Archiv für das Tag 'Arnesen'

Sportchefposse, Teil zwei? Aufsichtsrat beurlaubt Arnesen!

22. Mai 2013

Und täglich grüßt das Murmeltier… Wenn es nicht so tragisch wäre, es wäre schon fast wieder komisch. Allerdings offenbart die Sportchef-Posse, die es schon jetzt wieder einmal ist, die Problematik des HSV in vollen Umfängen. Mal wieder wird ein im Geschäft nicht unüblicher Vorgang frühzeitig bekannt und dadurch problematisch – es sagen wie Andreas Rettig sogar schon Kandidaten ab, bevor es offizielle Verhandlungsmandate gibt. Nur, um eines klarzustellen: Der Vorgang findet bundesweit bei fast allen Proficlubs in ähnlicher Form statt. Sogar fast genau so, wie jetzt beim HSV. Der wesentliche Unterschied dabei: Bei den meisten Clubs wird das nicht bekannt, bevor Tatsachen geschaffen werden. Selbst die Entlassung Arnesens wurde vermeldet, bevor der Auflösungsvertrag unterschrieben wurde.

Warum wieder alles bekannt wurde?

Weil schon gremienintern nichts geheim bleibt. Das oberste Vereinsgremium schafft es nicht, geschlossen ein Projekt zu verfolgen. Auch, weil der Personalausschuss (Ertel, Strauß, Meier, Westphalen) eigenmächtig Verhandlungen aufgenommen hatte und die anderen sich übergangenen fühlen. Allerdings, und damit komme ich zum banalen Kern des Kernproblems: wenn die anderen Räte den HSV an erster Stelle hätten, würden sie intern rügen und nach außen ruhig sein – zum Wohle der Sportchefsuche, zum Wohle des HSV. Denn alle wissen, dass das Bekanntwerden Kandidaten die aktuelle Verhandlungsposition des HSV mit möglichen Zugängen schwächt, Spieler abschreckt und die Suche nach einem neuen Sportchef massiv erschwert. Aber leider können einige der elf Räte ihr Ego einfach nicht hinter das Vereinswohl hintenanstellen. Und das kann böse auf den HSV zurückfallen – wenn sie nicht schnell den neuen Mann finden, der alles richtet.

Und auf dem Weg dahin musste der Aufsichtsrat einen ersten Kandidaten wieder streichen: Andreas Rettig. Der DFL-Geschäftsführer sagt ab. „Ich habe einen bis Ende 2015 laufenden Vertrag bei der DFL, den werde ich erfüllen. Das habe ich auch Liga-Präsident Rauball mitgeteilt“, ließ Rettig per Pressemitteilung verlauten. Und es ist kein Geheimnis mehr, dass Rettig der frühen öffentlichen Diskussion um seine Person vorbeugen wollte und durch das sich anbahnenden monatelange Hin und Her Schaden für sich und seinen Posten bei der DFL befürchtet hat. Zu recht.

Es ist schon bitter, dass sich beim HSV auf oberster Ebene gegenseitig Knüppel in die Beine geschmissen werden. Und ausgerechnet derjenige, der bei der letzten Sportchefsuche – damals in seiner Funktion als Journalist – die zugegebenermaßen ebenso dilettantische Sportchefsuche des HSV sinngemäß als dilettantisch bezeichnete, ist jetzt eine der Triebfedern bei der Wiederholung der Posse. Und ich kann nur hoffen, dass der HSV sich der Folgen der damaligen Sportchefposse bewusst wird – denn die führten dazu, dass der HSV heute da steht, wo er steht – und diesmal schnell einen Nachfolger präsentiert.

Wo er beim HSV steht, weiß auch Felix Magath nicht. Der hat zwar den prominentesten Namen aller bisher genannten Kandidaten, steht aber längst nicht ganz oben auf der Liste. Und das, obwohl der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Ertel noch immer einer facebook-Gruppe angehört, die den Arbeitstitel „Lieber Herr Magath, kommen sie nach Hause“ (https://www.facebook.com/pages/busty-kat/179834642095723#!/photo.php?fbid=374538292654598&set=a.319699004805194.71689.319662298142198&type=1&theater) hat. Dem Europapokalhelden Magath lagen zwar inoffizielle Anfragen einzelner Aufsichtsräte vor – aber das hat noch nichts zu bedeuten. Offizielle Anfragen kann es letztlich nur mit Aufsichtsratsmandat vom Personalausschuss der Kontrolleure geben. Und das war bisher nicht der Fall. Im Gegenteil, es kocht mal wieder jeder Rat sein eigenes Süppchen…

Weiterhin oben auf der Wunschliste rangiert dem Vernehmen nach durch die Absage Rettigs jetzt Jörg Schmadtke. Der ehemalige Düsseldorf-Keeper und zuletzt Sportchef von Hannover 96 gilt als schwieriger Zeitgenosse im Umgang, als Talententdecker – aber nicht als Visionär in Sachen Nachwuchsarbeit. Seine Transfers bei Hannover 96 als Basis genommen, würde ich ihm ein gutes Auge attestieren. Allerdings macht es mich ein wenig stutzig, dass sich Schmadtke aus privaten Gründen bis zu seinem Ende im April bei Hannover 96 rausgezogen hatte und immer wieder davon gesprochen hatte, auch einen kompletten Ausstieg nicht auszuschließen. Zumal er dabei immer wieder seinen Wunsch formulierte, in der Nähe seiner in Düsseldorf lebenden Familie sein zu wollen.

Aber, und da bin ich mir ganz sicher, es werden noch viele Namen öffentlich gespielt, ehe es den finalen Kandidaten gibt. Rettig – gestrichen. Magath – teuer und unwahrscheinlich. Schmadtke – sicher ein Kandidat. Ebenso wie KSC-Macher Oliver Kreuzer. Und auch Dietmar Beiersdorfer. Der wurde in den letzten Wochen immer wieder mal angerufen. Auch von Aufsichtsräten. Immerhin ist bekannt, dass Beiersdorfer seine Heimat beim HSV sieht. Und etwas mehr Identifikation mit dem HSV tut dem Klub nur gut. Zumal dann, wenn sie mit fachlicher Kompetenz verbunden ist. Aber Beiersdorfer wollte sich auf keine näheren Gespräche einlassen, solange keine Fakten geschaffen werden. Zudem müsste der Aufsichtsrat – und damit schließt sich eine Beiersdorfer-Rückholaktion eigentlich schon aus – geschlossen hinter der Verpflichtung stehen.

Das ist eine Bedingung von Beiersdorfer, der seine Lehren aus dem unrühmlichen Ende im Juni 2009 gezogen hat. Damals fühlte sich Beiersdorfer vom Aufsichtsrat im Stich gelassen. Zudem teilte Beiersdorfer den Kontrolleuren mit, dass er einen laufenden Vertrag habe (der zudem sehr gut bezahlt ist…), den er grundsätzlich einhalten wolle. Wenn er früher gehen würde, müsste er es dem Klub rechtzeitig mitteilen können. Und dieser Zeitpunkt scheint bereits verpasst zu sein. Und so bliebe Beiersdorfer am Ende einer von vielen Namen, die gehandelt wurden. Einer von vielen. Auch von einigen, die wir noch gar nicht genannt haben – aber sicher nennen werden. Weil einer immer redet.

Reden wollten auch Frank Arnesen und Heung Min Sons Berater Thies Bliemeister über einen neuen Vertrag. Das dürfte hinfällig sein. Ausgerechnet jetzt in der entscheidenden Phase – aber das hatten wir ja schon eingangs des Blogs. Auf jeden Fall aber scheint jetzt nach Tottenham und Dortmund auch Bayer Leverkusen richtig Ernst zu machen. Die Werkself ist wie der BVB an einer Verpflichtung von Bremens vom FC Chelsea ausgeliehenem Kevin de Bruyne (wie gern ich den hier sehen würde….!) interessiert, der Belgier aber tendiert zum BVB. Sollte Bayer seinen Wunschspieler nicht kriegen, soll Son die Lücke schließen. Geld genug ist vorhanden, Champions League ist erreicht – und der HSV führungslos. Wer jetzt auf Sons Verbleib wettet, dürfte gute Quoten bekommen…

Abgelehnt wurde Arnesens Vertragsentwurf für eine Verlängerung des Ersatzkeepers Jaroslav Drobny. Zu teuer, heißt es. Und: nachverhandeln! Nur, wer das macht, ist fraglicher denn je. Scheel wohl eher nicht. Also Jarchow? Oder doch Hilke, der schon beim Transfer van der Vaarts Verhandlungen übernommen hatte? Hauptsache, es macht jemand, bevor sich der/die Spieler gegen den HSV entscheiden.

Es bleibt festzuhalten: Gewonnen hat der HSV mal wieder nichts. Im Gegenteil, er verliert. Mal wieder. Viel Renommee – und viel Zeit. Viel wertvolle Zeit, um zweifellos vorhandene Mängel im Kader zu beheben. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Für Sonntag ist die nächste Aufsichtsratssitzung anberaumt – und es könnte schon Ergebnisse geben. Obwohl, ganz ehrlich? Es sollte unbedingt Ergebnisse geben.

Und zum Abschluss: Dass ich hier eine Petition, bei der inzwischen schon 3000 Leute für Arnesen unterschrieben haben, unerwähnt gelassen habe, hat ebenso wenig politische Hintergründe wie sportliche Relevanz für die Causa Arnesen, die am heutigen Mittwochabend vom Aufsichtsrat persönlich mit Arnesen abgeschlossen werden soll. Ich will auch den Protestmarsch am 29. Mai nicht verschweigen, wo friedlich gegen den Aufsichtsrat demonstriert werden soll, wie es heißt. Der Marsch beginnt am 29. Mai um 18.30 Uhr auf dem Parkplatz braun. Wobei beide Fakten für mich nur einmal mehr unterstreichen, dass im Moment bei diesem HSV nicht viel zusammenpasst. Nicht einmal, was zusammen gehört.

In diesem Sinne, sofern nichts Dramatisches mehr passiert – bis morgen. Da werde ich den Tag über unsere neue facebook-Seite (www.facebook.com/groups/matzab) versorgen und am Abend vom HSV aus Neuruppin berichten.

Bis dahin, Euch allen einen schönen Restmittwoch!
Scholle

Arnesens Nachfolge Thema im Aufsichtsrat – der Blog ***Neu: Rettig sagt dem HSV ab***

21. Mai 2013

***Rettig sagt ab: Wunschkandidate Andreas Rettig hat dem HSV abegsagt. Der DFL-Geschäftsführer soll dem Vernehmen nach Zweifel gehabt haben, ob er durch die öffentliche Hängepartie sich und seinem aktuellen Arbeitgeber, für den er erst seit sechs Mopnaten tätig ist, Schaden zufügt. “Ich habe einen bis Ende 2015 laufenden Vertrag beid er DFL, den werde ich erfüllen. Das habe ich auch Liga-Präsident Rauball mnitgeteilt.”***

Es geht in die Vollen. Und das weniger unerwartet als viele meinen. Denn dass der Aufsichtsrat nicht wirklich zufrieden mit der Arbeit des Sportchefs war, hatte ich hier bereits vor einigen Monaten das erste Mal geschrieben. Auch, dass man sich Gedanken darüber machen würde, wie man sich auf der Position optimal besetzen könne. Vor allem: ob mit oder ohne Arnesen. Und in dieser Frage scheint eine Entscheidung gefunden zu sein: es wird wohl ohne den Dänen geplant. Inwieweit das jetzt schon für die aktuelle Kaderplanung zutrifft – offen. Zuletzt hatte sich Arnesen zusammen mit Trainer Thorsten Fink nach Mailand begeben um dort mit Bojan Krkic zu sprechen. Allerdings heißt es intern schon seit längerer Zeit, Arnesen sei nicht mehr alleiniger Entscheider und nicht mehr erster Ansprechpartner. Und der Neue stünde schon vor der Tür.

Dass hier plötzlich Leute die Arnesen-Bilanzen loben ist legitim. Was auch sonst? Stichwort Meinungsfreiheit. Dass sich aber einige hier aufschwingen und einen Manager wie Andreas Rettig als zu kleine Lösung abqualifizieren – Respekt! Der Mann hat schon ein paar Stationen hinter sich, hat Erfahrungen in Leverkusen, Freiburg, Köln und Augsburg gesammelt. Und er arbeitet bei der DFL als Geschäftsführer in einer Position, die nicht wirklich als ABM-Stelle ausgeschrieben wurde… Dem jetzt nachsagen zu wollen, er könne nicht HSV – ohne mich.

Allerdings, über die Eignung darf diskutiert werden. Wobei für mich entscheidend ist, dabei die Relationen im Blick zu behalten. Auf die Frage, warum Arnesen nicht in seinem warmen Nest in Chelsea geblieben ist, gibt es beispielsweise eine klare Antwort: Chelsea hatte Arnesen bereits im Laufe der Saison freigestellt, noch bevor er beim HSV unterschrieben hatte. Die sich daraus ergebende Gegenfrage „warum hat Arnesen seinen Job in Hamburg dann nicht deutlich eher angetreten?“ ist ebenso schnell und klar beantwortet: Er hätte beim FC Chelsea auf viel Geld verzichten müssen. Hat er aber nicht. Auch das ist okay. Wenn er es ehrlich zugeben würde. Was er nicht will. Aber auch damit kann ich leben.

Leben müssen wir alle mit einem Füllhorn neuer Sportchefs in Hamburg. Das gehört in solchen Phasen dazu. Obwohl der eine noch gar nicht gegangen ist, werden schon neue Namen gehandelt. Ob es ihn nachdenklich stimmt, so wenig Wertschätzung zu erfahren? „Nachdenklich nicht“, antwortet Arnesen, „was bedeutet schon Wertschätzung? Ich bin ein Profi und weiß, wie das Geschäft funktioniert.“ In aller Härte.

Und so werden in den nächsten Tagen weitere Namen kommen. Neben Rettig kommen auch Jörg Schmadtke und Oliver Kreuzer wieder aufs Trapez, zudem dürften altbekannte Namen wie Dietmar Beiersdorfer und sogar Martin Jol schnell aufgenommen werden. Bis auf Jol haben alle Kandidaten schon Gespräche mit Vereinsoffiziellen geführt, in denen mal so ganz nebenbei und unverbindlich die grundsätzliche Bereitschaft abgefragt wurde. Und Jol würde sich laut englischen und niederländischen Medien für den Managerposten interessieren. Kurios. Allerdings bringt der “Engländer” den Faktor, ein echter Sympathieträger zu sein, mit. Und dieser Faktor ist im Aufsichtsrat nicht zu unterschätzen.

Wobei die Räte intern gerade gar nicht sympathisch miteinander umgehen und eher mal wieder ein wenig verstimmt sind, ob des eigenwilligen Handelns einiger im Personalausschuss (Ertel, Jens Meier, Christian Strauß, Eckart Westphalen). Die waren nicht offiziell vom Gremium beauftragt worden, mit Kandidaten zu sprechen – taten dies aber nachweislich. „Wir werden nie einen geschlossen auftretenden Verein haben können, wenn wir in unserer Funktion nicht geschlossen und loyal auftreten“, kritisiert ein Aufsichtsrat. Und während dieser Kontrolleur überrascht über den Zeitpunkt der Diskussion ist, sagte mir heute ein anderer am Telefon: „Die Diskussion ist keinem neu. Aber sie gehört normalerweise nicht ins Vorfeld einer Saisonbilanz.“ Und die soll dem Vernehmen nach am 30. Mai stattfinden, wenn sich der Vorstand inklusive Frank Arnesen vor dem Aufsichtsrat verantwortet.

Vor allem aber wird klar: in Hamburg dreht sich das Transferkarussell mal wieder falsch herum. Anstatt jetzt eine ausgewogene Spielersuche und Kaderplanung umzusetzen, wird der Sportchef in Frage gestellt. Zu spät – oder eben zu früh. Eines von beiden ganz sicher. Aber sicher ist auch, dass das jetzt der falsche Zeitpunkt ist. Immerhin ist Arnesen der Mann, dem man bei seiner Vertragsunterschrift in Hamburg alleinige Verantwortung zugesichert hatte. Der Mann, der zum teuersten Sportchef der Vereinsgeschichte aufstieg. Aber vor allem ist der Däne derjenige, der den Kader für die neue Saison plant. Er stellt zusammen mit dem Trainer eine Wunschliste zusammen, anhand derer die Gespräche mit den neuen geführt werden. Und er bringt seine Philosophie ein – bislang. Geht es nach dem Aufsichtsrat soll er dies nicht mehr lange verantworten.

Allerdings ist dieses Vorgehen fragwürdig, will man nicht die kommende Saison mit Nachteilen beginnen. Käme jetzt ein Neuer, ich bin mir ganz sicher, der würde mit vielen Arnesen-Ideen nicht so glücklich, weil er seine eigenen hat. Und der Neue hätte nicht die Zeit und den Vorlauf, alle Problemzonen beim HSV zu erkennen und gegenan zu arbeiten. Dafür aber hätte er immer die Ausreden, eben all die eben genannten Umstände erlebt zu haben. Auch er wäre frühestens ab der Wintertransferperiode wirklich zu beurteilen.

Warum also so spät mit dieser Diskussion begonnen wird? Keine Ahnung. Bislang galt ein Arnesen-Rauswurf als nicht zu realisieren, da eine saftige Abfindung fällig würde. Hintergrund: Arnesens Vertrag mit einem Jahresgehalt von knapp zwei Millionen Euro per annum läuft noch bis 2014. Die Diskussion – das muss hier erwähnt werden – gibt es jedoch schon seit Monaten. Auch hier im Blog geschrieben, wenn Ihr Euch erinnert. Arnesen wurden zu lange Urlaube, zu wenig Transfererlöse im vergangenen Winter und ein unzureichendes Netzwerk vorgeworfen. Dem Mann wohlgemerkt, der bei seinem Einstieg als „Sportchef mit dem dicksten Telefonbuch“ vorgestellt wurde. Daran bestanden bei der Vorstellung neuer Spieler bereits erste Zweifel. Die fehlenden Verkäufe in diesem Winter gaben den meisten Aufsichtsräten den Rest. Die Frage aber ist: Reagiert der Aufsichtsrat zu spät? Oder ist er voreilig? Beides könnte fatale Folgen haben.

Obwohl auch klar ist, dass das Thema jetzt Fahrt aufgenommen hat und bei der heutigen Aufsichtsratssitzung weiter aufnehmen wird. Dort sollte es kurz einberufen eigentlich nur um die Verlängerung des Vertrages von Frank Heinemann gehen, der in sechs Wochen ausläuft – der aber von Arnesen ebenso wenig wie von seinen Vorstandskollegen bearbeitet geschweige denn verhandelt wurde. „Wir werden auch über andere Dinge sprechen, so viel ist klar“, kündigte ein Aufsichtsrat an – verstimmt über die ratsinterne Informationspolitik. Das Thema Ertel/Hoeneß hingegen soll nicht aufgenommen werden.

Eigentlich wollte ich Euch jetzt schon mit der einen oder anderen Neuigkeit aus der AR-Sitzung kommen. Allerdings ist damit heute eher nicht zu rechnen. Wird gemutmaßt. Die Herren tagen aber noch. Die beiden zu verlängernden Verträge werden wohl abgestimmt – und dieses Ergebnis liefere ich Euch dann sofort mit – aber in Sachen Arnesen soll es heute kein offizielles Statement geben. Sollte sich das wider Erwarten ändern, werde ich den Blog ebenfalls noch mal aktualisieren.

Bis dahin Euch allen erst einmal einen schönen Abend. Bis gleich. Oder morgen. Da ist kein Training, da die Mannschaft in Neuruppin weilt und dort dem Vernehmen nach eine Menge Spaß hat. Noch mit Arnesen, der morgen (am Mittwoch) wieder nach Hamburg reist, um sich dort mit der gesamten Scoutingabteilung zusammenzusetzen.

Scholle


*****Ergänzung: Nachdem die AR-Sitzung um kurz nach Mitternacht beendet war, wollten sich die Kontrolleure nicht zum Thema Arnesen äußern. Außer, dass der Däne zusammen mit seinen Vorstandskollegen den Vertrag für Drobny nachverhandeln solle. Soll heißen: der erste Vertragsentwurf für den Ersatzkeeper wurde vom AR abgelehnt. Zu teuer…

Fortsetzung folgt.

Adler: “Unsere Gegner müssen wissen, dass es bei uns weh tut”

16. Mai 2013

Was sind schon 27 Jahre Ferguson bei ManU oder 14 Jahre Schaaf in Bremen – gegen 75 Jahre Holsten beim HSV? Der Brauereiriese verlängerte heute seine Partnerschaft mit dem Bundesliga-Dino. Als hätte Marketingvorstand Joachim Hilke die Aufforderung im Blog gelesen, legte der findige 44-Jährige heute gleich mal zwei gute Geschäftsmodelle/Einnahmequellen vor. Zunächst einen Dreijahresvertrag mit der Carlsberg-Brauerei und im Speziellen Holsten. Zum anderen wurde heute eine so noch nie gesehene HSV-Bundesliga-Chronik vorgestellt, die nicht in jedem Auto ausreichend Stauraum vorfindet und die eine oder andere Ein-Zimmerwohnung komplett dicht machen würde. „70 mal 50 Zentimeter“, sei die mit 2500 Fotos bespickte Chronik der HSV-Bundesligageschichte vom ersten Tor Charly Dörfels bis heute. Erhältlich ist das gefühlt zwei Zentner schwere Schmuckstück ab August. Wobei der exklusive Kreis von 999 neuen Besitzern nicht auf den Cent angewiesen sein darf – das Buch kostet immerhin sage und schreibe 2999 Euro.

Schön, spektakulär, exklusiv, teuer – aber mir soll es egal sein. Es wird sicher ausreichend Abnehmer für das teuerste Buch der Vereinsgeschichte geben und der HSV wird ein wenig daran verdienen können. Und so soll es ja sein. Der HSV soll sich gute Geschäftsideen einfallen lassen und von mir aus Milliardenumsätze einfahren. Solange dafür nicht jedes Mal die Ticketpreise angezogen werden. Und daher kann ich dem HSV und Herrn Hilke diesbezüglich nur gratulieren und wünschen: Weiter so. Nur so.

Noch lange nicht aufhören will René Adler. Zum einen nicht mit der laufenden Saison – „Wir haben noch ein echtes Finale vor uns und brauchen dafür das Maximalmaß Konzentration“ – zum anderen nicht mit der Nationalelf, mit der er im Anschluss an die Saison am 29. Mai in Boca Raton gegen Ecuador und am 2. Juni in Washington gegen die USA antritt. Zusammen mit Dennis Aogo, Marcell Jansen und Heiko Westermann bildet Adler einen richtigen DFB-Block. Und wenn man ganz ehrlich ist, hätte es sogar sechs HSVer sein müssen, da man Sidney Sam niemals hätte ziehen lassen (er ging letztlich aufgrund eines Streits mit einem Vorstand) und Max Kruse nicht verpassen dürfen. Letztgenannter war beim HSV auf dem Beobachtungszettel und wurde letztlich als „ungeeignet“ eingestuft. Angeblich sei der Linksfuß zu faul im Spiel… Aber egal, vier sind dabei und das sind so viele wie lange nicht mehr im A-Team der Nationalelf. „Natürlich wissen wir, dass viele Stammspieler verhindert sind und wir deshalb so viele HSVer dabei haben“, sagt Adler, „aber trotzdem zeigt das doch, dass man wieder auf Hamburg schaut.“

Traurige Nachrichten gab es dafür aus dem U21-Bereich. Tolgay Arslan wurde zwar vorläufig nominiert, hat aber noch immer mit seiner Kreuzbandzerrung zu kämpfen. „Es wird schwierig für ihn“, sagt Sportchef Frank Arnesen, „wir müssen bei der schweren Verletzung sehr vorsichtig sein und es sind nur noch zehn Tage.“ Arnesen hat bereits mit Arslan gesprochen und den noch immer um seine Teilnahme kämpfenden Mittelfeldspieler auf eine wahrscheinliche Absage vorbereitet: „Es ist sehr schade für ihn, allerdings soll er das positiv nehmen. Es gibt noch einen Tag nach morgen und das weiß Tolgay. So kann er sich komplett auskurieren und fit in der Vorbereitung zur neuen Saison angreifen.“

Das gilt auch für Maxi Beister. Der Offensivmann erhielt am Mittwoch von U21-Trainer Rainer Adrion die Mitteilung, dass er nicht zum Kader gehören wird. Und das, nachdem der Linksfuß zwei Jahre lang unumstrittener Stammspieler mit vielen wichtigen Toren war. „Es ist sehr enttäuschend“, sagte uns Maxi heute, ohne näher darauf eingehen zu wollen. Es war dem Youngster anzumerken, wie tief ihn die Absage getroffen hatte. Zumal Beister teamintern bei der U21 als Führungsspieler gilt. „Ich kann und will dazu nicht viel sagen“, sagte ein sichtbar enttäuschter HSV-Trainer Thorsten Fink, „aber ich kann mir vorstellen, dass Maxi Beister der Mannschaft fehlen wird.“

So groß die Verärgerung über Adrion, Beister hat sie mit seiner Roten Karte selbst provoziert. „Der wird jetzt bis Saisonende kaum noch spielen und kaum Praxis haben“, hatte mir Horst Hrubesch damals unmittelbar nach Beisters Platzverweis gesagt, „dann wird es auch eng mit der EM. Zumindest hätte ich als Trainer so meine Bedenken.“ Und so kam es letztlich. Obgleich ich mich frage, warum Adrion sich nicht bei Fink nach Beisters Leistungsstand erkundigt hat. So etwas ist normalerweise üblich, wenn es um Stammspieler geht. Und das war Beister. Der Junge hatte wochenlang geschwiegen, um nichts Dummes zu sagen und sich voll auf den Fußball zu konzentrieren. Es war Beister deutlich anzumerken, dass er seinen Fehler erkannt hatte und dass er gewillt ist, ihn wiedergutzumachen. Zudem hat er bislang 24 Einsätze in seiner ersten Bundesligasaison gehabt – das ist allemal eine Bewerbung für eine Nachwuchs-EM.

Egal wie, Beister hat auch Zuspruch. Nicht nur von mir. Ich bin da ganz sicher nicht wichtig. Dafür aber von Sportchef Frank Arnesen. Der Däne versuchte Beister geradewegs wieder aufzubauen und fand sogar etwas Positives: „Maxi hat ein paar aufregende Tage und Wochen hinter sich. Ich habe ihm gesagt, dass er enttäuscht sein darf und vielleicht sogar muss. Aber er soll versuchen, nach ein paar Tagen auch das Positive zu sehen: So kann er nach der Saison länger Urlaub machen und mal so richtig ausspannen, um frisch in seine zweite Bundesligasaison zu gehen. So überrascht wir alle sind, auch ich – ich bin mir sicher, Maxi verdaut das Ganze.“

Am Sonnabend allemal. Da geht es auch für den Youngster noch mal um alles. Und die Aussicht auf internationale Spiele dürfte auch Beister zufriedenstellen. Obgleich die Chance darauf weiter gering ist, ist die Motivation bei Adler, Beister und Co. riesig. Egal, ob wir abhängig sind von Frankfurt – am letzten Spieltag noch um einen internationalen Platz zu kämpfen ist pure Freude und ein Höchstmaß an Motivation für jeden Spieler. Wir haben nichts zu verlieren gegen eine starke Mannschaft und wollen uns einen schönen Saisonausklang verschaffen.“ Der sei schon jetzt als Erfolg zu werten – sagt Fink. Adler scheint da höhere Ansprüche zu haben. „Wir können mit einer Europa-League-Teilnahme eine gute Saison aus der bisherigen machen.“

Gut so. Ich mag es, wenn gute Leute hohe Ansprüche haben. Vor allem, wenn sie beim HSV spielen und dafür nichts unversucht lassen. So, wie Fink es andeutet. Zwar seien alle Spieler fit und es gebe keinen Grund für eine personelle Umstellung, allerdings ließ der Trainer auch heute wieder ein 3-5-1-1-System spielen. Seine Erklärung: „Die Mannschaft muss auf Situationen reagieren können und das müssen wir üben. Auch kurze Systemumstellungen.“ Mit den Worten: „Stellt euch vor, es sind noch fünf Minuten und Leverkusen führt 1:0“, gab Fink im Abschlussspiel die Anweisung, offensiver zu agieren und die vermeintliche A-Elf gab Gas, presste und rückte hoch auf. Allerdings vergab Westermann eine Riesenchance per Kopf – erhielt aber Lob von Fink: „So soll’s sein. Ihr müsst euch die Chancen erarbeiten.“ Gewillt scheinen sie allemal. Von Adler über Beister bis hin zu Jacopo Sala und allen anderen, die wohl nur auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen werden. Adler kündigt seinen ehemaligen Mannschaftskameraden, für die es tabellarisch um nichts mehr geht, einen harten Gang in Hamburg an. Ob er glaubt, seine Ex-Kollegen könnten unterbewusst schon auf Urlaubsmodus geschaltet haben, sagt er: „Das liegt nur an uns. Wir wissen, wo der Schlüssel liegt. Wir müssen denen von Beginn an zeigen, dass wir gewinnen wollen, dafür alles tun. Danach ist Urlaub, danach können alle ihre Blessuren auskurieren. Nur nicht im Spiel. Es ist auch nicht verkehrt, wenn man als Gegner weiß, dass es in Hamburg durchaus mal weh tun kann.“

Das sind doch mal markige Ansagen. Genau die Art, wie ich sie gern höre und noch lieber umgesetzt sehen würde. Auch von Adler, der heute auf die Frage nach einem möglichen Wechsel in der Sommerpause etwas ausweichend antwortete: „Von Interessenten hört man immer gern, das sind Bestätigungen für einen selbst. Das motiviert mich auch. Aber ich habe in Hamburg einen langfristigen Vertrag und Ambitionen. Es gibt im Moment keinen Anlass, was anderes zu denken.“ Stimmt, zumal Klubboss Carl Jarchow auf den immer wieder kolportierten ersten Interessenten, den Premier-League-Klub Arsenal London, antwortete: „Ich kann ihnen versprechen, dass René Adler kommende Saison nicht für Arsenal spielt.“ Gut so. Zumindest für den HSV, der vor Adler erst einmal acht, neun andere Spieler abgeben sollte. „Bislang gibt es noch kein Angebot“, sagt Arnesen, darauf angesprochen. Und der Sportchef bezieht Heung Min Son mit ein. „Stand jetzt bleibt er bei uns. Ich bin da auch ganz positiv“, so Arnesen, der sich nach Saisonende mit Son und dessen Berater zusammensetzen will. Ob es auch eine ewig andauernde Verhandlung werden könne, die sich erst mit dem Schlusspfiff der Transferperiode Ende August entscheidet? Arnesen: „Nein, eigentlich nicht. Auch wir wollen planen.“

Solltet Ihr schon Euren morgigen Tag planen, macht das ohne den HSV. Der trainiert morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber Dieter wird Euch auf dem Laufenden halten. Ganz sicher.

Apropos sicher –in Sachen Oberneuland ist da nichts sicher. Der Norddeutsche Fußballverband teilte inzwischen mit, dass er bis morgen die rechtlichen und sportlichen Folgen des Insolvenzantrages prüfen werde. Zuletzt hieß es, durch die Insolvenz stünde zwar der Abstieg Oberneulands fest, allerdings würden bei einem so späten Antrag (bis vier Spiele vor Saisonende) nicht nachträglich alle Ergebnisse aus der Wertung genommen. Als diese Meldung beim SC Victoria, der mit am meisten davon profitieren würde, die Runde machte, hieß es sofort: Dann reichen wir Protest ein. Klar aber ist nach dem 3:1 des HSV II beim SCV, dass die Mannen von Rodolfo Cardoso gerettet sind. Dazu gratuliere ich ganz herzlich und hoffe, dass der Argentinier in der neuerlichen Kaderzusammenstellung klarer interveniert, wenn er Bedenken hat. „Wir setzen uns zusammen und besprechen alles“, kündigte Arnesen heute an und fügte hinzu: „Wir wissen, dass und was wir verbessern müssen.“

Klingt doch zunächst einmal sehr gut.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

P.S.: Tomás Rincón und Heung Min Son wurden für ihre Nationalmannschaften nominiert. Son muss nach Südkorea reisen, um gegen den Libanon (4. Juni), Usbekistan (11. Juni) und den Iran (18. Juni) anzutreten. Rincón trifft in seiner Heimat Venezuela Bolivien (07. Juni) und Uruguay (12. Juni).

P.P.S.: Ein kurzes Video mit Adler, der über die Nartionalelf spricht, findet Ihr auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/groups/Matzab

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