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Keine Kompromisse – AKTUALISIERT!

10. Februar 2015

Marcell Jansen ist gern Hamburger. HSVer, um genau zu sein. Dass das allein nicht reicht, um Jahr für Jahr einen neuen Vertrag zu bekommen, weiß er spätestens seit diesem Winter nur zu genau. „Er hatte ein Angebot, es gab Anfragen“, bestätigte Peter Knäbel jüngst. Und der Direktor Profifußball ergänzte im selben Atemzug, dass sich der HSV mit einem möglichen Wechsel auseinandergesetzt hätte. Mehr noch, es schien, als habe der HSV darauf gehofft

Das war vor zwei Wochen.

Heute, also ein schlechtes und zwei ordentliche Spiele später sieht es schon anders aus. Denn zuletzt hatte der HSV den Plan gefasst, einen Großteil der auslaufenden Verträge auch auslaufen zu lassen. Jansen zählte dazu. Jetzt ist er bei den verantwortlichen wieder auf dem Schirm. Der Linksfuß hat wieder eine realistische Chance, auch über den Sommer hinaus in Hamburg zu kicken. Wenn er so weitermacht. „Konstant gute Leistungen sind der Schlüssel für alles“, sagt Knäbel, „bei uns ist kein Spieler abgeschrieben“ – und ich stimme ihm grundsätzlich zu.

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Das Problem: Der HSV MUSS im Sommer sparen, das steht fest. Das geht über am besten über Gehaltseinsparungen wie sie bei Jansen, Westermann, van der Vaart, Rajkovic und Gojko Kacar geplant waren. Allein diese vier würden dem HSV rund zehn Millionen Euro per annum ersparen. Aber sie müssten auch ersetzt werden durch vergleichsweise günstigere Spieler. Wenn man sich jetzt wieder von dem Weg des Umbruchs abbringen lässt, ist das sportlich nachvollziehbar. Aber in Kombination mit dem Wirtschaftlichen ist das ein schlechter Kompromiss, der die Probleme des HSV nur vor sich herschiebt – aber nichts löst.

Nur, um das klarzustellen: Wenn jetzt einer der oben genannten Spieler überragt und beweist, dass er den HSV noch nach vorn bringt, sollte er seine Chance bekommen, zu bleiben. Ich habe absolut nichts gegen einen der genannten, ganz im Gegenteil. Dennoch glaube ich, dass diese Mannschaft eine Auffrischung braucht. Soll heißen: Wenn sich der HSV die Gehälter seiner „Stars“ nicht mehr leisten kann, muss er den Weg gehen: Ein Tah anstelle von Rajkovic und Westermann. Und gern auch einen Demirbay anstelle eines umfunktionierten Rafael van der Vaarts. Allein diese beiden Personalrochaden würden dem HSV knapp sechs Millionen Euro einsparen können.

Immer wieder wird die erste Halbzeit des Tests gegen Eintracht Frankfurt genannt, wenn es darum geht, die Qualität der aktuellen Nachwuchsspieler zu verdeutlichen. Ein Beispiel, das nur bedingt zählt, da die Voraussetzungen vor einem Test nie mit dem Pflichtspiel-Wettbewerb zu vergleichen sind. Dennoch haben viele Vereine zuletzt bewiesen, was mit eigenen Talenten zu bewirken ist. Ob es einst Dortmund war, wie immer Mainz oder jetzt auch Werder Bremen – gut gemacht funktioniert es. Aber zum „gut gemacht“ gehört unweigerlich auch der Mut zu unpopulären Entscheidungen. Vor allem aber muss sich der HSV endlich von diesen wiederkehrenden, schädlichen Kompromisslösungen verabschieden. Soll heißen: Entweder der Spieler, der einen neuen Vertrag erhält, ist die beste Wahl – oder eben ein anderer. Das klare Ziel aber muss es sein, dass der HSV 2015/2016 komplett aus Speilern besteht, von denen der HSV überzeugt ist – und das nicht nur, weil sie noch einen vertrag haben. Und ehrlich gesagt glaube ich daran. Immerhin ist der HSV bei Tolgay Arslan und Ivo Ilicevic bereits derart klar vorgegangen.

Heute Abend findet vom Bezahlsender Sky eine Art Kamingespräch mit Knäbel, Beiersdorfer und separat dazu Ottmar Hitzfeld statt. Lars ist vor Ort und wird Euch davon berichten. Ich verabschiede mich an dieser Stelle mit den guten Neuigkeiten von der Verletztenfront. Denn während Matti Steinmann und Dennis Diekmeier eine Laufeinheit auf dem Platz absolvierten. Zumindest bei Diekmeier ist ein Comeback in der Trainingswoche nach dem Bayern-Spiel sehr realistisch. Ebenso wie bei Cléber Reis, der heute sogar schon mit dem Ball arbeiten konnte. Auch der Brasilianer soll in der kommenden Woche wieder voll einsteigen und den Konkurrenzkampf erhöhen, während Maxi Beister am Sonnabend eventuell bei der U23 auflaufen und Spielpraxis sammeln soll. Und obwohl ich Beister lieber jetzt als gleich wieder auf dem Platz sehen würde, glaube ich, dass die Verantwortlichen hier die langfristig betrachtet richtige Entscheidung treffen werden. So viel Vertrauen muss sein.

Apropos Vertrauen: Genehmigt mir bitte ein kurzes Statement zu Marco Reus. Der Junge, der von der ganzen Fußballwelt umworben wird bleibt seinem BVB treu und unterschreibt bis 2019. Eine echt starke Geste des Offensivspielers. Und eine gut bezahlte. Dem Vernehmen nach verdient der passionierte Autofahrer acht Millionen Euro per annum und besitzt fortan keine festgeschriebene Ablösesumme mehr (zuvor 25 Millionen). Aber, um das ganz klar zu sagen: Reus’ Verbleib beim BVB ist ein unfassbares Glaubensbekenntnis. In der aktuell schwierigen Phase des BVB noch mal wertvoller. Reus: „Als ich gekommen bin, habe ich gesagt, dass ich mit dem Klub etwas vorhabe. Und dazu stehe ich. Man fällt und man gewinnt zusammen. Von daher ist es eine Entscheidung fürs Leben, ganz klar. Nicht umsonst habe ich so lange überlegt.“ Egal wie sehr er auch gewackelt haben mag, und egal, wie gut er jetzt bezahlt wird – das ist einfach stark.

So, das war es fürs Erste. Lars wird sich nach der Abendveranstaltung mit den drei Granden der Fußballszene bei Euch melden.

Bis dahin,
Scholle

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AKTUALISIERUNG: Kamingespräch mit Hitzfeld, Beiersdorfer, Knäbel
Am Abend gab es heute eine prominente Talk-Runde im „Butcher’s Steakhouse“ in der Milchstraße. „Sky“ hatte geladen zu einem Kamingespräch mit Ottmar Hitzfeld, dem früheren Bayern-Coach, sowie den HSV-Verantwortlichen Dietmar Beiersdorfer und Peter Knäbel. Im Mittelpunkt der kleinen Talk-Runde, die von „Sky“-Moderator Patrick Wasserziehr moderiert wurde – na klar: die Lage des HSV.

„Generell ist Ruhe eingekehrt beim HSV“, sagte Hitzfeld, der als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft eng mit Sportdirektor Peter Knäbel zusammen gearbeitet hat. „Auch nach der Niederlage gegen Köln ist man nicht in Panik verfallen. Früher war es hier in Hamburg das Gegenteil.“ Als ganz wichtigen Punkt für eine erfolgreiche Rückrunde hat Hitzfeld den Auswärtserfolg in Paderborn ausgemacht. „Das war ein ganz entscheidendes Spiel. Ich mochte da nicht in der Haut von Trainer Joe Zinnbauer stecken. Da konnte man eigentlich nur verlieren.“ Dass die Hamburger in Paderborn in dieser Partie und auch anschließend beim Sieg gegen Hannover keinen tollen Fußball gespielt haben, stört Hitzfeld nicht: „Es geht in solch einer Situation nicht darum, seine Philosophie oder Offensivfußball durchzudrücken. Es geht ums Gewinnen.“

Ein Kompliment des Erfolgstrainers Hitzfeld erntete Joe Zinnbauer. „Der HSV-Trainer ist authentisch und kann begeistern. Er kommt rüber und ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft ihrem Trainer folgt“, so Hitzfeld.

Dietmar Beiersdorfer war insbesondere froh, dass der HSV gegen Hannover mit 129 Kilometern eine sensationelle Laufleistung hingelegt hat. Beiersdorfer wörtlich: „Als ich in St. Petersburg war und immer ‚Matz ab‘ gelesen habe, stand da immer nur was von 112 oder 113 Kilometern.“ Inzwischen habe der HSV wieder einen Auftritt, wie der Vereins-Chef sagte, der Fortschritte zeige. Oder, wie Peter Knäbel ergänzte: „Diese Siege waren der Lohn für viel Fleiß!“

Peter Knäbel wurde auch nach einem möglichen personellen Schnitt nach dieser Saison angesprochen. „Wir reden nicht mehr über 14, sondern nur noch über sieben auslaufende Verträge“, wie Knäbel zunächst klarstellte. „Natürlich ist ein Schnitt möglich, aber jetzt den großen Cut anzukündigen, wäre verfrüht. Wir sind nicht in der Position, mit dem Finger schnipsen zu können, und alles läuft nach unseren Vorstellungen.“ Was den Rest der Saison, unabhängig vom Bayern-Spiel am kommenden Wochenende angeht, sagte Knäbel: „Auf uns kommen noch einige Schlüsselspiele zu. Gerade nach der Länderspielpause Ende März werden Aufgaben kommen, die uns noch mehr abverlangen werden als Paderborn oder Hannover.“ Und am Ende, so die Hochrechnung von Dietmar Beiersdorfer, seien wohl 36 oder 37 Punkte nötig, um sicher in der Bundesliga zu bleiben.“

Lars
20.30 Uhr
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