen zu schlagen, daran sollten sich jetzt alle im Team orientieren, denn so wie zuletzt darf es ganz einfach nicht weitergehen.

 

Zu den Neuen gehört ja auch Lewis Holtby, auf den nicht nur die Verantwortlichen größte Hoffnungen setzen. Ich glaube ja auch, dass ihm die Rückkehr in die Bundesliga sehr, sehr gut tun wird, das ist seine Liga, hier wird er es allen zeigen können (auch wollen), was er wirklich kann. Ich glaube, dass er es hier in Deutschland besser kann als irgendwo anders auf der Welt. Dass der (frühere?) Nationalspieler gleich so präsent war im HSV-Spiel, das fiel angenehm auf, denn in der Tat hat der HSV davon kaum Spieler in seinem Team gehabt, die so etwas können und wollen. Holtby zu seinem ersten Auftritt: „Ich habe gleich gesagt, dass ich diese Führungsrolle auf dem Platz gerne übernehmen möchte. Ich möchte mich nicht verstecken, und das weiß der Trainer. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team hat das bisher sehr gut geklappt, ich hoffe, dass wir daran an den nächsten Tagen noch schrauben werden, dass wir das auch in der Bundesliga dann zeigen können.“

 

Das sah zum Anfang nicht nur gut aus, das war auch in den Augen von Lewis Holtby schon gut: „Wir haben gewonnen, wir haben zu null gespielt, und die Sonne scheint – alles ist bestens. Darauf können wir aufbauen.“ Muss ja auch. Auf was sonst? Denn bislang hat der HSV null Tore geschossen und nur einen Punkt auf der Habenseite. Spürt Holtby eine gewisse Verunsicherung in seinem neuen Team? Er sagt: „Natürlich können wir alle damit nicht zufrieden sein, aber für uns gilt jetzt, diesen Länderspielabschnitt dazu zu nutzen, die Köpfe frei zu bekommen, das wir nach vorne schauen, dass wir auch wieder auf die Siegerstraße kommen. Von daher müssen wir uns alle richtig auf die Brust klopfen und uns sagen, dass wir gerade im Derby gegen Hannover einfach eine Reaktion zeigen, Geschlossenheit zeigen. Und so wie es Didi Beiersdorfer gesagt hat, eine Identifikation abgeben, auch mit den Fans zusammen, mit jedem, der im Club involviert ist – dass wir einfach Hamburg wieder stolz machen. Und dass wir den Club, der ja riesig ist in Deutschland, einfach wieder ins Licht führen.“

 

Hey, das klingt aber mal gut. Hoffentlich gelingt dieses Vorhaben auch.

 

Dazu passt natürlich die Meldung, dass sich Pierre-Michel Lasogga im Testspiel gegen den VfR Neumünster nicht schwerer verletzt hat. Der 22-Jährige musste am Donnerstagabend in der Partie kurz vor der Pause wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, es wurden schon schlimmste Vermutungen geäußert, aber am Freitag stand Lasogga dann doch schon wieder auf dem Platz. „Alles gut bei Lasogga. Er kämpft verbissen um jeden Ball“, twitterte der HSV und veröffentlichte zudem ein Video, das den Top-Torjäger gut gelaunt beim Fußball-Tennis zeigt. Also absolute Entwarnung. In diesem Fall.

Ansonsten haben Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan heute wieder individuell im Stadion trainiert. Und auf dem Rasen ließen sich heute Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar mit Reha-Trainer Markus Günther blicken, auch bei diesen beiden Spielern geht es so langsam wieder bergauf.

 

Dann möchte ich noch einmal auf eine gute und große und tolle Sache hinweisen, die es an diesem Sonntag in unserer Stadt zu sehen gibt. Alles für einen guten Zweck:

 

Das Fußballfest am Millerntor feiert Jubiläum mit Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990
Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Michael Ballack entern Hamburg

 

„Uns Uwe“ Seeler, „Kaiser“ Franz Beckenbauer und „Capitano“ Michael Ballack – nur drei der ganz großen Mannschaftskapitäne, die Fußballgeschichte geschrieben haben und beim zehnten „Tag der Legenden“ dabei sind. Unter dem Motto „Die Kapitäne entern Hamburg“ stürmen an diesem Sonntag legendäre Spielführer und insgesamt rund 70 Fußballhelden aus drei Generationen das Stadion am Millerntor.

 

Für das Benefiz-Fußballfest von Reinhold Beckmanns Jugendinitiative NestWerk e.V. kehrt Jupp Heynckes zum ersten Mal nach dem Triple-Gewinn mit Bayern München auf die Trainerbank zurück. Co-Trainer ist Rainer Bonhof, ebenfalls Weltmeister 1974. Anstoß ist um 14.45 Uhr. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein großes Familien-Unterhaltungsprogramm auf der „Actionmeile“ vor dem Stadion mit Showbühne, Mitmachangeboten sowie Imbiss- und Getränkeständen.

 

Zum zehnten Mal schnüren Dutzende frühere Bundesligaprofis ihre Fußballschuhe zugunsten von NestWerk e.V. Seit der Premiere im Jahr 2005 liefen 223 Legenden auf, darunter 23 Welt- und 36 Europameister. Vergangenes Jahr siegte „Team Hamburg“ gegen „Team Deutschland und den Rest der Welt“ mit 4-3 Toren.

 

Rund 1,75 Millionen Euro kamen bisher durch den „Tag der Legenden“ für die Jugendarbeit zusammen. Die vor 15 Jahren gegründete Initiative NestWerk e.V. fördert in benachteiligten Hamburger Stadtteilen Kinder und Jugendliche u.a. mit kostenfreien Sport- und Musikprojekten, die von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden und Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermitteln. Vergangene Schirmherren waren u.a. Altkanzler Gerhard Schröder, CDU-Politikerin Ursula von der Leyen und im Vorjahr Michael Schumacher. Die Schirmherrschaft zum Jubiläum des legendären Matches übernimmt Franz Beckenbauer.

 

Initiator Reinhold Beckmann: „2005 begann alles mit einer Idee und ein paar Wunschlegenden. Keiner ahnte, was daraus wird, und wer später alles ans Millerntor kommen würde: Beckenbauer, Seeler, Netzer, Breitner, Matthäus und, und, und. Ein besonderer Moment war die Teilnahme von Kevin Keegan 2011. Von der ersten Stunde an war das ein Ziel: Mighty Mouse am Millerntor.“

 

Ihr Debüt beim Match „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ geben u.a. Arne Friedrich (WM-Dritter 2006), Rekord-Bundesligaspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der Vize-Weltmeister von 2002, Carsten Jancker, Ex-HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer, Ghanas früherer Nationalspieler Hans Sarpei und der Holländer Frank Verlaat, früherer Werder-Bremen- und Stuttgart-Profi. Weiterhin stehen im „Team Deutschland“ u.a. die Weltmeister von 1990, Stefan Reuter, Thomas Berthold und Olaf Thon, sowie die Europameister von 1996, Jens Nowotny, Markus Babbel und Fredi Bobic.

 

Für „Team Hamburg“, betreut von Helmut Schulte, laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Erstmals dabei ist St.Pauli-Urgestein Fabian Boll, außerdem u.a. Rachid Azzouzi, Manfred Kaltz, Thomas von Heesen, Bernd Hollerbach, Thomas Meggle, Sergej Barbarez, Matthias Scherz, Thomas Doll, Otto Addo und André Trulsen.

 

Stadion-Moderatoren sind Lou Richter und Arnd Zeigler. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Am Abend feiern rund 600 Gäste wie Udo Lindenberg, Rafael van der Vaart und Partnerin Sabia, Monica Lierhaus oder Steffen Hallaschka die Benefiz-Gala “Nacht der Legenden”. Im Kiez-Theater “Schmidts Tivoli” treten dann Künstler wie Peter Maffay, die Rainbirds und Ina Müller zugunsten von NestWerk auf.

 

Um schnell noch einmal auf Reinhold Beckmann und Kevin Keegan zurück zu kommen. Die Mighty Mouse war 2011 begehrt wie sonst kaum einer. Schon im und vor dem Hotel herrschte ein Ausnahmezustand. Und ich brauchte unbedingt ein Interview, so war die Vorgabe der Chefs. Also machte ich mich an Vereins-Manager Bernd Wehmeyer ran, der ist der beste deutsche Freund von Keegan und hat immer mal wieder Kontakt mit ihm. Und Wehmeyer half in der Tat. Und wie. Total außergewöhnlich. Indem er Keegan von meinen Nöten erzählte – und der Brite machte ein besonderes Interview möglich. Eigentlich hatte er keine Minute mehr Spielraum dafür, aber er half trotzdem. Ich rief Bernd Wehmeyer während des Legenden-Spiels an, und er saß – was für ein Zufall (?) – genau dann auf der Spielerbank, als Keegan ausgewechselt wurde. Und Wehmeyer übergab sein Handy an Kevin Keegan, sodass ich mit ihm, der noch etwas außer Atem auf der Bank saß, doch noch sprechen konnte. Sensationell und unvergessen. So etwas wird es wohl nie wieder geben – jedenfalls mit Keegan nicht.

 

Ja, und dann möchte ich noch kurz auf den heutigen Matz-ab-Artikel im Hamburger Abendblatt (Seite zwei) zu schreiben kommen. Dazu habe ich mehrere Mails erhalten, eine davon war etwas Besonderes. Es schrieb mir dazu ein ehemaliger Tagesschau-Chefsprecher folgenden Beitrag (vielen, vielen Dank dafür!):

 

Sehr geehrter Dieter Matz,

mein Name ist Rumpelmerlin. Der deutet darauf hin, dass Vorfahren meinerseits in Zauberkreisen tätig waren. Eine von mir angestrebte Ahnenforschung hat nun ans Licht gebracht, was ich schon immer vermutete: Ein Vorfahre aus grauer Zeit war entweder der Zauberer von Oz oder Merlin oder dieser kleine griesgrämige Zwerg, den sie in germanischen Gefilden Rumpelstilzchen nennen. An letzteren glaube ich allerdings nicht, da meine Statur doch etwas wohlgeformter ist.
Wenn ich meine hellseherischen Fähigkeiten in Relation ziehe, scheinen meine Gene eher mit Merlin oder – noch weiter zurück in die Vergangenheit – mit der Pythia, also dem Orakel von Delphi, verwandt. So habe ich denn, um bei Ihrem Artikel zu bleiben, schon in der vergangenen Saison vorausgesagt, dass es der HSV schwer haben wird, die Liga zu halten. Dass er es letztendlich doch noch geschafft hat, lag an einem mir nicht bekannten Hexenmeister aus dem Osten, der an den Gehältern der Hamburger Kicker prozentual beteiligt ist. Sein bester und stärkster Öko-Zauberspruch wirkte gerade nochmal. Ob er das in der laufenden Saison ebenfalls erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Die bisherigen Ergebnisse beweisen, dass er als Magier der Schwarzen Kunst langsam seine Kräfte verliert.
Ich versuche nun aus Ihren lesenswerten Artikeln Kräfte zu sammeln, zu bündeln und zu deuten, die mir am Ende als Orakel von Lokstedt helfen sollen, diesen Club doch noch schwarzseherisch umzukrempeln und damit zu retten. Es liegt also auch an Ihnen, ob mir das schließlich gelingen kann.

Mit Abrakadabra-Grüßen
Ihre
Jopythia von Lokstedt

 

Wie gesagt, ein herzliches Dankeschön dafür. Und dann sei zum Schluss noch erwähnt, dass am Sonnabend und Sonntag beim HSV nicht trainiert wird. Aber dafür gibt es ja den „Tag der Legenden“ . . .

 

PS: Mit unserem letzten „Matz ab live“ nach dem Paderborn-Spiel hatten wir in den ersten fünf Minuten leichte (bis schwerere) Ton-Probleme. Deswegen sind die ersten fünf Minuten auch gekappt worden. Leider ist dabei auch die Vorstellung der beiden Gäste „verschütt“ gegangen. Da ich vielfach darauf angesprochen worden bin, wer diese Männer sind, möchte ich Manfred Lorenz und Bert Ehm kurz, ganz kurz vorstellen. Beide sind jenseits der 60, beide haben in Hamburg viele Amateur-Vereine trainiert, Lorenz war lange Zeit Co-Trainer von HSV-Trainer Ralf Schehr (Chef der Zweiten), und Bert Ehm ist der erfolgreichste Trainer der Nachkriegszeit in Hamburg, keiner hat mehr Meisterschaften und Aufstiege gefeiert, als er.

Leider auch über Bord gegangen ist mein Lob, mein spontanes Lob für „Scholle“, der hier (im Blog) vielfach hart angegriffen und attackiert worden ist, aber völlig zu Unrecht. „Scholle“ hat alle Neuzugänge des HSV gewusst und geschrieben, er lag in allen Fällen richtig, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, wahrscheinlich im Namen all jener, die ihn nicht attackiert, sondern die ihm geglaubt haben.
„Scholle“, das war eine Super-Arbeit! Gratulation, Du hast „Matz ab“ immer weit nach vorne gebracht.

18.07 Uhr

Jetzt spricht auch Kreuzer Tacheles!

15. Dezember 2013

Was macht eine Mannschaft, die vor dem Anpfiff weiß, dass sie nach dem Schlusspfiff schnell duschen muss, um in den Flieger nach Marokko zu kommen, wo nun die Club-Weltmeisterschaft gespielt wird? Sie lässt es geruhsam angehen, denn niemand möchte sich jetzt noch verletzen, um dann vielleicht nur zu Hause bleiben zu müssen. Und so hat der FC Bayern gegen den HSV gespielt. Möglichst nicht viel Nachspielzeit, ab unter die Dusche, mit nassen Haaren zum Flughafen – und ab. Dass in den Minuten zuvor der HSV quasi im Schongang mit 3:1 besiegt wurde, war nur ein Randaspekt. Beim Verlierer sah das schon ganz anders aus. Platz 13. Da zählt dann jedes Pünktchen. Und deswegen war der Ärger bei Trainer Bert van Marwijk auch nicht gerade klein. „Ich ärgere mich, ganz klar, denn hier war mehr drin“, sagte der Niederländer. Und ich weiß nicht, ob er die Situation da nicht ein wenig verkennt. Es sah so aus, als sei mehr drin gewesen für den HSV, aber sah das nicht vor allem deswegen so aus, weil die Bayern wie im Training spielten? Wenn das schiefgegangen wäre, dann wären mit Sicherheit Ribery und Alaba schnellstens eingewechselt worden. Ich denke, dass wenn der HSV aufgedreht hätte, so richtig aufgedreht hätte, um einen Punkt zu ergattern, dann hätten auch die Bayern aufgedreht. So aber spulten sie ihr Pensum so herunter, dass es zum Dreier langte – ohne einen Verletzten. Und auf nach Marokko.


>> Hier geht’s zur mobilen Version

Bayern-Trainer Pep Guardiola gab dann auch nach dem 3:1-Sieg über den HSV zu: „Nach der Champions League-Niederlage gegen Manchester City haben die Spieler diese Periode mit der Club-WM in Marokko und dem Urlaub vielleicht schon im Kopf gehabt. Aber wir hatten noch diesen Klassiker gegen den HSV zu spielen. Es war heute schwierig. Es ist immer schwierig nach Champions-League-Spielen.“ Auch Bayerns Sportchef Matthias Sammer nörgelte (ein wenig?), indem er sagte: „Ich glaube, dass wir uns zum Abschluss des Jahres noch einmal steigern müssen, sowohl im Kopf als auch in den Füßen. Es kann doch nicht sein, dass wir das 1:2 bekommen und dann noch um den Sieg zittern müssen . . .“

Ja, so gab es schon das eine oder andere lange Gesicht auf Bayern-Seite. Sie hätten wohl doch ganz gerne mehr Tore für sich gesehen. Dadurch aber kam es zur kuriosen Situation, dass beide Seiten mit leicht gesenkten Köpfen umher rannten. „Hier war mehr für uns möglich, aber uns hat die letzte Überzeugung gefehlt. Ich bin deshalb unzufrieden und ärgere mich. Es ist ein anderer Ärger, als der nach dem 0:1 gegen Augsburg, aber es ist Ärger. Diesmal bin ich böse über das Ergebnis“, sagte Bert van Marwijk. Torchancen hatte der HSV genug, so gesehen wäre „rechnerisch“ allemal ein Unentschieden drin gewesen. Das wusste auch HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga, der auch gegen die Bayern traf – bereits sein neuntes Saisontor: „Die Münchner haben ihre Chancen eiskalt genutzt, wir leider nicht.“ Treffer!

Noch verärgerter als der Trainer schien aber der Sportchef zu sein. Oliver Kreuzer gab nach der Niederlage ähnlich viel Gas, wie sein Trainer am vergangenen Wochenende, als er in der Pressekonferenz Tacheles sprach. Kreuzer sagte: „Unsere Mannschaft muss lernen, Woche für Woche ans Limit zu gehen, das muss in die Köpfe der Spieler rein. Mit angezogener Handbremse zu spielen und ein bisschen dominant zu sein, das geht nicht. Dazu reicht unsere Qualität einfach nicht aus.“

Das stimmt zwar, aber angezogene Handbremse? Damit war an diesem Sonnabend doch nur der FC Bayern unterwegs. Ich habe beim HSV keine angezogene Handbremse gesehen, im Gegenteil, die Spieler sind endlich einmal so richtig zur Sache gegangen – wenn es darum ging, das Tor zu verteidigen. Kreuzer hatte damit auch nicht den Auftritt des HSV-Teams in München gemeint. Er kritisierte nur allgemein. Und fügte erklärend an: „Das Spiel gegen die Bayern war besser, als das Spiel gegen Augsburg letzte Woche.“ Natürlich. Schlechter ging es ja auch nicht mehr. „Spiele bei den Bayern sind nicht die, die wir gewinnen müssen, wir müssen unsere Heimspiele gewinnen, da müssen wir unsere Hausaufgaben machen. Da müssen wir über die Leidenschaft und das Engagement kommen, das machen uns Vereine wie Augsburg, Freiburg oder Braunschweig vor.“ Auch das stimmt. Er hätte aber auch noch Mainz 05 in diesen Kreis mit aufnehmen können, und dieser „Karnevals-Verein“ kommt nun am Sonnabend in den Volkspark. Da ist dann wieder eine Partie wie die gegen Augsburg zu erwarten . . .

Oliver Kreuzer forderte vielleicht auch genau deshalb rechtzeitig die HSV-Profis dazu auf, „an ihre Grenzen zu gehen“. „Denn“, so der Sportchef weiter, „wir dürfen nicht glauben, dass wir der große HSV sind.“ Auch das ist natürlich Tatsache. Und ich freue mich, dass das nun auch nicht nur von den Club-Verantwortlichen erkannt worden ist, sondern endlich auch einmal schonungslos ausgesprochen wird. Vom „großen HSV“ ist doch seit Jahr und Tag nichts mehr zu sehen. Auch deswegen war dieses „magere“ 1:3 gegen die Bayern wie eine Art Hoffnungsschimmer. Ich nenne es ja die „neue Bescheidenheit des HSV“, dass man in Hamburg schon froh ist, nicht schon wieder eine Klatsche eingefahren zu haben. So ändern sich die Zeiten. Aber diese guten alten Zeiten sind ja nun auch schon so runde 30 Jahre her, fast ein halbes Leben . . .

Und daran wird sich auch so schnell nichts mehr ändern. Wer als HSV-Anhänger davon träumt, dass es in der in einer Woche beginnenden Winterpause den einen oder anderen neuen Spieler geben könnte, der irrt gewaltig. Oliver Kreuzer jedenfalls stellte diesbezüglich schon mal die Ampel auf Rot: „Wir können im Prinzip nichts machen, das weiß auch der Trainer. Dementsprechend haben wir auch keine Wintertransfers geplant.“ Wobei es natürlich noch immer einige Spieler gibt, die dringend verkauft werden sollen – aber auch das ist ja nichts Neues, daran hat man sich in Hamburg schon lange, lange gewöhnt. Etwas abgeschwächter war zu diesem Thema die Aussage des Trainers. Bert van Marwijk bekannte, dass man „in der kommenden Woche über die Rückrunde reden“ wolle, doch der Coach macht sich wohl nicht allzu große Illusionen: „Ich weiß, dass in Hamburg finanziell nicht viel möglich ist.“ Naja, die einen sagen so, die anderen sagen so . . . Es gibt ja immer noch kluge Leute, die nichts von einem „klammen HSV“ wissen wollen. Immer noch gibt es sie. Obwohl – das kann doch eigentlich gar nicht sein. Wo doch noch die Ablösesummen von einst, die von Rafael van der Vaart, Nigel de Jong, Vincent Kompany . . . Nee, lassen wir das.

Zur Kreuzer-Schelte, das fällt mir just ein, passt geradezu herrlich, was der frühere HSV-Profi Markus Babbel heute im Doppelpass von „Sport1“ gesagt hat – über seinen früheren Verein: „Der HSV ist ein sagenhaft toller Verein mit unglaublichen Fans, aber sie schießen sich immer wieder selbst ins Knie. Wenn man das Gefühl hat, es läuft, kommt wieder irgendeiner und erzählt etwas, um sich in den Vordergrund zu spielen. Es gibt für mich kein Miteinander im Verein, sondern nur ein Gegeneinander. Wenn es gut läuft, will jeder derjenige sein, der dafür verantwortlich ist; und wenn es schlecht läuft, sucht man immer einen Schuldigen, der es aushalten muss – das ist eigentlich schade.“

Naja, auch daran haben wir uns doch schon lange gewöhnt, würde ich sagen.

Einer, der sich nicht so richtig dran gewöhnen will, ist offenbar Marcell Jansen. Der Nationalverteidiger gibt nicht nur im Spiel mächtig Gas, sondern auch danach – verbal. „Wir hatten gegen die Bayern dreimal so viele Tormöglichkeiten wie zuletzt gegen den FC Augsburg, da müssen wir uns hinterfragen, wieso das so ist. Wir müssen uns nach diesem 1:3 auch ankreiden, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht frecher waren.“ Jansen weiter: „Bei uns ist diese Art von Zufriedenheit das Schlimmste. Nun müssen wir gegen Mainz gewinnen, sonst geht es noch einmal ein, zwei Plätze weiter nach hinten, und dann ist nicht mehr viel . . .“ Genau. Dann kommen schon bald Freiburg, Nürnberg und Braunschweig . . .

Aber immerhin, und das wäre mein Fazit von München, hat der HSV gezeigt, dass er die Zeichen der Zeit verstanden hat. Bert van Marwijk hat erkannt, von Tag zu Tag mehr, woran es beim HSV hapert, und er hat einiges davon nun öffentlich angeprangert. Das lässt hoffen, und es hat gezeigt, dass auch die Spieler verstanden haben. Ich hoffe es jedenfalls. In München aber haben sie sich gewehrt, da haben sie endlich gebissen und sind zur Sache gegangen. So, wie sagte es Oliver Kreuzer, so wie Freiburg, Augsburg und Braunschweig. Genau das wollen sie hier in Hamburg sehen. Schlecht spielen, das hat einst so mancher Trainer von sich gegeben, schlecht spielen kann man immer einmal (oder auch zwei- und dreimal), aber man kann in jedem Fall immer kämpfen. Ist das der Fall, dann wird (einer so jungen Mannschaft) auch das eine oder andere schlechte Spiel verziehen. Mit ihrem Auftritt in München hat der HSV bewiesen (allen voran Pierre-Michel Lasogga, Tomas Rincon, Jacques Zoua), dass es geht, dass man durchaus in der Lage ist, Kampfgeist zu entwickeln. Daran werden die Spieler nun auch im Heimspiel gegen Mainz gemessen. Und nicht nur in diesem Spiel . . .

So, ich habe fertig (für den dritten Advent). Morgen, am Montag, ist kein Training angesetzt, am Dienstag geht es um 15 Uhr an der Arena weiter.

Zwei kleine Randnotizen möchte ich dennoch schnell loswerden.

Wir erinnern uns wohl alle, das klare Abseitstor von Hannover 96 gegen den 1. FC Nürnberg, der sonst wohl seinen ersten Saisonsieg eingefahren hätte. Nach dem Spiel sagte 96-Sportchef Dirk Dufner: „Es war irregulär, aber das ist mir jetzt egal.“
Natürlich. In Nürnberg sind sie immer noch erbost und entsetzt. Und beim nächsten Mal, wenn Hannover 96 benachteiligt wird, dann wird Dufner ganz sicher anders argumentieren, als zu sagen: „Es war irregulär, aber das ist mir jetzt egal.“
So ist Fußball, das ist der Fußball.

Und dann noch dies: Der Augsburger Andre Hahn schoss gegen Braunschweig zwei Tore und bringt es nun, als bester FCA-Schütze, auf insgesamt sechs Saisontreffer. Ich schreibe es nur, weil wir nicht immer nur an Heung Min Son (der zurzeit mit Leverkusen spielt) denken sollten, oder an Erik-Maxim Choupo-Moting oder Änis Ben-Hatira. Hahn ist 23 Jahre jung und versuchte sich einst auch beim HSV. Er kam im Sommer 2010 vom FC Bremerhaven, spielte bei der „Zweiten“ und ging nach einem halben Jahr zum FC Oberneuland. Durchgefallen? Durchgefallen! Und nun schießt er in Liga eins seine Tore. Für die Augsburger, die immer besser werden. Mit ihrer No-name-Truppe.

Wer jetzt genug hat, sollte bitte abschalten, jetzt kommt etwas “Ein-” oder “Hausgemachtes”.
Ich habe noch einen Leserbrief, den ich gerne an die Leserschaft weitergeben möchte. Der Absender dieser Zeilen ist bekannt, ich möchte ihn dennoch vor etwaigen Anfeindungen schützen und verschweige den Namen vorsichtshalber. Die Zeilen aber sind lesenswert und regen (vielleicht) zum Nachdenken an:

Hallo,

als erstes möchte ich mich beim Hamburger Abendblatt und insbesondere bei den Verantwortlichen für den HSV-Blog bedanken!!!! Falls machbar leiten Sie bitte diese Zeilen an sie weiter. Was ich am Blog aber unsäglich finde, sind ein Großteil der Kommentare. Aber das lässt sich in der heutigen Zeit leider nicht vermeiden, es ist wahrscheinlich zu einfach (oder feige) anonym irgendwelchen Mist von sich zu geben. Bitte nehmen Sie diesen Mist nicht so persönlich, auch wenn sich das leicht sagen lässt, immerhin sind das ihre direkten „Kunden“ und das einfach nicht zu beachten, geht auch nicht. Ich gehe diesen Weg über eine Mail, da ich kein Interesse daran habe, mich an diesen social media Diensten – und dazu gehört auch der Blog – zu beteiligen. Ich lese den Blog seit über 2 Jahren jeden Abend, natürlich und erst recht auch im Urlaub.

Ich finde es absolut richtig, dass Sie in der „Strukturdiskussion“ alle Beteiligte zu Wort kommen lassen, nur so lässt sich ein umfassendes Urteil bilden. Denn die Struktur ist die absolut entscheidende Frage für die Zukunft des HSV. Was in der Diskussion übersehen wird, ist die Tatsache, dass erfolgreich handelnde Personen – für den Aufsichtsrat und davon abhängig auch für das Präsidium – nur bei professionellen Strukturen gefunden werden können. Bei den aktuellen Rahmenbedingungen – und dazu zählt insbesondere die aktuelle Wahl der Aufsichtsratsmitglieder durch die Mitgliederversammlung – treten doch erfolgreiche Personen gar nicht mehr an. Es zählt doch nicht mehr die soziale, wirtschaftliche oder sportliche Kompetenz, sondern nur noch die vermeintliche Fannähe und das möglichst seit der Kindheit. Keine bedeutende Persönlichkeit tut sich eine solche Mitgliederversammlung an! Die meisten Mitglieder des Aufsichtsrat haben noch nicht einmal eine der eben genannten Kompetenzen. Wenn man die Bayern mit dem HSV vergleichen will, reicht doch nur ein Vergleich des Aufsichtsratsvorsitzenden (obwohl der aus Bayern einen ganz großen Fehler gemacht hat). Hr. Ertei versteht noch nicht einmal, dass er nicht mehr als einfaches Mitglied agieren kann, das ist nur noch peinlich und sagt alles. Das ein Unternehmen vom Kopf anfängt zu stinken, ist auch nichts Neues und hat deshalb Einfluss auf den Gesamtverein, insbesondere auf das Präsidium (obwohl Hr. Kreuzer einen guten Job macht).

Das Ganze ist nur entstanden durch die machtbewussten Supporters, die sich maßlos überschätzen und deren persönlichen Interessen eindeutigen Vorrang gegenüber dem Wohl des HSV haben. Solange die nicht gebrochen wird (und dafür ist die Quote sehr hoch), wird der HSV auch in den nächsten 30 Jahren noch erfolglos bleiben.

Ich selbst habe Gott sei Dank die erfolgreiche Zeit des HSV in den 70- und 80-iger Jahren erlebt und hatte bis vor 2,5 Jahren eine Dauerkarte und war auch HSV-Mitglied. Als aber die Supporters Hr. Hoffmann gestürzt haben, war für mich Schluss und ich bin bei den Supporters ausgetreten. Nicht dass ich ein überzeugter Anhänger von Hr. Hoffmann bin, aber er hat schon eine ganze Menge richtig gemacht. Der HSV hat es nur zugelassen, über einen langen Zeitraum ohne sportliche Kompetenz zu agieren und das rächt sich noch immer. Schneller konnte man das Geld nicht verbrennen.

Nochmals vielen Dank für Ihre Arbeit, weiter so und bitte sich nicht so viele Dinge sich zu Herzen nehmen. Wobei man als Außenstehender das sehr leicht sagen kann. Mir war es mit der Mail nur wichtig einmal darauf hinzuweisen, dass die vermeintlich völlig unterschiedlichen Themen Struktur und personelle Kompetenz sehr wohl zusammenhängen und sich dies – wie von den Supporters behauptet wird – nicht trennen lässt.

Mit freundlichen Grüßen, M.

Dazu gab es wieder etliche Mails, die ich als „Irrläufer“ bezeichne, denn sie landen in jenem „Postfach“, das einst eingerichtet wurde, um das „Matz-ab“-Gewinnspiel abzuwickeln. Ich wiederholen diese Bitte immer und immer wieder: Bitte schreibt Eure Mails nicht an dieses (eigentlich) stillgelegte Postfach, sondern entweder ans Abendblatt (es wird mir weitergeleitet!) oder an die Moderatoren von „Matz ab“. Es ist in Eurem Interesse, denn sonst verkümmern viel vielleicht sehr gut gemeinte Mails im „dunklen Keller“, wo sie niemand ansieht und auch niemand findet.

17.32 Uhr

Wird Tah jüngster HSV-Profi und van Marwijk neuer Trainer?

20. September 2013

Die Trainersuche wird vertagt. Statt neue Namen in den Ring zu werfen hat sich der HSV intern auf „fünf bis sechs“ (O-Ton Sportchef Oliver Kreuzer) Kandidaten verständigt, denen der HSV nahegelegt wurde und die sich jetzt ihrerseits Gedanken machen. „Wir würden uns freuen, wenn wir Mitte nächster Woche einen neuen Trainer gefunden haben“, sagt Kreuzer und deutet an, dass in den nächsten Stunden und Tagen eher nichts passiert. „Das Spiel steht jetzt im Vordergrund, nichts sonst“, so der Sportchef, der unter der Woche einen kleinen Disput mit Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart hatte und löste. „Wir sind ein bisschen lauter geworden“, sagt van der Vaart, „aber jetzt ist alles wieder gut.“ Ich glaube, wenn ich meinen Chef anschreien würde, hätte ich mehr Probleme…

Aber egal, von Nebensächlichkeiten wie solche und der Trainersuche will sich beim HSV niemand ablenken lassen. Auch nicht Rafael van der Vaart. Und das, obwohl er selbst einen Kandidaten ausgemacht hat, den er sehr gern zum Trainer haben würde: Bert van Marwijk. Eben jenen Trainer, der in den Niederlanden jüngst für Aufsehen soergte: „Ik ben met een nieuwe club bezig ja. En nee, ik zeg niet welke. Maar het kan zijn dat ik daarom dinsdag niet aanwezig kan zijn op het benefietduel“, sagte van Marwijk. Übersetzt heißt das so viel wie: „Ich verhandele mit einem neuen Klub und es kann sein, dass ich deshalb am Dienstag nicht beim Benefizspiel dabei sein kann.“ Lege ich die beiden Aussagen (Kreuzer und van Marwijks) übereinander, gibt es erstaunliche Deckungsgleichheiten…

Und van Marwijk wäre sicher vom Profil her geeignet. Der WM-Finaltrainer 2010 spricht perfekt deutsch, hat Erfahrungen gesammelt und gilt als erfahrener Trainer. Er war auch beim HSV zu Zeiten von Beiersdorfer und Hoffmann bereits beim HSV im Gespräch – und er ist ablösefrei. Das wären Babbel, Gross (Kreuzer: „Ein interessanter Mann“) und Schaaf, die ebenso wie Fred Rutten (wird es ebenso wie Rangnick, Stanislawski, Bilic, Stevens, Matthäus und Jol sicher nicht) auf der Liste stehen, auch. Aber dem Vernehmen nach hat nicht nur van der Vaart ein Faible für den einstigen BVB- und Oranje-Coach. „Er ist ein interessanter Mann. Er kennt Deutschland, hat in Dortmund einen guten Job gemacht und auch bei der holländischen Nationalmannschaft.“ Und van der Vaart ergänzt: „Er ist erfahren, gut“, lobt der Kapitän den – in meinen Augen – inzwischen zum Top-Kandidaten aufgestiegenen Niederländer. „Er hat uns ins WM-Finale gebracht, er hat Qualitäten, die uns helfen könnten. Er wäre gut für uns.“

Helfen kann er jedoch noch nicht. Das soll/muss bis einschließlich Dienstag das neue Chef-Duo Cardoso/Addo richten. Darauf hat sich der Vorstand festgelegt. Und Cardoso, der zunächst eine Extraeinheit anberaumt hatte, glich den Mehraufwand heute wieder aus. Nach knapp 45 Minuten lockeren Trainings mit Abschlussspiel war Schluss. „Die Jungs haben gut gearbeitet“, sagt Cardoso, der sich für das Nordderby großes Kino seiner Mannschaft erhofft.

Eine große Überraschung bahnt sich dabei auch an. Wie ich im Donnerstagsblog bereits erwähnte hatte, scheint Cardoso mit der Premiere von Jonathan Tah zu liebäugeln. Am Donnerstag wechselte er Lasse Sobiech in der zweiten Halbzeit des Abschlussspiels gegen den Youngster, der am Ende noch ein Tor machte und dafür heute vom Trainer (Kurze Videos mit van der Vaart und Cardoso findet ihr auf www.facebook.com/groups/matzab) ein Lob bekam. „Jonathan hat sehr gut trainiert, ist eine echte Alternative“, so der Argentinier. Auf die Frage, ob er sich den gerade mal 17-Jährigen von Beginn an im Nordderby vorstellen könnte, antwortete er mit einem Lächeln: „Klar! Warum auch nicht?“

Großer Tusch: Tatatatatata!! Tah wäre damit der mit Abstand jüngste Bundesligaspieler aller Zeiten in der Startelf. Und er hofft selbst darauf: „Das wäre wirklich super. In einem Nordderby zu debütieren – ich bin bereit.“

Und ganz ehrlich: warum auch nicht? Bei der bisherigen Defensive kann man nur auf Änderungen setzen. Und Cardoso macht gegenüber dem BVB-Debakel recht viel neu: Neben Tah rückt Lam auf rechts vor Westermann, der als Rechtsverteidiger in dieser Serie debütiert. Dazu Rincon neben Rückkehrer Badelj auf die Sechs, Jiracek auf links vor Jansen und Beister vor van der Vaart als einzige echte Spitze. So hat Cardoso heute und am Donnerstag trainieren lassen. Komplett hieße das: Adler – Westermann, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Rincon – Lam, van der Vaart, Jiracek – Beister. „Spielen mit Herz“, hat Cardoso gefordert und setzt dabei auf die seiner Meinung nach motiviertesten Spieler. Kreuzer: „Die Mannschaft muss brennen. Derbys sind immer etwas spezielles, ich habe es in meiner Münchner Zeit und auch in Karlsruhe erlebt. Bei mir herrscht große Vorfreude. Wir haben ein Heimspiel – und das soll man von der ersten Minute an sehen. Mit einem Sieg können wir uns viel Selbstvertrauen holen und bei den Fans einiges gutmachen. Das kann für uns ein Befreiungsschlag werde. Da muss man nur auf die Tabelle gucken…“

Gut so.

Weniger gut ist dagegen die Nachricht von Ivo Ilicevic, der mal wieder mit muskulären Problemen ausfällt und sich so langsam Gedanken machen muss über die Zeit nach der Fußballerkarriere. Immerhin haben es die HSV-Ärzte und sonstigen Spezialisten in den letzten zweieinhalb Jahren nicht geschafft, die Ursache zu finden. „Ja, er fällt aus. Muskuläre Probleme“, sagt Cardoso. Und ich lege mich hier fest: Der dribbelstarke Rechtsfuß ist der nächste Kandidat, den der HSV unbedingt loswerden will und der (wobei ich ihm wirklich von Herzen eine schnelle Genesung wünsche!!) voraussichtlich mit einem Minus verkauft wird. Wobei ich hoffe, dass ich mich irre…

Hoffentlich richtig liege ich – zumindest tendenziell – diesmal mit meinem Tipp auf einen HSV-Sieg. Immerhin wäre es der erste Punktgewinn für Cardoso als Bundesligatrainer in der Imtech-Arena. Westermann sieht die Begebenheiten als gutes Omen: „Ich habe damals unter Cardoso auch plötzlich wieder rechts gespielt – und wir haben gewonnen.“

In diesem Sinne, im Abspann noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache. Ansonsten wünsche ich Euch einen schönen Restfreitag und: Bis morgen!

Scholle

In eigener Sache:
Immer mal wieder darf ich lesen, ich sei dem Klubbos Carl Jarchow gegenüber zu unkritisch. Die besonders Schlauen behaupten sogar, wir hätten eine Arbeitsvorgabe seitens des Verlages. Und ich wollte Euch nur beruhigen: die gab es nie. Die gibt es nicht. Und einer selbigen würde und werde ich mich nie beugen. Ebenso wenig werde ich gegen meine Überzeugung schreiben. Aber, als Kompromiss für alle die, die mich jetzt wieder beschimpfen wollen, kann ich sagen, dass ich mich in sehr um einen Termin in sehr naher Zukunft beim Klubboss bemühen werde, um mit ihm über die aktuelle Situation und seine Rolle darin zu sprechen. So, wie ich es für richtig empfinde. Danke!

Die Pressekonferenz: Fink und Kreuzer bleiben Freunde, Jarchow bleibt und Magath kommt nicht

17. September 2013

Die erste Aufregung ist vorbei. Fink ist abgereist, hat sich von der Mannschaft verabschiedet und ist abgefahren. “Immer wieder mal Wirrwarr auf dem Platz” hatte den Sportchef Oliver Kreuzer veranlasst, seinen Freund zu beurlauben. Trotzdem hofft er darauf, weiter eine gute Freundschaft zum Geschassten zu pflegen.

Trotz der verpassten Ziele, die sich Klubboss Carl Jarchow zu seinem Amtsantritt vor zwei Jahren gesetzt hatte, denkt er nicht an Rücktritt. Ebenso wenig daran, sich einen Felix Magath als Trainer zu holen und fremdfinanzieren zu lassen. Aber seht selbst: Ich werde diesen Blog am Ende aktualisieren mit allen Neuigkeiten, die mir bekannt werden. Wie zum Beispiel, dass der HSV bislang noch keinen Kontakt zu Holger Stanislawski aufgenommen hat, dessen Name hier neben Foda, Babbel (dazu sagt Kreuzer: “Kein Kontakt”), Rangnick und sogar Stevens herumgeistert. Solltet Ihr schnelle News wollen, ich versuche es parallel via facebook (www.facebook.com/groups/matzab) immer zeitnah zu aktualisieren, weil es hier im Blog immer eines neuen Blogs benötigen würde.

Aber bis dahin erst einmal die durchaus interessante PK mit Jarchow und Kreuzer.

Scholle



Anmerkung von den Moderatoren:
Von Dieter wurde gute 20 Minuten vorher ein Blog veröffentlicht, den wir jetzt hier (nach Abstimmung) reinkopiert haben:


Gedanken zum Trainer-Wechsel

„Scholle muss hart arbeiten, ich habe Urlaub – und Thorsten Fink wurde beurlaubt. Letzteres Thema ist natürlich das Highlight dieses Dienstags. Es ging schneller als ich gedacht habe, wobei ich zugeben muss, dass ich gar nicht mit einer Trainer-Trennung gerechnet habe. „Kontinuität“ heißt bekanntlich seit etwas mehr als zwei Jahren das Zauberwort des HSV, ich habe gedacht, dass die Club-Führung eher lebendige Kröten schlucken würde, als Thorsten Fink vor die Tür zu setzen. Deswegen meine Anerkennung den Herren des HSV, dass sie sich zu diesem schwierigen Schritt entschlossen habe.

Es wurde aber wohl Zeit. Nicht nur deshalb, weil das hohe Ziel Europa schon jetzt kaum noch zu erreichen sein wird, sondern vielmehr deshalb, weil der HSV in den letzten Wochen gespielt hat wie ein Abstiegskandidat – Ausnahme Braunschweig. Der HSV kämpft, so wie es jetzt den Anschein hat, wieder einmal nur ums nackte Überleben. Deswegen musste die Reißleine rechtzeitig gezogen werden, das haben die Verantwortlichen trotz aller Treueschwüre für den Trainer erkannt und zum Wohle des Dinos reagiert.

Thorsten Fink hat es nicht geschafft, aus (relativ) wenig mehr zu machen. So sehr er sich auch mühte. Von seinen Spielern habe ich, und ich denke, es geht auch allen meinen Kollegen so, nie ein schlechtes Wort über den Coach gehört. Auch nicht hinter der vorgehaltenen Hand. Das war bei dem einen oder anderen Vorgänger Finks sehr wohl anders. Fink hat sicher nur das Beste gewollt, aber er hat es nicht verstanden, aus diesem Kader eine schlagkräftige Einheit zu formen. Sicherlich hat der HSV nicht die allerbesten Spieler unter Vertrag, von den Namen her aber ganz sicher auch keine schlechten Profis. Daraus wäre bestimmt ein Team zu formen gewesen, das den HSV-Fans wesentlich besseren Fußball geboten hätte, als jene blutleere Kickerei, die dem Anhang der Rothosen seit langer Zeit gehörig auf die Nerven gegangen ist. So gesehen ist Thorsten Fink schon sehr deutlich gescheitert, denn so richtig guten Fußball hat der HSV unter seiner Regie fast nie gespielt. Es waren viele „Klatschen“, die der HSV im vergangenen Jahr und auch in 2013 kassierte, das besonders Schlimme daran war und ist, dass diese Pleiten gefühlt noch viel, viel schlimmer waren, als sie es ohnehin schon waren.

Aber, und nun kommt das große „Aber“, Fink sitzt da in einem Boot mit so vielen seiner Vorgänger. Michael Oenning, Armin Veh, Bruno Labbadia , Martin Jol, Huub Stevens, Thomas Doll, Klaus Toppmöller, Kurt Jara und Frank Pagelsdorf (von Arnesen, Cardoso, Moniz und Hieronymus will ich nicht erst schreiben) haben es doch auch nicht (immer) hinbekommen, dass in diesem Jahrtausend im Volkspark wirklicher und anerkannter Klasse-Fußball gespielt wurde – und zwar vom HSV. Und viele dieser Trainer haben gewiss nicht den schlechtesten Ruf gehabt, einige von ihnen haben auch nach dem HSV noch bewiesen, dass sie es sehr wohl können. Nur beim HSV konnten sie es eben nicht. So wie Fink jetzt. Auch wegen der Umstände in Hamburg. Seit Jahren weigern sich die HSV-Profis, das ist Tatsache, aus ihrem Kreis eine vernünftige Mannschaft formen zu lassen, die als Team, als echte Einheit auftritt, die Spaß am Job hat, die auch erkannt hat, was die Raute bedeutet, was es damit auf sich hat, für diese drei berühmten Buchstaben zu spielen. In diesem HSV denken seit Jahren viel zu viele Spieler nur an sich, statt auf das „Wir-Gefühl“ zu setzen, statt als Mannschaft aufzutreten.

Deswegen liegt es nicht unbedingt stets und ständig an den Trainern, die sich in Hamburg mit der Herkules-Aufgabe zu beschaffen hatten, diesen maroden HSV, bei dem es seit Jahren mehr Schein als Sein gibt, auf Vordermann zu bringen. Auch der Mann nach Fink wird keine Wunder vollbringen können, ich bedaure ihn schon jetzt. Aus diesem abgewrackten Club wieder einen Top-Verein zu formen, ist unter diesen Voraussetzungen eigentlich ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Da sollte der geneigte HSV-Fan schon die Realität nicht verkennen. Bei und an diesem HSV würden auch Trainer wie Mourinho, Ferguson, Hiddink, Wenger, Heynckes und Hitzfeld gnadenlos scheitern. Ich erinnere mich noch an Erich Ribbeck, an dessen kurze Ära beim HSV. Als er kurz vor seinem Abgang aus Hamburg stand (was dann aber völlig überraschend und bei Nacht und Nebel geschah), da verriet er mir mal, wie er seine ersten Tagen beim HSV rückwirkend betrachtete: „Auf Teneriffa, fernab von Hamburg, wurde ich einst von Ernst Naumann verpflichtet. Als ich dann zum HSV kam, in die Geschäftsstelle in der Rothenbaumchaussee ging, da sah ich hinter die Kulissen und entdeckte zu meinem Entsetzen, dass die drei großen Hamburger Buchstaben nur noch von notdürftig geflickten Pfeilern, die schon morsch und teilweise gebrochen waren, gestützt wurden. Mehr als diese drei Buchstaben hatte der Club leider nicht zu bieten.“

Ich könnte wetten, dass es einige HSV-Trainer (der letzten beiden Jahrzehnten) gibt, die ein ähnliches Aha-Erlebnis hatten. Nur zugeben durften sie es nicht, dass sie alle glaubten, bei einem „Welt-Club“ unterschrieben zu haben. Einem „Welt-Club“, der aber so rein gar nichts mehr mit einem großen europäischen Spitzen-Verein gemein hatte. Diese Erkenntnis kam ihnen viel später, aber das behielten sie dann besser für sich. Andernfalls wäre es ja auch blauäugig gewesen – und wer gibt schon gerne ein so bildschönes Eigentor zu?

Thorsten Fink muss sich deshalb keine großen Vorwürfe machen. Vor ihm sind sie brutal gescheitert, nach ihm werden sie ebenso Schiffbruch erleiden. Egal wer kommt. Deswegen wäre es jetzt eigentlich an der Zeit, den ganz großen Umbruch zu starten. Ein radikaler Neuaufbau des Vereins müsste her, und wenn es die Jungs (und die eine Dame) gut mit ihrem HSV meinen, die jetzt (in welchem Amt auch immer) in der Verantwortung stehen, dann raufen sie sich zusammen und machen den Weg frei für einen neuen HSV.

Von vielen ist das, ich weiß es wohl, natürlich zu viel verlangt, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein Amt bekleiden – sie haben erstmalig etwas zu sagen und kleben an diesem Job. Was aber wäre, wenn jetzt die fünf Personen, die im Aufsichtsrat gegen ihren Boss sind, ein Zeichen setzen würden und von ihren Pöstchen zurücktreten würden? Dann wäre immerhin schon mal ein Anfang gemacht – die Zeit wird ohnehin kommen, wo sie nicht mehr benötigt werden. Wie all die anderen. Nur jetzt könnten sie den so dringend erforderlichen Umbruch einleiten und beschleunigen. Wäre vielleicht einmal zu überdenken. Nicht immer nur hadern, ärgern, mosern, meckern und reden, sondern jetzt Taten folgen lassen – dann werden sie in meinen Augen zu Helden ihres Vereins.

Der HSV darf ganz einfach nicht weiter so still vor sich hin wurschteln. Und den nächsten Trainer und den nächsten Trainer und wieder den nächsten Trainer verschleißen. Jetzt ist ein Punkt gekommen, an dem nicht nur ein Umdenken erfolgen muss, sondern an dem auch gehandelt werden sollte. Zum Wohle des HSV. Nur zum Wohle des HSV.

So, das wollte ich zu diesem Thema einmal loswerden. Obwohl ich jetzt im Urlaub bin und „Scholle“ der Boss ist. Wer es dazu immer noch nicht mitbekommen hat: Ich werde in diesem Monat 65 Jahre, folglich am 1. Dezember ein „richtiger“ Rentner. Geplant war es seit Wochen, dass ich dann tatsächlich „in Rente“ gehe, nun aber habe ich mich mit dem Hamburger Abendblatt quasi in letzter Sekunde darauf geeinigt, doch noch ein Jahr dran zu hängen. Im Sommer 2014 werden wir uns dann alle zusammensetzen und beraten, ob das gut war, ob es noch einmal verlängert – oder ob der Vertrag zum 31. Dezember 2014 dann auslaufen wird. Das ist der Stand der Dinge. Da ich noch meinen gesamten Urlaub auf der Uhr habe, dazu jede Menge freier Tage, werde ich bei „Matz ab“ ein wenig länger fehlen.

Aber zwischendurch wird es ganz sicher auch das eine oder andere Lebenszeichen von mir geben. So am 19. Oktober, den sich alle Interessierten merken sollten. Das ist der Sonnabend vor dem Stuttgart-Spiel im Volkspark. Da werden wir beim HSV in Ochsenzoll („Anno 1887“) das nächste „Matz-ab“-Treffen veranstalten, und Ihr seid dazu herzlich eingeladen. Es werden auch andere Gäste dabei sein, einer hat bereits heute zugesagt, und das ist Ernst-Otto Rieckhoff, der bei der Gelegenheit über sein Modell „HSVplus“ sprechen wird. Also, wer Lust hat, der kommt am 19. Oktober ins „Anno 1887“ und feiert ein wenig mit uns – so es bis dahin wenigstens ein kleines Bisschen zu feiern gibt.

Ich wünsche dem HSV ein glückliches Händchen, ich wünsche allen Verantwortlichen des Vereins viel Mut – und ich danke besonders Oliver Kreuzer für seine Entscheidungsfreudigkeit. Als er im Sommer zum HSV kam, haben viele Fans und Mitglieder wie folgt gedacht: „Jetzt haben sich zwei Freunde gesucht und gefunden, nun geht die Kumpanei und der Klüngel erst richtig los.“ Auch ich war von einem solchen Gedankengut nicht weit entfernt! Jetzt ist es anders gekommen, und dazu ziehe ich den Hut vor Oliver Kreuzer. Der Mann geht seinen Weg, ohne Rücksicht auf seinen „Freund“, er denkt sicher auch an seine Karriere – aber sicherlich auch ein gehöriges Stück an die Zukunft des HSV.

Auch bei Thorsten Fink möchte ich mich kurz bedanken, die Zusammenarbeit war Bundesliga, keine Frage, es wird auch keinen Kollegen in Hamburg geben, der das anders sieht. Viel Glück, Herr Fink, für die nächste Aufgabe.

Und sollte ich gefragt werden, wen ich nun als Trainer holen würde, dann würde ich zunächst nur an den HSV denken. Kein Geld, keine guten Spieler, keine richtig guten Perspektiven. Mein Mann wäre, wenn der Club weiter so amateurhaft vor sich hin wurschteln würde, Thomas Doll. Ein Mann mit der Raute Im Herzen, er lebt in Hamburg, würde es in den ersten Tagen, Wochen und Monaten sogar eventuell umsonst machen – und er hat den HSV schon einmal gerettet. Dass er später auch scheiterte, das lag auch daran, dass er ein unheimliches Verletzungspech zu verkraften hatte. Und vielleicht auch ein wenig zu viel Nähe zu den Spielern zugelassen hatte – aber daraus hat der Thomas, der nicht mehr der „Dolly“ von einst ist, längst gelernt.

Sollte jetzt aber der Umbruch schon, dank der fünf Herren aus dem Aufsichtsrat, über die Bühne gehen, dann ist die Zeit für Klaus-Michael Kühne, Felix Magath und Bernd Hollerbach gekommen. Auch keine so schlechte Lösung, um es einmal ganz süffisant zu formulieren – denn diese drei Herren würden schon etwas aus dem HSV machen.

Und auch mit dem Kandidaten Markus Babbel (mit dem der HSV bislang nicht gesprochen hat!) könnte ich sehr gut leben, denn er war zu seiner Zeit ein „Vollblut-HSVer“. Ich weiß noch die Zeit, als er zum FC Bayern zurückbeordert worden ist – Babbel sträubte sich mit Händen und Füßen. Er wollte beim HSV bleiben. Doch Herr Hoeneß wollte es anders. Und das war letztlich auch zum Vorteil von Markus Babbel, der er wurde Nationalspieler und einer des besten Abwehrspieler Europas. Aber, ich traf ihn beim Tag der Legenden am Millerntor, die Raute hat er immer im Herzen behalten. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für diesen Schleuder-Sessel-Job beim HSV.

Leider, leider weiß ich, dass Thomas von Heesen kein Interesse mehr an diesem Amt hat, er hat Arbeit genug und muss sich den HSV nicht mehr antun. Was ich als sehr, sehr schade empfinde.

So, nun überlasse ich wieder „Scholle“ das Feld, ich wollte mich nur ganz kurz zu Wort melden – nicht dass ich mich so aus dem Staub mache.

Dieter Matz

12.41 Uhr

Trainerfrage – die ersten rücken von Fink ab

16. September 2013

Es geht los. Die Wortklaubereien ersetzen Plattitüde, und alle wissen eigentlich alles. Auch wenn es keiner gerade heraus sagt. Dennoch ist spätestens seit heute klar, dass die Partie am Sonnabend gegen Werder Bremen für Trainer Thorsten Fink entscheidend wird. Oder besser: werden kann. Denn ein Sieg könnte noch mal für Aufschub sorgen. Allerdings ist der grundsätzliche Prozess, den Trainer zu ersetzen, in gang gesetzt. Die Zeitungen waren sich heute Morgen schon einig, nannten es heute schon Schicksalsspiel. Und weder der Sportchef noch der Vorstandsvorsitzende vermochten dem entgegenzuwirken. Im Gegenteil. Zwischen den Zeilen wurde die bevorstehende Demission nur deutlicher.

Der Stachel sitze noch sehr tief sagte Kreuzer. Und der Sportchef wurde zunehmend deutlicher: „Wir haben vor der Saison noch ein ganz anderes Ziel formuliert als wo wir jetzt stehen. Das wissen wir.“ Obwohl es nur zwei Punkte auf einen einstelligen und nur vier Zähler auf einen internationalen Startplatz seien. Dennoch nahm Kreuzer seinen Trainer deutlich in die Pflicht: „Wir müssen das Spiel am Sonnabend gewinnen, wenn wir in den oberen Tabellenbereich wollen.“ Nimmt man die Zielvorgabe Rang sechs als Grundlage heißt das: gewinnen oder die erste Etappe ist verbockt – und ein Neuer darf versuchen, es besser zu machen.

Jetzt allerdings zu sagen, Fink ist auf jeden Fall bei einer Niederlage weg, erscheint mir mutig. Denn, so klar die Tendenzen auch sind, gegen Werder zu verlieren wird nicht einfach, nimmt man deren Vorstellung gegen Frankfurt als Maßstab. Und anschließend kommt Greuther Fürth in die Imtech-Arena zum DFB-Pokalspiel. Also zwei Partien, die absolut machbar sind, selbst für diesen HSV, wie auch Kreuzer vorrechnet. „Wir haben erst vier Punkte, das ist zu wenig, ganz klar. Aber wenn ich mir die Spiele vor Dortmund anschaue, ist es nicht so schlecht wie das Ergebnis. Auf Schalke haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht, ehe der Schock gegen Hoffenheim folgte. Daraufhin haben wir in Berlin eine gute Reaktion gezeigt, hätten einen Punkt verdient gehabt. Gegen Braunschweig haben wir dann gewonnen und jetzt in Dortmund wurden Erinnerungen an Hoffenheim wach. Das macht zwei sehr gute, ein mäßiges und ein sehr schwaches Spiel.“

Und Kreuzer war mit seinen überraschenden Denkansätzen noch nicht am Ende. Trotz der mit 15 Gegentreffern mit Abstand schwächsten Abwehr der Bundesliga will der Sportchef von einem Abwehrproblem nichts wissen. „So kurios es klingt, , die Defensivleistung der Verteidiger war in Dortmund gut. Ich habe einen sehr, sehr guten Djourou gesehen. Auch Heiko hat ein gutes Spiel gemacht. Bei uns aber geht es vielmehr um den Abwehrverbund. Die ganze Mannschaft hat ungenügende Defensivarbeit geleistet. Und so waren die Verteidiger die ärmsten Schweine.“

Oha. Schönreden – die Fortsetzung? Nein, Kreuzer fordert, dass der HSV seine Defensive stärken muss. Sofort. Seine Geduld scheint am Ende, nachdem sich der Trainer bislang mit seiner Art Fußball spielen zu lassen durchgesetzt hatte. „Der Trainer ist bekannt dafür, dass er gern offensiv spielen lässt. Das sagt er ja auch immer wieder. Darüber haben wir auch schon in der Vorbereitung gesprochen. Ich habe da schon gesagt, dass die Basis des Erfolges die Defensive ist. Und das bewahrheitet sich jetzt.“ Deshalb fordert Kreuzer von Fink ein Umdenken. „Für die technisch-taktischen Dinge ist eigentlich der Trainer verantwortlich. Aber das war jetzt zu offensichtlich. Wir stehen unten, weil wir 15 Gegentore haben. Wir haben ganz offenbar mehr falsch als richtig gemacht und müssen uns fragen, warum das so ist. Und ich hoffe, dass der Trainer jetzt Antworten hat. Ich glaube, er wird sie bringen.“ Wenn nicht? Kreuzer zuckt mit den Schultern. Wann er selbst anfängt, über einen Trainerwechsel nachzudenken? „Schaun mer mal.“

Klingt lustig, ist es aber nicht. Und das machen die Äußerungen von Klubboss Carl Jarchow deutlich. „Ich habe grundsätzlich immer einen langen Atem. Im Vorstand erwarten wir aber schon, dass gewisse Dinge umgesetzt werden“, sagte Jarchow dem SID: „Er trägt die Verantwortung im sportlichen Bereich. Das Nordderby ist für uns alle ein ganz wichtiges Spiel“. Jarchow kritisierte nach dem 2:6 bei Borussia Dortmund vor allem die Abwehrarbeit der Hamburger. „In Dortmund hat sich das Debakel von Hoffenheim wiederholt – die Defensive ist unser Schwachpunkt, diese Fehler müssen wir umgehend abstellen“, sagte der Klubboss: „Das ist sein Job.“ Wie oft Fink denn noch verlieren darf? Antwort Kreuzer diesmal: „Das Trainerthema stellt sich Stand heute nicht.“ Und Stand morgen? „Sie wissen doch, dass im Fußball nichts vorherzusehen ist.“

Fink selbst war heute nicht zu erreichen. Nicht, weil er noch in München weilt, wie einige dachten. Vielmehr will der Trainer nicht sprechen, was sein gutes Recht ist. Angesichts der aktuellen Stimmungslage ist das sogar wenig verwunderlich. Immerhin scheinen alle nur noch auf die Entlassung des Trainers zu warten. Sogar neue Namen schwirren schon herum. „Totaler Schwachsinn“, wird Kreuzer deutlich auf die Frage, ob sich der HSV mit dem Namen beschäftigen würde. Er habe auch schon von dem Gerücht gehört, dass Foda a seinen Rauswurf beim FCK forciert habe, um gegebenenfalls für den HSV bereitzustehen. „Wir haben einen Trainer und denken nicht über andere nach.“

Nach seiner eigenwilligen Entscheidung, dem 2:6 in Dortmund einen Kurztrip zu seiner Familie nach München folgen zu lassen, hatte Fink unangenehme Nachfragen zu befürchten. Und darauf hatte er verständlicherweise keine Lust. Zumal sich Kreuzer stellte und alle Fragen beantwortete: „Zugegebenermaßen war es eine etwas unglückliche Entscheidung vom Thorsten, jetzt zur Familie zu fliegen.“ Eine unglückliche Entscheidung? Ist nicht eher eine von vielen? Nach der Posse um Aogo und Rincon lange nicht zum ersten Mal. Ob Kreuzer mit dem Trainer noch mal darüber spricht, um zusätzliche Angriffsflächen zu vermeiden? „Man sagt ja, im Erfolgsfall ist alles richtig, bei Niederlagen wird alles hinterfragt. Da müssen wir den Hebel ansetzen und sehen, dass du in diesem Fall, wo du ein Spiel so verlierst, die private Planung etwas änderst. Da werde ich schon das Gespräch mit ihm suchen, das Problem kriegen wir in den Griff.“

Nicht aber das Problem mit der Zielsetzung. Die ist offenbar zu hoch angesetzt. Statt im oberen Drittel steckt der HSV im Tabellenkeller und offenbart gravierende Qualitätsmängel. Allerdings, trotz des 15. Tabellenplatzes will Jarchow an dem Saisonziel Europa League festhalten. Oder muss er das, um sich selbst nicht zu widersprechen? Egal wie, er macht es. „Davon rücken wir nicht ab. Natürlich sind wir schlecht gestartet und es kann nicht so weitergehen wie bisher.“ Klingt nach einem nicht besonders ausgeklügelten Plan. Kreuzer misst vielleicht gerade deshalb dem Spiel gegen Werder Bremen am Sonnabend eine wegweisende Bedeutung bei. „Wir alle können die Tabelle lesen, haben alle ein anderes Ziel vor der Saison ausgegeben. Auch Thorsten. Es ist für uns alle ein ganz wichtiges Spiel. Auch für ihn. Und das weiß er auch.“ Worte, die den Abschied ankündigen. Früher oder später. Angezählt ist Fink allemal – ich schätze mal bis 9,5…

Sogar die Frage nach seinem Nachfolger wird schon gestellt. In Internetforen wird abgestimmt, wer der beste Nachfolger sein könnte. Und die Frage, die viele beschäftigt, ist die nach dem Nachfolger. Gibt es aktuell einen Besseren auf dem Markt? Gibt es einen, der sofort übernehmen würde? Naheliegend aus taktsicher Sicht wäre aus meiner Sicht Huub Stevens. Der Mann, der die Null fordert – defensiv. Ebenso naheliegend wäre wahrscheinlich Markus Babbel, den Kreuzer noch aus seiner Zeit in München kennt. Zumal der ehemalige HSV-Profi auch vor Finks Engagement genannt wurde und auf dem Markt ist. Und eben Foda.

Ich bin gespannt, wie die Mannschaft am Sonnabend reagiert. Haut sie sich für Fink voll rein und demonstriert Gemeinsamkeit mit ihrem in der Kritik stehenden Chef? Immerhin hat Fink in der Mannschaft intern noch immer einen guten Stand. All das sind Gründe genug, sich auf seine Antworten zu freuen. Denn wie ich gehört habe, haben wir morgen den – das darf bei allen unseren Diskussionen nicht untergehen und ist schlichtweg normaler, respektvoller Umgang – amtierenden HSV-Trainer zu Gast. Ich freue mich darauf.

Scholle

P.S.: Für alle Interessierten, heute Abend bin ich mit meinem NDR-Kollegen Lars Pegelow bei HH1 als Gast in der Sendung „Rasant“, die sich natürlich ausführlich mit der aktuellen Situation des HSV beschäftigt. Wer Lust hat: Sendebeginn ist um 20.15 Uhr.

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

Muskelfaserriss – macht Son jetzt den Beister?

3. Dezember 2012

Es gibt viele verschiedene Trainertypen. Und das ist auch gut so, da es auch sehr viele verschiedene Mannschaftskonstellationen gibt. Felix Magath beispielsweise ist ein absoluter Verfechter von Konditionstraining. Fußball spielen könnten sie alle, deshalb seien sie in einer der besten Ligen der Welt. Aber sie müssten obendrein fit sein. Am besten fitter als der Gegner, pflegt Magath zu sagen. Und wenn man sich gestern Wolfsburg angesehen hat ist man geneigt, dem ehemaligen Europapokalhelden des HSV Recht zu geben. Denn der VfL drückte ab der 60. Minute kontinuierlich. Dass es am Ende nur zu einem irregulären Tor gereicht hat – umso bitterer für den HSV.

Rene Adler, dessen Worte höchstselten bis nie undurchdacht sind, hatte sich darüber ebenso aufgeregt, wie er zuvor die Trainingseinheiten gelobt hatte. „Sensationell“ habe die Mannschaft trainiert, sagte er uns in der Runde – und erstaunte mich. Denn das, was die Mannschaft auf dem Platz machte, war sicher oft nett anzusehen – es hatte aber mit Anstrengung nur selten (bei intensiveren Spielen auf verkürztem Feld beispielsweise) zu tun. Die normalen Krafteinheiten fanden nicht öffentlich statt. Beim 1:0 gegen Mainz saß ich neben Dieter und Linne (Matthias Linnenbrügger, inzwischen Mopo), die sich darüber ärgerten, dass der HSV Mitte der zweiten Hälfte einzubrechen schien. Ein Zustand, der sich seitdem in allen Spielen hielt. „Ich habe gemerkt, dass bei mir zum Ende die Kräfte gefehlt haben“, sate Dennis Aogo nach dem 1:1 in Wolfsburg und fügte kritisch hinzu: „Unser Spiel ist sehr laufintensiv, wir versuchen alles in allerhöchstem Tempo. In der zweiten Hälfte waren wir leider oft einen Schritt zu spät.“ Und das, obwohl sich der HSV seit dem frühen Pokal-Aus in Karlsruhe nur in einem Wettbewerb befindet. Mehrfachbelastung? Fehlanzeige. Ob in letzter Zeit zu wenig Krafteinheiten absolviert werden? „Wir arbeiten viel drinnen“, entgegnet Trainer Thorsten Fink, der seither immer die erste Einheit der Woche im Kraftraum absolviert. Und eigentlich müsste Champions-League-Sieger Fink die richtige Balance zwischen Kraft- und Technikeinheiten noch aus eigener Erfahrung abschätzen können.

Insofern bleibt es Spekulation, woran es liegt, dass die Mannschaft immer ab der 60. Minute einen Gang zurückschalten muss. Ebenso spekulativ ist, wo die vermehrt vorkommenden Muskelverletzungen herrühren. Denn: Nach Rafael van der Vaart und Heung Min Son hat es binnen drei Wochen mit Maxi Beister den dritten Spieler im Spiel erwischt. Der Torschütze aus den letzten beiden Spielen zog sich in Wolfsburg einen Muskelfaserriss im hinteren linken Oberschenkel zu. Der Linksfuß fällt somit sicher gegen Hoffenheim am Freitag aus. Zudem ist sein Einsatz gegen Leverkusen im letzten Hinrundenspiel am 15. Dezember mehr als fraglich.

Bitter.

Und das große Glück für Heung Min Son, der seine Rolle als gesetzter Angreifer verloren zu haben schien. Artjoms Rudnevs und Beister hatten mit zwei Toren und einem Assist ein effektives Doppelpack im Angriff abgegeben und ihre Chance somit genutzte. Ganz im Gegensatz zum Südkoreaner, der gegen Wolfsburg nach seiner Einwechslung wie ein Fremdkörper wirkte. 13 Ballkontakte hatte Son, führte gerade mal 3 Zweikämpfe binnen 40 Minuten. Wert am unteren Limit. Dass selbst Adler als Torwart in 90 Minuten mehr lief (5,39 Km) als Son (4,66) in 40 Minuten als Feldspieler – bezeichnend. Zumal Son in einer Phase mitwirkte, in der die Mannschaft vermehrt Läufe insbesondere der gerade erst frisch eingewechselten Spieler gebraucht hätte.

Dennoch, trotz der schlechten Daten wird Son am Freitag voraussichtlich im Angriff beginnen. Zumindest deutete Fink an, sein System beibehalten zu wollen. Und nach Beisters Ausfall bliebe die Wahl zwischen Marcus Berg und Son. Und da hat Son dann nachweislich noch die Nase vorn. Der Südkoreaner, der zuletzt dem öffentlichen und aus meiner Sicht stark übertriebenen Hype um seine Person ein wenig erlegen schien, ist und bleibt ein großes Talent. Wobei ich hier gern die Worte von Frank Mackerodt aus dem „Matz-ab-Live“ vom Sonntag aufgreifen will, der da sagte, dass die Entwicklung beim HSV nicht ausreichend zu erkennen sei. Denn eines der besten Beispiele dafür ist in meinen Augen Son. Trotz der Tore.

Denn Son versteht sich noch immer nicht auf Defensivarbeit. Der Südkoreaner führt Zweikämpfe, die er so nicht mal gegen Landesligisten gewinnen würde. Offensiv lässt sich Son mit kleinen Remplern aus dem Tritt (oder zum Fallen) bringen. Und defensiv ist das kaum besser. Immer wieder zieht Son das Tempo an, als sei er festen Willens, den Ball zu erobern. Er läuft seinem Gegenspieler hinterher, holt ihn dank seiner zweifellosen Sprintstärke oft – aber er stoppt unmittelbar bevor er ihn erreichen würde. Son scheint Defensiv-Zweikämpfen regelrecht aus dem Weg zu gehen.

Weil er es nicht kann?

Es sei nicht unbedingt die Mentalität des Südkoreaners, defensiv zu arbeiten hatte uns Frank Arnesen mal erklärt und im selben Atemzug betont, dass Son das dennoch schnellstmöglich lernen müsse. Immerhin ist diese Schwäche Sons Achillesferse. Bei seiner Schussstärke links wie rechts, seiner außergewöhnlich hohen Ballfertigkeit und seiner Schnelligkeit hat Son beste Voraussetzungen als Angreifer.

Nur um eines klarzustellen: Ich halte Son mit seinen gerade mal 20 Lenzen für ein riesengroßes Talent. Allerdings ist das HSV-Spiel derzeit eher auf Lauffreudigkeit der zwei Spitzen ausgelegt. Und daran muss sich auch Son halten. Also komplett anders, als er es in Wolfsburg versucht hat. „Wir wollen früh Druck machen“, sagt Fink, „und das beginnt defensiv schon ganz vorn.“ Soll heißen: Wenn der Gegner den Ball hat, sind die beiden Angreifer sind die ersten Verteidiger. Eine Disziplin, die nur die allerwenigsten Angreifer mögen…

Allerdings ist diese Taktik, wenn sie denn auf dem Platz so umgesetzt wird, äußerst effektiv. Insbesondere gegen verunsicherte Mannschaften wie den VfL – und ziemlich sicher auch die TSG aus Hoffenheim, die gerade heute (leider!) ihren Trainer Markus Babbel entlassen hat (ich würde wetten, dass Felix Magath sehr bald in Hoffenheim Thema wird…) Sollte der HSV die ersten Minuten wieder ähnlich stark beginnen wie gegen Schalke und Wolfsburg und dazu noch die sich jeweils gebotene Chance zum 2:0 nutzen dürfte es den nächsten Dreier in der Imtech-Arena zu feiern geben. Wenn Son den Beister macht.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr