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Lasogga schießt den HSV zum 1:1

19. Oktober 2014

Beifall nach dem Schlusspfiff – obwohl der HSV wieder den zweiten Sieg in Folge nicht geschafft hat. Trotzdem, es war ein gutes Spiel, das der „neue“ HSV mit einem 1:1 gegen den bisherigen Tabellenzweiten aus Hoffenheim beendete. Es sah in der Anfangsphase nicht gut aus, als Hoffenheim mit 1:0 führte und vor dem 2:0 stand, aber der HSV kam noch einmal zurück. Auf der Tribüne freute sich „Dittsche“-Darsteller Olli Dittrich: „Es ist schön zu sehen, wie dieser HSV kämpft, sich wehrt, nicht aufgibt, es ist deutlich zu sehen, dass dieser HSV einen neuen Geist unter der Regie von Joe Zinnbauer entwickelt hat. Früher hätten viele Spieler die Köpfe hängen lassen und auch aufgegeben.“ Genau so ist es! Der HSV hat ein neues Gesicht, und es wird nicht immer ein Gegner des Kalibers Hoffenheim kommen. An diesem Sonntag war schön zu sehen, dass dieser angeschlagene HSV, der mit einem Sieg sogar vor Borussia Dortmund gestanden hätte, sich schon mit einem so guten und starken Gegner auf Augenhöhe messen kann – das schien vor Wochen noch undenkbar. Jetzt geht es zur Hertha nach Berlin, gewiss nicht leicht, aber dennoch machbar. Erst einmal aber sollte die Freude über den Punktgewinn gegen Hoffenheim vorherrschen – und ausgelebt werden!

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Das war schon ein zäher Beginn vor dem Beginn. Die S-Bahn streikte, und die Polizei offenbar auch. Auf allen Zufahrtsstraßen riesige Staus, an den Zufahrten (und Ampeln) null Polizei. Die hatte wohl auf die S-Bahn gehofft, dass die rechtzeitig fährt . . . Nee, nee, das war schon so, wie es eigentlich nicht sein sollte. Aber kommt leider immer wieder mal vor. Und wenn man bedenkt, dass der HSV in Zukunft noch einige Sonntagsspiele hat, dann graut es einem. Aber gut, so geht Politik.

 

Vor dem Anpfiff gab ein alter und guter Bekannter ein Interview für die VIP’s, das war Mehdi Mahdavikia. Lange nicht gesehen, aber schön ihn wieder mal im Volkspark zu haben, den „Flanken-Gott“. Am Tag vor dem Spiel hatte ein alter Bekannter, inzwischen aber kein guter Bekannter mehr, noch einmal zu einem Rundschlag gegen den HSV und den damaligen Sportchef Oliver Kreuzer ausgeholt – Hakan Calhanoglu. Er macht sich damit natürlich keine neuen Freunde mehr, im Gegenteil, aber ihn scheint es nicht groß zu jucken. Oder er ist ganz einfach nur schlecht beraten. Bin gespannt, ob er bis zum nächsten Heimspiel des HSV lernen wird – das findet am 1. November im Volkspark statt, gegen Leverkusen. Da wird er eventuell auch mal ein etwas anderes Echo hören. Wie schön wäre es doch, wenn die bayern-Verantwortlichen wenigstens jetzt eingreifen und ein Sprech-Verbot erteilen würden. Mal abwarten.

 

Im Stadion dann zum Anpfiff viele, viele Plätz frei. Nicht nur in der Gäste-Ecke, aber dort natürlich auch. 256 Hoffenheimer Fans waren an diesem Sonntag (!), danke DFL, dabei, somit war das ganze Dorf mit in Hamburg. Die anderen Plätze, die frei blieben, dürften auch mit dem Verkehrs-Chaos zusammenhängen Einige hatten wohl den Hals voll von Stau und Co und sind umgedreht. Was sicher auch besser war, aber nun ist auch genug, die Polizei ist ja ansonsten auch dein Freund und Helfer – in anderen Situationen.

 

Das Spiel begann dann genau so, wie man es erwartet hatte. Hoffenheim stand kompakt und lauerte auf Fehler des HSV, und die kamen und luden ein zum Kontern. Mehr als genug. Es war eine seltsame Hektik im Spiel des HSV, und die TSG-Truppe spielte auch, das muss man zugeben, einen guten Ball. Das, was dann auf die Schnelle nach vorne lief, das ist schon erste Sahne. Und jeder Hamburger konnte mal sehen, wie es ist, wenn man nach vorne Qualität fast ohne Ende hat. Da saß fast jeder Pass, da wurde raumgreifend gedribbelt und dann mustergültig nach vorne gespielt – herrlich anzusehen. Dahin muss der HSV erst noch eines Tages kommen, das geht nicht von heute auf morgen, das wird noch dauern.

 

So dann auch das 0:1 in der 15. Minute. Ballverlust von Lewis Holtby in der gegnerischen Hälfte, der HSV zu weit aufgerückt, Modeste lief sich im Rücken von Heiko Westermann frei, Johan Djourou kam zu spät – und Jarolsav Drobny ein wenig überflüssig aus seinem Tor. Als der Tscheche dann getunnelt wurde, führte Hoffenheim – und das nicht mal unverdient. Die Mannschaft hat eindeutig in dieser Saison an Klasse hinzugewonnen.

 

Sechs Minuten danach hätte es 0:2 stehen können, fast schon müssen. Freistoß von Rudy (von rechts), am langen Pfosten lauerte der lange Süle und köpfte wuchtig aus sechs Metern auf das Tor. Mit einem Super-Reflex meisterte Drobny diesen fast unhaltbaren Ball. Und erntete dafür riesigen Beifall.
Auch sein Gegenüber zeichnete sich danach zweimal aus. Baumann, der dem HSV zuletzt dreimal (als Freiburger Keeper) mit Toren half, hielt erst super gegen Rafael van der Vaart, dann auch noch den Nachschuss von Nicolai Müller – statt 1:1 nur Eckstoß (22.).

 

Der Ausgleich fiel dann aber doch. Ohne dass er sich angedeutet hatte, ohne dass er zwingend gewesen wäre. Wieder, wie zuletzt in Dortmund, war Müller der Vorbereiter. Er eroberte am Mittelkreis durch energischen Einsatz den Ball gegen Firminho, Tolgay Arslan kam an die Kugel und schickte Pierre-Michel Lasogga steil. Und der Torjäger nahm diesen Auftrag an – er lief noch einige Schritte und schoss dann an Baumann vorbei ins Netz – die Erlösung (34.).

 

Drei Szenen noch in der ersten Halbzeit, die zu erwähnen wären. In der 42. Minute Eckstoß für den HSV von rechts. Ein Balljunge warf einen zweiten Ball in den Strafraum, Baumann nahm die Kugel auf und warf ihn weiter in Richtung Elferpunkt. Klar, er wollte auf Zeit spielen. Schiedsrichter Peter Sippel sah es – und ermahnte den Keeper nur. Gelb wäre in meinen Augen besser gewesen, schade drum. Und Sekunden danach, bei einem Eckstoß von links (van der Vaart), stieg Heiko Westermann so super in die Luft und köpfte das 2:1 – hatten viele, auch ich, gedacht, aber der ball flog um Zentimeter am Tor vorbei. Bitter. Und in der Nachspielzeit leistete sich „Papa“ Tolgay Arslan noch einen dicken Klops. Ballverlust, Konter – und dann steht plötzlich Elyounoussi frei vor dem HSV-Tor. Das 1:2 schien unvermeidlich, doch Jaroslav Drobny erwies sich auch in dieser Szene als Teufelskerl. Er hielt diesen fast und eigentlich „Unhaltbaren“ – und wurde dafür enthusiastisch gefeiert, vor allem im Norden: „Drobny, Drobny, Drobny.“ Völlig berechtigt, das war eine sensationelle Tat.

 

Auch im zweiten Durchgang zuerst Hoffenheim. Firminho „nagelte“ den Ball aus 22 Metern – völlig unerwartet – an den langen Pfosten, Drobny flog, wäre aber wohl vergeblich geflogen (55.). Glück für den HSV. Neun Minuten später die Zinnbauer-Truppe vorne: Lasogga schießt aus zwölf Metern, Baumann wehrt ab, Müller stochert im Nachschuss, aber wieder ist Baumann zur Stelle. Er macht heute leider nicht einen Fehler. In der 66. Minute gab es Freistoß für den HSV, linke Strafraumecke, 18 Meter – Lasogga an den Außenpfosten, ganz leicht noch an den Außenpfosten. Pech. Es ging danach hin und her, hin und her – beide wollten das Ding hier gewinnen. Pierre-Michel Lasogga traf noch einmal aus 22 Metern die Querlatte (79.), es blieb aufregend und nass (der große Regen setzte ein) – aber es blieb auch beim 1:1. Mit diesem Punkt kann ich gut leben, beim HSV sollten sie ebenfalls so denken. Das war okay so. Danke.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier (30. Götz), Djourou, Westermann, Ostrzolek; Arslan (79. Stieber), Behrami; Müller, van der Vaart (ab 66. Jansen), Holtby; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny war wieder in Klasse-Form, das ist Note eins, ein Glück, dass ihn der HSV da hinten drin hat. Auch wenn er beim 0:1 etwas unglücklich aussah.

 

Dennis Diekmeier verletzte sich bereits in der zweiten Minute – und humpelte bis zur 27. Minute durch das Spiel. Er hätte früher rausgemusst, aber auf der Bank haben sie wahrscheinlich auf eine „Wunderheilung“ gehofft. Nur war Diekmeier bis dahin nicht mal bei 50 Prozent. Er dürfte sich wohl etwas schwerer verletzt haben, schade, schade, denn er war gerade in großartiger Verfassung.

 

Johan Djourou spielte ganz okay, gelegentlich ging er sehr, sehr großes Risiko ein – aber es ging immer alles gut. Note drei.

 

Heiko Westermann kämpfte, ackerte und lief und rannte wie immer, leistete sich aber auch einige haarsträubende Abspielfehler, von denen er nur jeden zweiten (unter Beifall der Fans) ausbügeln konnte. Ohne diese Abspielfehler hätte er e
Ine großartige Leistung gezeigt, schade.

 

Matthias Ostrzolek war heute nicht in jener Verfassung der letzten Spiele, stand einige Male falsch und brachte kaum etwas nach vorne.

 

Tolgay Arslan mit Licht und Schatten – er wirkte mir im Training viel agiler, schneller, williger und mutiger, das konnte er diesmal nicht zeigen, obwohl er durchaus gute Szenen hatte – aber eben auch einige Schwächen (siehe Nachspielzeit Halbzeit eins).

 

Valon Behrami kniete sich voll rein, holte viele Bälle, brachte sie aber anschließend nicht an den eigenen Mann. Dennoch, er ist ein hervorragender Kämpfer und nicht aus dieser Mannschaft wegzudenken.

 

Nicolai Müller kommt – immer besser. Er nimmt sein Herz in die Hand und marschiert, wenn es angebrahct ist, er und kein anderer macht es so. Auf einen wie ihn hat das Hamburger Publikum seit Jahren gewartet.

 

Rafael van der Vaart durfte mal wieder von Anfang an, brauchte eine lange Zeit, um in dieses Spiel zu finden – als er seine besten Szenen hatte, musste er raus. Da muss noch mehr kommen.

 

Lewis Holtby fand auch erst unter großen Schwierigkeiten zu seinem Spiel, zuerst einige Abspielfehler und auch einige Schwächen im Zweikampf – siehe 0:1. Er kann es deutlich besser, aber vielleicht lag es an der Umstellung auf links (aus der Zentrale).

 

Pierre-Michel Lasogga hängte sich voll rein, auch wenn er einige Zeit benötigte, um „voll“ da zu sein. Er schoss dann „sein“ Tor und es lief besser für ihn. Traf in der 79. Minute noch die Torlatte des TSG-Gehäuses. Note drei.

 

Ashton Götz (ab 30. Min. für Diekmeier) war auf Anhieb gut drin, aber mit Beginn des zweiten Durchgangs schien er das „große Denken“ zu bekommen, und dann unterliefen ihm Fehler, die er im Training so nie machen würde. Note drei.

 

Marcell Jansen (ab 66. Min. für van der Vaart) blieb unauffällig und ohne große Szene.

 

Zoltan Stieber (ab 79. Min. für Arslan) sollte noch einmal für Schwung nach vorne sorgen, hatte auch die große Möglichkeit zum 2:1 – aber Baumann hielt seinen 14-Meter-Schuss.

 

PS: Die Zweite hat heute etwas fast Unmögliches, auf jeden Fall aber Großartiges geschafft. Sie lag beim VfR Neumünster nach zehn Minuten 0:1 zurück und kassierte in der 30. Minute die Rote Karte für Abwehrspieler Dongsu Kim. Ein Doppelschlag von Matti Steinmann und Said Benkarit (79./80.) drehte dann aber das Spiel zum 2:1-Sieg für den Tabellenführer. Nach 13 Spielen 37 Punkte und 30 Plus-Tore. Super. Und Herzlichen Glückwunsch!

 

PSPS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, wir sprechen dann natürlich über das Spiel gegen Hoffenheim. „Scholle“ und ich haben wieder zwei Gäste eingeladen, es sind bastian Reinhardt und Fabio Morena aus der Zweiten. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich einschalten würdet wie zuletzt.
17.31 Uhr

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