Geburtstagskind Jürgen Hunke: “Wir müssen jetzt dran bleiben, sonst wird sich nie etwas verändern”
8. Juni 2013
So, bevor ich loslege, muss ich einem Versäumnis nachkommen. Mir schrieb kürzlich der Herr von D. aus Mülheim, und da ich mir (!) versprochen hatte, dass seine Zeilen nicht ungelesen von der Bildfläche verschwinden, sondern von einer größeren Gemeinde gelesen werden, möchte ich das nun schnell nachholen. Geschrieben hat mir der Herr v. D. in vier Teilen – als sms. Und er schrieb mir zu jener Abendblatt-Kolumne, die für viel Wirbel gesorgt hatte: „HSV-Größen, bitte aufstehen!“ Nun Herr v. D.:
Sehr geehrter Herr Matz,
gerade habe ich Ihren Blog gelesen und kann es kaum glauben. Als langjähriger Unternehmer und HSV-Anhänger leide ich seit Jahren an der dilettantischen Führung dieses Vereins. Es gilt Folgendes zu beachten: Der HSV ist ein Wirtschafsunternehmen in der Unterhaltungsbranche und muss nach betriebswirtschaftlichen Gesetzen geführt werden. Nur das zählt. Und zum Wohle des Vereins/Unternehmens haben sich alle Personen unterzuordnen. Vor Jahren habe ich Ihnen etwas zur Person Frank Arnesen gesagt Aussage Londoner Geschäftsfreunde: „Arnesen ist hier bei Chelsea doch kein Entscheidungsträger gewesen und wird völlig überbewertet.“ Die Frage vieler Fans ist doch die, nach welchen Gesichtspunkten Arnesen vom HSV engagiert wurde? Haben Sie und Ihre Kollegen sorgfältig und seriös recherchiert? Und haben Sie das den Aufsichtsrat (eine Ansammlung von Selbstdarstellern) einmal gefragt? Letztes Beispiel auf Kosten des HSV war die Personalie Klopp. Weil Herr Hoffmann die Kandidaten von Herrn Beiersdorfer angelehnt hat, reagierte der damalige Sportchef Kraft seines Amtes: „Jetzt sage ich auch mal nein!“ Zur Person von Herrn Kreuzer gibt es im Blog genug zu lesen. Frage an den AR: Welche Erfolge hat er vorzuweisen? Wenn dieser Manager beruflich, und nur das zählt, so gut ist, wäre er wohl bei einem Top-Club. Freundschaften können und dürfen jetzt keine Rolle spielen. Glauben denn die Verantwortlichen des HSV, dass der Erfolg des FC Bayern ohne Herrn Hoeneß – und gerade in dieser Saison ohnen Herrn Sammer – möglich gewesen wäre? Dortmund ohne Watzke? Niemals! Wenn Sie, Herr Matz, und Ihre Kollegen de Verantwortlichendes HSV nicht zur Rede stellen, dann endet es im Desaster (mit einer Pleite).
Wenn Sie, Herr Matz, oder Ihre Kollegen das nicht können, oder es aus beruflichen Gründen nicht dürfen, gibt es ja noch andere journalistische Möglichkeiten. Wenn man sich die Entwicklung des HSV ansieht, kommt man leider an den alten Weisheiten nicht vorbei: 1. Der Fisch stinkt vom Kopfe her. 2. Zwei Dinge auf der Welt sind unendlich. Das Universum und die Dummheit der Menschen. Viele Ehemalige des HSV haben resigniert (sie konnten, wollten oder durften die Konfrontation nicht suchen). Ich denke, ebenfalls an die in dem Blog erwähnten Personen. Kein gut geführtes Unternehmen würde auf so viel Kompetenz verzichten. Statt dessen regieren beim HSV Personen, die den Anforderungen eines Unternehmens nicht gerecht werden. Eitelkeit und Selbstdarstellung vor Sachverstand. Bedauerlicherweise werden Sie mein Schreiben nicht veröffentlichen können, obwohl es die Meinung der schweigenden Mehrheit ist. Gerne würde ich mich mit einigen Herren sachlich auseinandersetzen. Es geht nämlich nur um das Wohl des HSV. Jetzt schließe ich mit einem leicht veränderten Zitat: „Denke ich an den HSV in der Nacht, werde ich um den Schlaf gebracht.“ Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Zeilen lesen und ernst nehmen. Vielen Dank.“
So, das war es, was ich dringend machen wollte. Nun zum HSV. In der Bild hat Neu-Sportchef Oliver Kreuzer ja sein erstes Interview gegeben – und angekündigt: „Drei, vier Spieler müssen gehen . . .“ Ich dachte, als ich das las. „Oha, der Mann hat ja viel vor. Vier gehen, und vier kommen – wie will er da den Kader verkleinern?“ Denn zwei Neuzugänge stehen ja bereits fest: Kemer Demirbay und Hakan Calhanoglu. Dann soll noch ein Innenverteidiger und auch ein Stürmer kommen – sind schon mal vier. Dann ist der Kader aber immer noch so aufgebläht, wie er es seit einem Jahr ist. Und seit einem Jahr zahlt der HSV für Spieler, die er nicht mehr benötigt, viel, viel Geld. Ich glaube dass sich der Herr Kreuzer damit beschäftigen muss, wie er acht bis zehn Spieler vom Hofe bekommt, Wenn er sich darauf mal einstellt, dann ist er schon sehr gut davor . . .
Ganz etwas anderes:
Rene Adler ist bei einem Fußball-Fachblatt in der Beurteilung als Torwart auf Platz acht in der Bundesliga abgesackt. Ein dickes Ding. Hat nicht erst gerade der Bundestrainer (auf der USA-Reise) gesagt, dass „Adler eine sensationelle Saison gespielt“ hat? Nun gut, wir wissen alle, dass Joachim „Jogi“ Löw mitunter seltsame Ansichten vertritt, er muss nicht unbedingt der Maßstab sein – oder? Ich finde diese Bewertung einfach nur skandalös, aber die Herren müssen es ja wissen. Für mich ist Rene Adler nach wie vor der beste HSV-Spieler der abgelaufenen Saison gewesen, der dem HSV so machen Sieg und so manchen Punkt gerettet hat. Er hat für mich – bis auf ein Spiel, das 1:5 in Hannover – sensationelle Leistungen gebracht. Für mich Note eins. Und so sehen das wohl auch die meisten HSV-Fans, denn Adler wird von ihnen ja auf Händen getragen.
Noch ein anderes Thema:
Mehrfach wurden wir darauf angesprochen, auch zuletzt bei der „Matz ab live“-Sendung, dass es nach Beendigung der Saison immer noch keine Einzelkritik von uns gegeben hat. Stimmt. Wir haben uns fest vorgenommen, dass sie noch kommen wird. Der Wirbel aber um die Trennung von Frank Arnesen hat nach dem 34. Spieltag alles durcheinander gewirbelt. Aber sie wird kommen – auch deshalb, weil viele User dann doch darauf warten. Das freut uns.
Dann gibt es heute noch einen Geburtstag zu feiern – und zu erwähnen. Jürgen Hunke, der ehemalige HSV-Präsident, feiert seinen 70. Geburtstag. Wobei ich nicht glauben kann, dass er tatsächlich schon 70 ist – so vital, frisch und jung wie er immer noch aussieht. Und wie er sich immer noch einmischt und mitmischt – beim HSV. Ich weiß, ich weiß, Jürgen Hunke ist nicht jedermanns Fall, er hat sehr wohl auch einige Gegner, aber die sollten immerhin eines zur Kenntnis nehmen, dass sich dieser Mann stets zum Wohle des HSV eingesetzt hat. Er hat über Jahrzehnte viele Ämter bekleidet, er hat seinen Mund aufgemacht, wenn etwas nach seiner Meinung falsch im Club lief – und er ist sicher oft angeeckt. Dennoch, und das weiß ich aus eigener Erfahrung: Gegner von einst, die er früher „vergrault“ hat, weil er ihnen allzu deutlich die Meinung „gegeigt“ hat, diese Gegner haben ihm längst die Hand gereicht und dabei gesagt: „Heute wissen wir, dass Sie es nur gut gemeint haben mit dem HSV.“ Einige haben sich damit auch entschuldigt. Namen möchte ich keine nenne, obwohl ich genügend weiß, aber das sollen die Herren doch beizeiten mal selbst erklären – weil es auch ihre Geschichte ist.
Dass Jürgen Hunke von gewisser Seite der Vorwurf gemacht wird, er sei ein „Wendehals“, das sieht er natürlich ganz anders: „Diese Leute sind spießig. Wenn man dazulernt, dann darf man doch wohl mal seine Meinung ändern, oder?“ Jürgen Hunke kämpft zurzeit um einen „neuen HSV“, um geänderte Strukturen, damit der Club wieder zur alten Stärke zurückfindet. Er sagt über seinen „Kampf“: „Ich bin froh, dass ich nach vorne schaue – viel zu viele blicken doch meistens nur zurück.“ Und: „Wir müssen im HSV aktiv bleiben, wir müssen jetzt dran bleiben, sonst wird sich nie etwas verändern.“
So ist es. Denn dem HSV 2013 geht es nicht nur nicht gut, sondern vielmehr sehr schlecht. Daran müssen nun alle, die den HSV im Herzen tragen, mitarbeiten, um das zu ändern. Hunke sagt: „Wir haben eine tolle Stadt, großartige Fans und viel Energie – mehr haben wir nicht, aber das alles müssen wir nun in die Waagschale werfen, damit es wieder bergauf geht mit dem HSV.“
Sein Wunsch an den HSV (und an das Innenleben des Clubs): „Wir müssen endlich mal eine gewisse Grundehrlichkeit in den Verein bekommen, damit nicht jeder über jeden herfällt. Ich bin immer meinen Weg gegangen, ich habe aufgerüttelt, gemahnt und aufgeweckt, ich habe es auf jeden Fall stets versucht. Heute reichen mir die Leute, die damit nicht einverstanden waren, die Hände. Weil sie wissen, dass ich mich nur zum Wohle des HSV eingebracht habe.“ Dass er immer noch Gegner hat, das ist ihm klar, er sagt dazu aber: „Ich bin bei denen umstritten, die die Wahrheit nicht kennen. Meine Freunde, die stehen wie eine Eins hinter mir, weil sie wissen, dass ich geradeaus bin und dass sie sich auf mich verlassen können.“
Ich werde in der nächsten Woche ein Gespräch mit Jürgen Hunke führen, um ihn vielleicht zu einem „Matz ab live“ zu überreden. Wäre schön, wenn das klappen würde. Und ich würde dazu auch gerne den einen oder anderen „Hunke-Gegner“ einladen, um die gegensätzlichen Standpunkte mal in einer Diskussionsrunde abzuklären. Wer hätte Lust?
17.47 Uhr