Archiv für das Tag 'Arnesen'

Mitglieder wählen HSVPlus-Initiative

24. Mai 2014

+++++ Aktualisierung +++++
Dies soll nur als eine Art kleine Zusammenfassung und Aktualisierung des ereignisreichen, ja historischen, Tages beim HSV dienen. Die Mitglieder haben für die Ausgliederung, für die HSVPlus-Initiative gestimmt. 86,9 Prozent der 9702 anwesenden Mitglieder – nie kamen mehr zu einer HSV-Versammlung – stimmten am Sonntag um 16.33 Uhr für die entsprechenden Pläne der Reforminitiative HSVPlus.

Der Klub wird nun völlig umgekrempelt. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow steht vor dem Aus. Stattdessen soll der ehemalige Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer an der Spitze der neuen Fußball-AG stehen. Die neue HSV-Fußball-AG muss nun noch ins Handelsregister aufgenommen werden – dies soll bis Ende Juni passieren. Erst dann können die neuen Macher auch offiziell ihre Arbeit aufnehmen.

Alles Weitere Infos gibt es in den Videos, im Ticker und ab morgen, dann auch wieder hier. Bis dahin genießt den Rest des sonnigen Sonntages und erholt Euch so schnell wie möglich von dieser, nun vergangenen, Saison.
+++++ Aktualisierung +++++

Es kribbelt schon genau so, wie vor dem Relegations-Spiel in Fürth, das vor einer Woche mit 1:1 gewonnen wurde. Ähnlich knapp dürfte der „Sieg“ morgen bei der Mitgliederversammlung ausfallen, entweder für „HSVPlus“, oder für die Traditionalisten der „HSV-Allianz“. „Zerstört sich der HSV morgen selbst“, so stand es in großen Lettern auf der Seite eins der „Bild“, und im Sportteil des Abendblatts hieß die Zeile: „Die letzte Schlacht um den HSV“. Unter dem Aufmacher-Artikel des Kollegen Alexander Laux lautete die Überschrift des „Fußkastens“: Otto: „Es darf kein Triumphgeheul geben“.


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Da kamen sofort Erinnerungen auf, denn bei der letzten Mitgliederversammlung des HSV fiel eine ganz wichtige Entscheidung, als bereits viele, viele Mitglieder die Halle verlassen hatten – es war weit mehr als die Hälfte. Und es ging dann immerhin noch um den so wichtigen Punkt der Briefwahl. Damals siegte die Opposition, und diese Damen und Herren stimmten sehr wohl ein ganz besonders lautes Indianergeheul an. Weil vorher keiner auf die Bremse getreten war, wie jetzt der ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Chef Alexander Otto?

 

Interessant an dem Interview, das HA-Sportchef Peter Wenig mit Otto führte, fand ich besonders eine Passage. Da sagt der Multi-Millionär unter anderem: „Frisches Geld hilft ohne Frage, aber es löst nicht alle Probleme.“ Und: „Viel wichtiger ist ein handlungsfähiger Vorstand, der schnelle, klare und transparente Entscheidungen trifft. Der FC Augsburg arbeitet mit einem viel kleineren Etat erfolgreicher als der HSV. Das zeigt, dass Geld eben nicht alles ist.“

 

Natürlich nicht. Besonders dann, wenn man es hat . . . Aber noch einmal zum Vorstand zurück. Otto fordert eine HSV-Führung, die „schnelle, klarere und transparente Entscheidungen trifft“. Toll. Aber, das ist nun eine der Kernfragen, die alle HSV-Mitglieder morgen beschäftigen sollte: „Wer hat diesen Vorstand denn ins Amt gehoben?“ Richtig. Und wer hat diesen Aufsichtsrat zu Leben erweckt? Richtig. Und rückblickend, das werden wahrscheinlich auch einige Damen und Herren der Opposition einsehen (müssen), gibt es da zu konstatieren: „Es ist wohl nicht immer alles ganz richtig gelaufen. Oder: Es sind wohl oft die falschen Leute dazu befähigt worden, diesen Verein zu führen.“ Zu was das letztlich geführt hat, das wissen inzwischen alle. Hoffentlich. Obwohl mir dabei einfällt, dass es bestimmt noch den einen oder anderen Menschen gibt, der glaubt, dass alles so richtig war, wie es gelaufen ist. Nur die Spieler haben versagt . . .

 

Wie dem auch sei, dem HSV steht die letzte Schlacht bevor, vielleicht auch nur die bislang größte der Vereinsgeschichte.

 

Hoch interessant in dem Abendblatt-Artikel von Alexander Laux war auch die Aussage von HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel, der aussagte: „Mit HSVPlus fährt man die Mitgliederbestimmung von 100 auf fünf Prozent zurück.“ Zum Wohle des Vereins? Oder: Zum Wohle des Vereins. Denn die Mitglieder hatten in jenen Jahren, in denen sie den Aufsichtsrat (und der dann den Vorstand) bestimmten und wählten, doch immer viel, sogar sehr viel zu meckern und zu kritisieren. Und, siehe oben, es ist doch, bei aller Liebe zum HSV, vieles, ja so vieles falsch gelaufen. So unendlich viel. Bis hin zur Relegation. Ob das nun ein letzter Warnschuss war? Man wird sehen.

 

Und es wird ganz sicher spannend, eventuell sogar dramatisch. Und es könnte auch ein langer Abend werden. Der Beginn dieser so brisanten Mitgliederversammlung, zu der sich bis heute knapp 9000 Mitglieder angesagt haben, ist auf elf Uhr taxiert, das Ende aber ist völlig offen. Wegen der großen Flut von Satzungsänderungs-Anträgen. Sollte abends über „HSVPlus“ abgestimmt werden, könnten sich schon wieder viele HSV-Mitglieder per Bahn oder Zug auf den weiten Heimweg gemacht haben. Und damit würden dann natürlich die Chancen steigen, dass die Dreiviertelmehrheit, die „HSVPlus“ erreichen muss, verfehlt wird – und dass die Opposition doch ein Indianergeheul anstimmen kann. Es sei denn, die Damen und Herren nehmen den Rat von Alexander Otto auf.

 

Der HSV steht vor seiner größten Zerreißprobe, keine Frage. Es wird nach diesem Sonntag Austritte geben, vielleicht sogar hageln – so oder so. Mal sehen, wie der Club damit wird umgehen können.

 

Die Frage, die sich am Ende des Tages aber stellen könnte, ist die: „Kann es denn überhaupt noch schlechter werden?“ Natürlich kann es das, nämlich mit dem direkten Abstieg in Liga zwei. Und das mit einer ähnlichen grottenschlechten Saison wie die gerade erlebte. Und im Moment sieht es eher danach aus, dass diejenigen Spieler, die es noch halbwegs konnten, Hamburg verlassen werden. Ich habe gestern schon geschrieben, dass ich fest mit der Vertragsauflösung von Rafael van der Vaart rechne. Jetzt hat der Niederländer im WM-Vorbereitungs-Quartier seiner Nationalmannschaft folgende nette Sätze über sein momentanes Befinden gesagt – und zwar: „Es fühlt sich wie eine Befreiung an, nach so einer Saison mit dem HSV. Wenn du zur Nationalmannschaft kommst, ist das Niveau höher und es sind Spieler da, die Titel gewonnen haben. Deshalb ist die Stimmung hier positiv, ich fühle mich richtig wohl.“
Na dann.
Es klingt doch eher nach Abschied, oder?

 

Und nachdem der zweitbeste HSV-Torschütze, nämlich Hakan Calhanoglu, seinen Abschied schon verkündet und auch mehrfach gefordert hat, geht – natürlich – auch der beste HSV-Torjäger. Hertha-Manager Michael Preetz sagte über den Hamburger Leihspieler: „Wir wollen ihn zurück, denn wir wollen nicht auch noch, nach dem Wechsel von Ramos nach Dortmund, unseren zweiten Top-Torjäger verlieren.“ Natürlich nicht. Es sei denn? Gibt es da noch ein Hintertürchen? Preetz: „Da müsste schon ein Angebot für Pierre-Michel kommen, das wir unmöglich ablehnen können, aber das gibt es nicht.“ Und wenn es ein solches Angebot tatsächlich doch geben sollte, dann – nach jetzigem Stand – ganz bestimmt nicht vom HSV.

 

Ja, ja, das liebe Geld. Das allerdings spielte in der gerade zurückliegenden Winterpause keine Rolle, als es darum ging, ob David Jarolim zum HSV – sofort – zurückkehren wird. „Jaro“ der zurzeit noch für den tschechischen Tabellendritten FK Mlada Boleslav spielt, wäre dazu bereit gewesen, er stand parat und saß zugleich auf gepackten Koffern. Der HSV, die sportliche Führung, wollte ihn nicht. Dabei wäre der Dauerläufer, der „kleine Emil Zatopek“, ganz sicher in besserer körperlicher Verfassung gewesen, als der Großteil der HSV-Spieler. Aber gut, es war ja auch nur ein Angebot . . . Quasim Bouy und Ola John waren da schon ganz andere Kaliber, kamen sie doch nicht aus Tschechien, sondern von Juventus Turin und Benfica Lissabon. Nee, liebe Leute, ich komme über diese beiden Herren einfach nicht hinweg. Der HSV hat sich in Sachen Verpflichtungen und Verstärkungen schon einige richtig dicke Klops erlaubt (Marcus Berg, David Rozehnal waren zuletzt wohl die größten Fehler), aber diese beiden Winter-Leihgaben, die bleiben die ungekrönte Krönung, sie sind der Knüller der Vereinsgeschichte. Aber Jarolim ablehnen . . .

 

Natürlich ist „Jaro“ auch heute noch topfit. Das war er immer – ein Vorbild-Profi eben. Deswegen muss er doch eigentlich über die letzten 30 Minuten in Fürth entsetzt gewesen sein, wie der HSV da über das Spielfeld taumelte, weil ihm die Kraft ausgegangen war. Die meisten Hamburger waren stehend k.o. Jarolim: „Deswegen hatte ich ja auch eine so große Angst um den HSV, aber ich habe mich gefragt, warum das so ist. Eindeutig war, dass Fürth in Hamburg spritziger und läuferisch stärker war, und dass dem HSV dann in der letzten halben Stunde in Fürth die Kraft ausging. Einige Spieler hingen mächtig durch, wobei es bei van der Vaart, Lasogga und Jansen schon klar war, denn sie hatten lange Verletzungspausen zu überstehen.“ Jarolim lobt aber auch: „Die erste Halbzeit war super vom HSV, da hat die Mannschaft genau so gespielt, wie man es in einer solchen Begegnung machen muss.“ Aber dann. . . Dann gab es den Einbruch. Und David Jarolim sagt dazu auch noch: „Das war schade, denn es gibt einer Mannschaft auch Selbstbewusstsein, wenn sie genau weiß, dass sie jedes Tempo des Gegners bis zur letzten Sekunde mitgehen kann.“ Natürlich. Aber davon konnte beim HSV in dieser Saison nie die Rede sein.

 

Der gute David Jarolim hatte sich am vergangenen Sonntag gemeinsam mit seiner Frau auf die 300 Kilometer von Prag nach Fürth gemacht, die Karten hatten ihnen Medien-Direktor Jörn Wolf und Teammanager Marinus Bester besorgt: „Diese beiden Spiele gegen Fürth waren schwer zu ertragen für mich, wenn man nur zuschauen und nicht helfen kann. Besonders das Rückspiel hatte es in sich, das war in der Schlussphase ganz, ganz schwierig, das zu erleben. Ich habe noch an den Klassenerhalt des HSV geglaubt, aber ich habe auch unheimlich gezittert. Nach dem 1:1 von Fürth spielte ja nur noch eine Mannschaft, die Spannung war unerträglich.“

 

300 Kilometer – das zeugt davon, dass Jarolim die Raute immer noch im Herzen trägt. Er sagt aber: „Leider war es nach zwei Jahren erst das erste Spiel des HSV, bei dem ich im Stadion war – das ist zu wenig, das enttäuscht mich selbst ein bisschen. Dafür haben wir uns aber auch schon eine Woche vorher gefreut, dass wir Karten für das Fürth-Spiel hatten. Mindestens eine Woche Vorfreude auf den HSV war das.“

 

Aber er ist natürlich auch noch selbst Spieler, deswegen fehlte ihm oft die Zeit, den HSV mal live zu sehen. Und morgen steht in Tschechien erst der vorletzte Spieltag auf dem Programm, Boleslav muss daheim gegen Meister Sparta Prag antreten, aber unabhängig vom Ausgang dieses Spiels, die Mannschaft von David Jarolim, die von seinem Vater Karel trainiert wird, hat sich bereits für die Europa League qualifiziert. Und für das morgige Spitzenspiel ist er total optimistisch: „Wir hätten es nun, nachdem wir in Europa dabei sind, leicht, locker und leger angehen lassen können, aber mein Vater und die gesamte Mannschaft ist so ehrgeizig, wir haben trainiert, als ging es um die Meisterschaft. Und das ist auch gut so, ich bin ja immer dafür gewesen, dass man hart arbeitet.“

 

Hart arbeiten soll – oder sollte – „Jaro“ ja auch nach seiner Profi-Karriere, und zwar beim HSV. Das ist noch immer nicht vom Tisch. Würde eine neue Vereinsführung denn die Chancen auf eine Rückkehr des Mittelfeldspielers verringern? Er sagt: „Nein, im Gegenteil. Ich habe von der jetzigen Vereinsführung lange nichts mehr gehört, wir haben keinen Kontakt mehr, da gab es früher, als Frank Arnesen noch da war, mehr Telefonate. Ich weiß zwar, dass der HSV natürlich ganz andere Sorgen gehabt hat und hat, aber trotz allem denke ich, dass wenn Interesse da gewesen wäre, dass man mich dann mal angerufen hätte.“

 

Jetzt hofft er auf die neue HSV-Führung. Und speziell auf einen Mann. Jarolim: „Ich hoffe darauf, dass Dietmar Beiersdorfer zum HSV zurückkommen wird, mit ihm lief es damals doch gut wir hatten ein gute und auch eine erfolgreiche Zeit.“ „Jaro“ weiter: „Ich habe auf jeden Fall noch Interesse, der HSV ist mein Club, und als meine Frau und ich die HSV-Fans nun live erlebt haben, da dachten wir schon an die Zeit zurück – und wie toll es doch wäre, wenn wir wieder in Hamburg wären. Zumal wir noch immer unsere Wohnung dort haben, wir würden also sofort wieder heimisch sein in Hamburg. Auf jeden Fall. Wir haben es vor.“ Wobei sich David Jarolim noch immer nicht entschlossen hat, ob er noch weiterhin als Profi spielen wird. Sein Vater versucht ihn zu überreden, aber „Jaro“ lässt es sich noch offen. Vielleicht auch wegen der Option Hamburg.

 

Schnell noch zu einem Mann, der Hamburg in diesem Sommer (wohl) verlassen wird. Co-Trainer Roger Stilz hat sich bekanntlich vom HSV verabschiedet, und ich denke nicht, dass er künftig im Hamburger Amateurfußball arbeiten wird. Vielleicht ist Wolfsburg seine nächste Station im Profi-Fußball – mal sehen. Ich, das muss ich an dieser Stelle mal sagen, bedauere seinen Abschied vom HSV, weil Stilz sehr wohl ein Mann ist, der viel, sogar sehr viel vom Fußball versteht, der auch seine klaren Vorstellungen von dem hat, wie es im Profi-Fußball zu laufen hat. Deswegen wäre er weiterhin ein guter Mann für den HSV gewesen – und für mich zugleich auch eine Art Hoffnungsträger, dass vieles gut gemacht wird, dass nicht allzu vieles schief läuft.
Schade, schade, aber es ist nicht mehr zu ändern.

 

So, hoffentlich wird das nun nicht das Motto für diejenigen HSVer, die morgen den Volkspark verlassen und sich eventuell zu einer solchen Aussage veranlasst sehen.

 

Ich wünsche allen eine gute Wahl, auf dass der HSV endlich wieder aufblühen wird. Alles Gute für Euch, für morgen und für alle Rothosen. Und dann noch einen wunderschönen Fußballabend mit zweimal Madrid in Lissabon.

16.03 Uhr

PS: Die Zweite hat ihr letztes Saisonspiel in der Regionalliga bei Meister VfL Wolfsburg mit 2:3 verloren, dabei aber zur Pause noch mit 2:0 geführt. Für die Tore hatten Nils Brüning und Ronny Marcos gesorgt, es war die Abschiedsvorstellung von Trainer Rodolfo Cardoso, dessen Mannschaft letztlich auf dem 14. Tabellenplatz einlief.

Abstiegskampf spitzt sich zu – und Kreuzer muss sich gegen Vorwürfe wehren

6. April 2014

Kein Tag ohne Fußball – dachten sich heute auch die beiden HSV-Vorstände Carl Jarchow und Oliver Kreuzer. Die abstiegsbedrohte U 19 des Vereins hatte es an der Hagenbeckstraße mit dem VfL Osnabrück zu tun, dem Tabellenletzten der Bundesliga. Ein Sieg musste her für die Truppe von Trainer Otto Addo, aber das hat nicht geklappt. Trotz zahlreicher Torchancen, vor allem am Ende, hat es nur zu einem 1:1-Unentschieden gereicht.

Dominik Masek hatte den HSV Mitte der zweiten Halbzeit in Führung gebracht, etwa eine Viertelstunde vor dem Ende glichen die Niedersachsen aus. Der Abstiegskampf geht weiter für den HSV – bitter, dass es nicht einmal gegen den Letzten zu einem Sieg gereicht hat. Jonathan Tah spielte solide als Innenverteidiger, im zentralen Mittelfeld versuchte Matti Steinmann, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Das gelang nicht immer richtig gut.

Der Nachwuchs ist eines der Themen, dem sich Sportchef Oliver Kreuzer in Zukunft dringend widmen muss. Was dort alles brach liegt, hat Scholle hier zuletzt bereits deutlich formuliert. In jedem Fall zahlt der Verein nicht nur bei den Profis sondern auch im Nachwuchs die Zeche für Fehler der Vergangenheit.

Für Abendblatt-Blogs


Heute musste sich Kreuzer zudem mit Vorwürfen der Gegenwart auseinander setzen. Es geht um einen Artikel des „Spiegel“, der morgen erscheint. Demnach soll Kreuzer einem Spielerberater gebeten haben, einen Abnehmer für Torwart Rene Adler zu finden. Der Bericht beginnt mit einem angeblichen Gespräch Kreuzers mit einem Berater – Adler (Vertrag bis 2017) könnte doch in der spanischen und englischen Liga angepriesen werden, heißt es.

Oliver Kreuzer wurde heute, konfrontiert mit dieser Meldung, wütend: „Das ist absoluter Blödsinn. Solch ein Gespräch hat es nie gegeben. Warum sollte ich jetzt, mitten im Abstiegskampf, unseren Torwart irgendwo anbieten?“ Vereins-Chef Carl Jarchow ergänzte: „Die Geschichte ist totaler Schwachsinn.“

Dass die Hamburger Mannschaft, insbesondere bei einem immer noch möglichen Abstieg in die Zweite Liga, kommende Saison ein anderes Gesicht haben würde – das ist dabei völlig unstrittig. Egal ob die Spieler nun Verträge für beide Ligen haben oder nicht. Im Unterhaus würde sich das Gesicht des Teams komplett verändern. So viel steht fest.

Dass es soweit nicht kommen muss, hat die Partie vorgestern gegen Bayer Leverkusen gezeigt. Da war Leben und Stimmung in der Bude wie lange nicht. Und der HSV ist dabei, eine neue Führungsfigur zu finden. Es ist Hakan Calhanoglu, der seit Wochen glänzende Leistungen zeigt. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern vor allem wegen seiner kämpferischen Einstellung auf dem Platz. Calhanoglu hat sich dabei in den Monaten seit seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer enorm entwickelt. Am Anfang war er unter Thorsten Fink noch Joker. Manchmal wurde er eingewechselt, wie zum Beispiel beim 2:6 Anfang September in Dortmund, leistete sich Fehlpässe, ohne anschließend hinter dem Ball hinterherzujagen.

Die Mitspieler waren nicht eben gut zu sprechen auf diesen jungen Emporkömmling aus der Dritten Liga, der bislang nur in Karlsruhe zu begeistern wusste und ein allzu großes Selbstvertrauen zu haben schien. Doch unter Bert van Marwijk und erst recht unter Mirko Slomka zeigt sich ein anderen Hakan Calhanoglu. Er spielt nicht für die Galerie oder um seinen Ego-Trip bei Freistößen durchzuziehen. Er rennt und läuft und kämpft und setzt Zeichen im Stadion. Sehr gut, dass Oliver Kreuzer seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert hat.

Kein Wunder übrigens auch, dass die halbe Haupttribüne am Freitag voll war mit Scouts aus Spanien und aus England, die das HSV-Juwel mit dem goldenen rechten Fuß auf dem Zettel haben. Da wird mit ziemlicher im Sommer das eine oder andere Angebot auf den Schreibtischen in der imtech-Arena landen.

Ob der HSV im Fall der Fälle standhalten könnte – das steht wohl in den Sternen, Zweifel sind angebracht. Immer wieder wird ja darüber diskutiert, wie die Arbeit von Oliver Kreuzer denn nun zu bewerten ist. Gute Vertragsabschlüsse (Calhanoglu, Lasogga) und schlechte (van Marwijk, aktuell Djourou) lassen sich für beide Sichtweisen finden.

Klar ist jedenfalls, dass der HSV in dieser Saison unter Kreuzer aber auch wirklich alle Deals, also Käufe, Verkäufe und Leihgeschäfte, unter wirtschaftlichem Zwang getätigt hat. Das ging schon im letzten Sommer los, wo die Verteidiger Sobiech und Djourou geholt wurden, um den Verkauf von Mancienne, Rajkovic und Scharner anzufeuern. Alle drei Großverdiener – hier musste Geld aus dem Gehaltsetat eingespart werden. Das hat nicht geklappt, dazu kamen später die Abfindungen für Arnesen und Fink, so dass Aogo verscherbelt wurde. Lasogga konnte nur ohne Kaufoption geholt werden (schlecht für den HSV), während bei Djourou eine Kaufoption unumgänglich war, um ihn überhaupt zu bekommen (auch schlecht für den HSV – jetzt muss der Verein ihn für einen viel zu hohen Betrag ganz kaufen).

Im Winter lief es ja ähnlich. Irgendwelche Spieler konnten nur geholt werden, ohne dass der HSV wirtschaftlich etwas draufpacken konnte – auf der anderen Seite wurde mit Rudnevs entgegen jeder sportlichen Logik ein dringend benötigter Ersatz für Lasogga abgegeben. Da kann man nicht davon sprechen, dass dieser Verein das Heft des Handelns in den eigenen Händen hält. Natürlich wäre es hilfreich gewesen, wenn die Trefferquote bei Transfers von Oliver Kreuzer näher an den 100 Prozent dran gewesen wäre, als sie es am Ende war.

Wer viel Zeit hat zum Lesen, der konnte sich schon seit gestern durch die 300 Seiten quälen, die der Verein als Grundlage für die Ausgliederung in eine Fußball AG an seine Mitglieder herum geschickt hat. Am 25. Mai wird dort auf der großen Versammlung ja über das Modell nach HSV-Plus-Vorbild abgestimmt. „Das Konzept entspricht eins zu eins unseren Vorstellungen“, sagte HSV-Plus-Frontmann Otto Rieckhoff. In den 300 Seiten stehen allerhand juristische und wirtschaftliche relevante Einzelheiten – für das normale Mitglied kaum zu durchschauen. Eine erste eigene Vereinfachung und Zusammenfassung ist auf der HSV-Plus-Seite nachzulesen.

Viele Grundzüge sind bereits bekannt. Der Profi-Fußball-Bereich bis hinab zur U 16 geht über in die neue Fußball AG. Diese Fußball AG wird gestaltet aus der bereits existierenden (leeren Hülle) Sport AG, die entsprechend umbenannt und mit Leben gefüllt wird. Die Campus-Anleihe geht auf die Fußball AG über. 271 Mitarbeiter des HSV e.V. gegen mit ihren Arbeitsverträgen in die Fußball AG. Sollte HSV Plus und damit die Fußball AG die nötige Dreiviertelmehrheit erhalten, dann würde es bis zur folgenden Versammlung im Januar 2015 eine Übergangsregelung geben.

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ERGÄNZUNG 19.52 Uhr: Zunächst würde am 25. Mai der neue Aufsichtsrat gewählt. Der aktuelle Vorstand würde gleichzeitig ins Präsidium des e.V. übergehen. Ob der neue Aufsichtsrat der Fußball AG den alten Vorstand des Vereins gleichzeitig als Vorstand der Fußball AG behält, ist offen. Genauso möglich ist, diesen Vorstand ganz oder teilweise neu zu besetzen mit neuen Leuten. Und das ist ja sehr gut möglich.
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Ganz wichtig wird in diesem Zusammenhang sein, welches Team Rieckhoff für seinen neuen Aufsichtsrat ins Rennen schicken wird. Bis zum 20. April müssen entsprechende Vorschläge eingereicht sein, und vorher will Rieckhoff die Kandidaten noch öffentlich vorstellen. Mit Thomas von Heesen und dem Kühne-Vertrauten Karl Gernandt stehen bereits zwei Namen im Raum.

Die Debatte um die HSV-Reform wird mit Sicherheit in den kommenden Wochen, wenn die Mannschaft noch um den Klassenerhalt in der Bundesliga kämpft, für Schlagzeilen sorgen. Wobei das 2:1 gegen Leverkusen und die sensationelle Stimmung im Stadion schon gleich eine ganz andere Hoffnung hervorgerufen hat. Dass die Lage im Keller der Bundesliga sich jedoch kaum entspannt hat, wird beim Blick auf die Tabelle nach dem 3:0 von Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96 deutlich:
13. Hannover -18 29 Pkt.
14. Freiburg -19 29
15. Stuttgart -13 27
16. HSV -15 27
17. Nürnberg -20 26
18. Braunschweig -22 25

Wie wichtig wäre es jetzt bitteschön, wenn der HSV in Hannover nachlegen und auch diese Partie für sich entscheiden könnte? Einen Weg zum Klassenerhalt hat der Leverkusener Sportchef Rudi Völler heute bei Sport 1 aufgezeigt:

„Wir haben, obwohl wir verloren haben, am Freitagabend eine recht gute Leistung gebracht. Es gab nur einen Grund, warum wir verloren haben: Der zwölfte Mann war das Publikum in Hamburg, aber der Schiedsrichter Herr Dankert war der 13. Mann für Hamburg. Der HSV wird sicherlich den Antrag stellen, ob Herr Dankert nicht noch eines der letzten Spiele pfeifen darf. Dann werden sie nämlich definitiv nicht absteigen.“

Nun wird es wahrscheinlich aber doch wechselnde Schiedsrichter geben und der HSV muss – wie am Freitag – sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das wird zunächst ohne Milan Badelj geschehen, bei dem sich der befürchtete Muskelfaserriss im Oberschenkel bestätigt hat. Damit fehlt er mal ganz sicher in Hannover. Der HSV hofft auf die Rückkehr von Pierre Michel Lasogga, ganz klar.

Morgen wird es noch einmal ruhig werden auf dem Trainingsplatz, ehe Mirko Slomka am Dienstag mit voller Kraft in die Hannover-Woche einsteigen wird.

Schöner Gruß von Lars

Ein Küsschen für den Klassenerhalt – und nächste Saison dann Elfter!

15. März 2014

Mirko Slomka hat es heute wieder recht kurz gemacht beim Abschlusstraining vor diesem so eminent wichtigen Spiel gegen den 1. FC Nürnberg. Nach den intensiven Einheiten unter der Woche waren die Profis heute keine ganze Stunde auf dem Trainingsplatz. Aufwärmen, Passübungen, ein Spielchen (mit einigen Toren von Jacques Zoua) – das sollte dann auch genug sein.

Angedacht und angekündigt war diese Einheit einmal als Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Rund 150 Fans waren trotzdem dabei, und Mirko Slomka tat ihnen den Gefallen, nicht im abgesperrten Bereich zu üben sondern frei sichtbar. Und die Stimmung war gelöst, zum Trainingsbeginn flog ganz legal eine Leuchtkugel in die Luft, bei einem sehenswerten Treffer von Rafael van der Vaart gab es Applaus auf offener Szene. Ebenso wurden die Spieler am Ende des Trainings mit Beifall verabschiedet.

Dabei kam es dann auch zur Szene des Tages. Stürmer Zoua, der vor ein paar Wochen im Zusammenhang mit den Fan-Protesten nach dem Hertha-Spiel weinend in die Kabine gegangen war, bekam heute einen dicken Kuss auf die Wange. Gelächter von allen Seiten, Zoua fand die Geste prima und strahlte übers ganze Gesicht.


Und genau so wollen alle Fans den Kameruner ja auch morgen Nachmittag nach einem erfolgreichen Spiel gegen den 1. FC Nürnberg sehen. Nach den Ergebnissen heute wäre das umso wichtiger. Es ist wahr: Gewinnt der HSV gegen die „Clubberer“, dann verbessern sich die Hamburger auf Platz 14 – schnurstracks an Stuttgart und Nürnberg vorbei. Das wäre eine angenehmere Ausgangsposition vor der Partie am Neckar und beim ehemaligen HSV-Coach Huub Stevens am kommenden Sonnabend. Gut schon einmal: Martin Harnik hat sich in Bremen die 5. Gelbe Karte eingefangen und wird gegen den HSV fehlen.

So könnte der HSV gegen Nürnberg spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Calhanoglu, Badelj, Arslan, Ilicevic – van der Vaart, Zoua.

Schon hinter sich hat die Regionalliga-Mannschaft des HSV ihre Wochenende-Schicht. Es ging wieder einmal daneben. 0:1 zu Hause gegen den SV Meppen – die Abstiegssorgen werden immer größer. Dabei ist die Truppe von Rodolfo Cardoso aber auch mit dem letzten Aufgebot angetreten. Auf der Bank saß nur ein Spieler, und der kam auch noch aus einer längeren Verletzung. Cardoso musste drei weitere Jungs bei der A-Jugend lassen, die ebenfalls in Abstiegsgefahr schwebt. Routinier Fabio Morena fehlte wegen Rot-Sperre, der andere „Alte“ Patrick Owomoyela war für „Sky“ im Einsatz. Schlechte Bedingungen für ein erfolgreiches Spiel.

Kommen wir zu einem anderen Thema. Maximilan Beister hat heute zur Eröffnung geladen einer neuen Einrichtung in Eimsbüttel. Mit Fußball hat das Projekt „Immerschlau“ gar nichts zu tun. Beister unterstützt eine Nachhilfe-Einrichtung in der Schwenckestraße. Schüler und Kinder allen Alters, aller Klassen und aller Schulformen können sich an „Immerschlau“ wenden, wenn sie Nachhilfe oder Lernförderung haben möchten. Infos könnt Ihr unter www.immerschlau.de nachlesen.

Gerade in der Jugend und in der U-23-Mannschaft in der Regionalliga beobachtet Beister, wie er sagte, Kollegen und Mitspieler, die sich nur auf den Fußball stürzen. „Fußball ist aber nicht alles. Eine Ausbildung ist wichtig.“ Daher sein Engagement bei „Immerschlau“, das einfach nur zu loben ist.

Was seine Verletzung angeht, ist Maxi Beister aktuell sehr zufrieden. Im Januar hatte er sich im Trainingslager in Abu Dhabi das Kreuzband gerissen. „Mittlerweile mache ich erste Übungen und man erkennt meinen Oberschenkelmuskel bereits wieder, der zwischenzeitlich verschwunden war“, berichtet Beister. Wassergymnastik um die Kniescheibe in Bewegung zu bringen – das steht kurzfristig auf seinem Plan. Einen großen Teil seiner Reha wird Beister in Düsseldorf absolvieren. Monatelang immer an einen Ort zu pilgern, das sei im zu monoton, so Beister. Abgesehen davon fliegt er zwischendurch immer wieder zu Nachuntersuchungen nach Augsburg, wo er operiert wurde.

Für die Partie morgen gegen Nürnberg sieht auch Beister die große Bedeutung. „Es ist ein sehr wichtiges Spiel. Wir müssen als Männer kämpfen und zusammen stehen. Die elf auf dem Rasen, dazu sieben Ersatzspieler und 50.000 im Stadion müssen gemeinsam alles tun für den Erfolg.“ Das werde am Ende auch gelingen, davon ist Maxi Beister überzeugt. „Wenn ich wieder auf dem Rasen stehe, dann möchte ich das gern in der Ersten Liga tun.“

Zu guter letzt das leidige Thema Geld beim HSV. Am Freitag mussten alle Bundesligisten ihre Lizenz-Unterlagen für die kommende Saison bei der DFL einreichen – für die Erste Liga wohlgemerkt. Die Zahlen für die eventuelle Zweite Liga müssen am 1. April in Frankfurt vorliegen.

Nach den desaströsen wirtschaftlichen Ergebnissen der vergangenen Jahre wurden die Planzahlen nun erheblich nach unten angepasst. Der Jahresumsatz wird zurückgehen, der Aufwand für den Spielerkader soll endlich unter die seit Jahren avisierte Grenze von 40 Millionen Euro fallen. Dazu müssen natürlich weitere Spieler gehen. Mit Aogo und Rudnevs sind zuletzt schon zwei weitere teure Spieler von der Payroll gestrichen worden, wobei Hannover 96 seine Kaufoption für den lettischen Stürmer Rudnevs erst noch wahrnehmen muss.

Dass weitere Spieler folgen werden, die den HSV verlassen, ist ein offenes Geheimnis. Dazu kommt nämlich, dass der sportlich wankende HSV der DFL nicht noch einmal solch eine utopische sportliche Zielvorgabe wie diese Saison (Platz 6) anbieten kann. Für 2014/2015 plant der Verein nur noch mit Platz 11 und dem Erreichen der zweiten Runde im DFB-Pokal.

Natürlich haben die beiden Trainerwechsel dieser Saison dem HSV zusätzlich geschadet. Nicht nur sportlich, auch finanziell. Im Zusammenhang mit Bert van Marwijk hatte das Abendblatt zuletzt exklusiv berichtet, dass im Vertrag des Niederländers eine Millionenprämie für den Nichtabstieg verankert ist. Wie aber verhält es sich jetzt mit dieser Prämie, da van Marwijk nicht mehr da ist und Mirko Slomka das Zepter übernommen hat?

Generell gelten Prämienvereinbarungen beim HSV, egal ob es sich um Auflauf-, Punkt-, oder wie auch immer geartete Erfolgsprämien handelt, nur bis zu dem Zeitpunkt einer eventuellen Freistellung. Entsprechend soll, das sind meine Informationen, auch der Vertrag mit Bert van Marwijk gestaltet gewesen sein. Das heißt: van Marwijk hat zwar Anspruch auf sein Grundgehalt bis 30. Juni 2015, nicht aber auf die vereinbarte Nichtabstiegsprämie.

Dies würde den HSV natürlich entlasten. Im Übrigen hat es noch keine gesonderte Einigung zwischen dem Verein und dem Ex-Trainer gegeben, die die Höhe der Abfindung endgültig regelt. Wie auch bei Frank Arnesen und Thorsten Fink ist es das Bestreben des Vereins, nicht die volle Restsumme von mehr als 1,5 Millionen Euro an Bert van Marwijk auszuzahlen.

Morgen nach dem Spiel melden sich Dieter und Scholle bei Euch mit „Matz ab live“. Ein Gast steht fest, es ist der ehemalige Aufsichtsrat und Top-Volleyballer Frank Mackerodt. Außerdem wird noch ein Ex-Profi des HSV erwartet, lasst Euch überraschen.

Bis denn – alles für die drei Punkte!
Lars

**Lasogga verletzt** Auch beim Nachwuchs hakt es gewaltig…

4. März 2014

*****Pech für Lasogga: Eine Muskelverhärtung stoppt sein mögliches DFB-Debüt. Sogar sein Einsatz für den HSV vs Frankfurt am Sonnabend ist gefährdet…****

So überraschend seine Nachnominierung am Sonntagmorgen noch war, so überraschend war auch alles wieder vorbei. Früher als erwartet. Rafael van der Vaart musste seine Nachnominierung für das Länderspiel der niederländischen Nationalelf wegen eines grippalen Infektes am Dienstag wieder absagen und reiste zurück nach Hamburg. „Er hat eine schwere Grippen und wir werden alles unternehmen, um ihn wieder gesund zu bekommen“, sagt Slomka, der den HSV-Kapitän am Sonnabend gegen Frankfurt einsetzen will. Dass der Niederländer jetzt pausieren muss, stört den HSV-Trainer nur bedingt. „Er hat am Monatg trainiert und weiß, wofür wir ihn brauchen. Er ist erfahren genug, um am Ende zu sagen, ob es geht.“

Und um das hier noch mal klarzustellen: Ich bin nicht der Meinung, dass Rafael van der Vaart in der Form seines Lebens ist. Aber, und damit beende ich die Diskussion um seine Person meinerseits auch sofort wieder: Solange der HSV in der aktuell prekären Situation steckt und personell nicht nachrüsten kann, bleibe ich dabei, die Stärken derjenigen hervorzuheben, die hier sind. „Das ist in unserer Situation alternativlos“, weiß auch Slomka, dem nach eigenen Angaben auch Dinge auffallen, die es zu ändern gilt. „Wenn alles funktionieren würde, wären wir nicht da, wo wir sind. Ganz klar. Aber das einzig wichtige jetzt ist, dass wir alle daran arbeiten, dass es funktioniert. Auch das ist alternativlos.“




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Personifizierte Kritik gäbe es zwar in- aber von ihm nicht extern. „Dass sich jetzt hier vieles auf eine Person fokussiert ist für mich unverständlich. Speziell in diesem Fall.“ Daher werde er weiterhin seinen Kapitän unterstützen, sogar insbesondere. Slomka teilt seinem Kapitän für die entscheidende Schlussphase der Saison sogar eine Schlüsselrolle zu: „Mir würden bei ihm sogar einige Laufkilometer und Ballkontakte weniger reichen, wenn er dadurch effektiver wird. Aber auch das weiß Rafa, dafür ist er erfahren genug.“

Das wiederum fehlt Jonathan Tah mit seinen gerade 18 Lenzen naturgemäß noch. Nachdem der Youngster in der Hinrunde zur positiven Überraschung beim HSV avancierte, sitzt der Abiturient aktuell nur noch auf der Bank, spielt statt Bundesliga in der U23. „Es war in letzter Zeit sehr viel los bei Jonathan“, begründet Slomka die Auszeit, „er macht sein Abi, spielt seine erste Profisaison und dann wird auch noch sein Vertrag veröffentlicht. Dazu der Ärger mit seinem Vater, der alles lanciert haben soll – das geht nicht einfach an einem so jungen Mann vorbei. Und wir befinden uns in einer Situation, wo sich ein junger Spieler nicht so leicht freimachen kann von den Folgen des Abstiegskampfes.“ Daher wird Slomka am Wochenende voraussichtlich auf den erfahrenen Heiko Westermann als Ersatz für den bereits am Kreuzband operierten Slobodan Rajkovic’ zurückgreifen. „Heiko hat die Position schon oft gespielt und ich weiß, dass er einer der wenigen ist, die auch den linken Part in der Innenverteidigung gern und gut spielen.“

Dafür ließ Slomka heute die Profis gegen die eigene U23 antreten. Zweimal 30 Minuten wurde mit ordentlichem Schiri-Gespann auf dem Trainingsplatz gespielt – und die Amateure siegten mit 1:0. Nils Brüning machte das einzige Tor des Spiels, das erneut aufzeigte, wie torungefährlich dieser HSV aus der zweiten (Spieler-)Reihe ist. Jacque Zoua hatte keine Szene. Lediglich Bouy tauchte einmal frei vor U23-Keeper Stritzl auf, scheiterte aber mit seinem Lupfer.

Nein, das Spiel heute war nur gut, um in Bewegung zu bleiben, um etwas Spielpraxis für die zu bekommen, die zuletzt ausfielen wie Diekmeier und Westermann. Und natürlich, um zu sehen, wer sich aus dem Nachwuchs aufdrängt. Wobei auch diese Liste höchst überschaubar war, auch wenn (unser Niendorfer) Francis Adomah bei den Profis mitwirkte, bot sich maximal Dominik Jordan in der zweiten Spielhälfte oder Brüning in Ansätzen an.

Ich stand während des Spiels neben Mahmut Yilmaz und Otto Addo, die ihrerseits den U19-Jahrgang trainieren und in der A-Bundesliga in noch größerer Abstiegsgefahr stecken als die Profis ganz oben. Beide hatten sichtlich Probleme, dem aktuellen Nachwuchs etwas Positives abzugewinnen. Immer wieder tauchte in den Diskussionen dasselbe Argument auf: fehlendes Geld. Denn nachdem der HSV jahrelang zu in die falschen Bereiche (Ausnahme Internat) investiert hat, investiert er jetzt zu wenig. Addo und Yilmaz hielten sich loyal ihrem Arbeitgeber gegenüber zurück. Aber überall wird der Rotstift angesetzt, erneut sollen die Abteilungen rund zehn bis 15 Prozent einsparen. Dabei muss der HSV ob seiner finanziellen Situation zwingend und vermehrt auf den Nachwuchs setzen. Dieser HSV wird sein Phlegma einfach nicht los. Er ist weiterhin ein Insolvenzfall, da hier nur noch abgewickelt wird – nicht mehr entwickelt. Auch, weil die handelnden Personen zu schwach sind.

Michael Schröder als starken Mann im Jugendbereich zu präsentieren war sicherlich kosteneffizient – immerhin hatte er einen laufenden Arbeitsvertrag und wurde als Scout (von Arnesens damals) nicht mehr benötigt. Schröder, selbst Inhaber des Fußballlehrerscheins und einstiger Jugendtrainer bringt auch die entsprechende Ausbildung mit und wirkte anfänglich hochmotiviert. Es wurde ein Konzept erstellt, das den HSV in den höchsten Jugendligen und die U23 in der Dritten Liga vorsah. Es wurden dafür regelmäßige Treffen anberaumt – aber zeitgleich verlor der HSV seine halbe Scoutingabteilung. Inzwischen bedient sich der HSV über Schröders Kontakte bei dessen Bekannten und Freunden im Fußballbereich (Maurizio Gaudino z.B.). Eine geordnete Talentsichtung findet dagegen kaum mehr statt. Aus der anfänglich verbreiteten Euphorie Schröders ist kaum mehr etwas übrig.

Ich habe mir dieses Urteil für den Moment aufgespart, indem ich das mit gutem Gewissen sagen kann. Daher habe ich auch die penetranten Nachfragen eines Bloggers hier unbeachtet gelassen. Aber nachdem ich erfahren habe, dass sich der Verein seiner letzten Hoffnung auf Eigentherapie beraubt und das Scouting im Jugendbereich so gut wie aufgegeben hat, bin ich sprachlos. Es gibt nicht mal eine gepflegte Datenbank, in der Daten von gesichteten Spielern eingetragen werden können… Und der einzige Grund, weshalb der Jugendbereich noch nicht groß aufgeflogen und ebenso groß thematisiert wurde ist tatsächlich, dass der Profibereich mit seinen großen Problemen (sportlich wie in den Gremien) alles überschattet.

Diesem HSV fehlt es tatsächlich überall an Struktur. Von ganz oben bis ganz unten – wobei ich die Breitensport-Sparte hier mal ausnehme. Daher muss am 25. Mai der Neuanfang in Form von der Strukturreform beschlossen und ab Sommer ganz unten angefangen werden, selbige umzusetzen. Dieser HSV muss endlich eine klare Philosophie entwickeln, an der sich alle Entscheidungsträger im sportlichen Bereich anschließend orientieren – nicht andersrum, wie es heute noch der Fall ist. Und das muss für die nächsten Jahre gelten. Der HSV muss auf Vorstandsebene ein Konzept für den Nachwuchs erarbeiten und in selbigen vermehrt investieren, nicht sparen. Im Jugendbereich müssen in den Leistungsmannschaften Fußballlehrer arbeiten. A-, B-, C-Jugend und U23 müssen in den höchstmöglichen Ligen spielen – kurzum: der HSV muss seinen Ausbildungsbereich für die besten Jungspieler Deutschlands chic machen. Der HSV muss sich kernsanieren und attraktiv werden, wenn er tatsächlich eigene Profis ausbilden will. Und das muss er.

Ergo: Die Bundesliga-Mannschaft kämpft weiterhin dagegen, abzusteigen. Die Jugendarbeit des HSV ist es bereits. Dabei wird auch nicht helfen, wenn der Verein am Ende seine Ligen allesamt hält. Denn solange hier nicht mit neuen Leuten (dem vernehmen nach soll Thomas von Heesen durchaus Interesse an der Leitung einer kompletten Umstrukturierung zeigen) von Grund auf neu und nachhaltig gestaltet wird, werden sich die Probleme stetig wiederholen. „Alternativlos“ ist dieser Weg, um es mit Slomkas Worten zu formulieren. Paul Meier versuchte einst, ihn zu gehen und bestand zum Ärger einiger auch einflussreicher Trainer strikt auf Einhaltung einer gemeinsamen Philosophie. Aber der Schweizer musste gehen. Weil sich auch im Jugendbereich persönliche Beziehungen über die Not des Vereins hinwegsetzen konnten.

Und selbst dann, wenn im Bundesligabereich durch irgendwelche Sponsoren, Gönner und/oder Investoren zig Millionen in die Kasse gespült würden, muss dieser Verein lernen, eine erfolgreiche Jugendarbeit die beste Versicherung eines jeden Profiklubs ist. Und das sollte sie der jeweiligen Führung auch Wert sein. Es müssen endlich die besten Ausbilder zum HSV geholt werden, es muss sich auf ein erfolgreiches Konzept (Beispiele dafür gibt es in der Bundesliga genügend) geeinigt werden. Und dabei darf nicht gespart werden. Wobei schon ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht, über welch vergleichsweise lächerlichen Summen wir reden. Immerhin hätte schon allein die Abfindung für van Marwijk gereicht, um den Etat der Nachwuchsabteilung für ein komplettes Jahr abzudecken und leicht aufzustocken…

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird es sicher die eine oder andere böse Reaktion aus dem Nachwuchsbereich geben. Aber damit komme ich gut klar.

Scholle

P.S: Während Torhüter Jaroslav Drobny das Vormittagstraining abbrach fallen Kerem Demirbay (Bänderriss im Knöchel) und Zhi Gin Lam (Achillessehne) weiter aus. Bei Milan Badelj (Hand-OP) soll eine Schiene helfen, während Hakan Calhanoglu seine Zerrung noch nicht gänzlich auskuriert hat. „Bei Hakan hoffen wir, dass er am Donnerstag wieder mittrainieren kann.“ Besser sieht es dagegen bei Petr Jiracek aus, dessen muskuläre Probleme aus dem 100. Nordderby abgeklungen sind. „Ihn mussten wir eher bremsen, weil er schon wieder voll mitmachen wollte“, so Slomka.

Macht es wie Bert – dann klappt’s auch mit Hoffenheim…

30. Januar 2014

Nach außen cool, nach innen heißblütig. So oder so ähnlich hatte sich Bert van Marwijk bei uns zu Amtsantritt vorgestellt. Und das mit dem „cool“ kann ich bestätigen. Van Marwijk fährt eigentlich nie aus der Haut. Weder im Jubel noch in der Krise. Die Kritik an seiner Person in den letzten Tagen prallt an van Marwijk scheinbar ab. „Druck gehört zu unserem Beruf dazu. Wenn man vier Spiele nacheinander verliert, zu Hause gegen Augsburg, Mainz und Schalke verliert, dann würde ja auch etwas nicht stimmen, sollte dann keine Kritik aufkommen. Es ist vielleicht auch ganz gut, wenn das jetzt passiert.“ Worte, die besser kaum gewählt sein könnten. Weil sie stimmen und negative in positive Energie umkehren. Nicht, dass ich in irgendeiner Form esoterisch veranlagt wäre, wirklich nicht! Aber auch ich war mir nicht ganz sicher, wie sich van Marwijk samt Mannschaft aus dem aktuellen Dilemma herauslösen kann, ohne großartig Schaden genommen zu haben.

Jetzt weiß ich’s.

Van Marwijk kontert. Smart sogar. Er macht das taktisch besser als seine Mannschaft auf dem Platz. Der Niederländer setzt auf Ruhe, er will keine Hektik aufkommen lassen. Immer wieder betont er, dass er fest davon überzeugt ist, dass kein Spieler nicht top motiviert ins Spiel gehen würde. Zweisamkeit? Mitnichten. Auch Verunsicherung in der Mannschaft lässt van Marwijk als Grund für die sportliche Talfahrt nicht gelten. Sogar ganz deutlich nicht: „Wenn das bei irgendeinem so ist, dann gehört der nicht auf dieses Niveau.“ Stimmt. Und deshalb schoss der Trainer dem einen oder anderen heute schon einmal mächtig vor den Bug.


Heiko Westermann zum Beispiel. Beim Abschlussspiel im Training ließ van Marwijk den gerade erst wieder genesenen Johan Djourou neben Jonathan Tah in der Innenverteidigung des A-Teams spielen. Und ohne jetzt hier eine Diskussion anfangen zu wollen, ob andere die Degradierung mehr verdient hätten als Westermann – es ist zumindest ein klares Zeichen. Ein deutliches Zeichen an alle, dass es so nicht weitergehen kann und hier niemand verschont wird. Zumal es nicht bei diesem einen Zeichen blieb. Auch Tolgay Arslan muss offenbar seinen Platz räumen. Für ihn agierte der bissige Zugang Ouasim Bouy (trainierte voll mit, obwohl ihm gerade ein Zehnagel aufgebohrt worden war) auf der Sechs neben Milan Badelj. Und van Marwijk scheint tatsächlich viel von Bouy zu halten. Auf die Frage nach Tomas Rincon, dem Inbegriff von Kampf in dieser HSV-Mannschaft, antwortete van Marwijk: „Ouasim Bouy ist auch so ein Typ.“ Punkt.

Und der wird benötigt. Das weiß auch Milan Badelj, der maßgeblich verantwortlich ist im zentral-defensiven Mittelfeld. „Wir können nicht immer erwarten, schön zu spielen und zu gewinnen. Wir brauchen auch das rustikale (er benutzte ein anderes Wort, aber sinngemäß stimmt das so…) Spiel. Gerade in unserer jetzigen Situation ist schöner Fußball nicht wichtig – jetzt zählen Zweikämpfe. Wir müssen bei unseren Fans das Vertrauen zurückgewinnen.“ Ob er das harte Spiel beherrscht? „Klar. Das kann ich.“

Na dann, es wird gebraucht in Hoffenheim am Sonnabend. Auch deshalb probierte van Marwijk im heutigen Trainingsspiel auf der linken Verteidigerposition was Neues aus. Den gegen Schalke schwachen Marcell Jansen degradierte er in die B-Elf und berief den rustikalen Innenverteidiger Slobodan Rajkovic ins A-Team auf die linke Viererkettenseite. Eben jenen Serben, der auf seine Chance brennt wie kein zweiter, wie ich Euch versichern kann. Denn im Gegensatz zu dem einen oder anderen, der der Meinung ist, ich hätte Boban mit dem harten Interview geschadet, sieht er das anders. Ich auch. Deshalb kann ich auch – aber längst nicht nur – aus Sympathiegründen sagen, dass ich mich über eine neue Chance für Rajkovic freuen würde. Denn eines ist mal klar: Slobodan Rajkovic gibt immer Vollgas. Bei dem Linksfuß weiß jeder, was er nie erwarten kann – aber man weiß auch, dass er alles gibt. Und allein das ist in der aktuellen Situation schon sehr wichtig.

Wobei es tatsächlich bitter für Jansen wäre, sollte es so kommen. Denn Marcell hatte gegen Schalke sicherlich einen rabenschwarzen Tag, galt für mich bis dato aber als einer der wenigen, der konstant brauchbare Leistungen abrufen konnte. Und ich bin mir sicher, dass van Marwijk ob seiner ausgeprägten Gelassenheit im Umgang mit dieser Krise das ähnlich sieht. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass van Marwijk einen „Führungsspieler“ abstraft, nur um hart zu wirken. Das hat er auch nicht nötig.

Nein, van Marwijk ist und bleibt sich treu. Er macht, was er für richtig hält und lässt sich nicht reinreden. Ärger nimmt er in Kauf, gehört ja auch dazu, wie er immer wieder sagt. Zumal er kein Sympathieträger sein muss, um ein guter Trainer zu sein. Er will auch gar nicht von allen gemocht werden. Er braucht Gegendruck. Er ist irgendwie wie dieser Winfried aus dem Dschungelcamp – allerdings die intelligente Variante davon. Und moderat als Fachmann auf seinem Gebiet in einer unromantischen Mission. Kurz gesagt: ein desillusionierter Realist. Van Marwijk hat erkannt, was die Uhr in Hamburg schlägt und redet nichts schön. Er weiß, dass er aus der Mannschaft etwas herausholen muss, was kaum mehr da zu sein scheint: Charakter und Selbstvertrauen. Wie er das schaffen will? „Ich weiß es nicht, dafür gibt es kein Mittel, das kann ich nicht trainieren. Denn es wird immer dasselbe sein: von jetzt auf gleich kann alles anders sein.“

Soll heißen, von jetzt auf gleich spielt die in den letzten Spielen tiefst verunsicherte Mannschaft wieder erfolgreichen Fußball. Plötzlich klappt alles. Schwankungen gehören heutzutage dazu, weil die Typen auszusterben drohen. Die heutige Fußballergeneration funktioniert nicht mehr so logisch und klar strukturiert wie früher, wo Niederlagen an der Ehre kratzten bis sie wiedergutgemacht wurden. Das sagt van Marwijk – und er hat Recht, wie ich finde. Dieter wäre jetzt in seinem Element. Dieter würde wahrscheinlich weit ausholen und locker 100 Spielertypen nennen, die es hier mal gab und die dieser HSV von heute bestens gebrauchen könnte.

Und auch ich kann sagen, dass die Spieler zu Beginn meiner Ligazeit andere Typen waren als die, die zum Ende meiner aktiven Zeit kamen. Es wurde immer unpersönlicher, die Spieler immer austauschbarer. Und dieser Zustand scheint sich bis in die höchsten Fußballerebenen durchgesetzt zu haben. Die Typen, die mit richtig Herzblut zu Werke gehen, gibt es kaum noch. Der moderne Fußballer spielt gut, solange es läuft. Und er wechselt (am besten noch höher), wenn es nicht mehr läuft. „Das hat auch mit Charakter zu tun“, klagt van Marwijk an, „heute gibt es doch gar keine Effenbergs oder Matthäus’ mehr. Die heutige Generation guckt sich doch gar nicht mehr in die Augen. Die gucken alle nur noch auf ihre Computer. Und die wenigen Typen, die es gibt, die sind unbezahlbar.“

Deshalb wolle er sich auch gar nicht erst großartig Gedanken machen, ob er einen solchen Spieler jetzt unbedingt braucht oder nicht. Auch nicht über den Stürmertypen, der er zu gern in der Mannschaft hätte – eine Mischung aus Calhanoglu und Lasogga. „Wenn es nicht möglich ist, denke ich auch gar nicht erst drüber nach. Ansonsten bekäme ich nur schlechte Laune.“

Wobei er diese Laune – ob der Tabellensituation und der öffentlichen Kritik nachvollziehbar – hat. Das merkt man, so sehr sich van Marwijk auch bemüht. Der Trainer hat bemerkt, dass hier in Hamburg mit dieser Mannschaft nicht viel zu holen ist. Er hat auch bemerkt, dass der Sportchef Kritik an ihm geäußert hat. Und das sind Dinge, die ihm nicht gefallen. Van Marwijk lässt so nicht mit sich umspringen. Er hat schließlich die längste, erfolgreichste Vita vorzuweisen – und das demonstriert er, indem er intern seine Hierarchie lebt, losgelöst von Ämtern. Kreuzer muss sich demnach erst bei ihm beweisen, nicht er sich bei Kreuzer. Ein Indiz dafür: Heute ruderte der HSV-Sportchef heute mit aller Kraft zurück. Kreuzer versuchte mit aller Macht, seinem Trainer verbal den Rücken zu stärken, nachdem er ihn dafür kritisiert hatte, den Spielern zu viel frei zu geben. „Ich verstehe die Leute, die das in einer solchen Situation komisch finden“, so Kreuzer, ehe er heute sagte: „Es liegt nicht in meiner Absicht, dem Trainer seinen Trainingsplan vorzuschreiben. Ich vertraue Bert da zu 1000 Prozent. Weil ich voll von Bert als Trainer überzeugt bin, er hat einen Plan.“

Na dann. Klingt nach Wiedergutmachungsversuch. Kommt zumindest so rüber und offenbart, dass eben doch nicht alle eine solche Krise unbeschadet überstehen.

Gelöst hat der HSV sein Problem, also das ursprüngliche, damit jedoch lange nicht. Nur zu gern würde ich van Marwijks wahren Gedanken über diese Mannschaft und diesen Verein hören. Der Niederländer hätte sicher eine ganze Menge zu erzählen. So, wie zuvor schon Frank Arnesen als Sportchef (Glückwunsch auch noch mal von dieser Stelle zum neuen Vertrag bei Metalist Charkow!) ist auch van Marwijk schnell aus der ihm geschilderten Welt beim HSV in der harten Realität gelandet. Auch der HSV-Trainer weiß, dass dieser HSV komplett umgekrempelt werden muss, sollte er irgendwann einmal bessere Zeiten erleben wollen. Van Marwijk ist allerdings schlichtweg zu sehr Profi, um sich das anmerken zu lassen…

In diesem Sinne, sollte die Mannschaft das Spiel am Sonnabend nur halb so professionell angehen wie van Marwijk seiner ersten Krise begegnet ist – es würde wohl ein ähnlich klarer Sieg wie in der Vorsaison. Und dennoch ist klar, es wäre nur ein zarter Anfang auf einem mühsamen und noch langen Weg zurück in sichere Gefilde. Denn eines weiß van Marwijk, egal aus welchen Gründen er hier die Spiele nicht gewinnt und tabellarisch abgerutscht ist – gehen muss er als erster. „So ist Fußball eben“, sagt van Marwijk. Und ich will es eigentlich nicht glauben. Aber es stimmt. Leider. Fußball ist eben doch nicht nur schön.

Scholle

P.S.: Morgen wird um 11 Uhr trainiert. Mit Tomas Rincon, der entgegen ersten Gerüchten nicht zu Cardiff wechseln wird.

P.P.S.: Das Video mit Oliver Kreuzer versuche ich seit Stunden hochzuladen – bislang erfolglos. Sollte mir das dennoch irgendwann gelingen, stelle ich es hier und auf unserer Facebookseite (www.facebook.com/groups/matzab) für Euch rein.

P.P.P.S: Michael Mancienne hat sich den Finger gebrochen und muss operiert werden. Der Engländer fällt vier Wochen aus.

99,58 Millionen Euro Schulden – und die Folgen

30. Dezember 2013

„Der HSV hat kein Schuldenproblem. Wir haben, wenn überhaupt, ein Liquiditätsproblem.“
HSV-Aufsichtsratschef Manfred Ertel am 11. November auf Hamburg 1

„Unsere Liquidität ist gesichert.“

HSV-Vorsitzender Carl Jarchow am 14. November im Hamburger Abendblatt

„In der bestehenden Struktur können die hohen Schulden den HSV ins Verberben reißen.“

HSV-PLUS-Homepage

Es gibt diese und eine Reihe weiterer Aussagen rund um den HSV, die sich mit der wirtschaftlichen Lage des Vereins beschäftigen. Drei Mal in Folge tiefrote Zahlen, daran hat der Verein zu knabbern. Für diese Saison arbeiten die Verantwortlichen daran, eine schwarze Null hinzuzaubern. Wird es ihnen gelingen? Ist das nur ein Zwischentief? Oder steckt der HSV viel tiefer in der Tinte, als die Offiziellen es zugeben wollen?

Die gerade veröffentliche Bilanz des Geschäftsjahres 2012/13 gibt allen Kritikern und Skeptikern recht. Genau genommen sind die Zahlen verheerend. Wir sind hier bereits ausführlich auf die Zahl unter dem Strich eingegangen. 9,8 Millionen Minus erwirtschaftete der HSV in der vergangenen Saison. Der Betrag wäre auf 22,2 Millionen Euro gestiegen, wenn nicht noch ein neuer Vertrag mit dem Vermarkter „Sportfive“ geschlossen worden wäre.

Absolut legitim, dieser Vermarktervertrag. Genauso legitim wie das Erzielen einer Ablösesumme für einen Spieler oder das Geld, das ein potenter Sponsor gibt. Aber es bleibt dabei: aus seinem laufenden Geschäft hat der Verein 22,2 Millionen Euro zu wenig erwirtschaftet, um die Kosten zu decken. Ein Alarmsignal. Als im Frühjahr einmal darüber berichtet wurde, dass der HSV mit einem entsprechenden Minus von etwa 24 Millionen kalkuliert, wurde diese Berichterstattung vom HSV-Vorstand kritisiert. Nun haben wir schwarz auf weiß, dass die Zahl so ziemlich den Tatsachen entsprach.

Aber kommen wir zu den einzelnen Zahlen oberhalb des Strichs. Auffällig in der Aufstellung von Erträgen und Aufwendungen ist, dass der HSV unverändert hohe Einnahmen hat. Spielerträge, Werbeerträge, TV-Rechte – hier gab es überall leichte Steigerungen, so dass der HSV 145,4 Millionen Euro eingenommen hat – gegenüber 141,1 Millionen in der Saison zuvor.

Doch dagegen stehen die erheblichen Aufwendungen, die nicht zu decken waren, nun schon zum dritten Mal in Folge. Im Vorstandsbericht werden dafür Gründe genannt. Die Transfersummen, die Ende August 2012 aufgewendet werden mussten (van der Vaart und Jiracek), bilden demnach den größten Teil.
Die Besorgnis erregende Zahl schlechthin verbirgt sich in der HSV-Konzernbilanz bei den „Passiva“. Unter Punkt D. Verbindlichkeiten wird ein Betrag von 99,58 Millionen Euro ausgewiesen. Der HSV hat fast 100 Millionen Euro Schulden! Aus dem ursprünglichen Stadionvertrag sind dabei nur noch 31 Millionen abzutragen. Der Rest setzt sich aus weiteren Schulden zusammen, und es ist schwer abzusehen, wie die abzutragen sein sollen. Als Bert van Marwijk vor einigen Jahren das erste Mal in der Bundesliga war, bei der verschuldeten Borussia aus Dortmund, äußerte er einmal seinen Unglauben darüber, dass der Club 100 Millionen Euro Schulden haben soll. Nun ist er in Hamburg – neuer Verein, altes Spiel.

Die Verbindlichkeiten des HSV sind im Einzelnen genannt. Gegenüber Kreditinstituten sind es 42,1 Millionen (Stadionkredit zuzüglich eines weiteren Kredits für Umbauten), 24,1 Millionen aus Lieferungen und Leistungen (Transfers), sonstigen Verbindlichkeiten von 15 Millionen (hierin ist auch der Acht-Millionen-Kredit von Unternehmer Kühne für Rafael van der Vaart enthalten) sowie der Campus-Anleihe mit 18,2 Millionen.

In diesem Zusammenhang ein kurzer Exkurs zum Campus. Die Planungen für dieses Nachwuchszentrum laufen weiter, auch wenn der Spatenstich noch auf sich warten lässt. Bis Mitte Januar läuft zunächst noch die Ausschreibungsfrist für die Bau-Unternehmen. Ende März, so die aktuelle Planung des HSV, sind dann entsprechende Verhandlungen abgeschlossen, die Verträge mit dem General-Unternehmer werden unterzeichnet. Geht alles glatt, dann wird ab Mitte des Jahres gebaut.

Parallel laufen die Verhandlungen mit der Stadt, es geht um den Erbbaurechtsvertrag für das Grundstück. „In den Verhandlungen mit der Stadt Hamburg und den betroffenen Behörden und Ämtern besteht Einigkeit in wesentlichen Detailfragen”, teilte der HSV seinen Anleihen-Zeichnern mit.

Hier sind nun ein paar neue Zeichnungen, zur Verfügung gestellt von der ECE, die die Planungen für den HSV gemacht hat (bitte draufklicken, dann werden die Bilder größer). Auf einer Info-Veranstaltung für HSV-Mitglieder vor einigen Wochen war die Beteiligung unverhältnismäßig kläglich. Daher die Idee, hier zumindest ein bisschen von dem Projekt darzustellen. Immerhin handelt es sich (nach dem Stadion) um das zweitgrößte Bauprojekt in der Vereinsgeschichte.

Visual HSV Campus

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Im Jahr 2015, so der momentane Stand, soll der „Campus” mit Leben gefüllt werden. Klar, solange dort keine Steine und Bagger zu sehen sind, muss sich der HSV auch dem Vorwurf ausgesetzt sehen, dieses Projekt zur Liquiditätssicherung zu benutzen. Am Ende aber bleibt es dabei: der Verein ist verpflichtet, jeden Cent, den er durch die Anleihe eingenommen hat, auch für den „Campus” zu verwenden.

Parallel soll dann der gesamte Volkspark vom Erlebniswert aufgewertet werden. Denn es gibt ja den Einwand, dass in dem HSV-Internat zwar junge Fußballer bestens betreut werden können, ihnen drumherum aber wegen fehlender Infrastruktur aber nichts geboten wird. Keine Geschäfte, schlechte Anbindung ans öffentliche Bahn- und Busnetz – (fast) nur der Park. Immerhin haben sich Stadt und HSV dieses Thema auf die Fahnen geschrieben.

Wie viel der HSV am Ende zurückzahlen muss für seine Anleihe, ist offen. Es ist realistisch vorherzusagen, dass eine große Gruppe der Anteils-Zeichner auf Rückzahlung verzichten wird – und lieber die Schmuck-Urkunde daheim an der Wohnzimmerwand hängen lassen wird. Für genaue Zahlen ist es aber noch zu früh.

Jedenfalls, um auf die Verbindlichkeiten zurückzukommen, ist es die Zahl von knapp 100 Millionen Euro, auf die Otto Rieckhoff und seine Partner von „HSV-PLUS“ hinweisen, wenn sie die Entschuldung des Vereins ansprechen. Ein oder mehrere strategische Partner, so die Theorie, sollen auf einen Schlag zur Entschuldung beitragen und damit wieder Handlungsspielraum schaffen.

Denn gerade dieser Handlungsspielraum ist extrem eingeschränkt. Wir hören es immer wieder – zuletzt durch Trainer van Marwijk oder Sportchef Oliver Kreuzer. Beide weisen mit Blick auf die aktuelle Finanzlage jeden Gedanken, im Winter sportlich nachzurüsten, von sich. Dabei wäre es sportlich durchaus geboten.

In einer Finanzanalyse hat Marco Mesirca ( www.offensivgeist.de ) sich die Zahlen des HSV aus den vergangenen Jahren zur Brust genommen. Er spricht in seiner umfassenden Untersuchung von einer „erheblichen finanziellen Instabilität“ des HSV. Und dabei hat er die Zahlen von 2012/13 noch nicht einmal eingerechnet.

Höhere Einnahmen wären zum Beispiel zu generieren aus dem internationalen Fußball. So ist es dem Verein zwischen 2000 und 2010 immer wieder gelungen. Auch in diesem Zeitraum war der HSV wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet, konnte seine hohen Kosten aber fast jedes Jahr decken und eine positive Bilanz aufweisen. „Der sportliche Stellenwert des Traditionsclubs ist weit gesunken“, sagt nun Marco Mesirca. „Der Club spielt nur noch national eine Rolle, die allerdings zunehmend an Bedeutung verliert.“ Zu dieser Einschätzung ist kein weiterer Kommentar notwendig.

Auch in den Jahren unter Bernd Hoffmann hatte der HSV häufig einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ in der Bilanz. Dies ist eine weitere Schlüsselstelle der aktuellen HSV-Zahlen. Unterschied zwischen Gegenwart und Vergangenheit: früher konnte dieses Defizit durch Transfereinnahmen und Europapokal geschlossen werden. Das ist im Moment kaum möglich. Der HSV bleibt in den Miesen. Bei 17,1 Millionen Euro steht der Fehlbetrag am Stichtag 30. Juni 2012 – etwa doppelt so hoch wie im Vorjahr.

Neben dem vereinseigenen Stadion hat der HSV vor allem Spielerwerte auf der „Aktiva“-Seite. 37 Millionen waren es laut Bilanz in der Vorsaison. Wenn wir den Schritt in die aktuelle Serie wagen, dann ist dieser Wert um Son zu reduzieren und um Calhanoglu und Tah zu erhöhen. Somit landen wir vielleicht bei 40 Millionen – gut geschätzt. Wobei Spieler wie Rene Adler oder Rafael van der Vaart, fürchte ich, derzeit keinen hohen Marktwert besitzen. Mit anderen Worten: Was seine Rücklagen und Werte angeht, kann der HSV keinesfalls aus dem Vollen schöpfen.

Man könnte das Spiel jetzt weitertreiben und noch mehr Zahlen heraussuchen, die exemplarisch zeigen, wie der HSV kämpfen muss. Entscheidend ist nun aber auch, den Blick nach vorn zu richten. Kann sich der HSV aus der aktuellen Umklammerung befreien? Was ist dazu notwendig?

In der laufenden Saison kann der Verein zumindest mit noch höheren Einnahmen aus den Fernsehgeldern rechnen (mehr als zehn Millionen Euro), außerdem schlägt der Verkauf von Heung Min Son nach Leverkusen (davon erhielt der HSV knapp acht Millionen Euro) dick zu Buche. Das bedeutet, dass die Bilanz 2013/14 von Haus aus nicht annähernd so schlecht ausfallen wird die die vorige. Zubrote wie das Erreichen des Viertelfinales im DFB-Pokal inklusive.

Bleibt die hohe Kostenseite, die Abfindungen für Thorsten Fink und Frank Arnesen, die nach wie vor hohen Personalkosten, die im Winter durch die Abgabe hier schon so häufig genannter Spieler verringert werden sollen. Dummerweise reduziert das die Schulden noch nicht nennenswert. Wie gesagt: die Erfahrung hat gezeigt, dass dies insbesondere durch die Teilnahme am internationalen Geschäft gelingen kann. Leider, leider ist das nur Wunschdenken.

Der HSV befindet sich mit seiner finanziellen Lage in großer Nähe zu Werder Bremen. Auch in Bremen blieben die Kosten noch lange auf Europapokal-Niveau, während sich die Mannschaft davon schon einige Zeit verabschiedet hatte – allerdings nur was den sportlichen Erfolg, nicht aber das Gehalt anging. Ein schwacher Trost ist dies allerdings für den HSV.

Für den 19. Januar gibt es aus diesen Zahlen zwei Möglichkeiten. Entweder dem HSV in seinen Strukturen trauen, auf langen Atem und die Jugend setzen. Und darauf vertrauen, dass es dieses Jahr gutgeht mit dem Klassenerhalt. So wie vor zwei Jahren. Denn klar ist nach dieser Hinrunde: vor Sommer 2015 wird es garantiert keinen internationalen Fußball mit entsprechenden Mehr-Einnahmen geben. Bei der aufklaffenden Lücke zwischen den Spitzenvereinen der Bundesliga und dem Dino aus Hamburg ist sogar mit einer noch längeren Durststrecke zu rechnen. Alles andere ist Augenwischerei. Durchhalten, HSV?

Oder der HSV wagt die Veränderung und die Ausgliederung. Wobei: was ist das größere Wagnis? Sich aufmachen zu neuen Ufern, noch nicht genau abschätzend, wie weit es bis dahin ist – oder einfach abwarten und auf die Selbstheilungskräfte bauen?

Aus welchem Holz sind die HSV-Mitglieder mehrheitlich geschnitzt?

Zum Tagesaktuellen: Ricardo Moniz, 2010 für einige Spiele Trainer des HSV, ist ein heißer Kandidat auf die Nachfolge von Mirko Slomka als Coach von Hannover 96. Sportdirektor Dirk Dufner bestätigte Kontakte mit dem 49 Jahre alten Niederländer.

Und der “kicker” hat seine Halbjahres-Bewertungen vorgenommen. Bei Torhütern, Innen- und Außenverteidigern taucht nur ein Name auf vom HSV: Marcell Jansen auf Platz fünf der Außenverteidiger. Torwart Rene Adler schaffte es nicht unter die ersten elf, die ordentlich bewertet wurden. Bei den Innenverteidigern hätte, so meine ich, Jonathan Tah es verdient gehabt, zumindest “Im weiteren Kreis” Erwähnung zu finden. Hat er aber nicht.

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahre. Ich hoffe, wir schreiben hier am Jahresende 2014 über einen anderen, einen besseren Hamburger Sport Verein.
Lars

Das bittere Fazit 2013 – Scholles letzter Blog 2013

27. Dezember 2013

Frohe Weihnachten nachträglich auch von mir aus dem Urlaub, den ich ohne Blog- und Kommentarlesen nicht gänzlich schaffte. Im Gegenteil, ich bat Dieter sogar darum, noch einen Blog im Jahr 2013 zu schreiben, weil mir doch so einiges auf der Seele brennt. Aber das ist auch gut so, zeigt es mir doch, dass ich das alles trotz allem unverändert gern mache. Selbst dann, wenn ich Meinungen lese, die ich nicht vertreten kann, will und auch nie vertreten werde. Aber okay, dazu am Ende mehr.

Jetzt möchte ich bei meinem letzten Blog für 2013 noch einige wichtigere, zumindest für mich wichtigere Dinge loswerden. Denn dieses Fußball- und Blogjahr war anstrengend und alarmierend. Aber vor allem hat es gezeigt, wie man gewisse Dinge nicht angehen darf. Und daher sollten alle die Lehren daraus ziehen.

Angefangen beim HSV, dessen schwache Personalpolitik nur zu gern dem finanziellen Schiefstand angehängt wird. Eine Gleichung, die ebenso Bestand hat wie die mit dem Huhn und dem Ei. Denn gute Personalpolitik zieht fast logischerweise Erfolge nach sich, die wirtschaftlich wiederum gut sind für den Klub. Kurzum: Gutes Personal = Erfolg = mehr Geld = noch besseres Personal = noch mehr Erfolg. Die FC-Bayern-Gleichung eben. Stellen sich diese Erfolge ein, kann auch der eine oder andere teurere Spieler kommen. Passen auch die wieder sportlich rein, stellen sich weitere Erfolge ein – und so weiter. Eine Schraube, die sich grundsätzlich in die richtige Richtung dreht und die in Hamburg schon mal zaghaft gedreht wurde. Und das ist, wie alle wissen, gar nicht so lange her.

Daher müssen sich beim HSV alle Verantwortlichen hinterfragen, ob sie der (vorsichtig formuliert) sportlich stagnierenden und wirtschaftlich schlechter werdenden Situation noch gewachsen sind. Oder besser: Ob sie der Situation überhaupt gewachsen sind. Angefangen ganz oben, beim Vorstandsvorsitzenden. Auch Carl Jarchow weiß, dass er bislang weniger Gegenwind bekommen hat, als durchaus zu rechtfertigen gewesen wäre. Auch, weil alle wissen, dass er einen Verein übernommen hatte, der sich bereits in arger finanzieller Schieflage befand. Allerdings hat er es seither trotz aller Sparmaßnahmen (oder wegen selbiger?) nicht geschafft, diese Schieflage zu beheben, auszugleichen oder gar umzukehren. Im Gegenteil: Ein neuerliches Rekordminus (ohne die Campus-Millionen wäre es noch dramatischer) einzufahren, einen internationalen Startplatz als Zielvorgabe auszurufen und das inmitten der Hinrunde bestärkend zu wiederholen, um dann am 17. Spieltag auf Rang 14 zu stehen – das ist eine klare Fehleinschätzung. Und der ist sich Carl Jarchow ganz sicher auch bewusst. Dass ein solches Verfehlen eigener Zielvorgaben in vielen Klubs dazu führt, dass die Aufsichtsräte ihren Vorsitzenden austauschen weiß Jarchow. Beim HSV ist das bisher allerdings nicht der Fall.

Das Glück für Jarchow, der so noch etwas Zeit bekommt, seine wahren Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, verdankt er dem Aufsichtsrat, der gar nicht in der Lage scheint, eine solch wichtige Personalie komplett zu analysieren. Wie auch, wenn sich die Dame sowie die zehn Herren mit internen Grabenkämpfen beschäftigen und den Blick fürs Wesentliche längst verloren haben. Inzwischen verwenden einige Aufsichtsräte mehr Zeit darauf, Fanclubs zu besuchen, um neue Strukturen zu bewerben und zu unterstützen als die alten ausreichend zu kontrollieren. Die internen Grabenkämpfe und rücktrittswürdigen Aktionen einiger Räte runden das grausame Gesamtbild nur noch ab. Ebenso wie der Satz eines Kontrolleurs vor sechs Monaten, der mir von den internen Problemen berichtete und auf meine Nachfrage, warum er sich damit ja auch selbst anklage, klarmachte, dass hier nichts besser würde. Er sagte mir, dass er mir die Interna verrate, damit die Öffentlichkeit das richtige Bild dieses, so nannte er es, „schwächsten Aufsichtsrat der HSV-Geschichte“ zu erkennen. Auch auf die Gefahr hin, dass er dann natürlich mit abgesägt würde.

Klingt zunächst selbstlos – und zugleich so bezeichnend für den HSV in der aktuellen Situation. Daher kann es nur heißen: Veränderung auf allen Ebenen. In der Struktur vorneweg, auf den entscheidenden Positionen im Folgenden. Einen gesunderen Nährboden hätte die Initiative „HSVPlus“ gar nicht vorfinden können. Und: So verschrien ein Jürgen Hunke hier auch ist, mit seiner Forderung, die Mitglieder sollten von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machen und den kompletten Aufsichtsrat absetzen, hat er in meinen Augen vieles richtig gemacht.

Das wiederum sagen viele auch über die HSV-Sportchefs. Beiersdorfer war der Beste, klar. Ein Frank Arnesen war eigentlich auch nicht so schlecht, wie er am Ende dargestellt wurde, auch klar. Immerhin wurde der Däne unter Vortäuschung falscher (finanzieller) Tatsachen hergelockt und musste dann umdisponieren, was nicht besonders gut gelang und dazu führte, dass er „geopfert“ wurde. Ansichtssache.

Jetzt ist Kreuzer dran. Und der wusste ja wenigstens vorher, dass er nix kaufen kann, obwohl der HSV einen Transferüberschuss von rund acht Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Mehr noch, Kreuzer wusste sogar, dass er das verkaufen, was vorher unverkäuflich war. Gelungen ist das nicht. Stattdessen hat Kreuzer die Verträge mit Tah und Diekmeier verlängert, Lasogga im Tausch für Skjelbred bekommen und Djourou ausgeliehen sowie Jacques Zoua vom FC Basel für 800000 und Lasse Sobiech vom BVB für 1,2 Millionen Euro gekauft. Die Gekauften konnten dabei noch nicht wirklich zeigen, dass sie ihr Geld wert sind. Zoua ist nicht über die Reservistenrolle hinausgekommen, Djourou spielte zuletzt sogar katastrophal schwach. Jetzt steht die Vertragsverlängerung Calhanoglus an. Ebenso wie die Verhandlungen mit Hertha BSC über eine Verpflichtung Lasoggas. Beides Prüfsteine für Kreuzer.

Ergo: Auch Kreuzers Bilanz ist unter dem Strich negativ. Und ich weiß, dass Kreuzer selbst nicht zufrieden ist. Was ich aber nicht weiß ist, ob er das ändern kann. Ich traue es ihm zu und behaupte, dass er dafür mindestens noch die Rückrunde gewährt bekommen muss. So, wie man es zurecht auch Arnesen einst zugestanden hat. Danach ist Zeit, eine Bewertung vorzunehmen. Aber vor allem glaube ich fest daran, dass am 19. Januar in den Hallen des CCH die Vernunft über die traditionalistische Romantik siegt und die Mitglieder tiefgreifenden Neuerungen (ich nenne es „dem Markt anpassende Modernisierungen“) zustimmen werden. Allein dieses Zeichen wäre schon wichtig für potenzielle Investoren, Mäzene oder Geldgeber. Denn andere Möglichkeiten, an Geld zu kommen, hat dieser HSV kaum noch, nachdem die Marketingschraube bis ans Limit gedreht und die Campus-Millionen bereits die Bilanz verschönert haben.

Vielleicht wäre dann sogar ein Herr Kühne bereit, in neues Spielermaterial zu investieren. Vielleicht auch mal ohne eine hohe Verzinsung wie sie ihm bislang auf jeden gegebenen Euro versprochen wurde. Apropos: Einem Herrn Kühne eine Grundschuld des Stadions zu übertragen ist letztlich nichts anderes, als die Veräußerung von Vereinskapital – eben diesmal nur als Sicherheit für dessen Kredit, den der HSV dringend brauchte, um nicht noch früher abzustürzen. Und dem hat der HSV zugestimmt – mit allen Verantwortlichen. Also auch der Aufsichtsrat und deren Verfechter der HSV-Reform, die sich als Hüter der Vereinsseele bezeichnet und gegen jede Anteilsveräußerungen ist.

Nein, dieses Jahr hat gezeigt, dass der HSV mit seiner mitgliedergesteuerten Vereinspolitik zwar ein hohes Maß an Selbstbestimmung hat, damit aber nicht umzugehen weiß.

Das Jahr hat mir auch gezeigt, dass auf den entscheidenden Positionen nicht immer die besten Besetzungen gefunden wurden und dass hier Nachbesserungen zwingend notwendig sind. Ich zähle zwar nicht zu denen, die sagen, mit einem Magath allein oder mit ein paar 83ern würde automatisch alles besser. Nein, so einfach ist das nicht. Aber ich hoffe, dass sich der HSV ab sofort mehr an echte Spezialisten hält. Ich hoffe, dass im Vorstand ein Vorsitzender mit weitreichendem Netzwerk und politischem wie wirtschaftlichem Einfluss sitzt. Dass der HSV einen Stellvertreter hat, der als Marketingchef das Maximum aus der großen Marke HSV zieht. Ich hoffe, dass der HSV einen Sportchef hat, der weiß, wie man sich die neue Generation HSV-Profis „heranzüchtet“ und parallel einen Zugang auf die Topspieler Deutschlands und Europas hat. Und ich hoffe darauf, dass ein Kontrollgremium irgendwann wieder seinem Namen gerecht wird. Ich hoffe, dass der Aufsichtsrat künftig weniger aus einfachen Mitgliedern denn aus Wirtschaftsgrößen mit guten Kontakten und sportlich exzellenten Fachleuten besteht. Ich wünsche mir Personen auf den verantwortlichen Posten, die wissen, was dieser Verein wert ist. Eben Fachleute, die sich mit dem HSV identifizieren. Denn ohne die ist selbst die beste Struktur nutzlos.

Daher gibt es für mich keine andere Alternative, als einen neuen, modernen und wirtschaftlicher orientierten Weg zu gehen. Es muss jetzt ein Anfang gemacht werden. Was das bedeutet, ist klar.

In diesem Sinne, allen Bloggerinnen und Bloggern sowie allen Lesern dieses Blogs noch mal meinen herzlichen Dank, dass Ihr trotz der sportlichen Enttäuschungen im Blog für ein weiteres Rekordjahr gesorgt habt. Ich wünsche Euch und uns allen, dass wir das Gleiche nächstes Jahr wieder sagen können – bis auf das mit den Enttäuschungen. Das ersetzen wir dann mit dem Zusatz, dass der HSV in 2014 sportlich endlich den Weg zurück zum Erfolg gefunden hat. Weil er die richtige Struktur UND die richtigen Verantwortlichen dafür gefunden hat. Verdient hat es dieser Verein allemal.

Daher auch mein Appell: Egal, wie groß die Anstrengungen sind, geht nach Möglichkeit alle am 19. Januar zur Wahl und macht sie zum Wendepunkt der leider immer trostloser werdenden HSV-Geschichte.

Das musste ich noch loswerden.

In diesem Sinne, liebe Grüße aus dem Urlaub (in den ich mich jetzt wieder zurückziehe) und Euch allen einen gesunden Rutsch ins neue Jahr!

Scholle

Kreuzers Transferbilanz – nicht alles lief nach Wunsch

23. Dezember 2013

Ich habe vorhin Hefte und Aufzeichnungen aus diesem Jahr durchgeblättert. Dabei bin ich etwas länger hängen geblieben am 30. März dieses Jahres. Der HSV ging in München mit 2:9 unter, und der Vorstands-Vorsitzende Carl Jarchow sagte einen Tag später: „Aus diesem Spiel werden wir unsere Schlüsse ziehen und die werden uns auch beeinflussen bei der Analyse der Saison am Ende dieser Saison.“ Soweit Carl Jarchow Ende März. Knapp neun Monate später, Sportchef Oliver Kreuzer nach dem 2:3 gegen Mainz 05: „Wir werden wirklich alles auf den Prüfstand stellen. Jeden einzelnen Spieler schauen wir uns genau an. Wenn gewisse Dinge nicht ausreichen, werden wir sie wenn nötig radikal verändern.“

Man muss also festhalten, dass sich der HSV, so die Innenansicht der Verantwortlichen, in den vergangenen neun Monaten nicht verändert und vor allen Dingen nicht erkennbar weiter entwickelt hat. Es gibt lediglich unterschiedliche Ausprägungen von Enttäuschungen. Herbe Niederlagen wie in Hannover (1:5), München (2:9), gegen Hoffenheim (1:5) oder in Dortmund (2:6) kommen aktuell nicht mehr vor. Aber was nützt das, wenn das Team zum Abschluss der Hinrunde drei Mal in Folge verliert? Es nützt gar nichts. Der Umbruch nach dem Umbruch nach dem Umbruch nach dem Umbruch geht weiter. So kann das Weihnachtsfest nur gelingen, wenn man den HSV mal ein paar Tage ausblendet.

Was wir nach dem Trainingsstart am 3. Januar zu erwarten haben, liegt einigermaßen deutlich vor uns. Die Mannschaft wird ihr Gesicht nicht verändern. „Der Trainer ist einer, der keine Bedingungen und Wünsche äußert“, so Vereins-Chef Carl Jarchow. „Ich arbeite mit den Leuten, die ich habe – das hat er vom ersten Tag an gesagt. Stand heute werden wir daran nichts ändern in der Winter-Transferzeit.“ Geht ja auch nicht. Keine Kohle, keine neuen Spieler – die Gleichung ist bekannt.

Als Sportchef Oliver Kreuzer vor gut einem halben Jahr seinen Dienst in Hamburg aufgenommen hat, da ist er nicht gerade begeistert begrüßt worden. Die Entscheidung des Aufsichtsrates für Kreuzer wurde teilweise belächelt. Wie sieht nun die erste Bilanz des neuen Mannes aus? Er hat sich gut geschlagen, teilweise sehr gut in einem schwierigen Umfeld, wenngleich seine Transfers nicht durch die Bank gesessen haben.

Auf der Haben-Seite von Kreuzer steht sein ehrlicher Blick auf die Mannschaft. Kreuzer versteckt sich nicht, spricht Dinge an und versucht sie im Rahmen seiner (wirtschaftlichen) Möglichkeiten zu verändern. Er ist authentisch und eine positive Figur im HSV geworden. Chapeau dafür. Kreuzer hat Bundesliga-Format. Wer ihm das abgesprochen hatte im Juni, sollte nun Abbitte leisten.

Aber: abgerechnet wird der Sportchef auch und vor allem an den Transfers. Er hat sich verschätzt, als er im Sommer einige Profis veräußern wollte (Kacar, Tesche, Scharner, Rajkovic, Mancienne). Genau genommen ist ihm das bei keinem einzigen der fünf genannten gelungen. Kreuzer hat sich verkalkuliert, weil die Gehälter des Quintetts nirgendwo sonst auf dem Markt zu erreichen waren.

Natürlich haben sich einige ernsthaft um einen neuen Club bemüht, aber wenn Slobodan Rajkovic, Michael Mancienne und Gojko Kacar nahe an den zwei Millionen Euro pro Jahr sind – da kann man schon mal einen Vertrag aussitzen. In seinem Brass nach dem Mainz-Spiel hat sich Kreuzer auch zu diesem Thema geäußert. „Mal sehen, ob wir wieder einige Spezialisten haben, die sich da nur die Hände reiben und so weitermachen“, meckerte Kreuzer.

Ein wesentlicher Punkt bei Kreuzers Amtsübernahme war die Analyse, dass es in der Innenverteidigung des HSV an Qualität fehlt. Also wurden Lasse Sobiech und Johan Djourou geholt, Jonathan Tah befördert. Der Schweizer Djourou, gehandicapt von zwei Verletzungen in der Vorbereitung bzw. während der Hinrunde, konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Seine eigenen vermutlich auch nicht. So wird das nichts beim HSV und in der Bundesliga!

Er ist ein sehr eleganter Spieler, aber es hapert an „Karo einfach“. Leichte Stockfehler, Ballverluste in brenzligen Szenen – so wurde Djourou zu einem Unsicherheitsfaktor.

Das kann man von Jonathan Tah nicht sagen. Nicht alles gelingt dem 17-Jährigen, aber solche eine Hinrunde in seinem ersten Bundesligajahr hinzulegen, ist aller Ehren wert. Klasse, dass Kreuzer Tahs Vertrag bis 2018 verlängern konnte.

Lasse Sobiech, mit 1,2 Millionen Euro teuerster Transfer des HSV-Sommers, dürfte wie Djourou nicht zufrieden sein. Nur acht Bundesligaspiele stehen auf seinem Konto, die meisten davon zu Saisonbeginn, als Djourou noch fehlte. Auch beim Ex-Dortmunder waren zu viele Fehler dabei, seinen schwärzesten Tag hatte er beim 0:2 gegen Mönchengladbach, als er beide Gegentore auf dem Gewissen hatte. Er ist nur eine Ergänzung im Moment – das Stamm-Duo in der Mitte sollte, alle Eundrücke zusammen gefasst, Westermann/Tah heißen. Und, ehrlich gesagt: das ist jetzt nicht zwingend ein Verdienst von Oliver Kreuzer.

Kerem Demirbay ist beinahe die gesamte Hinrunde ausgefallen. Jacques Zoua hat der HSV durch Betreiben von Thorsten Fink geholt – er ist noch ungeschliffen und derzeit ebenfalls nur Ersatz, auch wenn er seine fußballerischen Fähigkeiten andeuten konnte.

Und damit sind wir bei den beiden positiven Erscheinungen unter den neuen Spielern. Hakan Calhanoglu hat mit seinen fünf Toren nachgewiesen, welches Potential er besitzt. Für diesen Spieler gibt es aber keine Kreuzer-Beurteilung, denn ihn hat noch sein Vorgänger Frank Arnesen geholt.

Bleibt Leih-Stürmer Pierre Michael Lasogga. Ein Volltreffer, und es ist völlig klar, dass Oliver Kreuzer ihn ebenso wie Calhanoglu langfristig halten will. Der erste Schritt ist mit den Vertragsangeboten gemacht, aber ob es klappt, liegt nicht nur in der Macht des HSV.

Ich bleibe alles in allem dabei: dieser Sportchef tut dem HSV gut. Ich wünsche ihm eine Zukunft in Hamburg – unabhängig von den Entscheidungen am 19. Januar.

In den nächsten Wochen steht alles im Zeichen der Strukturdebatte. Wer mit dem Auto beim Mainz-Spiel war, hat bestimmt auch einen der „HSV-PLUS“-Prospekte unter dem Scheibenwischer gehabt. Wer Mitglied ist oder sich das Stadion-Magazin gekauft hat, der hat 120 Seiten zum Nachlesen über alle Anträge, die am 19. Januar gestellt werden. Und wer die aktuelle „Supporters-News“ in den Händen hatte, hat sich hier auch beinahe monothematisch informiert gesehen.

Was fällt auf in den Supporters-News? Welche Standpunkte werden vertreten? Weleche Argumente gebracht? Zunächst gibt der Delegierte der Supporters, Björn Floberg, seinen Bericht ab. Zwei Aspekte sind mir aufgefallen. Floberg schreibt, die aktuell schwierige Situation des Vereins liege in der Fehlentscheidung begründet, Dietmar Beiersdorfer 2009 entlassen und keinen Nachfolger geholt zu haben.

Dass dies damals eine Fehlentscheidung war, ist wohl mittlerweile unbestritten. Aber um ehrlich zu sein: ich hätte nicht gedacht, dass nach viereinhalb Jahren und einer Summe weiterer Fehlentscheidungen dieser Aspekt noch einmal auftaucht.

Floberg geht auch ein auf die Debatte um Schweigen oder Nicht-Schweigen von Vorstand und Aufsichtsrat. Er führt an, dass er selbst und andere Mitstreiter, wie Manfred Ertel und Uli Klüver, die sich zur „HSV-Reform“ bekennen, getadelt werden, weil sie sich positionieren. Das sei bei Otto Roeckhoff und Horst Becker 2012 nicht der Fall gewesen, als die beiden Satzungsänderungen (Verkleinerung des Aufsichtsrates) vorgeschlagen haben.

Hier, denke ich, besteht irgendwo ein Verständnisproblem, das ganz tief sitzt. Niemand beschwert sich doch generell, dass sich wer auch immer zu diesem oder jenem Struktur-Modell äußert. Aber: Selbst zu beschließen, nichts zu sagen, um es dann doch zu tun – DAS ist der Widerspruch. Oder kläre mich bitte jemand auf – habe ich nach monatelanger Diskussion in diesem Punkt etwas falsch verstanden? Den Kniff, seine eigene Äußerung nicht als die eines Aufsichtsrates, sondern als einfaches Vereinsmitglied getätigt zu haben, würden Floberg und Ertel anders herum doch sicher auch nicht gelten lassen.

Jan Bartels, einer der Initiatioren der „HSV-Reform“, nimmt später Stellung zur, wie es einige sagen, Notwendigkeit der Ausgliederung, um eine Rechtsformverfehlung zu vermeiden. Hintergrund: Die Steuerbehörden könnten millionenschweren Bundesliga-Vereinen den Status der Gemeinnützigkeit entziehen. Tatsächlich gibt es diese Befürchtung seit Jahren, ohne dass bisher etwas geschehen ist.

Anschließend werden die drei größeren Reform-Modelle vorgestellt. „HSV-Reform“ überraschenderweise als Nummer eins. Beschleunigung der Entscheidungen, schlankerer Aufsichtsrat, Erhaltung des e.V. in seiner jetzigen Form. Und überhaupt die Strukturen im HSV: sogar der Sportausschuss im britischen Unterhaus findet diese Strukturen vorbildlich, lobt Martin Oetjens von der „HSV-Reform“.

Wir werden demnächst um ein Exklusiv-Interview mit dem Sportausschuss des britischen Unterhauses bitten, um zu erfahren, wie gut der HSV ist.

Entschuldigung, das war polemisch, aber in diesem Punkt liegt Polemik auf der Hand. In Wahrheit hat die „HSV-Reform“ doch andere Argumente zu bieten. Dass es immer wieder schwer fällt, positive Fälle zu finden, wo eine Ausgliederung einen Verein wirtschaftlich nach vorn gebracht hat, ist augenscheinlich. Otto Rieckhoff und sein Team werden Zweifler überzeugen müssen, warum der HSV solch ein positives Beispiel sein soll.

Als nächster kommt Jürgen Hunke zu Wort, der den Profi-Fußball eigenständiger machen will, ohne auszugliedern. Kurz und knapp, stichwortartig, stellt er sein Programm vor. „Die Seele des Vereins ist unantastbar“, schreibt Hunke. Ein starker Satz, der allerdings noch nicht erklärt, wie der Verein künftig an neue Gelder kommen soll. Verschlankung in allen Bereichen ist hier angekündigt.

Jürgen Hunke wird dazu „zwischen den Jahren“ hier bei „Matz ab“ noch einmal ein Interview geben. Wir haben „HSV-Reform“-Vertreter schriftlich und in „Matz ab live“ zu Wort kommen lassen, ebenso sehr ausführlich „HSV-PLUS“ und Otto Rieckhoff – demnächst also auch Hunke.

Schließlich nennt Otto Roeckhoff die Vorzüge von „HSV-PLUS“. Er spricht ganz klar von einem „strategischen Partner“, den er mit ins Boot holen möchte. Keinen Investor also, denn finanziellen Rücklauf kann kein Unternehmen, das bei einem Fußball-Verein einsteigt, ernsthaft erwarten. Wenn die Bayern mal ein „normales“ Jahr haben und statt fünf vielleicht nur zwei Titel gewinnen, ihre Mannschaft mit Millionen verstärken, dann bleibt am Ende auch kein Gewinn übrig, den sich adidas oder Audi einstreichen können. Dieses Ziel verfolgen die Unternehmen mit ihrer strategischen Partnerschaft in München auch nicht.

Ist der HSV einer der wenigen Vereine, die sich vor diesem Hintergrund für einen anderen strategischen Partner lohnen? Welche Namen führt „HSV-PLUS“ ins Feld, um ausgegliedert den HSV auf Vordermann zu bringen? Diese Fragen bleiben zunächst unbeantwortet – ein Schritt nach dem anderen, so die Devise. Aber reicht das am Ende für eine Dreiviertelmehrheit der HSV-Mitglieder? Ist das Vertrauen derart groß, ohne dass Ross und Reiter genannt werden?

All das und noch viel mehr sind Überlegungen, die bis zum 19. Januar auf allen Ebenen angestellt werden, ehe der Showdown beginnt.

So, und dann hat Scholle einen Coup gelandet:

Bastian Reinhardt, ehemaliger Profi und Ex-Sportchef des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, wird zum neuen Jahr Coach des Oberligisten Niendorfer TSV. Er bildet künftig ein Trainer-Duo mit dem Rückkehrer Frank Hüllmann. Der Hamburger Club bestätigte am Montag entsprechende Medienberichte. «Ich freue mich riesig, meine ersten Trainererfahrungen in so einem großen Traditionsverein machen zu können», sagte der 38-jährige Reinhardt. Hintergrund für den Wechsel: Der bisherige Coach Vahid Hashemian, früher ebenfalls Profi beim HSV und auch beim FC Bayern München, will sich auf die Aufnahmeprüfung zur Fußballlehrer-Lizenz konzentrieren. Der 37 Jahre alte Iraner hatte den Posten erst im Sommer von Hüllmann übernommen, der aus familiären Gründen eine Pause eingelegt hatte.

Liebe Matz abber, ich wünsche Euch allen jetzt schöne Weihnachtstage. Erholt Euch ein wenig, das haben wir alle, die sich intensiv mit dem Verein beschäftigen, dringend nötig.

In diesem Sinne alles Gute
Lars

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