Archiv für das Tag 'Arnesen'

Geburtstagskind Jürgen Hunke: “Wir müssen jetzt dran bleiben, sonst wird sich nie etwas verändern”

8. Juni 2013

So, bevor ich loslege, muss ich einem Versäumnis nachkommen. Mir schrieb kürzlich der Herr von D. aus Mülheim, und da ich mir (!) versprochen hatte, dass seine Zeilen nicht ungelesen von der Bildfläche verschwinden, sondern von einer größeren Gemeinde gelesen werden, möchte ich das nun schnell nachholen. Geschrieben hat mir der Herr v. D. in vier Teilen – als sms. Und er schrieb mir zu jener Abendblatt-Kolumne, die für viel Wirbel gesorgt hatte: „HSV-Größen, bitte aufstehen!“ Nun Herr v. D.:

Sehr geehrter Herr Matz,

gerade habe ich Ihren Blog gelesen und kann es kaum glauben. Als langjähriger Unternehmer und HSV-Anhänger leide ich seit Jahren an der dilettantischen Führung dieses Vereins. Es gilt Folgendes zu beachten: Der HSV ist ein Wirtschafsunternehmen in der Unterhaltungsbranche und muss nach betriebswirtschaftlichen Gesetzen geführt werden. Nur das zählt. Und zum Wohle des Vereins/Unternehmens haben sich alle Personen unterzuordnen. Vor Jahren habe ich Ihnen etwas zur Person Frank Arnesen gesagt Aussage Londoner Geschäftsfreunde: „Arnesen ist hier bei Chelsea doch kein Entscheidungsträger gewesen und wird völlig überbewertet.“ Die Frage vieler Fans ist doch die, nach welchen Gesichtspunkten Arnesen vom HSV engagiert wurde? Haben Sie und Ihre Kollegen sorgfältig und seriös recherchiert? Und haben Sie das den Aufsichtsrat (eine Ansammlung von Selbstdarstellern) einmal gefragt? Letztes Beispiel auf Kosten des HSV war die Personalie Klopp. Weil Herr Hoffmann die Kandidaten von Herrn Beiersdorfer angelehnt hat, reagierte der damalige Sportchef Kraft seines Amtes: „Jetzt sage ich auch mal nein!“ Zur Person von Herrn Kreuzer gibt es im Blog genug zu lesen. Frage an den AR: Welche Erfolge hat er vorzuweisen? Wenn dieser Manager beruflich, und nur das zählt, so gut ist, wäre er wohl bei einem Top-Club. Freundschaften können und dürfen jetzt keine Rolle spielen. Glauben denn die Verantwortlichen des HSV, dass der Erfolg des FC Bayern ohne Herrn Hoeneß – und gerade in dieser Saison ohnen Herrn Sammer – möglich gewesen wäre? Dortmund ohne Watzke? Niemals! Wenn Sie, Herr Matz, und Ihre Kollegen de Verantwortlichendes HSV nicht zur Rede stellen, dann endet es im Desaster (mit einer Pleite).

Wenn Sie, Herr Matz, oder Ihre Kollegen das nicht können, oder es aus beruflichen Gründen nicht dürfen, gibt es ja noch andere journalistische Möglichkeiten. Wenn man sich die Entwicklung des HSV ansieht, kommt man leider an den alten Weisheiten nicht vorbei: 1. Der Fisch stinkt vom Kopfe her. 2. Zwei Dinge auf der Welt sind unendlich. Das Universum und die Dummheit der Menschen. Viele Ehemalige des HSV haben resigniert (sie konnten, wollten oder durften die Konfrontation nicht suchen). Ich denke, ebenfalls an die in dem Blog erwähnten Personen. Kein gut geführtes Unternehmen würde auf so viel Kompetenz verzichten. Statt dessen regieren beim HSV Personen, die den Anforderungen eines Unternehmens nicht gerecht werden. Eitelkeit und Selbstdarstellung vor Sachverstand. Bedauerlicherweise werden Sie mein Schreiben nicht veröffentlichen können, obwohl es die Meinung der schweigenden Mehrheit ist. Gerne würde ich mich mit einigen Herren sachlich auseinandersetzen. Es geht nämlich nur um das Wohl des HSV. Jetzt schließe ich mit einem leicht veränderten Zitat: „Denke ich an den HSV in der Nacht, werde ich um den Schlaf gebracht.“ Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Zeilen lesen und ernst nehmen. Vielen Dank.“

So, das war es, was ich dringend machen wollte. Nun zum HSV. In der Bild hat Neu-Sportchef Oliver Kreuzer ja sein erstes Interview gegeben – und angekündigt: „Drei, vier Spieler müssen gehen . . .“ Ich dachte, als ich das las. „Oha, der Mann hat ja viel vor. Vier gehen, und vier kommen – wie will er da den Kader verkleinern?“ Denn zwei Neuzugänge stehen ja bereits fest: Kemer Demirbay und Hakan Calhanoglu. Dann soll noch ein Innenverteidiger und auch ein Stürmer kommen – sind schon mal vier. Dann ist der Kader aber immer noch so aufgebläht, wie er es seit einem Jahr ist. Und seit einem Jahr zahlt der HSV für Spieler, die er nicht mehr benötigt, viel, viel Geld. Ich glaube dass sich der Herr Kreuzer damit beschäftigen muss, wie er acht bis zehn Spieler vom Hofe bekommt, Wenn er sich darauf mal einstellt, dann ist er schon sehr gut davor . . .

Ganz etwas anderes:

Rene Adler ist bei einem Fußball-Fachblatt in der Beurteilung als Torwart auf Platz acht in der Bundesliga abgesackt. Ein dickes Ding. Hat nicht erst gerade der Bundestrainer (auf der USA-Reise) gesagt, dass „Adler eine sensationelle Saison gespielt“ hat? Nun gut, wir wissen alle, dass Joachim „Jogi“ Löw mitunter seltsame Ansichten vertritt, er muss nicht unbedingt der Maßstab sein – oder? Ich finde diese Bewertung einfach nur skandalös, aber die Herren müssen es ja wissen. Für mich ist Rene Adler nach wie vor der beste HSV-Spieler der abgelaufenen Saison gewesen, der dem HSV so machen Sieg und so manchen Punkt gerettet hat. Er hat für mich – bis auf ein Spiel, das 1:5 in Hannover – sensationelle Leistungen gebracht. Für mich Note eins. Und so sehen das wohl auch die meisten HSV-Fans, denn Adler wird von ihnen ja auf Händen getragen.

Noch ein anderes Thema:

Mehrfach wurden wir darauf angesprochen, auch zuletzt bei der „Matz ab live“-Sendung, dass es nach Beendigung der Saison immer noch keine Einzelkritik von uns gegeben hat. Stimmt. Wir haben uns fest vorgenommen, dass sie noch kommen wird. Der Wirbel aber um die Trennung von Frank Arnesen hat nach dem 34. Spieltag alles durcheinander gewirbelt. Aber sie wird kommen – auch deshalb, weil viele User dann doch darauf warten. Das freut uns.

Dann gibt es heute noch einen Geburtstag zu feiern – und zu erwähnen. Jürgen Hunke, der ehemalige HSV-Präsident, feiert seinen 70. Geburtstag. Wobei ich nicht glauben kann, dass er tatsächlich schon 70 ist – so vital, frisch und jung wie er immer noch aussieht. Und wie er sich immer noch einmischt und mitmischt – beim HSV. Ich weiß, ich weiß, Jürgen Hunke ist nicht jedermanns Fall, er hat sehr wohl auch einige Gegner, aber die sollten immerhin eines zur Kenntnis nehmen, dass sich dieser Mann stets zum Wohle des HSV eingesetzt hat. Er hat über Jahrzehnte viele Ämter bekleidet, er hat seinen Mund aufgemacht, wenn etwas nach seiner Meinung falsch im Club lief – und er ist sicher oft angeeckt. Dennoch, und das weiß ich aus eigener Erfahrung: Gegner von einst, die er früher „vergrault“ hat, weil er ihnen allzu deutlich die Meinung „gegeigt“ hat, diese Gegner haben ihm längst die Hand gereicht und dabei gesagt: „Heute wissen wir, dass Sie es nur gut gemeint haben mit dem HSV.“ Einige haben sich damit auch entschuldigt. Namen möchte ich keine nenne, obwohl ich genügend weiß, aber das sollen die Herren doch beizeiten mal selbst erklären – weil es auch ihre Geschichte ist.

Dass Jürgen Hunke von gewisser Seite der Vorwurf gemacht wird, er sei ein „Wendehals“, das sieht er natürlich ganz anders: „Diese Leute sind spießig. Wenn man dazulernt, dann darf man doch wohl mal seine Meinung ändern, oder?“ Jürgen Hunke kämpft zurzeit um einen „neuen HSV“, um geänderte Strukturen, damit der Club wieder zur alten Stärke zurückfindet. Er sagt über seinen „Kampf“: „Ich bin froh, dass ich nach vorne schaue – viel zu viele blicken doch meistens nur zurück.“ Und: „Wir müssen im HSV aktiv bleiben, wir müssen jetzt dran bleiben, sonst wird sich nie etwas verändern.“

So ist es. Denn dem HSV 2013 geht es nicht nur nicht gut, sondern vielmehr sehr schlecht. Daran müssen nun alle, die den HSV im Herzen tragen, mitarbeiten, um das zu ändern. Hunke sagt: „Wir haben eine tolle Stadt, großartige Fans und viel Energie – mehr haben wir nicht, aber das alles müssen wir nun in die Waagschale werfen, damit es wieder bergauf geht mit dem HSV.“

Sein Wunsch an den HSV (und an das Innenleben des Clubs): „Wir müssen endlich mal eine gewisse Grundehrlichkeit in den Verein bekommen, damit nicht jeder über jeden herfällt. Ich bin immer meinen Weg gegangen, ich habe aufgerüttelt, gemahnt und aufgeweckt, ich habe es auf jeden Fall stets versucht. Heute reichen mir die Leute, die damit nicht einverstanden waren, die Hände. Weil sie wissen, dass ich mich nur zum Wohle des HSV eingebracht habe.“ Dass er immer noch Gegner hat, das ist ihm klar, er sagt dazu aber: „Ich bin bei denen umstritten, die die Wahrheit nicht kennen. Meine Freunde, die stehen wie eine Eins hinter mir, weil sie wissen, dass ich geradeaus bin und dass sie sich auf mich verlassen können.“

Ich werde in der nächsten Woche ein Gespräch mit Jürgen Hunke führen, um ihn vielleicht zu einem „Matz ab live“ zu überreden. Wäre schön, wenn das klappen würde. Und ich würde dazu auch gerne den einen oder anderen „Hunke-Gegner“ einladen, um die gegensätzlichen Standpunkte mal in einer Diskussionsrunde abzuklären. Wer hätte Lust?

17.47 Uhr

Son noch nicht weg – Gerücht um Fink

6. Juni 2013

„Es ist nicht meine Erfüllung, Cotrainer von Pep Guardiola zu sein. Ich bin HSV-Trainer.“ Dieses Zitat hat „Scholle“ heute von Thorsten Fink erhalten – und zwar in einem großen Interview mit dem HSV-Trainer, das am Freitag im Hamburger Abendblatt erscheint. Die Frage kommt nicht von ungefähr, denn sowohl in München als auch in Hamburg gab es das Gerücht, dass Thorsten Fink der „Assi vom Pep“ werden soll. Es ist wohl zu 99 Prozent nicht so, aber es hätte doch etwas Spaßiges gehabt. Oliver Kreuzer kommt, Thorsten Fink geht. Das wäre dann doch nur eine neuerliche oder zusätzliche Lachpille für die Bundesliga geworden. Wäre. Wird ja nicht. Keine Panik.

Ansonsten ist natürlich heute Son-Tag gewesen. Leverkusen? Da hatten und haben die Bild-Kollegen wohl wieder ein feines Näschen bewiesen. Es ist was dran. Allerdings ist es noch nicht perfekt, wie zu vernehmen war – und wie die Agentur DPA berichtet:

Bayer Leverkusen verhandelt mit dem HSV über den Transfer von Stürmer Heung Min Son. Beide Fußball-Bundesligisten bestätigten am Donnerstag Gespräche, eine Einigung gebe es derzeit aber nicht. Die „Bild“-Zeitung berichtete, der Südkoreaner wechsele für zehn Millionen Euro zum Champions-League-Teilnehmer und erhalte dort einen Vierjahresvertrag. Sein Gehalt wird auf drei Millionen Euro taxiert.

Son könnte in Leverkusen die Position von Andre Schürrle einnehmen, falls dieser zum FC Chelsea wechseln sollte. „Tatsache ist, dass wir in Gesprächen sind. Und Tatsache ist auch, dass wir dabei sind, gewisse Dinge abzuschließen“, sagte Bayer Leverkusens Pressesprecher Dirk Mesch. „Es ist nichts entschieden.“ Auch der HSV-Vorsitzende Carl Jarchow sieht derzeit keine Einigung. „Es gibt mehrere Interessenten“, sagte der FDP-Politiker.

HSV-Trainer Thorsten Fink wollte den 20-jährigen Son ursprünglich behalten. Der Nationalspieler ist neben dem Letten Artjoms Rudnevs (jeweils zwölf Treffer) der beste Torjäger der Hamburger in der abgelaufenen Saison. Der mit mehreren Millionen Euro verschuldete Verein muss sich jedoch konsolidieren.

So, das war die Agentur. Wir alle wussten aber wohl auch schon, dass der HSV Son verkaufen muss. Das liebe Geld und das Millionen-Loch der Rothosen. Damit wird es zunächst einmal notdürftig geflickt (werden können). Wobei die eine oder andere Million wohl auch noch für den einen oder anderen neuen Spieler, der den HSV verstärken soll, abgezwackt wird. Sons Millionen und die Millionen aus dem Sportfive-Deal waren nun einmal überlebensnotwendig. Zum Glück hat der HSV noch einem Spieler wie Son, der den Club retten wird – wie 1991 Thomas Doll mit seinem Abgang zu Lazio Rom. Welcher Spieler, außer Rene Adler, hätte dem HSV denn schon eine solche dringend benötigte Summe eingebracht? Keiner.

Mir war seit Wochen, ja sogar seit Monaten klar, dass Son gehen und den HSV retten wird. Wie oft hatte der frühere Sportchef Frank Arnesen im Februar und März von „sehr guten Gesprächen“ mit dem Son-Berater gesprochen, und wie oft wurde dem HSV-Anhang (und uns) dabei lächelnd versprochen: „Ich glaube, dass sich schon in der nächsten Woche etwas bewegen wird . . . Und zwar zu unserer Freude. Wir wollen, dass Son bleibt, und im Moment spricht alles dafür, dass er auch beim HSV bleiben wird.“ Denkste. Das war alles nur eine schöne Hinhalte-Taktik. Der Mensch will verdummt werden, der Fußball-Fan wahrscheinlich noch etwas mehr. Profi-Fußball ist schon etwas höchst Seltsames geworden, und ich habe den Eindruck, dass es immer schlimmer wird. Und nicht nur ich denke so, auch viele andere. Kürzlich sprach ich mit Felix Magath über dieses (leidige) Thema, er pflichtete mir bei.

Kurz noch einmal zum Thema Sportchef-Suche beim HSV. Der ehemalige 96-Sportchef Jörg Schmadtke nimmt dem HSV die gescheiterten Verhandlungen über ein Engagement als Sportchef nicht übel: „Der HSV hat sich anders entschieden, das ist völlig okay.“
Das hat der dem Kicker verraten. Und das klingt doch auch ganz gut. Oder?
Schmadtke fügte dann aber noch hinzu: „Ich befürchte aber, dass es der Verein mit seinen jetzt bestehenden Strukturen in der nächsten Zeit schwer haben könnte.“

Damit steht er ja nicht allein. Ich habe zu diesem Thema morgen meine Abendblatt-Kolumne angelegt, die, ich weiß es jetzt schon, wieder für „Furore“ (sprich Aufregung) sorgen wird. Ich möchte nur kurz ergänzend (und schon im Vorgriff) schreiben, dass ich mit der vor einer Woche veröffentlichten Kolumne „HSV-Größen, bitte aufstehen!“ die größte Aufmerksamkeit geerntet habe, seit ich freitags die Seite 2 des Abendblattes bediene. Die Leserbriefe (und Mails) sind und waren nicht zu zählen, sie kommen immer noch (auch heute), und es gab auch viele, viele Anrufe – aufmunternder Natur. Zum Glück. Weil, so habe ich den Eindruck, die meisten Fans begriffen haben, dass es so nicht weiter gehen darf und kann. Ich habe dazu reichlich Kontakte zu echten HSV-Größen bekommen, die sich bei mir meldeten und nun bereit sind, sich zu engagieren und sich einzusetzen. Es muss nur jemand vorangehen. Und dazu scheinen zwei Herren, und zwar Ernst-Otto Rieckhoff und Jürgen Hunke, die das könnten und wohl auch wollen, nun auch bereit zu sein. Ein Anfang ist gemacht.

Ich begrüße das sehr. Weil ich weiß, dass der HSV mit diesem amateurhaften „Gewurtschtel“ auf keinen grünen Zweig mehr kommen wird. Da können sich die größten Alt-HSVer noch so sehr ins Zeug legen und von noch so tollen früheren Zeiten sprechen. Ich höre es immer wieder, weil ich es Jahr für Jahr gehört habe: „Wir haben 1976 Erfolg gehabt. Wir haben 1977 Erfolg gehabt, wir haben 1983 Erfolge gehabt, und auch noch 1987 Erfolg gehabt – wir werden auch in Zukunft wieder Erfolge haben.“

Natürlich, natürlich. Fragt sich nur, in welcher Sportart. Im Fußball, speziell im Bundesliga-Fußball auf jeden Fall so nicht. Viele, die meisten HSV-Größen haben es längst erkannt, jetzt ist es an der Zeit, dass auch der ganz normale Fan es erkennt. Ich bin ein normaler Fan, und ich war auch 1959, als ich mein Herz für den HSV entdeckte, ein ganz normaler Fan. Ich habe für den HSV gebrüllt und geschrien, ich habe „Uwe, Uwe, Uwe“ skandiert und „Charly“ ebenfalls, ich habe meine Helden von 1960 auf Händen getragen. Weil ich den Fußball liebte, und weil ich jenen Fußball liebte, den der HSV spielte. Aber, mal ehrlich, hat sich der Fußball seit dieser Zeit nicht gravierend gewandelt? Bei Bayern München sitzen heute T-mobile, Adidas und zum Beispiel Audi mit auf der Ersatzbank. Bildlich gesprochen. Da hat der hemdsärmelige HSV, der seit vielen Jahren versucht, sein Minus durch Verkäufe der letzten teuren Spieler zu kaschieren (wie jetzt Son), keine Chance mehr. Das muss doch längst jeder HSV-Fan einsehen, oder? Weil die Strukturen des HSV aus dem vorletzten Jahrhundert (herum?) stammen.

Jetzt heißt es für alle: Entweder amateurhaft weitermachen und hoffen, dass es auch die nächsten Jahrzehnte (voll im Mittelmaß) noch gut gehen, oder sich dem Geschäft mit vielen, viele Haien (das gebe ich zu!)anpassen. Letzteres ist mein Thema. Hamburg ist eine so wunderbare Wirtschaftsstadt, da wird es sicherlich Firmen geben, die mit dem HSV zusammenarbeiten wollen. Schließlich ist der Traditions-Club vom Rothenbaum noch immer eine feine Adresse – mit der Raute im Briefkopf.
Und für eines würde ich mich verbürgen: Weißes Trikot, rote Hose und blaue Stutzen sind Pflicht. Daran wird sich, das behaupte ich einmal frech, nie etwas ändern. Nur Geld hätte der Club – unser HSV. So wie einige andere Vereine in der Bundesliga – wahrscheinlich sogar etwas mehr.
Und in diesem Zusammenhang dürfte jedem Fan inzwischen ein Lichtlein aufgegangen sein:

Geld schießt doch Tore!

So, das wollte ich mal in aller Ruhe loswerden.

Zum Abschluss noch diese Agentur-Meldung:

David Jarolim (34) vom tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav steht anscheinend vor einer Rückkehr zum HSV. Eigentlich sollte der defensive Mittelfeldspieler erst im nächsten Jahr als Jugendtrainer zurück in die Hansestadt kommen. „Nun ist die Frage, ob ich noch ein Jahr hier weiter mache – oder doch schon im Sommer zum HSV komme“, sagte der ehemalige HSV-Kapitän der Hamburger Morgenpost: „Am liebsten würde ich Stand-by-Spieler sein, für die U 23 und die Profis. Ich fühle mich einfach noch zu fit, um ganz aufzuhören.“ Anfang kommender Woche soll es ein Gespräch zwischen Jarolims Berater und dem neuen HSV-Sportchef Oliver Kreuzer geben.

Zum Thema „Jaro“ muss ich gestehen, dass diese Geschichte erstens an mir vorbeigegangen ist, und zweitens dass der gute Junge nicht mehr mit mir spricht – warum auch immer. Ich habe Jahre eisern (aus voller Überzeugung) zu ihm gestanden – er antwortet aber weder auf eine SMS noch auf Anrufe. Vielleicht zu viel zu tun? Mit seinen Hamburg-Plänen? Vielleicht erlebe ich es ja noch vor meinem Eintritt in die Rente, dass David Jarolim wieder heimkommt – ich würde mich nach wie vor freuen. Auch aus Überzeugung. Er ist doch ein Vollblut-HSVer.

Und auch dies habe ich noch gefunden:

Hansa Rostock hat die Lizenz für die Dritte Liga mit Ach und Krach bekommen. Um zukunftsfähig zu werden, muss der Verein erneut schmerzhafte Einschnitte vornehmen. Neun Mitarbeiter werden entlassen. Dank Bayern München sind die Sorgen nicht eskaliert. Der Rekordmeister kommt am 14. Juli zu einem Benefizspiel nach Rostock spült rund eine Million Euro in die Hansa-Kasse.

Und bei Hansa werden sie dann auch sagen: „Vielen Dank, Uli Hoeneß.“ Ich hoffe, dass der HSV niemals in die Verlegenheit kommen wird, den FC Bayern um Hilfe bitten zu müssen. Nie. Das dürfte so manche HSV-Größe nicht zuletzt am eigenen Leib gespürt haben, als sie kürzlich in Berlin (beim DFB-Pokal-Finale) mit den Oberen des FC Bayern (und anderen Vereinen) zusammentrafen. Ich jedenfalls habe nichts Gutes davon gehört . . .

PS: Am Dienstag gab es ja noch den „Matz-ab-live“-Saisonabschluss. Für mich eine Super-Sendung, ich bin jedenfalls ganz, ganz zufrieden au dem „Laden“ gegangen. Und heute habe ich erfahren, dass diese 56 Minuten die – nach dem 2:9-Bayern-Spiel – die zweithöchste Live-Quote hatte. Das ist toll, vielen Dank dafür. Und danke sage ich auch an die vier Teilnehmer, die da waren: HSV-Donald, Alex, Isa und Bubi Hönig. Ihr wart klasse. Und wer es noch nicht weiß, ich schreibe es sehr gerne noch einmal: Alex kam nicht nur extra wegen dieser Sendung aus Berlin, er hatte bei seiner Zusage (eine Woche vorher) auch total den Dienstag-Geburtstag seiner Frau vergessen. Und kam dennoch nach Hamburg! „Tä-tä-tä-tät-tsching-bum“. Da war ein Tusch. Dieser (Fußball- oder HSV-)Verrückte. Unglaublich. Und: Super, lieber Alex, das geht in die Matz-ab-Geschichte ein, ich danke Dir ganz besonders und noch einmal von Herzen.

Einen schönen Feierabend euch allen!

19.24 Uhr

Son wird wohl gehen – nur: wer ersetzt ihn?

5. Juni 2013

Oha, das werden einige anstrengende Tage in dieser Sommerpause. So wie heute, wenn beim HSV wirklich nicht viel passiert. Denn Oliver Kreuzer werkelt offenbar auch tatsächlich noch nicht am Kader und der Rest macht Urlaub. Bis Montag. Dann geht es wieder los und das Transferkarussell dreht sich wieder – auch mit dem HSV.

Zumindest ist für Montag ein erstes Treffen des neuen Sportchefs mit dem wohl entscheidenden Spieler vorgesehen: Heung Min Son. Obwohl, besser gesagt: nicht mit Son selbst, dafür aber mit dessen Berater Thies Bliemeister. Und dieses Treffen soll weniger den Inhalt haben, Son zum Bleiben zu überreden denn vielmehr wirtschaftlichen Nutzen und sportliche Bedeutung anhand der bis dahin eingegangenen Angebote abzuwägen. Bislang sind beim HSV keine offiziellen Anfragen eingegangen geschweige denn bearbeitet worden. Aber sie werden erwartet.

Es wird sogar einiges erwartet. Nachdem aus England zumindest Liverpool wohl kein Interesse mehr an Son zu haben scheint, ist von der Insel nur noch Tottenham in der Verlosung. Deren Angebot ist das finanziell für Son reizvollste. Allerdings belegt ein simpler Fakt, dass es weder Son noch Bliemeister in erster Linie ums Geld geht. Vom FC Liverpool bekam der Berater das Angebot, Son möge seinen Vertrag in Hamburg auslaufen lassen und dann in der kommenden Saison zum FC wechseln. Für den Fall wäre der Südkoreaner ablösefrei und würde die Engländer eine hohe Ablösesumme ersparen. Das Perfide – wenn auch allemal nicht unnormale in diesem Geschäft: Die Engländer sollen Bliemeister, der sich dazu nicht äußern will, ein Handgeld von fünf Millionen Euro geboten haben. Ebenso Son. Wobei Spieler und Berater an sich bei fast jedem Wechsel mit einer “finanziellen Zusatzmotivation“ rechnen können. Nur eben nicht in der Höhe.

Allerdings: Bliemeister, dessen Familie sehr eng mit der Familie Son befreundet ist, lehnte ab. Dem Berater, den Frank Arnesen mal als „einen super Jungen mit großem Verantwortungsbewusstsein“ lobpreiste, ist der nächste Schritt seines Schützlings wichtig. Dass der Wolfsburg heißen könnte, mochte Bliemeister heute weder bestätigen noch dementieren. Klar ist aber, dass die in meinen Augen glanzloseste Mannschaft der Bundesliga – neben Hoffenheim – durch Dieter Hecking als Trainer und Klaus Allofs als Manager eine gehörige Portion aufgewertet wurde. Und dass dort finanziell das Potenzial zur Spitzenmannschaft vorhanden ist, ist auch klar. Allerdings würde ich in diesem Zusammenhang nur schwer verstehen können, wenn sich Son für den VfL und somit gegen Bayer Leverkusen und die mit der Werkself verbundene Champions League entscheidet. Sollte die Wahl tatsächlich am Ende zwischen Bayer und VW fallen – ich wüsste, wohin ich wechseln würde.

Profitieren will davon der HSV mit einer saftigen Ablösesumme. Zwischen zehn und 15 Millionen Euro soll Son wert sein. Geld, das sofort in den Kader gesteckt werden sollte. Allerdings, nicht für eine Ablösesumme für Eren Derdiyok. Schon gar nicht für vier Millionen, wobei ich das eh ausschließen würde, wenn ich Kreuzers grundsätzliche Ausrichtung richtig verstanden habe. Der wollte auch einen Drobny halten – aber nicht für rund eine Million Euro. Weil das zu teuer wäre.

Ebenso Derdiyok. Das Interesse an dem Schweizer ist bereits seit Anfang Mai bekannt. Obwohl der zuletzt teilweise verletzungsbedingt, teilweise ob des Trainers Entscheidung bedingt nicht zum Zuge kam. Dem Vernehmen nach ist der Schweizer in Hoffenheim nicht glücklich und die Verantwortlichen mit ihm ebenso wenig. Da bietet sich ein HSV-Interesse an. Zum einen, weil der 24-Jährige mit 191 Zentimetern Länge und technisch besten Voraussetzungen dem Idealbild Finks ähnelt. „Der spricht zwar immer wieder von einem „Stoßstürmer“, den er suchen würde, meint damit aber einen Mittelstürmer, der groß, kräftig, kopfballstark und vor allem gut am Ball ist. Bis auf das Letzte findet er alle Attribute in Artjioms Rudnevs. Und noch einen Stürmer wie den Letten – wo sollte der spielen? Nein, der HSV braucht und sucht nach einem spielerisch guten Sturm-Hünen. Derdiyok wäre eine gute Idee, wie ich glaube. Nur nicht für vier Millionen Euro. Zumal nicht, weil man schon mit der Personalie des Sportchefs unnötig hohe Kosten hatte.

Einer, der in die Fußstapfen Sons treten soll, ist Maximilian Beister. Beister gilt intern als erste Alternative für Son – zumindest aus den eigenen Reihen. Fraglich ist nur, wie Beister mit dem dadurch entstehenden Druck auf seine Person umgehen kann. Schon vor der abgelaufenen Saison hatten hier viele Blogger, Dieter, ich und auch innerhalb des Vereines etliche davor gewarnt, den Hype um Beisters Rückkehr zu übertreiben. Letztlich aber, den Saisonverlauf als Grundlage nehmend, muss man eingestehen: Beister kam damit nicht klar. Er maulte im Training, überreagierte im Spiel und zeigte wenige gute Auftritte. Dennoch glaubt HSV-Idol und U18-DFB-Trainer Horst Hrubesch daran, dass Beister Son ersetzen kann. Vor allem, weil er den Südkoreaner nicht für den „Überspieler“ hält, der beim HSV unersetzbar wäre. „Hat Son denn eine überragende Saison gespielt? Ich habe ihn zumindest nicht oft wirklich stark in Erinnerung. Beister selbst mag ich gar nicht vorschnell beurteilen, dafür habe ich ihn viel zu selten spielen gesehen“, so Hrubesch, der bei angemessener Ablösesumme Verständnis für einen Verkauf des besten Hamburger Torschützen hätte.

Auch ich glaube daran. Allerdings setze ich voraus, dass sich bei Beister ein Umdenk- und Reifeprozess einsetzt.

Apropos, auch ich muss mich zügeln – in meiner Vorfreude auf Hakan Calhanoglu. Oliver Kreuzer hatte sich gestern ebenfalls euphorisch geäußert – für den einen oder anderen auch zu euphorisch. Für mich gestern nicht. Heute aber muss ich relativieren: Alles, was gesagt wurde, kann und soll eintreffen. Aber es darf nicht die grundsätzliche Erwartung sein. Ansonsten laufen wir Gefahr, uns ein Juwel durch verfrühten Erwartungsdruck unnötig kaputt zu machen.

Wobei mich Fink hoffen lässt. Der urlaubende Chefcoach hatte mir Mitte der Rückrunde in einem längeren Gespräch mal über Calhanoglus Verpflichtung erzählt: „Hakan ist ein Juwel, das Zeit braucht.“ Daher habe man sich auch entschieden, den Deutsch-Türken nicht sofort nach Hamburg zu holen und stattdessen mit Rafael van der Vaart die zentrale Position zu besetzen. „Und das werden wir auch in der kommenden Saison nicht anders machen. Hakan hat allemal das Zeug dazu, irgendwann Rafael zu beerben – aber wir brechen nichts über den Zaun.“ Gut so. Aber angesichts der finanziellen Situation dürfte es zur neuen Saison nicht mehr allzu viele Hochkaräter geben – und je weniger davon kommen bzw. da sind, desto mehr Hoffnung liegt auf Calhanoglu. Fink dazu: „Egal, was passiert, Hakan ist eine Investition in die Zukunft und wird reifen. Reifen dürfen.“ Und glaubt man Kreuzer, den Calhanoglu nach eigener Aussage sehr viel zu verdanken hat (Interview auf www.hsv.de). Calhanoglu über Kreuzers Engagement in Hamburg: “Für mich ist das klasse, weil ich mich gut mit ihm verstanden habe. Ich habe ihm viel zu verdanken. Er hat damals, als ich noch in der U19 gespielt habe, dafür gesorgt, dass ich mit ins Trainingslager der Profis durfte. Auch danach hat er sich häufig die Zeit genommen, mit mir über Spielsituationen zu sprechen. Er hat mir dann erklärt, wie ich etwas hätte besser lösen können und mir Tipps gegeben.“

Hoffen wir, dass Calhanoglu und Kreuzer ihre letzte erfolgreiche Phase mit nach Hamburg hochgebracht haben und fortführen. Aber vor allem hoffe ich, dass Calhanoglu sich seine Zeit nimmt, um zu wachsen. Denn dann, da wette ich drauf, wird Calhanoglu eine Vollgranate….

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit Dieter. Ich melde mich am Freitag wieder und werde versuchen, die Ausgliederungspläne etwas näher zu erläutern.

Scholle

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