Archiv für das Tag 'Aytekin'

Fink und die Sehnsucht nach Training . . .

27. Juni 2013

„Der Trainer wartet sehnsüchtig auf den HSV-Start.“ So lautete heute der Untertitel zur Geschichte um Thorsten Fink in der Bild. Als ich das las, dachte ich spontan an zwei Dinge. Erstens geht es mir ja wie Fink, ich erwarte dem Start noch etwas sehnsüchtiger, bin ich der Meinung, denn meine Finger sind schon total wund – vom Sommerpausen-Saugen. Und zweitens könnte dem Mann ja sofort geholfen werden, denn ich glaube ja nicht, dass Vereins-Boss Carl-Edgar Jarchow den Trainingsauftakt auf den 1. Juli gelegt hat, ich glaube ferner, dass es auch nicht Vorstandsmitglied Joachim Hilke war, und erst recht nicht, dass das noch Frank Arnesen angeordnet hatte. Dafür ist – wohl – Thorsten Fink selbst zuständig, er hätte seine Sehnsüchte eben nur besser einschätzen müssen . . . Mir reicht es jetzt jedenfalls mit Sommerpause und Sommerloch. Und zwar gewaltig.

Zum Saisonstart am Montag hat Thorsten Fink übrigens meinem Kollegen Florian Heil gesagt: „Die Spieler hatten alle während der Sommerpause einen Trainingsplan bei sich, an den sie sich zu halten hatten – und dann bin ich der Meinung, dass fünf Wochen Vorbereitungszeit ausreichend sind.“ Zumal die Nationalspieler des HSV ohnehin am kommenden Montag noch nicht am Training teilnehmen werden, sie steigen erst im Trainingslager im Zillertal wieder ein. Fink rechnet am Montag mit 14 Spielern, die sich dann um zehn Uhr erstmals über den Rasen im Volkspark bewegen werden.

In Sachen Neuzugängen ist heute ausnahmsweise mal nichts passiert, es bleibt dabei, das bislang mit zwei Spielern, Jacques Zoua und Johan Djourou, Einigung erzielt worden ist. Das Warten auf Roque Santa Cruz dauert an, ebenso ist die Frage offen, ob auch Lasse Sobiech noch kommen wird. Kämen sie noch, dann ist der HSV für die kommende Spielzeit bestens gerüstet – davon bin ich jedenfalls überzeugt. Wenn dann auch noch die „Ladenhüter“ verkauft werden könnten, wäre ich absolut zufrieden. Das wird noch das Meisterstück für Sportchef Oliver Kreuzer.

Ein „Ehemaliger“ hat heute (s)einen neuen Club gefunden. Der SID meldete:
Der niederländische Nationalspieler Jeffrey Bruma (21) wechselt nach zwei Jahren beim HSV zur PSV Eindhoven. Der Innenverteidiger, der zuletzt vom FC Chelsea an den HSV ausgeliehen war, unterschrieb beim niederländischen Vize-Meister und früheren Europapokalsieger für vier Jahre. Zur Ablösesumme an Chelsea, das sich eine Rückkauf-Option für Bruma sicherte, machten die Niederländer keine Angabe. Der HSV, für den Bruma 39 Ligaspiele (drei Tore) bestritt, hatte von einer Weiterverpflichtung abgesehen.

Ich wünsche Bruma mehr (und viel) Glück, er hätte in Hamburg ein Großer werden können, aber er fand nie die richtige Einstellung zu Hamburg und dem HSV. Schade. Aber vielleicht macht er es ja in seiner Heimat nun besser. ER könnte eigentlich alles, nur müsste dazu dann auch der Kopf mitmachen.

Oliver Kreuzer hat sich heute auch mit den Beratern von Marcus Berg getroffen. Nach dem Gespräch waren sich alle drei Herren einig, dass es besser für den Schweden ist, wenn er in der kommenden Saison für einen neuen Arbeitgeber kickt. Aus Hamburger Sicht aber war das ja auch schon lange klar . . . Suchet, dann werdet ihr finden. Einen neuen Club.

Im Sport-Informations-Dienst stand heute auch eine Zusammenfassung über den HSV, aus der ich hier nun einen kurzen Ausschnitt hineinstellen werden:

Die Zeit der hanseatischen Zurückhaltung ist vorbei, der Hamburger SV schaltet in den Angriffsmodus. Wenige Tage vor dem Trainingsstart bläst der HSV zur Attacke auf die internationalen Plätze und gibt auf dem Transfermarkt Gas. Durch die Einigung mit Arsenal-Verteidiger Johan Djourou hat Sportdirektor Oliver Kreuzer nur 16 Tage nach seinem Amtsantritt eine erste Duftmarke gesetzt. Nach tagelangem Tauziehen mit dem Nordrivalen Hannover 96 verständigten sich Kreuzer und der Schweizer Nationalspieler auf einen Wechsel. „Ich bin mir der Sache sicher“, sagte Kreuzer und bezeichnete den gebürtigen Ivorer als „große Lösung für die Abwehr“. Der 26 Jahre alte Djourou kommt zunächst für ein Jahr auf Leihbasis, danach soll der HSV eine Kaufoption erhalten. Der Medizincheck ist für Montag, den offiziellen Start in die Saisonvorbereitung, vorgesehen. Djourou ist nach Stürmer Jacques Zoua (21/vom FC Basel) die zweite Neuverpflichtung Kreuzers in dieser Woche. Unaufgeregt und ohne viel Tamtam fädelte der 47 Jahre alte ehemalige Bayern-Profi seine ersten Deals ein. In den kommenden Tagen sollen Einigungen mit den beiden verbliebenen Wunschkandidaten Roque Santa Cruz (31/Manchester City) und Lasse Sobiech (22/Borussia Dortmund) folgen.

Über Djourou habe ich heute, im Laufe des Tages, einige Gespräch mit Kollegen (von auswärts) und Experten geführt, ihn loben alle. Er soll sowohl in der Defensive als auch in der Spieleröffnung gut sein. Letzterer Punkt ist ja für den HSV nicht ganz unwichtig, denn daran hat es ja oft genug gehapert. Ich lasse mich überraschen.

So, das war es in groben Zügen an HSV-Neuigkeiten am 27. Juni 2013. Ich möchte aber noch einmal auf das Thema Dauerkarten eingehen. Dazu rief mich vorhin der „Matz-abber“ „Friedrich Hebbel“ an, der um eine Klarstellung bat. Er hatte Schwierigkeiten mit seiner Dauerkarten (als Behinderter), die ihm entzogen worden war. Dazu sagt FH: „Ich war zu wenig da, deswegen war sie mir entzogen worden, das habe ich aber geklärt, das war ein Missverständnis – nun habe ich die Dauerkarte wieder, alles ist gut. Und ich gelobe Besserung.“ Es war, so unser User, kein Fehler vom HSV-Ticketing, es hat sich alles aufgeklärt. Und deswegen sollte nun auch hier kein anderer „Matz-abber“ mehr über den HSV und die Ticketing-Abteilung klagen, schimpfen oder meckern. Wie „Friedrich Hebbel“ schon sagte: „Alles ist gut.“

Zum Thema Dauerkarte habe ich heute noch etliche Mails und Anrufe erhalten. Da wurde schon viel Dampf abgelassen. Ich möchte, stellvertretend für die, die sich bei mir gemeldet haben, noch einen weiteren „Matz-abber“ zu Wort kommen lassen – auch anonym, weil ich ihn schützen will. Ich weiß aber, wer dieser HSV-Fan ist:

Hallo Dieter,
ich bin einer derjenigen, der Stein und Bein geschworen hat, sich kein weiteres Jahr eine Dauerkarte zuzulegen. Primär aus sportlichen Gründen, sekundär aber auch aus beruflichen und familiären.

Ich bin der gleichen Meinung wie dein Interviewgast im heutigen Blog. Seit Jahren muss man sich beim HSV lustlosen, charakter- und ideenlosen Fußball ansehen. Spätestens seit den ersten Spielen nach Bruna Labbadia. Irgendwann ist das Maß voll und man muss seine Konsequenzen ziehen. Zumal es keinen Grund gibt, weshalb die kommende Spielzeit besser werden sollte als die alte. Der HSV hat kein Geld und immer noch verderben viele Köche den Brei. Im Team befindet sich derzeit auch kein Spieler, mit dem ich mich identifizieren könnte (abgesehen von Rene Adler), wo ich sage: Geiler Typ!

Seit Jahren kann ich unsere Transferpolitik nicht nachvollziehen. Wieso man nie einen Blick auf die Spieler der Bundesliga- und Zweitligakonkurrenz wirft. Man könnte meinen, neue Spieler würden nach den Kriterien „Bekanntheitsgrad”, „hohe Ablöse” und „hohes Gehalt” verpflichtet werden. Es wird kein junger (deutscher) Spieler aus dem Hut gezaubert. Doch gerade diese Spielertypen braucht der HSV: Fußballer, die sich freuen, wenn der HSV anklopft und sich für den Verein zerreißen. Stattdessen werden bereits satte Profis geholt. Bruma ist ein gutes Beispiel, von mir von Beginn an kritisiert. Der kam nach Hamburg und meinte, er sei der Größte, weil er bereits bei der Reserve vom großen Chelsea F.C. kickte. Für mich fast Elia II.
Wie kann es nur sein, dass der aufmerksame Fan die Nieten einer Mannschaft frühzeitig ausmacht, aber die Vereinsführung blind auf den Augen zu sein scheint? Ich könnte viele Beispiele mehr nennen.

Zurück zur Dauerkarte: Wieso habe ich nun doch auf den letzten Drücker (zum Entsetzen meiner Frau) verlängert?
Nicht, weil ich denke, dass der HSV eine großartige Saison spielen wird, sondern weil ich HSV-Fan bin, die Besuche der Spiele zur Gewohnheit geworden sind und ich meinen angestammten Platz nicht verlieren wollte. Zur Not kann man die DK ja auch eine Saison „verpachten”. Natürlich hat man auch insgeheim die Angst, etwas zu verpassen. Die neuerliche Dauerkarte hat mir jedenfalls daheim schon richtig viel Stunk und Enttäuschung seitens meiner Frau eingebracht. Das erste Spiel gegen Hoffenheim geht schon flöten, da unser Sohn an dem Wochenende getauft werden wird (sein 2. Name ist im übrigen Joris – nach Mathijsen benannt). Mir tut es, im Gegensatz zu früheren Jahren, nicht mal leid, dass ich dem Spiel nicht beiwohnen werde. So weit ist es bereits gekommen.

Realistisch gesehen, wird es der HSV mit dem Abstieg zu tun bekommen in der kommenden Saison. Unteres Tabellendrittel. Hoffnung macht mir unser neuer Sportdirektor, der seine Sache bislang gut macht. Kreuzer war die richtige Wahl, insbesondere weil er sich in den deutschen Ligen auskennt und es gewohnt ist, kleinere „Transferbrötchen” zu backen. Der HSV wird meiner Meinung nach noch Jahre (oder gehöriges Glück) gebrauchen, um sich zu konsolidieren.

Viele Grüße aus . . .

Dann möchte ich mich noch kurz zum Confed Cup (heute Spanien gegen Italien!) äußern. Gestern das Halbfinale zwischen Brasilien und Uruguay (2:1). Dazu gab es von dr DPA heute eine ganz besondere Meldung:

Dafür würden Millionen Mädchen alles geben. Ein Kuss von Neymar und sei er auch nur angedeutet als Luftkuss mit der Hand. Uruguays Ávaro Gonzáles wurde dieses Glück zuteil. Doch der Mittelfeldmann schimpfte wie ein Rohrspatz. Als er raus musste, schickte Neymar ihm die ironisch gemeinte Liebesbekundung hinterher – und guckte nicht wie ein Gentleman. Der Jungstar kann auch anders.

Das sehe ich auch so. Mir geht der junge Mann schon ein wenig auf den Geist. Ein kleiner – oder großer – Schauspieler wächst da heran. Der macht aus jeder Feind-Berührung einen Film. Von Lionel Messi, das muss ich einmal sagen, habe ich solche Sachen nie gesehen. Nie. Da liegen Welten zwischen diesen beiden Stars. Ich denke, dass Neymar in Spanien richtig schön auf die Socken bekommen wird, weil eine solche Art bei keinem Fußballer gern gesehen ist. Entweder ändert er sich dann, oder er bekommt richtig auf die Stöcker. Und dann wird er hoch springen üben und lernen müssen, um weiterhin spielen zu können.

Gegen Uruguay bekam Neymar, das muss ich ihm mal zugestehen, schon reichlich. Er überstand es unverletzt. Glück gehabt. Wobei ich zweierlei zu diesem Spiel anmerken möchte. Erstens fand ich den chilenischen Schiedsrichter Enrique Osses sehr gut. Er erkannte bösartige Dinger, hatte aber ansonsten auch eine großzügige Art, das Spiel laufen zu lassen. Und ich dachte so bei mir, weil die Jungs aus Chile (die Spieler) ja auch stets und ständig mit haken und Ösen und allerlei Dingen spielen, die nicht so richtig zum Fußball gehören: „Mensch, dieser Osses weiß genau, wie Fußball geht, der durchschaut alles – es geht doch.“ Dabei habe ich so an früher gedacht habe, wenn solche Exoten die deutschen WM-Spiele gepfiffen haben, dann hatte ich immer das Gefühl, dass diese Jungs einen etwas anders gearteten Fußball bevorzugen . . .“ Ein bisschen Rugby, ein bisschen Kick-Boxen, ein bisschen Catchen mit Ball. Dieser Osses weiß aber, was im Fußball erlaubt ist – und was nicht. Das macht mir Hoffnung.

Und darüber schreibe ich nicht unbegründet – über die Hoffnung. Denn Brasilien – Uruguay, da ging es ganz schön zur Sache. Beide Teams waren da nicht zimperlich, es wurde ganz schön getreten und ausgeteilt. Und ich dachte so bei mir an das nächste Jahr. Hoffentlich verkraftet die deutsche Nationalmannschaft diesen einen Schuss mehr an Härte. Da bin ich mir wirklich nicht sicher. Irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass Deutschland kaum noch so richtig hart, gelegentlich ja auch unfair, zur Sache geht, da wird doch viel mehr Wert auf Fußball spielen gelegt. Ob das sich bei der WM 2014 durchsetzen wird? Ich habe meine Zweifel, ganz ehrlich. Was vielleicht auch daran liegt, dass die deutschen Schiedsrichter dazu angehalten werden, kleinlich und kleinlicher zu pfeifen. Hier wird ja alles geahndet, was nicht ganz sauber aussieht. Ein Bundesliga-Schiedsrichter hätte bei Brasilien – Uruguay so richtig schön Schwierigkeiten bekommen, auch davon bin ich restlos überzeugt. Leider.

Und wo ich gerade bei Schiedsrichter(ei) bin. Die DPA hat heute über die Bundesliga-Unparteiischen berichtet, und ich stelle den Bericht hier nun rein. Nicht deswegen, weil mir noch etwas an Länge fehlt, sondern deshalb, weil mir erstens die Schiedsrichterei am Herzen liegt, und weil zweitens wohl kaum einen Zeitung etwas von diesem „trockenen“ Thema Notiz nimmt, schon gar nicht in dieser Länge. Ich bin aber der Meinung, dass es sehr gut tut, so etwas mal zu erfahren, dann kann mal mitreden, wenn im Freundes-Kreis mal ein wenig heftiger diskutiert wird.
Und es muss auch nicht von jemandem gelesen werden, der mit Schiedsrichtern so gar nichts anfangen kann. Wer aber will, dann bitte:

Mit großer Gelassenheit blickt die deutsche Schiedsrichter-Spitze auf die Modifizierung der Abseitsregel, die von der kommenden Saison an auch in der Bundesliga gilt. „Das trägt zur Klarheit bei. Es ändern sich nur Nuancen, im Grundsatz bleibt alles gleich“, sagte Herbert Fandel, Chef der DFB-Schiedsrichterkommission. „Der mediale Wirbel war völlig unnötig“, konstatierte Fandel am Donnerstag zum Start des alljährlichen Vorbereitungslehrgangs, zu dem sich die Bundesliga- und Zweitligaschiedsrichter noch bis zum Sonntag im oberbayerischen Grassau treffen – direkt am malerischen Chiemsee.

Mit der Regelanpassung will der Fußball-Weltverband Fifa künftig verhindern, dass ein am Angriff unbeteiligter Stürmer einen Vorteil aus einer unglücklichen Abwehraktion des Gegners ziehen kann. In Zukunft sollen die Referees nämlich auch dann abpfeifen, wenn ein näher zum Tor postierter Stürmer durch eine kontrollierte Abwehraktion des Gegners in Ballbesitz gelangt. Bisher galt dies als passives Abseits, was dem Angreifer einen Torschuss erlaubte. Dieser Fall ist künftig nur noch dann gegeben, wenn sich der Abwehrspieler klar im Aufbauspiel befindet und ihm dabei ein Fehlpass unterläuft.

Neben dem klassischen Leistungstest (ein Lauf über zwölf Runden) im Saisonvorfeld und Athletikübungen hat der Deutsche Fußball-Bund für seine besten Referees deshalb jetzt verstärkt Videotrainings angeordnet. „Kurz und bündig“ werde das Thema abgehandelt, sagte Fandel – großen Umschulungsbedarf seiner Mannen erkennt er nicht.

Fifa-Schiedsrichter Deniz Aytekin sprach von einer „klareren Definierung“, die Regelanpassung werde „keine größere Herausforderung für uns darstellen“. Hellmut Krug, Schiedsrichter-Funktionär bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), sieht einzig die Assistenten an den Seitenlinien vor etwas Zusatzarbeit. „Sie müssen ganz genau drauf achten, ob ein (abwehrender) Spieler zum Ball gehen will oder eben nicht; ob es eine eigenständige und bewusste Aktion ist.“

Mit Ausnahme der Abseitsfragen wird sich im Schiedsrichterbereich zur neuen Saison wenig ändern. Angedacht sei, bald jedem Referee auch einen persönlichen Coach zur Seite zu stellen, kündigte Krug an; schon jetzt sei pingelige Fehleranalyse wichtig: „Die Spiele werden in einer Form akribisch aufgearbeitet, wie das sicher kein Trainer mit seiner Mannschaft macht“, betonte er. Wie in der Vorsaison werden dieselben 22 Referees auch kommende Saison in der Bundesliga pfeifen, kündigte Fandel an. „Wir sind momentan der Meinung, dass das die richtige Zahl ist. Wir bleiben bei 22“, betonte er. Womit auch klar ist, dass die talentierte Bibiana Steinhaus mindestens ein weiteres Jahr auf eine mögliche Nominierung für die Beletage warten muss.

„Jeder Schiedsrichter in der 2. Liga hat eine Perspektive bei uns“, sagte Fandel. Entscheidend – auch bei Steinhaus – sei für die Zukunft „nicht die Tatsache, dass sie eine Frau ist, sondern allein die Leistung“, urteilte der 49-Jährige. Zu Steinhaus’ internen Beurteilungen wollte er sich öffentlich gleichwohl nicht äußern.

Dafür darf sich auch die einzige Schiedsrichterin im deutschen Profifußball zur kommenden Saison auf mehr Geld freuen. Der erst 2012 eingeführte Grundbetrag wird von Juli an aufgestockt, wie der DFB schon im Mai bekannt gegeben hatte. „Das war ein wichtiger Schritt“, urteilte Fifa-Schiedsrichter Deniz Aytekin. Spitzenmänner wie der Bayer erhalten künftig einen festen Betrag von 60 000 statt bislang 40 000 Euro pro Saison, für all seine Erst- und Zweitligakollegen steigt das Fixgehalt ebenfalls „moderat“, wie Fandel kommentierte.

So, das zum Thema Schiedsrichter, aber zwei habe ich noch.

Erstens dieses Zitat, was ich ganz lustig fand:

„Peter bringt viel Erfahrung mit und hat sehr erfolgreich gearbeitet. Mir würde reichen, wenn wir mit ihm das Double holen.“
Hat Schalkes Cheftrainer Jens Keller schmunzelnd zur künftigen Zusammenarbeit mit Peter Hermann gesagt, der als Cotrainer von Jupp Heynckes in der Vorsaison mit Bayern München das Triple gewann.

Gestolpert bin ich über den Namen Hermann auch deswegen, weil er ja auch einst, und zwar im Jahre 1973, zwei Bundesliga-Spiele für den HSV bestritt. Das wusste ich zwar, aber was ich erst in der vergangenen Woche erfuhr – und zwar vom ehemaligen Assistenten des HSV-Präsidiums, Dieter Roth – war dies: Hermann verließ den HSV und schloss sich wieder seinem Heimat-Verein TuS Neuendorf an, weil er Heimweh hatte. Roth sagte: „Ich habe mich lange um ihn gekümmert, ich wollte ihn zum Bleiben überreden, aber das Heimweh war stärker . . .“ Ja, so etwas gab es früher auch mal. Heute doch undenkbar, oder?

Und dann noch dies. Der „Matz-abber“ Frank Schmidt aus dem Süden der Republik schcikte mir folgende Mail:

Hallo Dieter Matz,
dieses aktuelle Fundstück muss ich Dir schicken. Es ist ein Screenshot des Apple-eigenen Kartendienstes, wenn an als Suchadresse „Hamburg Sylvesterallee 7″ eingibt.

Ihr könnt da mal reinklicken – vielleicht wissen die Apple-Herren ja schon etwas mehr . . .

Und einen habe ich dann doch noch: “Scholle”, unser “Matz-ab-Scholle”, hat auf dem Trainermarkt zugeschlagen. Als Manager des Oberliga-Vereins TSV Niendorf hat “Scholle” den ehemaligen HSV- (und Bayern-) Profi Vahid Hashemian als neuen Liga-Coach verpflichtet, der “Hubscharuber” ersetzt Frank Hüllmann, der um eine Auszeit gebeten hat. Na dann “Scholle”, einen schönen Höhenflug mit Vahid und dem TSV.

17.28 Uhr

Völlig von der Rolle

31. Oktober 2009

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wirklich nicht. Vielleicht liegt das an der ersten Bundesliganiederlage in dieser Saison. Vielleicht liegt es aber noch mehr an der Art und Weise, wie dieses 2:3 gegen Mönchengladbach zustande gekommen ist. Das war ein echter Rückschlag im Kampf um die Spitzenpositionen in der Liga. Das war aber auch ein selbst verschuldetes Erlebnis der verzichtbaren Sorte, über das es noch sehr, sehr viel zu reden geben wird. Auch intern, wie ich denke. Dazu später mehr.

Eigentlich hatte das Spiel gegen die Borussen doch recht verheißungsvoll begonnen. Obwohl das Hamburger Offensivspiel nicht überragend flüssig lief, ging Bruno Labbadias Mannschaft nach 13 Minuten in Führung. Wie im Training flankte Dennis Aogo von links, den hohen Ball köpfte Marcus Berg von der Strafraumgrenze zu Jonathan Pitroipa, und der Mann mit der Rückennummer 21 legte gezielt auf Piotr Trochowski zurück, der gnadenlos aus 14 Metern ins kurze Eck zielte und traf.

Ich muss gestehen, dass ich diesen Treffer als eine Art Weckruf verstanden hatte. Denn bis zu diesem Tor hatte ich beim Spiel des HSV immer das leichte Gefühl einer etwas zu lässigen Art. Da wurden ein paar Bälle leichtfertig vergeben, immer mal wieder ein Laufweg oder Zweikampf nicht mit letzter Konsequenz durchgesetzt. Von Harmonie war da wenig zu sehen, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen passten nicht. Dass Labbadia schon nach zwei Minuten Berg ein Zeichen gab, er solle die Bälle doch erst einmal sichern und nicht voreilige Direktpässe in den Raum versuchen, passte ins Bild. Irgendwie passte nichts so richtig.

Dass es neben der Führung auch positive Aspekte gab, ist klar. Bester Mann der ersten Hälfte beim HSV war für mich Jonathan Pitroipa. Beweglich, immer anspielbar und in gewohnter Art und Weise unberechenbar wuselte er über den Rasen. „Piet“ ließ sich auch hier und da ins Mittelfeld fallen, um Räume für seinen Sturmkollegen Marcus Berg zu reißen. Dabei muss man allerdings anmerken, dass Berg mit Ausnahme der ersten zehn Minuten von Gladbachs überragendem Innenverteidiger Dante sehr gut an die Kette gelegt wurde und im Strafraum wenige bis keine echten Torchancen verzeichnete.

Gladbach mauerte sich auch nicht wie von vielen befürchtet komplett ein, sondern agierte aus einer kompakten Defensive heraus zielsicher und schnell im Konterspiel, präsentierte sich dabei aus meiner Sicht spielerisch erstaunlich gut und wirkte bestens organisiert. Michael Frontzecks Mannschaft suchte auch aus der Bedrängnis heraus immer wieder passgenaue Lösungen. Nur der „letzte Pass“ fehlte den Borussen bei ihren meist rasant vorgetragenen Kontern, um Frank Rosts ernsthaft zu gefährden. Aus Hamburger Sicht muss ich allerdings auch anmerken, dass die Borussen-Profis viel zu viele Freiräume hatten. Wie oft ich es in Hälfte eins und zwei gesehen habe, dass ein Gladbacher Offensivspieler zwischen HSV-Abwehr und defensivem Mittelfeld einen Ball annehmen und sich weitgehend unbedrängt in Richtung Tor drehen konnte, konnte ich am Ende gar nicht mehr zählen. Da hat erstmals in dieser Saison auch die Abstimmung zwischen Abwehrkette und „Sechsern“ (Jarolim, Ze Roberto) nicht funktioniert.

Apropos Jarolim. Der Kapitän konnte in seinem 250. Bundesligaspiel froh sein, dass er vom insgesamt schwachen Schiedsrichter Dennis Aytekin nach 37 Minuten nicht vom Platz gestellt wurde. Als er nach einem armbetonten Zweikampf gegen Levels als letzter HSV-Mann (bei einem Gladbacher Konter natürlich) zu Boden ging und einen Freistoß zugesprochen bekam, stürmten die Borussen verständlicherweise erbost auf den Schiedsrichter zu und protestierten. Jarolim hätte das Laufduell gegen Levels möglicherweise verloren und hatte den Gladbacher mit einem hohen Arm gegen dessen Hals gestoppt – das hätte auch als Notbremse interpretiert werden können.
Es war aber auch wieder ein Zeichen für Hamburger Fehlorganisation. Die Strafe folgte auf dem Fuße. Schneller Konter von Gladbach über drei, vier Stationen, dann ein langer Pass auf den sehr agilen Marco Reus, der Rost keine Chance ließ – das 1:1 (39.). Anschließend faltete Joris Mathijsen Dennis Aogo dermaßen zusammen, dass er mit seinen entgleisenden Gesichtszügen bei jedem Halloween-Rummeln mit Süßigkeiten wahrscheinlich überhäuft worden wäre. Aogos Abwehrverhalten in dieser Szene war aber auch gruselig. Anstatt Tempo mit dem Gladbacher aufzunehmen, reduzierte sich Aogo auf staunend zuschauendes Begleitjogging – und versuchte anschließend auch noch eine Entschuldigung zu finden. Nach dem Motto: Ja, aber…

Hälfte zwei begann wieder mit einer positiven Überraschung. Ze Robertos Freistoßtor (48.) versöhnte für viele Defizite des bisherigen Spielverlaufs, aber eine wirklich deutlich erkennbare Besserung im Gesamtauftritt war auch nach diesem Tor nicht auszumachen. Piotr Trochowski (der zu meiner Überraschung den Vorzug vor Marcell Jansen in der Startelf bekommen hatte) trat kaum in Erscheinung, Berg war weiter abgemeldet, und vom Rest kam auch nicht viel.

Eljero Elia, von dem ich ja eigentlich große Dinge und viele Impulse erwartet hatte, war zwar oft in Aktion, aber im Gegensatz zu Pitroipa traf er fast immer im letzten Schritt die falsche Entscheidung, spielte einen Fehlpass, wurde geblockt oder verhaspelte sich. Gelegentlich fand ich seine Vorstöße mit Ball am Fuß auch zu umständlich, wobei er die meisten seiner Ballverluste durch seine extreme Laufstärke und auch sehr viele Wege zurück in die eigene Hälfte wenigstens ausglich. Von einer möglichen Bestform war er aber meilenweit entfernt.

Arangos Kopfball aufs Tornetz (62.) deutete schon an, wie die Gladbacher die HSV-Defensive aus den Angeln heben wollten: mit hohen Bällen. Zwar hätte Schiedsrichter Aytekin nach Bradleys Foul an Pitroipa einen Elfmeter geben müssen (74.), doch er pfiff eben nicht – und auf der gegenüberliegenden Seite nutzte Dante die Hamburger Schlafmützigkeit nach einem schnell ausgeführten Gladbacher Eckball und köpfte, nein: wuchtete den Ball aus kurzer Distanz zum Ausgleich ins Netz.

Zu diesem Zeitpunkt humpelte der in dieser Szene ebenfalls beteiligte Jerome Boateng bereits seit knapp 20 Minuten (nach einem unglücklichen Arango-Foul) über das Feld. Die Diskussion des morgigen Tages ist doch klar: Ist Trainer Labbadia ein unnötiges Sicherheitsrisiko eingegangen, weil er den Nationalspieler nicht vom Platz genommen hat? Ich persönlich bin da geteilter Meinung: Einerseits war schon fünf Minuten nach Boatengs Verletzung deutlich erkennbar, dass der Innenverteidiger in seinem Wirken gehemmt war, dass er unrund lief und sein Verhaltensmuster auf dem Rasen veränderte (er nahm fast eine Libero-Rolle ein und mied harte Zweikämpfe mit Tempo). Demnach hätte Labbadia eingreifen müssen, den ebenfalls enttäuschenden (weil schwächelnden) Guy Demel in die Mitte und einen anderen Akteur (Rincon?) nach rechts hinten beordern müssen. Andererseits können Trainer und auch Mannschaftsärzte nicht in die Spieler hineingucken, jedenfalls nicht während des Spiels. Und da gilt ein ungeschriebenes Gesetz zwischen Trainern aller Spielklassen und Aktiven: Geht es körperlich nicht mehr, müssen Spieler ein entsprechendes Zeichen geben, und dann folgt der Wechsel. Sind es „nur“ Schmerzen, die das Spiel erschweren, kann auch mal auf die Zähne gebissen werden.

Bei Boateng klappte die Einschätzung aller Beteiligten offensichtlich nicht. Und darüber werden sie intern bestimmt noch mehrfach reden. Symptomatisch war Boatengs folgender Rückpass auf Frank Rost, der zur Direktvorlage für Gladbach wurde, aber noch unbestraft blieb (78.). Die komplette Hamburger Hintermannschaft wirkte aufgescheucht, total verunsichert. Und Gladbach nutzte das eiskalt. Arangos traumhaftes Zuspiel nutzte der eingewechselte Rob Friend vor dem herangrätschenden Mathijsen zum 3:2-Siegtor (82.). Ob Frank Rost den Ball hätte halten können, kann ich beim besten Willen selbst nach zwei Zeitlupen nicht sagen. Es sah fast so aus, als habe ihn die Rollrichtung des Balles total überrascht.

Letztlich ist es auch egal, denn diese angesichts des Spielverlaufs nicht unverdiente Niederlage ist das Produkt vieler Fehlerketten, Defizite und Nachlässigkeiten. Ich möchte jetzt keine Grundsatz- oder Pauschalkritiken und –Urteile fällen, denn das ist angesichts des bisherigen Saisonverlaufs nicht angebracht. Ich bewerte dieses 2:3 als gehörigen Schuss vor den Bug. Als neuerliche Warnung, dass nur ein HSV mit 100 Prozent Leistungsfähigkeit, -Bereitschaft und Kampfkraft in der Lage sein wird, sich auf Dauer ganz oben unter den Top drei oder Top fünf der Bundesliga zu behaupten. Jetzt kommt es darauf an, welche Schlüsse die Spieler und Trainer aus diesem Spiel ziehen. Und vor allem, wie das Team psychisch damit umgeht.

Ach ja, einen Hamburger Gewinner gibt es heute doch noch: Wicht hat sich das van-der-Vaart-Trikot als 5000. Kommentarschreiber gesichert. Herzlichen Glückwunsch. Mein Kollege Christian Pletz wird sich bei Dir melden.

19:04 Uhr