Archiv für das Tag 'Arsenal'

Fink setzt in München auf Offensive – hoffentlich…

27. März 2013

*****Update: Training ist erst um 15 Uhr an der Arena! *****

Er ist wieder da. Und das besser denn je. Zumindest besser als bisher in dieser Saison – sagt er selbst. „Ich habe mir wieder Selbstvertrauen geholt, bin heute noch etwas schlapp – aber ich bin wieder richtig gut drauf.“ Ein verschmitztes Lächeln dazu – und fertig war die Portion Hoffnung auf einen Erfolg in München. Denn: Mit Rafael van der Vaart hat der HSV zuletzt in München zwei Siege und ein Remis geholt. Ob die Bayern sowas wie sein Lieblingsgegner sind? „Nein“, sagt der Mann mit der Rückennummer 23, „aber es ist immer etwas Besonderes, in München zu spielen.“ Dass dies mal dauerhaft angedacht war, dass der “kleine Engel” durchaus mal mit dem Rekordmeister in Verbindung gebracht wurde – es interessiert van der Vaart nicht mehr. Auf die Frage, wie weit die Gespräche damals fortgeschritten waren, sagt der „Maestro“: „Die Sache mit den Bayern lief mehr über die Zeitungen, das war nie konkret.“

Zum Glück nicht.

Vier Tore in den letzten vier Länderspielen – so lautete van der Vaarts Antwort auf die in den Niederlanden wachsenden Kritik an ihm und seinem kongenialen Mannschaftskollegen (und Konkurrenten) Wesley Snijder. Zu unfit seien die beiden, körperlich dem Tempo der jüngeren Spieler nicht mehr gewachsen heißt es da. Und auch in Hamburg wird immer wieder über van der Vaarts körperliche Verfassung getuschelt. Zumal, wenn es wie zuletzt mal nicht so richtig rund läuft werden dem Niederländer seine Pfunde zu viel vorgehalten. Dabei, und das muss man dazu sagen, van der Vaart ist ein echter Straßenfußballer. Er lebt nicht asketisch, das ist ziemlich klar. Aber er ist gesegnet mit einem Talent, dass ihn nie gezwungen hat, übermäßig fleißig zu werden. Van der Vaart braucht den Ball, stumpfes Kraft- oder Ausdauertraining ist nichts für den Techniker, der allerdings – das muss gesagt sein – absolut nicht unfit ist. Nein, der Mann hat tatsächlich in dem Moment Spaß, wo er einen Ball an den Füßen hat. Er ist noch nicht satt, wie es viele Weltstars irgendwann sind. Van der Vaart ist Meilen davon entfernt, sein Programm für den üppigen Gehaltscheck einfach abzuspulen. Abgestumpft ist er maximal im Umgang mit uns (zugegebenermaßen oft tatsächlich nervigen) Journalisten. Aber selbst nach dem 1000. Interview gibt sich van der Vaart Mühe, höflich zu sein.

So wie heute. Da saß er auf der Empore im PK-Raum der Imtech-Arena und stellte sich vor dem Nord-Süd-Gipfel den Fragenden, unter denen sich eine Schulkasse befand. Welchen Moment aus einem Spiel in München er noch in besonderer Erinnerung hat, wurde gefragt. Und er antwortete ohne zu zögern: „Das war mein schönes Tor gegen Oliver Kahn“, so van der Vaart über seinen 1:1-Ausgleichstreffer in der Allianz-Arena am 28. April 2007, bei seinem letzten Auftritt mit dem HSV beim Rekordmeister. Wie jetzt sein Torgefühl ist? „Ob ich ein Tor mache? Also wenn man zwei Tore in zwei Länderspielen gemacht hat, dann kann man mal eine Serie beginnen.“

Am besten in München, so der Linksfuß mit einem Augenzwinkern. Denn auch er weiß, dass nominell in München nicht viel zu holen ist. Bei der niederländischen Nationalmannschaft hat van der Vaart kurz mit Robben gesprochen, ihn gefragt, ob er von Beginn an spielt. Robben wusste es nicht. „Weil am Dienstag Juventus Turin ansteht“, sieht auch van der Vaart ne Menge Ablenkungspotenzial in dem bevorstehenden Viertelfinal-Hinspiel. So wie Fink. „Ich war auch mal Fußballer“, erzählt der Ex-Bayern-Profi, „und natürlich schwirrt so ein wichtiges Spiel n den Köpfen der Spieler herum. Ich kenne das, da ist man häufig vom Kopf her schon beim nächsten Spiel.“

Dennoch, es müsste schon alles passen (und noch ein wenig mehr), um in München zu gewinnen. Van der Vaart sieht es so: „Wenn wir genauso wie in Dortmund spielen und Bayern einen nicht so guten Tag hat – dann haben wir vielleicht eine Chance.“ Fink ist da schon etwas optimistischer. „Wir haben nach der letzten Länderspielpause in Dortmund gewonnen. Und wir haben gerade gegen die Topteams gezeigt, dass auch wir zu Topleistungen fähig sind. Ich rechne mir auch in München etwas aus.“

Zumindest will Fink mutig spielen lassen. Offensiv. „Wenn wir da verlieren, dann mit einem guten Spiel. Wir werden frech spielen, nach vorn spielen. Ähnlich wie in Dortmund.“ Allerdings mit einer anderen Aufstellung. So deutete Fink heute an, dass er wohl auf Tomas Rincon verzichten werde. Der Venezolaner habe zweimal 90 Minuten in den Beinen und kehrt erst am Donnerstag zur Mannschaft zurück. Ich brauche Spieler, die körperlich und geistig auf Topniveau sind.“ Und das sei Rincon wohl eher nicht. Glaubt Fink.

Finks Plan ist gut, sagt er. Allerdings scheint er gedanklich noch nicht zu 100 Prozent sicher, welchen Plan er spielen will. Mit Per Skjelbred neben Milan Badelj? Es wäre eine hervorragende Alternative zu Rincon. Der Norweger ist zwar nicht ganz so defensivstark wie Rincon, allerdings besticht Skjelbred neben seiner Ballsicherheit vor allem durch seine Laufleistung. Davor würde Rafael van der Vaart als hängende Spitze hinter Artjoms Rudnevs spielen, während Son wieder auf die rechte Seite rückt. Und ganz ehrlich, ich glaube, Fink wollte eigentlich zunächst ohne Son spielen und hat sich das nach dessen Mut gebendem Siegtreffer für die südkoreanische Nationalelf wieder anders überlegt.

Aber warten wir es ab. Am Freitag beim Abschlusstraining sei die Startformation wohl erkennbar, sagt Fink, der in den wenigen Tagen bis zum Spiel vermehrt auf Videostudium mit den Spielern setzt. Im Training seien die taktischen Dinge zumindest nicht mehr annähernd durchzusetzen.

Egal wie, ich würde mich freuen, wenn Fink bei seinem ersten Auftritt als HSV-Trainer an alter Wirkungsstätte (zumindest die Stadt) in München mutig auftritt. So, wie Düsseldorf. Oder Arsenal. Wobei ich die Einschätzung, Düsseldorf war dem Sieg nah, nicht teile. Ich habe das Spiel 90 Minuten gesehen und hatte dabei immer das Gefühl, dass die Bayern die ganze Geschichte etwas unterschätzt haben und ihre Fehleinschätzung mit einem kurzen Zwischenspurt nur korrigierten.

In diesem Sinne, morgen kann ich Euch hoffentlich schon etwas mehr zur geplanten Startelf sagen. Bis dahin wünsche ich Euch einen schönen Abend, eine gute Nacht und sage (schreibe): Bis morgen!

Scholle

Van der Vaart: “Ich habe das Gefühl, ich treffe in Hannover wieder…”

20. Februar 2013

Kennt Ihr das? Ihr wollt etwas fragen – traut Euch aber die Frage nicht, weil es Euch dem Gast gegenüber unangenehm ist. Noch schlimmer: Schon der Fakt, diese Frage überhaupt stellen zu wollen, ist Euch selbst unangenehm. So ähnlich ging es mir heute bei Rafael van der Vaart. Der Niederländer saß uns Fragenden gegenüber und sprach über die Wichtigkeit des Hannover-Spiels und seines Tores für ihn. Und ich wollte wissen, wie sehr ihn der Hype um seine Kurzzeittrennung von seiner Frau genervt und gestört hat. Allerdings bedürfte das einer Frage über sein Privatleben – und sowas ist so gar nicht mein Ding. Es interessiert mich auch tatsächlich nicht im Zusammenhang mit Fußball.

Aber egal wie, ich habe gefragt. Allerdings anders. So zurückhaltend, dass ich mir die Frage mir selbst gegenüber rechtfertigen konnte. Eben gut verpackt, wie ich finde. Zumindest konnte Rafael den privaten Anteil problemlos selbst dosieren. Ob er sich darüber freut, endlich nur sportliche Nachrichten zu produzieren bzw. über sich lesen zu können, war die eine Frage. Und ob er für seine Leistungsfähigkeit einen Unterscheid spürt im Gegensatz zur Trennungsphase Anfang Januar? Zwei Fragen, die Medienprofi van der Vaart mit seiner gewohnt charmanten Art abarbeitete. „Natürlich war es wichtig für mich, mal wieder gut zu spielen. Und zuletzt, auch dank des Tores gegen Gladbach, war es schon besser. Und solche Tore schießt man nur, wenn man auch privat Ruhe hat. Die private Ruhe ist sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt wieder frei.“ Hat man gesehen, wie ich finde. Schon beim Jubel – aber das hatten wir gestern ja schon…

Van der Vaart ist das Alphatier beim HSV in Sachen Selbstvertrauen. Als Fink gestern davon sprach, dass sich die Mannschaft eine andere Außenwirkung erarbeitet habe, dachte er mit Sicherheit auch an van der Vaart und dessen Wirkung auf die Mannschaft. Ein Rene Adler ist dabei sicherlich ähnlich einflussreich – aber van der Vaart ist derjenige auf dem Platz, an dem sich die meisten Spieler hochziehen. Er ist der Weltstar, der den Unterschied machen kann – wie mit seinem Traumtor gegen Gladbach. Und er ist auch der einzige, der öffentlich von Europa sprechen darf.

Aber genau das macht er nicht. Im Gegenteil, auch hundert Nachfragen verführen van der Vaart nicht zu leichtsinnigen Aussagen. Die Nummer 23 des HSV warnt stattdessen vor zu früher Zufriedenheit und appelliert an seine Mitspieler. „Hannover ist eine starke Mannschaft, das wird ganz schwer. Aber wir sind auch stark. Und das wissen die Gegner.“ Immerhin sei der HSV immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Und defensiv würde hervorragend gearbeitet. Eine gute Kombination. „Allein das verunsichert den Gegner nicht selten.“

Mit Folgen. Tabellarisch verbessert sich der HSV Woche für Woche. Und anstatt Häme werden Rudnevs, Son, Jansen und Co. Respekt entgegengebracht. Sagt van der Vaart. „Am Anfang haben die Gegner über uns gelacht, wenn wir angekommen sind. Das machen sie jetzt nicht mehr. Das merken wir.“ Schon anhand der gegnerischen Taktiken erkenne man das. Kein Gegner würde mehr auf Teufel komm raus den HSV unter Druck setzen wollen. Im Gegenteil, die Gegner sind vorsichtig geworden. Van der Vaart: „Alle versuchen erst mal, kompakt zu stehen. Weil wir immer gefährlich sind, weil wir Selbstvertrauen haben. Wir sind inzwischen einfach extrem schwer zu schlagen. Das wissen die.“ Ob Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 aktuell einen Entwicklungsschritt weiter ist? „Nein“, sagt van der Vaart, „das ist nur eine Momentaufnahme. Der HSV ist so groß, das dreht sich in wenigen Sekunden.“

Van der Vaart ist auch die Vormachtstellung im Norden egal. „Wenn wir Dritter und die Zweiter sind, wäre mir das egal“, so der Linksfuß, der dem Nordderby am Sonnabend deshalb auch keine besondere Wichtigkeit beimisst. „Für die Fans ist es sicher was Großes, und den einen oder anderen Spieler motiviert es zusätzlich. Aber am Ende ist es ein Punktspiel. Und wir brauchen einfach die Punkte.“

Und dafür wiederum braucht der HSV Tore. Von van der Vaart – oder eben von den anderen. Zuletzt hatte sich Artjoms Rudnevs diesbezüglich ebenso hervorgetan wie Heung Min Son. Allerdings entstand nur um den Südkoreaner ein ungeahnter Wirbel. Arsenal, Liverpool, Tottenham, Chelsea – eigentlich alle Premier-League-Klubs und überhaupt alle Vereine dieser Welt – wollen Son. Zehn, 15, sogar 20 Millionen Euro Ablösesummen werden gespielt. Und mittendrin versucht HSV-Sportchef Frank Arnesen, den Südkoreaner längerfristig an den finanziell klammen HSV zu binden. Allerdings mit guten Aussichten auf Erfolg, wie Trainerteam und Vorstand gleichermaßen betonen. Und auch van der Vaart – den Son zuletzt als „mein Vorbild“ bezeichnete – ist guter Dinge. „Sonni macht das ganze Theater nicht unruhig. Er ist für uns überragend. Und ich glaube, dass er sich bei uns auch sehr wohlfühlt.“

Van der Vaart selbst will sich in den nächsten Tagen auch mal mit dem Angreifer unterhalten. „Eigentlich halte ich mich da raus“, sagt van der Vaart, „aber ich werde ihm sagen, dass es besser ist, noch zu bleiben. Und das nicht für uns als HSV, sondern für ihn.“ Hier in Hamburg habe Son beste Entwicklungschancen, während der Schritt zu einem europäischen Topklub gleichbedeutend mit weniger Einsatzzeiten und mehr Bankzeiten sein könnte. „Sonni ist jetzt 20 Jahre alt und spielt seine erste sehr gute Saison“, sagt van der Vaart und rät seinem Angreifer, „da muss er nicht gleich nervös werden. Es wäre gut für ihn, wenn er noch ein paar Saisons hier spielt.“

Das wäre es auch für den HSV. Obgleich die durchgesickerte Zusage Lewandowskis mit den Bayern – für mich der logische Schritt eines überragenden Bundesligastürmers – den Stürmermarkt innerhalb der Bundesliga noch mal wachrüttelte. Der Dortmunder wechselt wohl an die Isar und der BVB muss sich Ersatz suchen. Ob Son das sein kann? Bislang ist darüber nichts bekannt, aber es würde zu Klopp passen, statt eines fertigen Superstars sich ein Talent der Kategorie Son zu holen. Insgesamt glaube ich, dass sich auch die Bundesliga immer weiter hin zum spanischen Modell ohne reinen Stürmer entwickeln wird. Technisch versierte Offensivspieler wie Götze, Lewandowski oder auch Son werden gesucht – und auch das macht Son für den HSV noch wertvoller. Ob Son sich bei van der Vaart mal erkundigt hat nach der Premier League oder im Speziellen Tottenham? „Nein“, so der Niederländer, „und ich glaube auch nicht, dass er das machen wird. Im Gegenteil: Ich habe nicht das Gefühl, dass Sonni gehen will.“

Und wer ist als Orakel besser geeignet als der Mann, der seine ersten Treffer nach einer langen Durststrecke richtig ankündigte? Richtig – niemand! Deshalb musste heute natürlich auch die Frage folgen, was der HSV-Star für das bevorstehende Nordderby orakelt. Und wir wurden nicht enttäuscht: „Mein Gefühl sagt mir“, so van der Vaart, „dass ich wieder treffen werde!“

Klingt super, oder?! Und sollte van der Vaart seine sportlichen Leistungen jetzt noch dem Klang seiner Vorhersagen anpassen – dem HSV wäre doppelt und dreifach geholfen…

In diesem Sinne, morgen wird wieder trainiert. Mit Rene Adler und Slobodan Rajkovic, die auch heute schon problemlos mitwirken konnten und gegen Hannover dabei sein werden. Auch das klingt gut…

Bis morgen,
Scholle

Neuzugang Scharner: “Ich will sofort helfen”

10. August 2012

„Er hat mich angeguckt, kurz überlegt – und dann gesagt: ‚So machen wir es, Trainer’“, hatte HSV-Coach Thorsten Fink erzählt. Vorausgegangen war am Montag ein 165-Minuten-Gespräch in Wien mit Paul Scharner, dem neuen Abwehrmann des HSV, der heute einen Zweijahresvertrag beim HSV unterschrieb und gleich mal einen Auftakt nach Maß hinlegte. Warum er nicht lange überlegt habe? Schlau gemacht über den HSV bei Landsleuten oder Bekannten hat er sich zudem auch nicht. „Als ich die drei Buchstaben gehört habe, musste ich nicht mehr überlegen. Der HSV ist meiner Meinung nach einer der Topklubs in der Bundesliga. Und die Bundesliga ist strukturell, von den Stadien her und den Fans die beste Liga der Welt.“

Scharner, der in England „Super-Toony“ (Super-Verrückter) genannt wurde, ist ein zweifellos eigenwilliger Typ. Einer, der bei den Fans sehr gut ankommen dürfte, da sein Spiel über den Einsatz definiert ist. Er gibt immer alles. „Ich bin bei meinen Stationen in Brann Bergen und Wigan Athletic zum Fan-Spieler des Jahres gewählt worden,“, erzählt die neue Nummer 20 (vorher Guy Demels Nummer) des HSV nicht ohne Stolz. Und das habe vor allem daran gelegen, dass er immer 100 Prozent gegeben habe. „Ich werde auch hier versuchen, die Fans zu begeistern.“ Vor allem mit Einsatz, Kampf und Willen. Scharner: „Mein erster Glaubensgedanke war, dass ich immer mehr machen muss als andere, wenn ich es als Österreicher hoch hinaus schaffen will.“ Deshalb habe er sich auch mit 15, 16 Jahren „als es mit den Mädels und den Partys losging“ von seinen damaligen Freunden komplett abgenabelt. „Als die losgingen, war ich damals immer schon im Bett.“

Mehr noch. Er habe alles dem Fußball untergeordnet. Mit 15 Jahren fing Scharner sogar an, sich parallel zum Körperlichen auch geistig fit für den Profifußball machen zu lassen. „Ich habe einen Mentaltrainer genommen“, sagt Scharner, der diesen Aspekt auch heute noch extrem wichtig nimmt. „Ich habe damals autogenes Training gemacht und trainiere mein Gehirn auch heute noch regelmäßig. Es ist genau so wichtig, den Kopf zu trainieren, wie man seinen Körper immer fit halten muss.“ Dafür begleitet Valentin Hobel den Abwehrhünen seit seinem 15. Lebensjahr. „Er ist mein Karrieremanager“, sagt Scharner, „er ist meine Vertrauensperson.“

Ihn hatte Scharner auch angerufen, unmittelbar bevor er seine Entscheidung für Hamburg fällte. Und er ist es, der Scharner offenbar großes Selbstvertrauen einimpft. „Bis jetzt komme ich recht hoch hinaus – für einen Österreicher“, lacht Scharner, „und ich traue mir noch mehrere Jahre zu.“ Bis zu seinem 34. Lebensjahr, für die kommenden zwei Jahre, hat Scharner beim HSV unterschreiben – und danach soll noch lange nicht Schluss sein. „Ich bin auf der Geburtsurkunde 32, aber ich fühle mich lange nicht so. Für mich ist mit 34, 35 Jahren noch nicht Sense.“ Wie lange genau? „Das steht in den Sternen.“

Klar ist, der HSV hat sich mit Scharner einen echten Typen geholt. Und dieser Österreicher ist anders als die Kitzbichlers, Schopps, Baurs der HSV-Geschichte. „Ein Ernst Happel bleibt indes unerreicht – auch von mir. Aber ich versuche es.“ Und das könnte zumindest insofern klappen, als dass er für den HSV eine schnelle Hilfe wird. Zumindest, wenn er seinen Worten entsprechend Taten folgen lässt. „Ich stehe für Erfahrung, Einsatz pur und 100 Prozent Professionalität“, sagt Scharner über sich selbst. Und der Vater dreier Söhne (4, 7 und 9 Jahre alt) gilt als Mann der Tat. „Ich habe eine sehr hohe Eigenmotivation.“ So habe er sich auch – zudem bestückt mit einem individualisierten Trainingsplan – allein sehr gut fithalten können. „Ich werde keine lange Akklimatisierung brauchen“, sagt Scharner, „ich bin fit und werde schnell helfen können“, sagt der mit 193 Zentimetern groß gewachsene neue Innenverteidiger des HSV. Ob er es auch schon bald darf? „Ich kann nicht von einem Fixplatz (österreichisch für Stammplatz) ausgehen, das entscheidet der Trainer. Aber ich bin bereit für das Cup-Spiel in Karlsruhe und den Saisonstart gegen Nürnberg.“

Und Scharner hat mit seinem neuen Klub noch große Ziele. „Der HSV hat eine lange Erfolgsgeschichte, auch wenn er zuletzt etwas gestrauchelt ist. Aber was nicht ist, kann noch werden. Deshalb bin ich ja da.“ Und was beim Österreicher in Schriftform arrogant rüberkommt, kommt im persönlichen Gespräch sehr viel angenehmer rüber. Es klingt eher wie eine sehr große Portion Ehrgeiz und zudem sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Zutaten, die dieser HSV sehr gut gebrauchen kann. Denn, und das ist mehr als deutlich, nicht nur extern wird der HSV sehr kritisch gesehen. Auch die Spieler machen sich Gedanken über ihre Kaderstärke. Und mit Scharner bekommen sie einen, der – vorerst noch verbal – vorwegmarschiert. Und er will diese Führungsrolle auch einnehmen. „Ich weiß, dass der Kader extrem verjüngt worden ist von Sportchef Frank Arnesen“, so Scharner, „aber ich habe mit mehr als 200 Spielen in der Premier League meine Erfahrungen sammeln können.“ In der österreichischen Nationalmannschaft habe er seine gewünschte Rolle schon. „Das Team braucht Führungspersönlichkeiten. Und ich glaube, da passe ich gut rein.“

Und das, obwohl Scharner ganz sicher kein Angepasster ist. Im Gegenteil. Bei Austria Wien verweigerte er seinem damaligen Trainer und heutigen DFB-Nationaltrainer Jögi Löw mal die Einwechslung. Er ließ sich einfach nicht einwechseln. In England fiel er zudem durch gefärbtes Haar auf – in Vereinsfarben wohlgemerkt. Und am meisten aufgefallen ist bei ihm sein erster Einsatz in England, als er für Wigan ins Mittelfeld eingewechselt wurde und gleich den Siegtreffer markieren konnte. „Seitdem herrschte die Meinung vor, ich sei ein Mittelfeldspieler. Fast 50 Prozent meiner Spiele in der Premier League habe ich als Sechser gespielt.“ Und das wolle er in Hamburg nicht mehr. Mehr noch, er ließ es sich von Trainer Thorsten Fink im persönlichen Gespräch zusichern. „Meine Position ist in der Innenverteidigung. Es ist meine beste Position. Dafür habe ich mich entscheiden und das auch so mit dem Trainer abgesprochen.“

Im Training heute war noch nicht viel zu erkennen. Scharner hielt sich verbal noch zurück.
Und das, obwohl Ex-HSV-Frankfurts Trainer Armin Veh den Österreicher, der sich bei der Eintracht fit hielt, in den höchsten Tönen für dessen Führungsqualität gelobt hatte. „Paul hat kurz geschaut und dann Anweisungen gegeben. Er hat sofort geführt. Gut geführt.“ Dennoch beließ es Scharner heute beim Spielen. Mit einer kleinen Ausnahme. Nach genau 28 Minuten setzte er zum ersten Mal zur Sense an – und es traf Maximilian Beister, der auch einige Sekunden brauchte, um sich wieder zu sammeln. Ansonsten aber spielte Scharner ruhig und unauffällig in der B-Elf. Fink hatte zwei Mannschaften eingeteilt, die erahnen ließen, wer am Sonnabend auf Mallorca von Beginn an spielen dürfte. Scharner nicht. Noch nicht.

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass Scharner seinen Worten Taten folgen lassen kann. Denn sollte dem so sein, haben wir eine echte Verstärkung dazugewonnen.

Bis morgen! Dann wieder mit Dieter!

Scholle

P.S.: Während Jogi Löw erneut komplett auf HSV-Spieler verzichtetet, erfuhren acht Spieler des HSV die Ehre einer Länderspielnominierung. Während Jacopo Sala (U21 Italien), Christian Norgaard (U19 Dänemark) und Maximilian Beister (U21 Deutschland) mit den U-Nationalmannschaften unterwegs sind, reisen Marcus Berg (Schweden), Jaroslav Drobny (Tschechien), Artjoms Rudnevs (Lettland), Ivo Ilicevic (Kroatien) und Muhamend Besic (Bosnien/Herzegowina) mit ihren A-Länderteams zu den Testspielen.

P.P.S.: Seit heute sind Karten für das Spiel des NTSV gegen den HSV (7. September, 18.30 Uhr am Sachsenweg) im Vorverkauf. Solltet Ihr hier Tickets haben wollen, könnt ihr diese im Adyton (Geschäftsstelle NTSV, Sachsenweg 78), bei Sport&Mode Niendorf (Tibarg 38) beziehen. Oder ihr schreibt mir und wir treffen uns beim Training.
Die Preise:
- VIP (Parkplatz, Sitzplatz, Essen und Getränke frei im überdachten VIP-Bereich): 39 Euro
- Sitzplatz Tribüne: 16 Euro
- Stehplatz: 12 Euro
- Stehplatz ermäßigt (Schüler, Studenten, Rentner): 8 Euro

Nächste Einträge »