Archiv für das Tag 'Aogo'

. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Welch ein Glück! 2:0-Sieg – Relegation!

23. Mai 2015

Das Zittern geht weiter. Zum Glück! Nach großem Kampf hat der HSV zwar mit 2:0 gegen Schalke 04 gewonnen, aber noch ist nichts gewonnen – es geht in die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten, der am morgigen Sonntag ermittelt wird: Kaiserslautern, Darmstadt oder Karlsruhe sind die Kandidaten. Seine Pflichtaufgabe hat der HSV nach mäßiger erster Hälfte großartig erfüllt, als die Mannschaft im zweiten Durchgang Richtung Norden spielte, also auf die prächtigen Fans, da war dann mehr Schwung, mehr Tempo und auch mehr Siegeswille erkennbar. Der Sieg war völlig verdient – gegen eine doch recht schwache Schalker Truppe. Das soll allerdings nicht die Leistung des HSV herabwürdigen, denn diesmal zeigte sich die Mannschaft von ihrer besseren Seite – endlich einmal wieder. Jetzt geht es doch noch weiter, was viele vorher nicht für möglich gehalten hatten – aber zum Glück darf jetzt noch weiter gezittert werden. Zum Glück. Der HSV lebt noch. Jedenfalls ein bisschen. Wer hätte das gedacht?
Direkt abgestiegen sind Paderborn und der SC Freiburg, der 1:2 in Hannover verlor. Auch das war riesiges Glück! Und vielen Dank, nein, ein riesiges Dankeschön an Hannover 96, dass es diesen Sieg und kein Unentschieden gab, sonst läge ganz Hamburg jetzt wohl am Boden. Danke, 96!

Der Geist von Malente schwebte über diesem Spiel. Oder, wie auch schon geschrieben, das Abstiegsgespenst. Gestern war noch ein kleines, „inoffizielles“ Matz-ab-Treffen in Barmbek, das wieder ganz hervorragend organisiert war – von unserer „Hope/Eva“. Vielen Dank dafür, das war wieder einmal großartig (auch die Teilnahme von Buchautor Volker Keidel – „Mein Ditmar Jakobsweg“). Und es war wieder, für mich – bei diesem Tabellenstand – total überraschend, auch sehr gut besucht. Das ist überragend! Wenn die HSV-Mannschaft nur halbwegs so viel Einsatz und Herz gezeigt hätte, es wäre mindestens ein Mittelfeldplatz geworden. Aber es ist müßig, jetzt noch groß und breit darüber zu schreiben, es ist wie es ist. Bewundernswert, und dann komme ich zum Fußball, ist auf jeden Fall der fast grenzenlose Optimismus der „Matz-abber“, die alle noch von einem positiven Saisonausklang überzeugt waren. Auch das ist hervorragend und vorbildlich.

 

Im Presseraum war – wie immer – der Tipp der Medien gefragt. An einer Tafel prangten einige Ergebnisse, wie wohl das Spiel ausgehen werde. Die meisten hatten auf HSV-Sieg getippt. Zu gewinnen gab es – einen HSV-Gartenzwerg. Wie sinnig. Aber in Klammern war hinzugefügt worden: „Nur bei Nicht-Abstieg des HSV“ . . . Natürlich. Wer wollte denn sonst noch einen HSV-Gartenzwerg mit nach Hause nehmen?

 

 

Die Stimmung war grandios. Von Beginn an. Es wurde von Anfang an gesungen. Bis auf die Schalker Ecke (es sollten diesmal nur 5000 Anhänger aus Gelsenkirchen gekommen sein?), die dagegenhielten: „Nie mehr Erste Liga, HSV . . .“

 

Begann das Spiel eigentlich gut – für den HSV? Blitzschnell führte Hannover 96 gegen Freiburg 1:0, und auch der SC Paderborn gelang das erste Tor gegen den VfB Stuttgart. Damit war der HSV erst einmal Tabellenschlusslicht. Aber würde der HSV ein Tor erzielen und damit 1:0 in Führung gehen, stünde er gleich auf Platz 14. Das war doch Anreiz genug, etwas zu riskieren – nach vorne. Pech aber gesellte sich wieder einmal hinzu. Nach einem Tritt gegen Pierre-Michel Lasogga signalisierte die HSV-Spitze alsbald: „Auswechseln. Die Schulter.“ In der 27. Minute kam Artjoms Rudnevs für Lasogga und hatte sofort eine prächtige Chance, die bis dahin beste des Spiels: Lewis Holtby bediente den auf rechts in den Strafraum preschenden Heiko Westermann, kluger Rückpass – „Rudi“ hatte seine Beine noch nicht richtig sortiert, schoss sich mit rechts an die linke Wade, vorbei. Weit vorbei. Bitter. Ganz bitter. Weil man ja weiß, dass der HSV Chancen solcher Güte nur recht, recht wenige in einem Spiel bekommt. Aber gut, es ist so wie es ist. Und noch einmal der gute „Rudi“, diesmal zog er aus 20 Metern ab, zentral, aber er hatte immer noch kein Zielwasser getrunken (kam sein Einsatz zu plötzlich?) – wieder weit vorbei (38.).

 

Dann kam Schalke (ohne Dennis Aogo, der mit war, aber nicht im Kader, und mit Choupo-Moting auf der Bank). Der junge Abwehrmann Friedrich hätte aus fünf Metern nach einer Ecke den Ball nur treffen müssen . . . So gab es nur einen harmlosen Roller, den Marcelo Diaz auf der Linie stehend ohne Mühe abfing (39.). Und drei Minuten später die beste Möglichkeit der ersten Halbzeit: Nach einem krassen Abspielfehler von Diaz lief der Konter, Meyer bediente Huntelaar, der einen Moment lang unbewacht am Fünfer stand – doch der Niederländer trat in den Rasen und schoss weit vorbei, gestört noch von Johan Djourou. Das war Glück. Es blieb beim 0:0 – und es gab Beifall zur Pause. Trotz der Tatsache, dass der HSV teilweise zu pomadig, zu langsam und zu umständlich gespielt hatte, und dazu ohne große Bewegungen – von wegen anbieten, freilaufen.

 

„Ich verstehe diese vielen Quer- und Rückpässe nicht, der HSV muss doch gewinnen, also schneller nach vorne spielen. Er tut aber gerade so, als würde er schon 3:0 führen“, sagte „Dittsche“, Schauspieler und Komiker Olli Dittrich, der in weiß-blauer HSV-Jacke auf der Tribüne saß. Und dennoch hoffte er natürlich auf das eine, das erlösende Tor. Und das fiel nach dem Seitenwechsel. Eckstoß von links von Ivo Ilicevic, vorne verlängerte (?) Djourou fast artistisch mit der Hacke (anders ging es nicht), und so kam die Kugel zu Ivica Olic. Der stoppte, dann schoss er aus halblinker Position mit rechts – unhaltbar in die lange Ecke. Oben stand Olli Dittrich mit erhobenen Arme und feierte wie ein Triumphator. Und unten sauste Trainer Bruno Labbadia wieder auf den Rasen und drehte seine Ehrenrunde. Zudem waren sie alle von der Ersatzbank aufgesprungen und feierten ausgelassen am Rande (49.). Jetzt geht’s los!

 

Und wie. In der 58. Minute hieß es 2:0. Freistoß von Holtby aus halbrechter Position, und am Fünfmeterraum schraubte sich Innenverteidiger Slobodan Rajkovic in die Luft und köpfte mit dem Hinterkopf ein. Welch ein Jubel! Der Volkspark erzitterte, alle lagen sich in den Armen. Und „niemals Zweite Liga, niemals, niemals.“

 

Danach zog sich der HSV zurück, verteidigte geschickt und konzentriert. Bis auf die „Hundertprozentige“ für Schalke, die Eric-Maxim Choupo-Moting (ausgerechnet er!) vergab, weil Rene Adler großartig parierte, passierte nicht mehr so viel. 2:0. Jubel nach dem Schlusspfiff. Und das große Warten auf die anderen Ergebnisse. Rettung? Relegation? Oder was?

 

Es wurde die Relegation. Und dafür kassierte die Mannschaft dann doch noch viel Beifall. Die Mannschaft drehte schon eine Ehrenrunde, aber in Hannover wurde noch gespielt, kurz vor Schluss verkürzte Freiburg noch auf 1:2 – bei einem Unentschieden wäre der HSV abgestiegen! Aber dann lagen sich Lotto King Karl und Sky-Moderator Patrick Wasserziehr in den Armen – Schluss in Hannover. Am Donnerstag gibt es hier in Hamburg das erste Relegationsspiel – es wird weiter gezittert.
Daumen drücken!
Nur der HSV.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war die Ruhe selbst, wurde aber auch kaum einmal vor eine große Probe gestellt. Bis auf die 83. Minute. Da stand der eingewechselte Choupo-Moting allein vor ihm, der Schalker wollte den Keeper ausspielen – und scheiterte. Riesige Parade von Adler, eine Weltklasse-Parade.

 

Heiko Westermann ging rauf und runter, er gab wirklich wieder einmal alles – und wirkte früh kaputt (oder angeschlagen?). Er hielt bis zur 82. Minute durch, und das ist wieder vorbildlich zu nennen.

 

Johan Djourou trat souverän, haute sich immer wieder großartig rein, fuhr den Schalker Angreifern in die Füße – so soll es sein. Und so wollen ihn die Hamburger immer sehen.

 


Slobodan Rajkovic
war wieder derjenige, der den Ball immer wieder nach vorne schlagen musste – weil es kein anderer der Kollegen tat. Diesmal waren nicht ganz so viele Fehlpässe dabei. Hinten gab er sich keine Blöße, vorne erzielte er das so wichtige 2:0 – gut.

 

Matthias Ostrzolek hatte Farfan meistens im Griff, das allein ist schon mal okay. Ansonsten müsste er sich in Sachen Offengeist vielleicht einmal etwas mehr zutrauen.

 

Gojko Kacar hatte einige Fehlpässe auf Lager, zerriss sich aber ansonsten wie zuletzt immer. Viel unterwegs. Eine Stütze.

 

Marcelo Diaz erledigte einige „Dinge“ sehr lässig, aber er hatte meistens alles im Griff, auch wenn er einige Fehlpässe spielte. Bewahrte auch oft die Ruhe am Ball, was einige Kollegen von ihm nicht taten. Dennoch: Es muss mehr kommen von ihm.

 

Ivo Ilicevic spielte ein richtig gutes Spiel, alle Achtung. Es geht ja doch. Auch wenn er zuletzt ein wenig abtauchte.

 

Lewis Holtby war in Halbzeit eins kaum zu sehen, im zweiten Durchgang etwas besser – aber so richtig gut wurde er dennoch nicht.

 

Ivica Olic schoss das wichtigste Tor seiner zweiten HSV-Karriere, ackerte, kämpfte, war überall zu finden – das war gut.

 

Pierre-Michel Lasogga musste früh passen, da verletzt.

 

Artjoms Rudnevs (ab 27. Min. für Lasogga) war viel auf Achse, bäumte sich auf, wehrte sich, ging weite Wege – nur das Glück stand ihm beim Abschluss nicht zur Seite. Kommt das noch?

 


Dennis Diekmeier
(ab 82. Min. für Westermann) kämpfte noch tüchtig mit.

 

Petr Jiracek (ab 87. Min. für Olic) durfte noch mitmachen – und die Siegprämie kassieren.

 

Gleich werden wir, es könnte allerdings etwas später (15 Minuten vielleicht) werden, weil heute ja doch so einiges los ist im Volkspark. Da sich die Weg zu bahnen, könnte diesmal etwas schwerer werden.
Wir werden natürlich über den Saisonausgang sprechen, über das Schalke-Spiel, und da haben wir uns den „Glücksbringer“ der vergangenen beiden Heimspiel wieder eingeladen, den ehemaligen HSV-Profi Stefan Böger. Zudem gibt uns der in Deutschland bekannte und populäre Fußball-Journalist Jan-Christian Müller (Frankfurter Rundschau) die Ehre, er ist Dauergast bei Sendungen wie „Doppelpass“ (Sport1) und „Sky 90“. Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Rückblick begleiten würdet. Bis gleich also.

 

17.47 Uhr

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

“Hermann zum HSV? Das wäre der absolute Hammer!”

25. März 2015

Es ist in Länderspielpausen immer so eine Sache. Auf der einen Seite freut man sich, dass die Mannschaft mehr Zeit hat, all ihre Fehler zu bearbeiten und am besten abzustellen. Gerade, wenn es so viel abzustellen gibt. Auf der anderen Seite fehlen immer viele Stammspieler, die beim Einstudieren so genannter „Automatismen“ nicht teilhaben und erst zum Spiel wieder dazustoßen.

Am meisten freuen sich in diesen Phase jedoch die Rekonvaleszenten, weil sie Zeit haben, sich an das Team heranzukämpfen, ohne dabei ein Pflichtspiel zu verpassen. Maxi Beister ist einer von ihnen. Der Angreifer ist eigentlich schon seit Wochen wieder fit, verfügt aber über gerade einmal vier Einsätze im Jahr 2015. Über 90 Minuten hat er dabei noch gar nicht gespielt. „Ich brauche Spielpraxis. Umso besser ist es, dass wir gegen den VfL Osnabrück testen“, freut sich Beister auf den Kick am Donnerstag bei dem Drittligisten (Anpfiff 18.30 Uhr).

Beister zählt zu den Spielern, die sich mit dem Trainerwechsel auch neue Chancen ausrechnen dürfen. Und Beister gibt Gas. Im Training auf dem Platz – nicht verbal. „Es geht hier um ganz viel“, weiß er, „nur nicht um einzelne Personen. Von daher hasse ich auch dieses Trainervergleichen. Wir müssen jetzt die neue Situation annehmen und zusehen, dass wir uns schnell fangen. Uns bleiben gerade mal acht Wochen – und es gibt auch keinen Weg mehr zurück. Wir müssen. Wir müssen jetzt einfach liefern. Einzelne zählen nichts mehr – es zählt nur noch der HSV.“

Dass dieser sich mit Knäbel sportlich ein wenig umorientieren wird, scheint klar. Knäbel ist ersten Trainingseindrücken zufolge kein Freund des zu defensiven Spiels. Er versucht, der Mannschaft in den wenigen Einheiten bisher zu zeigen, wie sauber hinten raus gespielt wird. Beister: „Er versucht uns klarzumachen, dass man Fußball nicht verkomplizieren darf. Er zeigt uns, dass Fußball auch ganz einfach geht.“ Knäbel lässt deutlich mutiger nach vorn spielen – zumindest in den Übungseinheiten. Sehr zur Freude von Offensivspieler Beister. „Natürlich freut das einen Offensivspieler wie mich, zumal ich mich an die letzte Saison erinnere und weiß, dass wir in der Offensive unsere Qualität haben. Wir haben da schon viele Tor gemacht – nur leider auch zu viele gefangen. Der Trainer versicht uns dieses Selbstvertrauen zu vermitteln, vorne wieder mutiger zu werden. Mutig abzuschließen, mal eins gegen eins zu gehen und den Ball mit aller Macht in die Box zu spielen, damit er dort verwertet werden kann. Und wir merken: all das steckt noch in uns.“

Kritik an Zinnbauer lässt Beister nicht gelten. Auch, wenn sich seine Aussagen in geschriebener Form vielleicht so interpretieren lassen könnten. Beister hat vielmehr Verständnis dafür, unter Zinnbauer zuletzt nicht so oft berücksichtigt worden zu sein. „Ich wollte und will immer von Beginn an spielen – klar. Aber mir war und ist klar, dass die Zeit nicht geeignet ist für Experimente. Ich werde einfach weiter versuchen, dem Trainer zu zeigen, dass ich der Mannschaft helfen kann. Und wenn er mich braucht, bin ich da.“ Das gelte für Knäbel jetzt wie zuvor auch für Zinnbauer gleichermaßen.

Und wenn alles glatt läuft, kann Beister bald einem weiteren Fachmann sein Können präsentieren: Peter Hermann. Der 63-Jährige soll vorerst bis Saisonende Knäbels Cotrainer werden. 2013 hatte Hermann als Vertrauter von Jupp Heynckes das Triple mit Bayern München gewonnen und zuletzt noch bis zur Entlassung von Jens Keller bei Schalke 04 gearbeitet. Dort wurde Hermann, der auch viele Jahre bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stand, im Oktober beurlaubt. Ein Assistent mit viel Erfahrung für Knäbel – und ganz sicher nicht die schlechteste Lösung. Das bestätigte mir heute Dennis Aogo, der Hermann auf Schalke noch kennenlernen durfte – wie er voll des Lobes sagt.

Wird er der neue Assistent von Peter Knäbel? Der ehemalige Schalker Peter Hermann

Wird er der neue Assistent von Peter Knäbel? Der ehemalige Schalker Peter Hermann

Als ich ihm vom Plan des HSV erzählte, war er völlig baff. „Das wäre der Hammer, das wäre ja richtig geil“, so Aogo, der noch immer mit seinem HSV mitleidet und seinen Ex-Kollegen tatsächlich nur das Beste wünscht. „Peter ist einer der absolut besten, die ich kenne“, so Aogo. „Ich habe ihn zwar leider nur kurz erleben dürfen, aber das hat mich begeistert. Gerade für junge Spieler ist er perfekt. Er hat schon so viel Qualität gesehen, gefördert und mitentwickelt. Der Typ weiß echt einfach alles. Der kennt jeden Spieler, jedes Ergebnis und kann unglaublich gut coachen. Wenn ein junger Spieler mal Extraeinheiten machen will – Hermann ist dabei, trainiert ihn. Wer besser werden will ist bei ihm genau richtig. Im Training zum Beispiel gibt es bei Passübungen nicht einen Ball, den er nicht kommentiert. Immer nach vorn gerichtet und absolut perfektionistisch.“ Eine gute Ergänzung zu Knäbel? Aogo: „Das weiß ich nicht, ich kenne Herrn Knäbel nicht. Aber ich weiß, dass er sich mit Hermann einen absoluten Perfektionisten dazuholen würde.“

Klingt doch mal richtig gut, oder?

Fakt ist indes, dass noch nichts fix ist. Das Vorhaben, Hermann an den HSV zu binden, ist dennoch klar. Auch, dass der Vertrag vorerst bis Saisonende laufen soll. Denn im Sommer soll ein erneuter Schnitt folgen und der HSV will sich diesen Weg noch nicht verbauen. Auch nicht von Spielerseite. „Ich hätte nie gedacht, dass der HSV nach den Zukäufen, die ich sportlich und vom Charakter her top fand, so Probleme bekommen würde“, wundert sich Aogo, der den Wunsch der Verantwortlichen gut verstehen kann, im Verein alles depressive auszusortieren. „Vielleicht muss das jetzt mal passieren, um wieder an frühere Zeiten anzuknüpfen“, so der Ex-HSVer Aogo, der am Sonnabend beim Abschiedsspiel von Jarolim in Hamburg mitspielen wird. „Ich freue mich tierisch, mal wieder bei meinen alten Freunden sein zu können.“

Weniger erfreulich dürften die Gespräche der HSV-Profis werden. Dietmar Beiersdorfer wird in den nächsten Tagen die Spieler zu sich ins Büro rufen, deren Verträge auslaufen. Dass Slobodan Rajkovic (fehlte heute mit Infekt), Gojko Kacar, Ivo Ilicevic (wieder im Training), Marcell Jansen oder Rafael van der Vaart einen neuen vertrag erhalten, erscheint extrem unwahrscheinlich. Einzig bei Heiko Westermann ist sich der HSV-Vorstand noch nicht sicher, ob oder ob nicht.

Sicher ist, dass der HSV morgen nicht trainiert, dafür aber am Abend in Osnabrück testet. Ich melde mich im Anschluss an die Partie wieder bei Euch!

Bis dahin,
Scholle

Zinnbauer ist raus – Knäbel übernimmt

22. März 2015

Für Abendblatt-Blogs


***** UPDATE: Der HSV trennt sich per sofort von Trainer Joe Zinnbauer. Peter Knäbel übernimmt bis Saisonende. *****

Ja, das ging jetzt doch schneller als gedacht, aber es musste so kommen, da waren sich alle einig. Ein dickes Kompliment den Mopo-Kollegen, die heute schon meldeten, dass Peter Knäbel Interims-Trainer wird. Der Sportchef als interne Übergangs-Lösung, das kennen wir von Frank Arnesen und Holger Hieronymus. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt – sage aber auch, dass ich sehr, sehr skeptisch bin. Als ich das heute von der Mopo erfuhr, habe ich sofort an den 1. April gedacht – aber denkste! Für mich ist die gesamte Situation des HSV, die Entwicklung über die letzten Jahre, unfassbar, und dazu zähle ich auch den heutigen Tag. Was mag sich der Fußball-Gott bei solchen Entscheidungen denken?
Dass Peter Knäbel nun übernimmt, das ist für mich ein Zeichen dafür, dass es sich (nur) um die nächsten (und letzten?) acht Bundesliga-Spiele handelt – und danach kommt dann der neue Mann. Es soll sich ja, so die Gerüchteküche, tatsächlich um Thomas Tuchel handeln. Mal abwarten.

So, das war ein kurzes Zwischenspiel, hier geht es nun weiter mit jenem Beitrag, den ich vorhin schon veröffentlicht hatte.
Gute Nacht!

„Jetzt müssen wir am Freitag gegen Hertha BSC gewinnen, das ist sehr wichtig. Wir müssen zeigen, dass wir eine Mannschaft sind.“ Gesagt hat es Dennis Diekmeier nach dem 0:3 gegen Hoffenheim, aber es dieses Zitat könnte von jedem HSV-Spieler und von jedem Offiziellen stammen.

 

So begann ich am vergangenen Sonntag. Diesmal ist das nächste Spiel, es geht immerhin in Leverkusen gegen die Werks-Elf, nicht so wichtig, als dass man drüber sprechen müsste, aber Dennis Diekmeier hat immerhin wieder nach der 0:1-Niederlage gegen Hertha BSC etwas gesagt. Und zwar dies hier: „Wir müssen weiter hart arbeiten.“
Wobei ich Dennis Diekmeier gar nicht verdammen will, und zwar überhaupt nicht, denn er stellt sich den Medien (da gibt es auch gewisse Verträge, weil die Medien ja einiges an Geld dafür geben), während andere K

 

ollegen schweigend in die Kabine schleichen. In den letzten Jahren aber ist es, das nur am Rande, in Hamburg in Mode gekommen, dass jene Spieler, die den Mut haben, sich auch bei Misserfolgen zu stellen, abgewatscht werden und total in Ungnade fallen – es gibt ja so viele Beispiele (Trochowski, Aogo, Westermann). Ich hoffe sehr, dass das mit Diekmeier nun nicht passieren wird, aber meine Hand würde ich dafür nicht ins Feuer legen.

 

 

Dass nun weiter hart gearbeitet werden muss, mag einige überraschen, aber es ist wohl die einzige Phrase, die nun gerade noch passt. Was soll denn jetzt überhaupt noch gemacht werden? Und was soll erst recht gesagt werden? Hart arbeiten – natürlich, aber hart wird nach Aussagen aller HSV-Profis in den, sagen wir mal, letzten 25 Jahren schon immer. Ganz, ganz hart. Ehrlich. Ist es wirklich mit „hart arbeiten“ getan?

 

Ganz offen gesagt: Ich kann dieses „hart arbeiten“ schon lange, lange nicht mehr hören, es geht mir schon seit Jahren total auf den Geist. Hart arbeiten ist in meinen Augen etwas ganz, ganz anderes. Und in Sachen HSV würde mir bei „hart arbeiten“ vorschweben, dass nicht nur einmal am Tag 90 Minuten abgerissen werden – unter dem Deckmantel „Training“. Bei „hart arbeiten“ wären die Herren Profis jeden Tag auf dem Acker, rund um die Uhr. Nicht nur, um zu rennen, sondern auch deshalb, um vor allem mit dem Ball besser klarzukommen. Und um Dinge wie zum Beispiel Standards zu üben. Aber darauf komme ich gleich noch.

 

„Wir müssen gegen Berlin nicht nur gewinnen, wir werden auch gewinnen.“

Hatte Trainer Joe Zinnbauer vorher versprochen. Weil er seiner Mannschaft offenbar vertraute. Zu sehr vertraute. Nach der Heimpleite sagte der Coach dann etwas geläutert: „Ich glaube nicht, dass die Qualität fehlt.“ Was aber fehlt denn tatsächlich? Wenn nicht die Qualität der Spieler? Liegt es dann nicht doch am Trainer? Oder woran krankt dieser HSV?

 

Sportchef Peter Knäbel erklärte zu diesem Thema: „Es ist nicht so, dass wir jetzt nur über den Trainer richten. Wir werden mit ihm darüber sprechen, was zu tun ist.“ Und weiter: „Ich mag keine Leute, die irgendwelche Treueschwüre machen, und an Tag eins zaubern sie plötzlich jemanden aus dem Hut. Es kann nicht sein, dass man nicht weiß, was man tun würde, wenn man in eine andere Richtung geht.“ Laut Knäbel aber soll es ja einen Plan B geben – der nun (demnächst, morgen oder heute?) greifen könnte.

 

An diesem Sonntag haben sich die Verantwortlichen getroffen, um zu analysieren. Und am Nachmittag sollte Joe Zinnbauer dazu kommen. Um aus erster Hand von seiner Entlassung zu erfahren? Ich glaube ja, dass es genau so kommen wird, aber ich bin nicht davon überzeugt, dass es der richtige Schritt für den HSV ist. Auf der einen Seite wäre es der kleine Strohhalm, an den man sich jetzt noch klammern könnte, denn neue Spieler gibt es nicht mehr. Auf der anderen Seite aber glaube ich fest, dass diese Mannschaft auch von Mourinho, Guardiola und Wenger gemeinsam trainiert werden könnte, ohne dass sich eine Besserung einstellen würde. Ohne dass sich nur ein Hauch von einer kleinsten Besserung einstellen würde! Diese Mannschaft ist so schlecht, wie sie steht.

 

Weil es fußballerisch nicht passt. Zinnbauer, das wird überall hervorgehoben, hat diese Truppe endlich mal zum Laufen gekriegt, das ist sein Verdienst. Fußballspielen aber hat der HSV unter ihm leider nicht auch noch gelernt. Tore schießen erst recht nicht. Aber der gute Joe kann eben nicht zaubern. Dazu hätte er noch kurz einen Crash-Kurs bei Kalanag belegen müssen. Wer von Euch gestern die Erstliga-Spiele gesehen hat, der wird festgestellt haben, wenn er noch HSV gegen Hertha im Gedächtnis gehabt hat, dass keine andere Mannschaft einen so finsteren Fußball spielt, wie der HSV. Vielleicht noch Paderborn – aber es werden ja auch zwei Absteiger gesucht, der HSV kann ja nicht gleich beide Abstiegsplätze belegen. Was die Konkurrenz ja vor allem hat: Stürmer. Jungs, die Tore schießen wollen und es auch können.

Nein, meine Damen und Herren, ich habe den Glauben an diese HSV-Truppe total verloren, total. Da müsste nicht nur ein Wunder geschehen, sondern gleich mehrere, um diesen Club wieder einmal vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit zu bewahren – aber gleich mehrere Wunder auf einem Haufen? Das gibt es selbst beim HSV nicht. 15, in Buchstaben fünfzehn (!), von nunmehr 26 Spielen ohne eigenen Torerfolg? Das ist einfach nur erschütternd und entlarvend.
Gut an dieser fatalen Situation ist nur, dass man sich als HSV-Fans beizeiten ganz gelassen mit dem Thema Abstieg befassen kann, man kann es allmählich mal sacken lassen – und sich von Tag zu Tag – mal mehr, mal weniger – daran gewöhnen.
Zur Erinnerung: Das nächste Spiel steigt in 13 Tagen in Leverkusen, danach kommt der VfL Wolfsburg, dann geht es nach Bremen. Noch Fragen?

 

Als das 0:1-Spiel am Freitag vorbei war, da pfiffen die (meisten) Fans nicht einmal mehr. Es herrschte fast überall betretendes Schweigen. Die Enttäuschung war riesig. Und es war an jeder Ecke des Volkspark Resignation zu spüren. Wie schon in der Woche vorher. „Gewinnt der HSV nicht gegen Hertha, dann steigt er ab.“ Das war so oft wie noch nie zuvor zu hören. Selbst ein Punkt hätte den meisten HSV-Fans nicht gereicht – es wurde gar keiner. Und es mehren sich die Stimmen, die sagen: „Ich habe keine Lust und keine Kraft mehr, mich um diesen schwachen HSV zu sorgen. Das geht schon zu lange, seit Jahren, das ist für mich beherrschende Thema – dann steigt er eben mal ab. Dann ist es eben so, sie haben es wohl auch nicht anders verdient, weil sie auf allen Ebenen zu schwach besetzt sind. Und Ende.“

 

53 640 Zuschauer waren am Freitag wieder dabei. Sensationell! Okay, es war ein „Endspiel“, es ging um sehr viel, aber es ist dennoch immer wieder erstaunlich, dass bei dieser Art Fußball so viele Leute immer und immer wieder kommen und sich das antun. Wobei in Halbzeit eins vom HSV ja auch guter Fußball, okay, okay, ich korrigiere ein wenig auf ganz ansehnlicher Fußball, geboten worden ist. Zur Pause sprach ich mit einigen „Ehemaligen“ des HSV, die da alle noch total optimistisch waren, und auch „Dittsche“ (Olli Dittrich) soll ja zur Pause bei „Sky“ von einem HSV-Sieg überzeugt gewesen sein, denn er soll gesagt haben: „Der HSV gewinnt noch 4:0.“ Nachher traf ich den ehemaligen HSV-Torwart Horst Schnoor (Meisterkeeper von 1960), und der sagte mir total konsterniert (und wohl auch mit dem Schlimmsten rechnend) : „Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass wir dieses Spiel verlieren, weil Hertha in der ersten Halbzeit doch so schwach war . . .“ Das habe ich voll und ganz unterstrichen. Aber die Realität sah leider etwas anders aus.

 

„Die Gelb-Rote Karte war vielleicht wieder ein Knackpunkt – wie schon in der letzten Woche gegen Hoffenheim“, sagte Dennis Diekmeier. Aber es gab sie eben mal wieder – zur Unzeit (81. Minute beim Stande von 0:0) Und: Es war auch diesmal so, dass sie berechtigt war. Das war kein Pech, das war auch nicht hart, das war einfach Foulspiel. Was hat die Hand von Cleber im Gesicht von Lustenberger zu suchen? Nichts. Und das muss mal als Spieler auch endlich einmal begreifen – oder auch nur wissen. Erst hat der HSV eine riesige Anzahl von verletzten Stammspielern zu verkraften, kommt jetzt die Flut der Platzverweise? Es wäre fatal, aber dann gäbe es hinterher immerhin eine weitere Erklärung für den Misserfolg . . .

 

An diesem Morgen hatten sie ja im Doppelpass bei Sport1 (mit „Scholle“) auch das Thema, dass in Hamburg alle Spieler stets schlechter werden. Ist ja alt, das Ding. Uralt sogar. Und es stimmt ja auch. Hier in Hamburg ticken die Uhren eben ein wenig anders. Hier ist Leben, viel Abwechslung. Da geht man eben mal zur Premiere des „Queen-Musicals“, oder in diese oder jene Bar. Und wenn das nicht reicht, dann herrscht natürlich auch in der Umgebung einiges an Leben. Wie gestern am späten Abend in Rostock: Boxen mit Brähmer gegen Krasniqi. Saß da nicht auch ein verletzter HSV-Profi am Rande des Rings? Mir war so. Aber gut, ist ja Freizeit. Da kann man ja machen was willst du. Und man kann ja nicht 24 Stunden am Tag nur seine Verletzung pflegen und pflegen lassen, und auch nicht immer nur an den HSV und dessen Abstiegssorgen denken.

 

Aber ich will ja auch nicht abschweifen. Hier werden, die asbach-uralte Behauptung, die Spieler stets schlechter, dabei war ich stehengeblieben. Mir fällt bei diesem Thema der eine oder andere Name ein, muss ich gestehen, aber einer immer wieder etewas mehr: Jeffrey Bruma. Der konnte es hier, aus London kommend, nicht so, dass er Stammspieler wurde. Saß oft draußen, fiel nicht groß auf. Und irgendwie schien man an der Elbe froh zu sein, dass Bruma endlich weg war. Alles Käse, bloß zurück nach Holland. Und dann wird er dort (wieder) A-Nationalspieler. Nun kann man ja sagen: „Okay, der Bruma wird in eine zweitklassige Nationalmannschaft wie die Niederlande berufen, aber wer ist schon die Niederlande? Deutschland ist Weltmeister!“ Es wird sicherlich auch solche Leute geben, aber den Kern treffen die damit nicht unbedingt. Denn auch Bruma war ein Spieler, der eigentlich eine gute Veranlagung hatte, nur wurde die hier nicht genügend gefördert. Vielleicht wurde sein Talent auch gar nicht erkannt, es wurde sich aber auch nicht besonders darum bemüht. In Hamburg hat man als Profi zu funktionieren, ansonsten bist du hier verraten und (wirst) verkauft. Gelegentlich auch nur gekauft, um dann verschenkt zu werden. Auch diese Art von Luxus existiert ja im Volkspark.

Aber gut, so ist es nun einmal. Wir haben uns immer wieder und schon seit Jahren versucht daran zu gewöhnen. Zum Beispiel das Tor am Freitag. Es offenbarte gleich zwei riesige Mängel des HSV. Erstens war es eine der wenigen Standardsituationen für die Hertha, die zu diesem Treffer führte, und die wurde mal eben mustergültig vor das HSV-Tor geschlagen. Und dort standen die HSV-Spieler etwas unsortiert in der Gegend herum, sodass ausgerechnet der ehemalige HSV-Spieler Sebastian Langkamp (erinnert Ihr noch?) einköpfen durfte. Erstens: Langkamp war mal hier, konnte sich nie durchsetzen, ist aber in Berlin (fast immer) gesetzt. Und zweitens die Standards. Da kräuseln sich bei mir die Nackenhaare, und mein Hals wird langsam wieder dicker. Man oh man! Der HSV hat eine Vielzahl von Standards, aber nicht einen Spieler mit einem solchen Schuss, dass der Ball auch bis in die Gefahrenzone hineinschlagen kann. Die meisten Bälle verhungern auf halber Strecke und fliegen genau – und fast wie abgesprochen – auf den Kopf des ersten Gegenspielers. Garantiert. Darauf kann man wetten! Es ist unfassbar, wie dilettantisch da gearbeitet wird.
Und dann denke ich daran, wie die vielen Trainer im Training (oder vorher) Tausende von Hütchen aufstellen, damit sich die Spieler daran orientieren können, wenn sie laufen – mit und ohne Ball. Wie schön aber wäre es, wenn sie täglich mal Tausende von Standards üben würden, um den Ball wenigstens einmal gefährlich vor das Tor des Gegners bugsieren zu können! Einmal würde ja schon reichen. Man erinnere sich nur mal, dass bei jedem Freistoß vor dem Tor des Gegners alle kopfballstarken HSV-Abwehrspieler 60 Meter und mehr nach vorne laufen, in der Hoffnung, ein Tor köpfen zu können. Und dann köpft doch wieder nur der kleinste Spieler des Gegners, weil er ganz vorne steht. 120 Meter umsonst und ganz vergeblich gelaufen – das kostet Kraft.

 

Ja, das wäre eine meiner ersten Maßnahmen, die ich beim HSV treffen würde: Jeden Tag von morgens bis abends auf dem Acker (mit Pausen natürlich), und dann üben, üben, üben. Und nochmals üben. Und nochmals üben. Auch wenn einige Herren nicht glauben, dass sie so etwas nötig hätten. Aber sie sollten eben nicht immer nur labern, dass das nächste Spiel so wichtig ist, und dass es auf jeden Fall in auch in jedem Fall gewonnen wird.
Besondere Situation erfordern nun einmal besondere Maßnahmen, aber davon, meine Damen und Herren, davon haben die Damen und Herren in Hamburg, die das Sagen hier haben, noch nie etwas gehört. Und wenn doch, dann haben sie es alle nur geflissentlich ignoriert. Nur nicht zu viel ändern. Und schon gar nicht die Herren Profis verärgern. Die müssen hier schön und nach allen Regeln der Kunst „gepampert“ werden. Ganz brav und immer und immer wieder werden die Herren in Watte gepackt. Das nenne ich eben „hart arbeiten“. Weiterhin „hart arbeiten“ . . . Bis Leverkusen. Und danach das Spiel, das ist dann wieder ganz besonders wichtig.

 

So läuft es hier aber schon immer. Von ganz, ganz kleinen Ausnahmen mal abgesehen. Aber die sind auch nicht erwähnenswert. So ist es nicht nur bei Joe Zinnbauer, der leider in Sachen Programm und Anforderungen (vom Trainingslager in Dubai vielleicht mal abgesehen) nichts anderes gemacht hat, als alle seine Vorgänger. Und wenn ich gerade mal bei Vorgänger bin. Sind Euch nicht auch die Tränen gekommen, als Mirko Slomka im NDR-„Sportclub live“ davon sprach, dass er im Herbst bei dem Rausschmiss von Sportchef Oliver Kreuzer eigentlich hätte mit zurücktreten müssen? Er hätte zurücktreten müssen, der gute Herr Slomka? Hätte? Er hätte es wahrscheinlich auch fast gemacht. Aber dann schwebte ihm da doch dieses nette Wort von „Abfindung“ vor Augen. Rücktritt und Abfindung? Das passt aber irgendwie nicht so ganz. Deswegen dann doch besser keinen Rücktritt. Eher eine Klage einreichen, damit es auch genügend Abfindung gibt.
So wurde es ja auch gemacht. Aber ein halbes Jahr danach ist es eben doch besser, von einem eventuellen Rücktritt zu reden, denn dann denkt keiner mehr über Klage und Abfindung nach. Super, super – und so fair. Und so anständig. Nein, meine Damen und Herren, der Profi-Fußball hat schon was. Das ist ein besonders tolles und gut gehendes Geschäft.

 

Bei der Gelegenheit möchte ich mich für die viele Resonanz, die wir bekommen, die ich bekomme, bedanken. Wenn die Herren „dort oben“ und auf dem Rasen wüssten, wie sehr Ihr Euch sorgt, sie würden bessere Freistöße schießen, und sie würden auch das eine oder andere Tor markieren, da bin ich mir sicher. Leider wissen sie es nicht. Ich aber möchte Euch auch sagen, dass ich unheimlich viele Mails, sms und anrufe bekomme, privat, aber ich kann nicht alles beantworten, schon gar nicht überall zurückrufen – ich bitte um Euer Verständnis. Andernfalls müsste der Tag 30 Stunden und mehr haben. Und was nicht alles bei mir anruft? Leute, die dem HSV die nächsten Gegner verzaubern können, sie müssten nur mal eben mit einem HSV-Verantwortlichen sprechen. Leute, die den HSV-Spielern Mut und Leben einhauchen würden, wenn sie es nur dürften – ich soll es vermitteln. Und Männer, die einige Spieler auf andere Positionen stellen würden, auf die kein Zinnbauer oder ein andere Coach jemals kommen würde – die aber Erfolge versprechen. Natürlich. Oder die sich in Sachen Ernährung einbringen würden, wenn sie es dürften – ein besonders Müsli würde ganz besondere Kräfte in den Spielern wecken.
All diesen Leuten kann ich nur immer wieder sagen: Ich bin gar nicht in der Lage, mit so etwas beim HSV vorstellig zu werden. Sie würden mich vom Hof jagen, weil sie derzeit ganz andere Sorgen haben. Deswegen mein Rat: Geht zum HSV in den Volkspark und sprecht die Leute direkt an – sie werden sich sicherlich über so viel Hilfe und Sorge freuen.

 

Nebenbei, ganz nebenbei sehe ich zurzeit gerade Mainz gegen Wolfsburg (gerade mit 1:1 beendet). Das sieht nach Fußball aus. Und eben, kurz vor der Pause, kreuzten doch glatt mal vier Mainzer im Wolfsburger Strafraum auf. Auch unfassbar . . .

 

(So, um 20 Uhr habe ich die Mail eines Users, die sich um Thomas Tuchel drehte, wieder herausgenommen – auf ganz besondere Wünsche vieler Matz-abber)

 

PS: Morgen soll im Volkspark zweimal trainiert werden. Vormittags und nachmittags.

 

PSPS: Die Agentur vermeldet, dass Joe Zinnbauer als Chef-Trainer des HSV bereits abgelöst worden ist – und dass er wieder zurück zur U23 gehen wird. Das aber kann ich nicht bestätigen. Noch nicht.

 

Aber da in Sachen der aktuellen HSV-Analyse immer noch keine Entscheidung nach außen gedrungen ist, kann ich nur darauf hinweisen, dass ich mich hier sofort melden würde, falls etwas beim HSV passieren sollte – oder ist. Aber das könnte noch eine etwas längere Nacht-Vorstellung werden. Und nicht vergessen: Es geht jetzt und hier und heute nicht um Zinnbauer, sondern nur um den
HSV!
Dieter
17.19 Uhr

Kein guter Tag für den HSV

19. Dezember 2014

Klaus Michael Kühne will sein 25-Millionen-Darlehen zu den bestehenden Konditionen nicht in Anteile umwandeln. Stattdessen lässt er sich seinen Kredit satt verzinst in den nächsten Jahren zurückzahlen. Eine Grundschuld auf das Stadion hat er bereits. Und obgleich der Wahlschweizer immer wieder betont, er wolle keine Macht beim HSV haben, deutet doch alles daraufhin. Denn klar ist, dass der HSV in den nächsten Jahren ohne Klaus Michael Kühnes Millionen Probleme bekommt, die er aus sich heraus nicht lösen kann. Und Kühne weiß das. Bislang blockte er die Frage, weshalb er dem HSV nicht einfach Geld schenkt, mit der Erklärung ab, dann würden teure Steuern fällig und man müsse einen anderen sinnvollen Weg finden. Wie eben den, über Anteile zu gehen. Und das Ergebnis ist seit heute allseits bekannt.

Wer auch immer jetzt glaubt, die aktuellen Nachrichten würden mir in irgendeiner Weise Genugtuung verschaffen, der irrt. Im Vorfeld der Ausgliederung und später im Sommer noch mal hatte ich das Bild von Kühne für viele Blogger falsch dargestellt und wurde dafür heftig kritisiert.

Sein Verzicht auf Anteile stellt den HSV vor große finanzielle Probleme:

Sein Verzicht auf Anteile stellt den HSV vor große finanzielle Probleme: Klaus Michael Kühne

Inzwischen bewahrheitet sich die Vermutung zunehmend. Schlimmer noch, es ist zu befürchten, dass Kühne den HSV wie im Sommer beim Lasogga-Transfer (Kühne zögerte lange und sicherte erst seine Unterstützung zu, als Calhanoglu schon verkauft und der HSV Lasogga selbst finanziert hatte) steuern will – und letztlich auch steuern kann. Dafür verzichtet man auch mal schnell auf eine traditionsreiche, immerhin 75 Jahre (!!) andauernde Partnerschaft mit Holsten für einen Vertrag mit Königs Pilsener – weil es um jeden Cent geht. Bitter.

Was noch immer für Kühne spricht: Er muss das alles nicht machen. Er hätte das Geld auch für andere Zwecke oder auch andere Vereine nutzen können. Viel mehr ist allerdings nicht geblieben von dem einstigen Heilsbringer, der sich letztlich auch im Zusammenhang mit seiner „großen Liebe HSV“ nicht mehr als Gönner sondern ausschließlich als Geschäftsmann entpuppt. Neue Freunde hat er sich damit allemal nicht gemacht.

Nein, ohne spektakuläre Lösung wird der HSV in absehbarer Zeit all seine Bedingungen akzeptieren müssen, wenn er die finanziellen Mittel zum Lizenzerhalt bekommen will. Und dass es ausgerechnet Kühnes Angestellter Karl Gernandt und Kühne-Liebling Joachim Hilke sind, die federführend einen Ausweg aus dieser Situation finden sollen, macht die Sache nicht leichter. Im Gegenteil. Zumal in Sachen Investoren von den vollmundigen Ankündigungen Gernandts („Wir stehen in sehr aussichtsreichen Gesprächen“) noch nichts umgesetzt werden konnte. Weniger sogar: Inzwischen muss man sogar das „sehr aussichtsreich“ aus Gernandts Formulierung streichen.

Aus dem Kader gestrichen wurde heute Tolgay Arslan. Es dürfte der letzte Sargnagel für die Zukunft des Deutsch-Türken beim HSV sein. Arslan selbst hatte zuletzt angedeutet, unzufrieden zu sein und eventuell schon im Winter wechseln zu wollen. Daraufhin hatte der HSV in Person Peter Knäbels seine Gesprächsbereitschaft signalisiert. Und Zinnbauer plant offenbar schon ohne ihn. Für den verletzten Pierre Michel Lasogga, den gelbgesperrten van der Vaart und den aussortierten Arslan rücken Julian Green, Slobodan Rajkovic und Ashton Götz in den Kader. Und Letztgenannter spielte heute im Abschlussspiel gleich im A-Team. Erst in der Halbzeit wechselte Zinnbauer dann ihn und auf links Ronny Marcos gegen Dennis Diekmeier und Matthias Ostrzolek aus. Welche Formation er bevorzugt? Zinnbauer weiß es joch nicht. Sagt er zumindest. „Ich wollte mal was ausprobieren, habe deshalb die Positionen umbesetzt“, so der HSV-Trainer nach dem Abschlusstraining, „aber wirklich schlauer gemacht hat mich diese Einheit nicht.“

Mich auch nicht. Im Gegenteil: Ich bin ob der heute dargebotenen Leistung zunächst sprachlos gewesen. Spielerisch ging gar nichts. Tore wurden nicht erzielt und eine Reaktion auf den schlimmen Auftritt gegen Stuttgart war das am allerwenigsten. Es glich eher einer Fortsetzung der spielerisch „hässlichen Fratze“ (O-Ton Knäbel) vom Dienstag. Auf dem rutschigen, regendurchtränkten Geläuf konnte weder die A- noch die B-Elf auch nur einen einzigen Angriff sauber vortragen. Fehlpässe und zögerliche Abschlüsse hatten Hochkonjunktur – einfach bitter. Würde man beim HSV – was schon lange nicht mehr geht – vom Training auf die Leistung morgen schließen können, man müsste ein Debakel befürchten. Sicher ist auf jeden Fall, dass der HSV seine Minusleistung aus der Vorjahres-Hinrunde auch sportlich einstellt, wenn auf Schalke nicht gepunktet wird.

Geht es nach dem Abschlusstraining, scheint für morgen folgende Elf vorgesehen zu sein: Drobny – Diekmeier (Götz), Djourou, Cléber, Ostrzolek (Marcos) – Behrami, Jiracek – Gouaida, Müller, Holtby – Rudnevs.

Mein geschätzter Kollege Andreas Hardt hatte derweil ein längeres Interview mit dem Schalker und Ex-HSVer Dennis Aogo geführt, das so in Gänze im Blatt (durch die Holsten-Geschichte) leider keinen Platz hat. Daher hier das ganze Gespräch:

Dennis, wie geht’s Dir jetzt, wie ist das Comeback nach der Verletzung bislang zu bewerten?

Sehr gut. Ich konnte die Vorbereitung ganz gut mitmachen, es gab dann noch eine kleine Muskelverletzung, aber das war kein Problem. Ich habe ab dem 3. Spieltag alles durchgespielt. Dass man nach so einer schweren Verletzung nicht sofort wieder absolutes Top-Niveau erreichen kann ist klar, aber jetzt bin ich wirklich ganz froh und auf einem guten Weg.

Wie erging es dir mit dem Kreuzbandriss?

Das war natürlich eine sehr harte Zeit. Ich musste acht Monate pausieren. Das ist verdammt lang. Vor allem, weil ich die Reha ja bei Schalke auf dem Vereinsgelände gemacht habe. Da sieht man die anderen Jungs jeden Tag und kann selber nicht spielen. Aber ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch. So richtig traurig war ich nur an dem Tag, als es passiert ist. Danach habe ich schon wieder nach vorne geschaut und hatte das Ziel, auf jeden Fall zurückzukommen.

Du warst damals vom HSV nur ausgeliehen. Hattest Du irgendwann das Gefühl, dass Dein Wechsel platzen könnte?

Klar, war da kurz ein Gedanke, dass es jetzt schwierig wird. Aber ich muss Schalke und Horst Held ein Kompliment machen. Sie waren sehr zufrieden mit meinen Spielen vorher und haben schnell entschieden, dass sie mich trotz der Verletzung verpflichten wollen. Ich bin Schalke sehr dankbar dafür. Im Nachhinein ist der Wechsel das Beste, was mir passieren konnte. Über die nicht ganz glücklichen Umstände ist ja viel berichtet worden damals. Jetzt habe ich mich sportlich verbessert und habe die Möglichkeit, Champions League zu spielen.

Hoffst Du noch auf die Nationalmannschaft?

Trifft mit Schalke auf seinen Ex-Klub: Ex-HSV-Verteidiger Dennis Aogo

Trifft mit Schalke auf seinen Ex-Klub: Ex-HSV-Verteidiger Dennis Aogo

Da verschwende ich keinen Gedanken mehr dran. Ich hatte auch nach der Verletzung noch keinen Kontakt zum Bundestrainer. Joachim Löw hat für die Position jetzt ein paar junge nachgezogen, die in zwei Jahren bei der EM im richtigen Alter sind. Ich dagegen werde bald 28. Das heißt aber nicht, dass ich nicht trotzdem immer Vollgas geben werde.

Wie ist Dein Verhältnis zum HSV und zu Hamburg?

Ich wäre ein Heuchler, wenn ich sagen würde, der HSV würde mich nicht mehr interessieren. Ich hatte in Hamburg einfach eine sehr schöne Zeit. Ich war fünf Jahre da und es war meine erste Station bei einem ganz großen Club. Ich verfolge das Geschehen aus der Ferne auch noch und lese die Hamburger Zeitungen. Ich habe auch noch meine Wohnung in Hamburg und bin der Stadt sehr verbunden. Ich komme auch regelmäßig zu Besuch um Freunde zu treffen.

Besteht noch Kontakt in die Mannschaft?

Da gibt es nicht mehr so viel. Ab und an schicke ich noch ein paar SMS mit Tolgay (Arslan) und Jaroslav Drobny. Aber sonst ist das über die Zeit weniger geworden. Obwohl noch einige Spieler da sind, mit denen ich gespielt habe. Und Didi (Beiersdorfer) ist ja auch zurückgekommen, dem ich viel zu verdanken habe.

Du sagtest, Du verfolgst den HSV weiterhin. Worin siehst Du die anhaltende Krise begründet?

Das ist für mich aus der Ferne schwer zu sagen, dafür müsste ich mehr drinstecken. Ich glaube, dass Didi eine sehr gute Mannschaft zusammengestellt hat. Als ich noch da war, ging es ja auch schon los, dass die Ergebnisse nicht so waren, wie sie hätten sein sollen. Damals waren vielleicht noch ein paar ältere Spieler dabei, von denen man sagte, sie seien über den Zenit. Aber jetzt sind ja mehr junge und frische im Kader. Warum es trotzdem nicht läuft – keine Ahnung.

Wie ist es auf Schalke mit dem Druck von Fans und Medien?

Da nehmen sich Schalke und Hamburg absolut gar nichts. Die Medien und die Fans sind auf Schalke ebenso kritisch. Und dass, obwohl es bei uns insgesamt ja sogar erfolgreich läuft. Trotzdem steht man hier auch ständig unter einem hohen Erwartungsdruck.

Was erwartest Du für ein Spiel gegen Deinen Exklub?

Na ja, es ist das letzte Heimspiel des Jahres, da wollen wir natürlich unbedingt die Punkte holen und die Hinrunde trotz aller Probleme gut abschließen. Der HSV braucht seinerseits auch alle Punkte, das Spiel ist deshalb sehr gefährlich. Wir müssen absolut wach sein. Aber mit der Unterstützung unserer Fans sollte es mit einem Sieg klappen.

Hoffentlich nicht. Auch wenn das heute ganz sicher kein guter Tag war für den HSV, wenigstens ein Punkt sollte es morgen werden, um die Negativberichte etwas einzudämmen und nicht mit einem komplett beschissenen Gefühl in die Winterpause gehen zu müssen. Wir melden uns auf jeden Fall morgen nach dem Spiel wieder aus dem „Champs“ in Bönningstedt. Diesmal mit unseren Gästen Frank Mackerodt und Jürgen Wähling.

Bis dahin!
Scholle

 

Behrami will spielen – Gouaida für Lasogga?

18. Dezember 2014

Joe Zinnbauer musste lachen. Ob er und Pierre Michel Lasogga Probleme hätten, wurde der HSV-Trainer gefragt. Und diese Frage war zulässig, wenn man allein das nimmt, was zuletzt zu sehen und zu hören war. „Nein“, so Zinnbauers Antwort, „ganz im Gegenteil: Wir haben ein gutes Verhältnis“, so der HSV-Trainer, der am Sonnabend auf Schalke auf seinen Stoßstürmer ebenso verzichten muss wie auf den gelbgesperrten Kapitän Rafael van der Vaart. Die gute Nachricht heute: Valon Behrami will auf Schalke wieder auflaufen können. „Die Signale sind da, dass er spielen kann“, so Zinnbauer. „Und wenn Valon das sagt, dann stimmt das meistens.“ Hoffentlich auch diesmal.

Denn diesmal wird es noch wichtiger sein, als gegen den VfB Stuttgart am Dienstag. Der FC Schalke hat nach dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League mit dem schweren Sieg gegen starke Paderborner (ich habe mir das Spiel im Wechsel mit Frankfurt – Hertha angesehen) viel Selbstvertrauen. Die Mannschaft von Ex-HSVer Dennis Aogo hat Tempo im Spiel nach vorn, kantige, hart spielende und schnelle Defensivleute sowie mit Huntelaar einen Angreifer, der aus nichts Tore macht. „Es wird ganz sicher ein sehr intensives Spiel“, weiß Zinnbauer, der sich von Cotrainer Patrick Rahmen und einem HSV-Analysten Bericht erstatten ließ, „auf jeden Fall wird es ein ganz anderes als gegen Stuttgart. Es wird nicht vergleichbar sein.“

Auch personell nicht. Und voraussichtlich auch Taktisch, da Zinnbauer vom Zweierangriff wieder auf 4-2-3-1 umzustellen scheint. Mit Petr Jiracek oder Tolgay Arslan für van der Vaart und mit – Überraschung? Eigentlich nicht…! – Mohamed Goaida für Pierre Michel Lasogga. „Es kann gut sein, dass ich mit Mo auf der Position spiele“, so Zinnbauer, der auch die Abkehr von zwei Stürmern hin zum Spiel mit einer Spitze und einem so genannten „falschen Neuer“, einer „Neuneinhalb“ in Aussicht stellte. „Alles offen. Aber auch das ist eine Überlegung, das umzustellen.“ Und während Zinnbauer davon spricht, dass die Doppelspitze zuletzt eher Pech hatte, scheint das Projekt für mich gescheitert. so lange und stark ich auch darauf gepocht hatte, dass Zinnbauer es endlich mal mit zwei Spitzen versucht – für mich ist der Versuch zumindest in der Konstellation Lasogga/Rudnevs gescheitert. Die zwei harmonieren nicht. Und Torgefahr entwickeln sie miteinander schon mal gar nicht.

Von daher bin ich gar nicht so traurig, dass Lasogga auf Schalke nicht dabei sein wird. Der formschwache Rechtsfuß ist in einem Spiel, das vermehrt auf Konter ausgelegt sein wird, eh nicht die Optimallösung. Rudnevs hingegen bringt zumindest die nötige Geschwindigkeit mit. Ebenso wie der laufstarke Gouaida, der mir gegen Stuttgart offensiv trotz der überschaubaren Einsatzzeit noch am besten gefallen hat – was allerdings sehr, sehr relativ ist. Dennoch, wenn der Einsatz eines U23-Youngsters in der Bundesliga Sinn macht, dann dieses Mal.

Soll am Sonnabend auf Schalke voraussichtlich hinter Rudnevs die Fäden ziehen: Mohamed Gouaida.

Soll am Sonnabend auf Schalke voraussichtlich hinter Rudnevs die Fäden ziehen: Mohamed Gouaida.

Gouaida ist ein gelernter Stürmer, der zuletzt alles einmal spielen durfte und musste. „Er ist ein gelernter Stürmer, der dann auf der Zehn, später auf der Elf und zuletzt auch auf der Acht gespielt hat. Vielleicht wird es Zeit, dass er eine feste Position bekommt“, sagt Zinnbauer.

Gesetzt war zuletzt Ronny Marcos, der seine Sache defensiv zufriedenstellend erledigt hat und dem ich großen Respekt dafür zolle, dass er auf Anhieb so präsent ist. Dennoch habe ich in den letzten Wochen eher eine fallende denn eine steigende Formkurve ausgemacht. Insbesondere nach vorn kommt von dem pfeilschnellen Youngster wenig bis nichts. Zudem hat Marcos mannschaftsintern die höchste Fehlpassquote. Wie fast die ganze Mannschaft schien mir Marcos wie ein angeschlagener Boxer, den der Runden-Gong gerade noch retten kann. Und ehrlich gesagt hoffe ich für ihn, dass selbiger schon vor dem Spiel auf Schalke ertönt. Und das deutete Zinnbauer heute sogar an: „Ich glaube nicht, dass er sagt, dass er nicht spielen will. Klar ist, dass die Mannschaft jungen Spielern helfen muss. Klar ist aber auch, dass der Spieler seine Leistung abrufen muss. Und wir haben mit Ostrzolek auch einen guten Spieler, der auch in die Mannschaft will. Das sieht man auch im Training. Es kann durchaus sein, dass es auch da mal wieder einen Wechsel gibt. Da ist alles offen. Die Jungs wissen doch auch, dass nach einem verlorenen Spiel wieder die Türen offen sind beim Trainer. Von daher lade ich alle Jungs ein, Gas zu geben und mir zu zeigen, dass sie auf Schalke ein gutes Spiel machen wollen.“

Dass es voraussichtlich wieder kein ansehnliches Spiel des HSV wird, scheint klar. Man müsse z den alten regeln zurückkommen, zu kämpfen und die Bälle zu gewinnen, fordert Zinnbauer erneut großen Einsatz. Und um körperlich bestens präpariert zu sein, wurden zusätzliche Physiotherapeuten zur Arena berufen. Heute gab es eine ordentliche Laufeinheit und Stabilisationstraining für den Stamm, lockeres Balltraining für die Reservisten auf dem Platz. Wieder mit dabei waren Tolgay Arslan, der gegen Schalke im Kader stehen wird und auch Marcell Jansen, bei dem die Ärzte von einem Einsatz noch dringend abraten. „Es ist sehr schade für mich“, sagt Jansen, dem Wechselgedanken für den Winter nachgesagt werden. „Aber noch mal, ob verletzt oder nicht – jetzt zählt nur Schalke. Ganz eindeutig auch für mich. Was danach passiert, kann und will ich jetzt auch noch nicht sagen. Wir werden uns zu gegebener Zeit allesamt hinsetzen und sprechen. Aber bis dahin will ich nicht derjenige sein, der den Fokus vom Wesentlichen abrückt. Zumal ich fest davon überzeigt bin, dass wir auf Schalke was mitnehmen können.“

Das stimmt. Vielleicht ja sogar einen Punkt. Oder drei. Auf jeden Fall aber reagierte Zinnbauer auf die letzte Winterpause und setzte am Sonntag, also am Tag nach dem letzten Hinrundenspiel noch eine Trainingseinheit an. Dass diese letztlich nicht mehr als ein lockeres Auslaufen beinhalten dürfte – egal. Zinnbauer geht es darum, dass sich niemand schon frühzeitig gedanklich gen Urlaub verabschiedet und alle zum Abschluss noch mal in Ruhe zusammenkommen. „Mit einem Sieg im Gepäck würde das natürlich deutlich angrenehmer“, sagt Zinnbauer, „auch für die Stimmung in der wochenlangen Pause.“

Angesichts der Art seiner fünften Gelben musste ich mir zuletzt von vielen sagten lassen „das hat der doch mit Absicht gemacht“. Und wirklich widersprechen konnte ich nach neuerlicher Ansicht des Zustandekommens der Gelben Karte für Rafael van der Vaart nicht. Aber ich habe diesen van der Vaart anders kennengelernt und schätze ihn als Typ. Er hat mit der Valencia-Geschichte einen Fehler gemacht und diesen eingestanden – seither habe ich ihn als ehrlichen, kritischen HSVer erlebt. Ich will dem Niederländer schlichtweg nichts unterstellen und gehe daher weiterhin davon aus, dass er – wie nach dem Spiel – einfach etwas zu stark gereizt war, als dass er sich im Griff haben konnte. Das macht die Sache nicht ungeschehen – aber auch nicht noch schlimmer…

In diesem Sinne! Ich hoffe einfach mal, dass sich alle Spieler – egal wer am Ende in der Startelf steht – noch ein letztes Mal hochfahren und 100 Prozent Einsatz aus sich herauskitzeln können. Aber vor allem hoffe ich darauf, dass der HSV im Winter Spieler abgeben kann und wenigstens ein wenig handeln kann und wird. Denn dass das zwingend nötig ist, hat diese Hinrunde jetzt schon bewiesen.

Bis morgen! Da wird wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Am Sonnabend werden wir wie immer nach dem Spiel aus dem „Champs“ in Burgwedel „Matz ab live“ senden. Gäste diesmal sind der ehemalige Weltklasse-Volleyballer und HSV-Aufsichtsrat Frank Mackerodt sowie Jürgen Wähling, seines Zeichens Ex-Bundesligaspieler und –trainer, der zudem als Scout für den HSV arbeitete.

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