Archiv für das Tag 'Aogo'

Alle haben Fehler gemacht – jetzt gilt es: Wir alle müssen die Lehren daraus ziehen!

8. Juni 2014

Das Kapitel Bert van Marwijk ist geschlossen, und das ist auch gut so. Der Vize-Weltmeister-Trainer und der HSV haben sich auf Ablösemodalitäten geeinigt, die Trennung ist jetzt auch finanziell besiegelt. Zu welchen Konditionen ist offen, aber es dürfte dem Dino gekostet haben . . . Das waren teure und trostlose 143 Tage, an denen der Niederländer den HSV nur noch tiefer in den Sumpf geführt hat. Aber gut, dieser Teil der äußerst unrühmlichen Vergangenheit der Rothosen ist bekannt – und nicht zu ändern. Erst in der neuen Saison. Und der blicke ich durchaus optimistisch entgegen, denn irgendwann wird auch dieser bislang von vielen Amateuren geführte HSV aus seinen schwersten Fehlern lernen müssen. Genau das hatten in der Vergangenheit immer wieder viele Experten und HSV-Ehemalige an diesem Verein kritisiert.


 

Einer von ihnen ist der frühere HSV- und Nationaltorwart Uli Stein. Ich traf ihn beim ersten Relegationsspiel gegen Fürth, wir hatten einige Zeit, um über diesen HSV zu sprechen. Und genau ein Thema war dabei, dass der HSV nie gelernt hat, die Fehler, die zum stetigen Niedergang geführt haben, zu analysieren und daraus Nutzen zu ziehen. Stein hoffte deshalb vor allem auf neue Strukturen – und die sind dem Club nun gegeben. Die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft sind gestellt, es könnte “von oben” nun alles besser werden, wenn unten, an der Basis, mit offenen Augen die neue Saison geplant wird. Und das muss ganz klar heißen: Die Lehren aus dem Desaster 2013/14 ziehen.

Ich habe in den letzten Tagen jeden einzelnen Spieler unter die Lupe genommen und oft auch hart kritisiert. Dieses “Hart kritisiert” flog mir danach oft um die Ohren – weil es zu hart war? Schon vergessen, was der HSV für eine grottige Saison gespielt hat, mit seinen kümmerlichen sieben Siegen und 27 Pünktchen? Wahrscheinlich ist es so. Mir flogen aber auch unglaubliche viele Leserbriefe zu, und die habe ich sehr genau durchgelesen. Ein Punkt kam dabei immer wieder hervor, und ich zitiere aus einer Mail an mich:

Ich verstehe es, wenn Ihr Jarchow nicht wehtun wollt, indem Ihr die Wahrheit schreibt. Mir persönlich hätte es allerdings nach dieser Saison eine gewisse Befriedigung meiner geschundenen HSV-Seele gegeben, wenn Klartext geredet werden würde und die Dinge einmal komplett aufgearbeitet werden würden, um dann mit dem leidigen Thema abzuschließen und in eine hoffentlich bessere Zukunft zu schauen.

Carl-Edgar Jarchow ist für viele hier der Sündenbock Nummer eins. Für mich nicht. Gebe ich zu, dazu stehe ich auch. Obwohl er ganz klar auch gravierende Fehler begangen hat – aber wer hat das nicht in diesem HSV? Sie haben alle unheimlich viele und große Fehler gemacht. Jarchows vielleicht größter war, dass er nach einigen Monaten nicht das in die Tat umgesetzt hat, was er vorher angekündigt hat – nämlich dass er nur übergangsweise der HSV-Boss ist. Er hatte Gefallen daran gefunden, ein gefragter Mann in der Hamburger Öffentlichkeit zu sein, er fühlte sich vielleicht auch ein wenig geschmeichelt, dass er der große Mann des HSV geworden war – aber er übersah die vielen, vielen Probleme, die er geerbt hatte. Die hätten ihn, ganz eindeutig sogar, zur frühen, ich meine sogar zur sofortigen Aufgabe des Amtes zwingen müssen. Weil er, das kommt noch ganz entscheidend hinzu, ja auch in der Öffentlichkeit niemals darüber plauderte, was er eigentlich beim HSV vorgefunden hatte – als er der Boss wurde. Carl-Edgar Jarchow hat geglaubt, dass er es mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art richten würde, dass er es so packen würde mit dem HSV, aber das war sein größter Irrglaube.

Zumal er, und das ist Fehler Nummer zwei, nicht der Mann ist, der mal mit der Faust auf den Tisch haut und Tacheles spricht. Nicht dass er dazu nicht fähig wäre, nein, ganz gewiss nicht, er wird auch das können – aber er konnte es mit seinen “Untergebenen”, die für die Bundesliga-Mannschaft des HSV die Hauptverantwortung trugen, nicht. Er konnte zum Beispiel keinem Trainer mehr Fleiß injizieren, Jarchow sah mehr oder weniger tatenlos zu, wie die Herren Trainer nur das machten, was sie wollten, was sie für richtig und die Mehrheit der Experten für grundlegend falsch hielten. Die Trainer machten nicht das, was dieser Club und vor allem diese Mannschaft so dringend gebraucht hätte – und von “oben” sahen die Herren nur zu, auch und genau Carl-Edgar Jarchow.

Ihr werdet Euch noch – sehr unangenehm – an die 2:9-Pleite von München erinnern, vorletzte Saison. Danach stellte sich Carl-Edgar Jarchow vor alle Kameras dieser Welt und sagte mit zusammengekniffenen Lippen (wenn das überhaupt so geht, aber so habe ich es in Erinnerung) und mächtigem Grummeln in der Stimmen und mit ganz bösem, bösem Blick: “Dieses Debakel wird Konsequenzen haben, wir werden am Ende der Saison ganz genau analysieren – und dann dementsprechend reagieren.” Sollte heißen: Köpfe werden rollen, innerhalb der Mannschaft, die so krass versagt hatte. Was blieb aber am Ende (wieder einmal) übrig von diesen Ankündigungen? Nichts. Nur der Trainer wurde gewechselt. Die Spieler durften dem Verein weiter auf der Nase herumtanzen – und Millionen nach Hause abschleppen. Das, was Herr Jarchow angekündigt hatte, war ein Sturm im Wasserglas, dieser sollte die Masse beruhigen – und tat es ja auch im ersten Moment.

Nur: Wenn die Spieler, die ja in der Mehrheit auch große Schlitzohren sind, so etwas mitbekommen, dass große und harte Konsequenzen getätigt werden, aber nie etwas passiert, dann legen die Herren Profis erst recht ihre Füße hoch und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein – und Carl-Edgar Jarchow erst recht. Es ist ja nichts zu befürchten, nicht das Geringste, alles nur heiße, heiße Luft. Wenn überhaupt.

Das sind die Fehler, die ich dem Noch-Boss des HSV ankreide. Er hat es sicher auf seine hanseatische Art niemals böse gemeint, er hat besonders in seiner ersten Zeit wieder für Ruhe im Verein gesorgt, aber ganz sicher wäre es besser gewesen, wenn er auch seinen leitenden Angestellten gegenüber mal etwas energischer aufgetreten wäre. Als Mensch, das muss ich ganz klar sagen, hat mich Jarchow immer überzeugt, da würde ich niemals ein schlechtes Wort über ihn verlieren – deswegen würde ich mir auch wünschen, wenn er diesem und seinem HSV erhalten bliebe, und zwar als der Repräsentant. Und wenn es nicht anders ginge, dann eben nur als Präsident des e.V. Ob er sich diesen Job allerdings noch antun würde? Da habe ich dann doch meine leichten Zweifel.

Welche (glorreichen?) Zeiten nun auf den HSV zukommen könnten, das hat mir einmal mehr das Interview, das die Kollegen der Bild mit dem neuen Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in dieser Woche geführt haben, gezeigt. Gernandt, der es bis zur “rechten Hand” von Milliardär Klaus-Michael Kühne gebracht hat, hat nicht nur angedeutet, wie stramm er in der Führung des HSV mitarbeiten wird. Der Mann gibt eine klare Richtung vor, und ich denke mal nicht, dass er sich auch nur einmal ansatzweise auf der Nase herumtanzen lässt. Gernandt sagt etwas einmal, und dann muss es sitzen, ansonsten wird es Konsequenzen für den geben, der sich nicht nach den Worten des AR-Vorsitzenden richtet. Das ist für mich schon mal nicht nur sehr gut, es ist auch nicht anders durchführbar. Und genau deshalb hat es ja diesen Struktur-Wandel im HSV gegeben. Die Führung gibt die Linie vor, und von außen hat kein Sabbelfreier mehr die Chance, dummes Zeug zum Besten zu geben. Und wenn er es dennoch tut, bleibt es – natürlich – unerhört.

Hinzu kommen wird beim HSV ja auch noch der AG-Vorsitzende, und das wird Dietmar Beiersdorfer. Ich habe mit dem “Didi” gestern gesprochen, es ist im Fluss. Im Moment liegt es eher an Zenit St. Petersburg, wie und wie schnell es gehen kann, es wird demnächst ein Telefonat zwischen Beiersdorfer und seinem Noch-Club geben, eventuell wird der “Didi” auch noch erst nach Russland gebeten – aber ich denke mal, nachdem was alles hinter den Kulissen läuft und schon gelaufen ist, dass Dietmar Beiersdorfer der erste AG-Vorsitzende des HSV werden wird. Und das ist schon mal sehr beruhigend zu wissen, denn er kennt den HSV, kennt das Geschäft und er weiß genau, was Hamburg von ihm erwartet.

Wer dazu, den Posten gibt es ja auch, der Sportchef des HSV wird, ist noch offen. Obwohl ich mich auch da klar festlege: Es wird einen neuen Mann geben. Oliver Kreuzer, wir erinnern uns, hatte von Beginn an beim HSV dem Titel “Drittliga-Manager” zu leben, der ihm von Klaus-Michael Kühne verpasst worden war. Kaum anzunehmen, dass der große Mann im HSV-Hintergrund jetzt nicht seinem Mann, nämlich Karl Gernandt, die Anweisung geben wird, einen neuen Sportchef zu suchen und zu installieren.

Oliver Kreuzer hat ja auch bei einem Teil (ob nun ein großer oder kleiner Teil, das sei dahingestellt) des HSV-Anhanges fast schon jeglichen Kredit verspielt. Ganz sicher gab es auch einige Entscheidungen, die zu kritisieren waren und sind, ganz sicher gab es auch einige unglückliche Äußerungen von Kreuzer, und wie schwerwiegend die in der Summe dann sind, das müssen die “neuen Herren des HSV” nun bewerten. Wobei ich denke, dass sie es schon längst getan haben, es aber nur deswegen noch nicht verkünden, weil sie offiziell ja erst vom 1. Juli an in Amt und Würden sind. Und mit einem neuen Sportchef, der eventuell sogar technischer Direktor heißen wird, steigt weiter die Hoffnung, dass endlich wieder der Leistungs-Fußball in Hamburg Einzug hält.

Und genau das ist der Punkt, dem ich Oliver Kreuzer am meisten ankreide: Der Sportchef sah zu, wie diese Trainer, die Herren Thorsten Fink und Bert van Marwijk, diesen HSV ins untere Tabellendrittel trainierten. Das war unfassbar. Und ich möchte da mal eine Begebenheit zum Besten geben, die sich vor der Saison abgespielt hat. Und zwar am 21. Juli 2013. Telekom-Cup in Mönchengladbach, der HSV hatte gerade das “kleine Finale” gegen Borussia Dortmund mit 0:1 verloren. Da trafen sich zwei Nationalspieler, je einer von den beteiligten Clubs. Wer das war, verrate ich besser nicht, ich weiß es aber, möchte diese Herren nur schützen. Beide unterhielten sich auch über die Torturen der Vorbereitung. Sagte der Dortmunder: “Man, man, man, ich habe vielleicht dicke Beine, der Trainer scheucht uns gnadenlos, so etwas Hartes habe ich noch nie erlebt, das ist fast schon unmenschlich. Laufen laufen, laufen, das zweimal am Tag, mehr ist im Moment nicht, ich weiß nicht, wie lange das noch andauert – und wie lange ich das noch mitmachen kann. Irgendwann werde ich körperlich am Ende sein. Und was macht ihr?” Der HSV-Profi druckste rum, sah sich nach links und rechts und nach hinten um, suchte nach einer Erklärung und übte sich dann in Diplomatie: “Ja, gelegentlich trainieren wir auch zweimal pro Tag . . .”

Genau das war es doch. Genau, genau, genau. Hier wurden die Spieler im Training doch dicker. Was hier unter dem Thema “Vorbereitung” ablief, das war Kindergarten. Ich wiederhole mich da gerne: Kindergarten. Pille-palle. Lächerlich. Und grausam schlecht. Dafür hätte der HSV eigentlich einen Sportchef gebraucht, der ganz klar sagt was Sache ist. Gab es aber nicht. Oliver Kreuzer sah diesem schlimmen Treiben tatenlos zu, anstatt sich mit seinem “Kumpel” Fink zusammenzusetzen und mal Tacheles zu sprechen, dass es so nicht geht. Es musste erst die Entlassung des Trainers kommen, so geht es dann ja eben auch. Vielleicht wäre es auch gegangen, wenn der HSV eine Führung gehabt hätte, die sich einig darin gewesen wäre, dass sie ihrem Trainer mal den Marsch bläst. Nur dazu fehlte den Herren einheitlich der Schneid.

Und, das gebe ich zu, auch uns, den Hamburger Journalisten, die den HSV begleiteten, fehlte diese Courage. Auch mir, ganz klar, ich nehme mich da nicht aus, auch ich sah nur tatenlos und dämlich zu. Da wird in der Oberliga Hamburg ganz anders und viel härter trainiert, das weiß ich, weil ich einige Trainer kenne, die gelegentlich auch bei den HSV-Profis zusahen – und sich schlapplachten. Bei den Bundesliga-Herren wird das Training ja schon seit geraumer Zeit als “höchst wissenschaftlich” verkauft. Geh mir weg mit “wissenschaftlich”, geh mir weg. Ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass ich, so lange ich diesen Job noch machen werde, ich nie mehr wegsehen werde, wenn sich solche gravierenden Missstände wieder einmal auftun sollten. Und wenn ich von dem jeweiligen Trainer jeden Tag was an die Ohren bekomme – ich werde es anprangern. Weil ich von diesem in meinen Augen total unprofessionellen Verhalten die Schnauze gestrichen voll habe. Obwohl ich auch gestehen möchte (und festhalten will): Ich bin nur der kleine Matz, der hier nichts, aber auch absolut nichts zu sagen oder zu entscheiden hat. Also zählt mein Urteil natürlich nicht, ich möchte da nicht auch nur im Ansatz an Selbstüberschätzung leiden – aber bemerkbar werde ich mich trotz allem machen.

Dabei sei noch kurz angefügt, dass in Hamburg wirklich alle Fehler gemacht haben – auch die Fans. Das sollte keiner übersehen, und vielleicht sollte so mancher HSV-Anhänger (Anhängerinnen sind eingeschlossen) doch ganz heimlich und im stillen Kämmerlein Besserung geloben. Es kann doch nicht angehen, dass die eigenen Spieler permanent niedergemacht werden. Es begann, so glaube ich, bei Daniel van Buyten (nach Bekanntwerden seines Bayern-Wechsels), dann war Piotr Trochowski dran, es folgte David Jarolim, dann Dennis Aogo und zuletzt Heiko Westermann. Muss das wirklich sein? Ich denke nein. Bei aller Liebe zum HSV, die eigenen Spieler fertig zu machen, das passt nicht. Auch daran darf getrost zur neuen Saison gearbeitet werden.

Aber zurück zur Kraftlosigkeit der HSV-Mannschaft 2013/14. Alle haben sie es doch gesagt, alle, dass diese HSV-Mannschaft total untrainiert ist. Immer und immer wieder. Passiert ist nichts. Auch innerhalb der Führung nicht. Sie alle sahen zu und schwiegen. Das, jawohl, das ist der schlimmste Fehler, der hier passiert ist. Denn es ging doch um einen Profi-Fußball-Verein, da müssen doch die Angestellten, die hier die Punkte einfahren sollen, fit gemacht werden, sodass sie ihrem Auftrag auch gerecht werden können. Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an die erste Saison, in der es “Matz ab” gab – vor fünf Jahren. Da standen wir mal bei eisiger Kälte im Volkspark und sahen – mit sieben, acht “Matz-abbern” – dem Training zu. Bis “el presidente” mal ganz unaufgeregt in die Runde fragte: “Wann wird hier eigentlich mal Konditionstraining durchgeführt? Ich sehe hier seit Monaten nichts. Machen die das heimlich? Laufen die dann durch den Volkspark, wenn keine Fans da sind? Laufen die vielleicht nachts, in der Dunkelheit?” Gute Frage, aber Antworten hat der gute Benno Hafas darauf nie bekommen. Weil es diese Antwort nie gab – auch in den so genannten Trainingslagern nie. Nie!

Saft und kraftlos waren die Herren in den meisten Spielen. Wenn ich nur an die letzte Partie denke, das in Fürth. Nach dem 1:1 taumelten die HSV-Spieler nur so über den Platz, eine halbe Stunde lang. Schlecht konnte einem davon werden, so etwas zu sehen und erleben zu müssen. Ich hoffe nur, dass die Herren, die dafür verantwortlichen waren (nicht Mirko Slomka!) dass auch gesehen und sich mies dabei gefühlt haben. Hoffentlich, obwohl, mir fehlt der Glaube.

Allerdings bin ich überzeugt davon, dass mit der neuen Führung, dazu Beiersdorfer und der neue Sportchef, hier die Post abgehen wird. Sie müssen doch aus ihren Fehlern gelernt haben. Und wenn dann der jeweilige Trainer nicht so mitziehen will, wie die Führung es sich vorstellt, dann muss eben gehandelt werden. Kontinuität hin, Kontinuität her, es muss hier endlich ein richtiger und absoluter Profi-Verein installiert werden, endlich, endlich, endlich. Wenn ein Trainer wirklich gut ist, dann soll er von mir ein Herrgott sein, aber nur dann. Und hier war schon so lange keiner mehr gut, das ist auch klar.

Denn sonst wären die Spieler, auch die Talente, hier gelegentlich besser geworden, aber nichts da, Pustekuchen. Und wer da vielleicht Heung Min Son als Gegenbeispiel anführen möchte – lass mal stecken. Das war überwiegend der Papa. Der hat seinen Filius trainiert. Mit Ball und ohne. Jeden Tag. Jeden noch so langen Tag. Und auch wenn es da einen Vize-Weltmeister-Trainer gegeben hat beim HSV, der feststellte – und es auch der staunenden (?) Öffentlichkeit verkündete: “Es ist wissenschaftlich längst erwiesen, das einmal Training pro Tag reicht . . . Man kann die Spieler auch kaputttrainieren.” Oha.

Ich habe schon vor einiger Zeit gefragt, ob es wissenschaftlich vielleicht auch längst erwiesen ist, dass zweimaliges Training am Tag nicht schadet? Wenn ich da so an den Herren aus Dortmund erinnern darf, wo zweimal am Tag und tagtäglich gelaufen, gelaufen und gelaufen wurde – es hat dem BVB offenbar nicht sonderlich geschadet. Obwohl, natürlich, der Club von Klopp ist nur Vizemeister geworden. Da war vielleicht doch mehr drin, bei nur einmal Training am Tag.

Es ist beim HSV in diesem Punkt so viel geschludert. Meistens einmal am Tag Bewegung, dann wurde (vielleicht) noch im Kraftraum gearbeitet – das war es. Kaum Standards. Kein Einzeltraining, um gewisse Schwächen abzustellen, oder Stärken noch stärker zu machen. Und wenn ich das schreibe, denke ich sofort an Oliver Bierhoff. Einst bekanntlich HSV-Stürmer und hier gnadenlos gescheitert. Ich habe mich damals schwer getäuscht, weil ich bei seinem Abgang aus Hamburg fest davon überzeugt war: “Den siehst du im großen Fußball nie wieder.” Denkste. Torjäger in Italien ist er noch geworden. Unter anderem deswegen, weil Trainer Alberto Zacceroni bei Udinese Calcio mit ihm Sonderschichten fuhr. Zacceroni hatte bei Bierhoff, der mit 1,91 Meter ja ein großer Kerl ist, eine gravierende Kopfballschwäche festgestellt. Also wurde trainiert, trainiert, trainiert. Der Coach verlangte alles. Früher zog Bierhoff im Kopfballduell immer den Kopf ein, machte sich also kleiner als er ist – und zog meistens den Kürzeren. Unter Zacceroni blühte Bierhoff auf, er “marschierte” dann in den luftigen Duellen immer mächtig durch – und wechselte mit dem Erfolgstrainer dann auch zum AC Mailand.

So geht es eben auch, wenn man sich Mühe gibt, wenn man als Coach etwas erreichen will, wenn einem als Trainer der Verein und die Spieler am Herzen liegen. Hier waren sie zuletzt alle unheimlich bequem, mehr nicht. Und das hätte die Führung erkennen und abstrafen müssen, dann wäre es mit dem HSV nicht so weit gekommen, wie es gekommen ist.

Fehler über Fehler eben. Die vier “Aussortierten” – hat sich das über einen so langen Zeitraum irgendein “Bonbon-Club” erlaubt? Ich kenne keinen, der vier Spieler abschob, obwohl es nur bergab ging. Und dass diese Spieler nicht so schlecht waren, wie sie gemacht wurden, das haben wir in der Endphase der Saison gesehen. Dazu gab es auf dem Rasen keinen Leader, der das Heft mal in die Hand nehmen konnte, um noch etwas zu bewirken. Niemand. Alle gingen sie stets mit unter. Wobei ein Kapitän Rafael van der Vaart schon deswegen eine Fehlbesetzung war, weil er sich einfach zu viele private Eskapaden erlaubte. Zu früheren Zeiten hätte da die HSV-Führung, und wenn es nur der Trainer gewesen wäre, ganz hart durchgegriffen – hier passierte wieder nichts. Dann wurden in der Winterpause mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler geholt, die mindestens ein halbes Jahr keine Spielpraxis mehr hatten. Wahnsinn, wirklich der nackte Wahnsinn Und alle sahen zu! Per Cilian Skjelbred wurde auch abgeschoben, zu Hertha BSC, ketzerische HSVer sagen, weil er dem Trainer zu viel lief! Dass beim HSV eine Doppel-Zehn stets auf der Doppel-Sechs stand, das fiel hier vielen Usern auf, aber keinem Trainer. Ferner stand (oder steht) der HSV in Sachen Marketing an 18. Stelle in Europa. Es müsste also Geld genug da sein, ist es aber nicht. Weil hier seit Jahren das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen wurde. Immer raus damit, wir haben es ja. Und die Aufsichtsräte nickten eifrig und fleißig alles ab. Hauptsache wir bleiben im Amt und bekommen unsere Freikarten . . .

So ließe sich die Liste der groben Fehler sicher noch lange fortsetzen, aber ich lasse es damit jetzt mal bewenden. In der Hoffnung, dass diesmal wahre Experten am Ruder sind, die den HSV wieder aufrichten und zu gewissen Erfolgen führen werden. Darauf hoffe ich, aber ich bin, wie anfangs schon geschrieben, davon auch absolut überzeugt, dass es so kommen wird.

So, und allen jenen, denen ich nun wieder einmal etwas zu forsch auf die Füße getreten bin, bitte ich um Nachsicht. Es musste noch einmal sein. Das war meine General-Analyse von schlechtesten HSV aller Zeiten – ab jetzt nur noch positiv und nach vorne.

Dieter

Abstiegskampf spitzt sich zu – und Kreuzer muss sich gegen Vorwürfe wehren

6. April 2014

Kein Tag ohne Fußball – dachten sich heute auch die beiden HSV-Vorstände Carl Jarchow und Oliver Kreuzer. Die abstiegsbedrohte U 19 des Vereins hatte es an der Hagenbeckstraße mit dem VfL Osnabrück zu tun, dem Tabellenletzten der Bundesliga. Ein Sieg musste her für die Truppe von Trainer Otto Addo, aber das hat nicht geklappt. Trotz zahlreicher Torchancen, vor allem am Ende, hat es nur zu einem 1:1-Unentschieden gereicht.

Dominik Masek hatte den HSV Mitte der zweiten Halbzeit in Führung gebracht, etwa eine Viertelstunde vor dem Ende glichen die Niedersachsen aus. Der Abstiegskampf geht weiter für den HSV – bitter, dass es nicht einmal gegen den Letzten zu einem Sieg gereicht hat. Jonathan Tah spielte solide als Innenverteidiger, im zentralen Mittelfeld versuchte Matti Steinmann, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Das gelang nicht immer richtig gut.

Der Nachwuchs ist eines der Themen, dem sich Sportchef Oliver Kreuzer in Zukunft dringend widmen muss. Was dort alles brach liegt, hat Scholle hier zuletzt bereits deutlich formuliert. In jedem Fall zahlt der Verein nicht nur bei den Profis sondern auch im Nachwuchs die Zeche für Fehler der Vergangenheit.

Für Abendblatt-Blogs


Heute musste sich Kreuzer zudem mit Vorwürfen der Gegenwart auseinander setzen. Es geht um einen Artikel des „Spiegel“, der morgen erscheint. Demnach soll Kreuzer einem Spielerberater gebeten haben, einen Abnehmer für Torwart Rene Adler zu finden. Der Bericht beginnt mit einem angeblichen Gespräch Kreuzers mit einem Berater – Adler (Vertrag bis 2017) könnte doch in der spanischen und englischen Liga angepriesen werden, heißt es.

Oliver Kreuzer wurde heute, konfrontiert mit dieser Meldung, wütend: „Das ist absoluter Blödsinn. Solch ein Gespräch hat es nie gegeben. Warum sollte ich jetzt, mitten im Abstiegskampf, unseren Torwart irgendwo anbieten?“ Vereins-Chef Carl Jarchow ergänzte: „Die Geschichte ist totaler Schwachsinn.“

Dass die Hamburger Mannschaft, insbesondere bei einem immer noch möglichen Abstieg in die Zweite Liga, kommende Saison ein anderes Gesicht haben würde – das ist dabei völlig unstrittig. Egal ob die Spieler nun Verträge für beide Ligen haben oder nicht. Im Unterhaus würde sich das Gesicht des Teams komplett verändern. So viel steht fest.

Dass es soweit nicht kommen muss, hat die Partie vorgestern gegen Bayer Leverkusen gezeigt. Da war Leben und Stimmung in der Bude wie lange nicht. Und der HSV ist dabei, eine neue Führungsfigur zu finden. Es ist Hakan Calhanoglu, der seit Wochen glänzende Leistungen zeigt. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern vor allem wegen seiner kämpferischen Einstellung auf dem Platz. Calhanoglu hat sich dabei in den Monaten seit seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer enorm entwickelt. Am Anfang war er unter Thorsten Fink noch Joker. Manchmal wurde er eingewechselt, wie zum Beispiel beim 2:6 Anfang September in Dortmund, leistete sich Fehlpässe, ohne anschließend hinter dem Ball hinterherzujagen.

Die Mitspieler waren nicht eben gut zu sprechen auf diesen jungen Emporkömmling aus der Dritten Liga, der bislang nur in Karlsruhe zu begeistern wusste und ein allzu großes Selbstvertrauen zu haben schien. Doch unter Bert van Marwijk und erst recht unter Mirko Slomka zeigt sich ein anderen Hakan Calhanoglu. Er spielt nicht für die Galerie oder um seinen Ego-Trip bei Freistößen durchzuziehen. Er rennt und läuft und kämpft und setzt Zeichen im Stadion. Sehr gut, dass Oliver Kreuzer seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert hat.

Kein Wunder übrigens auch, dass die halbe Haupttribüne am Freitag voll war mit Scouts aus Spanien und aus England, die das HSV-Juwel mit dem goldenen rechten Fuß auf dem Zettel haben. Da wird mit ziemlicher im Sommer das eine oder andere Angebot auf den Schreibtischen in der imtech-Arena landen.

Ob der HSV im Fall der Fälle standhalten könnte – das steht wohl in den Sternen, Zweifel sind angebracht. Immer wieder wird ja darüber diskutiert, wie die Arbeit von Oliver Kreuzer denn nun zu bewerten ist. Gute Vertragsabschlüsse (Calhanoglu, Lasogga) und schlechte (van Marwijk, aktuell Djourou) lassen sich für beide Sichtweisen finden.

Klar ist jedenfalls, dass der HSV in dieser Saison unter Kreuzer aber auch wirklich alle Deals, also Käufe, Verkäufe und Leihgeschäfte, unter wirtschaftlichem Zwang getätigt hat. Das ging schon im letzten Sommer los, wo die Verteidiger Sobiech und Djourou geholt wurden, um den Verkauf von Mancienne, Rajkovic und Scharner anzufeuern. Alle drei Großverdiener – hier musste Geld aus dem Gehaltsetat eingespart werden. Das hat nicht geklappt, dazu kamen später die Abfindungen für Arnesen und Fink, so dass Aogo verscherbelt wurde. Lasogga konnte nur ohne Kaufoption geholt werden (schlecht für den HSV), während bei Djourou eine Kaufoption unumgänglich war, um ihn überhaupt zu bekommen (auch schlecht für den HSV – jetzt muss der Verein ihn für einen viel zu hohen Betrag ganz kaufen).

Im Winter lief es ja ähnlich. Irgendwelche Spieler konnten nur geholt werden, ohne dass der HSV wirtschaftlich etwas draufpacken konnte – auf der anderen Seite wurde mit Rudnevs entgegen jeder sportlichen Logik ein dringend benötigter Ersatz für Lasogga abgegeben. Da kann man nicht davon sprechen, dass dieser Verein das Heft des Handelns in den eigenen Händen hält. Natürlich wäre es hilfreich gewesen, wenn die Trefferquote bei Transfers von Oliver Kreuzer näher an den 100 Prozent dran gewesen wäre, als sie es am Ende war.

Wer viel Zeit hat zum Lesen, der konnte sich schon seit gestern durch die 300 Seiten quälen, die der Verein als Grundlage für die Ausgliederung in eine Fußball AG an seine Mitglieder herum geschickt hat. Am 25. Mai wird dort auf der großen Versammlung ja über das Modell nach HSV-Plus-Vorbild abgestimmt. „Das Konzept entspricht eins zu eins unseren Vorstellungen“, sagte HSV-Plus-Frontmann Otto Rieckhoff. In den 300 Seiten stehen allerhand juristische und wirtschaftliche relevante Einzelheiten – für das normale Mitglied kaum zu durchschauen. Eine erste eigene Vereinfachung und Zusammenfassung ist auf der HSV-Plus-Seite nachzulesen.

Viele Grundzüge sind bereits bekannt. Der Profi-Fußball-Bereich bis hinab zur U 16 geht über in die neue Fußball AG. Diese Fußball AG wird gestaltet aus der bereits existierenden (leeren Hülle) Sport AG, die entsprechend umbenannt und mit Leben gefüllt wird. Die Campus-Anleihe geht auf die Fußball AG über. 271 Mitarbeiter des HSV e.V. gegen mit ihren Arbeitsverträgen in die Fußball AG. Sollte HSV Plus und damit die Fußball AG die nötige Dreiviertelmehrheit erhalten, dann würde es bis zur folgenden Versammlung im Januar 2015 eine Übergangsregelung geben.

+++++++++++++
ERGÄNZUNG 19.52 Uhr: Zunächst würde am 25. Mai der neue Aufsichtsrat gewählt. Der aktuelle Vorstand würde gleichzeitig ins Präsidium des e.V. übergehen. Ob der neue Aufsichtsrat der Fußball AG den alten Vorstand des Vereins gleichzeitig als Vorstand der Fußball AG behält, ist offen. Genauso möglich ist, diesen Vorstand ganz oder teilweise neu zu besetzen mit neuen Leuten. Und das ist ja sehr gut möglich.
+++++++++++++

Ganz wichtig wird in diesem Zusammenhang sein, welches Team Rieckhoff für seinen neuen Aufsichtsrat ins Rennen schicken wird. Bis zum 20. April müssen entsprechende Vorschläge eingereicht sein, und vorher will Rieckhoff die Kandidaten noch öffentlich vorstellen. Mit Thomas von Heesen und dem Kühne-Vertrauten Karl Gernandt stehen bereits zwei Namen im Raum.

Die Debatte um die HSV-Reform wird mit Sicherheit in den kommenden Wochen, wenn die Mannschaft noch um den Klassenerhalt in der Bundesliga kämpft, für Schlagzeilen sorgen. Wobei das 2:1 gegen Leverkusen und die sensationelle Stimmung im Stadion schon gleich eine ganz andere Hoffnung hervorgerufen hat. Dass die Lage im Keller der Bundesliga sich jedoch kaum entspannt hat, wird beim Blick auf die Tabelle nach dem 3:0 von Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96 deutlich:
13. Hannover -18 29 Pkt.
14. Freiburg -19 29
15. Stuttgart -13 27
16. HSV -15 27
17. Nürnberg -20 26
18. Braunschweig -22 25

Wie wichtig wäre es jetzt bitteschön, wenn der HSV in Hannover nachlegen und auch diese Partie für sich entscheiden könnte? Einen Weg zum Klassenerhalt hat der Leverkusener Sportchef Rudi Völler heute bei Sport 1 aufgezeigt:

„Wir haben, obwohl wir verloren haben, am Freitagabend eine recht gute Leistung gebracht. Es gab nur einen Grund, warum wir verloren haben: Der zwölfte Mann war das Publikum in Hamburg, aber der Schiedsrichter Herr Dankert war der 13. Mann für Hamburg. Der HSV wird sicherlich den Antrag stellen, ob Herr Dankert nicht noch eines der letzten Spiele pfeifen darf. Dann werden sie nämlich definitiv nicht absteigen.“

Nun wird es wahrscheinlich aber doch wechselnde Schiedsrichter geben und der HSV muss – wie am Freitag – sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das wird zunächst ohne Milan Badelj geschehen, bei dem sich der befürchtete Muskelfaserriss im Oberschenkel bestätigt hat. Damit fehlt er mal ganz sicher in Hannover. Der HSV hofft auf die Rückkehr von Pierre Michel Lasogga, ganz klar.

Morgen wird es noch einmal ruhig werden auf dem Trainingsplatz, ehe Mirko Slomka am Dienstag mit voller Kraft in die Hannover-Woche einsteigen wird.

Schöner Gruß von Lars

Ein Küsschen für den Klassenerhalt – und nächste Saison dann Elfter!

15. März 2014

Mirko Slomka hat es heute wieder recht kurz gemacht beim Abschlusstraining vor diesem so eminent wichtigen Spiel gegen den 1. FC Nürnberg. Nach den intensiven Einheiten unter der Woche waren die Profis heute keine ganze Stunde auf dem Trainingsplatz. Aufwärmen, Passübungen, ein Spielchen (mit einigen Toren von Jacques Zoua) – das sollte dann auch genug sein.

Angedacht und angekündigt war diese Einheit einmal als Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Rund 150 Fans waren trotzdem dabei, und Mirko Slomka tat ihnen den Gefallen, nicht im abgesperrten Bereich zu üben sondern frei sichtbar. Und die Stimmung war gelöst, zum Trainingsbeginn flog ganz legal eine Leuchtkugel in die Luft, bei einem sehenswerten Treffer von Rafael van der Vaart gab es Applaus auf offener Szene. Ebenso wurden die Spieler am Ende des Trainings mit Beifall verabschiedet.

Dabei kam es dann auch zur Szene des Tages. Stürmer Zoua, der vor ein paar Wochen im Zusammenhang mit den Fan-Protesten nach dem Hertha-Spiel weinend in die Kabine gegangen war, bekam heute einen dicken Kuss auf die Wange. Gelächter von allen Seiten, Zoua fand die Geste prima und strahlte übers ganze Gesicht.


Und genau so wollen alle Fans den Kameruner ja auch morgen Nachmittag nach einem erfolgreichen Spiel gegen den 1. FC Nürnberg sehen. Nach den Ergebnissen heute wäre das umso wichtiger. Es ist wahr: Gewinnt der HSV gegen die „Clubberer“, dann verbessern sich die Hamburger auf Platz 14 – schnurstracks an Stuttgart und Nürnberg vorbei. Das wäre eine angenehmere Ausgangsposition vor der Partie am Neckar und beim ehemaligen HSV-Coach Huub Stevens am kommenden Sonnabend. Gut schon einmal: Martin Harnik hat sich in Bremen die 5. Gelbe Karte eingefangen und wird gegen den HSV fehlen.

So könnte der HSV gegen Nürnberg spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Calhanoglu, Badelj, Arslan, Ilicevic – van der Vaart, Zoua.

Schon hinter sich hat die Regionalliga-Mannschaft des HSV ihre Wochenende-Schicht. Es ging wieder einmal daneben. 0:1 zu Hause gegen den SV Meppen – die Abstiegssorgen werden immer größer. Dabei ist die Truppe von Rodolfo Cardoso aber auch mit dem letzten Aufgebot angetreten. Auf der Bank saß nur ein Spieler, und der kam auch noch aus einer längeren Verletzung. Cardoso musste drei weitere Jungs bei der A-Jugend lassen, die ebenfalls in Abstiegsgefahr schwebt. Routinier Fabio Morena fehlte wegen Rot-Sperre, der andere „Alte“ Patrick Owomoyela war für „Sky“ im Einsatz. Schlechte Bedingungen für ein erfolgreiches Spiel.

Kommen wir zu einem anderen Thema. Maximilan Beister hat heute zur Eröffnung geladen einer neuen Einrichtung in Eimsbüttel. Mit Fußball hat das Projekt „Immerschlau“ gar nichts zu tun. Beister unterstützt eine Nachhilfe-Einrichtung in der Schwenckestraße. Schüler und Kinder allen Alters, aller Klassen und aller Schulformen können sich an „Immerschlau“ wenden, wenn sie Nachhilfe oder Lernförderung haben möchten. Infos könnt Ihr unter www.immerschlau.de nachlesen.

Gerade in der Jugend und in der U-23-Mannschaft in der Regionalliga beobachtet Beister, wie er sagte, Kollegen und Mitspieler, die sich nur auf den Fußball stürzen. „Fußball ist aber nicht alles. Eine Ausbildung ist wichtig.“ Daher sein Engagement bei „Immerschlau“, das einfach nur zu loben ist.

Was seine Verletzung angeht, ist Maxi Beister aktuell sehr zufrieden. Im Januar hatte er sich im Trainingslager in Abu Dhabi das Kreuzband gerissen. „Mittlerweile mache ich erste Übungen und man erkennt meinen Oberschenkelmuskel bereits wieder, der zwischenzeitlich verschwunden war“, berichtet Beister. Wassergymnastik um die Kniescheibe in Bewegung zu bringen – das steht kurzfristig auf seinem Plan. Einen großen Teil seiner Reha wird Beister in Düsseldorf absolvieren. Monatelang immer an einen Ort zu pilgern, das sei im zu monoton, so Beister. Abgesehen davon fliegt er zwischendurch immer wieder zu Nachuntersuchungen nach Augsburg, wo er operiert wurde.

Für die Partie morgen gegen Nürnberg sieht auch Beister die große Bedeutung. „Es ist ein sehr wichtiges Spiel. Wir müssen als Männer kämpfen und zusammen stehen. Die elf auf dem Rasen, dazu sieben Ersatzspieler und 50.000 im Stadion müssen gemeinsam alles tun für den Erfolg.“ Das werde am Ende auch gelingen, davon ist Maxi Beister überzeugt. „Wenn ich wieder auf dem Rasen stehe, dann möchte ich das gern in der Ersten Liga tun.“

Zu guter letzt das leidige Thema Geld beim HSV. Am Freitag mussten alle Bundesligisten ihre Lizenz-Unterlagen für die kommende Saison bei der DFL einreichen – für die Erste Liga wohlgemerkt. Die Zahlen für die eventuelle Zweite Liga müssen am 1. April in Frankfurt vorliegen.

Nach den desaströsen wirtschaftlichen Ergebnissen der vergangenen Jahre wurden die Planzahlen nun erheblich nach unten angepasst. Der Jahresumsatz wird zurückgehen, der Aufwand für den Spielerkader soll endlich unter die seit Jahren avisierte Grenze von 40 Millionen Euro fallen. Dazu müssen natürlich weitere Spieler gehen. Mit Aogo und Rudnevs sind zuletzt schon zwei weitere teure Spieler von der Payroll gestrichen worden, wobei Hannover 96 seine Kaufoption für den lettischen Stürmer Rudnevs erst noch wahrnehmen muss.

Dass weitere Spieler folgen werden, die den HSV verlassen, ist ein offenes Geheimnis. Dazu kommt nämlich, dass der sportlich wankende HSV der DFL nicht noch einmal solch eine utopische sportliche Zielvorgabe wie diese Saison (Platz 6) anbieten kann. Für 2014/2015 plant der Verein nur noch mit Platz 11 und dem Erreichen der zweiten Runde im DFB-Pokal.

Natürlich haben die beiden Trainerwechsel dieser Saison dem HSV zusätzlich geschadet. Nicht nur sportlich, auch finanziell. Im Zusammenhang mit Bert van Marwijk hatte das Abendblatt zuletzt exklusiv berichtet, dass im Vertrag des Niederländers eine Millionenprämie für den Nichtabstieg verankert ist. Wie aber verhält es sich jetzt mit dieser Prämie, da van Marwijk nicht mehr da ist und Mirko Slomka das Zepter übernommen hat?

Generell gelten Prämienvereinbarungen beim HSV, egal ob es sich um Auflauf-, Punkt-, oder wie auch immer geartete Erfolgsprämien handelt, nur bis zu dem Zeitpunkt einer eventuellen Freistellung. Entsprechend soll, das sind meine Informationen, auch der Vertrag mit Bert van Marwijk gestaltet gewesen sein. Das heißt: van Marwijk hat zwar Anspruch auf sein Grundgehalt bis 30. Juni 2015, nicht aber auf die vereinbarte Nichtabstiegsprämie.

Dies würde den HSV natürlich entlasten. Im Übrigen hat es noch keine gesonderte Einigung zwischen dem Verein und dem Ex-Trainer gegeben, die die Höhe der Abfindung endgültig regelt. Wie auch bei Frank Arnesen und Thorsten Fink ist es das Bestreben des Vereins, nicht die volle Restsumme von mehr als 1,5 Millionen Euro an Bert van Marwijk auszuzahlen.

Morgen nach dem Spiel melden sich Dieter und Scholle bei Euch mit „Matz ab live“. Ein Gast steht fest, es ist der ehemalige Aufsichtsrat und Top-Volleyballer Frank Mackerodt. Außerdem wird noch ein Ex-Profi des HSV erwartet, lasst Euch überraschen.

Bis denn – alles für die drei Punkte!
Lars

Werder heizt die Derby-Woche an!

24. Februar 2014

Derby-Woche im Norden! Das ewige Duell mit dem SV Werder steht vor der Tür. Es ist das 100. in der Bundesliga, und noch immer ist es möglich, dass es zunächst das letzte bleiben wird. Beide Teams stehen in der Nähe der Abstiegsränge – und ich lese die Tabelle so: gewinnt der HSV am Sonnabend im ausverkauften Weserstadion, steht er vor Werder. Ganz einfach!

In Bremen reden sie sich langsam schon heiß auf dieses Spiel. Trainer Robin Dutt sagte: „Ich bin froh, dass ich beim richtigen Nord-Verein angestellt bin.“ Cedrick Makiadi ergänzte: „Der HSV kommt mit breiter Brust, aber wir wollen die drei Punkte.“ In ganz Bremen werden derzeit Plakate geklebt: „1. März – 100. Derby – Scheiß-HSV!“ Klare Ansage aus Bremen, alles andere hätte überrascht.


Hier geht’s zur mobilen Version

Beim HSV war heute mal wieder ein Montag in relativer Entspannung. Das gab es dieses Jahr noch gar nicht. Einige Profis haben sich trotz des trainingsfreien Tages am Stadion eingefunden, um in den Kraftraum zu gehen oder sich behandeln zu lassen. Rafael van der Vaart, Jaroslav Drobny, Zhi Gin Lam und Ivo Ilicevic nutzten das Angebot des Vereins. Gut für den HSV: Dennis Diekmeier ist nach überstandener Magen-Darm-Grippe heute schon wieder gelaufen. Er sollte in Bremen zur Verfügung stehen.

Ob er von Trainer Mirko Slomka auch eine Chance erhält, steht dann auf einem anderen Blatt. Natürlich ist er der gelernte Rechts-Verteidiger im Gegensatz zu Heiko Westermann, aber nach dem gelungenen Auftritt der gesamten Mannschaft ist es nicht ausgeschlossen, dass Coach Slomka keine Änderung vornehmen wird. So gut kennen wir den Mirko in Hamburg ja noch nicht, deswegen müssen wir uns überraschen lassen, wie er in Aufstellungsfragen denkt.

Das betrifft auch die Position des Spielgestalters. Lothar Matthäus hat ja kein gutes Haar gelassen an Rafael van der Vaart und ihn als „Zumutung“ für den HSV bezeichnet. Die Wortwahl ist sehr hart, wobei sich van der Vaart in seiner exponierten Rolle derartige Kritik gefallen lassen muss. Was ihn betrifft bleibt es aber bei der bekannten Beurteilung: Rafael van der Vaart ist kein Leader, der durch seine Persönlichkeit einer wankenden Mannschaft Halt verleiht. Das war er nie, wird er nie sein. Er blüht mit dem Team auf bzw. kann durch Einzelaktionen begeistern. Sieben Tore und sechs Assists in dieser Saison – ist diese Bilanz auch eine Zumutung? Mirko Slomka wird van der Vaart sicher bringen, sofern der Niederländer fit ist. Und dann gilt es für den „kleinen Engel“ wieder einmal, Kritikern entgegenzutreten – vielleicht schon in Bremen.

Nach einigen Wochen relativer Ruhe hat sich heute wieder Otto Rieckhoff zu Wort gemeldet mit seiner Initiative HSV-PLUS. Die entsprechende Veröffentlichung könnt Ihr unter www.hsv-plus.de nachlesen.

Aufhänger waren zum einen die sportliche Situation und der Hoffnungsschimmer, der durch das 3:0 gegen Borussia Dortmund entstanden ist. Zum anderen ist ja nun festgelegt worden, dass die entscheidende Vereins-Versammlung, auf der über HSV-PLUS abgestimmt wird, am 25. Mai abgehalten wird. Ausgerechnet am Jahrestag des Triumphs von Athen 1983.

„Wir werden auf jeden Fall am 26. Mai handlungsfähig sein“, verspricht Otto Rieckhoff für den Fall, dass sein Modell die nötigen 75 Prozent der Stimmen erhält. Das heißt: Schon am Tag der Versammlung soll – wenn HSV-PLUS beschlossen ist – ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden. Im Hintergrund arbeitet Otto Rieckhoff mit seinem Team an der Umsetzung und auch an der personellen Planung, zu der er allerdings noch keine konkreten Angaben machen möchte.

Wie genau das Procedere eines kompletten Vereins-Umbaus hin zur Schaffung einer Fußball-AG funktionieren wird, ist ein Thema der Vorbereitung in den nächsten Monaten. „Uns schwebt auch eine Übergangsregelung in einigen Bereichen vor, die bis zu sechs Monate dauern soll“, erklärt Rieckhoff.

Beschlossen ist, dass die Versammlung am 25. Mai eine ordentliche und keine außerordentliche sein wird. Das hat unter anderem den Vorteil, dass im Juni oder Juli nicht noch einmal eine derart große Veranstaltung abgehalten werden müsste. Etwas voreilig scheint allenfalls die Ankündigung von HSV-PLUS zu sein, dass der Ausgliederungsantrag nach Vorabsprache mit dem Vorstand schon fix als Tagesordnungspunkt eins abgehandelt werden muss. Erst im April wird die endgültige Tagesordnung stehen, und die Mitgliedschaft hat auf der Versammlung selbst – wie immer – das Recht, einzelne Punkte nach vorn oder nach hinten zu schieben. Wie auch immer: Im Laufe des 25. Mai werden wir alle Klarheit erhalten, wohin der Weg des HSV strukturell führt, erste personelle Entscheidungen werden auf den Weg gebracht (auch wenn HSV-PLUS scheitert, denn dann muss ja der „alte“ Aufsichtsrat neu gewählt werden).

Idealerweise steht an diesem Tag oder kurz danach der neue Vorstand der HSV Fußball AG, damit die Aufgaben der Zukunft ohne Verzögerung angegangen werden können. „Stallgeruch“ ist hier das Zauberwort. Die Namen Thomas von Heesen und Holger Hieronymus in einer Funktion beim HSV zu nennen, geht sicher über reine Spekulation hinaus.

Aber das ist ja auch genau das, was die überwiegende Zahl der HSVer will. Vereins-Verbundenheit, die über jeden Zweifel erhaben ist, kombiniert mit Kompetenz im Fußball-Geschäft. Die jeweilige Vita der genannten Herren ist bekannt. Ich weiß, dass es viele Skeptiker gibt, die die schwächeren Seiten dieser Lebensläufe betont. Hieronymus schon einmal gescheitert als Manager des HSV, zum Beispiel. von Heesen ohne große Erfolge in seiner gesamten Karriere nach dem aktieven Profi-Fußball. Mag sein, aber im Team gemeinsam für den Erfolg des HSV – das ist ein anderer Ansatz dieser HSV-Größen. Denn ds sind sie unbestritten.

Insbesondere auf wirtschaftlicher Ebene gibt es ja erhebliche Schwierigkeiten, die bedacht werden müssen. Bis zum 15. März muss der Verein seine Lizenzanträge für die erste und für die zweite Bundesliga bei der DFL einreichen. Erhebliche Mehrarbeit ist somit garantiert. Das betrifft vor allem den Fall, dass der HSV tatsächlich absteigt. Durch den Erfolg gegen Borussia Dortmund ist der Kreis derer, die dieses Schreckenszenario befürchten, sicher etwas kleiner geworden. Aber an der Verpflichtung, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ändert das für die Vereinsführung nichts.

„Wir müssen hart arbeiten für unsere Sponsoren“, sagt Marketing-Vorstand Joachim Hilke. Wer sich in etwa vorstellen möchte, wie die Einnahme-Situation im Unterhaus aussehen würde, für den haben die Vermarkter beim HSV eine Faustregel. Etwa 40 Prozent Mindereinnahmen hätte der Verein in der zweiten Liga. Diese Zahl kann variieren, je nach Reaktion der Sponsoren, VIP- und Logenkunden des HSV. Es gibt Verträge, die eine Staffelzahlung je nach Ligen-Zugehörigkeit vorsehen, andere Vereinbarungen sind nur für die erste Bundesliga getroffen worden.

Der Trainerwechsel und seine Kosten sowie die schlechte sportliche Situation trüben die Bilanz überdies. In diesem Zusammenhang ist die Vertragsgestaltung für Bert van Marwijk aus meiner Sicht unverantwortlich. Sie ermöglicht dem Niederländer, für fünf Monate Arbeit vier Millionen Euro zu kassieren. Das geht gar nicht – aber weil sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat dieses Paket abgesegnet haben dürften, müssen die Mitglieder am 25. Mai als oberste Instanz hier insistieren.

Schlecht sieht es auch bei den Zahlen aus dem aktuellen Fernsehtopf aus. In der vergangenen Saison hat der HSV laut vorliegender Bilanz 24,7 Millionen Euro eingenommen für die „Verwertung medialer Rechte“. Der überwiegende Teil daraus bezieht sich auf die Fernsehgelder. Vor dieser Saison hatte der Verein mit 28,7 Millionen Euro Einnahme geplant – das entspricht Platz sechs in der Fernsehtabelle. Zwischenzeitlich wurde diese Annahme auf Rang zehn reduziert – sollte der HSV allerdings dort bleiben, wo er heute ist, stünde er in der Fünfjahresrangliste TV-Gelder nur an zwölfter Stelle. Einnahme: lediglich 22,4 Millionen Euro. Mit anderen Worten: gegenüber der ursprünglichen Planung ergäbe sich eine Mindereinnahme von sechs Millionen Euro. Das ist ärgerlich, denn in seiner Saison-Prognose hatte der HSV noch geschrieben: „Es wird von einer positiven Umsatzentwicklung ausgegangen, die unter anderem auch von höheren Erlösen aus der Verwertung medialer Rechte in der neuen Rechteperiode beeinflusst wird.“ So wird es nun wohl nicht kommen, wobei theoretisch auch noch eine positive Entwicklung möglich ist. So könnte der HSV in der TV-Fünfjahreswertung die davor platzierten Freiburg, Stuttgart und Nürnberg noch schlucken. Drei zusätzliche Millionen würde dies bringen. Die Webseite www.fernsehgelder.de gibt eine gute Übersicht der gesamten Staffelung.

Weil von den Spielern, die abgegeben werden sollten, nur ganz wenige wirklich gingen, ist auch das Gehaltsniveau nicht so stark reduziert worden wie gewünscht – abgesehen von fehlenden Ablösesummen. Immerhin: Aogo, Rudnevs, Skjelbred und Kacar stehen nicht mehr auf der Gehaltsliste des HSV. Die Ablöse für Aogo fällt rechnerisch allerdings erst ins kommende Jahr. Und die leicht rückläufigen Zuschauerzahlen in der Bundesliga stehen der hohen Einnahme für den DFB-Pokal gegen Bayern München entgegen.

Unterm Strich wird es ziemlich sicher ziemlich eng mit der Schwarzen Null – vorsichtig ausgedrückt. Und natürlich verengt das auch jetzt schon den Spielraum für die kommende Saison. Doch weiter voraus schauen will ich jetzt nicht. Es gibt zu viele Unbekannte in der Rechnung. Kühne ja oder nein, HSV-PLUS und so weiter.

Kleiner Hinweis am Ende für Schuh-Fetischisten: der Fußball-Schlappen von Hakan Calhanoglu wird auf www.stylekicker.de verlost. Kleiner Schönheitsfehler: es handelt sich nicht um das Schuhwerk, dass Hakan beim Sensations-Tor gegen Dortmund getragen hat, sondern beim 0:5 im Pokal gegen die Bayern…. Aber auch das Spiel hatte ja irgendwie Kult-Charakter.

Zu schlechter letzt die Hohlheit des Wochenendes (sid):

Während der Schweigeminute für den verstorbenen Kult-Masseur Hermann Rieger vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV vor der Partie gegen Borussia Dortmund (3:0) ist es am Samstag offenbar zu einem Zwischenfall gekommen. In der stillen Andacht habe ein Mann aus dem Fanblock des BVB «Sieg Heil» gerufen. Das berichtete Spiegel online. Der Mann wurde daraufhin von Ordnungskräften des Stadions verwiesen. Bei der Aufnahme seiner Personalien soll der Mann den Vorfall bedauert und von einer Dummheit gesprochen haben. Es wurde Strafanzeige erstattet. Der mutmaßliche Täter war offenbar alkoholisiert. Dem Mann droht neben dem juristischen Ärger zudem ein bundesweites Stadionverbot.

Morgen ist wieder eine Doppel-Trainingseinheit angesetzt. Mirko Slomka macht keine Pause – um 10 und um 15 Uhr geht es rund am Stadion.

Und noch zwei TV-Hinweise für den Abend: gleich sitzt Jürgen Hunke auf dem roten Sofa bei DAS! Im NDR-Fernsehen, und Jens Meier, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, schließt seine Medien-Tage mit einem Besuch bei „rasant“ auf Hamburg 1 ab.

Bis nächstes Mal
Lars

Kurze Ergänzung, ich hoffe Lars verzeiht es mir (DM):

>
> Lieber Dieter, lieber Scholle!
>
> Ich bin ein junger Leser (15) eures Blogs und verfolge ihn regelmäßig. Eure Beiträge sind (meistens) echt erste Sahne und sprechen vielen HSV-Fans aus dem Gewissen!
>
> Ich habe hier ein Gedicht für euch, welches herrlich zu dem HSV generell und speziell zum Spiel HSV gegen Dortmund passt. Es ist von einem Freund von mir und wir sind beide HSV-Fans fürs ein Leben lang!
>
> Hier das Gedicht:
> _______________________________
>
> “Und wieder ist es nun soweit
> Die Hamburgflagge steht bereit
> Samstagmittag, Bundesliga
> Bin schon jetzt im Fussballfieber.
>
> Heut zu Gast der BVB
> Ich weiß schon jetzt gleich tut es weh
> Denn Hamburg spielt seit langen Zeiten
> Unter seinen Möglichkeiten.
>
> Mein Herz schlägt schwarz, weiß und blau
> Mein Herz schlägt für den HSV
> Auch wenn wir noch so grottig spielen
> Werd’ ich niemals anders fühlen.
>
> Doch die Hoffnung stirbt zuletzt
> Denn es zählt das hier und jetzt
> Nach den ersten zehn Minuten:
> Mein Herz beginnt schon jetzt zu bluten
>
> Dortmund ist uns überlegen
> Kann mich vor Spannung nicht bewegen
> Doch zur Pause steht’s zum Glück
> 1:0 für uns, verrückt.
>
> Der Trainerwechsel scheint’s zu bringen
> Doch ich muss nun um Fassung ringen
> 2:0 Tor durch Lasogga
> Das ist unser Dortmundschocker.
>
> Calhanoglu kurz vor Schluss
> Mit einem megageilen Schuss
> 3:0 durch Freistoßtor
> Wir rücken auf Platz 16 vor.
>
> Nach diesem hochverdienten Sieg
> Träum’ ich von der Champions League
> Der Abstieg ist kein Thema mehr
> Ich bin heut glücklich und zwar sehr.
>
> Mein Herz schlägt schwarz, weiß und blau
> Mein Herz schlägt NUR FÜR DEN HSV.
>
> Gez. Tilo Moos (Künstlername)

Vielen Dank, Thilo, man kaann erkennen, dass Ihr sehr große HSV-Fans seid.

Und kurz noch in eigener Sache:

Sehr geehrter Herr Ditschi Ripp,

Sie haben natürlich Recht, ich durfte mich nicht bei den vielen Fans, die um Hermann Rieger so beeindruckend getrauert haben, bedanken, das ist natürlich einzig der Familie von Hermann Rieger vorbehalten, es tut mir leid, dass ich hier vorgeprescht bin, das war wirklich eine große und unpassende Anmaßung – ich nehme hiermit alles zurück.

Aktualisiert: Tesche-Wechsel geplatzt! Und: Horst Heese: “Die verstecken sich alle!”

31. Januar 2014

******ACHTUNG, WICHTIG!*****
Manchmal muss man sich ehrlich schämen. Da erreicht mich heute Vormittag die Nachricht, dass Eva mit fiesen, beleidigenden Mails bombardiert wird. Von dem einen war das zu erwarten. Aber dass es da mehrere gibt, kann ich nicht fassen. HSV-Fans beleidigen sich untereinander? Weil Eva sich mit fremden Federn schmückt?

BITTE?!?! GEHTS DENN NOCH??

Es steht in diesem Blog für alle nachlesbar, dass Eva mich bat, den Brief, den sie ebenso wie ich für eine sehr gute Sache halten, zu veröffentlichen. Für diesen Tipp war ich Ihr dankbar, daher habe ich sie im Blog nur zu gern erwähnt. Mit keinem einzigen Wort aber haben weder Eva noch ich jemals behauptet, der Brief sei von ihr verfasst. Also, bitte: Erst lesen, kurz drüber nachdenken – und dann kommentieren. Danke. Und entschuldige bitte, Eva!

************************************

Es war in dieser Saison 1989/90, als der HSV am 29. Spieltag auf dem vorletzten Platz der Bundesliga rangierte. Damals trugen Spieler wie Richard Golz, Carsten Kober, Hans-Werner Moser, Dietmar Beiersdorfer, Ditmar Jakobs (neun Spiele lang), Holger Ballwanz, Thomas von Heesen, Armin Eck, Harald Spörl, Michael Schröder, Detlev Dammeier, John Jensen, Jan Furtok, Andreas Merkle, Nando und Oliver Bierhoff die Raute auf ihrer (Trikot-)Brust. Trainer waren Willi Reimann, der nach 21 Spielen von Gerd-Volker Schock abgelöst wurde. Und es gab einen HSV-Spieler namens Sascha Jusufi. Der kam eines Tages nach dem Training in Ochsenzoll laut fluchend und schimpfend aus der Kabine. „Was ist los, Sascha?“ Der Mittelfeldspieler: „Das ist mir alles zu lasch hier, es krempeln nicht alle die Ärmel auf. Das habe ich mal etwas lauter gesagt, denn ich habe keine Lust, auf jener Spieler-Liste zu stehen, die den HSV erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte haben absteigen lassen. Ich erwarte von jedem, dass er nun einen Schlag mehr reinhaut, wir müssen endlich kämpfen, kämpfen, kämpfen. Wir müssen uns mit allen Mitteln gegen den Abstieg wehren. Mit allen Mitteln.“

Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Der HSV hielt bekanntlich doch noch die Klasse, lief noch auf Rang elf ein, fünf Punkte Vorsprung auf den vorletzten Tabellenplatz. Das war knapp. Und glücklich. So wie in der Saison 1972/73. Da taumelte der HSV monatelang auf dem letzten und vorletzten Platz herum, dann durfte doch noch gefeiert werden (den Nicht-Abstieg), denn dank „Retter“ Horst Heese lief der HSV noch auf Platz 14 ein. Drei Punkte vor einem Abstiegsplatz!

Mit Horst Heese sprach ich heute über den heutigen HSV, den er – in Ost-Belgien wohnend – immer noch sehr genau verfolgt. Drei Spiele seines Ex-Clubs hat er live im Stadion gesehen, die anderen im Bezahl-Fernsehen. Horst Heese (70) über seine derzeitige Stimmungslage: „Ich habe enorme Angst vor dem Abstieg des HSV, muss man doch. Weil keiner Verantwortung übernimmt, da schwimmen alle nur im seichten Gewässer mit, keiner geht nach vorne und reißt die anderen mit – Motto: ‚Jetzt geht es rund!’ So einen Mann sehe ich weit und breit nicht beim HSV – leider. Die verstecken sich alle. Alle.“

Können aber diese HSV-Profis, die nun den Karren aus dem Dreck ziehen sollen, noch das Kämpfen lernen? Heese: „Aber natürlich. Es geht doch innerhalb des Clubs um viele Arbeitsplätze dafür muss doch gekämpft und geackert werden. Obwohl die Spieler heutzutage ja gar keine Existenzängste haben müssen, die steigen ab und haben innerhalb von wenigen Tagen einen neuen Verein. Selbst die schlechtesten Spieler finden wieder einen neuen Arbeitgeber – das macht mich oft fassungslos.“

Woran aber liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV so abgestürzt ist? Horst Heese: „Das liegt einzig und allein an der Zusammenstellung des Kaders. Da ist arglos gehandelt worden, da wurden sich von irgendwelchen Spielervermittlern Leute aufs Auge gedrückt worden, die gar nicht zusammenpassen. Diese Jungs arbeiten doch nicht zusammen, da ist jeder froh, wenn der Ball, weg ist. Jeder verdrückt sich so schnell er nur kann – furchtbar.“ Heese weiter: „Es gibt in diesem Team ja auch keine Hierarchie. Wenn ich da an den Kapitän Rafael van der Vaart denke, der hat mehr mit seinen Frauen als mit Fußball zu tun. Dabei hat der die Marschrichtung vorzugeben. Passiert aber nicht.“

Heese ging damals als Zugang gleich voran. Mit Leistungen, und auch verbaler Natur. Er sagt: „Da musste erst einmal in der Mannschaft aufgeräumt werden. Wir hatten Klasse-Spieler, aber es gab keine Spannung. Da habe ich dann einigen Jungs mal die Köpfe gewaschen – und dann ging es. Da ging es auch im Training zur Sache, da haben dann einige gespürt, wie es ist, wenn man zur Sache kommt. Und so sprang der Funke dann über.“

Auch taktisch ist der HSV schlecht aufgestellt. Heese: „Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind viel zu groß, die Viererkette steht zu weit auseinander, der Abstand zwischen der Viererkette und den anderen Mannschaftsteilen ist zu groß – da kann jeder Gegner schön bequem aufspielen, da wird kaum einer gestört. Das sind elementare taktische Fehler, und ich kann mir auch gut vorstellen, dass daran gar nicht gearbeitet wird . . .“ Einmal Training am Tag. Wissenschaftlich erwiesen, dass das reicht – so der Trainer Bert van Marwijk. Und lieber mal nur einmal am Tag, dafür aber intensiver – so der Sportchef. Wobei „intensiver“ ja dehnbar ist. Horst Heese: „Ich habe gelesen, dass die Spieler einen zu großen Druck verspüren, jetzt muss man mir nur noch was vom Bio-Rhythmus erzählen, dann falle ich tot um. Die Spieler sollten sich mal andere Sportler ansehen, was die für einen Druck haben, dann wissen sie, woran sie noch zu arbeiten haben.“

Sportchef Kreuzer hatte zu Jahresbeginn darüber philosophiert, dass der Trainer seine Spieler künftig „härter anfassen“ wird. Aber denkste! Es wird weiter gepudert und mit Pampers gearbeitet. Heese: „Ich will gar nicht von früher sprechen, darüber lachen die Jungs ja heute nur, obwohl wir auch Fußball gespielt haben. Wir haben aber einst sieben Mal die Woche trainiert. Da ging dienstags die Post so etwas von ab, da waren die Zehnkämpfer Wanzen dagegen. Mensch, was will man in zwei, drei Einheiten trainieren? Da vergeht allein durch das Aufwärmen schon eine halbe Stunde. – Wahnsinn alles.“

Horst Heese über dieses Übel: „Diese Laschheit ist tödlich. Und das sieht man ja auch, diese HSV-Mannschaft hat ja nichts drauf. Die Spieler können gar kein Pressing spielen, die pumpen doch gleich . . . Man kann doch nicht immer nur die weiche Welle fahren. Die müssten Kilometer machen, die müssten rennen bis die Hacken brennen.“

Denkt Horst Heese an das morgige Spiel, dann wird ihm schlecht. Er glaubt an nichts Gutes mehr. „Wenn da morgen keine richtige Ansprache kommt, dann ist dieser Club zum Tode verurteilt. Da kann man den HSV lieben, da kann man HSV-Fans sein, da kann man dem HSV die Daumen drücken – wenn da keine vernünftige Absprache kommt, dann wird sich nichts ändern. Schluss, aus. Entweder ändert sich der Trainer, aber der verdrückt sich hinterher nach Holland und hat nichts mehr mit dem HSV zu tun. Dann ist das Thema für ihn erledigt. Er nimmt das Geld, und weg. Nach mir die Sintflut.“ Heese weiter: „Da hat auch die Führung des HSV versagt, denn da wurden und werden Trainer genommen, die einfach nicht passten. Wie zuletzt Thorsten Fink, der kommt zu einem Verein wie den HSV und hat keine Erfahrung. Schlimm.“

Zum Thema Umbruch hat Horst Heese auch noch seine persönliche Meinung: „Der HSV hat, durch den ganzen Chelsea-Mist, zwei Jahre an Aufbau-Arbeit verloren. Die Spieler aus London haben Plätze besetzt, die der HSV mit Amateuren hätte besetzen können. Das wäre besser gewesen. Zwei Jahre Aufbau-Arbeit sind verloren, dank Frank Arnesen. Dabei gibt es doch Spieler, die es könnten, die muss man nur suchen. Bei HSV aber wurde die bequeme Tour gefahren. Ein Toni Kroos oder ein Bastian Schweinsteiger sind doch auch nicht vom Himmel gefallen. Man muss aber schon suchen, in den Schoß fallen einem solche Talente nicht. Aber beim HSV denken sie schon seit Jahren so, das zieht sich durch den Club wie ein roter Faden. Da müsste meiner Meinung nach mal zusammengefegt werden – und dann müssten Köpfe rollen. Wobei ich nicht vom Vorstand spreche, da gibt es genügend andere Leute, die nichts machen oder nichts können.“

Wie wahr. Und genau deswegen zittern wir nun alle – wieder einmal um den HSV.

Ich gebe aber heute zu, dass ich seinerzeit, als es wieder einmal eine Minute vor Zwölf war, und zwar am 31. Januar 2007, so fest mit dem Abstieg des HSV gerechnet habe, wie vielleicht noch nie. Das erste Spiel des Jahres endete 1:1 in Bielefeld, dann gab es ebenfalls ein 1:1 zu Hause gegen Cottbus. Das war für mich das Ende – Abstieg. Thomas Doll wurde entlassen, es kam Huub Stevens. Der Retter. Der ließ die Null stehen – und gewann dann auch häufig. Ich habe es oft genug geschrieben: Stevens ist nicht mein Freund, wird es auch nie – aber für diese Leistung hätte man ihm eigentlich ein Denkmal setzen müssen. Neben dem Uwe-Seeler-Fuß. Und wer wird in diesem Jahr der Retter des HSV? Ich sehe noch keinen einzigen. Weit und breit nicht. Ich habe nur Angst. Und die ist längst so groß, wie im Januar 2007 – oder sogar noch größer. Ich gehe vom Schlimmsten aus, denn diese Mannschaft mag ja gute Fußballer in ihren Reihen haben, aber kämpfen kann sie nicht. Und da keiner von außen mit bestem Beispiel voran geht, wird sie es auch nicht mehr lernen.

Ich habe heute auch mit Bundesliga-Profi Nummer eins gesprochen. Harry Bähre, der war als Typ „Terrier“ ein echter und harter Kämpfer, will sich jedoch aus dem aktuellen Geschehen strikt heraushalten. Er sagte aber immerhin: „Ich mache mir, wie alle HSVer die ich kenne, ganz, ganz große Sorgen um den Club, denn so schlimm war es noch nie – obwohl es einige Male schon echt sehr schlecht um den HSV bestellt war.“ Ansonsten aber schweigt Harry Bähre. Es ist wohl die Angst, die ihn lähmt.

Was mich an der heutigen so prekären Lage des HSV stört: Wo gibt es denn noch einen Sascha Jusufi? Einen Profi, der sich wehren will, der dafür auch mal unbequem den eigenen Kollegen gegenüber wird? Der Tacheles spricht, der auf dem Rasen zur Sache geht, der Gras frisst? Solche Typen gibt es heutige nicht mehr. Auf jeden Fall nicht mehr beim HSV. Ich sehe ein solches Vorbild schon seit Jahren nicht mehr in diesem HSV. Und das ist das Gefährliche. Zumal sich der Club (wahrscheinlich wohl aus finanziellen Gründen? Ein Scherz!) nicht erlauben konnte, einen Typen wie Horst Heese zu verpflichten. Leider, Leider. Es wäre so schön gewesen, und es wäre gewiss auch ein kleiner Strohhalm gewesen. Wäre.

So wird sich der HSV an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen müssen. Ob ausgerechnet gegen Hoffenheim die Wende eingeläutet wird? Beim letzten Aufeinandertreffen in Sinsheim gab es einen 4:1-Erfolg des HSV. Das macht schon mal Mut. Am 11. Mai 2013 schossen Heung Min Son, Dennis Aogo, Petr Jiracek und Artjoms Rudnevs den Sieg heraus – drei Spieler davon spielen zurzeit nicht mehr für den HSV, einer (Jiracek) spielt, obwohl ihm eigentlich mal kämpferische Qualitäten nachgesagt wurden, nur eine Nebenrolle in Hamburg. In den bisherigen fünf Spielen zwischen Hoffenheim und dem HSV gab es drei Heimsiege und ein Unentschieden. Diesmal prallen die beiden Schießbuden der Liga aufeinander, denn die TSG hat bereits 42 Gegentreffer, der HSV bringt es „nur“ auf 41. Schlechtere Vereine gibt es in dieser Statistik nicht. Die Null muss stehen? Das wäre wohl ein kleines Fußball-Wunder, oder sogar ein größeres, wenn das morgen klappen sollte – oder überhaupt noch einmal in dieser Spielzeit.

Beim HSV gibt es personell noch einige Wackelkandidaten. Fest steht: Johan Djourou blieb in Hamburg zurück, wird also ein weiteres Mal fehlen. Beim heutigen Vormittags-Training war in Sachen Aufstellung nichts zu erkennen, im Abschlussspielchen standen sich zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber. Pech für den HSV, dass Marcell Jansen mit einer Knie-Prellung auszufallen droht. Für ihn gäbe es zwei Kandidaten, die einspringen könnten: Slobodan Rajkovic und Zhin Gin Lam. Letzterer hat heute erstmalig in dieser Woche mit der Mannschaft trainiert, Rajkovic wäre plötzlich und unerwartet mittendrin statt nur dabei.

Und das erinnert mich dann an die erste kostenlose Vorführung des HSV gegen Hoffenheim – und zwar am 26. Oktober 2008 in Mannheim. Trainer Martin Jol hatte – im Übermut (?) – Joris Mathijsen als Linksverteidiger aufgeboten, Innenverteidiger waren Alex Silva und Bastian Reinhardt. Alle drei Herren wurden schwindelig gespielt, und nicht nur die. Nach 35 Minuten hieß es bereits 3:0 – es war ein Desaster. Auch deshalb, weil Mathijsen von innen nach außen gedrückt worden war. Das konnte er nun ganz und gar nicht. Und Rajkovic? Ich habe nichts gegen „Slobo“, aber Linksverteidiger? Da habe ich aber meine ganz großen Zweifel.

Auf der Sechs wird es diesmal wohl das Duo Bouy/Badelj geben – Tolgay Arslan bleibt draußen. Ich bin gespannt, ob Quasim Bouy die Sechs kann, aber er soll es ja offenbar können. Grundsätzlich ist mir die HSV-Sechs aber stets zu offensiv besetzt, nur wer erkennt das, wer hat es in den letzten Jahren erkannt? Keiner! Ja, und dann gibt es noch die linke Offensiv-Position: Hakan Calhanoglu oder Ivo Ilicevic? Das Rennen ist völlig offen. Ich würde mich (anstelle des Trainers) für Calhanoglu entscheiden, aus dem Bauch heraus. Und vorne Jacques Zoua. Oder Zoua raus, „Calle“ vorne und Ilicevic links. Wobei rechts Ola John wirbeln soll. Hoffentlich tut er es, hoffentlich hat er sich vom HSV-Virus noch nicht packen lassen.

Übrigens hat ein „Matz-abber“ heute beim Training einen interessanten Vorschlag gemacht: „Rafael van der Vaart sollte eine Verletzung bekommen oder kriegen, damit er mal eine schöpferische Pause einlegen kann. Weil er zuletzt ohnehin nicht viel gebracht hat . . .“ Es darf diskutiert werden.

So, dann hat heute Patrick Owomoyela noch einen Vertrag beim HSV unterschrieben: für die Zweite. Der Kontrakt läuft bis zum Sommer 2014.

Dann gibt es noch in eigener Sache zu berichten:

Der „Matz-ab“-Schreiber Lars Pegelow sitzt am Sonntag beim Doppelpass auf „Sport1“, die Sendung beginnt elf Uhr Und der „Matz-ab“-Schreiber Dieter Matz ist am Sonntag zu Gast bei „0800 – Du bist dr@uf!“, von 21.30 Uhr bis 23 Uhr auf Sky Sport News HD. Die HSV Fans können bei der Sendung von Maik Nöcker live mitdiskutieren, via Telefon, kostenfrei unter 08000 366466. Oder Twitter mit #ssnhd oder direkt an @Sky_MaikN.

Und wer immer mehr HSV braucht und will: Sportchef Oliver Kreuzer sitzt am Sonntag von 18 Uhr an vor dem Mikrofon von NDR 90,3, die Sendung „Sportplatz Hamburg“ wird von Britta Kehrhahn moderiert.

Bereits am Sonnabend, nach dem Schlusspfiff in Sinsheim, werden wir mit „Matz ab live“ über das Spiel sprechen, unsere Gäste sind Lotto King Karl (der zurzeit allerdings ein wenig schwächelt – ich drücke ihm und uns die Daumen, dass er rechtzeitig gesund wird!) und der frühere Volleyball-Bundestrainer (und heutige „Matz-abber“) Olaf Kortmann. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet. Vielen Dank dafür.

Und dann noch ein Hinweis: „Scholle“ wird diesen Text noch ein wenig ergänzen – hat er gesagt. Das sollte zeitnah geschehen. Also immer noch einmal hier hineinschauen. Danke. Bis morgen.

***Ergänzung***
Robert Tesche steht – mal wieder – dem Vernehmen nach kurz vor einem Wechsel ins Ausland. Noch ist der Transfer aber nicht beschlossen. Sollte sich hier noch etwas tun, melde ich mich noch mal.

**********

Aktualisiert

Laut Tesches Berater Roland Kopp hat sich der Wechsel des HSV-Mittelfeldspielers zerschlagen. Die Engländer – es war von Wigan Athletic die Rede – hätten ihr Interesse zurückgezogen.

*********

Und dann bat mich Eva noch, einen offenen Brief hier reinzustellen. Oder besser gesagt, den Text und einen wichtigen Link dazu. Und das mache ich gern, weil es eine gute Sache ist. Und weil ich mir sicher bin, dass diese Mannschaft Hilfestellung von außen unbedingt braucht, da sie sich selbst momentan nicht helfen kann. Daher, hier der Text:

Verschwört Euch gegen die Umstände, die sich gegen Euch verschworen haben! Überwindet gemeinsam alle Widerstände!
Liebe Mannschaft!
Lieber Bert, Rafael, René, Jaroslav, Sven, Florian, Michael, Heiko, Johan, Lasse, Jonathan, Slobodan, Marcell, Dennis, Zhi Gin, Tomás, Milan, Matti, Gojko, Ouasim, Tolgay, Kerem, Robert, Petr, Hakan, Ivo, Ola, Pierre-Michel, Maxi, Jacques, Valmir
seit dem Wochenende wissen alle HSVer, was die Stunde geschlagen hat. Die Lage ist ernst, sehr ernst.
Gemeinsam können wir, Ihr Spieler und wir Fans, das Ruder herumreißen.
Ihr seid die Mannschaft des HSV. Wir sind die leidenschaftlichen Fans. Gemeinsam sind wir ein TEAM!!!
Lasst es uns gemeinsam anpacken.
Der Verein befindet sich im Umbruch.
Lasst uns daraus eine positive Aufbruchstimmung machen.
Teilt uns mit, wie wir Fans Euch unterstützen, Euch helfen können.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Kurz – aber präzise. Wer diesen Brief an die Mannschaft unterschreiben will, kann das hier tun:

wir-sind-ein-team@gmx.de

Und ich bin auf die Reaktion der Mannschaft gespannt. Schon in Hoffenheim werden wir sehen können, ob diese Mannschaft noch ein Team ist. Denn wenn stimmt, was mir heute in einem langen Telefonat erzählt wurde, steht diese Mannschaft ziemlich hilflos da. Aufgeteilt in Grüppchen. Mit einem Kapitän, der intern Gift und Galle spucken soll. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Frust ausschließlich dazu führt, dass Rafael van der Vaart vorwegmarschiert…

In diesem Sinne, auch von mir noch mal: Euch allen einen schönen Freitagabend und hoffentlich bis morgen, wo wir nach dem ersten, kleinen schritt in die richtige Richtung bei Matz ab live darüber diskutieren, wie gut van der Vaart doch noch sein kann.

Oder so ähnlich zumindest.

Scholle

Selbst Aogo freut sich über HSVPlus – und Westermann hofft auf Schalke

22. Januar 2014

Das wird leider doch enger als gestern noch gehofft. Marcell Jansen konnte heute noch nicht mittrainieren und soll auch morgen noch nicht dabei sein. Frühestens am Freitag soll der Linksfuß, der wegen eines grippalen Infektes flach liegt, wieder einsteigen können. Wobei „frühestens“ in diesem fall auch „spätestens“ ist, denn sollte er Freitag doch nicht trainieren, würde er für Trainer Bert van Marwijks Planungen gegen Schalke am Sonntag keine Rolle mehr spielen.

Wieder dabei – wenn auch noch nicht hundertprozentig fit – ist Heiko Westermann. Ob er am Sonntag im Kader ist? „Ich weiß es nicht. Ich weiß wirklich noch gar nichts. Es ist nicht so, dass ich jetzt hier sagen kann ‚Ich kann spielen’. Aber okay, wir haben ja noch ein paar Tage.“ Vor allem im Kraftbereich müsse er noch zulegen. „Das ist wichtig. Auch für die Schnelligkeit. Da fehlt mir noch etwas.“ Am Freitag soll die endgültige Entscheidung fallen.

Dafür ist Westermann an sich optimistisch. Bouy und John hätten bereits gezeigt, dass sie „richtig Qualität“ haben. Und auch der vergangene Sonntag habe ihn positiv gestimmt. „Die Stimmung in den letzten Wochen, Monaten und teilweise sogar Jahren war ja nicht immer gut“, versucht Westermann es diplomatisch zu formulieren. Dafür sei die Entscheidung pro HSVPlus aus seiner Sicht richtig gewesen. Innerhalb der Mannschaft sei in den letzten Monaten sehr wohl über die Strukturreformen diskutiert worden. Und – bei der Aussicht auf mehr Geld nur logisch – mehrheitlich waren die Spieler offenbar für HSVPlus. Für die Rieckhoff-Initiative, die mit 79,4 Prozent durchgewinkt wurde. „Ich denke, das war eine sehr gute Entscheidung. Ich als Spieler, und wir als Mannschaft müssen vorsichtig sein, was wir sagen. Aber vielleicht gibt das uns allen noch mal einen Schub.“

Und den braucht die Mannschaft. Das weiß auch Westermann. „Wir haben in der Hinrunde sehr viel falsch gemacht. Und wir wissen, was wir falsch gemacht haben.“ Insbesondere defensiv müsse besser gearbeitet werden. „Wir haben viel zu viele Gegentore bekommen, müssen in der Abstimmung deutlich zulegen. Wenn wir das hinbekommen, sollten wir auch da unten rauskommen.“ So leicht, wie es sich anhört, sei das Ganze aber nicht. „Das wird ein richtig hartes Stück Arbeit“, warnt Westermann, der über nichts anderes sprechen will, als über den Abstiegskampf, wenn es um Ziele geht. „Solange wir nicht ganz, ganz weit weg sind von den Abstiegsplätzen, wird man von mir auch nichts anderes hören.“

Lange nichts zu hören war auch von den zu verkaufenden Spielern. Kacar, Rajkovic, Tesche und auch Mancienne, der für Sonntag durch die Ausfälle von Djourou und eventuell (hoffentlich nicht!) Westermann plötzlich wieder eine Rolle für die Startelf spielen könnte. Ob es in Sachen Verkäufe was Neues gibt? Nein. Alles beim Alten.

Bitter. Für alle Beteiligten.


Einen bitteren Beigeschmack hatte hier im Blog und auf unserer Facebookseite auch das skizzierte Szenario, dass in diesem Sommer zwei Mitgliederversammlungen stattfinden könnten. Ich habe deshalb heute mit Oliver Scheel telefoniert, der mir diese Sorge gleich nehmen konnte. Zumindest in teilen. Denn klar ist für den studierten Juristen, dass der Vorstand (entscheidet in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat über den Termin) das Thema Strukturreform „sicherlich nicht auf zwei verschiedene Veranstaltungen legen“ werde. Genügend Platz sei auch vorhanden, da die Veranstaltung in der Imtech-Arena (wenn sie bis dahin nicht schon Uwe-Seeler- oder, was mein Favorit wäre: Volksparkstadion heißt…) stattfinden wird. Und das auf jeden Fall bis zum 30. Juni, wobei schon für den Mai ein Termin angestrebt wird.

Bis dahin will auch Dennis Aogo wieder fit sein. Ohne sich unter Druck zu setzen. „Meine Gesundheit geht gut voran“, sagt der Linksfuß, der nach einem Kreuzbandriss im Rehatraining ist. Ob es in dieser Saison noch mal für ein Bundesligaspiel reicht, weiß Aogo nicht. Und er weiß auch noch nicht, wie es im Sommer weitergeht. Zumindest möchte er darüber nicht sprechen. Aogo meidet generell Interviews in seiner Verletztenphase. Allerdings wird er sich das Spiel am Sonntag nicht entgehen lassen. „Ich werde da sein, ganz klar. Das ist ein ganz besonderes Spiel für mich“, sagt der vom HSV verliehene Linksverteidiger. Gute drei Millionen Euro müssten die Schalker im Sommer zahlen, wenn sie Aogo verpflichten wollen – und dem Vernehmen nach ist das eine ernsthafte Option für S04-Manager Horst Heldt. Zumindest eröffnete Heldt Aogos Konkurrenten auf Links, Christian Fuchs, dass er den verein verlassen darf.

Und obwohl Aogo angibt, jetzt Schalker zu sein und so lange auch ausschließlich den Knappen die Daumen zu drücken, hängt ein großer Teil seines Fußballerherzens noch in Hamburg. Die Strukturdebatte jedenfalls hat Aogo mit großem Interesse verfolgt. „Absolut, weil es eine wichtige Entscheidung für den Verein wäre“, sagt Aogo. „Dass sich die Mitglieder für diese Veränderung entschieden haben, war die absolut richtige Entscheidung. Sie macht Hoffnung.“

Stimmt. Und weil heute ansonsten wirklich nicht viel los war – nicht mal im Aufsichtsrat – beschließe ich diesen Blog an dieser Stelle mit Aogos letztem Satz als Schlusswort. Und morgen geht’s schon weiter. Dann mit dem Trainer auf der Pressekonferenz.

Bis dahin,
Scholle

Mit Wolfsburg-Taktik Köln besiegen!

2. Dezember 2013

Die Spannung und Vorfreude steigt beim HSV vor dem Pokal-Achtelfinale gegen den 1. FC Köln. „Dieser Wettbewerb macht Spaß“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer einen Tag vor dem Spiel. „In Deutschland ist der Pokal viel wichtiger als in Holland“, meint Trainer Bert van Marwijk. „Das spüre ich hier sofort. Das Stadion ist ausverkauft, und das an einem Dienstagabend. Das wäre in Holland nicht möglich.“ Beim HSV ist es das – und alle sind heiß auf das Erreichen des Viertelfinales.

Die Frage nach dem Personal beantwortete van Marwijk vor dem Training noch nicht definitiv. „Der Einsatz von Rafael van der Vaart ist eigentlich ausgeschlossen. Zu 90 Prozent“, so der Trainer. Beim Training mischte van der Vaart dann munter mit, hatte beim Abschlussspiel aber lediglich das Leibchen der B-Mannschaft an. Im Interview erklärte der Spieler dann selbst, dass er im Pokal noch nicht spielen wird, sondern erst auf die Bundesliga-Partie gegen Augsburg schaut. Das Interview sehr Ihr hier weiter unten.


Ansonsten bleibt sich Bert van Marwijk treu und verändert seine Mannschaft nicht. Das heißt, dass Tolgay Arslan weiter offensiv wirbeln darf, und dass Ivo Ilicevic von der Bank kommen muss. Mit der Wolfsburg-Taktik gegen Köln – das ist die Devise. „Wir haben in den vergangenen Wochen gezeigt, dass wir mit guten Mannschaften mithalten können“, sagte van Marwijk. „Nun dürfen wir auch Köln absolut nicht unterschätzen. Das wäre ein schwerer Fehler.“
Wie man das macht – einen Zweitligisten nicht unterschätzen? Van Marwijk lächelt: „Wenn ich anspreche, dass wir Köln nicht unterschätzen sollen, ist es schon zu spät. Ich kann nicht genau erklären, wie ich das mache. Aber man muss jeden Tag daran arbeiten.“ Damit der HSV seine große Chance auf das Pokal-Viertelfinale nicht verpasst.

Mehr als 800.000 Euro kriegt jeder Viertelfinalist im DFB-Pokal garantiert. Das Geld würde der HSV gern einstreichen. Es würde als nicht eingeplante Einnahme den Etat entlasten, denn der Verein hat – wie eigentlich jedes Jahr – nur das Erreichen des Achtelfinals bei seinen Hochrechnungen angesetzt.

Elfmeter wurden übrigens heute im Training nicht extra geübt. „Man kann es grundsätzlich üben“, erklärte van Marwijk seine Einstellung. „Aber man kann die Situation am Ende eines Pokalabends nicht simulieren.“ Idealerweise kommen die Hamburger ja auch ohne Elfmeterschießen über die Runden.

Darauf hofft auch Sportchef Kreuzer. „Nach ihrem Selbstverständnis ist der 1. FC Köln kein Zwietligist. Das ist ein großer Verein.“ Auch Kreuzer beschäftigt sich mit der Psyche seiner Mannschaft. „Im Pokal kann immer viel passieren. Wir haben schon gegen Fürth gesehen, wo wir mühsam 1:0 gewonnen haben, wie schwer es ist gegen einen Top-Gegner aus der Zweiten Liga.“ Insgeheim schaut Oliver Kreuzer aber wohl auch schon auf den kommenden Sonntag, wenn in der ARD-Sportschau das Viertelfinale ausgelost wird. „Es wäre natürlich schwieriger, auswärts zu den Bayern zu fahren, als zum Beispiel Sandhausen zu Hause zu bekommen. Aber das ist sowieso Zukunftsmusik. Erst müssen wir Köln schlagen.“

Angesprochen wurde Oliver Kreuzer heute auch auf Dennis Aogo. Der an Schalke ausgeliehene Linksfuß hat sich ja in der vergangenen Woche Kreuz- und Innenband im Knie gerissen. „Das ist enorm bitter für Dennis“, meinte der HSV-Sportchef. „Ich werde in den nächsten Tagen auch den Kontakt mit Horst Heldt suchen.“ Mit dem Schalker Manager will Kreuzer ausloten, wie der in Sachen Kaufoption für Aogo (die Schalker können Aogo nach dieser Saison für 3,5 Millionen Euro vom HSV haben) denkt. Kreuzer: „Mal sehen, ob Horst jetzt die Haltung hat, die Option auf keinen Fall zu ziehen. Noch habe ich keine Ahnung.“

Alle HSV-Mitglieder sollten heute einmal in ihr E-Mail-Postfach schauen. Dort ist eine Nachricht des Vereins, die die Mitgliederversammlung am 19. Januar betrifft. Wegen der großen Anzahl erwarteter Mitglieder bittet der HSV um eine unverbindliche Registrierung, wer den Weg ins CCH plant. Die Erhebung dient der organisatorischen Planung und erfolgt über die Homepage des HSV.

Eine Rekordbeteiligung wird ja vor allem deswegen erwartet, weil es um die Struktur-Änderung des Vereins geht. Ausgliederung, wie es „HSV-PLUS“ anstrebt, oder zumindest Satzungsänderungen – das sind die Vorstellungen der „HSV-Reform“ und von „Tradition mit Zukunft“. Bis zum 15. Dezember müssen entsprechende Anträge fristgerecht beim HSV eingehen.

Was Satzungsänderungen angeht, würde theoretisch alles nach bewährtem Muster laufen. Soll eine Änderung (einzeln oder als Paket) durchkommen, ist eine Dreiviertelmehrheit notwendig. Die würde dann unmittelbar nach der Versammlung greifen. Der Prozess bei „HSV-PLUS“ ist etwas komplexer, weil nicht die Satzung geändert würde, sondern der Verein neu organisiert werden müsste.

Hierfür, davon gingen Initiator Otto Rieckhoff und sein Team aus, müsste eine einfache Mehrheit auf der Mitgliederversammlung reichen, um den Vorstand mit der Umsetzung von Reformen nach „HSV-PLUS“-Vorstellungen zu beauftragen. In einer zweiten, außerordentlichen Versammlung, müsste dann im Frühjahr eine Dreiviertelmehrheit her, um die Ausgliederung in eine Fußball-AG zu beschließen.

In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Gerüchte, dass aber auch schon am 19. Januar 75 Prozent der Stimmen nötig sind, um die Weiterbearbeitung von „HSV-PLUS“ zu veranlassen. Hintergrund sei demnach der Gedanke, dass es sich um ein derart einschneidendes Modell handele, dass eine einfache Mehrheit den möglichen Veränderungen nicht gerecht werde. Wollten da die “HSV-PLUS”-Gegner die Hürde für eine Ausgliederung erhöhen?

Nun bleibt es aber dabei. Die HSV-Satzung gibt keinen Spielraum, sondern sie weist klar aus, dass 50 Prozent (plus eins) am 19. Januar die relevante Größe bleibt. Ob es Sinn macht, das mal als Spekulation, bei einer nur knappen Mehrheit für „HSV-PLUS“ an dem Modell weiter zu arbeiten, sei dahin gestellt. Aber eine Vorhersage über die wirkliche Stimmungslage und über die Mehrheitsverhältnisse im HSV zu den verschiedenen Gedanken ist immer noch sehr schwierig.

Die momentane Atmosphäre lässt aktuell aber nur einen Schluss zu. Als Grundlage nehme ich hier alle öffentlichen Meinungsäußerungen, interne Kommentare, Reaktionen auf Veranstaltungen, Diskussionen im Verein: Wenn überhaupt ein Modell auf Anhieb eine 75-Prozent-Mehrheit erhalten kann, dann scheint es „HSV-PLUS“ zu sein. Am 19. Januar sind wir alle ein Stück schlauer – noch ist nichts entschieden.

Gegen Ende noch ein paar Personalien. Der HSV hat die beiden Südkoreaner Roan Kwon (17) und Don Su Kim (18) endgültig verpflichtet. Sie erhalten Verträge bis 2017, spielen zunächst in der A-Jugend und dann ab Sommer in der U 23 des HSV.

Der frühere HSV-Spieler Tomas Ujfalusi wird seine Profikarriere vorzeitig beenden. Dies gab sein derzeitiger Verein Sparta Prag am Montag bekannt. Als Grund führte Ujfalusi anhaltende Knieprobleme an. „Es war keine schwere Entscheidung, weil der Mensch nur eine Gesundheit hat“, sagte der 35 Jahre alte Innenverteidiger. Ujfalusi und Sparta Prag hätten sich auf die Beendigung des erst im Sommer unterzeichneten Einjahresvertrags geeinigt, ergänzte ein Vereinssprecher.

Zum Schluss noch dies zum Schmunzeln:
Thomas Gravesen (37), ehemaliger dänischer Fußball-Nationalspieler, ist nach der aktiven Karriere offenbar zu großem Reichtum gekommen. Der Ex-Profi des HSV hat nach Angaben der dänischen Tageszeitung BT durch Finanzgeschäfte ein Vermögen von rund 100 Millionen Euro angehäuft und sich endgültig aus dem Berufsleben zurückgezogen. Mit seiner neuen Freundin, dem amerikanischen Foto-Modell Kamila Persse, will Gravesen nun seinen Lebensabend in Las Vegas verbringen.

Und so will der HSV gegen den 1. FC Köln im Pokal auflaufen: Adler – Westermann (ohne Probleme im Abschlusstraining), Tah, Djourou, Jansen – Rincon, Badelj – Beister, Arslan, Calhanoglu – Lasogga

Gelingt ein Sieg, wäre es die erste Viertelfinale-Teilnahme im DFB-Pokal seit 2009. Morgen Vormittag seht Ihr hier noch ein Interview mit Bert van Marwijk. Nach dem Spiel steigt hier die Live-Sendung mit Scholle, Dieter und “Matz-ab-Fan-Club”-Präsi Benno Hafas sowie Lars49.
Weiterhin viel Vorfreude auf das Spiel wünscht Euch
Lars

Ein Spiel, das viele Erkenntnisse liefert…

30. November 2013

Wenn man sich das Spiel noch und noch, und noch einmal auf Sky anschaut, alle Wiederholungen abwartet und ansieht – ich glaube, dann ist das das ein ziemlich gutes Zeichen. Denn dann ist etwas passiert, was einen fesselt, wovon man gern mehr hat. Und so war es gestern bei dem 1:1 in Wolfsburg, das spielerisch und vor allem charakterlich ein sehr gutes Bild der Mannschaft zeichnete. Meine Kollegen von der „Bild“ haben sich dafür heute sogar auf der Titelseite bei der Mannschaft und dem Trainer bedankt. Und dem schließe ich mich an, weil ich in der Summe deutlich mehr positive Ansätze finden konnte als negative.



Kurz zusammengefasst: Das Spiel begann gut, plötzlich und unersichtlich verlor der HSV den Faden, traf aber dennoch zum 1:0. Und als das 2:0 sicher schien, folgte auf die vergebene Chance die kalte Dusche mit dem Foulelfmeter (noch mal: eine Kann-muss-aber-nicht-Entscheidung) zum 1:1. Und als alle dachten, jetzt hat der HSV das Spiel an Wolfsburg abgegeben (allein von Minute 31 bis 45 hatte der VfL laut Datenbank einen Ballbesitz jenseits der 70-Prozent-Marke), da kam der HSV noch mal. Und das tatsächlich beeindruckend. Die letzten 25 Minuten – auch durch die Hereinnahme von Ilicevic – brachten noch mal einen echten Sturmlauf des HSV. Ein Kraftproblem, weil Bert van Marwijk weniger und körperlich nicht so anspruchsvoll trainieren lässt? Nicht erkennbar. Ganz im Gegenteil.

Nein, dafür bot das Spiel nahezu die komplette Bandbreite der Qualitäten und Probleme der Mannschaft (die tatsächlich immer noch abstruser werdende Vereinspolitik hat heute frei – versprochen!).

Angefangen ganz hinten bei Rene Adler. Dem Nationaltorhüter fehlte es bislang an der Ruhe der Vorsaison. Adler war zwar stets bemüht, sich verbal stark zu reden, konnte das aber selten auf den Platz retten. Von der gewissen „Extra-Qualität“, die zweifellos vorhanden ist, war lange nichts zu sehen. Adler rettet keine Spiele mehr – er patzte eher. Bis gestern. Da rettet er zweimal gegen Caligiuri und wirkte auch sonst auf der Höhe. Wenn der Prozess der fußballerischen Spielumstellung (van Marwijk fordert Flachpässe hinten raus – auch von Adler) bei Adler irgendwann abgeschlossen ist, wird auch er wieder sicherer sein und Spiele retten. So, wie in Wolfsburg und noch extremer. Da bin ich mir sicher.

Dann eine Position vorgerückt in die Viererkette, die insbesondere von Minute zehn bis 60 immer wieder Probleme hatte. Auch, weil Johan Djourou Stellungsprobleme hatte, aber noch mehr, weil der HSV über die rechte Außenbahn anfällig war. Der immer wieder diskutierte Heiko Westermann hatte arge Probleme gegen den wendigen und stark aufspielenden Diego-Ersatz Caligiuri. Ebenso wie gegen den nicht weniger dribbelstarken Rodriguez. Dennoch, Westermann sah eine ganze Weile lang schlecht aus (auch, weil Vordermann Beister defensiv zu wenig mitarbeitete) und fing sich dennoch. In den letzten 20 Minuten war der tadellose Teamplayer sogar noch einer der Antreiber und arbeitete über rechts stark mit. Leider gelang ihm eine Wiederholung der Hannover-Flanke diesmal nicht. Allerdings war es am Ende eine sehr durchwachsene Partie mit allen Westermann-Eigenschaften, die ihn so diskutabel wirken lassen für viele – zu denen ich mich bekennend nicht mehr zähle. Solange der HSV keine elf besseren Fußballer aufbieten kann, ist Westermann die beste Lösung.

Dass es nur ein Punkt wurde in der VW-Stadt, darüber dürfte sich Tolgay Arslan nach durchwachsener erster und extrem engagierter zweiter Hälfte besonders ärgern. Er hatte die Entscheidung einmal fast eingeleitet, als Lasogga in der 30. Eine Hundertprozentige verpasste. Und in der zweiten Halbzeit hatte er sogar höchstselbst die 100-prozentige Chance zur Führung. Allerdings wurde auch hier Arslans größtes Manko bemerkbar: die fehlende Spritzigkeit. Denn dadurch hatte Wolfsburgs Ochs (den ich zu gern beim HSV gesehen hätte) kein Problem, mit ein wenig Körpereinsatz Arslan den Ball abzunehmen, obwohl der schon an VfL-Keeper Benaglio vorbei und zum Einschuss bereit war.

Hinter Arslan hatte Trainer Bert van Marwijk Tomas Rincon als hauptamtlichen Abräumer aufgeboten. Und der Venezolaner erledigte das – zumindest bedingt. Schlechter als seine Zweikampfquote war dabei seine Passquote. Beides konnte er im zweiten Durchgang zwar leicht verbessern, er blieb aber mit zwölf Fehlpässen der Fehlpasskönig beim HSV, obgleich auch Milan Badelj in der ersten Hälfte unglücklich wirkte. Allerdings nicht mit vielen Fehlpässen, sondern weil er unnötige, gefährliche und damit besonders erinnernswerte Ballverluste in der eigenen Hälfte hatte.

Umso schöner, dass die Offensive des HSV sich Chancen erarbeiten konnte. Und das ohne Rafael van der Vaart. Wobei ich hier gleich einmal einhaken möchte. Denn, aus diesem Spiel eine Diskussion abzuleiten, ob der HSV den Niederländer noch braucht oder ob es ohne ihn besser läuft ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Beim HSV ist man sich einig, dass ein van der Vaart der Mannschaft hilft. Dass es gut ist, wenn die jungen Spieler wie Calhanoglu (gegen Hannover), auf den der HSV schon jetzt gar nicht mehr verzichten kann, und gestern Arslan sich auf der Position beweisen müssen (und das gut machten), ist unstrittig. Und es macht mir Hoffnung, dass die beiden diese Aufgabe gestern auch im Verbund eindrucksvoll bewältigten. Aber ich behaupte, dass ein van der Vaart gerade in so offenen Spielen wie dem in Wolfsburg immer für ein Tor gut ist. Vielleicht ob seiner Erfahrung und Abgeklärtheit mehr als alle anderen Mannschaftskollegen.

Egal wie, in der Summe war das Wolfsburg-Spiel das, was alle Fans sehen wollen – nehmen wir das Ergebnis mal raus. Denn es präsentierte sich wieder mal eine Mannschaft. Ein echtes Team, das Rückschläge wegsteckt und immer in der Lage ist, sich am eigenen Schopfe hochzuziehen und ein Spiel zu drehen. Dass Ilicevic am Ende nicht trifft – extrem schade. Denn sowohl er persönlich (gegen Hannover war er auch schon stark) als auch der gesamte HSV hätte es verdient gehabt. Und wer sich heute den Kick von Hertha (zwei Torschüsse) gegen Augsburg (gänzlich ohne Torschuss) angesehen hat, der weiß, woher dieser HSV kommt und wie weit er sich unter van Marwijk nach vorn entwickelt hat – auch wenn die Ergebnisse das noch nicht so wiederspiegeln.

Dennoch, der HSV ist vorläufig Tabellen-Elfter mit drei Punkten Rückstand auf Rang sieben, fünf auf Rang sechs – aber auch nur fünf bis zu einem Relegationsplatz. Der HSV hängt sozusagen zwischen Baum und Borke – und jetzt kommt Augsburg. Ein Gegner, der es jeder Mannschaft schwer macht, weil das Team von Sportchef Stefan Reuter sehr kompakt und tief spielt, ohne das Kontern zu vernachlässigen. Also genau so spielt, wie es der HSV am wenigsten mag. Dennoch muss es der Anspruch sein, diesen Gegner zu schlagen. Und eigentlich wollte ich jetzt… – aber ich lass es. Über alles Weitere können wir immer noch sprechen, sobald die Aufgabe auch wirklich erfolgreich erledigt ist.

In diesem Sinne, am Sonntag wird um 10.30 Uhr an der Arena trainiert. Trainer Bert van Marwijk gibt diese Woche nicht frei, um sich optimal auf das Pokalspiel am Dienstag gegen Köln (19 Uhr, Imtech-Arena) vorbereiten zu können. Ich freue mich darauf. Zumal es da am Ende kein Remis geben wird…

Bis morgen! Da meldet sich dann übrigens Lars bei Euch. Ich wünsche Euch allen einen schönen Restsonnabend und Dennis Aogo eine schnellstmögliche Genesung. Denn wie Ihr alle schon mitbekommen haben dürftet, zog sich der HSV-Leihspieler beim Abschlusstraining des FC Schalke am Freitag einen Kreuz- und Innenbandbandriss zu. Das ergab die Kernspin-Untersuchung. Aogo soll rund sechs Monate ausfallen und dürfte damit in dieser Saison kein Spiel mehr absolvieren. Bitter für den sympathischen Linksfuß, der sich beim FC Schalke schnell einen Stammplatz erkämpft hatte und mir in der vergangene n Woche am Telefon noch sagte: „Ich hatte nach wenigen Tagen meine Wohnung, hatte sofort Zugang zu den Mannschaftskollegen und spiele Champions League. Mir geht es hier richtig gut.“ Ob er da bleiben wolle habe ich ihn gefragt. Aogo: „Das entscheide ich nicht allein. Und ich weiß auch, was ich am HSV habe. So schwer am Ende die Entscheidung wird – ich kann eigentlich nicht verlieren.“ Daher von hier aus noch mal: Gute Besserung! Werde schnell gesund, Dennis!
Scholle

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »