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HSV macht EM-Pause – Kontrolleure beraten über Adler-Transfer

7. Mai 2012

Da wird er heute sicher den einen oder anderen Drink mehr zu sich nehmen. Zum einen aus Frust über die Nichtnominierung von Bundestrainer Joachim Löw, zum anderen auch, weil er ab heute (Quasi-)Urlaub hat. Die Testkicks beim SV Drochtersen/Assel (Freitag), den gegen Stuttgart (Sonntag) und beim Lüneburger SK (15. Mai) mal ausgenommen. Aber zumindest muss er sich nicht mehr auf ein Endturnier vorbereiten. Für das er topfit sein muss. Statt seiner reist der 24-jährige Marcel Schmelzer mit in die Ukraine und Polen. Eine Entscheidung, von der Aogo heute nicht überrascht wurde – er hatte sie bereits gestern vom Bundestrainer persönlich via Telefon mitgeteilt bekommen.

Es sei eine Entscheidung für Schmelzer gewesen umging Löw heute bei der offiziellen Pressekonferenz eine Antwort auf die Frage, warum er sich nicht für Aogo entscheiden habe. Wobei sich die Antwort vergleichsweise leicht herbeiführen lässt. Immerhin ist Schmelzer mit ziemlich konstant guten Leistungen mit seiner Mannschaft Deutscher Meister geworden, während Aogo sich zwar nach eigener und des Trainers Aussage in einer schwierigen Phase super entwickelt habe. Allerdings scheint Löw auf das Selbstvertrauen eines Siegers mehr Wert zu legen, als auf Aogo, der sich heute am Telefon nicht weiter dazu äußern wollte. Bei Sonne und 21 Grad im Schatten auch verständlich. Ich hätte da auch eine ganze Reihe Ideen, was schöner wäre, als über Fußball zu reden…

Wobei Aogo nicht allein ist. Weder auf Malle noch mit seinem Schicksal innerhalb des HSV. Der Bundesliga-Dino macht EM-Pause. Denn neben Aogo spielen auch Marcell Jansen und Heiko Westermann in Löws Planungen keine Rolle. Zudem muss Jeffrey Bruma, vor der Saison noch als DAS Abwehrtalent der Niederlande gerühmt, eine Nichtnominierung seines Bondscoaches Bert van Marwijk verkraften. Und so wenig überraschend das für mich kommt, ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Bruma nicht annähernd so klar war, er trotz seiner insgesamt sicher enttäuschenden Saison bis zuletzt Hoffnungen hatte.

Dennoch bin ich weit davon entfernt, jetzt an dieser Stelle noch mal draufzuhauen und hier Gründe aufzuzählen, weshalb die Entscheidungen so richtig sind. Es ist für einen jungen Sportler mit Sicherheit – egal wie schlecht die vorangegangene Saison auch gelaufen ist – ein mächtig harter Schlag, wenn man letztlich erfährt, nicht dabei zu sein, nachdem jeder bis zur letzten Sekunde gehofft haben dürfte. Dafür ist eine EM einfach ein viel zu großes Ziel, da ist ein Spieler nicht nur realistisch, da darf auch meiner Meinung nach geträumt werden.

Vom HSV – zumindest ziemlich – sicher dabei ist bislang nur Jaroslav Drobny als Ersatzkeeper der Tschechen. Ansonsten könnte noch Marcus Berg auf seinen schwedischen Nationaltrainer hoffen. Ebenso Ivo Ilicevic und Mladen Petric auf Kroatiens Chefcoach Slaven Bilic. Wobei den beiden Kroaten kaum bis keine Chancen zugestanden werden.

Zwei Spieler hätte der HSV somit bei der EM – wenn überhaupt. Mehr werden es voraussichtlich nicht. In diesem Bereich nähert sich der HSV längst überwundenen Zeiten wieder an. 2004 war auch so Turnier. Damals endete es für die Deutschen bereits in der Vorrunde. Gleiches passierte 2000, als zumindest Hans-Jörg Butt bei den Deutschen als dritter Keeper dabei war. Damals war ich auch dabei – als Fan reiste ich mit meinem Vater zum letzten Vorrundenspiel gegen Portugal nach Rotterdam. Das 0:3 war einer der schwärzesten Momente meiner Fußballerzeit als Fan. Ich war unfassbar sauer über den völlig blutleeren Auftritt der DFB-Elf. Meine einzig nette Erinnerung: Nachdem die Deutschen von ihren Fans ausgepfiffen worden waren, marschierten sie teilweise lächelnd in die Kabine – was mich noch saurer machte. Und auch der Trainerstab war schnell vom Platz. Allerdings, einzig der damalige Cotrainer Horst Hrubesch hockte am Ende noch lange nach Schlusspfiff auf der in den Boden eingelassenen Reservebank der Deutsche. Erst 30 Minuten nach seinen Kollegen stand er auf und ich sah, dass er weinte. Auch er hatte offensichtlich nicht verstehen können, wie man als angeblich so stolzer Nationalspieler seines Landes so leidenschaftslos agieren konnte. Und ich glaube, beim HSV hätte er, der ja wirklich kurzzeitig als Trainer ins Gespräch gebracht worden war, in dieser Saison ähnliches auf Vereinsebene erlebt…

Apropos alte HSVer. Ich hatte die Diskussion, welche Identifikationsfigur dem HSV helfen könnte, hier bei Euch weiterverfolgt. Schon allein, weil ich wissen wollte, welcher Ex-HSVer bei Euch am höchsten gehandelt würde. Dass dabei Dietmar Beiersdorfer häufiger genannt wurde, verwunderte mich nicht. Beiersdorfer hat beim HSV (im Verbund mit Hoffmann) einen sehr guten Job gemacht, er ist – das kann ich bestätigen – mit sehr viel Herzblut dabei gewesen. Und er hat den Verein enger zusammengeführt, weil seine manchmal etwas verhaltene Art dem Image des neunmalklugen, arroganten und Millionen verdienenden HSV-Vorstandes komplett widersprach. Und er hatte Erfolg. Der Name Beiersdorfer wurde beim HSV vor einem Jahr sogar kurz mal ins Gespräch gebracht, aber im Aufsichtsrat umgehend von denen, die auch schon bei dessen Freistellung Kontrolleure waren, abgelehnt. Stattdessen kam bekanntermaßen Frank Arnesen.

Und dem obliegt es jetzt, den HSV nach einem verkorksten Jahr wieder in die Spur zu kriegen. „Einige Neue“ sollen kommen, darunter auch der ewig gesuchte kreative Mittelfeldspieler. Zudem sollen den Verein in den nächsten Wochen noch Spieler mit laufenden Verträgen verlassen – und wie im Fall Robert Tesche auch verlassen wollen. Der Mittelfeldspieler soll in einem Gespräch mit Arnesen erklärt haben, mehr Spielpraxis zu brauchen und deshalb den Verein verlassen zu wollen. Hannover 96 war bereits einmal vor 18 Monaten an Tesche interessiert – aktuell dürften es aber eher andere, weniger international orientierte Vereine (aus eventuelle anderen Ligen) sein.

Egal wie, die nächsten Wochen werden zeigen, wohin es mit dem HSV geht. Sich darauf zu verlassen, dass alle Spielerin der kommenden Saison um eine Serie gereifter und entsprechend besser werden, wäre fahrlässig. Auch, sich den kreativen Spieler aus dem vorhandenen Spielermaterial schnitzen zu wollen. Der HSV hat diese Qualität nicht im Kader. Ein Tolgay Arslan kann das nicht, ebenso wenig wie Ivo Ilicevic, Gökhan Töre, Jacopo Sala oder gar Heung Min Son. Auch von Beister, der am Donnerstag zunächst Düsseldorf in die erste Liga schießen soll, kann man in seiner ersten echten Erstligasaison eine solch tragende Rolle nicht erwarten. Nein, hier gilt es, fleißig zu sein. Oder besser: fleißiger und ideenreicher als die Konkurrenz, wie Arnesen selbst seine Vorgehensweise beim Amtsantritt beschrieb.

Aber okay, wir haben heute den 7. Mai, die Saison ist seit zwei Tagen beendet und die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen. Noch bleibt Zeit. Von daher sind auch einige Forderungen von Euch, Dieter und/oder ich müssten uns klar positionieren, was wir vom HSV halten, verfrüht. Noch muss sich niemand festlegen. Wir können bei Arnesen die erste Saison beurteilen. Bei Trainer Thorsten Fink geht das noch weniger, weil er mit dem vorhandenen Potenzial arbeiten musste, ohne vorher Mitspracherecht bei der Kaderzusammenstellung gehabt zu haben.

Nein, bei aller Skepsis, ich hoffe und glaube auch, dass Arnesen erkannt hat, dass die Bundesliga härter ist und mehr verlangt, als ein paar neue Talente. Es reicht nicht, Chelseas dritte Reihe zu holen, dieser HSV braucht Sofortverstärkungen. Eine unfassbar schwierige Aufgabe, angesichts des schmalen Geldbeutels, der ihm vom verein zur Verfügung gestellt wird. Andererseits muss man auch sagen, dass der HSV 2006 noch einen Mannschaftsetat hatte, der halb so hoch war wie der heutige. Insofern hoffe ich, dass Arnesen die ständige Einflechtung von Talenten mit Führungskräften garniert. Mit der Kategorie René Adler könnte er den ersten Schritt in die richtige Richtung machen. Zumindest beschwören das Adlers Wegbegleiter für den Fall, dass der Keeper gesund bleibt.

Nicht beschworen, dafür aber festlegend geäußert hatte sich Vorstandsboss Carl Jarchow zum Thema Adler. Das hakte bislang an dem Verkauf (Weggang) von Jaroslav Drobny. „Wir werden sicher nicht mit zwei hochklassigen und hoch bezahlten Torhütern in die neue Saison gehen.“ Eine Aussage, die er am Sonntag bestätigte: „Aus meiner Sicht werden wir nicht mit zwei hochbezahlten Torhütern in die neue Saison starten“, so der Vorstandschef im NDR-Sportclub. Allerdings sagte sein Vorstandskollege Arnesen parallel, dass der HSV ein Jahr zuvor auch mit Rost und Drobny gut gefahren sei. Der Däne ist anderer Meinung: „Jaroslav hat einen Vertrag, und er hat gut gehalten. Im vergangenen Jahr hatten wir mit Frank Rost und Drobny auch zwei gestandene Torhüter unter Vertrag. Ich sehe da keinen Unterschied.“

Wer Recht hat? Wessen Strategie gefahren wird? Darüber soll morgen der Aufsichtsrat diskutieren. Beim noch als „informelle Aufsichtsratssitzung“ deklarierten Zusammentreffen soll Arnesen ein Weg aufgezeigt werden, unter welchen Bedingungen er Adler endgültig unterschreiben lassen kann.

In der Hoffnung, dass zumindest dieser Transfer endlich und vernünftig abgeschlossen werden kann,

bis morgen!
Scholle

Oenning erhöht die Schlagzahl: “Wir müssen in Bremen punkten”

6. September 2011

+++++Korrektur vierter Absatz: 360.000 statt 3.600.000+++++

Hier ist es, wie es eigentlich nicht sein sollte. Der HSV steckt im Tabellenkeller und alles, was uns beschäftigt, ist die Frage, ob Bernd Hoffmann korrekt abgerechnet hat oder nicht. Der Sport wird zur Nebensache. Wobei das weder an den einen noch an den anderen ein Vorwurf sein soll und darf, denn wenn der Aufsichtsrat eine Klage gegen seinen ehemaligen Ersten Vorsitzenden vorbereitet, ist das ein massiver Vorgang.

Dabei ist die Frage, woher das Abendblatt davon weiß, mit Sicherheit für einige genauso interessant wie letztlich zweitrangig, oder? Denn klar ist doch, dass neben dem Vorstand, der Kanzlei und dem Aufsichtsrat auch innerhalb des Vereines etliche hochrangige Personen wie der Mediendirektor, der Team-Manager, der Klub-Manager sowie enge Vertraute der jeweils handelnden Personen eingeweiht sind. Von daher macht die Suche nach dem „Maulwurf“ wirklich keinen Sinn. Zumindest wird sie nie erfolgreich sein.

Nein, wie immer wenn Bernd Hoffmann thematisiert wird, gibt es hier Parteien. Von vornherein. Die einen heften dem Ex-Boss die aktuelle Krise allein an, wieder andere verteidigen Hoffmann bis aufs Blut. Auch ich wurde hier schon als Demagoge und Steigbügelhalter (warum von demjenigen bislang keine Antwort auf meine Email kam, weiß ich nicht) betitelt, weil ich Hoffmann kritisiert habe. Und wisst Ihr was? Bis auf den deplatzierten Demagogen-Vergleich finde ich das auch gar nicht schlimm. Fan zu sein bedeutet nun mal zum Glück, nicht alles rational zu durchdenken sondern einfach mal emotional sein zu dürfen. Da darf man schon mal pöbeln, seinem Frust freien Lauf lassen, ohne sich immer vollkommen unter Kontrolle zu haben – aber man sollte anschließend immer wieder zurückfinden und sich (zumal wie hier mit Gleichgesinnten und Freunden/-innen) sachlich mit Dingen auseinandersetzen.

Umso erfreulicher ist zu sehen, dass diesmal auch hier wieder einige versuchen, den Zwischenraum zu bearbeiten und offenzulegen. Und es werden immer mehr. Denn, und damit hangele ich mich nur an dem öffentlich Bekannten längs, es gibt unbestrittene Fakten. Zum einen, dass Urs Siegenthaler Geld bekommen hat und später doch kein Sportchef wurde. Die Frage hierbei ist, inwieweit bestanden Verträge, die derartige Zahlungen rechtfertigen. Und dabei scheint es abweichende Sichtweisen zu geben. Mit einem großen Teil des Aufsichtsrates, der seinem Namen damit gerecht werden möchte sowie dem aktuellen Vorstand auf der einen und Bernd Hoffmann auf der anderen Seite. Das sowie die FischerAppelt-Zahlungen sind nur zwei von mehreren Beweggründen für die Beauftragung einer Kanzlei. Ein Vorgang, der von dem Ergebnis verschiedener, unabhängiger Wirtschaftsprüfer abhing. Und die haben mehrfach, unter anderem auch bei einem großen Posten von immerhin 360000 Euro, in den Akten vermerkt: „Keine Gegenleistung erkennbar“. Und das wird geprüft. Dass sich der Aufsichtsrat damit auf dünnes Eis begibt, muss er wissen. Das weiß er mit Sicherheit auch. Und, da bin ich mir ziemlich sicher: wohl kein Bundesligist würde einer wirklich intensiven Prüfung komplett standhalten.

Die Frage – und genau die gilt es in diesem Fall zu klären, ist nur: hat der jeweils Handelnde dem Verein bewusst geschadet. Dass sich Bernd Hoffmann nach all den in der Summe auch durchaus erfolgreichen Jahren nicht über einen solchen Vorgang freut, kann ich komplett nachvollziehen. Bei ihm muss sich die HSV-Führung entschuldigen, sollte nichts rechtlich Relevantes gefunden und nachgewiesen werden können. Denn solange ihm nichts Gegenteiliges nachgewiesen wird, gilt für ihn – wie für jeden anderen hier im Blog – das Unschuldsprinzip. Die HSV-Führung muss Beweise liefern.

Ebenso wie die Mannschaft (ich weiß, ein stilistisch unschöner Übergang…) in der Bundesliga in der Bringschuld steht. Nach nur einem Punkt aus vier Spielen muss in Bremen gepunktet werden. Und um noch mal beim Vorstand zu bleiben: Ich habe mich heute doch gewundert, als sich Vorstandsboss Jarchow hinstellte und davon sprach, dass dieser HSV mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben würde. In dem Moment, wo der HSV Tabellenletzter ist, halte ich das für vermessen. Letzte Serie hatte auch Werder lange Zeit gesagt, dass sie zwar unzufrieden seien, aber nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Eine Verleugnung, die fast mit dem Abstieg bestraft worden wäre….

Nein, besser ist, man stellt sich der Realität. Wie heute Michael Oenning, der neue Töne anschlägt. „Ich spüre keinen Tabellendruck, sondern den natürlichen Druck, Punkte machen zu müssen. Das spürt auch die Mannschaft. Von uns als Trainerteam gibt’s Druck. Ebenso wie die Mannschaft sich selbst Druck macht. Wir müssen punkten, gerade in einem Derby wie gegen Bremen.“

Das klingt doch mal gut. Endlich mutige, forsche Töne. Auch bwenn Oenning betont, seinen Führungsstil intern nie verändern zu wollen. Endlich geht es weg von dem „so gut wie möglich gegenhalten“ und der Forderung nach mehr Zeit und Geduld. „Wir brauchen keine Zeit mehr, auch keine Geduld. Wir haben spielerisch einen Schritt gemacht gegen Köln, den müssen wir jetzt bestätigen. Die Tabelle spielt dabei eine noch untergeordnete Rolle. Wichtiger ist: Ich weiß genau, woran es liegt. Wir wissen, woran es liegt Die Mannschaft weiß es auch.“ Es seien die vielen Gegentore. Mehr als jedes andere Team in der Bundesliga. Zudem ließ der HSV bislang die meisten Chancen gegen sich zu. Für Oenning Fakten. Aber kein Grund, Trübsal zu blasen. „Trotz dieser Fakten hätten wir beide Heimspiele gewinnen müssen.“

Haben sie aber nicht. Deswegen soll jetzt ein Auswärtssieg, zumal mit der Überdosis Prestige eines Nordderbys, die Stimmung verbessern. Mit einer bereits sicheren Umstellung: Michael Mancienne wird, sofern er gesund bleibt, am Sonnabend in Bremen den noch immer angeschlagenen Dennis Diekmeier als Rechtsverteidiger ersetzen. Wie schon in den Tests bei Bremerhaven und in Luzern. „Michael hat das gezeigt, was ich sehen wollte“, so Oenning zufrieden. „Michael ist der Aufgabe spielerisch und taktisch gewachsen. Er weiß, wie man die Position spielt.“ Zumal der Engländer die Position schon aus der Praxis kennt. „In meiner ersten Profisaison habe ich eine ganze Serie lang rechts hinten gespielt.“ Und obgleich er lieber in der Innenverteidigung spielen würde, freut er sich auf die neue (alte) Aufgabe. „So kann ich auf jeden Fall dabei sein, wenn wir den ersten Hügel endlich überwinden.“

Mit einem Sieg in Bremen. Der allein könnte den HSV für wenigstens eine Woche endlich mal wieder in ruhigere Tabellengefilde führen. Und neue Hoffnungen wecken. Das wäre es doch.

In diesem Sinne, alles wird gut. Hoffentlich.

Bis morgen,

Scholle
(17.55 Uhr)
.
.Kurz notiert

Rückkehr: Tolgay Arslan ist heute wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. „Er macht seine Sache schon wieder ganz gut“, lobt Trainer Michael Oenning seinen Offensivspieler, der seit dem bösen Dejagah-Foul in der Partie gegen den VfL Wolfsburg seit der Vorbereitung ausgefallen ist. Ebenso wie Neuzugang Jacopo Sala, der seit dem Trainingslager auf Sylt Anfang Juli nicht mehr mit der Mannschaft trainieren konnte und seit Dienstag wieder voll mittrainiert.

Rückkehr II: Slobodan Rajkovic steigt erst morgen wieder ins Training ein. Eigentlich sollte der Zugang schon heute dabei sein, allerdings wollte die serbische Nationalmannschaft nicht auf den Innenverteidiger verzichten – obwohl er wegen einer Sperre am heutigen Dienstag sowieso nicht mitspielen durfte.

Rückkehr III: Per Skjelbred ist am Nachmittag wieder ins Training eingestiegen. Der Norweger musste wegen eines Schlages auf den Spann auf das Vormittagstraining verzichten, wird aber gegen Bremen spielen können.

Arnesen sieht Handlungsbedarf – Rajkovic soll kommen

22. August 2011

Frank Arnesen geriet ins Schwitzen. Allerdings weniger, weil er um Antworten verlegen war, als wegen der fehlenden Klimaanlage im 5. Stock der Imtech-Arena, wo der Däne sich zuerst meinen Kollegen vom Fernsehen und anschließend uns Schreiberlingen stellte. Und das sehr ausführlich. Tenor: er würde weiter fest hinter dem Trainer stehen, die Diskussion nicht mitmachen. Die Mannschaft und der Trainer bräuchten Zeit – und die bekämen sie von ihm auch garantiert. Zudem wird binnen der nächsten zehn Tage personell nachgelegt. Und obwohl der Name Slobodan Rajkovic bereits durch alle Medien geisterte, umging Arnesen eine direkte Bestätigung. Er werde erst dann etwas zu einem Spieler sagen, wenn derjenige beim HSV auch unterschrieben habe. Und das ist auch gut so. Denn wie bei Matthias „Ich-habe-den-HSV-verarscht-und-mache-auch-so-weiter“ Sammer gesehen, können selbst bis ins letzte Detail abgeklärte Verträge plötzlich platzen.

Apropos Sammer – den ehemaligen Weltklassefußballer habe ich früher al Nationalspieler geliebt – und bin seit der Geschichte mit dem HSV enttäuscht von ihm. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen habe ich mich bis heute immer wieder gefragt, ob nicht entgegen aller Beteuerungen da der HSV zu naiv war oder gar falsche Dinge kommuniziert hat. Aber seit der Doppelpass-Sendung am Sonntag aber weiß ich, dass Sammer häufiger mal schneller redet als nachdenkt. Denn selbst wenn er damit witzig sein wollte, der Spruch „Mit mir hätte es kein 0:5 gegeben“ war daneben. So weit, dass ich Sammers Intelligenz infrage stellen muss. Es gibt nur ganz wenige Menschen, denen ich derlei Aussagen über den HSV verbieten würde. Aber Sammer ist einer von denen. Gerade er sollte nach seinem Wortbruch lieber ruhig sein und den HSV meiden.

Und wo wir gerade bei Spott sind, über zu wenig davon kann sich der HSV derzeit leider nicht beschweren. Zunächst hatte Hoeneß dem HSV „Hol’s Balli“-Fußball attestiert, jetzt legte Franz Beckenbauer nach. „Man hat die Situation unterschätzt, und die Spieler, die man geholt hat, überschätzt“, so der Kaiser via „Sky 90“. „Bei solchen Stellungsfehlern und Schwächen im Zweikampf: ich weiß nicht, wie das besser werden soll.“ Harter Tobak. Auch für Arnesen, der sich verantwortlich für die Auswahl der Neuen zeichnet. Der allerdings mit Rajkovic gerade diese vom „Kaiser“ angesprochene Schwäche ausbügeln will.

Immerhin gilt der 191 Zentimeter große Serbe als erfahrener Spieler. Rajkovic war zuletzt von Chelsea an den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim ausgeliehen. Er galt bereits in jungen Jahren als Riesentalent. Chelsea holte ihn 2005 als 16-Jährigen für knapp fünf Millionen Euro von OFK Belgrad, für die er bereits 26 Ligaspiele in Serbien absolviert hatte. Anschließend wurde er vom Abramowitsch-Klub an den PSV Eindhoven und Twente Enschede verliehen. Rajkovic ist seit 2009 serbischer A-Nationalmannschaft. Zuvor war er ein Jahr lang für alle internationalen Spiele gesperrt worden, nachdem er bei den Olympischen Spielen einen Gegenspieler angespuckt hatte. Die niederländische Zeitung „Voetbal international“ hatte geschrieben, Rajkovic würde drei Millionen Euro Ablösesumme kosten und für vier Jahre unterschreiben. Zwei Zahlen, die etwas zu hoch angesetzt sind. Der Abwehrmann, der schon heute in Hamburg sein soll, soll für drei Jahre unterschreiben und rund zwei Millionen Euro kosten.

Viel Geld für den HSV, da bislang kein weiterer Spieler verkauft wurde. Guy Demel ebenso wenig wie Mickael Tavares. „Und für Elia gibt es auch kein neues Angebot“, so Arnesen, der sich nach dem Bayern-Spiel noch mal länger mit dem Niederländer unterhalten hatte. „Bei ihm ist es wie bei vielen Profis: Spielt er, scheint die Sonne. Spielt er nicht, regnet es und er ist sauer. Und auch wenn ein Verkauf des Außenstürmers nicht gänzlich ausgeschlossen ist, betonte Arnesen, dass man sich derzeit keine Gedanken darüber mache. Ob die Schmerzgrenze noch nicht erreicht sei? Arnesen kurz: „Nein.“

Stattdessen bat Arnesen seinen Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow und den Aufsichtsrat um Hilfe, nachdem auch er erkannt hatte, dass defensiv Handlungsbedarf besteht. „Ich habe gefragt. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind nicht groß “, so Arnesen, „aber ich bin froh, dass alle sehen, dass wir was tun müssen.“ Damit wollte er jedoch nicht klagen, wie er gleich nachschob. „Ich bin hergekommen und wusste, dass wir finanziell Probleme haben, dass wir nicht mal eben 20 Millionen ausgeben können. Aber ich sehe das als Herausforderung und bin ehrlich gesagt nicht unzufrieden mit dem Kader. Ich gebe den Spielern noch Zeit, weil ich weiß, dass sie gut sind. Unsere Neuen sind zum Teil erst 19, da erwarte ich nicht nach drei Spielen eine Führungsrolle. Das sind nicht die Schlüsselspieler – nicht mal nach einer ganzen Saison.“

So eine Rolle gebe es beim HSV derzeit eh nur einmal, sagt Arnesen: und zwar lediglich mit Heiko Westermann. Der Mannschaftskapitän ist für den Sportchef der einzige Spieler, der eine echte Führungskraft darstellt. „Der lässt sich nicht unterkriegen“, lobt Arnesen, „der spielt weiter, auch wenn er ausgepfiffen wird. Der steht seinen Mann und wird in solchen Momenten sogar noch besser. Heiko ist ein sehr guter Kapitän. Wenn wir hier über Führung sprechen, dann möchte ich nur über Heiko sprechen. Er kann schlecht spielen, ausgepfiffen werden – aber er ist immer weiter ein Vorbild auf dem Platz und im Training.“ Gerade diese unerschütterliche Mentalität Westermanns scheint Arnesen zu imponieren, der sich von der Sorte Spieler offensichtlich mehr wünscht.
Mehr wünscht sich Arnesen auch für Oenning. Der Trainer sei einer Situation ausgesetzt, die mehr Zeit bedarf, sagt der HSV-Sportchef. „Ich habe es von Anfang an gewusst, dass es dauert. Ich habe hier einen Dreijahresvertrag abgeschlossen und hoffe, dass ich den komplett mit Michael als Trainer erfüllen kann.“ Für ihn spiele dabei auch keine Rolle, dass Oenning in elf Spielen beim HSV (saisonübergreifend) nur einen Sieg feiern konnte. Im Gegenteil, Arnesen schiebt die Problematik in den nicht mehr greifbaren Raum. „Nach dem Spiel habe ich in der Kabine gemerkt, dass die Spieler sauer waren. Richtig sauer auf sich selbst. Und jetzt müssen wir Eier haben und den Ärger umformen in Vertrauen und Willen. Jetzt muss jeder Spieler Stolz und Ehre entwickeln, weil er weiß, dass er es besser kann.“

Denn bislang sei der Leistungsstand noch nicht abrufbar, „wir wissen noch immer nicht, wo wir stehen“, so Arnesen. „Aber wir wissen, dass wir besser sind. Und wir wissen auch, dass wir schon bald besser werden.“

Viele Worte, viele Durchhalteparolen und noch mehr Konjunktive. Ich kann nur hoffen, dass Arnesen mit seiner Prognose Recht hat. Alles andere wäre allerdings auch fatal.

In diesem Sinne,
bis morgen!

Scholle (18.45 Uhr)

Kurz notiert:

Während die Stammelf einen knapp 60-Minuten langen Lauf im Volkspark absolvierte, trainierten die Reservisten auf dem Platz. Mladen Petric absolvierte zusammen mit der Startelf aus dem Bayern-Spiel die Laufeinheit und soll am Dienstag um 10 und 15 Uhr aber ebenso wieder mit der Mannschaft trainieren, wie Änis Ben-Hatira heute schon. Weiter ausfallen wird Tolgay Arslan, der seine hartnäckige Knochenprellung im Knöchel am Rande des Bayern-Spiels von FC-Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ. Ohne neuen Befund. Wann der Offensivmann wieder voll mittrainieren kann, ist offen.

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