Archiv für das Tag 'Aufsichtsrat'

Zoff? Aufsichtsrat verlangt Antworten auf heikle Fragen vom Vorstand – und van der Vaart fällt aus

24. April 2014

Während am Rand der ehemalige Publikumsliebling Collin Benjamin mit seinem – wie immer – fröhlichen Auftreten (“Der HSV ist mein Herzensverein, der muss in der Ersten Liga bleiben”)  für gute Laune sorgte, musste Michael Mancienne einen herben Schlag hinnehmen – im wahrsten Sinne: Beim Klärungsversuch rasselte der Engländer mit seinem Nebenmann Heiko Westermann derart hart zusammen, dass er zu Boden ging. Zunächst dachten alle, der Aufprall habe seine Schulter in Mitleidenschaft gezogen. Und als der Innenverteidiger blutend abtransportiert wurde, dachten wir, es sei die Nase. Aufklärung erfolgte dann über Trainer Mirko Slomka, nachdem Mancienne selbst via Instagram Fotos von der klaffenden Wunde am Kinn online gestellt hatte. „Die Wunde musste mit sechs Stichen genäht werden“, so Slomka, „aber ich gehe fest davon aus, dass das seine Einsetzbarkeit am Sonntag nicht beeinflussen wird.“

 


Am Sonntag werden zunächst einmal alle Spieler dabei sein, die gesund sind. Weil Slomka ein Kurztrainingslager angesetzt hat. Zum einen, um den stressigen Anfahrtsweg etwas zu entspannen. Zum anderen, um seine Mannschaft noch einmal auf die finale Phase einzuschwören. Die Mannschaft soll wissen, dass es beim Kampf um den Klassenerhalt auch um Existenzen geht. Um Arbeitsplätze – auch um die den der Spieler. „Wir müssen in den Spielen noch mal an unsere Grenzen gehen, mehr als 100 Prozent geben. Hier geht es um das große Ganze, um einen Verein – um das Überleben dieses Vereines. Darüber müssen sich alle Spieler bewusst sein“, so Sportchef Oliver Kreuzer. Das sei sein Wunsch und seine Forderung an die Mannschaft, so der Sportchef heute an der Seite von Slomka bei der Pressekonferenz. Letztgenannter setzte dann direkt bei Kreuzers Appell an. Mal wieder versuchte Slomka, an die Ehre seiner Spieler zu appellieren. Mal wieder. Deshalb erspare ich uns das jetzt. Vielleicht ist das erstmalige Aussparen der wohl überlegten, richtigen Worte Slomkas hier im Blog ja letztlich auch ein gutes Omen. Zuletzt hatte das selten zu Siegen geführt. Und letztlich sind es eh nur Worte, die mir zuletzt den Eindruck vermittelt haben, dass der Trainer sich der Situation bewusster ist als die Spieler.

Daher belasse ich es im heutigen Blog beim sportlich Neuen. Angefangen mit den verletzten Spielern. Während Ouasim Bouy und Ola John am Freitag wieder zur Mannschaft stoßen, wird Rafael van der Vaart definitiv nicht spielen können. „Seine Verletzung ist noch nicht komplett ausgeheilt“, so Slomka über seinen Mannschaftskapitän, der zwar Lauftraining absolvierte, aber wohl erst am kommenden Mittwoch ins Training einsteigen soll. Ebenfalls nicht dabei ist Johan Djourou (Muskelfaserriss). Dafür ist Pierre-Michel Lasogga in Augsburg wieder mit an Bord. Allerdings nur als Zuschauer. Nachdem er heute in München zu Untersuchungen bei Dr. Müller-Wohlfahrt weilte, reist er am Freitagabend zur Mannschaft ins Teamhotel. „Er wollte unbedingt bei der Mannschaft sein“, so Slomka – und ich finde das richtig gut. Lasogga, bei dem die Untersuchungen in München keine neuen Erkenntnisse brachten, macht das, was ich auch vom Mannschaftskapitän und allen anderen erwartet hätte, die nicht zwangsläufig in Hamburg bleiben müssen. Auf jeden Fall aber setzt Lasogga so mal wieder ein Zeichen, trotz Verletzung.

Insgesamt, das betonte Slomka heute, sei die Stimmung in der Mannschaft besser geworden. Für die Situation zuträglich – sagt Slomka und ich hoffe, dass das nicht nur Zweckoptimismus ist. Trotz der Rückschläge gegen Hannover und Wolfsburg sei die Mannschaft wieder auf einem guten Weg. Im Kraftraum, beim Nachmittagstraining am Mittwoch sei das Miteinander richtig gut gewesen, richtig verschworen. „Der Zusammenhalt des Teams ist außergewöhnlich gut.“ Slomka verspüre eine Art Aufbruchsstimmung, wie er sie zuletzt offenbar nicht vernommen hatte. Zudem lasse ihn die Phase nach dem 0:3 gegen Wolfsburg hoffen.

Slomkas Hoffnung indes, dass Lasogga schon in der kommenden Woche sein Trainingspensum steigern und eventuell wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann, wird sich voraussichtlich noch nicht bewahrheiten. Leider. Umso wichtiger ist daher, dass Milan Badelj und Marcell Jansen zurückkehren. Beide zuletzt Verletzten absolvierten heute den Großteil des Mannschaftstrainings und sollen am Freitag voll einsteigen und wurden heute von Kreuzer zu Hoffnungsträger erklärt.

So, wie zuletzt Ilicevic für mich. Wobei, eigentlich ist Ilicevic für mich immer noch ein Hoffnungsträger dafür, dass nicht alle Offensivlast auf den schmalen Schultern Hakan Calhanoglus lasten. Der Deutsch-Türke will zwar Verantwortung und betonte zuletzt, sich darüber sogar zu freuen. Allerdings glaube ich, dass der gute Wille des gerade 20-Jährigen auch Gefahren birgt. Eigentlich sollte er sich an der Seite des einen oder anderen erfahrenen Spielers entwickeln. Leider fehlen diese Spieler.

Dafür entwickelt sich aktuell nach ewigen Verletzungspausen ein weiterer Youngster sehr positiv: Kerem Demirbay. Ich hatte es vergangene  Woche schon geschrieben und kann auch nach der bisherigen Trainingswoche wiederholen: Der Junge ist richtig gut drauf. Letzte Woche sagte Slomka, der defensive Mittelfeldspieler sei noch keine Option für die Startelf. Heute wollte er dieselbe Frage nicht mehr beantworten – was durchaus für Demirbay spricht. Zumal Slomka lobte: „Kerem hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen.“ Ergo: Die Doppelsechs könnte gegenüber den letzten Wochen komplett neu besetzt werden, sollte Slomka Badelj und Demirbay aufstellen. Auf der einen Seite wäre es nach den letzten Leistungen Rincons und Arslans fast logisch, auf der anderen Seite kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Slomka das Zentrum komplett umstellt.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle den Blog beenden mit dem Hinweis, dass morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert wird. Allerdings muss ich mich dann doch noch einmal kurz der Vereinspolitik widmen. Denn da kündigt sich ein Paukenschlag an, den ich nicht verschweigen kann. Meinen Informationen zufolge untersucht der aktuelle Aufsichtsrat, ob er vom Vorstand immer ausreichend und korrekt informiert worden ist oder ob es hier Verfehlungen gegeben hat. „Ich wüsste tatsächlich nicht, was das sein sollte“, war Klubboss Carl Jarchow überrascht, als ich ihn heute Abend anrief. Immerhin seien alle Entscheidungen mit dem Aufsichtsrat besprochen und genehmigungspflichtige Vorgehen vom Aufsichtsrat abgesegnet worden. Ob es was mit der Umwandlung der Campus-Millionen zu tun haben könnte? „Die Verwendung des Geldes aus der Campus-Anleihe, das wir für die Liquidität genutzt haben, ist gutachtlich abgesichert und mit dem Aufsichtsrat besprochen. Die Kontrolleure sind immer vollumfänglich von uns über alles informiert worden.“ Heute noch hatte Jarchow ein Gespräch mit Chefkontrolleur Jens Meier. „Von einer Untersuchung oder gar einer drohenden Klage ist mir aber nichts bekannt. Und es beunruhigt mich auch nicht“, so Jarchow, der sich für den morgigen Freitag mit Aufsichtsratsboss Jens Meier verabredet hat.

Fakt ist, dass Meier am Freitag vom Vorstand Antworten auf Fragen erhalten will, die er zuvor schon schriftlich eingereicht hatte. Und ich kann nur hoffen, dass der Vorstand die Fragen vollumfänglich und zufriedenstellend beantworten kann, damit aus diesem drohenden Fass nur ein kleines Fässchen wird. Denn eines ist schon mal klar: einen dümmeren Moment für Ärger zwischen Aufsichtsrat und Vorstand kann es gar nicht geben…

In diesem Sinne, drücken wir alle die Daumen, dass das Thema morgen beendet ist. Ohne Aufreger.

Scholle

Es gibt eigentlich nur noch eine Lösung

10. Februar 2014

Leere. Mehr ist beim HSV nicht. Ich habe heute locker und leicht 50 Telefonate geführt mit direkt Beteiligten – optimistisch ist keiner. Alle wirken desillusioniert. Auch Bert van Marwijk, trotz seiner durchaus beachtlichen Rede. Allein, dass diese Rede ihn in seinem Amt als HSV-Trainer noch retten wird, erwarten nicht einmal die größten van-Marwijk-Befürworter.

Nein, ich glaube sogar, dass es für van Marwijk angesichts der hiesigen Verhältnisse eine Erleichterung sein wird, wenn er endlich gehen (darf) muss. Man würde dem Trainer, mit dem man unsäglich umgeht, einen Gefallen tun. Aber es sollte dennoch klar sein, dass die nächsten Verantwortlichen ebenso wie die hier Verbleibenden van Marwijks Worte verinnerlichen: „Der Verein zerstört sich selbst“ und „wir wollten mit einer Zunge reden und hier passiert genau das Gegenteil“ sind die vernichtenden wie korrekten Analysen des Niederländers nach gerade einmal viereinhalb Monaten beim HSV. Trotz der arbeitsrechtlich möglichen Konsequenzen spricht van Marwijk öffentlich an, was alle ärgert. „Es ist schade um diesen schönen, großen Verein“, sagt van Marwijk und wirkt zurecht desillusioniert.


Denn es stimmt. Seit langem schon. Aber bevor ich hier auf die Aktualität eingehe, die sich den ganzen Tag schon von Minute zu Minute dreht, möchte ich noch einmal auf etwas Grundlegendes eingehen. Denn verantwortlich für das Trauerspiel, das dieser HSV inzwischen auf allen Ebenen anbietet, sind letztlich nur die Geister, die man selbst seit Jahren ruft. (Chronologisch) Angefangen mit den Supporters, die vielerorts unreflektiert für alles verantwortlich gemacht werden. Die hat man von Vereinsseite vor gut einer Dekade richtiggehend geworben. So sicherte man sich auf der einen Seite eine stetig wachsende Mitgliederzahl und freute sich über immer neue Bestmarken. Auf der anderen Seite fuhr man so auch deutlich mehr Mitgliedsbeiträge ein. Seit 2005 wuchs die Zahl der Supporters von 18000 auf über 55000 – ein Einnahmeplus im Millionenbereich. Parallel dazu beanspruchten die Supporters satzungsgemäß immer mehr Mitspracherecht und organisierten ihre Abteilung über Mitgliedsbeiträge. Und das letztlich so gut, dass die Abteilung irgendwann als Bedrohung wahrgenommen wurde – und größtenteils noch immer wird.

Nun sind die Supporters sicher nicht alleinverantwortlich für die Besetzung im aktuellen Aufsichtsrat, das ist klar. Dabei haben einige andere Mitglieder auch „geholfen“. Aber die Vereinsstruktur ohne entsprechend starke, professionelle Führung – egal wie man zu Bernd Hoffmann oder auch dessen Vorgänger Werner Hackmann steht, die zwei haben dem Verein mehr Professionalität nach außen verliehen als es aktuell der Fall ist – verlor nach außen zunehmend an Stärke. Das Bild, dass dieser Verein inzwischen völlig mitgliederbestimmt und verfilzt ist, hält sich. Im Aufsichtsrat sitzen plötzlich ehemalige Supporters-Größen, während Wirtschaftsgrößen und Fußballfachwissen dem Gremium fernbleiben. Dass jetzt, in der wahrscheinlich schwersten, sportlichen Vereinskrise der letzten Jahrzehnte ausgerechnet dieses Gremium den entscheidenden Impuls zum Guten geben soll – ich wüsste nicht, warum man das erwarten kann…

Nein, es sind die Geister, die gerufen wurden, die den HSV jetzt im Chaos versinken lassen. Der Aufsichtsrat mischt sich plötzlich sogar ganz massiv in sportliche Belange ein und führt eigenständig Gespräche mit Felix Magath, während der noch amtierende Vorstand weiter hinter Bert van Marwijk steht. Die Räte verschlimmern sogar alles noch, indem sie sich intern nicht einmal einig sind. Nicht einmal gestern, wo es gar kein Zurück mehr geben konnte. Denn welche Wahl hat dieser HSV jetzt noch? Mit einem Vorstand weiterarbeiten, den der Aufsichtsrat gedanklich schon entlassen hat und der in seiner Funktion dadurch schon kaum mehr ernstgenommen wird? Dazu noch mit einem Trainer, der durch die Hamburger Legende Felix Magath ersetzt werden soll und weiß, dass man ihm nichts mehr zutraut?

Nein. Nachdem wir hier im Blog erfahren hatten, dass es bereits Gespräche mit Magath gab, waren sowohl der Vorstand als auch van Marwijk entmachtet. Von da an gab es für die elf Kontrolleure keine andere Lösung mehr als einen klaren Schnitt zu machen. Und das schnell. Egal, was man von Bert van Marwijk halten mag – die Räte selbst hatten sich mit ihrem Vorpreschen in Sachen Magath zwangsläufig auf einen neuen Trainer festgelegt.

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Und dennoch schafften sie es binnen acht Stunden mit einem und demselben Thema nicht, eine interne Einigkeit zu erzielen – obwohl es nur noch eine Lösung geben kann. Und die heißt Trainerwechsel. Und somit eigentlich auch Magath. Und diese Entscheidung soll es angeblich im Laufe des Dienstags geben. Magath soll schon gegen Bayern als Trainer auf der Bank sitzen.

Wobei, jeder Konjunktiv bei diesem HSV darf berechtigt zweifeln lassen…

Was bleibt sind Kollateralschäden, die in ihrem Ausmaß nicht wiedergutzumachen sind. Nachdem sich die Mannschaft sportlich disqualifiziert hat und der Vorstand nicht in der Lage war, angemessen zu reagieren, scheitern jetzt auch die Kontrolleure als letzte Instanz. Sie arbeiten anmaßend, indem sie sich über Umwege ins operative Geschäft des Vorstandes („Entlasst den Trainer oder wir entlassen euch“) einmischen. Und sie demonstrieren die Zerrissenheit des HSV e.V. und schaden dem Verein zunehmend. Ich gehe sogar noch etwas weiter: Selbst wenn der aktuelle Vorstand entlassen wird, Magath neuer Trainer wird und letztlich auch noch die Klasse hält – dieser Aufsichtsrat muss spätestens im Sommer zurücktreten. Weil alle zusammen den Karren in den Dreck gezogen haben, muss das in meinen Augen geschlossen passieren – auch wenn es das erste Mal für diese elf wäre…

An den durchaus möglichen Fall, dass am Ende Magath dem HSV absagt, mag ich noch gar nicht denken. Obgleich der sicher nicht ausgeschlossen ist. Je länger es dauert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass Magath sich das Amt antut.

In diesem Sinne, bis morgen! Oder nachher. Egal: einfach bis später. Ich melde mich auf jeden Fall sofort bei Euch, wenn sich etwas tut.

Scholle

P.S.: Sportlich gibt’s auch eine schlechte Nachricht, denn Marcell Jansen droht am Mittwoch gegen Bayern München nach einem Schlag auf die Wade aus dem Hertha-Spiel auszufallen. Pierre Michel Lasogga trainierte unterdessen schmerzfrei voll mit.

Das bittere Fazit 2013 – Scholles letzter Blog 2013

27. Dezember 2013

Frohe Weihnachten nachträglich auch von mir aus dem Urlaub, den ich ohne Blog- und Kommentarlesen nicht gänzlich schaffte. Im Gegenteil, ich bat Dieter sogar darum, noch einen Blog im Jahr 2013 zu schreiben, weil mir doch so einiges auf der Seele brennt. Aber das ist auch gut so, zeigt es mir doch, dass ich das alles trotz allem unverändert gern mache. Selbst dann, wenn ich Meinungen lese, die ich nicht vertreten kann, will und auch nie vertreten werde. Aber okay, dazu am Ende mehr.

Jetzt möchte ich bei meinem letzten Blog für 2013 noch einige wichtigere, zumindest für mich wichtigere Dinge loswerden. Denn dieses Fußball- und Blogjahr war anstrengend und alarmierend. Aber vor allem hat es gezeigt, wie man gewisse Dinge nicht angehen darf. Und daher sollten alle die Lehren daraus ziehen.

Angefangen beim HSV, dessen schwache Personalpolitik nur zu gern dem finanziellen Schiefstand angehängt wird. Eine Gleichung, die ebenso Bestand hat wie die mit dem Huhn und dem Ei. Denn gute Personalpolitik zieht fast logischerweise Erfolge nach sich, die wirtschaftlich wiederum gut sind für den Klub. Kurzum: Gutes Personal = Erfolg = mehr Geld = noch besseres Personal = noch mehr Erfolg. Die FC-Bayern-Gleichung eben. Stellen sich diese Erfolge ein, kann auch der eine oder andere teurere Spieler kommen. Passen auch die wieder sportlich rein, stellen sich weitere Erfolge ein – und so weiter. Eine Schraube, die sich grundsätzlich in die richtige Richtung dreht und die in Hamburg schon mal zaghaft gedreht wurde. Und das ist, wie alle wissen, gar nicht so lange her.

Daher müssen sich beim HSV alle Verantwortlichen hinterfragen, ob sie der (vorsichtig formuliert) sportlich stagnierenden und wirtschaftlich schlechter werdenden Situation noch gewachsen sind. Oder besser: Ob sie der Situation überhaupt gewachsen sind. Angefangen ganz oben, beim Vorstandsvorsitzenden. Auch Carl Jarchow weiß, dass er bislang weniger Gegenwind bekommen hat, als durchaus zu rechtfertigen gewesen wäre. Auch, weil alle wissen, dass er einen Verein übernommen hatte, der sich bereits in arger finanzieller Schieflage befand. Allerdings hat er es seither trotz aller Sparmaßnahmen (oder wegen selbiger?) nicht geschafft, diese Schieflage zu beheben, auszugleichen oder gar umzukehren. Im Gegenteil: Ein neuerliches Rekordminus (ohne die Campus-Millionen wäre es noch dramatischer) einzufahren, einen internationalen Startplatz als Zielvorgabe auszurufen und das inmitten der Hinrunde bestärkend zu wiederholen, um dann am 17. Spieltag auf Rang 14 zu stehen – das ist eine klare Fehleinschätzung. Und der ist sich Carl Jarchow ganz sicher auch bewusst. Dass ein solches Verfehlen eigener Zielvorgaben in vielen Klubs dazu führt, dass die Aufsichtsräte ihren Vorsitzenden austauschen weiß Jarchow. Beim HSV ist das bisher allerdings nicht der Fall.

Das Glück für Jarchow, der so noch etwas Zeit bekommt, seine wahren Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, verdankt er dem Aufsichtsrat, der gar nicht in der Lage scheint, eine solch wichtige Personalie komplett zu analysieren. Wie auch, wenn sich die Dame sowie die zehn Herren mit internen Grabenkämpfen beschäftigen und den Blick fürs Wesentliche längst verloren haben. Inzwischen verwenden einige Aufsichtsräte mehr Zeit darauf, Fanclubs zu besuchen, um neue Strukturen zu bewerben und zu unterstützen als die alten ausreichend zu kontrollieren. Die internen Grabenkämpfe und rücktrittswürdigen Aktionen einiger Räte runden das grausame Gesamtbild nur noch ab. Ebenso wie der Satz eines Kontrolleurs vor sechs Monaten, der mir von den internen Problemen berichtete und auf meine Nachfrage, warum er sich damit ja auch selbst anklage, klarmachte, dass hier nichts besser würde. Er sagte mir, dass er mir die Interna verrate, damit die Öffentlichkeit das richtige Bild dieses, so nannte er es, „schwächsten Aufsichtsrat der HSV-Geschichte“ zu erkennen. Auch auf die Gefahr hin, dass er dann natürlich mit abgesägt würde.

Klingt zunächst selbstlos – und zugleich so bezeichnend für den HSV in der aktuellen Situation. Daher kann es nur heißen: Veränderung auf allen Ebenen. In der Struktur vorneweg, auf den entscheidenden Positionen im Folgenden. Einen gesunderen Nährboden hätte die Initiative „HSVPlus“ gar nicht vorfinden können. Und: So verschrien ein Jürgen Hunke hier auch ist, mit seiner Forderung, die Mitglieder sollten von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machen und den kompletten Aufsichtsrat absetzen, hat er in meinen Augen vieles richtig gemacht.

Das wiederum sagen viele auch über die HSV-Sportchefs. Beiersdorfer war der Beste, klar. Ein Frank Arnesen war eigentlich auch nicht so schlecht, wie er am Ende dargestellt wurde, auch klar. Immerhin wurde der Däne unter Vortäuschung falscher (finanzieller) Tatsachen hergelockt und musste dann umdisponieren, was nicht besonders gut gelang und dazu führte, dass er „geopfert“ wurde. Ansichtssache.

Jetzt ist Kreuzer dran. Und der wusste ja wenigstens vorher, dass er nix kaufen kann, obwohl der HSV einen Transferüberschuss von rund acht Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Mehr noch, Kreuzer wusste sogar, dass er das verkaufen, was vorher unverkäuflich war. Gelungen ist das nicht. Stattdessen hat Kreuzer die Verträge mit Tah und Diekmeier verlängert, Lasogga im Tausch für Skjelbred bekommen und Djourou ausgeliehen sowie Jacques Zoua vom FC Basel für 800000 und Lasse Sobiech vom BVB für 1,2 Millionen Euro gekauft. Die Gekauften konnten dabei noch nicht wirklich zeigen, dass sie ihr Geld wert sind. Zoua ist nicht über die Reservistenrolle hinausgekommen, Djourou spielte zuletzt sogar katastrophal schwach. Jetzt steht die Vertragsverlängerung Calhanoglus an. Ebenso wie die Verhandlungen mit Hertha BSC über eine Verpflichtung Lasoggas. Beides Prüfsteine für Kreuzer.

Ergo: Auch Kreuzers Bilanz ist unter dem Strich negativ. Und ich weiß, dass Kreuzer selbst nicht zufrieden ist. Was ich aber nicht weiß ist, ob er das ändern kann. Ich traue es ihm zu und behaupte, dass er dafür mindestens noch die Rückrunde gewährt bekommen muss. So, wie man es zurecht auch Arnesen einst zugestanden hat. Danach ist Zeit, eine Bewertung vorzunehmen. Aber vor allem glaube ich fest daran, dass am 19. Januar in den Hallen des CCH die Vernunft über die traditionalistische Romantik siegt und die Mitglieder tiefgreifenden Neuerungen (ich nenne es „dem Markt anpassende Modernisierungen“) zustimmen werden. Allein dieses Zeichen wäre schon wichtig für potenzielle Investoren, Mäzene oder Geldgeber. Denn andere Möglichkeiten, an Geld zu kommen, hat dieser HSV kaum noch, nachdem die Marketingschraube bis ans Limit gedreht und die Campus-Millionen bereits die Bilanz verschönert haben.

Vielleicht wäre dann sogar ein Herr Kühne bereit, in neues Spielermaterial zu investieren. Vielleicht auch mal ohne eine hohe Verzinsung wie sie ihm bislang auf jeden gegebenen Euro versprochen wurde. Apropos: Einem Herrn Kühne eine Grundschuld des Stadions zu übertragen ist letztlich nichts anderes, als die Veräußerung von Vereinskapital – eben diesmal nur als Sicherheit für dessen Kredit, den der HSV dringend brauchte, um nicht noch früher abzustürzen. Und dem hat der HSV zugestimmt – mit allen Verantwortlichen. Also auch der Aufsichtsrat und deren Verfechter der HSV-Reform, die sich als Hüter der Vereinsseele bezeichnet und gegen jede Anteilsveräußerungen ist.

Nein, dieses Jahr hat gezeigt, dass der HSV mit seiner mitgliedergesteuerten Vereinspolitik zwar ein hohes Maß an Selbstbestimmung hat, damit aber nicht umzugehen weiß.

Das Jahr hat mir auch gezeigt, dass auf den entscheidenden Positionen nicht immer die besten Besetzungen gefunden wurden und dass hier Nachbesserungen zwingend notwendig sind. Ich zähle zwar nicht zu denen, die sagen, mit einem Magath allein oder mit ein paar 83ern würde automatisch alles besser. Nein, so einfach ist das nicht. Aber ich hoffe, dass sich der HSV ab sofort mehr an echte Spezialisten hält. Ich hoffe, dass im Vorstand ein Vorsitzender mit weitreichendem Netzwerk und politischem wie wirtschaftlichem Einfluss sitzt. Dass der HSV einen Stellvertreter hat, der als Marketingchef das Maximum aus der großen Marke HSV zieht. Ich hoffe, dass der HSV einen Sportchef hat, der weiß, wie man sich die neue Generation HSV-Profis „heranzüchtet“ und parallel einen Zugang auf die Topspieler Deutschlands und Europas hat. Und ich hoffe darauf, dass ein Kontrollgremium irgendwann wieder seinem Namen gerecht wird. Ich hoffe, dass der Aufsichtsrat künftig weniger aus einfachen Mitgliedern denn aus Wirtschaftsgrößen mit guten Kontakten und sportlich exzellenten Fachleuten besteht. Ich wünsche mir Personen auf den verantwortlichen Posten, die wissen, was dieser Verein wert ist. Eben Fachleute, die sich mit dem HSV identifizieren. Denn ohne die ist selbst die beste Struktur nutzlos.

Daher gibt es für mich keine andere Alternative, als einen neuen, modernen und wirtschaftlicher orientierten Weg zu gehen. Es muss jetzt ein Anfang gemacht werden. Was das bedeutet, ist klar.

In diesem Sinne, allen Bloggerinnen und Bloggern sowie allen Lesern dieses Blogs noch mal meinen herzlichen Dank, dass Ihr trotz der sportlichen Enttäuschungen im Blog für ein weiteres Rekordjahr gesorgt habt. Ich wünsche Euch und uns allen, dass wir das Gleiche nächstes Jahr wieder sagen können – bis auf das mit den Enttäuschungen. Das ersetzen wir dann mit dem Zusatz, dass der HSV in 2014 sportlich endlich den Weg zurück zum Erfolg gefunden hat. Weil er die richtige Struktur UND die richtigen Verantwortlichen dafür gefunden hat. Verdient hat es dieser Verein allemal.

Daher auch mein Appell: Egal, wie groß die Anstrengungen sind, geht nach Möglichkeit alle am 19. Januar zur Wahl und macht sie zum Wendepunkt der leider immer trostloser werdenden HSV-Geschichte.

Das musste ich noch loswerden.

In diesem Sinne, liebe Grüße aus dem Urlaub (in den ich mich jetzt wieder zurückziehe) und Euch allen einen gesunden Rutsch ins neue Jahr!

Scholle

HSV macht EM-Pause – Kontrolleure beraten über Adler-Transfer

7. Mai 2012

Da wird er heute sicher den einen oder anderen Drink mehr zu sich nehmen. Zum einen aus Frust über die Nichtnominierung von Bundestrainer Joachim Löw, zum anderen auch, weil er ab heute (Quasi-)Urlaub hat. Die Testkicks beim SV Drochtersen/Assel (Freitag), den gegen Stuttgart (Sonntag) und beim Lüneburger SK (15. Mai) mal ausgenommen. Aber zumindest muss er sich nicht mehr auf ein Endturnier vorbereiten. Für das er topfit sein muss. Statt seiner reist der 24-jährige Marcel Schmelzer mit in die Ukraine und Polen. Eine Entscheidung, von der Aogo heute nicht überrascht wurde – er hatte sie bereits gestern vom Bundestrainer persönlich via Telefon mitgeteilt bekommen.

Es sei eine Entscheidung für Schmelzer gewesen umging Löw heute bei der offiziellen Pressekonferenz eine Antwort auf die Frage, warum er sich nicht für Aogo entscheiden habe. Wobei sich die Antwort vergleichsweise leicht herbeiführen lässt. Immerhin ist Schmelzer mit ziemlich konstant guten Leistungen mit seiner Mannschaft Deutscher Meister geworden, während Aogo sich zwar nach eigener und des Trainers Aussage in einer schwierigen Phase super entwickelt habe. Allerdings scheint Löw auf das Selbstvertrauen eines Siegers mehr Wert zu legen, als auf Aogo, der sich heute am Telefon nicht weiter dazu äußern wollte. Bei Sonne und 21 Grad im Schatten auch verständlich. Ich hätte da auch eine ganze Reihe Ideen, was schöner wäre, als über Fußball zu reden…

Wobei Aogo nicht allein ist. Weder auf Malle noch mit seinem Schicksal innerhalb des HSV. Der Bundesliga-Dino macht EM-Pause. Denn neben Aogo spielen auch Marcell Jansen und Heiko Westermann in Löws Planungen keine Rolle. Zudem muss Jeffrey Bruma, vor der Saison noch als DAS Abwehrtalent der Niederlande gerühmt, eine Nichtnominierung seines Bondscoaches Bert van Marwijk verkraften. Und so wenig überraschend das für mich kommt, ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Bruma nicht annähernd so klar war, er trotz seiner insgesamt sicher enttäuschenden Saison bis zuletzt Hoffnungen hatte.

Dennoch bin ich weit davon entfernt, jetzt an dieser Stelle noch mal draufzuhauen und hier Gründe aufzuzählen, weshalb die Entscheidungen so richtig sind. Es ist für einen jungen Sportler mit Sicherheit – egal wie schlecht die vorangegangene Saison auch gelaufen ist – ein mächtig harter Schlag, wenn man letztlich erfährt, nicht dabei zu sein, nachdem jeder bis zur letzten Sekunde gehofft haben dürfte. Dafür ist eine EM einfach ein viel zu großes Ziel, da ist ein Spieler nicht nur realistisch, da darf auch meiner Meinung nach geträumt werden.

Vom HSV – zumindest ziemlich – sicher dabei ist bislang nur Jaroslav Drobny als Ersatzkeeper der Tschechen. Ansonsten könnte noch Marcus Berg auf seinen schwedischen Nationaltrainer hoffen. Ebenso Ivo Ilicevic und Mladen Petric auf Kroatiens Chefcoach Slaven Bilic. Wobei den beiden Kroaten kaum bis keine Chancen zugestanden werden.

Zwei Spieler hätte der HSV somit bei der EM – wenn überhaupt. Mehr werden es voraussichtlich nicht. In diesem Bereich nähert sich der HSV längst überwundenen Zeiten wieder an. 2004 war auch so Turnier. Damals endete es für die Deutschen bereits in der Vorrunde. Gleiches passierte 2000, als zumindest Hans-Jörg Butt bei den Deutschen als dritter Keeper dabei war. Damals war ich auch dabei – als Fan reiste ich mit meinem Vater zum letzten Vorrundenspiel gegen Portugal nach Rotterdam. Das 0:3 war einer der schwärzesten Momente meiner Fußballerzeit als Fan. Ich war unfassbar sauer über den völlig blutleeren Auftritt der DFB-Elf. Meine einzig nette Erinnerung: Nachdem die Deutschen von ihren Fans ausgepfiffen worden waren, marschierten sie teilweise lächelnd in die Kabine – was mich noch saurer machte. Und auch der Trainerstab war schnell vom Platz. Allerdings, einzig der damalige Cotrainer Horst Hrubesch hockte am Ende noch lange nach Schlusspfiff auf der in den Boden eingelassenen Reservebank der Deutsche. Erst 30 Minuten nach seinen Kollegen stand er auf und ich sah, dass er weinte. Auch er hatte offensichtlich nicht verstehen können, wie man als angeblich so stolzer Nationalspieler seines Landes so leidenschaftslos agieren konnte. Und ich glaube, beim HSV hätte er, der ja wirklich kurzzeitig als Trainer ins Gespräch gebracht worden war, in dieser Saison ähnliches auf Vereinsebene erlebt…

Apropos alte HSVer. Ich hatte die Diskussion, welche Identifikationsfigur dem HSV helfen könnte, hier bei Euch weiterverfolgt. Schon allein, weil ich wissen wollte, welcher Ex-HSVer bei Euch am höchsten gehandelt würde. Dass dabei Dietmar Beiersdorfer häufiger genannt wurde, verwunderte mich nicht. Beiersdorfer hat beim HSV (im Verbund mit Hoffmann) einen sehr guten Job gemacht, er ist – das kann ich bestätigen – mit sehr viel Herzblut dabei gewesen. Und er hat den Verein enger zusammengeführt, weil seine manchmal etwas verhaltene Art dem Image des neunmalklugen, arroganten und Millionen verdienenden HSV-Vorstandes komplett widersprach. Und er hatte Erfolg. Der Name Beiersdorfer wurde beim HSV vor einem Jahr sogar kurz mal ins Gespräch gebracht, aber im Aufsichtsrat umgehend von denen, die auch schon bei dessen Freistellung Kontrolleure waren, abgelehnt. Stattdessen kam bekanntermaßen Frank Arnesen.

Und dem obliegt es jetzt, den HSV nach einem verkorksten Jahr wieder in die Spur zu kriegen. „Einige Neue“ sollen kommen, darunter auch der ewig gesuchte kreative Mittelfeldspieler. Zudem sollen den Verein in den nächsten Wochen noch Spieler mit laufenden Verträgen verlassen – und wie im Fall Robert Tesche auch verlassen wollen. Der Mittelfeldspieler soll in einem Gespräch mit Arnesen erklärt haben, mehr Spielpraxis zu brauchen und deshalb den Verein verlassen zu wollen. Hannover 96 war bereits einmal vor 18 Monaten an Tesche interessiert – aktuell dürften es aber eher andere, weniger international orientierte Vereine (aus eventuelle anderen Ligen) sein.

Egal wie, die nächsten Wochen werden zeigen, wohin es mit dem HSV geht. Sich darauf zu verlassen, dass alle Spielerin der kommenden Saison um eine Serie gereifter und entsprechend besser werden, wäre fahrlässig. Auch, sich den kreativen Spieler aus dem vorhandenen Spielermaterial schnitzen zu wollen. Der HSV hat diese Qualität nicht im Kader. Ein Tolgay Arslan kann das nicht, ebenso wenig wie Ivo Ilicevic, Gökhan Töre, Jacopo Sala oder gar Heung Min Son. Auch von Beister, der am Donnerstag zunächst Düsseldorf in die erste Liga schießen soll, kann man in seiner ersten echten Erstligasaison eine solch tragende Rolle nicht erwarten. Nein, hier gilt es, fleißig zu sein. Oder besser: fleißiger und ideenreicher als die Konkurrenz, wie Arnesen selbst seine Vorgehensweise beim Amtsantritt beschrieb.

Aber okay, wir haben heute den 7. Mai, die Saison ist seit zwei Tagen beendet und die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen. Noch bleibt Zeit. Von daher sind auch einige Forderungen von Euch, Dieter und/oder ich müssten uns klar positionieren, was wir vom HSV halten, verfrüht. Noch muss sich niemand festlegen. Wir können bei Arnesen die erste Saison beurteilen. Bei Trainer Thorsten Fink geht das noch weniger, weil er mit dem vorhandenen Potenzial arbeiten musste, ohne vorher Mitspracherecht bei der Kaderzusammenstellung gehabt zu haben.

Nein, bei aller Skepsis, ich hoffe und glaube auch, dass Arnesen erkannt hat, dass die Bundesliga härter ist und mehr verlangt, als ein paar neue Talente. Es reicht nicht, Chelseas dritte Reihe zu holen, dieser HSV braucht Sofortverstärkungen. Eine unfassbar schwierige Aufgabe, angesichts des schmalen Geldbeutels, der ihm vom verein zur Verfügung gestellt wird. Andererseits muss man auch sagen, dass der HSV 2006 noch einen Mannschaftsetat hatte, der halb so hoch war wie der heutige. Insofern hoffe ich, dass Arnesen die ständige Einflechtung von Talenten mit Führungskräften garniert. Mit der Kategorie René Adler könnte er den ersten Schritt in die richtige Richtung machen. Zumindest beschwören das Adlers Wegbegleiter für den Fall, dass der Keeper gesund bleibt.

Nicht beschworen, dafür aber festlegend geäußert hatte sich Vorstandsboss Carl Jarchow zum Thema Adler. Das hakte bislang an dem Verkauf (Weggang) von Jaroslav Drobny. „Wir werden sicher nicht mit zwei hochklassigen und hoch bezahlten Torhütern in die neue Saison gehen.“ Eine Aussage, die er am Sonntag bestätigte: „Aus meiner Sicht werden wir nicht mit zwei hochbezahlten Torhütern in die neue Saison starten“, so der Vorstandschef im NDR-Sportclub. Allerdings sagte sein Vorstandskollege Arnesen parallel, dass der HSV ein Jahr zuvor auch mit Rost und Drobny gut gefahren sei. Der Däne ist anderer Meinung: „Jaroslav hat einen Vertrag, und er hat gut gehalten. Im vergangenen Jahr hatten wir mit Frank Rost und Drobny auch zwei gestandene Torhüter unter Vertrag. Ich sehe da keinen Unterschied.“

Wer Recht hat? Wessen Strategie gefahren wird? Darüber soll morgen der Aufsichtsrat diskutieren. Beim noch als „informelle Aufsichtsratssitzung“ deklarierten Zusammentreffen soll Arnesen ein Weg aufgezeigt werden, unter welchen Bedingungen er Adler endgültig unterschreiben lassen kann.

In der Hoffnung, dass zumindest dieser Transfer endlich und vernünftig abgeschlossen werden kann,

bis morgen!
Scholle

Oenning erhöht die Schlagzahl: “Wir müssen in Bremen punkten”

6. September 2011

+++++Korrektur vierter Absatz: 360.000 statt 3.600.000+++++

Hier ist es, wie es eigentlich nicht sein sollte. Der HSV steckt im Tabellenkeller und alles, was uns beschäftigt, ist die Frage, ob Bernd Hoffmann korrekt abgerechnet hat oder nicht. Der Sport wird zur Nebensache. Wobei das weder an den einen noch an den anderen ein Vorwurf sein soll und darf, denn wenn der Aufsichtsrat eine Klage gegen seinen ehemaligen Ersten Vorsitzenden vorbereitet, ist das ein massiver Vorgang.

Dabei ist die Frage, woher das Abendblatt davon weiß, mit Sicherheit für einige genauso interessant wie letztlich zweitrangig, oder? Denn klar ist doch, dass neben dem Vorstand, der Kanzlei und dem Aufsichtsrat auch innerhalb des Vereines etliche hochrangige Personen wie der Mediendirektor, der Team-Manager, der Klub-Manager sowie enge Vertraute der jeweils handelnden Personen eingeweiht sind. Von daher macht die Suche nach dem „Maulwurf“ wirklich keinen Sinn. Zumindest wird sie nie erfolgreich sein.

Nein, wie immer wenn Bernd Hoffmann thematisiert wird, gibt es hier Parteien. Von vornherein. Die einen heften dem Ex-Boss die aktuelle Krise allein an, wieder andere verteidigen Hoffmann bis aufs Blut. Auch ich wurde hier schon als Demagoge und Steigbügelhalter (warum von demjenigen bislang keine Antwort auf meine Email kam, weiß ich nicht) betitelt, weil ich Hoffmann kritisiert habe. Und wisst Ihr was? Bis auf den deplatzierten Demagogen-Vergleich finde ich das auch gar nicht schlimm. Fan zu sein bedeutet nun mal zum Glück, nicht alles rational zu durchdenken sondern einfach mal emotional sein zu dürfen. Da darf man schon mal pöbeln, seinem Frust freien Lauf lassen, ohne sich immer vollkommen unter Kontrolle zu haben – aber man sollte anschließend immer wieder zurückfinden und sich (zumal wie hier mit Gleichgesinnten und Freunden/-innen) sachlich mit Dingen auseinandersetzen.

Umso erfreulicher ist zu sehen, dass diesmal auch hier wieder einige versuchen, den Zwischenraum zu bearbeiten und offenzulegen. Und es werden immer mehr. Denn, und damit hangele ich mich nur an dem öffentlich Bekannten längs, es gibt unbestrittene Fakten. Zum einen, dass Urs Siegenthaler Geld bekommen hat und später doch kein Sportchef wurde. Die Frage hierbei ist, inwieweit bestanden Verträge, die derartige Zahlungen rechtfertigen. Und dabei scheint es abweichende Sichtweisen zu geben. Mit einem großen Teil des Aufsichtsrates, der seinem Namen damit gerecht werden möchte sowie dem aktuellen Vorstand auf der einen und Bernd Hoffmann auf der anderen Seite. Das sowie die FischerAppelt-Zahlungen sind nur zwei von mehreren Beweggründen für die Beauftragung einer Kanzlei. Ein Vorgang, der von dem Ergebnis verschiedener, unabhängiger Wirtschaftsprüfer abhing. Und die haben mehrfach, unter anderem auch bei einem großen Posten von immerhin 360000 Euro, in den Akten vermerkt: „Keine Gegenleistung erkennbar“. Und das wird geprüft. Dass sich der Aufsichtsrat damit auf dünnes Eis begibt, muss er wissen. Das weiß er mit Sicherheit auch. Und, da bin ich mir ziemlich sicher: wohl kein Bundesligist würde einer wirklich intensiven Prüfung komplett standhalten.

Die Frage – und genau die gilt es in diesem Fall zu klären, ist nur: hat der jeweils Handelnde dem Verein bewusst geschadet. Dass sich Bernd Hoffmann nach all den in der Summe auch durchaus erfolgreichen Jahren nicht über einen solchen Vorgang freut, kann ich komplett nachvollziehen. Bei ihm muss sich die HSV-Führung entschuldigen, sollte nichts rechtlich Relevantes gefunden und nachgewiesen werden können. Denn solange ihm nichts Gegenteiliges nachgewiesen wird, gilt für ihn – wie für jeden anderen hier im Blog – das Unschuldsprinzip. Die HSV-Führung muss Beweise liefern.

Ebenso wie die Mannschaft (ich weiß, ein stilistisch unschöner Übergang…) in der Bundesliga in der Bringschuld steht. Nach nur einem Punkt aus vier Spielen muss in Bremen gepunktet werden. Und um noch mal beim Vorstand zu bleiben: Ich habe mich heute doch gewundert, als sich Vorstandsboss Jarchow hinstellte und davon sprach, dass dieser HSV mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben würde. In dem Moment, wo der HSV Tabellenletzter ist, halte ich das für vermessen. Letzte Serie hatte auch Werder lange Zeit gesagt, dass sie zwar unzufrieden seien, aber nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Eine Verleugnung, die fast mit dem Abstieg bestraft worden wäre….

Nein, besser ist, man stellt sich der Realität. Wie heute Michael Oenning, der neue Töne anschlägt. „Ich spüre keinen Tabellendruck, sondern den natürlichen Druck, Punkte machen zu müssen. Das spürt auch die Mannschaft. Von uns als Trainerteam gibt’s Druck. Ebenso wie die Mannschaft sich selbst Druck macht. Wir müssen punkten, gerade in einem Derby wie gegen Bremen.“

Das klingt doch mal gut. Endlich mutige, forsche Töne. Auch bwenn Oenning betont, seinen Führungsstil intern nie verändern zu wollen. Endlich geht es weg von dem „so gut wie möglich gegenhalten“ und der Forderung nach mehr Zeit und Geduld. „Wir brauchen keine Zeit mehr, auch keine Geduld. Wir haben spielerisch einen Schritt gemacht gegen Köln, den müssen wir jetzt bestätigen. Die Tabelle spielt dabei eine noch untergeordnete Rolle. Wichtiger ist: Ich weiß genau, woran es liegt. Wir wissen, woran es liegt Die Mannschaft weiß es auch.“ Es seien die vielen Gegentore. Mehr als jedes andere Team in der Bundesliga. Zudem ließ der HSV bislang die meisten Chancen gegen sich zu. Für Oenning Fakten. Aber kein Grund, Trübsal zu blasen. „Trotz dieser Fakten hätten wir beide Heimspiele gewinnen müssen.“

Haben sie aber nicht. Deswegen soll jetzt ein Auswärtssieg, zumal mit der Überdosis Prestige eines Nordderbys, die Stimmung verbessern. Mit einer bereits sicheren Umstellung: Michael Mancienne wird, sofern er gesund bleibt, am Sonnabend in Bremen den noch immer angeschlagenen Dennis Diekmeier als Rechtsverteidiger ersetzen. Wie schon in den Tests bei Bremerhaven und in Luzern. „Michael hat das gezeigt, was ich sehen wollte“, so Oenning zufrieden. „Michael ist der Aufgabe spielerisch und taktisch gewachsen. Er weiß, wie man die Position spielt.“ Zumal der Engländer die Position schon aus der Praxis kennt. „In meiner ersten Profisaison habe ich eine ganze Serie lang rechts hinten gespielt.“ Und obgleich er lieber in der Innenverteidigung spielen würde, freut er sich auf die neue (alte) Aufgabe. „So kann ich auf jeden Fall dabei sein, wenn wir den ersten Hügel endlich überwinden.“

Mit einem Sieg in Bremen. Der allein könnte den HSV für wenigstens eine Woche endlich mal wieder in ruhigere Tabellengefilde führen. Und neue Hoffnungen wecken. Das wäre es doch.

In diesem Sinne, alles wird gut. Hoffentlich.

Bis morgen,

Scholle
(17.55 Uhr)
.
.Kurz notiert

Rückkehr: Tolgay Arslan ist heute wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. „Er macht seine Sache schon wieder ganz gut“, lobt Trainer Michael Oenning seinen Offensivspieler, der seit dem bösen Dejagah-Foul in der Partie gegen den VfL Wolfsburg seit der Vorbereitung ausgefallen ist. Ebenso wie Neuzugang Jacopo Sala, der seit dem Trainingslager auf Sylt Anfang Juli nicht mehr mit der Mannschaft trainieren konnte und seit Dienstag wieder voll mittrainiert.

Rückkehr II: Slobodan Rajkovic steigt erst morgen wieder ins Training ein. Eigentlich sollte der Zugang schon heute dabei sein, allerdings wollte die serbische Nationalmannschaft nicht auf den Innenverteidiger verzichten – obwohl er wegen einer Sperre am heutigen Dienstag sowieso nicht mitspielen durfte.

Rückkehr III: Per Skjelbred ist am Nachmittag wieder ins Training eingestiegen. Der Norweger musste wegen eines Schlages auf den Spann auf das Vormittagstraining verzichten, wird aber gegen Bremen spielen können.

Arnesen sieht Handlungsbedarf – Rajkovic soll kommen

22. August 2011

Frank Arnesen geriet ins Schwitzen. Allerdings weniger, weil er um Antworten verlegen war, als wegen der fehlenden Klimaanlage im 5. Stock der Imtech-Arena, wo der Däne sich zuerst meinen Kollegen vom Fernsehen und anschließend uns Schreiberlingen stellte. Und das sehr ausführlich. Tenor: er würde weiter fest hinter dem Trainer stehen, die Diskussion nicht mitmachen. Die Mannschaft und der Trainer bräuchten Zeit – und die bekämen sie von ihm auch garantiert. Zudem wird binnen der nächsten zehn Tage personell nachgelegt. Und obwohl der Name Slobodan Rajkovic bereits durch alle Medien geisterte, umging Arnesen eine direkte Bestätigung. Er werde erst dann etwas zu einem Spieler sagen, wenn derjenige beim HSV auch unterschrieben habe. Und das ist auch gut so. Denn wie bei Matthias „Ich-habe-den-HSV-verarscht-und-mache-auch-so-weiter“ Sammer gesehen, können selbst bis ins letzte Detail abgeklärte Verträge plötzlich platzen.

Apropos Sammer – den ehemaligen Weltklassefußballer habe ich früher al Nationalspieler geliebt – und bin seit der Geschichte mit dem HSV enttäuscht von ihm. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen habe ich mich bis heute immer wieder gefragt, ob nicht entgegen aller Beteuerungen da der HSV zu naiv war oder gar falsche Dinge kommuniziert hat. Aber seit der Doppelpass-Sendung am Sonntag aber weiß ich, dass Sammer häufiger mal schneller redet als nachdenkt. Denn selbst wenn er damit witzig sein wollte, der Spruch „Mit mir hätte es kein 0:5 gegeben“ war daneben. So weit, dass ich Sammers Intelligenz infrage stellen muss. Es gibt nur ganz wenige Menschen, denen ich derlei Aussagen über den HSV verbieten würde. Aber Sammer ist einer von denen. Gerade er sollte nach seinem Wortbruch lieber ruhig sein und den HSV meiden.

Und wo wir gerade bei Spott sind, über zu wenig davon kann sich der HSV derzeit leider nicht beschweren. Zunächst hatte Hoeneß dem HSV „Hol’s Balli“-Fußball attestiert, jetzt legte Franz Beckenbauer nach. „Man hat die Situation unterschätzt, und die Spieler, die man geholt hat, überschätzt“, so der Kaiser via „Sky 90“. „Bei solchen Stellungsfehlern und Schwächen im Zweikampf: ich weiß nicht, wie das besser werden soll.“ Harter Tobak. Auch für Arnesen, der sich verantwortlich für die Auswahl der Neuen zeichnet. Der allerdings mit Rajkovic gerade diese vom „Kaiser“ angesprochene Schwäche ausbügeln will.

Immerhin gilt der 191 Zentimeter große Serbe als erfahrener Spieler. Rajkovic war zuletzt von Chelsea an den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim ausgeliehen. Er galt bereits in jungen Jahren als Riesentalent. Chelsea holte ihn 2005 als 16-Jährigen für knapp fünf Millionen Euro von OFK Belgrad, für die er bereits 26 Ligaspiele in Serbien absolviert hatte. Anschließend wurde er vom Abramowitsch-Klub an den PSV Eindhoven und Twente Enschede verliehen. Rajkovic ist seit 2009 serbischer A-Nationalmannschaft. Zuvor war er ein Jahr lang für alle internationalen Spiele gesperrt worden, nachdem er bei den Olympischen Spielen einen Gegenspieler angespuckt hatte. Die niederländische Zeitung „Voetbal international“ hatte geschrieben, Rajkovic würde drei Millionen Euro Ablösesumme kosten und für vier Jahre unterschreiben. Zwei Zahlen, die etwas zu hoch angesetzt sind. Der Abwehrmann, der schon heute in Hamburg sein soll, soll für drei Jahre unterschreiben und rund zwei Millionen Euro kosten.

Viel Geld für den HSV, da bislang kein weiterer Spieler verkauft wurde. Guy Demel ebenso wenig wie Mickael Tavares. „Und für Elia gibt es auch kein neues Angebot“, so Arnesen, der sich nach dem Bayern-Spiel noch mal länger mit dem Niederländer unterhalten hatte. „Bei ihm ist es wie bei vielen Profis: Spielt er, scheint die Sonne. Spielt er nicht, regnet es und er ist sauer. Und auch wenn ein Verkauf des Außenstürmers nicht gänzlich ausgeschlossen ist, betonte Arnesen, dass man sich derzeit keine Gedanken darüber mache. Ob die Schmerzgrenze noch nicht erreicht sei? Arnesen kurz: „Nein.“

Stattdessen bat Arnesen seinen Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow und den Aufsichtsrat um Hilfe, nachdem auch er erkannt hatte, dass defensiv Handlungsbedarf besteht. „Ich habe gefragt. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind nicht groß “, so Arnesen, „aber ich bin froh, dass alle sehen, dass wir was tun müssen.“ Damit wollte er jedoch nicht klagen, wie er gleich nachschob. „Ich bin hergekommen und wusste, dass wir finanziell Probleme haben, dass wir nicht mal eben 20 Millionen ausgeben können. Aber ich sehe das als Herausforderung und bin ehrlich gesagt nicht unzufrieden mit dem Kader. Ich gebe den Spielern noch Zeit, weil ich weiß, dass sie gut sind. Unsere Neuen sind zum Teil erst 19, da erwarte ich nicht nach drei Spielen eine Führungsrolle. Das sind nicht die Schlüsselspieler – nicht mal nach einer ganzen Saison.“

So eine Rolle gebe es beim HSV derzeit eh nur einmal, sagt Arnesen: und zwar lediglich mit Heiko Westermann. Der Mannschaftskapitän ist für den Sportchef der einzige Spieler, der eine echte Führungskraft darstellt. „Der lässt sich nicht unterkriegen“, lobt Arnesen, „der spielt weiter, auch wenn er ausgepfiffen wird. Der steht seinen Mann und wird in solchen Momenten sogar noch besser. Heiko ist ein sehr guter Kapitän. Wenn wir hier über Führung sprechen, dann möchte ich nur über Heiko sprechen. Er kann schlecht spielen, ausgepfiffen werden – aber er ist immer weiter ein Vorbild auf dem Platz und im Training.“ Gerade diese unerschütterliche Mentalität Westermanns scheint Arnesen zu imponieren, der sich von der Sorte Spieler offensichtlich mehr wünscht.
Mehr wünscht sich Arnesen auch für Oenning. Der Trainer sei einer Situation ausgesetzt, die mehr Zeit bedarf, sagt der HSV-Sportchef. „Ich habe es von Anfang an gewusst, dass es dauert. Ich habe hier einen Dreijahresvertrag abgeschlossen und hoffe, dass ich den komplett mit Michael als Trainer erfüllen kann.“ Für ihn spiele dabei auch keine Rolle, dass Oenning in elf Spielen beim HSV (saisonübergreifend) nur einen Sieg feiern konnte. Im Gegenteil, Arnesen schiebt die Problematik in den nicht mehr greifbaren Raum. „Nach dem Spiel habe ich in der Kabine gemerkt, dass die Spieler sauer waren. Richtig sauer auf sich selbst. Und jetzt müssen wir Eier haben und den Ärger umformen in Vertrauen und Willen. Jetzt muss jeder Spieler Stolz und Ehre entwickeln, weil er weiß, dass er es besser kann.“

Denn bislang sei der Leistungsstand noch nicht abrufbar, „wir wissen noch immer nicht, wo wir stehen“, so Arnesen. „Aber wir wissen, dass wir besser sind. Und wir wissen auch, dass wir schon bald besser werden.“

Viele Worte, viele Durchhalteparolen und noch mehr Konjunktive. Ich kann nur hoffen, dass Arnesen mit seiner Prognose Recht hat. Alles andere wäre allerdings auch fatal.

In diesem Sinne,
bis morgen!

Scholle (18.45 Uhr)

Kurz notiert:

Während die Stammelf einen knapp 60-Minuten langen Lauf im Volkspark absolvierte, trainierten die Reservisten auf dem Platz. Mladen Petric absolvierte zusammen mit der Startelf aus dem Bayern-Spiel die Laufeinheit und soll am Dienstag um 10 und 15 Uhr aber ebenso wieder mit der Mannschaft trainieren, wie Änis Ben-Hatira heute schon. Weiter ausfallen wird Tolgay Arslan, der seine hartnäckige Knochenprellung im Knöchel am Rande des Bayern-Spiels von FC-Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ. Ohne neuen Befund. Wann der Offensivmann wieder voll mittrainieren kann, ist offen.

Saisonanalyse, Teil 2: Jaro hat sich durchgesetzt

17. Mai 2011

Frank Arnesen ist gelandet. Und er bleibt. Allerdings nur bis Mittwoch, wo er wieder gen London abfliegt, um seine Vorbereitungen für den UMzug nach Hamburg zu finalisieren. Zeit dafür gab es ja noch nicht… Aber im Ernst: Der desiognierte Sportchef wird sich heute Abend dem Aufsichtsrat stellen und dort seine Personalplanungen vorstellen. Sollte sich hier heute Abend noch aktuell etwas Neues ergeben, melde ich mich noch mal bei Euch. Morgen ist wieder Dieter da und hat das Vergnügen, sich mit Arnesen zu treffen und anschließend davon berichten zu können. Bis dahin setzen wir unsere Saisonanalyse fort. Heute mit der ersten Hälfte der Mittelfeldspieler.

Änis Ben-Hatira: Änis hat eine starke Entwicklung genommen. Ich habe ihn damals als 17-Jährigen kennengelernt. Damals sprach er davon, nie viel Wert auf Geld, schnelle Autos und vor allem nicht auf Partys zu legen. Ihm sei allein der Fußball wichtig. Und? Es kam alles anders als der junge Berliner dachte. Beim HSV wurde er zwar auffällig – allerdings weniger auf als neben dem Platz. Woraufhin sich die Hamburger von ihm auf Verleihbasis trennten. Doch auch außerhalb Hamburgs gelang dem offensiven Mittelfeldspieler wenig bis nichts. Umso beachtenswerter, und das rechne ich ihm besonders hoch an, hat er aus diesen miesen Voraussetzung zuzüglich der Tatsache, dass Trainer Armin Veh ihn zu Saisonbeginn nicht haben wollte, sich gemausert. Er ist für mich zwar weiterhin der Unvollendete, weil er seine teilweise sehr guten Aktionen nicht zum Abschluss bringen kann. Entweder der entscheidende Pass kommt nicht oder zu spät, oder der eigene Abschluss fehlt. Änis zählt ganz sicher zu der Kategorie Talent – allerdings muss er in der kommenden Saison noch konstanter werden.
Änis in Zahlen..
Spielminuten: 1046
Tore: 3
Schüsse aufs Tor: 11
Schüsse neben das Tor: 7
Torvorlagen: 1
Pässe: 311
Passgenauigkeit in %: 76%
Flanken: 32
Flankengenauigkeit in %: 34%
Dribblings: 52
Erfolgreiche Dribblings in %: 46%
Verteidigung: Tacklings: 25
Gewonnene Tacklings in%: 100%
Fouls: 25
Abseits: 7
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 1

Marcell Jansen: Der Umstrittene. Oder einfach nur der Missverstandene? Marcell Jansens Qualitäten sind unbestritten, allerdings konnte sie der Linksfuß unter Armin Veh zu selten abrufen. Ein Zehbruch stoppte Jansen in der Hinrunde fast drei Monate lang – eine Dauer, die Veh nicht nachvollziehen konnte und die ihn dazu veranlasste, mit Jansen zu brechen. Ob und inwieweit er auch beim damaligen Co- und aktuellen Cheftrainer Oenning im Abseits ist, wird sich zeigen. Zuletzt jedenfalls hatte Jansen immer hinter Eljero Elia das Nachsehen und saß auf der Bank. Folge: Jansen wurde nicht von Bundestrainer Joachim Löw nominiert. Allerdings hatte sich Jansen zuvor mit Löw unterhalten und aus dem Gespräch die Nachricht gezogen, sich künftig als Linksverteidiger zu spezialisieren. “Das ist meine eigentliche Position”, so Jansen, der damit in Konkurrenz zu Nationalmannschaftskollege Dennis Aogo tritt. Ansonsten ist Jansen Leistung in dieser Saison (wieder) kaum zu bewerten – zu unregelmäßig konnte/durfte/hatte er es verdient, sein Leistung auf dem Platz unter Beweis zu stellen.

Jansen in Zahlen…
…Spielminuten: 1031
Tore: 2
Schüsse aufs Tor: 8
Schüsse neben das Tor: 6
Torvorlagen: 0
Pässe: 412
Passgenauigkeit in %: 71%
Flanken: 59
Flankengenauigkeit %: 15%
Dribblings: 44
Erfolgreiche Dribblings in %: 45%
Verteidigung: Tacklings: 27
Gewonnene Tacklings in%: 81%
Fouls: 9
Abseits: 2
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

David Jarolim: Der Ex-Kapitän galt mal wieder – wie vor jeder Saison mit einem neuen Trainer – als erster Streichkandidat. Für seine Position verstärkte sich der HSV mit Gojko Kacar. Und Jarolims Demission als Kapitän schien nur der Anfang seines Endes beim HSV – bis Veh den Tschechen im Training kennenlernte und seine schlechte Meinung über den Rechtsfuß schnell revidierte. “Ich habe mich bei Jaro eindeutig geirrt”, so Veh damals schon im Trainingslager in Längfenfeld. Und Jarolim hielt, was er versprach: Er spielte eine solide Saison. Das heutige Geburtstagskind (Herzlichen Glückwunsch!) arbeitete auf dem Platz wie gewohnt vorbildlich. Er grätschte, lief, schleppte Bälle und wurde gefoult. Wie immer. Aber eben auch nicht mehr. Im Gegenteil, kurz vor der Winterpause ging dem “Mann der 1000 Lungen” kurzzeitig die Puste aus. Frisch Vater geworden, musste der 32-Jährige das erste Mal zugeben, körperlich an seine Grenzen gekommen zu sein. Zum Glück war ihm davon in der Rückrunde (“Die Wintervorbereitrung war super. hart – aber effektiv”) nicht mehr viel anzumerken. Im Gegenteil: Jaro wirkte frisch. Er setzte sich im defensiven Mittelfeld gegen Gojko Kacar durch, der dafür in die Innenverteidigung rückte. Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass nicht klar zu sagen ist, wer sich bei dem Konkurrenzkampf Zé Roberto/Jaro/Kacar wie durchgesetzt hat. Immerhin musste Zé lange hinten links aushelfen, ehe er ins Mittelfeld zurückkehrte. fast zeitgleich wurde Kacar zum Innenverteidiger umfunktioniert. Die Situation “zwei aus drei” gab es im defensiven Mittelfeld nahezu nie. In den nächsten Tagen, so ist zu hören, will der HSV seine ersten Zugänge für die neue Saison präsentieren. darunter auch mindestens ein defensiver Mittelfeldspieler, der auch Jarolim Konkurrenz machen soll. Dennoch wette ich, dass sich Jaro erneut durchsetzen wird. Auch wenn man von ihm nie Spielmacher-, geschweige denn Torjägerqualitäten erwarten können wird…
Jaro in Zahlen…
…Spielminuten:
1982
Tore: 0
Schüsse aufs Tor: 3
Schüsse neben das Tor: 1
Torvorlagen: 1
Pässe: 1336
Passgenauigkeit in %: 91%
Flanken: 6
Flankengenauigkeit in %: 33%
Dribblings: 42
Erfolgreiche Dribblings in %: 64%
Verteidigung: Tacklings: 67
Gewonnene Tacklings in %: 85%
Fouls: 48
Abseits: 0
Gelbe Karten: 10
Rote Karten: 0

Gojko Kacar:Der Gewinner der Rückrunde. Zumindest in meinen Augen. Immerhin galt der ruhige, fast intrivertiert wirkende Serbe lange Zeit unglücklich. Zum einen er selbst, zum anderen seine Leistungen auf dem Platz. “Ich kam nicht richtig rein”, bestätigt Gojko heute, “ich brauchte einen Anstoß. Ich musste richtig fit sein und mir über einige Spiele Sicherheit holen.” Das gelang – allerdings weniger auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld denn als Nebenmann von Abwehrchef und Mannschaftskapitän Heiko Westermann in der Innenverteidigung. Dort entwickelte sich Kacar so gut, dass der Ausfall von Joris Mathijsen kaum mehr ins Gewicht fiel. Dennoch, da bin ich mir sicher, wenn Kacar richtig fit ist, gehört er ins Mittelfeld. Seine Torgefahr, seine Zweikampfstärke und seine Kofballstärke sind gute Argimente, ihn wieder auf seine ursprüngliche Position zu setzen. Vorausgesetzt natürlich, dass der HSV für die Innenverteidigung adäquaten Ersatz hat. Ansonsten ist Kacar nur für die erste Halbserie im Mittelfeld zu bewerten, wo er sich allerdings in dieser Saison nicht wirklich durchsetzen konnte.
Gojko in Zahlen…
…Spielminuten:
1592
Tore: 2
Schüsse aufs Tor: 4
Schüsse neben das Tor: 7
Torvorlagen: 1
Pässe: 740
Passgenauigkeit in %: 76%
Flanken: 6
Flankengenauigkeit in %: 17%
Dribblings: 17
Erfolgreiche Dribblings in %: 53%
Verteidigung: Tacklings: 57
Gewonnene Tacklings in %: 91%
Fouls: 20
Abseits: 3
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 1

Robert Tesche: Der Allrounder, der überall, aber doch auch nirgends zuhause ist. Zumindest sagt er das selbst über sich und diese Saison. “Ich wurde als Allzweckwaffe fast immer mitnominiert. Aber gespielt habe ich fast nie”, so Tesche. Gerade elf Einsätze, davon knapp die Hälfte als Einwechselspieler in den Schlussminuten durfte der 23-Jährige ran. Dabei konnte er nicht wirklich auf sich aufmerksam machen, wie auch die unten aufgeführte Statistik zeigt. Gerade drei Flanken und nur ein einziger Schuss aufs Tor – weniger brachte kein anderer HSV-Mittelfeldspieler zustande. “Ich werde mir die Vorbereitung ansehen und dann entscheiden”, sagt Tesche heute – und deutet damit an, wechseln zu wollen, sofern sich seine Situation nicht verändert. Und während ich soetwas desöfteren verurteile, kann ich ihm in diesem Fall nur zustimmen. Denn um lediglich auf der Bank zu sitzen, hat der 23-Jährige zu viel Potenzial. Er ist kopfball- und zweikampfstark, verfügt über einen satten und zielgenauen Schuss – allerdings braucht er dringend Spielpraxis, um seine gute Entwicklung aus dem Jahr in Bielefeld und dem ersten Jahr beim HSV fortzusetzen. Diese bekam er beim HSV nicht, weil die Konkurrenz zu stark war. Vielleicht ist der Umbruch ja seine Chance…
Tesche in Zahlen…
…Spielminuten:
521
Tore: 0
Schüsse aufs Tor: 1
Schüsse neben das Tor: 1
Torvorlagen: 0
Pässe: 246
Passgenauigkeit in %: 84%
Flanken: 3
Flankengenauigkeit %: 33%
Dribblings: 11
Erfolgreiche Dribblings in %: 36%
Verteidigung: Tacklings: 17
Gewonnene Tacklings in%: 88%
Fouls: 12
Abseits: 0
Gelbe Karten: 0
Rote Karten: 0

Wie oben bereits erwähnt, sollte heute Abend noch Bahnbrechendes bei der Aufsichtsratssitzung passieren, melde ich mich noch mal. Ansonsten ist morgen Dieter wieder da. Mit Neuigkeiten von Frank Arnesen. Persönlich hoffentlich…

Scholle
18.27 Uhr

In diesem Sinne,

Arnesen im Gespräch: “Wir müssen intelligenter sein”

23. Februar 2011

++++++So, dann waren wir doch etwas schneller durch, als gedacht. Ich hoffe, es stört niemanden ;-)+++++++

Der Trouble schien Morten Nissen nicht wirklich geheuer zu sein. Eigentlich hatte der Organisator des Wirtschaftsvereins „Boblernes Ehrverv Support“ eine sehr informative, aber auch im sehr überschaubaren Kreis gehaltene Info-Veranstaltung erwartet. „Wir planen solche Veranstaltungen für unsere Partner alle zwei, drei Jahre. Zuletzt war Flemming Ostergaard, Präsident des FC Kopenhagen Gastredner. Da war es ruhig.“ Im Gegensatz zur diesjährigen Veranstaltung, zu der niemand geringeres als Frank Arnesen eingeladen wurde. „Dass er dann so kurz vor der Veranstaltung für den HSV verpflichtet wurde, konnten wir zuerst gar nicht glauben.“ Aber es wertete die Veranstaltung, zu der nach der PK noch 450 honorige Geschäftsleute in das Hotel Comwell in Sonderborg geladen waren, deutlich auf.

Das wiederum lag an dem durchaus imponierenden Auftreten Arnesens. Der dänische Sportchef des FC Chelsea und designierte Sportliche Leiter des HSV zeigte sich völlig entspannt. Adrett im dunkelblauen Anzug und mit einer dunkelblau-schwarzen Krawatte gekleidet, stellte er sich uns sogar noch vor Beginn der Veranstaltung. Wir wollten wissen, ob er inzwischen Kontakt zu HSV-Trainer Armin Veh aufgenommen hat. „Nein“, so die kurze Antwort, „ich möchte die in Hamburg arbeitenden Leute nicht unnötig beunruhigen. Ich habe noch einen Vertrag bis zum 30. Juni beim FC Chelsea. Ich habe ein gutes Verhältnis zu den Leuten dort, insbesondere zu Roman Abramowitsch.“ Dies wolle er nicht mit despektierlichem Verhalten gefährden.

Arnesen hat Stil. Nicht nur bei der Kleidungswahl. Wird der dänische Ex-Nationalspieler (sang übrigens das WM-Lied „vi er roede, vi er vide“ der Dänen bei der WM 1986 in Mexiko) gefragt, antwortet er der Person, ohne sie dabei aus dem Blick zu verlieren. Und er antwortet lang, sehr ausführlich. Den dänischen Kollegen erklärte er ausführlich, warum sein FC Chelsea am Dienstag gegen den FC Kopenhagen gewonnen hatte. Und er erklärte, was ihn zu einem Wechsel von einem Milliardenklub wie dem FC Chelsea nach Hamburg zum HSV bewegen konnte. „Finanziell wird es wohl ein bisschen anders“, lachte Arnesen und fügte hinzu: „Ich habe zehn Jahre lang beim PSV Eindhoven gearbeitet, wo wir finanzielle ähnlich situiert waren. Damals mussten wir einfach investigativer arbeiten, intelligenter sein als andere. Und das ist eine riesige Herausforderung. Auch dann beim HSV.“

Dann beim HSV. Arnesen ließ keine Gelegenheit aus, deutlich zu machen, dass er erst ab Juli für den HSV aktiv wird. Wer jetzt die nötigen Entscheidungen trifft? Immerhin 20 Spieler- und ein Trainervertrag gilt es zu verlängern oder eben zu beenden. „Ich bin zu 100 Prozent für Chelsea unterwegs und habe den HSV im Hinterkopf. Ich telefoniere sicherlich auch mit Hamburg. Aber Hamburg hat bislang immer wieder ohne Frank Arnesen funktioniert – und das wird der Klub auch in dieser kurzen Zeit schaffen.“

Selbst die Stadt kennt Arnesen nach eigener Aussage nur von dem kurzen Testspieltrip des FC im Sommer. „Aber mein Freund Sören Lerby hat mir sehr viel über die Stadt erzählt. Meine Frau liebt London. Da ist es kein riesiger Schritt gewesen, sie zu überzeugen.“ Insgesamt sieht Arnesen sogar in dem Umfeld des HSV dessen größtes Kapital. „Wir müssen einen guten Plan haben, um gute Leute zu bekommen. Dabei können wir – ähnlich wie im schönen Londoner Stadtteil Chelsea – mit einer tollen Stadt und einem sehr schönen Wohnumfeld punkten. Dazu das Stadion – das ist fantastisch. Und die Fans sind es auch. Wir haben einen Zuschauerschnitt von 55000 und eine Top-Mannschaft.“

Zudem sei der sportliche Reiz der Bundesliga für ihn ein ganz wichtiges Argument gewesen. „Das alles ist mit Englischen Verhältnissen gleichzusetzen. Deutschland hat zusammen mit England die beste Infrastruktur für Fußball. Spätestens seit der WM 2006 und den Bau der tollen Stadien.“ Nach dem Scherz, dass Deutschland nach Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Spanien und England eines der letzten Länder sei, in dem er noch nicht gearbeitet habe, lobt er die sportliche Qualität: „In der Bundesliga spielen immer gleich zehn bis zwölf Klubs um die Spitze, das macht den Wettbewerb besonders spannen. Wie spannend erkennt man schon daran, dass in den letzten Jahren Wolfsburg, Stuttgart, Bayern München und aktuell der BVB ganz oben stehen. In den anderen großen Ligen wie England sind es drei, vier Teams, die um den Titel spielen. In Deutschland ist das immer ziemlich offen.“

Dass es trotz lukrativer Angeote von Real Madrid und Scheichklub Manchester City letztlich der HSV wurde, für den sich Arnesen entschied, erklärt der vierfache Vater auch mit der großen Vergangenheit. In seiner aktiven Zeit bei Ajax Amsterdam erlebte er die erfolgreichste Ära der Hamburger. Und er war begeistert: „Namen wie Kaltz, Hrubesch, Magath und Kevin Keegan waren damals riesig. Der HSV stand zweimal im internationalen Endspiel. Der HSV war immer ein ganz großer Verein. Und jetzt müssen wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass wir wieder das Beste erreichen.“ Wobei Arnesen insbesondere den Teamgeistgedanken hervorhebt. „Wir müssen alle zusammenarbeiten, anders gibt es keinen Erfolg. Jetzt müssen wir alle wider dafür sorgen, aus diesem Verein wieder etwas Großes zu machen. Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Nachwuchsbereich und im Scouting. Ich erwarte von meinem Mitarbeiterstab Zusammenhalt, dass alle für die gemeinsame Sache auftreten.“ Dass der in Titeln gerechnet schon eine ziemlich lange Zeit beim HSV ausgeblieben ist, stört Arnesen nicht – es motiviert ihn: „Ich kann mich durch Niederlagen richtig gut entwickeln, weil ich da vor Augen geführt bekomme, was ich alles falsch und dementsprechend besser machen muss. Und das gilt auch für jeden einzelnen im Klub.“ Arnesens Arbeitsmotto: „Mit Emotion dabei sein, aber niemals aus einer Emotion heraus entscheiden.“

Wie genau er das beim HSV umsetzen will und welche seine erste Baustelle sei, wollte Arnesen nicht beantworten. Er könne es auch gar nicht. Stichwort Chelsea, Vertrag und so… Sein Ziel sei es, ein gutes Team auf und neben dem Platz aufzustellen. Dass es passieren könnte, dass sein Mentor und Fürsprecher im Klub, Vorstandsboss Bernd Hoffmann, über dessen Verbleib in den nächsten Monaten vom Aufsichtsrat entschieden wird, dann schon nicht mehr zum Team gehört, wollte Arnesen nicht kommentieren. „Das ist Sache des Klubs.“

Und der trainierte heute. Wie Ihr Euch sicher denken könnt, war ich durch meinen Dänemark-Trip nicht am Stadion. Aber, mein Abendblatt-Kollege Florian Heil sowie Benno Hafas konnten mir einige Eindrücke schildern. So ließ Trainer Armin Veh einem kurzen Aufwärmprogramm mit Kreisspiel ein langes Spiel über den kompletten Platz folgen. Elf gegen elf. Und A- gegen B-Elf, wobei Jansen gegenüber dem Bremen-Spiel Heung Min Son ersetzte. Endergebnis: 6:0! Für die A-Elf. Mladen Petric und Paolo Guerrero doppelt sowie Jansen und Zé Roberto trafen in einer höchst einseitigen Partie. Dabei hatte die B-Elf absolut keine Chance. Auffällig schwach hierbei: Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer befindet sich noch immer in einem Formtief.

Ebenfalls auffällig war heute David Jarolim. Nachdem sich der Tscheche über einen Zweikampf, den der frustrierte Mittelfeldspieler im Gegensatz zum Trainer als Foul wertete, bei eben selbigem beschwerte, platzte es aus Veh heraus: „Wenn das hier so weitergeht, ist hier gleich Feierabend.“ Worte, die an Jarolim gerichtet waren, für alle gelten sollten und symptomatisch für Vehs Stimmung. Die ist trotz des 4:0 im Derby gegen Bremen (Arnesen: „Das war doch schon richtig gut“) diplomatisch gesagt bescheiden. Ich bi n gespannt, ob der Trainer, der für die nahe Zukunft ein klares Statement seinerseits angekündigt hat, vielleicht schon heute in der turnusmäßigen Pressekonferenz des HSV (wird auch hier wieder in kompletter Länge zu sehen sein) zu seiner Zukunft äußert. Nicht wenige rechnen weiterhin damit, dass er trotz der Ankündigungen von Noch-Sportchef Bastian Reinhardt, im März würde eine Entscheidung fallen, dem Ganzen vorgreift.

In diesem Sinne, se dig i morgen! Bis morgen!

20.30 Uhr

Euer Scholle

P.S.: Trainiert wird morgen um 15 Uhr an der Imtech-Arena.

Auf geht’s! In eine Neun-Punkte-Woche, bitte…

11. Februar 2011

Vor dem Nürnberg-Spiel war ich voll des Lobes. Begeistert von einer Trainingswoche, in der Feuer drin war. Wo sich untereinander verbal angefeuert wurde. Wo auch mal der eine oder andere härtere Zweikampf geführt wurde. Selbst Trainingsmuffel Ruud van Nistelrooy traf im Abschlusstraining fast nach Belieben. Allein es half nichts. Im Gegenteil, der HSV ging in Nürnberg mit 0:2 und einer katastrophalen Leistung baden.

Und es ist allein dieser Umstand, der mich jetzt hoffen lässt. Denn was die Mannschaft in dieser sowie in der letzten Woche trainierte, war alarmierend. So komplett das Gegenteil von dem, was vor dem Nürnberg-Spiel gezeigt wurde, dass ich einen 8:0-Sieg morgen bei dem VW-lern fast logisch finden würde…

Aber im Ernst, die „Leistungen“ dieser Woche gipfelten in der Verzweiflung Armin Vehs im heutigen Abschlusstraining. „Noch zehn Minuten Abschlussspiel“, hatte er angekündigt. Als er allerdings sah, wie schwach seine A-Elf (Rost – Demel, Westermann, Mathijsen, Aogo – Ben-Hatira, Jarolim, Zé Roberto, Jansen – van Nistelrooy, Petric) agierte und sogar 0:1 in Rückstand geriet, dehnte er das Spiel um noch mal zehn Minuten aus.
Als es dann allerdings noch keinen Deut besser wurde und seine A-Offensive außer Collin Benjamins „Allerheiligstes“ nichts traf, legte er noch mal zehn Minuten drauf.

Veh ließ spielen – und spielen – und spielen – bis er die Geduld verlor, beziehungsweise, bis er abbrechen musste, weil sich die Abreise nach Wolfsburg ansonsten verzögern würde. Die A-Elf hatte im Übrigen 0:1 verloren.

Mit an Bord war der Kader, der auch gegen den FC St. Pauli hätte spielen sollen. Plus Collin Benjamin. Ergo: Heung-Min Son, Muhamed Besic, Choupo-Moting, Torun und der gesperrte Gojko Kacar waren nicht dabei. Die Jungen und gesperrten eben.

Wobei mir Gojko Kacar, das hatte ich gestern bereits angedeutet, richtiggehend imponiert. Ich hatte ihn in der Hinrunde fast schon abgeschrieben. Zum einen, weil er sportlich nicht überzeugen konnte. Zum anderen, weil er derart introvertiert wirkte, dass ich befürchtet habe, er würde sich irgendwann verkriechen und resignieren. Umso schöner ist es jetzt zu sehen, wie der Serbe aufblüht. Seit zwei Wochen übernimmt er die Führung im B-Team bei den Abschlussspielen. Er wirkt, obwohl er weiß, dass er gegen Wolfsburg nicht spielen kann, hochmotiviert. Aber vor allem wirkt er völlig klar im Kopf und mit dem Selbstbewusstsein ausgestattet, das ein Bundesligaprofi braucht, um in dem harten Geschäft zu funktionieren. „Ich bin zum ersten Mal richtig fit“, hat er mir gestern verraten und dabei glücklich gelächelt. Aber bevor ich mich einen Tag vor dem wichtigen Spiel in Wolfsburg über einen Spieler auslasse, der gar nicht dabei ist, meine Haupterkenntnis: mit Kacar hat der HSV nicht nur einen sehr talentierten Fußballer, sondern auch einen richtig guten Typen dazugewonnen. „Wenn ich draußen bleiben muss, dann doch nur, weil es gut läuft und wir gewinnen“, antwortet er auf die Frage, ob er befürchtet, seinen Stammplatz zu verlieren? „Nein, meine Chance bekomme ich immer. Und ich nutze sie, weil ich gut drauf bin. Und wenn ich dafür zehn Siege in Folge abwarten muss, freue ich mich. Weil wir gewinnen müssen. Egal wie. Und egal mit wem.“

Das stimmt. Marcell Jansen, der Eljero Elia aus der Startelf verdrängt hat, formulierte es heute so: „Wir müssen in Wolfsburg gewinnen, indem wir hinten sicher stehen und vorne die nötigen Dinger machen. Dabei ist schönspielen das letzte, was wir brauchen. Im Gegenteil, wir müssen aus den bisherigen Spielen die richtigen Schlüsse ziehen. Und das war ein Sieg auf Schalke gegen eine völlig verunsicherte Mannschaft sowie zwei schwache Spiele gegen Frankfurt und zuletzt Nürnberg. Wir müssen also von vorn beginnen. Und das heißt, über den Willen Erfolgserlebnisse holen. Egal wie. Auch hässliche Siege bringen drei Punkte. Und der Rest kommt dann automatisch. Neun Punkte sind die Vorgabe der nächsten Woche.“

Allerdings stehen drei besonders brisante Nordderbys bevor. Morgen gegen Wolfsburg auswärts, anschließend am Mittwoch gegen St. Pauli und am Sonnabend gegen Werder Bremen zuhause. „Wir wissen, dass wir eine Woche vor uns haben, in der wir alles Bisherige vergessen machen können“, sagt der wieder gesunde Joris Mathijsen. der Niederländer, der wahrlich nicht zu den Träumern zu zählen ist, warnt im selben Atemzug aber auch: „Diese Woche können wir viel gewinnen – aber noch mehr verlieren. Das wissen alle.“

Uns allen steht eine Englische Woche mit drei Top-Spielen bevor. Eine Woche, die uns den Weg aufzeigen wird, den der HSV diese Serie geht. Und wenn ich anfangs noch befürchtet hatte, der Trainerwechsel in Wolfsburg vor diesem Spiel könnte ein Nachteil sein, so hat sich dieses Bild gedreht. Der einst so sympathische Nachfolger von Steve McClaren, Pierre Littbarski, hat sich da ordentlich verdribbelt. Als Cotrainer hatte er sich kumpelhaft duzen lassen von seinen Akteuren – jetzt sollen die Spieler ihn siezen. Auch die erhoffte Aufbruchsstimmung zog er runter, als er von Fitnessmängeln bei seiner Mannschaft sprach. „Man sollte die Arbeit, die ich bisher leiste, nicht zu erwartungsvoll bewerten. Berge können wir nicht sofort versetzen.“ Statt neuen Optimismus verbreitet der einst so lebensfroh wirkende Littbarski Pessimismus. „Dass der HSV mit Armin Veh kommt, bereitet mir Magenschmerzen“ klagt Littbarski. „Er ist hochmotiviert, gibt das auch an seine Mannschaft weiter. Er will hier unbedingt gewinnen. Nicht nur, weil wir das Hinspiel gewonnen haben. Das ist ein unangenehmer Punkt.“

Oha. Das haben sich die Offiziellen in Wolfsburg wahrscheinlich auch etwas anders vorgestellt. Wobei, Achtung, Phrasenschwein-Alarm: entscheidend ist auf dem Platz. Gewinnt „Litti“ morgen mit dem VfL, der ohne den suspendierten Diego und voraussichtlich auch ohne Grafite (Oberschenkelprobleme) antritt, ist alles gut und jedes Wort im Vorfeld richtig gewesen. Fußball-Logik…

Eine Logik, die der HSV hoffentlich zu umschiffen weiß. Zumal die Mannschaft nach der Minusleistung beim FCN sowie durch die Niederlagen der Konkurrenz an Motivation keinen Mangel haben darf. Das und die Aussicht auf die drei Derbys in sieben Tagen muss bei jedem Fußballer, der diesen Namen noch verdient, für ausreichend Adrenalin sorgen. Schon gegen den VfL stehen alle in der Pflicht der Wiedergutmachung. Einige sogar fast noch etwas mehr als andere. So muss Mathijsen sich mit einer blitzsauberen Leistung zurückmelden, sofern er wieder an dem zuletzt starken Gojko Kacar vorbei in die Stammelf rutschen will. Gleiches gilt für Jansen auf links, Ben-Hatira auf rechts und vor allem natürlich Ruud van Nistelrooy. Auf den Niederländer wird erneut der Fokus liegen, nachdem er seine 100000-prozentige Einsatzbereitschaft für den HSV angekündigt hatte. Und auch wenn ich seine Trainingsleistungen mit einer Fünf minus benoten würde, ich hoffe auf seinen Instinkt. Den kann er nicht verlernt haben. Und ich setze auf seinen selbst bekundeten Sportsgeist. Stichwort 100000 Prozent. Sollte dazu noch Zé Roberto einen seiner besseren Tage haben, dürfte nichts schief gehen.
Konjuntiv über Konjunktiv. Aber eben Hoffnung. Das ist doch ein Anfang.

Zumal ich einmal mehr darauf setze, dass der HSV auf alles reagieren kann. Von der Bank her ist der HSV absolut top. Sollte es wider Erwarten mit der Startelf nicht funktionieren, kann Veh mit Guerrero, Trochowski sowie Elia und Pitroipa offensiv Akzente setzen. Vor allem die beiden Letztgenannten haben individuelle Qualitäten, die ein Spiel verändern können.

In diesem Sinne: Auf dass ich mich morgen nach einem Sieg in der VW-Arena wieder bei Euch melden kann!

19.20 Uhr

P.S.: Und für alle, die allergisch auf unschöne Dinge rund um den HSV reagieren: Bitte ab hier nicht mehr weiterlesen…

Denn: auch heute war das Entscheidungsvakuum beim HSV noch Thema. Für alle, die hier kritisch wieder irgendwas von „Brandherd“ oder „Nebelkerzen“ sprechen sei gesagt, dass dieses Thema definitiv ein Thema ist und schon seit Januar im Aufsichtsrat sehr kritisch besprochen wird. Auch die Vereinsführung – vom Trainer über die Kontrolleure bis zum Vorstand – will möglichst schnell Klarheit, weil alle mitbekommen, dass der HSV im jetzigen Zustand nicht planen kann. Allein, sie schaffen es (noch) nicht, sich auf einen gemeinsamen Weg zu einigen. Und so verliert der HSV unnötig Zeit, um seine Kaderplanung voranzutreiben.

Und zu meiner gestrigen Ergänzung in Sachen Sportchef sei gesagt, dass ich weiterhin dafür plädiere, Bastian Reinhardt mit allen nötigen Befugnissen auszustatten, solange er eingesetzter Sportchef ist. Ich hatte – fälschlicherweise wie ich zugeben muss – vorausgesetzt, dass Ihr das alle wisst, weil ich schon so oft darüber geschrieben habe. Leider kam so Und so kam ein Satz heraus, der nicht meine Meinung wiederspiegelt. Aber er ist auch nicht ganz falsch. Denn ich höre leider noch immer, dass die Personalie Reinhardt beim HSV noch nicht endgültig entschieden ist. ER soll sogar gegenüber Beratern erwähnt haben, nicht entscheiden zu können und an Klubboss Bernd Hoffmann verwiesen haben. Das sind alles unschöne Umstände, die ebenso erwähnt werden müssen wie abgestellt werden können. Hoffen wir darauf.

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